Gemeindebrief Juli-August 2013.pdf - Der Schiefe Turm

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12Interview mit der Leiterin des FamilienzentrumsKämerstraße, Frau Mechthild Krause... sich auf das Tempo der Kinder einlassen...[Suk] Zum 1. August 2013 geht die langjährige LeiterinMechthild Krause in die Ruhephase der Altersteilzeit.Seit dem 1. August 1973 ist sie in der EvangelischenKirchengemeinde Kamen als Erzieherin angestellt.40 Jahre hat diese sympathische Frau segensreich,kritisch und auch selbstkritisch in unserer Kirchengemeindegewirkt. Die Kinder aus den Anfangsjahrenihrer Tätigkeit bringen schon seit Jahren wiederumihre Kinder in das beliebte FamilienzentrumKämerstrasse. Am Sonntag, dem 7. Juli 2013, um 10Uhr wird Frau Krause in einem Gottesdienst in derPauluskirche verabschiedet. Im Anschluss wird eseinen Empfang im Gemeindehaus Schwesternganggeben. Dazu laden wir die Gemeinde, alle ehemaligenKindergartenkinder, Angehörige, Freunde undBekannte herzlich ein.Liebe Frau Krause, warum gehen Siejetzt in den Ruhestand?Nach 40 Jahren ist es gut. Ich möchteJüngeren das Feld überlassen undeine aktive Rentnerin werden. DieLeitung eines Familienzentrum istein sehr verantwortungsvoller Job. Inden letzten Jahren hat der Umfangder Aufgaben stetig zugenommen.Was hat sich in den letzten 40 Jahrenin der Arbeit verändert?Früher haben wir die Kinder gebildetund einen familienergänzenden Erziehungsauftragerfüllt. UmfangreicheBetreuungszeiten waren meistensnicht erforderlich. Durch dieveränderte Berufswelt beider Elternteilesind ausgedehnte Betreuungszeitenin der Gegenwart immer mehrin den Mittelpunkt gerückt.Daneben soll den Kindern aber aucheine umfangreiche Bildung zukommen.Der Auftrag der Kindertageseinrichtungvon Betreuung, Erziehungund Bildung ist heute gleichwertig.Die Erziehung der Kinder hat sichverändert. Wertvorstellungen sind inunserer Gesellschaft andere geworden.Darauf muss auch eine Kindertageseinrichtungreagieren.Die gesellschaftlichen Veränderungenführen zu immer mehr Programmfür die Kinder im Kinderalltag.Die Erzieherinnen stehen in derSpannung von pädagogischem Anspruchund der Lebenswirklichkeitder Kinder; im Spannungsfeld zwischenimmer schnelleren Arbeitsabläufenund dem sich Einlassen aufdas Lerntempo der Kinder.Für mich ist die Frage: ‚Was ist Bildung?‘.Doch nicht nur reine Wissensvermittlung.Mein Wunsch ist,dass Kinder in den Einrichtungen aufdas Leben vorbereitet werden. Dazugehören auch Bereiche wie„Tischkultur“ oder so einfache Dinge,wie das Händewaschen nach einemToilettengang. Leider geht heutevieles verloren, weil andere Dingeder Leistungsgesellschaft im Vordergrundstehen.Ich habe die Arbeit mit den Kindernimmer sehr positiv erlebt. Wennman genau hinschaut und sich aufsie einlässt, geben sie den richtigenWeg in der Arbeit vor. So entstehengute Veränderungen in der Kindertageseinrichtung.Ich habe Kinder stetswie einen Spiegel erlebt. Egal in welchemZusammenhang gibt es vonihnen immer ein ehrliches Feedback.Als negativ über die Jahre hinweghabe ich die häufigen Neuerungenerlebt, die von außen auf die Kindertageseinrichtungeneinwirken. Bevoreine Neuerung umgesetzt wurde,kam schon wieder etwas Neues...Ich kann mich glücklich schätzen, einsehr engagiertes Team an meinerSeite gehabt zu haben, das die nichtimmer ganz einfachen Veränderungenmitgetragen hat. Hierfür an Siemeinen Dank und ein großes Lob.Welche positiven Erfahrungen undamüsanten Begebenheiten habenSie mit Kindern in den Jahren gehabt?Die sind so zahlreich, dass ich hier13nur zwei kurze Beispiele aus demreligionspädagogischen Bereich nennenmöchte.Gedanken eines Kindes: In der Adventszeitwurden Bilder der Weihnachtsgeschichtevon Kees de Kortmit den Kinder angesehen. Eines derKinder fragte: „Warum haben dieEngeln denn keine Flügel?“ Währendich noch überlegte, welche pädagogischsinnvolle Antwort ich gebensollte, antwortete ein anderes Kind:„Du bist doof, das ist wie bei demFlugzeug mit den Landeklappen...Wenn das Flug steht, dann sind dieLandeklappen auch eingefahren.“Eine amüsant-nachdenkliche Anekdote:In einem Gespräch über die KreuzigungJesu war die Betroffenheit derKinder deutlich zu spüren. Eins derKinder bemerkte nach einer Gedankenpause:„Wenigstens durfte Jesusin der Mitte hängen.“

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