Jahresbericht 98 mit Falldarstellung des Kinderschutzdienstes

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Jahresbericht 98 mit Falldarstellung des Kinderschutzdienstes

SachberichtKinderSchutzDienst2008


1. AllgemeinesDer Kinderschutzdienst in Landau wird vom hiesigen Kreisverband des DeutschenKinderschutzbundes getragen. Sein Aufgabengebiet erstreckt sich über den gesamtenBereich der Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.Der Fachdienst wurde im September 1990 eingerichtet. Sein Einzugsbereich umfasst dieStadt Landau und den Kreis Südliche Weinstraße.Die Aufgaben des Kinderschutzdienstes sind vielfältiger Natur. In erster Linie sind dieMitarbeiterinnen verlässliche Ansprechpartnerinnen für Kinder und Jugendliche, die vonkörperlicher, seelischer und sexueller Gewalt betroffen sind. Die Kinder undJugendlichen sollen vor Gefährdungen geschützt werden. Die dafür notwendigen Schrittewerden mit deren Beteiligung entwickelt. Durch Gespräche wird zur Stabilisierung derPersönlichkeit der Betroffenen beigetragen. Es werden Hilfen zur weiterenLebensgestaltung aufgezeigt, angeboten und vermittelt. Im Weiteren werden auch diefamiliären Bezugspersonen beraten, soweit das Vertrauensverhältnis zwischenMitarbeiterin und Kind nicht beeinträchtigt wird. Hilfe und Beratung finden auchPersonen, die aus dem sozialen Umfeld des Kindes kommen. Als weitere Aufgabe siehtes der Kinderschutzdienst an, die Öffentlichkeit und pädagogische Fachkräfte über dieProblematik der Gewalt gegen Kinder zu informieren.2. Öffentlichkeitsarbeit des KinderschutzdienstesNeben der umfangreichen Einzelfallarbeit gehört die Beratung von Kindergartenteamsund Lehrerinnen/Lehrern, Informationsveranstaltungen z.B. für Schulklassen sowieFachvorträge zu den Aufgaben des Kinderschutzdienstes. Darüber hinaus ist dieVernetzung durch Teilnahme an Arbeitskreisen sowohl für die Öffentlichkeitsarbeit alsauch für die Kooperation in der Fallarbeit unerlässlich.2.1. Vorträge, Workshops und Seminare‣ Infoveranstaltung für Berufsschulklassen (27.10.2008, 31.10.2008)‣ Vortrag beim Kinder- und Jugendtelefon des DKSB über die Arbeit derKinderschutzdienste (29.01.2008, 07.05.2008)‣ Vorstellung der Broschüre „Zuhause bei Schulzes“ und Vortrag bei derDienstleiterbesprechung bei der Polizeidirektion Landau (20.02.2008)‣ Teilnahme an der Telefonaktion der Rheinpfalz zum Thema „Häusliche Gewalt“ imRahmen des STOPP -Projektes (26.05.2008)‣ Vortrag auf der Tagung „Mich trifft jeder Schlag“ in Ingelheim zum Thema„Psychodramagruppen für Kinder im Kinderschutzdienst“ (29.05.2008)‣ Teilnahme bei der Vorstellung des STOPP-Projekts bei Bürgermeister Hirsch(30.05.2008)‣ Teilnahme an der Veranstaltung der Jugendämter zum neuen Kinderschutzgesetzam 04.06.2008‣ Vorstellung des KSD bei Fachtagung für KindergartenleiterInnen aus dem KreisSüdliche Weinstrasse zum §8a (18.11.2008)‣ Teamberatung, Elternabende:• Kindergarten Billigheim, Kirrweiler, St. Maria in Landau,Lazarettgarten• Hauptschule Edenkoben‣ Vorstellung des Kinderschutzdienstes in der Landesschau des SWR (19.11.08)2


2.2. ArbeitskreiseDurch die regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit in Arbeitskreisen und Regionaltreffenwird die Vernetzung des Kinderschutzdienstes innerhalb des Kinderschutzbundes undextern mit anderen Institutionen aufrechterhalten und weiterentwickelt. DieMitarbeiterinnen des Kinderschutzdienstes sind in folgenden Arbeitskreisen vertreten:‣ Arbeitskreis „Kinder und Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf“ initiiertdurch die Jugendämter der Stadt und des Kreises‣ STOPP- Arbeitskreis und Plenum, initiiert durch den Präventionsrat der StadtLandau‣ Regionaltreffen der Kinderschutzdienste und Fallbesprechungen in Mainz‣ Arbeitskreis „Kinder psychisch kranker Eltern“‣ Arbeitskreis „Entwicklungspsychologische Beratung“‣ Arbeitskreis „Jugendliche Sexualstraftäter“‣ Fallbesprechungen organisiert durch Landesjugendamt in Mainz‣ Regionaltreffen der Kinderschutzdienste Süd‣ Vorstand des Frauenhauses‣ Teilnahme an Teamgesprächen des „Elternbesuchsdienstes“ und des Projekts„Junge Mütter“3. Fortbildungen und Fachtagungen der FachkräfteDie Mitarbeiterinnen besuchten die Fachtagung der Interventionsstelle zum ThemaMigration und häusliche Gewalt (25.02.2008).Des Weiteren nahmen die Mitarbeiterinnen an Kinderschutzdienst-Supervisionssitzungen und Teamsitzungen teil, die Bereichsleitung an denBereichsleitungsteams und Supervisionen sowie an den Gesprächen mit derGeschäftsführung.4. KooperationsstrukturenHinsichtlich der Kooperationsstrukturen zeigten sich 2008 kaum Veränderungen.Wichtigste Kooperationspartner blieben: Jugendämter, Schulen, stationäre undambulante Jugendhilfeeinrichtungen sowie Kindergärten und Kindertagesstätten.Insbesondere in komplexen Problemkonstellationen gab es eine vielfältigeZusammenarbeit mit anderen Institutionen, die in einzelnen Fällen auch sehr zeitintensivwar.Hinsichtlich der Notwendigkeit einer Kooperation im Einzelfall sowie im Rahmen derNetzwerkarbeit befürchten wir einen institutionalisierten Mangel, da die Ressourcen fürden zeitlichen und personellen Mehraufwand nicht nur den Kinderschutzdiensten fehlen.Dieser institutionalisierte Mangel kann zu Versagen beim Kinderschutz führen.Bezüglich der Kooperation mit den Jugendämtern fanden in 2008 mehrere Gespräche –wie vereinbart – zwischen ASD-LeiterInnen und dem Kinderschutzdienst statt. Sokonnten sowohl Vorgehensweisen in Fällen, insbesondere hinsichtlich des § 8a, aberauch allgemeine aktuelle Entwicklungen besprochen und abgestimmt werden.5. Spezifische Entwicklungen in der ArbeitSchlussfolgerungen aus der StatistikDie Zahlen zeigen eine Veränderung der Arbeit dahingehend auf, dass in 2008 vermehrtlängerfristige Beratungen stattfanden. Dies sind zu einem Teil „alte“ Fälle, die wiederauftauchten, dazu kommt, dass durch die Kindergruppenarbeit langfristige Kontaktegepflegt werden. Zum anderen zeigt diese Entwicklung auch, dass eine große Anzahl von3


