Quo Vadis – Near East? - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

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Quo Vadis – Near East? - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

© gettyimagesGespräche in WashingtonQuo VadisNear East?42. Jahrgang • 2. AUSGABE 2009


HerausgeberbriefDr. Richard SchmitzZweiter Präsidentder ÖIGFoto: Christian JungwirthDer israelische MinisterpräsidentBenjamin Netanyahumuss sich nach derWahl von Barack Obamazum amerikanischenPräsidenten neuenHerausforderungenstellen. Die Wiederwahldes iranischen MinisterpräsidentenAhmadinejadhat einen erklärtenIsraelhasser im Amtbestätigt. Diese Tatsachesollte aber auch denUSA zu denken geben,weil die Hoffnung aufeinen gesprächsbereitenVerhandlungspartnerdamit wohl für längereZeit vergessen werdenkann.Welche Anzeichen dieinternationale und dieösterreichische Pressedazu veranlasst habeneinen Erfolg der Oppositionim Iran fürmöglich zu halten, weißich nicht. Es war dochimmer klar, dass dasRegime nicht nur mitallen Mitteln versuchenwürde an der Macht zubleiben und auch dieUnterstützung breiterBevölkerungsschichtengenoss. Es bleibt abzuwarten,wie lange sichdie Anhänger von Mir-Hossein Mussavi in derÖffentlichkeit haltenkönnen und damit dieBasis für spätere Entwicklungenlegen können.Dass der Drangnach Freiheit eine ungeheuereffiziente Motivationist, haben unsdie Ereignisse, die zumSturz des kommunistischenSystems in Europageführt haben, gezeigt.Sicher ist, dass die Wahlim Iran die Bemühungendes amerikanischenPräsidenten erschwert,wenn nicht unmöglichmacht. Dass die Hisbollahim Libanon dieWahl verloren hat, istnur eine kleiner Trost.Obama muss wohl wiederenger mit Israel zusammenarbeiten,weildie Aussicht auf allgemeineZustimmung zuVerhandlungsergebnissenauf den Nullpunktgesunken ist. Eine Einigungmit den übrigenarabischen Staaten istohne Bekämpfung desTerrors rund um Israelkaum sinnvoll und dieserTerror wird vom Iranaus gesteuert und finanziert.Netanyahu hat daher zuRecht auf die Problemehingewiesen, die zurWirksamkeit einer Friedenslösungvorher bereinigtwerden müssen.Dass die Presse hier vonBedingungen spricht,ist leider typisch für denArgumentationsrahmen,in dem wir heutedie Interessen Israelsvertreten müssen.Premierminister Netanyahuhat in seinerGrundsatzrede dieMöglichkeit eines eigenenPalästinenserstaatesnicht mehr ausgeschlossen.Die AnerkennungIsraels als jüdischerStaat ist am Ende einesFriedensprozesses wohleine Selbstverständlichkeitund keine Bedingung.Daraus ergibt sichaber zwingend, dassan eine Rückkehr derFlüchtlinge des Jahres1948 nicht zu denkenist. Lediglich die Entmilitarisierungdes Palästinenserstaateskann manals Bedingung sehen,auch wenn man verstehenmuss, dass IsraelsBürger sich Frieden nurvorstellen können, wenndie Nachbarn nicht dieEinigung nach einigenJahren militärisch korrigierenkönnen.In der Berichterstattungunter ferner liefen rangiertaber eine wichtigeAussage des Premiers,nämlich sein Konzeptfür einen wirtschaftlichenFrieden, das Kooperationenim Bereichder Wassernutzung, derSolarenergie, dem Bauvon Gas- und Ölpipelinesund dem Tourismusvorsieht.Auf Basis dieser Grundsatzredekann man fürden Friedensprozesswieder Hoffnung schöpfen.Die Positionen sindnun klar umrissen, mitder wirtschaftlichenZusammenarbeit könntesofort begonnen werden.Die Freunde Israelswünschen dem LandFrieden und Wohlstand.


EditorialInhaltEditorialINGE DALMAChefredakteurinQuo VadisNear East?Barack Obama empfingBenyamin Netanyahu........... 1Herausgeberbriefdes Zweiten PräsidentenDr. Richard Schmitz.................. 2Das große Thema für diese Ausgabe hat uns die Weltpolitik vorgegeben.Der neue starke Mann in Washington hat sich die Lösung des Konfliktsim Nahen Osten vorgenommen. So wurde zuerst Israels Premier BenyaminNetanyahu, selbst erst seit kurzem am Ruder und unter demDruck seiner rechtsstehenden Koalitionspartner in seiner politischenBewegungfreiheit stark eingeschränkt, ins Weiße Haus geladen.Wenig später kam dann Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, derwegen des Zerwürfnisses mit der radikalen Hamas nur für einen Teilseines Volkes sprechen kann, zu Wort.Es ist eine radikale Änderung in der US-Politik für den Nahen Osten zuerwarten, Außenministerin Hillary Clinton hat bereits verbal die Daumenschraubenangezogen.Lesen Sie auf den Seiten 4/5 die Analyse unserer Kommentatorin ChavaGurion. Israels Botschafter in Wien, Dan Ashbel, hat auf Einladung derÖIG einen tief schürfenden Vortrag zu den Wurzeln des gefährlichenDauer-Konfliktes gehalten, „Herausforderungen und Perspektiven“ aufSeite 13.Scheinbar unbeeindruckt von der politischen Krise floriert weiterhin IsraelsWirtschaft: unser Experte Ilan Knapp, selbst von einer Reise durchIsrael gerade zurückgekehrt, legt Fakten auf den Tisch – Seiten 10/11.Die Hafenstadt und boomende Metropole Tel Aviv feierte in diesen Tagenihren 100. Geburtstag. Über dieses Jubiläum und Wiens partnerschaftlicheBeteiligung daran lesen Sie auf den Seiten 6/7.Ein Dokumentarfilm über Simon Wiesenthal wurde im Audimax derWiener Universität gezeigt, unser Vorstandsmitglied Karl Semlitsch berichtet– Seite 15.Als „little shaloms“ gebündelte Ereignisse wie immer auf den Seiten17/18, ein ungewöhnliches Thema, nämlich „Transit Shanghai“ findenSie auf der ex-libris-Seite 19.Verbringen Sie, verehrte Leser und Leserinnen, einen angenehmenSommer, wir beobachten die Ereignisse für Sie. Und bitte vergessen Sienicht, uns zu Ihrer vermehrten Information Ihre e-mail-Adresse bekanntzugebenund neue Mitglieder in die Gesellschaft einzubringen –je zahlreicher wir sind, umso mehr werden wir wahrgenommen.Editorialvon Inge Dalma,Inhaltsangabe, Impressum.......... 3AußergewöhnlicheBeziehungenKommentar von Chava Gurion.. 4/5Tel Aviv feiert den100. Geburtstag............... 6/7Ein TheologischesStudienjahr in Jerusalem...... 8Stabile Wirtschaftslagevon Ilan Knapp.................. 10/11Bewegendes und Erregendes,der Papst in Israelvon Heinz Nussbaumer............ 12Herausforderungen undPerspektiven – Vortrag vonBotschafter Dan Ashbel..... 13Kärnten ist noch nichtganz verlorenvon Armin Kern...................... 14Dokumentation überSimon Wiesenthal s.A.von Karl Semlitsch.................. 15Studienfahrt nachAuschwitz-Birkenauvon Stefan Reinisch................ 16Little Shaloms................ 17/18ex libris : „Transit Shanghai“von Elisabeth Buxbaum............. 19IMPRESSUM SCHALOM – Medieninhaber, Herausgeber: Österreichisch-Israelische Gesellschaft. Chefredakteurin: Inge Dalma. Zweck: Die Zeitschrift Schalom istdas offizielle Organ der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft. Diese tritt für die Interessen des befreundeten Staates Israel und seiner Bewohner ein. Ziel ist derFriede im Nahen Osten. Sitz: 1080 Wien, Langegasse 64. Redaktion, Anzeigenannahme: Telefon und Fax 405 66 83. E-Mail: info@oeig.at, Internet: www.oeig.at.Layout: North Bondi Design, Sydney. Bankverbindung: Bank Austria Blz 12000-00262620801 Druck: Typo Druck Sares, 1190 Wien, Muthgasse 68.Schalom3


