Ein Gespräch mit Dietmar Wunder über Don ... - Prittwitz & Partner

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Ein Gespräch mit Dietmar Wunder über Don ... - Prittwitz & Partner

auf die Fresse, b) er hat Freunde, die plötzlich zu Feinden bzw. zu Gegnern werden, weil erin die entgegengesetzte Richtung ermittelt, c) er verliert seine Liebe oder auch nicht. Unddieses ständige Hin und Her – wie im Weißwasser gewaschen zu werden – das ist seinLeben! Wenn man so will: Dieses Surfen – oben auf der Welle reiten, aber ins Wasser fallen,um im Weißwasser gewaschen zu werden – ist ja sein Leben. Er ist ein Held, der allerdingsauch eine gewisse Tragik um sich herum bildet. Dadurch ist er auch ein Anti-Held. Dasmacht ihn wohl auch so interessant, dass er kein gradliniger Böser oder kein gradliniger Heldist. Er ist wie das wirkliche Leben ist: Ein Wechselbad.Darüber hinaus hat der Autor in „Pacific Private“ und „Pacific Paradise“ ein beachtlichesFigurenensemble mit sehr spezifischen Charakteren geschaffen. Wie bereiten Sie daraufvor? Sie haben eine Unzahl von Figuren zu sprechen ...Genau das ist immer die große Herausforderung beim Hörbuch. Natürlich versuche ich,jedem Charakter eine eigene Stimmfarbe zu geben. Bei der Menge allerdings, wie es jetztbei Don Winslow ist, kann das für den Zuhörer eher irritierend wirken. Natürlich versuche ich,die Hauptcharaktere stimmlich festzulegen. Aber wenn jetzt, meinetwegen, die Gehilfeneines „Bösen“ oder Kriminellen einzelne Sätze sprechen, dann versuche ich zwar, dascharakteristisch durch eine unterschiedliche Stimme dazustellen. Aber das ich jetzt fürJeden, also 28 Stimmen parat hätte … Das geht natürlich nicht.Sie selbst haben eine Ausbildung zum Schauspieler absolviert. Mittlerweile ist es üblich,dass Schauspieler Hörwerke einlesen. Meinen Sie, dass schauspielerische Erfahrungennotwendigerweise einen guten Sprecher bedingen oder bedarf es dafür weiterer Fertigkeiten?Ich meine, dass Hörproduktionen sehr viel mit Schauspiel zu tun haben. Auf die Frage, obman Schauspieler sein muss, um Hörbücher oder -spiele zu lesen, würde ich ganz spontanantworten: Ja! Was auch ich merke: Nach acht Stunden lesen ist man abends müde. Somüde als wäre man acht Stunden gelaufen. Einlesen ist im Grunde genommen wie Sport,man belastet den Stimmapparat, der auch ein Muskelapparat ist. Ganz profan: Alleine vonder Kondition: Ein Schauspieler ist geübt darin, mit der Stimme umzugehen; Sprechtraining,das lernt man ja. Dazu kommt: Geschichten zu erzählen, Bilder zu schaffen bzw. Charakteredarzustellen – das hat ja mit Schauspiel zu tun.Neben Ihrer Tätigkeit als Sprecher und Schauspieler führen Sie Synchron- bzw. Dialogregie.Wie gewichten Sie Ihre unterschiedlichen Tätigkeiten? Welche macht Ihnen die meisteFreude?Fragen Sie mich in dem Moment, in dem ich das mache, dann würde ich sagen: Regie istganz toll. Oder: Heute ist Hörbuch ganz toll! Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass ichüberhaupt diese vielen Bereiche abdecken kann – dass ich sowohl vor dem Mikrofon, wiehinter der Scheibe in der Regie sitzen kann. Aber es ist auch so: Wenn ich zwei, dreiWochen Regie gemacht habe wie beim neusten Werk, „Knight and Day“, der neue TomCruise-Film – das war eine sehr intensive Arbeit, weil sehr viel Produktion aus Amerika mitdabei war. Nach einer solchen Arbeit bin ich auch wieder froh, wenn ich die Verantwortungals Regisseur ablege, der dem Schauspieler vermittelt, wie er es spielt, um mich wiederselbst als Schauspieler zu erleben. Nach einem Monat freue ich mich dann wiederum darauf,Regie zu führen, Hörbücher zu sprechen oder selbst vor dem Mikrofon oder der Kamera zustehen.Das scheint mir eine Art Alleinstellungsmerkmal von Ihnen zu sein, dass Sie auch RegieTreitschkestr. 