Fällen sehr viel Kooperation erfordert, gerade wenn Verfahren beim Familiengericht oderStrafgericht anstehen und Gutachten erstellt werden müssen, ist mit einer langfristigenBegleitung zu rechnen. Auch Clearing-Aufträge, die immer häufiger vom Jugendamt anuns herangetragen werden, bedeuten einen hohen Aufwand an Telefonaten undzusätzlichen Kooperationsterminen, um entsprechende Informationen von Schulen,Kindertagesstätten, anderen Beratungsinstitutionen etc. zusammenzutragen.Bezüglich der Verteilung der Misshandlungsformen ist eine leichte Zunahme sowohl bei„Vernachlässigung“ als auch bei „Körperlicher Misshandlung“ zu verzeichnen.Entwicklungsbereich:Kinderschutz bei Risikofamilien mit Säuglingen und KleinkindernDas Beratungsangebot für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern wird nach wie vorgenutzt.Inzwischen ist in Fachkreisen in Landau/SÜW bekannt, dass der Kinderschutzdienst mitdem Beratungsangebot für Risikofamilien in Krisensituationen zur Verfügung steht, umeiner eventuellen Kindeswohlgefährdung entgegen zu wirken. Auch ist bekannt, dass derDKSB mit seinem PEKiP-Angebot, dem Eltern-Kind-Treff und anderen genanntenProjekten den Bereich der Prävention bei „Familien mit Säuglingen und Kleinkindern“bedient.Das in Kraft Treten des Kinderschutzgesetzes im April 2008 wirkte sich auf die StadtLandau und den Kreis SÜW insofern positiv aus, dass dem Säuglings- undKleinkinderbereich endlich eine besondere Aufmerksamkeit gilt.Die Kinderärzte, Kinder- und Entbindungsstationen in den Krankenhäusern undHebammen zeigen ein großes Interesse an einer Vernetzung, die von den Jugendämterndurch geschulte Mitarbeiterinnen aufgebaut wird. Durch diese Aufmerksamkeit und diein Mainz eingerichtete Servicestelle, die auf Meldungen der Ärzte reagieren wird, wirdauf das Beratungsangebot im Kinderschutzdienst für die Zukunft mit steigendenFallzahlen der Risikofamilien in Krisen mit Säuglingen und Kleinkindern zu rechnen sein.Es stellt sich daher die Frage, wie sich die Kinderschutzdienste in naher Zukunft imBereich „Familien mit Säuglingen und Kleinkindern“ mit ihrem herkömmlichenBeratungsstandard umgehen sollen.Statistiken der letzten Jahre von Fachkreisen belegen: Bei „häuslicher Gewalt“ sindimmer neben den Erwachsenen auch die Kinder betroffen. 2/3 davon sind Säuglinge undKleinkinder.Wünschenswert wäre eine Diskussion anzuregen, ob es sinnvoll wäre, dieKinderschutzdienste, die Fachdienste bei Kindeswohlgefährdung, mit einer speziell imSäuglings- und Kleinkindbereich ausgebildeten Fachkraft zu erweitern um in der Lage zusein, adäquat auf der Basis der Bindungstheorie bei einer Gefährdung von Säuglingenund Kleinkindern reagieren zu können.Fachberatung bei Projekten : „Frühe Hilfen für Familien mit Säuglingen undKleinkindern“- Kinderschutz von Anfang an1. Eltern-Besuchs-Dienst(siehe dazu auch separaten Sachbericht Projekt „ElternBesuchsDienst“)Wie im Jahresbericht 2007 erwähnt, wurde im DKSB ein Elternbesuchsdienst mitausgebildeten ehrenamtlichen Mitarbeitern entwickelt. Seit Oktober 2008 finanzierendas Stadtjugendamt Landau und das Kreisjugendamt SÜW eine halbe Stelle für eineMitarbeiterin in diesem Projekt. Bisher waren die Mitarbeiterinnen zweimal pro Wochezu Elternbesuchen im Vinzentiuskrankenhaus.4


