Dürntner - Naehmaschinen-Museum

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Dürntner - Naehmaschinen-Museum

28 Dürntner Nr. 73 April 2013Sowohl Werkzeug als auch StatussymbolAn der Walderstrasse im Grundtal wird ein Nähmaschinenmuseum eröffnet«Die Nähmaschine dient zur mechanischenHerstellung einerNaht.» Diese einfache Feststellungverrät nichts darüber, wie lange esgedauert hat, bis aus einer erstenIdee vor über zweihundert Jahrendie computergesteuerten Alleskönnerwurden, die heute in derTextilindustrie und auch in vielenHaushalten verwendet werden.Doch die Geschichte der Nähmaschineist nicht nur lang, sondernauch überaus faszinierend. Sie erzähltvon frühesten Versuchen umdas Ende des 18. Jahrhunderts,von Erfindern in Frankreich, Englandund Amerika, deren Erkenntnissewohl richtig waren, abernicht zur Herstellung einer wirklichenMaschine führten. Das erstefunktionstüchtige Modell, einesfür Schuhmacher, war aus Holzund wurde 1790 in England patentiert.Elias Howe und Isaac Merritt Singergelang fast gleichzeitig um1850 der Durchbruch.Singers erste Maschinen kostetendamals rund 100 Dollar. Obwohloder gerade auch weil dieseSumme damals von weiten Teilender Bevölkerung nicht aufzubringenwar, bedeuteten die Singermaschineneinen Prestigegewinn.Roni Schmied und Tino Jaun vor der alten Schuhmachernähmaschine.Ein interessantes Detail: Singer botfür den Nähmaschinenverkauf alsErster das Leasingsystem an.Während der Gründerzeit entstandenviele Fabriken in Europa, diemit Nähmaschinen auf den Marktdrängten. Viele von ihnen stelltengleichzeitig auch Fahrräder undSchreibmaschinen her. 1893wurde die erste Hohlsaummaschinevon den Schweizer BrüdernGegauf gebaut. Ihre Firma,die später in «Bernina» umgetauftwurde, kann sich als einer der wenigengrossen Hersteller auchheute noch auf dem Weltmarktbehaupten.Ein Sammler mit sicheremGespür für RaritätenEine dieser raren Hohlsaummaschinenist ein Prunkstück in derSammlung von Roni Schmied. Derin Zumikon Aufgewachsene hatals Elfjähriger auf dem Müll einealte Nähmaschine gefunden; fürihn damals eine wahre Trouvailleund der Beginn einer Sammelleidenschaft,die bis heute andauert.Nach seiner Schulzeit machte ereine Lehre als Möbelschreinerund bildete sich danach sofort alsAntikschreiner und Restauratorweiter. Neben seiner festen Stellebetrieb er schon ganz jung ein eigenesGeschäft für Antiquitäten.Dass er schliesslich mit seinerFirma «Lifestyle für Haus und Garten»im Grundtal landete, ist einGlücksfall: Das Gebäude, das erseinen Bedürfnissen entsprechendund mit sehr viel Gefühl für dieSubstanz umgebaut hat, war früherdie Remise der FabrikanlagePilgersteg aus der Gründerzeit.Zusammen mit seinem PartnerTino Jaun, einem gebürtigen BernerOberländer, richtete er eineWerkstatt für die Restaurierungen,eine originelle Wohnung mit Bürounter dem Dach und den Ladenein. Dort finden die Kunden, dieaus der ganzen Deutschschweizkommen, kunstgerecht renovierteund präsentierte Möbel, sorgfältigausgesuchte Lampen verschiede-Blick ins Museum.Selbst die eisernen Gestelle sindKunstwerke.


Nr. 73 April 2013 Dürntner 29Keine Maschine ist gleich wie die andere.Auch nach weit über hundert Jahren funktioniert diese Schuhmacher-Nähmaschine noch tadellosner Epochen und viele kleinereGegenstände. Beim Ladenbesuchbedauert man nur, dass daheimkein leeres Haus aufs Einrichtenwartet.Das MuseumIm grossen Obergeschoss aberwartet die nächste Überraschung:ein grosser Saal mit einem kunstvollverlegten antiken Parkettboden.Rund 150 Nähmaschinen ausSchmieds riesiger Sammlung sindhier aufgestellt. Ihre gesamte historischeund technische Entwicklungist dabei ersichtlich, aberauch die erlesene Schönheit derMaschinen. Da gibt es Produktefür den Industriebereich, den Privathaushalt,Spielzeugmaschinenund solche für die Reise. Viele vonihnen sind wahre Schmuckstücke,verziert mit Malereien und Einlegearbeiten.Ein Exemplar aus einerSchuhmacherwerkstatt stammt ausdem Jahr 1885 und hat bis 2010noch voll im Einsatz gestanden; ja,es wäre – wie übrigens fast alle derpräsentierten Maschinen – auchjetzt noch gebrauchstüchtig. DieAusstellung wird ergänzt durchpassende Objekte aus dem Textilbereich,eine Seidenspulenwindeund eine Werkzeugecke aus derSchuhmacherwerkstatt. Auch einUhrenbild (ein Gemälde, in daseine funktionierende Uhr eingebautwurde) gibt es zu entdecken– es stammt aus dem Atelier vonTino Jaun, der neben dem Restaurierenauch malt, unter anderemmoderne Variationen dieser in derBiedermeierzeit verbreiteten Skurrilität.Die Eröffnung des Nähmaschinenmuseumsfindet am Wochenendevom 13. und 14. April, jeweils von12 bis 18 Uhr statt.Das Museum bietet auf Anfrage abSommer 2013 Führungen an, beidenen auch extra gewünschte Themenberücksichtigt werden. Einspezielles Angebot sind die spezifischenFührungen für seh- oderhörbehinderte Besucher, beidenen technische Hilfsmittel oderGebärdensprachdolmetscher eingesetztwerden können.Das Nähmaschinenmuseum wirdauch auf einer interessantenHomepage vorgestellt:www.naehmaschinen-museum.chAdresse: Roni SchmiedWalderstr. 202, 8635 DürntenTel. 055 241 26 34, info@lihagaSilvia SturzeneggerEine Nähmaschine war oft ein Prestigeobjekt.

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