Erwin Schrödinger - Österreichische Zentralbibliothek für Physik ...

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Erwin Schrödinger - Österreichische Zentralbibliothek für Physik ...

Erwin Schrödinger(1887 – 1961)Eine Ausstellung derZentralbibliothek für Physik in WienIdee: Gabriele Kerber, Auguste Dick, Wolfgang KerberRealisierung: Brigitte KrompWeb-Design: Guido BlechlMaterialien: Teil 1: Biographie


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienElternDer Sohn von Rudolf und Georgine Emilia Brenda Schrödingerwird am 12. August 1887 in Erdberg im dritten WienerGemeindebezirk geboren. Das Interesse an denNaturwissenschaften wird von beiden Seiten der Familiegepflegt. Der Vater Erwins, Besitzer einer Wachstuchfabrik,interessiert sich vor allem für Botanik, die er in seinen späterenLebensjahren sogar wissenschaftlich betreibt. Der Großvatermütterlicherseits ist ordentlicher Professor der chemischenTechnologie an der k.k. Technischen Hochschule in Wien undstets bemüht, durch Vorträge und Veröffentlichungen seinWissensgebiet einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zumachen. Das Talent und die Neigung zu dieser Art derPublikation sind auch bei seinem Enkel zu finden.KindheitErwin verbringt eine behütete Kindheit und wird bis zum Eintrittin das k.k. Akademische Gymnasium von Privatlehrernunterrichtet. Im September 1898 legt er die Aufnahmsprüfungfür diese Schule mit Erfolg ab und bleibt bis zum Ende seinerSchulzeit ein hervorragender Schüler. Am 11. Juli 1906 wirdErwin Schrödinger die "Reife zur Universität mit Auszeichnung"zuerkannt.StudienzeitErwin Schrödinger beginnt im Herbst 1906 mit seinemPhysikstudium an den physikalischen Instituten der UniversitätWien in der Türkenstraße 3. Als Student besucht Schrödingerdort die Lehrveranstaltungen Prof. Exners zurExperimentalphysik. Den stärksten wissenschaftlichen Einflußübt allerdings der junge Fritz Hasenöhrl auf ihn aus. In seinerAntrittsvorlesung im Herbst 1907 legt Hasenöhrl in klaren undbegeisternden Worten den Gedankengang von BoltzmannsIdeen dar. Dieser Vortrag beeindruckt Schrödinger so sehr, daßsein eigenes Denken ein Leben lang davon geprägt ist.Nachdem Erwin Schrödinger am 20. Mai 1910 zum Doctorphilosophiae promoviert, gibt es keinen Grund mehr, das"leidige Präsenzjahr" aufzuschieben.2


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienAssistenzzeitAm 1. Oktober 1911 tritt Schrödinger seine erste Stelle bei Prof.Exner an, wo er in den folgenden Jahren als Aushilfsassistentarbeitet. Er beginnt mit experimentellen Arbeiten, erkenntjedoch sehr rasch seine Nichteignung zum Experimentator. ImApril 1913 sucht er mit den "Studien über Kinetik derDielektrika, den Schmelzpunkt, Pyro- und Piezoelektrizität" umZulassung zur Habilitation an, die am 19. Jänner 1914rechtskräftig wird.1. WeltkriegAm 28. Juli 1914 erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Kriegund nur drei Tage später wird Schrödinger einberufen. Am 26.Juli erfolgt der Transfer von Schrödingers Einheit nach Görz,wo gerade die zweite Isonzoschlacht zu Ende geht. GegenEnde des Krieges kommt Erwin in eine Lauerstellung beiProsecco. In dieser etwas ruhigeren Umgebung studiert ererstmals Einsteins neue Theorien und findet nur mühsam undlangsam Zugang zu diesen Überlegungen. Das Ende desKrieges erlebt er in Wien, "welches ein großer Vorteil war, weilmich so das unselige Zurückfluten unserer durchlöcherten Frontnicht betraf". Zu den allgemeinen Kriegswirren treten im HausSchrödinger nun auch private Probleme. Beide Elternteilelaborieren an langwierigen Erkrankungen und die finanziellenVerhältnisse sind desolat.JenaDie Berufsaussichten für junge Physiker sind durch denZusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie unddie dadurch bedingte Verringerung der Zahl der Universitätenund Hochschulen denkbar schlecht. Schrödinger nimmtdeshalb ein Angebot der Universität Jena an und verläßt Wien.Vor der Übersiedlung nach Jena vermählt sich Erwin am 6. April1920 mit Annemarie Bertel. In Anerkennung seiner Leistungwird schon am 25. Juni 1920 von der Universität Jena derAntrag auf Ernennung zum a.o. Professor ohne Lehrstelleeingebracht. Ende September 1920 zeigt der unbesoldete a.o.Professor an, daß er zum Ersten des kommenden Monats"einen Ruf als besoldeter a.o. Professor der theoretischenPhysik an die Technische Hochschule in Stuttgart erhalten undangenommen habe".3