1512163 BerlinAnsprechpartnerin: Gesine von PrittwitzTel: (030) 68 81 25 09Fax: (030) 68 81 25 08Twitter http://twitter.com/pundpE-Mail: team@prittwitzundpartner.deWebseite: www.prittwitzundpartner.de


führen. Inwiefern fließen diese Erfahrungen in Ihre Arbeit als Sprecher ein? – Sie arbeitenbei den Don Winslow-Aufnahmen mit dem Regisseur und Produzenten Martin Freitagzusammen. Wissen Sie es manchmal besser?Das ist eine Sache, die habe ich ganz zu Anfang gelernt: Ich bin jetzt hier Sprecher bzw.Geschichtenerzähler – und der Regisseur oder die Regisseurin entscheidet. Natürlich trageich als Schauspieler Verantwortung für mich selber, indem ich z.B. sage: Du, das würde ichgerne nochmal lesen. Das ist dann vielleicht die Selbstregie, die ich führe: Okay, ich habemich nicht wohl dabei gefühlt und mache ein neues Angebot. Wenn der Regisseur oder dieRegisseurin dann allerdings sagt: Nee, das möchte ich so haben, dann ist das seine Entscheidung,nicht meine. Selbst als Regisseur finde ich es nicht schön, wenn die Schauspielermeinen, sie wissen es besser. Ich hatte die Ehre in der Synchronregie mit ganz großenSchauspielern zusammenzuarbeiten, mit Leuten, die mir das Fach im Grunde genommenbeigebracht haben, mich teilweise sogar geprüft haben. Das Größte, was ich erlebt habe,dass solche Leute wie Joachim Kerzel, die Stimme von Jack Nicholson, oder Frank Glaubrecht,der u.a. Al Pacino spricht, Regieanweisungen von mir angenommen haben.Wie unterscheidet sich das Einlesen vom Synchronsprechen? Sind das zwei Paar Stiefel?In gewisser Weise ja. Beim Synchron existiert eine Vorlage, das Original. Das heißt, wirhaben in gewisser Weise nur beschränkt Freiheiten. Also, wenn die Rolle oben, die ichsynchronisiere, in dem und dem Tempo und mit der und der Emotion spricht, dann muss ichdas nachempfinden, nachspielen. Ich kann ja nicht plötzlich etwas ganz anderes machen alsder oben. Das heißt, ich bin kreativ frei in einem sehr kleinen Rahmen. Beim Hörbuch bin ichkomplett frei, es sei denn, der Regisseur möchte das anders. Ich habe künstlerische Freiheiten:Das kann ich in dem Moment in dem Tempo lesen, mit der Emotion, so laut, so leisewie ich es möchte.Sie sind seit über 20 Jahren als Sprecher im Geschäft. Inwiefern haben sich die Bedingungenseither für Sprecher verändert? Und zwar sowohl für Synchronsprecher wie fürHörbuchmacher?Schon so lange?! Mann! Okay … es hat sich was verändert. Als ich 1991anfing, war derBoom der Synchronzeit. Ich weiß nicht, ob auf der Pike oder schon auf dem Abstieg, eswurde unglaublich viel produziert. Es kamen unheimlich viele Serienfilme und die wurden allesynchronisiert. Das heißt, es gab einen unheimlichen Run auf Synchron. Dadurch, muss ichganz ehrlich gestehen, hat sich die Qualität über die Zeit nicht unbedingt verbessert. Daswerden viele Kollegen bestätigen. Heute haben wir viel weniger Zeit als früher. Teilweise,weil die Produktionskosten heruntergefahren wurden. Wie in jedem Business, gilt auch imkreativen Sektor: Es muss immer billiger sein – aber die gleiche Qualität.Hörbucher mache ich noch keine 20 Jahre. Da habe ich eher positive Erfahrungen gemacht:eine konstante Art von Arbeitseinstellung. Anders gesagt: Meine ersten Hörbücher warenkleinere Produktionen. Dann hatte ich das Glück, dass größere Produktionen an michherangetreten sind. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass es unheimlich viel Spaßmacht, dass Zeit da ist. Ich hatte nie das Gefühl, Zeitdruck zu haben. Und: Im Gegensatzzum Synchron war die Anerkennung des Arbeitens, des Eigentlichen immer gegeben.Wie kommt es eigentlich, dass Sie vornehmlich in actionlastigen Rollen zu hören sind?Vielleicht hat das was mit Bond zu tun? Witziger Weise als ich anfing Schauspieler zuwerden, sagte mir meine Lehrerin immer, dass ich das komische Fach bedienen soll. Ichweiß noch genau, ich hatte ein Vorsprechen und da habe ich mir „Die Katze auf dem heißenTreitschkestr. 1512163 BerlinAnsprechpartnerin: Gesine von PrittwitzTel: (030) 68 81 25 09Fax: (030) 68 81 25 08Twitter http://twitter.com/pundpE-Mail: team@prittwitzundpartner.deWebseite: www.prittwitzundpartner.de


Blechdach“, Paul Newman vorgenommen. – Neben Sean Connery ist das einer der Gründe,warum ich Schauspieler werden wollte. – Diese Szene, wo er mit Elisabeth Taylor dieseAuseinandersetzung hatte. Ich spiele sie vor mit Gänsehaut, finde es total super und fühlemich – ja wie ein MANN. So. Und der erste Kommentar meiner Schauspiellehrerin: Dietmar,das ist ein richtiger Mann! Da war für mich klar, ich hab‘ das nicht gebracht, was diese Szenehergibt. – Ich habe sehr gelacht und mir gedacht, okay: Ich spiele doch eher die komischenRollen.Und dann hat sich in den letzten Jahren sicherlich auch meine Stimme verändert. Klar, keineFrage, das ist ja normal. Hinzukam, dass man mich, nachdem ich die Komiker gespielt undsynchronisiert habe, plötzlich auf die Rollen der Psychopathen gesetzt hat. Was dann auchsehr schön war. Eine der schönsten Erfahrungen, eine der härtesten Rolle auch, war „GreenMile“, dieser Gefängnisfilm mit Tom Hanks. Da gibt es diesen fiesen Gefängniswärter, derdie Maus zertritt. Das durfte ich damals synchronisieren. Und das war eine Herausforderung,weil er so fies und so mies war … Nach den Bösen oder den Kantigen kamen als nächsteRollen die Helden, nicht Helden, besser: die Actionfiguren. Das hat sicherlich mit Bond zutun, weil Leute erkannt haben: Stimmlich gesehen kann der diese „Anti-Helden“, dieseactionlastigen Sachen sprechen.Wenn ich mich recht besinne: Ihre Hörbuchproduktionen, das sind durchweg Genres wieKrimi, Fantasy, Thriller oder Science Fiktion … Und das haben Sie vor Bond eingelesen. BeiHörwerken bedienen sie ausnahmslos diese Genres!Stimmt, das ist richtig. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht erzähle ich das so, dass es spannendist, dass es funktioniert. Dennoch würde ich nicht sagen wollen, dass ich nur dieseGenres lese.Der Name fiel ja bereits verschiedentlich: James Bond. Wer es nicht weiß: Sie sind diedeutsche Stimme von James Bond! Deshalb kommen wir auch wir nicht darum herum. Wasich interessant fand: Normalerweise stehen Synchronsprecher nicht im Rampenlicht. Diewerden kaum erwähnt. Wie erklären Sie sich diesen Hype um die deutsche Stimme desJames Bond?Zunächst war es für mich eine große Freude und eine