Jahresbericht 2008 - Kolping Europa

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Jahresbericht 2008 - Kolping Europa

JahresberichtSozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V.2008


VorwortLiebe Freunde,Das Jahr 2008 war für den Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkese.V. (SEK) stark geprägt durch das 40-jährige Jubiläum der „Aktion Brasilien“.Mit dem Start dieser Aktion auf der Generalversammlung 1968 in Salzburgwurde die Entwicklungszusammenarbeit zu einem festen Bestandteil in derZielsetzung des Kolpingwerkes. 40 Jahre koordinierte Entwicklungszusammenarbeitbedeutet gleichzeitig auch 40 Jahre Auf bau des InternationalenKolpingwerkes: In dieser Zeit ist die Zahl der Länder, in denen der Verbandpräsent ist, von 14 auf 61 gewachsen; weltweit wurden mehr als 3.000 Kolpingsfamilienneu gegründet.Inhalt3 | Unsere ArbeitPrinzipien der Zusammenarbeit4 | Unsere ArbeitUngebrochenes Engagementtrotz Spendenrückgang5 | Unsere GeschichteEin entwicklungspolitischesKonzept feiert Geburtstag6 | Zahlen zur ProjektarbeitAufwendungen und Erträge 20087 | Jahresabschluss 2008Gewinn- und Verlustrechnung8 | Kolping weltweitProjektausgaben im Überblick10 | ThemaArbeitslosigkeit hat viele Gesichter12 | Chile/SlowakeiHandwerkliche Berufsausbildung /Chancen für Roma13 | Tansania/RumänienArbeit auf dem Land/Auszeichnung14 | IndonesienEinfache Konzepte, die überzeugenZum anderen konnten wir 2008 auf 50 Jahre personelle Entwicklungszusammenarbeitzurückblicken. Im Jahr 1958 hat das Kolpingwerk die ersten Entwicklungshelferausgebildet und nach Afrika entsandt. Der Vorstand des SEKnutzte die Gelegenheit dieses Jubiläums, um eine politische Stellungnahmezur anhaltenden Bedeutung der personellen Entwicklungszusammenarbeitzu veröffentlichen.Zu unserer Arbeit gehört neben der Armutsbekämpfung wesentlich die Mitarbeitam Auf bau von zivilgesellschaftlichen Strukturen in den Partnerländern,die eine Beteiligung auch der unteren Schichten einer Gesellschaftermöglichen. Aus diesem Grund ist der SEK eine von sieben deutschen Fachorganisationen,die in der Arbeitsgemeinschaft Sozialstruktur kooperieren undvon dem besonderen Förderansatz des Bundesministeriums für wirtschaftlicheZusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) profitieren. Zur Absicherungdieses Förderansatzes haben wir auch 2008 verschiedene Initiativen gestartet.Der SEK war zudem an einer Erarbeitung von Richtlinien für Evaluierung vonProjekten beteiligt.In Lateinamerika hat der SEK im vergangenen Jahr zwei Seminare mit entwicklungspolitischerBedeutung durchgeführt: Ein Seminar zur Economíasolidaria, die in Lateinamerika als mögliches alternatives Wirtschaftskonzeptauf immer größeres Interesse stößt, und ein Seminar zur Organisation vonMenschen, die im informellen Sektor arbeiten. Dieses stand in engem Zusammenhangmit dem Schwerpunktthema des Internationalen Kolpingwerkes:„Samenkörner der Hoffnung in der Arbeitwelt säen“.Die Spendenerträge des SEK lagen im Jahr 2008 mit 2,9 Millionen Euro um600.000 Euro (18 Prozent) niedriger als im Vorjahr. Erfreulicherweise ist es abergelungen, 2008 um ca. 300.000 Euro höhere öffentliche Zuschüsse zu gewinnen,insgesamt 6,9 Millionen Euro. Da auch rund 454.000 Euro aus dem Vorjahrweitergeleitet wurden, flossen in 2008 Spenden in Höhe von insgesamt 3,35Millionen Euro in 306 Projekte in 31 Ländern. Mit öffentlichen Zuschüssenwurden acht Progamme in 26 Ländern finanziert. Neu im Programm fürAsien sind die Länder Indonesien und Timor-Leste.Allen Spendern und Partnern ein herzliches Vergelt’s Gott!Aktuelle Informationen über denSozial- und Enwicklungs hilfedes Kolpingwerkes e.V. findenSie jederzeit im Internet unterwww.kolping.net.Msgr. Axel WernerVorstandsvorsitzenderHubert Tintelottstv. Vorstandsvorsitzender2


