Lache, Bajazzo, deine Liebe ist zerbrochen. - Volksoper Wien

volksoper.at

Lache, Bajazzo, deine Liebe ist zerbrochen. - Volksoper Wien

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zeitung

Lache, Bajazzo,

deine Liebe ist zerbrochen.”

Melba Ramos und Ray M. Wade Jr. in „Der Bajazzo

und Jörg Schneider in „Das Wundertheater”

April 12

Mai 12


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Liebes Publikum,

zur Jahreswende 2011/12 hat die Volksoper einen höchst glückhaften

„Musical-Dreisprung” absolviert. Die erste Sondheim-Premiere an unserem

Hause, „Die spinnen, die Römer!”, die beiden Konzerte zum 100. Geburtstag

von Marcel Prawy und schließlich die Volksopern-Erstaufführung von

Leonard Bernsteins „Candide” erzielten überwältigende Publikums- und

Medienerfolge.

Gerade im letztgenannten Falle freut mich dies besonders, gilt doch Bernsteins

„Comic operetta” als szenisch schwer erziehbares Kind; dank Loriots

Zwischentexten, kongenial dargebracht vom Hausherrn Robert Meyer, der

erlesenen Solistenriege und, keineswegs zuletzt, der alles umarmenden

musikalischen Leitung von Joseph R. Olefirowicz wurde das Werk zu einem

Publikumshit der Sonderklasse. Das Editorial ist zwar nicht der Ort für

Spielplan-Verlautbarungen, doch sei den „Candide”-Aficionados bereits hier

und heute verraten, dass für Jänner 2013 eine Wiederauflage des Ereignisses

geplant ist.

Für dessen Etikettierung als „leider nur konzertant” werden jene, die dabei

gewesen sind, wohl nur Kopfschütteln übrig haben. Das war ein nicht nur

musikalisches, sondern auch theatralisches Ereignis. Eine Momentaufnahme

daraus hat sich sogar zum YouTube-Renner entwickelt.

Und das kam so …

Der Volksopern-Inspizient Michael Weber (der auch die feinsinnige Lichtregie

der Abende besorgt hatte), stellte die Nummer „What’s The Use” aus

Sicht der Dirigentenkamera auf die Video-Plattform. Internetnutzer in aller

Welt konnten die ebenso musikalisch effiziente wie komödiantische Selbstchoreographie

des Dancing Conductor (des „tanzenden Dirigenten“) genießen

– bis ein Verlagseinspruch eine Tilgung des Videos erzwang. 45.140 Aufrufe

hatte die Delikatesse bis dahin erzielt. Und ein rauschendes Echo, von

den Zeitungen Baltimore Sun („Ich stelle mir vor, Oliver Hardy als Dirigent

hätte nicht weniger Spaß gemacht als Joseph R. Olefirowicz, der in diesem

Video-Clip aus der Volksoper in Wien so cool und lustig und ausdrucksvoll

ist, wie man es nur sein kann.”) und New Yorker Magazine (dessen Musikkritiker

den Clip auf seinem Blog gepostet hat, mit dem Vermerk: „Dirigent

des Jahres”) bis hin zu Liebeserklärungen und Heiratsanträgen für den

Dirigenten …

Der Verlag hatte angesichts des Erfolges ein Einsehen: Der „Candide”-Clip

darf wieder auf YouTube gezeigt werden und hat im zweiten Anlauf schon

über 50.000 Aufrufe, Tendenz steigend …

Viel Freude wünschen wir auch Ihnen mit der Volksoper auf YouTube –

und nach wie vor an Ihrem Stammplatz in der Währinger Straße!

Ihr

Christoph Wagner-Trenkwitz

Chefdramaturg

2_3

Inhalt

04

Premiere „Das Wundertheater”/

„Der Bajazzo

08

Damals …

Hans Werner Henzes „Pollicino”

09

Pressespiegel „Candide”

10

Das Ballettprogramm

„Carmina Burana”

14

Wiederaufnahme

„The Sound of Music”

17

Fragebogen

Axel Herrig

18

Wiener Musik und Melange

Matinee 150 Jahre Julius Meinl Kaffee

19

Bechtolf & Franui

20

Pressespiegel

„Die spinnen, die Römer!”

22

Neu an der Volksoper

Impressum

Volksoper Wien, Saison 2011/12

Direktor: Robert Meyer, künstl. Geschäftsführer

Mag. Christoph Ladstätter, kaufm. Geschäftsführer

Zeitung Ausgabe 21, April/Mai 2012

Erscheinungsweise: zweimonatlich

Redaktionsschluss: 10. Februar 2011

Herausgeber: Wiener Volksopernfreunde (VOF),

Goldschlagstraße 84, 1150 Wien

Medieninhaber: Volksoper Wien GmbH,

Währinger Straße 78, 1090 Wien

Volksopern Nachrichten Nr.: 17, 2011/12

Redaktionsleitung: Helene Sommer und Christoph

Wagner-Trenkwitz

Redaktion: Jürgen Bauer, Felix Brachetka, Eva

Ehgartner-Ruprecht, Eva Koschuh, Nina Moebius,

Alfred Oberzaucher, Prisca Olbrich, Gerald C. Stocker,

Eva Wopmann

Gestaltung: Elisabeth Mayr

Hersteller: Druckerei Walla

Bildnachweise: Elisabeth Bolius, Dimo Dimov,

K. Hasegawa, Rudolf Klaban, Rita Newman, Barbara

Pálffy, Agenturen, Archiv der Volksoper Wien


Zu tun als ob

Hans Werner Henzes „Das Wundertheater”

Wir erinnern uns alle an die Geschichte von des

Kaisers neuen Kleidern, worin keiner es sich merken

lassen will, dass er nichts sieht, bis endlich ein Kind, das

noch die Stimme der Unschuld besitzt, den Schwindel

entlarvt. Am Ende wissen zwar alle, dass das Kind

recht hat; die Mächtigen aber konservieren den Schein

ungeachtet aller Wirklichkeitsevidenz. Er behauptet

sich als normativer Kodex noch, nachdem er längst

widerlegt worden ist. Die Prozession des nackten

Kaisers wird fortgesetzt und die Kammerherren tragen

jene Schleppe, die gar nicht da ist. Auch in Gottfried

Kellers Novelle „Kleider machen Leute” vom armen

Schneidergesellen Wenzel, der den Kleinstadtbewohnern

einen gehörigen Bären aufbindet, findet sich dieses Motiv.

Nicht zu vergessen sei schließlich Wilhelm Hauffs Märchen

von dem allseits bewunderten rotbefrackten Jüngling,

der sich am Ende – „Zauberei und höllischer Spuk”

– den verdatterten Provinznesteinwohnern als Affe

ent puppt. Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann

haben 1963/64 die bissig-parodistische Komische Oper

Ray M. Wade Jr., Jörg Schneider

„Der junge Lord“

aus diesem Stoff

gemacht, dabei am

Ende die biedermeierlich

lustige Geschichte freilich

umgekippt „in schwarze Nacht

und Wahn” (Henze), wenn zu den

Schmerzensschreien des drangsalierten

Orang-Utans Adam ein

in brünstiges Liebes duett erklingt.

Solchen kollektiven Illusionszwang hat geradezu

archetypisch bereits der Dichter des „Don Quijote“ in

den Figuren seiner Intermezzi gestaltet, wohl, wie der

Cervantes-Biograph William Byron einmal formulierte,

allesamt „Quijotes en miniature, kleine Sanchos, die alle das

gleiche Versteckspiel mit der Wahrheit spielen”. Cervantes,

der große Dichter des Siglo de Oro, attestierte ausdrücklich

dem Theater, das sich, inzwischen sesshaft geworden,

in den aufblühenden Städten längst professiona lisiert

und kommerzialisiert hatte, die Legitimation, ja Unabdingbarkeit

politischer Ein mischung. Angriffe auf

korrupte Behörden (alcaldes), die Kasten der oft sittlich

verkommenen Ordensleute und brutalen Militärs, der

geldgierigen Wundärzte oder aller möglichen Amtsträger

wurden nicht mehr gescheut.

„Überall und jederzeit”: so lautet unmissverständlich

die Angabe von Ort und Zeit der Handlung bei Henze. An

der vom Dorfrichter Benito Repollo zu gestopftem Blech

ausposaunten Allerweltsweisheit „Man erlebt doch alle

Tage etwas Neues in der Welt”, muss also vorab gezweifelt

werden und der Subtext dazu, das salomonische

„Es gibt nichts Neues unter der Sonne”, dürfte durchaus

zutreffender sein. Von seiner Sprengkraft hat das Stück

jedenfalls nichts eingebüßt. Seine parabolische Geltung in

unserer eigenen Gegenwart mit ihren beständig perfektionierten

virtuellen Wunderwelten drängt sich geradezu auf.

