Download als PDF (ca. 10 MB) - Frankfurter Presseclub

frankfurter.presseclub.de

Download als PDF (ca. 10 MB) - Frankfurter Presseclub

Frankfurter PresseClubFPCdas magazin2013 RückblickDer Club und die Medien2003 – 2023Ausblick Frankfurter PresseClub


InhaltSeite 16 RückblickDer Club und die Medien2003 – 20234 Spannende Gäste,lebendige DebattenVon Feldmann bisHebel, von Demenzbis „Durchstarten“16 10 JahreMagazinAlle Ausgabenim Rückblick22 10 Medienphänomene,dieuns in den letztenJahren beschäftigthabenTabloids, Twitter,Traumata32 10 JahreProminenzWer uns allesim FPC beehrte38 10 JahreAusstellungenSkurriles, Reportagen,Kunst54 10 JahreClubreisenFPC-Reisen führen(fast) überall hin12 Neujahrsempfang2013im FPCMalu Dreyer, Ministerpräsidentinvon Rheinland-Pfalz,überzeugteund begeisterte14 MitgliederversammlungStatusberichte undVorstandswahlenFrankfurter PresseClubFPCdas magazinForumDeutscherPresseclubsundFöderationEuropäischerPresse-Clubs –Gipfel inFrankfurtSeite 4FPC 2012:neuesDomizil,neues Programm,neuesCorporateDesignSeite 222012Neue Äraim FrankfurterMagistratSeite 32Städel 2.0Seite 34EintrachtFrankfurtund diePresseSeite 42NeuerInternetauftrittder FAZSeite 50ClubaktivitätenSeite 66NeustartuFoto Titel:Hessischer RundfunkFPC13 das magazin


Seite 56 Seite 84Ausblick 58 Der Wandel istnicht aufzuhaltenRichard Gutjahr überdie Medienkrise62 Mehr als NachrichtenGeorgi Kantchev überNachrichtenagenturenim Wandel66 Radio mussRadio bleibenMichael Reichertund Sebastian Kettüber das digitale Radioder Zukunft70 Die stärksteForm emotionalerAnspracheHarald Kieffer überdie Hartnäckigkeit desguten alten Fernsehsofas76 Vom gebündeltenJournalismuszum unternehmerischenJournalismusDr. Annette Leßmöllmannüber Geschäftsmodellevon morgen80 Fehlerim SystemUlrike Kaiser überWege aus der Krise derJournalistenausbildung84 Unser Partnerstellt sich vorInfraserv – von denFarbwerken zumIndustriepark Höchst


4 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubEchtes Zugpferd: Frankfurts neuer OB Peter Feldmann im Gespräch mit FPC-Präsident Werner D’InkaSpannende Gäste,lebendige DebattenWelches Thema, welcher Gast, welches Format interessiert und begeistertunsere Mitglieder? Mit wem wollen Sie gerne mal bei Sektoder Selters ins Gespräch kommen? Was wollten Sie wem schonimmer mal gesagt haben? Und welche Information ist für Ihre Arbeitwichtig? Diese Frage stellen sich die Vorstandsmitglieder seit Gründungdes PresseClubs vor 33 Jahren. Neu hinzugekommen ist dieFrage: Wie kommunizieren angesichts von diversen sozialen Netzwerkendie Kolleginnen und Kollegen heute? Treffen sie sich noch zumGedanken- und Informationsaustausch an einem bestimmten Ort wiedem PresseClub?FPC13 das magazin


Deutsche Bankdeutsche-bank.deNur eine globale Bank kannMenschen und Märkte verbinden.Als globale Bank sind wir in der Lage, unseren Kunden weltweit ein starkerPartner zu sein. Unsere Präsenz in über 70 Ländern ermöglicht ihnen wertvolleEinblicke in die Risiken und Chancen der Märkte. Diese globale Aufstellungund unser ausgewogenes Geschäftsmodell geben unseren Kunden die nötigeKraft und Stabilität, ihre Ziele zu erreichen.


