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Landesrundbrief 2‘08

Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)

Landesverband Schleswig-Holstein / Hamburg e.V.

Grenzgänge


Der Landesrundbrief

ist das Magazin für leitende Mitglieder des

BdP-Landesverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg.

Er erscheint prinzipiell zweimal im Jahr. Die Beiträge

spiegeln die Meinung der jeweiligen Autoren wieder.

Der Nachdruck mit Quellenausgabe ist gestattet.

Herausgeber

Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder,

Landesverband Schleswig-Holstein/Hamburg e.V.

Am Alten Markt 6

22926 Ahrensburg

Tel. 04102 / 1722

buero@bdp-sh-hh.de

Redaktionsanschrift

c/o Nils Petersen

Mengstraße 23

23552 Lübeck

nils@bdp-sh-hh.de

Chefredaktion und Layout

Nils Petersen

Mitarbeit

Hannes Clausen, Wibke Riekmann, Pelle Klöckner, Imke Schaffitzel (Imme),

Jennifer Coen (Jenny), Ulf Hilbert (Hulle), Malika Sandabad, Jirka Tomm,

Anya Rothemund (Kruschtl), Timo Barfknecht, Mariano Junge, Yves M.

Weis (iso)

Fotos (soweit bekannt)

Johannes Bebensee (Joby), Ulf Hilbert (Hulle), Nils Petersen, Raphael

Eichberger (Raffi), Jan Moritz Köpke, Elli Schlenker, Jirka Tomm, Mariano

Junge

Titelfoto

Raphael Eichberger (Raffi)

Auflage

400

Titelseite: Gelbe Engel Spaß Aktion 2007

Der Landesverband online: www.bdp-sh-hh.de


Schwerpunkt: Grenzgänge a ab S. 4 Höhepunkt: Pfingstlager a S. 12 Wegpunkt: Lapplandfahrt a S.

Liebe Leserinnen und Leser,

ein aufregendes Jahr 2008 neigt sich dem Ende entgegen. Noch

immer frisch wollten wir uns zeigen - ein Jahr nach unserem

groß gefeierten 100. Geburtstag. Nachhaltig sollte unsere Arbeit

sein, einmischen wollten wir uns und Flagge zeigen. Für

wichtige, wertvolle und erfolgreiche Jugendarbeit. Viel haben

wir bewegt, im Großen wie im Kleinen. Neue Aufbaugruppen

haben sich unserem Landesverband angeschlossen, wir haben

ein sensationelles Landespfingstlager mit hunderten Wölflingen,

Pfadfinderinnen und Pfadfindern, Rangern und Rovern auf die

Beine gestellt, wir haben die Welt bereist, sind schwarzgefahren,

haben härter gewohnt und schöner gezeltet.

Und wieder einmal beweist auch dieser Landesrundbrief, wie

vielseitig und spannend unsere Arbeit ist und bleiben wird, solange

viele fleißige Hände vor und hinter den Kulissen dafür

sorgen. An dieser Stelle deshalb ein besonders herzliches Dankeschön

an alle Jungs und Mädels, die unentwegt für uns in die

Hände spucken, die viel Kraft und Zeit investieren, damit sie und

andere diese Welt ein Stück weit besser hinterlassen als sie sie

vorgefunden haben. Danke an alle Stafüs und Materialwarte,

Eltern, Förderer, Stifter, Gruppenleiter, Landesbeauftragte, Delegierte,

Kassenwarte, Smutjes, Techniker und last but not least

unseren Bildungsreferenten Jan, der in Ahrensburg alle Fäden in

der Hand hält.

Ihr alle geht an eure Grenzen. Mal in Sachen Zeitmanagement,

mal körperlich, mal emotional. Nicht zu wissen, wo die eigenen

Grenzen liegen, sie auszuloten und gelegentlich zu überschreiten

ist Teil des Heranreifens, macht uns menschlich und verletzbar.

Wer in seiner Jugend kein Gespür dafür entwickelt, läuft Gefahr,

sich in unserer grenzenlos scheinenden Welt zu verlieren. Auch

das ist also eine Aufgabe nachhaltiger Jugendarbeit und deshalb

ein würdiges Schwerpunktthema für diese LRB-Ausgabe.

Euch allen wünsche ich im Namen der Redaktion fröhliche und

erholsame Weihnachten, einen tollen Rutsch ins neue Jahr und

alles Gute für 2009. Bleibt uns gewogen.

Landesrundbrief 2‘08

Nils Petersen,

Landesbeauftragter für den Landesrundbrief

Grenzgänge

Risikoverhalten

Wir sind allein, allein allein

Gewohnheiten

Die 7 Todsünden

Stadt und Land

Landespfingstlager in Tydal

Happy Faces Awards 2008

Ein Familienausflug zu Pfingsten

Härter wohnen

Was Hape verpasst hat

Lapplandfahrt 2008

Sommerfahrt der Kolibris

Nass, aber glücklich

Hamburger Singewettstreit 2009

BuLa-Technik

Dies & Das

Altersgrenze im BdP

Quatsch mit Soße, Vol.2

Mein erster LRB-Artikel

Inhalt

Abo-Service und Abo-Bestellungen

unter 0451/8083228

oder per Mail an

nils@bdp-sh-hh.de

Zwei Ausgaben jährlich schon ab 10 €.

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Mehr Infos über den BdP in

Schleswig-Holstein und Hamburg unter

www.bdp-sh-hh.de

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Schwerpunkt Grenzgänge

Jugendliche Grenzgänge:

Risikoverhalten

Der deutsche Sektenbeauftragte Alfred Singer sieht bei Jugendlichen

derzeit einen starken Trend zum Okkultismus. Pendeln oder Gläserrücken

würden wieder vermehrt praktiziert.

Mit Sorge wird der Alkoholkonsum Jugendlicher beobachtet: Flatrate- und

Koma-Saufen sind zwei aktuelle Stichworte dazu.

Der Konsum von Haschisch und Marihuana – so wird mit gerunzelter Stirn

berichtet – gehöre für immer mehr Jugendliche zur Alltagserfahrung.

4

Landesrundbrief 2‘08


a Ob Okkultismus, Alkohol oder Drogenkonsum:

Jugendliche testen Grenzen

und experimentieren mit dem, was von

der Gesellschaft als verboten oder schädigend

angesehen wird. Dabei gehen sie

gegenüber sich selbst ein Risiko ein. Zu

einem solchen Risikoverhalten zählen

neben exzessivem Alkohol- oder Tabakkonsum

auch Geschwindigkeitsrausch,

Spielsucht, Arzneimittelmissbrauch oder

eben die Experimente mit den dunklen

Mächten. Auch das „Jugend-Spielchen“

zu hyperventilieren (schnelles und tiefes

Einatmen), dann die Luft anzuhalten und

sich den Brustkorb zusammen pressen

zu lassen, gehört dazu. Auch exzessives

Sportausüben kombiniert mit der Einnahme

von Dopingmitteln kann als Risikoverhalten

verstanden werden.

No risk, no fun?

Alle diese Verhaltensweisen können zur

Beeinträchtigung des eigenen Wohlbefindens

führen.

Jede Gesellschaft muss sich nun überlegen,

wie sie mit einem solchen Verhalten

umgehen möchte. Lange Zeit wurde nur

mit Verboten und Sanktionen reagiert.

Das ist mittlerweile kalter pädagogischer

Kaffee. Denn inzwischen ist klar: Risikoverhalten

im späten Kindes- und Jugendalter

ist typisch für die Entwicklung

Wer nicht wagt,

der nicht gewinnt?

und die jeweilige Generation. Das bedeutet:

Es gehört zum Erwachsenwerden

einfach dazu, abweichendes Verhalten

zu zeigen.

Wer also von der Polizei aufgegriffen

wird, weil er etwas „Verbotenes“ tut,

war meistens nur zu blöd, sich erwischen

zu lassen. Folglich macht es auch

wenig Sinn, ein solches Risikoverhalten

mit Hilfe von pädagogischen Maßnahmen

aus der Welt schaffen zu wollen.

Vielmehr geht es darum, die Selbstgefährdung

möglichst zu verringern und

die Gefährdung anderer zu verhindern.

Darüber hinaus sollte das Augenmerk

darauf gerichtet werden, dass sich dieses

Verhalten nicht ins Erwachsenenalter

verfestigt.

Schwerpunkt Grenzgänge

Zurzeit wird Jugend in den Medien mal

wieder fast ausschließlich als Risikogruppe

dargestellt. Wer von den gesellschaftlichen

Normen abweicht, gilt sofort

als gefährdet. Risikoverhalten kann

aber auch seinen Grund und subjektive

Sinnhaftigkeit haben. Meistens geht es

darum, sich von der elterlichen Kontrolle

absetzen zu wollen und in Distanz

zum Kindsein zu gehen. Der eigene Körper

ist dafür das Medium. Auch die Sicherung

der Solidarität Gleichaltriger ist

ein wichtiger Grund.

U-Bahn-Schläger

gehören abgeschoben?

Bevor also wieder strengere Erziehungsgrundsätze

gefordert werden, ist ein

kurzes Innehalten hilfreich. Wer ein härteres

Durchgreifen gegenüber jugendlichem

Risikoverhalten verlangt, tut gut

daran, sich an die eigenen Grenzgänge

zu erinnern.

Wibke Riekmann

LB Öffentlichkeitsarbeit

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Schwerpunkt Grenzgänge

Wir sind allein,

allein allein

Fahrt vorbei, Wäsche in der Maschine, frisch geduscht und von Muttern versorgt.

Trotzdem fehlt etwas. Wer Teil einer Jugendbewegung ist, kommt trotzdem

manchmal an die Grenzen des schwarzen Lochs. Da ist es leise und da hocken wir

uns wieder vor Fernseher und PC. Kaum jemand ist gerne allein.

Trotzdem muss jeder lernen, damit umzugehen.

a Die längste Zeit, die ich als Minderjähriger

von zu Hause weg war, dauerte

ein halbes Jahr. Ich ging im Sommer

nach der zehnten Klasse nach Australien,

lebte dort bei Verwandten, ging in die 11.

Klasse der High School und war so einsam

wie nie zuvor. Gastfamilie, schön

und gut. Absolut fremde Personen, die

selber noch nie in Deutschland waren,

pubertierende Klassenkameraden, kein

Internet (hatte 1996 noch keiner), fremde

Sprache und keinen Plan von Land und

Leuten. Natürlich kommt da schnell Melancholie

auf. Und wenn man dann noch

weiß, dass sich der eigene Stamm zeitgleich

mit den Geisterburgern in Schottland

vergnügt, mit annähernd 100 Leuten

also, dann fragt man sich schon, ob man

wirklich zur richtigen Zeit am richtigen

Ort ist. Einsamkeit kann gefährlich sein.

Aber wer ist schon wirklich einsam?

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Sind wir nicht viel mehr ab und zu allein?

Beim Lesen zum Beispiel. Eine Erfahrung,

die man zunächst mit niemandem

teilen kann. Man nimmt sich einen Roman,

taucht ein in eine Handlung, trifft

verschiedenste Figuren, reist an unbekannte

Orte und überwindet Raum und

Muss ich mich schon

wieder amüsieren?

Zeit. Millionen von Menschen tun das

jeden Tag. Freiwillig. Sie suchen Zerstreuung,

Abwechslung, Unterhaltung...

aber keiner dieser Leser würde dabei

ernsthaft behaupten, er sei einsam.

Selbst beim Bus- oder Bahnfahren, auf

dem Weg zur Arbeit oder zu einem Pfadfindertreffen

sitzen wir allein zwischen

dutzenden von anderen Reisenden. Das

gleiche im Kino, im Theater oder Konzert.

Wir lernen sie nicht wirklich kennen,

aber wir sagen, wir gehen „unter

Menschen“. Nur zuhause, in den eigenen

vier Wänden kommt schnell das Gefühl

von Einsamkeit auf. Die Wände starren

einen an, unerledigte Arbeit versucht

sich aufzudrängen, das Telefon schweigt

und draußen geht die Welt an einem vorbei.

Die Ruhe, die dabei entsteht, ist für

viele unerträglich. Musik ist wohl die

beliebteste Art sich abzulenken. Viele

schmeißen auch die Glotze an, ohne dass

sie überhaupt hingucken. Nur für die Geräuschkulisse.

Warum ertragen wir die

Stille nicht? Warum berauschen wir uns

mit Gedudel aus dem Radio, mit bunten

Bildern auf MTV oder VIVA? Sogar bei

meinem Frisör läuft neuerdings Musikfernsehen,

damit man sich ja nicht unter-

Landesrundbrief 2‘08


halten muss. Haben wir verlernt, uns mit

unseren Mitmenschen oder sogar mit uns

selbst sinnbringend zu beschäftigen?

Spannenderweise können sich die meisten

Kleinkinder wunderbar allein beschäftigen.

Sie spielen die Rollen der

anderen einfach gleich mit, führen

Selbstgespräche, geben Anweisungen,

brechen reihenweise ihre selbst aufgestellten

Regeln, bestrafen sich dann

Bei Erwachsenen finden wir

Selbstgespräche gruselig.

aber auch entsprechend, wenn sie sich

dabei erwischen. Mit zunehmendem

Alter verlernen wir diese praktische Fähigkeit

und gehen dazu über, uns von

Elektronik und Medien berieseln zu lassen.

Wir produzieren uns eine unglaublich

stressige Welt, in der Mahlzeiten,

Schlaf und andere Notwendigkeiten zur

Nebensache, womöglich sogar zu einer

Last werden. Die Folge sind nicht zuletzt

Erkrankungen wie Burn-Out, Magengeschwüre,

Restless Legs, Hyperaktivität,

Essstörungen oder Zwangsverhalten.

Auch der Einsatz von Drogen und Medikamenten

zum Auf- oder Abputschen ist

heute keine Seltenheit mehr. Retalin und

Schlaftabletten sind nur zwei von vielen

salonfähig gemachten Alltagsdrogen, die

man ohne schlechtes Gewissen vom Arzt

verschrieben bekommt.

