1EFcUZj

thwrn.news

1EFcUZj

Datum: 28.02.2015FINANZPLATZ REGULIERUNGSWELLE IM ANZUGAnlageberater sollen ihren Kunden reinen Wein einschenkenDemnächst berät das Parlament eine neue Gesetzesgrundlagefür Finanzdienstleister. Sie wird Banken und vor allem kleinerenFinanzverwaltern das Leben erschweren und Kunden besserschützen.Auf den Schweizer Finanzplatzrollt eine Regulierungswelle zu,wie ihn dieser wahrscheinlichnoch nie erlebt hat. Sie verbirgtsich hinter der harmlosen BezeichnungKleeblattreform. Einwesentlicher Treiber ist die internationaleVernetzung - wennder Schweizer Finanzplatz nichtmitzieht, verliert er den Anschluss.Es fliessen auch Lehrenaus der Finanzkrise ein. Und dieBankenskandale der vergangenenJahre verleihen der ReformSchub. Erst diese Woche wurdepublik, dass US-Behörden gegeneine Reihe von international tätigenGrossbanken - darunter UBSund CS - eine Untersuchung wegenManipulation von Edelmetallkurseneinleiten (siehe Textrechts). Solche fragwürdigenBankgeschäfte sind starke Argumentefür einen Ausbau desSchutzes von Anlegern. Diesesollen neu umfassende und einheitlichgestaltete Dokumentationenüber Finanzprodukte wieAktien erhalten.Bauchweh bereitet den Banken,dass sie einen Prozesskostenfondsäufnen müssen, damitunzufriedene Kunden gegen sieklagen können. Und eine Beweislastumkehrsoll den Gang vorsGericht zusätzlich erleichtern:Gemäss Vorlage haben künftig imStreitfall nicht mehr Kundeneine unsorgfältige Beratung derBanken zu beweisen. Stattdessenmüssen diese belegen, dass alleskorrekt gelaufen ist.Schutzbedürftige Kunden«Die EU geht beim Anlegerschutzvon schutzbedürftigenAnlegern aus», sagt Pascal Sprenger,Director Regulatory CompetenceCenter bei der Wirtschaftsprüfungs-und BeratungsgesellschaftKPMG. Den Finanzdienstleisternwerden umfassendeWarnpflichten verordnet, das seiwie ein langer Beipackzettel fürMedikamente. Ob das ausSchweizer Sicht notwendig ist,bezweifelt Sprenger jedoch undfragt rhetorisch: «Investierennur Kunden ohne Kenntnisse inFinanzprodukte?» Ähnlich hinterfragtSprenger die neuen Vorschriftenfür Vermögensverwalter.«In dieser Hinsicht ist dieSchweiz, trotz mehrerer Versuche,das zu korrigieren, bis heutein Europa eine Insel geblieben.»Vielleicht auch zu Recht, meintSprenger. Denn in der Vermögensverwaltunghabe es bishernur wenige Missbräuche gege-Themen-Nr.: 660.003 Abo-Nr.: 660003 Auflage: 45'945 Argus Ref.: 57019936


