Sanierungspraxis – Quo Vadis? - PKF

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Sanierungspraxis – Quo Vadis? - PKF

SanierungspraxisQuo Vadis?Handlungsbedarf aufgrund geänderterRahmen bedingungenIn dieser Ausgabe lesen Sie:Editorial ................................................................................................................... 2Anwendung des IDW S 6 auf KMU – Mit den richtigen Prioritätenzu aussagefähigen Konzepten .............................................................................. 3Erwartungslücken bei IDW S 6-Gutachten – Womit dürfen Unternehmen,Stakeholder und Wirtschaftsprüfer rechnen und was kann nicht geleistetwerden? ................................................................................................................... 5Die Sanierungsfähigkeitsbescheinigung nach § 270b InsO – Anforderungenan Inhalt und Qualifikation des Erstellers ............................................................ 8Die Zukunft des Überschuldungsbegriffs – Risiken bei Nichtverlängerungder Übergangsregelung ...................................................................................... 10PKF FASSELT SCHLAGE


Anwendung des IDW S 6 auf KMUMit den richtigen Prioritäten zu aussagefähigen KonzeptenDie auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU)zugeschnittene Erstellung von Sanierungskonzeptenstellt alle Beteiligten bei der Anwendung des IDW S 6vor die Herausforderung, den teils sehr umfangreichenund auf größere Unternehmen ausgelegten Anforderungenin angemessener Weise gerecht zu werden.Wie hier bei KMU vorzugehen ist, ohne Risiken aufgrundverkürzter Darstellungen einzugehen, zeigendie nachfolgend erarbeiteten Leitlinien.1. Risiken bei nicht anforderungsgerechterKonzepterstellungIn der Praxis wird nicht selten versucht, einen für KMUunverhältnismäßigen Aufwand dadurch zu vermeiden,dass statt eines Vollkonzepts nach IDW S 6 ein Gutachten„in Anlehnung“ an IDW S 6 erstellt wird. Das ist jedoch mitRisiken verbunden. Denn dies gewährt dem Auftraggeberkeine Sicherheit, dass die Mindestanforderungen auchtatsächlich erfüllt werden.Andererseits ist ein umfassendes Sanierungskonzeptnach IDW S 6 für kleinere Unternehmen insbesonderein einer schwierigen Liquiditätssituation häufig finanziellschwer darstellbar, und die Konzeptkosten sind im Vergleichzur benötigten Finanzierung unangemessen hoch.Hier besteht das Risiko, dass zukünftig kleinere Unternehmenin Krisensituationen faktisch keine Sanierungskrediteerhalten werden, falls sich der IDW S 6 weiter als Standarddurchsetzen wird und folglich die Kreditinstitute für ihreEntscheidung ein umfassendes Konzept nach den in IDWS 6 festgeschriebenen Standards verlangen.2. Besondere Herausforderungen bei KMUaufgrund der Vorgaben des IDW S 6In der Neufassung des IDW S 6 wird ausgeführt, dass beikleineren Unternehmen das Ausmaß der Untersuchungenund die Berichterstattung an die geringere Komplexitätdes Unternehmens anzupassen sind. Allerdings wird nichtkonkretisiert, wie dies erfolgen kann. Nachfolgend werdendaher Leitlinien für eine solche Anpassung aufgestellt.Der hohe Aufwand für ein umfassendes Sanierungskonzeptnach IDW S 6 entsteht insbesondere im Zusammenhangmit den Untersuchungen und der Dokumentation zur„Ausrichtung am Leitbild des sanierten Unternehmens“.Häufig liegt in KMU kein Leitbild vor oder das bestehendeLeitbild erscheint nicht geeignet. Eine Leitbildentwicklungin der im IDW S 6 beschriebenen vollumfänglichen Formbenötigt oft mehr Zeit als in der Krisensituation verfügbarist und bedarf der Mitarbeit sowohl der Geschäftsführungals auch der Führungskräfte im Unternehmen. Diese Personensind in Krisensituationen jedoch besonders belastet,u. a. mit Aufgaben, die zur Aufrechterhaltung desUnternehmens essenziell sind (z. B. Forderungsmanagement,Akquisition von Aufträgen, Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen).Erschwerend kommt hinzu, dass in KMU oft sogar einhöherer Aufwand erforderlich ist, um die Transparenz überdie wirtschaftliche Ausgangslage zu gewinnen, da einControlling nicht oder nur eingeschränkt erfolgt. Daher istes zwingend erforderlich, bei der Konzepterstellung dierichtigen Prioritäten zu setzen.3. In jedem Fall zu beachtende rechtlicheMindestanforderungenAuch bei KMU müssen selbstverständlich die vom BGHin seiner Rechtsprechung vorgegebenen Anforderungenerfüllt werden. Zu den rechtlichen Mindestanforderungengehörendie Analyse der wirtschaftlichen Ausgangslage im Rahmenseiner Wirtschaftsbranche,darauf aufbauend die Analyse der Krisenursachen,ein schlüssiges und tragfähiges Konzept, das in Anfängenschon in die Tat umgesetzt ist,klar definierte Maßnahmen, die objektiv geeignet sind,die Gesellschaft in überschaubarer Zeit durchgreifendzu sanieren,Aussagen zur Unternehmensfortführung und zu Insolvenzgründen,PKF Spezial Sanierung | November 2012 | 3