Landesrundbrief 2‘08

Doch wird der Mensch erst einmal alt,

stirbt vielleicht sogar ein Lebenspartner,

die Gesundheit lässt nach und die Sinne

spielen nicht mehr so mit wie früher, dann

gewöhnt er sich komischerweise wieder

an, mit der Ruhe und dem Alleinsein

fertig zu werden. Man geht nicht mehr

so viel weg, die Zahl der Freunde und

Bekannten nimmt ab, man plant seinen

Alltag um bestimmte Fixpunkte herum,

denn zur Arbeit muss man schon lange

nicht mehr. Ist das so? Können alte Menschen

besser allein sein als junge? Wohl

kaum. Sie sind nur genügsamer, finden

sich eher mit ihrer Situation ab oder haben

nicht mehr die Kraft, ihre Sitaution zu

verändern. Allein zu sein ist heutzutage

eben leider auch ein Brandzeichen. Man

hat es nicht zu sein. Wer allein ist oder

gut allein sein kann, mit dem stimmt was

nicht. Man wird als eigenbrödlerisch,

verschroben oder schüchtern hingestellt.

Doch ist nicht die ausgeglichene Zufriedenheit

mit sich selbst etwas höchst Erstrebenswertes?

Über einen Dreijährigen

würde die Mutter stolz sagen: „Er kann

sich so prima selbst beschäftigen.“ Der

Siebzehnjährige, der fünf Stunden vorm

PC hängt, ist hingegen ein potentieller

Amokläufer.

Allein sein ist keine Schande. Allein sein

will aber gelernt sein. Sich darüber auszutauschen

könnte ein Anfang sein. Dazu

zu stehen, ein zwangsläufiger Schritt.

Nils Petersen,

Stamm Kolibri

Schwerpunkt Grenzgänge

Polarkreis 18

Wir sind allein

He‘s living in a universe

a heart away

inside of him there‘s no one else

just a heart away

the time will come to be blessed

a heart away

to celebrate his loneliness.

Wir sind allein,

allein allein.

We look into faces

wait for a sign.

Wir sind allein,

allein allein.

A prisoner behind the walls

a heart away

wants to lead his universe

just a heart away

the time has come for us to love

a heart away

to celebrate our loneliness.

Wir sind allein,

allein allein.

We look into faces

wait for a sign.

Wir sind allein,

allein allein.

Sind wir allein,

allein allein?

Wir sind allein,

allein allein.

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Schwerpunkt Grenzgänge

Gewohnheiten

und unbewusste Grenzgänge

Über die Gefahren im Straßenverkehr, bedauernswerte Gewohnheiten und seltsame

Ereignisse. Eine ruhige Kugel – geschoben von Pelle.

a Ich stiefele die Straße auf der linken

Seite herunter. Ich gehe immer auf

der linken Seite. Ich bin schon immer

auf dieser Seite gegangen. So lange

ich denken kann. Manchmal, wenn ich

durch seltsame Umstände doch auf der

anderen Seite gehe, dann bekomme ich

schon ein seltsames Gefühl. Ich fühle

mich auf der anderen Seite einfach nicht

wohl. Auf der anderen Seite muss ich

hingucken, wo ich hintrete. Da drüben

sind die Büsche nicht richtig geschnitten,

sodass ich immer den Kopf einzie-

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hen muss. Außerdem ist der Gehweg

dort schmaler. Und auf der Seite parken

die Autos schräg, was bedeutet, dass einige

Autofahrer, die nicht wissen, wie

lang ihr Auto ist, immer ein wenig auf

Barrierefreiheit sieht

anders aus.

dem Gehsteig parken. Dann ist nur noch

weniger Platz. Und auf der anderen Seite

ist direkt an der Ecke ein Kindergarten

und dahinter gleich eine Grundschule.

Auf dieser anderen Seite gehen immer

kleine Kinder mit zu großen Ranzen.

Im besten Falle versperren die einem

den Weg, im schlimmsten Falle wissen

die nicht, wie breit sie sind und rennen

in ungünstiger Höhe mit ihren Ranzen

in einen rein. Darum, und wegen des

seltsamen immerwährenden Geruchs

aus einem der Gullys, gehe ich stets auf

derselben linken Seite. Gleich am Anfang

der Straße ist ein versiffter Kiosk.

Der Ladenbesitzer ist ein abgewrackter,

trauriger, stinkender, aber netter Mann

Landesrundbrief 2‘08


mittleren Alters. Er gibt mir immer Kredit.

Ich schlendere meist verträumt die

von Bäumen gesäumte, friedliche, vollgeparkte

Straße entlang. Sie hat keinen

Mittelstreifen. Die 30er-Zone-Schilder

sind in dieser Straße ganz besonders: sie

sind offensichtlich unsichtbar - ich habe

aufgehört mich über die Raser aufzuregen.

Ich fahre selbst immer zu schnell…

Zu meiner Linken befindet sich ein Atelier.

Alle fünf Jahre wechselt der Besitzer.

Bis zum Nachmittag ist der Laden immer

leer, dann kommen immer die gleichen

vier Leute und machen irgendetwas.

Was, weiß niemand. Einmal wurde ich

spontan zu einer Vernissage eingeladen,

als ich zufällig am Atelier vorbeikam.

Ich weiß immer noch nicht, was die da

in ihrem Atelier eigentlich treiben. Das

einzige, woran ich mich erinnern kann,

Unbekanntes, soweit das

Auge reicht.

ist, dass es lecker war.Während ich mir

jedes Mal, dass ich dort vorbei komme,

Gedanken über die ominösen Machenschaften

der Atelierbesitzer mache, grüße

ich im Vorbeigehen den alten Mann auf

der anderen Straßenseite, der bei Wind

und Wetter mit seiner Zigarre am Fenster

steht. Ich glaube, der stand da schon immer.

Ich glaube, dass er unsterblich ist.

Ich weiß nicht, wer er ist und wie er heißt.

Das ist aber auch nicht wichtig. Ich habe

keine Ahnung, was sich auf dieser Höhe

der Straße auf der linken Seite befindet,

Landesrundbrief 2‘08

wie der Hauseingang dort aussieht, weil

ich dort seit Jahren immer zur anderen

Straßenseite gucke und den alten Mann

grüße… Jetzt kreuzt eine Straße meinen

Weg. Zur Linken ist jetzt noch ein Laden.

Früher war dort ein Friseur, aber

seine Kundschaft ist weggestorben.

Lange stand der Laden an der Ecke leer.

Jetzt hat da ein Hundepsychologe seine

Praxis eröffnet. Mal schauen, wie lange

der‘s macht. Besser als die Solarien ist es

allemal. Die waren hier im Viertel eine

Zeit lang an jeder Ecke. Zum Glück sind

die Menschen zur Vernunft gekommen.

Jetzt sind andere Sachen in den ehemaligen

Solarien – fragt mich aber nicht

was…ich habe keine Ahnung.

Hier biege ich ab und verlasse die Backsteingebäudeschlucht.

An den Kleidercontainern

vorbei, die ich schon fast

liebgewonnen habe in all den Jahren.

Sie sind hässlich, aber sie gehören in

diese Straße. Man gewöhnt sich eben an

vieles…

Ich bin diese Straße bestimmt schon

eine Milliarde Mal runter und wieder

hoch gelaufen. Vieles sehe ich schon gar

nicht mehr. Ich bin schon so sehr daran

gewöhnt, dass ich sogar Veränderungen

schon gar nicht mehr richtig wahrnehme.

Es sind so viele Erinnerungen mit dieser

Straße verbunden, dass ich nicht mehr

über die Gegenwart nachdenken muss,

weil die Straße komplett in meinem

Kopf existiert. Es ist einfach für mich

die Straße zu beschreiben, allerdings

nicht, wie sie aussieht, sondern eher wie

Schwerpunkt Grenzgänge

sie sich anfühlt, wonach sie riecht und

welche Leute da so rumlaufen, welche

Geräusche die Autos auf dem Kopfsteinpflaster

machen und wie es sich anhört,

wenn sie auf den kurzen Teil der Straße

fahren, der behelfsmäßig geteert ist.

Ich schaue kaum auf, wenn ich die Straße

entlanggehe, weil ich sie kenne. Das

kann zu einem Grenzgang der ungewöhnlichen

Art werden:

Ich bin schon gegen Bauzäune gelaufen,

weil die am Tag zuvor eben noch nicht da

waren. Einst wurden die Straßenschilder

ausgetauscht und ich habe es erst ein

paar Wochen später gemerkt. Ich kenne

Take a walk on

the wild side.

diese Straße wie meine eigene Westentasche,

obwohl ich gar keine Weste habe.

In dieser Straße lese ich im Gehen üblicher

Weise in einem Buch…

An der ersten Straße begebe ich mich

täglich in Lebensgefahr; ich glaube ich

habe hier noch nie geguckt, ob ein Auto

kommt...es kam eben noch nie eines. Irgendwann

werde ich da mal angefahren.

Neulich erzählte mir eine Nachbarin von

dem Café an der Ecke, was nach so kurzer

Zeit leider schon pleite gegangen ist.

Ich hätte gerne mal mein Gesicht gesehen

– da war ein Café???

Pelle Klöckner,

Stamm Uhlenhorst

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Schwerpunkt Grenzgänge

Die „7 Todsünden“ -

so schlimm wie ihr Ruf?

Der tägliche Grenzgang für Jedermann.

Zuerst die gute Nachricht: Die „7 Todsünden“ sind gar keine Todsünden.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Das heißt nicht, dass es keine Todsünden gibt…

a Die Aufklärung im 18./19. Jahrhundert

gab den Anstoß über Werte und

Normen gesellschaftlichen Umgangs

und menschlichen Verhaltens neu nachzudenken

und sie gegebenenfalls zu

revidieren. Säkularisierung, Psychoanalyse,

Kritische Vernunft und zukunftsweisende

Erfindungen auf dem Gebiet

der Technik pluralisierten die Lebenswelt

des Einzelnen und eröffneten neue,

fremde Erklärungen für die Welt und ihr

Bestehen. Die Kirche war nicht mehr

einziger Wegweiser der Menschheit. Und

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mit der Wahl kam die Verwässerung einstiger

Dogmen. Was die Menschen vor

hundert oder zweihundert Jahren noch

in schwere Sinnkrisen warf, wischen die

Wer sagt eigentlich, was

Recht und Unrecht ist?

meisten von uns heute mit einem kurzen

Kopfschütteln weg. Eine der schwersten

Sünden, die man begehen kann, ist zum

Beispiel die Abkehr von Gott. Na? Wie

viele von uns sich da wohl an die Nase

fassen könnten…

Zwei weitere schwere Sünden sind Mord

und Ehebruch. Da in unserer Gesellschaft

das Zusammenleben und eine akzeptierte

Beziehung auch ohne das Sakrament der

Ehe gelebt werde kann, kann der Tatbestand

„Ehebruch“ auch für Seitensprünge

in einer jeglichen Beziehung gelten.

Sollte man diese Übertragung nicht so

akzeptieren, wird es keinesfalls besser,

denn das würde bedeuten, dass jede Be-

Landesrundbrief 2‘08


ziehungen, die ohne das Sakrament der

Ehe geführt wird, bereits eine schwere

Sünde wäre…verzwickt. Es ist schwer

gut zu leben…

Die „7 Todsünden“, deren Aufzählung

ihr sicherlich alle schon brennend erwartet,

sind eigentlich Laster, Charakterschwächen,

auch bekannt als Hauptlaster

oder Wurzelsünden. Besitzt man mindestens

eine dieser sieben Schwächen,

tendiert man nach römisch-katholischem

Nur wer innerlich und

äußerlich rein ist...

Verständnis zu sündigem Verhalten. Je

nach dem, wie ausgeprägt die Charakterschwäche

ist, umso schwerer können

die Sünden sein, die daraus begangen

werden. Unter anderem eben auch Todsünden,

wie die drei bereits genannten

Mord, Ehebruch und Abkehr von Gott.

Es gibt noch wesentlich mehr, aber ich

erspare euch diese niederschmetternde

Aufzählung…

Die zweifelhaft gerühmten, fälschlicherweise

als „7 Todsünden“ bezeichneten

Laster sind: Hochmut, Geiz, Wollust,

Neid, Zorn, Völlerei und Trägheit. Als

Hochmut gilt auch Übermut, Eitelkeit,

Ruhmsucht. Zum Geiz gehören Habgier

und Habsucht, die Wollust ist nichts

weiter als Genusssucht oder Ausschweifung,

der Todsünden-Straftatbestand

des Zornes ist ebenfalls durch Wut, Vergeltung

und Rachsucht erfüllt und die

Völlerei ist Gefräßigkeit, Unmäßigkeit,

Maßlosigkeit und Selbstsucht. Letztere

Landesrundbrief 2‘08

ist am konkretesten durch den Begriff

Trägheit des Herzens und des Geistes zu

beschreiben. Zu ihr gehören die Faulheit,

Feigheit und Ignoranz.

In die lange Liste der Laster reihen sich

außerdem Drogenkonsum, Rauchen,

Spielsucht, Völlerei, Trunksucht, sexuell

ausschweifendes Verhalten, ausschweifender

Lebensstil, Verschwendung und

Feigheit.

Wir alle überschreiten diese sieben Grenzen

in unserem Leben alle mindestens

ein Mal. Manchmal sogar alle sieben an

einem Tag. Sicherlich in unterschiedlich

schwerer Ausprägung, jedoch sind keinem

von uns diese Regungen fremd. Sicherlich

würde in einer Kontaktanzeige

jeder das Gegenteil von sich behaupten,

wobei allerdings auch das Kokettieren

mit dem Laster ein inzwischen immer

öfter praktizierter Umgang ist.

