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USABILITY » ONLINE USABILITY TESTS WEBSITE BOOSTING » 11-12.2012Benjamin Uebel»Crowd-Usability-Tests –billig, aber gut?Franco Salvetti, Chefentwickler der Suchmaschine BING, veröffentlichte im Mai 2012 dieErgebnisse einer aufsehenerregenden Microsoft-Studie. Demnach können sog. Crowd-Usability-Testsvergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse als klassische Usability-Tests aus demLabor liefern – und dies zu einem Bruchteil der üblichen Kosten. Benjamin Uebel erklärt, wiesolche Tests funktionieren und welche Chancen und Risiken sich bei der Nutzung ergebenkönnen.Der AutorBenjaminUebel istGeschäftsführervonRapidUsertests, dieCrowd-Usability-Testsanbieten. Er berät großeund kleine Firmen inSachen Web-Usability.Warum verlassen Besucher Ihre Webseite,ohne zu Käufern zu werden? Welche Ursachenhaben hohe Absprungraten und Kaufabbrüche?Web-Analytic-Tools zeigen, WAS auf einer Webseitepassiert, aber nicht, WARUM es passiert.Um das WARUM zu erklären, haben sich seitvielen Jahren Usability-Tests als Methode etabliert.Sie zeigen, mit welchen SchwierigkeitenBesucher einer Webseite zu kämpfen haben.Klassisch wurden diese Tests mit einem Testleiterin einem Labor durchgeführt, Testpersonenwurden eingeladen und bei der Nutzung derWebseite beobachtet und befragt. Da dieserAnsatz zeit- und kostenaufwendig ist, führtenviele Webseitenbetreiber selten oder nie Usability-Testsdurch.Crowd-Usability-TestsMit Crowd-Usability-Tests können Webseitenbetreiberselbst online Usability-Tests ihrerSeite anlegen. Sie können einfache Online-Studienerstellen, indem sie eine URL, eine Anzahlvon Testpersonen sowie Aufgaben und Fragenan die Testpersonen eingeben. Zentrales Ergebnisder Tests sind 15- bis 25-minütige Videos, indenen alle Interaktionen einer Testperson mitder Webseite aufgezeichnet sind und in demihre laut ausgesprochenen Gedanken zu hörensind. Darin zu erkennen sind die Probleme, dieden Nutzern beim Besuch der Seite entgegentretenund zu einem Abbruch des Besuchs führenkönnen.Woher kommen die Testpersonen?Der Crowd-Service rekrutiert Teilnehmeraus einem eigenen Testerpool. Dieser ist in derRegel aus Webseitenbesuchern verschiedensterSchichten und Altersgruppen zusammengesetzt.Die Teilnehmer testen die Webseite nicht imLabor, sondern an ihren heimischen Rechnern,wobei die Aktivität des Nutzers und dessen Stimmeaufgezeichnet werden. Der Webseitenbetreiberkann wählen, wie viele Probanden am Testteilnehmen sollen. Innerhalb kurzer Zeit (teilweiseunter 24 Stunden) erhält er die Videos alsTestergebnisse. Diese zeigen das Verhalten unddie Gedanken der Nutzer beim Webseitenbesuch.Was kann ich damit testen?Crowd-Usability-Tests werden am häufigstenzum Auffinden von Bedien- und Verständnisproblemeneiner Webseite, eines Online-Shops odereiner Software eingesetzt. Dies kann im Zugeeines Relaunches erfolgen oder im Rahmen einerConversion-Rate-Optimierung. Es werden Testsvon Wettbewerberseiten durchgeführt, um ausden Stärken und Schwächen der Konkurrenz zulernen. Oder es wird das Verhalten von Nutzernbei der Recherche nach bestimmten Keywordsin einer Suchmaschine beobachtet. EinfacheWerbewirkungstests zeigen, wie User Newsletteroder Youtube-Videos wahrnehmen und interpretierenund welche Optimierungspotenzialenoch erschlossen werden können. Im begrenztenMaß sind sie auch zum Bug-Testing geeignet.72