6 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubEin Abend zum „Durchstarten“ (l. o.), das PIA zeigt Frankfurter Wunder (r. o.), Dr. Christine Bortenlänger erklärt Aktien (l. u.) und eine Expertenrunde den „Arabischen Frühling“1980 wurde der FPC von sieben Journalisten (es waren tatsächlichnur Männer!) mit dem Ziel gegründet, einen Ort zu haben, andem man sich über die Arbeit austauscht. Bald schon träumtendie Herren von einem Standort, an dem sich alle Medienschaffendedes Rhein-Main-Gebietes treffen können – und zwar nicht nur umuntereinander über den Job zu reden, sondern auch um Persönlichkeitenaus verschiedenen Branchen zu Gesprächen und Vorträgeneinzuladen, mit ihnen zu reden, zu streiten, von ihnen zu lernen,Neues zu erfahren und Seilschaften zu schmieden. Von 1984 bis2011 war dieser Ort die Saalgasse 30, nahe dem Römer, gegenüberdem Stadtparlament. Weit über 1.000 Clubabende haben dort mitebenso vielen Gästen stattgefunden. 27 Weihnachtsfeiern und27 Sommerfeste wurden dort zelebriert, und 27 Neujahrsrednerwurden empfangen.Kommunale Größen, regionale Fürsten, nationale Persönlichkeitenund auch internationale Prominenz haben den PresseClubbesucht und den Mitgliedern Rede und Antwort gestanden.Nun gibt es seit Februar 2012 einen neuen Standort – das PalaisLivingston. Und auch hier bietet der FPC seinen Mitgliedern einProgramm mit spannenden Gästen. Dennoch hat sich einigesgeändert.Wertvolle NutzerdatenSo haben wir neben der Reihe „Durchstarten“, mit der wir unsan die jungen Kolleginnen und Kollegen wenden, seit 2012 das„Werkstattgespräch“ im Angebot. Im September stellte hr-RedakteurOliver Günther gemeinsam mit dem Lehrstuhlinhaber fürWirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, Prof. Peter Buxmann,unter der Überschrift „Der Preis des Kostenlosen“ ein Projektvor, das sich mit der Frage beschäftigte, welchen Wert Datenim Internet für wen haben. Zwei Monate beleuchtete hr-iNFO inHintergrundberichten, Reportagen und Interviews den Wert vonNutzerdaten aus der Sicht der Diensteanbieter und die Beurteilungdes wirtschaftlichen Werts ihrer Daten durch die Nutzer. Dennganz gleich ob Facebook-Profil, eine E-Mail-Adresse bei Yahoooder eine Suche bei Google – mit all diesen kostenlos genutztenAktivitäten verdienen andere viel Geld.Dauerthema DemenzDas Thema Alzheimer und Demenz taucht immer häufiger inden Medien auf. Grund genug für den FPC, sich unter dem Titel„Wenn der Weg ins Dunkle führt“ näher damit zu befassen. LautPrognosen wird sich die Zahl der Erkrankten, die heute bei 1,3Millionen liegt, in den nächsten Jahren verdoppeln. Zwar, so diePodiumsgäste einhellig, wird heute unaufgeregter und genauerinformiert, doch immer noch tauchen Schlagzeilen wie „HorrorFPC13 das magazin


7Leben erforschenTräume verwirklichenAuf unserem Planeten gibt es sieben MilliardenMenschen und täglich werden es ca. 220.000mehr. Wie kann man immer mehr Menschenbesser ernähren, ohne dabei die Natur zurückzudrängen?Wie kann man die Gesundheit aller verbes -sern und Krankheiten vorbeugen? Wie kannman neuartige Materialien entwickeln unddabei Ressourcen schonen?Bayer forscht, um diese Fragen besserbeantworten zu können. In seinen BereichenHealthCare, CropScience und MaterialScience.Bereiche, in denen das Unternehmen bereitsheute Spitzenpositionen einnimmt und die fürdie Zukunft der Menschheit immer wich tigerwerden. www.bayer.de