Und jetzt fragt ihr euch alle: „wie kann

ich mich davor schützen eine Todsünde

zu begehen?“ Tja, entweder entledigt ihr

euch der Laster, was ziemlich schwierig

werden dürfte, oder ihr macht es nach

katholischer Manier: vergewissert euch

Der Sündenfall beginnt

beim Frühstück.

der Hintertür. Denn hier kommt die

Entwarnung: Erstens müssen drei Voraussetzungen

erfüllt sein, damit es eine

schwere Sünde wird, die einen gegebenenfalls

die Ewigkeit im Himmelreich

kosten könnte. Die Sünde muss erstens

vorher erkannt werden, also in vollem

Schwerpunkt Grenzgänge

Bewusstsein begangen werden, zweitens

aus freiem Willen heraus geschehen,

also niemand kann einen zwingen und

drittens, das ist das schöne, es muss ein

schwerwiegender Tatbestand sein. Und

das wäre, wie eingehend bereits aufgezählt:

Ehebruch, Mord und Abkehr von

Plötzlich kommt ein

Laster um die Ecke.

Gott. Ich schließe mal von mir auf andere

und behaupte, dass Ehebruch und

Mord einfach zu vermeiden sind.

Die zweite Entwarnung ist eine wunderbare:

Obwohl die Todsünde eine Abkehr

von der in der Sündenvergebung durch

die Taufe begründeten Gemeinschaft mit

Gott zum Ausdruck kommt, braucht man

für die erneute Vergebung der persönlichen

Schuld keine weitere Taufe, sondern

es genügt die vollkommene Reue.

In dem Katalog zur allgemein akzeptierten

Beichte ist dem Büßer die Vergebung

von Todsünden überdies auch ohne

Gewissheit über die Vollkommenheit der

Reue zugesagt. So könnte man zumindest

seine Seele vor ewiger Verdammnis

retten. Doch es gibt einen Haken, der im

Detail schlummert. Erkannt?

Zusammengefasst lässt sich festhalten,

dass sie schrecklichen „7 Todsünden“

gar keine Todsünden sind, sondern lediglich

die Voraussetzung zur Todsünde

darstellen. Es ist außerdem ziemlich

einfach eines der Laster zu besitzen und

sicherlich weniger schwierig, als man

allgemeinhin denkt, einem dieser Laster

11


komplett zu verfallen. Todsünden lassen

sich in den meisten Fällen vermeiden,

auch die lange Liste derer, die ich nicht

aufgezählt habe. Und wem das alles zu

viel ist, der kann sich der schwersten

Todsünde widmen: der Apostasie, der

Abkehr von Gott und Glaube. Wer näm-

lich nicht an Gott, Katechismus und ewiges

Leben glaubt, der kann seine Seele

auch nicht per Todsünde umbringen.

Doch Obacht! Aufklärung, Säkularisierung

und Rechtstaatlichkeit haben ungeahnte

Bahnen geschlagen: die Apostasie

rettet vielleicht mein Gewissen in

den sicheren Hafen und ich kann der 7

Wurzelsünden frönen ohne mich zu geißeln,

jedoch sind die anderen Todsünden

alle weiterhin unantastbar; entweder

bekommt der Scheidungsanwalt meines

Ex-Partners einen gehörigen Zuschlag

oder ich sitze wegen der ein oder anderen

Todsünde im Gefängnis…

Und auch der, der sich der humanistischen

Lebenssicht verschreibt, kommt

12

Glaube, Liebe, Hoffnung.

um die Begrifflichkeit des „Lasters“

nicht umhin. Immanuel Kant beschreibt

die seiner Meinung schlimmsten Laster

der „drei F“: Faulheit, Feigheit und

Falschheit, wobei das erste wohl das

schlimmste sei.

Lernfaktor? Ich für meinen Teil denke,

dass man seine Freunde besser halten

kann, wenn man der intensiven Pflege

der Hauptlaster entsagt und sich der

möglichen Konsequenzen stets bewusst

ist, damit man nicht eines morgens aufwacht

und eine Todsünde im Gewissensgepäck

hat.

Ob man sich nun aus römisch-katholischer

oder humanistischer Motivation

heraus daran hält, muss jeder für sich

selbst entscheiden. Die Welt könnte

ein so viel schönerer Ort sein - aber

sicherlich auch ein wesentlich langweiligerer…

Pelle Klöckner,

Stamm Uhlenhorst

Infos für Atheisten

Dogma:

kirchlicher Lehrsatz, ein grundlegender

Glaubenssatz, der nicht hinterfragbar ist;

ein Unumstößliches immer-wahr.

Katechismus:

Lehrbuch zur religiösen Unterweisung/

Lehre.

Während die Bibel eine Sammlung von

unveränderbaren Urtexten beinhaltet, ist

der Katechismus eine Deutung dessen,

eine Darstellung des Verständnisses von

Bibel. Im römisch-katholischen Katechismus

werden Dinge aufgeführt, die

in der Bibel in der Art nicht behandelt

werden. Auch andere religiöse Gemeinschaften

haben Katechismen, aus denen

gelehrt wird, wie das Wort der Bibel zu

verstehen ist. Die „7 Todsünden“, also

die Hauptlaster sind nicht Bestandteil

der Bibel, sondern des römisch-katholischen

Katechismus. Im Jahre 597 von

Papst Gregor I eingeführt, wird bis heute

an ihnen festgehalten als Bestandteil des

römisch-katholischen Verständnisses

von christlicher Lebensweise.

Aufklärung:

Epoche 17. bis 18. Jahrhundert, wollte

das Denken mit den Mitteln der Vernunft

von althergebrachten, starren und überholten

Vorstellungen, Vorurteilen und

Ideologien befreien und Akzeptanz für

neu erlangtes Wissen schaffen. Also ein

Prozess der Lossagung und Emanzipation

von religiösen, kirchlichen Welterklärungsansätzen.

Wichtigster Vertreter: Immanuel Kant

(Kritische Vernunft)

Landesrundbrief 2‘08


Kriminaltango in Tydal

Was treibt die italienische Mafia nach Tydal? Welche Macht kann solch eine

Zusammenkunft an jenem norddeutschen Orte herbeiführen?

Hohe Politik, große Geschäfte, ausgefeilte Intrigen, viel Geld...

La Famiglia Zarella.

Landesrundbrief 2‘08

Stadt & Land

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Stadt & Land

a Es ist ein Käse mit dem alles begann.

Rezeptur und Herstellung original

sizilianisch. Es mag ein stolzer Mann

gewesen sein, denn er benannte seinen

feinen, exklusiven Käse nach seiner einzigen

Tochter: Mozarella. Vielleicht war

er auch ein schlechter Vater, wenn er seine

Tochter nach einem Käse benannte.

Es ist wie es ist, Magarethe Onno Zarella

nutzte den Segen des Käses um eine

längst vergessene Mafiafamilie wieder

ins große Geschäft zu bringen. Die neu

erworbene Macht und das große Geld

brachten jedoch auch Unheil in die Familie

Zarella. So musste M.O. Zarella

miterleben, wie sich ihre Nachkommen

Don Erkebap, Don Aldac, Donna Vetta

und Donna Ufa verschiedenen Kultureinflüssen

ergaben und in einem großen

Streit die Familienehre der Familia Zarella

zu vergessen drohte.

Sodom und Camorra

kommen in den besten

Familien vor.

Um den Mafiageist in die Familia zurückzubringen

musste ein Tod her.

Das wusste M.O. Zarella und sie war

wohl die einzige, die dies wusste. Also

schmiedete sie einen raffinierten Plan.

Sie ließ sich selbst für Tod erklären. Das

große Erbe war es, dass das Mafiaherz

der Nachkommen wieder höher schlagen

ließ und sie nach Tydal trieb um den

Nachlass für sich zu beanspruchen.

Und während eine solche Zusammenkunft

meistens tödlich endet, stand am Der gefeuerte Pizzabäcker Der einäugige Don Bosco

14

Pappa Mirácoli und Gino il Bambino Auf der Flucht mit den Tageseinnahmen

Landesrundbrief 2‘08


Ende dieses Treffens ein nie geahnter Familienfrieden.

Es mag an der Magie des

Ortes oder an der Rafinesse der Mo.O.

Zarella gelegen haben... man wird es

nie ergründen. Jenes Mafiaspektakel

spielte sich inmitten vieler Nadelbäume

und schwarzer Zelte an sommerlichen

Pfingsttagen im Jahre 2008 ab. Die vier

Familien brachten es samt Bediensteter

für Küche und wohl auf die stolze

Summe von mehr als 1000 Augen. Auch

wenn das Hauptaugenmerk auf dem Erbe

der M.O. Zarella lag waren Gäste gerne

gesehen. Nicht nur die örtliche Presse

Landesrundbrief 2‘08

war begeistert von diesem sonderbaren

Zusammentreffen, sondern auch Familien

der Pfadfinderinnen Und Pfadfinder

waren geladen und durften ebenfalls die

kulinarischen Köstlichkeiten der umliegenden

Bauern genießen. Desweiteren

waren auch Verteter des Norddeutschen

Bei Familie Zarella ist nicht nur die

Tomatensoße à rabiata.

Panzerknackervereins namens „Sportsfreunde

der Sperrtechnik“ geladen, um

den Mafiosi mit nützlichen Tipps zur

Seite zu stehen.

Damit auch die ältesten, schon sehr erfahrenen

Teile der Mafiafamilien nicht

langweilig wurde gab es mitten im Her-

Stadt & Land

zen des kleinen Tydals die Bar Lusconi,

in der sie mit nactionalen Köstlichkeiten

verwöhnt und von Clowns des Zirkus ...

prächtig unterhalten wurden, bevor sie

sich im Hinterzimmer auf den nächsten

anstrengenden Mafiatag voller neuer

Aufgaben, Intrigen und Hindernissen

vorbereiteten.

Doch auch die gelbbetuchten Nachwuchsmafiosis

wurden nicht vergessen

und erlernten viele wichtigen Mittel und

Wege der Mafiosis. Der kleine Mafiosi

Fabian der Familia Aldac nach dem langen

Kampf um das Erbe:“Ich bin sehr

stolz, dass ich ein so tolles und erlebnisreiches

Familientreffen mein erstes nennen

darf.“

Imme & Jenny

LB Pfadfinder & LB Training

15


Stadt & Land

Happy Faces Award 2008

Was wäre ein Jahreswechsel, ohne den obligatorischen Rückblick auf die schönsten

Momente der letzten 366 Tage.

Landesrundbrief 2‘08


Landesrundbrief 2‘08

Stadt & Land

Auf Wiedersehen in 2009.

17


Stadt & Land

Ein Familienausflug zu Pfingsten

Oder: Lagerleben zwischen Windeln und Schnuller

a Ein großes Paket Windeln, Milchflaschen,

Schnuller, Kinderwagen, Lätzchen,

Reisebett und diverse Kuscheltiere.

Was sich anhört wie die Inventur in

einem Baby-Fachgeschäft, ist in Wirklichkeit

eine Packliste für das Landespfingstlager.

Nun wird der Eine oder Andere

vielleicht denken: „Wie jetzt, solche

Sachen waren in meinem Rucksack aber

nicht drin…!“ Zugegeben, die Packliste

entspricht nicht ganz dem Standart, den

man als Pfadfinder auf einem Lager ge-

18

wohnt ist. Aber wenn man eine Handvoll

Babys und Kleinkinder mit dabei hat,

dann können solche Sachen sehr nützlich

sein.

Es war irgendwann Anfang des Jahres,

als sich ein paar (schon etwas ältere und

mit Kindern gesegnete) Pfadis überlegten,

wie sie den Interessenkonflikt

lösen sollten, in dem sie steckten: Kind

oder Landespfingstlager? Die Antwort

war schnell gefunden: Kind UND Landespfingstlager!

Die Idee eines Famili-

enlagers war geboren. Schnell fand sich

ein Kreis Interessierter und erste Pläne

wurden geschmiedet. Doch was würde

die Lagerleitung dazu sagen? Und die

Ketzerische

Gedanken

Programm-Macher? Würden sie nun

denken, sie müssten ihr mühsam und

liebevoll erarbeitetes Lagerprogramm

Landesrundbrief 2‘08


dem Niveau einer Krabbelgruppe anpassen?

Es folgten im Landesverband eine

Menge Diskussionen und Abwägungen,

doch am Ende stand die Entscheidung

fest: Wir wagen es und bieten - zum ersten

Mal in der Geschichte unseres LVs

- ein Familienlager an. Es sollte sowohl

an das Landespfingstlager in Tydal angebunden,

als auch ein recht eigenständiger

Unterbereich sein. Und vor allem sollte

es jungen Pfadi-Eltern, die vom Lagerleben

noch lange nicht genug haben, die

Möglichkeit bieten, mit dem eigenen

Nachwuchs am Pfila teilzunehmen.

Maja und ich waren von Anfang an begeistert

und so stand für uns schnell fest,

dass wir mit Lotte auf das Familienlager

fahren. Außer uns waren auch noch

Alex und Dedi mit Tom und Jirka, Bine

und Sascha mit Junis, Chrischan mit

Anna und Larissa, Wibke und Hannes

mit Luis (der Jüngste Teilnehmer!) so-

Großer Bahnhof

mit Soljanka.

wie Arne Lennart mit Ole am Start. Wir

bezogen einen eigenen Bereich mit zwei

Schlafjurten und einem extra Zelt, in

dem Tische und Bänke aufgebaut waren,

an denen wir - ganz pfadi-untypisch

- gemeinsam essen konnten. Damit wir

nicht völlig abgeschottet vom restlichen

Lagerleben waren, wurden wir (auf eigenen

Wunsch und auf den des Teams) in

das Pinten- und Küchenteam integriert.

Das war gar nicht so einfach zu organisieren,

denn schließlich konnte immer

Essen wie bei Muttern

Landesrundbrief 2‘08

nur ein Elternteil einen Dienst verrichten

– das andere hatte Baby-Aufsicht. Und

natürlich konnten wir auch nicht am Programm

teilnehmen, denn dafür waren

die Kurzen noch viel zu klein. So verbrachten

wir unsere Zeit hauptsächlich

mit Bollerwagen fahren, baden oder über

den Lagerplatz streifen. Eine Sache, die

uns im Vorfeld etwas Sorgen bereitete,

war die Frage, wie unsere Kinder wohl

auf die traditionell sehr langen Singerunden

zu nachtschlafender Zeit reagieren

würden. Standen uns drei Nächte mit

durchgehend schreienden Kiddies bevor?