Seit Oktober 2008 wurde das Angebot auf das Städtische Klinikum erweitert. Inzwischenfinden an drei Tagen in der Woche Elternbesuche in beiden Kliniken statt.In regelmäßigen Teams finden Fallbesprechungen mit dem Kinderschutzdienst statt,welcher den Eltern-Besuchs-Dienst in form einer Fachberatung begleitet.2. MUM: Mehr Unterstützung - Mehr BindungEine ressourcenorientierte Begleitung jugendlicher und junger Mütter mit Säuglingenund Kleinkindern(siehe dazu auch separaten Sachbericht Projekt „Junge Mütter / Frühe Hilfen“)Aufgrund der großen Nachfrage an Betreuung und Beratung für jugendliche und jungeMütter mit Säuglingen und Kleinkindern entstand zwischen dem Stadtjugendamt Landauund dem DKSB eine Kooperation.Das Stadtjugendamt finanzierte ab dem 01.01.2008 eine Stelle für die Entwicklung einerBetreuungs- und Beratungsform für jugendliche und junge Mütter mit Säuglingen undKleinkindern. Es handelt sich um Mütter von Säuglingen und Kleinkindern, die aufgrundihrer eigenen Traumatisierungen in der Kindheit und ihrer krisenhaften Lebenslagegefährdet sind, ohne Betreuung in eine Überforderung zu geraten. Durch die Betreuungkann das Kindeswohl gesichert werden. Es ging darum, eine Betreuungsform zuentwickeln in der Risikomütter im Umgang mit dem Säugling in der eigenen Wohnungleben und dabei betreut und beraten werden, um eine Sicherung einer positiven Bindungzwischen Mutter und Kind zu gewährleisten.Es wurden 2008 insgesamt 7 Mütter betreut.Die Mütter sind zwischen 16 und 25 Jahren und vorwiegend alleinerziehend.Es handelte sich um eine psychisch kranke 19-jährige Mutter, eine lernbehinderte 21-jährige Mutter, deren erstes Kind aufgrund einer Kindeswohlgefährdung in einerPflegefamilie lebt. Eine schwangere Mutter mit zwei Kleinkindern trennte sich aufgrundhäuslicher Gewalt von ihrem Partner und ist derzeit noch von ihm bedroht.Eine 22jährige Mutter wird betreut, weil ihr Säugling in der Klinik aufgrund vonmehrfachen Rippenbrüchen behandelt werden musste und man von häuslicher Gewaltausgeht.Ein jugendliches Elternpaar wurde begleitet, das vom Jugendamt aufgrund derSchwangerschaft aus der Obdachlosigkeit in sichere Lebensbedingungen eingegliedertwurde.Die Mitarbeiterinnen betreuten eine junge Mutter, die auf der Entbindungsstationaufgrund des extrem impulsiven Kindsvaters und ihrer unsicheren Art als Risikomuttereingeschätzt wurde sowie eine 16-jährige schwangere Jugendliche, die dem Jugendamtseit ihrer Kindheit bekannt ist.Mit den Mitarbeiterinnen des DKSB, die in diesem Projekt arbeiten und demKinderschutzdienst finden regelmäßige Fallbesprechungen statt. Der Kinderschutzdienstbegleitet auch dieses Projekt in Form einer Fachberatung.KindertagesstättenEbenso wie 2007 zeigte sich für uns in mehreren Telefonaten mit Erzieherinnen sowieauch bei der Tagung für Leiterinnen von Kindertagesstätten des Kreises Kreises SüdlicheWeinstraße zum §8a, wie dringend Unterstützung, Fortbildung und verlässlicheKooperationsstrukturen für Erzieherinnen in Kindergärten sind, damit sie dem erhöhtenAnspruch gerecht werden können. Sinnvoll wären aus unserer Sicht gezielteFortbildungen zum Thema, bei denen z.B. auf Fragestellungen eingegangen wird wie„Elterngespräche mit dem Ziel einer guten Kooperation“, „Entwicklung eines5


verbindlichen Ablaufsschema bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung“; „Hilfsangebotefür Eltern und mögliche institutionelle Kooperationen“.SchulenErfreulich war 2008 die Kooperation mit SchulsozialarbeiterInnen. Aus unserer Sichtwäre es wichtig, dieses Angebot an allen Schulen einzurichten, insbesondere auch anGrundschulen. An Grundschulen, die dieses Angebot nicht haben, wurden wir mehrmalsmit der Überforderung von LehrerInnen konfrontiert, die deshalb zur Stigmatisierung undAusgrenzung neigten, was die Auffälligkeiten der Kinder zwangsläufig verstärkte. DieseKinder wurden von uns betreut, da die Verhaltensauffälligkeiten in Zusammenhang mitihrer traumatisierten Lebensgeschichte standen. Nach unserer Erfahrung sind solcheKinder mit entsprechender Betreuung durchaus lenkbar. Vielleicht muss man in diesemZusammenhang über die Einführung von IntegrationslehrerInnen und/oderGruppenangeboten zum sozialen Lernen an Schulen nachdenken. Erfahrungsgemäß sindfrüh einsetzende Hilfsangebote auch in diesem Fall sinnvoll, da man diese Kinder alsJugendliche viel schwerer erreichen kann.Fremdmeldungen2008 gingen bei uns vermehrt ernstzunehmende Fremdmeldungen ein, häufig vonFamilienangehörigen, die in Sorge insbesondere um Kleinkinder waren. Dies bewertenwir positiv, da es ein verstärktes Verantwortungsbewusstsein für das Wohl von Kindernsignalisiert. In den Fällen, in denen die Fremdmelder einen Kontakt zu den Elternherstellen können und wollen, übernehmen wir die weitere Betreuung der Kinder undihrer Familien. In den Fällen, in denen dies nicht möglich ist, oder in denen dieGefährdungslage akut ist, verweisen wir an die Jugendämter. Diese Fälle tauchen inunserer Statistik leider nicht auf!KindergruppeDa sich dieses Angebot sehr bewährt hat, würden wir es gerne ausbauen. Aufgrundunserer Arbeitskapazität wäre dies aber nur mit einer finanziellen bzw. personellenAufstockung möglich. Im letzten Jahr führten wir zwei geschlechtshomogene Gruppendurch, was sich sehr bewährt hat. Für die Jungengruppe ist es uns gelungen einenmännlichen Praktikanten zu gewinnen, der dies auch im ersten Halbjahr 2009 fortführenwird. Für die Jungen in der Gruppe ist dies eine Bereicherung, da sie in ihm einmännliches Vorbild sehen aber auch positive Erfahrungen mit männlichenAutoritätspersonen in der Auseinandersetzung machen können. U.E. leiden genaudarunter viele Jungen, insbesondere die, die aufgrund von häuslicher Gewalt oderMissbrauch ein negatives Männer- und Selbstbild erworben haben.Die Kindergruppenarbeit ist sehr arbeitsintensiv, zurzeit können zwei Gruppen, z.T. mitPraktikanten durchgeführt werden (zeitlich begrenzt). Für die Fortführung diesesAngebotes werden zusätzliche Mittel erforderlich sein, da die Kindergruppenarbeit indiesem Umfang nicht im Rahmen des Kinderschutzdienstes dauerhaft gewährleistetwerden kann.Gewalt in InstitutionenSchockiert hat uns 2008 in zwei Fällen, in denen Kinder durch Erziehungspersonalmisshandelt wurden, die Reaktion der Träger. Diese reagierten nicht zeitnah auf diemassive Misshandlung, leiteten somit auch nicht die entsprechende Schritte zumzukünftigen Schutz der Kinder ein, sondern sie verschleppten die Problematik bzw. eswurde den Eltern vorgeschlagen, die Kinder doch in einer anderen Einrichtung betreuen6


zu lassen, wenn sie „unzufrieden“ seien. Dies zeigt uns, dass häufig Trägerinteressen,insbesondere in Behinderteneinrichtungen, über das Wohl der Kinder gestellt werden.Wir sehen neben der individuellen Verantwortung der misshandelnden Erzieher eineganz klare Trägerverantwortung für das Wohl der Kinder – diese ist auch einegesellschaftliche Verantwortung. Ständige finanzielle und damit häufig personelleKürzungen führen zu einer vermehrten Überforderung des Erziehungspersonals –Misshandlungen von Bewohnerinnen und Bewohnern sind auch als Folge dieserSituation zu sehen.In den beiden oben benannten Fällen wurde Strafanzeige erstattet, wobei den Eltern klarist, dass dies die Probleme nicht grundlegend löst.StrafverfahrenNach unserem Eindruck wurden auch in anderen Fällen vermehrt Strafanzeigen gestellt,wegen Körpermisshandlung, Verleumdung usw., oft wechselseitig. Nach unsererErfahrung führt dies oft zu einer Eskalation der zugrundeliegenden Gewaltproblematik,löst aber die eigentlichen Probleme nicht.Zumal uns dieses Jahr die Dauer der Ermittlungsverfahren und die Folgen für die Familienbeschäftigt hat. Diese müssen u.U.zwei Jahre auf die Verhandlung warten, häufigkommen Kinder und Eltern in dieser Zeit nicht zur Ruhe. Wichtig fänden wir, dass sobaldKinder/ Jugendliche Opfer oder Täter sind, die Abwicklung eines Strafverfahrens zeitnaherfolgt.Kinderarmut"Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen." (Unicef, Mai 2008)."Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jugendliche lebt in materieller Not oder istdavon bedroht." (Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe, Juni 2008).Diese Tatsachen machen sich auch in der täglichen Arbeit im Kinderschutzdienstbemerkbar. Ein im Vergleich zur gesamten Gesellschaft überdurchschnittlich hoherAnteil der Kinder, die zum KSD kommen, ist von Armut betroffen. Ein Hintergrund dafürist sicherlich, dass sich seit der Einführung des ALG II die Zahl der auf Sozialhilfe oderSozialgeld angewiesenen Kinder verdoppelt hat.Konkret bedeutet das für Kinder z.B. dass Eltern nicht in der Lage sind, einenSchwimmkurs für sie zu finanzieren oder ihnen die Teilnahme an anderenFreizeitangeboten zu ermöglichen. Oder die Bezahlung einer Nachhilfe ist nicht möglichund schulische Defizite können nicht aufgefangen werden. So werden wichtigeErfahrungen nicht gemacht, soziale Kontakte entstehen nicht, Bewegungsangebotekönnen nicht wahrgenommen werden, Bildungschancen bleiben auf der Strecke usw.Auch der Zugang bzw. die Verfügbarkeit von Hilfsangeboten ist u.U. eingeschränkt (z.B.kann eine alleinerziehende Mutter aus dem Kreis es u.U. nicht leisten, ihr Kindwöchentlich zur Kindergruppe zum KSD zu bringen; jugendliche oder junge Mütterwissen nicht, dass es spezifische Hilfsangebote wie z.B. den Elternbesuchsdienst gibt).Die Folgen von Armut sind ganz schnell auch gesundheitlicher Art: Kinder ernähren sichungesünder, sie bewegen sich weniger, sie bleiben immer häufiger in isoliertenWohnvierteln unter sich, sie können keine guten Schulen besuchen, haben nurmangelhafte Ausbildungsmöglichkeiten und keine ausreichende soziale Unterstützung.Diese Aspekte tragen dazu bei, dass Kinder immer früher immer mehr Hilfs- undTherapieangebote in Anspruch nehmen müssen, jedes dritte Kind ist bei der Einschulungtherapiebedürftig (Kinderreport Deutschland 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks).Wichtige Forderungen an dieser Stelle wären:7


