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Handreichung Meeting 1 Giesenkirchen_10-10-08.pdf

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KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungWege zur ZielvereinbarungMag. Isolde <strong>Giesenkirchen</strong>KL:IBO – <strong>Meeting</strong> I 20.-21.5.2005 St. VergilVor den jüngeren und älteren “KL:IBOianern“ breitet sich eine verlockend bunte Projektlandschaftaus. Was da nicht alles so gejagt und gesammelt werden kann!Ausgerüstet mit Handkoffer und Portfolio unter dem Arm machen sich die Jungen auf den Weg,damit vieles, was der Auswahl würdig befunden wird, auch gleich eingepackt und die Schätzehergezeigt werden können.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20081


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungWir, die Älteren, mit den Angelegenheiten der Landschaftspflege, dem Aufstellen von Wegweisernund vielem mehr beschäftigt, vertraut auch mit den Aufgaben der Berg – und Wasserrettung,wagen uns erst selbst in dieses teils unbekannte Gelände. Schließlich haben ja auch wiretwas im Köfferchen mit Platz für mehr, sind bereit zur Innovation mit Führungs- und Begleitbereitschaft,beim Stolpern fehlertolerant und wollen „Grund zur Hoffnung“ geben.Der Wegweiser muss zwar nicht am Ziel gewesen sein (so sagt man), bietet aber die Richtungund Orientierung und weiß, was auf ihm geschrieben steht.KompetenzlernenDer Begriff Kompetenz erfreut sich zunehmend strahlender Beliebtheitund leider auch inflationärem Gebrauch. Begleitet von seinem Gefolge,den Herausforderungen, dem Selbstwertgefühl, dem Selbstvertrauen,der Selbstwirksamkeitserwartung, dem Erfolg, der Selbstorientierungund Selbstverantwortung, den Zielsetzungen (um einige zu nennen),geistert er auch auf unserer Homepage.Und auch, weil Kompetenzen nicht allzu leicht zu erkennen sind,schauen wir sie uns genauer an.Die Psychologie bezeichnet „Kompetenz“ als ein Konstrukt.Danach sind Kompetenzen ein nicht beobachtbares theoretischesKonzept, welches einen Erklärungswert für bestimmteVerhaltensweisen, bestimmte Leistungen besitzt. Das beobachtbareVerhalten dann, die Leistung selbst wird als Performance bezeichnet.Etwas konkreter schon können wir uns Kompetenzen als Verhaltensdispositionen/Selbstdispositionenvorstellen, als Schlüssel zur Bewältigung bestimmter Aufgaben.Sie ermöglichen uns in bestimmten Anforderungssituationen spezifische Problemlösungen(Leistungen/Taten) zu vollbringen. Sie sind die Voraussetzung dazu!Und: „Kompetenzen sind erlernbar“ (North, 2003, S.205).Genau diese Eigenschaft macht sie für Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen so interessant.Nicht nur wiesen die Ergebnisse der Studie „Kompetenz-Lernen“ (Dr. M. Lemberger, 2000) daraufhin, dass auch im Bereich der für die berufliche Tätigkeit wichtigen sogenannten Soft-Skills(Kommunikations-, Präsentations- und Moderationskompetenz erhebliche Mängel bei Schüler/innenfeststellbar sind, auch die sich ständig und rasant wandelnden beruflichen Anforderungsprofilemachen das systematische Entwickeln und Erweitern von Kompetenzen (dynamischenKompetenzen) unumgänglich.Hierzu bietet sich nun eine Differenzierung des Konzeptes in Selbstkompetenzen, Sozialkompetenzen,Methodenkompetenzen und Fachkompetenzen an, die uns dem Verständnis näherbringt, warum „kompetentes Handeln“ die eigentliche Basis einer angemessenen