Siedlungsleitbild Raabtal - Raumplanung Steiermark

raumplanung.steiermark.at

Siedlungsleitbild Raabtal - Raumplanung Steiermark

Das Entwicklungskonzept

Raabtal

Handlungsanleitung für eine nachhaltige Siedlungs- und Freiraumentwicklung

Gefördert aus Mitteln der Europäischen Union


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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Inhalt

LH MAG. FRANZ VOVES

Leitbild für eine nachhaltige Regionalentwicklung entlang des Raabtales

LHSTV. HERMANN SCHÜTZENHÖFER

Entwicklungskooperation über die Gemeindegrenzen

LABG. ING. JOSEF OBER

Natur- Lebens- und Wirtschaftsraum Raabtal

HANS MUCHA

Lebensqualität im Fluss

DR. REGINA TRUMMER

Respekt vor der Natur

DI RAINER OPL

CONSPACE-Modellprojekt für integrierte Regionalentwicklung

DI RICHARD RESCH

Ansatzpunkte für eine geordnete Siedlungsentwicklung

DI DANIEL KAMPUS

Siedlungsleitbild Raabtal – Anforderungen an die Örtliche Raumplanung

DI PETER PARTL

Natur- und Lebensraum Raabtal

DI DR. BERNHARD SACKL, DI DR. STEFAN HAIDER

Nachhaltiges Flussraummanagement im Raabtal

DI ADOLF HALUSCHAN

Hochwasserschutz für die Zukunft

DI DR. CHRISTIAN KROTSCHECK

Integrierte Wirtschaftsentwicklung im Raabtal

DI WILHELM SCHRENK

Entwurf für einen Wirtschaftspark Raabtal

DI ALFRED NAGELSCHMIED, DI MONIKA HOFER

Das Regionale Verkehrskonzept

DI RAINER OPL

Das Regionale Entwicklungsprogramm für den Bezirk Feldbach

MAG. DR. SABINE BUCHGRABER, MAG. JOSEF GANSTER, MAG. HERBERT HIRSCHMANN

Das Schulprojekt Raabtal am BORG Feldbach

Impressum:

Medieneigentümer und Herausgeber: Abteilung 16 Landes- und Gemeindeentwicklung,

Stempfergasse 7, 8010 Graz

Konzept und Redaktion: Dipl. Ing. Richard Resch, regionalenwicklung.at Graz

Gestaltung: Michaela Nutz, Graz

Fotonachweis: Abteilung 16 (Seite 26), Baubezirksleitung Feldbach (Seite 16), Schüler BORG Feldbach

(Seiten 10, 30, 31), freiland umweltconsulting (Seite 19), Haider/Sackl (Seite 18), Bild Hauer

(Titel, Seiten 4, 13, 15, 23), Tiefenbach (Seiten 3, 15), Rakusch (Seite 25), Resch (Seiten 12, 17, 28)

Druck: Medienfabrik Graz / Steierm. Landesdruckerei GmbH, Graz 2006

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Leitbild für

eine nachhaltige

Regionalentwicklung

entlang des Raabtales

LH MAG. FRANZ VOVES

Im Jahr 2006 laufen die Vorbereitungen für die neue

Programmplanungsperiode 2007-2013. Ein Schwerpunkt

der auslaufenden Förderperiode, der sich mit

noch höherer Bedeutung in der neuen Phase fortsetzen

wird, ist das Konzept der Regionalisierung. Das

„Europa der Regionen“ hat gegenüber der nationalstaatlichen

Ebene an Bedeutung gewonnen und diese

europäischen Regionen stehen untereinander in

Wettbewerb, bilden fallweise aber auch Kooperationen

zur Verfolgung gemeinsamer Ziele. Dieser Entwicklung

trägt auch das Land Steiermark mit dem im Arbeitsübereinkommen

von SPÖ und ÖVP vereinbarten Konzept

Steiermark der Regionen“ Rechnung, das sich derzeit

in Ausarbeitung befindet.

Es besteht die Gefahr, dass Strukturpolitik sich vornehmlich

auf Wachstumsfelder und Zentralregionen

beschränkt. So wichtig diese Initiativen zur Stärkung

der Wettbewerbsfähigkeit auch sind, darf auf ländlich

geprägte Regionen nicht vergessen werden. Der Bezirk

Feldbach mit dem Raabtal als Hauptentwicklungsachse

hat einen erfolgreichen Weg der nachhaltigen Regionalentwicklung

beschritten. Um diese Entwicklungsmöglichkeiten

im Raabtal als Kernraum dieser Region

auch künftig zu ermöglichen, sind abgestimmte Planungen

zwischen Siedlungsentwicklung, Freiraumplanung

und Wasserwirtschaft notwendig, wie sie im vorliegenden

Fall beispielhaft erfolgt sind. Die Einbindung

regionaler Initiativen und Institutionen, insbesondere

der Baubezirksleitung als Außenstelle der Verwaltung

Vorort mit hohem regionalen Know-how zeigt, dass

kooperative Planung möglich ist. Die Erfolge solcher

Initiativen sind nicht immer kurzfristig sichtbar, bilden

jedoch die Grundlage für eine tatsächlich nachhaltige

Regionsentwicklung. Ich freue mich deshalb über das

Zustandekommen der vorliegenden Publikation; damit

kann einer breiteren Regionsöffentlichkeit gezeigt werden,

welche interessanten Zukunftsplanungen in ihrer

Heimat stattfinden.

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Entwicklungskooperation

über die Gemeindegrenzen

LHSTV. HERMANN SCHÜTZENHÖFER

Die Initiativen in der Region Feldbach haben gezeigt,

dass mit Unterstützung verschiedener Förderschienen

der Regionalentwicklung, kofinanziert aus Mitteln der

Europäischen Union, sich nach und nach das Image

der Region zum Positiven entwickelt hat und mit der Zeit

die Saat der regionalen Initiativen aufgeht. Dies, obwohl

die Rahmenbedingungen in mancherlei Hinsicht

nicht leicht sind, betrachtet man die regionale Verkehrserschließung

und die daraus entstehenden Erreichbarkeitsdefizite

sowie die kleinteilige Gemeinde- und Wirtschaftsstruktur.

Der Ausbau der Verkehrsverbindungen im Raabtal,

wie er derzeit umgesetzt wird, verspricht Verbesserung.

Die Bewältigung der anwachsenden Aufgaben für die

Vielzahl der kleinen Gemeinden in der Region kann

erheblich erleichtert werden, wenn in Zukunft Gemeinden

über ihre Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Die

bisherigen Untersuchungen über die Möglichkeiten zur

Gemeindekooperation zeigen deutlich, dass ein sehr

großes Potenzial besteht, Aufgaben der Gemeinden

effizienter und kostengünstiger, in vielen Fällen aber

auch qualitativ besser erledigen zu können als im Alleingang.

Auch im Raabtal gibt es schon positive Beispiele für solche

Gemeindegrenzen überschreitenden Initiativen. Es

ist unser Ziel, solche Entwicklungen in Zukunft vermehrt

zu unterstützen, damit Strukturen entstehen, die für die

Aufgabenbewältigung der Zukunft gerüstet sind.

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Natur-, Lebens- und

Wirtschaftsraum Raabtal

LABG. ING. JOSEF OBER

Das Raabtal hat sich seit seinem Entstehen über Jahrtausende

immer wieder naturräumlich verändert. Auch

die Besiedelungsformen haben sich in diesem Zeitraum

verändert. Die verstärkte Siedlungstätigkeit im Raabtal

machte auch Wasserbaumaßnahmen notwendig. Der

mit Abstand größte Eingriff erfolgte durch die Nutzbarmachung

des Talraumes. Der kaum nutzbare feuchte

Talboden wurde zum besten Ackerboden umgewandelt.

Zur Bannung der Hochwassergefahr wurde die Laufstrecke

der Raab dramatisch verkürzt und begradigt.

Aus der damaligen Sicht der permanenten Bedrohung

erschien das als exzellente Lösung. Die Folgewirkungen

durch die Problemverschiebung bei der Wasserfracht

und die ökologischen Auswirkungen waren damals

kein Thema. Die wirtschaftliche Entwicklung des vorigen

Jahrhunderts löste auch einen Bauboom aus. Die

scheinbar gebannte Hochwassergefahr verleitete viele,

ihre Bauwerke im Talboden zu errichten. Der strukturelle

und technologische Wandel sowie der Preisverfall in

der Landwirtschaft brachten und bringen eine andere

Form der Bewirtschaftung und damit ein anderes Landschaftsbild

hervor. Die ökologischen Veränderungen

– Klimawandel – bringen extreme Witterungsverhältnisse

von Trockenheit bis sintflutartigen Niederschlägen

hervor. Der globale Wettbewerb und die einseitige Ausrichtung

auf Gewinnmaximierung ohne Rücksichtnahme

auf Mensch und Ökologie konkurriert die Regionalwirtschaft

zu unfairen Bedingungen.

All diese Einflüsse und Entwicklungen wirken auf die

hier lebenden Menschen und deren Lebensraum. Umfangreiche

Expertenstudien analysieren den Istzustand

dieses Raumes und zeigen notwendige Zukunftsszenarien

und Maßnahmen auf. In einem zukunftsweisenden

Leitbild soll auf die Defizite unserer Entwicklung hingewiesen

werden und ein menschlich-ökologisch-ökonomisch

und landschaftlich verträgliches Zukunftsbild

gezeichnet werden. Für diesen Zukunftsweg ist eine Erkenntnis

notwendig: zu Erkennen, dass wir mit unserem

Denken und Handeln unseren Lebensraum prägen. Die

Frage ist nur, ob wir dabei zu 100 % einer globalen

Denke folgen oder ob wir uns eine mehrheitsfähige regionale

Denke zutrauen. Ich sehe es als ökologische

und ökonomische Notwendigkeit an, dass wir uns wieder

stärker auf unseren Lebensraum rückbesinnen und

die menschlichen, naturräumlichen und wirtschaftlichen

Potenziale erkennen.

Der Vulkanlandweg zeigt diese Zukunft auf und geht

mit Beharrlichkeit den langfristig erfolgreicheren Weg

der ganzheitlichen, nachhaltigen regionalen Entwicklung.

Die tägliche Ermutigung, sich von den Träumen

der Vergangenheit und den Ängsten der Zukunft zu

verabschieden und jeden Tag aus der gewünschten Zukunft

heraus zu leben und zu gestalten, trägt bereits

Früchte.

Das von vielen Experten und regionalen Verantwortungsträgern,

unter Beteiligung von Bürgern und Schülern

erstellte Entwicklungskonzept Raabtal unterstützt

uns dabei, in Eigenverantwortung unseren Lebensraum

nachhaltig langfristig zu gestalten. Ich danke allen, die

sich mit ihrem Wissen und Engagement am Gelingen

dieses Werkes beteiligt haben und ihre ganze Kraft in

die langfristige Realisierung der gewünschten Zukunft

investieren werden.

Kirchberg – Rohr


HANS MUCHA

Lebensqualität

im Fluss

Mein Bild der Raab ist von der Kindheit geprägt. Hier fing

ich meinen ersten Fisch, lernte das Rudern und schnitzte

aus den Zweigen der Uferweiden Maipfeiferl.

Bis vor rund 30 Jahren waren die Raabufer im Stadtgebiet

von Feldbach und flussabwärts eine Wildnis, der Fluss

selber ein unglaublich fischreiches Anglerparadies. Mit

der harten Regulierung und gleichzeitig zunehmender

Verschmutzung durch Abwassereinleitung änderte sich

das innerhalb eines knappen Jahrzehntes radikal. Der

Fluss, in dem wir als Kinder gebadet hatten, war zur

schaumgekrönten Kloake geworden. Dramatische Fischsterben

waren an der Tagesordnung.

Damals schloss sich eine Gruppe besorgter Bürger zur

Aktion „Rettet die Raab“ zusammen. Ihr Sprachrohr war

die Bildpost, eine damals noch monatlich erscheinende

regionale Gratiszeitung. Die Kampagne des Blattes rüttelte

auf und mag wohl auch ein wenig zum Umdenken

bei den verantwortlichen Stellen des Landes beigetragen

haben. In den folgenden Jahren startete jedenfalls

ein groß angelegtes Sanierungsprogramm, das im Bau

mehrerer Kläranlagen im Raabtal gipfelte. Rund eine

halbe Milliarde Schilling wurde dabei investiert.

Die Raab hat seither zwar nicht Trinkwasserqualität, aber

immerhin ist es gelungen, die Lebensader des Raabtales

von Wassergüte drei bis vier (also knapp vor dem Kollaps)

auf passable zwei (mäßig verschmutzt) zu verbessern.

Als - durchaus nicht unerwünschte - Nebenwirkung der

damaligen Medienkampagne war in den folgenden Jahren

auch ein Umdenken in weiten Kreisen der Bevölkerung

mit dem Wasser im allgemeinen festzustellen. Es war

plötzlich nicht mehr gesellschaftsfähig, wenn ein Landwirt

Jauche in den Bach rinnen ließ. Weil es eben nicht

mehr „eh schon wurscht“ war. Undenkbar etwa, dass die

Stadtgemeinde Feldbach weiterhin ihren Klärschlamm

per knöcheltiefer „Düngeraufbringung“ auf einem zum

Bach hin abschüssigen Acker in der Nachbargemeinde

Mühldorf entsorgt hätte.

Plötzlich gehörte es geradezu zum guten Ton, für einen

sauberen Fluss einzutreten. Die zweite von der Bildpost

getragene Raab-Aktion, „Mein Quadratmeter Raabtal“,

die ufernahe Ackerflächen der Natur zurückgibt, hatte es

viel leichter. Beim ersten Mal hatte ich noch Inseratenboykott

geerntet, beim zweiten Mal Ehrungen.

Man schmunzelt drüber und freut sich!

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Respekt

vor der Natur

DR. REGINA TRUMMER

Ein Fluss und die Landschaft an seinen Ufern ist Einheit

und Spannungsfeld zugleich.

Harmonische Einheit auf den ersten Blick, der von den

grünen, saftigen Wiesen, den fruchtbaren Äckern und

den Wälder an den Ufern bis zum Wasser schweift.

Spannungsfeld dann, wenn es um die Nutzung des Talraumes

geht, der auf Bewohner, Landwirtschaft, Gewerbe

und Industrie gleichermaßen große Anziehungskraft

ausübt.

Über Jahrhunderte wurden an den Ufern der Raab

Siedlungen errichtet, Landwirtschaft betrieben und der

Lebensunterhalt verdient. Kam man dem Fluss zu nahe,

wehrte er sich in früheren Zeiten mit oft großen Überschwemmungen

gegen menschliche Übergriffe auf die

Natur.

Trotz ihrer Regulierung, die sie einen gewaltigen Teil der

Länge kostete, bleibt die Raab auch heute nicht immer

in ihrem Bett und überflutet bei lang andauernden Regengüssen

gemeinsam mit kleineren Bächen und Zuflüssen

Äcker, aber auch Häuser und Betriebe. Denn

auch wenn das Leben am Fluss heute durch Hochwasserquoten

reglementiert ist, locken kostengünstige

Grundstücke Gewerbe und Industrie immer wieder in

die Nähe der Ufer. Ufer, an denen bei Überschwemmungen

mit großem Aufwand gegen das Wasser angekämpft

und Schäden beseitigt werden müssen.

Schuld an diesen Fehlentwicklungen sind allerdings

weniger Bauwerber und Unternehmer, sondern der

Gesetzgeber, der diese duldet. Und der Glaube an die

technische Überlegenheit des Menschen, die vor den

Gewalten der Natur allerdings allzu oft kapitulieren

muss.