KommentarAußergewöhnliche Beziehungen –Von Chava GurionEs gab schon herzli chere Begegnungenzwischen einemamerikanischen Präsidenten undeinem israelischen Ministerpräsidentenals im Mai 2009, auchschon günstigere Bedingungenfür beide. In der tiefsten Wirtschaftskriseder Welt seit 1929laufen andere Politikfelder Gefahr,nur Randthema zu werden.Darüber hinaus konnten beideHauptdarsteller der protokollarischenPflichtübung kaum gegensätzlichersein.Barack ObamaDer Newcomer im Weißen Haus,dessen Charisma hauptsächlichvom Anderssein und vonWahlkampfstrategen geschaffenwurde. Ein „Linker“, frisch undvolksnah, rhetorisch brillant, inder jungen Realität der Amtsausübungjedoch bald vom „yes wecan“ zum „yes we try“ gebracht.Ein Wahlsieger, getragen von deramerikanischen Zuversicht, erwerde alles anders machen als seinVorgänger. Das kann gerade eineNation wie die amerikanische inverständliche Euphorie versetzen.Der Präsident löste bisher nichtein, was sein Zweitvorname Husseinim Wahlkampf auslöste: spekulativearabische Hoffnungenund vorauseilende Schüttelfröstebei israelischen Rechten.Benjamin NetanyahuEiner von diesen Rechten, alsWiederholungstäter frisch imAmte, der im Wahlkampf klargemacht hatte, dass er nichts voneinem von den USA vermitteltenFrieden hielt. Netanyahu ist seit1999 kein Wahlsieger mehr. Allerdingswusste er 2009 die KoalitionswährungMinisteramt effizientereinzusetzen als seine in denWahlen knapp überlegene Konkurrentinder Kadima. Mit demVerbleib von VerteidigungsministerEhud Barak ließ sich auch diestark geschwächte ArbeitsparteiAvoda in die rechte Koalition einkaufen,schluckte sogar den nichtgerade als Rauchzeichen aus derFriedenspfeife zu verstehendenAvigdor Lieberman von IsraelBeitenu als Außenminister.Scharfe MischungDie von Präsident Obama zumEmpfang vorbereitete Obstschaleenthielt vorerst nur saure Früchte:Das Gesprächsangebot der USAan den Iran und Syrien, die klareForderung einer raschen Zweistaatenlösungfür Nahost, Rückzugaus dem Westjordanlandund Siedlungsstopp. Dazu kam,dass die USA das über Jahrzehntegehegte Tabu brachen, Israelexplizit als Atommacht zu outen.Man ahnt, dass Netanyahu mitgesträubtem Nackenhaar nachWashington reiste. Vorher hatteer ein überraschendes Bekenntnisseiner Regierung zu einer Zweistaatenlösungdeponiert. Wasihm von seiner eigenen Partei denRuf des Umfallers und den angekündigtenWiderstand von zweiDritteln der Likud-Abgeordnetenins Handgepäck legte.Den tatsächlichen Verlauf des Treffenskann man von außen nichtnachvollziehen, sondern musssich auf die gemeinsame Presseerklärungdanach beschränken.Obama’s VoiceHier gab es Erstaunliches vonseitendes „anderen“ Präsidentender USA. Obama lieferte seinenErklärungsbedarf zum VerhältnisUSA – Israel ab und legte sich dabeidie Latte überraschend hoch.Er sprach von der „außergewöhnlichenBeziehung“ beider Staaten,von „historischer“ und „emotionalerVerbundenheit“, bezeichneteIsrael als „einzige echte Demokratieim Nahen Osten“, als „Quelleder Bewunderung und Inspirationfür das amerikanische Volk“, dessen„Sicherheit an erster Stelle“seiner Politik gegenüber Israel unddem Nahen Osten stehe. Darauskönnen der Iran oder arabischeRegime kaum ein Signal mindererUnterstützung für Israel ableiten.Netanyahu’s VoiceIsraels Ministerpräsident musstenach der deutlichen Schmeicheleieinen guten Eindruck hinterlassen,dankte für die Freundschaft,nannte Obama „einen großenFührer der Vereinigten Staaten, einengroßen Führer der Welt, einengroßen Freund Israels, jemand,der sich unserer Sorgen um Sicherheitäußerst bewusst“ sei, wasdas gesamte israelische Volk zuwürdigen wisse. Das war wenigerSchmeichelei als das Festnagelndes Präsidenten auf dessen eigenesBekenntnis der „außergewöhnlichenBeziehungen“ der USA zuIsrael. „Wir verfolgen dieselbenZiele und stehen denselben Bedrohungengegenüber“. Was wohlstimmt, wofür aber Obama nochZeit für die Wahrnehmung eingeräumtwerden muss.4 Schalom


