(PDF) | Ausgabe Januar 2007 - Compliance

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Ausgabe 1 | Januar/Februar 2007Interview„Compliance ist vergleichbar mit denRädern eines Autos“Der frühe Vogel ...Seit über 50 Jahren widmet sich General Electric (GE)dem Thema Compliance. Thorsten Rosbach,Rechtsanwalt und German Compliance Officer im GE-Konzern, spricht über den Stellenwert von Compliance imUnternehmen, warum Compliance ein Wettbewerbsvorteilsein kann und inwiefern sich Compliance messen lässt.COMPLIANCE MANAGER (COM): Herr Rosbach, welchenStellenwert hat das Thema Compliance im GE-Konzern?Thorsten Rosbach: Ich zitiere in diesem Zusammenhanggerne Rich Laxer, unseren Präsidenten des GeschäftsfeldesCapital Solution: ,Wenn Sie zehn Punkte auf Ihrem Arbeitsplanstehen haben, dann sollte Compliance nicht der elfte Punktsein, sondern die Art und Weise, wie Sie die zehn Punkteerledigen.’ Ich denke, dieses Zitat belegt eindrucksvoll, welchhohen Stellenwert Compliance im GE-Konzern einnimmt. Essteht über allem und ist die Grundlage unserer Wettbewerbsfähigkeit.Gleichzeitig ist Compliance aber kein Hindernis odereine zusätzliche Hürde, die es im Geschäftsalltag zu überwindengilt – im Gegenteil, Compliance ist vergleichbar mit denRädern eines Autos, die das Fahrzeug schnell und problemlosfortbewegen. Wenn Sie die Räder abschrauben, ist das nichtmehr möglich.(Bitte lesen Sie weiter auf Seite 9.)InhaltsverzeichnisS. 1: Interview mit Thorsten Rosbach, Rechtsanwalt undGerman Compliance Officer im GE-KonzernS. 2: Compliance-Abteilung verantwortet MiFID-UmsetzungS. 3: Veranstaltungen, PersonalieS. 4: Interview mit Johann Benöhr, Kroll Inc., undReinhold Kern, Kroll Ontrack GmbHS. 9: Fortsetzung des Interviews von S. 1MitherausgeberLiebe Leserinnen und Leser,wie organisiert ein großer Konzern wieGeneral Electric (GE) seine Compliance-Abteilung? Und wie kann ein solcherGroßkonzern sicherstellen, dass alleMitarbeiter die Compliance-Regeln auchtatsächlich einhalten? Wir sprachendarüber mit Thorsten Rosbach, Rechtsanwaltund Compliance Officer im GE-Konzern. Lesen Sie mehr ab S. 1.Der frühe Vogel fängt den Wurm –dieses Sprichwort gilt auch für dieKorruptionsbekämpfung. Johann Benöhr,Kroll Inc., und Reinhold Kern, Kroll OntrackGmbH, zeigen ab S. 4 Lösungen.Lieber Leserinnen und Leser, dies istdie letzte Ausgabe des COMPLIANCEMANAGERS, die ich redaktionell betreue.Im März werde ich nach sechs JahrenFINANCE eine neue beruflicheHerausforderung annehmen. Ab dernächsten Ausgabe wird Sie FINANCE-Redakteurin Corinna Wnuck mitspannenden und aktuellen Themen rundum das Thema Compliance versorgen. Ichbedanke mich bei Ihnen für den Zuspruch,den Sie bislang unserem Newsletterentgegengebracht haben, und wünscheIhnen weiterhin alles Gute.IhreIris MeinkingVerantwortliche RedakteurinCOMPLIANCE MANAGER1


StudieCompliance-Abteilung verantwortetMiFID-UmsetzungBei den meisten deutschen Banken und Wertpapierfirmenwird die Compliance-Abteilung die Umsetzung der neuenEU-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive“(MiFID) verantworten. Das ist das Ergebnis einer Studiedes Frankfurter E-Finance Lab, einem Forschungsprojektder Universität Frankfurt am Main und der TechnischenUniversität Darmstadt gemeinsam mit diversen Unternehmenund Banken. Das E-Finance Lab befragte 193deutsche Wertpapierfirmen.29 Prozent der Institute planen die Steuerung der MiFID-Projekte durch die Compliance-Abteilung oder inKooperation mit weiteren Bereichen