Datum: 28.02.2015ben. Der zusätzliche Aufwand,der mit der Reform einhergeht,ist Ausdruck eines anderenRechtsverständnisses: «Bisherbasierte das Recht auf mehr Eigenverantwortungdes Kunden,neu erhält er quasi eine Vollkaskoversicherung»,sagt GüntherDobrauz.Er vergleicht es auch mit einem«wenig differenzierten russischenHaarschneideansatz» -vieles wird normiert. Die historischstark föderale Strukturgesetzgebungder Schweiz werdesich in der neuen Finanzmarktregulierungnicht mehr widerspiegeln.Die Schweiz nähere sichmit dieser grundlegenden Reformder zentralistischen EU-Systematik an.Droht eine Prozesslawine?Der erwähnte Prozesskostenfondsund die Beweislastumkehrsind umstritten - Interessenvertreterrechnen zum Beispielschon mit einer Prozesslawine,wenn der erwähnte Fondskommt. Doch in ihren Grundzügenist die Vorlage nicht zuletztwegen der erwähnten Bankenskandalekaum noch zu stoppen.Günther Dobrauz, bei der Wirtschaftsprüfungs-und BeratungsgesellschaftPWC Leiter LegalRegulatory Services, formuliertes so: «Parlamentarier, die sichderzeit in solchen Fragen scheinbargegen die Konsumenten undfür die Banken einsetzen, riskiereneinen politischen Selbstmord.»Er macht die Erfahrung,dass es schwierig ist, über dasThema zu informieren, weil«Emotionen im Spiel sind».Die Kleeblattreform umfasstvier neue Gesetze mit sperrigenTiteln (siehe Box unten). Einesdavon, das Finanzmarktaufsichtsgesetz,ist bereits in Kraft.Das politische Seilziehen um dieseVorlage dürfte nur ein Vorgeschmackgewesen sein auf das,was vor allem beim Finanzdienstleistungsgesetzblüht. DasPaket hat schmerzhafte Folgen.Denn steigende Regulationsdichtebedeutet mehr Aufwand. Unddieser trifft insbesondere diekleinen Vermögensverwalter.«Die Anbieter von Finanzdienstleistungenmüssen die gleichenFormulare ausfüllen, egal ob sie10 oder 10 000 Kunden betreuen»,fasst es Pascal Sprenger zusammen.Nachdem Deutschland vorrund 17 Jahren ähnliche Finanzmarktreformenumgesetzt hatte,blieben 80 bis 90 Prozent derkleinen Vermögensverwalter aufder Strecke - sie schafften esnicht, unter den neuen Bedingungengenügend Rendite zuerzielen. Die Ausgangslage inDeutschland war eine andere alsjetzt in der Schweiz. Dennochrechnet Alexander Rabian auchhier mit einer Bereinigung: «Sicherdie Hälfte kann nach derUmsetzung nicht mehr genügendMarge erwirtschaften», sagt derGeschäftsführer der Selbstregulierungsorganisation(SRO) desVerbands der SchweizerischenVermögensverwalter. AndereExperten zeichnen, ein wenigerdramatisches Bild. Doch ganz ohneAbstriche dürfte es nicht gehen:Ein Rückgang der Zahl derVermögensverwalter um 10 bis20 Prozent dürfte der Realitätnäher kommen.Die SRO hat triftige Gründe fürpessimistische Prognosen. AlsInteressenvertreterin muss siefür gute Bedingungen kämpfen.Zudem steht auch die SRO vorUmwälzungen, weil das Gesetzespaket.eine neue umfassendeAufsicht der Vermögensverwaltervorsieht.Excel reicht nicht mehrVermögensverwaltung ist einverschwiegenes Geschäft. Diekontaktierten Firmen wollennicht namentlich genannt werden.«Der Sockelaufwand nimmtmit den Gesetzesreformenenorm zu», erzählt jemand. EinGeschäftsleiter, der weniger alsein halbes Dutzend Angestelltebeschäftigt, beschreibt das anhandeines Beispiels: «Heute arbeitenwir mit Excel-Tabellen,neu müssen wir ein System einführen,das die Speicherung nichtveränderbarer Rapporte erlaubt.»Nur ein solches Systemgewährleistet genügend Rechtssicherheit,um gegen Klagen vonKunden gewappnet zu sein. Währendeine solche Infrastrukturbei grösseren Banken längstStandard sei, müssten Vermögensverwalterdafür nun ansehnlicheSummen investieren. Alternativlässt sich die Dienstleistungan dafür spezialisierte Firmenoutsourcen. Doch das schmälertdie Marge. Und wie weit sich diezusätzlichen Kosten auf denKunden abwälzen lassen, ist unklar.Nebst zusätzlichen Investitionenin die Informatik undmehr administrativer Arbeitmüssen etliche auch ihre Organisationanpassen: Gleichzeitig dasGeschäft zu führen und im VerwaltungsratEinsitz zu nehmen,geht nach den neuen Gesetzen,wie sie jetzt vorgespurt sind, beispielsweisenicht mehr.Bernhard KisligThemen-Nr.: 660.003 Abo-Nr.: 660003 Auflage: 45'945 Argus Ref.: 57019936


