Visionen - Frauenreferat

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Visionen - Frauenreferat

0203InhaltsangabeVorwortLandesrätin Mag. a Doris Hummer 04VISION 1Echte Wahlfreiheit für Frauen und Männerin einer neuen Arbeitswelt 07VISION 2Karenzmanagement ist ein Erfolgsfaktor 09VISION 3Mehr Männer in der Kinderbetreuung 11VISION 4Eine neue Form der Gemeinsamkeit -besonders für Alleinerziehende 13VISION 5Faire Löhne für Frauen und Männer 15VISION 6Mehr Frauen in EntscheidungsundGestaltungsfunktionen 17VISION 7Wir müssen das Dorf neu denken 19Illustrationen von Ulf Kossak


0607Die Fakten70 % der Frauen in Oberösterreich sind davon überzeugt, dass es noch eherschwierig ist, Familie und Beruf zu vereinbaren. (market Frauenstudie 2010)Bei Paaren mit Kindern unter 18 Jahren arbeitet in 40,7 % der Fälle der Mann Vollzeitund die Frau Teilzeit. Nur 2,7 % der Paare arbeiten beide in Teilzeit. (StatistikAustria 2009)Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für 88 % der Frauenein Grund, den Kinderwunsch aufzuschieben. (market Frauenstudie 2010)Junge Frauen machen die Realisierung ihres Kinderwunsches abhängig vonden Rahmenbedingungen im Beruf, den Möglichkeitenin der Kinderbetreuung entlastet zuwerden und vor allem einen Partner, der bereitist, die Familienagenden partnerschaftlichzu teilen. (Shell Jugendstudie 2010)Studien der OECD zeigen:Eine bessere Vereinbarkeitvon Familie und Beruf erhöhtdie Beschäftigungsrate, sichert Familieneinkommen,stärkt die Gleichstellung vonMann und Frau und fördert die Entwicklungder Kinder.Vision 1Echte Wahlfreiheit für Frauen undMänner in einer neuen ArbeitsweltViele Frauen möchten eine gute Ausbildung, einen erfüllenden Beruf und ein harmonischesFamilienleben vereinbaren. Andere wiederum entscheiden sich für die Erziehungder Kinder und für die Aufgabe als Hausfrau. Wichtig ist, dass Frauen ihre Lebensentscheidungenentsprechend ihren Wünschen, Talenten und Begabungen treffen können,dass alle Türen offenstehen und das unabhängig von Rollenbildern. Damit sichdie Karenzzeit so gering wie möglich auf die Gehaltskurve der Frauen und damit aufdie eigene Altersvorsorge auswirkt, braucht es Unterstützungsmöglichkeiten für einengelungenen Wiedereinstieg. Das Alter zwischen 25 und 40 wird für viele Frauen zurRush-Hour des Lebens, in der alles gleichzeitig erledigt werden soll: Karriere, Familie,Partnerschaft. Viele verzichten widerwillig auf einen Teil, um das Tempo mithalten zukönnen.Das Management von Familie und Beruf geht Vater und Mutter gleichermaßen an.Es wird Elternsache. Dazu braucht es die Bereitschaft der Väter, sich zu gleichen Teilenam Familienmanagement zu beteiligen, die beste Betreuung der Kinder während derBerufstätigkeit der Eltern und ein Verständnis der Unternehmen für die Familienpflichtenihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Frauen brauchen echte Wahlfreiheit. Wirschaffen dafür die Rahmenbedingungen.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Im Sinne einer kindergerechten Gesellschaft und einer optimalen Vereinbarkeitvon Familie und Beruf sollen Kinderbetreuungseinrichtungen lückenlos und flexibelangeboten werden und sich die Öffnungszeiten am Bedarf der erwerbstätigenEltern orientieren.Nach der Einführung des Gratiskindergartens wird nun intensiv am Ausbau derinstitutionellen Betreuungsangebote für unter 3-Jährige gearbeitet.In den ländlichen Regionen muss es in Zukunft mehr gemeindeübergreifendeAngebote in den Ferienzeiten und betriebsinterne Angebote geben.