Auseinandersetzungmit zukünftigen Anforderungen sein kann.Selbstkompetenz ist die Disposition einer Person, sich selbst einzuschätzen, produktiveEinstellungen, Wertehaltungen, Motive und Selbstbilder zu entwickeln, eigeneBegabungen, Motivationen, Leistungsvorsätze zu entfalten und sich im Rahmender Arbeit und außerhalb kreativ zu entwickeln und zu lernen.Als sozial kompetent wird eine Person bezeichnet, wenn sie sich kreativ mit anderenauseinandersetzt, sich gruppen- und beziehungsorientiert verhält, gemeinsammit anderen Pläne umsetzt, Aufgaben bewältigt und Ziele formuliert.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20082


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungMethodenkompetenz – davon sprechen wir, wenn räumliche, zeitliche, personelleund gegenständliche Ressourcen optimal eingesetzt werden, wenn z.B. Informationsquellenstrategisch genutzt werden (vgl. Erpenbeck und Rosenstiel, 2003).Fachkompetenzen meint die Gesamtheit der Kenntnisse einer Person zu einemThema und den Einsatz dieser Kenntnisse (vgl. Arnold et.al. 2003).An dieser Stelle kann die Frage gestellt werden: Was nun unterscheidet den Begriff der Kompetenzvom Begriff der Qualifikation?QualifikationQualifikation bezeichnet ausschließlich eine festgelegte Gesamtheit vonKenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten und gibt uns Information darüber,was eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt weiß und kann.Wir haben also keine Aussage darüber, wie diese Person handeln wird,wenn sie sich einer neuen Herausforderung gegenüber sieht.Um Aufschluss darüber zu erhalten benötigen wir den Begriff „Kompetenz“.Das heißt nicht, dass Qualifikationen durch Kompetenzen ersetzt werdensollen oder können. So kann wohl die Qualifikation ohne Kompetenzenexistieren, nicht jedoch Kompetenzen ohne Qualifikation (vgl. TobiasLey.www.wm-impulse.net).Mit Blick zurück auf unsere Projektlandschaft gehe ich davon aus, dass wir Wegweiser nun wissen,was auf uns geschrieben steht.Wie nun bieten wir die Orientierung, wie führen und begleiten wir die Jungen beim Entwickelnihrer Kompetenzen?In unseren Köfferchen erschließt sich uns wohl unter all unseren Kompetenzen auch ein reichesRepertoire an Methoden zur Qualifikationsvermittlung, welche wir aber auf die Vermittlung vonKompetenzen nicht anwenden können.Wie sollten wir Voraussetzungen für angemessenes Problemhandeln vermitteln?Wie zum Beispiel ein Stundenbild entwerfen, in dem wir die Unterweisung und Förderung inTeamfähigkeit oder gar Kreativität in „kleine Häppchen“ zerlegen und nach jedem Häppchendie Lernzielkontrolle durchführen? Klingt und ist einfach unmöglich! Wirksame und bedeutsameErfahrungen lassen sich nicht vorherplanen.Kompetenzen sind nicht formal erlernbar!Wie dann? Wie erwerben wir Kompetenzen? Wie gelingt uns ein Kompetenzaufbau?Indem wir nicht den Inhalt als Brennpunkt wählen, der ja je nach Anforderung variiert undauch nie eingegrenzt werden kann, sondern unser Augenmerk auf den Aneignungsprozessrichten.Zentrale Elemente im Aneignungsprozess sind eigenes Erleben, Erfahren, die reflexiveAuseinandersetzung mit bereits verfügbaren Kompetenzen und die individuelleZielsetzung in Bezug auf den eigenen Kompetenzaufbau.Für uns Lehrer/innen heißt das, dass unsere Aufgabe hinsichtlich des Kompetenzlernens darinbesteht, Selbsterforschungs- und Selbstorganisationsprozesse zu initiieren, Handlungssituationenzur Verfügung zu stellen, in der die Schüler/innen in die Situation kommen,ihre jeweiligen überfachlichen Kompetenzen zu erforschen und zu reflektieren.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20083


