4. Alumni-Newsletter der Medizinischen Fakultät

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4. Alumni-Newsletter der Medizinischen Fakultät

HHUalumniStellenwerk | CAreer ServiceDer Weg zurück an die UniversitätJobporTAl Stellenwerk und Recruitment Service:Falls Sie als Alumnus/ Alumna selbst in der Funktion alsArbeitgeber oder stellvertretend für „Ihr“ Unternehmen kurzfristignach Nachwuchskräften suchen, sind Sie herzlicheingeladen unser Jobportal „Stellenwerk“ zu nutzen. Das Jobportalwww.stellenwerk-duesseldorf.de der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gibt die Möglichkeit über Ihre Anzeigeauf flexible Aushilfskräfte, qualifizierte Assistent/ -innen,Werkstudent/ -innen, Praktikant/ -innen, Volontär/ -innen undTrainees zu treffen. Auch Angebote für Absolvent/ inn/ enkönnen hier veröffentlicht werden – sowie Banner für dieWeiterleitung auf Ihre Unternehmenshomepage gebuchtwerden.Angebote für Examensarbeiten können kostenfrei inseriertwerden! Ebenfalls kostenfrei können private Anzeigenveröffentlicht werden. Alle weiteren Informationen erhaltenSie online unter:www.stellenwerk-duesseldorf.deSo sieht es aus: das Jobportal „Stellenwerk“ der HHU Düsseldorf im Internet.Career Service – Sie als Referent!Wollen Sie als Alumnus/Alumna über Ihre Praxis berichten?Wie haben Sie den Wechsel zwischen Studium und Beruferlebt? Gibt es Dinge, die Sie den aktuell Absolvierenden „mitauf den Weg“ geben wollen? Als Alumnus oder Alumna sindSie jederzeit eingeladen – an Ihre Heimatuniversität, der HHU!Veranstaltungen mit Alumni werden besonders beworben,auf Wunsch erhalten Sie eine Bestätigung Ihres Vortrags/Seminars/Aktion – und natürlich eine „gebührende“ Ankündigungin allen unseren Medien (virtuelles Vorlesungsverzeichnis,Homepage etc.).Kommen Sie mit uns ins Gespräch! Gerne beraten wir Sie,welche der angebotenen Möglichkeiten für Sie von Interessesein könnten:www.hhu.de/careerserviceDer Career Service der Heinrich-Heine-Universität führt Veranstaltungenmit Arbeitgebern und Unternehmen durch, dieauf der Suche nach Nachwuchskräften (Praktikanten, Werkstudenten,Trainees, Volontäre, Berufsstarter etc.) sind. VerschiedeneVeranstaltungsformen werden hierfür angeboten:UnternehmenspräsentationPraxisvorträge „Praxis jetzt! Aktuelle Praxisdiskussion“WorkshopsCampusmesse der Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfCareer Lunch/Career DinnerUnternehmensbesichtigungen – „Vor Ort bei ...“(Pflicht-) PraktikaIndividuelle Konzepte+ + + Noch kein Alumni-Mitglied? Jetzt kostenlos anmelden unter www.hhu.de/alumni + + +


HHUalumniMedizinische FAkultät | Alumni-ThemenabendAlumni-Abend zum Thema„Mein Weg in den Arztberuf“Wer Medizin studiert, der möchte Ärztin oder Arzt werden.Doch selbst nach langem Studium und schwierigem Examen ist esbis zur verantwortungsvollen Facharzt-Tätigkeit ein weiter Weg.Ein Rückblick von Christina Welsch, Alumni-Netzwerk MedizinAm Freitagabend, den 16. November 2012, stand dieser„Weg in den Arztberuf“ im Focus. Die MedizinischeFakultät der HHU lud Studierende, Alumniund Emeriti zum Erfahrungsaustausch in die O.A.S.E. einund beleuchtete das Thema „Berufseinstieg“ aus verschiedenenPerspektiven.Arztsein von Anfang anWie man formal ein „richtiger“ Arzt wird, ist dem Medizin-Nachwuchs bekannt. Doch wie wird man ein richtig guter?Diese Frage hat sich die Medizinische Fakultät zur Aufgabegemacht und vor kurzem das Mentoring-Programm A²für Studierende ins Leben gerufen.Neues Mentoring-Programm A 2Nach der Eröffnung des Themen-Abends durch den Gastgeberund Medizin-Alumni-Beauftragten Prof. Dr. Dr. AlfonsLabisch stellte Prof. Dr. Matthias Schneider, Stellv. Studiende-Foto: Stefan Klinker, HHUDer Weg zur Medizin – ehemalige Studierendewie Dr. Gabriele Franken (hier mitHerrn Prof. Labisch) berichteten von ihrenErfahrungen.IMagazin 4 | 2012


HHUalumniMedizinische FAkultät | Alumni-ThemenabendStimmen zum Alumni-Themenabend„Eine wunderbare Idee, das Zusammentreffen derAlumni mit den jungen zukünftigen Kollegen. Manhat sogar bekannte Gesichter gesehen, und manhat sie wiedererkannt, trotz der grauen Haare.Man möchte die Erfahrungen, die man gemachthat, weitergeben. Die guten empfiehlt man weiter,die schlechten müssen nicht nochmal gemachtwerden. Es ist eine Bereicherung. Wir haben alledarauf gewartet.“Joanna Koumoulidou, EhemaligeIch war freudig überrascht über die entspannteund lockere Atmosphäre, die an dem Abendherrschte. Jeder Teilnehmer hatte die Gelegenheit,mit Kommilitonen und den „alten“ Universitätslehrernin entspannter Umgebung zu plaudern.Vor allem als niedergelassener Arzt in einerEinzelpraxis in Düsseldorf fühlte man sich dochnicht ganz allein.Eine gute Idee war es auch, Studenten bzw.angehende Ärzte einzuladen. Der Alumni-Abendwar ein gelungener Start für – ich hoffe – weitereAlumni- Abende.Adrian Scheumann, EhemaligerDas Alumni-Netzwerkder Medizinischen Fakultätwächst und wirdimmer professioneller!Die Vorträge waren äußerstspannend undgaben einen tollen Eindruckvom Arztberuf.Tolle Veranstaltung.Jana-Catharina Rether,B.A., Alumni Serviceder HHU„(M)eine Fakultät ist auf einemguten Weg.“Prof. Dr. Hans-Georg Hartwig,Emeritus„Es scheint eine großeGemeinschaft unter denEhemaligen zu geben. Erstaunlichfand ich auch,wie gut sich diese anihr Studium erinnernkönnen. Dann stellt sichein Gemeinschaftsgefühlbei mir ein und ich kannmich gut mit den Erfahrenenaustauschen.“Henry Bergert, Studentim 3. SemesterDie A²-Mentees wurden freundlicherweise zum Alumni-Abend eingeladen.Für mich war dies ein sehr gelungener Abend, der mir einen weiten Einblicküber die unterschiedlichen Wege in den Arztberuf gegeben hat. Die Referentender Impulsvorträge waren hervorragend ausgesucht, so dass ein Einblicküber verschiedene Generationen und die äußeren Umstände von damalsgegeben wurde.Doch das war nicht alles. Denn der gemütliche Teil des Abends überraschtemich dann noch mehr. Neben dem hervorragendem Essen und derfreundlichen, fröhlichen Atmosphäre waren alle Alumni aufgeschlossenund standen mit Rat und Tat allen Fragen zum Weg in den Arztberuf zurVerfügung.Aber das Allerwichtigste für mich war, dass ich an diesem Abend Kontakteknüpfen konnte. Denn gerade Kontakte sind etwas sehr wichtiges fürden „Weg in den Arztberuf“.Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veranstaltung und möchtemich – auch im Namen der anderen A²-Mentees – für die Einladung bedanken.Sonja Bärtel, Medizinstudentin im 7. SemesterIIIMagazin 4 | 2012


Alumni-Themenabend | Medizinische FAkultätHHUalumniZwei Generationen, vier GeschichtenVier Medizin-Alumni berichten am Themenabendüber ihren Weg in den ArztberufDer in den 30er Jahren in Flensburg geborene Prof. Dr. HagenD. Schulte (i. R.) ließ sich unter anderem von einem praktischenArzt im Bekanntenkreis der Familie für dessen Tätigkeitbegeistern und entschied sich – besorgten Stimmenzum Trotz – für das Studium der Medizin in Marburg / Lahn,Begeisterung aus dem Bekanntenkreisversus Kontakt mit MenschenFreiburg, Berlin und Düsseldorf. Nach einem gewollten Umwegüber die Pathologie fand er in der Chirurgie seine wahrePassion. Er wurde chirurgischer Assistenzarzt und Facharztfür Chirurgie. Danach wechselte er in die Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgiedes UKD und wurde nach der HabilitationLeitender Oberarzt und Stellvertretender Kliniksdirektor sowieKommissarischer Direktor der Klinik.Ganz anders die Geschichte von Prof. Dr. Arnold Gries, Emeritus:Naturwissenschaften hatten den gebürtigen Essenerschon immer interessiert – doch für seinen Beruf wünschte ersich den Kontakt mit Menschen. Nach dem Medizin-Staatsexamenin Marburg ließ sich Gries in den 50er Jahren alseiner der Ersten in Bonn zum Strahlenschutzarzt ausbilden,lernte bei den Nobelpreisträgern Feodor Lynen und OttoWieland, war schließlich an der Harvard Medical School inBoston und in Düsseldorf an der Inneren Medizin in den Be-Prof. Dr. Hagen D. Schulte, Prof. Dr. Arnold Gries, Dr. Thomas Berger und Dr. Gabriele Franken während ihrer Vorträge (v. l. n. r.).Fotos: Stefan Klinker, HHUMagazin 4 | 2012IV


HHUalumniMedizinische FAkultät | Alumni-Themenabendreichen Diabetesforschung, Endokrinologie und Diätetik tätigund zuletzt 25 Jahre lang Chef der Klinik des DeutschenDiabetes-Zentrums in Düsseldorf.Wirtschaft als Alternative für MedizinerDr. Thomas Berger, Jahrgang 1962 und Düsseldorfer Medizin-Alumnus, zeigte eindrucksvoll, wie die Wirtschaft für Medizinereine Alternative zum Krankenhaus sein kann. Schon währendseiner anfänglichen klinisch-operativen Tätigkeit in derChirurgie entdeckte er sein Interesse für den wirtschaftsnahenZweig der Medizinischen Informatik. Er beteiligte sichan der Entwicklung computerassistierter Verfahren undChipkarten im Gesundheitswesen, baute die THYSSEN kRUPPHealthcare Services mit auf und war unter anderem GeneralManager der Medical Division bei der FUJIFILM EuropeGmbH in Düsseldorf. An seine Düsseldorfer Medizinstudentenzeiterinnert er sich gerne zurück. Dass er immernoch Kontakt zu seinen Erstsemesterfreunden hat, beweist:Das Studium prägt und verbindet fürs Leben – egal, woman später landet. Oder wie Thomas Berger es ausdrückt:„ESAG forever“!Dr. Gabriele Franken war schon immer medizinbegeistert,ging aber zunächst ihrem Interesse für (Kunst-)Geschichtenach. So entschied sie sich erst nach abgeschlossener kunsthistorischerPromotion und einigen Jahren Berufserfahrungzum Medizinstudium. Vor kurzem erhielt sie ihre Approbation,arbeitet am Institut für Geschichte der Medizin undpromoviert zurzeit über Malaria. Wohin der Weg als Medizinerinsie führt? Gabriele Franken ist gespannt. Wir sindes auch. Christina Welsch, Alumni-Netzwerk MedizinDer Faden der AriadneMein Weg durch den „Irrgarten“ Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfAn einem Freitagnachmittag im März 1984 suchte ichauf dem Campus der HHU Düsseldorf verzweifelt dieMedizinische Fakultät. Ich kannte bisher nur das AkademischeAuslandsamt (heute: International Office).Denn eine Woche vorher war ich nach Deutschland gekommen.Ich war noch keine 18 Jahre alt, hatte aber bereitsnach 12 Jahren Schule (ähnlich wie heutzutage G 8) dasgriechische Abitur abgelegt und – nach einer erfolgreichenschriftlichen und mündlichen Prüfung – eine Zulassung fürdas Medizinstudium an der HHU Düsseldorf bekommen. Alsmir klar wurde: „An dieser Universität werde ich Humanmedizinstudieren“, war ich stolz wie Oskar.Nun hatte ich die Zusage bekommen. Aber wo sollte icham Montag hingehen, wenn das Semester beginnen würde?Ich lief Richtung Akademisches Auslandsamt, fand aber eineverschlossene Tür. Keiner da am Freitagnachmittag! Nur einZettel hing an der Tür: „Medizin-ESAG-Treff am Roy-Lichtenstein-Saal“.Wo, bitte schön, geht es zum Medizin-ESAG-Treff am Roy-Lichtenstein-Saal?Was war das? Wo war der Roy-Lichtenstein-Saal? Ich begabmich auf die Suche und fragte rechts und links Leuteauf dem Campus. Ich fühlte mich wie in einem KretischenLabyrinth. Draußen an der Uni-Bibliothek saßen viele jungenMenschen zusammen auf einer Bank in der Sonne. „Roy-Lichtenstein-Saal – wissen Sie wo der ist?“, fragte ich. „Wassuchst du denn da?“, antworteten zeitgleich zwei freundlicheV


Ehemalige berichten | Medizinische FAkultätHHUalumniIch frage mich, ob das„A“ der ESAG-Idee, die wir– jung und alt – immernoch in uns tragen,nicht mehr als eine Bedeutunghaben könnte:„A“ wie Anfänger oder„A“ wie Ariadne. Aber auch„A“ wie Alumni.Thomas Berger und Georgios LeledakisGeorgios Leledakis,Facharzt für AnästhesiologieFremde. „Mein Medizinstudium fängt am Montag an. Ichweiß überhaupt nicht, wohin ich gehen soll. Ich habe nurden Zettel an der Tür des Akademischen Auslandsamts –‚Medizin-ESAG-Treff am Roy-Lichtenstein-Saal‘ – gefunden.Ich weiß noch nicht einmal was ESAG ist.“„Der Roy-Lichtenstein-Saal ist da drüben, aber die Veranstaltungist vorbei. Wir haben uns in Gruppen aufgeteilt undtauschen erst mal die wichtigsten Informationen aus. Wirsind eine ESAG, das heißt Erstsemesterarbeitsgemeinschaft.Bleib, wenn du willst, hier mit uns. Wie heißt du denn?“ „Ichheiße Georgios Leledakis und komme aus Griechenland. Undwer seid ihr ?“ „Wir sind Peter Mertens, Peter Thomas, AchimThater, Thomas Berger …“ Seitdem fühlte ich mich besser.Ich hatte den Roten Faden der Ariadne gefunden.Peter Mertens ist mittlerweile Professor für Innere Medizinund Direktor der Universitätsklinik für Nieren- undHochdruckkrankheiten an der Otto-von-Guericke-UniversitätMagdeburg. Peter Thomas ist Leitender Oberarzt an derKlinik für Anästhesiologie im Medizinischen Zentrum Städte-Region Aachen GmbH. Achim Thater ist niedergelassenerAnästhesist und Schmerztherapeut in Krefeld. Thomas Bergerwar erst General Manager der Medical Division FUJI-FILM Deutschland und betreut derzeit als Interim-Managerverschiedene Healthcare Start-Ups.Wir haben zusammen angefangen und während des Studiumssind wir gute Freunde geworden und geblieben. Vielleichtwar dies einer der wichtigsten Gründe, später hier inDeutschland leben und arbeiten zu wollen. Als wir uns 20Jahre später beim Jahrgangsabschlussfest „Total Recall“ inKrefeld wiedersahen, haben wir uns riesig gefreut. Dortdachten wir zum ersten Mal über ein Ehemaligen-Netzwerknach. Als die Medizinische Fakultät der HHU von sich aus denGedanken entwickelte, ein Ehemaligen-Netzwerk aufzubauen,und als die „Alumni“-Initiative offiziell an den Start ging,ließen wir es uns nicht nehmen, bei der Gruppe der aktivenEhemaligen mitzumachen.O-Ton Thomas Berger: „ESAG forever“„ESAG forever“, schrieb Kollege Thomas Berger in seinePower-Point-Präsentation beim Alumni-Themen-Abend „MeinWeg in den Arztberuf“ am 16. November 2012 in der O.A.S.E.– und alle Ehemaligen erinnerten sich schmunzelnd an ihreneigenen Studienanfang. Ich frage mich, ob das „A“ der ESAG-Idee, die wir – jung und alt – immer noch in uns tragen, nichtmehr als eine Bedeutung haben könnte: „A“ wie Anfängeroder „A“ wie Ariadne. Aber auch „A“ wie Alumni.Für meine guten Freunde! Georgios LeledakisGeorgios LeledakisAlumnus der Medizinischen Fakultät der HHU DüsseldorfFacharzt für Anästhesiologie, spezielle SchmerztherapieLeitender Notarzt, Stellv. ÄLRD der Stadt KrefeldHospital Preparedness Task forceHELIOS Klinikum Krefeld (Dir. Prof. Dr. E. Berendes)VI


INHALTTitel SEITE 26 – 3026 In Bronze gegossen: Das „Buch Heine“Rektor Prof. Dr. Dr. H. MichaelPiper und Bert Gerresheim, derdas neue Heine-Denkmal schuf.26Foto: Stefan KlinkerCampus SEITE 06 – 1706 „Wissenschaft selbst ist derWahrheit verpflichtet.“08 Über 6.100 neue Studierende10 Doppelte Abiturjahrgänge: Beratungund Qualität des Studiums im Fokus12 „Düsseldorfer Erklärung“ verabschiedet14 Kleiner Bahnhof, ganz groß16 „Lange Nacht der Industrie 2012“:„Nutzpflanzen der Zukunft“Internationales17 HHU und Hamamatsu University Schoolof Medicine besiegeln Partnerschaft17 EAIE-Konferenz 2012 in Dublin„Lange Nacht der Industrie“:Vortrag über „Nutzpflanzender Zukunft“Foto: Kommunikationsabteilung16Fakultäten SEITE 18 – 45Juristische Fakultät18 Die Wildgänse und das VölkerrechtForschungsförderung fürfrühen Alzheimer-Nachweis23Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät22 OP-Training an neuartigen Phantomen23 Forschungsförderung für den frühenNachweis der Alzheimer-Demenz24 Publikation in „Physical Review Letters“:Sterne auf der Erde erforschen25 „Ernst-Jäger-Stiftung“ fördert chemische ForschungFoto: Forschungszentrum Jülich4 Magazin 4 | 2012


INHALTFakultäten SEITE 18 – 4532NRW-Landesgeschichteist auch MigrationsgeschichtePhilosophische Fakultät31 Wenn Max und MoritzShmuel und Shmerke heißen32 Wo Urgroßvater Simon sein Glück machteFoto: privatMedizinische Fakultät36 „Music is the power of life!“37 DFG-Forschergruppe für weiteredrei Jahre verlängert38 Dreiländer-Forschungsverbund feiertezehnjähriges Jubiläum40 „Von der Mausklinik zum Krankenbett“41 Medizinische Fakultät gründeteCentre for Health and Society38Altersleukämie: Weltweitgrößtes MDS-Registerim UKDWirtschaftswissenschaftliche Fakultät42 Ideell motiviertes Nebengeschäft?44 Wartungsarbeiten über das Internet45 Aktuelle Herausforderungen für dieeuropäische EnergiepolitikFoto: Uli OberländerPersonalia Seite 47 – 5147 Ernennungen: Prof. Heiß, Prof. Plag48 Ehrung: Prof. Cepl-Kaufmann49 Ruhestand: Prof. Siepe, Ehrung: Prof. Roth50 Ausschreibungen: Hempel-Stiftung,Heynen-Preis51 Ernennungen, Forschungssemester03 Editorial46 Neuerscheinungen imDüsseldorfer Universitätsverlag (dup)51 ImpressumMagazin 4 | 20125


CAMPUS„Wissenschaft selbst istder Wahrheit verpflichtet.“Eröffnung des Akademischen Jahres 2012 / 2013VON Ina GawelZum dritten Mal eröffnete Rektor Prof. Dr. Dr. H. MichaelPiper ein neues Akademisches Jahr an der Universität– und äußerte sich direkt zu dem Medienecho umdie Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Schavan,das nicht spurlos an der HHU vorbeizog. Von einem Vertrauensbruchsprach der Rektor; aber auch davon, dass Prominenznicht den Anspruch auf wissenschaftliche Wahrheitverdrängen darf.Dennoch zeigte sich Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper optimistischin die Zukunft blickend, genauer gesagt: in das Jubiläumsjahrder Universität, das 2015 ansteht. Bevor die HHU ihr fünfzigjährigesBestehen feiert, sei es indes an der Zeit zu fragen:„Was erreicht man bis dahin?“Trotz der enormen Umbaumaßnahmen, die derzeit fürRaumverlegungen und abgesperrte Bereiche sorgen, soll allenStudierenden eine gute Ausbildungsstätte geboten werden.Oder, anders gesagt: Durch die steigende Anzahl der Erst-semester müssen mehr Räumlichkeiten geschaffen werden.Nachwuchsakademiker wie auch Studierende der höherenSemester brauchen Platz und kosten Geld, deswegen müsseman nicht nur „die bauliche Situation auf dem Campus, sondernauch die Finanzen im Blick halten.“ Vor allem die Arbeit„Sonderforschungsbereicheflattern nicht vom Himmel.“mit jungen Wissenschaftlern sei der Kern seiner eigenen Begeisterung,so der Rektor, der die Veränderungen an der HHUals Hand in Hand gehend sieht mit der Nachwuchspflege:„Sonderforschungsbereiche flattern nicht vom Himmel.“Aber nicht nur durch die Erstsemester in jedem Jahr findeein „Generationswechsel“ statt, erklärte er als Auftakt für dieVerabschiedung der ehemaligen Prorektoren. Der Politikwis-Generationswechsel: Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zum Akademischen Jahr 2012 / 2013 stellte der Rektor die 2011 / 2012 neu berufenen Professorinnenund Professoren vor.Fotos: Jana Bauch6 Magazin 4 | 2012