eine integrierte Unternehmensplanung basierend auftransparenten Prämissen undder erkennbare Fortführungswille der Unternehmensorgane.Der Umfang der Analysen zur wirtschaftlichen Ausgangslageund zur Marktsituation kann zwar zweckdienlich – d. h.vor allem im Hinblick auf die Krisenursachen – gestaltet werden,es muss jedoch zwingend die bisherige Entwicklungder Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage enthalten sein.die langfristigen Zielvorstellungen des Unternehmens,die angestrebte Wettbewerbsposition und die entsprechendenDifferenzierungsmerkmale,die Produkt-/Marktkombinationen der wesentlichenGeschäftsfelder des Unternehmens,die Stärken des Unternehmens und deren Relevanz fürden Strategieentwurf sowiedie Maßnahmen, die sich aus dem Strategieentwurfableiten.Empfehlung: Bei der Analyse der Krisenursachen und Andere, in den Abschn. 4.1 bis 4.3 des IDW S 6 aufgeführtebei der integrierten Unternehmensplanung sowie der Darstellungder Planungsprämissen solltenAspekte sollten jedenfalls für KMU nicht als zwingendeBestandteile eines Sanierungskonzeptsauch bei KMU keine Abstriche gemachtwerden, da das Konzept einem Drittendie Möglichkeit verschaffen muss, dieInhalte nachzuvollziehen, um z. B. eineKreditentscheidung zu treffen.Der Erfolg einesMaßnahmenplans hängtin KMU am stärkstendavon ab, ob es währendder Konzepterstellungangesehen werden. Dies gilt insbesonderefür die Punkte unter Abschn. 4.2(„Beschreibung der zukünftigen Unternehmensstrukturen“vom ProduktionsundAbsatzprogramm über Forschunggelingt, die Zustimmung und Entwicklung, Belegschaft, Nachhaltigkeitbis zu den Unterstützungs-Im Folgenden wird bezüglich Konzeptund das Engagement derund Maßnahmen eine mögliche Reduzierungauf Mindestanforderungen im Kon-(oft wenigen) Führungskräftezu gewinnen. bereits hervorgehoben) eine Beschränsystemen).Hier erscheint (wie soebentext des IDW S 6 beschrieben.kung auf die Aspekte sinnvoll, die entwederunmittelbar krisenrelevant sind oder4. Gestaltungsspielräume bei der Konzepterstellungund derbei denen eine latente Krisenursache offensichtlich ist.MaßnahmenableitungUm ein schlüssiges Konzept in einem angemessenenUmfang zu erstellen, müssen die richtigen Prioritäten beiden Untersuchungen und der Dokumentation zur „Ausrichtungam Leitbild des sanierten Unternehmens“ (Abschn. 4des IDW S 6) gesetzt werden. Das darf keineswegs in demSinne missverstanden werden, dass dieser Aspekt unwichtigwäre. Im Gegenteil: Eine klare Unternehmensstrategieist unerlässlich, um eine Krise erfolgreich zu bewältigen,und Strategiediskussionen sind im Rahmen der Erstellungeines Sanierungskonzepts zwingend erforderlich.Hinweis: Höchste Priorität haben in diesem Zusammenhangdie Aspekte, die in direktem Zusammenhang mitden Krisenursachen stehen und/oder Maßnahmen betreffen,die in der Planung angenommene finanzielle Auswirkungenhaben.Immer unerlässlich ist zumindest ein Strategieentwurf, derfolgende Punkte enthält:Bei der Definition der Maßnahmen zur Überwindung derKrise kann von der im IDW S 6 im Abschn. 5 beschriebenenstrengen Logik der „stadiengerechten Bewältigungder Unternehmenskrise“ abgewichen werden (erstSicherstellung der Zahlungsfähigkeit, dann Erreichender Gewinnzone, schließlich die strategische Ausrichtungusw.). Dieser ohnehin oft kritisierte Ansatz sollte inKMU ersetzt werden durch ein stufenweises Vorgehen,wobei sich die Sofortmaßnahmen in der ersten Phasebereits aus einem ganzheitlichen Konzept ergeben, dasdie strategische, operative und finanzielle Restrukturierungumfasst.Der Erfolg eines Maßnahmenplans hängt in KMU amstärks ten davon ab, ob es während der Konzept -erstellung gelingt, die Zustimmung und das Engagementder (oft wenigen) Führungskräfte zu gewinnen. Insofernliegt hier die Priorität in der gemeinsamen Arbeit mit dem4 | PKF Spezial Sanierung | November 2012


