all4family Mama spielst du mit mir?

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16 all4family Mama spielst du mit mirMamaspielst dumit mir?«von Birgit Widmann-Rebay von Ehrenwiesen


all4family 17Die »Großen Leute«neigen dazu, dasZepter in die Handzu nehmen undbeim Spielen Regiezu führen …yxKindern die Initiative überlassenFast alle Kinder wünschen sich Gesellschaft,wenn sie in Spiellaune sind. Für Erwachsene istes ein schönes Vergnügen, sich auf das Spielenmit ihren Kindern einzulassen. Andererseitsmüssen Eltern ihre Kinder nicht unentwegt»bespielen«, unterhalten, belehren, animieren,anleiten. Die »Großen Leute« neigen dazu,das Zepter in die Hand zu nehmen und beimSpielen Regie zu führen. Sinnvoller ist es beimgemeinsamen Spiel, den Kindern die Initiativezu überlassen und sich in das kindliche Spieleinzufügen. Manchmal erscheint uns Erwachsenender Spielplan langweilig, zu monoton,vielleicht auch »sinnfrei«. Doch Kinder folgenbeim Spielen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sieüben in ihren Spielen meist das, was ihrer Entwicklungim Moment dienlich ist – ganz intuitiv.Und wenn wir »Großen Leute« die Führungim Spiel übernehmen, geht die kreativeFähigkeit unser Kinder allmählich verloren.Auch Babys können es!Schon Babys beschäftigen sich einige Zeit allein.Sie sehen sich das Mobile an, betrachtenihre Finger, versuchen ihre Füße zu erreichen,später greifen sie nach ihren Spielsachen, umsie zu erforschen. Wenn die Kinder dann aufrechtsitzen können, wird das Spiel meist etwaslauter, kleinere Spielsachen werden gepacktund geworfen, Gegenstände werden abgeklopftund immer auch abgeleckt. DiesesSpiel ist sehr wertvoll, denn dabei ist Ihr Kindsehr kreativ und forschend. Loben Sie Ihr Kind,dass es sich so toll mit sich beschäftigt, mischenSie sich jedoch nicht in das Spiel ein!Sobald Ihr Sprössling dann beginnt zu krabbelnund später zu gehen, erweitert sich derAktionsradius um ein Vielfaches. Nun ist eswichtig, dass Sie eine Umgebung schaffen, inder Ihr Kind sich nicht verletzen und auch keinenSchaden anrichten kann. – Wieso daswichtig ist? Je weniger oft Ihr Kind Sie sagenhört: »Nein, nicht da!«, »Geh weg da!«, »Runtervon der Bank!«, desto sicherer können Sieden Forscher- und Unternehmungsgeist IhresKindes bewahren. Wer sein Kind ständig einbremst,nimmt ihm die Lust am Forschen.VerstärkenSie Ihre Erziehung durch Lob, z.B.wenn das Kind etwas Neues gelernt und entdeckthat. »Toll, du kannst die Schubladenauf- und zumachen. Achte auf deine Fingerbeim Schließen.« Falls Ihnen eine Entdeckung


