Jahresbericht 2011 (2.5 MB) - Vorarlberger Kinderdorf

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Jahresbericht 2011 (2.5 MB) - Vorarlberger Kinderdorf

www.kinderdorf.ccDieser Jahresbericht wurde freundlicherweise von folgenden Firmen unterstützt:Ges.m.b.H.Heizung SanitäreSolartechnikEngel InstallationenSchwefel 26A-6850 DornbirnTel. 0 55 72 / 22 5 52-0Fax 0 55 72 / 22 5 52-77www.engel.co.atMEHR SERVICE ENTSCHEIDET.WWW.MSE.LIGemeinsam mit Kindern wachsen.Gern gmacht. Guat gmacht.In Götzis, Feldkirch, Bludenz, Andelsbuch.Vorarlberger Kinderdorf, Kronhaldenweg 2, 6900 BregenzT 05574/4992-0, F 05574/4992-48, www.kinderdorf.ccVorarlberger Kinderdorf • Information1/2012 • Verlagspostamt: 6900 Bregenz P.b.b. • GZ02Z030275S • Österreichische Post AG • Sponsoring Post


VorwortGeschäftsleitungKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-0c.hackspiel@voki.atInhaltVorwort 3Koordination Kinderschutz 4Besuchscafé 5Wenn Kinder nein sagenFamilienImpulse 6Buntes Gezwitscher im LerchenparkNetzwerk Familie 8Sprachrohr für Familien mit Zwillingen/DrillingenAmbulanter Familiendienst 10„Du bist mir wichtig“Auffanggruppe 12Fabian und „seine“ KrisenfamilieSozialpädagogische Schule & Internat 14Hausbau macht SchulePflegekinderdienst 18Eine neue Chance für SarahKinderdorf Kronhalde 20Verstehen und VerbindenEhemaligenbetreuung 22Ein Menü der besonderen ArtFamilienkrisendienst 24Klar Stellung beziehenQualitätsmanagement 25Der Schlüssel zur GewaltpräventionBetriebswirtschaft 26Kommunikation & Fundraising 28Freude, die anhältOrganigramm 31ImpressumVorarlberger Kinderdorf Informationen 1/2012, Medieninhaber, Herausgeber,Verleger und Redaktion: Vorarlberger Kinderdorf, Kronhaldenweg 2,6900 Bregenz, vermittlung@voki.at, Tel. 05574/4992-0, Fax 05574/4992-48,www.kinderdorf.cc; Mitglieder des Leitungsorgans (Vorstand des Vereins)und der Gesellschafterversammlung: DI Hugo Mathis (Vorsitzender), Dr.Franz Josef Köb, Dr. Alexander Matt, Dr. Nadja Pfanner, Dr. ElisabethVonbank-Dür, Dir. Andrea Rüdisser; Verlagsort: Bregenz; für den Inhalt verantwortlich:Dr. Christoph Hackspiel; Redaktion: Mag. Christine Flatz-Posch;Layout: Barbara Drexel; Fotos: Vorarlberger Kinderdorf; Druck: BUCHERDruck Hohenems, Recystar 100 % Altpapier, Auflage: 6500www.kinderdorf.ccNetzwerk FamilieImmer mehr MehrlingsgeburtenSozialpädagogische Schule & InternatAußergewöhnliche SommerprojekttageFamilienkrisendienstGegen Gewalt in Familien: 400 Einsätze in 10 JahrenDr. Christoph HackspielGeschäftsführerVorarlberger Kinderdorf60 Jahre und kein bisschen müdeWenn ich zum Fenster hinaussehe, sind jetzt imFrühling nicht nur die Tulpen, Narzissen und Apfelbäumeam Blühen. Auch unsere Kinder und jeneder Nachbarschaft drängen aus den Häusern herausauf den Spielplatz. Bewegung, Spiel, Spaß,Lebendigkeit. Bunt, fröhlich, manchmal verstecktam Austauschen von Geheimnissen und dann wiederlaut im überschwänglichen Spiel. Lebensfreudesoweit das Auge reicht. Das Leben sprießt undblüht, Gott sei Dank auch heuer, so wie jedes Jahr.Mir als Betrachter bleibt nur ein dankbares Lächeln,ein wärmendes Gefühl, weil das Leben weitergeht,obwohl vieles in den Familien dieser Kinder zuvorzerbrochen ist.Ort neuer LebensfreudeSeit 60 Jahren ist das Vorarlberger Kinderdorf einPlatz, um eine zweite Heimat zu spüren, ein Ort, derKinder dazu einlädt, wieder Kind sein zu dürfen.Eine Möglichkeit, um neue Erfahrungen zu sammeln,die tief verborgenen Selbstheilungskräfteund damit die Lebensfreude anzuregen. 60 JahreKinderdorf: Es war, ist und bleibt nicht allezeit einfach,nicht immer kann Frühlingsstimmung sein. Esgab ebenso Wolken der Traurigkeit, Stürme derWut oder Tränen der Mutlosigkeit. Auch wir alsEinrichtung haben schwierige Erfahrungen gemacht– und doch meist gute Lösungen gefunden.Möglichst frühzeitige UnterstützungWir sind in Bewegung geblieben, fühlen uns jungund kraftvoll. Viele neue Aufgaben haben wir über-nehmen dürfen, ein umfassendes internes undexternes Netzwerk der Solidarität für benachteiligteKinder aufbauen können. Wir sind gewachsen anund mit den Problemen unserer jeweiligen Zeit. VielPotenzial sehen wir in einer verstärkten Prävention,um dadurch belasteten Kindern und deren Familienmöglichst frühzeitig bessere Rahmenbedingungenund Unterstützung zu geben.Wir sind niemals fertigIn diesem Jahresbericht geben wir Einblick in dieArbeit unserer Fachbereiche. Diesmal ist uns dasThema „Gewalt“ ein besonderes Anliegen. Gewaltin Familien, von Kindern untereinander, Gewalt alsstrukturelles Problem unserer Gesellschaft. Wir wollendazu beitragen, andere, wohltuende und langfristigsinnvolle Formen der Konfliktlösung zu vermitteln.Dass das nicht immer leicht ist, wissen wiralle aus eigener Erfahrung. Auch deshalb ist es unswichtig, gemeinsam auf dem Weg zu sein, unsgegenseitig zu reflektieren und deutlich zu machen,dass wir niemals fertig sind, um Neues, Friedenstiftendesund Gemeinsinnorientiertes zu erfahrenund unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. Dasswir dabei viel von unseren Kindern lernen können,trägt uns seit über 60 Jahren – und bleibt Vermächtnisund Anspruch weit in die Zukunft hinein.Jahresbericht 20113


Koordination KinderschutzBesuchscaféDr. Anneli Kremmel-BohleKoordination KinderschutzMag. Gabriele RohrmeisterLeiterin BesuchscaféKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-57a.kremmel@voki.atKronhaldenweg 26900 BregenzT 0650-7732222afd@voki.atWenn Kinder nein sagenWie steht es um die Kinderrechte?Am 20. Jänner 2011 wurde das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern im österreichischenNationalrat beschlossen. Mehr als ein Jahr nach der Aufnahme von Teilen der UN-Kinderrechtskonvention(KRK) in die Verfassung sind wir weit davon entfernt, dass Kinderrechte gelebter Alltag sind.Anders als in der Landesverfassung, in der sichVorarlberg zu den Zielen der Kinderrechtskonventionder Vereinten Nationen bekennt, wurden in dasBundesverfassungsgesetz von insgesamt 45 Artikelnnur wenige aufgenommen. Verankert worden sindein allgemeiner Anspruch auf Schutz, Fürsorge undOrientierung am Kindeswohl, das Recht auf Kontaktzu beiden Elternteilen, auf Beteiligung und Berücksichtigungder Meinung des Kindes, das Verbot vonKinderarbeit, von Gewalt und von Diskriminierungvon Kindern mit Behinderung.DAS RECHT VON KINDERN AUF BILDUNG UNDGESUNDHEIT IST NICHT IM BUNDESVERFAS-SUNGSGESETZ VERANKERT.Selbst bei diesen Rechten, mit Ausnahme des Rechtsauf Gewaltfreiheit, wurde ein Gesetzesvorbehalt eingeführt.Es ist also eine Beschränkung möglich, wennsie „für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruheund Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes,die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderungvon strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesundheitoder zum Schutz der Rechte und Freiheitenanderer“ notwendig ist. Wichtige Rechte bliebenunberücksichtigt, wie das Recht auf Gesundheit,Bildung, Freizeit und Spiel oder einen angemessenenLebensstandard. Betroffen sind davon im besonderenMaße sozial benachteiligte Kinder undJugendliche. Es drängt sich die Frage auf, ob nurjene Teile der KRK in die Verfassung aufgenommenwurden, die kaum Auswirkungen auf bestehendeGesetze bzw. das Budget haben.NUR 30 % DER ELTERN IN ÖSTERREICH ERZIEHENOHNE GEWALT.Zu kritisieren ist darüber hinaus, dass selbst dieseeingeschränkten Kinderrechte nur auf dem Papierbestehen und wirksame Maßnahmen zur Umsetzungin praktisches Handeln bislang fehlen. So habendie angekündigten Auseinandersetzungen vonJustiz, Verwaltung oder Bildung mit den Kinderrechten,die Verankerung der Kinderrechte inLehrplänen, Ausbildungsprogrammen und Informationskampagnennicht statt gefunden.Trotz verfassungsmäßiger Verankerung des Rechtsauf gewaltfreie Erziehung verzichten in Österreichnur 30 % der Eltern auf Körperstrafen (Gewaltbericht2009/BMWFJ). Auch das Recht auf Kontaktdes Kindes mit beiden Elternteilen stellt diesennicht sicher. Diese wenigen Beispiele zeigen, dasswir auch ein Jahr nach Aufnahme eines Teils derKinderrechte in die Verfassung noch weit davon entferntsind, dass diese gelebter Alltag sind.www.kinderhabenrechte.atBesuchskontakte zwischen Kindern und getrenntlebenden Eltern sind nicht nur entlastend undunproblematisch. Sie können ein Kind auch inBedrängnis bringen und zutiefst verunsichern.Es ist wichtig und meist auch freudvoll für Kinder,wenn sie ihre Eltern im Besuchscafé wieder sehen.Dennoch gibt es Situationen, in denen Kinder sichvor einem Treffen mit dem getrennt lebendenElternteil fürchten. Vielfach werden hinter dieserVerweigerung Loyalitätskonflikte vermutet. Das Kindbefürchtet, seinen Vater/seine Mutter zu verraten,wenn es zum getrennt lebenden Elternteil eine guteBeziehung hat. Diese Vermutungen können zutreffen,die Verweigerung des Kontakts kann allerdingsauch ganz andere Motive haben.KINDER SETZEN DEUTLICHE ZEICHEN, WIE VIELKONTAKT SIE BENÖTIGEN. SIE MÜSSEN NURERNST GENOMMEN WERDEN.Es ist notwendig genau hinzuhören, warum ein Kindden Kontakt ablehnt. Möchte es wirklich nur loyalzum betreuenden Elterteil sein oder hat das Kindandere Gründe, die es nicht so ohne weiteres mitteilenkann. Wurde es Zeuge von häuslicher Gewalt?Hat es miterlebt, wie die Mutter geschlagen oderbeschimpft wurde? Wurde es selbst Opfer von Abwertungenoder grober Behandlung? Fürchtet sichdas Kind vor seiner unberechenbaren, psychischkranken Mutter? Kommen gut verdrängte Erinnerungenan Misshandlungen und Gewaltsituationenzutage, wenn es Mutter oder Vater sehen muss?Diese Fragen sind sorgsam zu klären, bevor in konfliktbehaftetenSituationen an eine Besuchsvereinbarungzu denken ist. Wenn sich Kinder beharrlichdem Wiedersehen zu einem Elternteil entziehen,sind alle Möglichkeiten abzuwägen. Aufschlussreichsind Hinweise aus der familiären Umgebung. Auchdie Kinder selbst setzen deutliche Zeichen, wie vielKontakt in welcher Form sie für eine gesunde Entwicklungbenötigen. Sie müssen nur gehört undernst genommen werden.70Kinder wurden 2011 während ihrerTreffen mit dem getrennt lebendenElternteil begleitet. Das Besuchscaféwar an 50 Samstagen abwechselnd inBregenz und Feldkirch geöffnet. 20Besuchsbegleitungen konnten erfolgreichabgeschlossen werden.Eine Voranmeldung bzw. ein Vorgesprächund eine schriftliche Vereinbarungmit den betroffenen Eltern sindVoraussetzungen für die Durchführungder Besuchsbegleitung.4Jahresbericht 2011Jahresbericht 20115


Netzwerk FamilieAm Rathausplatz 46850 DornbirnT 05572/200262info@netzwerk-familie.atChristine JansenLeiterin Netzwerk FamilieDie Zahl der Zwillings- und Drillingsgeburtenhat aufgrund medizinischerFortschritte in den letzten Jahren starkzugenommen. Einige dieser Drillingsundmehrere Zwillingsfamilien hat NetzwerkFamilie im vergangenen Jahr begleitetund war in der Unterstützung dieserFamilien vor große Herausforderungengestellt.Man stelle sich vor: Drillinge brauchenallein 100 Fläschchen und 150 Windelnpro Woche. Die Versorgung mehrererBabys erfordert ein gutes Nervenkostümder Mutter, einen verlässlichen Partnerund ein erweitertes familiäres und sozialesNetz. Ich habe Hochachtung vor diesenEltern, die mit viel Liebe, Mut undEnergie die Betreuung von Zwillingenoder sogar Drillingen meistern.Immer weniger Familien haben dafürjedoch die notwendigen Ressourcen.Dann sind wir alle gefragt, diese Familienzu unterstützen: Politik, Gesellschaft,soziale Netze und jede/r einzelne.Es besteht eine gemeinsame Verantwortung,diese Familien zu entlastenund ihnen auch finanzielle Hilfen zurVerfügung zu stellen.Wir von Netzwerk Familie versuchenals Sprachrohr der Familien notwendigeHilfen zu organisieren – damit auchZwillings- und Drillingskinder ihre für dasspätere Leben so wichtigen erstenLebensjahre in einem halbwegs entspanntenUmfeld verbringen können.191Familien wurden im vergangenen Jahr von Netzwerk Familie unterstützt,davon 45 Familien im Bezirk Bregenz, 65 im Bezirk Dornbirn, 56im Bezirk Feldkirch und 25 im Bezirk Bludenz. Die Familien werden biszu zwei Jahre lang begleitet.2011 gab es 136 Anfragen an Netzwerk Familie. 2010 waren es 91, 200961 Anfragen.Netzwerk Familie ist ein Angebot für werdende Eltern und Familien mitSäuglingen und Kleinkindern. Es wurde gemeinsam vom VorarlbergerKinderdorf, der aks Gesundheitsvorsorge und den Vorarlberger KinderundJugendärzten ins Leben gerufen.JuliaJulia wurde von ihrer jungen Mutter Sandrasehnsüchtig erwartet. Ihr erstes Kind hat die 23-Jährige im Alter von drei Monaten aufgrund einerErbkrankheit verloren. Nun ist wieder eine Tochter –Julia – auf der Welt, auf die sich Sandra sehr gefreuthat, obwohl die Beziehung zu ihrem Partner nichteinfach ist. Dieser hat bereits ältere Kinder undSandras Kinderwunsch nicht geteilt.In den letzten Wochen ist für Sandra eine Welt zusammengebrochen:Julia ist ein „Schreibaby“. DieKleine brüllt stundenlang Tag und Nacht und lässtsich kaum beruhigen. Sandra ist nervlich am Ende,mit ihrem Partner streitet sie nur noch.Dem Kinderarzt fällt Sandras Unruhe auf und er rätihr, Unterstützung anzunehmen. Obwohl sich Sandraschämt, weil sie sich als schlechte Mutter fühlt undes nicht schafft, den Alltag mit ihrer heißersehntenTochter in den Griff zu bekommen, willigt sie ein.Der Arzt gibt ihre Telefonnummer an NetzwerkFamilie weiter. Hier beschreibt sie ihre Situation so:„Alle haben süße Babys, nur Julia ist ein Schreimonster.Ich habe Angst davor, dass ich ihr wehtue . . .“Mit ihrer Angst, ihrem Kind Gewalt anzutun, istSandra nicht allein. Immer wieder hören dieMitarbeiterinnen von Netzwerk Familie Aussagenwie diese: „Ich weiß nicht, wie ich reagiere, wenn sieheute wieder die ganze Nacht schreit . . .“ oder„Mein Kind hat einfach nicht geschlafen, immergeweint, ich war ganz alleine und habe nicht mehrgewusst, was ich tun soll. Ich hatte Angst, dass ichihm etwas antue.“ Besonders Säuglinge sind gefährdet,bei einer Gewalttat ums Leben zu kommen.Zwischen 2000 und 2009 stand laut einer deutschenStudie jeder dritte Todesfall eines Babys aufgrundeiner Verletzung mit Gewalt in Zusammenhang.Überforderung der Eltern, Gefühle von Ohnmacht,hohe Erwartungshaltungen und fehlende Unterstützungbringen Eltern an ihre Grenzen.Julia hat Glück. Ihre Mutter hat den wichtigenSchritt gesetzt, ihre Überforderung zu erkennen,darüber zu reden und Hilfe anzunehmen.89Jahresbericht 2011Jahresbericht 2011


Alice Hagen-CanavalLeiterinAmbulanter FamiliendienstAmbulanter FamiliendienstKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-51afd@voki.atErst 1989 wurde ein absolutes Gewaltverbotin der Kindererziehung verankertund damit die Anwendung von Gewaltsowie die Zufügung von körperlichemund seelischem Leid für unzulässig erklärt(siehe ABGB, § 146a). Das Schulunterrichtsgesetzstellte 1974 klar, dass„körperliche Züchtigung, beleidigendeÄußerungen und Kollektivstrafen“ verbotensind.Der Gesetzestext gibt Eltern undLehrerInnen vor, was zu unterlassen ist,wenn Kinder deren Anweisungen nichtbefolgen. Was im Konfliktfall zu tun ist,wissen viele jedoch nicht (mehr). Sie stehen„aufsässigen“, „widerständigen“und gewaltbereiten Kindern und Jugendlichenrecht hilflos gegenüber.Die frühere Autorität mit restriktivenVorgaben, Kontrolle und Sanktionenfunktioniert nicht mehr. Gehorsam undAngepasstheit sind heute auch kaumQualitäten, die jungen Menschen helfen,erfolgreich im Beruf und glücklich imLeben zu stehen. Vielmehr sind Kreativität,Kooperationsbereitschaft und Frustrationstoleranzgefragt. Die Bereitschaft,gemeinsam nach Lösungen zusuchen anstatt sich gewalttätig durchzusetzen,muss früh gelernt werden.Wirksam im Umgang mit gewaltbereitenKindern sind Präsenz und Kompromissbereitschaft.Wir machen unsereKinder nicht stark, indem wir sie (be)-zwingen, sondern durch unser Vorbildund das beharrliche Einfordern vonRespekt, Fairness und Gewaltfreiheit.Gut gekocht . . .. . . ist halb gewonnen: Ernährung und Bewegung sind wichtigeGesundheitsfaktoren, die in den Familien zumeist wenig Beachtung finden.Für Kinder, die zu viele Kilos auf die Waage bringen, bietet eineErnährungs- und Bewegungsgruppe Sport und Spiel sowie ein gemeinsamgekochtes, ebenso leckeres wie gesundes Essen.Weiteres Projekt 2011 u. a.:Lernpatenschaften: Eine Vielzahl der betreuten Kinder hat großeLernschwierigkeiten. Studierende der pädagogischen Hochschuleunterstützen diese Kinder und Jugendlichen, denen auch zuhause zuwenig unter die Arme gegriffen werden kann. Die angehenden LehrerInnenerhalten Praxiserfahrung und Einblick in die Familienarbeit.„Du bist mir wichtig“„Mir ist nicht egal, wie Du Dich benimmst und wasaus Dir wird; dafür bist Du mir viel zu wichtig“,schreibt ein Vater seinem 13-jährigen Sohn in einemBrief und formuliert damit eine der Kernbotschaftenvon Eltern an ihre Kinder. Kinder, die impulsiver undallenfalls gewaltbereiter als Gleichaltrige sind, stellenfür Eltern eine große Herausforderung dar. Oftwird jahrelang danach gesucht, was denn Ursachefür dieses unangepasste und problematische Verhaltensein könnte.Theorien über vererbte Charakterzüge oder Krankheitenbis zum Verdacht, dass das Kind mit seinemVerhalten ein viel tiefer liegendes Problem in derFamilie überdeckt, sind für Eltern im täglichenUmgang mit ihrem Kind wenig hilfreich. Häufigblockiert die Ursachensuche viel Energie undLösungsorientierung.Im Alltag mit ihrem „Sorgenkind“ benötigen ElternUnterstützung und Wertschätzung für das, was sieleisten. Erziehen ist nicht leichter geworden, erfordertPräsenz, Energie und Selbstkontrolle. Auch imgrößten Konflikt mit dem Kind sind Versöhnungsgestenund Beziehungsangebote Pflicht der Erwachsenen.Gewaltausbrüche, Schläge und verbaleAttacken, aber auch Resignation und Rückzug seitensder Eltern führen nur zu weiteren Eskalationen.Kinder, die unbändiger und widerspenstiger sind,brauchen mehr Sorge, Präsenz und Beziehung, nichtweniger – und schon gar keine Eltern, die sich demKontakt entziehen. Der Wille zur Auseinandersetzungzeigt sich, indem Eltern klar legen, dass esihnen nicht egal ist, wie sich ihre Kinder verhalten –im Miteinander der erziehenden Erwachsenen undin der Ausdauer, mit der Gewaltfreiheit, akzeptablesVerhalten und Kooperation eingefordert werden.799Kinder in 416 Familien sind 2011 vom AmbulantenFamiliendienst betreut worden. Seitens der öffentlichenJugendwohlfahrt wurde familiäre Gewalt 109Mal als Zuweisungsgrund genannt.Die Betreuungsdauer betrug wie in den Vorjahrenim Durchschnitt 18 Monate. Darüber hinaus sind jenach Problemlage jahrelange Betreuungen ebensowie sehr kurze Unterstützungsmaßnahmen möglich.10Jahresbericht 2011Jahresbericht 201111


AuffanggruppeKronhaldenweg 46900 BregenzT 05574/4992-40afg@voki.atClaudia Hinteregger-ThomaLeiterin AuffanggruppeWenn ein Kind an den Folgen einerschweren Misshandlung stirbt, dannübersteigt das die Grenze des Vorstellbaren.Und doch ist dies im vergangenenJahr in Vorarlberg geschehen. Wirfinden niemals die richtigen Worte füreine solche Tat und das damit verbundeneLeid für alle Betroffenen.Ist Gewalt äußerlich und für alle erkennbar,dann beginnt meist die Suchenach den „Schuldigen“, nach dem, wasversäumt oder gar ignoriert wurde. Doches lässt auch die Frage zu, was für vieleKinder an stiller Gewalt, Not, Vernachlässigungund psychischem Leid traurigerAlltag ist.Es braucht ein klares Bekenntnis gegenGewalt, eine Stimme, die deutlichmacht, wo der Schutz und die Rechtevon Kindern verletzt werden. Es ist unsereVerpflichtung, sensibel hinzuschauen,wachsam zu sein und eine Welt zu gestalten,die Freiräume schafft, in denenKinder sich entfalten und Glück findenkönnen. Eine Welt, die unseren KindernMöglichkeiten des Seins bietet, die überdas „so sein müssen“ hinausgehen.FabianFabians Mama trinkt schon lange und hat immerwieder Phasen, in denen sie ihren Sohn vernachlässigt.Früher war Fabian dann meist bei Freunden. Imvergangenen Jahr sollte er eine bestimmte Zeit inder Auffanggruppe verbringen. Für Fabian war dasvölliges Neuland und sehr bedrohlich. Er hatteAngst, seine Klasse zu verlassen, seine Freunde zuverlieren.Gemeinsam mit der Lehrerin und den Eltern vonFabians Freunden wurde überlegt, ob es für denBuben eine Krisenfamilie geben könnte, die im Ortlebt, damit er nicht die Schule wechseln muss. Fabianwar sehr gespannt und aufgeregt, als er erfuhr,dass tatsächlich eine passende Familie für ihn gefundenworden war, obwohl eigentlich nur sehr kleineKinder in Krisenfamilien aufgenommen werden.An einem Freitagnachmittag hat Fabian zusammenmit seiner Mutter seine neue Krisenfamilie kennengelernt.Er war gleich begeistert – vor allem diezwei kleinen Hunde der Familie hat der Zehnjährigesofort ins Herz geschlossen. Auch Fabians Mamawar erleichtert, konnte sie doch nun mit gutemGefühl die stationäre Therapie antreten.Nach drei Monaten sollte Fabian, sofern es seinerMutter wieder gut ginge, nach Hause zurück kehren.Nun ist er aber nach wie vor in „seiner“ Krisenfamilie,die jetzt Wochenpflege heißt, was Fabianeigentlich egal ist. Für ihn ist wichtig, dass er solangebleiben darf, bis seine Mama wieder ganz gesundund in der Lage ist, für ihn zu sorgen. Fabian istfroh, dass er in seiner Klasse bleiben kann, er fühltsich wohl und freut sich über die Wochenenden, dieer gemeinsam mit seiner Mutter verbringen kann.68Kinder und zwei Mütter fanden 2011 einen Platz inder Auffanggruppe, 21 Kleinkinder und Säuglingewurden in privaten Krisenfamilien betreut.Psychische und körperliche Erkrankungen bzw. längereKrankenhausaufenthalte und stationäre Therapiender Eltern waren häufige Aufnahmegründe indie Auffanggruppe. Auch massive Erziehungsproblemespielten eine ausschlaggebende Rolle, ebensowie Vernachlässigung und Überforderung.12Jahresbericht 2011Jahresbericht 201113


Sozialpädagogische SchuleJagdbergstraße 456824 SchlinsT 05524/8315-451direktion@jagdberg.snv.atwww.jagdberg.snv.atSozialpädagogisches InternatJagdbergstraße 446824 SchlinsT 05524/8315-0spi@voki.at88Kinder und Jugendliche, davon 41 Neuzugänge,wurden 2011 ambulant und/oder stationär betreutund deren Familien in Erziehungsfragen beraten.Der Großteil der SchülerInnen wurde nach demLehrplan der Hauptschule (31) sowie der NeuenMittelschule (23) unterrichtet. Die Betreuungsdauerlag im Durchschnitt bei 14 Monaten.Viele bauliche Veränderungen prägten 2011 dasBild am Jagdberg. Die Räume der Wohngruppendes Sozialpädagogischen Internats wurden renoviertund die Werkstätten an den Schulstandorten inWolfurt, Feldkirch und Schlins ausgeweitet.Im September 2011 wurde mit der WohngruppeFeldkirch-Altenstadt des SozialpädagogischenInternats eine flexiblere Möglichkeit der Betreuungfür bis zu zehn Kinder geschaffen. Bis zu vier Kinderkönnen in der Außenwohngruppe auch teilstationärbetreut werden.40 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der„Lebensweltorientierten Betreuung“ (LOB) begleitet– einem individuell abgestimmten Angebot vonSchule und Internat, das Jugendlichen mit kognitivenund sozialen Schwierigkeiten neue Chancenbietet. Die durchschnittliche Betreuungsdauer imRahmen der LOB betrug 18 Monate.Der Großteil der insgesamt betreuten Kinder undJugendlichen war zwischen 10 und 15 Jahre alt. Vonden 41 im Jahr 2011 neu aufgenommenen Jugendlichenwaren 11 Mädchen und 30 Buben. Aufnahmegründewaren vorwiegend Erziehungsschwierigkeitenseitens der Eltern, Trennung/Scheidung,die psychische Erkrankung eines Elternteils sowieSchul- und Ausbildungsprobleme, Entwicklungsauffälligkeitenund gewalttätiges Verhalten derMinderjährigen.Herbert„Ka’ ma bei euch o als Zivi schaffa?“ Mit diesenWorten hat Herbert bei einem seiner Besuche umdie Möglichkeit angefragt, seinen Zivildienst imInternat und der Schule zu absolvieren. Herbert verbrachteselbst mehr als drei Jahre bei uns inBetreuung. Seine Eltern waren in der Erziehung ihrervier Kinder immer wieder so stark gefordert, dass siesich an unsere Einrichtung wandten. Während dieserdrei Jahre haben Herbert und seine Familie vielesgeschafft. Herbert hat die Hauptschule miteinem guten Zeugnis abgeschlossen, er hat gelerntKonflikte innerhalb der Familie konstruktiv zu lösenund sein Ziel, wieder nach Hause zurückkehren zukönnen, mit Bravour erreicht.In der Zwischenzeit sind einige Jahre vergangen.Herbert hat nach dem Poly eine Maurerlehre begonnenund erfolgreich abgeschlossen. Bei seinem letztenBesuch ist er mit großem Stolz mit seinemersten selbstverdienten Auto bei uns vorgefahren.Für uns gab es kein Zögern, Herbert als nächstenZivildiener einzustellen.Die in ihn gesetzten Erwartungen haben sich mehrals erfüllt. Fleißig, hilfsbereit und immer mit einemLächeln im Gesicht ist Herbert bei allen MitarbeiterInnenund besonders bei den Kindern undJugendlichen sehr beliebt. Die Mittagszeit verbringter gerne in „seiner“ Wohngruppe und freut sichjedes Mal aufs Neue, wenn er die kulinarischenKöstlichkeiten wie zu „Seinerzeit“ genießen darf.Für die anderen Kinder ist Herbert zum vertrautenund bewunderten Vorbild geworden. Herbert wirdnicht mehr lange bei uns sein – die neun Monatesind bald vorbei. Wir freuen uns, ihm noch etwasZeit bei uns gegeben zu haben und die Möglichkeit,zu zeigen, was aus ihm geworden ist. Die Zukunftwird einige Herausforderungen an Herbert stellen.Wir sind zuversichtlich, dass er auch diese meisternwird, und schon gespannt, was er bei seinem nächstenBesuch zu erzählen hat.16Jahresbericht 2011Jahresbericht 201117


PflegekinderdienstGöfiserstraße 26800 FeldkirchT 05522/82253pkd@voki.atDr. Silvia ZaberniggLeiterin PflegekinderdienstAuch wir im Pflegekinderdienst spürenden gesellschaftlichen Wandel und diedamit verbundenen Herausforderungenfür Familien. Dazu gehören Termindruckund Stress im Alltag, Berufstätigkeit beiderEltern, finanzielle Belastungen, wenigerZeit füreinander sowie der Anspruch,alles unter einen Hut zu bringen.So finden sich immer weniger Paareund Familien, die bereit sind, ein Kind imAlter von eineinhalb bis dreieinhalbJahren bei sich aufzunehmen. KinderlosePaare möchten die Elternschaft miteinem Baby beginnen, teilzeitbeschäftigteMütter sind auf den Kindergartenangewiesen.Für Kleinkinder ist es aktuell besondersschwierig, Familien zu finden. Das Interesseauf unseren Aufruf in den Medienwar groß, dennoch müssen drei Kinderunter vier Jahren noch immer auf einepassende Familie warten. Gerade fürkleine Kinder ist die Pflegefamilie jedocheine wichtige Ressource, eine Chanceauf Stabilität, Konstanz, Sicherheit undGeborgenheit. In einer geschützten undwohlwollenden Umgebung liegt für Kinderein großes Entwicklungspotenzial.Ein Kind, das spürt, dass es dazugehört,dass es geliebt wird und wertvollist, kann Selbstvertrauen aufbauen. AlteWunden können so langsam heilen.SarahSarahs Mutter war mit ihrer dreijährigen Tochterüberfordert. Aufgrund einer psychischen Erkrankungund den damit verbundenen Krankenhausaufenthaltengab sie das Kind in immer kürzeren Abständenwahllos an Bekannte ab. Ging es ihrschlecht, schaffte sie es nicht, für Sarah da zu sein.Das Kind erlebte viele Wechsel, war nirgends wirklichzu Hause und wurde immer aggressiver. WennSarah etwas nicht bekam, warf sie sich auf denBoden, schrie und tobte. Dieses Verhalten brachtedie Mutter erst recht an ihre Grenzen. Sie interpretierteSarahs Verhalten dahingehend, dass ihreTochter sie nicht mochte. Aus Wut, Enttäuschung,Ärger und Verzweiflung schlug sie Sarah oder ignoriertedas Kind einfach.Die Eltern lebten getrennt, der Vater nahm Sarahgelegentlich am Wochenende zu sich. Da er SarahsNot erkannte und sich seiner Verantwortung bewusstwar, meldete er sich mit der Bitte um Unterstützungbei der zuständigen Jugendwohlfahrtsabteilung.Seit drei Jahren lebt Sarah nun in einerPflegefamilie. Sie hat sich zu einem fröhlichen, ausgeglichenenMädchen entwickelt. Zu ihrem Vaterhat sie regelmäßigen Kontakt. Ihre Mama siehtSarah dann, wenn es dieser gesundheitlich gut geht.238Kinder in 178 Pflegefamilien wurden 2011 von denMitarbeiterInnen des Pflegekinderdienstes begleitet.14 Kinder wurden neu in Familien aufgenommen,davon vier Kinder in Ankerfamilien.75 Familien haben sich 2011 für die Aufnahme einesPflegekindes beworben, 66 Familien für die Aufnahmeeines Babys bzw. Kindes bis fünf Jahre interessiert.Neun Familien wollten für ein Kind im Schulalter(sechs bis zwölf Jahre) Pflegefamilie sein. 22Pflegeverhältnisse wurden abgeschlossen, davonsind 13 junge Menschen in einer Pflegefamilie volljähriggeworden. Im Durchschnitt lebten Pflegekinderzehn Jahre in einer Pflegefamilie.Die Pflegefamilien wurden ausgebildet und intensivbegleitet. Raum für Erfahrungsaustausch boten regelmäßigePflegeelternrunden im ganzen Land. Fürunvergessliche Erlebnisse sorgten zwei Ferienlagerfür Pflegekinder in Furx und Italien sowie ein Fest fürPflegefamilien im Schloss Amberg in Feldkirch.18Jahresbericht 2011Jahresbericht 201119


Mag. Verena DörlerLeiterin Kinderdorf KronhaldeAls der Nikolaus den sechsjährigenOmar bat, seinen Bischofstab zu halten,nickte er und meinte: „Nikolaus, wirbeide gleich – du Türke und ich Türke!“Was Omar ausdrückt, versuchen wir alsOrientierung gebende Haltung zu leben,indem wir Verbindungen herstellenund Verstehen ermöglichen: Traditionund Neues, unterschiedliche Betrachtungsweisenund Erfahrungen, jungeund ältere Menschen, Menschen mitindividuellen biografischen und ethnischenHintergründen, Eltern und Bezugspersonen,Arbeiten und freiesGestalten, Schule und Vereine . . . Wirgeben den Optionen Raum und ordnensie, um gute Lebens- und Entwicklungsbedingungenfür die Kinder und Jugendlichenzu gestalten.Seit 1. September 2011 ergänzt die„Familiäre Wohngruppe“ unser Angebot.Sie ist aus dem zunehmenden Bedürfnisnach einer mittelfristigen Unterbringungsmöglichkeitfür Kinder zwischensechs und 14 Jahren in engerKooperation mit den Eltern entstanden.Je nach Perspektivenplanung kann derAufenthalt des Kindes fließend vom stationärenin einen teilstationären Kontextübergeleitet werden, um optimale Bedingungenfür eine Rückkehr nachHause zu erwirken.Im Kinderdorf Kronhalde gibt es nunKinderdorffamilien mit Kinderdorfmütternund ErzieherInnen sowie eineFamiliäre Wohngruppe mit einem Radeldienstvon PädagogInnen. DasWohlwollen und das Engagement, mitdem alle MitarbeiterInnen diese Veränderungmittragen, macht Mut undsteht auch für Innovationsbereitschaft.Sie ist Beispiel dafür, wie mit neuenAngeboten angemessen auf geänderteAnforderungen reagiert werden kann.Dorf am MeerEin Riesenglück: Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des VorarlbergerKinderdorfs wurde auf große Feierlichkeiten verzichtet. Dafürkonnten alle Kinder und Jugendlichen – viele von ihnen zum ersten Mal– gemeinsam mit ihren BetreuerInnen in den Süden zu fahren.Anfang September brauste das gesamte Kinderdorf Kronhalde per Busnach Gatteo Mare. Es war wie im Bilderbuch: Meer, Strand, Sonne, italienischesEssen und mediterrane Abende, Spielen, Faulenzen, zusammensein ohne Termindruck und einfach in den Tag hinein leben . . .Zwei Busse mit braungebrannten Urlaubern kamen nach einer Wochezurück nach Bregenz. Wenn die Sommerbräune inzwischen auch schonlängst verblichen ist, die Erinnerung bleibt bunt und lebendig.Weitere Projekte u. a.:• LOPRO: Jugendliche planen ein „London-Projekt“ und führen seiteinem Jahr unterschiedlichste Aktionen durch, um die Reise in dieMetropole zu finanzieren.• Gibt’s so was? Medienkompetenz für Erwachsene und Jugendliche• Zu Gast im „Zit.at“: Kinder und Jugendliche tauschen sich einmalmonatlich mit Gästen aus und bewirten sie im Café „Zit.at“ mit einemkleinen Imbiss.RoswithaIm Vorbeigehen pufft Roswitha ihren KollegenIbrahim ziemlich unsanft in die Seite, für Beobachterscheinbar ohne Grund, mit dem Ellenbogendirekt in die Rippen, schnell und gezielt.Ihr Erzieher Oliver sieht die Szene vom Fensteraus. Er spricht den Vorfall an und macht Roswithaunmissverständlich klar, dass im „Dorf“ keineGewalt, egal in welcher Form, geduldet wird. Roswithareagiert ebenso unmissverständlich: „EjMann, halt einfach deine Klappe! Des interessiertmi soviel, wie wenn in China a Fahrrad umfallt . . . !“Abends will Roswitha, dass Oliver sie zum Tanzenfährt, weil sie im Dunkeln Angst hat. Oliver übernimmtihre Begleitung und setzt damit eine positiveBeziehungsgeste. Die Autofahrt nützt er, um dasErlebte am Nachmittag nochmals anzusprechen.Trotz heißem Thema verläuft das Gespräch im Autofair. Roswitha sagt, bevor sie aussteigt: „Danke fürsBringen – es tut mir leid, es war nicht okay von mir!“Manchmal ist es entscheidend, „die Klappe zuhalten“ und ein Thema zum richtigen Zeitpunkt wiederaufzugreifen. Roswithas Reaktion war grenzüberschreitendund unpassend. Indem Oliverjedoch den richtigen Zeitpunkt des Ansprechensbestimmt hat, ist ein erster Schritt für eine neueHaltung bei Roswitha gesetzt.70Kinder und Jugendliche wurden im Jahr 2011 inKinderdorffamilien und vier Außenfamilien betreut.Per 31. 12. 2011 lebten 56 Kinder und Jugendlicheim Kinderdorf Kronhalde.Wie im Vorjahr wurden 14 Kinder neu ins KinderdorfKronhalde aufgenommen, fünf davon in die neue„Familiäre Wohngruppe“. 14 Kinder konnten nachHause zurückkehren oder wechselten in eine andereBetreuungseinrichtung.Drastisch reduziert hat sich die Aufenthaltszeit derKinder und Jugendlichen. Während die Kinder 2010durchschnittlich 6,4 Jahre in einer Kinderdorffamilielebten, lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer2011 nur bei 2,5 Jahren. Mit der „Familiären Wohngruppe“wird dem gestiegenen Bedürfnis nach mittelfristigenAufenthalten begegnet.Kinderdorf KronhaldeKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-23dorf@voki.at20Jahresbericht 2011Jahresbericht 201121


FamilienkrisendienstQualitätsentwicklungWolfgang BurtscherAmbulanter FamiliendienstDr. Claudia MüllerQualitätsentwicklungSchützengartenstraße 86890 LustenauT 05577/86423-32w.burtscher@voki.atKronhaldenweg 26900 BregenzT05574/4992-77c.mueller@voki.atKlar Stellung beziehenNach mehr als zehn Jahren hat sich der Familienkrisendienst als wichtiges Angebot derJugendwohlfahrt und wirksames Instrument gegen Gewalt in Familien etabliert. Über 400 Einsätzein eskalierenden Krisensituationen – Tendenz klar steigend – zeugen auch von einer erhöhtenSensibilität für die Not von Kindern.Gerade im vergangenen Jahr ist die Zahl derEinsätze stark gestiegen: 74 Mal war der Familienkrisendienstin Situationen, die außerhalb der Öffnungszeitender Jugendwohlfahrtsbehörden eskalierten,vor Ort und damit 33 Mal öfters als im Jahr2010. Bei 25 Einsätzen wurde direkte Gewalt gegenKinder ausgeübt, bei sechs Kriseninterventionenmussten Kinder Gewalt gegen andere Familienangehörigemiterleben.DER FAMILIENKRISENDIENST BRINGT AUCH ZUMAUSDRUCK, DASS GEWALT GEGEN KINDERKEINE PRIVATSACHE IST.Jede Gewalttat stellt die Sicherheit, die durch dieGemeinschaft geboten wird, in Frage. In jedem Fallmuss der Schutz der Kinder höchste Priorität haben.Wie im Fall von Sabrina (13), die die Polizei anrief,nachdem sie von ihrem Vater geschlagen wordenwar. Sabrina und ihre beiden jüngeren Geschwisterwaren laut, während ihr Vater nach der Nachtschichtschlief. Der Vater fühlte sich gestört und schlugSabrina mit der flachen Hand ins Gesicht. DiePolizei sprach ein Betretungsverbot gegen denVater aus und zog den Familienkrisendienst hinzu.Während der Krisenintervention konnte dasMädchen beruhigt werden. Entlastend für Sabrinawar, dass ihr Vater für das, was er getan hat, verantwortlichgemacht wurde. Der Mitarbeiter desFamilienkrisendienstes bezog klar Stellung gegendie Gewalt, die den Kindern angetan wurde.Durch Kriseninterventionen in Zusammenarbeit mitZuweisern und Behörden wird Opfern von GewaltSchutz und Sicherheit geboten und der Zugang zueinem breiten Hilfsangebot eröffnet.Neue Studien besagen, dass die Risikofaktoren, diezu Gewalt führen, bei Mädchen und Jungen unterschiedlichsind. Bei Mädchen entscheiden körperlicheund seelische Misshandlungen, eine psychischkranke Mutter und unterdurchschnittliche Intelligenzdarüber, ob sie auch als Erwachsene aggressiversind. Bei Jungen sind es ein geringer sozialerStatus, körperliche Misshandlungen, familiäreKonflikte, schlechte Schulleistungen sowie ADHS-Diagnosen.DIE RISIKOFAKTOREN FÜR GEWALT SIND BEIMÄDCHEN UND BUBEN UNTERSCHIEDLICH.Der Schlüssel zurGewaltpräventionMeine jüngere Tochter lässt mich erschaudern. Sie scheint vor Wut gleich zu platzen. Ohne zu zögernergreift sie sich den nächstgelegenen Gegenstand. Oh nein, es ist ihr heißgeliebter Nintendo DS, siepfeffert ihn in Richtung ihrer großen Schwester. Ein falsches Wort und meine Tochter kann außerKontrolle geraten. In jedem von uns stecken Gewalt und Aggression. Ob und in welcher Form sieausgelebt werden, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab.dass man Probleme schlussendlich doch mit Gewaltlösen kann. Ein Großteil gewaltbereiter Kinder undJugendlicher ist mit dieser Überlebensstrategie„erfolgreich“. Wenn die aggressiven Verhaltensweisennicht mehr die gewünschten Reaktionenerzielen, werden sie verstärkt und die Negativspiralenimmt ihren Lauf.Die von uns betreuten Kinder und Jugendlichensind diesen Risikofaktoren gehäuft ausgesetzt.Etwas Besonderes zu sein und den Leistungsansprüchenzu entsprechen, verlangt einen stabilen,unterstützenden häuslichen Rahmen, der in vielenFamilien nicht selbstverständlich ist.Kinder mit unregelmäßigen Ess- und Schlafgewohnheiten,die sich schwer auf neue Situationeneinstellen können, zeigen häufiger eine höhereGewaltbereitschaft in Auseinandersetzungen. Kommendann noch fehlende stabile Bindungen zuErwachsenen und ein gewaltbereites Umfeld dazu,steht der Entwicklung von aggressivem Verhaltennichts mehr im Weg. Weitere entscheidendeRisikofaktoren sind ein geringes Interesse der Elternam Alltag ihrer Kinder und eine zunehmendeVerunsicherung in Erziehungsfragen. Viele Elternfühlen sich ohnmächtig und überfordert. Regelnund Konsequenzen fehlen oft ganz.Besonders negativ wirken sich harte Disziplinierungsmethodenaus. Sie signalisieren dem Kind,ELTERN FÄLLT ES IMMER SCHWERER, KONSE-QUENT ZU SEIN.Der Schlüssel zur Gewaltprävention liegt in unseremeigenen Verhalten, in der Erziehungsberatung, imKindergarten, in der Schule. Wir sind gefordert,unsere Kinder im Alltag zu begleiten, ihreHerausforderungen zu kennen und gemeinsamKonfliktbewältigungsstrategien zu entwickeln – mitZuwendung, mit liebevoller und unterstützenderBindung. Gewalt und Aggression dürfen keinesfallsgeduldet und so ungewollt verstärkt werden. Wiralle sind Vorbilder – für ein angemessenes, aufKompromisse zielendes Verhalten.24Jahresbericht 2011Jahresbericht 201125


BetriebswirtschaftKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-13c.sohm@voki.atClaudia Sohm, MBALeiterin BetriebswirtschaftAufgrund stetiger gesellschaftlicherVeränderungen ist auch das VorarlbergerKinderdorf gefordert, seine Dienstleistungenpermanent zu überprüfen undanzupassen. Die Anfragen für unserepräventiven, ambulanten und stationärenDienste sind im Jahr 2011 massivgestiegen. Diese Situation war für alleFachbereiche, aber auch für die Betriebswirtschafteine Herausforderung,da die entsprechenden Ressourcen erstauf- und ausgebaut werden mussten, umdie Anforderungen kompetent und professionellerfüllen zu können.Die Renovierung unserer Häuser imKinderdorf Kronhalde konnten Anfang2011 zwar weitgehend abgeschlossenwerden, doch wurde für zwei neue Projektezusätzlicher Wohnraum benötigt. InFeldkirch und Bregenz ist je eineWohngruppe eröffnet worden, die jeweilsacht bis zehn Kindern ein familiäresLeben und Wohnen ermöglichen soll.Diese beiden neuen Projekte fandensehr guten Anklang und sind bereits vollausgelastet.Im ambulanten Bereich gab es ebenfallsAufstockungen, um der Anfragesituationgerecht zu werden, wodurchBürostandorte zum Teil ausgeweitet bzw.verlegt werden mussten. An dieser Stellewieder ein großes Lob und herzlichenDank an unsere Hausmeister, aber auchan die regionalen Handwerksbetriebe,die uns mit Engagement und Herz unterstützthaben und mit ihrem Einsatz vieleserst ermöglicht haben.Finanzen 2011Alle Einnahmen und Ausgaben unserer beiden Einrichtungen sindin Form von zwei Finanzübersichten getrennt dargestellt: die gemeinnützigeGmbH, die die Fachbereiche führt und vorrangig vonder öffentlichen Hand mittels genauer Leistungsverrechnungenfinanziert wird, sowie der Verein, der seine Mittel in erster Linie fürden Betrieb und Unterhalt der Kinderdorffamilien verwendet.Ihre Spende kommt an!Mit den Spenden und sonstigen Einnahmen des Vereins werdenein Großteil des laufenden Aufwands für das Kinderdorf Kronhaldeinklusive der Ehemaligenbetreuung sowie pädagogische Projekteder einzelnen Bereiche finanziert. Im Vorarlberger Kinderdorf kannjeder Spendeneuro auch seinem Bestimmungszweck, der Unterstützungvon sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen,direkt zugeführt werden. Dies ist möglich, da ein Großteil der Aufwendungenfür Spendenwerbung und -verwaltung durch Erlöse ausder Eigenerwirtschaftung „Kartenverkauf“ gedeckt werden kann.Ihre Spende ist absetzbarDie Jahresabschlüsse der GmbH und des Vereins wurden voneinem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft und mit demBestätigungsvermerk versehen. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänderhat uns aufgrund der vorgenommenen Prüfung desVereins erneut das österreichische Spendengütesiegel verliehen.Außerdem ist das Vorarlberger Kinderdorf auf der vom Bundesministeriumfür Finanzen erstellten Liste der begünstigtenSpendeneinrichtungen unter der Registrierungsnummer 1178 eingetragen.Somit sind Spenden an uns von der Steuer absetzbar.Für die Spendenwerbung, die widmungsgemäße Verwendung derSpenden sowie die Einhaltung der Datenschutzbestimmungenzeichnen der Geschäftsführer, Dr. Christoph Hackspiel, die LeiterinKommunikation & Fundraising, Sylvia Steinhauser, und die LeiterinBetriebswirtschaft, Claudia Sohm, MBA, verantwortlich.Die Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützigen GmbH beschäftigte im Jahr 2011 211 MitarbeiterInnen (davon158 weibliche Beschäftigte, 174 in Teilzeitbeschäftigung). Das Ergebnis setzt sich wie folgt zusammen:Einnahmen Euro %Betreuungserlöse der öffentlichen Hand 8.921.198,54 89,56sonstige Einnahmen (Familienbeihilfen, Eigenerwirtschaftung . . .) 890.633,67 8,94Erlöse aus Vermietung und Kapitalerträgen 134.525,78 1,35Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 14.941,50 0,15Gesamt Einnahmen 9.961.299,49 100,00Ausgaben Euro %Kinderdorf Kronhalde inklusive Außenfamilien 2.271.130,05 22,80Auffanggruppe 433.161,14 4,35Ambulanter Familiendienst 2.489.288,98 24,99Schönenbacher Kindersommer 6.020,52 0,06Pflegekinderdienst 739.460,51 7,42Sozialpädagogisches Internat 2.886.566,91 28,98Sozialpädagogische Schule 199.078,27 2,00FAMILIENemPOWERment 349.030,25 3,50Netzwerk Familie 388.113,01 3,90Zuweisung zu Rücklagen 199.449,84 2,00Gesamt Ausgaben 9.961.299,49 100,00Der Verein Vorarlberger Kinderdorf beschäftigte 2011 22 MitarbeiterInnen (davon 13 weibliche Beschäftigte undacht Teilzeitbeschäftigte) und erreichte folgende Spendeneinnahmen:Einnahmen Euro %Spendeneinnahmen 953.512,46 73,99Haussammlung 261.184,53Mailings 143.312,84Spenden allgemein 201.557,46Kässele 29.026,18Freundeskreis 20.419,50Patenschaften 142.128,48Stiftungen 10.556,65Events 19.402,90Sterbegedenkspenden 25.440,00zweckgebundene Spenden 75.580,92Auflösung Investitionsrücklagen 24.903,00Eigenerwirtschaftung 151.045,26 11,72Gruß- und Weihnachtskartenverkauf 150.592,91Verkauf Merchandising Produkte 452,35Auflösung von Rücklagen aus Spendenmitteln 184.211,89 14,29Gesamt Einnahmen 1.288.769,61 100,00Ausgaben Euro %Betrieb und Unterhalt der Kinderdorffamilien 952.816,15 73,93Ehemaligenbetreuung 196.372,34 15,24Pädagogische Projekte 33.509,65 2,60Spendenwerbung und Spendenbetreuung 33.922,78 2,63Fundraising Sachkosten 72.148,69 5,60Gesamt Ausgaben 1.288.769,61 100,0026Jahresbericht 2011Jahresbericht 201127


Kommunikation & FundraisingKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-11s.steinhauser@voki.atSylvia SteinhauserLeiterin Kommunikation &FundraisingAnstelle der üblichen Eröffnungsparty meiner nigelnagelneuenFrauenarztpraxis gab es gegen eineSpende fürs Vorarlberger Kinderdorf eine gynäkologischeRundumuntersuchung, der Andrang wargroß! Ich möchte euch danken für einen für michunvergesslichen Vormittag im Kreise toller Menschenund für die Freude, die bis heute anhält. Eswar mir eine große Ehre.Barbara Niederer-Bauer istFrauenärztin. Der Erlös ausihrer Praxiseinweihung kamdem Fachbereich „NetzwerkFamilie“ zugute.Auch wenn Helfen gut tut, ist es niemals selbstverständlich. Füruns ist es beeindruckend, aus welchen Beweggründen sichMenschen dafür entschließen. Wir holten exemplarische Statementsvon begeisterten Kommunikatoren, guten Freunden, mitreißendenIdeengebern und verlässlichen PartnerInnen ein, dieeines verbindet: Sie alle knüpfen am Netzwerk der Solidarität fürKinder, Jugendliche und Familien, die unsere gemeinsameUnterstützung brauchen, um das Leben zu meistern.Freude, die anhältMir liegt viel daran, dass die Kinder und Jugendlichenaus dem Vorarlberger Kinderdorf die gleichenZukunftschancen erhalten wie Kinder aus anderenFamilien. Ich weiß, dass im Kinderdorf sehr guteArbeit geleistet wird. Bei der Haussammlung engagiereich mich aus Überzeugung und nicht ausMitleid. Die Vorarlberger Bevölkerung darf sich ihrersozialen Verantwortung nicht entziehen.Waltraud Peter organisiert und motiviertseit 2003 die SammlerInnen inHohenems und ist damit eine von 1200Ehrenamtlichen.Aus Erfahrung weiß ich, dass es häufig Kleinigkeitensind, die dazu beitragen, ein Problem aus derWelt zu schaffen oder Menschen glücklich zumachen. Darum freue ich mich, den Kindern desVorarlberger Kinderdorfs mit meiner Idee eineFreude bereitet zu haben.Susanne Denk ist Gastgeberin desHotels Schwärzler in Bregenz. ImRahmen einer Weihnachtsaktion hatsie Wünsche unserer Kinderdorfkindererfüllt. So konnte ein Jugendlicheraus dem Kinderdorf Kronhaldeeine Kochlehre beginnen.Im Vorfeld unserer Aktion durften wir das VorarlbergKinderdorf live erleben und bekamen einen intensivenEinblick in das Leben einer Kinderdorffamilie.Diese Eindrücke haben uns in unserem Vorhabenbestärkt. Am Ende der Party konnten wir den stolzenBetrag von 2300 Euro überreichen. Ganz besondersfreute uns die Ansichtskarte der Kinder ausItalien . . . eine wirklich gelungene Überraschung.Alexander Micheluzzi, Marketing SupportSpezialist, hat mit seinem engagiertenTeam eine „Depeche Mode &More“-Party zugunsten der Aktion„Einmal das Meer sehen . . .“ amSpielboden auf die Beine gestellt.In meiner Jugendzeit hatte noch kaum jemand einAuto und das Meer gesehen. Mit 16 wollte ich unbedingtdieses magische Ziel erreichen, setzte michaufs Fahrrad und traf nach einer Woche in Venedigein. In Erinnerung an dieses Erlebnis war die Unterstützungder Aktion „Einmal das Meer sehen . . .“keine Frage. Anlässlich meines 70. Geburtstags riefich meine Gratulanten auf, statt Geschenken dafürzu spenden, dass die Kinderdorffamilien ans Meerreisen können. Über die begeisternden Berichte derKinder nach ihrer Rückkehr freute ich mich doppelt.Sigi Baier ist ehemaliger Landestourismusdirektorund unterstützt das VorarlbergerKinderdorf als Botschafter mitAktionen, Networking und viel Tatkraft.Ich bin in Fußach aufgewachsen. Die Familie bot unsKindern ein geborgenes Zuhause, das Dorf gesellschaftliche,soziale und kulturelle Vernetzung. Aufdiesem Hintergrund bin ich selbstbewusst in meineigenständiges berufliches und privates Leben aufgebrochen.Das Vorarlberger Kinderdorf setzt aufdas Potenzial der Familie und des Dorfs. Es bietetKindern und Jugendlichen, mit denen es dasSchicksal nicht so gut gemeint hat, Möglichkeiten,um vertrauensvoll und mutig ihr Leben zu gestaltenund zu bestimmen. Es ist mir ein persönliches Anliegen,diese Institution nach allen meinen Möglichkeitenzu unterstützen.Wir haben selbst zwei Kinder im Alter von 2,5Jahren und sechs Monaten und versuchen unserMöglichstes, ihnen gute Wegbegleiter zu sein. Wirachten unser großes Glück und genießen jedeMinute mit unseren beiden Schätzen. Uns ist klar,dass es Kinder und Familien gibt, denen unter dieArme gegriffen werden muss. Es ist schön zu wissen,dass es Menschen wie euch gibt, die benachteiligtenKindern tagtäglich Geborgenheit geben.Da wir selbst 1945 zu Waisen wurden, geht uns dasSchicksal von Kindern in Zwangslagen sehr nahe. Indas Vorarlberger Kinderdorf und seine Mitarbeiter-Innen haben wir sehr großes Vertrauen, das in persönlichenBegegnungen bestärkt wird. Wir sindsicher, dass unsere Spenden gut eingesetzt werden.Der persönliche Besuch zu Weihnachten bei denKindern im Kinderdorf ist für mich jedes Jahr einberührender Moment und bereitet unserenMitarbeitern und mir viel Freude.Johannes Hefel ist Vorstandsmitgliedder Hypo Landesbank Vorarlberg. Seiteh und je besteht im Rahmen einerHäuserpatenschaft eine verlässlicheVerbindung zu einer Kinderdorffamilie.Regisseur Augustin Jagg ist Präsidentdes Rotary Club Bregenz, der demVorarlberger Kinderdorf ein verlässlicherPartner ist.Simone Grabher-Meyer undAndreas Hofer mit Fabian undPia unterstützen mit einer Patenschafteine Kinderdorffamilie.Hanna und Alfred Knispel lebenin Hamburg. Das VorarlbergerKinderdorf haben siewährend eines Urlaubs in Eichenbergkennen gelernt.Spendenkonto 787BLZ 58000, Hypo Bregenzwww.kinderdorf.cc2829Jahresbericht 2011Jahresbericht 2011


OrganigrammKronhaldenweg 26900 BregenzT 05574/4992-0vermittlung@voki.atFamilienImpulseFAMILIENemPOWERment, Wertvolle KinderSpielbus, Interkulturelle FamilientreffsQualitätsentwicklungNetzwerk FamiliePräventive Hilfe in Kooperation mitder aks Gesundheitsvorsorge undden Vorarlberger Kinder- und JugendärztenJa zu KindernKinderschutzAmbulanter FamiliendienstInterdisziplinäre Regionalteams2011 war für das Vorarlberger Kinderdorf ein Jubiläumsjahr. 60 Jahre galt es zu würdigen,mit respektvollem Blick zurück und zuversichtlichem Vorausschauen. Zum rundenGeburtstag gab es zwar keine großen Feiern, aber großartige Unterstützung: Dank derSpendenbereitschaft vieler Privatpersonen und Unternehmen wurde den Familien ausdem Kinderdorf Kronhalde ein unvergessliches Erlebnis geschenkt: eine gemeinsameReise ans Meer.GmbHVereinGeschäftsführungAuffanggruppeStationäre KrisenbegleitungKrisenpflegefamilienDas Vorarlberger Kinderdorf machte um seinen Geburtstagnicht viel Wind, obgleich es 60 bewegteJahre sind, die im Zeichen des Engagements für benachteiligteKinder und Jugendliche sowie ab Endeder 80er Jahre verstärkt auch deren Familien stehen.Es war Kaplan Hugo Kleinbrod, der das VorarlbergerKinderdorf am 13. Jänner 1951 gegründet hat.Seinen bedingungslosen Einsatz für Not leidendeKinder begann er bereits fünf Jahre zuvor mit denFerienaktionen in Schönenbach. In vielem war HugoKleinbrod seiner Zeit voraus, in seinem Ja zu Kindernund damit zur Weiterentwicklung richtungweisendfür das Vorarlberger Kinderdorf.Nach der Ferienaktion entstand ab 1954 das KinderdorfAu-Rehmen mit einem Schulhaus und mehrerenFamilienhäusern, 1975 war die Grundsteinlegung fürdas heutige Kinderdorf Kronhalde in Bregenz. Alserster zusätzlicher Fachbereich wurde 1984 dieAuffanggruppe als Krisenstation für Mütter und Kinderins Leben gerufen. Der Siegeszug der Pädagogikfand mit der Gründung der AmbulantenFamilienbetreuung 1987 – dem heutigen AmbulantenFamiliendienst – sowie des Pflegekinderdienstes1996 seine Fortsetzung.1999 startete das geschichtsträchtige Landeserziehungsheimam Jagdberg unter der Flagge desVorarlberger Kinderdorfs als „SozialpädagogischesInternat“ neu. Vier Jahre später zeichnete das VorarlbergerKinderdorf auch für die Organisation der bisherigenLandessondererziehungsschule Jagdbergverantwortlich, die heute als SozialpädagogischeSchule mit zwei Exposituren und zahlreichenWerkstätten von sich reden macht.Unter dem Gesichtspunkt einer verstärkten Präventionentstanden weitere Bereiche: FamilienImpulseund Netzwerk Familie widmen sich der frühzeitigenUnterstützung von Familien in belasteten Lebenssituationen.Achtsame Beziehungsangebote, Einsatzfür Kinderschutz und Kinderrechte mit ganzer Kraft –rund 200 MitarbeiterInnen bieten heute vielfältigeHilfestellungen für über 2000 Kinder, Jugendlicheund deren Familien. Das Vorarlberger Kinderdorfbaut auch Brücken der Solidarität: Jede/r einzelneSpenderIn, UnterstützerIn oder Ehrenamtliche istTeil eines Netzwerks der Anteilnahme für Kinder undFamilien, denn: Es liegt an uns allen, was ausKindern wird.StabstelleGmbHStabstelleProkuraGmbHBetriebswirtschaftKommunikation& FundraisingVereinVereinBereichsleitung/Prokura Bereichsleitung/ FührungFührungSozialpädagogisches InternatWohngruppenIndividualpädagogikSozialpädagogische SchuleStationär und ExpositurklassenPflegekinderdienstPflegefamilienAnkerfamilienKinderdorf KronhaldeKinderdorffamilienEhemaligenbetreuungKinderindividualbetreuung3031Jahresbericht 2011Jahresbericht 2011

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