Deutsche Version - FISP

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3Schlaf- und Beruhigungsmittel:DIE RISIKENJede zehnte erwachsene Person in der Schweiz nimmt regelmässigMedikamente ein, die süchtig machen können. Nach vorsichtigenSchätzungen sind 60 000 Menschen tablettensüchtig, weitere170 000 sind stark gefährdet, es zu werden. Konsumiert werdenvor allem Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel. Frauen werdendoppelt so häufig tablettensüchtig wie Männer, besonders Frauenin der zweiten Lebenshälfte. Da Tabletten unauffällig geschlucktwerden, fällt Medikamentenmissbrauch in der Gesellschaft nichtauf. Medikamentenabhängige stellen − nach Tabak- und Alkoholabhängigen− die drittgrösste Suchtgruppe dar.Risikofaktoren für eine SuchtIm Leben der meisten Frauen gibt es kritische Situationen, in denender Wunsch nach Unterstützung stark ist. Besonders häufig ist diesbei so genannten Lebensübergängen der Fall: die Geburt oder dasWegziehen der Kinder, der Beginn der Wechseljahre, Migration, eineTrennung, die Pensionierung oder der Tod des Partners sind einigeBeispiele dafür. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder ständigerStress im Alltag können in eine Krise führen − etwa wegen der DoppelbelastungBeruf/Familie oder aufgrund der Verantwortung, die fürbetreuungsbedürftige Angehörige übernommen werden muss.Das Wohlbefinden einer Frau kann aber auch gestört werden durchbelastende Lebenssituationen (z. B. Armut, geringe soziale Anerkennung,Probleme bei der Arbeit, einen unsicheren Aufenthaltsstatus)oder durch unverarbeitete Verluste und weit zurückliegende traumatischeErlebnisse (z. B. das Erfahren sexueller Gewalt in derKindheit). Dies kann sich auf der körperlich-seelischen Ebene durchvielfältige Beschwerden äussern, die unter dem Begriff Befindlichkeitsstörungenzusammengefasst werden n vgl. Kasten 1.Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel bieten sich hier als «schnelleHilfe» an: Sie scheinen das Leben leichter zu machen und wirken wie


5Eine längerfristige Medikamenteneinnahme kann unerwünschteFolgen haben:• gefühlsmässige Abstumpfung• schlechtere Konzentrationsfähigkeit• Niedergeschlagenheit und verminderte Reaktionsfähigkeit.Wird ein regelmässig eingenommenes Medikament abgesetzt, kannes zu Entzugserscheinungen kommen (Zittern, Frieren, Unruhe,Schlafstörungen bis hin zu Sinnestäuschungen, Ängsten und Krampfanfällen).Um dies zu vermeiden, empfiehlt sich in jedem Fall einlangsames Absetzen, indem die Dosis stufenweise reduziert wird.Das Absetzen benzodiazepinhaltiger Medikamente muss immer ärztlichbegleitet werden.Grundsätzlich ist die Medikamentenverschreibung durch die Ärztin/durch den Arzt zu befolgen. Bei Benzodiazepinen sollte allerdingsjegliche Neuverschreibung vermieden werden! Denn nur in akutenKrisensituationen ist die − kurzfristige − Einnahme von benzodiazepinhaltigenSchlaf- und Beruhigungsmitteln nötig und sinnvoll. DieVerschreibung dieser Medikamente sollte jedoch immer verbundensein mit einem ausführlichen Gespräch über die Gefahren von Gewöhnungund Abhängigkeit sowie über Möglichkeiten weiterführenderHilfe.Hilfe zu holen, ist keine SchandeWer nicht mehr weiter weiss, keinen Schlaf mehr finden kann, weilihr/ihm vielleicht alles zu viel geworden ist, versucht sich zusammenzureissenund die anstehenden Probleme mit Willenskraft zu lösen.Wegen einer körperlichen Krankheit schämt sich niemand, ein seelischesProblem dagegen wird von vielen als Schande empfunden.Mit dem Partner oder mit Freundinnen zu reden, kann Entlastungbringen, reicht aber oft nicht aus − es braucht Hilfe von einer ausgebildetenFachperson.


9Kasten 1Symptome, die auf eine Befindlichkeitsstörung, aber auch auf eine Depressionoder eine Angststörung hinweisen können:• Allgemeine Müdigkeit• Kraftlosigkeit• Schlafstörungen• Häufige Kopf- und Rückenschmerzen• Herzklopfen• Niedergeschlagenheit• Schwindel• Verdauungsstörungen• Vielfältige Ängste• Gefühl der Unsicherheit• Innere Gereiztheit• Übertriebene Empfindlichkeit• Aggressivität• Sozialer Rückzug• Ständiges Gefühl der ÜberforderungKasten 2Benzodiazepinesind rezeptpflichtige Medikamente, die zur kurzfristigen Behandlung von Spannungs-,Erregungs- und Angstzuständen sowie bei psychosomatischen Störungenverabreicht werden. Sie wirken angstlösend, beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfendsowie schlaffördernd.Benzodiazepine besitzen ein beträchtliches körperliches wie auch psychischesAbhängigkeitspotenzial. Eine Gewöhnung ist schon nach zwei bis drei Wochenmöglich. Die Abhängigkeit wird jedoch häufig nicht als solche erkannt und dauertüber viele Jahre an.Je nach Dosis und Empfindlichkeit können als unerwünschte Wirkungen Müdigkeit,Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Benommenheitund Schwindelgefühl auftreten.Beim Absetzen von Benzodiazepinen stellen sich je nach Alter, Dosis und vorallem je nach Dauer der Einnahme starke Entzugssymptome ein. Deshalb mussdas Absetzen immer ärztlich begleitet werden.


Zürcher Fachstelle zurPrävention desAlkohol- und Medikamenten-MissbrauchsLangstrasse 229, PostfachCH- 8031 ZürichTelefon 044 271 87 23Fax 044 271 85 74info@zuefam.chwww.zuefam.chIn Zusammenarbeit mit:Finanzielle Unterstützung der Übersetzungen:

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