11-12.2012 « WEBSITE BOOSTINGONLINE USABILITY TESTS « USABILITYAbb. 1: 15- bis 25-minütige Videos zeichnen die Interaktionen der Testperson mit der Webseite sowie ihre laut ausgesprochenen Gedanken auf (Quelle:RapidUsertests)mit der Qualität der Ergebnisse nichtstimmen. Studien von Microsoft, STRA-TO und eResult zeigen jedoch, dassCrowd-Usability-Tests mit klassischenTests mithalten können. In einigenAspekten übertreffen sie diese sogar.Abb. 2: Die Vergleichsstudie von eResult zeigt, dass der Crowd-Usability-Test RapidUsertests vergleichbareErgebnisse wie klassische Labor-Usability-Tests liefert. Mit 20 Testpersonen wurden 70Shop-Usability-Probleme identifiziertAufgrund Ihrer Skalierbarkeit habenCrowd-Usability-Tests das Potenzial,statistisch signifikante Ergebnisse zuproduzieren. Aus qualitativen Informationenwerden quantitative Datengeneriert. Jedes dieser Einsatzgebietewird im folgenden Artikel im Detailvorgestellt.Kann billig gut sein?Crowd-Usability-Tests sind imVergleich zu klassischen Labor-Usability-Testssehr preiswert. Sie kosten40-50 EUR pro Testperson. Ein Testmit zehn Probanden kostet also einendreistelligen Betrag. Dabei istanzumerken, dass die Ergebnisse desTests vom Webseitenbetreiber selbstausgewertet werden müssen. Eineoptionale Auswertung ist in der Regelmöglich. Wenn ein Crowd-Test denBruchteil der Kosten eines klassischenTests ausmacht, liegt zunächst dieVermutung nahe, dass es einen Hakengeben muss. Bei niedrigem Preis undhohem Bearbeitungstempo muss etwasCrowd-Tests unter der LupeUnabhängig voneinander untersuchtendie Agentur eResult (Quelle:http://einfach.st/eresu1) und derInternetdienstanbieter STRATO (Quelle:http://einfach.st/strat1) den deutschenCrowd-Service RapidUsertests.com. Beide Studien zeigen, dass derAnbieter RapidUsertests dieselbenUsability-Probleme aufdeckt wie einklassischer Usability-Test im Labor. DieeResult-Studie wurde auf dem Usabilityblogveröffentlicht. Sie zeigt, dassder Crowd-Test sogar mehr kleine undmittlere Probleme identifizierte alsein klassischer Labortest. Der Crowd-Test mit 20 Testpersonen konnte dabei70 Usability-Probleme identifizieren.Franco Salvetti, Chefentwickler beiMicrosofts Suchmaschine BING, kamin einer Microsoft-Studie zu ähnlichenErgebnissen (Quelle: http://einfach.st/mss1).73


USABILITY » ONLINE USABILITY TESTS WEBSITE BOOSTING » 11-12.2012Abb. 3: Statt des Button „Gutscheine finden“ klickten viele Nutzer fälschlicherweise auf „erweiterteSuche“Beispiel eines TestsLassen Sie uns einen Blick daraufwerfen, wie ein Test aufgebaut seinkann. Zunächst müssen die Testpersonendurch eine kurze Instruktion indie richtige Stimmung, in das richtigeMindset versetzt werden: „StellenSie sich vor, es ist Oktober und Siemüssen neue Winterreifen kaufen. Siehaben sich entschieden, dieses Jahrmal online nach Reifen zu suchen.“Nach diesem Szenario zur Einstimmungwerden den TestpersonenTestaufgaben gestellt, welche sie aufder Webseite bearbeiten müssen. Inden Aufgaben sollte nicht der genaueWeg der User durch die Webseitebeschrieben werden. Den Usern solltestattdessen ein Ziel gegeben werden,welches sie eigenständig anstreben.1. Aufgabe: „Suchen Sie im Internetnach Reifen für Ihr Auto.“Diese Aufgabe ist offenformuliert und startet auf derGoogle-Webseite. Hier ist es interessantzu sehen, mit welchenSuchbegriffen die User nach denReifen suchen. Man kann erkennen,welche Suchergebnisse auswelchen Gründen ansprechendauf die User wirken. Gleichsamerkennt man, wie die eigenenSuchresultate im Vergleich zuWettbewerbsangeboten wahrgenommenund ob sie verstandenwerden.2. Aufgabe: „Gehen sie nun aufdie Website www.reifen.com. SuchenSie dort nach einem für IhrAuto passenden Reifen. SobaldSie einen Reifen gefunden haben,der Ihren Wünschen entspricht,legen Sie diesen in den Warenkorb,schließen den Kauf abernicht ab.