Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

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Gute Arbeit unter Druck!? Psychische Belastungen in der Arbeitswelt ...

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - Stand, Entwicklungen, Handlungsmöglichkeiten

schen Belastungsfaktor „Zeitdruck“ und gesundheitlichen

Beschwerden wurde weiter oben bereits aufgezeigt.

Es liegt bislang lediglich eine Abschätzung darüber vor,

welche Anteile am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen einzelne

Belastungsfaktoren haben (BKK 2002, zitiert in Arbeit &

Ökologiebriefe 4/2002). Danach liegt „Arbeitsschwere /

Lasten heben“ an der Spitze. An zweiter und dritter Stelle

kommen psychische Fehlbeanspruchungen, die aus „geringem

Handlungsspielraum“ bzw. „geringen psychischen

Anforderungen“ (also Unterforderung) resultieren.

Dass hohe psychische Anforderungen bei gleichzeitig geringen

Kontrollmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen eine

gesundheitlich brisante Konstellation bezüglich Herzerkrankungen

bilden, wurde bereits erwähnt. Das Gleiche gilt für

andere gesundheitliche Beschwerden: Es zeigt sich, dass

in dieser Belastungskonstellation mindestens 50 Prozent

mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle auftreten als bei den restlichen

Versicherten. Bei den Arbeitsunfähigkeiten durch Magen-

und Zwölffingerdarmgeschwüre, Rückenerkrankungen,

Erkrankungen der Gelenkumgebung sowie durch Arbeitsunfälle

sind es sogar mehr als doppelt so viele Fälle“ (Friedel/

Orfeld: 2002).

Frühverrentungen durch psychische Belastungen

Einen zusätzlichen Aspekt im Zusammenhang mit psychischen

Belastungen liefern die Statistiken der Rentenversicherungsträger:

Psychische Erkrankungen haben ihren Anteil

an den Frühverrentungen aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit

kontinuierlich gesteigert, sind bei Frauen mit

31,5 Prozent bereits der Hauptgrund für diese Rentenart und

liegen bei Männern mit 19,6 Prozent auf dem zweiten Rang

der Gründe für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben

(Zahlen jeweils für 2000, Quelle: VDR Rentenstatistik

2002).

Dabei gilt für die Rentenstatistik das Gleiche wie für die

Arbeitsunfähigkeitsstatistiken: Einer größeren Bereitschaft,

„psychische Erkrankungen“ zu diagnostizieren, steht die

Eigenschaft psychischer Belastungen gegenüber, auch körperliche

Erkrankungen zu verursachen oder zu verschlimmern.

Der Umstand, dass viele Arbeitnehmer „es nicht gesund bis

zur Rente zu schaffen“, sondern frühzeitig aus dem Erwerbsleben

ausscheiden müssen, ist angesichts der demografischen

Entwicklung eine „Zeitbombe“:

Sowohl für die betroffenen Arbeitnehmer, die schon

jetzt erhebliche Abschläge für die Frühverrentung in

Kauf nehmen müssen,

als auch für Unternehmen, die schon in kurzer Zeit

Schwierigkeiten haben werden, qualifizierten Nachwuchs

zu finden

und natürlich für das System der sozialen Sicherung,

welches auch aufgrund dieser Entwicklungen weiter

unter Druck gerät.

Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bis zum Rentenalter

zu erhalten und damit auch deren Qualifikationen und Erfahrungsschatz

länger zu nutzen ist eine Aufgabe, die zur

unabwendbaren Notwendigkeit für Unternehmen wird. Unternehmen

die dieses nicht gewährleisten können, verlieren

ihre Überlebensfähigkeit.

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