KommentarNetanyahu bei ObamaZum IranObama ging auf die „immer größereBesorgnis um eine möglicheatomare Bewaffnung desIran“ ein und erklärte: „Ein Iranim Besitz von atomaren Waffenwäre nicht nur eine BedrohungKommt neuIsraels und der Vereinigten Staaten,sondern würde die gesamteinternationale Gemeinschaft zutiefstdestabilisieren und könnteein atomares Wettrennen imNahen Osten in Gang setzen,das extrem gefährlich für alleBetroffenen wäre, der Iran miteingeschlossen.“ Starke Worte,gefolgt von Erläuterungen, wiedie Vereinigten Staaten vorerstin Gesprächen den Iran anAtomwaffen hindern möchten,ohne härtere Maßnahmen inZukunft auszuschließen. Ebensowies er von sich, dass seine „ausgestreckteHand“ von FeindenAmerikas als Schwäche interpretiertwerden könnte. Das zeigtleider, dass Obama den MittlerenOsten noch nicht verstandenhat. Nach Versagen der Härtewird nicht genügen, es mit Nettseinzu versuchen. Netanyahulenkte geschickt auf die Ausweitungder iranischen Bedrohung:„Wenn der Iran Atomwaffen erhaltensollte, kann er Terroristeneinen nuklearen Schutzschildbieten, oder schlimmer, Terroristensogar Atomwaffen geben.Und das würde uns alle in großeGefahr bringen.“ Daher schätzeer Präsident Obamas feste Zusagesehr, eine atomare Bewaffnungdes Iran verhindern zuwollen und dabei alle Optionenauf dem Tisch zu lassen.Zum Nahost-KonfliktObama sagte, es wäre „in allerInteresse, zu einer Zweistaatenlösungzu kommen, in der Israelisund Palästinenser Seite an Seitein Sicherheit und Frieden lebenkönnen.“ Und weiter, dass diebeiderseitigen „Verpflichtungenin der Road Map konturiert undin Annapolis ausführlich diskutiert“worden seien. Ebenso kamObama Israel bei der Reihungder maßgeblichen Punkte für denFriedensprozess entgegen: IsraelsSicherheit zu garantieren, Terrorismusund Raketenangriffe zustoppen, wirtschaftliche Entwicklungfür die Palästinenser – woraufNetanyahu den Schwerpunktlegt – einhergehend mit einem unabhängigenStaat. Weiters mahnteer von den Palästinensern bessereSicherheitsgarantien für Israelein. Die palästinensische Führungmüsse zusätzliche Legitimierung,Vertrauen im eigenen Volk gewinnenund Dienstleistungen liefern.Von Israel verlangte Obamaden Siedlungsstopp. Gaza müssenach Einstellung der Raketenangriffeauf Israel wieder aufgebautwerden, was eine Lockerung derGrenzkontrollen bedeutet. Netanyahustellte dazu klar, dass Israelnicht über die Palästinenser herrschen,sondern in Frieden mitihnen leben wolle. Im Zuge derWiederaufnahme der Verhandlungenmüssten die PalästinenserIsrael als jüdischen Staat anerkennenund seine Selbstverteidigungermöglichen. Wenn Israelsdauerhafte Legitimität anerkanntund die Sicherheitsbedingungenerfüllt seien, wäre eine Regelungvorstellbar, nach der Palästinenserund Israelis Seite an Seite, inWürde, Sicherheit und Friedenleben.GefahrenEin rasches Drängen auf eineZweistaatenlösung könnte allerdingsauch das Gegenteil bewirken:Einen mit Iran und Syrienverbundenen radikal-islamischenStaat Palästina, in dem in jederSchule und Moschee gelehrt werde,Israel sei palästinensisches Eigentum.Einen neuen Grenzkrieg,in dem die palästinensische Führungwegschaut oder Terroristenaktiv unterstützt. Ein Palästina,das iranische, syrische oder andereArmeen einlädt, auf israelischeStädte zu schießen.ErgebnisDas Treffen war doch nicht nurein oberflächlicher, atmosphärischerErfolg. Ideologie und ursprünglicheAbsichten der AdministrationObamas wurden inBerücksichtigung der Ansichtenund Interessen Israels etwas modifiziert.Auch konnten Einblickein die Realität der Region vermitteltwerden. Der Rest wird davonabhängen, ob Obama darauf besteht,seine Prioritäten in seineIdeen oder in zukünftige Erfahrungenzu setzen.Die Autorin legt Wert auf die Feststellung,dass der Artikel vor den Äußerungender US-Außenministerin Clintongegenüber Israel und vor der RedePräsident Obamas in Kairo, unmittelbarnach dem Besuch von MinisterpräsidentNetanyahu in Washingtonverfasst wurde.Schalom5


JubiläumWenn Tel Aviv den100. Geburtstag feiert…Wenn Tel Avivfeiert, dann istrichtig was los. DieStadt kann stolz aufihre Entwicklung sein.Hundert Jahre ist eineverhältnismäßig kurzeZeit im Leben einerStadt. Mit dem hundertstenGeburtstagbeginnt eine Phase derKonsolidierung unddes Rückblicks.In dieser Zeitspanneist die erste Siedlung inden Sanddünen zu einerder pulsierendstenStädte am Mittelmeergewachsen. Tel Aviv istdie Stadt, die „niemalsschläft“.Seit einiger Zeit kannauch der verwöhnteGaumen gut essen,man kann ins Theater,Konzert oder Kino gehen,mit Freunden amStrand sitzen und sichrelativ sicher fühlen.Tel Aviv ist in Hochstimmung,hat sichfür sein Jubiläum auchfein herausgeputzt undmacht seinem Namen„die weiße Stadt amMittelmeer“ alle Ehre.Viele alte Viertel wurdendem Anlass entsprechendhergerichtet.Wenn Tel Aviv feiert, istauch immer ein Hauchvon Wien dabei. Soeröffneten die „IsraelPhilharmonics“ unterMaestro Zubin Mehtamit Strauss-Melodienden Reigen der Feierlichkeiten,einige derHäuser der WienerArchitekten um AdolfLoos wurden renoviertund erstrahlen in neuemGlanz. So mancherWiener leistet sich geradejetzt einen Kurzaufenthaltin Tel Aviv,um alte Freunde zubesuchen und an derfestlichen Stimmungteilzuhaben.Wien war bei den EröffnungsfeierlichkeitenAnfang April auch miteiner nostalgischenAusstellung vertreten,die Silhouetten bekannterWiener jüdischerPersönlichkeitenvon Sigmund Freud bisStefan Zweig zeigte. Dieso liebevoll von Nescherund Nescher gestalteteAusstellung imCameri Theater wurdein Vertretung des WienerBürgermeisters vonKulturstadtrat Dr. AndreasMailath-Pokorny,dem Leiter der KulturabteilungDr. BernhardDenscher feierlicheröffnet. Über 20.000Menschen besuchtendiese Ausstellung inden ersten 14 Tagen.Um das Genie Mozartwurde eine Collage ausBeleuchtung und Schatten,Schauspielern, Objektenund Musik alsSchwarzes Theater präsentiert.Ebenfalls vomDuo Nescher und Neschergab es Aufführungendes Schattentheaters.Der Andrang warso groß, dass Aufführungeneingeschobenwerden mussten. Danebengastierte das WienerKabinetttheater.Alle Aufführungen warenrestlos ausverkauft.Ein im Foyer des Hauseseingerichtetes WienerKaffeehaus vermittelteWiener Atmosphäre.Die österreichischeBotschaft unter demengagierten BotschafterMag. Michael Rendigestaltete ebenfalls einenfulminanten Clubbing-Abendmit jungenÖsterreich-Freunden,während der Clubbing-Abendmit denDiskjockeys RichardDorfmeister und StefanMörth einem breitenPublikum zugänglichwar.Eine österreichischeFilmwoche präsentierteFilme mit kritischemÖsterreich-Bezug.Der freundschaftlicheAustausch zwischenden beiden Städtenzeigt sich auch in derErrichtung des „TelAviv-Strandes“ amWiener Donaukanal, andem man nur an etwaskühleren Tagen einenfreien Sessel ergatternkann.Bleibt zu hoffen, dasssich diese Freundschaften„vertiefen“ werden,um einen Ausdruck ausder internationalen Politikzu verwenden.Susi ShakedKulturstadtrat Dr. AndreasMailath-Pokorny und der Vorsitzendeder israelisch-österreichischenGesellschaft Tel Aviv,Gideon Eckhaus (li.).Foto: Stadt Wien6 Schalom