1. Gute Infrastruktur für die Betreuung und frühe Bildung von Kindern2. Angebote zur Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern3. Der Hartz IV Regelsatz für Kinder müsste die steigenden Lebenshaltungskostenausgleichen (laut Berechnungen des DPWV müsste er dazu um 20% erhöht werden) –jedes 7. Kind unter 15 Jahren ist auf Hartz IV angewiesen.4. Familiengerechte Löhne, Arbeitszeiten, armutsfeste Sozialleistungen,5. Kindergrundsicherung, die Kinder unabhängig von Hartz IV macht. N U N DNeue Prekaritätsmuster aus Sicht des KSDDie Folgen des gesellschaftlichen Wandels, sind neben der oben beschriebenen Armut,die besonders alleinerziehende Mütter, Kinder und Menschen mit Migrationshintergrundbetrifft, dass Status und Position in der gesellschaftlichen Mitte zunehmend unsichersind, so dass sich zwischen „Mittelschicht“ und „Randgruppen“ eine anwachsendeGruppe entwickelt, zu der Menschen gehören, die weder gut integriert sind noch zu denklassischen Randgruppen gehören.Bedingt wurde der gesellschaftliche Wandel durch Flexibilisierung der Arbeitswelt undIndividualisierung der Lebensgestaltung. Die Individualisierung führt dazu, dassLebensformen entwickelt werden, die eine geringere Belastungsfähigkeit inKrisensituationen und eine größere Instabilität als die traditionelle Familie aufweisen.Neben der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen steigt damit die Anforderung anjedes Individuum sich mit immer wiederkehrenden Veränderungen, den damitverbundenen Entscheidungszwängen und dem Ertragen der Konsequenzenauseinandersetzen zu müssen. Dies erfordert ein hohes Maß an Initiative, Flexibilität,Ausdauer und Frustrationstoleranz. Für viele, insbesondere auch junge Menschen, stelltdies eine Überforderung dar. Wir beobachten, dass auch die Herstellung von tragfähigenBeziehungen und „gesundheitsfördernder“ Identität wesentlich schwieriger wird.Untersuchungen kommen zu entsprechenden Ergebnissen: Menschen, auch Jugendliche,leiden vermehrt unter einer Zunahme von Angst, Unsicherheit undOrientierungslosigkeit. Dies führt zu vermehrten gesundheitlichen- undVerhaltensproblemen. Mädchen reagieren vermehrt mit depressiven Verstimmungenund psychosomatischen Problemen, Jungen versuchen vermehrt den Druck aggressivnach außen los zu werden(Shell Jugendstudie 2006). Diese Ergebnisse decken sich mitunseren Erfahrungen, wobei die erhöhte Belastung nicht nur Jugendliche sondern auchEltern betrifft. So beobachten wir eine Zunahme von psychischen Erkrankungen beiEltern, insbesondere Depression, Angststörungen, Burn-out Syndrom. Untersuchungendeuten daraufhin, dass es eine Verschiebung von akuten zu chronischen und vonsomatischen zu psychischen Störungen gibt. Auf diesem Hintergrund gehen wir davonaus, dass in der Jugendhilfe zukünftig, die Unterstützung von Kindern, deren Elternpsychische Probleme haben, verstärkt Aufmerksamkeit erfordern wird. Ebenso fürJugendliche, die vermehrt eine, ihnen Orientierung und Perspektiven gebende sowie ihreRessourcen fördernde Unterstützung brauchen werden.Aus unserer Sicht braucht es niedrigschwellige, frühzeitige, partizipations- undlebensweltorientierte Beratungs- und Unterstützungsangebote, die dauerhaft zurVerfügung stehen. Dadurch könnte eine Kontinuität hergestellt werden, die vieleMenschen heute vermissen. So erleben wir, dass sich Eltern oder Jugendliche mit ihrenProblemen oft nach Jahren wieder an uns wenden und wenn die Kontinuität desBeratungsangebotes gegeben ist, man frühzeitiger die Begleitung beenden kann.8


Dokumentation JahresberichtNach unserem Eindruck beim Erstellen der Statistik bilden die derzeitig vorhandenenKategorien unsere Arbeit nicht ausreichend ab. Es wird nicht ersichtlich, dass es z.T.einen zeitlich immens erhöhten Kooperationsaufwand gibt, kürzere Betreuungszeiten zuwesentlich höheren Fallzahlen führen und vermehrt Anfragen bei uns landen, die wirweiter verweisen. Fremdmeldungen tauchen in der Statistik gar nicht auf, sind manchmalaber auch mit einem erheblichen Aufwand, z.B. mehreren intensiven Telefongesprächen,verbunden.Aktuell wird ein Fall definiert durch den Kontakt zum Kind, insbesondere im Bereich derBeratung von Müttern/Eltern von Säuglingen und Kleinkindern kann es sehrzeitaufwändige Beratungen geben ohne direkten Kontakt zum Kind.Des weiteren taucht in der Statistik die Kontaktaufnahme über E-mail nicht auf,immerhin bekamen wir in 2007 in drei Fällen über diesen Weg Kontakt zuKindern/Jugendlichen.Bei der Erfassung von Problem und Alter müsste „häusliche Gewalt“ als neue Kategoriehinzugefügt werden. Bei der Kategorie „seelische Misshandlung“ wäre es sinnvoll, eineDifferenzierung vorzunehmen bzgl. des Hintergrundes dieser Misshandlungsform: z.B.Suchtproblematik der Eltern, massive Trennungsproblematik, z.B. mit Stalking,chronische Erkrankung, psychiatrische Erkrankung der Eltern.In der Tabelle zu Geschlecht, Nationalität und Alter wäre es sinnvoller, Elternteile mitMigrationshintergrund zu erfassen anstatt „deutsch – nicht deutsch – unbekannt“. Einesinnvolle Fragestellung hierzu findet sich in den Fragebögen des StatistischenLandesamtes Rheinland-Pfalz. Hier wird nach der „Ausländischen Herkunft mindestenseines Elternteils (nicht Staaatsangehörigkeit)“ gefragt. Dies wird sinnvoll ergänzt durchdie Frage „In der Familie wird vorrangig deutsch gesprochen“ (Antwortoptionen Ja –Nein).In der Tabelle „Junge Menschen mit Behinderung als AdressatInnen der KSD“ istinsbesondere die Kategorie „Seelische Behinderung“ unzureichend definiert. Hierkönnte eine konkrete Aufzählung erarbeitet werden, was darunter einzuordnen ist.Sexuell übergriffige KinderIm Jahr 2008 hatten wir zwei Neuanfragen zu diesem Thema. Ein aus 2007übernommener Fall, in dem es zu einer Kooperation mit dem Jugendamt Landau in Formeiner Begleitung eines übergriffigen Jungen durch einen speziell ausgebildetenMitarbeiter kam, verlief sehr erfolgreich.Insbesondere bei jüngeren Kindern (Kindergarten- und Grundschulalter), die sexuellübergriffige Handlungen zeigen, machen wir zunehmend die Erfahrung dass es wenigsinnvoll ist, wenn ein großes Drama bei vielen Erwachsenen entsteht, da die Kinderdadurch extrem unter Druck geraten.Telefonische BeratungenIm Jahr 2008 gab es 63 telefonische Beratungsgespräche. Dabei ging es sowohl um dieWeitergabe von Informationen zu sexuellem Missbrauch, Misshandlung oderVernachlässigung als auch um eine Verweisung an andere Institutionen wie z.B.Erziehungsberatungsstelle, Jugendamt, andere Kinderschutzdienste, andere Angebotedes Kinderschutzbundes, Anwälte oder TherapeutInnen.9