8 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubFall MetzlerEin düsteres Thema behandelte auch das Werkstattgespräch „DerFall Jakob von Metzler“, zu dem wir den Drehbuchautor der wenigeTage zuvor im ZDF ausgestrahlten Dokumentation, JochenBitzer, im Club begrüßen konnten. Er hatte die schwierige Suchenach dem inzwischen verurteilten Mörder Markus Gäfgen, denUmgang mit ihm und das juristische Nachspiel für den stellvertretendenPolizeipräsidenten Wolfgang Daschner, der sich wegen desVorwurfs der Folter im Zusammenhang mit der Vernehmung vonGäfgen verantworten musste, dargestellt. Gespannt lauschten dieGäste seinem Bericht, wie er sich den Personen des menschlichenDramas näherte und wie ihm damit ein erfolgreiches Drehbuchgelang. Durch die Moderation führte FPC-Mitglied Annette Milz,Chefredakteurin des „Medium Magazins“.Der neue OBDie 100 Tage „in Amt und Würden“ hatte der neue FrankfurterOberbürgermeister Peter Feldmann zwar schon drei Wochenhinter sich, als er sich zu einem Gespräch im Frankfurter Presse-Club einfand. Dennoch war der Andrang groß, und die Fragen andas neue Stadtoberhaupt wollten kein Ende nehmen. Zuvor haktePräsident Werner D’Inka bei Feldmann nach: zu den Grenzen derpolitischen Einflussnahme etwa, der Bereitschaft zur Zusammenarbeitmit dem politischen Gegner und zur Umsetzung seinerpolitischen Ideen bei den derzeitigen Mehrheiten im Stadtparlament.Der 53-jährige Überraschungskandidat der SPD, der seinenKontrahenten Boris Rhein bei der Stichwahl weit hinter sichgelassen hatte, blieb keine Antwort schuldig, weder dem FPC-Präsidenten noch dem Publikum. Und er kam gut an. Alleinedie Tatsache, dass er jeden der rund 70 Gäste mit Handschlagbegrüßte, wurde von allen wohlwollend zur Kenntnis genommen.Und auch seine Schwerpunkte – Bekämpfung von Kinderarmut,Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Integration derälteren Bürger Frankfurts in das gesellschaftliche Leben – brachtenihm viel Sympathie ein.Unangenehme Themen souverän präsentiert: Demenz (o.) und „Der Fall Metzler“Demenz“ auf. Betroffene und ihre Angehörigen werden immernoch zum Zwecke eines „human touch“ eingeladen und nicht alserfahrene Helfer, und auch Experten fehlen bei den Diskussionen.Doch Ratlosigkeit und Schrecken, so die Bilanz des Abends,helfen nicht weiter – wohl aber Mitarbeiter von Alzheimergesellschaftenund Demenzforen sowie die Helfer der Wohlfahrtsverbändeund Kirchen. Eindrucksvoll war in diesem Zusammenhangder kurze Ausschnitt aus der ZDF-Dokumentation „Rudi Assauer– Ich will mich nicht vergessen“ von Stephanie Schmidt. Sie saßneben Margot Unbescheid, Autorin des Erste-Hilfe-Buches fürAngehörige, Ursula Ott, der stellvertretenden Chefredakteurin desMagazins „chrismon“, in dem der Artikel „Liebe in den Zeiten vonAlzheimer“ erschien, und Heike von Lützau-Hohlbein, der Vorsitzendender Deutschen Alzheimer Gesellschaft und Präsidentin vonAlzheimer Europe, auf dem Podium. Moderiert wurde der Abendvon Medienentwicklerin und FPC-Mitglied Dr. Judith Borgwart.Wundervolles FrankfurtDass die Stadt Frankfurt 1.000 Wunder zu bieten hat, bewies danndas Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Frankfurt ineinem weiteren Werkstattgespräch. Vor mehr als drei Jahren hattedas PIA das Medium Videofilme zu einem festen Bestandteil seinerPressearbeit gemacht. Nun stellten die Redakteurinnen WiebkeReimann und Jana Kremin die Arbeiten dem FPC-Publikumvor. Alle zwei Monate, so Amtsleiter Nikolaus Münster, der alsFPC-Vorstandsmitglied durch den Abend führte, wird ein neuesVideo über einen der 43 Frankfurter Stadtteile unter dem Stichwort„Mein Stadtteil – meine Heimat“ produziert. Humorvoll undfrech gestaltet sich die zweite Staffel unter dem Motto „Die 1.000Wunder von Frankfurt“. In diesen Fall hat sich das PIA die Unterstützungvon Comedian Henni Nachtsheim geholt, der gemeinsammit „Titanic“-Herausgeber Oliver Maria Schmitt einen besondersschrägen und humorvollen Blick hinter die Kulissen der FrankfurterStadtverwaltung wirft.Was wird aus dem Arabischen Frühling?Der Arabische Frühling und die Frage, wohin die Entwicklunggeht, bescherten dem FPC ein übervolles Haus. Vor allem jungeKolleginnen und Kollegen drängten sich im Konferenzraum,und etliche Gäste mussten sich mit Stehplätzen, teils vor der Tür,zufrieden geben. War das Thema schon spannend genug, so sorgtedie Podiumsbesetzung sicher für weiteren Zulauf. Ulrich Kienzle,Ex-Nahostkorrespondent des ZDF, sein junger Kollege MarcDugge, der für den hr-Hörfunk aus der Region berichtet, RainerFPC13 das magazin


