Schalom - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

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Schalom - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

© REUTERS/Goran TomasevicMubarak als Symbol für denFrieden mit IsraelTerror und Diktatur oder Demokratie und Meinungsfreiheit44. Jahrgang • 1. AUSGABE 2011


HerausgeberbriefFoto: Christian JungwirthLeitartikelDr. Richard SchmitzZweiter Präsidentder ÖIGEs ist schwer nachdem Atom-Super-Gau in Japan auch dieanderen Probleme dieserWelt nicht zu vergessen.Die Verletzlichkeitdes Globus wird wiedereindringlich offenbar.Noch hat der Menschdie Natur nicht imGriff. Trotzdem müssenwir uns den Problemenim Nahen Osten zuwendenvor allem deshalbweil im Schattender Japan-KatastropheBrutalität und Terrorismusweniger Echo inder medialen Öffentlichkeithaben.Auch die Menschendiskutieren selbstverständlichlieber denAusstieg aus der Atomenergiein Europa, ohnezu überlegen, dass siedann selber wenigerelektrische Energie zuVerfügung haben.Auch dreißig Jahre nachder Ermordung desWiener Stadtrates undPräsidenten der Österreichisch-IsraelischenGesellschaft hat sich dieTerrorbedrohung nichtgeändert. Die Aktivitätenhaben im Gegenteilan Aggressivität zugenommenund habenTausende unschuldigeOpfer gefordert. DieTerrororganisation AlQuaida arbeitet unbeirrtan der Gründungeines umfassenden islamistischenStaates, deralle muslimischen Länderumfassen soll. Mansollte sich nicht durchdie derzeitige Ruhe täuschenlassen.In diesem Lichte kannman die Entwicklungenin Ägypten, Tunesienund im KönigreichBahrein nur mit größterSorgfalt beobachten,von der unentschiedenenLage in Libyen garnicht zu reden. Selbstverständlichkann manan die Tatsache, dasses offensichtlich großeunzufriedene Gruppengibt, die auch bereitsind gegen Diktatorenzu kämpfen, Hoffnungenknüpfen. Wenn sichnach erfolgreichen AufständenDemokratieund Meinungsfreiheitdurchsetzen, dann wirdsich auch der Friedenleichter durchsetzen lassen.Dann kann es auchein friedliches Nebeneinanderder verschiedenenLänder geben undmehr religiöse Toleranzinnerhalb der einzelnenLänder. Allerdingssind das Erwartungen,die erst dann realistischbeurteilt werden können,wenn klar ist, wernach dem Umsturz dieMacht übernimmt. UnsereSympathie gilt denAufständischen, aberwerden sie sich durchsetzenkönnen?Allzu vielfältig sind dieGruppen und Interessenin jedem einzelnender derzeit noch autoritärregierten Länder.Die Korruptionder Mächtigen ist nichtso leicht zu beseitigen,weil sie tief in diestaatlichen Strukturenverwoben ist. Europakann nur hoffen undabwarten. Fortsetzenmuss man allerdingsdie wirtschaftliche Entwicklungshilfe,damites den Bewohnern derarabischen Länder bessergeht und damit derUnzufriedenheit mitder eigenen Lage dieBasis entzogen wird.Dass es keinen Diktatormehr gibt, der sichin Palästen verschanzt,ist noch keine Garantiefür Ruhe und Frieden.Nur die beständigeVerbesserung derLebensverhältnisse, dieBekämpfung der Armutund ein nationalesSelbstbewusstsein sindVoraussetzung für dieZufriedenheit einer Bevölkerungmit der eigenenRegierung. Europaist aufgerufen hier entsprechendeInitiativenzu setzen.Israel kann die Entwicklungnur beobachtenund hoffen, dassnicht die islamistischenKräfte oder die altenkorrupten Unterdrückerdie Oberhand gewinnen.Jede AktivitätIsraels in den Ländern,die sich im Umsturz befinden,könnte kontraproduktivsein.Die Österreichisch-Israelische Gesellschaftund ihre befreundetenGesellschaften inDeutschland und derSchweiz können nurversuchen, Europa zueiner einheitlichen Haltungzu bringen, um IsraelsExistenz nicht zugefährden.Richard Schmitz


in memoriamIn memoriam Teddy KollekTeddy Kollek wäre am 27. Mai 2011 hundertJahre alt geworden. Am 2. Jänner 2007 starber in Jerusalem, der Stadt, der er sein Leben gewidmethatte. Der ehemalige Bürgermeister undGründer der Jerusalem Foundation wurde zu einerder prägendsten Persönlichkeiten der jungenGeschichte des Staates Israel.Aufgewachsen in Wien, engagierte sich Teddy Kollekin der jüdischen Jugendbewegung bis er 1935in das damalige Palästina auswanderte. Im ZweitenWeltkrieg diente er als Verbindungsoffizierzwischen der jüdischen BefreiungsorganisationHaganah und den Geheimdiensten der Alliierten.28 Jahre lang war Teddy Kollek Bürgermeistervon Jerusalem, in seineAmtszeit fiel dieWiedervereinigung derbeiden Stadtteile.Die Jerusalem Foundation,die Kollek 1966ins Leben rief, verleihtalljährlich den Teddy-Kollek-Preis an Personen(oder Organisationen),die sich um dieisraelische Hauptstadtbesonders verdient gemachthaben.Schalom5


*in memoriamHeinz Nittel – Mordopfer seines EngagementsVor dreißig Jahren, am 1. Mai1981 wurde Heinz Nittelermordet. Die Wiederkehr seinesTodestages ist nicht nur füruns in der Österreichisch-IsraelischenGesellschaft und darüberhinaus für alle Freunde IsraelsAnlass, eines besonders wertvollen,aufrechten Menschen, einesweltoffenen Humanisten undbedeutenden Kommunalpolitikersmit Respekt und Zuneigungzu gedenken. Unsere Gedankengelten auch voll Mitgefühl seinerWitwe Elisabeth Nittel.Es war ein politisches Attentat,nicht weil er Sozialdemokrat,nicht weil er Politiker war, sondernweil er sich als überzeugterFreund Israels mit aller Entschiedenheitfür die existentiellen InteressenIsraels einsetzte und weiler vehement gegen jede Form desAntisemitismus auftrat.Heinz Nittel war 1963 als Gründungsmitgliedin den Vorstandunserer Gesellschaft eingetretenund folgte 1968 Otto Probst alsPräsident nach. Bei seinem Engagementfür Israel war er miteiner österreichischen Außenpolitikkonfrontiert, die nichtnur in Israel als unfreundlichbis feindselig empfunden wurde.Nicht immer wurde damalsbegriffen, welche wertvollenDienste Heinz Nittel auf Grundseiner persönlichen Kontaktefür die Beziehungen zwischenIsrael und Österreich leistete.Erik Hanke hat Heinz Nittel einenBrückenbauer genannt. Wiewichtig seine Brückenschlägegerade in einer Zeit waren, inder die Brüche zwischen denbeiden Staaten immer tiefer zuwerden drohten, verstehen wirheute besser als damals.Auch nach dreißig Jahren ist Nittelfür uns präsent, so sehr hat erdas Profil und die Entwicklungunserer Gesellschaft geprägt, indemer die politische Dimensionunseres Programms und damitdie Aufgabe unserer Gesellschaftdefiniert und umgesetzt hat. Umes mit seinen Worten zu sagen,die wir dem Buch „Weltbürgeraus Wien“, verfasst von HelmutStrutzmann und Walter Ziehensack,entnehmen.„Die ÖIG muss die Aufgabe haben,das Recht Israels auf Existenzimmer und überall zu vertretenund daher ständig aufklären,unter welchen Umständensie gesichert werden kann. Damithat die ÖIG auch eine innenpolitischeFunktion. Sie muss offengegen den Antisemitismus auftreten,wo immer er in Österreichanzutreffen ist, damit nie wiederjemand gezwungen wird, wegenseiner Religion oder Zugehörigkeitzu einer politischen ParteiÖsterreich zu verlassen oder inseiner Würde verletzt wird.“Diese Aufgaben unserer Gesellschaftsind heute um nichtsweniger aktuell als 1978. Zwarist das Verhältnis zwischen Österreichund Israel heute spannungsfreierdoch der Antisemitismusagiert unverholen in derÖffentlichkeit.Es ist unsere Verpflichtung undunsere Verantwortung sie soernst zu nehmen, wie es unserVorbild Heinz Nittel getan hat.Einladung an alle Mitglieder:Die Kranzniederlegung am Grab von Heinz Nittel ist für den 28. April,um 10 Uhr – Treffpunkt der ÖIG beim 2. Tor am Zentralfriedhof angesetzt.PetraDr. Sepp Rieder undDr. Richard Schmitz6Schalom


KommentarDas Schicksal Ägyptens in der Hand des Militärsvon Karl SemlitschWer das große Areal der Militärakademieim StadtteilHeliopolis in Kairo betritt, siehtbildlich den dreimaligen strategischenWandel der ägyptischenArmee im 20. Jahrhundert: einenglischer Mark-IV-Churchillaus den dreißiger Jahren erinnertan König Faruks Ägyptenals es formell zwar unabhängig,aber unter britischer Kontrollewar. Ein sowjetischer T 55 ausden frühen sechziger Jahren erinnertan Präsident Gamal Nasserals die Republik Ägyptenmassiv von Moskau unterstütztwurde. Ein amerikanischer M60 aus den siebziger Jahren erinnertan den bis heute gültigenSchwenk von Präsident Anwaral-SadatRichtung Washington.Unweit der drei Panzer steht einPanorama des Krieges gegen Israelvon 1973, in dem die ägyptischeArmee über den Suezkanalsetzte und tief in den Sinai eindrang.Wenngleich die nachfolgendeEinkesselung durch dieisraelische Armee in dem Panoramanicht mehr dargestellt ist,wurde damit ein Heldeneposbegründet, das letztlich den Wegzum Friedensvertrag zwischenIsrael und Ägypten von 1979mitebnete und der auch von dergegenwärtigen ÜbergangsregierungÄgyptens unter FeldmarschallMohamed Tantawi nichtinfragegestellt ist.Die heutige ägyptische Armeeist bis dato ein stabiler Faktor imNahen Osten und hat sich währendder 18-Tage-Revolution alsstabiler Faktor auch im Innerenerwiesen.Während der Ereignisse auf demTahrir-Platz hatte die Truppekeinerlei Berührungsängste mitden Demonstranten, sichertedie Aktionen ab und einige Demonstrantenlegten sich sogarauf Panzerketten, damit dieseden Platz nicht verlassen konntenund sie somit vor den Schlägertruppsauf Kamelen geschütztwaren.Am Höhepunkt verlas ein General„Im Namen Gottes, desBarmherzigen und Gnädigsten“,dass auf Befehl des Hohen Militärratesdas Parlament aufgelöst,die Opposition zum Gesprächspartnerund der Rat zum Inhaberaller Macht im Lande erklärtworden sei. Das war das Endedes Regimes Mubarak.Die ägyptische Armee blieb auchin dieser Lage der Stolz der Nationund sie bekräftigte den Nimbusnoch niemals eine Revoltedes Volkes niedergeschossenzu haben. Alle Präsidenten seit1952, Nasser, Sadat, Mubarak,waren aus dem Offizierskorpsgekommen und neben der NationaldemokratischenPartei warsie stets eine Stütze des Staates.Die ägyptische Armee ist heutezu einem Garant für eine Verfassungsreformund für baldigeNeuwahlen geworden. Ob sieAntworten auf die politischen,wirtschaftlichen und sozialenFragen finden wird, steht nochoffen.Die ägyptische Armee ist diegrößte Militärmacht in Afrika.Sie hat als Wehrpflichtigenarmeemit einer dreijährigen Dienstzeitrund 480.000 Soldaten ständigPanzer M60 schützt Demonstranten auf dem Tahrir PlatzSchalom 7


*Kommentarunter Waffen, deren modernererTeil vor allem amerikanischerHerkunft ist. Sie verfügt darüberhinaus über ein eigenes Wirtschaftsimperiumund, als Folgeaus dem Friedensvertrag von1979, über eine starke Militärhilfeaus den USA, womit sie relativunabhängig von wirtschaftlichenSchwankungen ist. Die Offiziererekrutieren sich vorwiegendaus der ägyptischen Mittelklasse,besuchen Offiziersschulen inGroßbritannien, Frankreich undden USA, sind grundsätzlich religiös,aber nicht islamistisch.Der Hohe Militärrat wird sichjedoch auch flexibel verhalten:zum ersten Male seit der iranischenRevolution 1979 fährtein iranisches Kriegsschiff, eineleichte Fregatte mit einem Versorgungsfahrzeug,mit Erlaubnisder ägyptischen Führung wiederdurch den Suezkanal. Das istnoch keine Bedrohung für Israel,aber ein Zeichen der Veränderungin Nahen Osten.Mit den arabischen Revolutionenist jedoch ein besondererMythos gestorben, den vieleDespoten wie ein Schutzschildvor sich hergetragen haben: zuerstmuss der israelisch-palästinensischeKonflikt gelöst sein,dann können wir uns verändern.Doch diesmal haben nicht die„Zionisten“ die arabische Weltin Bewegung versetzt.Aussage des aktuellen Geistlichen Führers der ägyptischen Muslim-Bruderschaft,Yusuf al-Qaradawi: (Zitat)„The future of peace: there is no dialog between us muslims and the Jews- except by the sword andrifle. . . . [We pray Allah] to take this oppressive, Jewish, Zionist band of people. . . . do not spare a singleone of them. . . . count their numbers and kill them down to the very last one.“übersetzt: „Die Zukunft des Friedens - es gibt keinen Dialog zwischen uns, den Muslimen und ihnen,den Juden, außer mit dem Schwert und dem Gewehr. Wir beten zu Allah, diese aggressive jüdisch-zionistischeBande - ohne einen einzigen von ihnen übrig zu lassen – zu töten. “Quelle: Simon Wiesenthal Center (2011) .Israelisch-ägyptische Freihandelszonen wieder in BetriebNach einer einmonatigenStilllegung im Anschlussan den Aufstand in Ägypten istin den dortigen Qualifying IndustrialZones (QIZ) wieder dieArbeit aufgenommen worden.Wie israelische Offizielle mitteilten,gehen die Geschäfte vor Ortwieder normal vonstatten.Ägypten und Israel haben nachihrem Friedensvertrag von 1979insgesamt fünf Qualifying IndustrialZones in Ägypten eingerichtet,die praktisch Freihandelszonendarstellen, derenExporte in die USA zollfrei sind,so lange ihre Herkunft zu 11.2%israelisch ist.Drei der ägyptischen QIZs befindensich in der Region Kairo,die beiden anderen in Alexandriaund Port Said.„Die Geschäfte in unseren Firmenin den ägyptischen QIZslaufen nach der Unterbrechungbeinahe wieder normal“, berichtetRamzi Gabbai, der Vorsitzendeder Mode- und Textilabteilungdes israelischen Industriellenverbandes.„Fast einenMonat lang hatten viele unsererFirmen, namentlich Delta, aufGrund der Schließung der Häfen,der Absperrung des Suezkanalsund der Störungen in denInternet-Verbindungen, die denExport unmöglich machten, dieProduktion eingestellt.“„Die Ägypter wollen diese Kooperationfortsetzen, die ihnenerlaubt, in den USA wettbewerbsfähigzu sein. Sie brauchenunsere Technologie, und wirnutzen ihren billigen Arbeitsmarkt“,so Gabbai.Ähnliche Zonen wurden auchin Jordanien eingerichtet, nachdemdas Königreich 1994 einenFriedensvertrag mit Israel unterzeichnete.Quelle: Newsletter der Botschaftdes Staates Israel8Schalom


AnalyseDer lange Weg zur RevolutionVon David GovrinDie Vertreibung des tunesischenPräsidenten Zineel-Abdine Ben Ali und derRücktritt von Ägyptens PräsidentHosni Mubarak wurden inden arabischen Medien als diearabische Version des Falls derBerliner Mauer bezeichnet. Obman diese Entwicklungen nunmit den Prozessen vergleichenkann, die zum Fall der BerlinerMauer führten, oder nicht – esist klar, dass sie in der arabischenÖffentlichkeit als historischerWendepunkt aufgefasst werden.Die Revolution in Rumänien1989 und die Hinrichtung vonPräsident Nicolae Ceausescusorgten angesichts seiner persönlichenBekanntheit und derÄhnlichkeit zwischen ihm undden arabischen Herrschern inHinsicht auf den Einsatz der Sicherheitsapparateund den Personenkultfür tiefe Erschütterungin der arabischen Welt. DerZusammenbruch des Ostblocksstieß auf Widerhall im NahenOsten, vor allem in Anbetrachtdessen, was als unerschütterlicheMacht der Sowjetunion angesehenworden war, und der engenBeziehungen eines Teils der arabischenRegimes mit den StaatenOsteuropas.Saddam Husseins Invasion Kuwaitsim Jahr 1990 brachte dasFehlen arabischer Solidaritätzum Ausdruck, aber auch dasFehlen von Gegengewichten undBremsen. Die Herrscher Arabiensstanden wachsenden Forderungenvon Seiten Intellektuellerund Personen des öffentlichenLebens nach vermehrter politischerBeteiligung gegenüber.Der Sieg der Islamischen Heilsfrontbei den ersten freien Wahlenin Algerien 1991 wecktewiederum die Sorge, dass eineschnelle Demokratisierung auchin anderen Staaten islamischeParteien an die Macht bringenwürde. Die Armee griff dortein, der Präsident wurde entlassen,das Parlament aufgelöst, dieHeilsfront für illegal erklärt, undAlgerien versank in einem blutigenBürgerkrieg.Nach den Anschlägen in denUSA vom 11. September 2001und den sich daran anschließendenVeränderungen in derUS-Außenpolitik wurde dieVerbreitung der Demokratie imNahen Osten zu einem Teil derBush-Doktrin und zu einem sicherheitspolitischenZiel, unddies nicht nur als Teil der Verbreitungliberal-aufklärerischerWerte. Die Annahme der US-Administration ging dahin, dassdie Ausbreitung von Terrororganisationenwie Al-Qaida vonpolitischer Unterdrückung herrühre.Die Förderung der Demokratieim Nahen Osten zieltedemzufolge darauf ab, die Wurzelndes Terrors zu behandelnund den ‚Sumpf trockenzulegen‘,aus dem er entwuchs.Diese Vorgänge gaben den ReformistenRückenwind. DasErgebnis waren wachsende Forderungender arabischen Öffentlichkeitnach mehr Machtbeteiligung,nach einer Verringerungder Macht der Sicherheitsapparateund der Regime-nahenEliten, nach politischem Pluralismusund der Adaption vonFormen der Marktwirtschaft.Das Schwinden der Legitimitätund des Vertrauens der Öffentlichkeitin die arabischen Regimes,deren Unvermögen, die Arbeitslosigkeitzu bekämpfen, dieKorruption und die Preissteigerungspielten eine zentrale Rollebeim Fall der arabischen BerlinerMauer. Die dramatischenVeränderungen der letzten Wochenwerden der Demokratisierungder arabischen Politik helfen,jedoch nicht notwendigerweisezur Demokratie führen.Eine kontrollierte Einbeziehungvon oppositionellen – darunterislamischen – Kräften in diePolitik erfordert vor allem anderenderen Anerkennung vondemokratischen Spielregeln. DieMuslimbrüder bspw. haben niemalsdas gewählte Parlament alsQuelle der Gesetzgebung oderliberale Werte nach westlichemMaßstab anerkannt. Der Wegzur Einführung einer demokratischenRegierungsform ist nochweit und hängt von der Entwicklunglangfristiger strukturellerund normativer Prozesse inStaat und Gesellschaft ab.Der Autor ist Leiter der Jordanien-Abteilungim israelischenAußenministerium und dientein der Vergangenheit u. a. an derBotschaft in Kairo.Schalom 9


KommentarPHARAO UND EUROPASVon Chava GurionKalter Frieden, diktiert vomRegime des verhassten undnun geschassten „Pharao“ Mubarakund formell weiter gehaltenvom Militär, oder endlich befreite,demokratisch gestützte Feindschaftder ägyptischen Revolutiongegen alles „Westliche“, odervon allem ein bisschen, als Formimaginierter eigenständiger Nationaldemokratie?Das ist seit einpaar Wochen die bis heute vonniemand beantwortbare, aberexistenzielle Frage nicht nur fürden Nachbarstaat Israel, sondernfür die gesamte Region des NahenOstens, inklusive der Möglichkeiteines Flächenbrandes.Ruhebedürfnis im WestenEuropas und der USA dezenterbis peinlicher Balanceakt zwischenBefürworten der Demokratiebewegungund Stützen destreuen westlichen VerbündetenMubarak während der dreiwöchigenRevolution aus dem Bauchdes Volkes, der arabischen Straße,entsprang einem tiefen Unverständnisder inneren Verfasstheitder Region und dem noch tieferenBedürfnis nach Ruhe, dasjeder deutlichen Parteiergreifungentgegen steht bis man sich aufdie Seite des deutlichen Siegersstellen und ihn sich schönredenkann. Für die USA ein weiteresKapitel blamabler Nahost-Politik,die erst am politischen Sterbebettder Autokratie vom „Pharao“ Demokratisierungund Reformeneinforderte, während sie ihn alsrein strategisch Verbündeten seitJahrzehnten wirtschaftlich stützteund militärisch hochrüstete,ohne die geringsten demokratischenBedingungen daran zuknüpfen. Jetzt verfügt der Bauchdes Volkes, die arabische Straße,über eine technisch bestens ausgebildeteund mit modernstenWaffen ausgerüstete Armee, dieim Falle einer militärischen Auseinandersetzung,mit wem auchimmer, nicht mehr „bloßfüßig indie Wüste“ flüchten wird.Blauäugige DemokratenIn Europa blieben die Mahnerungehört, die ihre Spots auf dieGeschichte anderer großer Revolutionenrichteten, die Französische,die Russische, schließlichdie Iranische, die allesamt nichtin Demokratie, sondern in neuentotalitären Systemen mündeten.Auch dass freie Wahlennoch kein Garant für demokratischeVerhältnisse sind, müssteseit der NS-Herrschaft bekanntsein, für Kurzzeitgedächtnisseund in der Region wenigstensseit Hamas und Hezbullah. Unddass sich auch der Präsidentdes iranischen Mullah-Regimesin letzter Sekunde auf die Seitedes revoltierenden ägyptischenVolkes stellte, konnte nur dasMisstrauen besonders Sensiblerschüren. Der Mainstream europäischerDemokratie-Euphorikerhielt den Skeptischen ausgerechnetdas unpassendste Beispielgelungener Transformation inDemokratie der mittel- und osteuropäischenStaaten entgegen.Um sich dem blühenden, demokratischenWirtschaftskörper derEU willig anzuschließen, brauchtees aber tatsächlich keine andere,revolutionäre Diktatur zumÜbergang. Das entsprechendeModell für den Nahen Ostenhieße allerdings, die arabischenNachbarstaaten bemühten sichnach revolutionärer Beseitigungihrer autokratischen Herrscherum den Anschluss an Israel, demeinzigen, stabil demokratischenund wirtschaftlich prosperierendenStaat weit und breit.Die arabische StraßeNachdem massive Straßenprotestenach der dubiosen Wiederwahldes iranischen Präsidentenvon den tödlichen Sicherheitsmaßnahmendes Regimes unterdrücktworden waren, schien dieMacht der Straße in der gesamtenRegion irrelevant. Auch die arabischeStraße irritierte die autokratischenRegime von Kairo bisTeheran bislang nur wenig, ihreMacht konnte niedergehaltenoder ihr Zorn auf äußere Gegnerwie Israel oder die USA umgelenktwerden. Doch der Erfolgder arabischen Straße in Tunesienund Ägypten nährte die Aussichtim gesamten autokratischenMittleren Osten, das Volk könnesich überall erheben und sich seinerungewählten Herrscher entledigen.Proteste im Jemen undin Jordanien führten zu massiven10 Schalom


KommentarPFEIFEN IM WALDDemonstrationen gegen ihre Regierungen,kleinere Proteste fandenin Algerien und Syrien statt.Der Machtgewinn der arabischenStraße könnte für Israel und seineVerbündeten riskante strategischeÄnderungen bringen.Während Israel zu den Führendenetlicher dieser Staaten Kontaktekultiviert hat, wird es vonder arabischen Straße verachtet.In Ägypten und Jordanien, deneinzigen arabischen Staaten mitvollen diplomatischen Beziehungenzu Israel, boykottieren dieGewerkschaften nach wie vor dieZusammenarbeit mit israelischenKollegen. Eine 2009 durchgeführteBefragung des Pew ResearchCenters in Ägypten, Jordanienund im Libanon weist zu jeweils95, 97 und 98 Prozent abfälligeAnsichten über Juden aus. Währenddie Regierungen von Israelund Saudi Arabien der nuklearenBedrohung durch den Iran, derwachsenden Bedrohung durchschiitische Macht und HezbollasAufstieg im Libanon ins Augesehen, neigt das saudische Volkwie das in Ägypten und Jordanieneher dazu, Israel als verhasstenFeind und nicht als Staat mitgemeinsamen Anliegen zu betrachten.Wenn also die arabischeStraße an Macht gewinnt, sind IsraelsBeziehungen im Nahen undMittleren Osten gefährdet.Das Gesicht der RevolutionZu Beginn boten die Massendemonstrationendas Bild einerrevoltierenden Jugend, der gutvernetzten, bunt gemischten„Facebook-Generation“, die unterder Forderung nach Freiheitvor allem neue Perspektiven wieArbeitsplätze, angemessene Entlohnungund Chancen für alleverstand. So gelang es, vor allemin Europa Sympathien fürdie Revolution „aus dem Bauchdes Volkes“ zu gewinnen, nichtzuletzt, weil sich die Islamisten,allen voran die bislang verboteneMuslimbruderschaft, taktischklug zurück hielten und sich ersteinbrachten, als der Erfolg absehbarwar. Nur sehr scharfen Beobachternkonnte in den letzten Tagennicht entgehen, dass sich indie Europa vermittelten Berichtezunehmend das Bild von Frauenin islamischen Vorschriften entsprechenderKleidung drängte.Nachdem auch die Muslimbruderschaftihre Forderungen inden letzten Verhandlungen mitdem Regime gestellt hatte, verteiltendie besonders enthusiasmiertenDemokraten Europas bereitsihre Valiumtabletten, dieser einziggut organisierte Teil des buntenHaufens von Volkes Stimmemache nur etwa 20 Prozent aus,sei als soziale Kraft zu sehen undgar nicht so arg wie vorgestelltoder gar vom Regime verleumdet.Einzelnen Europäern genügtesogar die Feststellung, dieMuslimbrüder seien nicht durchwegs„Vollbärtige, sondern auchÄrzte und Techniker“, als Belegfür deren hoffnungsvolle Demokratiefähigkeit.Zufällig sind dieselbenEuropäer bislang nicht alsglühende Verehrer Israels aufgefallenund haben auch kein Problem,die islamistisch-fundamentalistischeHamas als demokratische,soziale Kraft anzuerkennen.Aber was der frühere Beamte desState Department Leslie Gelbnun „gegen US-Inte resse“ nannte,weil die Muslimbruderschaftsich nicht wie Ägypten bisheran Antiterrormaßnahmen beteiligenwürde, Sympathie für Hamas,Hezbollah und Iran zeigteund fundamentale Fragen zumFrieden mit Israel aufwarf, mussja nicht unbedingt auch gegen dieInteressen blauäugiger Rabiatdemokratenin Europa sein, die sichdie Muslimbrüder jetzt schön reden,weil es so gut zum altlinksrevolutionärenStallgeruch passt.Europäische Ägypten-Touristenspielen plötzlich Nahost-Experten,bringen aber in der unwägbarenSituation nichts als Pfeifenim Wald auf.Die MuslimbruderschaftEntgegen europäisch-demokratischenTagträumen ist dieägyptische Muslimbruderschaftals älteste und größte islamischeOrganisation von globaler Reichweiteauch das Mutterschiff jihadistischerIdeologien wie von AlQaeda und Hamas. Artikel II derHamas-Charter führt aus: „Dieislamische Widerstandsbewegungist ein Flügel der Muslimbruderschaftin Palästina. Die Be-Schalom 11