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienBreslauNachdem Weihnachten 1920 Berufungsverhandlungen mitWien scheitern, übersiedelt die junge Familie Schrödinger zuBeginn des Sommersemesters 1921 nach Breslau, wo Erwindie theoretische Physik auf einem etatmäßigen Extraordinariatals ordentlicher Professor vertritt. Obwohl Schrödinger mitseiner Stellung und seiner Umgebung sehr zufrieden ist,schreibt er bereits am 12. Juli 1921 an Stefan Meyer nachWien: "Und nun höre: ich bleibe wahrscheinlich nicht in Breslau,sondern gehe an die Universität nach Zürich".ZürichDie Entscheidung Erwin Schrödingers für Zürich erscheint nurzu verständlich. Die vom Krieg verschont gebliebene Schweizbezahlt gute Gehälter und er kennt den Aufstieg jener beidenMänner, die diese Stelle vor ihm innehatten: Albert Einstein undMax von Laue. Nach anfänglichen gesundheitlichen Problemennimmt der junge Wissenschaftler eine rege Publikationstätigkeitauf. Im Laufe dieses Jahres gelingt es Erwin Schrödinger ineiner konzentrierten Kraftanstrengung, inspiriert durch dieArbeiten von Louis de Broglie, eine neue Mechanik zu schaffen:Eine Mechanik, die auch die Bewegungsvorgänge innerhalb derAtome zu erklären vermag. Die Veröffentlichung erfolgt in vieraufeinanderfolgenden Mitteilungen in den Annalen der Physikunter dem Titel "Quantisierung als Eigenwertproblem".Zürich, BerlinSchrödingers Arbeiten zur Quantenmechanik machen auf diephysikalische Welt gewaltigen Eindruck. Einladungen zuGastvorträgen an die bedeutendsten Universitäten und ein Rufan die Berliner Humboldt-Universität, wo er den nach demAbtreten Max Plancks frei gewordenen Lehrstuhl fürTheoretische Physik übernehmen soll, sind die Folge. Obwohler sich in der Schweiz sehr wohl fühlt und die ZürcherUniversitätsleitung und die Studenten sehr bemüht sind, ihn zuhalten, entscheidet er sich doch für die Berliner Position. Einewichtige Rolle spielt dabei wohl die Vermittlung Plancks, dersich bei Schrödinger persönlich für einen Wechsel einsetzt.4


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienBerlin, OxfordBerlin beherbergt 1927 eine beträchtliche Anzahlausgezeichneter PhysikerInnen wie z.B. Albert Einstein, Maxvon Laue, Lise Meitner und Otto Hahn. Hier fühlt sich Erwinsowohl wissenschaftlich als auch privat heimisch. Doch diepolitische Entwicklung bereitet dem Freigeist SchrödingerUnbehagen. Zwar betreffen ihn die neuen Gesetze undVorschriften nicht persönlich, dennoch erfüllen ihn dieGedanken an seine Freunde und seine eigene Zukunft mitSorge. Er nimmt deshalb 1933 die zeitlich begrenzte Stelleeines Fellow am Magdalen College der Universität Oxford an,wo er Vorlesungen über Quantenmechanik hält und voller Eiferan der Debatte um die Interpretation der Quantentheorieteilnimmt.Nobelpreis IAm 9. November 1933 um 9 Uhr abends wird AnnemarieSchrödinger in einem kleinen Oxforder Hotel zum Telefongerufen. Es ist die Londoner Times, die ihr mitteilt, daß ihrMann unter den diesjährigen Nobelpreisträgern ist. Am 10.Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, wird in Stockholm derNobelpreis für Physik des Jahres 1933 an Erwin Schrödingerund an Paul Adrien Maurice Dirac verliehen.Nobelpreis IIDer Vorsitzende des physikalischen Nobelkomitees begründetin seiner Ansprache die Verleihung des Nobelpreises an ErwinSchrödinger mit folgenden Worten: "Durch das Studium derWelleneigenschaften der Materie ist es Ihnen gelungen, eineneue Mechanik zu schaffen, die auch gültig für die Bewegungenin den Atomen und Molekülen ist. Mit Hilfe dieser sogenanntenWellenmechanik haben Sie die Lösung zu einer Menge vonProblemen in der Atomphysik gefunden. Ihre Theorie gibt eineeinfache und bequeme Methode für das Studium derEigenschaften der Atome und Moleküle unter verschiedenenäußeren Verhältnissen und ist ein großes Hilfsmittel für dieEntwicklung der Physik geworden."5