Management, um Lösungen zu identifizieren und Maßnahmen,Termine sowie Verantwortlichkeiten zu definieren.5. FazitIn Anbetracht der beschriebenen Sachlage ist es nachvollziehbar,dass ein Großteil der Sanierungskonzepte fürkleine und mittlere Unternehmen lediglich „in Anlehnung“an IDW S 6 erstellt wird.Empfehlung: Wenn Unternehmen ein solches Konzeptbeauftragen, sollten sie allerdings sicherstellen, dassdie vorstehend beschriebenen Leitlinien beachtet werden.Mit der Beschränkung auf die o. g. Mindestanforderungenund die erläuterten Prioritäten ist es den PKF-Expertenunter Rückgriff auf vorhandene Erfahrungen und weitgefächerteKompetenzen möglich, aussagekräftige underfolgversprechende Sanierungskonzepte mit angemessenemAufwand zu erstellen.Erwartungslücken bei der Vergabe und Umsetzungvon Gutachten gem. IDW S 6Womit dürfen Unternehmen, Stakeholder und Wirtschaftsprüferrechnen und was kann nicht geleistet werden?Initiativen zur Erteilung eines Auftrags für ein Gutachtengem. IDW S 6 werden regelmäßig von an der Gesellschaftinteressierten Personen mit relevantem vermögensrechtlichenInteresse (Stakeholder) ergriffen. Inder täglichen Arbeitspraxis der Vergabe von Gutachtenaufträgenfür kleinere und mittlere Unternehmen(KMU) stehen die Kreditinstitute als Initiatoren für dieBeauftragung von S 6-Gutachten an erster Stelle.1. Erwartungslücke bei der Vergabe vonAufträgenIn der Praxis der Beauftragung von Gutachten für KMUist immer wieder festzustellen, dass sich die Auftrag geberund Initiatoren zu wenig Gedanken über ihr speziellesInformationsinteresse an dem zu analysierenden Unternehmenmachen. Anregungen bzw. Aufträge zur Erteilungvon S 6-Gutachten werden häufig zu spät und inhaltlich zuallgemein erteilt. Dies liegt oft daran, dass die Kreditinstituteals Gläubiger und „Nichteigentümer“ nur eine Anregungfür ein Gutachten geben können und die Eigentümerbzw. Geschäftsführung als formelle Auftraggeber dieAbsichten der Banken und anderer Stakeholder ungenügendhinterfragen oder gar falsch interpretieren.Hintergrund der Anforderung von Gutachten nach IDW S 6sind im Ergebnisdie rechtlichen Rahmenbedingungen wie das Handelsgesetzbuch(HGB), die Insolvenzordnung (InSO), dasKreditwesengesetz (KWG) und die Mindestanforderungenan das Risikomanagement (MaRisk),aber auch die Rechtsprechungsgrundsätze, welche insbesondereden Kreditinstituten in Sanierungsfällen nurenge Gestaltungsspielräume lassen. Hier ist die fachlicheUnterstützung durch Dritte, insbesondere Wirtschaftsprüfer,zur Abgabe eines neutralen Urteils zur Sanierungsfähigkeitdes Unternehmens meist unabdingbar.Allerdings sind KMU mit der Beauftragung und Abarbeitungeines S 6-Arbeitsprogramms häufig nicht gutbedient: Allein schon die für KMU entstehenden Kostenund die beschränkten Arbeitskapazitäten des Unternehmenserfordern eine sinnvolle Einschränkung des Auftragsauf die spezielle Unternehmenssituation und die zwingendeDefinition aussagerelevanter Arbeitsschwerpunkte.Hilfreiche Leitlinien für solche Anpassungen enthält dervorstehende Beitrag dieser Spezial-Ausgabe. Hier solltenAuftraggeber und Wirtschaftsprüfer eine klare Grenze zwi-PKF Spezial Sanierung | November 2012 | 5


schen den S 6-Anforderungen und den wünschenswerten der Markttrends sowieAnalyseschwerpunkten im Hinblick auf eine bewusst eingeschränkteGutachtenaussage ziehen.gleichbarer Konkurrenten (Benchmarking).der Kennzahlen unmittelbar mit dem Unternehmen ver-Da die Grenzen der möglichen Einschränkung des Dabei sind auch Fragen der Zukunftsfähigkeit des aktuellenProduktprogramms und der Verfügbarkeit vonArbeitsumfangs für ein S 6-Gutachten nicht eindeutigdefiniert sind, erscheint es zur Vermeidung einer Erwartungslückebei den Stakeholdern zwar naheliegend, einen„Human kapital“ für die angestrebte Zielerreichung zubeantworten. Hier ist vor allem auf die Qualifikation desan S 6 „angelehnten“ Gutachtenauftragin Erwägung zu ziehen. Diese FormManagements und der zweiten Leitungsebene,aber auch auf eine ausrei-Je schlechter der Zustandder Beauftragung ermöglicht es aberdes Rechnungswesens chende Anzahl gut ausgebildeter Mitarbeiterabzustellen.nur dann, dem Unternehmen und derist, desto unvollkommenerBranchenproblematik entsprechendesind die Qualität der UnternehmensplanungundArbeits- und AnalyseschwerpunkteFerner ist die detaillierte Untersuchunggezielter zu bilden, wenn die im vorliegendenSpezial-Heft ab S. 3 aufgetätslage– auch vergangenheitsorientiertder Vermögens-, Ertrags- und Liquidi-folglich auch die Aussagekrafteiner integriertenführten Leitlinien beachtet werden.