Stand der Technik bei der Ernte von Energiewäldern

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Stand der Technik bei der Ernte von Energiewäldern

Freitag, 11. Juni 2004 Waldhackschnitzel

Nummer 46 · Holz-Zentralblatt · Seite 611

Stand der Technik bei der Ernte von Energiewäldern

Fortsetzung von Seite 610

mit einer auf dem Sägeblatt montierten

vertikalen Hackschnecke zerkleinert.

Das Hackgut wird dann entweder auf

ein parallel fahrendes Schlepper-Anhänger-Gespann

(Parallel-Verfahren)

oder auf einen vom Ernteschlepper gezogenen

Anhänger geworfen (Bunkerverfahren).

Fäller-Bündler

Seit einigen Jahren bieten die Firmen

Timberjack und Waratah einen speziellen

Mehrfach-Fällkopf mit Bündeleinrichtung

für Harvesterfahrzeuge an.

Einsatzbereiche sind Durchforstungen,

die Ernte von Energiewäldern, aber

auch die Pflege von Wegböschungen

und Hochspannungstrassen. Im Gegensatz

zu einem Harvesteraggregat verfügt

der neue Fällkopf weder über Vorschubwalzen

noch über eine Kettensä-

ge. Stämme bis zu einem Trenndurchmesser

von 20 cm werden mit einem

waagrecht bewegten Fällmesser vom

Stock getrennt.

Mit zwei Paaren von Greifklauen, die

der Fahrer abwechselnd öffnet und

schließt, können mehrere Bäume geerntet

und gebündelt werden. Durch den

Einsatz dieses neuartigen Fällkopfs will

man die hohen Kosten bei der Ernte

von Bäumen mit geringer Stückmasse

senken und eine wirtschaftliche Ernte

bisher defizitärer Sortimente vor allem

für energetische Zwecke ermöglichen.

Im Februar 2002 konnte zum ersten

Mal in Deutschland diese neue Maschine

auf einer Energiewald-Versuchsfläche

in Niederbayern getestet werden.

Der Fällkopf war auf einem Harvester

Timberjack 870 montiert. Die an den

Rändern der Versuchsfläche abgelegten

Austoft-Mähhäcksler bei der Ernte von fünfjährigen Pappeln Foto: Burger, LWF

Pappelbündel wurden zwei Monate

nach der Ernte mit einem Forwarder gerückt

und anschließend von zwei stationären

Großhackern gehackt. Der vorgestellte

Fäller-Bündler kommt aufgrund

seiner intermittierenden Arbeitsweise

und der dadurch bedingten geringen

Flächenleistung nur für Bestände

mit Umtriebszeiten ab etwa sieben Jahre

in Betracht. Kontinuierlich arbeitende

Fäller-Bündler, die die Bäume in einem

Arbeitsgang schneiden und auf einem

Anhänger oder auf dem Boden ablegen,

sind in der Praxis bisher selten zum Einsatz

gekommen und können daher

nicht beurteilt werden (Danfors 1992;

Wippermann und Stampfer 1995).

Harvester

Selbstverständlich eignet sich auch

die normale Harvestertechnologie zur

Ernte von schnellwachsenden Bäumen.

Da der Harvester jedoch jeden Baum

einzeln fällen und ablegen muss, empfiehlt

sich der Einsatz nur bei stärkeren

Pappeln. Ein Harvester wurde bei der

erstmaligen Ernte des zehnjährigen

Umtriebs der Versuchsfläche Wöllershof

(Oberpfalz) eingesetzt. Die gefällten

Bäume wurden kurze Zeit später von

einem Forwarder gerückt und anschließend

an einem zentralen Platz

gehackt.

Verfahrenskosten

Tabelle 2 gibt einen Überblick über

Kosten und Leistung einiger Arbeitsverfahren

für die Ernte von Energiewäldern.

Die Daten wurden durch orientierende

Zeitstudien bei Ernteeinsätzen

der Bayerischen Landesanstalt für Wald

und Forstwirtschaft ermittelt. Das motormanuelle

Verfahren, der Gehölzmähhäcksler

und der Fäller-Bündler

wurden in fünfjährigen Pappelbestän-

Hacken der Pappeln mit einem mobilen Einachshacker Foto: Burger, LWF

den getestet. Der Harvester erntete einen

zehnjährigen Pappelbestand. Seine

Kosten- und Leistungswerte können

mit den übrigen Verfahren deshalb

nicht verglichen werden und geben nur

einen Anhaltspunkt für die absoluten

Kosten (Tabelle 2).

Zusammenfassung

und Ausblick

Die anbautechnischen Grundlagen

bei der Landnutzungsform Energiewald

sind weitgehend geklärt. Im Durchschnitt

mehrerer Umtriebe können die

geforderten 10 tatro Biomassezuwachs

pro Jahr und Hektar erzielt werden.

Hinsichtlich der Ernte der Bäume und

Lagerung der Hackschnitzel gibt es hingegen

noch einige offene Fragen.

Die Arbeiten der nächsten Jahre sollten

sich daher auf die technische und

ökonomische Optimierung dieser Bereiche

konzentrieren.

Literatur

Burger, F.; Sommer, W. (2003): Von der Pappel

bis zum Hackschnitzel – Moderne Erntetechnik

für Energiewälder. In: LWF aktuell

Nr. 39, S. 4–6

Danfors, B. (1992): Salixodling – Maskiner, Arbetsmetoder

och ekonomi (Weidenanbau –

Maschinen, Methoden und Ökonomie). Bericht

Nr. 436, Swedish Institute of Agricultural

Engineering, Uppsala

Hartmann, H.; Thuneke, K. (1997): Ernteverfahren

für Kurzumtriebsplantagen. Landtechnik-Bericht,

Heft 29, Bayerische Landesanstalt

für Landtechnik, Weihenstephan

Scholz, V.; Idler, C. (2001): Mikrobiell bedingte

Trockenmasseverluste bei der Lagerung von

Feldholz-Hackschnitzeln. In: Tagungsband

des 10. OTTI-Symposiums „Energie aus Biomasse“,

Kloster Banz 22./23.11.01, S.

389–394

Wippermann, J.; Stampfer, K. (1995): Entwicklung

von Erntemaschinen für Energieholz-flächen.

In: Holz-Zentralblatt Nr. 1 und Nr. 16 S. 6–8,

274–276

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