0809Die FaktenJe familienfreundlicher die Unternehmen, desto mehr Frauen entscheiden sichfür Kinder. Schweden hat beispielsweise mit einem Anteil von über 62 % familienfreundlicherUnternehmen eine Beschäftigungsquote bei Frauen von 70,2 % undeine Fertilitätsrate von 1,9 Kindern pro Frau. (market Frauenstudie 2010)Der Sensibilisierung der Führungskräfte kommt eine tragende Rolle bei der einfacherenund stressfreieren Kombination von Erwerbsarbeit und Familie zu, daam Arbeitsplatz die konkrete Ausgestaltung erfolgt. (OECD, 2001, EmploymentOutlook)79 % der Frauen in Oberösterreich sind der Meinung, dass Väterkarenz nochnicht gesellschaftlich anerkannt ist.Vision 2Karenzmanagement ist ein ErfolgsfaktorDas Management von Karenzzeiten ist eine Herausforderung für Firmen. Es ist inihrem Interesse, gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiterinnen in der Babypausein Kontakt mit dem Unternehmen zu halten. Zunehmend mehr junge Frauen undMänner mit bester Qualifikation suchen ihren Job auch nach den Rahmenbedingungenfür ein erfüllendes Familienleben aus. Wir brauchen ein neues Bewusstsein,dass Work-Family-Balance ein Erfolgsfaktor für Unternehmen und Eltern ist.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:K3 – Kompetenzzentrum für Karenz & KarrieremanagementVon einem aktiven Karenzmanagement profitieren alle: Gesellschaft, Betriebe undFrauen. Ein Miteinander von Frau und Mann sichert den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeitvon Oberösterreich und steigert langfristig die Geburtenrate.Deshalb wird in Oberösterreich ein Kompetenzzentrum für Karenz- und Karrieremanagement(K3) geschaffen. Es bündelt vorhandene Aktivitäten und setzt neue Maßnahmen,um Unternehmen bestmöglich zu unterstützen. Im Besonderen sind dies:Aufbau einer Drehscheibe für Karenz und Karrieremanagement in OberösterreichSensibilisierung, Bewusstseinsbildung, Beratung und Unterstützung der Unternehmenzum Thema Karenz und KarriereUnternehmen sollen angeregt werden, innovative Modelle anzubieten, damit es fürFrauen leichter wird, Familie und Beruf zu vereinbarenRegelmäßige Firmenbesuche und Erfahrungsaustausch zwischen den UnternehmenWorkshops und Veranstaltungen für UnternehmenÜberblick über FördermöglichkeitenImagebildung und Öffentlichkeitsarbeit zum ThemaEnge Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen, ExpertenInnen undMultiplikatorInnenInstallierung einer Online-Plattform mit Informationen zum Thema Karenz undWiedereinstieg (Website, Newsletter)


1011Die FaktenDie pädagogischen Berufe sind weitgehend verweiblicht, Männer fallen für Kinderals Bezugs- und Vorbildpersonen in diesen Berufen immer mehr aus. (Handbuchzur Chancengleichheit, Initiative Taten statt Worte/Bundesministerium fürWirtschaft, Familie und Jugend)Vision 3Mehr Männer in der KinderbetreuungNoch immer sind Kinderbetreuung und Kinderbildung, auch die institutionelle,weitgehend Frauensache. Kinder brauchen Männer und Väter aber genauso umsich gut zu entwickeln. Männer sollen mehr als bisher angeregt werden, in diese Berufeeinzusteigen. Sie werden wichtige Bausteine sein, um das Bild von Vätern undMännern zu verändern. Vatersein darf für Männer kein Nachteil sein. Sie müssen dieChance haben, tragfähige Bindungen zu ihren Kindern zu entwickeln. Dafür brauchensie die Akzeptanz ihrer Geschlechtskollegen und auch berufliche Chancen inBereichen, die bisher den Frauen überlassen waren.Als Übergangs- und Einstiegsmöglicheit sind Zivildiener verstärkt in Kindergärtenund Horten einzusetzen.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Pilotprojekt Zivis in den KindergärtenIm Herbst 2011 startet ein Pilotprojekt mit Zivildienern in Kinderbetreuungseinrichtungenin oberösterreichischen Gemeinden. Es wird jungen Männern die Möglichkeiteines Einstiegs in die Elementarpädagogik geboten. Die Kindergärten könnenerproben, wie in gemischt geschlechtlichen Teams die Pädagogik entwickelt wird.Kinder bekommen in der Tagesbetreuung männliche Bezugspersonen.