– unabdingbar. In diesem Zusammenhangwird nicht selten eine Erwartungs-Sanierungsplanung.Empfehlung: Die Modifikationenlücke zwischen dem auftraggebendendes Gutachtenauftrags im o. g. SinneUnternehmen und dem Wirtschaftsprüfersichtbar, wenn das Unternehmen entsprechende Infor-sollten in jedem Falle unbedingt vorab mit den das Gutachteninitiierenden Stakeholdern, insbesondere den Kreditinstituten,abgestimmt werden.mationen als gegeben unterstellt.Unabhängig von Einzelfallgegebenheiten kann generell2. Erwartungslücke bezüglich der Auftragsdurchführunggesagt werden: Je schlechter der Zustand des Rechnungswesensist, desto unvollkommener sind auch die QualitätDie Umsetzung eines Sanierungsgutachtens, welches sich der Unternehmensplanung und folglich die Aussagekraftan S 6 „anlehnt“, führt nur scheinbar zu einem höheren einer integrierten Sanierungsplanung.Freiheitsgrad bei der Erteilung des Arbeitsauftrags. DennHier ist der auftragnehmende Wirtschaftsprüfer gefordert,die zwischen ihm und dem Unternehmer ggf. beste-insbesondere ein modifizierter S 6-Auftrag erfordert eineklare Festlegung der Untersuchungsschwerpunkte, diehende Erwartungslücke im Hinblick auf die Qualität desspäter als relevante Unternehmensinformationen in dieverfügbaren Datenmaterials und der daraus abzuleitendenUnternehmensaussagen frühzeitig und unmittelbarintegrierte Sanierungsplanung Eingang finden sollen.Unerlässlich ist es dabei, dass im Vorfeld der Auftragsdurchführungdie sog. weichen Faktoren im Sinne vonmit dem betroffenen Unternehmen zu besprechen.Empfehlung: In der Regel ist eine Modifikation des„Basel II“ (wie Unternehmensphilosophie und derenerteilten Auftrags sinnvoll. Der Wirtschaftsprüfer sollte inUmsetzung, qualifizierte Aussagen über die Nachfolgeregelungenetc.) geklärt worden sind bzw. werden. Davon istdiesem Fall seine Mithilfe bei der Erhöhung der Qualitätder mangelhaften Planungsdaten anbieten. Die Beauftragungeines an den S 6 „angelehnten“ Gutachtens ermög-bei dauerhaften Geschäftsbeziehungen zu Kreditinstitutenüberwiegend auszugehen.licht dabei mehr Flexibilität in der AuftragsmodifikationIm Vordergrund der Ressourcen- und Potenzialanalyse des und -bearbeitung als ein „Vollgutachten“.Unternehmens steht – neben der Überprüfung der Unternehmensstrategieund strategischer Entscheidungen derZu beachten ist, dass eine intensive Befassung des Wirtschaftsprüfersmit den Planungsdaten im Ergebnis dazuVergangenheit – eine genaue Untersuchungführt, dass dieser nicht mehr als Abschlussprüfer zur Verfügungstehen der Stellung des Unternehmens am Markt,kann.6 | PKF Spezial Sanierung | November 2012


Gutachten gem. S 6 als Basis für konstruktive Sanierungsgespräche zwischen allen BeteiligtenHinweis: Eine wenig empfehlenswerte Alternativehierzu wäre, eine S 6-Stellungnahme auf unvollkommenerDatenbasis mit entsprechenden kritischen Hinweisen zuerarbeiten. Letzteres kann katastrophale Entscheidungender Stakeholder, insbesondere der Kreditinstitute, zurFolge haben. Dies kann bis zur Zerschlagung eines grundsätzlichüberlebensfähigen Unternehmens führen.3. Erwartungslücke bei der Einschätzungdes HandlungsbedarfsMit der Fertigstellung der gutachterlichen Aussage desWirtschaftsprüfers sind gerade bei einem positiven Votumzur Sanierungsfähigkeit die Erwartungen des auftraggebendenUnternehmens groß, nun endlich die Fragender Stakeholder und die damit verbundenen Problemegelöst zu haben. Dies kann insbesondere dann ein Irrtumsein, wenn aus dem Gutachten Empfehlungen zurTilgungsstreckung oder gar zum teilweisen Darlehenserlassgegenüber Kreditinstituten gegeben werden. In diesenFällen stehen oft anstrengende Bankenrunden bevor –mit dem Ziel, ein einheitliches, verlässliches Verhalten derbeteiligten Kreditinstitute und evtl. beteiligter mezzaninerFinanzierer zu erreichen. Die Ergebnisse des die Sanierungsfähigkeitbestätigenden Gutachtens sind dann nichtdie Lösung, sondern die vertrauensbildende Plattform fürweiter in die Zukunft gerichtete Gespräche und ggf. harteVerhandlungen.Positive Ergebnisse einer integrierten Sanierungsplanungsind insbesondere dann noch nicht der Schlusspunktder Analysen, wenn – was in der Praxis häufigder Fall ist – von den Stakeholdern noch zusätzlich zuerarbeitende Daten zu weiteren Entscheidungsparameternangefordert werden. Auch werden bei bestehenderbilanzieller Überschuldung gerade im Hinblick auf die ab1.1.2014 nach derzeitiger Gesetzeslage wieder geltendestrengere Fassung des § 19 Absatz 2 InsO (vgl. dazu imDetail den in diesem Heft ab S. 10 nachfolgenden Beitrag)Lösungen erwartet, welche die bestehende Unterbilanzbeseitigen.Eine aus den beschriebenen Gründen zwischen Unternehmerund Stakeholder mit der Fertigstellung des Gutachtensentstehende Erwartungslücke kann geschlossen werden,indem die Ergebnisse einer dem S 6 „angelehnten“ Stellungnahmevon den Beteiligten als Zwischeninformationfür Unternehmen und Stakeholder begriffen werden – mitdem Ziel, im gemeinsamen Gespräch weitere Handlungsalternativenzur Überwindung der Unternehmenskrise zufinden.Empfehlung: Hier mündet im Idealfall ein Gutachtengem. S 6 in ein konstruktives Sanierungsgespräch zwischenallen Stakeholdern. Denn erfahrungsgemäß ist esdie beste Lösung, ein Unternehmen im Einvernehmen derBeteiligten in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.PKF Spezial Sanierung | November 2012 | 7