Würden wir den einen oder anderen

Säugling um drei Uhr nachts nach mehr-

Hulle mit Lotte

stündiger Suche aus einer verräucherten

Jurte holen müssen? Oder würden unsere

Kleinen anstatt mit „Schlaf, Kindlein

schlaf“ künftig nur noch mit „Unter den

Toren“ einschlafen? Nichts davon war

der Fall, die Nächte waren einigermaßen

Kiddies-Parkhaus

an der Treene.

angenehm und jeder fand den Schlaf, den

er brauchte (zugegeben, die meisten von

uns hatten Reisebetten dabei, da war an’s

Ausbüxen ohnehin nicht zu denken…).

Ich glaube ich kann für Lotte sagen, dass

ihr erstes Pfadilager ein richtig schönes

Erlebnis für sie war. So viele nette

und gut gelaunte Leute auf einen Haufen,

immer und überall was los und ein

ganz toller Lagerplatz in Tydal, der zum

Rumstromern geradezu einlud. Und wir

Eltern fanden es auch toll. Dass die Familien

so problemlos in das Lagerleben

eingebunden wurden, lag natürlich zum

Einen an einem ganz hervorragenden

Team, in dem es niemanden gab, der dem

ungewohnten Treiben und Gewusel um

ihn herum nicht aufgeschlossen gegenüber

stand. Und zum Anderen handelte

es sich bei den Eltern um Pfadis, die

durch langjährige eigene Erfahrungen

gut einschätzen konnten, wann ein Team

krabbelnde Wesen verkraften kann und

Lina mit Luis

Stadt & Land

19


Das Familienalbum

wann nicht. Und überhaupt, worauf es

bei so einem Lager ankommt. Das Experiment

hat sich aus meiner Sicht auf

jeden Fall gelohnt und darf gerne wiederholt

werden. Vielleicht ja schon auf

dem nächsten Bundeslager – wie man

hört, laufen schon die ersten Planungen

in diese Richtung. Lotte kann es auf jeden

Fall nicht erwarten, bis sie endlich

ein Wölfling sein darf. (Ok, das ist ein

wenig gelogen, denn eigentlich sind es

ihre Eltern, die das nicht erwarten können…!)

Hulle Hilbert

Stamm Waldreiter


Wenn Weicheier härter wohnen

Erstes Jungenwochenende auf Ebbüllwarft

a Nachdem sich das Mädchenlager

unter dem Motto „Schöner Zelten“ im

Landesverband etabliert hat, haben mutige

Männer im September als Ergänzung

dazu ein Jungenwochenende unter

dem Motto „Härter Wohnen“ auf der Ebbüllwarft

bei Niebüll verbracht.

Der Wunsch für so eine Aktion bestand

bei vielen Männern im LV eigentlich

schon seit dem ersten Mädchenlager. Auf

Initiative des Arbeitskreises „Gender“

fand sich dann im Sommer ein Team mit

Männern aus verschiedenen Stämmen.

Wir wollten eine Aktion machen, die

einerseits Jungen neue Erfahrungen ermöglicht,

weil sie ohne Mädchen stattfindet

und Jungen damit die Möglichkeit

bietet, angstfrei auch Jungenuntypisches

auszuprobieren. Andererseits sollte die

Aktion zwar eine Ergänzung aber möglichst

nicht so gut mit dem bestehenden

Mädchenzeltlager vergleichbar sein, so

dass wir uns für das eher jungenuntypische

Wochenende im Haus entschieden.

Mit über 20 Anmeldungen aus verschiedenen

Stämmen war die Resonanz

zunächst auch prima, wenn auch am

letzten Tag vor der Aktion leider gleich

Landesrundbrief 2‘08

10 kurzfristige Absagen eintrafen. Trotzdem

war das Wochenende mit insgesamt

21 Leuten ein unvergessliches, immer

wieder spannendes und vor allem sehr

lustiges Wochenende.

Nach einem anfänglichen Speeddating

und wilder Plüschtierschlacht am Freitag

konnten die Teilnehmenden am Samstag

zunächst eine richtig heiße Kohtensauna

oder unter fachmännischer Anleitung

einen Bootssteg am Haus bauen, einen

Kosmetikworkshop genießen, sich über

Männer- und Frauenbilder austauschen

oder einen Flirtkurs belegen.

In der Mittagspause wurde sauniert, entspannt

bei ein paar selbst hergestellten

Natur-Peelings und eine Wattwanderung

gemacht. Später stellten beim „Womanizer-Contest“

alle ihre vermeintlich

weiblichen und männlichen Talente unter

Beweis: Ein spannender und äußerst

witziger Wettkampf bei strahlendem

Sonnenschein im Wickeln, Luftgewehrschiessen,

Tamponweitwurf, Kondomaufpusten,

Rasieren, Schätzen usw.

Einem zünftigen Grillabend folgte ein

„Prollabendprogramm“, bei dem die

prolligste Performance in einer Moden-

Stadt & Land

schau oder beim „wettnageln“ und abtanzen

gesucht wurde. Am späten Abend

ließen alle den Tag mit Puschenkino

(„Billy Elliott – I can dance“) ausklingen.

Am Sonntag waren alle zu Gast in der

lehrreichen Talkshow „Jepardy“, in der

es viel um Fragen zum Thema Liebe,

Sex und Zärtlichkeit ging. Ich hatte den

Eindruck, dass manch Einer dabei noch

eine Menge Neues lernen konnte.

Alle Teilnehmenden und Teamer würden

sich wünschen, dass es so eine Aktion

noch mal gibt.

Und ein 11jähriger Teilnehmer fragte

beim Essen in die Runde: „Wieso heißt

das hier eigentlich HÄRTER WOHNEN,

wenn wir die ganze Zeit so viel Mädchenkram

machen?“ Die Antwort folgte

prompt von seinem 11jährigen Nachbarn:

„Mann, checkst du das denn immer

noch nicht? Die wollen doch aus uns hier

Weicheier machen. Ist doch cool.“

Schade, dass wir die Szene nicht filmen

konnten...

Hannes Clausen,

Stamm Reinholdsburg

21


Stadt & Land

Was Hape verpasst hat

Klar, werden die einen sagen. Jakobsweg pilgern kann jeder. Muss ich ja als

Pfadfinder nicht auch noch dem Trend hinterher rennen. Aber es lohnt sich.

Ganz ehrlich. Vorausgesetzt man setzt sich im Gegensatz zu Herrn Kerkeling dem

einzigen verbliebenen Abenteuer aus: den Herbergen.

Und reist zu einer Zeit, in der es nicht nur voll und heiß ist. Zum Beispiel im März.

22

Landesrundbrief 2‘08


a Wieder ein Kraftakt geschafft.

Wenn auch nur ein kurzer. Aber der Reihe

nach. Fünf Kilometer hinter Uterga

kommen wir nach Puente la Reina, wo

sich die Jakobswege aus Navarra und

Aragón zum Camino francés vereinigen.

Dort setzen wir uns unterhalb der

berühmten Brücke in den Schatten und

verköstigen unsere selbstgemachten

Bocadillos. Im kleinen Ort vorher hatte

nämlich trotz Sonntag ein Lädchen auf

und wir haben uns mit Weißbrot und

Chorizo eingedeckt. Zusammen mit den

Tomaten aus Pamplona ein Gedicht. Bei

gefühlten 30 Grad im Schatten geht es

dann in der Nachmittagshitze weiter entlang

der Autobahn von Pamplona nach

Logroño. Man links davon, mal rechts,

drunter durch, oben drüber, alles bei unnachgiebiger

Hitze. Sehr attraktiv. Auf

der Suche nach Trinkbarem in Ciranqui

bin ich wahrscheinlich sogar noch einen

Kilometer extra gelaufen. Und die Idee

mit der Sonnencreme kam auch wieder

mal zu spät. Am Abend sind erneut das

Gesicht und zur Abwechslung diesmal

auch Unterarme und Hände gnadenlos

verbrannt. Das schlägt natürlich auch auf

die Kondition. Drum verkürzen wir die

geplante Etappe und bleiben die Nacht

kurzerhand in Lorca. Die Herberge hat

allerdings gerade Großreinemachen und

Frühjahrsputz, schließlich beginnt die

Pilgersaison erst in der Karwoche, und

so müssen wir leider mit einer Suite unterm

Dach Vorlieb nehmen. Für 10 Euro

Auch der gemeine Spanier

pilgert lieber im Sommer.

pro Person gar nicht schlecht. Und die

fröhliche Hausherrin lässt es sich auch

nicht nehmen, uns die Betten zu beziehen.

Und obendrein gibt es zum ersten

Mal überhaupt keine Etagenbetten. Dafür

ein fast leeres Haus (bis auf die beiden

Belgierinnen Nellie und Marie), ein

Fernseher, Heizung und eine richtige Küche.

Dort machen wir uns eine gesunde,

dicke Gemüsesuppe mit Nudeleinlage,

zicken uns noch mal so richtig wegen irgendwelcher

Nichtigkeiten an und fallen

bald in eine barmherzige Ohnmacht. Es

schläft sich zur Abwechslung aber auch

mal geil ohne Schlafsack! Fehlen nur

Frottéhandtücher zu unserem Glück.

Landesrundbrief 2‘08

Morgens kommen wir zwar einigermaßen

zeitig hoch, aber trotzdem vermiesen

uns dicke Wermutstropfen das

Aufstehen. Hat es nachts doch tatsächlich

angefangen zu regnen. Und das soll

sich auch erst mal nicht ändern. Es prasselt

fröhlich auf das Oberlicht. Als wir

missmutig das Penthouse räumen, pfeift

zudem draußen ganz schön der Wind.

Nicht gerade passend für einen ausge-

strömenden Regen Schuhe und Hose

ausziehen, Regenhose über die lange

Unterhose, Schuhe wieder an, bemerken,

dass man die Regenhose nicht in

die Stiefel stecken sollte, Schuhe wieder

aus, Schuhe wieder an, alles zusammen

etwas nervig. Besonders für Elli, denn

ich stehe ja im Trockenen. Aber das dicke

Ende kommt ja erst noch. Auf dem

absolut verregneten Stück, das eigentlich

nur 7 Kilometer lang ist, kommen

wir nur sehr langsam voran. Der Wind

und der Regen sind kalt und eklig. Spanien

im März stellt man sich anders vor.

Estella „La Bella“ erreichen wir erst am

Mittag. Am Orteingang überholen uns

zwei spanische Pilger ohne Regenbekleidung.

Der eine trägt kurze Hosen,

der andere nicht mal eine Jacke, nur ein

Sweatshirt, und beide begnügen sich mit

Turnschuhen und weißen Tennissocken.

Wohlgemerkt, es regnet in Strömen. Im

vermeintlich schönen Ortskern suchen

und finden wir schließlich eine Bar, an

der ein Schild mit der Aufschrift „Noch

666 Kilometer bis Santiago“ hängt. Wie

einladend. Drinnen gibt es leckeren Kaffee

und Kakao, Elli braucht zudem Mo-

Noch 666 Kilometer bis Santiago de Compostela.

dehnten Spaziergang. Elli ist sich auch

erst einmal sicher, dass sie ihre Regenhose

nicht brauchen wird. Trotz meiner

bereits angelegten vollen Montur. Nach

500 Metern im Regen kommt sie allerdings

doch zu der Einsicht, dass es vielleicht

gar nicht schaden könnte. Also im

Stadt & Land

tivation in Form eines mit Schokolade

überzogenen Plundergebäcks und reibt

sich anschließend auf der Toilette ihre

Beine mit Einmalhandtüchern ab. Ein

paar davon verliert sie übrigens später

auf dem Weg. Nach etwa einer Stunde in

der bodenständigen Kaffeebar, wo von

Fahrerflucht

einheimischen Rentnern männlichen

Geschlechts schon um diese Zeit kräftig

in gehobene Stimmung investiert wird,

machen wir uns wieder trocken und gewärmt

auf den Weg. Kurz hinter Estella

liegt das Kloster Irache, dort ist eine bekannte

Weinkellerei und eine öffentlich

zugängliche Quelle lässt angeblich Wasser

und Wein sprudeln. Man darf sogar

seine Trinkflaschen vollzapfen. Die Idee

hatten aber wohl schon mehrere, jedenfalls

tröpfelt der Wein nur noch sehr

spärlich aus dem goldenen Hahn. Was

für ein Reinfall! Stattdessen füttern wir

wiedermal den nebenstehenden Süßigkeitenautomaten

und winken lächelnd

in die Webcam. Kurz hinter der Hotelanlage

von Irache dann das Unglaubliche:

23


Stadt & Land

der Regen verwandelt sich in Schnee.

Richtig dicke Flocken. Nach dem Fluchen

kommt Lachen, dann singen wir

nach und nach alle uns bekannten Advents-

und Weihnachtslieder. Der Weg

sieht mittlerweile aus wie eine Märchenlandschaft.

Der März, der März, das ist

ja wohl ein Scherz. Nach zehn sehr kalten

Kilometern erreichen wir Villamayor

de Monjardín. Dort stapfen wir dann singend

durch einen Straßentunnel – mittlerweile

sind wir bei den Ärzten und den

Toten Hosen angekommen – und finden

O du fröhliche und

alles aus Liebe

Unterschlupf in einer Bushaltestelle. Die

Versuchung ist groß, aber laut schwer

verständlichem Fahrplan fährt der nächste

Bus nach Logroño erst um 17.30 Uhr.

Also in eineinhalb Stunden. So lange in

der Kälte sitzen? Auf keinen Fall. Weiter

geht der Weg. Im Nachbardorf ist dann

endgültig der Hund begraben. So kann

ich Elli überreden, die restlichen 12,5

Kilometer bis Los Arcos auch noch zu

reißen. Sie würde zwar lieber per Anhalter

fahren, was ich allerdings aufgrund

unserer Situation für aussichtslos halte.

