Gespiegelte Emotionen

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Gespiegelte Emotionen

Bild: Dario Acosta

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musik

Thomas Hampson hat eine grandiose Karriere gemacht. Dennoch liess er sich nie

einengen, ist sensibel und verletzlich geblieben, offen für euphorische Höhenflüge wie

für bohrende Tiefe der Kunst. Und hat sich sein kritisches Bewusstsein im Umgang

mit Stimme und Reflexion über die Jahrzehnte bewahrt. Zweifellos, Thomas Hampson

ist eine Ausnahmeerscheinung in der Klassikszene. Im Rahmen der Postfinance

Classics 2010 präsentiert er ein ebenso individuell zusammengestelltes wie klug

konzipiertes Programm. Und an der Zürcher Oper hat er gleichzeitig Premiere in Verdis

Schillervertonung «I Masnadieri». M&T traf den Bariton zum Gespräch.

Andrea Meuli

Thomas Hampson über die Faszination komplexer

Charaktere, Symbole und romantische Zerrissenheit

Gespiegelte

Emotionen

M&T: Jeder wird eine Zeitlang als junger Sänger

eingestuft, irgendwann als reifer Sänger. Thomas

Hampson, erlebt man diesen Wechsel, der in Wirklichkeit

ja eine Entwicklung ist, selber auch?

Thomas Hampson: Das ist eine interessante

Frage. Lange ist man am Anfang,

man ist oft der Jüngste, lernt alles neu –

und auf einmal ist man hin und wieder

sogar der Älteste! Bei mir war es vielleicht

etwas anders, da ich während meiner ganzen

Karriere so viele verschiedene Dinge

gesungen habe. Ich war ständig daran,

etwas Neues zu lernen und neue Herausforderungen

anzugehen. Ich habe aber

immer ebenso auf meine stimmlichen

wie auf meine dramatischen Fähigkeiten

geachtet und nicht zuletzt stets Figuren

verkörpert, die mich selbst faszinierten.


M&T: Was war Ihre Erfahrung beim Erschliessen dramatischerer

Partien? Nehmen wir als Beispiel Macbeth.

Was immerhin ein Risiko bedeutete.

Thomas Hampson: Auf jeden Fall. Und

hätte es nicht geklappt, hätte ich mich

überstrapaziert gefühlt, wäre ich diesen

Schritt natürlich sofort wieder zurückgegangen.

So gesehen war es schon ein

besonderer Moment für mich, als ich

mir sagen konnte: Ich schaffe das! Inzwischen

singe ich die Partie auch an

grösseren Häusern und habe gerade

eine neue Produktion an der Oper von

Chicago gemacht. Macbeth gehört inzwischen

zu mir.

M&T: Gibt es Rollen, bei denen Sie diesen Schritt zurück

tatsächlich gingen oder gehen mussten?

Thomas Hampson: Ja, es gibt eine Rolle,

die ich gerne nochmals singen möchte,

bei der ich jedoch nach meiner ersten

Erfahrung etwas gebremst habe. Das ist

Mandryka. Diese Rolle zu spielen macht

so viel Spass, doch gesanglich ist sie

schon im ersten Akt sehr anforderungsreich.

Vor allem jedoch in den Schauspielereien

des zweiten Aktes kann man

sich stimmlich verausgaben. Und da ich

dazu neige, ein szenischer Draufgänger

zu sein, musste ich schon vorsichtig sein.

Meine Stimme ist ja nicht unbedingt ein

klassischer Heldenbariton …

M&T: Eine sensible Stimme eher?

Thomas Hampson: Ich glaube sensibel

in dem Sinne, dass meine Stimme meine

Emotionen spiegelt.

M&T: Gab es auch bei Ihnen Zeiten, da Ihnen die

Leidenschaft für das Singen abhanden zu kommen

drohte?

Thomas Hampson: Ich bin von Natur

ein neugieriger Mensch und damit auch

risikofreudig. Ich liebe Herausforderungen

und habe eine breite Interessenslage

Musik und Theater gegenüber. Diese

Bereitschaft fand ich von Dirigenten und

Regisseuren, überhaupt von Opernhäusern

in aller Welt, sehr unterstützt. Und

darüber bin ich sehr glücklich. Auch

wenn meine Karriere dadurch manchmal

in ganz verschiedene Richtungen zu

führen schien, so war es für meine Entwicklung

wichtig, dass ich nicht auf ein

bestimmtes Fach eingeengt wurde. Ich

möchte aus eigener Sehnsucht und mit

aller Leidenschaft völlig unterschiedliche

und widersprüchliche Charaktere

mit meiner Stimme auf der Bühne theatralisch

glaubhaft machen.