Die im Zuge des Antrags auf Eröffnung des Schutzschirmverfahrens anzufertigende Bescheinigung muss umfassende Auskunft über dieSanierbarkeit des Unternehmens geben.Die Sanierungsfähigkeitsbescheinigung als Voraussetzungfür eine Sanierung unter EigenverwaltungAnforderungen an Inhalt und Qualifikation des ErstellersEine wesentliche formale Voraussetzung des neugeschaffenen Schutzschirmverfahrens nach § 270 bInsO ist die Erstellung einer Sanierungsfähigkeitsbescheinigungdurch einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer,Rechtsanwalt oder „eine Person mit vergleichbarerQualifikation“. Der insoweit eher weit gehalteneGesetzestext wirft Fragen sowohl zum Inhalt dieserBescheinigung als auch zur Qualifikation des Erstellersauf.1. Neue InsolvenzkulturMit der über das Gesetz zur weiteren Erleichterung derSanierung von Unternehmen (ESUG) zum 1.3.2012 inKraft getretenen Reform der deutschen Insolvenzordnung(InsO) soll ein Paradigmenwechsel hin zu einer neuenInsolvenzkultur nach internationalem Vorbild angestoßenwerden. Die Möglichkeit der Restrukturierung auf leistungswirtschaftlicherEbene in Eigenverantwortung desSchuldners soll das Vertrauen von Schuldnern und Gläubigernin die Sanierungspraxis gleichermaßen stärken. Miteiner verbesserten Aussicht auf Eigenverwaltung will derGesetzgeber Anreize schaffen, sich bei Überschuldungoder drohender Zahlungsunfähigkeit frühzeitig unter den„Schutzschirm“ eines vorinsolvenzlichen Sanierungsverfahrenszu begeben.2. Ablauf des SchutzschirmverfahrensZur Einleitung eines solchen Schutzschirmverfahrens hatder Schuldner neben den formalen Anträgen auf Verfahrenseröffnungund Eigenverwaltung eine Bescheinigungvorzulegen, aus der hervorgeht, „dass drohende Zahlungsunfähigkeitoder Überschuldung, aber keine Zahlungsunfähigkeitvorliegt, und die angestrebte Sanierungdes Unternehmens nicht offensichtlich aussichtslos ist“.Zur Durchführung und Beaufsichtigung der Sanierungschlägt der Schuldner bereits im Eröffnungsantrag einen8 | PKF Spezial Sanierung | November 2012


vorläufigen Sachwalter vor. Das Insolvenzgericht kannnur in begründeten Fällen vom Vorschlag des Schuldnersabweichen, etwa wenn die vorgeschlagene Person offensichtlichfür die Übernahme des Amtes nicht geeignet ist.Bei Zulässigkeit des Eröffnungsantrags setzt das Insolvenzgerichtdem Schuldner eine bis zu dreimonatige Fristzur Vorlage eines Insolvenzplans.Während dieses Zeitraums behält der Schuldner unterMitwirkung von Sachwalter und Gläubigerausschussseine Verfügungsgewalt über das Unternehmen. EinzelneGläubiger können die Begleichung ihrer Forderungenin diesem Zeitraum nicht durchsetzen. Es bedarfeiner Mehrheit im vorläufigen Gläubigerausschuss, um inbegründeten Fällen die Aufhebung des Schutzschirmverfahrenszu beantragen.3. Anforderungen an die Inhalte der BescheinigungDie im Zuge des Antrags auf Eröffnung des vorinsolvenzlichenSchutzschirmverfahrens anzufertigende Bescheinigungmuss umfassende Auskunft über die Sanierbarkeitdes in Schieflage geratenen Unternehmens geben. Umdie Zulässigkeit des Antrags zu garantieren, sind bei derErstellung der Bescheinigung folgende inhaltliche Kriterienzu beachten:Erstens darf die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmenszum Antragsstichtag nicht bereits eingetretensein. Der Ersteller der Bescheinigung hat zu diesemZwecke den Liquiditäts- und Finanzstatus des Unternehmenszu prüfen und ggf. die drohende Zahlungsunfähigkeitzu bescheinigen. Bei einer bereits eingetretenenZahlungsunfähigkeit ist eine nachträglicheEröffnung des Schutzschirmverfahrens ausgeschlossen.Der Tatbestand der bilanziellen Überschuldung darfhingegen erfüllt sein.Zweitens muss im Vorfeld eine betriebswirtschaftlichfundierte Analyse durchgeführt werden, die im positivenFall die Sanierungsfähigkeit des zu sanierendenUnternehmens bestätigt. Ein sachkundiges Sanierungskonzeptmit umfassender Markt- und Geschäftsanalyseerscheint zur Beurteilung der Sanierungsfähigkeitdaher unerlässlich. Im Weiteren sollten folgendePunkte die Grundlage für die in der Bescheinigung