Wir müssten an der Hauptstraße gehen,

auf der 120 erlaubt sind, wir sind klitschnass,

dreckig und nur alle paar Minuten

kommt überhaupt ein Auto. Wir beißen

also die Zähne zusammen und Elli tapert

mir tapfer hinterher. Die meiste Zeit

herrscht Schweigen. Wenn nicht, spre-

24

Wintereinbruch in Plastik Ski und Rodel gut auf den Hängen des Rioja

chen wir über unsere Lieblingsbücher,

genießen so gut es geht die herrliche

Landschaft, die auf über 10 Kilometer

ohne Häuser, Menschen und Tiere auskommt,

und versuchen uns vorzustellen,

wie schön die österreichisch geführte

Herberge in Los Arcos sein muss. In Retrospektive

meinte Elli, sie habe fast vor

Erleichterung geweint als wir bei Einbruch

der Dunkelheit um kurz vor acht

die Lichter von Los Arcos sehen konnten.

Zu wohligen Klängen von Beethovens

Fünfter ziehen wir also in die kleine Herberge

ein. Unter der Annahme, wir seien

ein Paar, gönnt uns der so gar nicht österreichische

Herbergsvater einen eigenen

Schlafsaal. Luxus! Kurz ins Bett springen,

aufwärmen, wieder rein in die Klamotten

und essen gehen. Draußen regnet

und stürmt es aber immer noch, die Suche

nach was Leckerem fällt also pragmatisch

kurz aus. In einer Art American

Diner finden wir ein trockenes Plätzchen

und bestellen zum ersten Mal auf dieser

Reise ein Bier. Zu essen gibt es passend

dazu Hausmannskost. Elli knabbert an

einer spärlich belegten Pizza herum, mit

dem obligatorischen Tischbrot könnte

man Tauben sogar erschlagen, und ich

quäle mir eine dermaßen geschmacklose

Paella mit Meeresfrüchten rein, dass mir

noch später im Bett kleine Bröckchen

davon hochkommen. Na ja. Relativ spät

(gegen halb elf) fallen wir in die Heia

und hoffen, dass wir am nächsten Morgen

irgendwie wieder wach werden.

Heute Morgen habe ich zum ersten Mal

direkt vorm Losgehen geduscht. Normalerweise

macht man das hier ja abends

und geht dann sauber ins Bett, aber gestern

war es dafür einfach schon zu spät.

Außerdem mussten die Bröckchen aus

dem Bart. Als letzte verlassen wir um

8.45 Uhr die Herberge. Es regnet bzw.

schneit noch immer. Nach kurzer Pause

beim Geldholen geht es wieder zurück

auf matschige Feldwege. Schon nach

Ein Hoch auf unseren

Busfahrer.

wenigen Minuten sind die Luft raus

und Ellis Hosen mit mittlerweile drei

Lagen allesamt durch. Das Nörgeln beginnt.

Der Wind bläst mit mittlerweile

bestimmt zehn Windstärken direkt von

vorne und verkleinert das Sichtfeld auf

einen Bereich zwischen Stiefel und dem

nächsten Schritt. Und der geht dann

auch noch meistens in den total aufgeweichten

Lehmboden. Nach 8 Kilome-

Landesrundbrief 2‘08


tern erreichen wir Torres del Río. Ein

verschlafenes und mal wieder absolut

verrammeltes Nest. Die angepeilte Bar

hat geschlossen und der einzige trockene

Ort bleibt die Herberge Casa Marí. Eine

freundliche Alte lässt uns um halb zwölf

rein, wir holen uns heiße Getränke aus

dem Automaten, machen uns sogar Tee

in der Küche und trocknen unsere Sachen

über der Heizung. Und Elli fragt

schon mal nach dem Bus nach Logroño.

Der fährt in dreieinhalb Stunden. Bis dahin

kriegen uns wohl keine zehn Pferde

hier weg. Mittlerweile haben auch eine

gleichaltrige Australierin aus Canberra,

ein älterer Düsseldorfer namens Klaus

und ein völlig verwanzter Irgendwas auf

Flipflops Asyl bei unserer nonchalenten

Hausherrin gefunden. Und warten auf

bessere Zeiten. Jetzt kommt auch noch

ein Mann in Orange hinzu und alle über

30 checken ein. Einknicker! Wir fahren

lieber mit dem Bus weiter… Aber

der versprochene Linienbus kommt gar

nicht erst. Stattdessen winkt Elli in ihrem

Übereifer einen Schulbus von der Straße,

dessen Fahrer uns versichert, dass heute

Nachmittag absolut kein Bus nach Logroño

fahre. Sprach’s und öffnet den Gepäckraum.

Ehe wir uns versehen, sitzen

die Australierin Jane, Elli und ich zwischen

desinteressierten Pickelgesichtern

Landesrundbrief 2‘08

in einem bequemen, warmen Reisebus.

Der nimmt uns sogar kostenlos mit bis

nach Viana, etwa 10 Kilometer vor unserem

Tagesziel. Die einladende Herberge

mit riesiger Küche, dreistöckigen

Betten und benachbarten SPAR- und

Schlecker-Märkten überzeugt auf ganzer

Linie. Zumal der Schneefall noch zuzunehmen

scheint. Nach einem zweistündigen

Nachmittagsschläfchen kochen

Wir sind die Könige der Welt

Herberge in Grañon

wir uns grüne Bohnen, Kartoffeln und

eine Art Cordon Bleu mit Fisch, klönen

mit den anderen fünf Gestrandeten beim

Abendessen und vertagen jegliche Entscheidung,

wie es morgen weitergehen

soll, auf mañana. Vielleicht liegt es am

Wasser… Nebenbei sei erwähnt, dass

dieser Tag den absoluten Minusrekord an

Fotos hält. Wen wundert’s bei den vielen

Stunden sitzen, warten und hoffen.

Frankreich liegt inzwischen 160 Kilometer

hinter uns. Heute Morgen fällt

dann beim Frühstück die Entscheidung.

Um zehn fährt ein Bus nach Logroño.

Da es mittlerweile wie bekloppt schneit

– auch die Medien berichten mittlerweile

über nichts anderes mehr – scheint dieser

Plan der beste zu sein. Die beiden namenlosen

Spanier, der Franzose Pascale,

der Kanadier Francis, die Australierin

Internationales

Frühshoppen.

Stadt & Land

Jane, Elli und ich stehen also mit deutscher

Pünktlichkeit um kurz vor zehn im

Verkehrschaos von Viana. Noch haben

wir den Glauben an den iberischen und

öffentlichen Nahverkehr nicht aufgegeben.

Um uns schippen die Leute mit

allem, nur nicht mit Schneeschaufeln,

ihre Hauseingänge frei, kratzen an ihren

Autos ohne Winterreifen, Kinder haben

schulfrei und liefern sich fulminante

Schneeballschlachten, und wir vermummen

uns so gut es eben geht. Elli hatte

25


Stadt & Land

die großartige Idee, beim Schlecker

Spülhandschuhe zu erwerben. Die halten

zwar nur mäßig warm, schützen aber

definitiv vor Feuchtigkeit. Die stört an

den Händen und fehlt an den verhorntknusprigen

Füßen. Also erwische ich

mich innerlich lachend an der Kasse bei

Schlecker mit zwei pinken Paaren Gummihandschuhe

und einer Dose Vaseline.

Der Blick der Kassiererin spricht Bände,

sie spart sich aber eine Bemerkung.

Vielleicht ist dieses komische Land

doch nicht so katholisch wie es immer

tut. Von nun an sind wir also weithin an

unseren schweinchenrosanen Handschuhen

zu erkennen. Qué bonito! Jane, die

geile Sau, hat übrigens das letzte gelbe

Paar erwischt. Jetzt sehen wir auch noch

aus wie eine Schicksalsgemeinschaft.

Innerhalb von 20 Minuten erreicht der

trotz allem fahrende Bus Logroño. Unsere

Gruppe teilt sich, wir wollen als

einzige weiter. Der Jakobsweg führt

uns nach dem Mittagssnack hinaus aus

der Stadt in ein Winterwunderland. Die

Weinberge von La Rioja sind komplett

unter einer weißen Decke verschwunden

und erinnern stark an den letzten Skiurlaub

in Tirol. Da kommen unweigerlich

herrliche Erinnerungen hoch. So geht es

parallel zur Autobahn, vorbei an einem

dieser großen, schwarzen Stiere, die

überall in Spanien stehen und ursprünglich

mal Werbung für den Spirituosenhersteller

Osborne machen sollten, bis

ins verschneite Navarrete. Hier soll eigentlich

eine günstige Herberge geöffnet

sein, allerdings erweist sich das wie so

26

oft in dieser Jahreszeit als Trugschluss.

Und so stehen wir erneut vor der Frage,

gehen wir jetzt um halb fünf noch 8

Kilometer weiter oder nehmen wir mit

der teuren Privatherberge Vorlieb? Der

geschäftstüchtige Wirt nimmt uns die

Entscheidung ab. Sehr zuvorkommend

zeigt er uns den neu eröffneten Herbergstrakt

und wärmt persönlich Ellis

verfröstelte Hände. Die meisten Betten

sind schon belegt. Zwei in England studierende

Amerikanerinnen, der Japaner

Yoshi, die Australierin Carole, die Irin

Heute Nacht gibt‘s TK-Kost Klönschnack bei Kaffee und Kuchen

Marie und unsere zwei vorgepreschten

Belgierinnen Marie und Nelly haben

sich schon häuslich eingerichtet. Wer

nicht kommt zur rechten Zeit, darf im

Gegensatz zu allen anderen im Kreise

der Familie in der Privatküche Spaghetti

Blondinen bevorzugt.

kochen. Die anderen sitzen derweil oben

und grämen sich. Als wir gesättigt und

fast taub wieder zu ihnen stoßen, hat sich

zu allem sprachlichen und weiblichen

Überfluss auch noch eine Österreicherin

aus dem Burgenland gesellt. So klönen

wir an diesem Abend lange auf Englisch,

Deutsch und Französisch und ich freue

mich, dass ich endlich meine teilweise

noch so rudimentären Sprachkenntnisse

an den Mann bringen kann. Beziehungsweise

an die Frau, denn Yoshi sagt außer

„Aha“ nicht viel. Der Liter Wein aus

dem Tetra Pak für 89 Cent tut sein übriges

und darum geht es auch zeitig um

10 in die Falle. Hoffentlich hat sich das

Wetter bis morgen früh entschärft.

Die Nacht in Navarrete war zwar ihr

Geld wert, aber das nächste Mal schlafe

ich nicht direkt über Carole. Die Frau hat

dermaßen geschnarcht, dass es schwer zu

glauben ist, dass in ihrer Heimat Tasmanien

überhaupt noch Urwälder stehen.

Ich war allerdings nicht der einzige im

12er-Zimmer, den das gestört hat. Sabine,

die Österreicherin, hat dann irgendwann

angefangen, Schnalzgeräusche von

sich zu geben. Was ja angeblich so der-

maßen ablenken soll, dass der Schnarchende

irritiert ist und aufhört. Half aber

nichts. Stattdessen lieferten sich die Weiber

ein Schnalz- und Schnarchduell der

Extraklasse. Wie zwei Aliens, die sich

Kochrezepte austauschen. Aber halb

so schlimm. Die Matratzen und Betten

waren nagelneu, kein Geknarze, keine

Angst, dass der ganze Quatsch zusammenbricht,

wenn man sich dreht oder

morgens aufsteht. Stattdessen huscht

bei Tagesanbruch die Dame des Hauses

im Bademantel durch das Zimmer und

sammelt die benutzten Wolldecken ein.

Wieder mal was Neues. Fehlen nur die

Lockenwickler. Getrennt voneinander

tapern wir alle nach dem Frühstück los,

in der Hoffnung, dass es wenigstens

nicht weiter schneit oder regnet, doch

der heutige Tagesmarsch schweißt uns

noch enger zusammen. Sabine schließt

sich uns an, kurze Zeit später haben wir

auch den ständig vor sich hin brabbelnden

Spanier auf Flipflops eingeholt, stehen

aber schließlich nur wenige Kilome-

Landesrundbrief 2‘08


ter hinter Navarrete vor einem Dilemma.

Der mittlerweile 20-30 cm hohe Schnee

hat die meisten Wegmarkierungen mit

der blau-gelben Jakobsmuschel unter

sich begraben. Dort, wo er sich von der

Straße löst, also fast immer, ist nicht geräumt

und das Gehen verlangsamt sich

bis aufs Unerträgliche. Bald erreichen

wir den Parallelweg zur Nationalstraße

von Logroño nach Burgos. Hier beweisen

unsere beiden Belgierinnen ihren

von Staatswegen angeborenen Hang

zum Morbiden und wagen sich mit ihrem

komischen Gepäckanhänger auf den

Seitenstreifen der Quasi-Autobahn. Zunächst

erklären wir sie für vollkommen

bekloppt, schließlich würde man zuhause

auch nicht auf die Schnapsidee kommen,

auf der A1 zu wandern, es sei denn,

man hat eine Wette laufen oder will in

den Verkehrsfunk. Doch dann springen

Belgische Früchtchen.

unsere Lemmingfreunde Yoshi, Sabine

und Carole hinterher. Jetzt hält auch Elli

und mich nichts mehr im Tiefschnee.