1213Die FaktenDie Zahl allein erziehender Eltern steigt kontinuierlich, vor allem die Zahlallein erziehender Mütter. 12,1 % aller Familien in Oberösterreich leben mit einemElternteil. Alleinerziehende mit Kindern unter 15 Jahren sind zu 92,1 % Frauen.(Statistik Austria, Mikrozensus 2009)Vision 4Eine neue Form der Gemeinsamkeit -besonders für AlleinerziehendeImmer mehr Mütter leben mit ihrem Kind allein in einem Haushalt. Sie tragen nichtnur einen Großteil des Alltags alleine, sie sind auch besonders auf ein tragfähigesFamilieneinkommen angewiesen. Wie können wir sie als Gemeinschaft unterstützen?Es können Tageseltern oder ein mobiler Omadienst, der zu kranken Kindernins Haus kommt, hilfreich sein. Kinder wachsen in ihrer Persönlichkeit, wenn sieverschiedene Bezugspersonen haben. Die Gesellschaft wächst in ihrer Kultur, wennsie Kinder annimmt.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Förderung der Oö. Frauenberatungsstellen, die auch eine Anlaufstelle zur Unterstützungund Beratung von alleinerziehenden Frauen sind. Sie sind wichtige regionaleKompetenzzentren und Netzwerke, um Frauen zu unterstützen.Zwei Aktionstage im Jahr werden vom Frauenreferat des Landes OÖ in Zusammenarbeitmit den Frauenberatungsstellen flächendeckend in ganz Oberösterreichrealisiert. Juristinnen und Lebens- und Sozialberaterinnen stehen mit Rat und Tatzu den unterschiedlichsten Themen zur Seite.Stärkung und Ausbau des Angebots von Tageseltern.


1415Die Fakten96 % der Oberösterreicherinnen sind der Meinung, dass die Gleichberechtigungder Frauen bei den Gehältern noch verbessert werden muss. Gefolgt wird diesesRanking von den Themen Aufstiegschancen im Beruf (89 %), Wiedereinstieg inden Beruf (78 %) und Kindererziehung (67 %). (market Frauenstudie 2010)Der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen liegt in Österreich um 26 % unterjenem der Männer (EU-Schnitt: 18 %). (Annual report on equality betweenwomen and men 2010)Vision 5Faire Löhne für Frauen und MännerGesellschaft funktioniert dann, wenn es fair zugeht und wenn auch die Löhne vonFrauen und Männern vergleichbar sind. Einkommensunterschiede und Diskriminierungvon Frauen schaden der Entwicklung moderner Familien und sind ein Nachteil für dieArbeitsmärkte, die wichtige, entwicklungsfähige Kräfte verlieren.Wenn es zudem gelingt, dass mehr Mädchen in der Berufswahl Rollenklischeesüberwinden und sich für andere, besser bezahlte Berufsfelder interessieren,profitieren alle Beteiligten.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Einkommenstransparenz im LandEinkommenstransparenz ist ein wichtiger Schritt zu mehr Gerechtigkeit für Frauen.Alle Landesunternehmen mit mehr als 150 dauernd beschäftigten ArbeitnehmerInnenverpflichten sich erstmals zum 31. Juli 2011 einen Einkommensbericht zu erstellen.Oberösterreich übernimmt damit eine Vorreiterrolle, denn laut Gleichbehandlungsgesetzwäre dies erst ab dem Jahr 2014 vorgesehen.Frauen in die TechnikDas Frauenreferat des Landes OÖ unterstützt Frauen mit zahlreichen Angebotentechnische Berufe zu ergreifen (Girls’ Day, Traumberuf Technik, ...) und fasst diesein einem System übersichtlich zusammen.Das Frauenreferat des Landes OÖ und die Direktion Bildung und Gesellschaft unterstützenFrauen mit zahlreichen Angeboten und Awareness-Maßnahmen umtechnische Berufe zu ergreifen (Girls’ Day, Traumberuf Technik, ...) und arbeitenaktuell an einer neuen Strategie um deren Wirksamkeit zu erhöhen.