M&T: Das zu leben ist ein Privileg.

Thomas Hampson: Das ist ein grosses

Privileg! Ich werde beschenkt in meinem

Leben, genau das tun zu können.

Im Übrigen ist es vielleicht interessant,

wenn ein Sänger wie ich sagt: Ich glaube,

Gesangstechnik sollte letzten Endes dazu

dienen, Unterschiedliches hörbar zu machen.

Ich möchte meine Stimme nicht

instrumental auffassen. Die menschliche

Stimme sollte sich Wandlungsfähigkeit

bewahren, mal zärtlich und lyrisch klingen,

mal zornig und voller Dramatik.

Basis, um dies alles auszudrücken, sollte

eine fundierte Technik sein, nicht ein

musik

künstlich festgelegtes Fach. Das ist der

Grund, warum ich grösste Mühe mit

Begriffen wie «Verdi-Bariton» oder «Barock-Spezialist»,

und was immer sich da

anbietet, habe.

M&T: Gibt die Stimme als Ihr Instrument nicht nur

eine dargestellte Figur, sondern auch die Psychologie

und das Wesen des Menschen Thomas Hampson

wieder?

«Ich neige dazu, ein

szenischer Draufgänger

zu sein»

Bild: Marco Borggreve

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musik

Thomas Hampson: Wenn ich als Sänger

eine Figur interpretiere, den Charakter

eines anderen Menschen also, kann ich

dennoch meine eigene Persönlichkeit

nicht ausblenden. Das muss auch nicht

sein – auch wenn ich privat natürlich

kein Don Giovanni bin … (lachend).

Wir sollten nie vergessen, jedes unserer

Rollenprofile bleibt immer noch Schauspielerei.

M&T: Die Stimmlage Bariton bietet über Don Giovanni

hinaus noch einige Bösewichte …

Thomas Hampson: Auf jeden Fall. Scarpia

zum Beispiel ist ein absoluter Bösewicht.

Heisst das, dass Thomas Hampson

auch etwas Teuflisches an sich haben

muss? Ich glaube das nicht, muss jedoch

irgendwo in eine psychologische

Tasche greifen können, um nicht dieser

widerliche Mensch zu sein, aber um ihn

darstellen zu können. Dabei haben wir

es als Sänger einfacher als ein Schauspieler,

der sich einzig auf den Text

stützen kann, wir haben dazu noch die

Musik. Und jeder Atemzug in der Oper

ist durch den Komponisten mehr oder

minder gegeben. Und wenn das ein Genie

wie Mozart, Verdi oder Puccini ist,

dann ist die halbe Sache schon gelaufen.

Damit drücke ich schon mein Anliegen

aus, dass wir mehr der Sprache der Musik

vertrauen sollten als bloss interessante

Bilder und Harmoniewechsel zu

beobachten.

«Das sind erfüllende

Momente, in denen

man den eigenen

Herzpuls wahrnimmt»

M&T: Dennoch scheint es schwierig, noch so interessante

Werke abseits des gängigen Repertoires dem

Publikum nachhaltig näher zu bringen. Sie haben es

mehrfach versucht, Gegensteuer zu geben, ob mit

der französischen Fassung von «Don Carlo» oder der

kaum gespielten Hamlet-Vertonung von Ambroise

Thomas. Wie stark ist man als Sänger gegenüber den

Zwängen des Marktgängigen ausgesetzt?

Thomas Hampson: Trotz aller Bemühungen

der damals Beteiligten – und

heute wäre so eine Produktion nicht

mehr möglich – hat sich diese französische

Fassung von «Don Carlo» nicht

etablieren können. Und das, obwohl

sie Verdi selber ungemein wichtig war.