Datum: 28.02.2015DIE NEUEN GESETZEFinanzmarktDas Finanzinfrastrukturgesetz(FinfraG) sollals Folge der Finanzkriseinsbesondere den Derivatehandelstrenger regulieren.Die Vorlage lehnt sichan EU-Recht an. Da die MeistenDerivate heute mit Dienstleisternaus der EU gehandelt werden, erleichtertdies den Handel. Weitergeht es um die Bewilligung vonBörsenhandel. Die RegulierungsollTransparenz schaffen und Risikensenken.Termin Vorlage ist im Parlament.Es tritt frühestens 2016 in Kraft.Kritik Der Bundesrat hat Kritikaus der Vernehmlassung mitKorrekturen berücksichtigt. VielWiderstand ist nic'ht mehr zu erwarten.Anlegerschutz Das Finanzdienstleistungsgesetz(Fidleg)zielt darauf ab, Anleger besser zuschützen. Die Pflichten der Finanzdienstleistergegenüber ihrenKunden sollen vereinheitlichtwerden. So schreibt das Fidlegzum Beispiel Kriterien vor, wieBanken ihre Finanzprodukte dokumentierenmüssen. Kundensollen leichter gegen einen Finanzdienstleisterprozessierenkönnen.Termin Der Bundesrat legt demnächstdem Parlament die Gesetzesbotschaftvor. Tritt frühestens2017 in Kraft.Kritik Die Bankenlobby wird unteranderem gegen Beweislastumkehr,Prozesskostenfonds undverschärfte StrafbestimmungenSturm laufen. Korrekturen scheinenunvermeidbar.Unabhängige Berater Vermögensverwaltersollen mit dem Finanzinstitutsgesetz(Einig) neuvon einer einzigen Stelle beaufsichtigtwerden. Sie unterstehenauch einer Bewilligungspflicht.Ab einerAltersgrenze von 57Jahrensind für Vermögensverwalterim Sinne einer Übergangslösunggrosszügige Ausnahmen vorgesehen.Wie Fidleg und FinfraGsoll auch das Finig den Marktzugangvon Finanzdienstleistern inEU-Staaten erleichtern.Termin Der Bundesrat legt demnächstdie Gesetzesbotschaft zuhandendes Parlaments vor. Trittfrühestens 2017 in Kraft.Kritik Interessenvertreter wollenhier kein separates Gesetz. Kornpromissbereitschaftkönnte esaber bei der einheitlichen Aufsichtgeben.Aufsicht Das Finanzmarktaufsichtsgesetz(Finmag) ist dieRechtsgrundlage für die heutigeBankenaufsicht (Finma). Sie entstandaus einer Fusion der EidgenössischenBankenkommission,des Bundesamts für Privatversicherungenund der Kontrollstellefür die Bekämpfung der Geldwäscherei.Die Finma bewilligt undüberwacht Finanzdienstleister.Sie schützt Gläubiger, Anlegerund Versicherte. Bei Bedarf wickeltsie auch Sanierungsverfahrenund Konkurse ab.Termin Seit Anfang 2009 in Kraft.Kritik Die Finma wird von vielenSeiten kritisiert. Finanzdienstleisterwerfen ihr übertriebeneDurchsetzung von Regulierungenvor. Die Gegenseite mokiertsich immer wieder über allzugrosse Nähe zu den Banken. kiSKANDALEHaarsträubendeGeschäftevon BankenNach dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothersim Herbst 2008 geratenweltweit etliche andere Finanzinstituteunter Beschuss. Sie hattenihren Kunden teilweise undurchsichtigeFinanzprodukteder Grossbank verkauft.Manche Kunden prozessierten.Die Credit Suisse entschädigteüber3700 betroffene Anleger mitüber 150 Millionen Franken.MF Global bis dahin einer dergrössten Derivate-Brokergehtim November 2011 pleite. Er hatteInvestoren getäuscht undGelder im Umfang von 700 MillionenDollar veruntreut.Im Juni 2012 wurde bekannt,dass die Barclays-Bank den Liborjahrelang manipuliert hatte.Rund 20 Banken sollen bei derManipulation mitgewirkt haben,darunter auch die SchweizerGrossbanken UBS und CS. Der Libor(London Interbank OfferedRate) ist der ReferenzzinsSatz imGeschäft unter Banken. Ein gesteuerterReferenzzinssatz ist mitdem verbotenen Insiderhandelvergleichbar. Er kann bei Spekulationsgeschäftenzu den eigenenGunsten ausgenutzt werden.Zudem konnten die Bankenüberhöhte Zinsen verrechnen.Die UBS zahlte eine Strafe von1,2 Milliarden Euro.Im Dezember 2012 zahlt die britischeGrossbank HBSC in einemVergleich mit der US-Justiz eineBusse von 1,92 Milliarden Dollar.Der Konzern machte sich der Beihilfezur Geldwäscherei schuldig.Themen-Nr.: 660.003 Abo-Nr.: 660003 Auflage: 45'945 Argus Ref.: 57019936