wie zum BeispielRecht, Organisation und IT. „Berücksichtigt man dabei,dass 43 Prozent der Wertpapierfirmen die Planung und dieGesamtverantwortung noch nicht auf eine bestimmteAbteilung übertragen haben, erscheint die Festlegung deranderen Unternehmen auf die Compliance-Abteilung nochdominanter", erklärt Prof. Dr. Peter Gomber, Mitglied im Vorstanddes E-Finance Lab.42 Prozent der Befragten sammeln noch Informationen zur MiFIDKontaktHaben Sie Anregungen, Fragen oderKritik? Über Ihr Feedback freuen wiruns. Bitte wenden Sie sich anIris MeinkingDipl.-KauffrauRedakteurin und ProjektleiterinLudwigstraße 2561169 Friedberg/HessenTelefon: (0 60 31) 73 86-12Telefax: (0 60 31) 73 86-20E-Mail:iris.meinking@finance-magazin.dewww.finance-magazin.deAuf die Frage, welche Abteilungen an den einzelnen Projekten beteiligt sein werden, nannten92 Prozent der Wertpapierfirmen Compliance an erster Stelle. Knapp dahinter folgt derBereich Handel/Handelsabwicklung mit 90 Prozent. Je drei Viertel planen, die BereicheInformationstechnologie und Organisation/Operations in die MiFID-Projekte miteinzubeziehen. Auch die Rechtsabteilung nimmt mit 73 Prozent einen hohen Stellenwert imRahmen der geplanten MiFID-Projekte ein.42 Prozent der Firmen befinden sich aktuell noch in der Phase der Informationssammlung,während 44 Prozent der Befragten die Kerninhalte der neuen EU-Richtlinie bereits bekanntsind. Lediglich 14 Prozent der Häuser sehen sich bereits sehr vertraut mit der neuenRegulierung.Weitere Informationen unter www.is-frankfurt.de und www.efinancelab.de2


PersonalieDeutsche-Bank-Vorstand Dr. Hugo Bänziger übernimmt die BereicheLegal und ComplianceDr. Tessen von Heydebreck (62) wird aus dem Vorstand der DeutscheBank ausscheiden. Seine Vorstandstätigkeit endet nach Ablauf derordentlichen Hauptversammlung der Bank am 24. Mai 2007.Die von Dr. von Heydebreck verantworteten Ressorts werden imVorstand der Bank neu verteilt. Hermann-Josef Lamberti übernimmt dasPersonal-Ressort inklusive der Aufgaben des Arbeitsdirektors derDeutsche Bank. Dr. Josef Ackermann wird zusätzlich den BereichCorporate Social Responsibility, das weltweite kulturelle undgesellschaftliche Engagement der Bank, verantworten. Dr. Hugo Bänziger (Foto) übernimmtdie Bereiche Legal und Compliance, Anthony di Iorio den Bereich Revision.Quelle: Deutsche Bank AGVeranstaltungenTermin/Ort Event KontaktStart: 16.02.2007 Schriftlicher Management-Lehrgang: Euroforum VerlagEnde: 20.04.2007 Compliance Management Tel. 02 11 / 9686-317227. und 28.02.2007 Unternehmensjuristentage 2007 EuroforumBerlin Tel. 02 11 / 96 86-35 2315.03.2007 Prävention und Management Deutsches AktieninstitutFrankfurt am Main aktueller Unternehmensrisiken Tel. 0 69 / 29 29 15-026. und 27.03.2007 Unternehmensrisiko Korruption EuroforumKöln Tel. 02 11 / 96 86-35 4827. und 28.03.2007 Compliance aktuell Management CircleMünchen Tel. 0 61 96 / 47 22-70007. und 08.5.2007 8. Datenschutzkongress EuroforumBerlin Tel. 0 211 / 96 86-35 233