“ An dieser Aufgabe sindmehrere Aspekte bemerkenswert.Zunächst werden die Testerauf das Angebot eines Wettbewerbersgeschickt, um vondessen Stärken und Schwächenzu lernen. Die Aufforderung „suchenSie nach einen für Ihr Autopassenden Reifen“ bzw. „einReifen, der Ihren Bedürfnissenentspricht“ ist auch offen formuliert.Sie ermöglicht es demTester, sich ungezwungen und anseinen eigenen Bedürfnissen orientiertzu verhalten. Mit dieserArt von Aufgabenstellung kommtman oft nahe an ein natürlichesNutzungsverhalten heran.3. Aufgabe: „Gehen Sie nun bitteauf www.meinereifenwebseite.de.Suchen Sie auch hier bittenach einem Reifen für Ihr Auto,der Ihren Vorstellungen entspricht,und legen Sie diesen inden Warenkorb.“ Im eigentlichenTest der Webseite werden nunpotenzielle Usability-Problemeder Webseite identifiziert.4. Aufgabe: „Kaufen Sie den vonIhnen ausgewählten Reifen aufmeinereifenwebseite.de. SchreibenSie als Vornamen bitte „Test“in das Feld und wählen Sie als ZahlungsmethodeVorkasse aus.“ Prinzipiellkann man Testpersonen jedebeliebige Aufgabe stellen. Mankann Testern damit individuelleInstruktionen geben. So kann einjeder Test stark auf die Anforderungenund Fragestellungen einesWebseitenbetreibers zugeschnittenwerden.Schauen wir uns praktische Anwendungsfällean, in denen Crowd-Usability-Testszum Einsatz kommen.AnwendungsfallConversion-Rate-OptimierungDer Online-Shop best-weekend.de verkauft Hotelgutscheine. Um seinverfügbares Marketingbudget effizientauszunutzen, beschloss der Geschäftsführer,den Shop auf eine bessereConversion zu optimieren. Leider istder Traffic des Shops nicht hoch genug,um quantitative A/B-Tests durchzuführen.Ein einzelner Test würde zu langedauern, um statistisch signifikanteUnterschiede zu generieren. Um dennochoptimieren zu können, wurde dieSeite mit einem Crowd-Usability-Testmit sieben Testpersonen getestet. Aufder Suche nach passenden Hotelgutscheinentraten bei den Testern Problemeauf. Der Test offenbarte, dassviele Nutzer gezielt Hotelgutscheine inbestimmten Regionen suchen wollten.Eine gezielte Suche nach Hotelgutscheinenz. B. an der Ostsee war nichtmöglich. Ein weiteres kritisches Problem:Der Button der Suchfunktion warnicht erwartungsgemäß neben demSuchschlitz positioniert. Alle Testnutzerklickten beim Bestätigen ihrer Sucheingabeunbeabsichtigt auf die erweiterteSuchfunktion und wurden von einemkomplizierten Eingabeformular ent-74


11-12.2012 « WEBSITE BOOSTINGONLINE USABILITY TESTS « USABILITYQualitativtesten= Usability-TestsHypothesengenerierenQuantitativHypothesenprüfen =A/B multivariateTestsAbb. 4: Testen wie ein Wissenschaftler: Zunächst explorativ Hypothesen bilden und diese dann experimentell überprüfenAbb. 5: Bei der Suche ab dem Google-Keyword lassen sich verschiedene Erkenntnisse gewinnen*siehe Online-Glossar unter www.websiteboosting.comtäuscht. Nachdem diese und weitereMängel behoben wurden, stieg die Conversion-Rate*nach wenigen Wochenum 30 % – im selben Maß stiegen dieUmsätze. Das Beispiel illustriert zweiAspekte: Eine Webseite, die noch nieeinem Usability-Test unterzogen wurde,hat häufig unentdeckte Mängel in derNutzerführung, deren Behebung einesignifikante Verbesserung des Nutzererlebensund der Conversion-Ratebewirken kann. Als Webseitenbetreiberwird man schnell betriebsblind. Testserweitern den Horizont des Betreibers.Sie helfen, Perspektive und Bedürfnisseder Nutzer besser zu erkennen.Andererseits zeigt das Beispiel, dassCrowd-Usability-Tests eine Alternativezu quantitativen Methoden bieten.Wenn eine Webseite nicht genügendTraffic