getätigtenAussagen bilden:· Detaillierte Finanz- und Liquiditätsplanung für diekommenden drei Monate;· Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmensanhand von Bilanz und GuV;· Analyse der Krisenursachen und -stadien sowie Maßnahmenzu deren Beseitigung;· Sanierungshemmnisse und erwartetes Verhalten derStakeholder;· zukunftsorientierte integrierte Sanierungs- und Businessplanung;· Erstellung eines Leitbildes des sanierten Unternehmens.Insgesamt gesehen muss die Bescheinigung des Sondersachverständigenderart substantiiert sein, dass sie demInsolvenzgericht eine hinreichende Grundlage für eineEntscheidung liefert.Empfehlung: Die Einhaltung formeller Sanierungsstandardswie beispielsweise nach den Verlautbarungendes Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) ist zwar lautGesetzesbegründung nicht erforderlich. Ein mit Augenmaßauf das zu sanierende Unternehmen zugeschnittenesSanierungsgutachten kann jedoch die Chancen erhöhen,eine zeitaufwändige Überprüfung der Bescheinigung imAuftrag des Gerichts zu vermeiden und somit eine zügigeGenehmigung des Schutzschirmverfahrens zu erwirken.Die Ausarbeitung der Bescheinigung ist dabei an dieGröße und Komplexität des Unternehmens anzupassen.4. Anforderungen an die Qualifikation desErstellers der BescheinigungNeben in Insolvenzsachen erfahrenen Steuerberatern,Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten werden nachneuem Recht auch „sonstige Personen mit vergleichbarerQualifikation“ als Ersteller der Bescheinigung in Betrachtgezogen. Aus der Gesetzesbegründung geht hervor, dassdie Aufzählung der in Frage kommenden Berufe bewusstweit gehalten wurde, um z. B. auch Steuerbevollmächtigteoder Berufsträger aus dem europäischen Auslandim Sinne der europäischen Dienstleistungsrichtlinie für dieVerfahren zu gewinnen.Ungeachtet seiner Berufsgruppe muss der Ersteller derSanierungsbescheinigung praktische Kenntnisse in Insolvenzsachenvorweisen können. Die nötige Erfahrung kannPKF Spezial Sanierung | November 2012 | 9


Berufsträgern unterstellt werden, die bereits vergleichbareSanierungsgutachten nach den berufsständischen Verlautbarungen(IDW S 6) angefertigt und von richterlicherSeite bestätigte Insolvenzpläne ausgearbeitet haben.Berufsträgerschaft allein stellt hingegen auch verbundenmit theoretischen Kenntnissen im Bereich der Unternehmenssanierungtrotz des allgemein gehaltenen Wortlautsdes Gesetzestextes noch keinen hinreichenden Beleg derQualifikation dar.Empfehlung: Um eine formale Ablehnung desSchutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung zu verhindernund den Zeitaufwand gerichtlicher Prüfung zu minimieren,sollte der Ersteller dem zuständigen Gericht bereitsbei Antragstellung seine praktische Erfahrung im BereichUnternehmenssanierung – beispielsweise durch Nennungentsprechender Referenzen – ausführlich darlegen.5. Zusammenfassende EmpfehlungenDamit die Einleitung des Schutzschirmverfahrens nichtdurch Einwände des Gläubigerausschusses verzögertoder blockiert wird, sollte die Bescheinigung umfassendeAuskünfte über den Finanzstatus und die Sanierungschancendes Unternehmens enthalten. Der Inhalt derBescheinigung sollte somit bereits im Vorfeld möglichstgenau unter den Beteiligten abgestimmt werden.Für eine erfolgreiche Sanierung ist zudem der Zeitfaktoreine entscheidende Komponente. Je geringer die Zweifeldes Insolvenzgerichts hinsichtlich der Qualifikationdes Erstellers und des Inhalts der Sanierungsbescheinigungsind, umso wahrscheinlicher ist es, dass der Antragauf Eröffnung eines vorinsolvenzlichen Schutzschirmverfahrensin Eigenverantwortung zügig und unter Verzichtauf eine zusätzliche und aufwändige Überprüfung vonBescheinigungsinhalt und Qualifikation des Bescheinigungserstellersbewilligt wird.Hinweis: Um das zu unterstützen, hat das IDW zuBeginn diesen Jahres mit dem IDW ES 9 einen Entwurfsstandardveröffentlicht, in dem es die Berufsauffassungdazu darlegt, welche Anforderungen an den beauftragtenWirtschaftsprüfer sowie an den Inhalt der Bescheinigungzu stellen sind. Gutachter, die sich – wie die Sie betreuendenPKF-Experten – daran halten, dürften insoweit zurVertrauensschaffung bei den Beteiligten beitragen.Die Zukunft des ÜberschuldungsbegriffsRisiken bei Nichtverlängerung der ÜbergangsregelungDie aktuell gültige gesetzliche Regelung des Überschuldungsbegriffsist bis zum 31.12.2013 befristet.Eine Beendigung dieser Befristung könnte zahlreichelebensfähige Unternehmen in die Insolvenz drängen.1. Konsequenzen bei bilanziellerÜberschuldungNeben Zahlungsunfähigkeit und