9Weil Deutschland eine Bank braucht,die nicht einfach so weitermacht,sind wir: die Bank an Ihrer Seite.


10 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubHerrmann, der für die FAZ ebenfalls die Entwicklung in dieserRegion beobachtet, Nahost-Experte Michael Lüders und OmidNouripour, Sprecher für Sicherheitspolitik der BundestagsfraktionBündnis 90/Die Grünen, versuchten in der von ChristophMaria Fröhder geleiteten Debatte, zu einer Einschätzung über dieZukunft der Region zu gelangen. Dabei spielte auch die Frage eineRolle, welchen Einfluss Europa, insbesondere Deutschland, aufeine demokratische Entwicklung nehmen kann.„Madame Aktie“Von ganz anderem Zuschnitt war die Veranstaltung „MadameAktie“, die der FPC gemeinsam mit der ING-DiBa ausrichtete. ImMittelpunkt stand die neue Chefin des Deutschen AktieninstitutesDr. Christine Bortenlänger, die als Nachfolgerin von Rüdiger vonRosen am 1. September 2012 das Institut übernommen hatte. Dasssie in keines der üblichen Raster passt, beweist schon ihr beruflicherLebenslauf. Nach einer Lehre als Bankkauffrau studierte sieBetriebswirtschaft, schrieb eine Doktorarbeit über Börsenautomatisierungund stieg als jüngste Mitarbeiterin und alleinerziehendeMutter bei der Börse in München ein. Nur zwei Jahre später, mit33 Jahren, übernahm sie dort bereits die Leitung. Madame Aktie,die von der Wirtschaftsjournalistin Nadine Oberhuber befragtwurde, entpuppte sich als starke und dennoch nachdenkliche Frau.Kahlschlag beim Neuanfang eines Jobs ist nicht ihr Ding. Nur allzuoft zeige sich im Nachhinein, dass es gute Gründe gibt, warumDinge so laufen und nicht anders. Deshalb hat sich die neue Frauan der Spitze des Instituts auf die Fahne geschrieben: diskutieren,überzeugen, netzwerken. Und das praktizierte sie dann auch andiesem Abend, erst recht nach der offiziellen Vorstellung an derClubtheke des FPC.FPC-WeihnachtsmarktDas Jahr wurde traditionell mit einer Weihnachtsfeier beendet.Doch das erste Weihnachtsfest im neuen Domizil war diesmalanders. An Marktständen innen und außen präsentierten neunAnbieter ihre Waren. Von selbst produzierten Plätzchen bis zuKunstwerken aus Filz, Pelz und Wolle, von Marmelade, Wein undLikören bis zu Schmuck, Kerzen und Adventsgestecken konntendie Gäste an diesem Abend noch die letzten Weihnachtspräsenteerwerben. Am Abend, der nur den Mitgliedern vorbehalten war,spielte ein Band weihnachtliche Jazzmusik, während sich „HerrFranz“ um das leibliche Wohl der Anwesenden kümmerte. EinWermutstropfen war allerdings im Punsch: Wegen des plötzlichenWintereinbruchs mit Schneemassen blieb so mancher Gast imStau stecken und kehrte irgendwann entnervt um – und konnte sounser Wintermärchen nur auf unserer Website bewundern.Das Winterwetter machte uns noch ein weiteres Mal einenStrich durch die Rechnung. So musste leider auch die Veranstaltung„Kein Korn in der Kammer – Der Hunger der Welt“ mitKlaus Töpfer am 21. Januar abgesagt werden.„Mutter Blamage“Stephan Hebels Buch „Mutter Blamage. Warum die NationAngela Merkel und ihre Politik nicht braucht“ hat schon vor derVeranstaltung für mächtig Wirbel gesorgt. Kein Wunder also, dassder Konferenzsaal des Frankfurter PresseClubs Ende Februar bisauf den letztmöglichen Sitzplatz auf dem Boden oder am Fensterbesetzt war und die Menschen bis in den Flur standen. StephanHebel war zu Gast, um gemeinsam mit FPC-Präsident WernerD’Inka über sein Buch zu sprechen. Doch bevor es losging, lages Hebel sehr am Herzen an den jung gestorbenen „FrankfurterRundschau“-Kollegen Felix Helbig zu erinnern, der an diesem Tagbeerdigt wurde.Anderes Steuersystem notwendigHebel beschäftigt sich in seinem Buch mit der wachsenden Armutund Ungerechtigkeit in Deutschland. Seine Aussagen spalten –keine Frage. Schon der Buchtitel lässt erkennen, dass er eindeutigPosition gegen Angela Merkel und die Politik der schwarz-gelbenKoalition bezieht. D’Inka, der den Autor lange und auch alsVorstandskollegen des Frankfurter PresseClubs kennt, fragte zuden Stichworten „Armutsbekämpfung“ und „Mindestlohn“, obHebel denn die Reichen ärmer machen möchte. Nein, das seinicht der Fall, so Hebel. Es gehe ihm vielmehr darum, Arme anReichtum und Fortschritt teilhaben zu lassen. Doch dafür sei einanderes Steuersystem notwendig. Das schon von der RegierungSchröder verschuldete bestehende ist seiner Ansicht nach unzureichend,denn es beschneide die Umverteilungswirkung. „Wer mehrverdient, muss weniger in die Solidargemeinschaft einzahlen. Dastreibt mich auf die Palme und dazu, Kampfschriften zu schreiben“,sagte Hebel. Das Ziel seines Buches sei deshalb ganz klar derpolitische Wechsel.Hebel fordert in seinem Buch 8,50 Euro Mindestlohn. „Daswürde insgesamt 14 Milliarden Euro mehr Lohnkosten verursachen.Einige Unternehmen können sich einen höheren Mindestlohnwomöglich nicht leisten“, argumentierte D’Inka dagegen.Hebel bestritt nicht, dass manche Unternehmen damit Schwierigkeitenhaben könnten. „Dieses Problem steht dem sozialen,ethischen gegenüber.“ Auch wenn er es nicht belegen könne, seier sich aber sicher, dass die meisten es können. Bezogen auf dieMehrkosten wurden außerdem Stimmen aus dem Publikum laut,die an verschwendete Steuergelder für den Berliner Flughafenoder „Stuttgart 21“ erinnerten. „Seit Jahren gilt Lohnsenkungals einzige, alternativlose Lösung“, sagte Hebel. Dadurch werdeArbeit immer weniger wert und Menschen verarmten trotz Arbeit.Merkels Politik orientiere sich an der Wirtschaft und nicht an denBedürfnissen der Menschen. „Lieber soll der Staat die Löhne zahlenals die Wirtschaft.“Ein Besucher fragte, wie sich denn Angela Merkel blamiere.Schon zu Beginn sagte Hebel, dass sie durchaus wisse, wiesie auftreten muss. Beschämend sei aber, dass sie für das sozialeUngleichgewicht in Deutschland und die Missstände in Europaverantwortlich sei. „Sie nutzt die deutsche Exportstärke. Sie bewegtLänder wie Griechenland, Italien oder Spanien dazu, deutscheProdukte zu kaufen und sich zu verschulden. Hinterher zwingtsie die Länder, sich kaputt zu sparen.“ Deutschland gefährde aufdiese Weise den europäischen Zusammenhalt.Getarnter NeoliberalismusHebel wirft Merkel getarnten Neoliberalismus vor. „Natürlichbekennt sie sich nicht offen wie Rösler oder Brüderle dazu. Sieagiert überparteilich, macht Vorstöße gegen die EmpfehlungenFotos: Rainer RüfferFPC13 das magazin