hat, um A/B-Tests durchzuführen,sind sie ein probates Mittel, umdurch Verbesserung der Nutzerführungdie Conversions zu optimieren.Crowd-Usability-Tests können auchin Kombination mit A/B-Tests angewendetwerden. Unerfahrene Anwendervon A/B-Tests optimieren häufig blindnach dem Trial-and-Error-Prinzip. Sieverändern die Farben, Positionen oderGrößen von Elementen einer Landingpage*,ohne eine Theorie dahinter zuhaben. Dieses Vorgehen funktioniert,man sollte es aber nicht als systematischesTesten bezeichnen, sonderneher als „Ausprobieren“. Der Nachteildieses Trial-and-Error-Prinzips: Esist ineffizient und deckt selten diewirklich großen Conversion-Hebelauf. Erfahrene Conversion-Optimiereranalysieren vor dem eigentlichenTesten Markt, Nutzerverhalten undWettbewerb, um die vielversprechendstenOptimierungspotenziale zuidentifizieren. Usability-Tests werdenin dieser Vorab-Analyse eingesetzt,um Testhypothesen zu generieren. Jehäufiger Testpersonen über ein störendesProblem stolpern, desto größer dieWahrscheinlichkeit, dass es einen spürbarenEinfluss auf die Conversion-Ratehat. Der Impact einer Testhypothesekann damit abgeschätzt und so effizienteroptimiert werden. Der Betreibereines Online-shops für Werkzeugartikelbeauftragte z.B. eine Agentur, mitmultivariaten Tests die Conversion-Ratedes Shops zu steigern. Da effizientgetestet werden sollte, wurden in derAnalysephase Hypothesen gesammelt.9 von 15 Besuchern verstanden beimBesuch der Landingpage nicht auf denersten Blick das Angebot des Shops.Es fehlte ein aussagekräftiger Slogan,außerdem waren die dargestellten Produktbildernicht repräsentativ für dasSpektrum des Shops. Im multivariatenTest wurden dann gezielt Slogans undaussagekräftigere Produktbilder derLandingpage getestet.Genau so würde ein Wissenschaftlerin der Forschung vorgehen: Ineinem ersten Schritt durch qualitative,explorative Studien (Usability-Tests)Hypothesen bilden, welche dann durchquantitative Experimente (multivariateTests bzw. A/B-Tests) auf Signifikanzgeprüft werden. Qualitative und quantitativeMethoden in Kombination alsBasis für effizientes Testen.75


USABILITY » ONLINE USABILITY TESTS WEBSITE BOOSTING » 11-12.2012Abb. 6: Der Test von Wettbewerbern bringt Erkenntnisse für die eigene Webseiten-Optimierung76AnwendungsfallGoogle-SuchergebnisseWelche Suchergebnisse werden wievon den Nutzern bewertet? Welchenersten Eindruck hinterlassen die verschiedenenLandingpages der Wettbewerber?Wenn man einen Usability-Testdirekt mit der Google-Suche nacheinem bestimmten Keyword beginnenlässt, erhält man Erkenntnisse zu diesenFragen.AnwendungsfallWettbewerbertestsEin brasilianisches Sprichwort sagt:„Wir müssen auch aus den Fehlernanderer lernen, denn wir leben nichtlange genug, um sie alle selbst zu machen.“Usability-Tests von Wettbewerberseitensind aufschlussreich, um ausFehlern und Stärken der WettbewerberRückschlüsse für die eigene Seite zuziehen. Der Betreiber eines Vergleichsportalsvon Stromanbietern entdecktebei einem Crowd-Usability-Test seinesKonkurrenten, dass die Testpersonenden Wettbewerber als vertrauenswürdigereinstuften, weil er mehr Trust-Siegelauf der Startseite positioniert hatte.Auch lernte er, dass er seinen Vergleichsrechnervereinfachen musste:Viele Testpersonen waren sich nichtüber ihren jährlichen Stromverbrauchim Klaren. Der Wettbewerber löste diesesProblem, indem er von den Nutzernalternativ die Anzahl der Personen imHaushalt abfragte – eine Zahl, die jederNutzer sofort wusste. Aufgrund diesesVergleiches wurden hilfreiche Anregungengefunden, um die eigene Seiteattraktiver zu