CAMPUSDer Mediziner Prof. Dr. Klaus Pfeffer war Prorektor für Strukturentwicklung.Er wurde mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet.Auch der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich von Alemann erhielt die Ehrenmedailleder Universität. Er war Prorektor für Lehre und Studienqualität.senschaftler Prof. Dr. Ulrich von Alemann (Prorektor für Lehreund Studienqualität) und der Mediziner Prof. Dr. KlausPfeffer (Prorektor für Strukturentwicklung) wurden noch einmalvorgestellt und für ihr erfolgreiches Wirken mit der Universitätsmedaillebedacht.Prof. Dr. Michael Baurmann, Vorsitzender des Senats, danktein seinem anschließenden Grußwort nicht nur den Verabschiedetenfür die „außerordentlich erfreuliche und produktive“Zusammenarbeit mit dem Gremium, er rief zudem inErinnerung, was der Grundstein für universitäres Lernen undForschen sei: der Respekt für die Leistung anderer und dieEhrlichkeit bei den eigenen Leistungen. „Wir müssen auchdenen Signale senden, die durch Geldgier oder Eitelkeit dieGlaubwürdigkeit der Universität in Frage stellen.“Nach dem Grußwort wurden die Beteiligten des aktuellenGenerationswechsels vom Rektor vorgestellt: Die 2011 / 2012neu berufenen Professorinnen und Professoren erhielten ihrWillkommensgeschenk. Zum Abschluss stellte Prof. Dr. AndreasWeber, Sprecher des Exzellenzcluster CEPLAS, in seinemVortrag „Pflanzenforschung zur Sicherung der Welternährung“eines der Hauptforschungsprojekte vor. Überlegungenzur Gewinnung der idealen Nutzpflanze wurden von ihmVortrag „Pflanzenforschung zurSicherung der Welternährung“ebenso präsentiert wie die Forschungspartner von CEPLAS,namentlich die Universität zu Köln, das ForschungszentrumJülich und das Max-Planck-Institut für PflanzenzüchtungsforschungKöln.Nach dem offiziellen Teil folgte ein Empfang im Roy-Lichtenstein-Saal.P. S.: Das Barockensemble des Universitätsorchestershatte die Veranstaltung mit Bachs 3. BrandenburgischemKonzert stilvoll eröffnet.AnzeigeMagazin 4 | 20127


Fotos: Uli OberländerCAMPUSÜber 6.100 neue StudierendeIllustration: istockphoto.com – A-DigitVON CArolin GrapeAm 8. Oktober begann an der Heinrich-Heine-Universitätoffiziell der Vorlesungsbetrieb des Wintersemesters2012/2013. Traditionell begrüßte am VormittagRektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper die neuen Studierenden,nicht in einem Hörsaal, sondern im dicht gedrängtenFoyer des Gebäudes 25.22. Wer nicht direkt die Bühne imBlick hatte, konnte das Geschehen über die diversen Monitoreverfolgen.Zu Beginn und als furioser Auftakt der Veranstaltung trommeltedie Taiko-Gruppe WADOKYO des Hochschulsports, wasdas Zeug hielt. Im Anschluss hieß der Rektor die neuen Studierendenherzlich willkommen und forderte sie auf: „SeienSie keine Leisetreter, sondern melden Sie sich zu Wort – wieder Namenspatron unserer Universität! Gehen Sie Ihr Studiummit Verve an und leben Sie das Uni-Leben intensiv!“ Erwünschte allen einen guten Studienstart und viel Erfolg beimberuflichen Vorankommen und versicherte, dass die Universitätauch in Zeiten stark wachsender Studierendenzahlenalles tun werde, um ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen.Gut leben, studieren und arbeitenim Herzen der Rhein-Ruhr-RegionStadtdirektor Manfred Abrahams begrüßte die neuenStudenten im Namen der Stadt Düsseldorf und betonte dieenge Verflechtung von Stadt und Universität: „Wie schön,dass Sie sich für die Heinrich-Heine-Universität und für Düsseldorfentschieden haben! Hier, im Herzen der Rhein-Ruhr-Region, lässt es sich gut leben, studieren und arbeiten!“ Gutesakademisches Fachpersonal werde in der Landeshauptstadtimmer benötigt – die Chancen, nach Abschluss des Studiumsauch einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden, seien hier besondershoch.Im Anschluss stellte die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses(AStA), Yasemin Akdemir, die studentischeSelbstvertretung vor. Prof. Dr. Ricarda Bauschke-Hartung,128 Magazin 4 | 2012


CAMPUSDaten und Fakten zum neuen SemesterInsgesamt haben sich mehr als 6.100 Studierende (1. Fachsemester,Stand: 07.11.2012) für die HHU entschieden.Aktuell verzeichnet die Heinrich-Heine-Universität über23.000 Gesamtstudierende, über 1.500 mehr als im letztenWintersemester.Ordentlich Studierende im 1. Fachsemester WS 2012 / 13nach Fakultäten:Philosophische Fakultät: 2.679Juristische Fakultät: 281Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: 438Math.-Nat. Fakultät: 2.232Medizinische Fakultät: 497Das Durchschnittsalter aller Studierenden an der HHU istin den letzten Jahren fast kontinuierlich gesunken und liegtbei 25,4 Jahren, das der Studierenden im 1. Hochschulsemesterbei 20,8 Jahren.Die meisten Anfängerinnen und Anfänger im 1. Fachsemesterverzeichnen die Studiengänge Romanistik (589 Personen),Informatik (473 Personen), Biologie (460 Personen),Medizin (428 Personen) und Germanistik (398Personen).Besonders gefragt waren an der HHU zu diesem WS 2012 /13 folgende Fächer mit Orts-NC:Bachelor PsychologieBachelor Medien- und KulturwissenschaftenBachelor BetriebswirtschaftslehreBachelor Kommunikations- und MedienwissenschaftenBachelor BiochemieProrektorin für Studienqualität und Gleichstellung, informierteüber die Universitäts-Struktur wie auch über das Studium ander Heinrich-Heine-Universität. Die Düsseldorfer Hochschulesei gut gerüstet für die doppelten Abiturjahrgänge und bietean entscheidenden Punkten mehr: mehr Studienplätze (bisDoppelte Abiturjahrgänge:die Düsseldorfer Uni ist gut gerüstet2015 rund 5.300), mehr Platz (Modernisierung bestehenderGebäude, Neubauten – wie das geplante Studierenden ServiceCenter), mehr Veranstaltungen, mehr Personal (bereits über200 Stellen sowie 20 Professuren) und mehr Beratung (neueBeratungsprogramme und zusätzliche Info-Veranstaltungen,erstmals auch für Eltern von Abiturienten).Nach dem offiziellen Begrüßungsteil überreichten Rektor,Prorektorin und Stadtdirektor stellvertretend für alle Erstsemesteran die Neu-Studierenden Christina Pawlitzka undChristoph Jenkes eine Umhängetasche („Messenger Bag“) miteinem Heine-Zitat als Aufdruck: „Schlage die Trommel undfürchte dich nicht!“Auf dem Infomarkt im Unter- und Erdgeschoss des Gebäudespräsentierten sich alle Fakultäten, zentralen Einrichtungenund Serviceeinrichtungen für Studierende. Darüber hinausstellten sich studentische Aktivitäten und Initiativen, zumBeispiel der Unichor und der Hochschulsport, vor. Mit dabeiwaren verschiedene Kultureinrichtungen aus Düsseldorf undder Region sowie große Düsseldorfer Sportvereine.31: Die Taiko-Trommlergruppe WADOKYO liefertedas Motto der Begrüßung, das Heinrich Heine-Zitat„Schlage die Trommel und fürchte dich nicht!“2: Für alle Erstsemester gab es Erstsemestertaschen– sie konnten innerhalb der ersten 14 Tagenach Semesterbeginn im Studierenden ServiceCenter abgeholt werden. Bei der Veranstaltungüberreichten Stadtdirektor Abrahams, RektorProf. Dr. Dr. H. Michael Piper und Prorektorin Prof.Dr. Ricarda Bauschke-Hartung zwei der Taschenstellvertretend den „Erstis“ Christina Pawlitzkaund Christoph Jenkes.3: Informationen gab es nicht nur vom AStA.So waren mit eigenen Ständen z. B. das Schauspielhaus,die Rheinoper, die Kunstsammlung NRW,Düsseldorfer Sportvereine und städtische Kulturinstitutevertreten.Magazin 4 | 20129


CAMPUSDoppelte Abiturjahrgänge:Beratung und Qualitätdes Studiums im FokusRektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper und Prorektorin Prof. Dr. Ricarda Bauschke-Hartung begrüßten am 12. November 2012 NRW-WissenschaftsministerinSvenja Schulze im Rahmen ihrer Hochschul-Tour zum doppelten Abiturjahrgangan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.VON Julius Kohl und Carolin Grapedie Universität Düsseldorf, haben uns konsequentund umfassend auf die Herausforderungenvorbereitet, vor denen die Universi-„Wir,täten durch den doppelten Abiturjahrgang in NRW imnächsten Jahr stehen“, sagte Rektor Piper. „Bei meinerHochschul-Tour zum doppelten Abiturjahrgang will ichvor Ort sehen, was gut vorankommt und wo wir als Landbei Problemen helfen können“, erklärte Schulze.Beim Stopp auf ihrer Hochschul-Tour an der HHU hat MinisterinSchulze gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern,Eltern und Lehrkräften mehr über die Vorbereitungen derUniversität auf die doppelten Abiturjahrgänge und die Möglichkeiteneines Studiums an der HHU erfahren. „Bei den Vorbereitungenauf die doppelten Abiturjahrgänge steht für dieHHU im Fokus, dass jede Generation von Studierenden in der„Wir haben uns konsequent undUMFASSEND AUF die Herausforderungenvorbereitet, vor denendie Universitäten durch dendoppelten AbiturJahrgang inNRW im nächsten Jahr stehen.“Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper, Rektor der Heinrich-Heine-UniversitätRaumkapazitäten erweitert,zusätzliches Lehrpersonalhöchstmöglichen Qualität in angemessener Zeit studierenkann“, sagte Prorektorin Bauschke-Hartung. Die HHU hat dazudurch geschicktes Management nicht nur ihre räumlichenKapazitäten erweitert, sondern auch neues Lehrpersonal eingestelltund setzt vermehrt auf moderne, multimedial unterstützteStudien- und Lehrmethoden. Anhand des ExzellenzclustersCEPLAS stellte die HHU sich auch als Standort fürSpitzenforschung vor, die über einen neuen Studiengang mitdem Lehrangebot verknüpft wird.Im Rahmen einer Mini-Messepräsentierten sich unterschiedlicheAnsprechpartner an der HHU undstanden für alle Fragen rund umsStudium zur Verfügung. Ein besonderesAngebot richtete sich an Eltern:An einem eigenen Stand erfuhrensie, wie sie ihr Kind optimalbei der Entscheidung für Studienfachund -ort unterstützen. „Ein guterStudienstart setzt eine gezielteStudienberatung und Studienorientierungvoraus. Dazu dienen Beratungsangebotevor Ort und auchdas neue Online-Beratungstoolwww.studifinder.de der NRW-Hoch-10 Magazin 4 | 2012


CAMPUSFoto: Uli OberländerAm 12. November 2012informierte sich NRW-WissenschaftsministerinSvenja Schulze (M.) vorOrt über die Vorbereitungender HHU aufden doppelten Abiturjahrgang2013. Gemeinsammit Rektor Prof. Dr.Dr. H. Michael Piperstand sie auf der Mini-Messe für alle Fragenrund um das Studium– hier im Gespräch mitSchülerin Anna-KatherinaBautista (18) –zur Verfügung.schulen. Hier können sich Studieninteressierte frühzeitig überStudienangebote informieren und zugleich Klarheit über ihreZiele gewinnen. Mangelnde Kenntnisse über die fachlichenAnforderungen des Studiengangs und eine unzureichende Einschätzungder eigenen Fähigkeiten zählen zu den zentralenGründen für einen späteren Studienabbruch“, betonte WissenschaftsministerinSchulze.Hintergrund: Doppelte Abiturjahrgänge an der HHUDie HHU hat eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um sichder Herausforderung der doppelten Abiturjahrgänge zu stellen.Allen Studierenden wird ein erfolgreiches Studium beihöchstmöglicher Qualität und in angemessener Zeit ermöglicht.Die Heinrich-Heine-Universität bietet dafür an den entscheidendenPunkten mehr: mehr Studienplätze, mehr Platz,mehr Veranstaltungen, mehr Personal und mehr Beratung.Beratungsangebote „vor Ort“Das Online-Portal www.hhu.de/abi2013 hält alle Informationenfür Studieninteressierte der doppelten Abiturjahrgängeauf einen Klick bereit. Hier finden sich auch Infos und Linkszu allen wichtigen Einrichtungen und Services, Terminen wieInfo-Veranstaltungen und Beratungen und auch zu Alternativenzum Studium. Darüber hinaus können sich Interessiertemit ihren Fragen per E-Mail, per Telefon oder persönlich anden Studierendenservice wenden.Mehr Studienplätze, …Die Heinrich-Heine-Universität baut bis 2015 rund 5.300 zu-sätzliche Studienplätze auf. Dies gilt insbesondere für starknachgefragte Studiengänge aller Fakultäten.Mehr Platz, …Studierende brauchen Platz. Die Heinrich-Heine-Universitätsorgt dafür und hat bereits den Veranstaltungsplan verändert,modernisiert Hörsäle sowie andere Räume und hat temporärKapazität aufgebaut. Zentrale Einrichtungen wie dieUniversitäts- und Landesbibliothek werden bei ihren Anstrengungenunterstützt, auch bei der Anschaffung neuerSoftware und Medientechnik.Mehr Personal, …Für ein gutes Studium muss die Relation zwischen Studierendenund Lehrpersonal stimmen. Deswegen hat die Heinrich-Heine-Universität bereits über 200 Stellen sowie über 20 Professurengeschaffen. Auch zukünftig werden weitere Stellen,wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche, geschaffen.Mehr Beratung, …Ein gutes Studium braucht gute Beratung: vorher und währenddessen.Deshalb hat die Heinrich-Heine-Universität ihr Beratungsangebotweiter ausgebaut und neue Studienberatereingestellt. Neue Beratungsprogramme und zusätzliche Info-Veranstaltungen zu Studiengängen, Bewerbungs- und Zulassungsverfahrenhelfen bei der Entscheidungsfindung.Infos: Zum ersten Mal beraten die Experten der Heinrich-Heine-Universität die Eltern von Abiturienten. Alle wichtigenInfos und Termine für Abiturienten des Jahrgangs2013 bietet das neue Portal: www.hhu.de/abi2013Magazin 4 | 201211


CAMPUS„Düsseldorfer Erklärung“verabschiedetJahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzlerder Universitäten DeutschlandsVON JULIUS KOHL UND ROLF WILLHARDTFotos: Stefan KlinkerAnlässlich ihrer 55. Jahrestagung vom 27. bis 29. September2012 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf(HHU) haben die Kanzlerinnen und Kanzlerder Universitäten in Deutschland die „Düsseldorfer Erklärung“verabschiedet. Darin fordern sie die Politik in Bundund Ländern beim Hochschulbau zum gemeinsamen Handelnmit den Universitäten auf. Bundessprecher GünterScholz, Kanzler der Universität Hannover: „Wir müssen jetzthandeln, sonst steht die Wettbewerbsfähigkeit des HochschulstandortsDeutschland in Frage.“Die Tagung unter dem Titel „Verantwortliches Planen, Bauen,Wirtschaften – Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Universitäten“stellte die baulich-technische Infrastruktur als wesentlichenFaktor für die wissenschaftliche Leistungs- undWettbewerbsfähigkeit in den Fokus. Die Kanzlerinnen undKanzler der Universitäten sehen diese angesichts zunehmenderfinanzieller Defizite in der Finanzierung des Hochschulbausin Deutschland in Gefahr. Mit ihrer „Düsseldorfer Erklärungzum Hochschulbau“ weisen sie auf die bestehendenDefizite hin. „Um das Heft des Handelns wieder in die HandMehr Verantwortung fürbaulich-technische Infrastrukturzu bekommen, müssen sich Bund, Länder und Universitätenauf ein gemeinsam getragenes Finanzierungskonzept verständigen“,sagte Kanzler Scholz, Bundessprecher der Kanzlerinnenund Kanzler. „Eine Lösung könnte die Aufhebungdes mit derderalismusreform geltenden Kooperationsverbotessein.“„Eine zukünftige Finanzierung muss langfristig und bedarfsgerechtangelegt werden, sollte die wissenschaftliche Eigendynamikberücksichtigen und die Kosten sämtlicher Lebenszyklender Liegenschaften, deren Betrieb und Bewirtschaftungumfassen“, sagte Prof. Dr. Ulrike Gutheil, die dem ArbeitskreisFacility Management vorsitzt. Die Kanzlerinnen und Kanzlerfordern darüber hinaus für die Universitäten mehr Verantwortungfür die baulich-technische Infrastruktur. Um die Herausforderungenbundesweit sichtbar zu machen, planen dieKanzlerinnen und Kanzler, eine einheitliche Datenlage herzustellen.Als erster Schritt hierzu wurde ein Sachstandsberichtbei der HIS GmbH in Auftrag gegeben, der anlässlich der Jahrestagungvorlag.Die Jahrestagung fand erstmals in Düsseldorf statt. Über70 Kanzlerinnen und Kanzler, die den Verwaltungen der Universitätenin Deutschland vorstehen, sowie Vertreter von Wissenschaftsorganisationennahmen an dem dreitägigen Programmteil. „Mit der Erklärung der Kanzlerinnen und Kanzlerzum Hochschulbau haben wir ein starkes Signal in RichtungPolitik ausgesandt“, sagte Prof. Ulf Pallme König, Kanzlerder HHU und Gastgeber der Tagung. „Die Universität derGruppenbild der Tagung vor dem oeconomicum. Die Jahrestagung der Kanzlerinnenund Kanzler der deutschen Universitäten fand vom 27. bis 29. Septemberin Düsseldorf statt.12 Magazin 4 | 2012


CAMPUSLandeshauptstadt Düsseldorf ist dafür der richtige Ort.“ Diebauliche Sicherung der Universitäten, so das Rahmenthemader Tagung, letztlich die Sanierung maroder Gebäude, betrifftalle Hochschulen gleichermaßen, „wir haben alle dieselbe Interessenslageund dasselbe Problem: unsere Altgebäude“, soPallme König. „Und auch die gleiche Fragestellung: Ist eineSanierung überhaupt noch wirtschaftlich? Oder sind Abrissund Neubau im Endeffekt preiswerter?“Die Düsseldorfer Tagung kreiste um mehrere Themenbündel.Zum einen ging es um die Bestandssicherung. Geradebei den Universitäten, die in den sechziger und siebziger Jahrengegründet wurden (u. a. Düsseldorf 1965), ist der „ersteLebenszyklus“ abgelaufen, die Gebäude, damals sicherlichSanierungsstau auch an der HHUauf dem neuesten Stand, sind mittlerweile marode. So titeltedie „Süddeutsche Zeitung“ einen Artikel zur Tagung lapidarmit nur einem Wort: „Dachschaden“. Der WDR überschriebein Online-Interview mit Kanzler Prof. Pallme König mit„Wenn die Fassaden zu bröckeln beginnen“. Allein an den 37staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen gibt es einenSanierungsstau von ca. neun bis zehn Milliarden Euro,bundesweit dürfte er die stattliche Summe von 30 MilliardenEuro betragen. An der Düsseldorfer Universität – ohne seinKlinikum – sind es 850 Millionen Euro.„Im Grunde“, so Prof. Pallme König, „sind wir uns alle einig:Den Hochschulen sollte in großem Umfang die Bauherrenfunktioneingeräumt werden. Planen, Bauen und Bewirtschaftungder Hochschulen gehören in eine Hand.“ Wie der Bundessprecherplädiert auch der Düsseldorfer Kanzler für dieAufhebung des Kooperationsverbotes. „Der Bund muss wie-„Im Grunde“, so der Düsseldorfer Kanzler, „sind wir uns alle einig: Den Hochschulensollte in großem Umfang die Bauherrenfunktion eingeräumt werden.Planen, Bauen und Bewirtschaftung der Hochschulen gehören in eine Hand.“der ins Boot geholt werden!“ Neben dem Erhalt von Hochschulgebäudenging es auch um dringend benötigte Flächenausweitungen.Die Studentenzahlen steigen (Wegfall derWehrpflicht, doppelte Abiturjahrgänge); da mehr Personalbenötigt und im Zuge von Sonderprogrammen eingestelltwird, steigt auch der Bedarf an Seminarräumen, Labors undBüros. Auch mit Blick darauf wurde die „Düsseldorfer Erklärung“formuliert.Die „Düsseldorfer Erklärung zum Hochschulbau“1. Die baulich-technische Infrastruktur von Universitäten ist ein wesentlicherFaktor für deren wissenschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit.Die Liegenschaften der Universitäten sind eine strategisch außerordentlichwichtige Ressource für die Universitäten sowie für die Hochschulentwicklungin Bund und Ländern.2. Die Vorsorge für die baulich-technische Infrastruktur der Universitätenkann aufgrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und des außergewöhnlichhohen mit ihr verbundenen Aufwands nur in gesamtstaatlicher Verantwortungvon Bund, Ländern und Universitäten sichergestellt werden. Sieerfordert insbesondere ein von allen beteiligten staatlichen Ebenen gemeinsamgetragenes Finanzierungskonzept.3. Grundlage für die Entwicklung der baulich-technischen Infrastruktur derUniversitäten muss ein Lebenszyklus-orientiertes und umfassendes Managementkonzeptsein. Dies schließt insbesondere eine langfristig angelegte,bedarfsgerechte und die wissenschaftliche Entwicklungsdynamik einer Universitätberücksichtigende Budgetierung ein, die die Kosten sämtlicher Lebenszyklender Liegenschaften sowie ihres Betriebs und ihrer Bewirtschaftungumfasst. Das Managementkonzept muss darüber hinaus auf die Erfüllunghöchster Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit und die Ressourceneffizienzder Gebäude und ihres Betriebs ausgerichtet sein.4. Der Sicherung der in der Phase der Hochschulexpansion seit 1960 in Deutschlandentstandenen und damit nunmehr am Ende ihres ersten Lebenszyklusstehenden baulich-technischen Infrastruktur kommt gegenwärtig besonderehochschulpolitische Bedeutung zu. Die zeitgemäße Bestandssicherung unddie bedarfsgerechte Flächenerweiterung und -erneuerung bilden gemeinsameine wesentliche infrastrukturelle Voraussetzung für wissenschaftliche Innovationin Universitäten.5. Die Entwicklung und die Gewährleistung des wissenschaftlichen Betriebeseiner Universität sind untrennbar mit der Funktionsfähigkeit der baulich-technischenInfrastruktur verbunden. Die Steuerung beider Entwicklungsebenenmuss, damit die Universitäten ihre Aufgaben wissenschaftsgeleitet nachkommenkönnen, in der Verantwortung der einzelnen Universitäten gebündeltund in Abstimmung mit den jeweils zuständigen staatlichen Organen wahrgenommenwerden.Magazin 4 | 201213


CAMPUSKleiner Bahnhof, ganz großIllustration: istockphoto.com – LeonturaDer Industriepfad in Düsseldorf-Gerresheim,ein Museumsprojekt und ein StipendiatenbesuchVON ROLF WILLHARDTIm historischen Bahnhof Düsseldorf-Gerresheim, direktneben dem Gelände der 2005 geschlossenen berühmtenGlashütte, soll das Mobilitätsmuseum Düsseldorf entstehen.Es bildet neben den Resten einer Ziegelei an der BergischenLandstraße die Ankerpunkte des „IndustriepfadsDüsseldorf“. Einer der Initiatoren und Ideengeber des Projektesist der Historiker Dr. Peter Henkel.„Man muss sich das einmal vorstellen: Um 1900 war Düsseldorfdie boomende Stadt im Deutschen Reich schlechthin.Durch die Industrialisierung strömten Menschen aus allenRegionen ins Rheinland und nach Düsseldorf. Um 1905 warenvon der Bevölkerung hier über 70 Prozent nicht mehr inder Stadt geboren.“Dr. Peter Henkel (37) ist Landeshistoriker und Hochschuldozent.Er studierte Neue Geschichte, Osteuropäische Geschichteund Politikwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität,wo er auch den Doktorgrad erwarb. Ermöglicht wurde seinPromotionsstudium durch die „Gründerstiftung“, doch dazuspäter mehr. 2006 stellte Henkel die Idee eines „Industriepfades“in Gerresheim erstmals der Öffentlichkeit vor. DieSchließung der Gerresheimer Glashütte – ehemals der weltgrößteFlaschenproduzent – und der drohende Abriss desletzten Düsseldorfer Ringofens (in Düsseldorf gab es um 1900über 40 große und 300 kleine Ziegeleien!) waren Anlässe,dass sich die Gerresheimer für ihre Geschichte mobilisierenließen.Bald fanden sich Interessierte, die sich 2008 zu einem Förderkreis„Industriepfad“ zusammenschlossen. Vorsitzender istbis heute der bekannte Schweizer Architekt (unter anderemRheinuferpromenade) und bekennende Wahl-GerresheimerNiklaus Fritschi. Das Konzept: 20 Stationen mit Informations-Stelen erinnern an die wechselvolle Geschichte des Stadtteils.Zentrale Themen sind natürlich die Industrie, die Fabriken, dieGlashütte, die Drahtziehereien, die Ziegeleien und die Seidenweberei.Gerresheim galt als der Düsseldorfer Arbeiterstadtteilschlechthin. Mit entsprechenden politischen Begleiterscheinungen:Gerresheim war traditionell „rot“, eine Hochburg derSozialdemokratie, später dann der Kommunisten.Die Glashütte stellte ihren Arbeitern, den Krupps in Essenvergleichbar, ein umfangreiches soziales Fürsorgesystem zurVerfügung: ein Altersversorgungswerk, preiswerte Einkaufsmöglichkeiten,eine Badeanstalt und vor allem preiswerteWerkswohnungen mit Möglichkeiten zur Kleinviehhaltung.Die alten Siedlungshäuschen, zum Großteil liebevoll renoviert,sind als „Arbeitersiedlung Neustadt“ eine der Pfadstationen.Forderten die Arbeiter indes mehr Lohn und wurdeWirtschaftsgeschichte ist auchimmer Sozialgeschichtegestreikt, kannten die Fabrikanten wenig Mitleid: Als seineGlashüttenarbeiter 1901 die Arbeit niederlegten, engagierteHermann Heye kurzerhand Streikbrecher aus dem ukrainischenOdessa. Den Deutschen wurde gekündigt, sie musstendie Wohnungen verlassen und standen mit ihren Familienzu Hunderten auf der Straße, erzählt Henkel. Wirtschaftsgeschichteist auch immer Sozialgeschichte.Das Interesse der Bevölkerung am Industriepfad ist groß.Zum letzten „Tag des offenen Denkmals“ kamen 500 Besucherin den Bahnhof; als die Sanierung der Ringofenanlage der Ziegeleibesichtigt werden konnte, wurden an einem Tag über600 Geschichtsinteressierte gezählt. Das von Peter Henkelherausgegebene, höchst lesenswerte Buch über den Indus-14 Magazin 4 | 2012


CAMPUSFoto: Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt DüsseldorfEine selbstbewusste Arbeiterbewegung war inGerresheim immer präsent. Das Bild zeigt einenUmzug von Arbeitersportlern in den 20er Jahrendes 20. Jahrhunderts. Gerresheim war im DrittenReich ein Zentrum des kommunistischen Widerstandes.„Mobilität“ als Gesellschaftsgeschichtetriepfad, 2009 im Düsseldorfer Droste-Verlag erschienen, istlängst ausverkauft.Untergebracht im – zusammen mit Erkrath – ältesten BahnhofWestdeutschlands an der ältesten Eisenbahnstrecke imWesten (1838, Düsseldorf – Elberfeld) steht beim GerresheimerKulturbahnhof das Thema „Mobilität“ als Grundmerkmalfür eine moderne, dynamische Gesellschaft. Dabei sollMobilität nicht als Verkehrsgeschichte, sondern als Gesellschaftsgeschichteverstanden werden. Wann kamen bestimmtePersonengruppen nach Düsseldorf? Warum wurde die Stadtein attraktiver Standort für bestimmte Unternehmen? Wiewirkte sich die Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhundertsauf die Entwicklung von Stadt und Region aus? Wiewurde aus dem verschlafenen Provinzstädtcheneine Indus triemetropole und der „Schreibtisch desRuhrgebiets“?Zusammen mit Studierenden der HHU entwickeltHenkel derzeit in einem Praxisseminar eineinhaltliche Konzeption des künftigen Museums.Schwerpunktthema: Migration. Eine der Leitfragenist zum Beispiel: Wie nimmt man das Fremde wahr?Foto: Jana BauchAm Schluss, so der Historiker, soll ein Sammelband mit deneinzelnen Arbeitsergebnissen stehen. Henkel und sein „kleiner,großer Bahnhof“, eine architektonische Seltenheit von1838. Eigentlich sollte er abgerissen werden, der Förderkreisverhinderte dies erfolgreich, jetzt steht das Gebäude unterDenkmalschutz. Noch ist es eine Baustelle, aber die altenRaumkonturen werden schon wieder sichtbar. Und nun kommtwieder die „Gründerstiftung zur Förderung von Forschungund wissenschaftlichem Nachwuchs an der Heinrich-Heine-Universität“ (so der vollständige Name) ins Spiel.Am 26. Oktober gab es einen „Ortstermin“: Zusammen mitihren Stipendiaten besuchten PD Dr. Hannelore Riesner undProf. Dr. Detlev Riesner Bahnhof und Industriepfad und ließensich von ihrem ehemaligen Stipendiaten über das spannendeProjekt des Mobilitätsmuseums informieren.Infos: www.industriepfad-gerresheim.deStipendiaten der Gründerstiftung, Rektor Prof. Dr. Dr. H. MichaelPiper, die Stifter – das Ehepaar PD Dr. Hannelore und Prof. Dr.Detlev Riesner, das die „Gründerstiftung“ ins Leben gerufen hat –Dr. Peter Henkel und weitere Mäzene an der Info-Stele in der „ArbeitersiedlungNeustadt“, wenige Gehminuten vom Kulturbahnhof.Das Programm „Chancen nutzen“ fördert in diesem Jahr schon zumvierten Mal besonders talentierte Studierende der HHU.Magazin 4 | 201215


Fotos: KommunikationsabteilungCAMPUS„Lange Nacht der Industrie 2012“:„Nutzpflanzen der Zukunft“Prof. Dr. Peter Westhoff (Institut für Entwicklungs- und Molekularbiologieder Pflanzen) sprach in der „Langen Nacht der Industrie“ über „Nutzpflanzender Zukunft“.Katrin Kohl (Abteilung Entwicklung und Organisation im Personaldezernat,links) führte eine Besuchergruppe über den Campus und gab Hintergrundinformationenzur Düsseldorfer Universität.Nach der großen Resonanz im Vorjahr fand am 25. Oktober2012 die zweite „Lange Nacht der Industrie“ in derRegion zwischen Rhein und Ruhr unter der Schirmherrschaftvon Ministerpräsidentin Hannelore Kraft statt. In diesem Jahrwar auch die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf dabei.Unter dem Motto „Grüne Biotechnologie: Entwicklung vonNutzpflanzen“ machte Tour 2 zunächst Station an der HHU.Prof. Dr. Peter Westhoff, Leiter des Instituts für Entwicklungs-und Molekularbiologie der Pflanzen, hielt jeweils um18.00 Uhr sowie um 20.15 Uhr einen Vortrag zum Thema„Nutzpflanzen der Zukunft – das Beispiel Turbolader für denReis“ und erläuterte den Stand der Forschung.Dabei ging es um die Frage, wie man angesichts schwindenderRessourcen und steigenden Nahrungsmittelbedarfsneue Multitalente unter den Pflanzen züchten kann, die wenigerWasser, weniger Dünger brauchen und trotzdem einehöhere Produktivität bringen, um den Hunger in der Weltzu bekämpfen. Der Düsseldorfer Biologe beschäftigt sich mitdiesem Thema schon seit Jahren und ist im Rahmen einesinternationalen Konsortiums dabei, einen solchen „Super-Reis“ zu züchten. An die Vorträge schlossen sich jeweils lebhafteDiskussionen der Teilnehmer an.Professor Westhoff ist mit seiner Forschung Teil des ExzellenzclustersCEPLAS, eines innovativen Großforschungsverbundesfür nachhaltige Pflanzenproduktion, den dieHeinrich-Heine-Universität gemeinsam mit der Universitätzu Köln in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülichund dem Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschungentwickelt hat.CEPLAS hatte sich bei der bundesweiten Exzellenzinitiativedes Bundes und der Länder gegenüber großer bundesweiterKonkurrenz im Juni dieses Jahres durchgesetzt undwird nun für die nächsten fünf Jahre jährlich mit durchschnittlichca. 6 Millionen Euro gefördert.CEPLAS: Innovativer Großforschungsverbundzur PflanzenproduktionAls zweite Station innerhalb der Tour 2 wurde das ForschungszentrumMonheim von Bayer CropScience AG angefahren.Die Bayer CropScience AG zählt zu den weltweitführenden, innovativen Crop-Science-Unternehmen mit denTätigkeitsbereichen Pflanzenschutz (Crop Protection), Schädlingsbekämpfungsmittelfür den nicht-landwirtschaftlichenGebrauch (Environmental Science) sowie Saatgut- und Pflanzenbiotechnologie(BioScience).Getragen wurde die Veranstaltung von der GesellschaftsinitiativeZukunft durch Industrie e.V., den Industrie- undHandelskammern, Unternehmerverbänden und Industriegewerkschaftenin der Region.Carolin Grape16 Magazin 4 | 2012


InternationalesHHU und Hamamatsu University Schoolof Medicine besiegeln PartnerschaftDie Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat mit der HamamatsuUniversity School of Medicine in Hamamatsu,Provinz Shizuoka / Japan, ein Partnerschaftsabkommen geschlossen.Die HHU hat somit ihre vierte offizielle Partnerschaft miteiner japanischen Hochschule besiegelt. Rektor Prof. Piperbezeichnete die neue Partnerschaft als „wichtigen Schritt imRahmen der Internationalisierungsstrategie der Universität“.Zusammenarbeit und AustauschMit Datum 9. August 2012 hat der Präsident der HamamatsuUniversity, Prof. Satoshi Nakamura, das Partnerschaftsabkommenmit der HHU gegengezeichnet. Geplant ist die wissenschaftlicheZusammenarbeit ebenso wie der Austauschvon Studierenden. „Ich freue mich, dass wir mit einer so renommiertenHochschule eine strategische Partnerschaft eingehenkönnen“, so Rektor Piper. „Diese Festigung unserer Beziehungennach Japan eröffnet Studierenden und Wissenschaftlernaus Düsseldorf und Hamamatsu neue Möglichkeiten.“Der Grundstein der Partnerschaft mit der HamamatsuUniversity School of Medicine wurde bei einem Besuch desRektorats der HHU in Japan im April 2012 gelegt (siehe MA-GAZIN 2/2012). Zu diesem Anlass bekundete die japanischeSeite großes Interesse daran, dass ihre Studierenden einenTeil des Praktischen Jahres in Düsseldorf leisten.Partnerschaften der HHU mit japanischen Hochschulenhaben bereits Tradition. Seit 1999 besteht eine Partnerschaftmit der Keio University (Tokio). 2010 und 2011 sind mit denUniversitäten Aoyama Gakuin (Tokio) und Doshisha (Kyoto)Partnerschaftsabkommen geschlossen worden. Die nun besiegeltePartnerschaft mit der Hamamatsu University ist insgesamtdas zwölfte Abkommen der HHU mit internationalenHochschulen.Julius KohlEAIE-Konferenz 2012 in DublinDie Jahrestagung der European Association for InternationalEducation (EAIE), die sich an alle im Bereich der Internationalisierungder Hochschulbildung tätigen Personen richtet, fand2012 in Dublin statt. In diesem Jahr konnten sich mehr als4.300 Teilnehmer / -innen an über 100 Ständen von Hochschulen,Konsortien und Agenturen informieren. In zahlreichenWorkshops und Sessions wurden neue Entwicklungen nationalerund hochschulspezifischer Internationalisierungsbestrebungensowie zahlreiche Best-Practice-Beispiele diskutiert.Die HHU beteiligte sich erstmalig am Deutschen Pavillon desGATE-Konsortiums unter dem Motto „Study in Germany –Land of Ideas“. Die Ecklage des Stands der HHU am DeutschenPavillon mit dem Logo der HHU sorgte für eine gute Sichtbarkeit.Grit Dörfel, Persönliche Referentin des Prorektors für Hochschulmanagementund Internationales, und Dr. Anne Gellert,Leiterin des International Office, nahmen als Vertreterinnender HHU teil. Sie stellten – auch im Auftrag der Erasmus-Beauftragten – Kontakte zu neuen Partnerhochschulen her undvertieften bereits bestehende Kooperationen.Die Teilnahme an der EAIE ermöglichte es nicht nur, zahlreicheneue Anregungen zu den verschiedenen Internationalisierungsschwerpunktenzu erhalten. Wichtig für die HHUwar vor allem die Definition und Vermarktung der eigenenStärken bzw. Besonderheiten; sie stellen die wesentlichenGrundlagen zur Anbahnung neuer Partnerschaften dar. In Vorbereitungder Veranstaltung entstanden so – auf der Grundlagedes International Student Barometers, an dem die HHU imvergangenen Jahr teilgenommen hat – die sechs wichtigstenArgumente für ein Studium an der HHU (Six reasons for studyingat Heinrich Heine University Düsseldorf >> www.uniduesseldorf.de/home/en/studying-and-teaching-at-hhu/applications-for-a-course-of-study-2011/why-duesseldorf-is-anexcellent-place-to-study.html)sowie eine aktuelle Übersicht desenglischsprachigen Kursangebotes der HHU, das nun halbjährlichaktualisiert wird.red.Grit Dörfel (links) ist Persönliche Referentin des Prorektors für Internationales.Zusammen mit Dr. Anne Gellert (International Office) präsentierte sie die HHU.Foto: privatMagazin 4 | 201217


JURISTISCHE FAKULTÄTDie Wildgänse unddas VölkerrechtDoktorarbeit über „Private Military Companies“:Söldner, Sicherheitsfirmen und das internationale RechtssystemEntstanden sind sie in ihrer modernen Form in den 1960er Jahren,zuerst in Groß britannien und den USA: Damals hielt die Auslagerung staatlicherAufgaben auf privatwirtschaftliche Akteure auch im militärischen Bereich Einzug.Seitdem florieren die Geschäfte privater Militärunternehmen:„Private Military Companies“ (PMC) sind aus den Konfliktgebieten in Afrika undNahost nicht mehr wegzudenken. Aber wie ist ihr rechtlicher Status?Der Jurist Dr. Stefan Giesen (32) hat die Stellung der PMCs untersucht.Titel seiner Doktorarbeit: „Private Military Companies im Völkerrecht“.VON ROLF WILLHARDTwar 1968 ein internationaler Kinoerfolgund „Die Wildgänse kommen“ ist seit 1978 ein„Katanga“Klassiker des Abenteuerfilms mit Stars wie RogerMoore, Richard Burton und Hardy Krüger. Beide Streifenspielen in Afrika, beide Male geht es um Söldner. Einige Filmpersonenhatten reale Vorbilder: den irischen SöldnerführerMike Hoare („Mad Mike“) und den Deutschen Siegfried Müller(„Kongo-Müller“), die mit einer internationalen Truppe von700 angeworbenen Weißen 1965 den „Simba-Aufstand“ imKongo blutig niederschlugen.Wallenstein: Der größte Söldnerunternehmeraller ZeitenDie Filme thematisieren klassische Söldner. Und die hattenVorgänger: Bereits im vierten Jahrhundert v. Chr. warbengriechische Stadtstaaten fremde Soldaten an. Das Mittelalterkennt sie, Söldnerunternehmen führten im 14. und 15. Jahrhundertdie Kriege der norditalienischen Städte, die Schweizerund süddeutschen Landsknechte waren berühmt und imDreißigjährigen Krieg bestand das Gros der Heere aus angeworbenenZeitsoldaten. Der kaiserliche OberbefehlshaberWallenstein führte das „wahrscheinlich größte und mächtigsteSöldnerunternehmen aller Zeiten“, so Dr. Stefan Giesen imhistorischen Rückblick seiner Doktorarbeit. „Im Laufe desDreißigjährigen Krieges unterstanden Wallenstein Armeenvon bis zu 150.000 Mann. Die kaiserliche Armee war de factodie Armee des Söldnerunternehmens Wallenstein.“Eine besondere Rolle spielten die „ostindischen Kompanien“im 17. und 18. Jahrhundert. Sowohl die holländischenals auch die britischen Handelsgesellschaften, Vorläuferheutiger multinationaler Unternehmen, unterhielten Privatarmeen,die Sicherungsaufgaben wahrnahmen und bisweilenauch Kriege führten. Giesen: „Sie boten Staaten (…) die Möglichkeit,eine inoffizielle Politik zu betreiben, die sie bei Erfolgfür sich in Anspruch nehmen und von der sie sich beiMisserfolgen distanzieren konnten.“Mit der Entwicklung stehender Heere und der Territorialstaatenzum Ende des 18. Jahrhunderts verschwanden dieSöldnerarmeen. Giesen: „Der letzte Fall einer umfassendenAnwerbung von Söldnern erfolgte durch das Vereinigte Königreich1854. 16.500 Deutsche, Italiener und Schweizer wurdenfür den Krimkrieg angeworben, nahmen aber nicht mehr amKonflikt teil.“ Die Monopolisierung der Gewalt beim Staat, so18 Magazin 4 | 2012