FalldarstellungFallbeispiel aus der KindergruppeDer Kinderschutzdienst bietet nun schon seit fast drei Jahren eine fortlaufendetherapeutische Kindergruppe an. Die Gruppe wird von zwei Kinderschutzdienst-Mitarbeiterinnen nach der Methode des Kinderpsychodramas geleitet. Dabei inszenierendie Kinder nach vorheriger Absprache in der Gruppe eine Geschichte. Sie wählen dabeiselbst ihre Rollen aus. Die Leiterinnen „spielen mit“ und bringen sich ein, indem sie auchRollen übernehmen, in denen sie dann die Kinder unterstützen können.Das folgende Fallbeispiel soll die Entwicklung eines Kindes im Verlauf einer Gruppeveranschaulichen.Ronnie ist zu Beginn der Kindergruppe 8 Jahre alt und lebt seit 5 Monaten nicht mehr beiseinen Eltern. Zunächst verbringt er 3 Monate in einer Bereitschafts-Pflegefamilie, dannerfolgt ein Wechsel in eine Dauer-Pflegefamilie. Er erlebte in der HerkunftsfamilieVernachlässigung, körperliche Misshandlung, emotionale Vernachlässigung undMisshandlung, Alkoholismus der Eltern sowie Gewalt zwischen den Eltern. Bereits mit 6Jahren wurde bei ihm eine ADHS-Symptomatik diagnostiziert.Der Kontakt zum KSD wird auf Anregung des Jugendamtes von denBereitschaftspflegeeltern hergestellt. Sie erleben Ronnie als ein verschlossenes,verwirrtes Kind, das im Alltag viele Defizite , insbesondere Anzeichen emotionalerVerwahrlosung zeigt. Ronnie kommt zunächst zu Einzelkontakten in denKinderschutzdienst, nach 3 Monaten beginnt die Kindergruppe, in deren Verlauf Ronnienur in einer kritischen Phase nochmals parallel zur Gruppe zu Einzelterminen kommt.Parallel finden jeweils regelmäßig begleitende Gespräche mit den Pflegeeltern statt, indenen es um die Entwicklung Ronnies und das Verständnis seiner Bedürfnisse geht.Kurze Vorstellung der anderen Kinder in der Gruppe:Mike 8J. - erlebte körperliche und seelische Misshandlung, Trennung der Eltern vor ½Jahr, Mike lebt mit seiner Schwester, 10 J., bei der Mutter, die z.T. Mit der Situationüberfordert ist, gleichzeitig ihre eigene traumatische Kindheit aufarbeitet.Matthias 9J. - hat Sexuellen Missbrauch durch den Vater erlebt, außerdem Gewaltdes Vaters gegen die Mutter, die Eltern sind seit ½ Jahr getrennt, Matthias lebtmit seiner Schwester, 11 J., bei der Mutter.Kilian 11J. - erlebte häusliche Gewalt, Vernachlässigung, emotionalen Missbrauch(„Partnerersatz“), lebt bei Mutter und Stiefvater, hat eine Lernbehinderung. nach der Sommerpause kommt Mike nicht mehr in die Gruppe, dafürTil 8J. – erlebte sexuellen Missbrauch durch einen Nachbarn, der auch seine Muttervergewaltigte, infolge dessen kam es zu einem Selbstmordversuch des Vaters, ½Jahr später erlitt die Mutter einen Schlaganfall und ist dadurch immer nocheingeschränkt. Es steht ein Strafverfahren wegen Missbrauch und Vergewaltigungan.In der ersten Stunde der fortlaufenden Kindergruppe geben die Leiterinnen das Thema„Safaripark“ vor und Ronnie wählt die Rolle einer Katze, die noch ganz klein, verängstigtund unsicher ist. Die Katze lebt in einer Höhle, die ganz weich ausgepolstert ist.Zunächst ist die Katze sehr verschüchtert, schmiegt sich an die Tierpfleger (zweiLeiterinnen), als der Löwe (Matthias) laut brüllt und Lärm macht, reagiert sie stark undkratzt den Tierpfleger ganz heftig (Anweisung von Ronnie im Spiel: Du hättest jetzt einen10


