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69/70 (2010/2011) - Recensio.net

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Geschichte: 1848/1878

Geschichte: 1848/1878 bis 1989 liefert die Autorin leider nicht. Dann fährt sie fort: „Hätte es in der Macht dieser beiden Männer gestanden, den Weltkrieg und den Zerfall der Monarchie zu verhindern? Hansi Niese jedenfalls war der Meinung, mit Lueger hätte es keinen Krieg gegeben. So naiv und dümmlich dieser Ausspruch klingt, ein Körnchen Wahrheit mag darin stecken – denn das Schicksal der Völker hing schon gar oft von Leben oder Tod einzelner Menschen ab“ (ebd.). Abgesehen davon, dass die Leserschaft erst 23 Seiten später erfährt, wer Hansi Niese war … was soll dieser ganze Absatz? Eine Frage, die nicht beantwortet werden kann; die Meinung einer Schauspielerin; eine Leerformel, die noch nicht einmal passt (neben Leben und Tod einzelner Menschen sind es auch deren Entscheidungen, die das „Schicksal der Völker“ beeinflussen können – gerade der Ausbruch des 1. Weltkriegs zeigt dies deutlich) – was soll das alles? Welchen Erkenntnisgewinn kann der Leser aus diesem Absatz ziehen? Keinen, nach Ansicht des Rezensenten. Und dies war nur ein Beispiel … Das gesamte Werk kommt, obwohl einiges an wörtlichen Zitaten Verwendung fand, mit ganzen 36 Endnoten aus, die teils der Nennung von Belegstellen, teils aber auch zur Erläuterung von Begriffen oder Zusammenhängen dienen. Leider werden aber gerade die ausführlichen Zitate von Marianne Beskiba, die eine sehr ambivalente Beziehung mit Lueger hatte, oder Felix Salten überhaupt nicht mit einer Quellenangabe versehen; lediglich die Bibliographie am Ende des Buches mag da helfen. Sollte das Buch einen über die Canapélektüre hinausgehenden Anspruch gehabt haben, so hat es ihn in dieser Hinsicht nicht einlösen können. Äußerst ärgerlich sind Fehler, die einem nur unzureichenden Lektorat geschuldet sind. So wird gleich zu Anfang ausführlich die Herkunft Luegers dargestellt. Dabei jedoch wird sein Vater Leopold mit dessen älterem Bruder Josef verwechselt (13). Mehrmals finden sich falsche Jahreszahlen – so wird Franz Schuhmeier bei Ehrlich im Mai 1890 in den Wiener Gemeinderat gewählt (82), wo dies doch tatsächlich erst im Jahre 1900 geschah, und für das Jahr 1974 (sic!) werden noch 375 Typhustote in Wien gezählt (51). Im Abschnitt „Der Straßenbau“ werden die ersten beiden Sätze des ersten Absatzes als eigenständiger zweiter Absatz wiederholt (160f.). In einem anderen Abschnitt über die „Weggefährten“ liest man: „Mandl, der große Skandalaufdecker, starb 1907 als Katholik, Lueger hielt ihm eine Grabrede“ (197) – allerdings völlig deplaziert an dieser Stelle. Und was eine „Entzündung des Zellgewebes“ sein soll, wäre eine schöne Rechercheaufgabe für einen Lektor gewesen (229). Positiv hervorzuheben ist die Bebilderung des Buches. Den Persönlichkeiten, die Ehrlich vorstellt, wird in vielen Fällen auch ein Gesicht gegeben, und eine ganze Reihe von zeitgenössischen Karikaturen bzw. Zeichnungen vermögen einen Eindruck des politischen Klimas, in dem Lueger groß wurde und schließlich das Wiener Rathaus erobern konnte, zu geben. Eine Biographie hat Anna Ehrlich nicht wirklich verfasst – dafür bleibt die Lebensbeschreibung von Karl Lueger letztlich zu sehr an seiner Karriere als Politiker haften. Und die vielen inhaltlichen Schwammigkeiten sowie eine deutlich wahrnehmbare Anzahl von handfesten Fehlern lassen das Buch als wissenschaftliches Werk scheitern. Eine erste Orientierung ist aber zumindest für die Zeit im Wiener Rathaus sehr wohl möglich. Insofern kann das Buch als Einführung in das Phänomen Karl Lueger durchaus dienen. Regensburg Peter Mario Kreuter 594 Südost-Forschungen 69/70 (2010/2011)

