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themagender migrationBereits bei der ersten Recherche zum Thema Frauen/weiblicheMigration zeigt sich, dass dieser Forschungsbereichin der wissenschaftlichen Welt nicht gerade lange Traditionbesitzt. Dieser Umstand scheint in erster Linie auf diegrundsätzlich androzentristische Sichtweise des PhänomensMigration, aber auch auf eigene patriarchale Denkmusterzurückführen zu sein. So wurde lange Zeit angenommen,die Zahl der Migrantinnen erschöpfe sich in derTatsache des „Nachzuges“ bzw sei meist vernachlässigbar.Die Statistiken sprechen hingegen seit jeher eine ganz andereSprache. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dassdie Geschichte von Migrationsprozessen stets auch – weltumspannend– eine Geschichte weiblicher Beteiligung ist.Bereits im 16. Jahrhundert war über ein Drittel allerspanischen ImmigrantInnen in Lateinamerikaweiblich. Die irische Auswanderung Ende des 19.Jahrhunderts wurde maßgeblich fast nur von Frauengetragen. Heutzutage ist knapp die Hälfte aller indie Europäische Union Immigrierenden weiblich, inmanch anderen Ländern stellen sie gar drei Viertelder Einwandernden.Dennoch blieben und bleiben Frauen in der Mi-nur, wie bereits erwähnt, in den verschleiernden Begriffender „Nachzügler“ oder der „Heimatfamilie“wieder. Der Mann gilt noch immer als klassischeVerkörperung des „Migranten“. Erst im Verlauf der80er Jahre nahm sich die Migrations- und Feminismusforschungder Bedeutung des Umstandes „Geschlecht“in der Migration an. Eigene Theorien wurdenentwickelt und infolge dessen selbst wieder einer ist etwa der Ansatz der Ethnologin und Leiterin derschweizerischen Eidgenössischen Ausländerkommission,Simone Prodolliet, die die feministischeMigrationsforschung in drei Generationen einteilt– von den ersten Schritten der Sichtbarmachungweitergehend zu einer eigenständigen autonomenFrauenperspektive, bis hin zur Auseinandersetzungder verschiedenen Differenzen und Differenzierungsmusterzwischen Frauen selbst. 1 Die Zahl der einschlägigen Publikationenist seitdem rapide angestiegen – der Faktor Genderdochnach wie vor nur als Detail am Rande. Auch zuverlässigesDatenmaterial und Statistiken sind rar gesät.1. Motive und Besonderheitenweiblicher EmigrationEs darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass„die Migrantin“ schlechthin nicht existiert – im Gegenteil,gerade die Annahme dieses Stereotyps hieße, die Rolle derFrau in Migrationsprozessen erneut auszublenden. UnterschiedlicheKulturkreise, soziale Verhältnisse und die ganzpersönliche Lebensgeschichte verhindern eine Reduktionauf ein „role model“. Dessen ungeachtet lassen sich dennocheinige gemeinsame Nenner ausmachen, die die Situationvon migrierenden Frauen kennzeichnen.Im Großen und Ganzen beruhen die Beweggründe vonFrauen, sich in einem anderen Land niederzulassen, durchausauf ähnlichen Motiven wie jene der Männer. Meist handeltes sich um ökonomische Notwendigkeiten, den Wunschseine eigene Lebenssituation zu verbessern, eine Flucht vorKrieg, Gewalt und Notlagen oder aber einfach auch die Lustauf Veränderung.In der feministischen Migrationsforschung wurde langeZeit von der zweifachen Diskriminierung der Frau gesprochen– einerseits in ihrer Rolle als Migrantin, andererseitsin ihrem Frausein. 2 Frauen in der Migration dürfen dabeiDie sichtbarUnsichtbaren –Frauen in derMigrationMiriam Broucek·································aber nicht nur als Opfer und passive „Spielbälle“ verschiedensterProzesse betrachtet werden. Um auch den eigenen,oft eindimensionalen Zugang zu erweitern, darf nie außeracht gelassen werden, dass sich weibliche Migration nichtnur auf einen einzigen Typus, schon gar nicht auf den einerInaktiven, nicht selbst Agierenden, festlegen lässt. Inden meisten Fällen steht auch bei Frauen eigenes, positivesHandeln hinter der Entscheidung, den Lebensmittelpunktzu wechseln – Frauen sind genauso Akteurinnen wie Männer,die schon a priori als ebensolche angesehen werden.Untersucht man, in welchen Arbeitsfeldern Migran-lich,dass ihnen zumeist nur ein äußerst begrenztes Spek- so genannten „Sweat-Shops“ (Niedrigstlohnfabriken in1) Vgl Simone Prodolliet lich:Geschlecht und Migration, Zeitschrift fürFrauenforschung, 17. Jg., H. 1 & 2 (1999):26-42.2) Vgl Elisabeth Aufhauser, Migration und Geschlecht:Zur Konstruktion und Rekonstruktionvon Weiblichkeit und Männlichkeit in der internationalenMigration, in: Karl Husa/ChristofParnreiter/Irene Stacher (Hg): InternationaleMigration. Die globale Herausforderung des21. Jahrhunderts, Brandes & Apsel/Südwind2000.Seite 84 juridikum 2007 / 2

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