ganz tiefen Kratzer auf dem Schenkel, bis auf die Knochen). Ronnie drückt damit seineigenes Erleben aus: „ich bin verletzt bis auf die Knochen“ (Ronnie erlebte bei seinenEltern viele lautstarke und auch handgreifliche Auseinandersetzungen, reagiert auf lauteGeräusche extrem mit Angst).Die Katze zieht sich dann in die Höhle zurück, kommt aber schon bald wieder herausund klettert auf das Gebäude drauf, stürzt dabei ab und bricht sich die Hinterpfote – dieTierpfleger bringen die Katze ins Krankenlager und schienen das Bein, Katze bleibt einbisschen liegen, dann humpelt sie auf drei Beinen... Wir verstehen Ronnies Spiel alsAusdruck seines Erlebens: „wenn ich das mache, was mir als Kind entspricht (so wie dieKatze klettern will...) stürze ich ab und verletze mich“. Die Katze wird versorgt, gepflegt,sie wird dafür bewundert, dass sie so gut auf drei Beinen humpeln kann, die Tierpflegerberaten sich untereinander und sprechen ab, dass sie auf die kleine Katze einfach nochsehr gut aufpassen müssen.In der dritten Stunde wählen die Kinder die Wiederholung des Spiels „Safaripark“.Ronnie wählt die Rolle einer 3 Jahre alten Wildkatze, dieser verstaucht sich dieHinterpfote, welche aber sehr bald wieder verheilt. Da die anderen Tiere, Löwe (Kilian) ,Gepard (Mike), weißer Tiger (Matthias) noch sehr klein sind und alle krank werden, z.T.sogar schwer krank, holt der Tierpfleger einen Arzt (Leiterin schlüpft in die Rolle), der dieTiere behandelt. Der Arzt gibt den Tieren Medizin und empfiehlt dem Tierpfleger, dass esgut wäre, wenn der kleine Löwe (ist auch noch ganz jung) und der kleine Gepard einMutter-Tier hätten, das sie versorgen würde.Die Wildkatze – die ja schon größer ist – kümmert sich um den Gepard, der erst 6Wochen alt ist und keine Mutter hat, und dazu noch sehr krank ist. Die Tierpflegerbeobachten es, kommentieren: Wie schön, der kleine Gepard, hat jetzt auch ein Tier daswie eine Mutter zu ihm ist, es geht ihm schon viel besser.Unsere Interpretation von Ronnies Spiel: In der Übernahme der Mutterrolle kann Ronniesein eigenes bedürftiges, verletztes Kind versorgen, er ist dabei ganz liebevoll undvorsichtig.In der 4. Stunde ist das Thema „Tierkrankenhaus“, die Kinder sind wieder Tiere, die alleVerletzungen haben, die von den Leiterinnen als Tierpfleger und Tierarzt versorgt werdenmüssen. Ronnie lässt sich als Wildkatze verarzten und pflegen, nimmt dann, als es ihmwieder besser geht, spielerisch Kontakt zu einer anderen Wildkatze auf.In der nächsten Stunde lasst Ronnie sich auf eine Veränderung ein, er schließt sich beider Rollenwahl Mike an - mit dem er in der vorigen Stunde intensiv gespielt hatte – beidesind Phönixe, die noch sehr klein und verspielt sind. Als es im Verlauf des Spieles zueiner Verletzung des anderen Phönix' kommt, übernimmt Ronnie spontan die Rolle desTierarztes und versorgt den kleinen Phönix ganz fürsorglich und kompetent.Nach einer dreimonatigen Pause (Sommerferien, Umzug des Kinderschutzdienstes insDachgeschoss) wird die Gruppe im neuen Gruppenraum fortgesetzt. Mike ist nicht mehrdabei, dafür kommt Til.Ronnie greift die Rolle der Wildkatze wieder auf und spielt in den nächsten Stunden inverschiedenen Variationen das Thema Mutter-Kind, Versorgen und Versorgt werden.Zunehmend traut er sich, sich in seiner Rolle auch kämpferisch, wild und aggressiv zuzeigen. Mehrmals werden Szenen gespielt, in denen die Wildkatze sich versteckt odergeraubt wird und sie sich durch ihre Klugheit, ihren Scharfsinn und ihre Kraft wieder11


efreien und aus dem Gefängnis ausbrechen kann. Diese Erlebnisse sind sehr wichtig fürRonnie, da er drin zunehmend an Selbstbewusstsein gewinnt. Er gestaltet immer wiederneue Spielszenen, in denen er sich mit seinen Stärken zeigen kann. Parallel nimmtRonnie auch immer mehr und intensiver Kontakt zu den anderen Kindern der Gruppe auf.Er spielt teilweise sehr intensive (Tier-)Freundschaften mit ihnen, plant gemeinsameAktionen, in denen seine kreativen Ideen und seine Phantasie zum Tragen kommen.Nach vielen Variationen in der Rolle der Wildkatze wählt Ronnie allmählich andereRollen: Mal ist er der Polizist, mal ein Kuckuck, mal ein Zauberer.In der Rolle des Kuckucks sorgt Ronnie auf beeindruckende Weise für seine Grenzen: Dieanderen Kinder wählen Raubtier-Rollen, Ronnie baut für sich als Kuckuck einen Wald, indem er wohnt. Der Wald ist durch einen reißenden Fluß vom Territorium der Raubtieregetrennt, so dass keine Gefahr besteht, dass diese ihm etwas tun können. Dies ist einBeispiel dafür, dass Ronnie zeigt, wie gut er selbst schon für seine Grenzen und seinenSchutz sorgen kann.In anderen, sehr machtvollen und überlegenen Rollen (Polizist, Zauberer) schafft Ronniesich selbst durch das Ausspielen von Größenphantasien Gegenbilder zu abwertendenoder minderwertigen Selbstvorstellungen.Ronnie hat in seiner Kindheit immer wieder massive Vernachlässigung erlebt, seineemotionalen Bedürfnisse wurden nicht verstanden und nicht befriedigt, seine Elternstanden beide häufig nicht zur Verfügung. Er zog sich mit seiner Katze in eine Kammerauf dem Speicher zurück und verbrachte dort ganze Tage alleine. Die Katze ist für ihneine wichtige Identifikationsfigur, sie hat ihm geholfen, die mangelnde Versorgung, diefehlenden Eltern, die Gewalt zu überstehen.Ronnie zeigte am Anfang massive Entwicklungsdefizite in der Selbstwahrnehmung undauch im Sozialverhalten. Im Verlauf der Gruppe hat er viele positive Erfahrungengemacht – durch Rückmeldungen an ihn über seine Fähigkeiten, seine Besonderheiten,seine Wichtigkeit, durch das Versorgt-werden, sich zuverlässig Versorgung abholen zukönnen, durch das Akzeptiert-werden in der Abgrenzung, mit der Aggression.Die Kindergruppe und die begleitende Elternarbeit war für Ronnie und seine neuePflegefamilie ein unterstützendes Angebot in einer krisenanfälligen Zeit. Ronnie hat sichvor allem durch die gelungene Integration in die Pflegefamilie stabilisiert. Er hat ausunserer Sicht eine gute Chance, dass seine Defizite und traumatischen Erfahrungenverarbeitet werden und ihn in seiner weiteren Entwicklung nicht mehr beeinträchtigenwerden.12


