PREDIGT ÜBER DAS 2. GEBOT - Apostolische Dokumente

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PREDIGT ÜBER DAS 2. GEBOT - Apostolische Dokumente

church documents a-2102.docverboten. Der Bettler weiß vielleicht wohl, dass in derBibel steht: „Gib dem, der dich bittet, und wende dichnicht (ab) von dem, der dir abborgen will" (Matth. 5,42), er will aber nichts wissen von dem Wort Gottes,das nicht nur dem Habenden befiehlt zu schenkenund zu borgen, sondern auch dem Armen zu betenund zu arbeiten mit seinen Händen, auf dass er selberhabe, zu geben dem Dürftigen, denkt nicht an dasWort: „Der Gottlose borgt, und bezahlt nicht" (Ps. 37,21). Er hält dafür, Gott sei auf seiner Seite, weil erIhm im Herzen seinen eigenen, schwachen Charakterandichtet.Wer den Sonntag mit seinem irdischen Gewerbeentheiligt, wähnt sich himmelhoch erhaben über denWucherer, der dem Verschwender den letzten Batzenabnimmt, denn er meint, Gott nehme es nicht so genaumit dem Sonntag, wenn man nur niemandem etwaszuleide tue und für seine Familie sorge, aber mitdem hartherzigen Geizhals und mit dem pflichtvergessenenFamilienvater werde er gewiss scharf insGericht gehen.Viele missbrauchen den Namen Gottes im täglichenGespräch, indem sie ihn unnötig zu hundertMalen am Tag anrufen, meinen aber nicht, dass esdem lieben Gott so ernst sei damit, Er werde dennicht ungestraft lassen, der Seinen Namen missbrauchurchdocuments a-2102.docche, aber der und der sei ein schrecklicher Mensch,der offen erklärt habe, er glaube nicht an JesumChristum als an den Sohn Gottes, dem müsse eseinmal übel ergehen bei seinem Tod.Der Mensch, der seinen Eltern Verdruss und Unehremacht, geringschätzig von denen spricht, denener sein Leben verdankt, nimmt seine Sünde gegen Vaterund Mutter nicht so schwer, während er vielleichtdoch vor einem Mord oder Diebstahl zurückschreckenwürde.Die Menschen, die ihren Leib selbst beflecken,sind gewöhnlich der Ansicht, dass sie nicht so tief gesunkenseien wie die Hurer und Ehebrecher, da siesich doch nicht haben vom anderen Geschlecht verführenlassen und selbst niemand verführt haben; sieschätzen also ihre Sünden nicht so schwer wie diejenigenanderer Leute.Wer aus Klatschsucht, aus Absicht oder sträflicherUnwissenheit andere verunglimpft oder falschesZeugnis gibt, hält sich doch nicht für so strafbar wiez. B. den Dieb oder den Totschläger.Kurz, jeder unbußfertige Mensch glaubt vor Gottmit seinen Fehlern und Sünden eher bestehen zukönnen als andere, deren Eigenheiten und Verirrun-Seite 11Seite 12


church documents a-2102.docchurch documents a-2102.doctigkeit nicht ablegen kann, um uns mit unseren Sündenselig zu machen, musste dieser Sein Sohn alsMensch für uns leiden und sterben, musste Er dieganze Schuld und Strafe auf sich nehmen und Genugtuungleisten. Wenn Gott das Seinem eingeborenenSohn beim Erlösungswerk nicht ersparen konnte,wie sollte Er uns die schrecklichen Folgen der Sündeersparen können, wenn wir das Heilmittel, Buße undGlauben, in diesem Leben nicht anwenden wollen?Wir dürfen uns Gottes Zorneseifer gegen dieSünde nicht so vorstellen, wie den Zorneseifer irgendeinesMenschen gegen einen fehlbaren Untergebenen.Wenn Er sich in dem durch Menschen niedergeschriebenenWort auch ganz zu menschlicher Ausdrucksweiseherabgelassen hat, um auch von denEinfältigsten verstanden zu werden, so dürfen wirdoch nicht vergessen, dass Gottes Eigenschaften undGedanken himmelhoch über die edelsten Eigenschaftenund Gedanken der Menschen erhaben sind. Gotthat keinen Gefallen an der Strafe, so wenig als an derSünde, aber Sünde ohne Strafe ist eine Unmöglichkeit.Könnte die Sünde vor Gott bestehen, so müssteEr Seine Heiligkeit und Gerechtigkeit dahingehen,und dann gäbe es ja erst recht keine ewige Ruhe undSeligkeit, dann würde auch der Himmel zu einer Hölle.Gott kann also auch um Seiner Liebe willen dieSünde nicht bestehen lassen, soll sie aber nicht bestehen,so muss sie ein tötendes Gift bleiben für alle,die damit zu tun haben. Und gegen dieses Gift darf esauch nur ein Heilmittel geben, nämlich Buße undGlauben in Christo Jesu. Ein Reich, das mit sichselbst uneins ist, kann nicht bestehen, das weiß sogarder Teufel, wie sollte Gott diese Weisheit verleugnen?Die zeitliche Folge der Sünde, das ( Elend, dassie uns bringt und das bis ins dritte und vierte Gliedanhält, ist eine Naturnotwendigkeit und ist uns sehrheilsam, wie alles, was Gott tut und zulässt, denenzum Besten dienen muss, die Ihn lieben und suchen.Das Elend um uns her und das Elend in und bei unsselbst ist uns eine beständige Warnung und Mahnung,und es kann und soll uns auch eine Bewahrungvor weiterer und größerer Sünde sein.Es gibt Erlösung und Heilung von Übeln undLeiden mancher Art ohne Buße und Glauben, abersolche Befreiung dient niemandem zum Heil und Segen,sie macht vielmehr die Kette der Sünde nur härterund schwerer. Darum ist es eine Torheit, Hilfe gegenallerlei Übel zu suchen, ohne seine Sünden zu erforschenund sich davon reinigen zu lassen, und wersolches tut, leistet dadurch den Beweis, dass er einfalsches Bild von seinem HErrn und Gott im Herzenträgt.Seite 17Seite 18


church documents a-2102.docchurch documents a-2102.docEs ist überhaupt nicht die Hauptsache und nichtzu wünschen, dass wir in diesem Leben von allemLeid und Leiden befreit werden. Die Hauptsache ist,ob wir Frieden haben mit Gott, mit dem Gott, der unsin den heiligen zehn Geboten entgegentritt, nicht mitden verschiedenen Göttern, welchen die Menschen inihren Herzen Bilder aufgerichtet haben. Haben wirdurch Hinwegschaffung jeglicher Sünde Frieden mitGott gemacht, und haben wir auch Seinen Friedenempfangen, dann drückt uns das Kreuz nicht mehrallzu schwer, das wir etwa als eine Folge eigener oderfremder Sünden zu tragen haben, sondern es ist unseine Ehre und ein Segen. Ist es aber gut, dass wir esablegen dürfen, so nimmt der liebe Gott es uns auchganz gewiss ab, zu Seiner Ehre.Wenn wir das zweite Gebot befolgen und uns alsobestreben, Gott so zu kennen und zu verehren, wie Ersich uns geoffenbart hat, so lässt uns Gottes Gnadedazu gelangen, dass wir Ihn in der rechten Weise liebenund fürchten.Wer dazu gekommen ist, der weiß, dass darin einVorgeschmack der ewigen Seligkeit liegt und findetdort die Erfüllung der in diesem Gebot enthaltenenVerheißung: „Und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden,die mich lieb haben und meine Gebote halten"(2. Mose 20, 6).Es gibt keine andere Seligkeit als diejenige, welcheaus der Einheit mit Gott hervorgeht, aus demFrieden und der Freundschaft Gottes, der die Liebeist. Alles, was geschaffen ist, ist von Gott und zu Gottgeschaffen und hat also keinen Bestand ohne GottesWohlgefallen. Gott sucht also unser Allerbestes, indemEr uns zu sich ziehen will, wie Er es in den heiligenzehn Geboten tut. Namentlich das heute besprocheneGebot ist ein eigentlicher Warn- und Lockrufunseres himmlischen Vaters, dessen Wille in SeinerBarmherzigkeit und Liebe dahin geht, dass niemandverloren gehe, sondern alle das ewige Leben habenmöchten.„Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinenAugen meine Wege wohl gefallen" (Spr. 23, 26), so redetGott im zweiten Gebot zu uns. Niemand kann derStrafe für die Sünde entrinnen, weil sie in der Sündeselbst liegt und durch die böse Tat ins Innerste desMenschen eindringt, um ihn zu verderben. Für denGehorsam aber verheißt uns Gott der HErr ErweisungenSeiner Barmherzigkeit auf Kind und Kindeskind.Wie mit der Strafe, so verhält es sich auch mit demSegen: Er ist eine naturgemäße Folge der Gesinnungund der Taten. Wie das Böse fortzeugend immer Bösesgebiert, so ist der Segen der guten Gesinnung, derSegen der rechten Gottesliebe und Gottesfurcht einSeite 19Seite 20


church documents a-2102.docchurch documents a-2102.docSame, der vielen zugute kommt, ein guter und keimkräftigerSame.Wir denken nur zu wenig daran, wie das vieleGute, das wir von Kindesbeinen an genießen, der Erfüllungjener Verheißung im zweiten Gebot zuzuschreibenist: „Und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden,die mich lieb haben und meine Gebote halten".Durch Menschen, die Gott liebten und fürchteten,ist das Wort Gottes uns überliefert und rein erhaltenworden, durch ebensolche ist Gesittung undOrdnung in Staat und Familien auf uns gekommen;fromme und gottesfürchtige Männer zumeist sind esgewesen, die für alle Menschen segensreiche Entdeckungen,Erfindungen gemacht und gute Einrichtungengeschaffen haben, die uns zugute kommen.Gabe oder Schickung Gottes genießen oder ertragenmöchten! O, dass wir allezeit den Zuruf in unseremHerzen vernähmen:„Ich bin der HErr, dein Gott. Ich selbst will dirallezeit nahe, o, so nahe sein und mit dir reden, willdich an der Hand führen nach Meinem Rat der Liebeund Barmherzigkeit, um dich endlich zu Ehren annehmenzu können. Du sollst dir kein Bildnis, nochirgend ein Gleichnis machen, es anzubeten oder dichdanach zu richten, der Vergängliche nach dem Vergänglichen.Denn Ich der HErr, dein Gott, bin ein eifrigerGott, der dich teuer erkauft und bezahlt hat,damit du nicht verloren gehst. Ich bin dein Gott, deinSchöpfer und dein Erlöser, der um dich eifert unddich selig zu machen sucht mit heiligem Liebeseifer."Von guten und frommen Vorfahren geht ein großerund anhaltender Segen aus auf viele Geschlechterund mancher Gottlose genießt ihn mit, ohne sich daranzu kehren, ohne dafür zu danken oder sich auchnur Rechenschaft dafür zu geben. Und im gottlosenGenuss solchen Segens versündigt sich dann wiedermancher, ähnlich wie man sich beim unwürdigenEmpfang eines Sakraments versündigt, so dass derSegen zum Unsegen wird. O, dass wir doch alle gelernthätten, alles aus Gottes Hand anzunehmen, wasuns zuteil wird oder zustößt, und es auch als eineDie ersten zwei Gebote sollen unsere Herzen ganzauf Gott richten. Gelingt das bei uns, dann ergibt sichdie Erfüllung aller anderen Gebote von selbst. Sie lehrenuns die Furcht und Liebe gegenüber Gott. Darumsagt auch Luther in seinem Katechismus bei jedemGebot: „Wir sollen Gott lieben und fürchten, dass wirSeinen Namen nicht missbrauchen, den Sabbat halten,dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachtennoch erzürnen, dass wir nicht töten, nicht stehlen,nicht ehebrechen" und so weiter.Seite 21Seite 22