JubiläumHot City CoolSeit 10. Mai ist Wienum einen sommerlichenSzenetreff zum relaxenreicher. Bei einemgroßen Fest der IsraelischenBotschaft wurdeunter Beisein vonStadträtin Sonja Wehselyund StaatssekretärAndreas Schieder derTel Aviv Beach vom israelischenBotschafterDan Ashbel feierlicheröffnet. Für ein wundervollestänzerischesund musikalischesRahmenprogrammsorgten dabei die TelAviv Scouts und das EliMeiri-Ensemble.Seitdem liegt Tel Avivam Donaukanal. DieStadt, die im April 1909von jüdischen Siedlernin den Sanddünnennahe Jaffa gegründetwurde, feiert heuer ihrhundertjähriges Bestehen.Die Bauplätzewurden damals perLos verteilt. Heute istTel Aviv, was übersetztHügel des Frühlingsbedeutet, ein kulturellesund wirtschaftlichesZentrum Israels.Nun wird am Donaukanal,zeitgleich mit Parisund New York gefeiert.Der Sandstrand lädt mit200 Sitzplätzen zum gemütlichenAusspannenein. Für das leiblicheWohl sorgt Haya Molchomit ihrem Team,das hungrige Gäste mitzahlreichen kulinarischenKöstlichkeitenverwöhnt.Foto: JMWDas Jüdische Museumder Stadt Wien präsentiertzum Jubeljahreine fotographische„Liebeserklärung an dieWeiße Stadt am Meer“.Botschafter Dan Ashbel mit Stadträtin Sonja Wehsely (Foto: Stadt Wien)KanalimpressionenEs wird Zeit, dass diepro-palästinensischeKampagne „Gazamuss leben“ den Donaukanalverklagt.Wegen geografischerBevorzugung der „jüdischenLobby“. Dennder Tel Aviv Beachliegt, bei Vollbetriebbis zur Überfüllungfrequentiert, stets imSonnenlicht, dochden Gaza Beach drübenim Schatten siehtman nicht, auch nichtdie Mahnwache der„Frauen in Schwarz“,auch nicht die paarmahnenden Weibleinund Männleinsamt Fahnenstangen.Am 20. Juni fand ein„neuer Checkpoint“statt, der „die Teilnehmer/innenund Passantenin die palästinensischeAlltagsstimmungständiger militärischerSchikanenversetzen“ soll. PfiffigeIdee, da wird man mitnoch weniger Aktivist-Innen auskommen.emgSchalom7


Wirtschafttrotz der allgemeinen KriseDer israelische Pharma-GigantTEVA hatmit seinen Einnahmenim letzten Quartal von2008 selbst die kühnstenPrognosen übertroffen.Mit rund 2.2Milliarden Euro konntedas Unternehmen eineGewinnsteigerung von11% verbuchen. Für dasGesamtjahr beliefensich die Einnahmen auf8.8 Milliarden Euro.2008 stieg der Verbraucherpreisindexum3,8%, nachdem er 2007um 3,4% gestiegen ist.Der Israelische Shekel(NIS) erfuhr eine Wertsteigerungim Vergleichmit dem US Dollar um12,6%, nach 7,8% imJahr 2007, im Vergleichmit dem Euro um 6,6%und um 19,6% im Vergleichmit dem britischenPfund.Das Jahr 2008 war aucheines des Touristenrekordsfür Israel, mehrals 3 Millionen Besucherkamen in das Land, wasden Rekord von 2007(2,6 Mio.) übertraf.Israel besitzt den bestenFlughafen des NahenOstens. Dies hat abermalseine Umfrage vonAirport Council International(ACI) ergeben,deren Ergebnisse amDienstag veröffentlichtwurden. Der Tel AviverBen Gurion-Flughafenerreichte dabei auchweltweit den zweitenPlatz in der Kategoriefür Flughafen mit einemjährlichen Passagieraufkommenzwischenfünf und 15 Millionen.Bei SAP Israel sieht manden Auswirkungen derglobalen Finanzkrisegelassen entgegen. DerFoto: JBBZneue Geschäftsführervon SAP Israel, GiladGans (41): „Unser Umsatzist im vierten Quartalum das 2.5-facheund im ersten Quartalvon 2009 um das sechsfachegestiegen. Wennder Markt besser wäre,wäre unser Umsatz umdas 20-fache gestiegen.Nichtsdestoweniger beabsichtigenwir für 2009ein Wachstum von 250%gegenüber 2008 zu erreichen.“Dies würde Einnahmenvon 40 MillionenEuro bedeuten.Israel ist am Samstagauf dem 5. Weltwasserforumin Istanbul alsweltweiter Führer imEinsatz von wieder aufbereitetemWasser lobenderwähnt worden.In dem auf der Konferenzvorgelegten UN-Bericht wurde auch IsraelsFührungsrolle beider Wasserentsalzungeigens hervorgehoben.Israel recycelt beinahe70% seines Abwassersfür landwirtschaftlichenGebrauch. Ein großerTeil des Rests wird anderweitigverwertet.Eine israelische Firma hatein Gerät entwickelt, daswomöglich einen Durchbruchbei der Früherkennungvon Hautkrebs darstellt.Mittels optischenFaserkabeln zum Absuchennach bösartigen Leberfleckenermöglicht eseine präzisere Erfassungals das bloße Auge desArztes.The Economist, 12. 03. 2009Globes, 27. 01. 2009Haaretz, 10. 02. 2009Globes, 09. 02. 2009Globes, 22. 02. 2009Globes, 17. 02. 2009www.financeisrael.mof.gov.ilwww.financeisrael.mof.gov.ilYedioth Ahronot, 11. 03. 2009Globes, 23. März 2009Haaretz, 22. März 2009Haaretz, 06. April 2009Schalom11