drohender Zahlungsunfähigkeitstellt die Überschuldung nach § 19 der Insolvenzordnung(InsO) einen dritten Eröffnungsgrund für einInsolvenzverfahren dar. Nach aktuell geltender (aber biszum 31.12.2013 befristeter) Rechtslage liegt Überschul-dung vor, „wenn das Vermögen des Schuldners die bestehendenVerbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn,die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständenüberwiegend wahrscheinlich“.Hiernach sind die Unternehmensorgane verpflichtet,innerhalb von drei Wochen nach Eintritt der rechnerischenÜberschuldung einen Insolvenzantrag zu stellen – außerbei Vorliegen einer positiven Fortführungsprognose, wasnach herrschender Meinung bedeutet, dass mit über50 % liegender Wahrscheinlichkeit das Unternehmen imlaufenden und dem darauf folgenden Geschäftsjahr nichtzahlungsunfähig wird.10 | PKF Spezial Sanierung | November 2012


2. Gesetzliche Regelungen im Überblick2.1 Alte RegelungVor der Änderung der InsO am 17.10.2008 reichte einepositive Fortführungsprognose nicht aus, um die Überschuldungauszuschließen. Eine positive Fortführungsprognosehatte lediglich Auswirkungen auf die Wertermittlungin der Überschuldungsbilanz. Somit war trotzabsehbarem Turnaround ein Insolvenzantrag zu stellen.2.2 Aktuelle RegelungIm Zuge der Finanzkrise 2008 drohte zahlreichen Unternehmenaufgrund starker Wertverluste bei Aktien undImmobilien die bilanzielle Überschuldung – so die Regierungsbegründungzum Finanzmarktstabilisierungsgesetz(FMStG). Um zu verhindern, dass ansonsten lebensfähigeUnternehmen in die Insolvenz gezwungen werden,beschloss der Gesetzgeber mit dem FMStG die Rückkehrzum sog. modifizierten zweistufigen Überschuldungsbegriff,der auch schon vor dem Inkrafttreten der InsO imJahr 1994 galt. Eine Insolvenzantragspflicht aufgrund vonÜberschuldung ist demnach bei positiver Fortführungsprognosenicht mehr gegeben.Diese Regelung war ursprünglich bis zum 31.12.2010befristet und wurde im September 2009 um drei Jahre aufden 31.12.2013 verlängert.2.3 Studie zum ÜberschuldungsbegriffIm Zuge dieser Verlängerung bat der Deutsche Bundestagdie Bundesregierung, die Auswirkungen der Änderungevaluieren zu lassen, um auf dieser Grundlage ggf.später für eine weitere Verlängerung oder auch für eineEntfristung dieses Überschuldungsbegriffs entscheidenzu können. Deshalb beauftragte das Bundesministeriumder Justiz (BMJ) im Frühjahr 2012 das Zentrum für Insolvenzund Sanierung an der Universität Mannheim (Leitung:Prof. Dr. Georg Bitter), eine entsprechende Studiezu erstellen.An der schriftlichen Befragung nahmen über 600 Insolvenzverwalter,Rechtsanwälte, Sanierungs- und Unternehmensberater,Bankmitarbeiter und Wirtschaftsprüfer teil.Einige zentrale Ergebnisse wurden am 15.6.2012 anlässlichdes vom ZIS veranstalteten Insolvenzrechtstags 2012bekanntgegeben und wenig später in einem Beitrag derZeitschrift für Wirtschaftsrecht (ZIP 2012 S. 1201 ff.) veröffentlicht.Hiernachhaben sich drei Viertel der Befragten gegen eine Rückkehrzur alten Rechtslage zum 1.1.2014 ausgesprochen,bestehen nach Meinung der meisten Experten dieMarktunsicherheiten, die zur Gesetzesänderung geführthaben, nach wie vor,ist einzig die Gruppe der Insolvenzverwalter deutlichskeptischer – was nach Meinung des Studienleiters Bitterdaran liegen dürfte, dass sie eben (fast) nur mit den Unternehmenzu tun haben, deren Sanierungs bemühungen imVorfeld des Insolvenzantrags gescheitert sind.Konsequenterweise empfehlen die Gutachter demGesetzgeber dann auch, die Verlängerung des aktuell geltendenÜberschuldungsbegriffs vorzusehen. Wie einigeandere Experten auch würde Bitter noch weitergehen undeine dauerhafte Beibehaltung bevorzugen oder sogar diegänzliche Abschaffung der Überschuldung als Auslösereiner Insolvenzantragspflicht befürworten. Im letzterenFall allerdings wäre ein (freiwilliges) Insolvenzantragsrechtbei Überschuldung sinnvoll.3. Problemfelder3.1 Mangelnde Rechtskenntnis bei KMUAls ein Grund gegen die Rückkehr zur alten Vorschriftwird die mangelnde Kenntnis der Regelung vor allembei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) genannt.In der oben genannten Studie wird von 78% der Expertengeschätzt, dass die Geschäftsführer bestenfalls nurzum Teil Kenntnis davon hätten, dass die Überschuldungmit Insolvenzantragspflicht einhergeht. Folgende Aussageeines Studien-Teilnehmers bringt es auf den Punkt:„Ob nach altem oder neuem Überschuldungsbegriff keinInsolvenzantrag gestellt wird, ist letztlich egal.“ Erfahrungsgemäßwürden Insolvenzanträge im Regelfall nichtauf Überschuldung gestützt werden.3.2 Umfangreiche BewertungsanforderungenDemgegenüber wird von den großen Unternehmenbetont, dass die Überschuldungsmessung wegen derNotwendigkeit umfangreicher BewertungstätigkeitenPKF Spezial Sanierung | November 2012 | 11