Unsere ArbeitPrinzipien derZusammenarbeitEntwicklungsprojekte werden inpartnerschaftlicher Arbeit durchgeführtVon Hans Drolshagen, Geschäftsführer SEK e.V.Der Sozial- und Entwicklungshilfe desKolpingwerkes e.V. (SEK) ist Mitglied imVerband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen(VENRO) undin der Arbeitsgemeinschaft Sozialstrukturhilfe,in der sich sieben Nichtregierungsorganisationen(NROs) zusammengeschlossenhaben.Der SEK ist nicht selbst Träger vonEntwicklungsprojekten in den Partnerländern,sondern arbeitet mit Kolping-Nationalverbänden und -Stiftungen zusammen,die die konkrete Projektarbeitleisten– im Jahr 2008 waren es 46 Partner.Zwischen dem SEK und diesen Partnernwerden Projektrahmenverträge geschlossen,sowohl für Maßnahmen deröffentlichen Zuwendungen als auch fürSpendenprojekte. Hier wird unter anderemfestgelegt, dass dem Sozial- und Entwicklungshilfedes Kolpingwerkes e.V.Programmpläne, Jahresbudgets, periodischeBerichte und Verwendungsnachweisevorgelegt werden. 18 Partner zeigenaußerdem jedes Jahr Bilanzen undTestate vor. Das Bundesministerium fürwirtschaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung (BMZ) führt jährliche Zuwendungsprüfungenbeim SEK durch.Zur Zusammenarbeit gehören auch regelmäßigeBesuche bei den Partnern undin deren Projekten. Die Besuche dienendazu, die Partner zu begleiten und Projektegemeinsam mit ihnen zu evaluieren.RisikomanagementEine Nachhaltigkeit unserer Arbeitwäre ohne ein systematisches Risikomanagementnicht möglich. Darin sinddie Projektpartner im InternationalenKolpingwerk mit eingebunden. ZumRisikomanagement gehört: Ein internesControlling zur Überprüfung vonArbeitsabläufen und Ergebnissen sowiedie Begleitung, das Monitoring und Controllingder Projekte und Partner vor Ort.Es gibt Projekthandbücher für die Partnerorganisationenund ein Handbuchmit Richtlinien zum Einsatz unabhängiger,externer Wirtschaftsprüfer. Füralle Verbände gilt der Verhaltenskodexdes Internationalen Kolpingwerkes, dersich für Transparenz und Integrität undgegen Korruption richtet.AusblickNoch bis 2010 wird sich der SEK besondersan dem Thema „Arbeit und Beruf“ausrichten. Arbeitsplätze zu schaffenund Menschen eine Berufsausbildungzu ermöglichen, darin sehen wir einenwichtigen Beitrag zur Erreichung derMillennium-Entwicklungsziele 2015.Folgende Schwerpunkte wurden für2009 im Rahmen der strategischen Zielefestgelegt:• Konsolidierung der Partnerstrukturenvor Ort und damit eineVer besserung der Programm- undProjektreferent Volker Greulich auf Projektbesuch in Afrika – ein wichtigerTeil der Kooperation zwischen SEK und Projektpartner.Projektarbeit in ihrer Effektivität,Effizienz, Relevanz und Nachhaltigkeit.• Stärkung der sozialen Strukturenin den Partnerländern als Beitragzur Förderung der Zivilge sell schaften.• Gewinnen von neuen Spendergruppen(Alter 50plus) zur Absicher ung der Entwicklungszusammenarbeit.• Verbesserung von Geschäftsprozessendurch eine ergebnisorientierteSteuerung.FinanzplanungTrotz der aktuellen Wirtschafts- undFinanzsituation in Deutschland strebenwir einen ausgeglichenen Haushalt für2008/2009 an. Neben unseren Spendern,die uns bei der Umsetzung unserer Aufgabenund Ziele unterstützen, gilt einbesonderer Dank dem Deutschen Parlamentund dem Bundesministerium fürwirtschaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung. Die staatliche Entwicklungszusammenarbeitstellt sich nachdrücklichihrer Verantwortung für die„Eine Welt“ und fördert durch die Sozialstrukturhilfeauch Maßnahmen desSEK mit zusätzlichen Mitteln.3


Unsere ArbeitUngebrochenes Engagementtrotz SpendenrückgangVon Elisabeth Schech, Referentin FundraisingIm Jahr 2008 hat der Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkese.V. (SEK) insgesamt 2,9 Mio. Euro an Spenden eingenommen– 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl derSpender ist allerdings auch 2008 wieder gestiegen, ein Zeichendafür, dass das Engagement für die Eine Welt ungebrochen ist.Ein Grund für den Rückgang der Spenden:Im Jahr 2008 fehlten einige Großspenden,die in den Vorjahren u. a. durchTestamente flossen. Der Hauptgrund istaber, dass die finanziellen Möglichkeitenfür viele Menschen kleiner werden. Daswird durch die Tatsache sichtbar, dass dieDurchschnittsspende pro Spender etwasgeringer ausfällt.Mehr als 80 Prozent der Spender sindKolpingmitglieder. Dass deren Engagementnach wie vor groß ist, zeigt dieWeihnachtsaktion, an der sich im Dezember2008 über 4.600 Personen beteiligthaben, knapp 1.300 mehr als imVorjahr. Mit der Weihnachtsaktion ruftKOLPING INTERNATIONAL in der Vorweihnachtszeitalle Kolpingmitgliederin Deutschland zu Spenden für Kolpingschwesternund -brüder in verschiedenenArmutsregionen der Welt auf. Knapp250.000 Euro kamen so 2008 zusammen.Sie fließen in elf konkrete Selbsthilfeprojekte,in diesem Jahr unter anderem dieBerufsausbildung in Indien, das Kleinkreditprogrammin Ecuador und das Milchkuhprojektin Uganda.Knapp die Hälfte der Spenden erhältder SEK von Einzelpersonen, die andereHälfte kommt von Aktionen der Diözesan-und Bezirksverbände sowie Kolpingsfamilien.Hinzu kommen Zuschüsse vonVereinen, Stiftungen und größeren Organisationen.Mit den Spendeneinnahmenfinanziert der SEK rund 30 Prozent seinerentwicklungspolitischen Arbeit, in derenZentrum die nachhaltige Armutsbekämpfungsteht. Dazu gehört nach unseremVerständnis auch der Aufbau von Zivilgesellschaft,die mithelfen kann, gerechtepartizipative Strukturen zu schaffen.Da immer mehr Organisationen umdie Gunst der Spender buhlen, muss allerdingsauch der Einsatz erhöht werden,um Spender zu gewinnen, was eine Erhöhungder Verwaltungskosten mit sichUlaria und ihr ältester Enkel aus Uganda sind glücklich über ihre Milchkuh. Dank der Weihnachtsaktionkann Kolping Uganda noch mehr Familien so helfen.Josephine aus Indien hat ihr Ausbildungszertifikatin der Hand. Die Weihnachtsaktion 2008macht dies auch für andere Jugendliche möglich.bringt. Bisher haben wir nur fünf Prozentvon zweckgebundenen Spenden abgezogen.Dieser Anteil muss ab 2009 auf achtProzent erhöht werden, wobei dieser Prozentsatzim Vergleich zu anderen Organisationennach wie vor niedrig ist.Information und Transparenz gegenüberSpendern wie Öffentlichkeit istuns ein wichtiges Anliegen. Auf unsererhomepage www.kolping.net/entwicklunghaben wir 2008 einen eigenenBereich „Transparenz und Kontrolle“eingerichtet, in dem Interessierte alleInformationen über die Arbeit des SEKabrufen können. Um zukünftig nochbesser auf die Wünsche unserer Spendereingehen zu können, werden wir 2009eine bundesweite Befragung durchführen,um ihre Erwartungen und Bedürfnissezu ermitteln.Ein großer Hoffnungsträger für die Unterstützungder weltweiten Kolpingarbeitsind nach wie vor die Kolpingsfamilien.Ihr wichtiges Engagement unterstützenwir durch ein deutlich ausgebautesAngebot an Materialien, die individuellzusammengestellt werden. InsbesondereKolpingsfamilien, die ihr Gründungsjubiläumfeiern, können bei uns Materialienwie z.B. Plakate und Flyer anfordern.4