Rezensionen Catherine horel, Soldaten zwischen nationalen Fronten. Die Auflösung der Militärgrenze und die Entwicklung der königlich-ungarischen Landwehr (Honvéd) in Kroatien-Slawonien 1868−1914. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2009. 262 S., 2 Kt., ISBN 978-3-7001-6496-8, € 37,60 „Die Studie über die ‚Kleinkroatische Landwehr‘ ist ein Forschungsbeitrag zum aktuellen Projekt ‚Soziale Strukturen‘, das von der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen der Reihe ‚Die Habsburgermonarchie 1848−1918‘ eben zum Abschluss gebracht wird“ (7). Mit diesen Worten ermutigt Helmut Rumpler, Obmann der Kommission für Geschichte der Habsburgermonarchie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, den Leser, die zu besprechende Studie anzunehmen. Das Buch von Catherine Horel ist „der königlich-ungarischen Landwehr in Kroatien- Slawonien“ als dem Bestandteil der Streitkräfte der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie gewidmet. In ihrer Beschäftigung mit der Landwehr in den Ländern der ungarischen Krone als der sekundären Komponente der österreichisch-ungarischen Streitkräfte hat sie in den letzten zehn Jahren systematisch in Archiven und Bibliotheken von Wien, Budapest und Zagreb geforscht. Das durch die sorgfältigen Forschungsarbeiten erworbene Wissen präsentiert sie in einem Buch, dass eine echte Pioniertat darstellt. Das Werk ist in acht Kapitel unterteilt: „I. Verteidigung des gemeinsamen Staates und nationale Frage“; „II. Militärische Folgen des österreichisch-ungarischen Ausgleiches und der Nagodba“; „III. Das Ende der Militärgrenze und die Neuorganisation der militärischen Strukturen in Kroatien-Slawonien“; „IV. Rekrutierung und Ausbildung“; „V. Das Offizierskorps“; „VI. Landwehr und Gendarmerie in der kroatischen Gesellschaft“; „VII. Honvéd und kroatisches Nationalbewusstsein“; „VIII. Caru vjeran do smrti – Kaisertreu bis in den Tod“. Am Ende des Buches befinden sich ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur, ein Personenregister, ein Ortsregister und zwei Karten. Im ersten Kapitel des Buches (19−41) befasst sich die Autorin mit der Verteidigung des gemeinsamen Staates und der nationalen Frage. In diesem Sinne richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf militärische Traditionen und das historische Gedächtnis in Ungarn und Kroatien. Die Autorin legt einen besonderen Wert auf die Militärgrenze und die Grenzer, die bereits zu dieser Zeit als „treue Diener ihres Herrn“ (21) gesehen wurden. Im Zusammenhang mit der nationalen Frage der ersten Hälfte des 19. Jhs. reflektiert Horel über die militärischen Reformen in Ungarn zwischen 1815 und 1848, um dann mit besonderer Sorgfalt einen Zugang zum kroatisch-ungarischen politischen Konflikt und Krieg von 1848/1849 zu schaffen. Das 2. Kapitel (45−69) ist den militärischen Folgen des österreichisch-ungarischen und des ungarisch-kroatischen Ausgleichs gewidmet. Eine der offenen Fragen in der Beziehung zwischen Franz Joseph und seinen ungarischen Untertanen unmittelbar nach der Einführung des Dualismus war die Frage der (Re-)Organisation der bestehenden k. k. Armee. Nachdem sie durch Vereinbarung mit dem Herrscher eine Paritätsposition in Bezug auf das Wiener Zentrum gewonnen hatten, haben die ungarischen Politiker auch von bestimmten Befugnissen im militärischen Bereich geträumt. Es ist verständlich, dass Franz Joseph nichts von einer besonderen ungarischen Armee hören wollte, vor allem von einer, die nicht so weit Südost-Forschungen 69/70 (2010/2011) 595

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