11Alles andere als eine Blamage: der Clubabend mit „Mutter Blamage“-Autor Stephan Hebeldes CDU-Wirtschaftsrats. Zieht sich dann aber wieder taktischzurück“, sagte Hebel. Die Politikwissenschaft bezeichnet ihr Verhaltenals „asymmetrische Demobilisierung“. Sie vermeide es, eindeutigStellung zu beziehen, biete keine Angriffsfläche und habe esso bei der Wahl 2009 geschafft, dass Wähler der Opposition ihreStimmen nicht abgaben. Die Energiewende sei ein Musterbeispielfür die Regierung Merkel. Zunächst habe man sich zur Wendebereit gezeigt. Später hätte man behauptet, die hohen Strompreiseseien das Ergebnis der Förderung der erneuerbaren Energien.Dem Verbraucher sei gesagt worden, wenn die Förderung gekapptwerde, werde der Strompreis wieder günstiger. Das sei aber nichtder Fall.Merkels Nähe zur Wirtschaft sei auch deutlich geworden, alsanstatt der zunächst geplanten 200 Unternehmen 2.000 von derEnergiesteuer befreit werden sollten. Später sei auf 1.000 reduziertworden. „Unternehmen aus dem öffentlichen Personennahverkehrbeispielsweise wurden nicht entlastet – hier bekommen Bürger dieAuswirkung der Energiesteuer schnell zu spüren. Denn der ÖPNVhat seine Fahrpreise daraufhin erhöht.“ Potenten Wirtschafts unternehmen,allen voran dem Hochfrequenzhandel, lasse die Politikdagegen immer wieder Schlupflöcher.Die Regierung weigere sich, mehr einzunehmen, weil sie nichtdie Steuern erhöhe. „Der Handel wird von nervösen Märktenbestimmt.“ Sie verhinderten, die richtige Balance zu finden. DassUnternehmen scheu wie Rehe seien, die schnell das Weite suchen,zeige sich darüber hinaus in den Medien, die ihrerseits von neoliberalemMainstream bestimmt würden. „Es wird auf Grundlagendiskutiert, die nicht hinterfragt werden. Journalisten fragen seltennach Alternativen.“ Hebel versucht in seinem Buch, strukturelleHintergründe zu beleuchten – auch an dieser Stelle. „Hinter derInszenierung werden die wahren politischen Gehalte versteckt.“Er gibt zu, dass es schwierig sei, sich eine dezidierte Meinungzu bilden. „Viele Menschen haben gar nicht die Zeit oder Kraftdazu.“ Die Regierung Merkel nutze das aus. „Es ist aber wichtig,die Politik unter Druck zu setzen, damit endlich in Alternativengedacht wird“, sagte Hebel zum Schluss. Denn auch wenn er sichden politischen Wechsel wünsche und dafür eine rot-rot-grüneKoalition befürworte – „Wahlen allein ändern nichts.“MonicaWeber-NauGeschäftsführerinFPCinfo@frankfurter -presseclub.deStephanieAureliaRungeFreie Redakteurinfür PublicRelations, info@textbausatz.de


12 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubNeueFrauenhat dasLandNeujahrsempfang 2013im Frankfurter PresseClubMit dem Ehrengast anlässlich des Neujahrsempfangs landete derFPC erneut einen Coup. Malu Dreyer, frisch gekürte Ministerpräsidentinvon Rheinland-Pfalz, gab uns die Ehre und einen kleinenEinblick in ihre zukünftige Arbeit.Rund 100 Gäste – etliche mussten wegen der Grippewelleabsagen – folgten der Einladung und lauschten aufmerksam MaluDreyers Rede. In seiner Begrüßung machte FPC-Präsident WernerD’Inka darauf aufmerksam, dass der FPC kein Problem mit derFrauenquote hat – ganz im Gegenteil, denn zum dritten Mal inFolge war eine Frau Ehrengast. Nach der nordrhein-westfälischenMinisterpräsidentin Hannelore Kraft vor zwei Jahren folgten 2012Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und nun MinisterpräsidentinMalu Dreyer aus dem Nachbarland Rheinland-Pfalz.Sie bedankte sich für die „schöne Gelegenheit für die persönlicheBegegnung am Medien- und Wirtschaftsstandort Frankfurt“ undsagte, sie freue sich nach ihrer Rede auf anschließende persönlicheGespräche.Nach einigen gut gelaunten Sätzen über die nachbarschaftlicheBeziehung zwischen den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessenstieg sie sofort in das Thema ein, das in den vergangenen Wochenzu heftigen Kontroversen und schließlich zu den Klagen von Hessenund Bayern geführt hatte: den Länderfinanzausgleich. Sie legteWert auf den Hinweis, dass Rheinland-Pfalz mit der Zahlung von540 Millionen Euro beim Umsatzsteuerausgleich 2012 sehr vielmehr verloren habe als die 224 Millionen Euro, die das Land ausdem Länderfinanzausgleich erhielt. Das Verhalten der Hessen undder Bayern nannte sie „höchst unsolidarisch und unnötig“. DenStil der Debatte verwies sie in die „fünfte Jahreszeit“. Das Thema,frotzelte die Nachfolgerin von Kurt Beck, habe allerdings dazugeführt, dass man in Rheinland-Pfalz zum ersten Mal in der Geschichtedes Landes am Aschermittwoch nicht über die Saarländergewitzelt habe.Doch trotz allen Ärgers über den Nachbarn, und dazu zähleauch der Komplex Fluglärm, bei dem man entgegen der Hoffnungund Absicht keine gemeinsame Linie finden konnte, setzt die ersteFrau im Lande Rheinland-Pfalz weiterhin auf eine enge Kooperationmit Hessen.Und es gibt sie ja auch, die gute Zusammenarbeit. ZumBeispiel beim Schutz vor dem Schienenverkehrslärm im Mittelrheintal.Jeder, der schon einmal Orte wie Assmannshausen oderStolzenfels besucht hat, weiß, was es bedeutet, wenn Güterzügemit 110 Dezibel, was der Lautstärke eines Rockkonzerts gleicht,am Rhein entlangrattern. Selbst nachts werden die Menschen vonrund 100 Zügen aus dem Schlaf gerissen. Hier sei eine länderübergreifendeGesetzesinitiative erfolgreich in den Bundesrat eingebrachtworden, der nun zum Beschluss geführt habe, den Schienenbonusabzuschaffen oder auch ein nächtliches Durchfahrverbotab 2020 für laute Güterzüge durchzusetzen.Positiv sei auch die Zusammenarbeit mit Hessen beim Deichhöhenabkommensowie bei der Gewässerüberwachung und derFlussgebietsgemeinschaft Rhein. Dies versetzte die Zuhörer inFPC13 das magazin