STATISTIKFallzahlen im Berichtsjahr 2008FallzahlDavon übernommeneFälle aus dem VorjahrAnfragen außerhalb desZuständigkeitsbereichsKurzberatungBeratungsfallKurzberatungBeratungsfallKurzberatungBeratungsfallKreis 15 58 22Stadt 5 32 13SonstigeGesamt 20 90 0 35 0 0davon aus:Landau 37Landau-Land 4VerbandsgemeindeAnnweilerVerbandsgemeinde BadBergzabernVerbandsgemeindeEdenkobenVerbandsgemeindeHerxheimVerbandsgemeindeMaikammerVerbandsgemeindeOffenbach182011857Dauer der BegleitungDauerBis zu 6 Monaten 366 bis 12 Monate 19Über 1 Jahr 32Über 3 Jahre 3Beendigung der BeratungGrund der BeendigungFallzahlKurzberatungBeratungsfallEinvernehmliches Ende 14 28Letzter Beratungskontaktliegt mehr als 0,5 JahrezurückWeiterverweisung /„Clearing“2 51 313


Kontaktaufnahme mit dem KSD durch ...Person(en) / Institution FallzahlJunger Mensch selbst 10Eltern gemeinsam 5Art der KontaktaufnahmeKontaktaufnahmeTelefonisch /AnrufbeantworterSprechstundeFallzahl85Mutter 36Vater 5Persönlich 3E-Mail 3Jugendamt (Soziale Dienste) 19VormundSchule 10Kindergarten, -tagesstätte 3Nachbarn, BekannteSonstige 2Gestaltung der KontakteForm der KontaktePersönlicher Kontakt mitdem jungen MenschenTelefonischer Kontakt mitdem jungen MenschenAusschließlich Kontakt mitEltern, Elternteil oderBezugspersonFallzahlSonstige (z.B. Mutter-Kind) 18563Kooperation mit anderen InstitutionenInstitutionFallzahlJugendamt 47Jugendhilfeeinrichtung(teilstationär und stationär)Krankenhaus, Arzt / Ärztin 4Schule 24Kindergarten, -tagesstätte,HortPolizei 2Frauenhaus 3Beratungsstelle 8Erziehungsbeistand,Jugendhelfer /Gericht, Anwalt / Anwältin 16Kinder- und3JugendpsychiatrieNiedergelassenePsychotherapeuten und - 2therapeutinnenSonstige Ämter 1857Sonstige 114


Geschlecht, Nationalität und Alter von Adressaten und Adressatinnen der KSDAlterGesamtfallzahlNationalität0-2 3-5 6-8 9-11 12-14 15-17 18-21D 1 2 10 11 15 16 2 57Weibl.ND 1 1 2U 0D 1 5 8 9 3 4 1 31Männl.ND 0U 0Gesamtfallzahl2 7 18 20 18 21 4 90Für die Zuordnung der Staatsangehörigkeit wurden folgende Abkürzungen verwandt:D =DeutschND =Nicht deutschU =UnbekanntProbleme und Alter von Adressaten und Adressatinnen der KSDMehrfachnennungen sind möglich, da hier nicht die Gesamtfallzahl erfasst wird.ProblemeAlter0-2 3-5 6-8 9-11 12-14 15-17 18-21AnzahlVernachlässigung 2 7 3 5 4 1 22Seelische Misshandlung 1 7 5 7 10 2 32Körperliche Misshandlung 2 5 7 7 8 2 31Sexueller Missbrauch 2 7 10 5 11 5 40Sonstige 2 3 5 4 4 3 21Anzahl 2 10 31 29 28 36 10 14615


Junge Menschen mit Behinderungen als Adressaten und Adressatinnen der KSDArt der BehinderungKBGBSBLBMBSEBSOBGesamtfallzahlGeschlechtAlterGesamtfallzahl0-2 3-5 6-8 9-11 12-14 15-17 18-21Weibl. 0Männl. 0W 0M 0W 0M 1 1W 1 1 2M 1 1 2W 0M 0W 1 1M 0W 0M 0W 0 0 0 1 1 1 0 3M 1 0 0 1 1 0 0 3Die Art der Behinderung beschreibend wurden folgende Abkürzungen verwandt:KB =KörperbehinderungGB =Geistige BehinderungSB =SinnesbehinderungLB =LernbehinderungMB =MehrfachbehinderungSEB =Seelische BehinderungSOB =Sonstige Behinderung16


Junge Menschen mit Behinderungen und deren ProblemeProblemeArt der BehinderungKB GB SB LB MB SEB SOBAnzahlVernachlässigung 4 1 5Seelische Misshandlung 2 2Körperliche Misshandlung 1 1Sexueller Missbrauch 1 1Sonstige 1 1 2Anzahl 0 0 1 8 0 2 0 11Straf- und Ermittlungsverfahren im BerichtsjahrEinleitung des Ermittlungs- /Strafverfahrens durchFallzahlJunger Mensch selbst 1Eltern(teil) oderFamilienangehörige/rAndere 5UnbekanntGesamt 148Mitwirkung des KSD bei GerichtsverfahrenArt der MitwirkungBericht / SchriftlicheStellungnahmeAussage vor GerichtBegleitung des jungenMenschen bei polizeil. oderrichterl. VernehmungBegleitung des jungenMenschen bei derHauptverhandlungStrafverfahrenFamiliengerichtsverfahren1 4Gesamt 4 43Fallzahl bei17

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