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungDies kann verbunden mit einem thematischen Auftrag erfolgen oder auch in Übungen mit experimentellenVersuchsanordnungen und Simulationscharakter, in welchen Verarbeiten undReflexion des Erlebens die zentralen Ziele sind. Die zweite Variante bietet die Möglichkeit, auchüber eine Reihe von „Misserfolgen“ und der sich anschließenden Reflexion die Kompetenzerforschungund Kompetenzentwicklung aufzubauen.Es ist mir an dieser Stelle (weitere Stellen werden folgen!) sehr wichtig, darauf aufmerksam zumachen, dass eine entwertende Kritik der Ergebnisse nicht nur kontraproduktiv ist, sonderneine erhebliche, nicht wieder gut zu machende Kränkung darstellt, die weiteren Kompetenzerwerberschwert.Einen Menschen ernst nehmen bedeutet:• Das Recht des Anderen anzuerkennen, Bedürfnisse, Gefühle und Erleben zu haben, diesie oder er jetzt hat.• Das Bedürfnis des anderen aus seiner Sicht, so wie er ist und denkt, sehen zu können.• Sich auf seinen Ausdruck zu konzentrieren, mit dem Ziel, seine Wirklichkeit kennen zulernen, und nicht, um Beweise gegen ihn und seine Wünsche zu sammeln.• Auf das, was von ihm kommt, mit Verständnis zu antworten und damit seine eigene Positionernst zu nehmen (vgl. J. Juul. 2003).Wir verstehen uns hier ausschließlich als lernende Modelle, die die Lernenden effektiv durch dieLandschaft begleiten und ihnen die erwünschte und selbst verantwortete Unterstützung bieten.Die nun folgenden Übungen / Trainingseinheiten mit Simulationscharakter sollen sowohl Einblickin die beschriebene Methode gewähren, als auch – und das vor allem – uns das bishernur Beschriebene >spüren< lassen – mit allem, was nun unvorhergesehen und ungeplant imProzess geschieht.Die Geschwindigkeit des durchgeführten „Schnuppermarathons“ ist zur Nachahmung verboten!Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20084


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungAus dem roten Koffer.PaarbildungZentrale Ziele:• Selbst- und Fremderleben in der Gruppensituation• Bewusstmachen von Gefühlen, Erwartungen, Entscheidungsprozessen beim Wählenund Gewähltwerden• Entscheidung und Kontaktverhalten• ModellauswahlDurchführung:Alle Teilnehmer stehen auf und gehen durch den Raum, jeder sucht sich einen Partner, einePartnerin. Mit dieser/diesem wird dann Suchen und Finden besprochen.• Welche Aktivitäten?• Welche Gefühle?• Welche Erwartungen?Auswertung im Plenum:• Wie verliefen die Entscheidungsprozesse?• Wie gingen die Teilnehmer mit Wünschen um, die sich nicht erfüllten?• Wie mit Ängsten?• Wie mit „aufgezwungenen Personen“• Reflexion der KontaktebenenSelbstsicherheit prüfenZentrale Ziele:• Selbstsicherheit im Verhalten• Auftreten im Alltag vergleichen mit der Selbstsicherheit in der Gruppe, im Berufslebenund mit anderen GruppenteilnehmernDurchführung:• Die Gruppe stellt ihre Stühle in einer Reihe auf, so viele Stühle wie Mitglieder• Die Plätze werden vom ersten bis zum letzten nummeriert.• Die Teilnehmer sollen sich mehrere Minuten Zeit lassen und einige Plätze ausprobieren,auf sich wirken lassen.• Nun soll sich jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin einen Stuhl aussuchen unter derFrage: Wenn Platz 1 die größte Selbstsicherheit im alltäglichen Leben bedeutet undder letzte Platz die allergrößte Unsicherheit, die Stühle dazwischen entsprechendeEinordnungen bedeuten, - auf welchen Platz setze ich mich bei ehrlicher Einschätzung?• Wenn jeder seinen Platz gefunden hat beginnt die 2. Runde.Auswertung im Plenum:• Wie selbstsicher wurde der Platz der Selbstsicherheit gewählt?Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20085