Papst in IsraelBewegendes und Erregendesvon Heinz Nussbaumer(Herausgeber der Wochenzeitschrift „ Die Furche“)Erfahrung einer Israel-Reise – vor vielen Jahren:Ein früher Morgen am Meer. Noch ist die Sonnenicht aufgegangen, aber die Nebel werden lichter.Kein Zweifel: Dort am Horizont, genau dort, wirdsie majestätisch aus dem Wasser steigen. Nur wenigeAugenblicke noch, dann ist sie da. Aber seltsam:Das Wunder geschieht nicht dort, wo wir es erwarten,sondern ein Stückchen anderswo.Erfahrung einer Israel-Reise – jetzt: Ich sitze an diesemMontagnachmittag im „Zeit im Bild“-Studio desORF, um den Höhepunkt des Papstbesuchs in Israellive zu kommentieren: die Rede in der Holocaust-GedenkstätteYad Vashem.Eine nie wiederkehrende ChanceWas war da alles geschehen, um dieser Stunde ihreenorme Bedeutung zu geben: geschichtlich, religiös,politisch – und vor allem menschlich. Es ist eine niewiederkehrende Chance: Ein deutscher Papst, der dieNS-Zeit noch selbst erlebt hat, steht vor dem jüdischenVolk.Gebannt warte ich auf die Rede – im Wissen: Benedikthat es schwer, sehr schwer. Da ist die berührendeErinnerung an Johannes Paul II. am selben Ort. Daist die Not, dem Unbeschreibbaren der Shoah immerneue Worte zu verleihen.Da ist die Vermutung, dass jedes Sprechen darüberletztlich unter den Erwartungen bleibt. Da ist die Seriejüngster Pannen, die der Papst vergessen machensollte. Und da ist die Sorge des Theologen Ratzinger:wie sehr darf er das große Gemeinsame von Judenund Christen betonen, ohne am Fundament des eigenenGlaubens zu rütteln?Jedes Wort wiegt jetzt doppelt. Mehr aber noch derTonfall, jede Geste.„Ich lausche dem Papst mit wachsender Verzweiflung,hoffend, dass da noch ein bleibendes Wort kommt.Aber da kommt nichts.“Und dann die Rede: Leise, fast monoton trägt sie derPapst vor – ohne erkennbare Zeichen der Berührtheit.„Als lese er den Text eines anderen – oder, beklemmendernoch, als wisse er nicht, was er da liest“, stehtanderntags in den Medien. Im ORF-Studio lausche ichihm mit wachsender Verzweiflung – bis zuletzt hoffend,dass noch ein bleibendes Wort kommt. „SprungbereiteFeindseligkeit“ hatte Benedikt der Öffentlichkeitzuletzt vorgeworfen. Jetzt herrscht „springbereiteGutwilligkeit“. Alle hoffen auf eine historische Rede:Seine jüdischen Gastgeber. Die Medien. Auch ich imTV-Studio.Aber da kommt nichts: Kein berührender Satz, keinstarker Moment. Kein Funke springt über. Was bleibt,ist Enttäuschung – und die Pein, dies auch sagen zumüssen, öffentlich. Der Wahrheit zuliebe.Die zornige Anklage des ImamZwei Stunden später geschieht Merkwürdiges: Beider interreligiösen Begegnung des Papstes greift einImam das Mikrofon und hält eine Brandrede gegenIsrael: Die Juden haben uns vertrieben, uns Jerusalemweggenommen, in Gaza unsere Frauen und Kindergetötet. Tausend Gäste halten mit Benedikt den Ateman. Die Sicherheitsleute sind sprungbereit. Aber niemandzerrt ihn weg, als er seine Wut hinausschreit,zornig – aber bewegend. Warum er ungehört bleibt?Aus Respekt Israels vor der Meinungsfreiheit? AusEhrfurcht vor dem Papst? Aus Angst vor den Medien?Neue, alte Erfahrung einer Israel-Reise: Bewegendes,Erregendes geschieht oft nicht dort, wo wir es erwarten.Sondern ein Stückchen anderswo.Die Furche, 14. Mai 200912 Schalom


VortragHerausforderungen und PerspektivenZum Vortrag von Botschafter Dan AshbelDie österreichisch-israelische Gesellschafthatte Israels Botschafter Ashbel um einenVortrag gebeten – lange vor den Gesprächen desisraelischen Ministerpräsidenten Netanyahu beiUS-Präsident Barack Obama, der eine neue Nahost-PolitikAmerikas ankündigte.Dan Ashbel hat seine Zusage eingehalten und seineAnalyse geriet zu einem außerordentlichen Erlebnis.Im Smalltalk vor seinem Auftritt sagte Ashbel gegenüberSepp Rieder, dem Präsidenten der ÖIG,der seine Hoffnung auf Erläuterung der Problemebetonte, „ich werde die Lösungen aufzeigen“. Soweit ging er dann nicht, sich als Prophet aufzuspielen,aber viele Knoten, aus europäischer Sicht,entwirrte der Vortragende durch Erklärungen, diedem Zuhörer subjektiv schon beinahe objektivvorkamen.Ashbel räumte ein, dass er sich bewusst sei, vordiesem Publikum ein „Heimspiel“ zu absolvieren,machte es sich aber keineswegs so leicht, auf diepositive Einstellung der Anwesenden zu setzen.Verhandeln! Das fordern Europa und Amerikavon Israel. Die Palästinenser setzen allerdings vorihre Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit Israeldrei Forderungen: allen voran KEINE Anerkennungdes Existenzrechtes des Staates Israel imVoraus. Wie, mit wem soll Israel bei dieser Voraussetzungverhandeln?Ashbel brachte Transparenz in die teilweise vonDritt-Betrachtern verdrängten Tatsachen und legteeine andere Sicht der Probleme nahe.„Ich bin ein Jahr jünger als der Staat“ sagte der inIsrael als Sohn deutscher Einwanderer Geborene.Ashbel ist promovierter Politikwissenschafter, trat1975 in den diplomatischen Dienst seines Landesein und ist seit 2005 Botschafter in Wien.Im Namen des sichtlich beeindruckten Publikumsdankt die österreichisch-israelische GesellschaftHerrn Botschafter Dan Ashbel für die große Bereicherung.Inge DalmaHinter dem Rednerpult im Festsaal des AltenRathauses hängt ein lebensgroßes Gemälde desberühmt-berüchtigten Antisemiten Karl Lueger,einst ein beliebter Bürgermeister von Wien. Geschichteist Geschichte, so die Wahrnehmung desRedners, und diese brachte er auch in seine Analyseüber den Nahen Osten vertieft ein.Ashbel erläuterte am Beispiel von Syriens Forderungnach Rückgabe aller im Krieg an Israel verlorenenGebiete, in erster Linie der Golan-Höhen.Syrien hatte Israel in einem Angriffskrieg am YomKippur 1973 zur Verteidigung gezwungen und denWaffengang verloren. In der bekannten Geschichteder Völker sind solche Ergebnisse irreversibel.Maria Theresia wurde von Friedrich dem Großenangegriffen und Österreich verlor Schlesien anPreußen. Dabei ist es geblieben. Die historischenVorbilder sind zahlreich.Botschafter Dan Ashbel vor dem Gemälde von Wiens ehemaligemBürgermeister Lueger, rechts Dr. Richard Schmitz.Schalom13