Vorsichtig stapfen wir fortan am linken

Rand der Schnellstraße. Riesige Vierzigtonner

mit Gemüse und Co. donnern an

uns vorbei, manche winken, manche hupen,

aber alle nehmen irgendwie Notiz

und Rücksicht. In Deutschland hätte uns

sicher schon der ADAC-Hubschrauber

evakuiert. Als nettes Schmankerl liegen

übrigens ständig kleine tote Vögel

am Straßenrand. Nicht wie bei uns, in

Aufstehen

Landesrundbrief 2‘08

Schicke Herberge kurz vor Santiago

richtig rauen Mengen. Hätte ich auf der

12 Kilometer langen Strecke aufgesammelt,

hätte ich sicher meinen Rucksack

damit aufwiegen können. Mit unserer

Ankunft in der Möbelhauptstadt Nájera

ändert sich das allerdings. Kein Getreide

mehr am Wegesrand, also auch

keine toten Vögel mehr. Carole hat den

Verdacht, dass die Weinbauern bewusst

Getreide am Straßenrand ausstreuen.

Entweder ist es bereits vergiftet oder

sie zielen darauf ab, dass die Autos den

Rest erledigen. In jedem Fall kein schöner

Anblick. In Nájera regieren dann die

Schreiner. Insgesamt sind ein Dutzend

große Möbelmacher an der Hauptstraße

aufgereiht wie Perlen an einer Schnur

und preisen ihre tollen Einrichtungen an.

schigen, matschigen Feldwegen schieben

wir uns vorwärts. Elli berichtet von

ihrem Afrikanistikstudium in Köln und

lenkt uns auf diese Weise von unseren

Gebrechen ab. Im Dorf angekommen erwartet

uns aber schon der nächste Schlag

ins Gesicht. Die Gemeindeherberge, die

eigentlich das ganze Jahr über geöffnet

sein soll, hat geschlossen. Weil es sich

im Winter nicht lohnt. Dafür soll eine

kleinere Herberge, die vor hunderten

von Jahren an die Feldsteinmauer der

Kirche angeklatscht wurde, offen sein.

Ein alter Mann namens Roque hat uns

auch gleich zu fassen und zeigt uns sein

bescheidenes Reich. Keine Heizung,

warmes Wasser nur unter Vorbehalt,

sehr wackelige Etagenbetten und keine

Deshalb braucht der Spanier kein IKEA.

Dazwischen der ein oder andere Imbiss

oder Puff, viele Lkw’s und eine Menge

schlechter Geschmack. Es sieht aus wie

in einem kanadischen Goldgräberstädtchen.

Inklusive Schneematsch. Fehlen

nur noch Eskimos und Hundeschlitten.

Da wird einem dann doch klar, warum

„Spiel mir das Lied vom Tod“ in Spanien

gedreht wurde. Die Ähnlichkeit zu

Amerika liegt auf der Hand. In einer entsprechend

siffigen und verqualmten Bar

nehmen Elli und ich einen Mittagssnack

ein, bevor uns der Weg noch weitere 6

Kilometer nach Azofra treibt. Auf glit-

Stadt & Land

Aussicht auf Besserung. Er schmeißt

zwar im Bad den Boiler und im Aufenthaltsraum

einen Heizstrahler mit Gas an,

das ändert aber nichts daran, dass es im

Schlafraum genauso kalt ist wie draußen

an der frischen Luft. Zu allem Überfluss

lässt Elli sich auch noch überreden,

abends in einem benachbarten Restaurant

essen zu gehen und reserviert via

Roque einen Tisch für 19 Uhr. Kaum ist

der Greis verschwunden und wir haben

im eiskalten Bad heiß geduscht, schneit

Carole herein. Sie und Yoshi sind in einer

netten Privatherberge um die Ecke

27


Stadt & Land

untergekommen, die wir durch Roques

Gelaber gar nicht registriert hatten. Carole

ist von ihrem Schlafplatz und dem

dazugehörigen Wirt derart begeistert,

dass sie losgezogen ist, um uns dorthin

zu einem Glas Wein einzuladen. Also gehen

wir mal gucken, schrecklicher kann’s

ja nicht sein. Und lernen dort Roland und

Jutta kennen. Roland aus Aachen lebt

seit über 40 Jahren in Spanien und hat

sich vor einiger Zeit ein Haus in Azofra

gekauft. Dort hat er nach und nach immer

wieder Pilger aufgenommen, eines

Tages kam auch Jutta aus Österreich

bei ihm durch und hat sich irgendwann

später dazu entschieden, bei Roland zu

bleiben. Da sie Künstlerin ist, hat sich

das Haus seitdem rapide verändert.

Überall hat sich geschmackvoller Trödel

angesammelt. Mandalas und ähnliches

schmücken die Wände und insgesamt

können bis zu 12 Pilger gleichzeitig im

Haus übernachten. Schnell lockern sich

beim gemeinsamen Wein unsere Zungen.

Yoshi hält sich zwar etwas zurück,

bastelt stattdessen lieber Origami mit

Jutta, aber Roland, Carole, Elli, Lupo

(aus München) und ich lassen uns ganz

schön gehen. 19 Uhr ist längst durch, wir

entscheiden uns stattdessen woanders essen

zu gehen und albern sehr lange und

sich königlich über das für ihn neue Wort

„Flitzekacke“. Als wir das Lokal verlassen,

erwartet uns bereits der Restaurantbesitzer

von der anderen Straßenseite

Gastro-Krieg weitet

sich aus.

und macht Roland ordentlich geladen

zur Schnecke. Was das soll, er kann

doch niemanden abwerben, das gehört

sich nicht, wenn das jeder machen würde…

Elli wird vor Scham ganz schlecht

und wir verpieseln uns in unsere Eishöhle.

Dort liegt bereits ein böser Brief

mit fragenden Anschuldigungen zum

An meinem Geburtstag wurde ich mit Torte überrascht Knapps - Schnürsenkel durchgebissen

Thema Zuverlässigkeit. Fünf Minuten

später steht Roque höchstselbst auf der

Matte. Sagen wir mal so: herzlich ist anders.

Wir entschuldigen uns, hatten nicht

geahnt, dass er über eine Stunde beim

Aggro-Wirt auf uns gewartet hatte und

flehen um christliche Vergebung. Die

erteilt er uns zwar missmutig, hat aber

während wir weg waren aus Verärgerung

den Heizstrahler abgestellt. Dadurch ist

es wieder etwa nur 5 Grad in unserem

Schlafgemach. Kaum ist der Alte weg,

hieven wir das metallene Ungetüm samt

Nächstenliebe wird beim Pilgern groß geschrieben.

Solange die Bezahlung stimmt.

sehr familiär miteinander herum. Gegen

halb neun ziehen wir geschlossen ins

Restaurant der Konkurrenz. Es gibt riesige

Portionen, wieder mal zwei Gänge,

Nachtisch, Wein usw. Roland war lange

nicht mehr in Deutschland und amüsiert

28

Gasflasche in unser Zimmer und schmeißen

es wieder an. Nur kurz, aber es hilft,

die Nacht mit Schlafsack und Wolldecken

zu überstehen.

Am nächsten Morgen steht Roque um

kurz vor acht in der Tür, scheinbar wie-

der angesäuert, dass wir noch da sind,

und schmeißt uns „freundlich“ aber bestimmt

raus. Kaum sind wir aus seinem

Blickfeld, führt uns der Weg zurück zu

Roland, der uns herzlicherweise zum

Frühstück eingeladen hat. Er meint nur,

wir sollen uns keinen Kopf machen, diese

Fehde im Dorf habe schon fast Tradition

und die Roque-Aggro-Connection

sei sowieso nicht ganz dicht. Das Frühstück

ist wunderbar, der Abschied dementsprechend

herzlich. Ich beschließe,

Roland aus Deutschland Marzipan und

Schwartau Extra zu schicken. Plaza España

Nummer 1 in Azofra. Das muss ja

einfach ankommen. Das Haus verlassen

wir heute mit Lupo, einem Pharma-Informatiker

aus München, der nur un-

wesentlich älter als wir ist. Er begleitet

uns heute den ganzen Tag. Und die Abwechslung

tut gut. Mal neue Geschichten

von spannenden Reisen nach Nepal und

Neuseeland, ein bisschen pseudotheologisches

Geschwafel, Fußball, Träume

und Grüne für den Jakobsweg. Lupo ist

witzig, unterhaltsam und hat schon viel

erlebt. Ein wirklich angenehmer Reisebegleiter.

In Santo Domingo de la Calzada

kommen wir leider 15 Minuten zu

spät an, um noch vor der Mittagspause

in die Kathedrale zu kommen. Dort leben

ja die beiden Hühner, die an das

Hühnerwunder von Santo Domingo erinnern

soll. Ein bescheuertes, kaum zu

glaubendes Märchen, wie es fast jede

mittelalterliche Stadt dieser Größe vorzuweisen

hat. Besonders in Spanien. Bei

Interesse bitte googeln. Aber endlich mal

eine Attraktion am sonst so kargen Weg

und wir haben wieder Pech. Dafür gibt

es wenigstens keinen Niederschlag mehr

und der Schnee schmilzt langsam aber

Landesrundbrief 2‘08


sicher. Am Nachmittag erreichen wir

Grañon, was uns von Roland wärmstens

empfohlen wurde. Die Herberge befindet

sich wiederum in einem Kirchenanbau,

der diesmal über den Glockenturm betreten

wird. Drinnen prasselt bereits ein

Feuerchen im Kamin, die Duschen und

das Badezimmer sind warm, geschlafen

wird auf Turnmatten auf der oberen Galerie

und Juan oder José (näheres weiß

man nicht) bereitet bereits das Abendessen

vor. Endlich sind wir im Pilgerhimmel

auf Erden! Und alle sind sie da:

Carole, Sabine, Francis, Pascal, Marie,

Nellie und der Typ, der den ganzen Weg

auf Flipflops zurückgelegt hat und nun

allmählich die Quittung dafür zahlt.

Wenn man ihn fragt, streitet er es zwar

ab, aber manchmal hört man ihn vor

Schmerzen stöhnen. Passend dazu sieht

Juan oder José ein bisschen aus wie der

Glöckner persönlich. Ob er nun geistig

behindert ist, wie Elli meint, oder einfach

nur etwas langsam ist und schielt,

wie ich meine, bleibt sein Geheimnis.

Jedenfalls schmeckt sein Linseneintopf

mit Blutwurst ganz ausgezeichnet und

alle sind am Abend glücklich und zufrieden.

Elli und Lupo haben sogar Wäsche

waschen und sich einen Moment ohne

mich auf dem von Vogelkot verklebten

Glockenturm umsehen können. Hoffentlich

kann ich das morgen nach dem

Frühstück nachholen.

Infos:

Nils Petersen,

Stamm Kolibri

Ankunft in Fisterra, dem Ende der Reise am Atlantischen Ozean

Insgesamt waren Elli und ich vier Wochen unterwegs, um von den knapp 800 Kilometern zwischen St. Jean-Pied-de-Port

und Santiago de Compostela etwa 650 km zu Fuß zurückzulegen. Dazwischen haben wir für kurze Strecken wie beschrieben

mal den Bus oder auch einen Zug genommen. Somit kamen wir auf Etappenlängen zwischen 15 und 30 km am Tag. Trainiertere

Menschen sind da sicherlich schneller, aber die Entschleunigung hat den Vorteil, dass man sich mehr auf Land und

Leute einlassen kann. Außerdem überwindet man im Laufe der Strecke drei Gebirge mit über 2000 Metern, die man nicht

unterschätzen sollte. Im Sommer ist der Stress, einen freien Platz in den Herbergen zu bekommen, enorm. Teilweise muss

man mittags schon am Ziel sein, um noch ein freies Bett zu ergattern. Zelten ist nicht üblich und meistens weder erwünscht

noch möglich. Pro Übernachtung zahlt man in den Herbergen in der Regel 10 Euro. Die selbe Summe kann man pro Tag an

Verpflegung einplanen. Jeden Tag Spaghetti ist natürlich billiger. Aber fast jedes Lokal bietet günstige, üppige Pilgermenüs

an, durch die man eben auch zusätzlichen Ballast im Rucksack spart. Gegessen wird in Spanien ohnehin nur abends richtig.

Die Gründe für eine Pilgerwanderung sind so vielfältig wie unerklärlich. Auf jeden Fall hatten fast alle Menschen, mit

denen wir ins Gespräch gekommen sind, spannende Geschichten zu erzählen. Ob religiös, verzweifelt, in der Midlife-Crisis,

sportbegeistert, kulturinteressiert oder einfach nur total normal. Ein Querschniitt der kompletten Menschheit.

Landesrundbrief 2‘08

Stadt & Land

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Stadt & Land

30

Landesrundbrief 2‘08


Landesrundbrief 2‘08

Lapplandfahrt 2008

Stadt & Land

31


Stadt & Land

a Ich zeichne einen Kreis auf eine

Europakarte, als Mittelpunkt dient mir

Hamburg, der Radius ist auf Abisko in

Lappland eingestellt. In dem Kreis befinden

sich die kompletten britische Inseln,

Frankreich, Italien, Bulgarien und Weißrussland,

und der Kreis streift Moskau.

Ganz schön weit weg, dieses Lappland,

denke ich. Und dahin sollte es gehen?

Zuvor wurde ich von Silvie angerufen,

32

ob ich denn Lust hätte mit ihr und Mariano

zwei Wochen auf dem Kungsleden

durch Lappland zu wandern. Ich müsste

mich aber noch heute entscheiden, weil

heute die Verkaufsfrist für das Bahnticket

enden würde und es schon in fünf

Tagen los geht. Ok, dachte ich, dann fahr

ich halt mal nach Lappland. Fünf Tage

später am Hauptbahnhof Hamburg startet

unsere große Sommerfahrt. Ein we-

Timo, Mariano und Silvie auf dem Höhepunkt der Fahrt

Das Basislager

nig unsicher über das, was uns erwarten

würde und ein wenig mulmig, ob denn

das Essen reichen würde, wie kalt oder

warm es werden würde, wie genau unsere

Wanderstrecke aussehen würde und

ob wir alle Anschlusszüge bekommen

(so ein Zug fährt ja auch nur ein Mal am

Tag) stiegen wir in den ersten Zug mit

dem Ziel: Schwerin. Es ist schon verwunderlich,

in Schweden gibt es Züge,

die fahren 1400 km von Stockholm aus

nach Norden. In Deutschland muss man,

um nach Berlin zu kommen schon nach

100 km umsteigen. In Berlin haben wir

Aufenthalt und wiegen unsere Rucksäcke

bei der Gepäckaufbewahrung; Silvie:

23kg, Timo: 25kg; Mariano: 27kg.