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienGrazDie Weihnachtsferien 1935 verbringt Erwin Schrödinger inÖsterreich. Er nutzt die Gelegenheit, um Gespräche über eineBerufung nach Österreich zu führen. Mit Beginn desWintersemesters 1936/37 verläßt er Oxford und nimmt eineStelle als Dozent der theoretischen Physik in Graz an. Nachdem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich wird diepersönliche Situation von Schrödinger durch eineHausdurchsuchung und Verhöre immer unerträglicher: Seinepolitische Einstellung ist den neuen Machthabern nur zubekannt. Mit lediglich einem Handkoffer, als Urlaubsreisendegetarnt, verlassen Anny und Erwin Schrödinger Österreich. Siegelangen über Italien und die Schweiz wieder nach Oxford, umschließlich einer Einladung an die Reichsuniversität Gent zufolgen.Irland IEamon de Valera, Premierminister von Irland und vor seinerpolitischen Karriere selbst Mathematiklehrer, sieht durch dieseEntwicklung die Gelegenheit, den wissenschaftlichen Fortschrittseines Landes zu fördern. Er veranlaßt die Gründung einesInstitutes für Höhere Studien, dessen Abteilung für theoretischePhysik ganz auf Schrödinger zugeschnitten ist. Es gelingt ihmso, den Nobelpreisträger für 16 Jahre nach Irland zu holen.Irland IIIn Irland entwickelt sich durch Schrödingers Wirken ein Zentrumtheoretischer Physikforschung. Zu Sommerkolloquien lädt erGrößen aus aller Welt zur Diskussion mit irischen Gelehrtenein. Unter idealen Arbeitsbedingungen entstehen etwa 50Arbeiten. Noch einmal erfaßt ihn eine tiefe wissenschaftlicheLeidenschaft: die Suche nach einer einheitlichen Feldtheorie,d.h. nach einer Theorie, die die Phänomene der Gravitation unddes Elektromagnetismus gleichermaßen zu erklären vermag.Trotz angestrengtester Arbeit über Jahre bleibt demNobelpreisträger hier der endgültige Erfolg versagt.6


Erwin Schrödinger - BiographieEin Service der Zentralbibliothek für Physik in WienWas ist Leben?Auf anderem Gebiet gelingt Erwin Schrödinger dafür einunerwarteter Durchbruch. In seinem Buch Was ist Leben?, dasaus einer Reihe populärwissenschaftlicher Vorträge entsteht,entwickelt er eines der wesentlichsten Konzepte der modernenBiologie, nämlich die Idee des genetischen Codes. DieseVeröffentlichung ist mit mehr als 100.000 verkauftenExemplaren das meistverbreitete Werk Schrödingers.Rückkehr nach ÖsterreichDie Kontakte zur alten Heimat läßt der berühmteWissenschaftler nie abreißen. Im Wintersemester 1950 kommter als Gastprofessor an die Universität Innsbruck und dasEuropäische Forum Alpbach besucht er regelmäßig. 1956entschließt sich Erwin Schrödinger zur endgültigen Heimkehrnach Österreich. Am 13. April 1956 übernimmt Schrödinger diespeziell für ihn eingerichtete Lehrkanzel an der UniversitätWien. Das Thema seiner Antrittsrede lautet Die Krise desAtombegriffs. Der Andrang zu diesem Vortrag ist so gewaltig,daß selbst das Auditorium maximum der Universität zu klein istfür die Menge der Interessierten. In den folgenden Semesternhält er Vorlesungen über Allgemeine Relativitätstheorie und dieEvolution des Universums ab.AlpbachIm Mai 1960 zeigen sich erneut Symptome einerLungenerkrankung. Schrödinger unterzieht sich gründlichenUntersuchungen in Wien und auch in Innsbruck. Der Befundlautet: Alterstuberkulose. Er beginnt eine Liegekur in dem vonihm so geliebten Alpbach, hat aber nicht mehr die Kraft, um sichnoch einmal wirklich zu erholen. Am 4. Jänner 1961 um 7 Uhrabends verstirbt er in Gegenwart seiner Frau Anny. Am 9.Jänner wird er in Beisein zahlreicher Trauergäste und begleitetvon den Abschiedsworten seines alten Freundes Hans Thirringin Alpbach zu Grabe getragen.7

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