JURISTISCHE FAKULTÄTFoto: istockphoto.com – sb-borgPMCs: Die Wissenschaft wurdeerst Mitte der 90er Jahre auf dasPhänomen aufmerksamGiesen, brachte auch „verstaatlichteSöldnerunternehmen“mit sich. „Einheiten vonFremden wurden dauerhaft in diestaatliche Armee integriert. Das VereinigteKönigreich rekrutierte bereits seit 1816 Gurkhas (Söldneraus Nepal, Anm. d. Verf.) und setzte sie in seinen kolonialenKonflikten ein. Die französische Fremdenlegion wurde 1831durch Gesetz geschaffen und seitdem ebenfalls in kolonialenKonflikten eingesetzt.“Eine regelrechte „Vermietung“ staatlicher Armeen gab esnoch im 20. Jahrhundert. Die USA warben für den Vietnam-Krieg australische, neuseeländische, thailändische, philippinische,südkoreanische und chinesische Truppen an. „1977setzte Zaire unter Vertrag genommene marokkanische Truppenein“, so Giesen. „Die dominante Form des Söldnertumsim 20. Jahrhundert war jedoch die individuelle Anwerbungeinzelner Söldner durch Staaten. Die größte Aufmerksamkeithaben dabei ihre Einsätze im postkolonialen Afrika ab den60er Jahren erfahren. Auch im Zeitalter der PMCs bestehtdiese Form des Söldnertums fort. So wurden in größeremUmfang auch in den jugoslawischen Konflikten in den 90erJahren individuell angeworbene Söldner eingesetzt.“Und welche Rolle spielten und spielen die PMCs? „Mitdem Ende des Kalten Krieges erlebte die Welt einen grundlegendenWandel. Diebipolare Aufteilung derWelt zerbrach, und in derWirtschaft führte die Globalisierungzu massiven Umwälzungen.Im Windschatten dieser Prozesse tauchten die PrivateMilitary Companies auf und stießen in die sich auftuendenLücken. Sie waren kein neues Phänomen, bis dahin aberweitgehend unbedeutend geblieben und nur eine Randnotizdes Weltgeschehens. Erst der Rückzug der Supermächte ausAfrika und das Übergreifen der Privatisierungsprozesse inden militärischen Bereich ließen sie aufblühen.“ So beginntdie Studie von Dr. Stefan Giesen.„Die Wissenschaft wurde erst Mitte der neunziger Jahreauf diese Unternehmen aufmerksam“, rekapituliert der Jurist.„Die PMCs weckten auch das Interesse der Völkerrechtler. Dafürist vor allem ihre Beteiligung an Konflikten verantwortlichund damit die Beteiligung an Vorgängen, die herkömmlichenStaaten vorbehalten sind. (…) Mit der Beteiligung vonWirtschaftsunternehmen an Konflikten hat sich eine Situationergeben, die bei der Schaffung nahezu sämtlicher relevanterNormen des Völkerrechts nicht berücksichtigt wurde.Das gilt insbesondere für das humanitäre Völkerrecht.“Gab es Schwierigkeiten bei den Recherchen zu einem derartbrisanten Thema? Der Jurist verneint: „Die notwendigenSachinformationen habe ich mir aus allgemeiner Presse, Fachpresseund aus sozialwissenschaftlichen Arbeiten über PMCsbesorgt.“ Leitfragen waren für Giesen: Wie fügen sich PMCsin das heutige Völkerrecht ein? Tun sie das überhaupt? Könnenan der Konfliktführung beteiligte Angestellte von PMCsKombattanten- und Kriegsgefangenenstatus haben? Söldnersind von diesem Status jedenfalls ausgenommen. Und werist verantwortlich, wenn Angestellte einer PMC das Völker-Magazin 4 | 201219


JURISTISCHE FAKULTÄT„Private Military Companieshaben keine stellung imhumanitären Völkerrecht.“Dr. Stefan Giesen, Juristrecht verletzen? Der Staat? Möglicherweise die PMC? WelcheAufgaben dürfen zum Beispiel die Vereinten Nationen in völkerrechtlichzulässiger Weise auf PMCs übertragen? In Fragekommen etwa Beobachtermissionen und Peacekeeping-Operationen. Der Blick zurück zeigt, dass sich, ähnlich wiezur Zeit der Landsknechte, die privaten militärischen Dienstleisterdem Zugriff nationalen Rechts oft entziehen. Giesen:„Ein markantes Beispiel ist der Einsatz von PMCs im Irak undin Afghanistan durch die USA. Die Beschäftigten der PMCswaren dem irakischen Recht entzogen, und ein sie erfassendesRechtssystem bestand von amerikanischer Seite nicht.“PMCs haben im Regelfall andere Interessen als die desgeschwächten Staates, der sie etwa für Militäraktionen, zurTerrorismusbekämpfung oder zu Sicherungsaufgaben beschäftigt.„Der wahrscheinlichste Konfliktfall“, so Giesen, „sind diewirtschaftlichen Ressourcen des Staates. So wird ExecutiveOutcomes (ein privates Militär- und Sicherheitsunternehmen,das sich aus südafrikanischen Söldnern zusammensetzte, Anm.Schwerpunkte sind heuteder Irak und Afghanistand. Verf.) etwa vorgeworfen, sich als Gegenleistung für einenEinsatz die Schürfrechte an den Diamantenvorkommen SierraLeones gesichert zu haben, die das wesentliche Vermögendes Staates darstellen. Ähnliche Vorwürfe treffen das Unternehmenbei einem Einsatz in Angola.“PMCs sind im Bereich Personen- und Gebäudeschutz tätig;sie bilden auch aus – zum Beispiel die kroatische Armee unddie saudische Nationalgarde wurden von Privatfirmen neustrukturiert und gedrillt. Sie sind ferner in der Versorgung undLogistik tätig. Die US-Streitkräfte wurden im Somalia-Konflikt1992 bis 1995 von einer PMC versorgt, im Kosovo-Krieg bauteund unterhielt eine PMC Flüchtlingslager. Im Irak waren 2005mehr als 60 PMCs mit über 2.000 Beschäftigten in militärischenFunktionen tätig, „und damit zusammengenommen das zweitgrößteKontingent nach der U.S.-Armee. Anderen Schätzungenzufolge waren in den USA über 100.000 Personen für Privatunternehmentätig, die in Vertragsverhältnissen mit den USA standen“,so Giesen. Schwerpunkte von PMC-Aktivitäten sind heutezweifellos der Irak und Afghanistan. Der „Abu Ghraib-Skandal“,die mit Folter verbundene Befragung von irakischen Gefangenendurch PMC-Mitarbeiter, sorgte weltweit für Aufsehen.Klar formuliert: PMCs haben im Regelfall keine gute Presse,ihr Ansehen ist zumindest umstritten.Und die Ergebnisse von Giesens Studie, die im Übrigen auseiner Seminararbeit zum Thema „Terrorismus“ hervorging?„Bereits die erste ganz allgemeine Feststellung überrascht.Fragt man nach der Stellung von PMCs im Völkerrecht, heißtdie Antwort regelmäßig: Sie haben keine. Im humanitärenPMCs: Kombattanten-Status?Völkerrecht bilden sie keine erfasste Gruppe. Sie selbst sindkeine Konfliktpartei. (…) Dennoch sind PMCs mittelbar fürdas Völkerrecht sehr relevant. Sie beteiligen sich – auf ganzverschiedene Weise – an Konflikten und bringen Mitarbeiterein. Wie sich zeigte, hat das deutliche Auswirkungen im Völkerrecht.“Giesen plädiert dafür, dass Angestellte von PMCs,so sie an Feindseligkeiten teilnehmen, Kombattanten-Statuserlangen. „Damit verbunden und ebenso wichtig ist derKriegsgefangenenstatus.“Andererseits stufen viele Staaten, zuvorderst die USA, dievon ihnen eingesetzten PMCs als „Zivilisten, die die Streitkräftebegleiten“ ein. Hier kann der Betroffene Gefahr laufen,nicht als Kriegsgefangener im Sinne der Genfer Konventioneingestuft zu werden. „Sicherheit kann den betroffenen Personennur geboten werden, wenn sie entweder in eine Streitkrafteingegliedert werden – was sie allerdings zum legitimenZiel von Kampfhandlungen macht – oder sie nur mit Tätigkeitenbetraut werden, die klar nicht unter die unmittelbareTeilnahme an Feindseligkeiten fallen.“ Wichtig sei hier die Beschränkungder Bewaffnung analog zum Sanitätspersonal (nurFaust- und Handfeuerwaffen). Ein erstes Zwischenfazit: „Konfliktparteiendürfen also PMCs in Konflikten einsetzen, auchzur unmittelbaren Teilnahme an Feindseligkeiten. Sie müssenallerdings die zur Gewährleistung der Einhaltung des humanitärenVölkerrechts erforderlichen Voraussetzungen erfüllen.Auf Grundlage der zur Verfügung stehenden InformationenIllustration: istockphoto.com – AdrianHillman20 Magazin 4 | 2012


JURISTISCHE FAKULTÄTFoto: istockphoto.com – ia_64Sind PMCs Zivilisten, die die Streitkräfte begleiten?Die USA sehen das so und beschäftigten2005 im Irak mehr als 60 Unternehmen mit über2.000 Angestellten.Dürfen PMCs an Peacekeeping-Missions der UN teilnehmen?muss man feststellen, dass dies bis heute auf die meistenFälle wohl nicht zutrifft.“Eine weitere Frage ist die nach der völkerrechtlichen Verantwortlichkeit.Nur selten kann eine PMC einem Staat alsDe-facto-Organ zugerechnet werden. Der Auftraggeber ist oftein sog. Basisstaat. Giesen: „Basenstaaten der PMCs sind invielen Fällen eben jene Staaten, die vor dem Hintergrund derTerrorismusbekämpfung besonders weit gehende Positionenvertreten. Heraus ragen dabei die USA, die im Fall der Talibanund Al Qaidas Staat und Terroristen gleichgesetzt haben.Sie müssen sich dann daran festhalten lassen, mit ihren PMCsgleichgesetzt zu werden.“Bezüglich der Stichworte „Einsatzverbot“ und „Neutralität“hält Giesen fest: „Es besteht kein allgemeines völkerrechtlichesVerbot, PMCs einzusetzen.“ Auch die Vereinten Nationen dürfenPMCs beauftragen, „Voraussetzung ist, dass die betroffenenAngestellten der PMC Teil der Peacekeeping-Mission alsUnterorgan der Vereinten Nationen werden“. Aber dürfenPMCs auch als Streitkräfte des Sicherheitsrates, als „Blauhelme“,zum Einsatz kommen und am „robusten Peacekeeping“,sprich Kampfeinsätzen, teilnehmen? Giesen bejaht das. SeinFazit: „In alldem zeigt sich, dass das Völkerrecht bereits heutefür den Umgang mit PMCs gut gerüstet ist.“ Die Angestelltender PMCs müssen das humanitäre Völkerrecht achten unddie beteiligten Staaten für ihre Aktivitäten haften. „Schlussendlichlässt sich zum Phänomen der PMCs aus völkerrechtlicherSicht feststellen, dass dieses Pudels Kern weder Teufelnoch Schoßhund ist. Die ihnen innewohnenden Gefahrendürfen nicht unterschätzt werden, ihr Potential sollte nichtvergeben werden. Den Unterschied macht ein vorsichtigerUmgang. Es ist an den Staaten, sie guten Zwecken nutzbarzu machen und ihr Gefahrenpotential einzudämmen. Das Völkerrechtsteht bereit, seinen Beitrag zu leisten.“Nachtrag: Auch die Bundeswehr lässt militärische Einrichtungenwie z. B. Kasernen von privaten Sicherheitsdiensten bewachen.„Hier gibt es aber keine völkerrechtlichen Bezüge“, soGiesen. „Die Firmen unterliegen in vollem Umfang deutschemRecht.“Dr. Stefan Giesen wurde 1980in Wesel geboren. Er studierteRechtswissenschaften an derJuristischen Fakultät der Heinrich-Heine-UniversitätDüsseldorf.Die Promotion erfolgte2012, Doktorvater ist Prof. Dr.R. Alexander Lorz, Lehrstuhl fürDeutsches und AusländischesÖffentliches Recht, Völkerrechtund Europarecht. Die Arbeit mit dem Titel „Private MilitaryCompanies“ wird in Kürze im Nomos-Verlag erscheinen.Seit 2011 ist Dr. Giesen Associate am DüsseldorferStandort der internationalen Anwaltskanzlei Hogan Lovells(mehr als 40 Anwaltsbüros weltweit, über 2.500 Rechtsanwälte).Er ist Mitglied der Praxisgruppe Kartellrechtund Regulierung.Foto: privatMagazin 4 | 201221


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTOP-Training an neuartigen PhantomenInformatiker um Prof. Dr. Volker Aurich aus Düsseldorfsowie Mediziner aus Tübingen haben neuartige Phantomeentwickelt, an denen Ärzte endoskopische Operationentrainieren können. Für diese Entwicklung erhielten sieden Stiftungspreis der Südwestdeutschen Gesellschaft fürGastroenterologie.Die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Volker Aurich am Institutfür Informatik der Universität Düsseldorf und von Prof.Dr. Karl-Ernst Grund am Institut für Experimentelle ChirurgischeEndoskopie der Universität Tübingen haben neuartige,reale Phantome für die flexible Endoskopie entwickelt. Es handeltsich um anatomiegetreue Nachbildungen von Organenwie zum Beispiel Darm, Magen, Bronchien und Gallenwegen,in denen man alle diagnostischen und therapeutischen Eingriffewie am Patienten völlig realistisch mit handelsüblichemEndoskopie-Instrumentarium trainieren kann. In Düsseldorfwerden für die Phantome Sensorsysteme entwickelt, mit denendas Training überwacht und visualisiert wird.Von besonderer Bedeutung sind die Phantome für endoskopischeEingriffe in den Gallengängen (ERCP). Denn es gabbisher keine realistischen Trainingsmöglichkeiten – außer amPatienten selbst. Ein Training am Patienten verbietet sich jedoch,weil die ERCP eine relativ hohe Komplikationsrate hat.Wegen der nötigen ständigen Röntgenkontrolle bedeutetsie überdies eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung fürPatient und Operateur.Mit der Düsseldorfer Sensorik kann man die Navigation inden Gallengängen üben, ohne ein Röntgengerät zu benutzen.Denn sie erfasst die Lage der Instrumente in den Gallengängenund stellt sie in einem simulierten, aber realitätsnahenRöntgenbild dar.Realistische TrainingsmöglichkeitDer mit 2.000 Euro dotierte Stiftungspreis „GastroenterologischeViszeralmedizin“ wird für wissenschaftliche Forschungsarbeiten,technische Entwicklungen und Fortbildungen aufdem Gebiet der Gastroenterologie, Hepatologie, Viszeralchirurgie,gastroenterologischen Radiologie und Pathologie verliehen.Prof. Aurich, Prof. Grund und Mitarbeiter erhielten den Preisfür ihre Forschungen „Neues ERCP-Trainings-Modell für alle diagnostischenund therapeutischen Eingriffe“. Arne ClaussenKontakt: Prof. Dr. Volker Aurich, Institut für Informatik,Tel. 0211 81-11356Foto: privatArbeit mit dem „Phantom“: Auf den beiden Bildschirmen links ist die Röntgensimulation zu sehen, darunter das Steuerpult für die Simulation und rechts derMonitor des Videoendoskops.22 Magazin 4 | 2012


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTForschungsförderung für den frühenNachweis der Alzheimer-DemenzFoto: Forschungszentrum JülichDr. Susanne AileenFunke und Prof. Dr.Dieter WillboldDas Forschungsziel des EU-Projekts „BiomarkAPD“ ist,Alzheimer-Demenz zweifelsfrei schon viele Jahre vordem Ausbruch diagnostizieren zu können. Heute kanndie Krankheit erst nach dem Auftreten von demenziellenSymptomen erkannt werden, zu einem Zeitpunkt, an dem imGehirn des Patienten unheilbarer Schaden entstanden ist.Früherkennung erhöht die Chance, den Verlauf der Krankheitzu verzögern und Fortschritte bei der Medikamentenentwicklungzu dokumentieren. Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des ForschungszentrumsJülich erhielten nun eine Förderung des BMBF in Höhe von64.400 Euro für die Forschung an neuen frühdiagnostischenInternationale VernetzungMethoden. Die Mitarbeit an BiomarkAPD bedeutet für dieWissenschaftler eine breite internationale Vernetzung mitmehr als 70 Arbeitsgruppen in mehr als 20 Ländern und eineStärkung im Bereich Alzheimer-Frühdiagnostik.Die Alzheimersche Demenz (AD) ist eine chronische, neurodegenerativeErkrankung, die weltweit mehr als 20 MillionenMenschen betrifft, davon alleine eine Million in Deutschland.Heutzutage ist die AD nicht heilbar, es können lediglichdie Symptome bekämpft werden. Des Weiteren wird die Erkrankungerst sehr spät diagnostiziert, eine zweifelsfreieDiagnose ist erst nach dem Tod des Patienten möglich. ImGehirn von Alzheimer-Patienten sind Protein-Ablagerungennachzuweisen, die als Amyloid- oder Alzheimer-Plaques bezeichnetwerden. Alzheimer-Plaques sind diffus in die Hirnrindeund verschiedene andere Gehirnregionen eingestreute,extrazelluläre Proteinaggregate, deren Hauptbestandteil dasAmyloid-ß-Peptid (Aß) ist. Neben den Plaques entstehenschon zu Beginn der Erkrankung kleine, frei diffundierbareAß-Oligomere im Gehirn der Patienten, die als Krankheitsauslösergelten.Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Dieter Willbold, Direktordes Instituts für Strukturbiochemie (ICS-6) des ForschungszentrumsJülich und Leiter des Institutes für PhysikalischeBiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und Dr.Susanne Aileen Funke, Arbeitsgruppenleiterin im ICS-6, hateinen hochsensitiven Test zur Detektion und Charakterisierungvon Aß-Proteinaggregaten in Körperflüssigkeiten entwickelt.Dieser Test soll innerhalb des BiomarkAPD-Netzwerkes validiertwerden, um festzustellen, ob Aß-Oligomere als sogenannter„Biomarker“ für eine möglichst frühe Diagnose vonMorbus Alzheimer dienen können. Dazu werden Rückenmarksflüssigkeits-Probenvon Alzheimer-Patienten und gesundenKontrollprobanden vermessen und der Gehalt an Aß-Oligomerenbestimmt und verglichen. Weiterhin soll das Testsystemso robust gemacht werden, dass es routinemäßig eingesetztwerden kann.Barbara SchunkKontakt: Dr. Susanne Aileen Funke, ForschungszentrumJülich, Institute of Complex Systems (ICS-6), www.uniduesseldorf.de/MathNat/ipb/index.php?index=1374Magazin 4 | 201223


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTPublikation in „Physical Review Letters“:Sterne auf der Erde erforschenWissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorfund der Christian-Albrechts-Universitätzu Kiel ist es gelungen, eine Methode zu entwickeln,mit der ein riesiges Magnetfeld, wie es sonst nur auf Neutronensternenherrscht, simuliert und erforscht werden kann.In dem in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“erschienenen Artikel von Prof. Dr. Hartmut Löwen (Heinrich-Heine-Universität) und Prof. Dr. Michael Bonitz (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) wird nachgewiesen, dass wenigeMikrometer große Teilchen in einem komplexen Plasmain Rotation versetzt sich genauso verhalten, als befändensie sich in einem gigantischen Magnetfeld.Extremste Objekte im WeltallNeutronensterne gehören zu den extremsten Objekten imWeltall: Sie sind zwar nur 20 km groß, dafür aber bis zu dreimalso schwer wie unsere Sonne. Darüber hinaus weisen siehäufig riesige Magnetfelder auf – mehr als 300 Millionen Malstärker als das Erdmagnetfeld.Düsseldorfer und Kieler Physikern ist nun ein besondererKniff eingefallen, wie im Labor auf der Erde einige der Auswirkungensolch extremer Zustände untersucht werden können:Sie versetzen wenige Mikrometer große Partikel in einemkomplexen Plasma in Rotation. Theoretische Überlegungenund Modellrechnungen haben ergeben, dass die Partikel aufdiese Weise ähnliche Kräfte erfahren, als ob sie sich im Magnetfeldeines Neutronensterns befinden würden – ohne überhauptein Magnetfeld anlegen zu müssen.Mit der nun entwickelten und auch bereits in weiterenExperimenten der Gruppe von Prof. Dr. Alexander Piel (CAU)überprüften Methode können die Eigenschaften des Magnetfeldsvon Neutronensternen im Labor simuliert werden. Fürdie Physiker bedeutet dies die Möglichkeit, extreme Materiezuständeund das Verhalten von Teilchen darin auf der Erdeerforschen zu können.Arne ClaussenOriginalpublikation: H. Kählert, J. Carstensen, M. Bonitz,H. Löwen, F. Greiner, and A. Piel (2012): „Magnetizing a complexplasma without a magnetic field“, Phys. Rev. Lett. 109,155003, http://prl.aps.org/abstract/PRL/v109/i15/e155003Kontakt: Prof. Dr. Hartmut Löwen, Heinrich-Heine-UniversitätDüsseldorf, Tel. 0211 81-11377, hlowen@thphy.uniduesseldorf.deInfos: Website of research group of Hartmut Löwen: www2.thphy.uni-duesseldorf.de, Website of research group of MichaelBonitz: www.theo-physik.uni-kiel.de/~bonitz/index.htmlKonzeptdarstellungeines Neutronensternes.Wichtige Eigenschaftensolcher Sterne könnennun mithilfe der neuenErkenntnisse auf derErde simuliert werden.Foto: NASA/Goddard Space Flight Center Conceptual Image Lab24 Magazin 4 | 2012


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTErnst-Jäger-Stiftung fördert chemische ForschungAm 27. September 2012 wurde die mit einem Gründungskapitalvon 1 Million Euro ausgestattete Ernst-Jäger-Stiftung errichtet und der Gesellschaft von Freunden undFörderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zur treuhänderischenVerwaltung übertragen. Stifter ist Dr. ManfredJäger in Erinnerung an seinen Vater, Ernst Jäger, Gründer einesfrüher in Familienbesitz befindlichen chemischen Industrieunternehmensin Düsseldorf.Foto: Hans-Jürgen BauerMakromolekulare ChemieDie Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondereWissenschaft und Lehre in der makromolekularen Chemiean der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zu fördern. DieErträge der Stiftung sollen deshalb dem Institut für OrganischeChemie und Makromolekulare Chemie der Heinrich-Heine-Universität zufließen. Dessen Leiter, Prof. Dr. ThomasJ. J. Müller, gehört dem Kuratorium der Stiftung ebenso anwie der Stifter, sein Sohn Dr. Christian Jäger und Prof. Dr.Dres. h. c. Gert Kaiser als Präsident der Gesellschaft von Freundenund Förderern.red.Unterzeichneten die Verträge: Dr. Manfred Jäger (sitzend, links) und der Präsidentder Gesellschaft von Freunden und Förderern, Prof. Dr. Dres. h. c. Gert Kaiser.Mit dabei: Dr. Christian Jäger und Prof. Dr. Thomas J. J. Müller.AnzeigeMagazin 4 | 201225


TITELIn Bronze gegossen:Das „Buch Heine“Auf dem Campus steht ein neues Heine-DenkmalEin offenes Buch mit der Silhouette des jungen und des alten Heine,eine Narrenschelle und die Schere als Sinnbild für die Zensur zeigt das neueHeine-Denkmal des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim, das am 30. Oktobervon Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper und von Dr. Lutz Aengevelt als Vertreterder Stifter im Beisein des Künstlers enthüllt wurde. Die drei Meter hohe und 1,80 Meterbreite Statue steht an der Magistrale der Heinrich-Heine-Universität,vor dem Eingang zur Roy Lichtenstein-Halle. Kein Denkmal nur zum Betrachten,sondern eines zum Berühren und zum Benutzen.VON VICTORIA MEINSCHÄFERRektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper bedankte sich herzlichbei den Stiftern, zu denen neben Dr. Lutz Aengeveltsein Bruder Dr. Wulff Aengevelt und die RheinischePost Mediengruppe gehören: „Sie haben unsere Universitätbereichert. Sie haben uns einen Ort geschenkt, an dem manverweilen und an dem man sich durch unseren Namensgeberinspirieren lassen kann.“Es ist bereits das vierte Heine-Denkmal des DüsseldorferKünstlers nach dem von 1981 am Düsseldorfer Schwanenmarkt,der Marmorbüste in der Walhalla und dem in einemMuseum in Marl, ursprünglich vorgesehen für die „MaisonHeinrich Heine“ in Paris.Buchdenkmal schmückt Magistrale„Ich wollte kein Personendenkmal schaffen, auch kein drittesPorträt“, so Gerresheim. Und so schmückt nun die Magistraleder Heinrich-Heine-Universität ein Buchdenkmal, auchals Symbol für Wissen und Wissensbewahrung. Und nichtzuletzt als Hinweis darauf, dass an der Düsseldorfer Universitätzwischen 1973 und 1997 die monumentale historischkritischeHeine-Gesamtausgabe entstand, herausgegeben vondem Germanisten Prof. Dr. Manfred Windfuhr. In dem offenenDie Heine-Statue vor der ULBkorrespondiert mitBert Gerresheims Skulptur.Buch aus patinierter Bronze, in das man nun hineinsteigenkann und soll, ist ein Auszug aus dem Text „VerschiedeneGeschichtsauffassungen“ (1833) zu lesen (siehe Ende desArtikels). „Ich wollte keinen bissigen Text voller Seitenhiebenehmen“, so Gerresheim. „Die Universität ist voll von jungenMenschen, die ihr Bild vom Leben finden müssen.“Zur Entstehungsgeschichte erklärte Dr. Lutz Aengevelt beider Enthüllung: „Die Idee, der Universität ein weiteres Heine-Denkmal zu stiften, kam mir spontan bei der Begehung desUni-Campus zusammen mit dem damaligen Rektor Prof. Dr.26 Magazin 4 | 2012


TITELFoto: Stefan Klinker„Ich WOllte keinen bissigenText voller Seitenhiebenehmen. Die Universitätist voll von jungenMenschen, die ihr BildVOM Leben finden müssen.“Bert Gerresheim, Düsseldorfer KünstlerMagazin 4 | 201227


TITEL12Fotos: Stefan Klinker3 546 728 Magazin 4 | 2012


TITEL1: Ortstermin in der Kunstgießerei Schmäke: Bert Gerresheim,Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper und einer der Stifter,Dr. Lutz Aengevelt. Noch ist die Bronze-Skulptur nicht künstlichpatiniert.2: Freitag, 26. Oktober, 10.00 Uhr: Bei Nieselwetter hievt einSpezialkran die 2,4 Tonnen schwere Skulptur auf den Campus.3: Bert Gerresheim, Karl-Heinz Schmäke, in dessen Kunstgießereidie Skulptur gegossen und zusammengeschweißtwurde, und Gerresheim-Assistent Francisco Ces Hernandez.Der Schwertransport aus der Gießerei in Düsseldorf-Oberbilkzum Campus dauerte drei Stunden, abends um 19.00 Uhrwar die Montage beendet.„Gerresheim hat sich mit überzeugungskraftund DArstellungsgabenie gescheut, dem Andenkenan den schriftsteller einengebührenden RAum zu erobern.“Prof. Dr. Joseph A. Kruse, Direktor des Heine-Instituts4: Der Skulpteur, der Wissenschaftler und ein Dichter inBronze: Bert Gerresheim mit Prof. Dr. Wilhelm Gössmann,lange Jahre Vorsitzender der Heine-Gesellschaft und seitden 70er Jahren unbeirrter Trommler für die Umbenennungder Universität.5: Die Düsseldorfer Kunstgießerei Schmäke ist ein Traditionsunternehmenund hat einen internationalen Ruf.6: Die Heine-Textpassage ist vergleichsweise unbekannt – nichtsdestowenigeretwas zum Nachdenken (siehe Info-Kasten).7: Stifter und Künstler. „Rheinische Post“-HerausgeberDr. Gottfried Arnold mit Ehefrau Irene (links), Ehrensenatorinder Düsseldorfer Universität Dr. Esther Betz, Bert Gerresheimund Mitarbeiter Francisco Ces Hernandez.Dr. Alfons Labisch im April 2007: Die dortige Heine-Statue,die den jungen Heine zeigt, ist eine einzelne, wichtige Facetteseiner Vita, als er sich in einer persönlichen Konfliktsituationbefand. Aus meiner Sicht zu wenig für diesen großartigenDichter und Menschen und für die Reichweite seinerLebensleistung.“Deshalb wollten Bert Gerresheim und die Stifter den Studierendenkeinen verzweifelten, sondern einen umfassendenHeinrich Heine geben: zum Anfassen, zum Hindurchschreiten,zum Treffen und zur dauernden Inspiration durch denNamensgeber der Universität.„Imposanter Höhepunkt in derGeschichte von Heines Nachwirken“Die Leitung der Universität hat diese spontane Idee vonAnfang an und über die gesamte Zeit bis zum heutigen Tagbegeistert mitgetragen. Das Denkmal Gerresheims korrespondiertnun mit der Heine-Statue vor der Universitäts- und Landesbibliothek.Ebenso wie diese steht es auf einem Treppensockelin Form eines Davidsterns.Der Festredner Prof. Dr. Joseph A. Kruse, langjähriger Direktordes Heine-Instituts und gemeinhin „StellvertreterHeines auf Erden“ genannt, zeigte sich beglückt von dem„imposanten und würdigen Höhepunkt in der Geschichtevon Heines Nachwirken“ und dankte dem Künstler: „Gerresheimhat sich mit Überzeugungskraft und Darstellungsgabenie gescheut, dem Andenken an den Schriftsteller, den Kämpferfür die Menschenrechte und gleichzeitig den Schmerzensmannin seiner Matratzengruft einen gebührenden Raumzu erobern.“Der Text auf demneuen Heine-Denkmal:Das Leben ist weder Zweck noch Mittel; das Lebenist ein Recht. Das Leben will dieses Recht geltendmachen gegen den erstarrenden Tod, gegen die Vergangenheit,und dieses Geltendmachen ist die Revoluzion.Der elegische Indifferentismus der Historiker undPoeten soll unsere Energie nicht lähmen bey diesemGeschäfte; und die Schwärmerey der Zukunftbeglückersoll uns nicht verleiten, die Interessen der Gegenwartund das zunächst zu verfechtende Menschenrecht, dasRecht zu leben, auf’s Spiel zu setzen.(Heinrich Heine, „Verschiedenartige Geschichtsauffassungen“,1833)Magazin 4 | 201229


TITEL1Foto: Uli Oberländer2Foto: Archiv Kommunikationsabteilung3 4Foto: Stefan KlinkerFoto: Rolf Willhardt1: Die Heine-Büste im Rektorat (Verwaltungsgebäude16.11) wurde der Universität im Dezember1992 von Franz Jochen Schoeller, Deutscher Botschafterin Paris 1983 bis 1987, gestiftet. DasOriginal steht auf Heines Grab auf dem CimetièreMontmartre in Paris und stammt von dem dänischenBildhauer Louis Hasselriis (1844 bis 1912).2: Die Heine-Statue vor der Düsseldorfer ULBwurde im Juni 1994 aufgestellt. Sie ist eine nachempfundeneReplik eines Heine-Denkmals, das seit1926 in Hamburg stand und von dem deutschenBildhauer Hugo Lederer (1871 bis 1940) stammt.Die Nationalsozialisten ließen es einschmelzen.Ein kleines Gipsmodell von 1912 blieb erhalten.Es diente der Replik als Vorbild. Finanziert wurdedie Statue von der WestLB und der StadtsparkasseDüsseldorf.Foto: Stadt Düsseldorf53: Wohl nur Germanisten bekannt: die Heine-Büstein der Germanistischen Fachbibliothek im 3. Stockdes Gebäudes 23.21. Sie ist eine Bronze-Replik einerHeine-Büste, die der 1869 in Düsseldorf geboreneMaler und Bildhauer Arnold Frische 1897 schuf.Das Original steht im Düsseldorfer Heine-Institut.Die Replik wurde der Germanisten-Bibliothekam 10. Dezember 1977 aus Anlass von Heines180. Geburtstag geschenkt.4: Aus dem Archiv der Pressestelle: Der „Heine-Stein“ steht seit Juni 1993 auf dem Campus.Er geht auf eine Anregung des DüsseldorferGermanisten und langjährigen Vorsitzenden derHeine-Gesellschaft, Prof. Dr. Wilhelm Gössmann,zurück. Finanziert wurde er aus Mitteln der Universität,des AStA und der Heine-Gesellschaft.5: Das berühmte Heine-Monument von Bert Gerresheim(geb. 1935), das der Stadt Düsseldorf ausAnlass des 125. Todestages des Dichters am17. Februar 1981 offiziell übergeben wurde. Es isteine Schenkung des Privatbankiers Dr. StefanKaminsky. Das aus Heines Totenmaske entwickelteEnsemble wurde anfangs nicht nur in Düsseldorfheftig diskutiert und stand als „Fragemal“ zeitweiligsogar unter Polizeischutz.30 Magazin 4 | 2012


PHILOSOPHISCHE FAKULTÄTWenn Max und MoritzShmuel und Shmerke heißenJiddisch-Symposium und Ausstellung zur AlltagskulturAls „Orchideenfach“ gilt Jiddisch, ein Fach, für dasrund 60 Studierende zurzeit eingeschrieben sind.Dass es sich aber um eine sehr aktive und in Fachkreisensehr renommierte Gemeinschaft handelt, wurde imletzten halben Jahr deutlich: So verbrachte der bekannte israelischeHistoriker Shmuel Feiner als Humboldt-Preisträgereinen Teil seiner Zeit an der Heinrich-Heine-Universität, sofand das XV. Symposium für Jiddische Studien in Deutschlandim September an der HHU statt und so war im Herbstauch die Ausstellung „Jiddisch im 21. Jahrhundert: Von derWiege bis zur Reife – Fromm aufwachsen zwischen Lesen,Lernen und Spielen“ in der Universitäts- und Landesbibliothekzu sehen.Jiddisch: Ideale Ergänzung zu anderengeisteswissenschaftlichen FächernWahrscheinlich sprechen ein paar Hunderttausend Menschenauf der Welt Jiddisch. Die meisten leben wohl in dersehr orthodoxen Welt von Brooklyn (New York), in Antwerpenoder in Israel, eine kleine Zahl ist modern orthodox oderweltlich, erklärt Prof. Dr. Marion Aptroot, die seit 1996 denLehrstuhl für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur an derHeinrich-Heine-Universität innehat. Drei ihrer Master-Studierendenhaben sich im vergangenen Semester im Rahmen einerÜbung mit der zeitgenössischen Alltagskultur näher gewidmet.Und so haben Almut Seifert, Julia Wünschmann undAndré Ufferfilge eine Ausstellung konzipiert, in der sie jiddischeLiteratur aus und für alle Lebenslagen zeigten. „Nachdemes in den ultra-orthodoxen Kreisenviele Jahre lang fast ausschließlicherbauliche Literatur in Jiddischgab, hat sich das Spektrum in denletzten Jahren deutlich erweitert“,erklärt Aptroot. Sie ist mit dendrei Master-Studierenden nach Antwerpengefahren und hat dort ineinschlägigen Geschäften gestöbert.Die Studierenden waren überrascht,was es alles in jiddischerSprache gibt, und so zeigten sie inder kleinen Schau knapp 60 repräsentativeExponate. Da gibt es einbunt illustriertes religiöses Bilder-buch zu sehen, das jüdischen Kindern eine Geschichte über„tsitses“, die jüdischen Schaufäden, erzählt, und für ein deutsches,nicht-jüdisches Publikum eine Übersetzung von Maxund Moritz, die auf Jiddisch die Namen Shmuel und Shmerketragen, oder auch ein jiddisches Kartenspiel für orthodoxeKinder. Dass Jiddisch auch eine „ganz normale Sprache“ ist,machen etwa Theaterkarten für eine Aufführung in Jiddischin Kanada deutlich oder aber jiddische Flugblätter der StadtNew York, die über städtische Angelegenheiten informieren.Gleiches gilt für jiddische Zeitschriften, die in den USA, Israeloder Polen erscheinen und über Weltliches berichten.Ähnlich vielfältig wie die Schau war auch die Tagung.„Jiddisch ist als akademische Disziplin sehr jung“, erklärt Aptroot,„es gibt so viel zu erforschen, es ist so viel noch nichtbearbeitet.“ Dass Jiddisch eben nicht nur für Fachwissenschaftlerinteressant ist, machte der Vortrag „Menachem Mendel,der Spekulant – eine Analyse aus Sicht der Finanzkrise“ desWirtschaftswissenschaftlers Friedrich Then Bergh deutlich.Der humoristische Roman über den Pechvogel MenachemMendel des beliebten Schriftstellers Scholem Aleichem, derprivat gerne, aber nicht immer erfolgreich Börsengeschäftemachte, soll der erste über dieses Thema sein und ist in denGrundzügen noch immer aktuell.Für Studierende ist Jiddisch eine gute Ergänzung zu anderengeisteswissenschaftlichen Fächern. „Es bietet gerade fürjunge Wissenschaftler Raum für interessante Forschung undin unterschiedlichen Fächerkombinationen können sie eigeneGebiete erschließen“, erklärt Aptroot. Victoria MeinschäferInfos: www.phil.hhu.de/jiddisch/In den USA werden auch Informationsblätterhäufig auf Jiddisch herausgegeben,wie z. B. dieses Infoblatt für den Schutz vorSchweinegrippe durch regelmäßiges Händewaschen.„Interessant hierbei ist, dass dieseInformationen dann häufig auf religiösePraktiken im Judentum hin ausgelegt werden.In diesem Fall bedeutet das nicht einfachesWaschen als Schutz vor Infektion, sondernwird verbunden mit dem im Judentumgebräuchlichen rituellen Händewaschen“,so Prof. Dr. Marion Aptroot.Magazin 4 | 201231


PHILOSOPHISCHE FAKULTÄTWo Urgroßvater Simonsein Glück machteLandesgeschichte ist auch Migrationsgeschichte:das Einwanderungsland NRWFoto: istockphoto.com – studiocasper„Wer unter den Bewohnern von Nordrhein-Westfalen seine Herkunftnur drei oder vier Generationen zurückverfolgt, wird in den meisten Fälleneinen familiären ‚Migrationshintergrund‘ finden.“VON HANNELORE BECKEREine These aus der „Kleinen Migrationsgeschichte Nordrhein-Westfalens“des Düsseldorfer LandeshistorikersChristoph Nonn, die vor allem wohl alteingesesseneRheinländer und Westfalen aufhorchen und sie nach Stammbüchernund Fotoalben der Familie suchen lässt: um darin Urgroßelternzu finden, die um 1850 geboren wurden und dievielleicht aus Italien oder Belgien stammende Händler, Handwerkerund Künstler waren.Gut möglich ist auch, dass sie einen holländischen Urgroßvaterentdecken, der als Torfstecher in den RheinlandenArbeit gefunden hatte. Oder sie sind mit jenen Menschenverwandt, die mit der Industrialisierung, also ab Mitte des19. Jahrhunderts, aus England und Irland ins Ruhrgebiet zogenund dort mit ihrem Kapital bei der Erschließung derKohlelager eine entscheidende Rolle spielten.Das irische Kleeblatt tauchteim Wappen von Herne auf„Die ersten ausländischen Arbeitsmigranten (...) leistetenmit ihrem fortgeschrittenen technischen Know-how an derRuhr sozusagen Entwicklungshilfe.“ Beispielsweise in Castrop-Rauxel, in Gelsenkirchen und Herne. Die Zechen dort heißen„Erin“, benannt nach dem gälischen Namen von Irland, oder„Shamrock“, dem englischen Begriff für Kleeblatt, das wiederumeines der nationalen Symbole Irlands ist – und sogarbis 1937 im Stadtwappen von Herne auftauchte. Bei der Recherchenach Migranten im eigenen Stammbaum, so zeigtes Christoph Nonn in den ersten Kapiteln seines Buches, könnenaber gerade auch Geburtsorte besonders interessantwerden, die am Rande der damaligen Preußischen West-Provinzen Rheinland und Westfalen lagen.Konkretes Beispiel: seine eigene Familie mit dem 1851 geborenenUrgroßvater Simon aus Brohl am Rhein. Der zognach Duisburg und ließ sich als Bäcker nieder. Seine Enkelkamen dort oder in Nachbarstädten zur Welt und heiratetenFrauen aus dem Ruhrgebiet. Ein Enkel studierte in Bonn Chemieund zog mit der Familie nach Leverkusen. Sein Sohn,Simons Urenkel Christoph Nonn, lebt in der Nähe von Trierund arbeitet an der Düsseldorfer Universität. Mit Beispielensolch „kleiner“ Wanderungsbewegungen innerhalb der PreußischenWestprovinzen macht Nonn bewusst: „Jeder Menschist Ausländer – fast überall auf der Welt.“„Auswandern“ muss deshalb nicht unbedingt bedeuten,sich in Amerika oder im Süden Afrikas niederzulassen. DasSich-Einfügen in die Lebens- und Arbeitswelt einer fremdenStadt (in der nahen oder weiteren Umgebung) war im 19.Jahrhundert für viele, die vom Land kamen, ein schwierigerProzess. Familienbeziehungen zerbrachen und zumindestdie erste Generation erlebte oft einen schmerzlichen sozialen32 Magazin 4 | 2012