Landesorganisationen„Kärnten ist noch nicht ganz verloren“Israel Diplomatic NetworkNewsletter der Botschaft des Staates Israelvon Armin KernWenn man inKärnten/Koroskageboren wurde undhier auch lebt, dann erscheintes fast wie einWunder, dass es abseitsder offiziellen Politikdieses Bundeslandesvermehrt interessanteVeranstaltungen zurAufarbeitung der Terror-Herrschaftdes Nationalsozialismusgibt.Umso erfreulicher sindda die Aktivitäten derAbteilung für InterkulturelleBildung und derAbteilung für Zeitgeschichtean der AlpenAdria Universität Klagenfurt/Celovecsowiedie Tätigkeiten der KolleginMag. Dr. MarinaJamritsch, Lehrerin amBORG Hermagor.Am 6. Mai 2009 gab eseine interessante Veranstaltungmit demZeitzeugen und Mitgliedder Jüdischen Brigade„NAKAM“, AlfredChaim Miller, der 1938mit 17 Jahren als Mitgliedder Kibbuz-Bewegungaus Wien nachPalästina geflüchtet istund sich später freiwilligdieser Brigade angeschlossenhat.Es bestand die Gefahr,dass General ErwinRommel mit SS-TodeskommandosdenDurchbruch bis Palästinaschaffen könnte,um auch dort den Holocaustgegen das jüdischeVolk mit Hilfe derAraber in den NahenOsten zu tragen.Seine Eltern hattennicht so viel Glück,denn sie wurden verschlepptund in derShoah umgebracht, dasie die Vor-Zeichendes Nazi-Unheils nichtrechtzeitig erkannt hatten.Er kehrte 1945 als Soldatder siegreichenbritischen Armee überTarvis/Tarvisio wiederkurz in seine ehemaligeHeimat zurück,war aber danach baldwieder in seinem Kibbuz,50 km südlichvon Tel Aviv, wo er immernoch sehr rüstigals Schlosser arbeitet.Berührend aber sehrsachlich waren seineDarstellungen im Zusammenhangmit derFeld-Gerichtsbarkeitder „NAKAM“ gegenSS-Kriegsverbrecherim Kanaltal.Die zweite Veranstaltung,am 8. Mai 2009,BORG Hermagor, beleuchtetedie Hintergründeder Euthanasieim Bezirk Hermagoraufgrund eines geheimen„Führer“-Erlassesmit Lesungen ausOriginal-Dokumentenund Biographien vonhingerichteten Opferndurch Frau KolleginMag. Dr. Marina Jamritschund einer engagiertenGruppe vonSchülern(innen).Auffallend bei beidenVeranstaltungen warder jeweils volle Veranstaltungsraumundspeziell die große Anzahlvon Jugendlichen,die sich anscheinendverstärkt für die Zeitihrer Großeltern interessieren.Deshalb glaube ichauch langsam: „Kärntenist noch nicht ganzverloren“!!!!!Foto: KernAlfred Chaim Miller (Israél), O. Univ.-Prof. i. R. Dr. Peter Gsettner und Ass. Prof. Dr. Valentin Sima (Alpe Adria Universität)14 Schalom


Dokumentation„Ich habe Euch nicht vergessen“Eine Wiesenthal-Dokumentation mit Diskussion im Auditorium Maximum der Universität WienBericht von Karl SemlitschNach wie vor ist Österreich mit der Aufarbeitungseiner NS-Vergangenheit und einem immernoch virulenten Antisemitismus beschäftigt.Die jüngsten unsäglichen Vorfälle bei den Gedenkfeiernin Ebensee, der Schülerfahrt nach Auschwitzund einige Erscheinungen im aktuellen EU-Wahlkampflassen alarmierende Tabubrüche in Österreicherkennen.Univ.-Prof. Dr. Maximilian Gottschlich vom Institutfür Publizistik- und Kommunikationswissenschaftder Universität Wien hat aus Anlass der Erinnerungan das Ende der nationalsozialistischenSchreckensherrschaft im Mai 1945 zu einer Vorführungder filmischen Biographie eines Mannesgeladen, der wie kein Zweiter gegen das Vergessenund Verdrängen in der österreichischen Nachkriegspolitikkämpfte: Simon Wiesenthal.Der Regie-Oscar-Preisträger Richard Trank hatdas Leben von Simon Wiesenthal in dem Film „Ichhabe Euch nicht vergessen“ aufgezeigt.Im Audimax der Universität Wien wurde die packendefilmische Rekonstruktion des Lebens vonSimon Wiesenthal ausgestrahlt – vor dem ZweitenWeltkrieg, dann seinen Leidensweg durch die Konzentrationslager,seine innere Berufung die Täterder Gerechtigkeit zuzuführen, seine Erfolge NS-Verbrecher wie Adolf Eichmann aufzufinden, aberauch seine Misserfolge und letztlich seine großenöffentlichen Auseindersetzungen mit Bruno Kreiskyund Friedrich Peter in den 1970-er Jahren undim Zusammenhang mit den Vorwürfen an KurtWaldheim während des Präsidentschafts-Wahlkampfes1986.Trotz vieler persönlicher Angriffe und sogar Anschlägenauf Leib und Leben blieb Wiesenthal seinemMotto „Recht nicht Rache“ auch unter größtemöffentlichen Druck treu. Gefragt, was er einstsagen wird, wenn er die Opfer wieder treffen wird,antwortete er: Ich habe Euch nicht vergessen.“v.l.n.r : am Podium > Prof.Dr. Anton Pelinka, Dr. Anneliese Rohrer,Dr. Maximilian Gottschlich, Mag. Karl Semlitsch (Foto: univie)In seinem letzten Lebensabschnitt erlebte SimonWiesenthal, der mit einer Vielzahl von Doktorwürdeninternational geehrt wurde, noch weltweithöchste Auszeichnungen: vom Papst, über den US-Präsidenten und die Queen bis zum österreichischenBundespräsidenten. Als er seinen 95. Geburtstag imHotel Imperial feierte sagte er voll innerer Genugtuung:„der Hitler ist weg, wir sind da.“Univ.-Prof Dr. Anton Pelinka, Vorsitzender des neugegründeten Wiener Wiesenthal-Instituts für Holocaust-Studienerinnerte in einem zeitgeschichtlichenÜberblick an die massiven Schwierigkeitenund besonderen politischen Konstellationen, die derEntwicklung einer Erinnerungskultur in Österreichentgegenstanden und immer noch entgegenstehen.Dr. Anneliese Rohrer, Kolumnistin des Kurier, zeigtesich von den jüngsten, aufsehenerregenden Fällenwenig überrascht und führte sie auf durchgehendgravierende Mängel in der Bildungspolitik zurück.Sie prangerte auch scharf die mangelnde Aufklärungdurch die Medien an und die Bereitschaft des Boulevardssich an rechte Moden anzubiedern.Mag. Karl Semlitsch, Präsident von „Amcha Österreich“,einer NGO für psychosoziale Betreuungvon Holocaustüberlebenden, beschrieb Wiesenthalals Persönlichkeit, die nie müde wurde sich auchum die Opfer zu kümmern. Zugleich, so Semlitsch,stünden wir vor einer Zeitenwende, da immer wenigerÜberlebende des Holocaust als Zeitzeugenzur Verfügung stehen.Schalom15


StudienfahrtDie „Gesellschaft für politische Aufklärung“unternahm eine Studienfahrt nach Auschwitz-BirkenauEin Auszug aus dem Berichtvon Stefan ReinischWir kamen zum Kernpunkt der Studienreise,der zweitägigen Besichtigung der Gedenkstätte,bestehend aus dem Stammlager (AuschwitzI) und dem erst ab 1941 errichteten Lager Birkenau(Auschwitz II). Ein Teil der Objekte wurde vor allemin Birkenau von der SS nahezu vollständig zerstört,um die Spuren der Verbrechen zu verwischen. Sosind dort von den Krematorien und Gaskammernnur noch die Ruinen zu sehen. Was jedoch vor allembestürzt, ist die schier endlose Weite des Areals, dasheute mit seiner Stacheldrahtumzäunung und denWachtürmen wie in einer Orwell’schen Fiktion wirkt– wenn da nicht die teilweise noch gut erhaltenen Barackenmit ihren erschreckenden Details wären, dieeine Vorstellung davon geben, wie hier zu manchenZeiten um die 100.000 Individuen, jeglicher Individualitätberaubt, ihr menschenunwürdiges Daseingefristet hatten. Und die berüchtigte Eisenbahnrampe– der Ort der „Selektion“ – ist der stumme Zeugedafür, dass bei weitem nicht allen Neuankömmlingenzumindest eine Chance auf ein Überleben gewährtwurde. Von hier wurden Tausende direkt in den Todzu den Gaskammern geschickt – Arbeitsunfähige,Ältere, Schwangere und Kinder – teilweise über 70Prozent eines Transportes, ohne Häftlingsnummerund nicht registriert.Das von seinen Dimensionen und der Anzahl dermaximalen Belegung (bis maximal 20.000) um einigeskleinere Stammlager ist heute vor allem der Dokumentationder Vernichtung gewidmet: Einerseits,was die Zurschaustellung der zahlreichen Habseligkeitender neueingetroffenen Häftlinge betrifft, dievielfach in dem Irrglauben waren, dass dies nur eineZwischenstation auf dem Weg in ein neues Zuhausewäre. Andererseits, was die je nach Schicksal langsameoder schnellere Vernichtung im Lager mitsamtseinen vielen Nebenlagern und somit den Leidenswegder Häftlinge angeht. Dieser war geprägt vomtäglichen Kampf ums Überleben unter miserabelstenhygienischen Bedingungen, unmenschlicher Arbeit,schikanösen Appellen, Gewalt und der allgegenwärtigenKonfrontation mit Folter und Mord in ihrenmannigfaltigen Ausprägungen.Im Archiv mit seinen zahlreichen Kopien von Originaldokumentenwerden die einzelnen Schicksalegreifbar und die Menschen bekommen ein Profil.Dort lagern unter anderem Erinnerungen und Berichteehemaliger Häftlinge, Prozessmaterialien überNazi-Kriegsverbrecher, Fotografien, Registrierungslistenund andere Dokumente der SS, Tagesbefehlesowie auch eine Vielzahl an Briefen und Karten, dievon Häftlingen aus dem Lager an Verwandte undFreunde geschickt wurden. Alles in allem eine erschütternde,aber auch sehr aufschlussreiche Sammlungdes Leids und der Vernichtung.Foto: Kunstarchiv der Gedenkstätte Auschwitz16Schalom


little shalomsWeitere Gasfunde vor Israels KüsteEin amerikanisch-israelisches Explorationsteam hatin israelischem Hoheitsgewässer im Mittelmeer Anzeichenfür weitere Gasvorkommen gefunden. BereitsAnfang des Jahres waren bei Bohrungen im GasfeldTamar-1 vor der Küste Haifas rund 142 Milliarden m³Naturgas lokalisiert worden.Der Konzern Noble Energy, der die Exploration leitet,hat seine israelischen Kooperationspartner am Sonntagdavon in Kenntnis gesetzt, dass die Bohrungen inder 60 Kilometer von Hadera entfernten BohrstelleDalit-1 eine Tiefe von 3.6 Kilometern erreicht hättenund man elektrische Tests durchführe.Noble Energy besitzt 36% der Bohrstelle, über dieweiteren Anteile verfügen die israelischen UnternehmenIsramco Negev (28.75%), Avner Oil Exploration(15.625%), Delek Drilling (15.625%) und Dor GasExploration (4%).Haifa setzt auf ElektroautosJedes neu errichtete Gebäude im Norden Haifas mussin Zukunft die Infrastruktur beinhalten, die zur Installationvon Aufladestationen für Elektroautos nötigist. Das hat die Stadtverwaltung in dieser Wochein einem Memorandum bestimmt, das von HaifasBürgermeister Yonah Yahav und dem Geschäftsführervon „Better Place Israel“, Moshe Kaplinsky, unterzeichnetwurde.zu schaffen, die erstmals schnelles, bequemes und zugänglichesAufladen ermöglicht.“ Better Place „ hatbereits 400 Aufladestationen in verschiedenen Städtenaufgestellt.“Die Österreichisch-Israelische Gesellschaftin Zusammenarbeit mit SPMElädt zum Vortrag vonBrigadegeneral a. D. Ephraim LapideGeheimdienstoffizier in der IDFISRAEL – eine Geschichte vonDemokratie und Terror•••Israel und seine 7 KriegeIsrael und seine BedrohungenNationale Zivilschutzübungen in IsraelMo. 7. September, 19 Uhrin den Räumlichkeiten des „Club Cuvée“Wipplingerstr. 29Vins d‘Honeursu.A.w.g. e-mail: info@oeig.at Tel: 01405 66 83Wir danken Dr. Ralph Vallon für seineUnterstützung und GastfreundschaftDem Abkommen gemäß wird die Stadt ein Pilot-Experimentzur Prüfung der Realisierbarkeit des Einsatzesvon Elektroautos durchführen und „ Better Place“erlauben, über drei Jahre hinweg Aufladestationen inder Stadt aufzustellen.„Städte zeigen großes Interesse daran, an dem Elektroauto-Projektteilzunehmen, um die Lebensqualitätihrer Bürger zu verbessern“, sagte Kaplinsky. „DieBürgermeister verstehen die Notwendigkeit, sich aufdas Elektroauto vorzubereiten und eine InfrastrukturBrigadegeneral a. D. Ephraim LapideSchalom17


