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echt & gesellschaftWissen undEigentum unter„polykontexturalen“BedingungenZur „Passform“ vonIntellectual Property RightsManfred Füllsack················································Im Winter des Jahres 2001 wurde in russischenMedien eine Meldung kolportiert,wonach Bill Gates, nachdem er ineinem Moskauer Kongresszentrum einerussisch-sprachige Version seines neuestenBetriebssystems präsentiert hatte,auf dem Weg zum Hotel noch zu einemder Straßenhändler getreten sei, die dortauf kleinen Tischchen ihre Waren anboten,und mit Staunen feststellen musste,dass sein soeben präsentiertes Programmbereits für wenige Rubel als Raubkopieerhältlich war. Zwar wurden seitdem –insbesondere seit Russlands eigene Softwareindustriezu einem Wirtschaftsfaktorgeworden ist – die Intellectual PropertyRights auch in Russland an die Vorgabendes TRIPS-Abkommen angepasst. IhreExekution wird nun schärfer überwacht. 1Nach wie vor ist es aber für russischeKonsumenten kein allzu großes Problem,sich regelmäßig, billig und illegal mit denneuesten Software- oder auch Film- undMusik-Produktionen zu versorgen, ohnedie Maßnahmen zum Schutz geistigenEigentums dabei als nennenswerte Hür-Mit vielleicht leichten Variationendürfte Ähnliches heute für die meistenMitglieder der Weltgesellschaft gelten.Jede Maßnahme, die irgendwo in denunüberschaubaren Weiten des virtuellvernetzten Weltmarktes zum Schutz geistigenEigentums unternommen wird,scheint nahezu zeitgleich anderswo, abermit globaler Wirkung, eine „Gegenmaßnahme“hervorzurufen, die den Schutzunterhöhlt. Unternehmen, die Maßnahmenzum Schutz ihres Wissens erwägen,tun gut daran, in entsprechende Kalkulationendie Kosten nicht nur des Aufwandesder Maßnahmen selbst einzuberechnen,sondern auch die, welche durchdie nahezu sicher auf den Plan tretenden„Gegenmaßnahmen“ entstehen. GeistigesEigentum, so meine These, lässtsich heute nur mehr unter weitgehenderMiteinbeziehung dessen schützen, wasdurch die Eigentumsform ausgeschlossenwird.Dieser Umstand lässt sich theoretischals Folge einer global wirksamen Gesellschaftsstrukturbetrachten, die im Hinblickauf die Vielzahl der Perspektiven(Kontexte), die in ihr zu tragen kommen,als „polykontextural“ beschrieben wurde2 , als gesellschaftliche Ordnung also,in der, anders als unter „monokontexturalen“Bedingungen, nicht mehr eine die einer „Oberschicht“, oder wie dannspäter die des „Proletariats“ etc. – alleinige„Deutungshoheit“ besitzt und vondaher bestimmen kann, was in dieserGesellschaft Sache ist, sondern in dersich privilegierte Problemsichten nichtmehr dauerhaft behaupten lassen. DieProblemlösungsaktivität dieser Gesellschaft,sprich ihre Arbeit unterliegt damit sich die Arbeitsmittel und Instrumente,die aus früheren sozialen Gegebenheitenübernommen werden, nur mehr bedingtals brauchbar erweisen. Ein solches „Arbeitsmittel“,das im folgenden erörtertwerden soll, ist die Eigentumsform.I.Unter „monokontexturalen“ Bedingungenstellt – idealtypisch betrachtet – dieBehauptung, eine bestimmte Problemsichtsei relevanter als andere, keinProblem dar, weil diese Behauptungvon niemandem nachhaltig als „bloßeBehauptung“ problematisiert werdenkann, und zwar schon deswegen nicht,weil die soziale Ordnung keine Einrichtungen,allen voran die eines differenziertenWissenschaftsbetriebs bereithält,in denen wirkungsmächtig auf Distanzzur dominierenden Problemsicht gegangenwerden könnte. Die dominierendeProblemsicht hat unter solchen Bedingungen„ontologische Relevanz“. Sie istdie einzig mögliche Problemsicht und siebestimmt damit auch was jeweils als relevantesProblem gilt und was nicht. 3In ökonomischer Hinsicht bestimmtsie damit, was unter diesen Bedingungenjeweils als knappe Ressource gilt undworauf die Gesellschaft ihre Problemlösungsaktivitätenrichtet, um zu versuchen,ihre Knappheiten zu beseitigen. Auflängere Sicht Knappheiten dabei in Form von Arbeit,oder allgemeiner in Form wirtschaftlicherAktivitäten statt, die allerdings, darauf angewiesen sind, schon aktuellbis zu einem gewissen Grad mit Knappheitenzu Rande zu kommen. Ohne zumBeispiel über die nötige Arbeitskraft– hier einfach vielleicht als physischeStärke des Arbeitenden vorgestellt – zuverfügen, könnte keine Arbeit verrichtetwerden.Soziologisch betrachtet besteht eineMöglichkeit, bereits aktuell mit Knappheitenumzugehen, in der rechtlichenZuordnung eines ausschließlichen undabsoluten Verfügungsrechts über knappeRessourcen zu einer Person oder einer sozialenInstitution als Eigentum. Eigentumfungiert in diesem Sinn als normative Re-1) Vgl u.a: Cooper 2006.2) Vgl u.a.: Luhmann 1990: 666f.3) Vgl u.a. Füllsack 2006: 101.juridikum 2007 / 2 Seite 79

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