PHILOSOPHISCHE FAKULTÄTFoto: privatSimon Nonn (geb. 1851)mit Frau und den elfKindern. Die Familiezog 1898 aus Brohl amRhein nach Duisburgund eröffnete eineBäckerei, die baldflorierte. Vierter vonrechts: Conrad Nonn,der Großvater desDüsseldorfer HistorikersChristoph Nonn.„Die ersten ausländischenArbeitsmigranten leistetenmit ihrem technischen Knowhowan der Ruhr sozusagenEntwicklungshilfe.“Prof. Dr. Christoph Nonn, Neueste GeschichteAbstieg. Folgen, die „Fernwanderer“, wie die so genannten„Ruhr-Polen“, noch härter trafen. Die zogen Ende des 19. Jahrhundertsaus Posen und Westpreußen ins Ruhrgebiet, fandenin den Zechen Arbeit, sprachen meistens Polnisch undfühlten sich auch als Polen.Weil ihre Heimatregionen seit Beginn des 19. Jahrhundertszu Preußen gehörten, waren sie aber deutsche Staatsbürger.Um 1900 gab es 19 so genannte „Polen-Zechen“, derenBelegschaften fast nur aus Zuwanderern bestanden. „Wanne(...) galt als ‚die polnische Hauptstadt Westfalens‘. Bottrop warals ‚Klein-Warschau‘ bekannt, Duisburg-Hamborn als ‚Polenam Rhein‘. Hier und in anderen Städten des Ruhrgebiets gabes Siedlungen, die fast ausschließlichvon Polen bewohnt wurden (...)Hier lebten sie vielfach in einereigenen Welt. Nach außerhalb hattensie wenig Kontakt.“ Eigenesoziale Netzwerke halfen Neuankömmlingenbei der ArbeitsundWohnungssuche. Sie gründetenpolnische Schulen undpolnische Berufsvereinigungen,eigene Parteien und Kirchen mitPolnisch sprechenden Geistlichen.Dieses „ur-polnische Milieu“vermittelte „Vertrauen in derFremde“. Der Fußballverein Schalke 04 galt bis in die 60erJahre des 20. Jahrhunderts schlichtweg als „Pollacken-Verein“.Integration der „Ur-Polen“?„Die Strategie des Staates, durch Unterdrückung alles Polnischendie Zuwanderer zur kulturellen Angleichung, zur Assimilationzu zwingen, scheiterte somit auf ganzer Linie.“ Dennochkönne man nicht von einer gescheiterten Integrationder „Ur-Polen“ sprechen, betont Nonn. „Denn sie nahmen Organisationsformenan, die ihnen bisher weitgehend fremdMagazin 4 | 201233


PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT1 2Foto: Rolf WillhardtFoto: FC Schalke 041: Die Emir Sultan Camii-Moschee in Hilden. Mittler weile gibt es in der rheinischen Mittelstadt (55.000 Einwohner) drei Moscheen. Der Zuzug von Türkenist laut Statistik indes seit 2003 rückläufig, viele kehren zudem zurück, weil sie sich in der Türkei eine bessere ökonomische Zukunft erhoffen. An der Spitze derMigranten: Polen. Allein in Düsseldorf leben 31.000. Ein Drittel der Düsseldorfer Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund.2: Auch der Fußball im Ruhrgebiet hat einen Migrationshintergrund, der FC Schalke 04 galt als „Pollacken-Verein“. 1940 wurde der Gelsenkirchener VereinDeutscher Fußballmeister mit (v. l.) Kuzorra, Hinz, Tibulsky, Bornemann, Szepan, Burdenski, Klodt, Schuh, Eppenhoff, Kalwitzki, Trainer Faist, Füller.waren. Sie bildeten Parteien und Gewerkschaften, weil diesMittel waren, mit denen die Alteingesessenen bereits ihrepolitischen und wirtschaftlichen Interessen vertraten. Siepassten sich also in dieser Hinsicht durchaus der Mehrheitsgesellschaftan.“Bereits ab der zweiten Generation begannen sich die„Ruhr-Polen“ in die Gesellschaft zu integrieren. Langsam zwar– und nicht wegen, sondern trotz der staatlich gefordertenAssimilation. Der Grund: Die eigenen sozialen Netzwerke hattenihre Aufgaben so gut erfüllt, dass sie zunehmend überflüssigwurden. Nonn erinnert dann an etwas eigentlich Selbstverständliches:„Eine Konfrontation mit einer neuen Spracheund fremden Werten ist ein langer Prozess, der erst nachmehreren Generationen abgeschlossen sein kann.“ Genau dasKonfrontation mit neuer Spracheund fremden Wertenzeigt Nonn in weiteren Kapiteln seines anschaulich geschriebenenLehr- und Lesebuches: Da geht es um Rolle und Auswirkungender Weltkriege, des Nationalsozialismus und desKalten Krieges auf die Migrations-Bewegungen der Nachkriegszeit.Besonders die letzten 40 Jahre von Nordrhein-WestfalensMigrationsgeschichte behandelt Nonn intensiv. Dabeiwill er provozieren und mit Vorurteilen aufräumen. „Migrationsgeschichtekann (…) als Anschauungsmaterial dafür dienen,wie mit Wanderungsprozessen zusammenhängendeProbleme gelöst werden können.“Historische Forschung im Dienstder Integrations-DebatteHistorische Forschung im Dienst der Integrations-Debatten– darin sieht Christoph Nonn eine Aufgabe seiner „KleinenMigrationsgeschichte“. Gerade wenn es um die Eingliederungtürkischer Migranten und ihrer Familien in die deutsche Gesellschaftund ihre Wertvorstellungen geht. Und die, so belegtNonn mit vielen Fakten, integrieren sich zwar langsamerals Menschen aus Italien, Spanien oder Griechenland. Dasaber sei aufgrund ihrer anderen Kultur und Religion verständlich.Und die große Mehrheit türkischer Migranten will hierheimisch werden, aber nicht bedingungslos.„Es ist eine allzu verständliche (...) Verhaltensweise, wennZuwanderer Kontakt zu ihrer alten Heimat und deren Kulturennicht ganz abbrechen lassen wollen, obwohl sie sich aufdie neue einlassen. Das Streben nach doppelter Staatsangehörigkeitist nicht zuletzt ein symbolischer Ausdruck diesesBemühens.“ Nur: Das werde hierzulande von vielen miss-34 Magazin 4 | 2012


gedeutet. „In der Öffentlichkeit der Einwanderungsgesellschaftwird das Streben nach doppelter Staatsangehörigkeitdagegen oft als ein Zeichen fehlender Integrationswilligkeitgesehen.“Ein Umdenken tut also dringend not. Gerade auch bei derAuswertung von Umfragen unter jungen Muslimen. Die jüngsteStudie von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zeigt,genau gelesen: Rund 80 Prozent aller jungen Muslime wollensich integrieren. Ein erstaunlicher Prozess – nach nur 50 Jahreneiner meist restriktiven Eingliederungs-Politik.P.S.: Je nach politischer Couleur wurde die Friedrich-Studiein den Medien kontrovers interpretiert. Die eher konservativeDüsseldorfer „Rheinische Post“ („Zeitung für Politikund christliche Kultur“) titelte „Jeder fünfte junge Muslimgegen Integration“. Die linksalternativeBerliner TAZ brachteauf Seite 1 die Schlagzeile„Schock: 78 Prozent der Muslimewollen sich integrieren“.Christoph Nonn: „KleineMi grationsgeschichte vonNordrhein-Westfalen“,Greven Verlag, Köln 2011,168 Seiten, 18,90 Eurowww.diwa-dus.deProf. Dr. Christoph Nonn wurde 1964 in Leverkusen geboren.Er studierte Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaftan den Universitäten Trier und Warwick / GB.Im Jahr 2000 habilitierte er sich für Neuere und NeuesteGeschichte an der Universität Köln. Seit 2002 ist er Lehrstuhlinhaberfür das Fach Neueste Geschichte an derHHU. Prof. Nonn ist Vorsitzender des „Brauweiler Kreisesfür Landes- und Zeitgeschichte“ sowie Herausgeber derZeitschrift „Geschichte im Westen“.Foto: Tobias SiebenIN KLEINEM STECKTOFT GROSSESWir fördern Ideen undTechnologien aus DüsseldorfDie DIWA GmbH ist die Innovations- und Wissenschaftsagenturder Heinrich-Heine-UniversitätDüsseldorf und Landeshauptstadt Düsseldorf.Wir unterstützen Sie bei Existenzgründungen ausder Wissenschaft, durch Vermittlung von Kooperationenzur Wirtschaft und beim Verwerten vonForschungsergebnissen.Magazin 4 | 2012Sprechen Sie uns an:DIWA GmbHMerowingerplatz 1a40225 DüsseldorfTelefon: 0211.77928200info@diwa-dus.dewww.diwa-dus.de35


MEDIZINISCHE FAKULTÄT„Music is the power of life!“Die „Fighting Spirits“ waren zu Gastin der „Carmen Nebel-Show“VON ROLF WILLHARDTSie traten vor einem Millionenpublikum auf. Und dieResonanz war riesig. Begeisterte E-Mails kamen ausganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. DieMusikgruppe „Fighting Spirits“ der Kinderkrebsklinik waram 1. September in der „Carmen Nebel-Show“ mit ihremSong „Gewinner“ zu Gast.„Großes Kino! Das hat uns wirklich gut gefallen. Wir ziehendie Mütze!“ ZDF-Moderatorin Carmen Nebel war mehr alsangetan von dem Auftritt der jungen Düsseldorfer. „FightingSpirits“, die „kämpfenden Geister“, gibt es seit zwei Jahren.Allesamt Patientinnen und Patienten der KinderkrebsstationKK 04. Ideengeber war der Ergotherapeut Frank Gottschalk (47),der zusammen mit dem Musiktherapeuten Michael Strawinskyund der Physiotherapeutin Conny Moebius das Projektauf den Weg brachte: „Musik statt Chemo“.„Das Medium Musik reißt ganz einfach was los bei Kindernund Jugendlichen“, erzählt Gottschalk. Er selbst spieltSchlagzeug in der Band, deren Mitglieder, je nach Behandlungsdauer,mehr oder weniger lang in der Gruppe Musikmachen. Geprobt wird jeden Dienstag im Klinikkeller. Natürlichentscheiden letzten Endes die Ärzte, wer üben darf undkörperlich so fit ist, dass er zu den Auftritten mitfahren kann.„Das ist schon eine ausgeklügelte medizinische Logistik. Undirgendwie klappt es immer“, freut sich Gottschalk.Carmen Nebel: „Wir ziehen die Mütze!“Die „Fighting Spirits“ sind längst bühnenerfahren. 2011sangen sie in Leipzig bei der José Carreras Gala, sie traten inder Dortmunder Westfalen-Halle auf und stellten dort ihrProjekt vor.Das Engagement zur „Nebel“-Samstagabendshow kamüber einen Umweg zustande. Ursprünglich hatte sich Gottschalkmit der Gruppe für eine „Wetten dass …?“-Sendungaus Düsseldorf beworben. Es klappte nicht, aber das ZDF erinnertesich bei der Programmplanung der „Nebel-Show“ anFoto: Nicole Kesting, Medienzentrale UKDDie „Fighting Spirits“ tratenam 1. September 2012 inder Samstagabend-Showvon Carmen Nebel auf.Die Resonanz war riesig,begeisterte E-Mails kamenaus ganz Deutschland,Österreich und der Schweiz.36 Magazin 4 | 2012


MEDIZINISCHE FAKULTÄT„Das Medium Musik reiSStganz einfach WAS los beiKindern und Jugendlichen.“Frank Gottschalk, Ergotherapeutdie Mutmach-Band vom Rhein. Die Entertainerin war sofortbegeistert – der Erfolg des Auftritts sollte ihr Recht geben.Auch die Zuschauerresonanz spiegelte das wider, „die Mailskamen von Eltern krebskranker Kinder, aber auch von jungenPatienten selbst“, so Gottschalk. „Alle fanden das ganztoll, was wir machen. Einfach nicht aufgeben, sich ein Zielsetzen, zum Beispiel einen Auftritt bei einer Gala. Trotzder Krankheit. Da kann Musik viel bewirken“, berichtetGottschalk. Das Auftrittslied der „Nebel-Show“ gibt esmittlerweile als CD, Text und Musik habendie „Fighting Spirits“ selbst geschrieben.Zwischen 14 und 20 sind sie alt. Im Novemberwurde ein Musikvideo gedreht, auf demKlinikgelände, aber auch auf der Station.Für 2013 sind schon zwei Auftritte fest imTerminplan vorgemerkt. Natürlich möchtendie Jugendlichen bei den Konzerten ihr Projektvorstellen. Aber auch Spender für dieElterninitiative Kinderkrebsklinik werben,die die Gruppe von Anfang an gefördert hat.Im Refrain ihres Liedes heißt es: „Wir sind die Gewinner.Our music is the power of life.“ Wie viel Kraft, Selbstbewusstsein,Hoffnung und Mut die Düsseldorfer Gruppe überihre Musik vermittelt, beeindruckte nicht nur die erfahreneShow-Masterin in Berlin. Carmen Nebel: „Ihr seid Gewinner!Wir ziehen die Mütze!“Infos: www.fightingspirits.deDFG-Forschergruppe für weiteredrei Jahre verlängertDie Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert für weiteredrei Jahre die Klinische Forschergruppe „HepatobiliärerTransport und Lebererkrankungen“. Nachdem zu Anfang diesesJahres der neue Sonderforschungsbereich zur Leberforschung„Kommunikation und Systemrelevanz bei Leberschädigungund Regeneration“ bewilligt worden war, fließen nunerneut drei Millionen Euro in die Leberforschung am StandortDüsseldorf.Leberforschung in DüsseldorfProf. Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie,Hepatologie und Infektiologie und Sprecher beiderProgramme, erklärt: „Ein besseres Verständnis der pathophysiologischenVorgänge wird uns die Möglichkeit geben,neue Ansätze für Diagnose- und Behandlungsmöglichkeitenzu erarbeiten.“ Die klinische Forschergruppe „HepatobiliärerTransport und Lebererkrankungen“ setzt ihren Schwerpunktin der krankheits- und patientenbezogenen Forschung.Die Leber ist das zentrale Organ des Stoffwechsels. Dortwerden auch die für die Verdauung, vor allem von Fetten,benötigten Gallensäuren gebildet. Spezifische Transportsystemein der Leber scheiden sie dann über die Gallengängein den Darm aus. Sind aber diese Transportsysteme in ihrerFunktion beeinträchtigt, kommt es zu Galle stauenden (cholestatischen)Lebererkrankungen. Selbst geringfügige Störungendes Gallensäuretransports machen die Leber gegenüber verschiedenenanderen Schädigungen empfindlich. Damit beeinflussencholestatische Prozesse auch den Verlauf vonKrankheiten der Leber anderen Ursprungs negativ.Das wissenschaftliche Programm der Forschergruppe verteiltsich innerhalb der Düsseldorfer Hochschulmedizin aufdie Fachrichtungen Hepatologie, Kinder- und Jugendmedizinund Informatik. Bereits vor einigen Jahren war an der Klinikfür Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie einSpeziallabor, das von Prof. Dr. Ralf Kubitz betreuteCholestase labor, eröffnet worden, das auf die Diagnostikhäufiger Transport anomalien,aber auch seltener angeborenercholes tatischer Krankheitenspezialisiert ist. S. D.Foto: Medienzentrale UKDProf. Dr. Dieter HäussingerKontakt: Prof. Dr. DieterHäussinger, Direktor derKlinik für Gastroenterologie,Hepatologie und Infektiologie,UniversitätsklinikumDüsseldorf, Tel. 021181-16330Magazin 4 | 201237


MEDIZINISCHE FAKULTÄTDreiländer-Forschungsverbundfeierte zehnjähriges JubiläumMyelodysplastische Syndrome (MDS): häufigste bösartigeKnochenmarkserkrankung in höherem LebensalterIllustration: Stuart McCoy, from The Noun ProjectBei Laien ist sie weitgehend unbekannt. Hinter der Abkürzung MDS verbirgtsich aber eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks imhöheren Lebensalter. Die Buchstaben MDS stehen für Myelodysplastische Syndrome.Sie werden auch als Vorform der Leukämie bezeichnet. Seit 30 Jahren gibt esim Universitätsklinikum das weltgrößte MDS-Register.VON SUSANNE DOPHEIDE UND ROLF WIllHARDTDie Knochenmarkserkrankung MDS ist keine Volkskrankheitwie etwa Diabetes; umso schwieriger istes für betroffene Patienten, eine Anlaufstelle für Diagnostikund Therapie zu finden, die ihre Patienten nach neuestenErkenntnissen versorgen kann. Die gibt es seit vielenJahren in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und KlinischeImmunologie des Universitätsklinikums Düsseldorf (Direktor:Prof. Dr. Rainer Haas).In der Hämatologischen Klinik liegen die Schwerpunktedes MDS-Forschungslabors zurzeit auf der Charakterisierungder Interaktion von blutbildenden Stammzellen und dem zellulärenUmfeld (Knochenmarkstroma) (Dr. Thomas Schroeder,Dipl.-Biol. Stefanie Geyh) und auf der Identifikation von Proteinenim Serum und Thrombozyten, die bei MDS-Patienteneine pathophysiologische Rolle spielen (Dipl.-Biotech. JuliaFröbel, in Zusammenarbeit mit Dr. Stefan Lehr, Proteomicscore facility des DDZ).Die Klinik verfügt über einen medizinischen Schwerpunktfür diese Erkrankung, sie führt seit 30 Jahren, seit der erstmaligenBeschreibung der Krankheit 1982, das weltweit größteMDS-Register: Über 5.700 Patienten wurden diagnostiziert.Am 27. September beging zudem die deutsch-österreichisch-schweizerische Arbeitsgruppe DACH-MDS, die sich der Erforschungund Therapie dieses Erkrankungsbildes verschriebenhat, ihr zehnjähriges Jubiläum. Ins Leben gerufen hat dieGruppe 2002 Prof. Dr. Ulrich Germing, Oberarzt in der Klinikfür Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie. Mittlerweilehaben die Mediziner 55 gemeinsame Publikationenverfasst und so ganz erheblich zum Erkenntnisgewinn in derMDS-Forschung beigetragen.Verbundforschungsantrag beider Deutschen KrebshilfeEine noch engere Kooperation einiger deutscher MDS-Zentren(Düsseldorf, Göttingen, Mannheim, Hannover, Regensburg,Dresden, Aachen) war die Basis für einen Verbundforschungsantragbei der Deutschen Krebshilfe.Germing: „Gerade aufgrund der vergleichsweise geringenFallzahl können wir unseren Patienten nur helfen, wenn wirin einem engen Verbund zusammenarbeiten, wo Projekte geplantund wissenschaftliche Erkenntnisse sicher verfügbar38 Magazin 4 | 2012


MEDIZINISCHE FAKULTÄTgemacht werden können.“ Durch den Verbund profitierenmehr Patienten von klinischen Studien, die in Düsseldorf undauch bundesweit in Kliniken angeboten werden. Eng ist auchdie Zusammenarbeit auf dem Campus. Die MDS-Forscher derKlinik werden vom Institut für Humangenetik (Direktorin:Prof. Dr. Brigitte Royer-Pokora) unterstützt. Es liefert genaueChromosomen-Analysen.Beste Therapie:Allogene StammzelltransplantationAls Vorform der Leukämie ist der erwartete Krankheitsverlaufvon großer Bedeutung für den einzelnen Patienten: Entscheidendbei der Wahl der Therapie ist, bei welcher Form vonMDS der Patient ein hohes und wann ein niedriges Risikoträgt. So lieferte die Forschung aktuell eine genauere Einschätzungdes Risikos zwischen günstigen und eher ungünstigenPrognosen. Heute erlaubt eine weiter reichende Bestimmungmolekularer Marker eine frühere und sicherere Diagnose beiZweifelsfällen, so dass Patienten ggf. eher behandelt werdenkönnen.Korrigiert werden konnte auch die Einstufung einer bestimmtenUntergruppe der MDS, die nach aktuellen Erkenntnisseneine nachgewiesen höhere Wahrscheinlichkeit des Fortschreitenszu einer akuten Leukämie hat als ursprünglichangenommen. Solche Patienten müssen intensiver beobachtetwerden, damit rechtzeitig therapeutische Maßnahmen ergriffenwerden können. Die MDS-Forschung ist ein gutes Beispielder Übertragung von Wissenschaft zu Krankenversorgung,die direkt den betroffenen Patienten zugutekommt.Die beste Therapie für MDS-Patienten ist die allogeneStammzelltransplantation (von einer fremden Person), dieauch bei einigen älteren Patienten bis ca. 70 Jahren durchgeführtwird. Die Suche nach geeigneten Spendern im Registerdes Instituts für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika(Prof. Dr. J. Fischer) dauert im Schnitt drei Monate. Esfolgen dann vier Wochen stationärer Aufenthalt. Für die älterenPatienten, die aufgrund von Begleiterkrankungen nicht transplantiertwerden können, gibt es Medikamente, die meist imRahmen von klinischen Studien verfügbar gemacht werden.Die MDS-Projekte des UKD umfassen epidemiologische,diagnostische, pathophysiologische und therapeutische Fragestellungen,die vor Ort am „Hämatologicum“ (Klinik für Hämatologie,Onkologie und Klinische Immunologie, Institut fürHumangenetik, Institut für Pathologie, Institut für Transplantationsdiagnostik)bearbeitet werden. Die hämatologische Klinikbietet zudem den MDS-Patienten (die älteste bislang war103) die Teilnahme an zurzeit neun klinischen Studien an, damitmöglichst jeder Patient eine maßgeschneiderte Therapieerhalten kann, die das persönliche Risikoprofil berücksichtigt.Kontakt: Prof. Dr. Ulrich Germing, Oberarzt, Klinik fürHämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, UniversitätsklinikumDüsseldorf, Tel. 0211 81-17780Ende August fand in der HHU ein international besetzter dreitägiger Workshop des EuropeanLeukemia Net statt, bei dem elf Experten die Zytomorphologie von 108 Patienten mit MDSanalysierten. Besonders das Erkennen der Erkrankung im Frühstadium bereitet oft Probleme.Eine Publikation über Untersuchungsstandards wird im Frühjahr nächsten Jahres erscheinenund die Diagnostik weiter verbessern.Oberarzt Prof. Dr. Ulrich Germing leitet den Schwerpunkt MDS-Forschung im UKD. Schon als junger Doktorand befasste er sichmit der MDS-Thematik, seit 1992 ist er in der Klinik für Hämatologie,Onkologie und Klinische Immunologie tätig. Seit 1982 sinddie MDS-Syndrome ein Forschungsschwerpunkt im UKD.Foto: privatFoto: Uli OberländerMagazin 4 | 201239