little shalomsTheaterabend in HaifaBetroffenheit am Gedenktag an den HolocoustEin außergewöhnliches Ereignis fand diesmal anlässlichdes Erinnerungstages an den Holocaust(Shoah) in Haifa statt: Am Vorabend, also am 20. April,brachte der Verein der Mitteleuropäer, in Zusammenarbeitmit dem österreichischen Kulturforumin Tel Aviv und der Israel-Österreich Gesellschaftin Haifa, – in hebräischer Übersetzung – das Stück„Schuldig geboren“ des österr. Schriftstellers, Journalisten,Publizisten und Ex-Politikers Peter Sichrovsky.Das Stück wurde von dem „Theatron Hastudio“(Studio Theater) unter der Leitung von Boas Trinkeraufgeführt; es handelt sich um die Aufarbeitung derzweiten und dritten Generation der Täter des Holocaustmit den Verbrechen ihrer Vorfahren. Das österr.Kulturforum stellte eine großzügige Zuwendung zurVerfügung (Direktor Dr. Arad Benkö war Ehrengastbei der Aufführung), der Verein der Mitteleuropäerstellte kostenlos das Auditorium seines Seniorenheims„Pisgath Hen“ in Haifa bereit und die Mitglieder derIsrael-Österreich Gesellschaft genossen, zusammenmit den Bewohnern des Seniorenheims, diese hochinteressante– wenn auch sehr ernste – Vorstellung.Nach einem kurzen Gebet „El Male Rachamim“ („EinGott voll Erbarmen“) begann die Vorstellung – mit einemSchock: Jugendliche tanzen in einer Disko; diespasst natürlich gar nicht in den erwarteten Rahmen,bis nach wenigen Sekunden der Hauptdarsteller (undRegisseur) Boas Trinker, den fröhlichen Tanz unterbrichtund in der Rolle des Autors, Peter Sichrovsky,seine TanzpartnerInnen daran erinnert – oder da raufaufmerksam macht – dass vor einer Generation ihreEltern sehr eifrig bemüht waren, die seinigen zu erfassenund umzubringen. Daraus entwickelt sich dasStück, dessen Botschaft es ist darzulegen, daß die Kinder– und Enkel – der Täter nicht bereit oder nichtwillens sind, sich mit den Verbrechen ihrer Väter undGroßväter auseinanderzusetzen. Ebenso können dieseJugendlichen nicht begreifen – oder wollen es ebennicht – dass das Familienhaus, in dem sie aufwuchsen,„arisiert“ wurde, also den rechtmäßigen, jüdischenBesitzern geraubt wurde.Dem Inhalt des Stückes und dem Tag der Aufführungentsprechend, wurde vom Applaus Abstand genommen;es war eine schwere, ernste Veranstaltung undwir, die Zuschauer haben allen Grund dem Verein derMitteleuropäer, dem österr. Kulturforum und dessenDirektor, Dr. Benkö, für diese dankbar zu sein. Wirwerden diesen Abend bestimmt nicht vergessen.Lebensfreude mit Johann StraußFilmvorführung in Tel AvivDer Verein der Mitteleuropäer zeigte im Goethe-Institut in Tel Aviv eine ORF-Produktion aus demJahr 1992 über das Leben des Walzerkönigs JohannStrauß zur großen Begeisterung des Publikums. Dasdokumentarische Filmwerk zeigt das Schaffen desKomponisten, geht aber auch ausführlich auf dieSchwächen und Probleme in seinem Leben ein. Sowar der Star, nach heutiger Diktion, ein hysterischerHypochonder, hatte ohne Grund ständig Angst vordem Erblinden und eine Phobie vor Reisen – wennein Zug durch ein Tunnel fuhr, so kroch er unter denSitz. Johann Strauß hatte einen jüdischen Großvater,der durch Fälschung des Taufregisters eliminiert wordenwar und seine dritte Ehefrau war Volljüdin. Erselbst sprach gerne und gut jiddisch und wohnte aufder sogenannten „Mazzesinsel“, dem 2. Bezirk, dermehrheitlich jüdisch bewohnt war. Johann Straußwar Mitglied der „Liga gegen den Antisemitismus“,die von der Nobelpreisträgerin Bertha von Suttnergegründet worden war.Peter Gewitsch18 Schalom


Ex librisElisabeth Buxbaum„Transit Shanghai“ – Ein Leben im ExilEdition Steinbauer 2009208 Seiten, 30 BilderISBN 978-3-902494-33-7Die Wiener Autorin macht sich auf die Suchenach den Lebensumständen ihres Vaters imExil in Shanghai. China war 1938 das einzige Land,das den verfolgten Juden aus Europa ohne größereAnforderungen Zuflucht bot.Da es keinen nennenswerten Nachlass gab, machtesie sich auf die Reise in die chinesische Hafenstadt,nicht ohne vorher andere Shanghai-Heimkehrer,wie Otto Tausig oder Erwin Landau und anderebefragt zu haben.Das Buch eröffnet dem Leser umfangreiches Wissenüber Umstände und Zustände dieser hartenExiljahre, die bisher kaum bekannt waren, zu sehrfocusierte sich das Interesse ausschließlich anden KZ-Überlebenden oder dramatisch Untergetauchten.Wie sehr sich die Lebensbedingungender Flüchtlinge nach der Okkupation durch Japandramatisch verschlechterten, als Ghettos errichtetwurden und die NS-Deutschen selbst in Shanghaidas Sagen hatten, musste einmal auch dem einigermaßenInformierten vor Augen geführt werden.Doch 1943 sperrte die japanische Besatzungmachtalle in ein Ghetto nach NS-deutschem Muster. Diefünfjährige Aufbau-Arbeit war vergeblich gewesen.Wer auch das überlebt hatte, konnte nach demKrieg wieder heimkehren, in ein kaltes, hungerndesWien, das zunächst keinen Anschluss an früherbot, es blieb nur Vereinsamung. „Der Beerdigungmeines Vaters wohnten zwei Menschen bei:meine Mutter und ich“.Es ist ein streng sachliches Buch, aus verlässlichenQuellen gespeist und mit Fakten und Zahlen ausgestattet,das die Autorin vorlegt. Der Leser/dieLeserin hat eine wenig bekannte Dimension überdas Schicksal der in der NS-Zeit aus Österreichvertriebenen jüdischen Mitbürger erfahren.Inge DalmaMehr als viertausend österreichische Juden erreichten1938 mit einem Transit-Visum die chinesischeHafenstadt Shanghai. Unter unvorstellbarschwierigen Bedingungen – bei kaum erträglichemKlima im Sommer – bauten sie sich eine Existenzauf. Und sie schufen ein bescheidenes kulturellesUmfeld.Die Lehrer unter ihnen errichteten eine Schule,die Ärzte unter ihnen eröffneten Ordinationen,die Journalisten unter ihnen machten eine Zeitungund einen kleinen Radio-Sender, Musiker unterihnen gaben Konzerte, Schauspieler standen mitteils neu geschriebenen Theaterstücken, Operettenund Kabarett, auf der improvisierten Bühne.Schalom19


SchalomErscheinungsortWien • Verlagspostamt 1080 Wien • P.b.b.Wenn verzogen, bitte nachsenden Wien, Juni 2009Zulassungsnummer: GZ 02 Z 031415M„Der Tiergarten gehörtmit dem Schloss und demPark zum GesamtkunstwerkSchönbrunn und zählt zumUNESCO-Weltkulturerbe.In Schönbrunn kann mandas imperiale Leben sehrgut spüren.“Tiergartendirektorin und GenießerinDagmar SchratterBUCHEN STATT SUCHENInformationen, Packagesund praktische Tipps© WTV / LUKAS BECKWIEN-HOTELS & INFOTEL. 01–24 555www.wien.info20 Schalom

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