1617Die FaktenDie US-Frauenorganisation Catalyst untersuchte die 500 größten AktiengesellschaftenAmerikas und kam zum gleichen Schluss wie die UnternehmensberatungMcKinsey: Die Firmen mit den meisten Frauen im Vorstand erzielten imVergleich zu solchen ohne Frauen eine bis zu 53 % höhere Eigenkapitalrendite.Der EU-Bericht 2010 über das Geschlechtergleichgewicht in Führungspositionenkommt zu dem Ergebnis, dass Frauen im Durchschnitt 12 % der Vorstandsmitgliederder größten börsennotierten Unternehmen in der EU und lediglich 3 %der Vorstandsvorsitzenden stellen. Die Zahlen sind je nach Land unterschiedlich,von 26 % weiblichen Vorstandsmitgliedern in Schweden und Finnland bis zu 2 %in Malta.Frauen in Führungspositionen benötigen oft mehr Ermutigung von außen alsMänner, aktiv an ihrer Karriere zu arbeiten und sich den ihnen bietenden Herausforderungenzu stellen. (Tharenou, P., Latimer, S., Conroy, D., 1994, How do Youmake It to the Top? An Examination of Influence on Women’s and Men’s ManagerialAdvancement)Vision 6Mehr Frauen in Entscheidungs- undGestaltungsfunktionenDie Chancengleichheit ist für Frauen dann gegeben, wenn sie im selben Maß wieMänner Führungs- und Gestaltungsfunktionen ausüben können. Erst mehr Frauenin Führungs- und Gestaltungspositionen garantieren, dass Entscheidungen getroffenwerden, die weibliche und männliche Perspektiven gleichermaßen berücksichtigen.Je ausgewogener die Vertretung von Frauen in Entscheidungs- und Gestaltungsgremien,desto differenzierter ist die Sichtweise und desto risikobewussterdie Entscheidungsfindung in Unternehmen. Geschlechtervielfalt bringt mehr Erfolg.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Mentoring-Programme für Frauen (Cross Mentoring, Mentoring fürGemeinderätinnen, Polittraining für Frauen)Förderung von Unternehmerinnen durch das Bildungskonto NEUGezielte Förderung von FrauennetzwerkenInitiative Frauen in AufsichtsrätenOberösterreich will eine nachhaltige Erhöhung des Anteils von Frauen in Aufsichtsrätenerreichen. 35 % der Aufsichtsratsposten in Landesunternehmen sollen bis31. Dezember 2012 mit einer Frau besetzt werden.Mit einer eigenen Ausbildung für Frauen in Aufsichtsräten sollen jene Frauenerreicht und qualifiziert werden, die auf dem Weg in die erste Führungsebene,Vorstand oder in das Top-Management sind, ebenso selbstständig berufstätigeFrauen, die Aufsichtsratspositionen anstreben oder Frauen, die seit kurzem inAufsichtsratspositionen sind.


1819Die FaktenDie Struktur der Gesellschaft verändert sich nachhaltig. Wohn- und Arbeitsortfallen für einen Großteil auseinander. (Mikrozensus 2009)Fast die Hälfte der Familien in Oberösterreich lebt mit einem Kind, 14,5 % derFamilien leben mit drei oder mehr Kindern. (Mikrozensus 2009) Die Ursprungsfamilie lebt kaum mehr in räumlicher Nähe. (Frauen in Oberösterreich,Ausgewählte statistische Ergebnisse, 2011)Vision 7Wir müssen das Dorf neu denkenKinder zu erziehen war nie die Aufgabe von Müttern und Eltern allein. Stets hat dasganze Dorf, ob Großeltern, Verwandte, Nachbarn oder Freunde mitgeholfen. Werist heute das Dorf, das eine Familie unterstützt? Und wie können die Dörfer, unsereGemeinden, flexible, unbürokratische Angebote vor Ort anregen und ermöglichen?Beispielsweise können flexible Hilfsdienste zum Teil des „Dorfes“ werden. Kinderwachsen in ihrer Persönlichkeit, wenn sie verschiedene Bezugspersonen haben. DieGesellschaft wächst in ihrer Kultur, wenn sie in Kindern ihr größtes Glück sieht.Die MaSSnahmen - dafür setze ich mich ein:Um ein möglichst flächendeckendes und bedarfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuungzu erreichen, setzt das Land Oberösterreich auch auf unterschiedlicheLösungen der Nachmittagsbetreuung (durch Schule, Hort, Freizeitpädagogiketc.). Wir fördern gemeindeübergreifende Kooperationen und die Einbeziehungvon Tageseltern, damit auch kleine Gemeinden Familien bedarfsgerechte Betreuungsplätzeanbieten können.Die Tageseltern sollen in Oberösterreich weiter ausgebaut werden, da diese einesehr flexible und familiäre Form der Tagesbetreuung sind.


Frauenreferat des Landes OberösterreichLandhausplatz 1, A-4021 LinzTelefon: +43.732.7720-11850Fax: +43.732.7720-11621E-Mail: frauen@ooe.gv.atHomepage: www.frauenreferat-ooe.atK3 – Kompetenzzentrum für Karenz und KarriereFrauen

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