Dennoch gebe ich nicht auf, daran zu

glauben, dass wir als Sänger unserem

Publikum Vertrauen vermitteln können,

die eine oder andere Begegnung

mit einem «unbekannten» Werk zuzu-

Bild: Marco Borggreve

Thomas Hampson: «Ich habe aber immer ebenso auf meine stimmlichen wie auf meine dramatischen

Fähigkeiten geachtet und nicht zuletzt stets Figuren verkörpert, die mich selbst faszinierten.

lassen. Dazu zähle ich unbedingt Busonis

«Doktor Faust», den ich in Zürich

gemacht habe. Es ist doch erstaunlich

und eigentlich unvorstellbar, dass Busoni

– der berühmteste Pianist seiner Zeit,

einer der bedeutendsten Musikwissenschaftler

und Philosophen – so völlig

in Vergessenheit geraten ist. Sicherlich

sind wir Sänger bereit, solche Stücke

vorzustellen, doch vieles lässt der sehr

kommerziell gewordene Musikbetrieb

nicht mehr zu.

M&T: Es fällt auf, dass Sie zahlreiche Rollen und Projekte

angehen, die literarisch geprägt sind. Ist das so?

Thomas Hampson: Mich interessieren

vor allem die literarischen Zusammenhänge,

die den Stücken zugrunde liegen.

Ich nehme für mich die ganze Literaturwelt

als einen symbolhaften Versuch,

Fantasie zu formulieren. Die Fantasie eines

Autors ruft in uns Emotionen wach.

Musik ist vielleicht einfacher wahrzunehmen,

allerdings mit der Gefahr, dass

da und dort etwas empfangen wird, was

unter Umständen gar nicht so gemeint

war. Literatur beruft sich viel mehr auf

die Kraft der Metapher, auf die Darstellung

eines Inhalts durch etwas anderes.

Das gefällt mir.


M&T: Auch Ihr Programm dieser Konzerttournee atmet literarischen Geist:

«Ernani» ist Victor Hugo, «Corsaro» ist im Ursprung Byron – «Hamlet» und

so weiter.

Thomas Hampson: … diese Metaphernwelt ist schon ein

Versuch, Symbole und Zusammenhänge mittels geschriebener

Sprache zu durchleuchten, die Fantasie anzuregen.

Und das ist eine enorme Welt! Die dürfen wir nicht auf

ein Taschenformat verkleinern. Ich lade alle ein, sich auf

dieses grandiose Abenteuer von Fantasie, Intuition und

versteckten Zusammenhängen einzulassen. Das macht für

mich wesentlich den Zauber unserer Kunstform aus. Wenn

wir Kunst betrachten, vermittelt sie uns einen Hinweis auf

das Dasein und nicht eine Darstellung dieses Daseins.

M&T: Die Kunst, verstanden als Möglichkeit, unser eigenes Ich zu spiegeln?

Thomas Hampson: Nur Selbstdarstellung ist mir nicht

genug. Wenn ich eine bestimmte Kultur verstehen möchte,

worauf greife ich zurück? Da bietet mir die Kunst eine

gute Grundlage, Symbole zu suchen, die als Metaphern

für das Wesen dieser Kultur stehen. Das sollten wir auch

in unserer modernen Zeit nicht vergessen, da alles nicht

wissenschaftlich Verifizierbare sofort in Frage gestellt

wird. Denn damit vermindern wir das Verständnis unserer

eigenen Kultur ebenso wie jenes anderer Kulturen, des

Gewesenen unseres Daseins, und verengen unseren Blick

auf die Vordergründigkeiten unseres täglichen Lebens.

Der Künstler hat diese Herausforderung, dieses Privileg

und auf jeden Fall die Verantwortung, solche Vertiefungen

unseres Daseins hörbar oder sichtbar zu machen.

M&T: Wie stellen Sie ein Konzertprogramm zusammen, nehmen wir als Beispiel

jenes aktuelle für diese Postfinance-Tournee?

Thomas Hampson: Nie als zufällige Aufreihung von Werken!

Ich möchte Repertoire und Zusammenhänge in einem

Programm anbieten, welches einem Publikum – ob

in Zürich, München oder New York – neue Perspektiven

anbietet, den Horizont erweitert. Für diese Tournee habe

ich eine Verbindung von bekannten Stücken und Trouvaillen

gesucht, zum andern einen Querschnitt durch besondere

Vorlieben meines Repertoires …

M&T: … mir scheint es ein Spiegel dessen zu sein, was Sie seit Jahrzehnten

leidenschaftlich vertreten, vergessenes französisches Repertoire zum

Beispiel.

Thomas Hampson: Das ist schon so. Und gerade dieses

Repertoire bleibt nach wie vor eine Herzensangelegenheit.

Es tut mir auch sehr leid, dass der Interessenspegel

gerade für diese Werke von Thomas bis Massenet sogar

in Frankreich selbst sehr tief geblieben ist, ja eher noch

abgenommen hat.

