Rede Prof. Dr. Hiltrun Kier

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Rede Prof. Dr. Hiltrun Kier

Prof. Dr. Hiltrud KierZum kleinen Fest der Bürgerintitative ProBeethovenhalleam 8. Mai 2010 in der Beethovenhalle BonnHeute ist der 8. Mai 2010, 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der auchBonn von Bomben beschädigt zurückgelassen hat. Es gilt allerdings in diesemZusammenhang immer wieder daran zu erinnern, dass die militärische Strategie, den Feindin seiner kulturellen Identität durch Zerstörung der alten Innenstädte zu treffen, beiKriegsbeginn von Deutschland ausging. Verheerende Flächenbombardements löschtendamals die Londoner City weitgehend aus und zerstörten programmatisch Coventry. DieDrohung hieß damals von deutscher Seite, dass auch die anderen englischen Städtecoventriert würden. Diese Militärstrategie aber kehrte sich im weiteren Verlauf des Kriegesgegen die deutschen Städte. Ihre schwere Beschädigung wurde nach 1945 von denStadtplanern und Architekten als Chance begriffen, neue städtebauliche Strukturen zuschaffen und insbesondere die damals ungeliebten Bauten des 19.Jahrhunderts zuentfernen.Genau dies geschah hier in Bonn an dieser Stelle, wo beschädigte historistischeKrankenhausbauten des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurden und in einer neuenGrünanlage als freier Solitärbau die Beethovenhalle nach Entwurf von Siegfried Wolske 1959eingeweiht wurde. Ihr 25-jähriges Jubiläum wurde von der Stadt Bonn noch begeistertgefeiert. Das 50-Jährige Jubiläum im vergangenen Jahr aber hat die Stadt nicht nur sang- undklanglos verstreichen lassen, sondern intensiv ihren Abbruch vorgesehen. Zusätzlich wurdedie Qualität der Halle seit geraumer Zeit öffentlich angezweifelt, die baulicheVernachlässigung als Grundlage für den Abbruch genannt und genau an dieser Stelle einneues Festspielhaus vorgesehen. Erstaunlich war dabei auch, dass die für die Beethovenhallenie genau berechneten Sanierungskosten einfach mit 20 Millionen Euro benannt wurden.Diese Zahl scheint ein Topos für Abbruchfreunde zu sein, denn auch für das zeitgleicheKölner Schauspielhaus wurden prohibitiv (ohne genaue Untersuchung) 20 Millionen EuroSanierungskosten genannt.


Nun sind beide Bauten erst einmal nicht mehr vom akuten Abbruch bedroht. In Kölnstimmte der Stadtrat, gedrängt und überzeugt von einer großen Bürgerinitiative, für dieSanierung. In Bonn ist zunächst nur die Rede davon, dass das neue Festspielhaus zur Zeitnicht gebaut werden soll. Es ist eindeutig Geldmangel und nicht etwa die höhere Einsicht,die diesen Umstand bewirkte. Aber letztlich ist es egal, warum etwas erhalten bleibt,Hauptsache ist, dass es bestehen bleibt. Um ein sehr prominentes Beispiel zu nennen: Kölnhat seinen berühmten Kranz der Romanischen Kirchen nur dem Umstand zu verdanken, dassdie Stadt im 17./18. Jahrhundert akute Etatprobleme hatte, sich keine barocken Neubautenleisten konnte und die damals unmodernen mittelalterlichen Kirchen weiter nutzen musste,bis sie dann seit dem 19. Jahrhundert wieder positiv bewertet wurden. Dies als Beispiel, dassdie Einsicht gelegentlich eine Frage der Zeit ist.Wichtig ist jetzt vor allem, dass die für die Beethovenhalle Zuständigen und die an ihreroptimalen Erhaltung Interessierten sich möglichst bald in kleinerem Kreis und ohne sofortigeöffentliche Berichterstattung hier an Ort und Stelle treffen und über die Notwendigkeitenund Möglichkeiten einer optimalen Sanierung der Beethovenhalle sprechen. Wenn dievorsichtigen Signale, die Stadtbaurat Wingenfeld vernehmen lässt, und die notgedrungenpragmatische Einstellung der Intendantin Ilona Schmiel, die hier einen baulichenSchwerpunkt ihres hervorragenden Beethovenfestes haben muss, mit den nüchternenMöglichkeiten der Denkmalpfleger ins Gespräch kommen, dann ergeben sich die Lösungenvon selbst. Die Frage wird sein, wer das Gespräch anstößt.Dabei kann zweifellos die Bürgerinitiative ProBeethovenhalle, die sich in den nächstenTagen in einen eingetragenen Verein (…) verfestigen will, initiativ tätig werden, bzw. dienatürlich allzeit wichtige Wächterfunktion ausüben. Ich möchte bei dieser Gelegenheitausdrücklich dieser Initiative und ihrem Sprecher Hans Hinterkeuser danken. Was hier in derkurzen Zeit der vergangenen Monate an Arbeit und Bewusstseinsbildung von vielen geleistetwurde, war so umfangreich, dass die EmpfängerInnen der E-Mails kaum mit dem Lesennachkamen. Es ist zu hoffen, dass auch der Verein zukünftig etwas von diesem Schwungbehält.2


Am Beginn der Initiative stand das öffentliche Kolloquium der Studierenden desKunsthistorischen Instituts am 28. November 2009 in der Universität, dessen Beiträge inunglaublich kurzer Zeit vorgelegt werden. Am 31. Mai 2010 um 18:00 Uhr wird hier in derBeethovenhalle das von Martin Bredenbeck, Constanze Moneke und Martin Neubacherherausgegebene und im Weidle-Verlag erscheinende Buch Beethovenhalle BonnKonzerthaus.Festsaal.Denkmal öffentlich vorgestellt werden. Ich gebe zu, dass ich sehr stolzauf sie bin – auch wenn sie durch den immensen Zeitverlust, den ihnen die Beethovenhallemit ihrem ehrenamtlichen Engagement eingetragen hat, den Abschluss ihres Studiumszwangsläufig verzögern.3

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