Die nach einem bitterbösen Intermezzo von Miguel

Cervantes de Saavedra verfasste einaktige Oper ist eine

Persiflage auf alle Formen philiströser Borniertheit,

ein sezierend scharfer Spott auf die lächerliche Einfalt

des unverbesserlichen Sumpers, eine Anatomie ewigen

Spießertums, das schon immer daherkommt, als wäre

es eine anthropologische Grundausstattung und schon

vor dem Sündenfall inthronisiert. Cervantes’ Seitenhiebe

auf die Naturwissenschaft, die Geometrie, die

inquisitorische Praxis, den fragwürdigen Sittenkodex,

die eingefleischten Vorurteile, die angemaßten noblen

Stammbäume: dies alles kann jeder beliebigen Epoche

kleingeistigen Dünkels anverwandelt werden und welche

schon war je frei von diesem? →

Ruggero Leoncavallos „Bajazzo” von 1892 und Hans

Werner Henzes Einakter „Das Wundertheater” von 1964

stellen auf unterschiedliche Weise die Frage nach Spiel,

Realität und „Wahrheit” auf dem Theater.

„Der Bajazzo” malt in kräftigen Farben eine blutige Dreiecksgeschichte

im ländlichen Süditalien: Die fahrenden

Theaterleute Nedda und Canio sind ein Paar. Als Canio

erfährt, dass Nedda ihn betrügt, ersticht er während

der Vorstellung auf offener Bühne seine Frau und deren

Liebhaber. Dass das ergreifende Spiel auf der Bühne

bittere Realität ist, begreift das Publikum erst, als es

bereits zu spät ist.

Hans Werner Henze stellt in seinem „Wundertheater”

das Publikum ganz in den Mittelpunkt der Handlung:

Der Wundertheaterdirektor Chanfalla macht seinen Zuschauern

weis, sie könnten seine Aufführung nur sehen,

wenn sie „saubere” Christen seien. Eine Szene nach der

anderen wird angekündigt, das Publikum kommentiert

begeistert die Darbietungen. Als ein Außenstehender

die Attraktionen des Wundertheaters als das entlarvt,

was sie in Wahrheit sind – als pures Nichts – fallen die

wütenden Zuschauer über ihn her.

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Hans Werner Henze/Ruggero Leoncavallo

Das Wundertheater/

Der Bajazzo

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am Samstag, 31. März 2012

Weitere Vorstellungen am 5., 13., 15., 18., 22., 25. April 2012

Werkeinführung jeweils eine halbe Stunde vor Beginn der

Vorstellung (Premiere ausgenommen) im Galerie-Foyer

Regie und Bühnenbild: Thomas Schulte-Michels

Kostüme: Tanja Liebermann

Choreographie: Teresa Rotemberg

Choreinstudierung: Thomas Böttcher

Dramaturgie: Helene Sommer

Hans Werner Henze (*1926)

Das Wundertheater

Oper in einem Akt

nach einem Intermezzo von Miguel de Cervantes

Deutsche Fassung von Adolf Friedrich Graf von Schack

Dirigent: Gerrit Prießnitz

Mit: Jörg Schneider/Alexander Pinderak (Chanfalla,

Wunder theaterdirektor), Martina Dorak/Renate Pitscheider

(Chirinos), Karl-Michael Ebner/Paul Schweinester

(Der Knirps), Alexander Trauner (Der Gobernadór), Martin

Winkler/Florian Spiess (Benito Repollo), Elisabeth Schwarz/

Heidi Wolf (Teresa), Patrick Lammer (Repollo), Klemens Sander/

Julian Orlishausen (Juan Castrado), Andrea Bogner/Birgid

Steinberger (Juana Castrada), Christian Drescher/Thomas

Sigwald (Pedro Capacho), Nicolaus Hagg (Fourier)

Ruggero Leoncavallo (1857–1919)

Der Bajazzo

Drama in zwei Akten und einem Prolog

Text von Ruggero Leoncavallo

Deutsche Fassung von Oliver Binder

Dirigent: Enrico Dovico

Mit: Ray M. Wade Jr./Michael Ende (Canio/Bajazzo), Melba

Ramos/Elisabeth Flechl (Nedda/Colombina), Morten Frank

Larsen/Alik Abdukayumov (Tonio/Taddeo), JunHo You/Paul

Schweinester (Beppo/Harlekin), Mathias Hausmann/

Klemens Sander (Silvio)

Diese Produktion widmet Ihnen:


„Das Wundertheater“ von 1949, ein Spiel von Täuschung

und blasierter Selbsttäuschung, war Hans Werner

Henzes erstes Werk für das Musiktheater. „Ich nannte

es”, so erinnerte er sich als Siebzigjähriger, „‚Oper für

Schauspieler’, ich hatte damals meine Probleme mit

Opernsängern, fand sie plump und platt, war daher als

Theatermacher auf Schauspieler und am liebsten auf

den Tanz angewiesen”. Das Werk, eingeleitet und beendet

mit einer identischen Zwölftonreihe, aber ansonsten

keineswegs „streng und genau nach den strengen und

genauen Regeln” dodekaphonisch gehalten – „ich habe

mich immer geweigert, einer Denkschule anzugehören”

(Henze) –, lässt gelegentlich ein stilistisches Konglomerat

erklingen, darunter parodistische und persiflierende

Elemente, bisweilen an Strawinskys im Ersten Weltkrieg

entstandener „L’Histoire du soldat“ erinnernd. In

der Fagotteinleitung der zweiten Rhapsodie der Kammeroper

klingt ganz offenkundig Prokofjews gut ein

Dutzend Jahre zuvor vollendetes sinfonisches Märchen

„Peter und der Wolf“ auf. Die einundzwanzig kleinen

Charakterstücke tragen musikalische Bezeichnungen

wie Capriccio, Rondo, Cantiléne oder Impromptu, was

gleichfalls durchaus parodistisch gemeint war. „Ein

lustiges Wortspiel” eben, so Henze, das wie die Tricks

des Zauberers etwas behauptet, was gar nicht existiert.

Fünfzehn Jahre nach der Heidelberger Uraufführung

revidierte der inzwischen versierte Opernkomponist

das noch nicht einmal eine Stunde währende Stück für

die Frankfurter „Städtischen Bühnen”, wo es mit „Ein

Landarzt“ und „Das Ende einer Welt“ sehr erfolgreich

als Triptychon gespielt wurde. Aus Sprechrollen formte

er Gesangsrollen, das zu dick besetzte Orchester wurde

auf siebzehn Instrumentalisten reduziert.

„El Retablo de las maravillas“ (um 1605) zählte zu jenen

entremeses (Zwischenspielen) aus der zweiten Schaffensphase

Cervantes’ nach der Jahrhundertwende, die

nicht aufgeführt wurden, weil die Theaterkompanien

strikt eingeschworen waren auf die einzig geltende

Bühnenästhetik, die Comedia nueva des Lope de Vega.

Dieser ehemalige Jesuitenschüler und überzeugte

Propagandist der Altchristen (christianos viejos) griff

Cervantes unentwegt an und geizte dabei nicht eben

mit unflätigen Attacken auf dessen jüdische Abstammung,

die bis heute entweder – und mit nicht geringer

Wahrscheinlichkeit – behauptet oder bezweifelt wird.

Cervantes selbst wandte sich indes mit aufrichtigem

christlichem Ethos immer wieder gegen den sich ausbreitenden

Rassismus der propagierten limpieza de sangre

(die nichtmaurische und nichtjüdische „Reinblütig keit”

als Zuerkennungsgrundlage für das Bürgerrecht ansah);

so auch im „Wundertheater“, worin der Dorfrichter allen

Ernstes behauptet, er könne die Wunder erkennen, weil

er „eine zolldicke Schwarte von stinkaltem Christenspeck”

besitze.

Henze erkannte gleich die Brisanz und Relevanz der

kleinen Farce für die eigene Gegenwart unmittelbar

nach dem Zweiten Weltkrieg, den er selbst noch als

Soldat erlebt hatte: „Ich habe mein ganzes Leben lang

unter dieser Zeit gelitten, in der ich involviert war als

Uniformträger und Schießeisenbenutzer. Die schlimmste

Zeit meines Lebens, vielleicht besonders schlimm, weil

meine bestimmte Art zu leben und zu denken und zu tun

stark anders sich machte als es üblich war.”