Kommentarwegung der Muslimbruderschaftist eine universelle Organisation,die die größte islamische Bewegungin moderner Zeit bildet.Sie ist charakterisiert durch ihrtiefes Verständnis, sorgfältigesEinbeziehen und umfassendesEinschließen aller islamischenKonzepte für alle Aspekte des Lebens,der Kultur, des Glaubens,der Politik, der Wirtschaft, derBildung, der Gesellschaft, desRechtes, der Rechtsprechung,der Ausbreitung des Islam, derBildung, der Kunst, der Information,der geheimen Wissenschaftund der Konversion zum Islam.“Sollte die Muslimbruderschaftals einzig jetzt schon gut organisierteBewegung innerhalb dersich erst konstituieren müssendenBewegungen und Interessendes ägyptischen Volkes in derÜbergangsphase zur Demokratiesehr großen Einfluss gewinnen,ist die Mutmaßung nicht ganzungerechtfertigt, dass die Überwachungder Grenze zu Israeldoch etwas lockerer gehandhabtund man eventuell nicht auf dieTunnels zur Waffenlieferung andie Hamas angewiesen sein wird.Aus „dem Bauch des Volkes“kamen immerhin auch Transparenteins Bild, auf denen derverhasste „Pharao“ Mubarak mitDavidsternen verziert als „Judenknecht“dargestellt und sozum Symbol des aufzukündigendenFriedens seines Regimes mitIsrael wurde. Immerhin leistetesich auch der zweite Führende derMuslimbruderschaft, Rashad al-Bayumi, in einem Interview mitdem japanischen Fernsehen undzitiert auch von al-Hajat die Ankündigung,seine Gruppe werdesich an der Übergangsregierungbeteiligen um den Friedensvertragzwischen Ägypten und Israelzu kündigen, weil er „die Würdeder Araber verletzt und die InteressenÄgyptens und anderer arabischerStaaten zerstört.“ Dazukam es vorläufig nicht.Die interimistischeMilitärregierungSchon zwei Tage nachdem Mubarakdie Regierungsmacht andie Armee übergeben hatte,löste diese das Parlament aufund setzte die Verfassung außerKraft, nach der schon nachsechzig Tagen Neuwahlen hättenstattfinden müssen. Ein klugerSchachzug, der zumindest bis zuden versprochenen Neuwahlenin einem halben Jahr ein Zeitfensterschafft, in dem eine neueVerfassung ausgearbeitet werdensoll, sich neue politische Gruppierungenorganisieren könnenund eine Stabilisierung der Lagezumindest nicht ausgeschlossenwerden kann. Es scheint, dasssomit ein politisches Chaos zunächstverhindert ist und sich dieDinge in allernächster Zeit nichtdrastisch verändern werden. Dergrößte Teil der Armee wird vonder jährlichen US-Unterstützungfür Ägypten in Höhe von 1,3 Mrd.Dollar erhalten, die Armee zeigtsich in einem guten Verhältniszu den USA und in einem funktionierendenVerhältnis zu Israel.Während des Mubarak-Regimeswar die Armee die Schlüsselkraftim Kampf gegen den islamistischenTerrorismus, sie half,Hamas im Gazastreifen einzugrenzenund antiisraelische Elementein Ägypten fernzuhalten.Im Zuge der ersten Maßnahmenzur Beruhigung der Lage hat dieMilitärregierung auch zugesagt,in der Zeit des Übergangs allenationalen und internationalenVerträge einzuhalten, somit auchden Friedensvertrag mit Israel.Zulässiges WunschdenkenTrotz aller Skepsis, die angesichtsder immanent programmiertenAusbreitung des fundamentalistischenIslam angebracht ist, stirbtdie Hoffnung, wie immer, zuletzt.Sollte es in Ländern wie Tunesienoder Ägypten tatsächlich möglichsein, dass sich das Volk inseinen vorwiegend sozialen Nötennicht von den islamistischenVersprechungen einfangen lässt,etwa, indem es einen Blick aufdie Verhältnisse im Iran oder imGazastreifen wirft, wo trotz islamischerRegimes im Volk selbstkein Wohlstand ausgebrochenist, könnten in diesen Ländernvielleicht doch echte Demokratienentstehen. Diese könnten ansich stabiler und weniger kriegerischgegen Israel sein. In dieserHinsicht könnte die Türkei einModell sein: Eine Demokratie ineinem muslimischen Land, dessenBeziehungen zu Israel bestehenbleiben, auch in Zeiten, daseine Regierung und sein Volk inscharfe, antiisraelische Rhetorikverfallen. Bis sich die Situationenin Ägypten und sonst wo im Nahenund Mittleren Osten einspielen,scheint Israel nicht viel mehrtun zu können als zu warten, zubeobachten und für das Beste zubeten. Das Einzige, was sicherscheint, ist mehr Unsicherheit inder Zukunft, in Kairo und darüberhinaus.12 Schalom


größer denken,mehr entdeckenDas Unternehmen derDie vier Museen der Wien Holdingmachen Kunst und Kultur erlebbar.WienerMuseumsmelangeDas Kombiticketfür zwei Museender Wien Holdingum nur r 15,– *Mozarthaus ViennaEntdecken Sie die WeltMozarts, wie er lebte undwie er musizierte.Jüdisches Museum WienErleben Sie jüdischeGeschichte und Kulturaus erster Hand.KunstHausWienBesuchen Sie die faszinierendeWelt Hundertwassers undinternationale Ausstellungen.Haus der MusikSchicken Sie Ihre Ohrenim „Klangmuseum“ aufEntdeckungsreise.www.mozarthausvienna.atwww.jmw.atwww.kunsthauswien.atwww.hdm.at* Bis zu -25% Ersparnis mit dem „Wiener Museumsmelange“ Kombiticket.Erhältlich bei Wien Ticket unter 01/58885 oder direkt bei den Museen.


LandesorganisationenNeun „Austro-Australier“ aufNeun Nachkommen der1938 aus Klagenfurt vertriebenenKaufmannsfamilieFriedländer besuchten die alteHeimat ihrer Vorfahren. Die Initiativefür diese weite Reise gingvon Dr. Erich Lindner, ehemaligerPräsidialchef im MagistratKlagenfurt, aus.Verhöhnt, enteignet, davongejagt– so stellte sich das Schicksalder großen jüdischen FamilieFriedländer in Klagenfurt imIm Rahmen des Besuches in der Heimat der Vorväter besuchten die 9 Australier auch die Handelsakademiein Klagenfurt, in der unter 50 jüdischen Schülern auch Friedländer studierten.Am Jüdischen Kärntner Friedhof in Klagenfurt – St. Ruprecht (errichtet 1895) besuchten die 9 Freemans ausAustralien die Gräber ihrer Vorfahren, die dort vor 1938 beerdigt worden sind.Jahre 1938 dar! Über Englandund dem damaligen Palästinagelangten Simon Friedländer,Inhaber eines kleinen Geschäftsam Neuen Platz 12 in Klagenfurt,mit Gattin Sali und seinendrei Söhnen Ignatz, Hermannund Rudolf letztendlich glücklichnach Australien, wo eineneue Existenz aufgebaut werdenkonnte. Da englisch sprechendeLeute den Namen Friedländerschwer verstanden und aussprachen,wurde Freeman zum neuenFamiliennamen.Als Freeman kehrten nunneunköpfig im Rahmen einerEuroparundfahrt Nachfahrender einst Vertriebenen erstmalsin die Stadt Klagenfurt, wo allesbegonnen hatte, zurück. Von Dr.Erich Lindner war ein umfangreichesBesuchsprogramm ausgearbeitetworden, Mitgliederder Österreichisch-IsraelischenGesellschaft /Landesgruppe Kärntenbegrüßten die Gäste ausdem fernen Australien im HotelSandwirth, dann folgte ein Besuchbeim Gedenkstein, der andie alte Synagoge in der Platzgasseerinnert und danach wurdeder israelitische Friedhof inSt. Ruprecht aufgesucht, wo ihrUrvater Berl Friedländer ruht.In Klagenfurt lernten die Gästeerst die Wurzeln ihrer Familiekennen und waren erstaunt unddankbar zugleich, dass man sichhier heute so intensiv mit derGeschichte der Klagenfurter Judenbefasst.14 Schalom


Landesorganisationenden Spuren ihrer FamilienJerusalemer Holocaust-GedenkstätteYad Vashem überreichtder gewählten Ehrenpräsidentindie Urkunde und Medaille.Im Rahmen einer Kärntenrundfahrtwurde u. a. auch der neuePräsident der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft/ LandesgruppeKärnten, Dr. UlrichHabsburg (Foto: 2. v. l.), inWolfsberg besucht. Ebenso dieHandelsakademie Klagenfurt,wo seinerzeit 50 jüdische Schülerstudierten.Nationalratspräsidentin BarbaraPrammer Ehrenpräsidentinder Freunde von Yad Vashem :Günther Schuster, Präsident derÖsterreichischen Freunde derMehr als 140 geladene Gästeaus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft,Kultur und Landesverteidigungsowie Repräsentantenchristlicher Kirchen, israelitischerKultusgemeinden und jüdischerOrganisationen sind am7. Oktober 2010 der Einladungder Freundesgesellschaft ins AlteLinzer Rathaus gefolgt. AuchIsraels Botschafter S. E. AvivShirOn und Yad Vashems EuropadirektorArik RavOn habenan dem Festakt teilgenommen.Aktivitäten der Landesgruppe KärntenDie Österreichisch-Israelische Gesellschaft – Landesgruppe Kärnten – hat im vergangenen Jahr folgendeVeranstaltungen durchgeführt:• Am Internationalen Holocoust-Gedenktag gab es in Wolfsberg im Festsaal des Rathauses einenAbend „Wider das Vergessen“. Im Rahmen der Gedenkfeier, die von der Stadt Wolfsberg und denÖsterreichischen Freunden von Yad Vashem am 27. 01. 2010 feierlich begangen wurde, fand auchdie Eröffnung der Ausstellung „No Child`s Play“ statt.• Im Februar 2010 fand die Generalversammlung der Landesgruppe Kärnten statt, an der auch derVorsitzende, Herr Dr. Richard Schmitz, teilnahm. Ein neuer Vorstand wurde gewählt. Herr Papousekgab einen Rückblick über die Aktivitäten der letzten beiden Jahre und der neue Präsident,Herr Dr. Ulrich Habsburg gab einen Ausblick auf kommende Veranstaltungen.• Präsentationsveranstaltung zum „Buch der Namen – die Opfer des Nationalsozialismus in Kärnten“.• Ausstellung im Stadthaus Klagenfurt: „Zeichne, was du siehst“ – Kinderzeichnungen aus dem GhettoTheresienstadt von Helga Weissová-Hošková. Anschließend ein Zeitzeugengespräch.• „Zwischen allen Stühlen“, Filmvorführung mit dem Zeitzeugen Karl Pfeifer, einleitende Worte: Dr.Peter Gstettner• Projekte für das kommende Jahr: Anbringung einer Tafel am Jüdischen Friedhof in Klagenfurt,Projekt „Stolpersteine“, Buchvorstellungen und Vorträge.Schalom15


little shalomsNetanyahu würdigt PapstBenediktIn seinem neuen Buch über das Leben Jesu Christischreibt Papst Benedikt XVI, man solle die Juden,die zur Zeit des Zweiten Tempels lebten und auchdie Generationen, die danach kamen, nicht der Verantwortungfür die Kreuzigung Jesu für schuldigerklären. Nur eine Gruppe innerhalb der Elite derTempelpriester habe auf seinen Tod hingewirkt.Israels Ministerpräsident Binyamin Netanyahuhat Papst Benedikt XVI für diese historische Klarstellung,in dem er die Juden von dem Vorwurf derVerantwortung für den Tod von Jesus freispricht,in einem Dankesbrief seine Wertschätzung übermittelt.„Ich begrüße es, dass Sie in Ihrem neuesten Buchentschieden einen falschen Vorwurf zurückweisen,der für viele Jahrhunderte eine Grundlage desHasses auf das jüdische Volk gewesen ist. Meineinnigste Hoffnung geht dahin, dass Ihre Klarheitund Courage die Beziehungen zwischen Judenund Christen auf der ganzen Welt festigen unddazu beitragen wird, Frieden und Aussöhnung fürdie zukünftigen Generationen zu fördern.Ich freue mich darauf, Sie bald wieder zu sehenund Ihnen persönlich meine tiefe Wertschätzungauszudrücken.“(Amt des Ministerpräsidenten, 03. 03. 11)Israel-Preis für Yossi ShilohDer Tel Aviver Genetiker Yossi Shiloh, ein führenderErforscher der DegenerationskrankheitAtaxie-Telangiektasie, erhält den diesjährigenIsrael-Preis für Lebenswissenschaften. Dies gabErziehungsminister Gideon Sa’ar am Donnerstagbekannt.Das Preiskomitee würdigt Shiloh, der als Professoran der Medizinischen Fakultät an der UniversitätTel Aviv forscht und lehrt, als einen „bahnbrechendenWissenschaftler im Bereich der Humangenetik“.Der 62-jährige hat einen Großteil seiner Karriereder Erforschung der Ataxie-Telangiektasie(A-T) gewidmet, einer seltenen neurodegenerativenKrankheit, die vor allem aus Nordafrika stammendeJuden sowie Palästinenser und Beduinenbefällt. Er begann sich bereits 1977 im Rahmenseiner Doktorarbeit mit dieser Erbkrankheit zubeschäftigen.Im vergangenen Monat erhielt Shiloh bereits denrenommierten Clowes Award der American Associationfor Cancer Research.(Haaretz, 04. 03. 11)Oscar für Film über israelischeSchuleDie Bialik-Rogozin-Schule im Süden Tel Avivs hatüber Nacht einen enormen Zuwachs an internationalerAufmerksamkeit erhalten. Sie steht imMittelpunkt des am Sonntagabend in Los Angelesmit dem Oscar ausgezeichneten Kurzdokumentarfilms„Strangers No More“.Der US-amerikanische Film von Karen Goodmanund Kirk Simon ist 40 Minuten lang und betrachtetdie Schule und ihr Umfeld sowie die Hintergründeder Kinder von Gastarbeitern, die größtenteilsvor Armut, Hunger und Verfolgung nachIsrael geflüchtet sind.Goodman, die den Preis gemeinsam mit Simonentgegennahm, sandte von der Bühne aus Grüßenach Tel Aviv und sagte, die Schule im Süden derisraelischen Metropole sei ein Ausdruck der Toleranzzwischen Menschen. An der Preisverleihungnahm auch Schuldirektorin Karen Tal teil.Die Bialik-Rogozin-Schule beherbergt Schüler aus48 verschiedenen Staaten.Israels Präsident Simon Peres gratulierte derSchuldirektorin Karen Tal und sagte, der Oscar-Gewinn habe Israel Anerkennung verschafft undstellt die Menschlichkeit ins Rampenlicht, die esin Israel gebe.16Schalom


little shalomsUmberto Ecoverurteiltden Boykottgegen IsraelDer weltbekannte italienischeSchriftstellerUmberto Eco hat sichentschieden gegenjegliche Aufrufe zurBoykottierung Israelsausgesprochen. Eco äußerte sich dazu auf einerPressekonferenz im Rahmen der JerusalemerBuchmesse.Das Thema kam auf, da der diesjährige Laureatdes Jerusalem-Preises, der britische SchriftstellerIan McEwan, von Kollegen in seiner Heimat dazugedrängt worden war, den Preis abzulehnen, waser allerdings nicht tat.Eco berichtete, anders als Ewan sei auf ihn keinerleiDruck ausgeübt worden, der Jerusalemer Buchmessefernzubleiben, und betonte: „Ich halte es fürabsolut verrückt und im Grunde für rassistisch, einenGelehrten, einen Privatmann, mit der Politikseiner Regierung zu identifizieren.“Auf seine Meinung zu Israels Regierung angesprochen,bemerkte der Autor lediglich, er habe zuviel gegen die italienische Regierung zu sagen, umnoch über die israelische zu sprechen.(Haaretz, 24. 02. 11)Der Geschichts-Unterricht im Gaza-Streifen darfkeine Erwähnung des Holocoust enthalten: dieserAuftrag wurde von der Hamas apodiktisch erteilt.Die Schulen in der Region Gaza werden vonder UNRWA, einem UN-Spendentopf zugunstender Palästinenser, finanziert. Der Unterricht überden Holocoust sei gegen die Interessen der Palästinenser,so eine Erklärung des Kultusministeriumsin Gaza.Auch der Fatah-Vertreter im Westjordanland verkündet– der Holocoust sei eine große Lüge.(Quelle: „Jerusalem Post“)38 neue SolarkraftwerkeDie israelische Elektrizitätsbehörde hat am Montag38 neue Lizenzen für mittelgroße Sonnenkraftwerkeausgestellt. Die Lizenzen betreffen Photovoltaikanlagenmit bis zu 5 Megawatt; insgesamtsollen die 38 Kraftwerke 66 Megawatt Strom produzieren.Die neuen Anlagen fallen unter die Regelung zurSubventionierung der Entwicklung von Solarenergiein Israel. Sie werden in der Lage sein, Stromzu einem subventionierten Preis von umgerechnetetwa 30 Cent pro Kilowattstunde zu verkaufen,wobei sich dieser Betrag noch um jährlich 5% verringernwird.Ebenfalls am Montag haben das Infrastrukturministeriumund die Israel Lands AdministrationLand (ILA) eine Ausschreibung für den Bau vonSolarkraftwerken im Negev veröffentlicht. DieAusschreibung bietet über 100 km² Land im KreisRamat Hanegev für mittelgroße Photovoltaikanlagenmit 5 Megawatt an.Holocoust-Lüge wird vonHamas bestätigtMan geht davon aus, dass die ILA noch Ausschreibungenfür etwa zehn derartiger Anlagenan fünf Standorten im Negev veröffentlichenwird: Ramat Hanegev, Dimona, Arad, Mitzpe Ramonund Evrona.(Haaretz, 22. 02. 11)Schalom 17


BerichtDie Gedenkfeier zur„Reichsprogromnacht“ in Israelvon Peter GewitschZum Jahrestag fand im Auditoriumund im Museum desKibbutz Lochamei Hagetaothdie bereits traditionelle Zeremonieanlässlich der Reichspogromnacht,die auch allzu oft zur„Reichskristallnacht“ verschönertwird, statt. Die Gedenkfeierwird alljährlich vom Zentralverbandder Juden aus Österreichin Israel organisiert, seit die Verbindungzwischen dem Zentralverbandund dem Erinnerungszentrumim Kibbutz begann.Dies war vor mehreren Jahren,als der Zentralverband eine Erinnerungstafelan Aaron Menczer(1917 – 1942) in der Gedenkhallean die in der Shoahermordeten Kinder anbringenließ. Menczer war ein Jugendaliyah– und Jugendführer von jüdischenWaisenkindern in Wien,der im Frühling 1939 (!) eineGruppe nach Palästina brachte,um dann nach Wien zurückzukehren(!) weil er seine dortigenSchützlinge (kaum 5 – 6 Jahrejünger als er selbst), trotz derTodesgefahr im Nazireich, nichtim Stich lassen wollte; er begleitetesie auf ihrem Leidensweg biszum Tode und wird daher auchder „österreichische Janos Korczak“genannt.Die Gedenkfeier begann miteiner Begrüßung durch JossiShavit, dem Direktor des Archivs,auf Hebräisch – die ganzeVeranstaltung fand diesmalnur auf Hebräisch statt – unddann wurde ein neues Exponat,welches jetzt ins Museum kam,vorgezeigt: Eine rote Fahne derzionistischen/sozialistischenJugend in Wien, mit goldenenhebräischen Buchstaben. Danachsprach Gideon Eckhausund begrüßte die zahlreichenAnwesenden, die das Auditoriumüberfüllten. Es waren nichtnur drei Autobusse gekommen(Tel Aviv, Jerusalem und Haifa)viele Teilnehmer kamen auch inihren Privatautos. Josef Linsersprach das Totengebet „Kaddisch“.Dann sang Betty Kleinjiddische Lieder, darunter auchdie bekannte Partisanenhymne„Wir sind da!“Danach kam der eigentlicheHöhepunkt der Veranstaltung:Chovkah Raban, Partisanin undÜberlebende des WarschauerGhettos, die 1949 zu den Gründerndes Kibbutz zählte, berichteteunter dem Titel: „OhneAbschied“ über ihre Erlebnisseaus der schrecklichen Zeit undbeantwortete auch die zahlreichenFragen aus dem Publikum.Nach dem – sehr schmackhaften!– Mittagessen besuchtenwir das Museum und vor allemden neu gestalteten „Treblinka-Synagoge Tempelgasse Wien 2vor der Zerstörung 1938Quelle: WikipediaSaal“, in dessen Mittelpunktdas große Modell des Lagers,angefertigt vom KunsttischlerJacob Weiernik (1889-1972),der Gefangener in diesem Lagerwar, stand. Nur eine kleineDiskrepanz wartet auf Aufklärung:Eine große Tabelle ander Wand zeigt die Zahlen derin der Schoah ermordeten Juden,nach Ländern geordnet.Bei Österreich steht, dass beim„Anschluss“ dort 185.000 Judenlebten, von denen 50.000 umkamen.Bisher waren wir immerder Ansicht gewesen, dass65.000 österreichische Juden ermordetwurden.Es war eine sehr schöne, wennauch naturgemäß ergreifendeund traurige Veranstaltung, besondererDank gebührt der Leiterindes Österreicher-Clubs inJerusalem, Hannah Hintz, diealles organisiert hatte.18Schalom


FilmDer Schwarze Schwankommt aus JerusalemSie hat den Oscar, sie erwartetein Kind: Natalie Portman„takes it all“.Nicht nur Amerika, auch Israeldarf stolz auf sie sein.Die US-Amerikanerin ist Doppelbürgerin,sie besitzt ebenfallseinen israelischen Reisepass. Geborenwurde Natalie Hershlagim Juni 1981 in Jerusalem undist bis zu ihrem dritten Lebensjahrdort aufgewachsen. Und siebetont bei jeder Gelegenheit, wieverbunden sie mit ihrer HeimatIsrael ist.Ihre Lieblingsstädte sind ex-aequoParis und Jerusalem.Als ihr Regisseur Darren Aronofskydie Hauptrolle für seinenPsychothriller „Black Swan“ anbot,musste sie erst einmal professionelltanzen lernen. Nun, siehatte als Kind und Teenager einerenommierte amerikanischeBallettschule auf Long Islandbesucht, doch diese Kenntnissewaren seither auf Eis gelegen.Der Tänzer und ChoreographBenjamin Millepied nahm sichihrer an und trainierte sie mitmaximaler Hingabe – so truger zum Oscar-gekrönten Ruhmseiner Schülerin wesentlich beiund wurde zum Vater ihres zuerwartenden Kindes.Natalie blickt auf eine geborgeneKindheit in einem auch intellektuellengagierten Elternhaus zurück.Avner Hershlag ist Gynäkologe,hochrangiger Spezialistfür das Problem der Unfruchtbarkeit,seine Auswanderungin die Vereinigten Staaten hatmit seiner beruflichen Karrierezu tun. Zusammen mit seinerFrau Shelley umgab er dieeinzige Tochter mit Liebe undermöglichte ihr die beste Ausbildung:Studium der Psychologiein Harvard mit akademischemAbschluss.Natalie Hershlag nahm alsSchauspielerin den Mädchennamenihrer Großmutter mütterlicherseitsan – nach eigener Aussagewill sie damit ihre Privacyund die ihrer Eltern schützen.Doch seit dem „And the OscarGoes to ... “ wird sie wohl nichtsmehr vor der Berühmtheitschützen können.Und ganz neu: ein Werbespotder weltberühmten Hadassah-Klinik in Jerusalem, wo NatalieHershlag am 9. Juni 1981 zurWelt kam. In dem Spendenaufruffür einen weiteren Ausbaudes Klinik-Komplexes ist derOscar-Star zu sehen und zu hören:„Es geht um Heilen und umMitgefühl“, mahnt sie in feinstemHebräisch.Der Film „Black Swan“ , gedrehtan der Metropolitan Opera inManhattan, ist ein grandioserBallettfilm, wird jedoch gemeinhinals Psychothriller kategorisiert,was nur teilweise zutrifft.Der Spielfilm zeigt allerdingseine Dimension des menschlichenVerhaltens auf, wenn dieAnforderung des subjektiv nichtErfüllbaren die Grenzen zwischenWahn und Wirklichkeitdurchstößt.idaSchalom 19


SchalomErscheinungsortWien • Verlagspostamt 1080 Wien • P.b.b.Wenn verzogen, bitte nachsenden Wien, Juni 2010Zulassungsnummer: GZ 02 Z 031415MIn diesem Momententdeckt jemand dasjüdische Wien.Wann entdecken Sie es?WIEN-HOTELS & INFOinfo@wien.infoTEL. 01 24 555www.wien.infoSynagoge20Schalom

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