gestalten.AnwendungsfallNewsletter-TestsEin Reiseveranstalter testete dieWirkung seines Newsletters an zehnTestpersonen, um Anregungen zurErhöhung der Öffnungs- und Klickratezu bekommen. Im Test wurde deutlich,dass der Newsletter zahlreiche Anglizismenaufwies. Dies missfiel nicht nurmehreren Testpersonen, sondern führtesogar zu Missverständnissen. ÄltereNutzer wünschten sich einen größerenSchriftgrad, um die Texte einfacherlesen zu können. Mehr als 75 % derTestpersonen klickten auf die Bilder derNewsletter-Artikel, um mehr Informationenzu erhalten. Da nicht die Bilder,sondern nur Überschriften verlinktwaren, führten die Klicks nicht zum gewünschtenErgebnis. Newsletter-Testsillustrieren ein weiteres Anwendungsgebietder Crowd: die Wirkung einesWerbemittels zu verbessern. MissverständlicheWerbeslogans („Come in andfind out“ – „Komm herein und findeheraus.“) oder formale Gestaltungsfehlerwie zu geringe Schriftgrößen könnendurch diese Tests identifiziert werden.So besteht das Potenzial, mit einfachenStudien die Abverkaufswirkung vonWerbemitteln zu optimieren.AnwendungsfallVideospot-TestsDie deutsche Marketingabteilungeines international bekannten Getränkeherstellerserhielt den Auftrag, einendeutschen Youtube-Spot zu erstellen.Dieser sollte viral auf eine aktuelleFacebook-Kampagne aufmerksam machen.Jedoch bestand Unsicherheit, obder amerikanische Spot für den deutschenMarkt adaptiert oder ein neuerSpot erstellt werden sollte. Da der amerikanischeSpot nicht gut performte,wurde ein Test beauftragt. Im Test desamerikanischen Spots an 20 Testpersonenüber Youtube erkannte kein einzigerUser, dass für eine Facebook-Seitegeworben wurde. Nur 25 % der Userverstanden die Story des Spots, sodassnach kurzer Betrachtungszeit Ungeduldaufkam. Die Ergebnisse dieses Testsführten zur Optimierung der deutschenAdaptation: Der Call-to-Action* wurdeklarer kommuniziert und eine einfachereGeschichte erzählt.*siehe Online-Glossar unter www.websiteboosting.com


11-12.2012 « WEBSITE BOOSTINGONLINE USABILITY TESTS « USABILITYAnwendungsfallskalierbare TestsDurch den geringen Preis proTestperson und den hohen Grad derAutomatisierung sind Crowd-Testsskalierbar. Qualitative Testergebnissekönnen zu statistisch signifikantenDaten aggregiert werden. Ein großerMittelständler testete an 80 Testpersonenzwei Designvarianten einesWebseitenprototyps. Es sollte dieEntscheidung getroffen werden, welcheDesignvariante nutzerfreundlichersei. Im Test wurden Aufgabenbearbeitungszeitengemessen, die Häufigkeitder Nutzung einzelner Features ausgezähltsowie der Net Promoter Score erfasst.Aufgrund der großen Stichprobevon 80 Testpersonen konnten danachstatistisch signifikante Aussagen zuden Unterschieden in der Nutzerfreundlichkeitder beiden Prototypvariantengetroffen werden. Auf Basisdieser quantitativen Ergebnisse wurdeso eine belastbare Entscheidung fürdie Weiterentwicklung des Produktsgefällt.AnwendungsfallBug-TestingDie Tester arbeiten auf ihren heimischenRechnern mit verschiedenstenSystemkonfigurationen, welche indieser Vielfalt in kaum einer Firmaexistieren. Daher werden beim Usability-Testenimmer wieder unbekannteBugs entdeckt. So stellte der Betreibereines Notebook-Shops fest, dass Usermit Chrome-Browser die AGBs imCheckout nicht einsehen konnten. EinAnbieter von Ferienhäusern bemerkteim Test, dass bei einer bestimmten Filterkombinationkonsistent das Flash-Plug-in abstürzte.Risiken bei der NutzungBeim Einsatz von Crowd-Usability-Testsgibt es Risiken. So bestehtdie Gefahr, die Ergebnisse eines Testsfalsch zu interpretieren. Usability-Testssind KEINE Meinungsumfragen. ImTest