Insgesamt haben wir etwa 30kg Lebensmittel

dabei – schon hier mit dem Ver-

„Das ist ein merkwürdiges

Land, das wir haben. Wohin

ich auch komme, überall

gibt es etwas, wovon die

Menschen leben können.“

dacht, Mariano hätte so eingekauft, dass

er sich von den Resten weitere zwei Wochen

ernähren kann. Später erfahren wir,

dass es tatsächlich möglich war (bis auf

das leckere Milchpulver).

Vierzig Stunden später – das Lesebuch

„Nils Holgersson“ ist schon zur Hälfte

vorgelesen - sind wir in Abisko, dem

nördlichsten Punkt des Kungsleden, an-

Landesrundbrief 2‘08


Back to the roots

gelangt und unsere Fahrt beginnt so richtig.

Die kommenden Tage sind gekennzeichnet

von ganz unterschiedlichen

Eindrücken. In niedrigen Lagen geht es

durch Krüppelbirkenwald, in höheren

Lagen über Wiesen und Hochebenen,

noch höher nur noch über Geröll. Ganz

oben dann durch den Schnee vom letzten

Winter. Beeindruckend sind die offenen

Panoramen, hier stimmt es wirklich, was

sonst über Schleswig-Holstein behauptet

wird. Man sieht morgens schon, wo man

am Abend schlafen wird. Beeindruckend

auch die klaren Seen, eiskalten Flüsse

und das Licht. Dunkel wird es hier oben

im Sommer einfach nicht, in der Nacht

fühlt man sich wie im Schatten – mehr

aber auch nicht. Wir genießen die Zeit,

gehen baden und essen lecker. Jedes

„Nils Holgersson hatte sogar

oben auf dem schneebedeckten

Kebnekaise gestanden

und auf die Gletscher

hinabgeschaut, die sich dort

unter dem steilen Bergkegel

ausbreiten.“

Abendessen besteht aus mindestens zwei

Gängen (Erbsensuppe und Brei), manchmal

aus drei (Erbensuppe, Brei, Fruchtschleim).

Beim Mittag können wir aus

Schokomüsli und Fruchtmüsli wählen

und Abends im Zelt leckere Schokolade

oder Quittenbrot. Mariano denkt an

alles, was ich vorher noch nicht kannte:

Fruchtleder, Quittenbrot, selber getrocknete

Kartoffeln, Mangochutney und natürlich

Pfefferbeißer.

Tag 5, das Wetter ist traumhaft, die

Landesrundbrief 2‘08

Stimmung optimal – wir brauchen eine

Herausforderung. Der Kebnekaise als

höchster Berg Schwedens (2.111 m

– „Ein klimatischer Viertausender, wegen

des Nordpols“) liegt vor uns und wir

möchten gerne den Sonnenaufgang auf

dem Gipfel erleben. Wir starten abends

am Basislager und nach grob 4 Stunden

(als einzige funktionierende Uhr dient

die Kamera; um die Zeit zu wissen,

muss immer erst ein Bild gemacht werden)

wissen wir, dieses Ziel erreichen

wir nicht. Wir sind erst ca. 1 Stunde zu

spät an der Spitze. Traumhaft, dieser

Ausblick. Wir sind der höchste Punkt

Schwedens – ganz alleine (am Tag muss

hier wohl anstehen um auf den Gipfel zu

kommen). Wir sind völlig erschöpft und

erfrieren fast in der Schutzhütte ca. 100

Höhenmeter unter dem Gipfel.

Zurück am Fuß entscheiden wir uns,

den Weg zu verlängern, wir sind einfach

schneller unterwegs als gedacht – und

das obwohl wir mit Pausen nicht zögerlich

umgehen. Nach zehn Wandertagen

gelangen wir so an die nächste Straße

und machen uns mit dem Bus auf die

Rückreise. Mariano hat noch nicht genug

und bleibt noch weitere zwei Wochen

in der Region und wandert alleine

weiter. Mutig.

Es bleibt nicht viel zu sagen. Die Fahrt

geht zu Ende – eine Fahrt voller Menschen,

Natur, Erleben, Ruhe, Nils Holgersson,

Brot, Freude, Sonnenschein,

Kälte und Leben.

Weiterführende Links

Stadt & Land

Timo Barfknecht,

LB Pfadfinder

Karten zum Fahrtengebiet:

http://quikmaps.com/show/80865

Fotos:

http://flickr.com/photos/marianojunge/

33


Stadt & Land

Wandern,

wo der Pfeffer wächst

Es ist ein verregneter Montagmorgen und der erste offizielle Ferientag in Schleswig-

Holstein. In Zimmermannshose und Juja komme ich am Bahnhof an. Kein perfektes

Sommerfahrtswetter, ist ja aber egal, denn es besteht ja die Chance, dass das Wetter

ca. 350 km südwestlich besser ist. Rund um Münster wollen wir wandern, um uns

dann nach einer Woche gemeinsam auf dem Lagerplatz im ungefähr 70 km entfernten

Ahaus zu treffen.

a Gemeinsam fahren wir nach Münster,

dann trennen sich unsere Wege. Jede

Wandergruppe fährt in eine andere Richtung

weiter. Jetzt geht’s also los. Dies ist

meine siebte Sommerfahrt, es ging bisher

jedes Mal ins Ausland, bis auf das Bula

vor drei Jahren. Diese Sommerfahrt ist

also meine Inlandspremiere. Ich bin verwöhnt,

das ist mir klar. Frankreich, Estland,

Slowenien, Slowakei, Norwegen-

ich hatte sie alle. Dieses Jahr wollten wir

aber in Deutschland bleiben, wir hatten

34

viel Gutes gehört von Stämmen, die das

öfter machen oder von älteren R/Rs, die

hier auch schon auf Fahrt waren. Ich freu

mich aufs Wandern und auf das Lager,

Wir werden angestarrt.

doch etwas skeptisch bin ich, denn den

Reiz einer Sommerfahrt macht doch gerade

das andere Land, die andere Kultur,

das Unbekannte aus. Doch was zählt, ist

der Spaß und die Erfahrung. Deshalb

müssen wir, in Münster angekommen,

erst einmal Essen einkaufen. Zu Rewe

reinspaziert, Mittag- und Abendessen

eingepackt und dann gings schon auf den

Weg. Es nieselt, und je weiter wir uns

von der Innenstadt entfernen, desto ländlicher

wird es. Es dauert nicht Alange und

weite Maisfelder säumen den Weg. Auf

der anderen Straßenseite grasen friedlich

Schafe neben Hühnern. Wir erreichen

eine ländliche Idylle. Die Dörfer, durch

Landesrundbrief 2‘08


die wir wandern, lassen sich kaum voneinander

unterscheiden: ein Schlecker,

ein oder zwei Supermärkte, eine Bank,

ein Kiosk und noch ein paar dorfeigene

Geschäfte. Die Menschen fahren mit

Fahrrädern zur Sparkasse und brauchen

ihr Fahrrad nicht mal abschließen, denn

in so einer kleinen Dorfgemeinschaft

vertraut man sich. Jedes Mal hängt eine

Gruppe gelangweilter Jugendlicher bei

einer Sitzgruppe rum, die im „Zentrum“

steht. Ab 16:00 Uhr ist nirgendwo mehr

was los. In Legden, einem 7000-Seelen-

Dorf, machen wir uns an einem Werktag

nachmittags auf die Suche nach Fladenbrot.

Wir durchqueren die Stadt- und

begegnen niemand. Hier ist wirklich

der Hund begraben. Auf dem Weg aus

dem Dorf hinaus bietet sich uns immer

der gleiche Anblick- Einfamilienhäuser

in Reih und Glied, jedes mit einem

liebevoll-spießig hergerichteten Garten.

Landesrundbrief 2‘08

Diese Vorgärten bewegen sich wirklich

an der Grenze des guten Geschmacks.

Diese Gärten amüsieren uns jeden Tag

neu, denn diese Vorgartensorgfalt haben

wir noch nirgendwo gesehen. Nichtsdestotrotz,

die Menschen sind alle sehr

nett. Wir haben keinerlei Probleme einen

Schlafplatz zu finden und nächtigen so

in Gartenhüten, Gemeindehäusern, Umkleidekabinen

und auch mal draußen in

einer Lok. Eines, das uns bei beim Wan-

Heute mal was Ausgefalles:

Fladenbrot.

dern besonders auffällt, ist etwas, das

wir im Ausland so nie beobachtet haben:

Man starrt uns an. Jugendliche mit Wanderrucksäcken

scheinen hier im Münsterland

so selten zu sein wie Schnee im

Sommer. Wir warten jedes Mal darauf,

Stadt & Land

dass der Autofahrer, der uns dieses Mal

unverhohlen hinterher gafft, gegen das

Straßenschild fährt. Etwas, an das wir

uns in dieser Woche nicht gewöhnen.

Landschaftlich fühlen wir uns wie zu

Hause. Alles ist nordisch flach und bewaldet.

Es führen viele Wege an Feldern

vorbei, sodass wir durch Wald und

Wiesen von einem Dorf zum nächsten

laufen. So bekommen wir sogar wilde

münsterländer Tiere ganz dicht vor die

Nase. Auch das Wetter wird besser: die

zweite Hälfte der Woche wird es heiß.

Richtig heiß. So sehr wir uns vorher die

Sonne herbeigesehnt haben, so schnell

wird es uns jetzt zu warm. Jetzt kommt

das Sommerfahrtsfeeling: Wandern in

der Hitze und zum Pause machen brauchen

wir einen Schattenplatz. So soll es

sein! Sonne ist uns wesentlich lieber als

Regen; ein Grund mehr sich um eine

Dusche oder ein Freibad zu bemühen.

Alle Freibäder in der Umgebung werden

natürlich dieses Jahr umgebaut. Zum

Glück gelingt es uns in einer Umkleidekabine

einen Schlafplatz zu finden und

dort zu duschen. Die letzten eineinhalb

Wandertage verbringen wir in einem

großen Gemeindehaus in Ahaus. Hier

treffen wir die Jungsgruppe. Wir haben

großes Glück, dass wir einen überdachten

Schlafplatz haben, denn beide Näch-

35


Stadt & Land

te gibt es ein Riesengewitter. Stundenlang

blitzt und donnert es, wir haben es

den ganzen Tag schon gespürt. Denn die

schwüle Luft war unerträglich und treibt

uns ins 70er- Jahre Hallenschwimmbad.

Wenn die Reggae-Tante in den

Jurtenabend reingeplatz.

Eine unglaubliche Erfrischung. Überhaupt

sind wir alle bester Laune, denn

der Lagerplatz ist nicht mehr weit, wir

haben noch einen entspannten Tag, bevor

das Lager losgeht.

Auf dem Lagerplatz angekommen trudeln

langsam alle ein. Jetzt muss nur

noch aufgebaut werden… Bei sengender

Hitze an den Jurtenseitenstangen zu stehen

macht leider keinen großen Spaß,

aber man kommt nicht drum herum (auch

nicht oben rüber oder mittendurch). Nach

einiger Zeit stehen drei Jurten und die

Kothen, und das Programm geht los: Anhänger

verschiedener Musikrichtungen

kommen einfach in den Jurtenabend

reingeplatzt. Da kommt der Hopper und

erzählt, dass in seiner Hometown gerade

nix los ist. Dann die Reggae-Tante, die

unsere entspannte Musik von der Straße

her vernommen hat. Der Technotyp, der

vom Kamerablitzlicht angelockt wurde.

Und ganz zum Schluss stürmt ein gefährlich

aussehender Punk in die Jurte.

Er wollte mal hören, wo diese Weichspülermusik

herkommt. Natürlich laden wir

alle ein, unserer Singerunde beizuwohnen,

doch schon nach einiger Zeit fangen

sie an, sich in die Wolle zu kriegen: Jeder

ist eben der Meinung, dass seine Musikrichtung

die beste ist. Wir diplomatischen

Pfadfinder versuchen den Streit

Landschaftlich fühlen wir uns

wie zu Hause.

zu schlichten, doch die vier sind harte

Brocken. Sie verabschieden sich nach einiger

Zeit und besuchen uns an verschiedenen

Tagen, um uns von ihrer Musik zu

begeistern. Oder weil sie wieder mal was

verbockt haben und die Pfadfinder ihnen

aus der Klemme helfen sollen. Helfen tun

wir gerne: wir kämpfen gegen die Polizei,

machen unsere eigene Loveparade,

entspannen uns ganz Reggae-typisch

und testen unser Pfadfinderwissen. Wir

wollen alle vereinen und das Kriegsbeil

begraben: beim Festival der Liebe. Weil

wir die Liebe gebührend feiern wollen,

fehlt es an nichts: Jeder bekommt einen

Landesrundbrief 2‘08


Partner, einen neuen Familiennamen, es

gibt ein ausgiebiges Buffet, Herzblatt

mit anschließender Hochzeit und, und,

und…Alle Musikcharaktere müssen

zum Schluss einsehen, dass man beim

Musikgeschmack wohl auch ein bisschen

tolerant sein muss. Egal, was man

hört, Hauptsache ist, es gefällt. Um diese

Erkenntnis reicher verabschieden sich

die vier dann vor der Abendrunde.

Das Münsterland rockt.

Eine Woche Lager ist nun vorbei, jetzt

noch einmal schlafen und dann wird

schon abgebaut.

Irgendwie gehen zwei Wochen Sommerfahrt

doch immer zu schnell vorbei.

Und es war in Deutschland doch schön.