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und Berufsorientierung• Gibt es Häufungen an bestimmten Plätzen?• Sind sich diese Teilnehmer in diesem Punkt wirklich ähnlich?• Gibt es Diskrepanzen zwischen Alltag- Gruppe- Berufsleben?• Welche Bedingungen und welche Teilnehmer machen Selbstsicherheit schwer, welcheerleichtern sie?Im Anschluss:Die Mitglieder werden gebeten, sich bezüglich ihrer Ergebnisse im Raum zu gruppieren.Anschließendes Feedback – Selbstbild - FremdbildIn diesem Prozess bestehen Möglichkeiten der Selbstkorrektur oder Ausprobieren, Annehmenoder Ablehnen eines Korrekturvorschlags durch FremdeinschätzungWenn Farben streitenZiele:• Begegnung und Konfrontation mit eigener und fremder Konfliktfähigkeit• Förderung der affektiven Ebene• Eigene Reaktion und eigene Phantasie/Spekulation unterscheiden lernen• Entscheidungsprozesse verbessern• Macht, Einfluss, Rivalität und Autoritätsprobleme bearbeiten• Entscheidungsfähigkeit stärkenDurchführung:• Partnerwahl• Jedes Paar erhält eine Zeichenblatt• Jede/r zeichnet mit einem Farbstift• Die Teilnehmer sollen nun zeichnerische einen Konflikt konstruieren und sich imKonfliktgeschehen spontan verhalten• Anschließend besprechen die Paare den erlebten ProzessAuswertung im Plenum:• Prozessanalyse aus eigener Sicht• Eigenes Verhalten in Aktion und Reaktion• Wahrnehmung des Fremdverhaltens• Interpretation des Fremdverhaltens ( Phantasie/Spekulation)• RealitätsprüfungTeam KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20086


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungJahrmarkt der KompetenzenZiele:• Bewusstwerden der Quantität und Qualität der eigenen Kompetenzen• Verbindung zur SelbstwirksamkeitserwartungDurchführung:• Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin benötigt zwei Blätter• Auf dem ersten Blatt sollen nun spontan <strong>10</strong> Kompetenzbereiche dokumentiert werden• Promenade und lesen der „Kompetenz-Dokumentation“ in der Gruppe• Hinzufügen eigener Kompetenzen auf das 2. Blatt, die am anderen entdeckt wurden• Hinzufügen durch andere Teilnehmer (Fremdwahrnehmung)KünstlernamenZiele:• Vertiefendes Kennenlernen durch gemeinsame Aktionen• Kooperation, Kreativität• Auflockern und Entspannung nach anstrengenden ArbeitsphasenDurchführung:• Bildung von Kleingruppen• Jeweils ein Gruppenmitglied verlässt den Raum• Die Verbleibenden einigen sich auf einen Namen• Hereinrufen des „Künstlers“• Die Gruppe soll nun durch Gestik, Mimik und pantomimische Aktion deutlich machen,um wen es sich handelt• Wenn der Namensträger erraten hat, kommt der nächste Teilnehmer an die Reihe.Keine AuswertungBlitzlichterZiele:Kurzstatement zum Film „Treibhäuser der Zukunft“ in Form der freien Assoziation für dieDauer eines brennenden Streichholzes. Die Statements bleiben unkommentiert.Filmbestellung: www.archiv-der-zukunft.deLegen wir nun eine Verschnaufpause ein.Vielerlei Kompetenzen und ihr dynamisches Wesen sind nun zu Bewusstsein gelangt, reflektiert,bestaunt, humorvoll kommentiert, belacht und auch mehr oder weniger merklichweiterentwickelt worden.Bevor wir sie nun in unseren Koffer packen, wollen wir sie beschriften, dabei nochmals reflektierenund auch anerkennen, dass manche heller erstrahlen als andere, dass sie ständigweiterentwickelt werden wollen und vor allem gesellige Wesen sind, die sich über Neuzugängeerheblich freuen.