13Fotos: Rainer RüfferFür manche FPC-Gäste die sympathischste Politikerin, die ihnen je begegnet ist: Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-PfalzErstaunen, hatten sie solche Themen doch eher im Norden derRepublik vermutet.Flüsse trennten nicht nur, sie verbänden auch, erläuterte MaluDreyer. Und eine der Verbindungen sei die Zusammenarbeit aufdem Gebiet der Welterbestätten Oberes Mittelrheintal und beimObergermanisch-Rätischen Limes. Und neben der Landschaftspflegegibt es auch das gemeinsam Erreichte in der Forschung aufdem Gebiet der Immunologie. Innerhalb kurzer Zeit sei es gelungen,ein erfolgreiches Cluster-Konsortium von 130 Akteuren ausWissenschaft und Wirtschaft aus dem Rhein-Main-Gebiet zusammenzustellen.Bis zum Jahr 2017 könnten so Projekte mit einemGesamtvolumen von mehr als 80 Millionen Euro realisiert werden.Der Ministerpräsidentin war der Stolz auf Rheinland-Pfalz deutlichanzumerken. Aus ihrer Heimat, die heute noch manchmalals „Land der Rüben und Reben“ bespöttelt werde, sei in denvergangenen zwanzig Jahren ein Aufsteigerland geworden. DerStrukturwandel habe 56.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, undmit 1,9 Millionen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzensei ein Höchststand erreicht worden. Die drittniedrigste Quote anErwerbslosen unter den Ländern weise man inzwischen auf. DasBruttosozialprodukt sei in der gleichen Zeit um über 50 Prozentgestiegen, und die Unternehmen im Lande hätten die Schwelle vonmehr als 200 Milliarden Euro Umsatz durchbrochen.Doch die Ministerpräsidentin beließ es nicht nur bei der Aufzählungvon erfolgreichen Wirtschaftsdaten, zu denen sie auch dieExporte im Wert von 35 Milliarden Euro zählte, was Rheinland-Pfalz auf Platz zwei der Länder hievte, vielmehr warf sie auch einigeThemen auf, deren Lösung nicht in einem Bundesland, sondernweltweit erfolgen müssen. Dazu zählt sie den Demografiewandelund die Regulierung der Finanzmärkte.Malu Dreyer war nicht in den PresseClub gekommen, um dasThema Medien auszusparen. Das, so die Ministerpräsidentin, seija so, als würde man beim Besuch einer Winzergenossenschaftdas Thema Wein nicht erwähnen. Sie verwies als Erstes auf einJubiläum, das sie kürzlich in Zweibrücken mitfeierte: Den 300.Geburtstag der Tageszeitung „Pfälzischer Merkur“, die damit eineder ältesten Tageszeitungen Deutschlands sei.Ob solche Traditionszeitungen oder die neuen Medien, sie seien„für die Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft unverzichtbar. IhrBeitrag zur Meinungsvielfalt in unserem Land kann durch nichtsersetzt werden“. Denn je besser die Menschen informiert seien, umso gewinnbringender könnten sie zur öffentlichen Diskussion beitragen.Medien seien der Garant für den Bestand und die Entwicklungunserer demokratischen Gesellschaft, die von der Vielfalt derMeinungen und der gesellschaftlichen Strömungen lebe.Ihren Vortrag beendete die Ministerpräsidentin dann mit einemPlädoyer für mehr Transparenz in der Politik. Entscheidungswegeund Handlungsprozesse müssten den Menschen erklärt undtransparent gemacht werden, was bei komplexen Materien einegewaltige Herausforderung sei. Transparenz aber bedeute nichtabsolute Durchlässigkeit. Es müsse Grenzen geben bei Persönlichkeitsrechtenund bei Sicherheitsfragen. Doch wo immer es möglichsei, hätten die Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf Information.Wie ernst ihre Regierung dieses nimmt, wurde deutlich, als dieMinisterpräsidentin ankündigte, dass Rheinland-Pfalz das Informationsfreiheitsgesetzaus dem Jahre 2008 novellieren und einTransparenzgesetz auf den Weg bringen wolle. Dies sei alles andereals eine rein technische Frage, sondern ein wirklicher Kulturwandelim Staat.„Sie ist die sympathischste Politikerin, die mir je begegnet ist“,sagte einer der Gäste spontan nach diesem Abend, und er standnicht alleine mit dieser Meinung. Im Clubrestaurant war MaluDreyer umringt von Gästen, die ihr kaum die Möglichkeit gaben,Speis und Trank zu genießen. Die lebhafte Frau mit dem ansteckendenLachen war noch lange der Mittelpunkt des Abends.MonicaWeber-NauGeschäftsführerinFPCinfo@frankfurter -presseclub.de