InterviewKorruption frühzeitig bekämpfenFast täglich begegnet uns in diesen Tagen in der Presse das Schlagwort Korruption.Wie können Unternehmen frühzeitig erkennen, dass sie beispielsweise durchkorrupte Mitarbeiter gefährdet sind, und Wirtschaftskriminellen einen Riegelvorschieben? COMPLIANCE MANAGER sprach darüber mit Johann Benöhr, LeiterBusiness Intelligence & Investigations bei Kroll Inc., und Reinhold Kern, ManagerComputer Forensics & E-Disclosure, bei der Kroll Ontrack GmbH, beidesUnternehmen der Marsh McLennan Companies (MMC).COMPLIANCE MANAGER: Herr Benöhr, in Ihrem Arbeitsalltag werden Sie immerwieder mit dem Thema Korruption konfrontiert. Wo setzen Sie mit Ihrer Arbeit an?Johann Benöhr: Das große Thema, mit dem ich mich beschäftige, heißt BusinessIntelligence, auf Deutsch „Geschäftsanalyse“ oder „geschäftliche Nachforschung“. Ichanalysiere systematisch Unternehmensdaten und werte sie aus – um zum BeispielUnternehmen, die ins Ausland expandieren möchten, eine Entscheidungsgrundlage zuliefern. Welche Risiken sind mit dem Markteintritt verbunden? Inwieweit stößt dasUnternehmen auf Korruption oder organisierte Kriminalität? Wenn ein Unternehmenbeispielsweise ein Joint Venture mit einer Gesellschaft in Russland oder China eingehen will,nehmen wir den potenziellen Partner genau unter die Lupe – vom Personal bis hin zu denGeschäftspartnern. So werden von vornherein Kandidaten aussortiert, die sich in derVergangenheit als anfällig für Korruption erwiesen haben.„Wenn ein Unternehmen ein Joint Venture mit einerGesellschaft in Russland oder China eingehen will, nehmenwir den potenziellen Partner genau unter die Lupe.“COM: Wo liegen die Grenzen Ihrer Nachforschungen?Benöhr: Selbstverständlich müssen wir rechtliche und gesetzliche Grenzen einhalten.Beispielsweise dürfen wir Mitarbeiter nicht danach fragen, wie sie die Produkte des eigenenUnternehmens einschätzen, da dies – im Sinne des Gesetzes gegen den unlauterenWettbewerb – als Verrat von Betriebsgeheimnissen ausgelegt werden könnte. Es istallerdings zulässig, die Meinung der Mitarbeiter zu Produkten von Wettbewerberneinzuholen. So können wir Rückschlüsse auf das betreffende Unternehmen ziehen.4


COM: Welchen Beitrag leistet Business Intelligence in Sachen Korruptionspräventionbzw. -bekämpfung?Benöhr: Im Rahmen der Prävention dient Business Intelligence dem Screening vonPersonal, Lieferanten und Geschäftspartnern eines Unternehmens und ist damit einInstrument, um Korruption vorzubeugen. Daneben gibt es andere Methoden: Ich denke dabeizum Beispiel an die Computer-Forensik, mit der sich mein Kollege Reinhold Kernbeschäftigt.Business Intelligence – ein Unternehmen systematisch analysierenUnter Business Intelligence (BI) versteht man einen Prozess der systematischen Analyse einesUnternehmens. Dazu greift man auf unterschiedliche Quellen zurück: zum einen auf Sekundärquellen wieFachliteratur, Datenbanken und Internet, zum anderen auf Einschätzungen von Wissensträgern wieIndustrieexperten, Zulieferern, Unternehmensberatern, Journalisten, Verbände und Mitarbeiter deseigenen Unternehmens.Die Ursprünge von BI liegen im nachrichtendienstlichen Umfeld. BI spielt heute unter anderem eine großeRolle bei M&A-Transaktionen im Rahmen einer Due Diligence des Zielobjekts sowie beiMarkteintrittsüberlegungen und den damit verbundenen Risiken wie beispielsweise Korruption,organisierter Kriminalität oder politischen Risiken.Quelle: Kroll Inc.COM: Herr Kern, Sie sind als Computer-Forensiker tätig. Was genau tun Sie?Reinhold Kern: Wir gehen Computerspuren nach, die den Verdacht auf Korruption,Spionage oder Sabotage zu bestätigen vermögen – wer hat wann, was, wie gemacht?Unsere Aufgabe ist es, elektronische Daten so zu erfassen und zu analysieren, dass dieErgebnisse auch vor Gericht Bestand haben.COM: Sie nehmen die Daten auf Computern ins Visier. Welche Rolle spielenPapierdokumente, um Wirtschaftskriminellen auf die Schliche zu kommen?Kern: Eine sehr geringe. Die