M&T: Woran liegt das, dass dieses literarisch geprägte 19. Jahrhundert eher

stiefmütterlich behandelt wird?

Thomas Hampson: Die Franzosen sind sehr fasziniert von

der Barockwelt – das hat die Pflege des 19. Jahrhunderts

etwas in den Hintergrund gedrängt, was ich sehr schade

finde. Ich selber war in der letzten Zeit sehr mit amerikanischem

Repertoire beschäftigt und derzeit tritt Mahler

für mich in den Vordergrund, so dass ich Chausson,

Duparc oder Massenet auch ein wenig vernachlässigen

musste. Aber zu meinem eigenen Genuss wird das schon

wieder kommen!

M&T: Ist denn Massenet mehr als musikalisches Parfüm, mehr als eine virtuos

komponierte Zeiterscheinung?

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musik

Thomas Hampson: «Die menschliche Stimme sollte sich Wandlungsfähigkeit bewahren, mal

zärtlich und lyrisch klingen, mal zornig und voller Dramatik.»

Bild: Dario Acosta

Thomas Hampson: Oh natürlich! Massenet

ist Verdi ebenbürtig, einer der

grössten «psychologischen» Komponisten.

Dass man seine Musik gering schätzt

oder gar belächelt, verstehe ich überhaupt

nicht. Natürlich wissen wir, dass

mit dem Genie Debussy die französische

Musikgeschichte in eine ganz andere

Richtung gegangen ist. Es war sicher

auch eine gewisse soziologische Abwehr,

das ganze späte 19. Jahrhundert, welches

stark von der deutschen Harmonieentwicklung

beeinflusst wurde – Massenet,

Thomas, Chausson, Franck, Saint-Saens

–, mit einem harten Strich wegzuschieben.

Massenet kennt man normalerweise

von «Manon» oder von «Werther».

Das sind zwei ganz verschiedene Welten,

und ich selber mag die «Manon»-Welt

Massenets nicht sehr. Vielmehr liebe

ich Werke wie «Thaïs», «Esclaramonde»

oder «Werther», auch seine späteren

Werke verkörpern eine musikalische

Welt, die mich anspricht. Und vergessen

wir nicht, Massenet hat mehr Lieder geschrieben

als Richard Strauss – 258 Lieder.

Warum werden sie nicht aufgeführt?

Ich habe auch keine Antwort darauf.

M&T: Der ganze zweite Teil Ihres Programms ist –

kaum zufällig – Verdi gewidmet. Immerhin hat Verdi

dem Bariton einige seiner interessantesten Partien

zugedacht.

Thomas Hampson: Auf jeden Fall. Verdi

verkörpert im späten 19. Jahrhundert

die Vollendung romantischer Zerrissenheit.

Das drückt sich ganz wesentlich in

seinen Bariton-Partien aus, ob Posa oder

Renato, Luna oder Boccanegra, Macbeth

oder Falstaff. Das alles sind ganz

verschiedene Charaktere, auch musikalisch.

Mich interessiert mich vor allem,

diese unterschiedlichen Individualitäten

mit ihren Gedankenwelten zu gestalten,

auf die Bühne oder auf das Konzertpodium

zu bringen.

M&T: Marquis Posa aus «Don Carlo» ist ein gutes

Beispiel dafür, dessen grosse Sterbeszene Sie

singen …

Thomas Hampson: «Don Carlo» ist ein

gigantisches Werk! Wäre die Konfrontation

zwischen Monarchie und Kirche im

Spanien Philipps II. anders ausgegangen,

hätten sich Demokratie und modernes

Leben nie so entwickeln können, wie es

tatsächlich geschehen ist. Ich liebe diese

Oper, sie ist mehr als schöne Musik, vielmehr

auch eine ergreifende menschliche

Auseinandersetzung, gerade in der

Abschiedsszene zwischen Posa und Don

Carlos. Ein anderes berührendes Beispiel

findet sich im «Maskenball», wenn

Renato in seiner Arie «Eri tu che macchiavi»,

gleichsam wie ein verwundeter

Löwe, dem man das Herz herausreisst,


Thomas Hampson als Doktor Faust von Busoni in der Inszenierung von Klaus Michael Grüber

2006 am Zürcher Opernhaus.

die Abwendung seiner geliebten Amelia

beklagt. Das ist mehr als eine Klage über

die Untreue einer Frau, den Betrug

seines besten Freundes, hier bricht der

Abgrund einer Emotionswelt auf – in

einer musikalischen Sprache von einer

Schönheit und einer Komplexität, die

unvergleichlich ist. Die Welt des reifen

Verdi ist für mich überwältigend.