Unsere GeschichteEin entwicklungspolitischesKonzept feiert GeburtstagVon Monika Kowoll-Ferger, Referentin ÖffentlichkeitsarbeitMit einer Fachtagung undeinem Festabend feierte derSozial- und Entwicklungshilfee.V. (SEK) 2008 seinen Geburtstagvor 40 Jahren. Bereits zehnJahre zuvor waren die erstenKolping-Entwicklungshelferin die Welt gegangen.Im August 1958 brachen acht jungeMänner aus der Kolpingsfamilie Halternnach Äthiopien auf, um dort inZusammenarbeit mit dem DeutschenAussätzigen-Hilfswerk eine Leprastationaufzubauen. Das Kolpingwerk griff damitals eine der ersten Organisationen inDeutschland die Verpflichtung auf, denMenschen in den ärmeren Ländern zuhelfen, indem man qualifizierte Fachkräftedorthin sandte.In den folgenden Jahren gingen immerwieder Kolpingbrüder als Entwicklungshelferin die Länder der so genanntenDritten Welt. Es gab Diözesanverbände,Kolpingsfamilien und Mitglieder, dieeinzelne Entwicklungshilfeprojekte unterstützen,aber eine koordinierte Entwicklungszusammenarbeitfehlte.Eine folgenschwere Entscheidung1968 bei der Generalversammlung inSalzburg stand dann die Enscheidungdarüber an, ob der Verband eine eigenständige,koordinierte Entwicklungszusammenarbeitbeginnen, oder dasFeld anderen Organisationen überlassensolle. Die Delegierten beschlossenden Beginn der „Aktion Brasilien“, mitSchwerpunkt auf der Berufsausbildungjunger Handwerker. Im Jahr darauf wurdeder Sozial- und Entwicklungshilfe desKolpingwerkes e.V. (SEK) offiziell gegründet,bald darauf begann die Zusammenarbeitmit dem Bundesministerium fürwirtschaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung (BMZ).Aus Anlaß des Jubiläums organisierteder SEK 2008 ein Fachseminar mit demTitel: „Verbandsauf bau als entwicklungspolitischesKonzept“. Die Gründung vonSelbsthilfegruppen (Kolpingsfamilien)und deren Zusammenfassung in einemNationalverband sind ein wichtiger Beitragzur Stärkung der Zivilgesellschaft.Eine starke Zivilgesellschaft ist wiederumein unverzichtbares Strukturelementjeder Demokratie. Deshalb ist derVerbandsauf bau als entwicklungspolitischesKonzept auch nach 40 JahrenDie erstenKolping-Entwicklungshelfer1958.Jubiläumsfeierder „AktionBrasilien“ beider Bundesversammlungdes deutschenKolpingwerkesmit Gästen ausBrasilien.ein aktueller und nachhaltig wirkenderAnsatz, bestätigten die anwesenden Experten.An den Beginn der „Aktion Brasilien“erinnerte der SEK mit einem Festabendmit Sambatänzern und Capoeirakämpfern,der im Rahmen der Bundesversammlungdes Kolpingwerkes Deutschlandstattfand. Ehemalige Delegierte derGeneralversammlung 1968 berichtetenüber die Debatten vor der Entscheidungund erklärten, dass sie sich damals derTragweite ihrer Entscheidung sicherlichnicht bewußt gewesen seien.Eine Delegation des Kolpingwerkes Brasilienwar nach Essen gekommen, um denDank für die solidarische Unterstützungüber 40 Jahre hinweg zu überbringen.5


Zahlen zur ProjektarbeitAufwendungen 2008EUR5.776.989 | Öffentlich geförderte Projekte (BMZ + EU) 11.050.121 | Verbandsaufbau und Infrastruktur 299.824 | Ländliche Entwicklung 3585.335 | Aus- und Weiterbildung 414.397 | Umwelt 575.096 | Existenzgründung 6723.143 | Allgemeine Projektarbeit 7140.269 | Nothilfe 8141.411 | Sonstige Partnerförderung 9747.181 | Personalkosten181.524 | Öffentlichkeitsarbeit und Tagungen281.474 | Verwaltungskosten69.316 | Mietaufwendungen und Wirtschaftsbedarf39.787 | Sonstige Aufwendungen(Steuern, Versicherungen, Abschreibungen)120.000 | Projektrückstellungen376.425 | Wertberichtigungen/Abschreibung1) Hochwasser Rumänien, Taifun Philippinen,Tsunami, Bürgerkrieg Sri Lanka1Schaffung und Förderung von sozialen Strukturen zur Befriedigung derGrundbedürfnisse, zur nachhaltigen Armutsbekämpfung und zur2) Zuwendungen Entwicklung der an ZivilgesellschaftPartnerorganisationen in Deutschland2Kolpinghäuser, Büros, Mitarbeiter, Bildungsveranstaltungen fürKolpingsfamilien etc.3Kleintierzucht, Milchvieh, landwirtschaftliche Seminare, Saatgut etc.4Schulen, Berufsbildungszentren und -maßnahmen etc.5Wasserversorgung, Aufforstung etc.6Spar- und Kreditprogramme, Einkommen schaffende Maßnahmen7Kindergärten, Kinderspeisungen, Hausbau u.a.8Überschwemmungen Uganda, Brasilien, Domin. Republik, Uruguay,Honduras, Hurrikan Nicaragua, Erdbeben Peru, Taifun Philippinen,Tsunami9Zuwendungen an Partnerorganisationen in DeutschlandErträge 2008EUR6.350.000 | Öffentliche Zuschüsse BMZ205.136 | Öffentliche Zuschüsse EU / Justitia et Pax403.814 | Sonstige (private) Zuschüsse 1 *2.327.897 | Zweckgebundene Spenden *596.611 | Nicht zweckgebundene Spenden *(u.a. Dauerspender)27.069 | Spenden Nothilfe 2 *159.426 | Briefmarken/Altkleider13.398 | Sonstige ordentliche und außerordentliche Erträge 3163.836 | Zinserträge1befreundete Stiftungen (z.B. Deichmann-Stiftung, NiedersächsischeLottostiftung, Geiselberger Stiftung), Land Südtirol, PäpstlichesMissionswerk der Kinder, Bistümer Köln, Münster, Rottenburg-Stuttgart,Freiburg, BFK Speyer, Land Luxemburg2Überschwemmungen Uganda, Brasilien, Domin. Republik, Honduras;Hurrikan Nicaragua, Erdbeben Peru3Bußgelder, Auflösung Rückstellungen, Rückfluss vorfinanzierter Mittel* Enthalten Eingänge aus 2007 in Höhe von 453.817 €, die in 2008 inProjekte weitergeleitet wurden.6


Jahresabschluss 2008Gewinn- und VerlustrechnungZeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 20082008 2007EUR EUR EUR EURErträge aus Spenden 1 3.355.391,41 3.560.462,01Erträge aus Zuschüssen 6.555.136,44 6.248.515,40Erträge aus Erbschaften – 88.183,31Sonstige betriebliche Erträge 2 172.823,64 10.083.351,49 254.460,91 10.151.621,63Aufwendungen für Projekte aus Spendenmitteln 2.688.185,39 2.973.288,65Aufwendungen für Projekte aus Zuschüssen 5.776.989,24 5.434.487,40Sonstige Partnerförderung 3 141.411,25 8.606.585,88 216.662,30 8.624.438,35Personalaufwanda) Löhne und Gehälter 613.707,18 698.599,02b) Sozialabgaben, Altersversorgung und sonstige Aufwendungen 133.473,33 143.348,12(davon für Altersversorgung 26.482,60 EUR) 747.180,51 841.947,14Miet-, Energie- und Instandhaltungsaufwendungen 43.350,00 42.823,10Wirtschaftsbedarf 25.966,43 20.857,26Verwaltungsbedarf 281.473,71 267.458,00Aufwendungen Öffentlichkeitsarbeit 157.737,18 156.040,39Kurse und Tagungen 4 23.786,60 10.738,04Steuern, Abgaben und Versicherungen 13.592,26 545.906,18 11.907,21 509.824,00Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen 11.970,67 13.573,08Rückstellungen für Projektrisiken 5 120.000,00 219.000,00Wertberichtigung 6 – 50.863,44Sonstige ordentliche und außerordentliche Aufwendungen 14.224,41 146.195,08 13.532,40 296.968,92Zinsen und ähnliche Erträge 7 163.836,38 187.587,48Abschreibungen auf Finanzanlagen 8 376.424,99 –Zinsen und ähnliche Aufwendungen – –Steuern vom Einkommen und vom Ertrag – 212.588,61 362,00 187.949,48Jahresergebniss -175.104,77 66.392,701enthalten private Zuschüsse4zusätzliche entwicklungspolitische Konferenz Königswinter7Finanzkrise2in 2007: € 141.000 aus Aufl ösung Rückstellungen5positive Einschätzung der Risiken für 20098Finanzkrise3Wegfall Zuschuss Generalversammlung 20076keine Wertberichtigungen in 2008Bilanz und Jahresabschluss 2008 des Sozial- undEntwicklungs hilfe des Kolpingwerkes e.V. sowiedie Gewinn- und Verlustrechnung 2008finden Sie als PDF zum Download auf unsererWebsite: www.kolping.netJahresabschluss 2008ohne Einwendungen testiertSpendensiegel bestätigtVertrauenswürdigkeitDas Deutsche Zentralinstitut für sozialeFragen in Berlin (DZI) hat demSozial- und Entwicklungshilfe desKolpingwerkes e.V. das Spendensiegelzuerkannt. Es bescheinigt dem Kolpingwerkeine „größtmögliche Wirksamkeit“bei der Verwendung vonSpenden, niedrige Verwaltungskostenund seriöse Öffentlichkeitsarbeit.7


Kolping weltweitProjektarbeit mit internationalem FokusKOLPING INTERNATIONAL ist in mehr als 60 Ländern auf fünfKontinenten aktiv. Weltweit gibt es rund 450.000 Kolpingmitglieder,die in fast 5.000 Kolpingsfamilien organisiert sind.Diese wiederum sind in 43 Nationalverbänden zusammengeschlossen.(Stand: Mai 2008)ProjektausgabenEuroöffentliche Zuschüsse 5.776.989Spenden und sonstige Zuschüsse 2.688.185EuropaEuroLitauen 165.500Ukraine 206.000Polen 39.687Rumänien 155.433Slowakei 64.875Tschechische Republik 20.475Ungarn 151.260Serbien-Montenegro 153.815Kosovo 161.670Slowenien 44.150Albanien 80.840Portugal 8.184LateinamerikaEuroMexiko 467.854Honduras 45.703Nicaragua 175.294Dom. Republik 81.475Ecuador 240.012Kolumbien 363.603Peru 446.967Brasilien 810.105Bolivien 379.210Paraguay 406.063Uruguay 317.809Chile 257.689Argentinien 158.034Detaillierte Angaben zu deneinzelnen Kontinenten undLändern stehen auf unsererWebsite zum Download alsPDF bereit:www.kolping.net


Projektausgaben 2008Länder mit Projektförderung in 2008Länder mit KolpingsfamilienÜberregionalEuroSchulungsteam Afrika 12.134Beratung Osteuropa 4.000Aktion Präsides 14.837Projekte des Monats (ab 9/08) 1.500Koordinationsbüro Asien 11.932Projektbegleitung weltweit 372.675AsienEuroIndien 441.450Sri Lanka 108.725Myanmar 309Vietnam 134.000Indonesien 74.834Philippinen 52.891Timor-Leste 30.000AfrikaEuroKenia 159.858Uganda 481.976Tansania 468.792Ruanda 32.713Burundi 3.000Nigeria 285.493Kamerun 12.000Benin 38.121Togo 37.527Südafrika 284.700


Projekte | LateinamerikaArbeitslosigkeit hat viele GesichterIn Lateinamerika schafft Kolping Erwerbsarbeitsplätze im informellen SektorVon Peter Schwab, Projektreferent LateinamerikaOb in Westeuropa, in Nord- oder Südamerika,in Afrika oder Asien, überallwerden steigende Arbeitslosenzahlenfestgestellt. Die Regierungen stehen voreiner Entwicklung, vor der sie oft machtlosscheinen. Die Internationale Arbeitsagentur(ILO) spricht im Zusammenhangmit der “schlimmsten Wirtschaftskriseseit 1930“ von schwerwiegenden Folgenfür den Arbeitsmarkt weltweit.Scheinbar genaue Zahlen täuschenDie Interamerikanische Entwicklungsbankkann für Lateinamerika scheinbargenaue Zahlen nennen. So gab es Ende2008 in Argentinien 14,64 Prozent Arbeitslose,in Bolivien 8,29 Prozent, inParaguay 4,87 Prozent. Zum Vergleich:In Deutschland weist die Statistik knappvier Prozent Arbeitslose aus. Zahlen, dieziemlich verblüffen – die Arbeitslosigkeitin Lateinamerika erscheint da imVergleich gar nicht mehr so hoch. DieserSchluss ist allerdings falsch.In den meisten Ländern Lateinamerikassind formelle Arbeitsverhältnisse,wie sie in Westeuropa noch immer weitverbreitet sind, weitgehend unbekannt.Nur eine Minderheit der dem Arbeitsmarktpotentiell zur Verfügung stehendenPersonen haben einen Arbeitsplatz,von dem sie leben können. Feste Arbeitsverhältnissemit einem Arbeitsvertragund gar sozialen Leistungen, diedie größten Risiken wie etwa Krankheit,Alter und Arbeitslosigkeit abdecken,sind für die meisten Erwerbstätigen inLateinamerika unbekannt.Verschärft wird diese Situation durchdie aktuelle Weltwirtschaftskrise. VieleLänder Lateinamerikas haben noch zuwenig weiterverarbeitende Industrien.Länder wie Chile, Argentinien oder Bolivienleben vor allem von ihren Rohstoffen.Chile z.B. ist einer der größtenKupferproduzenten der Welt. Bis vorEine Selbstständigkeit im informellen Sektor – zum Beispiel als Straßenhändler – ist für viele Lateinamerikanerdie einzige Möglichkeit, den Lebenunterhalt zu bestreiten.kurzem konnte dieses Land wegen deshohen Kupferpreises auf dem WeltmarktÜberschüsse im Staatshaushalterwirtschaften. Doch jetzt fällt der Kupferpreisdramatisch, und es entstehtein wachsendes Haushaltsdefizit. Eineschrumpfende Wirtschaft als Folge derEntwicklungen auf dem Weltmarkt wirktsich direkt negativ auf den Arbeitsmarktdes Landes aus. Das gilt zum Beispielauch für Bolivien, das wesentlich vonseinen Erdgasausfuhren lebt oder Venezuela,dessen Haupteinnahmequelle dasErdöl ist.Der informelle Sektor wächstDer so genannte “informelle Sektor”fällt in der Regel aus der amtlichen Arbeitslosenstatistikheraus. Die Verkäuferauf den Straßen, die Zeitungen, Spielzeugoder Zigaretten verkaufen, gehörenebenso dazu wie das auf den erstenBlick mittelständische Unternehmen,das Süßigkeiten produziert und durchambulante Händler in Großstädten ver-marktet. Der informelle Sektor ist invielen Ländern Lateinamerikas ein wichtiger,wenn nicht sogar der bedeutendsteWirtschaftssektor geworden. In Uruguaymacht dieser Sektor rund 30 Prozent desGesamtvolumens der Volkswirtschaftaus. In Bolivien oder Paraguay, aberauch in Honduras, Nicaragua und invielen weiteren Ländern sind es sogarrund 50 Prozent. Vielfach entwickelt ersich zu einer Konkurrenz für Firmen desformalen Sektors. Er wächst ständig weitermit negativen Konsequenzen für denStaat (fehlende Steuereinnahmen) undfür die Beschäftigten (fehlende sozialeAbsicherung, Ausbeutung).Kolping zieht KonsequenzenDie Konsequenzen für die Arbeit desKolpingwerkes in Lateinamerika sindklar: Echte Hilfe zur Selbsthilfe kannnur eine berufliche Ausbildung bieten,die flexibel auf die wirtschaftlichen undsozialen Gegebenheiten eingeht. Zielkann nicht mehr die Qualifizierung für10


Projekte | Lateinamerikaein klassisches Arbeitsverhältnis sein,weil dieses kaum mehr existiert. DieErfahrungen sprechen zudem gegeneine klassische Berufsausbildung, weilsie mehrere Jahre dauert und damit soteuer ist, dass sie sich niemand mehrleisten kann. Deshalb haben die Verantwortlichendes Kolpingwerkes in Lateinamerikaneue Wege zur beruflichenQualifizierung für den informellen Sektorentwickelt.Endziel FormalisierungDie meisten Absolventen beruflicherBildungsmaßnahmen des Kolpingwerkesin Lateinamerika finden nach Abschlussder Ausbildung eine Betätigung im informellenSektor. Oft bedeutet dies denAuf bau einer selbstständigen Existenzetwa im Bereich des Handwerks. DieSchneiderin gehört ebenso dazu wieder Landschaftsgärtner; der Kraftfahrerebenso wie der Werbegestalter. Die beruflicheQualifizierung soll ein nachhaltigerBeitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichenLage sein, und so kann siesich nicht mehr allein auf die Vermittlungtechnischer Fertigkeiten beschränken.Vielmehr muss sie AuszubildendeWie hier in Peru bietet Kolping Schulungen für Menschen an, die sich als Kleinunternehmer selbstständigmachen wollen.fit machen für ein Überleben aus eigenerKraft im informellen Sektor. In Uruguay,Argentinien, Chile, Paraguay und Ecuadorgibt es sehr erfolgreiche Programmezum Auf bau von Kleinunternehmen.Das Kolpingwerk kann sich allerdingsauch nicht damit abfinden, junge Menschennur im informellen Sektor wirtschaftenzu lassen. Als katholischerSozialverband setzen wir uns auch fürein Mindestmaß sozialer Absicherungarbeitender Menschen ein. Nach unseremSelbstverständnis müssen wirdaran mitwirken, dass Personen undUnternehmen im informellen Sektorsich aus diesem heraus in den formalenSektor hinein entwickeln können. Soübernimmt das Kolpingwerk in Lateinamerikaauch eine politische Aufgabe:Wir wollen daran mitwirken, dass sichdie politischen Verhältnisse in den verschiedenenLändern derart verändern,dass eine Entwicklung zu mehr sozialerAbsicherung möglich wird.„Ohne Kolping hätte ich das nie geschafft.“Sabrina Angeloni (31), lebt in Montevideo/Uruguay.Sie ist verheiratet undhat vier Kinder im Alter von fünf bis 12Jahren. Nach dem Sekundarschulabsclusshat sie fast zwei Jahre in einemder großen Gartenbaubetriebe Uruguaysgearbeitet.„Aber dann kam schon unsere ersteTochter. Eine Berufsausbildung habeich deshalb nicht mehr machen können”,erzählt sie. Nachholen konnte siedie Berufsausbildung nicht, weil niemandda war, der sich um die Kinderhätte kümmern können. Hier und dakonnte sie ein paar Hilfsarbeiten übernehmen,fast immer aber musste dieimmer größer werdende Familie vondem geringen Einkommen des Vatersleben.Dann erfuhr sie von dem Programm“EMPRECREA” des Kolpingwerkes, dasGründungsdarlehen für junge Existenzgründervergibt. Voraussetzung für dieFörderung ist die persönliche Eignungund eine schlüssige Geschäfts idee. Ausfüllendes ausführlichen Fragebogens,Bewerbungsgespräch mit der Psychologin– für Sabrina kein Problem.Schwieriger war die Erstellung einesBusinessplans. Ein Gärtnerbetrieb mitVor-Ort-Service sollte es sein. Diese Geschäftsideemusste sie vor einer Auswahlkommissionverteidigen. “Ich habees geschafft: EMPRECREA hat mir einenKredit über 1.928 US-Dollar gewährt,”freut sich die junge Frau. Damit konntesie ein kleines Motorrad mit Anhänger,eine Motor-Heckenschere und weiteresHandwerkszeugkaufen.„Und sie habenmir einenMentorzur Seite gestellt,einenerfahrenenUnternehmer,dermich regelmäßig berät. Das ist sehrhilfreich.”Jetzt arbeitet sie drei bis 14 Tage imMonat in den Gärten ihrer Kunden undverdient durchschnittlich 350 Eurodazu. Dabei ist ihr das Wichtigste, dasssie ihre Arbeit so einteilen kann, dassdie Kinder nicht zu kurz kommen. DerBetrieb läuft gut, so dass sie den Kreditin 36 Monatsraten zurückzahlenkann. “Ohne Kolping hätte ich das niegeschafft”, sagt sie stolz. P. Schwab11


Projekte | Chile und SlowakeiChile: Berufsausbildungnach BedarfVon Peter Schwab, Projektreferent LateinamerikaEin Angebot zur beruflichen Ausbildung ist nur in soweitsinnvoll, als es auch tatsächlich berufliche Perspektiven eröffnet.Eine Ausbildung am Arbeitsmarkt vorbei ist nicht alleinGeldverschwendung, sondern auch schädlich für die Entwicklungder Persönlichkeit junger Menschen.Das Kolpingwerk Child hat im Jahr 2008 über 1000 jungeMenschen in handwerklichen Berufen qualifiziert. So wurdenin La Serena Küchenmeister in einem Ausbildungsgangvon 462 Unterrichtseinheiten ausgebildet. Damit konnte aufeine Nachfrage vor allem aus der Tourismusbranche reagiertwerden. Auch Schweißer, Kellner, Elektroinstallateure undSchreiner wurden in modular aufgebauten Ausbildungsgängenqualifiziert.Immer seltener geschieht dies Ausbildung allerdings intraditionellen mehrjährigen Ausbildungsgängen, denn diesekann sich niemand mehr leisten. Auch der chilenische Staat,für den Kolping viele Berufsbildungsmaßnahmen durchführt,finanziert immer weniger mehrjährige Ausbildungsgänge.Ähnlich wie in Westeuropa werden sehr viele Berufsbildungsmaßnahmenvon staatlichen Stellen ausgeschrieben. DieseAusschreibungen gilt es zu gewinnen. Dabei entscheidet derPreis – genau wie auch in den meisten Ländern Westeuropas.Seit einiger Zeit verlangt der chilenische Staat auch Auskunftdarüber, was aus den Auszubildenden nach der Ausbildunggeworden ist. Das chilenische Bildungswerk ist also verpflichtet,die Wirkung der durchgeführten Bildungsmaßnahmenzu messen. So kann man stolz mitteilen, dass 82 Prozent derAbsolventInnen handwerklicher Berufsbildungsmaßnahmennach der Ausbildung in einen Arbeitsplatz vermittelt werdenkonnten.Slowakei: Chancenschaffen für RomaVon Gregor Federhen, Projektreferent Mittel- und OsteuropaDie Angehörigen der Roma-Minderheit in der Slowakei sinddie großen Verlierer der rasanten Entwicklung, die das Landseit der samtenen Revolution mitmacht. Die 300 Roma-Siedlungensind Inseln der Dritten Welt inmitten eines aufstrebendenLandes. Die Arbeitslosigkeit beträgt bei ihnen um die95 Prozent. Vor der riesigen Herausforderung, diese Menschenin den Arbeitsmarkt zu integrieren, haben viele andere Nichtregierungsorganisationenoder staatliche Behörden schon kapituliert.Das Kolpingwerk in der Slowakei setzt sich seit Jahrenbesonders für die Roma ein und arbeitet dabei mit anderenFachorganisationen und staatlichen Stellen zusammen.Kolping hat an verschiedenen Orten Werkstätten eingerichtet,in denen traditionelle Handwerke der Roma wie die Schnitzkunst,Korbflechten und Teppichweberei gelehrt werden.Zusätzlich werden zahlreiche Roma durch Motivations- undQualifikationskurse wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht.Neben der Beratung bekommen die arbeitslosen Roma konkreteUnterstützung angeboten, die ihnen die Reintegrationin die Gesellschaft erleichtern sollen. Die Angebote dienender Stärkung des Selbstvertrauens, der Gesundheitsförderung,der Förderung der Kreativität. Bei der Arbeitssuche und derKontaktaufnahme zu Arbeitgebern hilft die 30-jährige RomaJarmila Holubová, die ihre Sprache Romani spricht.In einem neuen Projekt sollen insbesondere die Romafrauengefördert werden, die es traditionell besonders schwer haben,einen Beruf zu erlernen. In Štiavnické Bane hat das Kolpingwerkkürzlich eine neue Schnitzerschule und Werkstatt eröffnet,die eng mit einem ähnlichen Projekt in Oberammergaukooperiert. Trotz erster Erfolge: Bis zur echten Integration dieserethnischen Minderheit ist es noch ein weiter Weg.12


Projekte | Tansania und RumänienTansania: Arbeit schaffenauf dem LandVon Volker Greulich, Projektreferent AfrikaKolpingsfamilie Kagondo/Tansania, Juli 2008: Mitarbeiter derKolping-Nationalbüros in Ruanda, Uganda, Kenia und Tansaniasind zu Besuch in der Kolpingsfamilie. Die Kolpingsfamilieempfängt ihre Gäste auf dem Grundstück eines ihrer Mitgliederund berichtet über die Erfolge ihrer Arbeit.Im Jahr 2004 hatte das Kolpingwerk Tansania begonnen,Kurse anzubieten, in denen unter anderem die Herstellungvon Kompost vermittelt wurde. In der Folgezeit bekamen Mitgliederder Kolpingsfamilie Kühe, deren Mist für die Herstellunghochwertigen Naturdüngers genutzt wird. Die Mitgliederder Kolpingsfamilie Kagondo betonen immer wieder, wie sehrdiese einfachen Maßnahmen geholfen haben, die Erträge zusteigern. Es wird nicht nur genügend geerntet, um die eigeneFamilie zu ernähren, sondern es können auch Überschüsse fürden Verkauf erwirtschaftet werden.Bei einem Spaziergang durch den Ort werden die Bananenstaudengezeigt, die in vollem Saft stehen. Ein junger Mann zeigtstolz das Haus, das er für sich und seine Frau gebaut hat: solidegebaut und mit Wellblechdach. Er sei nicht, wie so viele anderejunge Männer, in die nächste größere Stadt gezogen, denn hierkönne er mit seiner Farm gutes Geld machen, sagt er.In vielen afrikanischen Ländern lebt die Mehrheit der Bevölkerungnoch auf dem Land. Viele Bauern haben ihre eigenenÄcker, aus denen sie aber häufig nicht genug herausholenkönnen. Das Kolpingwerk in Afrika passt sich dieser Situationan und versucht, aus Kleinbauern, die in erster Linie für deneigenen Bedarf produzieren, Kleinunternehmer zu machen,die ihr „Betriebskapital“, den Boden, möglichst effizient undökologisch nachhaltig nutzen. Dazu gehört auch die Weiterverarbeitunglandwirtschaftlicher Produkte und deren Vermarktung.Mittlerweile wird dieser Ansatz auch in anderen Ländernverfolgt, in denen das Kolpingwerk arbeitet, etwa in Kenia,Uganda, Ruanda und Nigeria. Bei den Bauern stößt dies aufgroßes Interesse, denn sie sehen, dass der Verband ihnen hilft,ihre Lebenssituation aus eigener Kraft zu verbessern.Rumänien: Ausbildungmit AuszeichnungVon Monika Kowoll-Ferger, Referentin ÖffentlichkeitsarbeitEinen besonderen Erfolg konnte das Kolping-Hotel Brasovverbuchen: Im Oktober 2008 erhielt es den „Brasov BusinessAward“ der Industrie- und Handelskammer für die besonderserfolgreiche Tätigkeit im Bereich der Ausbildung. In dem seitEnde 2006 bestehenden Drei-Sterne-Haus arbeiten 21 Personen,die vorher zumeist in anderen Bereichen tätig waren, oder dieaus der Arbeitslosigkeit kamen. Besonders gelobt wurde vonder Industrie- und Handelskammer die Tatsache, dass auchfünf Personen aus sozial benachteiligten Gruppen im Kolping-Hotel eine feste Stelle gefunden haben, darunter Roma-Frauenund zwei Behinderte. Alle Angestellen haben die Möglichkeit,Aus- und Weiterbildungskurse zu besuchen.Neben dem Hotel- und Tagungsbetrieb finden im Kolping-Hotel Brasov auch Ausbildungskurse für Köche und Kellnerstatt. Im Jahr 2008 gab es 42 Teilnehmer. Hinzu kamen 40Praktikanten eines externen Kurses für Hotelmanager.13


Projekte | Indonesien und Timor-LesteEinfache Konzepte, die überzeugenIn Indonesien und Timor Leste soll ein selbstbewusster Handwerkerstand entstehenVon Martin J. Rüber, Projektreferent Brasilien und AsienBereits auf der Straße hört man denmit Diesel betriebenen Generator. Inder holprigen Zufahrt zur Werkstattlehnen fertige schwungvolle und mitEmblemen verzierte Eisengitter. WeitereEisenbögen lassen das Konstrukt einerKinderschaukel erkennen. Im Hof bearbeitenfünf Männer in kurzen Hemdenmehrere Eisenteile. Niemand spricht einWort, alle sind konzentriert, und jederArbeitsgriff sitzt. Theofilus (22) geht gekonntmit dem Schweißgerät um, undFunken sprühen vom Eisentor auf demBoden ab in alle Himmelsrichtungen.Der Schweiß auf seiner Stirn tropft aufseine Schutzbrille.Es ist Samstagmittag und sehr heiß inKupang auf der Insel Timor, der Provinzhauptstadtfür die südostindonesischenInseln. Die Insel befindet sich knappzwei Flugstunden östlich von Bali undeine gute Stunde vom australischen Festlandentfernt.„In schätzungsweise vier Stundensind wir auch mit dem letzten Teilstückfertig“ sagt Werkstattbesitzer MikhaelAluman (52) und zeigt beim Lachen seineZähne, die von Bethel rot gezeichnetDiese Kolping-Werkstatt in Kupang ist Teil des umfassenden Entwicklungsprojekts von Kolping Indonesien.In Handarbeit entstehen hier unter anderem Gitter für Tore und Zäune.sind. Er hat nur fünf Jahre die Volksschulebesucht – in den sechziger Jahrenwar es in Indonesien allgemein üblich,nicht in die Schule zu gehen und stattdessenden Eltern daheim zu helfen. Erhat sich dann durchgekämpft und sichschließlich selbstständig gemacht.Das Lebenswerk für KolpingMikhael und seine Frau Agustina sindMitglieder der Kolpingsfamilie Kupang;nicht nur auf dem Papier, sondern vonganzem Herzen. Vor zwei Jahren hatteMikhael ohne Zögern zugesagt, dassdie Werkstatt – sein Lebenswerk – alsKolpingwerkstatt geführt werden kann.Diese Entscheidung erleichtert die Kolpingarbeitin Kupang nun sehr.Seit über einem Jahr ist die SchweißerwerkstattTeil eines umfassenden undlangfristig angelegten Entwicklungsprojekteszwischen dem Sozial- und Entwicklungshilfedes Kolpingwerkes e.V.und Kolping Indonesien, das seit 2008auf den südostindonesischen InselnFlores, Sumba und Timor schrittweiseumgesetzt wird. Vom Bundesministeriumfür wirtschaftliche Zusammenarbeitund Entwicklung (BMZ) wird es mit jährlich50.000 Euro gefördert. Ziel ist es, dieEinkommenssituation der Zielgruppenzu verbessern. Hinzu kommt der Anspruch,arme und benachteiligte Menschenzu sozialer und wirtschaftlicherTeilhabe zu befähigen.Aktuell führt Kolping Indonesien inWesttimor neben der Schweißerei nocheine Polsterwerkstatt und eine Schnitzerei.In Kupang haben sich zwei weitere14


Projekte | Indonesien und Timor-LesteKolpingmitglieder bereit erklärt, in ihrenWerkstätten mit arbeitslosen Handwerkernzusammenzuarbeiten. Als organisierteHandwerkergruppen können sienun größere Aufträge annehmen und ausder Erwerbslosigkeit herauskommen.Auf der Nachbarinsel Sumba erhaltenjunge Frauen ab 13 Jahren einepraktische Hauswirtschaftausbildungin drei Kolping-eigenen Mädchenwohnheimen,so genannten Asramas die sichin Nähe einer weiterführenden Schulebefinden. Neben Koch- und Nähkursen,Säuglingspflege und dem Anlegen einesGemüsegartens erhalten sie eine Allgemeinbildungund Grundlagen derGesellschaftskunde. Nach zwei Jahrenverlassen sie das Wohnheim, kehrenzurück in ihr Dorf oder suchen eine Anstellungin einer größeren Stadt oder aufeiner anderen Insel.Für Jugendliche und HandwerkerUm der Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigungim Südosten Indonesiens zubegegnen, hat das Kolpingwerk konkretzwei Zielgruppen im Visier: Zum einenJugendliche beiderlei Geschlechts miteiner schulischen Grundausbildung, dieaber keine professionellen handwerklichenFertigkeiten besitzen und keinergeregelten Arbeit nachgehen. Diesejungen Menschen haben eine schlechteZukunftsperspektive, sowohl in ihremStamm als auch in der offenen Gesellschaft.Erst wenn sie ein eigenes, wennauch geringes Einkommen erarbeitenkönnen, gewinnen sie ein Stück persönlicherund finanzieller Unabhängigkeit.Zum anderen arbeitet Kolping Indonesienmit Handwerkern jeden Alters, diekaum eigenes Handwerkzeug besitzenund die meiste Zeit des Jahres arbeitslossind. Gelegentlich werden diese vorübergehendund ohne Vertrag für ein begrenztesBauprojekt angestellt und weitunter ihrer Qualifikation als Hilfsarbeiterbezahlt.Ziel der umgesetzten Projektmaßnahmenist die Entstehung eines selbstbewusstenHandwerkerstandes, der Aufträgeselbstständig übernehmen und mitden größeren nichteinheimischen Unter-In den Kolping-eigenen Wohnheimen auf der Insel Sumba lernen die Mädchen neben ihrer schulischenAusbildung auch alles, was sie für ein selbstständiges Leben wissen müssen.nehmen konkurrieren kann. Neben derHandwerker- und Hauswirtschaftsausbildungfür junge Menschen und demZusammenschluss von Handwerkern zuHandwerkergruppen werden vor allemArbeitsplätze und Werkzeuge als Anschubfinanzierungbereitgestellt.Bereits bei der Ausarbeitung des Projektplans2007 hatte Kolping Indonesienkonkrete Ergebnisse formuliert, die dannin den kommenden Jahren zu erreichensind. Feste Indikatoren werden den Graddes Projekterfolges messen. Die Auswertungwird dann in weitere, jeweils dreijährigeProjektzyklen einfließen. Diefinanzielle Zusammenarbeit mit demBMZ im Partnerland Indonesien ist aufMikhael Aluman zeigt stolz den Katalog mitseinen Produkten.eine langfristige Förderung ausgerichtet.Sie ist Teil des KontinentalprogrammsAsien, in dem weitere Kolpingländerzusammengefasst sind, die regional undinhaltlich zusammen passen, ähnlicheProjektmaßnahmen umsetzen und ausMitteln des Bundes gefördert werden.Ausweitung auf Timor-LesteIm November 2007 empfahl das BMZ,nach Möglichkeit die Projektmaßnahmendes Kolpingwerkes in Indonesienauch auf das Nachbarland Timor-Lesteauszuweiten, eine Empfehlung, diewenige Monate später auch die deutscheBotschaft in Jakarta unterstützte.Da bereits in den 90er Jahren erste Kolpinggruppenin Timor-Leste gegründetworden waren, die bis heute bestehen,konnte in kurzer Zeit ein Neuantragbeim BMZ eingereicht werden. Seit Juli2008 erhält nun auch das KolpingwerkTimor-Leste in einem eigenständigenProjekt finanzielle Mittel des Bundes,um auch in diesem Land der Arbeits-,Zukunfts- und Perspektivlosigkeit besondersjunger Menschen zu begegnen undkompakte handwerkliche Ausbildungfür Frauen und Männer durchzuführen.Dabei erhält Kolping Timor-Leste für dieerste Zeit noch administrativ-juristischeUnterstützung durch Kolping Indonesien.15


Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V.VorstandVorstandsvorsitzender: Generalpräses Msgr. Axel WernerStellv. Vorstandsvorsitzender: Generalsekretär Hubert TintelottStellv. Vorstandsvorsitzender: Bernhard BurgerWeitere VorstandsmitgliederOttmar Dillenburg (Bundespräses Kolpingwerk Deutschland)Ulrich Vollmer (Bundessekretär Kolpingwerk Deutschland)Alfred Meier (Kolpingwerk Deutschland, DV München)Werner Sondermann (Kolpingwerk Deutschland, DV Paderborn)Otto von Dellemann (Nationalsekretär Kolpingwerk Südtirol)Alle Mitglieder des Vorstandes sind ehrenamtlich für den SEK e.V. tätig. Sie erhaltenlediglich eine Fahrtkostenerstattung.GeschäftsführungHans DrolshagenStand: Mai 2009Telefonnummern und Spendenkonten» DeutschlandTel. +49-221-20701-43, -197, -199, -212Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V.Pax-Bank eG Köln, Konto Nr. 15 640 014 (BLZ 370 601 93)IBAN: DE97 3706 0193 0015 6400 14BIC: GENODED1PAX» ÖsterreichTel. +43-1-587 35 42-0Kolping ÖsterreichBankhaus Schellhammer-Schattara, Konto Nr. 135 137 (BLZ 19 19 0)IBAN: AT97 1919 0000 0013 5137BIC: BSSWATWW» SchweizTel. +41-41-410 91 39Schweizer KolpingwerkKantonalbank Schwyz, Konto 158 627/29 34 (PC 60 -1-5)IBAN: CH59 0077 7001 5862 72934SWIFT (BIC): KBSZH22XXX» SüdtirolTel. +39-0471-30 84 00Kolpingwerk Südtirol, Spendenkonto Dritte WeltSüdtiroler Volksbank, BozenIBAN: IT74 H058 5611 6010 5057 0335 298BIC: BPAAIT2B050» LuxemburgTel. +352-50 77 74Société Kolping du LuxembourgDexia-BILLIBAN: LU86 0024 1450 2320 0000BIC: BILLLULLImpressumHerausgeberSozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V.Kolpingplatz 5-11, 50667 Kölnsek-spenden@kolping.net | www.kolping.netRedaktion: Monika Kowoll-Ferger | monikakowoll@kolping.netGestaltung: Zimmermann DRCDM, Köln | www.drcdm.comDruck: Luthe Druck, KölnBildnachweis: Volker Greulich, Martin J. Rüber, Peter Schwab, GeorgWahl, KOLPING INTERNATIONAL

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