18 all4family Mama spielst du mit mir?ymal nicht so gut gefällt wie Ihrem Kind, könnenSie z.B. die Schublade umfunktionieren:Sie geben nur Dinge hinein, die Ihrem Kindgefallen und die schnell wegzuräumen sind –Mama,uns istlangweiligz.B. Plastikgeschirr von Tupperware. Die anderenSchränke und Schubladen können Siedann mit entsprechenden Vorrichtungen verriegeln.Die verschiedenen Phasender AufmerksamkeitDie Entwicklung der Kinder bringt es sowiesomit sich, dass Freunde immer interessanterund wichtiger werden. Kindergruppen undnatürlich der Kindergartenbesuch unterstützendiese wichtige Entwicklung. Spätestensab drei Jahren ist es für die soziale Entwicklungder Kinder wichtig, mit anderen zu spielen.Auch hier ist oberstes Gebot – halten Siesich möglichst aus den Spielen der Kinderraus und auf Fragen wie: »Mama, uns istlangweilig, was sollen wir jetzt machen?«,»Mama, spielst du mit uns?« reagieren Sieam besten gelassen und zählen ein paar grobumrissene Möglichkeiten auf: »Ihr könnt jarausgehen, was basteln, euch fällt bestimmtwas ein.« Haben Sie Mut und Vertrauen, esdauert manchmal ein bisschen, bis den Kinderneinfällt, was sie gerne machen möchten.Egal, ob die Kinder allein oder zu mehrerenspielen, sie brauchen eine Aufwärmphasemit tastenden Anfangsversuchen bis daspassende Spiel oder Tätigkeit gefunden ist.Sie probieren herum, nehmen Dinge in dieHand, legen diese wieder weg, greifen etwasNeues auf. Durch diese tastenden Anfangsversuchereift der Entschluss, etwas Bestimmteszu spielen. Sobald dieser Entschlussfeststeht, sind die Kinder intensiv beschäftigtund vergessen meist alles um sichherum. Ist die Phase der abklingenden Aufmerksamkeit,die Sättigung erreicht, schweifendie Kinder wieder ab und verlieren dieLust. Diese Aufmerksamkeitsphasen verlaufenwie in Wellenbewegungen.Aufwärmphase – Entschluss – Spielphase –Sättigung – Regeneration – Entschluss –Spielphase – Sättigung.Keines der vielenSachen scheintIhrem Kind zuzurufen:»Nimmmich und spielmit mir!«Langweile gehört dazuVielleicht sitzen die Kinder scheinbar unproduktivherum, starren, tippen Gegenständean, tändeln, möglicherweise hängen sie Erinnerungennach, überlegen, was sie als nächstestun können ... Aus dieser Phase reiftaber bald der nächste Entschluss. Die Kinderaktivieren sich wieder und beginnen eineneue Tätigkeit. Die schöpferische Langeweiledient der Regeneration – dem inneren Auftanken– damit die nächste Aktivität vorbereitetwerden kann. Vielleicht dauert für Siedie »schöpferische Langweile« etwas zulange. Inzwischen sitzt Ihr Kind schon eineViertelstunde zwischen den Legosteinen, derAufziehmaus, den Stiften und den Bauklötzenund scheint keinen Neuanfang zu finden.Wahrscheinlich beschleicht Sie jetzt das Gefühl,Sie müssten vielleicht für noch interessanteresund neues Spielzeug sorgen. Meisthaben Kinder allerdings nicht zu wenig, sondernzu viel Spielzeug. Keines der vielen Sachenscheint Ihrem Kind zuzurufen: »Nimmmich und spiel mit mir!« Damit dieser Aufforderungscharaktervon einem Spielzeugoder einer Sache ausgehen kann, ist es sinnvoll,ein oder zwei Dinge auf einen sonst leerenTeppich zu stellen. Liegen die Spielsachendrunter und drüber, dann beginnt die AufmerksamkeitIhres Kindes von Sache zu Sache,von Spiel zu Spiel zu springen. Die Sachenkönnen die Aufmerksamkeit Ihres Kindesnur sehr kurz auf sich ziehen, denn schonwirbt das nächste Spiel um Beachtung. Oftliegt es an der Angebotsfülle, die es Kindernerschwert, sich zu entscheiden.Entscheidungen müssen gelernt sein!Unterstützen Sie Ihr Kind bei diesem Prozess,


all4family 19UnterstützenSieihre Kinder,Entscheidungenzutreffenindem Sie ein übersichtliches Angebot anSpielmöglichkeiten in Sichtweite belassen.Die anderen Dinge räumen Sie bitte weg.Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, Entscheidungenzu treffen und bestärken Sie es, wenn es einegetroffen hat: »Schön, das du dich für diesesSteckspiel entschieden hast. Ich spiele dasauch gerne.«Loben und bestärken Sie Ihr Kind, wenn essich allein beschäftigt und haben Sie den Mut,es auch einfach nur dasitzen zu lassen um sichzu sammeln, um aufzutanken. Für uns »GroßenLeute« mag das mitunter eigenartig undplanlos scheinen, doch sind diese Momentewichtige Regenerationszeiten, die unsere Kinderin ihrer Entwicklung unterstützen. Nurdurch den inneren Rückzug können sich dieKinder wieder sammeln und für eine neue Tätigkeitbegeistern. Unterstützen Sie Ihre Kinder,Entscheidungen zu treffen, indem Sie fürein kleineres Angebot sorgen. Sie werden merken,jeden Tag wird die Zeit, die Ihr Kind in Eigenbeschäftigungverbringt, ein bisschen mehr.Übrigens kommt unweigerlich der Tag, da wiruns die Frage »Mama, spielst Du mit mir?«wünschen – aber aus den Kindern sind Jugendlichegeworden. y»Kleine Wunder imWald«Carl R. Sams II, Jean StoickVerlag Kerle bei Herder»Dich mag ich besondersgern!« Edda Skibbe, KatjaReider, Verlag Ravensburger,2005»Der Koffer mit densieben Kronen«Giesela CölleBajazzo Verlag»Wenn ich groß bin,werde ich Nobelpreisträger«Isabel Pin Verlag HanserFerrero

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