Eltern Jänner 2013 - Kinderfüße-Kinderschuhe

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Eltern Jänner 2013 - Kinderfüße-Kinderschuhe

Erziehung & EntwicklungGut gepolstertMan sieht knubbeligen Babyfüßennicht an, wie filigran sie konstruiertsind – und dass sie ein Viertelaller Knochen im Körper enthaltenText Nathalie Klüver Fotos Sabine DuerichenBereit fürden großenAuftrittBabyfüße brauchen vor allem Luft.Erst später werden guteSchuhe wichtig. Sie entscheiden,wie gesund sich der gesamteBewegungsapparat entwickeln kann52 ELTERN Februar 2013Februar 2013 ELTERN 53


Erziehung & Entwicklunggesund entwickeltJeweils rechts der Fußabdruck einesNeugeborenen, links der vonZweijährigen: Mit der Zeit hat sich einGewölbe unterm Fuß geformtGeht es Füßen ohne Schuhe wirklich am besten?Ja, weil der Fuß ein kompliziertes Gebilde aus 28 kleinen Knochen,zahlreichen Muskeln, Bändern und Sehnen ist, das ambesten ohne äußere Begrenzung funktioniert. Bewegungsfreiheitbeim Auftreten und Abrollen ist in den ersten Lebensjahrenbesonders wichtig, sagt Professor Dieter Rosenbaum vonder Orthopädischen Klinik der Uni Münster. Denn: Nur so bauensich die Muskeln auf, die der Fuß braucht, um sich und denganzen Körper tragen zu können. Je weniger freie Bewegungsmöglichkeiten,desto weniger werden diese Muskeln trainiertund desto wahrscheinlicher werden Fehlstellungen der Füße(zum Beispiel Knick-, Senk- oder Plattfuß), der Beine (X-Bein)oder später sogar der Hüfte.Ab wann braucht mein Kind Schuhe?Eigentlich erst, wenn es sich draußen beim Laufen verletzenoder verkühlen könnte, also irgendwann im Laufe des zweitenLebensjahrs. In der Wohnung sind Stoppersocken die ersteWahl, die ersten Schuhe für draußen sollten eine besondersweiche, flexible Sohle haben.Worauf muss man beim Kauf achten?Gute erste Schuhe sind so knautschbar wie möglich, sagt Dr.Wieland Kinz vom unabhängigen Forschungsteam „Kinderfüße-Kinderschuhe“in Salzburg. Das heißt: Je leichter sich dieSohle mit zwei Fingern zusammendrücken lässt und je leichterman die beiden Schuhenden gegeneinander verdrehen kann,desto besser. Vor allem aber müssen Kinderschuhe passen – unddas hört sich selbstverständlicher an, als es ist. Untersuchungendes Forschungsteams in Deutschland zeigten: Hierzulande tragenzwei Drittel aller Kinder zu kleine Schuhe.Warum reicht es nicht, sein Kind den Schuheinfach anprobieren zu lassen?Weil die tatsächliche Schuhgröße – man glaubt es kaum – in 97Prozent der Fälle von der am Schuh ausgezeichneten abweicht.Doch selbst die berühmte Daumenprobe (bei der das Kind stehenmuss) zeigt manchmal nicht exakt, ob der Schuh passt.Denn: Kinder ziehen oft die Zehen reflexartig ein. Und vielesagen auch nicht, wenn der Schuh drückt. „Kleinkinder könnensich mit zu kleinen Größen arrangieren“, hat Orthopäde DieterRosenbaum festgestellt. Ihre weichen Füße seien noch so leichtverformbar, dass sie in fast jeden Schuh passten.Wann passt ein Schuh wirklich?Im optimalen Kinderschuh sind vorn, vor den Zehen, 12 bis17 Millimeter Platz. Eltern können das entweder an der herausgenommenenInnensohle abmessen oder eine Schablonebasteln: das Kind auf ein Stück Pappe stellen, Fußumriss aufmalen,etwa die Breite eines kleinen Fingers eines durchschnittlichenErwachsenen zugeben, die Schablone ausschneiden undin den Schuh legen. In der Breite und der Höhe soll der SchuhHalt geben, aber nicht zu stramm sitzen. Der Fuß darf hintennicht heraus- und im Schuh nicht hin- und herrutschen.Teppiche von www.heine.de; Decke vorne: Bellybutton über www.julies-muenchen.deSchön gespreiztAls wollten die kleinen Zehenden ungewohnt weichenUntergrund ertasten – erstaunlich,wie flexibel der Fußim Säuglingsalter noch ist54ELTERN Februar 2013Februar 2013 ELTERN 55