Für die Zukunft eines gedeihlichen Miteinanders an

den Ufern der Raab ist daher Konsequenz gefragt: Wo

siedeln und arbeiten gefährlich ist, muss es unterbleiben.

Ohne Ausnahmen, geht es doch angesichts hoher

Schadenersatzforderungen immer auch um Volksvermögen.

Gefragt ist aber selbst im Zeitalter scheinbar

unbegrenzter Möglichkeiten der Respekt vor der Natur.

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

CONSPACE-Modellprojekt für

integrierte Regionalentwicklung

DI RAINER OPL

Die EU-Gemeinschaftsinitiative INTERREG IIIB bietet für

österreichische Projektpartner die Möglichkeit, transnationale

Projekte zur Raumentwicklung in den Programmen

„Alpenraum“ und „CADSES“ durchzuführen. Das

Land Steiermark hat sich in der laufenden Programmplanungsperiode

in vielfältiger Weise an solchen Projekten

entweder als projektverantwortlicher Lead-Partner

oder beteiligter Projektpartner engagiert.

Für das Raabtal wurden im Rahmen des Programms

CADSES zwei regionale Pilotprojekte durchgeführt:

ILUP, ein Projekt zur Erstellung und Umsetzung eines

Gewässerbetreuungskonzeptes, dessen Ergebnisse

Ende April in der Region vorgestellt wurden.

CONSPACE, ein Projekt zur Entwicklung der Region

südlich der Alpen, in dem die Umsetzungsbetreuung

des Entwicklungskonzepts Raabtal ein Pilotprojekt ist.

Am Beispiel dieser zwei Projekte zeigt sich der modellhafte

Charakter dieser Bearbeitung:

es ist für den Planungsraum Raabtal gelungen, zwischen

Wasserwirtschaft und überörtlicher Raumplanung

abgestimmte Planungen durchzuführen

die Arbeiten wurden nicht mit der Erstellung und

Präsentation eines Konzeptes beendet, sondern eine

Umsetzungsbetreuung und Konkretisierungsphase angeschlossen,

damit die Verwirklichung der erarbeiteten

Ziele und Maßnahmen zumindest begonnen wird

es ist gelungen, die Arbeiten der Wasserwirtschaft

und der Raumplanung, im Rahmen der transnationalen

Projekte ILUP und CONSPACE mit EFRE-Mitteln zu kofinanzieren

und Erfahrungen von Projektpartnern aus

anderen Regionen einzubringen.

Besonders erfreulich ist, dass die Umsetzung der Zielsetzungen

über den üblichen Kreis von Beteiligten

hinaus möglich ist. Schon seit langer Zeit wird vom

Naturschutzbund mit der Aktion „Mein Quadratmeter

Raabtal“ eine wichtige Initiative zur Umsetzung ökologischer

Zielsetzungen mit großem Engagement geführt.

Mit einem Schulprojekt am BORG Feldbach kann eine

neue Zielgruppe von Jugendlichen angesprochen werden.

Wesentlich für die jetzige und zukünftige Umsetzung

ist die Einbindung der Baubezirksleitung als regionaler

Ansprechpartner mit umfassendem Wissen über

Probleme und Lösungsmöglichkeiten der Entwicklung

im Raabtal.

Projektinhalte

Im Raabtal besteht - neben der intensiven landwirtschaftlichen

Nutzung - insbesondere aufgrund von Industrie-

und Gewerbegebietsansiedlungen großer Nutzungsdruck

auf flussnahe Flächen. Um in Anbetracht

der starken Wechselwirkungen zwischen Flussraum und

Talebene eine abgestimmte nachhaltige Entwicklung

im gesamten Talraum sicherzustellen, wurde, in Ergänzung

zu den erarbeiteten gewässerökologischen und

schutzwasserwirtschaftlichen Grundlagen, ein überörtliches

räumliches Entwicklungskonzept für den gesamten

Flussraum erarbeitet. Die zukünftige Entwicklung des

Planungsraumes soll auf Grundlage eines funktionsfähigen

Natur- und Landschaftshaushaltes sowie eines

ansprechenden Landschaftsbildes erfolgen, was durch

eine Schwerpunktsetzung bei der Landschaftsplanung

sichergestellt wurde.

Ziel war die Abstimmung aller bedeutsamen derzeitigen

und mittelfristig absehbaren überörtlichen Raumnutzungsansprüche,

insbesondere:

Industrie- und Gewerbeflächenentwicklung

Wohnsiedlungsentwicklung

Technische Infrastruktur, insbesondere Ver-

kehrserschließung

Wasserwirtschaft

Landwirtschaft, Entwicklung der freien Land-

schaftsräume

Die Landschaftsplanung ist als ein Schwerpunkt des

Entwicklungskonzeptes definiert. Dabei soll der Multifunktionalität

von Freiflächen besonderes Augenmerk

geschenkt werden. Vor allem in den relativ intensiv genutzten

Teilen des Tales gilt es, verträgliche Funktionen

und Nutzungen zu bündeln, zu koordinieren und unverträgliche

Nutzungen zu entflechten.

Daraus ergibt sich für die Gemeinden und die Region

folgender Nutzen:

Informationsbasis für planerische

Entscheidungen der Gemeinden

Grundlage für Überarbeitungen der Flächen-

widmungspläne

Hilfestellung bei gemeindeübergreifenden

Fragestellungen

Grundlage für Behördenentscheidungen

Planungssicherheit für wirtschaftliche

Vorhaben

Vorschläge und Ideen für Entwicklungsaktivitäten

und Gestaltungsmaßnahmen


Ansatzpunkte für eine

geordnete Siedlungsentwicklung

DI RICHARD RESCH

Bevölkerungszuwachs entlang des Talraumes

Gegenüber einer insgesamt nur leichten Bevölkerungszunahme

im Gesamtbezirk Feldbach weist der Talraum

entlang des Raabtales eine vergleichsweise dynamische

Entwicklung auf. In den letzten 15 Jahren bis 2005

wuchs die Bevölkerung um 6 % auf knapp 30.000 Einwohner.

Diese dynamische Entwicklung ist insbesondere auf

den Zuzug aus den peripheren, ländlichen Gemeinden

zurückzuführen. Die stärksten prozentuellen Bevölkerungsgewinne

entlang des Raabtales verzeichneten

Pertlstein, Gniebing-Weißenbach, Feldbach, Leitersdorf

und Lödersdorf, der absolute Bevölkerungszuwachs der

Bezirkshauptstadt Feldbach zwischen 1991 und 2005

beläuft sich auf 500 Einwohner.

Der Bevölkerungszuwachs der letzten Jahrzehnte wird

sich laut ÖROK-Prognose nicht fortsetzen. Wie in der

gesamten Steiermark, ist zukünftig mit rückläufigen Bevölkerungszahlen

zu rechnen. Der allgemeine Trend

zur Abwanderung aus dem Hinterland in die zentraler

gelegenen Talräume wird jedoch auch weiterhin anhalten.

Damit verbunden sind voraussichtlich weitere

Bevölkerungsgewinne im Raum Feldbach und weitere

Verluste in schon derzeit stagnierenden peripheren Gemeinden.

Zusammengefasste Strukturdaten

Gesamtfläche der 18 Gemeinden:

Anteil Dauersiedlungsraum:

Fläche des Planungsraumes Raabtal:

Einwohner 2001 im Bezirk Feldbach:

Einwohner 2001im Planungsraum:

Anteil an den Gesamteinwohnern

des Bezirks Feldbach 2001:

Einwohner 01.01.2005 im Planungsraum:

Prognose der Bevölkerungsentwicklung

für den Bezirk Feldbach

Feldbach 2001 - 2011 (ÖROK, 2004):

Feldbach 2001 - 2021 (ÖROK, 2004):

Durchschnittliche Haushaltsgröße

im Planungsraum 1991:

Durchschnittliche Haushaltsgröße

im Planungsraum 2001:

Zahl der Haushalte im Planungsraum 2001:

251,98 km²

68 %

82,50 km²

67.200 EW

29.423 EW

43,8 %

29.990 EW

-1,0 %

-2,0 %

3,5 Personen

3,0 Personen

10.223

Nutzungsdruck auf Gunstlagen des Raabtales

Im Zusammenhang mit einer dynamischen Bevölkerungsentwicklung,

einer weitgehend dispersen Siedlungsentwicklung,

der Neuansiedlung von Betriebs- und

Einkaufsstandorten und damit zusammenhängenden

Infrastrukturerfordernissen hat sich der Nutzungsdruck

auf den Talraum in den vergangenen Jahrzehnten deutlich

verschärft.

Insbesondere im Talraum entlang der Raab konkurrenziert

die Siedlungsentwicklung die Erfordernisse der

zunehmend intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung,

die letzten verbliebenen Grünzonen und die Hochwas-

Entwicklung der Wohnbevölkerung im

Zeitraum 1981 bis 2005

Gemeinde

Das Entwicklungskonzept Raabtal

EW

VZ 1981

EW

VZ 1991

EW EW

VZ 2001 1.1.2005

Änderung

EW 81-05

St. Margarethen / R. 3.580 3.614 3.636 3.807 6,3%

Eichkögl 1.256 1.238 1.226 1.211 -3,6%

Studenzen 629 668 681 708 12,6%

Fladnitz im Raabtal 713 698 739 747 4,8%

Kirchberg a. d. Raab 1.623 1.784 1.892 1.868 15,1%

Edelsbach 1.295 1.309 1.371 1.366 5,5%

Oberstorcha 599 588 580 606 1,2%

Paldau 1.970 2.066 2.081 2.053 4,2%

Gniebing-Weißenbach 1.854 1.940 2.054 2.187 18,0%

Feldbach 4.006 4.228 4.680 4.728 16,3%

Mühldorf 2.712 2.701 2.905 2960 9,1%

Raabau 544 542 558 577 6,1%

Leitersdorf im Raabtal 508 535 575 593 16,7%

Lödersdorf 654 640 678 709 8,4%

Pertlstein 713 734 796 839 17,7%

Johnsdorf-Brunn 803 777 750 790 -1,6%

Fehring 3.192 3.201 3.169 3.164 -0,9%

Hohenbrugg-Weinberg 1.108 1.044 1.087 1.077 -2,8%

Gesamt 27.819 28.307 29.458 29.990 5,9%

7


Land, übergeordn.

Entwicklungen

Konkrete zukunftsweisendePlanungsund

Gestaltungswege

für das Raabtal

Planungshorizont

10 Jahre

Brücksichtugung der

Veränderung der

Rahmenbedingungen

8

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Baulandreserven bei einem Vielfachen des

Bedarfes

Überdurchschnittliche Grundstücksgrößen (über 1.000

m²) und überdurchschnittliche Ausweisungen von

Wohnbauland pro Einwohner weisen auf einen exzessiven

Flächenverbrauch im Bezirk Feldbach hin.

Die potenziellen, gewidmeten Baulandreserven im

Planungsgebiet entlang des Raabtales betragen rund

180 ha. Die größten, relativen Flächenreserven liegen

in den Gemeinden Leitersdorf, Hohenbrugg-Weinberg

und Fehring mit jeweils mehr als 50 % Baulandreserven

gemessen am gesamt ausgewiesenen Bauland.

Trotz der generellen Qualifizierung der Flächenwidmungspläne

im Rahmen der Revisionen konnten die

Baulandflächen jedoch kaum verringert werden. Bei Annahme

einer künftigen Wohnbevölkerung von 30.500

Personen und einer durchschnittlichen Haushaltsgröße

von 2,85 im Jahr 2011 ergibt sich ein theoretischer

Bedarf von rund 530 weiteren Wohnungen. Dies entspricht

einem Gesamt-Baulandbedarf von rund 32 ha

(Szenario Trend) bzw. 25 ha (Szenario Flächensparen)

bis 2011.

Unter Einrechnung eines Mobilitätsfaktors von 2,5 liegt

der Gesamt-Baulandbedarf bei 80 ha (Szenario Trend)

bzw. 62 ha (Szenario Flächensparen).

Dem stehen Baulandreserven von rund 180 ha im

Raabtal gegenüber. Selbst unter Einrechnung eingeschränkter

Verfügbarkeit (Mobilitätsfaktor 2,5) ist für

das Raabtal ein 2 bis 3-facher Baulandüberhang festzustellen.

In einzelnen Gemeinden liegt der Überhang

noch deutlich darüber.

Ausgangslage

Trends, Ziele

Potenziale, Konfl ikte

Restriktionen

Szenarien, Konfl iktanalyse,

Hot spots

Entwicklungsleitbild

Räuml. Entwicklungskonzept,

Landschaftsrahmenplan

Planungsraum

Steuergruppe

Dienststellen, Gemeinden,

Interessenvertretungen

Empfehlungen

Regionales Entwicklungsprogramm

Gesamtbilanz Aktionsprogramm

Zunehmende Kosten für technische und soziale

Infrastruktur

Die technische Infrastruktur stellt einen wesentlichen

Entscheidungsfaktor für die Baulandausweisung dar.

Gerade hier liegen beträchtliche Einsparungspotenziale,

über die Land und Gemeinden gemeinsam entscheiden.

So ist der Aufwand für die innere Erschließung je

Wohneinheit in Gemeinden mit vorwiegend Einfamilien-

hausbau rund doppelt bis fünfmal so hoch wie bei dichteren

Bauformen.

Laut einer Studie der Österreichischen Raumordnungskonferenz

werden im Durchschnitt nur 37 % der Investitionskosten

der technischen Infrastruktur aus Anschluss– und

laufenden Gebühren finanziert. Die Förderungen von Bund

und Ländern erreichen 47 % der Investitionskosten. Die

Gemeinden finanzieren aus dem allgemeinen Budget 16

% der Investitionskosten. Diese Aufteilung zeigt eindringlich,

dass die Gemeinden zwar die Planungshoheit bei der Widmung

von Bauland haben, in Relation zu Bund und Land

von den Folgekosten disperser und damit teurer Widmungen

aber nur in relativ geringem Ausmaß betroffen sind.

In diesem Zusammenhang werden auch Überlegungen zur

sozialen Infrastruktur immer bedeutender. So wird etwa die

Alten- und Krankenpflege nach wie vor zu einem großen

Teil durch die Familien und karitative Vereine aufrechterhalten.

Aufgrund der verstärkten Individualisierung der Gesellschaft

werden diese Leistungen jedoch mehr und mehr durch die

öffentliche Hand zu übernehmen sein. Dies wird vor allem

in Streusiedlungslagen, in Zusammenhang mit einer zunehmenden

Überalterung der dort ansässigen Bevölkerung, zu

einer Zunahme der Kosten führen.

Kompakte Siedlungsräume als mögliche Kostenbremse

Aus Sicht der Raumplanung sind daher kompakte

Siedlungsgebiete weiterzuentwickeln und ist einer Zersiedelung

entgegenzuwirken.

Insgesamt lässt sich ableiten, dass die wichtigsten Prinzipien

einer nachhaltigen Siedlungsstruktur aus regionaler

Sicht eine durchmischte Nutzung, eine Verdichtung

der Siedlungsstrukturen sowie regional gut verteilte

Zentren darstellen.

Ein Regionales Siedlungsleitbild für das Raabtal

Die Siedlungsentwicklung der Region wird von einer

weiteren Bevölkerungsverschiebung vom Hinterland in

die Talräume und in die regionalen Zentren bestimmt

werden. Die Baulandentwicklung und Wohnbautätigkeit

sind diesen Rahmenbedingungen - Bevölkerungszuwachs

im Talraum und Bevölkerungsrückgang im

Hinterland - anzupassen.

Um eine weitere, durchgehende Zersiedlung des Talraumes

entlang der Verkehrslinien zu vermeiden, soll

die Siedlungstätigkeit jedoch auf geeignete, gut aufgeschlossene

Siedlungsschwerpunkte konzentriert werden.

Im Sinne einer generellen Rücknahme des Baulandangebotes

auf den zu erwartenden Bedarf sind ungeeignete

und disperse Widmungen zurückzunehmen und

entsprechende Baulandgrenzen festzulegen.


Ein weiteres Ziel ist die überörtliche Abstimmung der

Wohnbautätigkeit und die Anpassung der Wohnungspolitik

auf neue, bedarfsgerechte Wohnformen.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der B 68 ergeben

sich neue Wohnqualitäten entlang der Haltestelleneinzugsbereiche

am Nordrand des Raabtales (Siedlungsachse

Fladnitz - Gniebing - Raabau - Johnsdorf-Brunn),

die gezielt zu entwickeln sind. Dazu zählt auch eine Entflechtung

von Wohnen und großflächiger gewerblicher

Entwicklung.

Das Gebiet Gniebing - Feldbach - Mühldorf - Raabau

- Leitersdorf bildet den knapp 10.000 Einwohner

umfassenden Zentralraum Feldbach. Entscheidend für

die weitere Entwicklung dieses zentralen Entwicklungsgebietes

ist die Festlegung von Kernkompetenzen und

-funktionen der Bezirkshauptstadt und eine aktive Kooperation

und Abstimmung mit den Umlandgemeinden.

Diese betreffen insbesondere eine abgestimmte,

gemeinsame Infrastruktur- und Standortpolitik. Die

Verringerung von Interessenskonflikten und Nutzung

entsprechender Synergien ist die Voraussetzung für die

Konkurrenzfähigkeit dieses Entwicklungsraumes und

des gesamten Bezirkes.

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Die Wohn- und Lebensqualität soll durch die Entwicklung

eigenständiger örtlicher Profile und begleitende

Stadt- und Ortsentwicklung verbessert werden.

Schwerpunktbereiche für Ortsentwicklungsmaßnahmen,

Revitalisierungen und spezifische Profilierungen

sind insbesondere:

Innenstadt Feldbach

Zentrum Fehring

St. Margarethen

Die Erhaltung und Weiterentwicklung der zentralörtlichen

Einrichtungen erfordert eine enge Abstimmung

zwischen den Gebietskörperschaften und Verbänden.

Die Abstimmung bezieht sich auf ordnende Maßnahmen

genauso wie auf Entwicklungsmaßnahmen bei gemeinsamen

Wirtschafts- und Infrastrukturinvestitionen.

Durch eine gemeindeübergreifende, überörtliche

Raumplanung ist der eingeschränkten Sichtweise der

bisherigen Gemeindeplanung entgegenzuwirken (z.B.

überregionale Siedlungsentwicklung, Standortentwicklung

für Gewerbe- und Handelsbetriebe, Einrichtung

gemeinsamer kommunaler Infrastrukturen).

„Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre haben zu einem Umdenken geführt. Die Verantwortlichen in den

Gemeinden sind großteils nicht mehr bereit, gefährdete Flächen in das Bauland aufzunehmen, um Schäden bzw.

Anschüttungen mit entsprechenden Abflussverdrängungen zu vermeiden. In den kommenden Revisionen werden

auch Rückwidmungen ein Thema sein.“

Arch. DI Hans Morawetz

Entwicklungsmodell Raabtal

© resch,regionalentwicklung.at

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

ENTWICKLUNGS-

SCHWERPUNKTE

Regionales Zentrum/ Standortraum

Feldbach - Umgebung

Teilregionale Versorgungszentren-

Nahversorgungszentren

St. Margarethen, Kirchberg a.d.

Raab, Fehring

Regionale Wohnstandorte

Feldbach, St. Margarethen,

Kirchberg a.d. Raab, Fehring

Verstärkung der Wohnfunktion

auf lokaler Ebene – Auffüllung /

Nutzungsentflechtung

Fladnitz, Rohr a.d. Raab, Gniebing,

Lödersdorf, Brunn

Örtliche Siedlungsschwerpunkte

Rückführung von Widmungsüberhängen

Flächensparende Siedlungsentwicklung

ZIELE / MASSNAHMEN

Einrichtung eines Informations- und Kooperationsforums für überörtliche Entwicklungs-

und Abstimmungsfragen

Gemeindeübergreifendes Siedlungs- und Infrastrukturkonzept

Sicherung der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs

Kontrollierte Siedlungsentwicklung in gut ausgestatteten Gunstlagen

Verstärkte Bedarfsorientierung, Spezialisierung und Marketing bei geförderten Wohnbauvorhaben

Bodenbeschaffung und Mobilisierung ausgewiesener und aufgeschlossener Baulandpotenziale

Besondere Berücksichtigung Bodensparender Siedlungsformen

Verbesserung der Wohnqualität durch Maßnahmen der Stadt- und Ortsentwicklung

und Wohnumfeldverbesserung sowie der Gestaltung des Freiraumes

Erhaltung des Bevölkerungspotenzials als Grundlage für Standortsicherung und Infrastrukturerhaltung

auf lokaler Ebene

Entflechtung von Wohnen und gewerblicher Entwicklung im Zusammenhang mit dem

Ausbau der B 68 und der sich daraus ergebenden neuen Wohnqualitäten

Bodenbeschaffung und Mobilisierung ausgewiesener und aufgeschlossener Baulandpotenziale

(Siedlungsverdichtung)

Verbesserung der Wohnqualität durch Maßnahmen der Stadt- und Ortsentwicklung

und Wohnumfeldverbesserung sowie der Gestaltung des Freiraumes

Konzentration der Siedlungstätigkeit auf die im Regionalplan festgelegten und mögliche

zusätzliche - durch die Gemeinden - festzulegenden Siedlungsschwerpunkte

Rücknahme ungeeigneter und disperser Widmungen (Hochwasserüberflutungsbereiche,

Nutzungsentflechtung, Verkehrsbeeinträchtigung, Rand- und Einzellagen)

Eine flächensparende Siedlungsentwicklung ist durch die Erhöhung des Anteils von

flächensparenden Wohnbauformen und Einsetzung eines Maximalwertes von 800 m²

bei der Berechnung des Wohnbaulandbedarfes für die durchschnittliche Fläche von

Einfamilienhausbauplätzen sicherzustellen.

„Das Raabtal bildet einen beherrschenden Landschaftsraum des Bezirkes und bedingt damit eine sorgfältige Planung erforderlicher

Wirtschaftsstandorte. Das Entwicklungskonzept Raabtal ist daher auch ein wichtiges Anliegen der regionalen

Wirtschaft.“

Mag. Josef Majcan, Wirtschaftskammer Steiermark, Regionalstelle Südost


DI DANIEL KAMPUS

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Siedlungsleitbild Raabtal

Anforderungen an

die Örtliche Raumplanung

Das vorliegende Entwicklungskonzept für das Raabtal

bietet neben dem derzeit in Ausarbeitung befindlichen

Regionalen Entwicklungsprogramm für den Gesamtbezirk

Feldbach eine ausgezeichnete Handlungsanleitung

für die von den Gemeinden in ihrem eigenen Wirkungsbereich

zu erstellenden Örtlichen Entwicklungskonzepte

und Flächenwidmungspläne.

Für die künftige Umsetzung der vorgeschlagenen Ziele

und Maßnahmen auf örtlicher Ebene wird insbesondere

das Örtliche Entwicklungskonzept als das strategische

Planungsinstrument der Gemeindeentwicklung

der nächsten 15 Jahre gefordert sein. Mit der ROG-

Novelle LGBl. 13/2005 hat die Steiermark dieses Örtliche

Entwicklungskonzept inhaltlich wesentlich aufgewertet

und es auch erstmals der Genehmigungspflicht

durch die Landesregierung unterworfen. In der planlichen

Darstellung („Entwicklungsplan“) sind u.a. auch

überörtliche Vorgaben verpflichtend zu übernehmen.

Die erforderliche Detailabgrenzung von überörtlichen

Vorrangzonen und insbesondere die notwendige Abgrenzung

von überörtlichen und örtlichen Siedlungsschwerpunkten

ist wesentlicher Bestandteil der künftigen

Entwicklungsstrategie jeder Gemeinde.

Im § 21 des Raumordnungsgesetzes ist im Absatz 1

nun definitiv festgelegt, dass Gemeinden ihre Örtlichen

Entwicklungskonzepte mit den Nachbargemeinden abzustimmen

haben. Dies wird sicherlich auch im Raabtal

dazu beitragen, dass fallweise noch vorhandene Standortkonkurrenz

zu Gunsten einer engeren Kooperation

und Nutzungsabstimmung aufgegeben wird.

Die Abstimmung der oftmals konkurrierenden Nutzungsansprüche

an das Raabtal im Hinblick auf Industrie

und Gewerbe, auf Erholung und Freizeit, auf

Wohnnutzung sowie im Hinblick auf die sich verändernde

Landwirtschaft muss sicherlich mit einem Blick

über die Gemeindegrenzen erfolgen. Dabei sind zur

Umsetzung dieser Ziele, wie der langfristigen Sicherung

der Freihaltebereiche, Grünzonen und Landschaftskorridore

im Entwicklungsplan der Gemeinden, die erarbeiteten

Grundlagen des vorliegenden Konzeptes für

das Raabtal ein wesentlicher Bestandteil.

Eine Rücknahme von vorhandenen Fehlentwicklungen

zugunsten der Entwicklung in zentralen Ortslagen wird

in Hinkunft bei der Überarbeitung der Örtlichen Entwicklungskonzepte

und Flächenwidmungspläne durch

die Baulandmobilisierung nach § 26 unterstützt.

Die Beschränkung der Siedlungsentwicklung auf die

geeigneten zentralen Ortslagen und die Verhinderung

einer weiteren Zersiedelung wird im Gleichschritt mit

einer ausgewogenen Entwicklung aller Gemeinden des

Raabtales bzw. des Bezirkes stattfinden müssen.

Mit der Fertigstellung der B 68 werden zahlreiche zentrale

Wohnbereiche in guter Lage in ihrer Wohnqualität

wieder stark zunehmen und es wird ein Ausweichen in

periphere Lagen nicht mehr argumentierbar sein. Aufgabe

der örtlichen Raumplanung wird es auch sein,

diese neue Straßenverbindung als „echte Umfahrung“

zu erhalten und nicht durch die Ansiedlung von neuen

Gewerbezonen und die Ausdehnung von Wohngebieten

diese neu gewonnenen Standortvorteile wieder zu

schwächen.

„Durch eine langfristige, vorausschauende Planung

konnte in Kirchberg a.d. Raab eine klare Strukturierung

von Wohngebieten, gemischten und landwirtschaftlichen

Funktionen und dem überörtlichen

Gewerbeschwerpunkt Berndorf erreicht werden. Es

ist dies ein gutes, lokales Beispiel für die Umsetzung

des Entwicklungskonzeptes Raabtal.

Ausschnitt Regionalplan, Entwurf

DI Silvia Kerschbaumer-Depisch

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Natur- und Lebensraum Raabtal

DI PETER PARTL

Raabfluss als prägendes naturräumliches

Element

Das Raabtal ist Teil des Oststeirischen Hügellandes, das

durch die Abfolge von sanften Rücken und weichen Tälern

charakterisiert ist. Den größten Teil des 1,5 bis 2

km breiten Talbodens nehmen Sedimente der Raab ein.

Im Mündungsbereich der Seitengerinne wurden flache

Schwemmfächer oft weit auf den Raabtalboden vorgebaut,

welche zum Teil von der Raab durchschnitten

wurden. Die Raab schüttet vorwiegend mittelschweres,

in der Nähe des Gerinnes auch leichtes Schwemmmaterial

auf. Gegen den Talbodenrand hin ist bindiger

Aulehm vorherrschend. Nasse oder feuchte Standorte

sind infolge von Flussbaumaßnahmen nicht mehr anzutreffen.

Die leichten Böden neigen etwas zur Trockenheit,

die mittelschweren weisen einen ausgeglichenen

Wasserhaushalt auf. Die bindigen Aulehme tendieren

infolge ihrer geringen Durchlässigkeit zu Tagwasserstau.

Das Klima ist schwach kontinental getönt. Die durchschnittliche

Jahresniederschlagssumme schwankt je

nach Höhenlage zwischen 800 und 900 mm/Jahr, der

Großteil der Niederschläge fällt im Sommer. Das langjährige

Jahresmittel der Temperatur liegt bei 8,4° C.

Die Dauer der Vegetationszeit ist abhängig von der

Höhenlage, so dauert die Vegetationsperiode von Weiz

bis Studenzen 220 - 240 Tage, östlich von Studenzen

bereits über 240 Tage.

Auwaldvegetation fast verschwunden

Das Gebiet liegt zur Gänze in der Laubmischwaldstufe,

auf den Höhenrücken sind aufgrund der trockenen,

schotterigen Standorte bodensaure Föhren-Stieleichen-

Wälder mit eingesprengten Edelkastanienbeständen zu

finden. Die nordseitigen Hänge, Gräben und Schluchten

sind vor allem durch Buchen geprägt. Neben reinen

Laubmischwäldern sind auch Fichtenwälder anzutreffen,

deren Vorkommen auf forstwirtschaftliche Maßnahmen

zurückzuführen ist.

Die azonale Auwaldvegetation im Raabtal ist fast zur

Gänze zerstört. Es dominieren Ackerland und Wiesen.

Es handelt sich dabei um ertragreiche Ackerböden mit

oftmals großflächigen Monokulturen. Gewässer wurden

großteils begradigt, Strukturelemente und ökologisch

wertvolle (Rest-)Flächen kommen nur mehr in untergeordnetem

Ausmaß, v.a. im Bereich von Altarmen der

Raab, vor. Hier finden sich auch ehemalige Schottertei-

che, hochwertige Verkehrsinfrastrukturen und hochrangige

Industrie- und Gewerbestandorte.

Naturschutzgebiete

Folgende Naturschutzgebiete gemäß Stmk. Naturschutzgesetz

1976 sind ausgewiesen:

Altarm der Raab in der Gemeinde Edelsbach

Altarme der Raab in den Gemeinden Raabau

und Leitersdorf

Altarme der Raab in den Gemeinden Leitersdorf

und Lödersdorf

Altarme der Raab in der Gemeinde Hohen-

brugg-Schiefer

Darüber hinaus sind in der Region zahlreiche kleinere

schutzwürdige Biotope ausgewiesen.

Altarme

Die Altarme der Raab zeigen noch ansatzweise den

Verlauf der Raab vor der Regulierung. Altarme sind

die letzten Reste einer Struktur mit besonderer ökologischer

Bedeutung. Ihre Funktion und ihr Habitus sind

jedoch stark von der Nutzung des Umlandes abhängig.

Sie befinden sich meistens inmitten einer monotonen

Kulturlandschaft teilweise sogar ohne begleitende Vegetation.

Revitalisierung Altarm Rohr


Die landwirtschaftliche Nutzung

88 % der kultivierten Flächen im Talraum sind ackerbaulich

genutzt. Dies spiegelt die geringe Strukturausstattung

und intensive Nutzung des Raabtales wieder. Ausserhalb

des Talraumes tritt die ackerbauliche Nutzung

in den Hintergrund. Die höher gelegenen und teilweise

auch steileren Bereiche sind durchwegs bewaldet.

