vorsprung durch Wissen - Hauner Journal

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fehlte zunächst stets, geplant wurde aber trotzdem

und getreu dem Motto, wo ein Wille da ein

Weg, fanden sich immer Spender zu konkreten

Plänen, für deren Umsetzung dann auch der Klinikbetreiber

sich bemüßigt fühlte sein Scherflein

beizutragen. Der alte Hauner hätte sicher seine

Freude gehabt.

Konkret ging es im Jahr 2000 los mit der

Verlegung der Direktion der Kinderklinik in

einen Gebäudeteil der ehemaligen 2. Frauenklinik

Lindwurmstr. 2a. Das passte gut, da ein

Stockwerk tiefer schon seit 1985 die Direktion

der Kinderchirurgischen Klinik lag; da gibt es

fortan keine Ausreden mehr von wegen langer

Dienstweg, denn die Herren (bisher zumindest)

sitzen seitdem Fuß zu Kopf bzw. umgekehrt.

Einen Stock darüber fand dann auch die Pflegedienstleitung

ihr neues zu Hause. Damit war

der Weg frei für die Sanierung und Erweiterung

der Station Intern 4, die 2001 beendet werden

konnte. Zur gleichen Zeit wurde der Hörsaal mit

Foyer, die pädiatrische Ambulanz und das Gartenhaus

renoviert. Ein erster Schritt war getan

und die ersten Erfahrungen über Sanierungen

bei laufendem Klinikbetrieb wurden gesammelt.

Da war es dann den Bausitzungen zu verdanken,

dass alle Beteiligte lernten, dass 1. Bauen Lärm

macht, 2. Bauen Dreck macht und 3. Kranke

weder Lärm noch Dreck mögen. Es war schwierig

dies immer zu bedenken, aber mit der Zeit

lernten doch alle sich in die Nöte der jeweilig

anderen einzudenken.

2001 war das Jahr der Eingangshalle, die als

erster Eindruck der Klinik repräsentativ und

praktisch zu sein hat. Eine luftige Stahl-Glaskonstruktion

sollte es sein, wellenförmig und offen

zum Innenhof. Das war wohl recht schwierig,

denn die erste Baufirma gab auf und der verspätet

fertig gestellte Bau war zwar schön anzuschauen,

doch leider war er zunächst undicht, im Winter

lausig kalt und die liegend Kranken mussten

ohne Dach dem Wetter ausgeliefert aus dem

Sanka geladen werden. Da hieß es nachbessern

und das zusätzliche Wellendach für die Krankenanfahrt

ließ zwei Jährchen auf sich warten.

Die Eingangshalle hat sich inzwischen bewährt,

ein großes Aquarium (Abbildung 2) beruhigt die

aufgeregten Seelen und frieren muss man auch

nicht mehr.

Der nächste große Wurf kam dann im Jahr

2002 mit dem Baubeginn der Christiane-Herzog-

Ambulanz für Kinder mit zystischer Fibrose. Da

ging es dann in die ehemalige „Keimzelle“ im

ersten Stock des 120 Jahre alten Zenetti Baus.

Das Amt für Denkmalschutz mischte mit, es

fehlten Pläne aus früheren Zeiten und wie immer

war das Geld knapp. Trotz aller Widrigkeiten

war das Unternehmen ein Jahr später beendet

(Abbildung 3) und zeigte erstmalig, wie gut auch

ein altes Gemäuer in heutiger Zeit nutzbar ist.

Die Höhe und Großzügigkeit der Räume sprechen

für sich und von der soliden Bausubstanz

können moderne Häuser aus den 70er Jahren

nur träumen. Im gleichen Zeitraum wurde auch

der neue Labortrakt im Kubus als weiteres räumliches

Standbein des Hauses fertig gestellt. Nun

haben rauchenden Köpfe endlich auf 800m2 in

15 Laboren ein angemessenes zu Hause gefunden

(Abbildung 4) Da die Umbauten stets mit

räumlichen Verschiebungen verbunden waren

und Ausweichflächen fehlten, mussten Container

auf dem Parkplatz aufgestellt werden um während

der Umbauzeiten den temporär heimatlosen

Mitarbeitern Unterschlupf zu gewähren. Dieser

Behelf steht leider immer noch und wird wahrscheinlich

bis auf weiteres bleiben.

Im Jahr 2004 wurde die Röntgenabteilung

erweitert und erhielt das komplette Erdgeschoss

im „Urgebäude“. Dabei konnte auch ein Sündenfall

aus den 80er Jahren korrigiert werden, nämlich

die Wiedereröffnung der alten Wartehalle

mit ihren Granitsäulen (Abbildung 5a und b)

Weiterhin gab es eine neue Pforte, die modern

gestaltet die alte Schalterklappenatmosphäre

ablöste. Ferner wurde in diesem Jahr als weiteres

Großprojekt die Neuerrichtung des HopeCenters

begonnen. Diese Einheit für Knochenmarkstranplantation

sollte im 4. Stock des Gebäudes

Lindwurmstr. 2a errichtet werden, da die alten

Räumlichkeiten neben der Station Intern 3 zu

klein geworden waren. Im Rahmen des Rückbaus,

also der destruktiven Phase, zeigten sich

Bodenrisse, die auf eine akute Einsturzgefahr der

darunter liegenden Decke hinwiesen. Es erfolgte

eine umgehende Räumung der Tageschirurgie

und ein komplizierter Abbruch der Decke. Diese

statischen Unabwägbarkeiten waren auch Anlass

für eine spätere Verstärkung der Decken im

gesamten Gebäudeabschnitt. Leider hat sich hier

erwiesen, dass die Altvorderen auch mal nicht so

gut gebaut haben.

Nachdem die Decke neu gegossen wurde

konnten die Arbeiten fortgesetzt werden und die

neue Station wurde 2005 eingeweiht. Ebenfalls

2004 wurde ein Masterplan für das gesamte Klinikum

vorgestellt, der ein Fortbestehen des Haunerschen

Kinderspitals in der Innenstadt vorsah.

Das schien schlüssig zu den gegenwärtigen Aktivitäten

und man wähnte sich auf dem richtigen

Weg auch im Hinblick auf die zu erwartenden

dicken Brocken wie Op-Bereich und Intensivstationen.

Leider war dieser Plan recht kurzlebig

und es wurde wieder der Umzug nach Großhadern

favorisiert. Nach Fertigstellung der Erweiterung

der Röntgenabteilung 2005 konnten im

gleichen Jahr auch die Kinderchirurgen mit ihren

Forschungslaboren in den Kubus ziehen und sich

dort wissenschaftlich in enger Nachbarschaft mit

den Pädiatern etablieren.

Die nächsten Jahre waren gekennzeichnet

von der Sanierung des 2. und 3. Stocks im Altbau

Lindwurmstr. 4, der auch aus statischen

Gründen hinsichtlich der Decken erneuert werden

musste. Im 2. Stock wurde die neue Station

|

2

Eingangshalle mit Aquarium

3

Eingang zur Christiane-Herzog-

Ambulanz

4

Innenhof des Kubus mit

Forschungslaboren

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