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20087


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungKompetenzrasterEinen schnellen Überblick über vorhandene, zur Weiterentwicklungund zum Neuerwerb geeignete Kompetenzen erlaubt die Anordnungin Kompetenzrastern. In diesen sind Kompetenzen in verschiedenenBereichen formuliert und umschrieben.In der Hand des Lehrers bieten Kompetenzraster sowohl einenÜberblick über den Lernstand des Schülers/der Schülerin als aucheine Möglichkeit, den Unterricht schülerorientiert zu gestalten. Und:Lernergebnisse einzuordnen.Für Schüler und Eltern leisten sie einen Überblick über den aktuellenLernstand des Schülers/der Schülerin.Darüber hinaus ermöglichen sie die Planung der selbst anzusteuernden Ziele und motivierenzu den nötigen Aktivitäten, was die traditionelle abstrakte Note nicht leisten kann.„Nicht auf welcher Seite eines Buches man arbeitet, oder was man gehabt hat, sondernwas ein Schüler/eine Schülerin wirklich erkennbar umsetzen kann, gibt eine bestärkende,klare Aussage. Dies erreichen wir durch die Kompetenzraster.“ (www.itw.-oberstufe.ch)StärkenportfolioWir sehen also, dass die Schüler/innen aufgefordert sind, ihre ganz persönlicheKompetenzbiografie bewusst zu gestalten - individuell aufgehobenund begleitet in einer Lernkultur, in welcher der Scheinwerfer derWahrnehmung auf die Stärken gerichtet ist (Ressourcenorientierung). DieSchüler/innen erkennen ihre Ressourcen in Selbst- und Fremdeinschätzung,erkennen die Ressourcen, die die Umgebung für sie bereit hält undnutzen diese optimal.Ein hervorragendes Instrument, welches die Selbstreflexion der Lernendenin Bezug auf ihre individuellen Kompetenzpotentiale ermöglicht undebenso die Entwicklung einer kompetenzorientierten (Kompetenz = gut =Stärke) Lernkultur begünstigt, ist das Stärkenportfolio (Kompetenzportfolio).Anhand ausgewählter repräsentativer Beispiele zeigt es dieganz persönliche Biografie des Lernens und auch die Lerngeschichte.Der Begriff Portfolio bezeichnet eine sinnvolle Sammlung von Arbeiten, mit der Engagement,Leistungen, Erkenntnisse und Entwicklungen in einem oder mehreren Lernbereichen transparentgemacht werden. Arbeiten sind Dokumente aller Art. Das können Tests sein, Zeichnungen,Aufsätze. Es kann sich um Fotos oder Fotoprotokolle von Prozessen und Situationen (z. B.von Vorträgen oder Projektarbeiten) handeln.Kurz: Das Portfolio zeigt die Meilensteine auf dem Weg der individuellen Entwicklung. (Müller2005)Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20088


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungLago SelbstwirksamkeitDie folgenden Ausführungen verstehen sich als Erweiterung der Präsentation „Kompetenz“ unterhttp://bo-hs-gemeinsamlernen.bmukk.gv.at/projekt/meetings/DokumenteAm Lago Selbstwirksamkeit, der vorletzten Station für heute, begegnenwir Albert Bandura. Der kanadische Psychologe arbeitete seinKonzept der Selbstwirksamkeit zum zentralen Bestandteil der sozialenLerntheorie aus.„Selbstwirksamkeit (self-efficacy) ist die individuell unterschiedlichausgeprägte Überzeugung, dass man in einer bestimmten Situationdie angemessene Leistung erbringen kann. Dieses Gefühl einer Personbezüglich ihrer Fähigkeit beeinflusst ihre Wahrnehmung, ihreMotivation und ihre Leistung auf vielerlei Weise“ (Zimbardo/Gerring,1996).Sobald wir erwarten, nichts bewirken zu können, erwägen wir eine Aktion noch nicht einmal.Wenn wir uns den Anforderungen, Erwartungen von Menschen oder Situationen nicht gewachsenfühlen, vermeiden wir, gehen wir ihnen lieber aus dem Weg.Auch wenn wir tatsächlich über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen- und ebenso über denWunsch, sich der Anforderung zu stellen – kann es geschehen, dass wir die Handlung nicht inAngriff nehmen, da wir der Überzeugung sind ( glauben!), dass uns das Nötige fehlt.Selbstwirksamkeit als die Vorstellung über das eigene Können ist nicht mit dem allgemeinenGefühl des Selbstvertrauens zu verwechseln.Es geht um die Wahrnehmung eigener Fähigkeiten, die einer hohen Anzahl von Bewertungenunterliegen.Positive Selbstwirksamkeitserwartung kann, wenn sie einmal vorhanden ist, auf neue Situationenübertragen, generalisiert werden.Die Beurteilung von Selbstwirksamkeit hängt weiters von folgenden Faktoren ab:• Von unseren Beobachtungen der Leistungen anderer,• von Überzeugungen, die wir von anderen übernommen haben, und• von der Beobachtung unserer emotionaler Phänomene, während wir über eine Aufgabenachdenken oder uns an sie heranwagenEin Beispiel: Ängstlichkeit legt niedere Selbstwirksamkeitserwartung nahe, Aufregung weistauf hohe Selbstwirksamkeitserwartung hin (vgl.Zimbardo/Gerring. 1996).Betrachten wir abschließend den Zusammenhang zwischen Kompetenzlernen, Kompetenzraster,Selbstwirksamkeitserwartung, Selbstgesteuertes Lernen und Individualisierung:Lernen ist die persönliche Angelegenheit des Lernenden, ein Nehmen, ein Aneignen, Einprägen,in eigener Entscheidung und immer während. Ethymologisch gehört das Wort „lernen“ zurWortgruppe von „leisten“, welches ursprünglich „nachspüren“ oder „einer Spur nachgehen“bedeutet. So können wir individuelles Lernen wohl betrachten als ein den eigenen Interessen,den eigenen Fragen, den eigenen Lernzielen nachspüren, als ein „In meinen Spuren gehen“.Weil wir einmalig sind!Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 20089


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungIm traditionellen Unterricht liegt die Leistungserwartung eher in einer individuellen Anpassungsfähigkeitan die Lehrpersonen und ihre Prioritäten, an die Lehrbücher, die Stoffauswahl,die Lernschritte…Selbstwirksames Lernen verlangt nach anderen Arrangements. Lernende müssen ihr Lernenselbst in die Hand nehmen können. Ein methodischer Ansatz dabei: Referenzieren.Es geht darum, individuelle Leistungen mit einem Referenzwert in Verbindung zu bringen. DiesenReferenzwert und damit die inhaltliche Basis bilden die Kompetenzraster.Sie beschreiben, was man in einem bestimmten Fachbereich können könnte. Sie bilden dasCurriculum ab in Form einer Matrix. Kompetenzraster stecken damit einen Entwicklungshorizontab, indem sie in differenzierter Weise den Weg beschreiben von einfachen Grundkenntnissenbis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen. Kompetenzraster schaffen Orientierung für dieSchülerinnen und Schüler. Damit wird das Fundament gelegt für individuelles Lernen. Die Lernendenkönnen erkennen, wo sie stehen. Und sie können sehen, was die nächsten Schrittesind. Die Ziele sind klar. Sie sind der individuellen Situation angepasst. Das wiederum erhöhtdie Erfolgswahrscheinlichkeit. (A. Müller, 2006)Selbstgesteuertes Lernen/ Sich den Erfolg organisierenEin Schüler/ eine Schülerin setzt sich ein Ziel und hat die Erwartung, dasseine Handlung zu einem bestimmten Ergebnis führt. In optimistischerSelbstüberzeugung und Kompetenzerwartung ereignet sich Folgendes:Schüler/ Schülerin„ Ich weiß schon, wie ich das mache!“Psychologe/PsychologinEr/Sie zeigt Vertrauen in das eigene Wissen.„ Und ich weiß, wie ich das schaffen kann!“Er/Sie beweist Vertrauen in die erforderlichenselbst-leitenden Fähigkeiten.Selbstwirksamkeitserwartung (perceivedself-efficacy)„Ich bin mir sicher, dass ich mein Zielerreiche!“Er/Sie besitzt Vertrauen, dass das vonihm/ihr erwartete Ergebnis auch tatsächlichherauskommt.Handlungs–Ergebnis-Erwartung ( outcomeexpectancies)„Ich erforsche nun mein eigenes Verhalten.Dabei frage ich mich:Was…?Wie viel…?Wie oft…?Wann…?Selbststeuernde Lernprozesse setzen ein.Er/Sie beginnt seine Lernprozesse zu steuernund begibt sich in die Selbstbeobachtung.Informationen über das eigene Verhaltenwerden eingeholt.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 2008<strong>10</strong>


KL:IBOKompetenzlernen durch Individualisierung und BerufsorientierungWie lange…?Unter welchen Bedingungen/ Umständen…?“„Ich überprüfe, ob ich mein festgelegtesZiel erreicht habe.“Er/Sie ist bei der Selbstbewertung angekommen.Der absolute Maßstab betrifft dieErreichung des festgelegten Ziels.„Nun schau ich mal, was andere so gemachthaben. Ich vergleiche mich abernicht mit allen, nur mit ausgewählten, wichtigenPersonen.“Der sozial-bezogene Gütemaßstab wird nurbei Modellpersonen angelegt.„Hat sich an meinen Kompetenzen etwasverändert? Ich vergleiche meine Ergebnissemit zurück liegenden Leistungen.“Der individual-bezogene Gütemaßstab vergleichtdie eigene Leistung mit Leistungender Vergangenheit.„ Ich bin zufrieden.“oder„Cool, was ich alles kann!“ Ich bin stolz.„ Ich hab eine Belohnung verdient.“Er/Sie lässt uns nun die Selbstreaktion beobachten.Auf diesem Erleben gründet sich die Selbstwirksamkeitserfahrung.„Es geht mir richtig gut, wenn die Ziele sogesetzt sind, dass sie für mich auch erreichbarsind.“„Mega cool, wenn ich mir meine Ziele selbstsetzten kann!“Die Förderung der Selbstwirksamkeit ist unterfolgenden Bedingungen gewährleistet.- erreichbare Lernziele als Herausforderung- Lernziele selbst definieren- Erfolg„Und nun muss ich überlegen, wie es weitergehen soll.Ich werde…Macht echt Spaß!“Ein inneres Auftragsverhältnis entsteht.Entlang der Logik des Gelingens entwickeltsich Freude am Lernen.Und dann macht Lernen Sinn!Eine wichtige erste Etappe durch die KL:IBO - Landschaft ist damit zurückgelegt.Lassen wir uns hier einmal nieder, bevor wir unsere nächste Etappe in Angriff nehmen.The road to success is always underconstruction.Team KL:IBO: Sabine Fritz (Leitung), Peter H. Ebner, Gaby Bogdan, Anita Marksteiner, Johann Rothböck, Hildegund Kanape,Eva Theissl, Isolde <strong>Giesenkirchen</strong> Ein Projekt im Rahmen des Innovationsnetzes net‐I am BMUKK 200811

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