Intensivobstbau - durchwegs Apfelplantagen - wird

im Talraum auf ca. 1 % der Flächen betrieben. Der

überwiegende Anteil dieser Intensivkulturen liegt am

Talrand- und Hangfußbereich. Sonnige Hangbereiche

bilden sehr gute Voraussetzungen für intensiven Obst-

und Weinbau. Der prozentuelle Anteil von Streuobstwiesen

liegt bei 1 %.

Wiesen haben im Talraum einen Flächenanteil von 9 %

an der Kulturfläche. Die Wiesen- und Weidenutzung

erfolgt bevorzugt auf höher gelegenen Flächen bzw.

Flächen mit stärkerer Hangneigung.

Vergleicht man die Betriebsformen mit jenen der gesamten

Steiermark, so ist eine stärkere Spezialisierung

der Betriebe in Richtung Ackerbau (Getreide, Mais,

Hülsenfrüchte, Raps, Rüben, Sonnenblumen, etc.) festzustellen.

Der Anteil der Marktfruchtbetriebe liegt mit

18 % deutlich über dem Landesdurchschnitt. Im Gegensatz

dazu liegt der Anteil der Futterbaubetriebe

(Rinder-, Pferde-, Schaf-, Ziegenhaltung) deutlich unter

dem landesweiten Schnitt. Der Anteil von Veredelungsbetrieben

(Schweine-, Geflügelhaltung) liegt über dem

steiermarkweiten Durchschnitt. Der hohe Anteil an Veredelungsbetrieben

ergänzt den Anteil der Marktfruchtbetriebe

(in der Region produzierte Marktfrüchte werden

in den Veredelungsbetrieben verwertet).

Der Anteil der landwirtschaftlichen Gemischtbetriebe

(Marktfrucht, Futterbau, Veredelung und Dauerkulturen

jeweils unter 50 % Anteil am betrieblichen Standarddeckungsbeitrag)

ist im Bearbeitungsgebiet doppelt so

hoch wie auf Landesebene. Grund dafür sind unter anderem

die naturräumlichen Voraussetzungen, die auch

die Bewirtschaftung von Dauerkulturen (Obstanlagen)

zulassen.

Entwicklungstrends

Weiterführung der ackerbaulichen Nutzung

im Talraum

Maximale Ausnutzung bewirtschaftbarer Flächen

mit negativer Beeinträchtigung der Gewässer

(Nähr- und Schwebstoffeintrag)

Zunahme der Nebenerwerbsbetriebe

Intensivierung der Schweinehaltung je Betrieb,

leichter Rückgang der Gesamtschweineproduktion

Ansteigen der Stückzahl von Geflügel je

Betrieb mit gleichzeitigem Rückgang geflügel-

haltender Betriebe

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Verkauf / Verpachtung von Ackerflächen im

Talraum, Nutzungsaufgabe und Aufforstung

im Hügelland

Leitlinien für ein regionales Freiraumkonzept

Eine Verbesserung und Aufwertung des Landschaftsbildes

im Raabtal geht mit einer Aufwertung der Strukturausstattung

im Talraum einher. Konkret sind die strukturelle

Aufwertung der Uferbegleitvegetation an der Raab und

deren Nebengewässern sowie Extensivierungsstreifen

entlang von Wirtschafts- und Gemeindewegen ebenso

anzustreben wie ein strukturierter Übergang von Siedlungs-

und Gewerbegebieten zum Umland.

Um den Wert und die Eigenart der Kulturlandschaft

Raabtal” zu vermitteln, müssen deren Strukturen, Potenziale

aber auch Defizite formuliert und der Öffentlichkeit

bekannt gemacht werden.

Zur Aufrechterhaltung und Aufwertung der Kulturlandschaft

sind auch regionale Eigenmittel zur Abgeltung

von Landschaftspflegemaßnahmen gefordert.

Die natürliche und kulturelle Eigenart der Region ist bei

allen bestehenden und geplanten Nutzungsaktivitäten

zu berücksichtigen.

Die vorhandenen Restbiotope sind zu erhalten und im

Sinne des Biotopverbundes zu ergänzen, akute Störungen

und Schäden sind zu sanieren. Die Erhaltung, Pflege

und Entwicklung der landschaftlichen Vielfalt darf

sich nicht nur auf isolierte Aktivitäten beschränken, sondern

sollte bei sämtlichen Flächen beanspruchenden

Vorhaben Berücksichtigung finden.

„Die Ausweisung von landwirtschaftlichen Vorrangzonen soll die

Gunstlagen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung erhalten.

Darüber hinaus erfüllen diese Flächen auch wichtige Funktionen für

den Wasserrückhalt und für die Raumgliederung.

Ing. Hubert Vorraber, Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft

Raabtal, Pertlstein Mühle

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

ENTWICKLUNGS-

SCHWERPUNKTE

Landschaftskorridore

Grünzone entlang der Raab

Ökologische Kernzonen

Bereiche mit Leitfunktion

Gewässerökologie

Entwicklungsbereiche Strukturausstattung

an Fließgewässern

Entwicklungsbereiche Strukturausstattung

in Landwirtschaftlichen

Vorrangzonen

Landwirtschaftliche Vorrangzonen

- Flächen mit besonderer

Standorteignung für die

landwirtschaftliche Produktion

(insbesondere Ackerbau)

Bereiche extensiver Nutzung -

Kulturlandschaft mit weitgehend

kleinbetrieblicher Landwirtschaft

ZIELE / MASSNAHMEN

Nutzbarkeit der Landschaftskorridore zur Naherholung verbessern

Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Naherholungsbereich

Verbesserung des Ausstattungsgrades von Strukturelementen

Grünflächensicherung im Rahmen der Flächenwidmung

Sicherstellung des Landschaftscharakters aus Mitteln eines regionalen Förder-

programms für die Erhaltung und Pflege von extensiven Bereichen

Sicherung und Bestandsverbesserung des Uferbegleitsaumes

Einhaltung eines Puffers entlang der Raab, der von schädigenden anthropogenen

Eingriffen freizuhalten ist

Allgemeine Gestaltungsmaßnahmen und Inwertsetzung entlang von Fließgewässern

Ausweitung der gewässernahen Lebensräume

Einbeziehung der Freizeit- und Erholungsnutzung

Erhaltung und Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit

Prioritäre Behandlung der ökologischen Funktion gegenüber anderen Nutzungsansprüchen

Schutz und Sicherung der wertvollen Strukturen

Entwicklung spezifischer Nutzungskonzepte und Pflegemaßnahmen zur Sicherung der

lokalen Besonderheiten

Flächensicherung im Rahmen der Flächenwidmung

Bestandssicherung durch ein regionales Förderprogramm zur Erhaltung und Pflege

von extensiven Bereichen

Gezielte Bestandserweiterung zu einem Biotopverbundsystem

Ausweitung der Hochwasserretentionsräume

Schutz vor Verunreinigung der Gewässer

Allgemeine Gestaltungsmaßnahmen und Inwertsetzung entlang von Fließgewässern

Aufweitung der gewässernahen Lebensräume

Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Zustandes

Freihaltung von gewässerökologischen Vorrangflächen von konfliktträchtigen

Nutzungsinteressen

Dynamisierungsmaßnahmen entlang von Fliessgewässern

Sicherung und Entwicklung der Ufersaumstrukturen als Begleit- u. Orientierungselemente

Pflegesicherung durch ein regionales Förderprogramm zur Erhaltung von extensiven

Bereichen

Einbringung von Gliederungsstrukturen entlang von Feld- und Radwegen

Pflegesicherung durch ein regionales Förderprogramm zur Erhaltung von extensiven Bereichen

Schaffung von ökologischen Ausgleichsflächen im Zuge von Zusammenlegungsverfahren

Sicherung der Flächen vor Beeinträchtigungen anderer Nutzungsinteressen

Gezielte Förderung der ökologischen Landbewirtschaftung und kleinbetrieblicher

Landwirtschaft

Verbesserung der agrarstrukturellen Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung der

traditionellen Landbewirtschaftung (Flächensicherung und -arrondierung, Zufahrt)

Vermeidung von Siedlungseinbrüchen in Produktionsflächen

Sicherung des Arbeitsplatzes “Bauernhof” durch Ausbau von land- und forstwirtschaftlichen

Erwerbskombinationsmöglichkeiten

Sicherung der kleinbäuerlichen Wirtschafts- und Flächenstruktur

Verbesserung der agrarstrukturellen Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung der

traditionellen Landbewirtschaftung (Flächensicherung, Zufahrt)

Vermeidung von Bewirtschaftungsbeeinträchtigungen

Verbesserung der regionalen Rahmenbedingungen in der Rinderhaltung

Sicherung des Arbeitsplatzes “Bauernhof” durch Ausbau von land- und forstwirtschaftlichen

Erwerbskombinationsmöglichkeiten


Raabtal, Pertlstein – Lödersdorf

Eisvogel

Silberreiher

Das Entwicklungskonzept Raabtal

„Was haben wir aus der bisherigen Projektsarbeit „Mein Quadratmeter

Raabtal“ mit dem Ankauf von ökologisch wertvollen Grundstücken,

Bepflanzungen, dem Einsetzen von Fischen, Kunstauktionen, dem Raab-

Aufest, dem Raabtalkalender, etc.) gelernt? Gemeinsam können wir

Berge versetzen!

Oskar Tiefenbach, Naturschutzbund Feldbach

Altarm Hohenbrugg

„Mit der weiteren Verbesserung der Gewässergüte der Raab, der Attraktivierung

der Altarmbereiche und lokaler Erlebnisbereiche soll der

Raabtal- Radweg zu einer Naherholungsachse für die benachbarte Bevölkerung

und für Gäste des Vulkanlandes entwickelt werden.“

Josef Fuchs, Obm. Raabtal Radlwirte

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Nachhaltiges Flussraummanagement

im Raabtal

DI DR. BERNHARD SACKL

DI DR. STEFAN HAIDER

Kurzbeschreibung

Die Raab entspringt am Südostabhang der Passailer

Alpen, durchfließt zunächst ein schmales Gebirgstal

bis Passail, durchschneidet in der Raabklamm den Kalk

des Ostabbruches und tritt in weiterer Folge in das immer

breiter werdende Raabtal ein. Der Fluss beginnt zu

mäandrieren und seinen Lauf zu verlagern.

Durch das Büro Hydroconsult GmbH wurde für die

Raab im Bezirk Feldbach eine 2d-hydraulische Abflussuntersuchung

durchgeführt. Der untersuchte Bereich

liegt im Zuständigkeitsbereich der Bundeswasserbauverwaltung.

Das Einzugsgebiet bis zum Pegel Takern-II

(ca. 3 km flussauf des Beginns des Untersuchungsgebietes)

umfasst rund 499 km², bis zum Pegel Feldbach

ca. 689 km². Am Ende des betrachteten Abschnittes (bei

der Landesgrenze Steiermark / Burgenland) beträgt das

Einzugsgebiet ca. 900 km². Die mittleren Jahresniederschlagssummen

betragen im Einzugsgebiet zwischen

800 mm (Bereich Gleisdorf bis Jennersdorf) und 1000

mm (Passailer Alpen). Das hydrologische Gutachten

der Hydrografie Steiermark gibt für Feldbach ein HQ100

von 260 m³/s und ein HQ30 von 212 m³/s an.

Zunehmender Nutzungsdruck

Der Nutzungsdruck im Bereich des Talraumes hat sich

in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Die landwirtschaftliche

Bewirtschaftung wird zunehmend intensiver

und drängt bis an die Uferbereiche der Raab. Die

Folgen sind Verluste von gewässernahen Lebensräumen

und zunehmende Düngemittel- und Feststoffeinträge.

Eine weitere Verbesserung der Wasserqualität wird dadurch

zunehmend schwierig.

Zurzeit sind im Hochwasserabflussraum ca. 50 ha als

Bauland gewidmet und rd. 87 ha bebaut. Vor allem

Industrie- und Gewerbegebiete drängen zunehmend in

flussnahe Bereiche. Die Herausnahme dieser Flächen

aus dem Hochwasserabflussraum bewirkt lokale Veränderungen

der Abflussverhältnisse und den Verlust von Retentionsraum

und führt zu hydraulischen Problemen (Abflussverlagerungen,

Abflussverschärfungen, Staueffekte).

Durch die Umwandlung von unversiegeltem Freiland in

versiegelte / verbaute Flächen werden bei Hochwässern

bedeutende Infiltrations-, Puffer- und Speicherpotenziale

zerstört. Niederschläge werden in der Folge schnell

aus der Landschaft in die Vorfluter abgeführt, was diese

überlastet und die Unterlieger gefährdet.

Die Folgekosten für schutzwasserbauliche Maßnahmen

werden zu einem Großteil von der öffentlichen Hand

getragen. Zudem wird die Hochwasserproblematik

meist nur an die Unterlieger „weitergereicht“.

Die aktualisierte Hochwasserabfluss-

Untersuchung

Ziel der Abflussuntersuchung 2004 war es, den Ist-

Zustand der Hochwasserabflusssituation für 30- und

100-jährliche Hochwasserereignisse (HQ30 / HQ100)

darzustellen und ein Hochwasserschutzkonzept für

bestehende, gefährdete Objekte bzw. Siedlungen zu

entwickeln. Weiters wurden die gefährdeten Objekte

erhoben, eine Risikoanalyse durchgeführt und der Istzustand

mit dem Konsenszustand verglichen.

Die hydraulischen Berechnungen erfolgten 2-dimensional

auf der Basis eines detaillierten 3d-Geländemodells.

Im untersuchten Gebiet befinden sich acht Kraftwerke,

einige ehemalige Mühlen und 22 Brücken. Die zahlreichen

Kraftwerke und Brücken spielen eine bedeutende

Rolle für das Abflussgeschehen. Abgesehen von der

teilweise fehlenden Fischpassierbarkeit der Kraftwerke

wurde festgestellt, dass durch die Oberwasserdämme

ein Rückströmen des Vorlandabflusses in das Raabbett

erschwert wird.

Die Berechnung des bordvollen Abflusses ergab, dass

in weiten Teilen des Untersuchungsgebietes die Raab

bereits beim 1-jährlichen Hochwasserereignis ausufert.

500 Objekte gefährdet

Die gesamte Überflutungsfläche im Untersuchungsbereich

beträgt bei HQ100 etwa 20 km 2 . Im gesamten Untersuchungsbereich

sind bei HQ100 ca. 500 Industrie-,

Wohn- und Wirtschaftsobjekte gefährdet.


Der Hochwasserabfluss der Raab erfolgt über weite

Strecken zwischen der Bahntrasse auf der einen Talseite

und der Landesstraße auf der anderen Talseite.

Die Ausweisung von wasserwirtschaftlichen Vorrangflächen

erfolgte bis zur Anschlaglinie des 100-jährlichen

Ereignisses. Ein beidseitiger ca. 10 m breiter Uferbegleitstreifen

sowie kleinere hochwasserfreie Inseln

(ohne hochwasserfreie Zufahrtsmöglichkeit) innerhalb

des Abflussraumes wurden ebenfalls als Vorrangflächen

definiert.

Auf Grundlage der Abflussuntersuchung wurde eine

Hochwasserrisikoanalyse mit einer Prioritätenreihung

nach gefährdeten Objekten und Schadensempfindlichkeit

(auf Basis des Gefährdungspotenziales und des

Handlungsbedarfes) erstellt. Als maßgebende Parameter

für die Beurteilung wurden die Größe und Nutzungsart

des Objektes sowie Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten

bei einem 100- bzw. 30-jährlichen

Ereignis herangezogen.