M&T: Wie sehen Sie Verdis Vaterfiguren?

Thomas Hampson: Verdi hat jede dieser

Figuren perfekt vertont, er erweist sich

auch als überaus feiner Psychologe. Zum

Beispiel auch in den Melodien, die er

dem Vater Germont zugedacht hat. Wie

er hier die Fragilität des Lebens in wunderbaren

Kantilenen beschreibt – das ist

schon einmalig.

M&T: Gibt es eine Entwicklung der Figuren vom frühen

bis zum späteren, sogenannt reifen Verdi?

Thomas Hampson: Und wie!

M&T: Renato wäre demnach eine reichere Figur als

Nabucco …

Bild: Suzanne Schwiertz

Thomas Hampson: … für mich schon.

Die Figuren sind vielschichtiger, die

menschliche Dimension weitet sich.

Verdis Reifeprozess manifestiert sich in

zahllosen Interaktionen zwischen den

Figuren in der jeweils dargestellten Welt.

So gesehen war «Nabucco» kein Zufall,

hier wird sozusagen eine Epoche thematisiert.

«Un ballo in maschera» hingegen

hat eine sehr bestimmte, intime Handlung

– der historische Rahmen tritt in

den Hintergrund. Diese Sicht nahm im

Lauf seines Komponistenlebens mehr

und mehr zu. Und am Schluss kam dann

Falstaff, der in penibel genauen Details

das grösste menschliche Universum mit

all seinen Überlegungen umreisst. Alle

grossen Kunstwerke künden davon, dass

die profundesten Momente im Leben

die einfachsten sind. Viele grosse Figuren

von Verdi bis Wagner und Mahler

sind am Ende ihres Lebens mit dem

Existenziellen beschäftigt. Sie verabschieden

sich von aller Dogmatisierung

und der Frage, wie und was man vollbringen

soll.

musik

M&T: Thomas Hampson, welche Erfahrung soll und

kann ein Konzert, kann eine Aufführung vermitteln?

Thomas Hampson: Ich möchte, dass die

Erfahrung eines Konzerts, wie unterhaltend

oder faszinierend es auch sein

mag, in jedem einen Funken entzündet,

der sein Leben bereichert und ihm vielleicht

auch den Hauch einer unbekannten

Perspektive eröffnet: Dass man sich

an der Schönheit der Musik freuen kann

oder sich fragt, woher diese Schönheit

kommt, warum eine bestimmte Musik

gesungen wird und was sie bedeutet. Das

sind erfüllende Momente, in denen man

den eigenen Herzpuls wahrnimmt.

Postfinance Classics 2010

Thomas Hampson singt Szenen und Arien

von Peter Tschaikowsky, Jules Massenet,

Ambroise Thomas und Giuseppe Verdi.

Es begleitet die Württembergische Philharmonie

unter Ola Rudner.

Genf, Victoria Hall

Dienstag, 7. Dezember 2010, 20.00 Uhr

Basel, Stadtcasino

Freitag, 10. Dezember 2010, 19.30 Uhr

Bern Casino

Dienstag,14. Dezember 2010, 19.30 Uhr

Luzern KKL

Freitag, 17. Dezember 2010, 19.30 Uhr

Bern Casino

Dienstag, 21. Dezember 2010, 19.30 Uhr

Zürich Tonhalle

Dienstag, 28. Dezember 2010, 19.30 Uhr

Karten:

www.postfinance.ch/ticket,

0900 800 810 (CHF 1.19/Min)

«I Masnadieri»

Thomas Hampson singt den intriganten

Francesco Moor in einer Neuproduktion von

Verdis selten gespielter Schiller-Vertonung

der «Räuber» am Opernhaus Zürich Premiere

haben «I Masnadieri» am 5. Dezember

2010. Weitere Vorstellungen bis 2. Januar

2011.

Adam Fischer dirigiert, Guy Joosten inszeniert

in Bühnenbild und Kostümen von Johannes

Leiacker. In weiteren Hauptrollen

sind Isabel Rey (Amalia), Carlo Colombara

(Massimiliano Moor) und Fabio Sartori (Carlo)

zu erleben.

www.opernhaus.ch

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