sollen nicht subjektive Meinungenerfasst, sondern auftretende BedienundVerständnisprobleme identifiziertwerden. Usability-Papst Jakob Nielsensagt dazu: „ Pay attention to whatusers do, not what they say.” (Übersetzung:„Achte darauf, was deine Usertun, nicht was sie sagen.”) Die Erfahrungzeigt, dass die Behebung konkreterUsability-Probleme einen größerenEinfluss auf die Conversion-Rate hatals die Umsetzung subjektiver Meinungenzu Farbe, Design und Wording.Wenn man dies berücksichtigt, könnenin der Auswertung unerfahrene Personeneigenständig gute Rückschlüsseaus Testergebnissen ziehen. Ein weiteresRisiko sind zu geringe Stichprobengrößen.Auch wenn die Verführungeines preiswerten Low-Budget-Testsgroß ist, sollten Websitebetreiber aufeine ausreichende Anzahl an Testernachten. Analysen mit zwei Testpersonenmögen interessante Resultatebringen. Es ist jedoch nicht einschätzbar,ob die gefundenen Problemeeinzelne Ereignisse darstellen oderverallgemeinerbar sind. So besteht dieGefahr, bei zu kleinen TesterzahlenArbeit in die Optimierung irrelevanterProbleme zu stecken. Die Erfahrungzeigt, dass sich Usability-Probleme inTests ab sieben Testpersonen systematischwiederholen. Dann kann dieRelevanz der gefundenen Problemezuverlässig abgeschätzt werden. DieAbschätzung wird umso genauer, jemehr Testpersonen verwendet werden.10 bis 20 Testpersonen liefern in derRegel belastbare Resultate.FazitCrowd-Usability-Tests sind einegünstige Alternative zu klassischenLabor-Tests und liefern vergleichbaraussagekräftige Ergebnisse. Sie könnenzur einfachen Usability-Analyse,zur Conversion-Rate-Optimierungund als Werbewirkungstests einge-TIPP:Zur Überprüfung der Usability gibt esprinzipiell zwei Methoden. Zum einensind dies die analytischen Verfahren, wiez. B. der Cognitive Walkthrough. Hier versuchtein Experte einen typischen oderauch definierten Nutzer(-Typ) zu simulierenund durchläuft dabei den angenommenenWeg durch einen Website. Ausder Erfahrung heraus weiß er, wo NutzerSchwierigkeiten bei der Erkennung von(Auswahl-)Möglichkeiten haben oder woVerständnisprobleme bei Begriffen undProzessen auftreten könnten. SolcheProblemstellen werden anschließendmit dem Designer besprochen und ggf.entschärft.Auf der anderen Seite gibt es die sog.empirischen Ansätze. Hier werdenz. B. Tests im Labor mittels Eye-Tracking-Tools,Analysen aufgrund vonTrackingdaten oder auch Methoden deraufgabengestützten Online-Befragungdurchgeführt. Eine oft latent vorhandeneGefahr ist das Unterschätzen destatsächlich notwendigen Planungsaufwands.Die Qualität und Verlässlichkeitder Ergebnisse hängt sehr stark voneiner überlegten Vorgehensweise undden Frage- und Aufgabenstellungen ab.Der oft beobachtbare falsche Einsatzsolcher Online-Fragebögen auf Webseitenhängt sicher zu einem nicht geringenTeil davon ab, dass man solche Toolsrecht schnell parametrisieren und ohnegroße Methodenkenntnisse starten kann.Fraglich bleibt zusätzlich, ob sich dennda auch immer die Richtigen veranlasstoder motiviert sehen, an Umfragenteilzunehmen. Anders gesagt: Misst mantatsächlich im richtigen Zielgruppenanteil?Daher sollte man sich durch eineneinfachen und schnellen Einsatz vonBefragungssystemen – gleich welcherArt – nicht davon entbunden sehen, sichauch fachlich damit zu beschäftigen oderentsprechende Hilfe heranzuziehen.setzt werden. Achtet man auf eineausreichende Stichprobengröße undmissinterpretiert die Ergebnisse nichtals Meinungsumfrage, sind sie einprobates Mittel, die Nutzerfreundlichkeitvon Webseiten zuverlässig zuanalysieren.77


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