Sein großes Thema war nunmehr die Verweigerung, der

Nonkonformismus und die Aufgabe „meiner Generation,

die moralischen Verhältnisse in diesem Land zu korrigieren,

(…) die Verlogenheiten zu entlarven”. Hieraus rührte

ganz offenkundig die Auswahl der spanischen Barockszene

und „der Antisemitismus (…), den es damals angeblich

nicht mehr gab, ist ein wichtiges Thema in diesem Stück.

Auch die Verlogenheit der Leute, die Falschheit und das

Sich-Aufführen, als ob, zu tun als ob”. –

Als ob: Genau davon handelt „Das Wundertheater“. Der

Schein hat sich vor das Sein gestellt und der magische

Zauberdirektor der fahrenden Puppentheatertruppe,

Chanfalla, foppt ein ganzes Dorf mit Trugbildern, bis

endlich ein ortsfremder Fourier die Wahrheit ausspricht,

das ganze Blendwerk als Schwindel entlarvt

und gleichsam wegen Zerstörung des Scheins vom wundergläubigen

Kollektiv niedergeschlagen wird.

Genauso ergeht es noch heute oft genug jenen, die sich

nicht betrügen lassen wollen von der gleisnerischen

Allmacht der modernen Chanfallas, der hochgerüsteten

Bildervergötzer, von den taktischen Simulationen der

Medien, der blinden und digitalen Welt vorproduzierter

Zeichen und dem Terrorismus der Fiktionalisierungen,

solchen eben, die es wagen zu rufen: „Der Kaiser ist nackt.”

Norbert Abels

Norbert Abels ist Chefdramaturg der Oper Frankfurt und Mitherausgeber

des Bandes „Hans Werner Henze und seine Zeit”, der demnächst im

Laaber-Verlag erscheint. Dieser Artikel ist ein Originalbeitrag und wird

ungekürzt im Programmheft zur Premiere „Das Wundertheater”/„Der

Bajazzo” erscheinen.

Ein Abend für Hans Werner Henze

Mittwoch, 28. März 2012, 20:00 Uhr, Balkon-Foyer

Anlässlich der Premiere des Henze-Einakters „Das

Wundertheater” widmet die Volksoper am 28. März

dem großen deutschen Komponisten eine Einführungsveranstaltung

im Balkon-Foyer. Neben einer Einführung

in „Das Wundertheater” und Gesprächen mit Dirigent

Gerrit Prießnitz und Regisseur und Nestroy-Preisträger

Thomas Schulte-Michels hören Sie die „Whispers from

Heavenly Death” nach Walt Whitman und die „Three

Auden Songs”, außerdem eine Sonatina aus „Pollicino”.

Moderation: Helene Sommer

Mit: Heidi Wolf, Stephen Chaundy, Anne Harvey-Nagl,

Gerrit Prießnitz

Heute im Foyer …

Dienstag, 10. April 2012, 19:30 Uhr

Kammermusik

Duo DJ

Das Duo DJ – Dejana Golocevac (Violine) und Jasna

Tucovic (Klavier) – spielt Musik von George Gershwin

und Leonard Bernstein. In reizvollen Arrangements

für Violine und Klavier erklingen u. a. Gershwins „Ein

Amerikaner in Paris”, Ausschnitte aus „Porgy and

Bess” und eine Suite aus Bernsteins „West Side Story”.

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Japan-Gastspiel

Über 260 Mitglieder der Volksoper – Sänger, Orchester,

Chor, Ballett, Technik und Administration – begeben

sich Ende Mai auf Gastspielreise nach Tokio. Bereits

zum 8. Mal ist die Volksoper zu Gast am Bunka Kaikan

Theater, einer der wichtigsten Bühnen Japans und

beliebtes Ziel renommierter europäischer Theater und

Opernhäuser. Neben den Operetten „Die Fledermaus”

(Dirigent: Alfred Eschwé) und „Die lustige Witwe” (Dirigent:

Enrico Dovico) kommt auch die Oper „Die lustigen

Weiber von Windsor” unter der Leitung von Sascha

Goetzel zur Aufführung.


„Von Kindern für Kinder”

Die Österreichische Erstaufführung von Hans Werner Henzes „Pollicino” an der Volksoper

Noch nie habe er solchen Spaß an der Arbeit gehabt,

schrieb Hans Werner Henze in sein Tagebuch, wie mit

der Komposition seiner Kinderoper „Pollicino” („Der

kleine Däumling”), die 1979/80 für das Festival „Cantiere

Internazionale d’Arte” in Montepulciano entstand.

Henze widmete dieses im August 1980 uraufgeführte

Werk den Kindern dieses toskanischen Städtchens, die

sich nicht nur unter der begeisterten Zuschauerschar

befanden, sondern auch auf der Bühne und im Orchester

anzutreffen waren.

Das Libretto der Oper von Giuseppe Di Leva stützte sich

im Wesentlichen auf die italienische Übertragung des

Märchens „Le Petit Poucet” von Charles Perrault. Auch

aus Ludwig Bechsteins Märchensammlung ist die Geschichte

vom kleinen Däumling bekannt, der mit seinen

sechs Brüdern aus Hungersnot von den Eltern im Wald

ausgesetzt wird. Der Däumling ist zwar klein, aber

schlau: Mit Hilfe von Kieselsteinen, die er auf dem Weg

in den Wald ausstreut, gelingt den Kindern die Rückkehr.

Da sich aber bald wieder Hunger im Elternhaus

einstellt, werden die Kinder ein zweites Mal in den Wald

geschickt. Der Däumling hat diesmal nur Brotstücke

vorrätig, die alsbald von den Vögeln gefressen werden.

Die glückliche Heimkehr misslingt und die Brüder

gelangen zum Haus des Menschenfressers. Nur mit

knapper Not entkommen sie dem gefräßigen Hausherrn.

In Henzes Oper rettet Pollicino durch eine List auch die

unglücklichen sieben Töchter des Menschenfressers.

Nach Überquerung eines Flusses fällt von den Mädchen

alles Monströse ab und die Kinder heißen mit einem

Lied den Frühling willkommen …

Der Komponist erstellte selbst die deutschsprachige

Fassung des „Pollicino”, die sehr bald ihren Weg an

die Wiener Volksoper fand: Hier wurde die Kinderoper

am 20. Juni 1983 erstmals in Österreich in der Regie

von Robert Herzl aufgeführt. Uwe Theimer leitete ein

ausschließlich mit Schülern der Musiklehranstalten

Wiens besetztes Orchester. Auf der Bühne agierten

sanges- und spielfreudige Kinder. Der Sängerknabe Dominik

Orieschnig als Pollicino stand im Mittelpunkt der

Aufführung. Als einzige Erwachsene waren Christian

Boesch (Vater, Wolf und Menschenfresser; im Bild) und

Helga Papouschek (Mutter, Uhu und Frau des Menschfressers)

besetzt. Rolf Langenfass hatte ein märchenhaftes

Bühnenbild gezaubert: einen Märchenwald aus

geknüpften Seilen, die unmerklich immer dichter wurden,

phantasievolle Waldtiere und ein heiter-sonniges

Frühlingsfinale.

„Die Vorhänge zuletzt sind nicht zu zählen”, schrieb Ditta

Rudle in der Wochenpresse und Karlheinz Roschitz

stimmte in der Kronenzeitung in den Jubel ein: „Mit

Hans Werner Henzes ‚Pollicino’ hat die Volksoper das

große Los gezogen. Eine Oper, nicht nur für Kinder als

Zuschauer, sondern auch zum Mitmachen.”

In Österreich wurde „Pollicino” zuletzt im November

und Dezember 2011, ebenfalls in der Regie von Robert

Herzl, im Stadttheater Baden aufgeführt. fb

„Mit ‚Candide’ erweist die Volksoper

Leonard Bernstein alle Ehre”

Pressestimmen zur Premiere von „Candide” am 22. Jänner 2012

„Der Ruf der Unaufführbarkeit eilt ‚Candide’, der

‚Comic Operetta’ Leonard Bernsteins, voraus. 1956

uraufgeführt, war sie in der Folge immer wieder ein

Flop. Die Rettung brachte die konzertante Fassung von

1993, für die Vicco von Bülow seine Erzähltexte schrieb.

Die Volksoper wagt sich nun an diese Version, in der

Hausherr Robert Meyer, im Lederfauteuil vor dem

Dirigenten sitzend, Bülows erklärende Texte liest.

Meyer in seinem Element! Bülows spitze, sarkastischzynische

Darstellung dieser haarsträubenden

Geschichte von der ‚besten aller Welten’, wie Voltaire sie

erdachte, sind für Meyer wie geschaffen.”

Kronen Zeitung

„‚Noch Fragen?’ Dieser letzte augenzwinkernde Einwurf

des Erzählers stammt nicht von Loriot, sondern

steht schon in der Partitur – und fasst gemeinsam

mit den nochmals hymnisch sich aufschwingenden

Schlusstakten des Orchesters Leonard Bernsteins

ganzen ‚Candide’ zusammen: als schlicht hinreißende

Verquickung von Tiefgang und Unterhaltung, von großer

Oper, Operette und Musical, von Scherz, Satire, Ironie

und tieferer Bedeutung.”

Die Presse

Fotos oben v. l.: Jennifer O'Loughlin, Stephen Chaundy;

Morten Frank Larsen; Karl Huml, Kim Criswell, Jeffrey Treganza

Foto unten: Robert Meyer

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Wegen des überwältigenden

Erfolgs wird

Leonard Bernsteins

„Candide”

in der Konzertfassung von

Loriot im Jänner 2013

wiederaufgenommen!

„In der Volksoper hat man mit der urkomischen

Kim Criswell als hinreißender Old Lady, dem beinahe

introvertierten Stephen Chaundy als Candide, der

koloraturensicheren Jennifer O’Loughlin als Cunegonde,

dem zuweilen steif seine Pointen servierenden Morten

Frank Larsen als Pangloss/Martin, Beate Ritter als

bagschierlicher Paquette, Steven Scheschareg als präzise

artikulierendem Maximilian und Captain und dem

unverwüstlichen Otoniel Gonzaga als Governor eine

stimmige Besetzung gefunden.”

Die Furche

„Die haarsträubenden Episoden des Stückes, die jedem

Abenteuerroman zur irrwitzigen Ehre gereichen würden,

bieten zahllose Möglichkeiten für die effektvolle

Selbstdarstellung jener immer wieder von den Toten

auferstehenden Charaktere.

Da wäre die edle Cunegonde, die – aus ihrer heilen Welt

herausgerissen – als leichte Dame den Globus bereist,

bis sie mit ihrem Candide (tadellos Stephen Chaundy)

schließlich bürgerliche Ruhe zu erlangen versucht.

Jennifer O’Loughlin verleiht Cunegonde theatrale

Strahlkraft, wobei besonders die koloraturgeprägte

Nummer ‚Glitter And Be Gay’ zu einem nicht enden

wollenden Applaus führte, da sich auch vokal

Besonderes ereignet hatte.

Nicht minder schillernd in ihrer deftigen Schrillheit die

Old Lady, deren (in Form eines Tangos durchgeführter)

Kampf gegen die Schwerkraft Kim Criswell grandios

vermittelt.”

Der Standard

„Auch musikalisch bleiben kaum Wünsche offen.

Dirigent Joseph R. Olefirowicz animiert das gut

aufgelegte, spielfreudige Orchester zu größter Brillanz

und zeigt auch, wie perfekt Bernstein mit melodischen

Formen jongliert, wie spaßig diese Musik ist. (…)

Mit diesem ‚Candide’ erweist die Volksoper Leonard

Bernstein alle Ehre. Berechtigter Jubel.”

Kurier


Zwischen „E” und „U”

Besonderheiten des Ballettprogramms „Carmina Burana”

Florian Hurler, Ensemble

Außer der ganz besonderen Tatsache, dass alle drei Ballette, die das Wiener Staatsballett

in seiner letzten Premiere in der Volksoper Wien herausbrachte, speziell für das Haus am

Währinger Gürtel erarbeitet wurden, verbindet die drei Werke noch einiges mehr.

Zum einen sind das die Choreographen, beziehungsweise

die Choreographin: Sie sind „eigene” oder ehemals

„eigene” Künstler, das heißt, Ensemblemitglieder. Vesna

Orlic, die für die Choreographie von Carl Orffs „Carmina

Burana” verantwortlich ist, ist Ballettmeisterin des

Wiener Staatsballetts in der Volksoper. András Lukács,

der seine Sicht von Maurice Ravels „Bolero” auf die

Bühne brachte, ist Halbsolist der Kompanie. Und Boris

Nebyla, der sich Claude Debussys „Nachmittag eines

Fauns” zuwandte, war langjähriger Solotänzer des Wiener

Staatsopernballetts.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass es sich bei den

in dem Programm vorgestellten Stücken um Hauptwerke

der Musikliteratur handelt. Diesen wiederum

ist noch mehr gemeinsam: Alle drei Werke führen ein

Doppelleben, denn sie sind im Konzertsaal ebenso zu

Hause wie auf der Ballettbühne. Sieht man einmal von

„Nachmittag eines Fauns” ab, das zwar ursprünglich

von Debussy für die Bühne gedacht, dann aber doch für

den Konzertsaal geschrieben wurde, „holten” berühmte

Dirigenten sowohl „Carmina Burana” als auch „Bolero”

von der Bühne weg in den Konzertsaal und machten

die jeweilige Komposition zu einem ihrer Paradestücke.

Durch das Dirigat bekannter Persönlichkeiten stiegen

die Stücke wiederum zu Spitzenreitern der ehemaligen

Schallplattenindustrie auf. Was folgte, waren verschiedene

Arrangements für Orchester, diese beförderten

und befördern zusätzlich die Vermarktung. Aber es gibt

noch eine weitere Gemeinsamkeit: Alle drei Werke sind

mittlerweile derart populär, dass sie – freilich nur in

der Wahrnehmung der Rezipienten – gewissermaßen

die Seiten wechseln. Von der Seite „E” – von der „seriösen”

Musik – wandern sie zu „U”, also zur Seite der

„Unterhaltungsmusik”, ein Faktum, das den mittlerweile

zu „Hits” gewordenen Musikstücken wiederum neue

Märkte eröffnet. Alle drei Kompositionen wurden und

werden, und hier oftmals ins Vulgäre abdriftend, für

Film, Werbung und Videoclips herangezogen, wobei

allein auf vordergründigen Reiz abgezielt wird.

Dies trifft vor allem auf „Carmina Burana” zu, eine

Komposition, deren Rezeptionslinien wahrhaft erstaunliche

Wege genommen haben. Die erstaunlichsten

dieser Wege wurden aus Anlass einer Aufführung der

Komposition von Orff in einem Programmheft für die

Berliner Philharmoniker angeführt. Tobias Müller listet

dabei folgende Kuriositäten auf: Der überaus effektvolle

Eingangschor „O Fortuna” unterstützt eine Schokoladenwerbung,

er ist des Weiteren die Filmmusik zu „Excalibur”.

Orffs Musik ertönte bei einem Wettbewerb der

deutschen Bodybuilder, erklang als Opener für Michael

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Jackson und Robbie Williams und auch der berühmte

deutsche Boxer Henry Maske stimmte (bis die Orff-Erben

protestierten) sich selbst und seine Zuschauer mit

Orff auf den Kampf ein.

Ein ähnliches Schicksal erfuhr Ravels „Bolero”, wobei

allerdings in diesem Zusammenhang amüsantere

Beispiele in den Sinn kommen. Da wäre etwa Bo Dereks

Verführungsversuch in dem Film „Zehn – Die Traumfrau”

zu nennen (nach dem Erscheinen des Films wäre,

nach Aussage des Internets, der Titel wochenlang völlig

vergriffen gewesen). Unvergessen ist auch Gerhard

Bronners und Carl Merz’ „Cocktail-Bolero” mit seinem

hinreißenden Refrain „Hab’n Sie was zu trinken?”. Dass

die effektvolle Musik das Treiben auf dem Eis anzieht,

ist nur zu verständlich. Eine „Eisversion” der Komposition

steht seit vielen Jahren im Repertoire von Holiday

on Ice. Im Programmheft ist darüber zu lesen: „Einmal

mehr ist Ravels ‚Bolero’ das Meisterstück der Solisten

der Show. Während die Musik anschwillt, präsentiert

jeder einzelne Künstler auf dem Eis sein einzigartiges

Können. Leidenschaft pur bis zum dramatischen Höhepunkt.”

„Leidenschaft pur” versinnbildlichte auch jene

Parodie, die Otto Schenk zusammen mit Kathrin Beck auf

dem Eis tanzte und die offenbar darauf abgezielt hatte,

das Olympionikenpaar Torvill/Dean zu persiflieren.