Das Hochwasserschutzkonzept

Im Auftrag der Fachabteilung 19B - Schutzwasserwirtschaft

erstellten die Büros Hydroconsult GmbH und

Pieler ZT GmbH ein generelles Maßnahmenkonzept,

mit dem die teilweise massiv gefährdeten Siedlungsräume

bis zu einem 100-jährlichen Hochwasser der

Raab geschützt werden sollen. In Abstimmung mit den

Vorgaben des Siedlungsleitbildes Raabtal werden nur

bestehende, gefährdete Siedlungen wie z.B. Feldbach,

Gniebing, Brunn sowie Häusergruppen aus Wohngebäuden

und landwirtschaftlich genutzten Gebäuden

geschützt.

Die Maßnahmen setzen sich aus Dämmen, Mauern,

Mobilelementen oder Erhöhungen von bestehenden

Wegen zusammen. Vorgesehen ist ein Freibord von

mindestens 50 cm.

Im Folgenden werden einige Teilmaßnahmen des

Hochwasserschutzkonzeptes angeführt:

Wehranlage Gottfried Clement (Studenzen): Ringdamm

und die Ertüchtigung des Vorflutgrabens

Bhf. Fladnitz: Adaptierung bestehender Schutzdämme

Heinrichmühle - Mühlteich (Kirchberg): Ringdämme

und Mauern

Geflügel Titz (Edelsbach): Hochwasserschutz durch

geplante B68

Paldau – Lugitsch: Dämme um Wohn- und Stallgebäude,

Biogasanlage und Gewerbeobjekte

Feldbach West: Adaptierung HWS-Damm; Ufermauern

und Dämme entlang der Raab

Feldbach Ost: Dämme, Ufermauern bzw. Mobilelemente

Mühldorf: Ringdamm, Dämme und Mauern

Raabau: Umschließung Kläranlage mit Ringdamm

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Lödersdorf - Leitersdorf: Schutzdamm mit Anschluss

an Bahndamm, Mauer entlang Unterkornbach,

Damm und Ringdamm

Ertlermühle (Pertlstein): Ringdamm, Dämme und

Mobilelemente (Strassenquerung)

Johnsdorf – Brunn, Berghofermühle: Dämme,

Ringdamm, Flutmulde

Grüne Lagune: Hochwasserfreistellung durch

Anschüttungen

KW Wagner: Dämme, Mauern, Mobilelemente

(Strassenquerung)

Schiefer: Dämme entlang Siedlungsrand

Sämtliche Hochwasserschutzmaßnahmen werden hydraulisch

bezüglich ihrer Auswirkung auf das Hochwasserabflussverhalten

der Raab nachgerechnet. Insbesondere

werden Begleitmaßnahmen (z.B. Retentionsräume)

mitgeplant, um eine Erhöhung der Abflussspitze flussab

der Schutzmaßnahmen zu verhindern.

Ergänzende Maßnahmen

Geschiebetransportmessungen in der Raab, Wehrtumpf-

und Stauraumvermessungen, sowie Schwebstoffmessungen

in der Raab und in den Zubringern ergänzen

die schutzwasserbaulichen Untersuchungen.

Die Messergebnisse werden herangezogen, um den Feststoffhaushalt

und -transport der Raab zu beschreiben und

dienen als Grundlage zur Erarbeitung eines Feststoffmanagementplanes

und zur Optimierung der Betriebsordnungen

der Wehranlagen hinsichtlich Stauraumverlandung

und Optimierung der Wehrtumpfgeometrie.

„Der Rückbau von begradigten und technisch verbauten Flüssen und

Bächen ist die Basis für die landschaftliche Vielfalt und Lebensqualität

der Thermenregion. Ein anschauliches Beispiel für eine gelungene

Renaturierung ist der Rückbau des Lehenbaches in der Gemeinde

Unterlamm.

Bgm. Robert Hammer, Bezirksobmann Steirischer Gemeindebund

Revitalisierung Altarm Rohr

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18

Das Entwicklungskonzept Raabtal

ENTWICKLUNGS-

SCHWERPUNKTE

Vorrangfläche Hochwasserabflussraum:

Vorrangflächen mit prioritärem wasserwirtschaftlichem

Interesse gegenüber widersprüchlichen Nutzungsansprüchen

(v.a. Hochwasserabflussraum des 100-jährlichen

Hochwassers HQ100)

Hochwasserschutz:

Bereiche des Hochwasserabflussraumes (HQ100), in

denen zu schützende Objekte stehen

Wasserschongebiete:

Gesetzlich ausgewiesenes Schutzgebiet mit entsprechenden

Beschränkungen

Vorbehaltsfläche Wasserwirtschaft:

Flächen, die für Zwecke der Wasserwirtschaft reserviert

bleiben

ZIELE / MASSNAHMEN

Freihaltung von konfliktträchtigen Nutzungsinteressen,

Anpassung der Bewirtschaftung gewässernaher Zonen,

Konsensanpassung

Schutz bestehender Objekte vor dem HQ100, Kompensation

des Retentionsraumverlustes, der durch den

Hochwasserschutz entstanden ist

Schutz vor Verunreinigungen, Umsetzung der festgelegten

Maßnahmen und Beschränkungen

Aktive HWS-Maßnahmen (RHB, Linearmaßnahmen),

Absenkung von Insel- oder Randflächen im Hochwasserabflussraum,

Kompensationsflächen

Luftbild Feldbach Ost

Überflutungsbereiche

geplante Schutzmaßnahmen


Das Entwicklungskonzept Raabtal

Hochwasserschutz für die Zukunft

DI ADOLF HALUSCHAN

1956 wurde die mäandrierende Raab in Rohr zur Verbesserung

des Hochwasserabflusses begradigt. Es galt,

die Zukunft der Landwirtschaft als Nahrungsmittelversorger

für die Bevölkerung zu sichern. Noch im Jahre

2000 wurde die Raab im Abschnitt Schiefer für mehr

Abflussleistung teilausgebaut, um die Zukunft eines Gewerbeparks

vor Raabüberflutungen abzusichern.

2005 wurde die Raab bei Rohr wieder in ihre frühere,

400 m lange Flussschleife zurückverlegt. In Raumplanungsverhandlungen

mit den Bürgermeistern des Raabtales

wurden bereits rechtskräftige Baulandwidmungen

aus dem Hochwasserabflussgebiet herausgenommen.

Diese Beispiele weisen auf das Umdenken in der Bevölkerung

und bei den politischen Verantwortungsträgern

hin, dass Zukunftssicherungen für die Wirtschaft nicht

weiterhin sektoral und zu Lasten der Raab, sondern

ganzheitlich in einer funktionalen Kulturlandschaft zu

begreifen sind.

An der Raab ist dieser erweiterte Zukunftsbegriff bereits

seit einigen Jahren nachvollziehbar. Hochwasserschutzmaßnahmen

werden nicht mehr auf das „technisch

Machbare“ ausgerichtet, es gilt vielmehr, durch eine

gescheite Widmungspolitik neue Hochwasserrisken

zu vermeiden. Für bereits bestehende Siedlungs- und

Wirtschaftsräume sind die vorhandenen Hochwasserschutzanlagen

der Raab zu erhalten und nach den

neuesten Abflussmodellrechnungen teilweise noch zu

verbessern.

Zur Abminderung der Hochwasserwelle, und damit zur

Verringerung des Hochwasserrisikos, müssen Rückhaltemaßnahmen

für Niederschläge „beim Einzelnen“

ebenso wie im Bereich öffentlicher Flächeninanspruchnahmen

eingefordert werden. Hochwasserschutz ist

daher kein alleiniger Auftrag an die Wasserbauverwaltung,

sondern muss zuerst in einer auf die Vermeidung

von Hochwasserrisken ausgelegten Raumordnungs-

und Flächenwidmungspolitik greifen. Der wesentliche

Beitrag zur Gefahrenabminderung muss aber über die

zukünftige Raabentwicklung selbst kommen: Die durch

die alten Regulierungsbauten im Freiland weitgehend

verloren gegangenen Überflutungsräume müssen einvernehmlich

mit einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik

und Neugewichtung des Einsatzes der öffentlichen Mittel

wiedergewonnen werden.

Für die Raab sind bereits maßgebliche Erfolge vorzuweisen:

Rund 16 ha Auwaldfläche wurden über die

Bürgerinitiative „Mein Quadratmeter Raabtal“, den

Österreichischen Naturschutzbund und mit Unterstützung

der Wasserbauverwaltung im Abschnitt Hohenbrugg-Weinberg

wieder an das Flusskontinuum der

Raab angeschlossen. Weitere sechs Auwald- und Altarmanbindungen

sind in den letzten 15 Jahren über die

Wasserbauverwaltung Feldbach als natürliche Retentionsräume

der Raab wieder aktiviert worden. Mit dem

Ankauf von Auwaldflächen hat der Österreichische Naturschutzbund

wertvolle Beiträge zur ökologischen Verbesserung

entlang der Raab geleistet.

Diese Ansätze sollen als Leitbild des neuen Gewässerbetreuungskonzeptes

fortgesetzt werden. Der aktive

Hochwasserschutz für die Zukunft erfährt damit neben

der prioritären Vermeidungsstrategie eine räumliche

Umorientierung zu einem direkten Objektsschutz durch

Hochwasserbegrenzungsdämme für bestehende Objekte

und für prioritäre Siedlungsgebiete der Zukunft.

Die zukünftige, verstärkte Herausforderung für die Bürgermeister

liegt darin, einen Ausgleich zwischen Einzelinteressen

der Gemeinden und der Entwicklungsperspektive

für den gemeinsamen Raum Raabtal zu finden.

Dass die Bürgermeister von Fehring bis Studenzen im

März 2006 den Beitrittsbeschluss zu einem „Wasserverband

Flussraum Raab“ gefasst haben, kann als Bekenntnis

zur verstärkten Kooperation der Gemeinden

im Interesse „des Ganzen“ gewertet werden.

Revitalisierung Altarm Rohr

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20

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Integrierte

Wirtschaftsentwicklung

im Raabtal

DI DR. CHRISTIAN KROTSCHECK

Bisherige Entwicklung des Wirtschaftsraumes

Das Raabtal ist traditionsbedingt der stärkste und bestentwickelte

Wirtschaftsraum des Bezirkes Feldbach.

Durch die zunehmende Internationalisierung in den

vergangenen 50 Jahren hat die Regionalwirtschaft,

wie überall im Ländlichen Raum, unter dem globalen

Druck gelitten – ein hoher Verlust von Arbeitsplätzen

in der Landwirtschaft und im Gewerbe war die Folge.

Dieser Arbeitsplatzschwund wurde durch die zweite

starke Entwicklungskraft gemildert: die Umstrukturierung

der Wirtschaft in Richtung Wissensgesellschaft,

welche das Dienstleistungsangebot in der Wirtschaft

gegenüber den produzierenden Sektoren aufwertet.

Die Ausformung des Dienstleistungssektors geht jedoch

auf Grund des niedrigen Ausbildungsniveaus in der Region

nur schleppend voran. So verlor das Raabtal trotz

einem Plus an Arbeitplätzen im Handel und bei den

Wirtschaftsdienstleistern zwischen 2000 und 2005 in

Summe etwa 200 Arbeitsplätze.

Unterschiede zu zentralen Wirtschaftsräumen

Klarerweise kann das Raabtal es nicht „klassisch“ mit

dem Wirtschaftsraum Graz aufnehmen: Infrastruktur,

Forschungseinrichtungen, Qualifizierung, international

trendige Sparten (wie z.B. Nanotechnologie, Medizintechnik),

globale Wettbewerbsfähigkeit & Export, Wirtschaftsdynamik,

Technologieorientierung, Kaufkraft

(78 % im Österreichvergleich), Autobahnen, Rail Cargo

bzw. Logistik Center, öffentliche Förderungen und

Großprojekte sind nicht die Stärken des Raumes und

können auch nicht zu solchen entwickelt werden. Diesen

Zustand akzeptierend, müssen jene Chancen für

die Wirtschaft herausgeformt und verfolgt werden, bei

denen der Ländliche Raum auch in Zukunft punkten

kann.

Wirtschaftskraft im Raabtal

Die Wirtschaftskraft im Raabtal ist heute von den handwerklichen

Sektoren (Bau, Tischler, Elektriker, Textil etc.),

vom Handel (dieser hat ein beachtliches Versorgungsniveau

und eine hohe Angebotsvielfalt entwickelt) und

vom Bereich Lebensmittel/Landwirtschaft dominiert.

Ausser im Bereich Hofstätten & St. Margarethen a.d.

Raab konnten kaum Zugewinne neuer Industriebetriebe,

verursacht durch flächenbedingte Auslagerungsprozesse

der Zentralräume, realisiert werden.

Man kann in Zukunft davon ausgehen, dass auch durch

interkommunale, breit angelegte und bestens dotierte

Standortvermarktung die Ansiedelung von Betrieben

aus den gewünschten „international wettbewerbsfähigen

Schlüsselbranchen“ nicht stattfinden wird, da ein

global konkurrenzfähiger Standort im klassischen Sinne

weder finanzierbar, noch zu vertretbaren Kosten betrieben

werden kann. Kleinregionale Standorte hingegen,

abgestimmt auf zukunftsfähige Branchen des Raumes,

sollten in Hinblick auf die endogene Entwicklungskraft

des Raabtales als wesentlicher Wirtschaftsraum im

„Standort Vulkanland“ über Gemeindegrenzen hinweg

entwickelt werden. Der Wirtschaftsstandort Vulkanland

hat als besondere Ausprägung und Stärken:

1. handwerkliches Talent und Menschen, die gerne

arbeiten und beharrlich etwas erreichen wollen

2. vielfältige und hochwertige Rohstoffe aus kleinen

Produktionen

3. naturnahe und authentische Produktionen

4. eine vitale, vielfältige und schöne Landschaft

5. innovatives Klima und Aufbruchstimmung – vom

Grenzraum zum Vulkanland

6. eine regionale, langfristige Wirtschaftspolitik mit

Innovationsbudgets der Gemeinden in drei

Kompetenzfeldern; eingeübte Gemeindekooperation

im Vulkanland

7. eigenständige Werte in einer ausgeprägten Lebens-,

Arbeits- und Wirtschaftskultur

Die Wirtschaftsentwicklung von der Region heraus (endogen)

baut damit auf die Veredelung eigener vorhandener

Ressourcen (aus der Landwirtschaft, dem Bergbau

etc.) zu hochwertigen Produkten und Angeboten.

Die Qualitätssteigerung des Angebotes sollte auch die

optische Gestaltung und Umgebung der Standorte mit

einbeziehen, um die Vitalität des Raabtales zu verbessern.

Die wesentliche Aussage hier ist, dass die Wirtschaft

im Ländlichen Raum andere Entwicklungskonzepte und

Lösungen braucht als Zentralräume, die in der gängigen

neoliberalen Theorie alleiniger Gegenstand sind.

Die Peripherie wird dort als „lästiges Anhängsel“ betrachtet,

deren Disparitäten durch notwendige Transferzahlungen

die „eigentliche Wirtschaft behindern“.

Diese Sichtweise behindert die Entwicklung der Regionalwirtschaft

des Raabtales nachhaltig.

Zukunft des Wirtschaftsraumes Raabtal

Wo der Euro hinfällt, entsteht Wirtschaftskraft - lautet die

wohl einfachste Formel. Den Handel globaler Waren

im Raabtal zu fördern heißt im Umkehrschluss, die hei-


mische Wirtschaft zu schwächen. Der Abfluss regionaler

Kaufkraft hat dazu geführt, dass heute über 75% der

Wirtschaftskraft das Außerregionale stärkt. In Hinblick

darauf und unter Berücksichtigung des Konsumentenverhaltens

im Hochpreissegment gelten für das Raabtal

folgende Richtlinien zur Entwicklung:

Ausbau und Stärkung der handwerklichen Sektoren

innerhalb des Stärkefeldes „Europäische Handwerksregion“;

Erweiterung um Hochpreisangebote (z.B.

Maßarbeit, Unikate, innovative & übergreifende Lösungen,

Design); Ausbau innovativer Dienstleistungen

für die regionale, erneuerbare Energieversorgung

Erhöhung der Veredelungstiefe im Bereich Landwirtschaft

und Lebensmittelverarbeitung in Hinblick auf

die Strategie „Kulinarische Region“; offensive Verbindung

von Lebensmittel & Gesundheit, die insbesondere

auch in Hinblick auf die Weiterentwicklung im

Thermenangebot wichtig ist; Unterstützung der Produkt-

und Angebotsentwicklung durch angewandte

Forschung

Stärkung der Regionalwirtschaft durch den Handel

mit regionalen Produkten und lokalen Ressourcen;

Verhinderung ausufernder Verkaufsflächen im Handel

durch Gemeindeabstimmung und Ortskernbelebung;

Verknüpfung von Tourismus mit den produzierenden

Sektoren (Kulinarik und Handwerk) der

Region

langfristige Förderung von jungen Kompetenzträgern

und Verbesserung der Weiterbildungsmöglichkeiten

in der Region, um den Dienstleistungssektor endogen

(von der Region heraus) zu verbessern

intensive Positionierung des Raabtales in Kooperation

mit dem Vulkanland als Region der Lebensqualität

und mit einer lebendigen Volkskultur (vgl. Marke

„Steirisches Vulkanland“)

Einige Beispiele zur Verdeutlichung dieser Strategie:

Die KWB in St. Margarethen beschäftigt sich erfolgreich

mit der Nutzung heimischer Energieressourcen aus der

Landwirtschaft. Mit handwerklichem Talent, viel selbst erarbeitetem

Know-how und trotz jahrzehntelanger Preisnachteile

entwickelte sich das Unternehmen zu Technologieführerschaft

und hoher Forschungsorientierung.

Handwerkskultur, wie sie sich bei Juwelier Kerecz oder

Schuster Semlitsch widerspiegelt, oder wie sie bei Design-Tischler

Prödl in Kirchberg zu finden ist, wird in Zukunft

wieder stärker nachgefragt. Schmuck aus authentischen

Steinen der Region formt Goldschmied Eder in

Feldbach. Junge Kompetenzträger, wie Florist Andreas

Stern mit seiner Meistermanufaktur „Schlicht Barock“

in Feldbach beleben die heimische Wirtschaft mit einer

neuen Dienstleistungsqualität der Extraklasse. Mit seiner

gläsernen Manufaktur nimmt er an der Meisterstrasse

Vulkanland teil, die aus der Verknüpfung von Kulinarik

und Handwerk ein touristisches Angebot der Superlative

macht. Handwerker schaffen umfassende Lebensqualität

für ihre Kunden. Das Feldbacher Ärztezentrum ist

ein Musterbeispiel geballter Dienstleistung. Am Standort

Das Entwicklungskonzept Raabtal

könnte das Thema Gesundheit mit Kulinarik und Dienstleistung

gepaart zukunftsweisend umgesetzt und inszeniert

werden.

Kulinarikprofis, wie Haubenkoch Raimund Pammer mit

seiner „Genial Regional“ Convenience-Linie sind die

Wegbereiter der hohen Schule der Veredlung in der

Region, unterstützt von Stefan Kromus, dessen Kompetenz

über den BISi (Bildungs- und Innovationsfonds im

Vulkanland) an die Region „gefesselt“ wurde. Was hier

wächst, hat Wert.

Das Vulkanland hat sich als Marke in den Bereichen

Kulinarik und Lebensqualität bereits einen Namen gemacht.

Diese wertvolle Marke wird um die Inhalte der

Handwerksregion in den nächsten Jahren ergänzt und

sollte für die Bewerbung des Standortes Raabtal genutzt

werden. Die Positionierung als „Region der Lebensqualität

und -kraft“ schafft einen Anreiz für Unternehmen,

ins Raabtal zu ziehen, die mit Gesundheit, Kultur, Kunst

& Inspiration zu tun haben oder auf Grund eines ungebundenen

Firmensitzes, diesen „in die Urlaubsregion“

verlegen wollen. Zu letzteren Unternehmen zählen z.B.

Computerspezialisten, Designer, Künstler, Schriftsteller,

Marketingspezialisten oder Planungsfirmen.

Gemeindepraxis

In Anbetracht der durchschnittlichen Mittelausstattung

der Raabtalgemeinden kann die Stärkung des Standortes

Raabtal insbesondere durch beharrliche und kleine

Schritte erfolgen. Als Maßnahme der täglichen Gemeindepraxis

seien genannt:

1. Unterstützung innovativer Unternehmen und

GründerInnen in den Gemeinden über

Innovationsbudgets (Themen: Handwerk, Kulinarik,

Energie, Gesundheit etc.)

2. Förderung junger Kompetenzträger (Meister,

StudentInnen) über den Bildungs- und

Innovationsfonds im Vulkanland (BISi); Unterstützung

von Aus-/Weiterbildung und Ermutigung zu

Gründungen im Dienstleistungsbereich

3. Kommunikation (bei allen Anlässen, in der

Gemeindezeitung, etc.): Wirtschaftskompetenz,

Stärken des Raabtales, Standort Vulkanland,

Regionalwirtschaft, hohe Lebenskultur, Nutzung der

Regionalmarke „Vulkanland“

4. Verwendung von 100 % regionalen Produkten und

Dienstleistungen bei allen Anlässen; Förderung des

Handels mit regionalen Waren

5. Rücknahme von dispersen Widmungen; abgestimmte

Flächenwidmung und einvernehmlicher Ausbau von

Handelsflächen in jeder Kleinregion; Kooperation bei

Standortanfragen und Ansiedelungen in der

Kleinregion (z.B. gemeinsame Entwicklungsplanung,

Innovationsförderung); langfristige Entwicklung

kleinregionaler Gewerbezentren im Rahmen der

wirtschaftlichen Stärkefelder des Raabtales.

21


22

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Entwurf für einen

Wirtschaftspark Raabtal

DI WILHELM SCHRENK

Antwort auf neue Herausforderungen

Die Verschärfung des überregionalen Wettbewerbs und

die neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit der

EU-Erweiterung erfordern eine neue, strategisch orientierte

Standortpolitik im Raabtal.

Das Angebot soll künftig auf wenige, attraktive und bestens

erschlossene Standorte gebündelt werden. Diese

strategische Reduktion soll zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit

beitragen, Angebotsentwicklung soll nur

mehr in den relativ besten Lagen stattfinden, ganz nach

dem Grundsatz: „weniger ist oft mehr“.

Dazu sind auf regionaler Ebene interkommunale Standortgemeinschaften

zu bilden, welche gemeinsame Wirtschaftsparks

entwickeln. Diese sind auf Basis einer regional

abgestimmten Strategie auch auf unterschiedliche

Zielgruppen auszurichten. Ein professionelles regionales

Standortmarketing „Raabtal“ übernimmt die Entwicklung

und Verwertung der Angebote. Das Standortmarketing

sollte auch überregional in das Netzwerk des Wirtschaftsparks

Süd-Ost eingebunden sein.

Ziel dieser Standortpolitik ist es, mit zumindest einem

höherwertigen Standortangebot an der Entwicklung des

Großraumes Graz sowie der Autobahnnähe mitzupartizipieren

und auch höherwertige industrielle Projekte im

Technologiesektor zu akquirieren.

Kooperation als Schlüsselstrategie

Standortkooperation anstatt innerregionalem Wettbewerb

wird auch dazu beitragen, die Qualität der Projekte zu

erhöhen und eine effizientere Flächennutzung zu erzielen.

Die erzielbare Wertschöpfung je m² Betriebsgebiet

soll künftig ein ernsthaftes Kriterium in der Projektauswahl

darstellen.

Der Wirtschaftspark Raabtal sollte auch für koordinierte

Angebote mit klaren Konditionen sorgen. Großflächige

Neuausweisungen sind nur an den dafür bestgeeigneten

Standorten sinnvoll. Wesentliches Augenmerk ist auf

die Verfügbarkeit und Aufschließung bereits gewidmeter

Standorte zu richten. Wenig geeignete Standorte mit

geringer Attraktivität und hohem Konfliktpotenzial sollen

rückgewidmet werden.

Die Qualitätssteigerung des Angebotes muss auch die

optische Gestaltung und Umgebung der Standortflächen

mit einbeziehen bis hin zu einem einheitlichen Erscheinungsbild

auf Basis von Mindeststandards.

Freiwillige Gemeindekooperationen zur Errichtung, Betrieb

und zur Vermarktung gemeinsamer Standorte sind in

diesem Bereich richtungsweisend. Die regionalwirtschaftlich

wünschenswerten Effekte der industriell-gewerblichen

Entwicklung werden dadurch tendenziell verstärkt, negative

Wirkungen wie hoher Flächenverbrauch, hohe Aufwendungen

für die Infrastruktur, unzureichende Auslastung

oder Umweltbelastungen können deutlich reduziert werden.

Zur Aufrechterhaltung der industriell-gewerblichen

Struktur der Planungsregion, ist aber auch auf die Sicherung

und Weiterentwicklung bestehender Betriebsstandorte

besonderes Augenmerk zu legen und deren Qualität

und infrastrukturelle Ausstattung laufend zu verbessern.

Stärkung des Handels- und Dienstleistungsstandortes

Der Standort Feldbach (Stadt- und Umgebung) soll auch

längerfristig eine attraktive, überregional wettbewerbsfähige

Destination darstellen. Dazu sind neue, moderne Angebotsformen

(Einkaufen, Freizeit-Erlebnis) zu integrieren

und der Angebotsmix nach strategischen Gesichtspunkten

zu ergänzen bzw. zu optimieren.

Die organisatorischen und räumlichen Voraussetzungen

dafür sind im Rahmen einer interkommunalen Standortkooperation

insbesondere im Zentralraum Feldbach zu

schaffen. Dabei sollten auch die Interessen einer vitalen

Innenstadtwirtschaft Berücksichtigung finden.

Kernkompetenzen aufbauen

Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Wirtschaftsentwicklung

im Raabtal wird jedoch sein, inwieweit es

gelingt, zumindest in Spezialbereichen echte Kompetenz

aufzubauen und als Stärkefelder zu kommunizieren. Diese

könnten – den Ressourcen und Stärken der Region entsprechend

- im Bereich hochwertiger Veredelung und

Vermarktung regionaler Produkte liegen. Dieser langfristige

strategische Kompetenzaufbau erfordert jedoch ein

dynamisches Management sowie ein hohes Ausmaß an

Qualifizierungsmaßnahmen und mutigen Investitionen.

Initiativen dazu sind da, ebenso auch erste Erfolge: im

Zusammenhang mit der Dynamik des Thermenlandes,

einem wirtschaftlichen Aufholprozess und den Aktivitäten

des Vulkanlandes konnte in den letzten Jahren auch eine

beachtliche Aufbruchstimmung erreicht werden.

Diese durchaus erfreulichen Anknüpfungspunkte müssen

jedoch auch in die wirtschaftlichen Kernbereiche und in

den produzierenden Sektor hineingetragen werden.


ENTWICKLUNGS-

SCHWERPUNKTE

Regionaler Handels- und

Dienstleistungsschwerpunkt

Standortraum mit einer breit

gefächerten Handelsstruktur

und günstiger Erreichbarkeit

Industriell-gewerbliche Entwicklungsstandorte

Gemeinden mit bestehender

industriell-gewerblicher Struktur,

Anbindung an regionale /

überregionale Verkehrssysteme,

vorhandene Flächenreserven

in geeigneter Lage mit hoher

Erschließungswürdigkeit

Impulszentrum

Geplantes Innovations- und

Dienstleistungszentrum bzw.

längerfristiges Impulszentrum

als gewerbliches Leitprojekt

Rückführung von Widmungsüberhängen

ÖRTLICHE ZUORDNUNG

Feldbach / Mühldorf

St. Margarethen

Kirchberg

Fehring

Fehring (‘Grüne Lagune‘)

Alle Gemeinden im Bearbeitungsgebiet

Das Entwicklungskonzept Raabtal

ZIELE / MASSNAHMEN

Weiterentwicklung eines attraktiven und überregional

wettbewerbsfähigen Einkaufsstandortes

Optimierung beim Angebotsmix und Integration

neuer, moderner Angebotsformen

Entwicklung eines höherwertigen Standortangebotes

zur Akquisition industrieller Projekte

im Technologiesektor

Gemeindeübergreifende Trägerschaft und Entwicklungsplanung

(Kommunalsteuerausgleich)

regionales Standortmanagement und Marketing

auf regionaler Ebene

Intensivierung der Kooperation mit anderen

Standorten in der Region

Entwicklung einer regionalen Wirtschaftskompetenz

Aufbau von regionalspezifischem Know-How

sowie einschlägigen Entwicklungseinrichtungen

Regionale Trägerschaft mit Gemeinden und

Wirtschaftstreibenden

Projektkonkretisierung und Realisierung nach

Ausbaustufen

Rücknahme ungeeigneter und disperser Widmungen

(Hochwasserüberflutungsbereiche,

Nutzungsentflechtung, kleinflächige und/oder

kaum verwertbare Einzellagen)

„Die Entwicklung von Gewerbeflächen auf der Ebene einzelner Gemeinden ist heute kaum mehr leistbar. Neben bestehenden

Kooperationen im Infrastrukturbereich muss auch die gemeindeübergreifende Erschließung und Vermarktung von

Industriestandorten forciert werden. “

Bgm. Florian Gölles, Vorsitzender Kleinregion Kirchberg

„Die Bündelung und Qualifizierung von industriell-gewerblichen Standorten ist ein Gebot der Stunde. Im Rahmen einer

gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit können Aufschließungskosten gespart und die Ansiedlungsbedingungen für

Unternehmen optimiert werden.“

Ferdinand Krobath, Gebäudetechnik und Service GmbH

Feldbach

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24

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Das Regionale

Verkehrskonzept

DI ALFRED NAGELSCHMIED

DI MONIKA HOFER

Ausgangslage

Die B 68 bzw. die Ostbahn stellen die Hauptverkehrsachsen

durch das Raabtal und die Anbindung an die

Südautobahn bzw. an den Grazer und Wiener Raum

bzw. nach Ungarn dar. Das Raabtal bildet die verkehrliche

und siedlungsstrukturelle Hauptachse des Bezirkes.

Die Straßenanbindung an den Raum Graz wird durch

die geplanten Spangen mit einer entsprechenden Ausschaltung

von Bahnübergängen und Ortsdurchfahrten

wesentlich verbessert werden.

Mit der Bahn kann Graz von Feldbach in knapp einer

Stunde erreicht werden, mit dem Auto in etwa 50

Minuten. Das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs

bildet die Ostbahn. An Werktagen verkehren

rund 20 Zugpaare/Tag zwischen Fehring und Graz, i.

W. im Stundentakt, zu den Hauptzeiten auch häufiger.

Zukünftige Engpässe ergeben sich insbesondere bei

der Einbindung des Regionalverkehrs in den Grazer

Stadtverkehr.

Die Anbindung der größeren Seitentäler erfolgt über

Regionalbuslinien, die Frequenz ist weitgehend am

Schülerverkehr orientiert, an den Wochenenden ist die

Frequenz gering, bereichsweise verkehren keine öffentlichen

Verkehrsmittel.