E-Mail ist mittlerweile zum Kommunikationsmittel Nummer 1geworden. Termine, Verträge, Meetingprotokolle, Marketing- und Businesspläne sindregelmäßig auf Rechnern gespeichert. Dazu kommt folgendes Phänomen: Sobald sichjemand verdächtig fühlt und merkt, dass er untersucht wird, wird er alles unternehmen, umPapierdokumente zu vernichten. Elektronische Daten hingegen sind schwieriger zubeseitigen. Genau hier setzt die Computer-Forensik an. Wir suchen in elektronischen Datennach Hinweisen auf kriminelle Machenschaften.5


COM: Täter werden auch versuchen, elektronische Daten zu löschen. Inwieweitkönnen Sie Daten rekonstruieren?Kern: Weitläufig ist die Meinung verbreitet, dass, wenn man die Delete-Taste drückt, Datenverschwinden. Wir merken häufig, dass Täter versucht haben, rückwirkend Spuren zuverwischen, und dabei vergessen, dass man zum einen gelöschtes Datenmaterialwiederherstellen kann und sich zum anderen Hinweise in „versteckten“ Protokolldateienfinden. Wir stellen gelöschte Daten wieder her, analysieren sie und erstellen für unsereAuftraggeber einen gerichtsverwertbaren Bericht.COM: Wo liegen die Grenzen Ihrer Nachforschungen?Kern: Wir dürfen im Rahmen unserer Nachforschungen nicht alleine ins Unternehmen,sondern werden in der Regel von einem Datenschutzbeauftragten begleitet. Außerdemmüssen wir uns vor Beginn unserer Arbeit absichern, dass unser Auftraggeber berechtigt ist,die Daten sicherstellen und analysieren zu lassen. Er muss uns bestätigen, dass er dieerhobenen Daten nur zu rechtlich zulässigen Zwecken nutzen wird.COM: Wer genau sind Ihre Auftraggeber? Ausschließlich Unternehmen?Kern: In Deutschland sind es zu 80 Prozent private Unternehmen und zu 20 Prozentstaatliche Stellen, zum Beispiel Staatsanwälte, die die Lösung von Fällen beschleunigenwollen. Bei nahezu allen Polizeidienststellen hierzulande müssen Staatsanwälte zwischenneun und 18 Monaten Wartezeit in Kauf nehmen. Durch externe Unterstützung verkürzt sichdieser Zeitraum meist auf Tage oder wenige Wochen.COM: Welche Bedeutung hat Computer-Forensik in Deutschland im Vergleich zu denVereinigten Staaten?Kern: In Deutschland und Europa hinken wir in Sachen Computer-Forensik den USAhinterher. Das liegt in erster Linie an strengeren Datenschutzgesetzen. So dürfen inDeutschland Inhalte von E-Mails oder Internetaktivitäten beispielsweise nur eingeschränktuntersucht werden, da diese dem Postgeheimnis bzw. dem Telekommunikationsgesetzunterliegen. Wir erleben jedoch immer wieder, dass sich Firmenchefs über diese Regularienhinwegsetzen.COM: Wo liegen weitere Stolpersteine einer Untersuchung?Kern: Bei zwei von fünf Aufträgen ist die Vorgehensweise der Untersuchung nicht korrekt.Der Ermittler setzt sich am Tatort an den Computer, verändert damit Daten, die nicht mehrnachvollziehbar sind, damit nur noch bedingt gerichtsverwertbar sind. Im Rahmen der6


Computer-Forensik ist das ein Tabu. Wir sichern Daten auf separate Festplatten, ermittelneine Prüfsumme, die wie ein Fingerabdruck funktioniert. Wenn nur ein einziges Zeichenverändert werden würde, würde die Prüfsumme nicht mehr stimmen. Dies schiebtDatenmanipulation einen Riegel vor. Von den Daten erstellen wir eine Zweitkopie, die unsals Arbeitskopie dient. Diese nutzen wir, um gelöschte Daten wiederherzustellen, und fürunsere Analysen. Die erste Kopie wandert hingegen versiegelt in einen Safe.COM: Werten Sie die gewonnenen Daten auch aus?Kern: Wir sind Computer-Spezialisten und ermitteln Fakten