MEDIZINISCHE FAKULTÄT„Von der Mausklinikzum Krankenbett“Translationale Herzforschung in Düsseldorf:Bilanz des Sonderforschungsbereiches 612VON ADRIANE GRUNENBERGFoto: Archiv KommunikationsabteilungNach zehn Jahren Förderung durch die DeutscheForschungsgemeinschaft (DFG) ist der Sonderforschungsbereich(SFB) 612 „Molekulare Analyse kardiovaskulärerFunktionen und Funktionsstörungen“ an derHeinrich-Heine-Universität ausgelaufen. Auf einer internationalenTagung am 20. Oktober 2012 wurde Bilanz gezogen.140 Universitätsforscherinnen und -forscher aus Düsseldorf,Ferrara (Norditalien), Charlottesville (USA), Oxford (UK) undden National Institutes of Health (NIH) in Bethesda (USA)nahmen am Abschluss-Symposium in Düsseldorf teil. ImMittelpunkt der Tagung standen die Beziehungen des Herz-Kreislauf-Systems zueinander, die das zentrale Thema desgesamten SFB 612 während der letzten zehn Jahre waren. Miteinem Fördervolumen von 14,6 Millionen Euro finanziertedie DFG durchgehend zahlreiche Einzelprojekte aus dem kardiovaskulären(Herz und Gefäße betreffend) und myokardialen(die Herzmuskulatur betreffend) Forschungsbereich sowieaus der bildgebenden Diagnostik, mit Hilfe derer genetischveränderte Mäuse untersucht wurden. Rund 60 Mitarbeitendeaus insgesamt zehn theoretischen Instituten der Medizinischenund Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universitätund aus vier klinischen Einrichtungendes Universitätsklinikums waren an dem Großprojekt beteiligt.Hierzu zählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausden Instituten für Herz- und Kreislaufphysiologie, Biochemieund Molekularbiologie, Hämostaseologie, Hämotherapie undTransfusionsmedizin, Pharmakologie und klinische Pharmakologie,sowie aus dem Institut für Umweltmedizinische Forschung(IUF). Vom Universitätsklinikum stießen zudem Ärztinnenund Ärzte aus der Kinderklinik, Augenklinik und derKlinik für Nephrologie zur Forschergruppe hinzu.Genetische Komponentenund UmweltfaktorenGemeinsames Ziel aller im SFB 612 zusammengeschlossenenTeilprojekte war es, die komplexe Interaktion zwischengenetischen Komponenten und Umweltfaktoren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungenzu ergründen, um anschließend in die unterschiedlichenmenschlichen Krankheitsbilder ursächlich eingreifenzu können.„Translationale Medizin“ lautet das Stichwort, „from miceto men“ – von der Mausklinik zum Krankenbett – das Motto.Das Herz der Maus nämlich diente für die Forschungen desSFB 612 als „Modell“. „Mit Hilfe der Mausmodelle wolltenwir bedeutende mechanische Einsichten für weiterführendediagnostische und therapeutische Ansätze im menschlichenHerz-Kreislauf-System gewinnen“, berichtet Prof. Dr. JürgenSchrader, Initiator und Sprecher des SFB 612. „Dafür habenwir molekularbiologische und genetische Systeme mit sys-Prof. Dr. Jürgen Schrader leitete von 1983 bis 2011 das Institut für Herz- undKreislaufphysiologie an der Universitätsklinik Düsseldorf. Zehn Jahre langwar er Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 612 „Molekulare Analysekardiovaskulärer Funktionen und Funktionsstörungen“.40 Magazin 4 | 2012


MEDIZINISCHE FAKULTÄTtembiologischen Analysen verknüpft, um so zu einem besserenVerständnis zwischen genetischer Information undeiner Vielzahl externer und interner Faktoren zu gelangen“,so Prof. Schrader. Von 1983 bis 2011 leitete der Medizinerdas Institut für Herz- und Kreislaufphysiologie an der Uniklinik,dessen Forschungsschwerpunkt auf dem Zusammenspielvon Durchblutung und Stoffwechsel des Herzens sowieder molekularen Bildgebung liegt. Als Queen Elizabeth II.2004 während ihres Deutschlandbesuches auch einen Nachmittagim Universitätsklinikum verbrachte, konnte Prof. Schraderdie Forschungen des SFB 612 zusammen mit einem britischenKollegen auch der Königin vorstellen.Letztes Jahr endete seine Amtszeit als Leiter des Institutes.Im Rahmen einer Forschungsprofessur wird Prof. Schraderjedoch weiterhin wissenschaftlich an der Düsseldorfer Universitättätig bleiben.Kardiovaskuläre Forschung hat in Düsseldorf eine langeTradition. Bereits 1968 wurden zwei Sonderforschungsbereicheetabliert. Der SFB „Kardiologie“ lief bis 1985, der SFB„Koronare Herzkrankheiten“ bis 1997. Anschließend forschtendie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB 612seit 2002 über spezielle Beziehungen im Herz-Kreislauf-System.„Die Ergebnisse unseres SFB haben insbesondere imBereich des Entzündungsimagings wichtige Einblicke eröffnet“,sagt Prof. Schrader. Bei diesem bildgebenden Verfahrenlassen sich mittels Magnetresonanztomographie (MRT)Antrag für NachfolgeinitiativeHerzentzündungen feststellen. „Zurzeit laufen die Untersuchungenmit klinischen Scannern, die die Translation desVerfahrens in der Klinik erproben, also die Erkenntnisse derGrundlagenforschung für die klinische Medizin relevant machenwollen“, so Prof. Schrader weiter.Drei erfolgreiche Förderperioden – drei Jahre und zweimalvier Jahre – hat der SFB 612 hinter sich. Und wie gehtes nun weiter? Prof. Schrader: „Eine Nachfolgeinitiative füreinen weiteren kardiovaskulären Sonderforschungsbereichist bereits bei der DFG zur Begutachtung eingegangen. Sofernsie das Thema für besonders tragfähig hält, ist eine neueFörderung von maximal zwölf Jahren möglich.“Medizinische Fakultät gründeteCentre for Health and SocietyDie Medizinische Fakultät will zukünftig verstärkt dieWechselwirkungen zwischen Medizin und Gesundheitauf der einen und unserer Gesellschaft auf deranderen Seite untersuchen. Aus diesem Grund hat sie dasCentre for Health and Society (CHS) gegründet, Zentrum fürGesundheit und Gesellschaft.Vier bestehende Einrichtungen der Fakultät schließen sichunter diesem Dach zusammen: Die Institute für Allgemeinmedizin,für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, für MedizinischeSoziologie und der Bereich Public Health.Brücke schlagen zwischenForschungsthema und Praxis„Die Fakultät möchte mit dieser Gründung zudem eine Brückeschlagen zwischen klinischen Forschungsthemen und dertäglichen Versorgungspraxis in unserer Uniklinik“, so der Dekander Fakultät, Prof. Dr. Joachim Windolf. Eine zentrale Rollekomme dabei der Versorgungsforschung zu, die vom Centrefor Health and Society mit getragen und entwickelt werdensoll. Am 5. Oktober fand die Auftaktveranstaltung statt.Als Disziplin mit hohem Praxisbezug und einer patientenorientiertenAusrichtung sind aus den Ergebnissen der Versorgungsforschunghäufig konkrete Umsetzungskonzepteableitbar. Dazu gehören die Bewertung von Behandlungsstrategienin der Routineversorgung und wie Therapien durch denPatienten umgesetzt werden. Weitere wichtige Forschungsschwerpunktesind u. a. Familienmedizin, Prävention und gesundheitsökonomischeFragestellungen, wie zum Beispiel dieKosteneffektivität neuer Medikamente oder Behandlungen.Soeben veröffentlicht wurde eine Studie zum Zusammenhangzwischen Arbeitsstress und Herzinfarkten. Außerdem, so RektorProf. Dr. Dr. H. Michael Piper in seinem Grußwort anlässlichder Auftaktveranstaltung, soll erforscht werden, wie diesoziale Ungleichheit von Krankheitsrisiken – Überalterung,Verarmung, verändertes Ernährungsverhalten – identifiziertund reduziert werden kann.Integriert in das CHS sind neben der Forschung auch dieLehre in dem Weiterbildungsstudiengang „Public Health“ unddie Förderung junger Wissenschaftler. Susanne DopheideKontakt: Dr. Frank Pühlhofer, Institut für MedizinischeSoziologie, Tel. 0211 81-12147, Fax 0211 81-14825, frank.puehlhofer@uni-duesseldorf.deMagazin 4 | 201241


WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTIdeell motiviertesNebengeschäft?Schlossgespräche: Unternehmensverantwortungzwischen Kerngeschäft und PhilanthropieVON INA GAWEL UND CAROLIN GRAPESeit einigen Jahren wächst in Wissenschaft, Unternehmenspraxisund Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit fürFragen unternehmerischer Verantwortung: Unternehmensehen sich einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit ausgesetzt.Berichte über Diskriminierung, Korruption, Datenschutzverletzungen,Umweltskandale, Kinderarbeit, Hungerlöhne usw.finden sich immer wieder in den Medien: Begriffe wie „unternehmerischeNachhaltigkeit“ oder „Corporate Social Responsibility“zählen mittlerweile zum festen Wortschatz im täglichenSprachgebrauch und sind zumeist nicht klar abgegrenzt.Ein Blick auf die hochkomplexen Wertschöpfungsketten und-netze, in denen die meisten modernen Unternehmen operieren,zeigt, warum dies so ist. Bereits ein mittelgroßes Unternehmenhat nicht selten mehrere hundert direkte Zuliefererund umso mehr Sublieferanten. Auf der anderen Seiteder Wertkette stehen oft ebenso viele Kunden. Damit fälltdie Beantwortung der folgenden Fragen nicht leicht: WelchenEinfluss hat ein Unternehmen in solchen Beziehungenund wie weit reicht damit die jeweilige Verantwortung? En-„Es ist klar, dass es mit einergesetzlichen Regelung fürUnternehmen immer schwierigerwird, einen darüber hinausreichendenfreiwilligen Beitragzu formulieren!“Prof. Dr. Ulrich Lehner, IHK-Präsident Düsseldorfdet sie an den Werkstoren oder geht sie darüber hinaus?Wie weit können und sollen die ökologischen und sozialenFolgen von Produkten und Dienstleistungen überwacht undgemanagt werden?Am 11. September 2012 luden die Heinrich-Heine-Universitätund die Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorfim Rahmen ihrer gemeinsamen Schlossgespräche ins SchlossMickeln ein, um über die Verantwortungsbereiche von Unternehmenzu diskutieren: Wie weit reicht, sollte oder mussCorporate Social Responsibility (CSR) reichen? Welche Bereicheeines Unternehmens werden damit abgedeckt?In seiner Begrüßung stellte Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper,Rektor der HHU, die Frage, ob verantwortungsvolle Unternehmensführungmöglicherweise als Überlegung der Zweckmäßigkeitinstrumentalisiert werde, oder aber ob diese Verantwortungein „ideell motiviertes Nebengeschäft“ sei.Prof. Dr. Ulrich Lehner, Präsident der IHK Düsseldorf, kritisiertein seiner Begrüßung die derzeitige Diskussion in der EuropäischenKommission, vom bisher favorisierten Freiwilligkeitsprinzipabzurücken und konkrete Vorgaben für eine europäischeCSR-Strategie zu erarbeiten und den Unternehmenneue Berichtspflichten aufzuerlegen.Durch neue Regulierungen würdenEigeninitiative und freiwilligesEngagement für soziale und ökologischeZiele bestraft: „Es ist klar, dass es mit einergesetzlichen Regelung für Unternehmenimmer schwieriger wird, einen darüberhinausreichenden freiwilligen Beitrag zuformulieren!“ Laut einer aktuellen Studiedes Industrie- und Handelskammertageszur Praxis des CSR würde im Falle neuergesetzlicher Regelwerke mehr als jedesfünfte Unternehmen in Deutschland seinfreiwilliges Engagement für soziale undökologische Ziele reduzieren.42 Magazin 4 | 2012


WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTFoto: KommunikationsabteilungProf. Dr. Ulrich Lehner, Prof. Dr. Christoph J. Börner, Tatijana Kulas, Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper sowie Prof. Dr. Rüdiger Hahn (v. l.) diskutierten in Schloss Mickelnüber Unternehmensverantwortung.Prof. Dr. Rüdiger Hahn, Juniorprofessor für BWL derHHU, hatte seinem Vortrag den Titel gegeben: „Nurmal kurz die Welt retten? – Zur Freiwilligkeit vonCSR und unternehmerischer Philanthropie“. Hahngriff zunächst die Definition der EU (2011) auf: „CSRist die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungenauf die Gesellschaft“ und stellte fest, dassdie Erwartungen in diesem Bereich an Unternehmenin den letzten Jahren gestiegen seien – bei gleichzeitigunvollständigen Rahmenordnungen mit zahlreichen Regelungslücken.Unternehmensverantwortung sei mehrals nur Philanthropie. Philanthropische Ansätze seien gegebenenfallssinnvoll, jedoch problematisch, wenn sie alleine als„Verantwortung“ deklariert würden. Dann bestünde die Gefahr„Scheinheiligkeit der Freiwilligkeit“des „Greenwashing-Vorwurfs“. Er brachte den allgemein bekanntenWerbeclou der Firma Krombacher als Beispiel, in demGünther Jauch neben einem Bierkasten für das Regenwald-Projekt der Firma wirbt: „Ohne Problembezug!“ betitelte Prof.Dr. Hahn die Werbung und sprach von der „Scheinheiligkeitder Freiwilligkeit“. Es gelte, zunächst die Einflusssphäre einesUnternehmens zu definieren, bevor geurteilt werden könne.„Ohne Nachhaltigkeit kein Erfolg – Verantwortung im Kerngeschäft“lautete das Plädoyer von Tatijana Kulas, Senior ManagerCorporate Responsibility bei Vodafone Deutschland.„Ohne Nachhaltigkeit keinErfolg – Verantwortungim Kerngeschäft“Tatijana Kulas, Senior Manager Corporate ResponsibilityVodafone DeutschlandVor allem die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie im UnternehmenVodafone sollte unter der Fragestellung „Wie stehenwir zur gesellschaftlichen Verantwortung, wie definierenwir sie?“ erklärt werden. Sie unterschied zwischen CorporateResponsibility, also ökonomischer, ökologischer und sozialerNachhaltigkeit, und Corporate Citizenship, der verantwortungsbewusstenReinvestition, unter deren Titel soziale Projekte undPartnerschaften aufgestellt werden.Das Fazit nach der von Prof. Dr. Christoph Börner vom Lehrstuhlfür Betriebswirtschaftslehre geleiteten Diskussion: EinPatentrezept für nachhaltiges Handeln und Wirken eines Unternehmensgibt es nicht. Was bei Vodafone funktioniert, mussnicht in einem mittelständischen Unternehmen klappen. SowohlTatijana Kulas als auch Rüdiger Hahn erinnerten an dasBild vom „ehrbaren Kaufmann“ als Geschäftsgrundlage – jederWeg zum CSR müsse, so Kulas, auf die Akzeptanz im jeweiligenTeam abgestimmt, also individuell gehandhabt werden.Magazin 4 | 201243


WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTWartungsarbeiten über das InternetPromotionspreis der Goethe Buchhandlung:Jörg Dauner bester Doktorand des Jahres 2011Für seine mit „summa cum laude“ bewertete Dissertation„Zahlungsbereitschaft für Remote Services – eine kundenintegrationsspezifischeBetrachtung“ erhielt Dr. JörgChristian Dauner den mit 5.000 Euro dotierten Preis der GoetheBuchhandlung für die „Beste Dissertation der WirtschaftswissenschaftlichenFakultät des Jahres 2011“.Die Auszeichnung für seine herausragende wissenschaftlicheLeistung überreichten am 23. Oktober im oeconomicum Prof.Dr. Ricarda Bauschke-Hartung, Prorektorin für Studienqualitätund Gleichstellung, Prof. Dr. Bernd Günter, Dekan derWirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und zugleich Doktorvaterdes Geehrten am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre,insbesondere Marketing, sowie Stifter Wolfgang Teubig,Geschäftsführer der Goethe Buchhandlung.Wolfgang Teubig nahm zum letzten Mal persönlich aneiner Verleihung des von ihm seit 1995 gestifteten Preisesfür Nachwuchswissenschaftler an der Juristischen und WirtschaftswissenschaftlichenFakultät der Universität Düsseldorfteil. In Zukunft wird Thomas Dohme, sein Nachfolger imGeschäftsführeramt der Goethe Buchhandlung, verantwortlichsein.Nach der Laudatio seines Doktorvaters stellte der Preisträgerseine Forschungsarbeit vor. Der 34-Jährige hat sich inseiner Arbeit mit kaufmännischen Aspekten von „RemoteServices“ beschäftigt. Diese Dienstleistungen werden über dasInternet für Betreiber von Produktionsanlagen bereitgestellt.Über das Netz können Wartungen und Optimierungen an Anlagenvorgenommen werden, ohne dass ein Monteur anreisenund tatsächlich „handgreiflich“ an der Maschine tätig werdenWeniger Einsatz von Service-Technikernmuss. Speziell hat Jörg Christian Dauner untersucht, ob dieKunden bereit sind, für diese Remote Services so zu zahlenwie für die klassische Wartungsarbeit. Durch den Einsatz dieserRemote Services können aufkommende Probleme rechtzeitigerkannt, Maschinenstillstandzeiten reduziert und dieim internationalen Umfeld kostenintensiven Vor-Ort-Einsätzevon Service-Technikern reduziert werden. Jörg Dauner leiteteanhand eines Praxisbeispiels aus dem Maschinen- und Anlagenbaudie nutzenbestimmenden Dienstleistungsbestandteilevon Remote Services ab. Innerhalb dieser konzeptionellenPhase setzte er sich intensiv mit der Mitwirkung des Kundenund damit verbundener Unsicherheiten auseinander. Aufder Grundlage einer länderübergreifenden Conjoint-Analysewurden die theoretischen Erkenntnisse empirisch überprüftund eine zielgruppenspezifische Bestimmung der Zahlungsbereitschaftfür Remote Services vorgenommen. Die Dissertationvon Jörg Dauner leistet einen wesentlichen Erkenntnisgewinn,wie Remote Services in diesem Bereich kundenorientiertund ihr Preis nutzenbezogen gestaltet werden kann, undbietet einen Ansatzpunkt für weitere Forschungsvorhaben.Jörg Christian Dauner, geboren am 5. März 1978 in Freiburg,studierte nach dem Abitur 1999 an der KatholischenUniversität Eichstätt-Ingolstadt Betriebswirtschaft mit denSchwerpunkten Marketing, Controlling und InternationalesManagement. Nach seinem Abschluss 2004 zum Diplom-Betriebswirtarbeitete er für ein Jahr als Wissenschaftlicher Mitarbeiteran der TU Ilmenau, FachgebietZivilrecht, wo er für die EU-ProjekteEMPLENET sowie ManageSME verantwortlicherdeutscher Projektleiterwar. 2006 wechselte er als WissenschaftlicherMitarbeiter an den Lehrstuhlfür Betriebswirtschaftslehre, insbesondereMarketing, der Heinrich-Heine-Universität. Carolin GrapeFoto: Uli OberländerBei der Preisverleihung im oeconomicum (v. l.):Thomas Dohme, Dr. Jörg Dauner, Stifter WolfgangTeubig sowie Dekan Prof. Dr. Bernd Günter44 Magazin 4 | 2012


WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄTAktuelle Herausforderungen für dieeuropäische EnergiepolitikFoto: IHKBegrüßten EU-Kommissar Günther Oettinger (3. von links) beim 1. Düsseldorfer Forum Ordnungspolitik: Andres Schmitz, Vizepräsident der IHK, der Rektor derHHU, Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper, und Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des DICE (v. l. n. r.).Am 25. September 2012 sprach Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, an der Heinrich-Heine-Universitätüber „Aktuelle Herausforderungen für dieeuropäische Energiepolitik“. Er leitete das 1. DüsseldorferForum Ordnungspolitik ein und setzte damit vor dem zahlreicherschienenen Fachpublikum ein Highlight bei dieserIHK-Veranstaltung.Die Energiewende ist ein ambitioniertes Projekt der gegenwärtigenPolitik. Geplant ist der vollständige Umbau derEnergieversorgung in Deutschland. Neben dem kurzfristigenAusstieg aus der Kernenergie sollen mittelfristig auch KohleundGaskraftwerke durch eine dezentrale Stromerzeugungaus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Dazu müssen dieNetze erheblich ausgebaut werden. Zudem soll die Versorgungssicherheitgewährleistet und der Strom bezahlbar bleiben– sowohl für Verbraucher als auch für die Wirtschaft,damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nichtgefährdet wird.Die Politik steht nun an einem Scheideweg: Brauchen wirmehr Markt oder mehr staatliche Planung? Wie harmoniertdie Energiepolitik auf kommunaler Ebene mit der Landespolitik,wie die Politik der 16 Bundesländer mit der Bundespolitik?Und welche Rolle spielt der Europäische Binnenmarkt?Kommissar Oettinger warnte in seinem Vortrag davor, einerein nationale Perspektive einzunehmen. Stattdessen sollteman auch für die Energiewende die Vorzüge des EuropäischenBinnenmarktes für Energie nutzen. Aus europäischer Sichtsei es ein Misserfolg, wenn der Großteil der Solaranlagen inDeutschland stehe und nicht in Spanien, wo mit denselbenSolaranlagen doppelt so viel Strom erzeugt werden könne.Zudem warnte Oettinger eindringlich davor, dass durch diemarktferne Förderung der erneuerbaren Energien die Strompreisein Deutschland inzwischen zu den höchsten in ganzEuropa gehörten. Eine Umsteuerung bei der Förderung dererneuerbaren Energien hin zu mehr Markt und Wettbewerbund auch zu mehr Europa sei jetzt notwendig. Wie eine solchemarktorientierte Förderung erneuerbarer Energien aussehenkann, war Thema der anschließenden Diskussionsveranstaltungmit Professor Dr. Jürgen Kühling (Universität Regensburg),Dr. Guido Hermeier (Clifford Chance), Dr. Tobias Paulun(Strombörse Leipzig) und Professor Dr. Justus Haucap (DICE).Konsens bestand bei allen Teilnehmern, dass die bisherigeFörderung dringend reformiert werden muss, wenn die Energiewendebezahlbar bleiben soll und Arbeitsplätze nicht gefährdetwerden sollen. Carolin Grape / Arne ClaussenDüsseldorfer Forum OrdnungspolitikDas Düsseldorfer Forum Ordnungspolitik an der Heinrich-Heine-Universitätist eine gemeinsame Veranstaltungdes Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie(DICE) und der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf.Geplant ist, neben anderen gemeinsamen Veranstaltungen,ein jährlicher Rhythmus für das DüsseldorferForum Ordnungspolitik.Magazin 4 | 201245


NeuerscheinungenNeuerscheinungender „DüsseldorfUniversity Press“Foto: istockphoto.com – DeejpilotChristus im Ruhrgebiet?Jiddistik heute„Christus. Zur Wiederentdeckungdes Sakralenin der Moderne“Anne-Marie Bonnet,Gertrude Cepl-Kaufmann,Klara Drenker-Nagels undJasmin Grande (Hrsg.),dup, Düsseldorf 2012,Hardcover, 468 Seiten,49,80 Euro„Leket: yidishe shtudyeshaynt. Leket: Jiddistikheute. Leket: YiddishStudies Today”Marion Aptroot, EfratGal-Ed, Roland Gruschkaund Simon Neuberg (Hrsg.)dup, Düsseldorf 2012,Hardcover, 664 Seiten,34,95 EuroDer Kölner Künstler Franz W. Seiwert griff mit seinem undatierten,vor 1925 entstandenen Glasbild „Christus im Ruhrgebiet“ein Jahrhundertphänomen auf: Die Präsenz, die Christusin der Kultur der Moderne hat. Er durfte nicht länger in dersüß-kitschigen Stilisierung einer weltfernen, zeitlosen Bildweltund kommerzialisierten Andachtskultur verkommen. Hier undjetzt, angesichts der Entfremdungserfahrungen der Moderne,besann man sich auf die Wirkmacht und spirituelle Kraft Jesuund reaktivierte eine verschüttete kulturelle Erinnerung.Christus erschien, wie in seiner Zeit, als der Leidende und alsRetter zugleich. Dies galt vor allem nach der Erschütterung, dieder Erste Weltkrieg bedeutet hatte. In der urbanen Kultur desRheinlandes verdichtete sich der messianische Geist, der bisweit in die Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre Künstler undSchriftsteller zu innovativem Schaffen anregte. Philosophieund Theologie, Architektur, Kunstgewerbe und Musik zehrtenvom neuen Christusbild.Auch in der zweiten Nachkriegszeit haben sich Künstler mitChristus auseinandergesetzt, hat seine Botschaft provoziertund motiviert. Die „Wiederentdeckung des Sakralen in derModerne“ ist nicht auf das frühe 20. Jahrhundert reduzierbar.Der Sammelband präsentiert 32 Beiträge zur jiddischen Literatur,Sprache und Kultur. Die in Englisch, Deutsch und Jiddischverfassten Studien dokumentieren die thematischeund methodologische Vielfalt jiddistischer Forschung derGegenwart. Eröffnet wird der Band mit exemplarischen Lesartenmoderner jiddischer Literatur. Dazu gehören modernistischejiddische Dichterinnen und Dichter ebenso wiegefeierte Gründergestalten der Epoche der „jiddischen Klassiker“,Buch illustratoren und die namenlosen Leser jiddischerUnterhaltungsliteratur.Der zweite Teil ist der Älteren Jiddistik mit literaturwissenschaftlichenund philologischen Arbeiten gewidmet. In derdritten, sprachwissenschaftlichen Sektion legen die Arbeitenzu diachronischen und synchronischen Fragestellungen stetsauch die kulturgeschichtliche Dimension des Sprachgebrauchsfrei. Das politische und kulturgeschichtliche Engagement jiddischsprachigerKulturaktivisten steht im Mittelpunkt desabschließenden Teils.46 Magazin 4 | 2012


PERSONALIAErnennUNGenStatistik: Prof. Dr. Florian HeißAm 18. September 2012 erhieltProf. Dr. Florian Heiß seine Ernennungsurkundefür die W3-Professur „Statistics and Econometrics“.Prof. Dr. Heiß wurde 1973 inBremen geboren. Er studierte ab1994 Volkswirtschaft an der UniversitätMannheim. Als DAAD-Stipendiat war er 1998/99 an derUniversity of California, Berkeley.Im Jahre 2000 legte er die Prüfung zum Diplom-Volkswirt anFoto: Dieter Joswigder Universität Mannheim ab, wo er zunächst als WissenschaftlicherMitarbeiter tätig war. 2005 erfolgte dort auch seine Promotionzum Dr. rer. pol. (summa cum laude). 2005 bis 2009 warProf. Heiß dann an der Universität München als AkademischerRat beschäftigt, unterbrochen von einem abermaligen Aufenthaltan der University of California, Berkeley, als Visiting Scholar.2009 berief ihn die Universität Mainz auf den Lehrstuhl fürStatistik und Ökonometrie. Jetzt wechselte Prof. Heiß auf denLehrstuhl „Statistics and Econometrics“ an die Heinrich-Heine-Universität. Der Volkswirt erhielt bereits mehrere Auszeichnungen,darunter in diesem Jahr den „Excellence in RefereeingAward“ der American Economic Review. r. W.Englische Sprachwissenschaft: Prof. Dr. Ingo PlagAm 26. September 2012 erhieltProf. Dr. Ingo Plag seine Ernennungsurkundezur W3-Professur„Englische Sprachwissenschaft“.Prof. Dr. Ingo Plag wurde 1962in Bad Honnef geboren. Er studiertezunächst 1983 Anglistikund Politikwissenschaft an derUniversität Heidelberg, dann ab1984 bis 1993 Anglistik, Amerikanistik,Vergleichende Sprachwissenschaftund Politikwissenschaft an der Universität Marburg.Ein Zweitstudium der Rechtswissenschaft erfolgte dort 1985bis 1988. Das Magisterexamen legte Prof. Plag 1989 ab. 1993wurde er in den Fächern Anglistik (Sprachwissenschaft), Allge-Foto: Uli Oberländermeine und Vergleichende Sprachwissenschaft und Politikwissenschaftpromoviert (summa cum laude). 1998 habilitierte sichProf. Plag in Marburg im Fach „Englische Sprachwissenschaft“.Stationen seines Berufslebens waren das Institut für Anglistikund Amerikanistik der Universität Marburg als WissenschaftlicherMitarbeiter, Lehrbeauftragter und Wissenschaftlicher Assistent.1999/2000 war Prof. Plag als C3-Professor für EnglischeSprachwissenschaft am Englischen Seminar der UniversitätHannover tätig.2000 bis zu seiner jetzigen Berufung nach Düsseldorf hatteder Anglist eine C4-Professur für Englische Sprachwissenschaftan der Universität Siegen inne. Als Gastdozent lehrteer an der University of California at Santa Cruz, USA, derUniversity of Toronto, Kanada, und der University of Victoria,Wellington, Neuseeland. r. W.Anzeige© Fotograf: Ch. HartmannDer Wille versetzt Berge.BesonDers Der letzte.Ein Vermächtnis zugunsten von ärzte ohne grenzen kann fürviele Menschen einen ersten Schritt in ein neues Leben bedeuten.Sie möchten sich über das eigene Leben hinaus engagieren wieAlice und Ellen Kessler? Gerne schicken wir Ihnen unsere Broschüre„Ein Vermächtnis für das Leben“.Wir beraten Sie gerne. Ihre persönliche AnsprechpartnerinVerena Schäfer erreichen Sie unter 030 - 700 130 148.ärzte ohne grenzen e.V.Am Köllnischen Park 110179 Berlinwww.aerzte-ohne-grenzen.deMagazin 4 | 201247


PERSONALIAEhrungAusgezeichnet: Prof. Dr. Cepl-Kaufmann erhieltden „Rheinlandtaler“ des LVRDer „Rheinlandtaler“ steht für die Heimat und zeichnetPersönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weiseum diese verdient gemacht haben. Seit vielen Jahrensetzt sich Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Professorin für NeuereDeutsche Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität,mit Ausstellungen über ausgewählte Kapitel der Kulturszeneim Rheinland des 20. Jahrhunderts, mit Tagungen, mitder Erarbeitung von Forschungsprojekten sowie mit Publikationenfür die kulturelle Erinnerung dieser Region ein. Für ihr Engagementwurde sie am 22. Oktober vom LandschaftsverbandRheinland (LVR) mit dem „Rheinlandtaler“ ausgezeichnet.Die feierliche Ehrung fand in Schloss Mickeln statt. In Vertretungdes Rektors begrüßte Prof. Dr. Bruno Bleckmann, Dekander Philosophischen Fakultät, die Preisträgerin und die zahlreichenGäste: „Sie sind eine verdiente Forscherin, geradeauch mit dem Schwerpunkt der regionalen Kulturgeschichtedes Rheinlandes, und darüber hinaus eine anerkannte Lehrendean der Düsseldorfer Universität. Aspekte einer regionalhistorischen,interdisziplinären und komparatistischen Kulturwissenschaftstanden und stehen im zentralen Bereich IhresWirkens. Sie haben damit wichtige Brücken geschlagen zwischender Universität und einer breiteren Öffentlichkeit. Ichgratuliere Ihnen sehr herzlich zur Verleihung des Rheinlandtalers!“Im Anschluss hielt Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzenderder Landschaftsversammlung Rheinland, die Laudatio:„Sie haben sich durch Ihre Forschungstätigkeit und Ihre zahlreichenPublikationen und Ausstellungsprojekte um die Vermittlungder Geistes-, Literatur- und Kulturgeschichte desRheinlandes besonders verdient gemacht!“ Weiter hieß es:Als langjährige Vorsitzende des Arbeitskreises „Moderne imRheinland“ habe Gertrude Cepl-Kaufmann wichtige Forschungsprojekteauf den Weg gebracht. Sie thematisiere die politischeFestkultur im Rheinland zur Zeit der Weimarer Republik,die Entwicklung der Kunst und Literatur im Rheinlandnach dem Ersten Weltkrieg oder auch die Wiederentdeckungdes Sakralen in der Moderne.Gertrude Cepl-Kaufmann, geboren 1942 in Grevenbroich,machte 1966 ihr Erstes Staatsexamen an der PädagogischenHochschule Bonn. Es folgte ein Studium der Germanistik,Geschichte und Volkskunde an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität,1969 der Wechsel an die neu etablierte PhilosophischeFakultät der Universität Düsseldorf sowie die Promotion1972 bei Prof. Dr. Manfred Windfuhr mit einer Arbeitzum literarischen und politischen Werk von Günter Grass.„Moderne im Rheinland“Schwerpunkte ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit sind dieLiteratur vom Naturalismus bis zur Gegenwart und Aspekteeiner regionalhistorischen Kulturwissenschaft. Seit 1980 widmetesich Cepl-Kaufmann vor allem der Forschung zur Kulturgeschichtedes Rheinlandes. Dabei richtete sich ihr Interessezunächst auf das literarische Düsseldorf. Die Ausweitung ihrerForschung auf den gesamten rheinischen Raum erfolgte dannim Kontext des „Arbeitskreises zur interdisziplinären Erforschungder Moderne im Rheinland“, der Ende der 1980er Jahreauf Initiative des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriumsgegründet wurde.Carolin GrapeFoto: Jana BauchAuszeichnung am 22. Oktoberin Schloss Mickeln(v. l.): Dekan Prof. Dr. BrunoBleckmann, PreisträgerinProf. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Laudator Prof.Dr. Jürgen Wilhelm sowieMilena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur undUmwelt48 Magazin 4 | 2012


PERSONALIARuhestand / EhrungRomanistik: Prof. Dr. Hans T. SiepeAm 28. September wurde demRomanist und Alt-Dekan Prof. Dr.Hans T. Siepe seine Ruhestandsurkundeüberreicht.Prof. Siepe wurde 1947 inBirkenfeld / Nahe geboren, er studiertein Köln und Aix-en-ProvenceRomanistik und Germanistik. 1976erfolgte die Promotion („Der Leserdes Surrealismus. Untersuchungenzur Kommunikationsästhetik“).1983 habilitierte er sich mit einer Arbeit zum Thema„Abenteuer und Geheimnis: Strukturen und Mythen des Populärromans“.Von 1984 bis 1996 war Hans T. Siepe C3-ProfessorFoto: Uli Oberländerfür Romanistik in Duisburg, danach wechselte er auf eineC4-Professur für „Neuere französische Literatur unter Berücksichtigungder Francophonie“ an die Universität Mainz.Seit 2001 war Prof. Siepe dann Lehrstuhlinhaber für „RomanischePhilologie (Literaturwissenschaft)“ an der Heinrich-Heine-Universität. Prof. Siepes Arbeitsgebiete sind neuerefranzösische und frankophone Literatur. Zu seinen Schwerpunktenund Forschungsgebieten zählen: Surrealismus, romanpopulaire, la litterature nouvelle des Antilles, Frankreich im20. Jahrhundert (literatur- und kulturwissenschaftliche Grundlagen),Intermedialität sowie die deutsch-französischen Kulturbeziehungen.2006 bis 2009 war Prof. Siepe Prodekan der PhilosophischenFakultät, von 2009 bis 2011 Dekan. Prof. Siepeist in sein Haus in der Bretagne gezogen. r. W.Verdienstorden für Prof. Dr. Stephan RothAm 26. Oktober wurde Prof. Dr. Stephan Roth der Verdienstordender Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der ehemaligeProfessor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologieam Universitätsklinikum Düsseldorf wurde fürsein außerordentliches Engagement in der Organisation undDurchführung von nationalen onkologischen Fortbildungsveranstaltungengeehrt. Diesen unermüdlichen Einsatz zeigter auch heute noch im Ruhestand und leistet somit einen beachtlichenBeitrag zur Forschung, Diagnostik und Therapie imBereich der Onkologie. Verliehen wurde Prof. Roth der Verdienstordenvon Staatssekretär Helmut Dockter vom Ministeriumfür Innovation, Wissenschaft und Forschung des LandesNordrhein-Westfalen in Düsseldorf.Prof. Roth wurde im Jahr 1989 zum C3-Professor für dasFach Strahlentherapie an die Heinrich-Heine-Universität berufenund war bis zu seinem Ruhestand am 31. März 2010 an derKlinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologieals Oberarzt tätig. Während dieser Zeit kommen ihm erheblicheVerdienste zu, die er sich durch die Positionierung derDüsseldorfer Strahlenheilkunde in der internationalen wissenschaftlichenGemeinde erwarb. So war er bereits zu Beginnder 80er Jahre eines der ersten deutschen Mitglieder der EuropeanSociety of Therapeutic Radiation Oncology (EORTC),deren Tagungen er zweimal nach Düsseldorf holte. Auch mitder Universität Haifa baute er eine Zusammenarbeit in seinemFach auf, die bis heute intensiv gepflegt wird.Das Symposium „Klinische Onkologie“, das er zum erstenMal 1993 initiierte und organisierte, zählt zu den größtendeutschsprachigen interdisziplinären onkologischen Fortbildungsveranstaltungenmit 600 bis 800 Teilnehmern. Insgesamtsieben Mal war Prof. Roth in Düsseldorf Mittelpunkt derFoto: Julius KohlStaatssekretär Helmut Dockter verlieh den Verdienstorden an den RadiologenProf. Dr. Stephan Roth.viertägigen Veranstaltung. Prof. Roth setzte sich dafür persönlichund mit allen ihm verfügbaren Ressourcen ehrenamtlichein – und tut es auch im Ruhestand heute noch. Er erweistdamit der Kommunikation des neuesten Standes von Forschung,Diagnostik und Therapie in der Onkologie zum Wohlder Patienten einen erheblichen Dienst.Prof. Roth wurde 1945 in Lübeck geboren. Er hatte in Münster(Westf.) Medizin studiert und wurde mit der Note „Sehrgut“ am dortigen Hygiene-Institut promoviert. Er bestand dasamerikanische Staatsexamen und erhielt die Approbation alsArzt im Jahr 1972. Nach beruflichen Stationen an den UniversitätsklinikaMarburg und Köln – dort erhielt er die Facharzterkennungfür Radiologie mit der Zusatzbezeichnung Strahlentherapieund habilitierte sich im Jahr 1985 – folgte ein Wechselan das Universitätsklinikum Göttingen als klinischer Oberarzt,bevor Prof. Roth schließlich nach Düsseldorf kam. A.G.Magazin 4 | 201249


PERSONALIAAusschreibungenForschungspreis der Christiane und ClaudiaHempel-Stiftung für Stammzellforschung 2013Die Christiane und Claudia Hempel-Stiftung für Stammzellforschungvergibt 2013 den nach ihr benannten Preis. Umden Preis können sich Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität bewerben mit Arbeiten, die sich mit aktuellenKlinische StammzellforschungProblemen und Fragestellungen der klinischen Stammzellforschungbefassen. Die Arbeiten dürfen in der eingereichtenForm noch nicht publiziert sein. Der Preis ist mit 15.000Euro dotiert. Arbeiten, die dem Ausschreibungstext entsprechen,sind bis zum 31. März 2013 an den Vorsitzenden desKuratoriums der Christiane und Claudia Hempel-Stiftung fürStammzellforschung einzureichen (F.-W. Hempel, c/o F.W.Hempel & Co., Postfach 102851, 40019 Düsseldorf).Die Arbeiten sollen in 5-facher Ausfertigung eingereichtwerden und in der Regel nicht mehr als 40 bis 50 Seitenumfassen. Eine ausführliche Zusammenfassung in jeweilsdeutscher und englischer Sprache ist der Arbeit beizufügen.Eine Teilung des Preises ist möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.Reinhard- und Emmi-Heynen-PreisAnzeigeDie Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e.V. verleiht im Jahre 2013 denReinhard- und Emmi-Heynen-Preis im Bereich der PhilosophischenFakultät.Der Reinhard- und Emmi-Heynen-Preis ist eine Auszeichnungfür hervorragende Arbeiten oder Leistungen von Wissenschaftlerinnenund Wissenschaftlern – also auch Professorinnenund Professoren – der Heinrich-Heine-UniversitätDüsseldorf, die eine Förderung verdienen. Jede Wissenschaftlerinund jeder Wissenschaftler der PhilosophischenFakultät kann Vorschläge für den Preis unterbreiten. DerVorschlag sollte durch mindestens eine weitere Wissenschaftlerinoder einen weiteren Wissenschaftler aus der Fakultätschriftlich unterstützt werden. Der Preis ist dotiertmit 12.500 Euro.Die Preisträgerin oder der Preisträger erhält diese Zahlungzusammen mit einer von dem Präsidenten der Gesellschaftvon Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Philosophische FakultätUniversität Düsseldorf e.V. und dem Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unterzeichneten Urkunde. DieVorschläge für den Preis müssen bis spätestens 29. April2013 im Rektorat eingereicht werden. Gemäß der Vergaberichtlinienfür diesen Preis obliegt die Prüfung der Vorschlägeder Fakultät, die hierfür eine Kommission einsetzt.Die Kommission setzt sich zusammen aus höchstens sechsMitgliedern aus der Gruppe der Professorinnen und Professorenund der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterund legt dem Rektorat eine empfehlende Beurteilungvor. Sollte bis zum 29. April 2013 kein Vorschlag imDekanat eingegangen sein, so gibt der Dekan von sich auseine mit der Prüfungskommission abgestimmte Empfehlungan den Rektor.Die Empfehlung für die Vergabe des Preises muss bis spätestens30. Juni 2013 beim Rektorat eingereicht werden, dasden Vorschlag dann dem Vorstand der Gesellschaft vonFreunden und Förderern vorlegt, der danach über die Vergabedes Preises entscheidet.50 Magazin 4 | 2012


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