14 Kommunikationsort Frankfurter PresseClubAlles beim Alten?Nicht ganz!Mitte März veranstaltete der Frankfurter PresseClubseine alljährliche Mitgliederversammlung. Auf derAgenda standen die Berichte des Präsidenten, desSchatzmeisters und der Kassenprüfer, die schließlichdie Entlastung des Vorstands empfahlen. Nach denroutiniert behandelten Tagesordnungspunkten kambei den Wahlen des Vorstands und der Kassenprüferfrischer Wind auf: Eine neue Beisitzerin und zweineue Kassenprüfer ergänzen jetzt die FPC-Führung.Foto: Rainer RüfferFPC13 das magazin


15Gleich zu Beginn wurde Manfred Krupp unisono zum Versammlungsleiterund späteren Wahlleiter bestimmt. Eine Aufgabe, diedem Programmdirektor des Hessischen Rundfunks und ehemaligenFPC-Präsidenten durchaus vertraut ist, hatte er sie doch schonzuvor einige Male übernommen. Werner D’Inka begrüßte dieGäste und begann mit einem Rückblick, der noch einmal denUmzug vom Römer in das Frankfurter Westend fokussierte: Denndass der Veranstaltungsbetrieb ab Mitte 2011 eingestellt werdenmusste, wirkte auch noch im darauffolgenden Jahr tiefgreifendnach. Der FPC-Präsident erinnerte an den umfangreichen Umbau,der zunächst bis Anfang 2012 andauerte. „In der Sommerpause,nach dem Sommerfest, wurden zuletzt mit Parkettarbeiten unddem Einbau einer neuen Hebepumpe abschließende Renovierungenvorgenommen“, sagte Werner D’Inka.Nach dem Umzug ins WestendDer reguläre Clubbetrieb wurde mit dem Neujahrsempfang EndeFebruar 2012 wieder aufgenommen. Petra Roth war zu Gast, dieeine persönliche Bilanz ihrer 17-jährigen Amtszeit als FrankfurterOberbürgermeisterin zog. „Mit dem Einzug von ‚Herrn Franz‘im April entwickelte sich das Palais zu einer gut frequentiertenStätte“, so der Präsident. Im Mai feierte dann das Forum DeutscherPresseClubs sein zehnjähriges Bestehen. Deutsche und europäischePresseclubs kamen, um in Frankfurt zu tagen. Das neu aufgelegteClubprogramm bot einige Werkstattgespräche und außerordentlichgut besuchte Veranstaltungen wie die zum „Arabischen Frühling“oder die zum neuen Buch von Stephan Hebel. Es gab zweiAusstellungen, darunter die der beiden Polizisten und FotografenRalf Vollmer und Thomas Zosel, die mit fotografischem Blick denWandel des Bahnhofsviertels dokumentierten. Und im Dezemberschloss das Jahr mit dem Weihnachtsfest, das von einem dreitägigenWeihnachtsmarkt begleitet wurde, ab.„Das Clubjahr 2012 war aber auch ein anstrengendes Jahr –personell und organisatorisch angespannt“, resümierte WernerD’Inka. Es gab Personalwechsel. Alte Kunden, die die Räume inder Saalgasse nutzten, sind nicht in das neue Haus zurückgekehrt.Anderen musste aufgrund zu geringer Raumkapazitäten abgesagtwerden. Diesen Anspannungen zum Trotz habe das Jahr 2013 gutbegonnen: Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz,war Gast des diesjährigen Neujahrsempfangs. Mit einem Ausblickauf kommende Veranstaltungen im laufenden Jahr beendete derFPC-Präsident seinen Bericht. Die Reihe „Durchstarten“ wirderneut aktiv und widmet sich als Erstes dem Thema Journalistenausbildung.Geplant sind unter anderem Diskussionen zurArmutsmigration und – unter dem Titel „Doppeldeutsch“ – mitehemaligen DDR-Journalisten. Auch eine Clubreise wird es Ende2013 geben: Es geht nach Kambodscha. Für 2014 ist bereits Kubaals Ziel ins Auge gefasst. Und darüber hinaus hat das Tagungsgeschäftexterner Veranstalter bereits Fahrt aufgenommen.„Aufgaben mit Bravour gemeistert“Das Team der Geschäftsstelle ist mit dem Management und derOrganisation gut ausgelastet, das machte auch Michael Auge alsSchatzmeister bei seinem Finanzbericht noch einmal deutlich.Trotz formaler Arbeitszeitkürzungen lag das Engagement vonMonica Weber-Nau und Dilek Kezer deutlich höher. Die KassenprüferAdolf Albus und Albrecht Koch schlossen sich an das Loban: „Die Geschäftsführung hat die Aufgaben im Umzugsjahr unddem Jahr danach mit Bravour gemeistert“, sagte Albrecht Koch.„Die Buchführung ist ordnungsgemäß und übersichtlich. Esgibt keinen Anlass zu Beanstandungen.“ Aus diesem Grund undobgleich der Haushalt des PresseClubs umzugsbedingt 2012 nichtausgeglichen war, empfahlen die Kassenprüfer die Entlastung desVorstands. Die Mitglieder folgten dieser Empfehlung.Im Anschluss wurde der Vorstand gewählt: Auch 2013 übernehmenWerner D’Inka, Gerhard Kneier, Michael Auge undNikolaus Münster die Ämter des Präsidenten, des Vizepräsidenten,des Schatzmeisters und des Schriftführers. Bleibt also alles beimAlten? Nicht ganz. Denn Katja Marx stellte sich nicht mehr alsBeisitzerin zur Verfügung. Ihren Platz nimmt stattdessen AnkeKnafla ein. Gemeinsam mit den wiedergewählten Beisitzern,Michaela Schmehl und Rouven Schellenberger, dem frisch gebackenenChefredakteur digitale Medienentwicklung in der VerlagsgruppeDeutscher Fachverlag, wird die Diplomjournalistinund Planungschefin von hr-iNFO die Vorstandsarbeit in Angriffnehmen. Ebenso legten die Kassenprüfer nach vielen Jahren ihrAmt nieder. An ihre Stelle treten die freie Journalistin BarbaraNickerson und Dr. Sven Matthiesen, Direktor der Presseabteilungder Frankfurter Sparkasse. Werner D’Inka dankte allen Ausscheidendenfür ihr verantwortungsvolles Engagement, insbesondereKatja Marx für ihre ausgleichende Art.Fazit: Der Umzug in das Frankfurter Westend hat für Turbulenzenim FPC-Alltag gesorgt. Das war 2012 deutlich zu spüren.Geschäftsleitung und Vorstand schauen dennoch zuversichtlichnach vorne. Nicht zuletzt gibt das geplante, abwechslungsreicheClubprogramm in den kommenden Monaten ebenso dazu Anlasswie die Anfragen externer Veranstalter. Außerdem verbreiteteAnke Knafla viel frischen Wind bei ihrer Vorstellung. Mit Verveversicherte sie, sich für den Club und sein Vorankommen einzusetzen.Und das wird ihr zusammen mit dem übrigen Team sichergelingen.StephanieAureliaRungeFreie Redakteurinfür Public Relations,info@textbausatz.de


