Professionelles Selbstverständnis Thesen

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Professionelles Selbstverständnis Thesen

Impulsveranstaltung „Auskunft zur Zukunft: Zum professionellenSelbstverständnis der Sozialarbeit“ am 7. November 2006Eine Frage der Gerechtigkeit:Effizienzorientierter Managerialismus oder reflexive Professionalität?Vortrag von Prof. Dr.Dr. h.c. Hans-Uwe OttoUniversität Bielefeld, Fakultät für PädagogikEinige grundlegende Thesen:• Gerechtigkeit ist eine normative Frage, keine die funktionalistisch zu lösen ist.Soziale Arbeit als öffentliche Institution sollte mit Blick auf das Versprechendemokratischer Gleichheit dazu beitragen, dass die Handlungsfähigkeit alsMensch, als Teilnehmer an einem System kooperativer Produktion und als Bürgereines demokratischen Staates für alle Menschen gesichert wird.• Eine moderne Soziale Arbeit benötigt eine neue strategische Zielsetzung, um sichzu den gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen und denzunehmenden beruflichen Konkurrenzen positionieren zu können. Dabei geht esnicht mehr in erster Linie um die theoretische Kontextualisierung von Hilfe undKontrolle, sondern um eine analytische anspruchsvolle und professionellherausfordernde Orientierung an Lebensführungsproblemen und einenerweiterten Bildungsbegriffs.• Nur in der Individualisierung der Dienstleistung, die sich mit einer sozialpolitischenPositionierung verbindet und eine strategische Zielsetzung - in Absetzung voneiner bedingungslosen Verpflichtung zur Selbstverantwortung - sucht, liegt dieQualität der Sozialen Arbeit.• Nur eine konsequente und sich selbst gegenüber anspruchsvolleProfessionalisierung führt zu einer profilierten Entwicklung der Sozialarbeit.Daraus ergeben sich nicht notwendigerweise Widersprüche zu einemprofessionellen Management, wohl aber genügend Einsprüche gegen einManagement des Professionellen.


• Der politische Gehalt des Managerialismus wird nicht angemessen verstanden,wenn er als bloße Verdrängung des Steuerungsmodus Recht durch denSteuerungsmodus Geld in den Blick genommen wird. Vielmehr stellt er einpolitisches und schließlich auch ein moralisches Programm dar, dessencharakteristisches Merkmal eben gerade das Misstrauen in professionelleSelbststeuerung ist.• Die gegenwärtige Veränderung wohlfahrtsstaatlicher Grundverhältnisse und dernicht nachlassende Versuch der Umgestaltung des Sozialen macht es notwendig,die bisherige Legitimation auch theoretisch zu erneuern, um wieder einenBewegungs- und Definitionsraum für die Soziale Arbeit zu erhalten, der in derAnalyse der aktuellen gesellschaftlichen Zuordnung der Problemlagen und derForderung ihrer individuellen Bewältigung klarer die vorherrschende Mischungeiner neokonservativen Interpretation und eines neubürgerlichen Wertebezugserkennt.• Die Chancen für eine Weiterentwicklung des Professionalisierungsprozesses inder Sozialen Arbeit sind gegeben, sie werden aber nicht größer, wenn in deneigenen Reihen Beharrlichkeit mit Stillstand verwechselt und die Frage nach demVerhältnis von Sozialer Arbeit und Gesellschaft nicht mehr unterwohlfahrtsstaatlichen Prämissen expliziert, sondern am Horizont derMarktrationalität durch den Zwang zur Ökonomisierung eingefärbt wird.• Die Durchsetzung der Professionalität ist auch immer eine politische Frage, derman sich stellen muss in einer Zeit, in der die Legitimationsmuster desinstitutionellen Handelns gegenüber den Problemlagen von Individuen neubegründet werden.• Soziale Arbeit, gerade auch im Hinblick auf die Forderung nach einem sozialenEuropa, muss zu einem positiven Projekt der Entwicklung sozialer Dienste undder zivilgesellschaftlichen Forderung, den BürgerInnen zu dienen (servingcitizen), werden.Kontakt: hansuwe.otto@uni-bielefeld.de

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