aus den an Computerndurchgeführten Aktivitäten. Allerdings maßen wir uns nicht an, gefundeneVertragsdokumente oder Finanztransaktionen zu bewerten. Vielmehr arbeiten wir Fachleutenwie Juristen oder Forensic Accountants zu. Mein Kollege Herr Benöhr ist neben dem BereichBusiness Intelligence auch für dieses Thema verantwortlich.Computer-Forensik – elektronische BeweissicherungDie Computer-Forensik beschäftigt sich in erster Linie mit der Wiederherstellung und Sicherung von gelöschten Daten, der Recherche und Analyse von – in digitaler Form vorliegenden – Indizien und deren Dokumentation, die vor Gericht verwertbar ist.Da in Unternehmen Arbeitsabläufe heute meist elektronisch erfolgen, zählt die Computer-Forensikinzwischen zu den wichtigsten Beweisermittlungsinstrumenten. Die elektronische Beweissicherungbezieht alle Arten der Aufzeichnung und Dokumentation von Information mittels Computern undDatenträgern ein. Jeder einzelne Schritt muss nachvollziehbar dokumentiert werden, so dass diegefundenen und reproduzierten Dokumente als Beweismittel auch vor Gericht und vor jedemgerichtlichen Sachverständigen standhalten.Quelle: Kroll OntrackCOM: Herr Benöhr, was tun Sie als Forensic Accountant?Benöhr: Ich analysiere die Informationen, die zum Beispiel Herr Kern während seinerforensischen Nachforschungen auf dem Computer gewonnen hat. Ich bewerte etwarechtliche Aspekte in Vertragsdokumenten oder Finanztransaktionen. Computer Forensicsund Forensic Accounting sind eng miteinander verzahnt, wir stehen im engen, permanentenDialog miteinander.COM: Letzte Frage: Wie können sich Unternehmen vor einem Korruptionsskandal, wiewir ihn in diesen Tagen bei Siemens erleben, schützen?Kern: Computer-Forensik ist kein Instrument der Korruptionsprävention, sondern eineMethode zur Früherkennung. Das Bewusstsein, durch Unregelmäßigkeiten frühzeitigerwischt zu werden, könnte für potenzielle Täter eine abschreckende Wirkung haben.7


Benöhr: Ich messe dem Compliance-Regelwerk im Unternehmen eine große Bedeutung zu.Es appelliert an das ethische Bewusstsein der Menschen. Leitende Mitarbeiter müssenallerdings den Code of Conduct vorleben. Ansonsten passieren im Unternehmen Vorfälle wieder von Ihnen angesprochene Korruptionsskandal bei Siemens.COM: Herr Benöhr, Herr Kern, besten Dank für dieses Gespräch.Das Interview führte Iris Meinking.Johann Benöhr leitet den Bereich Business Intelligence &Investigations für die Dachregion Deutschland, Österreich und dendeutschsprachigen Teil der Schweiz bei der Kroll Inc. in München.jbenoehr@kroll.comReinhold Kern ist als Manager Computer Forensics & E-Disclosurebei der Kroll Ontrack GmbH in Böblingen tätig.rkern@krollontrack.deKroll Inc. auf einen Blick Ein Unternehmen der Marsh & McLennan Companies (MMC) Marktführendes Unternehmen für Risikoberatung 3.900 Mitarbeiter weltweitWeitere Informationen unter www.kroll.comKroll Ontrack GmbH auf einen Blick Tochterunternehmen der Kroll Ontrack Inc., die in den Bereichen Datenrettung undComputer-Forensik (elektronische Beweissicherung) tätig ist. Beide Unternehmengehören zu den Marsh & McLennan Companies (MMC). Etwa 1.700 Mitarbeiter weltweit, davon rund 70 in Deutschland.Weitere Informationen unter www.krollontrack.de8


