Eigenwillige Poetik - Architektur & Technik

idea.romandie.ch
  • Keine Tags gefunden...

Eigenwillige Poetik - Architektur & Technik

94Architektur & Technik 1-07Atelier-Porträt Scheitlin-Syfrig + PartnerATELIER-PORTRÄTvor OrtEigenwillige PoetikAndi Scheitlin und Marc Syfrig arbeiten seit über 20 Jahrenin Luzern mit konsequenter Beharrlichkeit. Die Bauten derzwei Luzerner Architekten haben bei aller Strenge einen Aspekteigenwilliger Poetik.Text: Lore Kelly, Fotos: Susanne Seiler-HerspergerDas Atelier befindet sich im Dachaufbaueines Lagerhauses. Der Zugang über dasHaupttreppenhaus hat repräsentativenCharakter.


Lichtes GrossraumbüroAndi Scheitlin und Marc Syfrig haben an der ETH Zürich studiert.Damals hatte Aldo Rossi starken Einfluss auf die Studierenden.Beide machten ihr Diplom bei Dolf Schnebli. Der Publizist DieterBachmann ortet das Luzerner Architekten-Duo als herausragendeVertreter einer typischen Zwischengeneration, die im Sogvon kritischer Theorie und Popkultur ihre Ausbildung durchliefund während der Boomzeit medialer und ökonomischer Digitalisierungim praktischen Berufsleben Fuss zu fassen begann. Sosteht es in einem Beitrag in der kürzlich im Quart Verlag erschienenPublikation «Scheitlin-Syfrig+Partner».Das Atelier von Scheitlin-Syfrig+Partner von rund 500 Quadratmeternbefindet sich seit etwas mehr als drei Jahren im oberstenGeschoss eines alten Lagerhauses aus den 50er Jahren imSüden vom Bahnhof von Luzern. Das Geschoss wurde dem Gebäudeallerdings erst vor rund 20 Jahren aufgesetzt – es ist eine weissgestricheneStahlkonstruktion, ausgefacht mit vorfabriziertenBetonelementen. «Wir haben vier Sitzungszimmer, eine Küche,zwei Balkone», kommentiert Partner Marc Syfrig ihr Büro, «an dengrossen, breiten Tischen arbeiten jeweils zwei Mitarbeiter, die habenda genügend Platz, und obwohl es ein grosser Raum ist, hat dochjeder seine Privatsphäre».Wie nicht anders zu erwarten, trägt das Atelier die Handschriftder Nutzer: «Den Ausbau des Ateliers machten wir selber, strichendie Wände – alles weiss – und erneuerten den Boden», erklärtMarc Syfrig. «Die Regale und der Bodenbelag sind aus Birkensperrholz.Die Tischgestelle sind vom Egon Eiermann, und daraufhaben wir die Birkensperrholzplatten gelegt. Die Regale mitall den Architekturbüchern und den Baumustern unterteilen dasBüro. Es ist ein gutes Atelier, es macht Spass hier zu arbeiten.Wir haben einen Fünfjahresvertrag mit Option. Bevor wir dieseshelle Büro hatten, arbeiteten wir in einem eigenen dreistöckigenHaus in der Altstadt. Das Auf und Ab ging von der Koordinationher einfach nicht mehr.»Über Dachgauben und riesige Fensterflächen werden dieArbeitsplätze mit Tageslicht versorgt. Zwei der Besprechungszimmeröffnen sich zum grossen Atelier. Auf beiden Balkonen mitBlick auf die die Geleise des Bahnhofs Luzerns und den Pilatuskönnen die Mitarbeiter ihre Ruhepausen einlegen. Die meistenvon ihnen benutzen wie auch die Chefs gerne die schwindelerregendeMetallfluchttreppe, die an einer Hauswand einläufig ganzschmal und eng hinunterführt. Besucher können das hochliegendeBüro im fünften Stock aber auch über das grosszügige Treppenhausoder den behäbigen, gemächlichen Lift erreichen. Gleicham Eingang, bei den Glastüren beim Empfang, befindet sich eineinladender Wartebereich für die Besucher mit bequemer Sitzgelegenheit.95


96Architektur & Technik 1-07Atelier-Porträt Scheitlin-Syfrig + PartnerSachliche, sinnliche ArchitekturBestimmte Bauten der zwei Luzerner Architekten mussten zumTeil lange Jahre durch ein höchst verwirrliches Finanzierungs- undBaubewilligungsprozedere navigiert werden und liessen sich nurdank viel politischem Spürsinn und grosszügigen Bauherrschaftenzur Realisierung bringen. Es ist eine bemerkenswerte Eigenartdes Schaffens der beiden Architekten: Sie stellen sich konsequentder öffentlichen Vermittlung ihrer Bauten. «Es kommt imkonkreten Bauen der beiden markant zum Ausdruck, dass sie sichverständlich machen wollen, dass ihnen daran liegt, sich auchin komplexeste politische und kulturelle Verhandlungen ihrer Ideeneinzulassen», schreibt Marco Meier in der erwähnten Quart-Publikation.Inzwischen können sie auf eine ansehnliche Zahl realisierterProjekte blicken.Scheitlin-Syfrig+Partner zeichnen sich durch herausragendearchitektonische Lösungen aus, das Büro ist innovativ, bautechnischversiert und stilbildend gleichermassen. «Ihre Bauten gründenauf dem Prinzip der Einfachheit und Sachlichkeit. LeuchtendeFarben kommen vermehrt zum Einsatz. Am Anfang steht dielogische räumliche Struktur des Bauwerkes, welche flexiblen Bedingungenfolgen kann», schreiben Toni Häfliger und Luca Deon überdie beiden Luzerner Architekten.Pragmatik im AlltagMarc Syfrig hat einen gesunden Menschenverstand und fragt ständig,wie man es noch besser machen könnte. Für die Arbeit desBüros gilt eine unerschütterliche Verpflichtung zur Exzellenz undein stets sicheres, gutes Urteil. Zudem zeichnen sich Andi Scheitlinund Marc Syfrig durch besondere Führungsfähigkeiten aus.Sie hören zu, sind fürsorglich zu ihren Mitarbeitern und handelnmit Entschlossenheit, geleitet von Verstand und Mitgefühl. Vonihren Mitarbeitern fordern sie Vertrauen und Verlässlichkeit, Einsatzund Leistungsbereitschaft. Beide Architekten haben eine positiveAusstrahlung, sie vermitteln Teamgeist und Leichtigkeit. Eingrosser Teil ihrer Mitarbeiter sind Frauen. «Die Frauen machendie Stimmung im Büro», erklärt Syfrig, und in seiner Stimmeschwingt Stolz mit, wie er davon erzählt.■Die zitierten Kommentare stammen aus dem im Juni 2006 erschienenenBand 12 der De aedibus-Reihe des Quart VerlagsScheitlin-Syfrig + Partner76 Seiten, 104 Abbildungen, 42 Pläne22.5 x 29 cm, fadengeheftete Broschurapple 31.–/CHF 48.–ISBN-13: 978-3-907631-64-5

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine