Gestrata Journal Ausgabe 137 (März 2013)

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Gestrata Journal Ausgabe 137 (März 2013)

Robert Prade4Eine ErinnerungAm 8.12.2012 haben wir Gen.Dir.a.D. KR. Ing.Robert Prade, den Ehrenvorsitzenden der GESTRATA,zu seiner letzten Ruhestätte begleitet. Wir haben unsdamals nicht nur von einem klugen Pragmatiker imVorstand der GESTRATA und von einem erfolgreichen,sehr energischen und besonders menschlichenFirmenchef der TEERAG-ASDAG AG verabschiedetsondern – fast ist man geneigt zu sagen– von einem Repräsentanten einer Epoche desgemeinsamen Aufbaus.Prade hatte schon früh seinen Vater verloren.Das Studium an der HTL wurde zum Teil bereitsallein von seiner Mutter finanziert. Unmittelbar nachder Fachmatura als Bauingenieur wurde Prade zumMilitär eingezogen. Als er nach dem Krieg aus englischerGefangenschaft zurückgekehrt war, widmeteer sich seinem Beruf - dem Straßenbau. Anfangs alsBauleiter der ASDAG in Wien, damals Bauabteilungder Firma TEERAG AG, dann in gleicher Funktion imRaum Villach und 1953 als Niederlassungsleiterder Firma in Klagenfurt.In seiner Branche war zu dieser Zeit das Umfeldgänzlich anders als heute. Die Straßen warenwährend der Kriegsjahre vernachlässigt und durchden Krieg selbst vielfach zerstört. Dazu kam dieTatsache, dass die Motorisierung deutlichzugenommen hatte, und so waren bald auch dieintakten Straßen unzulänglich. Das wiederumbedeutete aber, dass Wirtschaft und Wiederaufbau,die so abhängig von Verkehrsverbindungen sind,gerade am Straßenproblem zu scheitern drohten.Für eine gute Zukunft des Landes war somitStraßenbau die wesentliche Voraussetzung.Doch noch fehlte die technische Basis. Straßenbau,speziell mit Asphalt, war nirgends Lehrgegenstandgewesen. Noch Anfang der 60er Jahre gab es zumBeispiel österreichweit 45 verschieden lautendeLeistungsbeschreibungen allein für Asphalttragschichten(!!), eine Materialvielfalt, die später inden Begriff ‚Bitumenkies‘ mündete. Also musstenAuftraggeber und Baufirmen in Zusammenarbeit dierichtigen Materialien und Verfahren erarbeiten undgemeinsam die Technologie formulieren. Prade warin dieser Epoche einer der Vordenker solcherBemühungen.Als konsequenter nächster Schritt ist Prades Engagementfür Schulungen aller am AsphaltstraßenbauBeteiligter zu sehen. Als er 1968 in den Vorstand derTEERAG-ASDAG AG berufen und im März 1973 imVorstand der GESTRATA aufgenommen wurde,dauerte es nicht lange, bis Prade und Dr. Fritz Passvon der OMV am 21. März 1974 die Idee desinzwischen schon traditionsreichen Bauseminars initiierten.Was dahinter stand, war wieder das Prinzipder Gemeinsamkeit. Nicht nur - wie bisher - dieMineralölindustrie sondern auch Vertreter derAuftraggeber und der inzwischen zu Fachbetriebenavancierten Baufirmen sollten allen Beteiligten denletzten Stand der Asphalttechnik vermitteln, überVertragsbarrieren, Firmengrenzen und Konkurrenzdenkenhinaus.Bereits am 03.04.1975, als Prade als Vorstandsvorsitzenderder GESTRATA bestätigt wurde, konnte erstolz berichten, dass die Idee des gemeinsamenEngagements aller im Asphaltstraßenbau Tätigerdurch das Bauseminar erfolgreich verwirklicht wurde.Die Details von Asphaltherstellung und -einbau, festgeschriebenanfangs in Anleitungen, dann Richtlinienund Vorschriften, schließlich in Normen, wurden vonvielen Mitgliedern der GESTRATA, der Forschung undder Auftraggeber gemeinsam und paritätisch ausgearbeitet.Um die gemeinsamen und die, wenn dieser Ausdruckauch nicht korrekt, nur treffend sein mag,„überparteilichen“ Interessen innerhalb derGESTRATA zu betonen, bemühte sich Prade Anfangder 1980er Jahre mit seinen Vorstandskollegen auchum eine gemeinsame Finanzierung der Gesellschaft.Als deutlich sichtbares Zeichen dafür wurde durchden Vorstand unter seinem Vorsitz der sogenannte‚Bitumenschilling‘ eingeführt, der die Deckung vorallem der Schulungskosten der GESTRATA vomBitumenverbrauch ihrer Mitgliedsfirmen abhängigmachte und wieder einmal das Gemeinsame derAsphalttechnik über ein Konkurrenzdenken einzelnerFirmen erhob.

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