Ziele und Maßnahmen

Prioritäres Ziel des Regionalen Verkehrskonzeptes ist die

Verbesserung der äußeren Anbindung der Region. Damit

soll eine günstigere Erreichbarkeit im Hinblick auf

die Ballungsräume Wien und Graz sowie eine Aufwertung

der Betriebsstandorte im Raabtal erreicht werden.

Wesentliche geplante überörtliche Straßenbauprojekte

sind der Bau der Spangen Fladnitz / Rohr – Kirchberg /

Oberstorcha und Saaz – Feldbach der B 68.

Die Spange Saaz – Feldbach ist in Bau, geplante Fertigstellung

ist 2009. Für die Spange Fladnitz / Rohr – Kirchberg

/ Oberstorcha liegt ein Trassenvorschlag vor.

Der Baubeginn erfolgt nach Fertigstellung der Spange

Saaz - Feldbach. Für den Langsamverkehr ist ein ergänzendes

Begleitwegesystem vorgesehen.

Dem verkehrlichen Leitbild und der Kategorisierung des

Straßennetzes entsprechend wurde ein Bauprogramm

mit Prioritätenreihung entwickelt. Demnach haben der

Ausbau B 68 - B 57 und dringende Zustandsverbesserungen

Prioritätsstufe 1.

Der Generalverkehrsplan für Österreich 2002 sieht

den Ausbau der Ostbahn auch im Hinblick auf eine

Verbindung zur Koralmbahn vor. Weitere Ziele im Bereich

des Öffentlichen Verkehrs sind die Umsetzung des

Konzeptes „Steirertakt“ (30‘-Takt) sowie Angebotsverbesserungen

beim Bussystem in Abstimmung mit der

Bahn. Damit sollen annähernd gleiche ÖV-Qualitäten

für den ganzen Bezirk erreicht werden.

Funktionelle Bewertung des Straßennetzes im Bezirk

Feldbach

Kategorie A: Nationale und internationale Hauptverbindung

Kategorie B: Regionale Hauptverbindung

Kategorie C1+C2: Regionale Nebenverbindung

Kategorie D: Regionales Verteilnetz

„Die Baubezirksleitung wird die Planungs-, Koordinations-

und Betreuungsfunktionen für die Umsetzung

des Raabtalkonzeptes und erforderlicher

Maßnahmen im Bereich Raumordnung, Wasserwirtschaft

und Infrastruktur weiter verstärken.“

HR DI Franz Kortschak


ENTWICKLUNGS-

SCHWERPUNKTE

Motorisierter Individualverkehr

Öffentlicher Verkehr

Regionale Radwegachse

ZIELE / MASSNAHMEN

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Verbesserte Anschlüsse der Region an das übergeordnete Straßennetz (A2, A9)

Ausbau der Landesstraße B 68 als Autostraße (Umsetzung der Spangen Fladnitz /

Rohr – Kirchberg / Oberstorcha und Saaz – Feldbach der B 68)

Umsetzung des Bauprogrammes für Landesstraßen B und L entsprechend vorliegender

funktioneller Bewertung und Kategorisierung des Straßennetzes

Stufenkonzept der Steirischen Ostbahn mit der Errichtung der Betriebsausweiche

Takern/St. Margarethen

Ausbau von Bahnhöfen (Feldbach, Fehring, …)

Längerfristiger stufenweiser zweigleisiger Ausbau der Ostbahn mit Elektrifizierung und

Geschwindigkeitserhöhungen

Umsetzung Konzept „Steirertakt“ (30‘-Takt)

Angebotsverbesserungen im Bussystem in Abstimmung mit Bahn

Einrichtung von flexiblen, bedarfsgerechten Verkehrsangeboten

Schaffung von ÖPNV-Knotenpunkten bei ausgewählten Bahnhöfen

Abschluss von Verkehrsverträgen zwischen Land und Gemeinden zur Festlegung flankierender

Maßnahmen in der Region

Optimierung der Radwegführung im Zuge des Ausbaus der B 68 (Unterführung Fladnitz,

Kreuzungsfreie Querungen der B 68 etc.)

B 68 Spangen Fladnitz/Rohr – Kirchberg/Oberstorcha und Saaz – Feldbach

„Die Betrachtung des Raabtales als gemeindeübergreifend

zu entwickelnder Raum

ist in vielen Bereichen, von der ökologischen

Gestaltung der Raab bis zur Verkehrserschließung,

zweckmäßig und wichtig. Schon

bisher hat die Stadt Feldbach als zentraler Ort

bedeutende infrastrukturelle Aufgaben erfüllt

und wird diese, unter anderem mit dem Bau

eines neuen Veranstaltungszentrums, weiterhin

wahrnehmen.“

Bgm. Kurt Deutschmann

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26

Das Entwicklungskonzept Raabtal

Das Regionale Entwicklungsprogramm

für den Bezirk Feldbach

DI RAINER OPL

Auf Grundlage des Stmk. Raumordnungsgesetzes werden

für alle Planungsregionen, das sind im Wesentlichen

die politischen Bezirke, Regionale Entwicklungsprogramme

erstellt. Es handelt sich dabei schon um

die zweite Generation der Regionalen Entwicklungsprogramme,

die für mehr als die Hälfte der Planungsregionen

in der Steiermark bereits fertiggestellt sind. Die

übrigen sollen bis zum Jahresende 2006 nachfolgen.

Obwohl diese Programme „Entwicklungsprogramme“

heißen, liegt ihr Schwerpunkt eindeutig bei ordnungspolitischen

Zielen und Maßnahmen. Es handelt sich daher

beim Regionalen Entwicklungsprogramm Feldbach

um das überörtliche Raumordnungsprogramm, das,

ausgehend von der bestehenden Struktur, die überörtlich

relevanten Raumordnungsziele und -maßnahmen

für den Bezirk Feldbach festlegt.

Entwicklungspolitische Zielsetzungen finden sich in den

jeweiligen Entwicklungsleitbildern, wie beispielsweise

dem DEO (Das Entwicklungsprogramm Oststeiermark),

dem inzwischen etwas veralteten Regionalen Entwicklungsleitbild

Feldbach aus dem Jahre 2000 oder in der

Strategie der LEADER+ Aktionsgruppe Vulkanland.

Die Inhalte des Regionalen Entwicklungsprogramms

Feldbach sind für das Raabtal insofern von besonderer

Bedeutung, als notwendige ordnungspolitische Maßnahmen,

wie z.B. Vorrangzonen für Landwirtschaft,

Industrie und Gewerbe oder Grünzonen über den in

Zukunft rechtwirksamen Regionalplan des Entwicklungsprogramms

festgelegt werden.

Generelles Räumliches Leitbild und Zielsetzungen

Als generelles Leitbild wird die Konzentration der Siedlungsentwicklung

um bestehende Schwerpunkte mit

hoher Standortqualität und die Erhaltung der verbliebenen

großen, freien Landschaftsräume der Planungsregion

angestrebt.

Die Umsetzung dieser Vorgaben erfolgt durch allgemeine

Zielsetzungen für die gesamte Planungsregion, die den

Schutz und die Vernetzung von Lebensräumen seltener

Tier- und Pflanzenarten (Biotope), die Berücksichtigung

kleinklimatologischer Gegebenheiten in der Örtlichen

Raumplanung, eine Flächen- und Ressourcenschonende

Siedlungsentwicklung und die vorausschauende

Freihaltung von Verkehrstrassen zum Inhalt haben.

Eine räumliche Konkretisierung und Detaillierung erfolgt

durch Ziele und Maßnahmen für Teilräume.

Der am weitesten verbreitete Landschaftstyp in der Planungsregion

ist jener des außeralpinen Hügellandes.

Kleine Bereiche werden von außeralpinen Wäldern

und Auwäldern bedeckt. Hier ist auf den Schutz des

reich strukturierten kleinteiligen Hügellandes besonderes

Augenmerk zu legen. Das Erscheinungsbild soll vor

Eingriffen geschützt und als Naherholungsgebiet weiterentwickelt

werden.

In den intensiv genutzten Tälern und Becken, die auch

großflächige Retentionsräume sind, sollen landschaftstypische

Strukturelemente erhalten und vernetzt werden.

In den verdichteten Siedlungsgebieten sind Grünräume

für die Bevölkerung zu sichern, Immissionen zu vermeiden

und die Siedlungsränder bei der Baugestaltung

besonders zu beachten.

„Das Regionale Entwicklungsprogramm für den Bezirk Feldbach ist die Grundlage für eine nachhaltige, räumliche

Entwicklung der Region.“ BH Dr. Wilhelm Plauder


Gemeindefunktionen

Gemeinden mit hochwertigen Versorgungseinrichtungen

für die Bevölkerung werden - zur Konzentration der Siedlungsentwicklung

- als zentrale Orte, Gemeinden mit

regionalwirtschaftlich wichtigen Betriebsstandorten bzw.

-flächen als regionale Industrie- und Gewerbestandorte

festgelegt.

Ausweisung von Vorrangzonen

Die Freihaltung großer zusammenhängender, funktional

bedeutender Freiflächen von weiteren Versiegelungen

und Bebauungen soll durch die Festlegung von landwirtschaftlichen

Vorrangzonen und Grünzonen gewährleistet

werden. Regional bzw. überregional bedeutende Industrieflächen

und Rohstoffvorkommen werden durch die

Festlegung von Vorrangzonen für Industrie und Gewerbe

bzw. Rohstoffvorrangzonen vorausschauend gesichert.

Wasserwirtschaftliche Vorrangzonen sind sämtliche Bereiche

innerhalb der HQ100 Anschlaglinien (100-jährliches

Hochwasserereignis). Diese für den Hochwasserabfluss

oder den Hochwasserrückhalt notwendigen

Bereiche sind von Baulandfestlegungen und sonstigen

Abflusshindernissen freizuhalten. Im Raabtal ist dies der

Bereich des Talbodens, welcher zum überwiegenden Teil

innerhalb des HQ100 liegt.

Grünzonen dienen dem Schutz der Natur- oder Kulturlandschaft

und / oder der Naherholung sowie dem

Schutz von Siedlungsgebieten vor Gefährdungen, wie

z.B. Hochwässer. Im Raabtal sind ein Korridor entlang

der Raab sowie einzelne Bereichen nördlich von Kirchberg

a.d. Raab, südlich von Berndorf / nördlich von

Kirchberg a.d. Raab, südlich von Berndorf / nördlich

von Oberstorcha, östlich von Feldbach / nördlich von

Leitersdorf und nördlich von Fehring als Grünzone ausgewiesen.

Rohstoffvorrangzonen dienen der Sicherung von regional

und überregional bedeutenden Vorkommen mineralischer

Rohstoffe. Andere Widmungs- und Nutzungsarten

dürfen nur dann festgelegt werden, wenn sie den künf-

Das Entwicklungskonzept Raabtal

tigen Abbau mineralischer Rohstoffe nicht erschweren

oder verhindern. Rohstoffvorrangzonen sind im Raabtal

nicht ausgewiesen.

Landwirtschaftliche Vorrangzonen dienen der landwirtschaftlichen

Produktion - sind jedoch auch multifunktionale

Flächen als Retentionsräume, Freihaltezonen für

Landschaftsbild, Kleinklima etc. Sie sind von Baulandausweisungen

freizuhalten. Im Raabtal ist der gesamte

Bereich des Talbodens als Landwirtschaftliche Vorrangzone

ausgewiesen, sofern er nicht als Grünzone bzw. für

eine andere Nutzung (Bauland) ausgewiesen ist.

Vorrangzonen für Industrie und Gewerbe sind Flächen

für Industrie- und Gewerbebetriebe von regionaler bzw.

überregionaler Bedeutung. Sie sind von Widmungs- und

Nutzungsarten, die eine bestimmungsgemäße Nutzung

verhindern bzw. gefährden, freizuhalten. Vorrangzonen

für Industrie und Gewerbe werden im Raabtal in Kirchberg

a.d. Raab, in Feldbach bzw. Mühldorf und in Fehring

ausgewiesen.

Örtliche Siedlungsschwerpunkte sind im Regionalplan

festgelegt und durch die örtliche Raumplanung der Gemeinden

abzugrenzen. Sie sind von Widmungs- und

Nutzungsarten, die eine bestimmungsgemäße Nutzung

verhindern bzw. gefährden, freizuhalten.

Beschlussfassung und Umsetzung

Nach der Erstinformation des Regionalen Planungsbeirates,

der Erstellung des Vorentwurfes und einer Reihe

von Gemeindegruppengesprächen soll der Entwurf des

Regionalen Entwicklungsprogramms im Sommer 2006

zur Stellungnahme aufgelegt werden. Nach der Einarbeitung

der Stellungnahmen der Gemeinden und Interessensvertretungen

wird der Entwurf dem Regionalen

Planungsbeirat nach dem Sommer zur Stellungnahme

vorgelegt. Nach der Behandlung im Raumordnungsbeirat

soll das Regionale Entwicklungsprogramm bis Ende

2006 von der Landesregierung beschlossen werden.

Ausschnitt Regionalplan Entwurf

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Das Schulprojekt Raabtal

am BORG Feldbach

MAG. DR. SABINE BUCHGRABER, MAG. JOSEF

GANSTER, MAG. HERBERT HIRSCHMANN

Breite Beteiligung von 15- bis 17-jährigen

Parallel zur Bearbeitung des Entwicklungskonzeptes

Raabtal wurde ein Schulprojekt am BORG Feldbach

initiiert, bei dem sich die Schüler mit der langfristigen

Entwicklung ihrer Region aus ihrer jugendlichen, kritischen

Sicht auseinandersetzten.

Nach einer Vorstellung des Raabtalkonzeptes und

ausgewählter Problembereiche konnten insgesamt 36

Schüler für die Teilnahme an diesem für die Schüler

freiwilligen Schulprojekt gewonnen werden.

In einem weiteren Workshop mit den 15- bis 17-jährigen

Schülern wurden mögliche Workshopthemen diskutiert

und festgelegt.

Im Sinne eines Rückblickes auf die Entwicklung des

Raabtales im letzten Jahrhundert und mögliche Zukunftsvisionen

für die nächsten 20 Jahre bildeten sich

schließlich fünf Arbeitsgruppen mit jeweils unterschiedlichen

Arbeitsfeldern.

Die Teilnehmer

Nitsch Rudolf, Matschiner Arvid, Glatz Martin, Zenz

Philipp, Schriebl Paul, Prutsch Markus, Suppan Viktoria,

Wurm Nico, Kothgasser Robert, Trummer Marco, Matzer

Michael, Wiedner-Hiebaum Daniel, Pock Fabian

(5C), Caska Rebecca, Thier Aline (6A), Lipphart Christoph

(6B), Schadler Michael, Gutmann Matthias (7A),

Deutsch Anna, Karner Natalie, Edelsbrunner Christopher,

Thurner Gregor, Baumgartner Hannes, Lugitsch

Maxi, Custardoy Stefan, Heinze Isabella (7B), Hermann

Nicole, Biener Andreas, Pronegg Matthias, Schadl Johannes,

Hanslmeier Roland, Mayer Jutta, Jöbstl Elke,

Zieger Manuel, Koch Melanie, Leiner Julia (7D)

Die Teilprojekte

„Das Raabtal einst und jetzt“: Gegenüberstellung

von alten Ansichten und aktuellen Fotos aus den

Heimatgemeinden der Schüler.

“fremd - vertraut” und “gewachsen - gewagt”,

Gemeinsame Radtour und fotografische Dokumentation

der Schüler entlang des Raabtal Radweges.

