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di s k u s s i o n |Michael SonntagKollektive Selektivverträgezur Kinderbehandlung?Ein DenkanstoßSeit ihrer Einführung sind die mit dem § 73c SGB Vermöglichten Selektivverträge von der Zahnärzteschaftmassiv kritisiert worden. Verträge, die von derIntention her nur mit einem Teil der Zahnärzte abgeschlossenwerden sollen, führen unweigerlich zurAufsplitterung und Entsolidarisierung der Zahnärzteschaftund auf Dauer zur wirtschaftlichen (und fachlichen?!)Abhängigkeit beteiligter Zahnärzte. Wennsolche Verträge sich dann auch noch aus dem Budgetoder späteren gemeinsamen Töpfen bedienen, schädigensie uns alle direkt.Anders kann es aussehen, wenn sich KZVen diesesInstruments für kollektiv gestaltete Verträge bedienenund Krankenkassen überzeugt werden können,zusätzliche Mittel zum direkten Nutzen ihrer Versichertenbereitzustellen. Derartige Ansätze gibt es ineinigen KZV-Bereichen wie beispielsweise in Westfalen-Lippefür die Bereiche Parodontitistherapieund Endodontie.Ein solches Herangehen ist auch für die Behandlungvon Kindern denkbar, da einerseits der Nutzenfrühzeitiger Therapien und prophylaktischer Maßnahmenunbestritten ist, andererseits aber die dafürnotwendigen Mittel derzeit nicht bereitgestellt werden.Trotz der Erfolge der vertraglich vereinbartenMaßnahmen zur Gruppen- und Individualprophylaxespürt der praktisch tätige Zahnarzt täglich beider Behandlung seiner jüngsten Patienten die Grenzenvon BEMA und auch (jetzt wie später) GOZ. Esfehlt ihm schlichtweg an der Voraussetzung für dasWichtigste: an (bezahlter) Zeit für die Zuwendung.Außerdem haben bestimmte kinderbehandlungsspezifischeLeistungen bislang nicht den Weg in eines derGebührensysteme gefunden (und werden angesichtsder bekannten Finanzierungssituation wohl weiterheimatlos bleiben).Wir alle wissen, dass die Anfangsumstände einer Patientenkarrierefür die spätere Compliance auf demBehandlungsstuhl und vor dem häuslichen Waschbeckenentscheidend sein können. Trotzdem gilt zumBeispiel in der Füllungstherapie systemübergreifendein gebührenrechtlicher Gleichbehandlungsgrundsatzvom Kleinkind bis zum Greis. Wobei sozial bedingtnatürlich für Sorgenkinder in zahnärztlicher Behandlungvor allem das GKV-System relevant ist. Kindergibt es in Familien, in der sprechenden Politik, manchmalauch in der Pharmakokinetik, aber nur marginalim BEMA. Dadurch bleiben Weichenstellungen aus,die unserem Gesellschaftssystem entsprechen würden.Manches mutiert zu sektiererischem Fachwissen:Die Förderung der sprachlichen Entwicklung imKindergartenalter wird breit diskutiert, aber phonetischwichtige Kinderprothesen (die Hauptzielgruppeist nicht durch Koinzidenz dieselbe) sind kaumbekannt. Tiefenprophylaxe an Milchzähnen bedarfimmer noch einer Erklärung u.s.w.Sicher gibt es bereits viele Zahnarztpraxen, die sichaus unterschiedlichen Gründen auf die Behandlungvon Kindern spezialisiert haben, aber reichen diesefür die Fläche aus? Ist die Narkosebehandlung vonKindern ein Ausweg? In meinem Berufsbild existiertimmer noch der „Familienzahnarzt“, der seine kleinenPatienten selbst behandeln kann, bevor sie einProblem sind.Mit von den KZVen initiierten und geführten kollektivenVerträgen unter Ausnutzung des § 73c SGB Vkönnten Voraussetzungen dafür geschaffen werden,dass uns die adäquate Behandlung unserer jüngstenPatienten wirtschaftlich leichter fällt. Die einzelnenKrankenkassen könnten durchaus Interesse haben,im Wettbewerb um Versicherte mit Kindern im Einzelnenattraktiver zu werden. Solche Verträge müsstenzum Beispiel über mit Augenmaß von den KZVengeführte Fortbildungen für alle interessierten Vertragszahnärzte,also ohne irgendwelche Zugangszahlenbegrenzungen,offen sein. Vertragsinhalte könntenzunächst einfach (unterschiedlich) erhöhte Punktzahlenfür BEMA-Positionen bei der Behandlung von Kindernverschiedener Altersgruppen (gab es im Südender Republik bereits!), befundbegründete verkürzteZeitintervalle für die Abrechenbarkeit von IP-Leistungenund die adäquate Berücksichtigung solcher„Praxisbesonderheiten“ bei Wirtschaftlichkeitsprüfungensein.Wohlgemerkt Verträge, die für alleinteressierten Zahnärzte geöffnetsind, alles nicht zu Lasten der „übrigen“Zahnärzteschaft und in Zeitenvon ZOD und eGK ohne bürokratischenAufwand!Mit diesem (viel zu kurzen) Einwurfsoll sowohl eine Diskussion um diesogenannten Selektivverträge alsauch um die Behandlung unsererKinder angestoßen werden.Dr. Michael Sonntag, BochumVorsitzender des WZW -Wählerverband ZahnärzteWestfalen e.V.,Beisitzer im Vorstand der IGZFoto: Michael SonntagIGZ DIe Al t e r n A t I v e nr. 2/2011 | 7

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