Fortsetzung des Interviews von Seite 1„Compliance ist vergleichbar mit den Rädern eines Autos“COM: Wie ist die Compliance-Abteilung bei GE strukturiert?Rosbach: Die Compliance-Abteilung ist bei GE als Pyramidenstruktur aufgebaut. An derSpitze steht der Senior Vice President und Senior Counsel, darunter sind die ChiefCompliance Officer der sechs Geschäftsbereiche des GE-Konzerns angesiedelt. Innerhalbder Geschäftsbereiche gibt es den Compliance Leader für einzelne Regionen, zum Beispielfür Europa, wie auch für einzelne Geschäftseinheiten, z.B. GE Corporate Financial Services.Die Geschäftseinheiten wiederum haben lokale Compliance Officer auf Länderebene, zudemgibt es Verantwortliche für einzelne geschäftsbereichsübergreifende Themen wie zumBeispiel Geldwäsche.Compliance-Programm bei GECompliance hat bei GE eine lange Tradition. 1954 hat man den „Green Binder“ eingeführt, der diedamaligen Company Policies enthielt. Dieses Buch wurde im Laufe der Jahre immer wieder aktualisiertund den sich ändernden regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst. 1993 hat die erste Version des„Spirit & Letter“ den „Green Binder“ abgelöst. Bei dem „Spirit & Letter“ handelt es sich um eine Broschüre,die den GE-Verhaltenskodex, Verantwortlichkeiten unserer Mitarbeiter und Führungskräfte sowie unsereinternen Richtlinien beinhaltet. „Spirit“ symbolisiert die Ethik, zum Beispiel faires und vertrauenswürdigesVerhalten in allen Tätigkeiten und Geschäftsbeziehungen. „Letter“ steht für Compliance im engerenSinne, zum Beispiel Richtlinien mit konkreter Verhaltensanweisung. Seit 2002 gibt es außerdem einenIntegrity Guide for Leaders.COM: Was genau ist Ihre Aufgabe?Rosbach: Ich bin German Compliance Manager für die Geschäftseinheit CorporateFinancial Services, eine Untereinheit des Geschäftsbereiches Commercial Finance. Dazuzählt in Deutschland die Heller Bank AG in Mainz, die auf das Factoring-Geschäftspezialisiert ist, sowie die GE Corporate Finance Bank SAS, Zweigniederlassung Frankfurtam Main, die das Leveraged Finance-Geschäft betreibt. Meine Aufgabe ist essicherzustellen, dass das Geschäftsgebaren mit den Gesetzen und den gesellschaftlichensowie GE-internen Wertvorstellungen übereinstimmt. Zudem bin ich Ansprechpartner fürDatenschutz. Dabei verstehe ich mich nicht als eine Art Polizist, der die Mitarbeiterüberwacht, sondern vielmehr als Partner und Unterstützer, der nach Lösungen sucht, umGeschäftsprozesse voranzubringen und zu vereinfachen – soweit dies nach deneinschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien möglich ist. Ferner ist es meineAufgabe, die Mitarbeiter entsprechend zu schulen, damit sie die zu beachtenden Vorschriftenund den GE-Verhaltenskodex zielgerecht, effizient und auf ihre tägliche Arbeit bezogenanwenden können.9


COM: Welches sind die Hauptthemen Ihres Compliance-Programms?Rosbach: GE möchte eine erstklassige „Integrity Culture“ etablieren, in der jeder Mitarbeiter1. verpflichtet ist, das Richtige zu tun, 2. auch weiß, was „das Richtige“ ist und 3. in einerFirmenkultur arbeitet, die „das Richtige“ erwartet und unterstützt. Dementsprechend ist esmeine Aufgabe, die Mitarbeiter im GE Verhaltenskodex, den internen Richtlinien und ggf. inexternen Gesetzen und Richtlinien zu schulen. Ferner sind Prozesse zu implementieren, dieEthik- und Compliance-Verstöße verhindern bzw. aufspüren und dann schnelle undgründliche Antworten sicherstellen. Zu diesen Prozessen zählen: Einbindung derFührungskräfte als zentrales Element, Risikoeinschätzung der Geschäftsbereiche,Bewertung der bestehenden Programme und Prozesse, Schulung der Mitarbeiter undFührungskräfte, Kommunikation sowie Bedenken äußern und Lösungen aufzeigen.COM: Wie viele Mitarbeiter