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TRAIL RUNNING MAGazin05/2010oktobernovemberERHOLDICH GUT!tipps, tricks &produkte zumwiederfit werden.TOR DES GEANTSUTMBGESICHTER DES TRAILSTRAIL-HEROES TEIL 2trail-island: ELBAHERBSTKLAMOTTENTRANSALPINE RUNNEUE HELDEN!


Taklamakan Ultramarathondieerkundung


Wind legt, summen die Mücken angrislustigüber mein Gesicht. Erst am Morgen schlafeich ein.MarkierungZwischen den Dünen formen vertrockneteBaumstämme bizarre Skulpturen, ständigpräsenter Sand und hohe Temperaturen erstickenjegliches Leben im Keim. Der Himmelist grau, jedoch steigen die Temperaturennachmittags merklich an. Kurze wolkenfreieAbschnitte erinnern mich an das Spiel mitden Ameisen und der Lupe. Die ersten 17Kilometer liegen vor mir und müssen mitFähnchen markiert werden. Trotz GPS fälltmir die Orientierung schwer, denn Dünensind als Fixpunkt im Dünenmeer nicht sonderlichhilfreich. Der Sand istweich und ich sinke tief ein, die kurzen Anstiegekosten Kraft. Nach 2,5 Stunden und400 Höhenmetern komme ich am geplantenTrepunkt an und warte auf unser Fahrzeug,das jedoch weit entfernt im Sand feststeckt.Meine Planung war recht optimistisch, denndas Wasser ist bereits aufgebraucht. ZweiStunden später beginne ich den grünen Teevom Morgen zu kauen und wäge meine Optionenab. Bis zum Dorf sind es 30 km Wüste,bis zum Fluss 15 km - beides ziemlich tödlichbei 42 Grad im nicht vorhandenen Schatten.Erst nach insgesamt fünf Stunden höre ichdas bekannte Stöhnen des Motors aus derFerne und bin unendlich erleichtert. Pierremarkiert die Strecke am fast trockenen BlackJade River, während Mahmud und K entferntstromabwärts unbeschwert baden und ichmir mit der hüfttiefen braunen Brühe dieSchicht aus Dreck und Sonnencreme abwasche.Aggressive Mückenschwärme jagen Pierreauf seinem Weg durch das Gestrüpp, biser im Flussbett kurz inne hält und mit beidenFüssen in den Treibsand sinkt. Mit aller Kraftzieht er an einem Schenkel, während sich dasandere Bein hüfttief in den Schlick drückt.Wie eine Eidechse kriecht er auf allen Vierendurch den Schlamm ans rettende Ufer. Als erStunden später in Schlamm paniert vor unssteht, lachen wir über sein haarsträubendesErlebnis und planen diesen Abschnitt neu.Am Abend schlachtet das Dorf ein Schafund hängt den Kadaver zum Verkauf an dieKreuzung. Mahmud reiht sich in die Schlangeder Einheimischen ein und kauft uns Fleisch,Mahmud mag Leber. Nach langer Fahrt durchdie Nachterreichen wir einen geeigneten Schlafplatzund suchen in absoluter Finsternis Feuerholz.Die Stirnlampen leuchten nur wenigeMeter, denn der Wind treibt feinen Sanddurch die Luft. Etwas später sitzen wir hintereiner Düne und drehen Stöcke mit frischemLammfleisch über der heissen Glut. Der Sandweht mir kühl ins Gesicht und ich beobachteBis zum Dorf sind es 30 km Wüste, biszum Fluss 15 km - beides ziemlichtödlich bei 42 Grad im nicht vorhandenenSchatten.127


das spritzende Fett in den Flammen. Gegendrei Uhr schlafen wir erschöpft ein.RennenNie wieder Strandurlaub lautet der Kommentareines Läufers nach dem TaklamakanUltramarathon. Am Rande einer endlos erscheinendenStrasse, etwa 120 km nördlichvon Hotan, hält der Reisebus mit den 40 Athleten.HagereLäufer mit rasierten Beinen stehen neben tätowiertenBullen mit Dreitagebart, allesamtvermummt und bepackt für die gemeinsameHerausforderung. Pfeifend bläst der Windden Sand über die Dünen, als sie um 18:00Uhr über ein grenzenlos erscheinendes Dünenmeerblicken. Eric LaHaile läuft allendavon. Für Eric beginnt hier die schönsteEtappe des Laufes, denn bereits zwei Stundenspäter verschwindet das Sonnenlichtam Horizont und die Temperaturen fallenauf frische 21 Grad. Mond und Stirnlampeleuchten nun die nächsten Meter des Kursesaus. Lediglich die dumpfen Schritte im Sandund das Knarzen des Rucksacks sind hörbar- es herrscht eine schier unwirkliche Stillein dieser gigantischen Landschaft. TausendeLeuchtsticks weisen den Pfad durch dieNacht, lediglich im Dorf verschwinden dieLeuchtsticks wie von Geisterhand. Währendich nachts im Dorf neue Leuchtsticks verteile,kontrolliert Pierre die Markierungen zumnächsten Checkpoint, denn ein Sturm ziehtauf und vier Koreaner befinden sich noch aufdiesem Abschnitt. Als er am nächsten Checkpointeintritt, ist eine gewisse Nervosität zuspüren, denn von den Koreanern fehlt jedeSpur. Wie sich später herausstellt, schliefendie vier friedlich neben der Strecke, als ersie passierte. Kurz hinter der Kreuzung inTuslukotak, an der vorher noch das Schafhing,bendet sich das kleine Zelt des CheckpointsKilometer 70. Die beiden freiwilligenHelfer sind nicht zu sehen, denn bis spät indie Nacht steht eine Traube von bis zu 50Einheimischen, dicht gedrängt um das Zeltund beobachtet gespannt jede Bewegungder zwei weiblichen blonden Volunteers. AlsEric in Sichtweite gerät, jubelt ihm die Masseentgegen, die Kinder beherrschen mittlerweiledie La Ola. Wie bei diesen Events üblich,werden sie in das Geschehen eingebundenund reichen den ausgezehrten Läufernsaftige Wassermelonen als Erfrischung.Die freiwilligen Helfer schlafen nur wenigeMinuten in den beiden Nächten, verbreitenjedoch jederzeit beste Laune.Am Ende verlassen auch Eric die Kräfte. Ergewinnt aber den Lauf in weniger als 12Stunden und absolviert damit fast die gesamteStrecke bei Nacht.Das letzte Mal, dass ich einen anderen Läufergesehen habe, war drei Minuten nachdem Start lautet sein Kommentar nach demZieleinlauf. Der Zweitplatzierte erreicht dienun wasserlose Oase über zwei Stundennach ihm. Wer das Rennen vorzeitig beendenmuss, den erwartet ein nicht wenigerabenteuerlicher Ritt auf einem Kamel biszum nächsten Checkpoint. Selten treffen sounterschiedliche Kulturen und einzigartigePersönlichkeiten aufeinander und entwickelnsich während des Rennens zu Freundenfürs Leben. Der Respekt vor den Strapazendes Laufes und die Faszination gegenüberder einzigartigen Landschaft verbindet unsalle und so wird jeder Finisher gebührendempfangen und gefeiert. 35 der Läufer erreichtendas Ziel, darunter 5 Frauen und einblinder Läufer aus Südkorea.KLICK HIER! wir wollenDeine Meinung hören...Das letzte Mal,dass ich einenanderen Läufergesehen habe,war drei Minutennach dem StartSieger Eric Lahaile im Ziel129

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