Datum: 28.02.2015Allein 2007 und 2008 transferiertedie Bank 7 Milliarden Dollaraus Mexiko in die USA, ohne dessenHerkunft zu prüfen. VorgeschriebeneKontrollmechanismenhat sie ausser Kraft gesetzt.Die Bankleitung gelobteBesserung. Das tat sie schon imJahr 2003, als sie bereits wegenGeldwäscherei ins Visier der US-Justiz geraten war. Im Juli 2012wurde die Bank vom US-Senatwegen ihrer «durch und durchversauten Unternehmenskultur»gerügt. Zu einer Strafverfolgungkam es aus Angstvoreinem Konkursnicht. Im Februar diesesJahreswurden im Rahmen vonSwiss-Leaks weitere Informationenüber die HSBC bekannt. Dabeigeht es um die Finanzierungvon Terrorgruppen, Waffengeschäftenund um Geschäfte mitHandlangern von Diktatoren,Blutdiamanten sowie Drogen.Im Jahr 2013 finden weltweitErmittlungen wegen Devisenkursmanipulationenstatt.Schliesslich wird den Devisenhändlernvon zwölf Grossbankenvorgeworfen, Kurse so manipuliertzu haben, dass sie mit denvon ihnen gehandelten Derivaten(komplizierte Finanzkonstrukte)sichere Gewinne erwirtschaftenkonnten. Sie sprachensich ab und brachten Grossaufträgevon Kunden zu einem bestimmtenZeitpunkt auf denMarkt. Massgeblich beteiligt warunter anderem die UBS. Sie einigtesich mit Aufsichtsstellenverschiedener Länder auf eineEntschädigung von 774 MillionenFranken.Im August 2014 einigte sich dieBank of America mit der US-Justizauf eine Zahlung von 16,65 MilliardenDollar. Der Bank wird vorgeworfen,sie habe im grossen Stilund überJahre hinweg ihre Kundenmit Immobilienderivaten getäuscht.Die auf Hypotheken basierendenObligationen wurdenden Kunden wider besseresWissen als sichere Anlagen verkauft.Schon vor dieser Vergleichszahlunghatte die Grossbank60 Milliarden Dollar Strafzahlungenan hintergangene Anlegergeleistet.Diese Woche wurde bekannt,dass US-Behörden den Edelmetallhandelvon zehn Grossbankenuntersuchen. Sie sollendie Kurse manipuliert und darauswiderrechtlich Profit geschlagenhaben. Betroffen sind auch UBSund CS. ki,c\\\\\\Achtu,Der Fall Lehman Brothers erregte die Gemüter mehr alsdie widerrechtlichen Kursmanipulationen. Bilder Keystonehat unsRamsch_-r-kalzet_-(J D1-1--Geld- 41",ir_DieCredit .."-rech s, ,Uzt geit- SuisseverkauftDarumGeld _ rverloren reu 1 Ihaben yvir unser,Anleger, die in Lehman-Wertpapiere investiert hatten,demonstrierten 2008 vor der CS in Zürich.Themen-Nr.: 660.003 Abo-Nr.: 660003 Auflage: 45'945 Argus Ref.: 57019936

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine