Berlinde De Bruyckere - Hauser & Wirth

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Berlinde De Bruyckere - Hauser & Wirth

PresseinformationBerlinde De BruyckereHauser & Wirth Zürich13. Juni – 24. Juli 2010Vernissage: Samstag, 12. Juni 2010, 18 – 20 UhrIm Zentrum der Ausstellung von Berlinde De Bruyckere bei Hauser & Wirth Zürichstehen Metamorphosen von Tier und Mensch. De Bruyckeres Werk handelt von Todund Verklärung, es zitiert Themen und Kunst vergangener Zeiten, um Ängsteanzusprechen, die uns heute beschäftigen. In ihren Skulpturen vollzieht sich einebeinahe alchemistische Verwandlung von Wachs zu Fleisch, und aus diesemfantastischen Realismus heraus schafft sie Körper, die qualvoll mutiert sind: Figurenohne Kopf, mit fremden oder neu kombinierten Gliedmassen, mit amorphen,pflanzlichen, abstrakten Zügen. In ihren Torsionen wird die Fragilität unserer eigenenExistenz anschaulich. „Ich will zeigen, wie hilflos ein Körper sein kann“, sagt DeBruyckere. „Das ist aber nichts, wovor man Angst haben muss – es kann etwasSchönes sein.“Ein Geweih – ein neues Motiv im Werk der flämischen Künstlerin – erinnert an dasSchicksal Aktäons, der von der Göttin Diana in einen Hirsch verwandelt wurde und daraufvon seinen eigenen Hunden zerfleischt wurde. Roh und äusserst zerbrechlich hängenGeweihe an Schnüren von den Galeriewänden. Blutrot, fleckigweiss und gekrümmt wirkensie völlig anders als die üblichen Jagdtrophäen, die man in Herrschaftshäusern findet. Inihrer fliessenden Abwärtsbewegung wachsen sie zusammen, als ob sie sich gegenseitigbeschützen wollten, und sie scheinen sensibel und beseelt; eines ist mit Bandagenumwickelt, was einer Andeutung menschlicher Empfindung gleichkommt, die diesenabstrakten tierischen Formen innewohnt.Zwei weitere Werke der Ausstellung sind in derselben Technik gearbeitet: ein Pferd, dasder Länge nach auseinandergeschnitten und senkrecht in einer Vitrine aufgehängt ist, undeine langgliedrige menschliche Figur, deren ruhender Körper sich zu einer fleischigenLandschaft verdreht, auf der kein Kopf möglich ist. Diese Figur strahlt trotz ihrerUnförmigkeit Würde aus, sie hat sogar ein Kissen, auf dem ihre Beine ruhen. Derausgezehrte Körper erinnert an Renaissance-Darstellungen der Kreuzabnahme wie auchan neuere Bilder von Opfern in Konzentrationslagern oder den entstellten Körpern vonHungernden. Die Pferdeskulptur stellt den Tod im Grossformat dar. Kopf- und huflos,bleich und durchscheinend gleicht der anthropomorphe Kadaver einem geschwollenenMenschenkörper und erinnert gleichzeitig an Rembrandts „Geschlachteten Ochsen“ undSoutines Ochsentorsos.


Von einem Tisch erhebt sich dramatisch ein weiterer zerrissener Pferdekörper, diesmal ausGusseisen. Mit Eisen arbeitet De Bruyckere zum ersten Mal: Sie hat das Material gewählt,um „die Schwere des Todes“ zu evozieren. Die erbarmungslose Wuchtigkeit, der entleerteKörper des Pferdes schaffen einen drastischen Kontrast zur weichen Verwundbarkeit derWachsformen. Anhand dieser Gegenüberstellung des Ungleichen erprobt De Bruyckeredas Genesungs- und Heilungspotenzial der Gattung Skulptur, indem sie mit präziseeingesetzten Materialien und Motiven ihre komplexe Sprache der Empathie und desLeidens stetig weiterentwickelt.Berlinde De Bruyckere (geboren 1964 in Gent) fand erstmals an der Biennale von Venedig2003 internationale Beachtung, als ihre Skulpturen im italienischen Pavillon gezeigtwurden. Unter ihren neueren Ausstellungen sind „Berlinde De Bruyckere – Luca Giordano:We Are All Flesh“, Hauser & Wirth London (2009), und Espace Claude Berri, Paris (2008).Ihre Arbeiten waren auch in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen, darunter „Le sortprobable de l’homme qui avait avalé le fantôme“, Centre Georges Pompidou, Paris (2009),die 3. Moskauer Biennale zeitgenössischer Kunst (2009), „Infinitum“ (2009) und „Artempo –Where Time Becomes Art“ (2007), beide Palazzo Fortuny, Venedig, und die 4. BerlinBiennale für zeitgenössische Kunst (2007). Unter ihren nächsten geplanten Ausstellungensind die Gwangju Biennale, Korea (September 2010), und „Mysterium Leib. Berlinde DeBruyckere im Dialog mit Cranach und Pasolini“, Kunstmuseum Moritzburg, Halle (Juli2011).Gleichzeitig wird in den Galerieräumen im 2.Stock die Ausstellung 'Djordje Ozbolt Tell themI said something...' gezeigt.Nächste Ausstellungen:Kommende Ausstellungungen:Jakub Julian Ziolkowski‘Timothy Galoty & The Dead Brains’30. Juni – 30. Juli 2010, Hauser & Wirth New YorkJason Rhoades24. September – 18. Dezember 2010, Hauser & Wirth LondonSubodh Gupta25. September – 20. November 2010, Hauser & Wirth Zürich

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