Filmdokumentation zu alltäglichen Sequenzen aus

dem Alltag der Raabtalbewohner (Ernährung,

Volkskultur, Verkehr, Arbeit, Wohnen, Freizeit).

„Traumwerkstatt - Zeitreise Jahr 2020“, Aufsatz-

wettbewerb zur Zukunft des Raabtales.

Befragung von ca. 100 ausgewählten Personen

unterschiedlicher Altersgruppen zu wesentlichen

Entwicklungsthemen.

Bepflanzungsaktion Altarmdurchstich Rohr am

20.4.2006

Traumwerkstatt - Zeitreise Jahr 2020

Ein dumpfer Knall reißt sie unsanft aus dem Schlaf. Etwas

benommen blickt sie um sich. Was war passiert?

Wieder ein Knall, der sie erschaudern lässt. Der Boden

bebt. Ein Bild, welches die Landschaft des Raabtals der

frühen Zwanziger abbildet, fällt auf den Boden. Erschrocken

blickt die junge Frau um sich und erkennt,

dass auch andere Antiquitäten zersplittert am Boden

liegen. Vermutlich der Grund für den Lärm der sie aus

einem tiefen, traumlosen Schlaf gerissen hat. Wieder

einmal

Bepflanzungsaktion

erzittert das ganze

Altarm

Zimmer.

Rohr

Ein Erdbeben! Das

dritte in Folge innerhalb weniger Monate. Sie kauert

sich zusammen und weint. Was war passiert? Wo ist die

Zeit und somit die wunderschöne Landschaft ihrer Heimatgegend

geblieben. Wo sind ihre Wünsche, Träume

und Vorstellungen der Jugend geblieben? Erstickt

in einer chaotischen Welt, gezeichnet vom Atomkrieg,

Umweltverschmutzung und instabiler Regierungsform.

Es ist Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln ihre

Zehen. Sie ist sofort hellwach und lässt ihre Blicke im

Zimmer schweifen. Sie bleiben an einem Landschaftsbild

hängen. Es wurde 2009 gemalt und zeigt das

Raabtal in seiner vollen Blüte. Erleichtert stellt sie fest,

dass das wunderschöne Werk nicht zersplittert am Boden

liegt, so wie sie es in ihrem Traum gesehen hatte.

Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Eine schreckhafte

Vorstellung, wäre ihr Traum Realität gewesen. Es

wurde rechtzeitig die Notbremse gezogen. Der Atomkrieg

konnte gerade noch verhindert werden, die Luftverschmutzung

wurde reguliert und die eskalierende

globale Erwärmung konnte verringert werden. Binnen

zehn Jahren hatte sich einiges verändert im Raabtal.

Die frühere, jüngere Generation erkannte, dass etwas

unternommen werden musste. Somit wurden viele Alternativen

überlegt, um die Welt vor verheerenden


Traumwerkstatt - Zeitreise Jahr 2020

Ein dumpfer Knall reißt sie unsanft aus dem Schlaf. Etwas

benommen blickt sie um sich. Was war passiert?

Wieder ein Knall, der sie erschaudern lässt. Der Boden

bebt. Ein Bild, welches die Landschaft des Raabtals der

frühen Zwanziger abbildet, fällt auf den Boden. Erschrocken

blickt die junge Frau um sich und erkennt,

dass auch andere Antiquitäten zersplittert am Boden

liegen. Vermutlich der Grund für den Lärm, der sie aus

einem tiefen, traumlosen Schlaf gerissen hat. Wieder

einmal erzittert das ganze Zimmer. Ein Erdbeben! Das

dritte in Folge innerhalb weniger Monate. Sie kauert

sich zusammen und weint. Was war passiert? Wo ist die

Zeit und somit die wunderschöne Landschaft ihrer Heimatgegend

geblieben. Wo sind ihre Wünsche, Träume

und Vorstellungen der Jugend geblieben? Erstickt

in einer chaotischen Welt, gezeichnet vom Atomkrieg,

Umweltverschmutzung und instabiler Regierungsform.

Es ist Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln ihre

Zehen. Sie ist sofort hellwach und lässt ihre Blicke im

Zimmer schweifen. Sie bleiben an einem Landschaftsbild

hängen. Es wurde 2009 gemalt und zeigt das

Raabtal in seiner vollen Blüte. Erleichtert stellt sie fest,

dass das wunderschöne Werk nicht zersplittert am Boden

liegt, so wie sie es in ihrem Traum gesehen hatte.

Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Eine schreckhafte

Vorstellung, wäre ihr Traum Realität gewesen. Es

wurde rechtzeitig die Notbremse gezogen. Der Atomkrieg

konnte gerade noch verhindert werden, die Luftverschmutzung

wurde reguliert und die eskalierende

globale Erwärmung konnte verringert werden. Binnen

zehn Jahren hatte sich einiges verändert im Raabtal.

Die frühere, jüngere Generation erkannte, dass etwas

unternommen werden musste. Somit wurden viele Alternativen

überlegt, um die Welt vor verheerenden Auswirkungen

zu schützen und dem entgegenzuwirken: Die

Autoindustrie setzte auf Herstellung von Wasserstoff-

und Hybridautos, erneuerbare Energie wurde verstärkt

in allen Bereichen eingesetzt, der Energieverbrauch

wurde halbiert, die Häuser wurden meist nach Süden

ausgerichtet, damit die Sonnenenergie effizienter genützt

werden konnte und auch im sozialen Bereich wurden

große Veränderungen vorgenommen.

„Maaaaama!“ Das Gebrüll ihrer dreijährigen Tochter

lässt sie noch einmal erschaudern. Diesmal jedoch

gleicht das Schaudern eher einer liebevollen Brise. Gemeinsam

mit ihren drei Kindern, ihrem Mann und ihren

Eltern lebt sie in einer Gemeinschaft zusammen. Jeder

stützt und hilft dem anderen. Anders wäre es nicht möglich,

in einem Zeitalter, wo die Bevölkerung immer älter

wird. Seit einigen Jahren gibt es eine große Anzahl von

Wohnheimen, in denen Pensionisten in einer Wohngemeinschaft

zusammenleben. Diese Heime werden

vom Staat stark gefördert und unterstützt. In solchen

Häusern sind auch oftmals Kindergärten vorzufinden,

Das Entwicklungskonzept Raabtal

um die Kluft zwischen Alt und Jung zu überwinden. Außerdem

werden Familien mit Kindern unterstützt. Das

Kindergeld und die Karenz für den Mann, sind keine

Utopie mehr, so wie in ihrer Jugendzeit. Im Gegenteil.

Mittlerweile bekommen Frauen das gleiche Gehalt wie

Männer und Männer werden in der Karenzzeit gleichermaßen

unterstützt wie Frauen. Das Geld des Staates

wird in sinnvolle Projekte investiert, anstatt in lächerliche

Abfangjäger oder Vernichtungswaffen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen betritt sie nun die Küche.

Der Frühstückstisch ist bereits gedeckt. Mit einem

erleichterten Seufzer nimmt sie einen großen Schluck

aus ihrer Tasse Kaffee. Ein Fair-Trade Produkt. Gerade

deshalb schmeckt ihr der Kaffee besonders. Im Handel

wird stark auf biologischen Anbau gesetzt. Die Industrialisierung

der Neunziger konnte ein wenig zurück gedrängt

werden. Somit wurden neue Alternativen für die

Bauern offen gelegt. Der heimische Handel funktioniert

seitdem viel besser. Nach dem Frühstück verabschiedet

sie ihren Mann. Er muss zur Arbeit. Als Landschaftsarchitekt

arbeitet er in der Großstadt. Seine Arbeit wird

oftmals durch das wunderschöne Raabtal inspiriert.

Graz ist das Ballungszentrum schlechthin. Die Stadt hat

sich in den letzten zehn Jahren fast ums Doppelte vergrößert.

In ihrer Freizeit ziehen sich die Menschen aber

doch lieber aufs Land zurück. Viel Zeit wird investiert,

um das Raabtal so zu erhalten wie es ist und möglicherweise

auch zu verbessern. Seit 2018 wurde das Raabtal

zum Naturschutzgebiet erklärt. Es ist immer wieder eine

Freude mitanzusehen, was man erreichen konnte. Nötig

waren dazu nur ein starker Wille, viele Engagement

und eine positive Einstellung.

Ausgewählter Beitrag von Ruth Miriam Stubenschrott

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Das Entwicklungskonzept Raabtal

Befragungsergebnisse - Zusammenfassung

Aus den 52 ausgewerteten Fragebögen können folgende

wesentlichen Ergebnisse abgeleitet werden:

Frage1 - Von Seiten der Behörden wird viel gegen die

Absiedelung aus dem Raabtal getan.

Über die Hälfte (52 %) der Befragten gab an, nicht darüber

Bescheid zu wissen. Ca. ein Drittel (31 %) meint,

die Behörde unternimmt wenig bis gar nichts gegen die

Absiedelung.

Frage 2 - Die Kulturangebote sind ausreichend.

42 % der Befragten sind mit dem Angebot zufrieden,

von 35 % wird das Angebot als unzureichend beurteilt.

Das heißt, es liegt hier eine sehr zwiespältige Situation

vor. Gibt es hier einseitige Kulturangebote, die nur Teile

der Bevölkerung ansprechen? Jeder Vierte hat dazu

keine klare Aussage.

Frage 3 - Die sportlichen Angebote sind ausreichend.

Hier zeigt sich eine recht breite Auffächerung der Meinungen,

wobei sich die positiven (45 %) wie auch negativen

(38 %) Antworten annähernd die Waage halten.

Der Bereich Sport ist augenscheinlicher in den Köpfen

der Befragten verankert, da nur 17 % dazu keine eindeutige

Meinung äußerten.

Frage 4 - Die Maßnahmen für den Schutz der Umwelt

im Raabtal sind ausreichend.

Mehr als die Hälfte (52 %) sind mit den Maßnahmen

nicht zufrieden, diesen stehen 17 % an Zufriedenen gegenüber.

Frage 5 - Das Wasser der Raab ist sauber.

Ein überraschendes Ergebnis brachte die Frage nach

der Einschätzung des Zustandes des Raabwassers. 69 %

halten den Zustand des Wassers für nicht gut bzw. sehr

schlecht. Hier wirkt wahrscheinlich das negative Image

vergangener Zeiten hartnäckig nach. Und so ganz sauber

ist die Raab ja auch noch nicht.

Frage 6 - Es gibt im Raabtal ausreichend Arbeitsplätze.

Die Mehrheit (61 %) der Befragten ist mit dem Arbeitsplatzangebot

im Raabtal unzufrieden.

Frage 7 - Eine Autobahn im Raabtal wäre eine gute Idee.

Eindeutige 67 % halten dies für keine gute Idee. Das

mag auch damit zusammenhängen, dass die Verkehrsdiskussion

noch stark in den Köpfen der Bewohner verankert

ist. Rund ein Viertel der Befragten sieht in einem

Autobahnbau eine gute Idee.

Frage 8 - Die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln

zu anderen Orten sind ausreichend.

68 % aller Befragten spiegeln genau unsere Erfahrung

wider, dass nämlich der öffentliche Verkehr zu wenig anbietet.

Der Individualverkehr nimmt zwangsweise zu, um

die Mobilität zu erhalten. Hiezu wäre ein differenziertes

Ergebnis der Befragung nach Altersstrukturen hilfreich,

da gerade ältere Personen, aber auch Jugendliche von

diesem Mangel besonders betroffen sind.

Frage 9 - Der Hochwasserschutz im Raabtal ist ausreichend.

41 % meinen, dass der Hochwasserschutz wenig bis

gar nicht ausreichend ist. Ein hoher Prozentsatz von 40 %

der Befragten zeigt dazu keine eindeutige Meinung.

Unserer Ansicht nach besteht daher ein Informationsdefizit

von Seiten der zuständigen Stellen.

“fremd - vertraut” & “gewachsen - gewagt”


„Das Raabtal einst und jetzt“

Hauptplatz Fehring um 1915 ... ... und heute

Berghofermühle um 1945 ... ... und heute

Grazer Tor mit Weißenbachbahn ... ... und heute

Das Entwicklungskonzept Raabtal

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Ansprechpartner

Region

Baubezirksleitung Feldbach

HR DI Franz Kortschak, Bismarckstraße 11-13, 8330 Feldbach, Tel.: (03152) 2511-300, e-mail: franz.kortschak@stmk.gv.at

DI Adolf Haluschan, Wasserbau, Tel.: (03152) 2511-310, e-mail: adolf.haluschan@stmk.gv.at

Dr. Friedrich Delago, Natur- und Umweltschutz, Tel.: (03152) 2511-334, e-mail: friedrich.delago@stmk.gv.at

DI Beate Perl, Straßenbau / Verkehrswesen, Tel.: (03152) 2511-325, e-mail: bblfb@stmk.gv.at

DI Ewald Niederl, Hochbau, Tel.: (03152) 2511-330, e-mail: Ewald.niederl@stmk.gv.at

Steirisches Vulkanland, A-8330 Kornberg Dörfl 2, Tel.: +43-3152-8380-0, Fax: +43-3152-8380-4, e-mail: office@vulkanland.at

Innovationszentrum Ländlicher Raum, DI Dr. Christian Krotscheck, A-8330 Feldbach, Auersbach 130

Tel.: +43-3152-8575-310, Fax: +43-3152-8575-315, e-mail: CKrotscheck@imzentrum.at

Land Steiermark

DI Rainer Opl, A 16, Landes- und Gemeindeentwicklung, Stempfergasse 7, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 3702, e-mail: rainer.opl@stmk.gv.at

DI Daniel Kampus, FA 13B, Bau- und Raumordnung, Energieberatung, Stempfergasse 7, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 2526, e-mail: daniel.kampus@stmk.gv.at

DI Rudolf Hornich, FA 19B, Schutzwasserwirtschaft und Bodenhaushalt, Stempfergasse 7, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 2031, e-mail: rudolf.hornich@stmk.gv.at

DI Dr. Peter Fink, FA 19A, Wasserwirtschaftliche Planung und Siedlungswasserwirtschaft, Stempfergasse 7, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 2033, e-mail: peter.fink@stmk.gv.at

DI Alfred Nagelschmied, FA 18A, Gesamtverkehr und Projektierung, Landhausgasse 7, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 4216, e-mail: alfred.nagelschmied@stk.gv.at

DI Karl Fasching, FA 13C, Naturschutz, Karmeliterplatz 2, 8010 Graz

Tel.: (0316) 877 2734, e.mail: karl.fasching@stmk.gv.at

Fachexperten

DI Richard Resch, Gartengasse 29, 8010 Graz, Tel.: (0316) 33 80 40-21, e-mail: resch@regionalentwicklung.at

DI Wilhelm Schrenk, Gartengasse 29, 8010 Graz, Tel.: (0316) 33 80 40-40, e-mail: schrenk@regionalentwicklung.at

DI Peter Partl, freiland Umweltconsulting, Bergmanngasse 22, 8010 Graz, Tel.: 0316 / 38 28 80, e-mail: partl@freiland.at

DI Bernhard Sackl, Hydroconsult, St. Veiter Straße11, 8045 Graz, Tel.: (0316) 69 47 77-0, e-mail: sackl@hydroconsult.net

DI Stefan Haider, Pieler ZT-GmbH, Neusiedler Straße 35-37, 7000 Eisenstadt, Tel.: (02682) 663 06, e-mail: st.haider@pieler.co.at

DI Rolf Rakusch, Verkehrsplanung, Kreuzgasse 30, 8010 Graz, Tel.: 0316 / 32 32 32, e-mail: office@rakusch.at

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