widmen sich bei GE dem Thema Compliance?Rosbach: Alle rund 320.000 Mitarbeiter, die weltweit im GE-Konzern beschäftigt sind. GEbetrachtet Compliance nicht nur als Aufgabe von einigen wenigen Spezialisten wie den ca.550 Compliance Officern weltweit, sondern als Angelegenheit, die alle Mitarbeiter angeht.Nicht der einzelne Beschäftigte, sondern alle zusammen bilden und formen eineCompliance-Kultur in unserem Hause. Integrität im Geschäftsalltag und die Mitarbeiterbetrachtet GE als seine wichtigsten „Assets“. Sie sind es, die für das Unternehmen handelnund dessen Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit prägen.„Es sind die Führungskräfte,die die Kultur vorleben müssen.“COM: Wie kann ein Großkonzern wie GE sicherstellen, dass alle Mitarbeiter dieCompliance-Regelungen auch tatsächlich einhalten? Man denke nur an denKorruptionsskandal bei Siemens...Rosbach: Auf die Vorgänge bei Siemens kann und will ich nicht eingehen. Im Allgemeinenlässt sich jedoch sagen, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt. Es spielt einegroße Rolle, wie der Konzern aufgestellt ist, wie klar die Strukturen sind, wie klar Rollen undVerantwortlichkeiten verteilt sind. Ich denke, GE ist sehr klar strukturiert, und es gibt auchgenügend Compliance Officer, die sicherstellen, dass Verhaltensweisen und Ethikgrundsätzekommuniziert und gelebt werden. Last but not least sind es die Führungskräfte, die dieseKultur vorleben müssen.10


sind die extremen Auswirkungen erkennbar. Denken Sie nur an die Fälle Enron, Worldcomoder Parmalat, oder nehmen Sie einige Unternehmen des damaligen Neuen Marktes. DieseUnternehmen sind inzwischen komplett aufgelöst oder besitzen nur noch einen Bruchteilihres ursprünglichen Wertes. Daran können Sie den Wert von Compliance messen.COM: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Compliance in der Zukunft?Rosbach: Für jedes Unternehmen ist die aus Brüssel kommende Fülle an neuenRegelungen eine Herausforderung. Ich sehe auch nicht, dass sich daran künftig etwasändern wird, es sei denn, Brüssel meint es tatsächlich ernst mit dem Bürokratieabbau. DieVorgaben aus Brüssel muss der nationale Gesetzgeber umsetzen, der häufig seineSchwierigkeiten hat, dies rechtzeitig und auch verständlich zu tun. Diese Vorgaben imUnternehmen so zu implementieren, dass sie die Effizienz der Geschäftsabläufe nichtbeeinträchtigen, ist eine der Herausforderungen für Compliance Manager in der Zukunft.COM: Herr Rosbach, besten Dank für dieses Gespräch.Das Interview führten Iris Meinking und Corinna Wnuck.Thorsten Rosbach ist seit April 2006 Compliance Manager im GE-Konzern. Er ist für die Geschäftseinheit Corporate Financial Servicestätig, eine Untereinheit des Geschäftsbereiches Commercial Finance.Zuvor war er bei PricewaterhouseCoopers, Fachbereich FinancialServices, in der Wirtschaftsprüfung/prüfungsnahen Beratung beschäftigt.thorsten.rosbach@ge.comGE auf einen Blick Diversifiziertes Technologie-, Service-, Medien- und Finanzdienstleistungsunternehmen Unternehmenssitz: Fairfield, Connecticut, USA Umsatz 2006: 163,4 Milliarden US-Dollar (weltweit) Mitarbeiter: über 300.000 weltweit (Stand 2006), davon über 90.000 in Europa und über13.000 in der deutschsprachigen Region Sechs Geschäftsbereiche: GE Infrastructure, GE Industrial, GE Healthcare, NBC Universal, GECommercial Finance, GE Money GE ist seit 1896 ununterbrochen im Dow Jones Index notiert.Quelle: GE12

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