Zwar haben wir keine reißenden Flüsse

überquert, wir hatten keinerlei Sprachprobleme

oder wurden von wilden Tigern

angegriffen, klar war es anders

als im Ausland- aber gerade deswegen

hatte es doch seinen eigenen Reiz. Und

im Endeffekt zählt, dass wir mit dem

Stamm ein wunderbar lustiges und harmonisches

Lager hatten. Pfadfinderei

soll doch schließlich Spaß machen- oder

etwa nicht?

Malika Sandabad

Stamm Kolibri

Infos zum Lagerplatz der

DPSG in Ahaus:

www.dpsg-freundeskreis.de

Stadt & Land

37


Stadt & Land

Nass aber glücklich

Stamm Albatros trotzt dem Herbst in Winseldorf.

Überbündisch und unerschütterlich.

a Wir schreiben den dritten Oktober

2008 und befinden uns beim Treffen der

Pfadfinderinnen und Pfadfinder vom

Stamm Albatros aus Harburg. Mit Hilfe

der Bahn geht es dann am Vormittag los,

auf nach Winseldorf (bei Itzehoe)! Dort

angekommen wollen wir gemeinsam mit

drei anderen Stämmen des REGP (Ring

evangelischer Gemeindepfadfinder) unser

diesjähriges Herbstlager durchführen.

Das Wetter über dieses erste Oktoberwochenende

besteht aus Wolkenbrüchen,

Sonnenstrahlen und Nieselregen. Jedoch

scheint niemand sich daran zu stören.

Wir nutzten erst einmal die Regenpause

um das Zelt für uns 12 Leute aufzubauen

und den anderen aus Kaltenkirchen bei

38

deren Zelten zu helfen. Leicht angenieselnt

gab es dann auch Mittag. Welch

ein Luxus, dass wir nicht selber kochen

samen Halstuchverleihung aller Stämme

im Versammlungszelt, aber sowas

macht ja nichts… Es gibt doch nichts

schöneres als am warmen Feuer mit anderen

Freunden Lieder zu singen, wenn

draussen der Wind an den Leinen reißt

und der Regen auf`s Dach prasselt! Mit

viel Freude ging der nächste Tag weiter.

Während eines interessanten Themenparcours

mit Fragen zur Pfadfinderei oder

Spielen wie Montagsmaler und Wassertransport

in Gummistiefeln, bildete sich

ein erst „freiwilliger“ Küchendienst von

vier Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus

Harburg und Kaltenkirchen, der sich die

Küche zu seinen Gunsten umkrempelte,

und später nicht mehr von dort weg zu

bekommen war. Mit Liedern und Witzen

wurde viermal die Küchenarbeit zum

reinsten Vergnügen!

Beim Spielenachmittag mit Fußball,

Kipp oder Wikingerschach zeigten die

Kleinen den Großen, dass sie auch verlieren

können. Das Nachtgeländespiel

war besonders herausfordernd und abenteuerlich:

Bei Nacht, nur mit einer Petroleumlampe

bewaffnet, im Wald bei dunklen

Menschen Rohstoffe zu finden um

Häuser „zu bauen“ und sich gleichzeitig

vor schwarzen Räubern zu verstecken.

Wir Albatrosse trafen uns danach noch

mit den Grünspechten aus Kaltenkirchen

und sangen gemeinsam schöne Fahrtenlieder.

Manchmal im Wechsel mit jeweils

anderer Melodie. Dieser Abend

war der schönste und endete trotzdem

irgendwann in einem warmen Zelt in einen

warmen Schlafsack bei prasselndem

Was kommt dabei raus, wenn man einen Albatros

und einen Grünspecht kreuzt?

brauchten! Nachdem wir uns alle kennengelernt

hatten ging es los zum ersten

Geländespiel in den Wald. Für unser

Team rot trugen wir unseren Teil bei,

dass wir den „Kampf um neues Land“

gewinnen konnten. Natürlich hatte das

Wetter ein Einsehen und sorgte für Trockenheit

während des Spiels, dafür aber

für mehr Regen während der gemein-

Feuer. Zumindest für die meisten, aber

auch der Tatbestand der nassen Füße

beim Reinregnen änderte nichts daran,

dass dieses Lager sehr schön war und wir

uns freuen unsere neuen Freunde bald

wieder zu besuchen und einzuladen.

iso

Stamm Albatros

Landesrundbrief 2‘08


Dabeisein ist alles!

Auch 2009 findet in Hamburg wieder der größte Singewettstreit Norddeutschlands statt:

Der 32. Hamburger Singewettstreit

Seid dabei, wenn am 28. März 2009 Singegruppen aus den verschiedensten Pfadfinderbünden und der Bündische Jugend

in vier Kategorien gegeneinander antreten und um die Ehre singen, zu den Besten der Besten zu gehören.

Meldet Euch als Singegruppe an und erlebt, wie es ist, vor einem vollen Audimax mit 1000 Zuschauern Euer Bestes zu geben.

Auch wenn ihr nicht gewinnen solltet – dabei zu sein und DAS zu erleben ist schon ein Gewinn!

Außerdem gibt es auch wieder ein tolles Rahmenprogramm mit Vorfeier am Freitag und der großen Nachfeier, die immer erst

am Sonntagmorgen endet, Marktplatz während des Singewettstreits und Band in der Pause.

Meldet Euch an!!

Landesrundbrief 2‘08

Weitere Einzelheiten unter

www.hamburger-singewettstreit.de

Anmeldungen möglichst bald, Eintrittskarten ab 1.2.09.

Stadt & Land

39


Dies & Das

Altersgrenze 25

oder älter werden im BdP

Irgendwann betrifft es jeden.

a Irgendwann trifft es jedeN! Du bist

über 25 Jahre alt und die Bundesordnung

sieht nicht vor, dass es ein pädagogisches

Angebot für Dich im BdP gibt. Das heißt

nach Auffassung unserer Landesleitung,

dass die vielen über 25jährigen in unserem

Landesverband ihre Aktivitäten

selbst organisieren müssen, aber nicht

erwarten können, dass nur für sie von

Seiten der Gruppen oder der Landesleitung

eine Aktion o.ä. angeboten wird.

Eine ähnliche Entwicklung findet u.a.

auch im VCP statt, wie sich im Rahmen

des letzten Treffens mit den norddeutschen

Ringvorständen in Ahrensburg

zeigte.

40

Wir können mit dieser Regelung unsere

Aktivitäten auf die eigentliche Zielgruppe

unserer pädagogischen Arbeit

unter 25 Jahren konzentrieren, weil wir

wissen, dass die Älteren auch alleine

zurecht kommen und gute Arbeit leisten

können.

Erwachsene haben

einen Zutritt

Den Sinn der Altersgrenzen in unseren

Stufen sehe ich darin, dass die Älteren

andere Bedürfnisse haben, die sich mit

denen Jüngerer häufig nicht leicht ver-

einbaren lassen. Deswegen ist es gut,

überwiegend in altershomogenen Gruppen

zu arbeiten. Gleichzeitig bedeutet

das aber nicht, dass über 25jährige nun

„aufs Abstellgleis geschoben werden“!

Die Situation ist aber neu und deswegen

ist Vielen ihre Rolle und Aufgabe im

Bund, Landesverband und der Gruppe

unklar geworden.

Ich würde es begrüßen, wenn sich die

über 25jährigen auf die Unterstützung

der Arbeit der Jüngeren konzentrieren

würden und zwar so, dass die Unterstützung

auch den Bedürfnissen der Jüngeren

entspricht. Die Angebote orientieren

sich nun mal in erster Linie an den

Landesrundbrief 2‘08


Bedürfnissen der unter 25jährigen im

BdP,- und das ist auch nicht neu!

Zumindest Lob und Anerkennung von

Seiten der Älteren für Jüngere ist gut,

weil es diese motiviert. Nicht hilfreich

ist es, wenn gemäkelt wird etwa im

Sinne „das geht alles den Bach runter“

oder „früher war sowieso alles besser“.

Damit sind seit jeher Begeisterung und

Engagement im Keim erstickt worden

und diese Vergleiche hinken, da sich

die Rahmenbedingungen von ehrenamtlicher

Pfadfinderarbeit in den letzten

fünfzehn Jahren überall gravierend verändert

haben und sich derzeit zusätzlich

rasant verändern, z.B. stärkere zeitliche

Einbindung junger Menschen, u.a. durch

höhere gesetzliche Anforderungen und

höheren Verwaltungsaufwand für Jugendarbeit,

höhere Erwartungen von Eltern

an Freizeitangebote, Konkurrenz für

Landesrundbrief 2‘08

uns im „Freizeitmarkt“ durch kommerzielle

Angebote, Einführung von Ganztagsschulen

und BA/MA-Studiengängen

und viele andere Punkte.

Dass auch mal Fehler (von Jüngeren und

Älteren) gemacht werden müssen, wenn

man etwas bewegen will, ist selbstverständlich.

Wir nennen das „learning by

doing“, ein klassisches Lernprinzip. Leider

meinen die Älteren viel zu häufig,

dass sie besser wissen, wie es den Jüngeren

gut geht. Oder manch einer hat die

Idee, die Jüngeren „entlasten“ zu müssen,

beispielsweise sollen die über 25jährigen

alle nicht mehr im BdP sein. Ich bin aber

der Auffassung, dass es wichtig ist, dass

sich die unter 25jährigen mit Schwierigkeiten

und Konflikten selbst auseinandersetzen

und der Dialog zwischen den

Generationen auf allen Ebenen im BdP

weiterhin geführt werden muss.

Dies & Das

Maja und Lotte beim Landespfingstlager

Auf der Homepage des Landesverabandes

www.bdp-sh-hh.de veröffentlichen

wir regelmäßig Infos und Aktionen

für über 25jährige. Wenn ihr selbst etwas

ankündigen wollt, einfach eine Mail an:

webmaster@bdp-sh-hh.de

Ein Ü25-Newsletter kann übrigens auch

abonniert werden!

Ich fände es insofern sinnvoll und im

Hinblick auf unsere alternde Gesellschaft

auch äußerst fortschrittlich, wenn über

25jährige weiterhin in den BdP integriert

sind und ein harmonisches Miteinander

auf gleicher Augenhöhe möglich ist.

Dafür gibt es auch schon reichlich gute

Beispiele!

Hannes Clausen, Landesvorsitzender

Stamm Reinholdsburg

41


Dies & Das

a Wer Reinholdsburg eingibt, stößt

immer wieder auf einen prominenten

Mann, der Reinhold Burg heißt und was

mit Weinbau zu tun hat. Neben diesen

Treffern gibt es noch den viel versprechenden

link zu dem „Highlander von

der Reinholdsburg“. Wer erwartet etwas

anderes als strahlende Helden? Hier ist

einer der Highlander: Niedlich oder?

Ganz wichtig: Die Reinholdsburger sind

mehrfach entwurmt und zweifach

geimpft und haben einen Stammbaum

42

Quatsch mit Soße

Vol. 2

In der letzten LRB-Ausgabe wurde der erste Teil des Stammes-ego-googeln

vorgestellt. Hier folgt nun die Fortsetzung: Auch diesmal wurden die

Stammes-Namen bei Google eingegeben und die Trefferliste

sehr ernsthaft ausgewertet.

vom EVBL (Edelkatzenverein Bergisch

Land). Wer Janus googelt, hat wohl die

größte Vielfalt beim Stammes-googeln

Dinge, die die Welt

nicht braucht.

vor sich: Ganz oben steht zunächst die

sympathische Meldung: Janus: Knochenhaus.

Es ist die Homepage einer

Band, die CDs veröffentlicht mit den

Namen: Vater, Hunde, Auferstehung und

Nachtmahr. Eine Hörprobe hätte mich

durchaus interessiert, gab es aber leider

nicht. Zunächst einmal ist Janus ein römischer

Gott, der häufig mit zwei Köpfen

dargestellt wird. Das „janusköpfige“

ist dann ja auch in den sprichwörtlichen

Gebrauch übergegangen. Man wundert

sich, wer sich dann so nennt, zum

Beispiel: die Janus Capital Group, eine

Investmentgesellschaft aus den Vereinigten

Staaten, dann gibt es ein Enzym mit

Landesrundbrief 2‘08


Namen Januskinase, eine Schachvariante,

das Janusschach und nicht zuletzt die

HMS Janus, ein britisches Kriegsschiff

im Zweiten Weltkrieg und bei janus-online.de

findet man Senioren-Infos. Sehr

vielfältig diese Janusse…

Und nun für alle Vogelliebhaber: Liebe

Kolibris, Albatrosse und Möwen, an euren

Google-Ergebnissen haben eigentlich

nur Ornithologen Freude. Deswegen

finden sie hier nicht weiter Erwähnung.

Ein Klassiker ist und

bleibt die Vögelei.

Obwohl ich noch einmal auf Herrn Dr.

Langhoff aus Hamburg hinweisen möchte.

Der promovierte Pädagoge ist bekannt

für das Kranich-Qigong, das Energie zurückbringen

und den Körper heilen soll.

Dabei erfährt man die Eigenschaften des

Kranichs: Gelassenheit, Ruhe, Leichtigkeit

und vor allem: Standfestigkeit auf

einem Bein.

Ego-googeln macht hungrig, da bestell

ich mir schnell was zu essen bei der

Pizzeria Geisterburg in Tirol, da gibt es

nämlich auch einen Himbeersaftl dazu

und grusel mich anschließend noch ein

bisschen in der rollenden Geisterburg.

P.S. Alle Stämme, die nicht ge-ego-googelt

wurden, mögen der Quatsch-mit-

Soße-Rubrik verzeihen. Euch ist nichts

entgangen.

Wibke Riekmann

LB Öffentlichkeitsarbeit

Ein echter Highlander von der

Reinholdsburg.

Reichlich heiße Luft in der Geisterburg.

Erfreuliches Nebenprodukt:

Mein erster LRB-Artikel

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^

Landesrundbrief 2‘08

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Dies & Das

Luis Marek Riekmann,

Aufbaugruppe Alsterdorfer Straße

43


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56Ausrüstung für

Freizeit · Reise · Abenteuer

Krähenstraße 5–7 · 23552 Lübeck

Telefon: (04 51) 7 20 27

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