Dass die subtile Musik zu „Nachmittag eines Fauns” in

dieser Aufzählung erst Platz drei einnimmt, ist nicht

verwunderlich, obwohl diese leise Musik sich sehr oft in

einem „Strauß” für „Zärtliche Abendstunden” oder „Romantik

bei Kerzenschein” findet. CDs solcher Art sind

häufig bei den Kassen der Supermarktketten erhältlich.

In der populären Rezeption dieses Musikstücks gibt es

allerdings eine mehr als bemerkenswerte Interpretation:

Die Rede ist von John Currys Sicht der Musik für

das Eis. Currys wahrhaft erstaunliche Auslegung, in der

er lupen- und kantenrein an der Grenze zwischen „E”

und „U” läuft, unterstreicht in wunderbarer Weise zwei

der herausragenden Qualitäten der Komposition: den

Fluss der Musik, der von Curry in einem nicht enden

wollenden Gleiten realisiert wird, sowie die sich öffnenden

Räume, die offenbar nicht nur flirrende Hitze,

sondern auch eine erstarrte Kälte zulassen!

Es muss wohl nicht extra darauf hingewiesen werden,

dass sich die drei Choreographen des neuen Ballettabends

in der Volksoper Wien in ihren Arbeiten ausschließlich

auf „E”-Bahnen, das heißt also, im „seriösen”

Bereich, bewegen.

oz

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August Zirner, Komparserie der Volksoper Wien

Die Entführung

aus dem Serail

Giacomo Wolfgang Puccini Amadeus Mozart

Dirigent: Stefan Gerrit Prießnitz Klingele/Alfred Eschwé

Regie: Robert Helen Malkowsky Meyer

Vorstellungen am 28. 5., 10., Jänner, 14., 25., 1., 9., 28. 15., Mai, 24., 7. 27. Juni Februar, 2012

1., 6., 16. März 2012


Die Rückkehr von „Edelweiß”

Zur Wiederaufnahme von Rodgers’ und Hammersteins „The Sound of Music”

Als US-Präsident Bill Clinton Mitte der 1990er Jahre Wien besuchte, wurde seine mitreisende Gattin gefragt, ob sie als

Abendprogramm lieber Oper, Operette oder Ballett erleben wollte. Ihr Wunsch war so klar wie unerfüllbar: „I’d like to

see a performance of ‘The Sound of Music’.” Staunen der Gastgeber: Nein, man habe keine Produktion dieses Musicals

anzubieten. Hillary Rodham Clinton staunte nicht weniger, als sie erkennen musste, dass Rodgers’ & Hammersteins

Klassiker noch nie auf einer großen Wiener Bühne zu sehen und hierzulande überhaupt weitgehend unbekannt war.

Dass drei von vier US-Touristen in Salzburg keineswegs Mozart oder „Jedermann”, sondern „The Sound of Music” als

Grund für ihren Besuch angaben und -geben, wurde hier wohlweislich nicht zur Kenntnis genommen …

Mittlerweile wird das Stück aus dem Jahre 1959 auch am

Ort seiner Handlung, in Salzburg, gezeigt; 2005 aber war

es eine „Tat” – und zwar jene der Volksoper –, das weltberühmte

Österreich-Musical mit Hits wie „My favourite

things” (wo die Volksoper dem empfindlichen Wiener

Gaumen allerdings nicht „Schnitzel with noodles”

sondern „Gulasch mit Nockerl” serviert) und „Edelweiß”

(das von vielen Amerikanern beharrlich für die lokale

Hymne gehalten wird) in einer großen Produktion

herauszubringen.

Zwar handelte es sich keineswegs um die österreichische

Erstaufführung, wie manche Medien meinten

(Innsbruck, St. Pölten und eine witzige Trash-Produktion

am Wiener Schauspielhaus waren der Volksoper

zuvorgekommen), doch ein derartiges nationales und internationales

Echo hatte bis dahin noch keine „Sound”-

Sabrina Rabitsch, Sandra Pires

Premiere in diesem Lande verzeichnen können.

Die Los Angeles Times titelte wenige Tage vor der

Premiere (in Anspielung auf eines der Lieder aus dem

Stück) „Vienna may now solve a problem like Maria”,

und fügte hinzu: „Es mag nicht gerade Mozart sein –

aber wer kann schon bei der ‚Zauberflöte’ mitsingen?”

Bei der Einführungssoiree testeten wir die Sing-Along-

Bereitschaft des Publikums, dem wir am Schluss den

„Edelweiß”-Text aushändigten. Das Entzücken war

ebenso groß wie die Teilnahme. Und der anwesende

Regisseur Renaud Doucet nahm von diesem Abend die

Idee mit, jede der Vorstellungen mit einer Sing-Along-

Zugabe des Hits zu beschließen.

Der Vertreter der Rodgers & Hammerstein Foundation,

Bert Fink, meinte damals warnend: „Dies ist ein Stück


für das Publikum, nicht für die Kritiker.” So war es keine

Überraschung, dass manches lokale Blatt den angeblichen

Reichtum an Kitsch und die mangelnde ironische

Distanz zu Österreich-Klischees anprangerte. In Printmedien

aus Übersee war das genaue Gegenteil zu lesen:

„Dank einer sensiblen Übersetzung und einer großartig

getimten Inszenierung von Renaud Doucet wurde das

Musical von jeglichem Sacharin-Kitsch befreit” (Financial

Times), oder: „Der frankokanadische Regisseur

Renaud Doucet hat in seiner fröhlichen Produktion

viel wieder gutgemacht, indem er den Zuckergehalt

minimiert und den historischen Inhalt maximiert hat.

[…] André Barbe schenkte der Show Authentizität, ohne

alles wörtlich zu nehmen. Die Alpen sind allgegenwärtig

wie in Salzburg, und [der Lichtdesigner] Guy Simard hat

ihr einzigartiges Glühen eingefangen, indem er die Bühne

in Blau-, Violett- und Orangetöne tauchte.” (Variety)

So schloss denn auch Die Presse ihren Bericht: „… doch

als das letzte Alpenglühen erlischt, bleibt nur begeisterter

Applaus. Einhellig.” Ein Stück fürs Publikum eben …

Nun, zwei Jahre, nachdem die Volksoper mit „South

Pacific” einen weiteren Schatz aus dem reichen Musical-

Schaffen der Broadway-Legenden Richard Rodgers und

Oscar Hammerstein II gehoben hat, nimmt sie „The

Sound of Music” wieder auf.

In der geschmackvollen Inszenierung von Renaud

Doucet und André Barbe wird die wahre Geschichte

der Nonne Maria Rainer auch diesmal unter die Haut

gehen: Der verwitwete Baron von Trapp, der seinen

sieben köpfigen Nachwuchs mit militärischem Drill erzieht,

findet in der quirligen Maria, die wegen Disziplinlosigkeit

aus dem Kloster entfernt wird, eine zunächst

skeptisch beäugte Haushälterin. Doch wächst die junge

Frau ihm und den Kindern immer mehr ans Herz. Angesichts

der nationalsozialistischen Bedrohung wendet er

sich von dem opportunistischen Freund Max und seiner

berechnenden Freundin Elsa ab. Mit Maria und seinen

Kindern wagt er schließlich eine abenteuerliche Flucht.

Abermals wird Sandra Pires (als Maria alternierend mit

Johanna Arrouas) an der Spitze des Solistenensembles

stehen. 2006 äußerte die Popsängerin in einem Interview:

„Meine Tochter hat die ganze Zeit fleißig ‚mitstudiert’.

Ich hoffe, das Stück bleibt so lange im Repertoire,

dass sie einmal Gretel spielen kann.” Zwar ist Sandra

Pires’ Tochter Lea aus der Rolle der Gretel mittlerweile

„hinausgewachsen”, sie wird jedoch in der diesjährigen

Aufführungsserie die Martha verkörpern.

Neu in der Besetzung sind auch einige Größere, so Axel

Herrig (der Sky der „Guys and Dolls”-Produktion) als

Baron Trapp und Conny Mooswalder, die Gewinnerin

der ORF-Castingshow „Helden von morgen”, in der Rolle

seiner ältesten Tochter Liesel.