Erziehung & EntwicklungWEBTIPPSchicken Sie uns unterwww.eltern.de/babyfuss ein Fotovon den niedlichen Füßchen IhresBabys und gewinnen Sie tolle CrocsAuf eigenen FüssenDie üppige Polsterung hilft noch beiden ersten Geh- und Stehversuchen.Doch die Fetteinlagerungen haben,verglichen mit dem Neugeborenenfuß,schon abgenommen (Foto rechts)Filzwürfel von Hey-Sign über www.ambientedirect.comWie hilfreich ist das WMS-System beim Schuhkauf?Mehrere Schuhmarken wenden das vor mehr als 40 Jahrenentwickelte WMS-System an – es unterscheidet für jedeSchuhlänge drei verschiedene Weiten (weit/mittel/schmal).Professor Dieter Rosenbaum hält das für einen guten Ansatz.Trotzdem gelte: unbedingt immer beide Schuhe in Ruhe anprobieren,eventuell nachmessen.Dr. Wieland Kinz stellte fest, dass auch bei den WMS-Schuhendie Größenangaben nur in drei Prozent der Fälle stimmt.Auch diese Schuhe seien fast immer zu kurz. „Die Idee vonWMS ist gut, die Umsetzung leider mittelmäßig.“Seine Beobachtung: „Der Unterschied zwischen W, M undS besteht häufig nicht in der Breite des Schuhs, sondern nurin der Weite.“ Die Schuhe werden im Ballenbereich einfachverschieden hoch gefertigt. Die Hersteller verändern also nurden Umfang, aber nicht die tatsächlich Breite. Wieland Kinz’Tipp: mit dem Kind verschiedene Marken durchprobieren.Durch einen Klettverschluss oder die Schnürung lasse sich zudemdie Weite noch ein wenig regulieren.Benötigen Kleinkinder-Schuhe ein Fußbett?Nein, auch eine relativ ebene Innensohle ist in Ordnung. Kinderfüßebenötigen weder Stützung noch Lenkung.Sind Gebrauchte okay?Da Füße von ein- bis zweijährigen Kindern um bis zu zweiMillimeter pro Monat wachsen, ist das eine berechtigte Frage.Nicht jeder kann oder will es sich leisten, alle paar Monateneue Stiefel und Hausschuhe zu kaufen. Deswegen zu Gebrauchtenvom Flohmarkt oder von größeren Geschwistern zugreifen findet Wieland Kinz völlig in Ordnung. Aber auch hiergilt natürlich: Der Fuß muss genug Platz haben. BenutzteSchuhe, die sich nicht mehr eignen, erkennt man an stark oderdeutlich einseitig abgelaufenen Sohlen.56ELTERN Februar 2013Februar 2013 ELTERN 57


Erziehung & EntwicklungWeich und flexibelSo sollten die ersten Schuhe sein.Die Sohle lässt sich mit denFingern leicht zusammendrückenSind billige Schuhe automatisch schlechter als teure?Nein, sagt Dr. Wieland Kinz. So einfach ist es leider nicht. Esgibt gute billige und schlechte teure Schuhe.Ist Leder besser als Kunststoff?Auch das kann man nicht einfach bejahen. Synthetikmaterialiensind in den letzten Jahren immer besser geworden, sagtWieland Kinz. Leder an sich sei zwar ein atmungsaktives Material,allerdings müsse man immer genau hinschauen: Bei unsdürfen auch Schuhe, die mit bis zu 0,15 mm Kunststoff beschichtetsind, als „Lederschuhe“ gekennzeichnet werden. Aufder anderen Seite gibt es moderne (synthetische) Funktionsmaterialienmit vorbildlicher Luftdurchlässigkeit.Muss man vor „giftigen“ Schuhen Angst haben?Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat 2011 acht Krabbelschuhe mit weicherSohle und elf sogenannte Lauflernschuhe mit fester Sohleuntersucht und herausgefunden: Fast alle Schuhe enthaltenSchadstoffe, auch Produkte mit selbst verliehenen Ökolabels wie„green“ oder „go green“. Viele sind zum Beispiel mit Chromatbelastet, das beim Gerben des Leders verwendet wird. AndereGifte finden sich in Kunststoff- oder Gummibestandteilen desSchuhs. Nach dem Test erklärten einige Hersteller, die Nachfolgemodellemit weniger Schadstoffen produzieren zu wollen.Fazit: Man muss immer damit rechnen, dass belastete Schuheim Handel sind. Was folgt daraus?• Schuhe, die unangenehm riechen, im Regal stehen lassen.• Dem Kind, wenn es Schuhe trägt, immer Socken anziehen.• So viel wie möglich barfuß laufen lassen.Mein Kind hat sehr oft nasse Füße –liegt das an den Schuhen?Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Schuhe nicht ausreichendatmen. Grundsätzlich schwitzen Kinderfüße genausowie Erwachsenenfüße – wobei manche Menschen stärker dazuneigen als andere. Ständig nasse Füße sind jedenfalls nicht gut,denn: Die aufgeweichte Haut ist empfänglicher für Keime undViren, die zu Fußpilz oder Warzen führen können. Kinder mitentsprechender Veranlagung sollten also besonders atmungsaktivesSchuhwerk tragen. Und es empfiehlt sich, die Schuhenach dem Tragen immer gut durchtrocknen zu lassen. Dasheißt: am besten nicht jeden Tag dieselben Schuhe anziehen.Was von Schuhen zu halten ist, die mit einer atmungsaktivenSohle beworben werden? Bis heute gibt es keine Belegedafür, dass dieses Patent Füße tatsächlich trockener hält.Unser Sohn würde am liebsten immer seineGummistiefel anlassen. Das ist nicht so gut, oder?Nein. Die sollte Ihr Sohn wirklich nur tragen, wenn er siebraucht, weil er durch Matsch und Pfützen rennen will. Undwenn es regnet oder schneit. Gummistiefel bieten meist nichtgenug Halt – das heißt, der Fuß hat zu viel Spiel im Schuh.Und: Weil ein Luftaustausch nur sehr begrenzt über den Schaftmöglich ist, schwitzen die Füße hier besonders schnell.Styling: Lisa Maas; Schuhe von Anna und Paul über www.engelundbengel.com58ELTERN Februar 2013

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