mit sehr hohen Anforderungen verbunden ist. Die nachaltem Recht in der Überschuldungsbilanz anzuwendendeErmittlung von Fortführungs- bzw. Zeitwerten istnämlich nicht nur für die Unternehmen mit erheblichemAufwand verbunden, sondern auch durch potenzielleErmessensspielräume wie beim Ansatz eines Firmenwertsweitgehend mit Subjektivität behaftet.3.3 Schon jetzt zu beachtende AuswirkungenZu beachten ist angesichts der derzeitigen Rechtslage insbesondereder Prognosezeitraum, der das laufende unddas folgende Wirtschaftsjahr umfasst. Das kann bei zahlreichenUnternehmen dazu führen, dass zwar eine positiveLiquidität, aber zum Stichtag 31.12.2013 noch ein negativesReinvermögen prognostiziert wird. Dies hätte dannwegen des anschließend wieder geltenden alten Überschuldungsbegriffseine negative Fortführungsprognosezur Folge.ImpressumPKF FASSELT SCHLAGE PartnerschaftWirtschaftsprüfungsgesellschaft · SteuerberatungsgesellschaftZwar tendiert das BMJ zu einer Verlängerung des Anwendungszeitraumsüber den 31.12.2013 hinaus. Nach Äußerungenvon Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenbergerspricht „einiges dafür, die jetzige Regelungnochmals für einen signifikanten Zeitraum zu verlängern“.Zudem hat das IDW in seinem Positionspapier zur insolvenzrechtlichenFortbestehensprognose (vom 13.8.2012)klargestellt, dass eine im Prognosezeitraum drohendeÜberschuldung allein keine Insolvenzantragspflichtbedingt. Aber es bleibt festzuhalten, dass sich diesbezüglichnoch keine eindeutige Meinung bzw. Rechtsetzunggebildet hat.4. Aktueller HandlungsbedarfDie laufende rechtliche Entwicklung hinsichtlich der am31.12.2013 auslaufenden Übergangsregelung solltewegen der bereits heute potenziell gravierenden Auswirkungengenau beobachtet werden.Empfehlung: Um alle Zweifel bezüglich der unklarenRechtslage zu beseitigen, sollten Überschuldungstatbeständezum 1.1.2014 bereits heute etwa durch Rangrücktrittserklärungenbei Gesellschafterdarlehen oderFinanzierungszusagen beseitigt werden, was dann aberrechtsverbindlich geschehen müsste.14050 Berlin · Platanenallee 11 · Tel. +49 30 306 907 - 0 38122 Braunschweig · Theodor-Heuss-Str. 2 · Tel. +49 531 2403 - 047059 Duisburg · Schifferstraße 210 · Tel. +49 203 30001- 0 60325 Frankfurt · Ulmenstr. 37 - 39 · Tel. +49 69 17 00 00 - 020354 Hamburg · Jungfernstieg 7 · Tel. +49 40 35552-0 50670 Köln · Gereonstraße 34 - 36 · Tel. +49 221 1643 -039340 Haldensleben · Hagenstr. 38 · Tel. +49 3904 66 38 - 0 06114 Halle · Bernburger Straße 4 · Tel. +49 345 52 521- 038350 Helmstedt · Bötticherstr. 51 · Tel. +49 5351 12 01- 0 04275 Leipzig · August-Bebel-Str. 61 · Tel. +49 341 3099 - 1039112 Magdeburg · Halberstädter Str. 40 A · Tel. +49 391 62 823 - 0 56410 Montabaur · Steinweg 40 - 42 · Tel. +49 2602 93 11 - 014476 Potsdam · Am Lehnitzsee 5 · Tel. +49 33208 223 55 18055 Rostock · Am Vögenteich 26 · Tel. +49 381 491 24 - 056856 Zell (Mosel) · Schlossstraße 34 · Tel. +49 6542 96300 - 0www.pkf-fasselt.deDie Inhalte dieser PKF* Publikation können weder eine umfassende Darstellung der jeweiligen Problemstellungen sein noch den auf die Besonderheiten von Einzelfällenabgestimmten steuerlichen oder sonstigen fachlichen Rat ersetzen. Wir sind außerdem bestrebt sicherzustellen, dass die Inhalte dieser PKF* Publikation dem aktuellenRechtsstand entsprechen, weisen aber darauf hin, dass Änderungen der Gesetzgebung, der Rechtsprechung oder der Verwaltungsauffassung immer wieder auch kurzfristigeintreten können. Deshalb sollten Sie sich unbedingt individuell beraten lassen, bevor Sie konkrete Maßnahmen treffen oder unterlassen.*PKF Fasselt Schlage ist ein Mitgliedsunternehmen des PKF International Limited Netzwerks und in Deutschland Mitglied eines Netzwerks von Wirtschaftsprüferngemäß § 319 b HGB. Das Netzwerk besteht aus rechtlich unabhängigen Mitgliedsunternehmen. PKF Fasselt Schlage übernimmt keine Verantwortung oder Haftung fürHandlungen oder Unterlassungen anderer Mitgliedsunternehmen. Die Angaben nach der Dienstleistungsinformationspflichten-Verordnung sind unter www.pkf-fasselt.de einsehbar.Bildnachweise: Titel: © Kyoungil Jeon, S. 2: © Pawel Gaul, S. 7: © mediaphotos, S. 10: © James Thew; iStockphoto12 | PKF Spezial Sanierung | November 2012

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