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The Sound of Music

Musical in zwei Akten

Buch von Howard Lindsay und Russel Crouse

Musik von Richard Rodgers

Gesangstexte von Oscar Hammerstein II

Nach dem Roman von Maria Augusta Trapp

„The Trapp Family Singers”

Deutsche Fassung von Ute Horstmann

und Eberhard Storch

In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

Wiederaufnahme

am Montag, 30. April 2012

Weitere Vorstellungen am

1., 8., 11., 13., 15., 16., 20., 21., 23., 27. und 30. Mai 2012

Dirigent: Ralf Lange

Regie, Bühnenbild und Kostüme:

Renaud Doucet und André Barbe

Licht: Guy Simard

Maria Rainer: Sandra Pires/Johanna Arrouas

Schwester Margarethe: Ulrike Pichler-Steffen

Schwester Bertha: Regula Rosin

Schwester Sophie: Yannchen Hoffmann

Mutter Oberin: Ulrike Steinsky

Kapitän Georg von Trapp: Axel Herrig

Franz: Georg Wacks

Frau Schmidt:

Guggi Löwinger/Susanne Litschauer

Liesel: Conny Mooswalder/Sophia Gorgi

Friedrich: Anton Puscha/Martin Schlatte

Louise: Antonia Pumberger/Johanna Höppel

Kurt: Max Schachermayer/Simon Fischerauer

Brigitte: Anna Grabauer/Karla Kriz

Martha: Lea Schedelberger/Alice Prosser

Gretel: Sophie Sander/Magdalena Gudenus

Rolf Gruber: Martin Bermoser/Oliver Liebl

Elsa Schrader: Renate Pitscheider/Mara Mastalir

Max Dettweiler: Peter Pikl/Gernot Kranner

Herr Zeller: Gerhard Ernst

Admiral von Schreiber: Franz Waechter


Die Volksoper sucht die Superstars!

Kindercasting für „The Sound of Music”

Um das Erfolgsmusical „The Sound of Music” wiederaufnehmen zu können, galt es, die Rollen der sieben Kinder der Trapp-

Familie neu zu besetzen. Die ursprünglichen Premieren-Trapp-Kinder sind naturgemäß längst ihren Rollen entwachsen und

mittlerweile (fast) erwachsen. Im Jänner dieses Jahres wurde daher ein Kindercasting veranstaltet, um junge Talente im Alter

von 5 bis 16 Jahren zu finden.

„C … wie Cellophanpapier …”: Gemeinsam werden Ausschnitte

aus dem Musical einstudiert.

Der strengen Jury, bestehend aus Volksoperndirektor Robert

Meyer, Kinderchorleiterin Brigitte Lehr, Choreographin Lili

Clemente, Regieassistent Rudolf Klaban und Pianistin Gabriele

Andel (nicht im Bild) fällt die Entscheidung nicht leicht.

Wie bei jedem Casting heißt es auch hier Warten

und Zittern …

Wir präsentieren: Die glücklichen Trapp-Kinder

(in doppelter Besetzung)!

Axel Herrig

studierte Gesang an der Musikhochschule

in Köln. Das Repertoire des

vielseitigen Baritons umfasst Partien

aus allen Genres des Musiktheaters

von Oper (u. a. Figaro in „Der Barbier

von Sevilla“ und Graf Almaviva in „Le

nozze di Figaro”, Sharpless in „Madama

Butterfly”, Papageno in „Die Zauberflöte”)

über Operette (Dr. Falke in „Die

Fledermaus”, Graf Oscar in „Blaubart”,

Dr. Siedler in „Im weißen Rössl”) bis zum

Musical, wo er besonders als Falco im

Musical „Falco meets Amadeus” großen

Erfolg verbuchen konnte und 2001

von der Zeitschrift Da Capo zum besten

männlichen Rockmusical-Darsteller

gekürt wurde. Als Schauspieler hat sich

Axel Herrig in Theater, Film und Fernsehen

einen Namen gemacht. So wurde er 2007

für seine herausragende schauspielerische

Leistung als Oberkellner Leopold

in „Im weißen Rössl” am Grenzland theater

Aachen mit dem Kurt-Sieder-Preis ausgezeichnet.

Aus zahlreichen Film- und

Fernsehproduktionen wie z. B. „Im Namen

des Gesetzes”, „Berlin Abschnitt 40” oder

auch als Gast von TV-Shows wie „MDR

Riverboat” oder „Starnacht am Wörthersee”

ist Axel Herrig einem breiten Publikum

bekannt. An der Volksoper Wien gab der

Künstler in der Spielzeit 2008/09 sein Debüt

als Sky in „Guys and Dolls”. Ab 30. April

2012 wird er hier als Kapitän von Trapp in

„The Sound of Music” erneut zu erleben sein.

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Wiener Musik und Melange

Matinee 150 Jahre Julius Meinl Kaffee

Ein besonders genussvolles Jubiläum wird in einer Matinee am 22. April gefeiert: Julius Meinl Kaffee wird 150 Jahre

alt. 1862 begann Julius Meinl I. mit der professionellen Röstung von Kaffee und brachte durch diese Innovation echten

Kaffeegenuss in die Kaffeehäuser und Haushalte. Die Volksoper gratuliert musikalisch und literarisch.

In überraschend vielen Werken der klassischen und

moderneren Musikliteratur werden die Freuden des

Kaffee-Genusses besungen oder bilden den Hintergrund

der Szene: so in der „Fledermaus” („O je, wie rührt mich

dies”), in Benatzkys „Weißem Rössl” („Ist einmal im

Leben so”) oder Richard Rodgers’ „The Sound of Music”

(„Kein Mensch kann es ändern”). Und Frank Loesser

schuf in seinem Musical „How to Succeed in Business

without Really Trying” mit „Coffee break” eine Nummer

über die schrecklichen Folgen des Kaffee-Entzuges.

Wussten Sie, dass Hermann Leopoldi neben seinem

berühmten „Kleinen Café in Hernals” auch ein „Meinl-

Lied” geschrieben hat? Wenn Sie aber Tee vorziehen,

werden Sie mit Dimitrij Schostakowitschs Arrangement

von Vincent Youmans’ „Tea for two” oder dem Duett „Bei

einem Tee à deux” aus Franz Lehárs „Land des Lächelns”

auf Ihre Kosten kommen.

Neben Kaffeehaus-Literaten werden auch Ernst Jandl,

Eugen Roth und Friedrich Schiller zu Wort kommen.

„Ohne Liebe kann ein Herz nicht glücklich sein”, ein Lied

aus der Abraham-Operette „Dschainah, das Mädchen

aus dem Tanzhaus”, erinnert an den Kunstmäzen Julius

Meinl II., der dieses Werk 1935 für seine Frau Michiko

Tanaka in Auftrag gab. Und den Abschluss macht das

Finale von Richard Strauss‘ „Rosenkavalier”.

Bild: Julius Meinl II. mit seiner Frau Michiko Tanaka

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Wiener Musik und Melange

Matinee 150 Jahre Julius Meinl Kaffee

Sonntag, 22. April 2012, 11:00–12:30 Uhr

Mit: Andrea Bogner, Kristiane Kaiser, Renate

Pitscheider, Boris Eder, Axel Herrig, Peter Pikl,

Sebastian Reinthaller, Vincent Schirrmacher u. a.

Orchester der Volksoper Wien

Dirigent: Guido Mancusi

Präsentation: Christoph Wagner-Trenkwitz

Julius Meinl stellt 50% der

Karteneinnahmen der St. Anna

Kinderkrebsforschung zur Verfügung.

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Ernst Jandl

Dort ist das Glück

Dreimal Sven-Eric Bechtolf und die Musicbanda Franui

Er ist preisgekrönter Schauspieler, vielfältiger Musiktheater-Regisseur, Schriftsteller und Schauspielchef der Salzburger

Festspiele. Gemeinsam mit Franui, der Osttiroler „Musicbanda” seines Vertrauens und drei verschiedenen Programmen

gastiert Sven-Eric Bechtolf erstmals an der Volksoper.

November 2007. Endproben für den neuen „Ring des

Nibelungen” in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf

an der Wiener Staatsoper. Eröffnet wird die Tetralogie

nicht, wie von Richard Wagner vorgesehen, mit dem

„Vorabend” („Das Rheingold”), sondern mit deren

populärstem Stück, der „Walküre”. Bei der traditionellen

Einführungsmatinee auf der Staatsopernbühne erklingt

Unkonventionelles. Der Regisseur, quasi „nebenbei”

gefeierter Burgschauspieler, liest aus seinem Buch

„Vorabend“, es spielt eine „Musicbanda“, von der nicht

viele Besucher des hehren Instituts zuvor gehört

hatten. Das neunköpfige Ensemble aus dem kleinen

Osttiroler Dorf Innervillgraten hat seinen Namen von

einer Bergwiese in 1.400 Metern Seehöhe entlehnt:

„Franui” spielt Musik von Wagner, aber auch Schuberts

„Taubenpost”, in faszinierenden, „exotisch-alpinen”

Arrangements, in denen Bassklarinette und Harfe,

Akkordeon und Trompete unerhörte Verbindungen

eingehen.

„Die Taubenpost” stammte aus Franuis im Jahr zuvor

erschienenen Album „Schubertlieder”, das sofort zum

Geheimtipp, bald zu Kultstatus avanciert war; als 2008

das zweite Album „Brahmsvolkslieder” erschien, war es

bereits Pflicht, „Franui” zu kennen und zu lieben. 2011

schließlich beschloss das Ensemble seine Trilogie über

die Liedkunst im 19. Jahrhundert mit Bearbeitungen

von Werken des Jahresregenten Gustav Mahler. Dieser

Meister war es ja gewesen, der die Musik des 19. Jahrhunderts

abgeschlossen und zugleich viele Tore zur

neuen Musik aufgestoßen hatte.

Seit 19 Jahren musiziert „Franui” in fast gleichbleibender

Besetzung, seit rund einem Jahrzehnt hat Sven-Eric

Bechtolf die Gruppe zu seinem Lieblings ensemble

erkoren, mit dem er auch regelmäßig auftritt. Unter

anderem im Wiener Burgtheater, im Münchener

18_19

Volkstheater und bei den Tiroler Festspielen Erl haben

Sprecher und Musiker für Furore gesorgt. Der Kurier

diagnostizierte „Kultgefahr!” während die Frankfurter

Allgemeine Zeitung jubelte: „Immer schon geahnt, noch

nie so gehört!”

An der Volksoper präsentieren sie, erstmals in Wien, den

gesamten, Schubert, Brahms und Mahler gewid meten

Zyklus, wobei Bechtolf zunächst Texte zu Schubert liedern,

dann aus Ödön von Horváths Roman „36 Stunden” und

schließlich Robert Walsers „Aus dem Bleistiftgebiet”

liest. Am dritten Abend gesellt sich der „verschwunden”

geglaubte Sänger hinzu, der Bariton Daniel Schmutzhard,

der mit diesem Auftritt an die Volksoper zurückkehrt.

cwt

Bechtolf & Franui

Schubertlieder

Liederabend für Musicbanda und einen

verschwundenen Sänger

9. Mai 2012

Brahmsvolkslieder

Liederabend mit Weisen aus dem Abendland nebst

einer Geschichte von Herrn von Horváth

22. Mai 2012

Mahlerlieder

Liederabend mit Erinnerungen an die Ewigkeit samt

unverhofftem Eintreffen des Sängers*

5. Juni 2012

Mit: Sven-Eric Bechtolf, *Daniel Schmutzhard und

der Musicbanda Franui


„Verschmelzen von Gesang, Schauspiel,

Tanz und mitreißender Komik”

„Die spinnen, die Römer!” im Spiegel der Kritik

„Stephen Sondheim. Es war höchste Zeit. Aber jetzt ist

einer der besten lebenden Musical-Komponisten – der

Kunst- und nicht der Kommerzgattung dieses Genres

– auch bei uns dort angekommen, wo er hingehört: im

Opernhaus.”

Kurier

„Die Qualität der Musik, vom Orchester unter David

Levi mit Schmiss, Feinsinn und gottlob ohne die

branchenübliche Brachialverstärkung dargeboten,

steckt immer wieder im Detail: Dort, wo schlichtere

Autoren sich mit bloßen Wiederholungen begnügt

hätten, bringt Sondheim mit leichter Hand melodische

und harmonische Varianten an, die dennoch nicht

zu komplex und überladen wirken – eine brillante

Gratwanderung.“

Die Presse

„Wollen Sie lachen – ohne dafür in den Keller zu gehen?

Dann kommen Sie in die Volksoper. Hausherr Robert

Meyer präsentiert dort sich selbst – und unter dem Titel

‚Die spinnen, die Römer!’ Stephen Sondheims Musical

‚A Funny Thing Happened on the Way to the Forum’,

einen Broadway-Hit von 1962. Schräg und turbulent!

Er ist der Tausendsassa des kauzig-skurrilen Verwirrspiels

à la römische Antike, für das die großen

Komödien autoren Plautus und Terenz Pate gestanden

haben: Robert Meyer! Er spielt in Werner Sobotkas

frischfröhlich aufgemischter Inszenierung den Turbo:

Er hält ein ganzes Ensemble in Schwung und auf Trab.

Was ist doch Meyer für ein Sklave Pseudolus, der singt,

tanzt, intrigiert und stets Spaß am Theater zeigt in

einem kauzigen Stück über Roms Strich, den Verkauf

einer Jungfrau, ein dummes Liebespaar, vertrottelte

Bürger unter der Fuchtel ihrer Domina und die

Pfiffigkeit der Sklaven …”

Kronen Zeitung

20_21

Ab 12. Mai 2012

wieder auf dem Spielplan!

Sigrid Hauser übernimmt

die Rolle des Pseudolus.

Karten sind ab sofort im

Vorverkauf erhältlich!

„Meyer hat hier einen sich nach Freiheit sehnenden,

in Rom als Abhängiger seine recht niederen Dienste

Verrichtenden zu geben, der dem Sohn (sympathisch

Paul Schweinester als Hero) seines Herrn (virtuos tattrig

Herbert Steinböck als Senex) ein Versprechen abringt:

Sollte es ihm, dem Sklaven, gelingen, Hero mit jener

Dame (perfekt naiv Bettina Mönch als Philia), in die er

sich verguckt hat, zusammenzubringen – dann würde

ihm, Pseudolus, die ersehnte Freiheit geschenkt. (…)

Dass in dieser hysterievollen Komödie die Spannung

bis zum Schluss nicht abebbt, dankt man natürlich der

Comic-beeinflussten Regie (auch das Bühnenbild von

Friedrich Despalmes ist Comic-artig) von Werner Sobotka.

Laut knallt jede Pointe, es passt das Timing (sogar eine

Tür fällt ideal im Rhythmus der Musik zu). Sobotka

treibt den virtuosen Unsinn schrill auf die Spitze, und

auch eine so schmerzhaft eindimensionale Figur wie

der Offizier Miles Gloriosus (toller Narzissmus: Florian

Spiess) wirkt als durchaus passender Kontrast zum

Tohuwabohu.

Nicht zu vergessen: Dagmar Hellberg (als Domina),

Boris Pfeifer (als Hysterium), Sigrid Hauser (als Lycus),

Gernot Kranner (als Erronius) und die Choreografie

(Ramesh Nair) – sie alle glänzten an diesem Abend, wie

auch das Orchester unter David Levi.”

Der Standard

„Kurzweil vor allem durch ein ausgesprochen hohes

künstlerisches Niveau. Ein vergnügliches Verschmelzen

von Gesang, Schauspiel, Tanz und mitreißender Komik –

bis in die kleinsten Nebenrollen idealtypisch besetzt.”

Wiener Zeitung online

Fotos v. l.:

Boris Pfeifer, Gernot Kranner;

Paul Schweinester und Bettina Mönch mit den Amor-Engerln

Ronnie Veró Wagner, Oliver Liebl, Tom Schimon;

Dagmar Hellberg, Herbert Steinböck

Carnuntum

Wiedergeborene Stadt der KaiSer

www.carnuntum.co.at

www.facebook.com/carnuntum.co.at


Neu an der Volksoper

Carsten Süss

Der Tenor wurde in Mainz

geboren und studierte bei

seinem Vater Gesang. Von 1997

bis 2001 war er Ensemblemitglied

an der Semperoper

Dresden, seither gastiert er

erfolgreich an Opernhäusern

in Deutschland und im europäischen

Ausland. An der Oper

Frankfurt tritt er seit mehreren Jahren regelmäßig auf.

Er sang dort u. a. Tamino in „Die Zauberflöte”, Mazal in

Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček”, David in „Die

Meistersinger von Nürnberg”, Niki in „Ein Walzertraum”

und in der deutschen Erstaufführung von Thomas Adès

„The Tempest” die Partie des Ferdinand (Regie: Keith

Warner). Als Tamino war er außerdem an der Staatsoper

Stuttgart in einer Produktion von Peter Konwitschny zu

sehen. In der Spielzeit 2009/10 debütierte er als David an

der Oper Köln, wo er außerdem sein Rollendebüt als Loge

in „Das Rheingold” gab und den Edwin in „Die Csárdásfürstin”

sang. 2011 folgte an der Oper Frankfurt der

Leukippos in Richard Strauss’ „Daphne”. Beim Festival

Cantiere di Montepulciano wirkte er – ebenfalls in einer

Inszenierung von Keith Warner – als Albert Herring in

Benjamin Brittens gleichnamiger Oper mit. Zusätzlich

widmet sich Carsten Süss intensiv dem Liedgesang.

Er tritt seit 2006 regelmäßig bei der Schubertiade

Schwarzen berg und anderen internatio nalen Musikfestivals

auf. 2011 gab er an der Musikhoch schule Carl

Maria von Weber in Dresden mit dem Pianisten Gerold

Huber eine Meisterklasse in Liedgesang.

Hausdebüt: 16. April 2012 Edwin in „Die Csárdásfürstin”

Günter Haumer

Der österreichische Bariton

studierte zunächst Klarinette

an der Hochschule für Musik

und darstellende Kunst in

Wien. Es folgte ein Gesangsstudium

an der Musikuniversität

Wien und am

Royal College of Music in

London. Auf der Opernbühne

war der Bariton zuletzt in der zeitgenössischen Szene

präsent, wo er 2009 beim Carinthischen Sommer die Rolle

des Jesus in der deutschsprachigen Erst aufführung von

Jonathan Harveys Kirchenoper „Passion und Auferstehung”

und am Wiener Burgtheater den Amfortas in

„Mea culpa” von Christoph Schlingensief sang. Beim

Festival Retz wirkte er u. a. als Giovanni in Josef

Mysliveceks Oratorium „Der Menschensohn” und 2011

als Herald in Benjamin Brittens „Die Jünglinge im

Feuerofen” mit; beide Werke wurden unter Monika

Steiners szenischer Leitung in der Dominikanerkirche

aufgeführt. Weiters ist Günter Haumer bereits in der

Titelpartie von „Don Giovanni”, als Conte Almaviva in „Le

nozze di Figaro”, Danilo in „Die lustige Witwe”, Demetrius

in „A Midsummer Night’s Dream” und Aeneas in „Dido

und Aeneas” in Europa und Südamerika aufgetreten. An

der Volksoper Wien war der junge Künstler bisher als

Akkordeonist in der Produktion „Tannhäuser in 80

Minuten” zu hören. Ab der kommenden Spielzeit ist er

festes Ensemblemitglied des Hauses.

Hausdebüt:

21. März 2012 Bariton-Solo in „Carmina Burana”

Ray M. Wade Jr.

Seine ersten Bühnenerfahrungen

erwarb der

gebürtige Texaner 1983 bei

der Fort Worth Opera,

danach an der San Francisco

Opera und der Dayton

Opera, wo er die Partie des

Common Ground in der

Uraufführung von Adolphus

Hailstorks Oper „Paul Laurence Dunbar: Common

Ground” sang. 1993 gab er als Don Ottavio in „Don

Giovanni” am Opernhaus von Gent sein europäisches

Debüt. Von 1995 bis 1998 war er als Ensemblemitglied

des Nationaltheaters Mannheim in zahlreichen

bedeutenden Partien seines Faches zu hören: u. a. als

Alfredo in „La Traviata”, Almaviva in „Il barbiere di

Siviglia” und Camille de Rosillon in „Die lustige Witwe”.

Unter Christian Thielemann sang er 1998 im Vatikan in

Beethovens IX. Sinfonie sowie in Rossinis „Stabat

mater” unter Marcello Viotti im Gewandhaus Leipzig die

Tenorpartien. Am Prinzregententheater München

gastierte er 1999 als Belmonte in „Die Entführung aus

dem Serail”. Nach Engagements am Theater Basel und

am Staatstheater Nürnberg nahm Ray M. Wade Jr. ab

der Spielzeit 2004/05 ein festes Engagement an der Oper

Köln an, wo er bisher u. a. als Dionysos in Henzes „Die

Bassariden”, Alvaro in „La forza del destino”, Rodolfo in

„La Bohème”, Turiddu in „Cavalleria rusticana”, Canio in

„Pagliacci”, Riccardo in „Un ballo in maschera” und

Samson in „Samson et Dalila” aufgetreten ist. In einer

CD-Produktion von „Lucia di Lammermoor” mit Edita

Gruberova ist Ray M. Wade Jr. als Normanno zu hören.

Hausdebüt:

31. März 2012 Canio/Bajazzo in „Der Bajazzo

In memoriam

Professor Johannes Heesters

Ehrenmitglied der Volksoper Wien

Johannes Heesters wurde am 5. Dezember 1903 in

Amersfoort bei Utrecht geboren. Nahezu ein Jahrhundert

lang stand Johannes Heesters auf der Bühne und war

auf der Leinwand zu erleben. Seinen ersten Bühnenauftritt

hatte er 1921 in den Niederlanden und spielte

1924 in dem Stummfilm „Cirque Hollandais” unter der

Regie von Theo Frenkel. Als ältester aktiver Schauspieler

ist er noch 2010 am Berliner Ensemble in Rolf Hochhuths

„Inselkomödie” aufgetreten und wirkte im Vorjahr im

Kurzfilm „Ten” mit. Nach ersten Engagements an

Operetten bühnen in Holland gab der Künstler am

22. September 1934 sein triumphales Debüt als Symon in

„Der Bettelstudent” an der Volksoper und war hier in der

Spielzeit 1934/35 außerdem zu sehen in Kálmáns „Das

Hollandweibchen” (Paul Roderich), in „Wiener G’schichten”

von Oscar Jascha nach Melodien von Josef Hellmes-

Publikums forum

Bei den Wahlen zum Publikumsforum der

Österreichischen Bundestheater Ende September 2011

wurde Nicole Bokr zur Sprecherin des Volksopernpublikums

gewählt. Sie ist seit fast zwanzig Jahren eine

treue und begeisterte Besucherin der Volksoper.

„Begonnen hat alles mit ‚La Cage aux folles‘, das ich 125-

22_23

berger (Edgar), in Eyslers „Das ist die erste Liebelei” (Graf

Josef Clarin), in Nedbals „Polenblut” (Graf Baransky) und

in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt” (Orpheus). Als

Bühnendarsteller wurde er vor allem durch seine unverwechselbare

Gestaltung des Danilo in „Die lustige Witwe”

legendär. Die Partie spielte er an verschiedenen Bühnen

mehr als 1.600 Mal; 1966 gab er auch einige Vorstellungen

an der Volksoper mit Adele Leigh als Bühnenpartnerin.

Nachdem sich der Künstler bereits seit einiger Zeit von

dieser Partie öffentlich verabschiedet hatte, wurde er

1984 für die Volksoper noch einmal wortbrüchig: Aus

Anlass des 50-jährigen Jubiläums seines Wien-Debüts

trat er im Alter von 81 Jahren noch einmal in seiner

Paraderolle auf. Nach der Vorstellung wurde ihm von

Direktor Karl Dönch auf offener Bühne die Urkunde der

Ehrenmit gliedschaft überreicht. Es folgten noch fünf

weitere Vorstellungen, in denen KS Sigrid Martikke (siehe

Bild) seine Hanna war. Zuletzt ist Johannes Heesters an

der Volksoper am 2. Juni 2005 in der Soiree „Vor der

Premiere: ‚Die lustige Witwe’” aufgetreten.

Am 24. Dezember 2011 ist Professor Johannes Heesters

kurz nach seinem 108. Geburtstag in Starnberg in Bayern

gestorben.

Professor Otto Fritz

Das Ehrenmitglied der Volksoper ist am 1. März 2012

96-jährig verstorben. Er war von 1971 bis 1975 Vizedirektor

der Volksoper und zeichnete in den 60er Jahren

für zahlreiche Inszenierungen (u. a. „Eine Nacht in

Venedig”, „Die Zauberflöte”, „Frühjahrsparade”, „Der

Graf von Luxemburg”, „Hoffmanns Erzählungen”)

verantwortlich. Ein ausführlicher Nachruf folgt in der

nächsten Ausgabe der Volksopernzeitung.

mal gesehen habe”, erinnert sich Nicole Bokr. Bei „Der

Mann von La Mancha” mit Robert Meyer als Sancho

Panza saß sie ca. 40-mal im Zuschauerraum. Wenn sie

nicht ihrem großen Hobby, dem Theater, frönt, führt sie

erfolgreich ihre eigene Immobilienfirma. Seit 2004 ist sie

zudem Technische Leiterin und „Mädchen für alles” beim

Sommerfestival Shakespeare auf der Rosenburg. Von nun

an wird sie als Vorsitzende des Publikumsforums – dem

außerdem noch Rudolf Ankerl, Franz Grußmann und

Erich Lang angehören – bei den zweimal jährlich

stattfindenden Publikumsgesprächen der Volksoper die

Interessen des Publikums vertreten.

Zu erreichen ist Nicole Bokr unter der E-Mail-Adresse

publikumsforum@volksoper.at


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