große Ehre, dass ich das erlebendurfte oder: erlebe. Das habe ich persönlich noch nie erlebt, dass im Synchron eine solcheÖffentlichkeitsarbeit betrieben wurde mit der deutschen Stimme von James Bond. Ich habees auch noch nie erlebt, dass ich in Talkshows, in Radiointerviews so präsent war mitDietmar Wunder, die deutsche Stimme von James Bond“. Also nicht ich. Keiner meinte,dass ist die deutsche Stimme. Sondern es hieß: Dietmar Wunder, Schauspieler, der sprichtden deutschen James Bond, also: Daniel Craig alias James Bond. – Ich glaube, das hatdamit zu tun, dass Bond an sich ein Phänomen ist. Danach und während der Synchronisationhabe ich sehr viel Einblick in, wenn man so sagen will: das Bond-Phänomen, bekommen.Eine Anekdote aus dem Live-Dreh des Bond, die das Phänomen vielleicht präsent macht.Ich habe Anatol Taubman, der im letzten Bond einen der Bösewichte spielt, persönlichkennen gelernt. Und der erzählte mir: Bond-Filme sind noch eine Stufe größer als HollywoodBlockbuster. Und zwar gibt es in „Ein Quantum Trost“ eine Szene, die vergessen wurde, zudrehen. Und dann haben die nach London, nach England, ein komplettes Set plus derSchauspieler aus Südamerika plus der Farbe und den Requisiten aus Südamerika einfliegenlassen, bloß um eine kurze Szene nachzudrehen. – Eine Szene, die ursprünglich gar nichtvorgesehen war: Sie sagten: Dramaturgisch müssten die Beiden da eigentlich da sitzen. WirTreitschkestr. 1512163 BerlinAnsprechpartnerin: Gesine von PrittwitzTel: (030) 68 81 25 09Fax: (030) 68 81 25 08Twitter http://twitter.com/pundpE-Mail: team@prittwitzundpartner.deWebseite: www.prittwitzundpartner.de


müssen nachdrehen. Und dann haben die einen Aufwand betrieben, was das kostet, daskann man sich gar nicht vorstellen. Vielleicht erklärt das, warum so viel in die Öffentlichkeitkam: Weil Daniel Craig am Anfang auch so kritisch gesehen wurde. Und dann gab es einenunheimlichen Hype danach. Vielleicht ging das einher.Was sind denn Ihre weiteren Pläne? Welche Projekte würden Sie gerne verwirklichen?Also es kommen ganz tolle Projekte auf mich zu. Und dafür sage ich auch danke. Ich machezwei Kinofilme Synchronregie in diesem Jahr. Jetzt kommt der neue Film „Kindsköpfe“ mitAdam Sandler in die Kinos, den ich gesprochen habe. In dieser Woche stehen zwei spannendeHörbücher von Don Winslow an. Dann habe zum Herbst hin einige Live-Lesungen,auch mit Don Winslow. Darauf freue mich sehr, den Don Winslow persönlich kennen zulernen. Und dann stehen Moderationen an. Sie sehen, es ist allerhand zu tun für mich. –Wenn Sie mich jetzt nach meinen Träumen fragen: Ich würde natürlich sehr gerne mehrdrehen; was ich in letzter Zeit mehr durfte oder mehr konnte. Aber – und das ist jetzt wirklichernst gemeint und nicht nur dahin gesagt, weil es so schön klingt – ich wache morgenswirklich auf und denke: Was für ein Geschenk, dass ich so vielseitig arbeiten darf! Und auchjede Menge Angebote habe.Und jetzt sage ich Ihnen: Danke für das Gespräch und ab ans Tagwerk: Einlesen!Fragen: Gesine von Prittwitz, Prittwitz & PartnerAntworten: Dietmar WunderBerlin, 26 Juli 2010Treitschkestr. 1512163 BerlinAnsprechpartnerin: Gesine von PrittwitzTel: (030) 68 81 25 09Fax: (030) 68 81 25 08Twitter http://twitter.com/pundpE-Mail: team@prittwitzundpartner.deWebseite: www.prittwitzundpartner.de

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