16 Rückblick10 JahreMagazinMit Einzug in die RäumeSaalgasse 30 amRömer 1984 gab derVorstand des FPC ein Clubmagazin heraus. Im DIN-A5-Format und auf30 Seiten gab Werner Holzer, Gründungsmitglied und Präsident des FPC,den Start in den neuen Räumen bekannt. Es folgten ein kurzer Überblick überdie Pressekonferenzen diverser Firmen, eine Seite mit den Veranstaltungenim Mai/Juni des Jahres, mehrere Seiten Namenslisten der Mitglieder, dreiSchwarz-Weiß-Fotos von den neuen Räumlichkeiten und per Skizzen die Bestuhlungsmöglichkeiten,die Vorstandsliste und die Satzung. Seit damals hatsich viel verändert, nicht nur in der Clubszene, sondern auch im Medienbereich.Im Jahr 2002 brachten Vorstand und Geschäftsführung das erste neueFPC-Magazin heraus. Der Wunsch war, vom Vereinsheft zum Medienmagazinzu werden, das dem FPC und seinen Aktivitäten ebenfalls viel Raum lässt.Seit der Ausgabe 2002 ist ein festes Redaktionsteam zusammengewachsen.Neben der Geschäftsführerin, die als Chefredakteurin auch verantwortlich fürden Inhalt zeichnet, arbeitet Dr. Michael Behrendt als CvD und Schlussredakteurmit. Für die Anzeigenakquise ist Odo Ekke Bingel erfolgreich verantwortlichund für die Gestaltung büro bockenheim, agentur für konzeptionellesdesign. Zehn Jahre gemeinsame Planung, Umsetzung und Produktion habendie Akteure zu einem festen Team zusammengeschmiedet. Jedes Heft wirdweiterentwickelt, die Themen werden den Entwicklungen im Mediensektorangepasst, ohne dass es beliebig wird. Unser Anspruch ist der, ein hochwertigesMagazin zu kreieren, in dem informative Artikel zu lesen sind.FPC13 das magazin RückblickDer Club und die Medien2003 – 2023


17200220032004Das neue Format bekam das FPC-Magazinschon 2000 verpasst, dennoch war es eherein Clubheft mit Blick nach innen. DieNabelschau sollte beendet werden, derBlick sollte über das Clubgeschehen hinausgehen,das FPC-Magazin sollte ein Heftwerden, dessen Inhalte die Medienwelt interessieren,auch über die regionalen Grenzenhinweg. Medien, Macher, Netzwerkewaren Schwerpunkte der ersten Ausgabe,die noch unter FPC-Präsident Hans-Helmut Kohl herausgebracht wurde. Undschon damals war „Die Krise im Journalismus“das Thema, mit dem wir uns beschäftigenmussten. Wir nannten es „Tanzauf dem Vulkan“, denn die ersten Turbulenzenund Abstürze zeichneten sich ab,die Werbe- und Anzeigenkunden wandtensich immer mehr den digitalen Medienzu, und in den Medienhäusern begann derKampf ums blanke Überleben. Nur einSegment im Printbereich lag im Aufwind:Kundenmagazine. Und dem FPC, Meeting-Pointim Herzen der Mainmetropole,ging es auch gut. Er war ein beliebter Ort,zwischen Dom und Stadtparlament, fürHintergrundgespräche, Pressekonferenzen,Seminare und um Kontakte zu knüpfen.Das Jahr 2002 war auch die Geburtsstundedes Forums deutscher Presseclubs.„Der erste Brückenschlag“ wurde dann auchim zweiten FPC-Magazin ein Jahr spätervermeldet. Die ersten sechs Presseclubs vonweit über 20, die über Deutschland verteiltsind, trafen sich im FPC 2003 erneut, umüber eine Kooperation zu diskutieren. DieErgebnisse waren noch mager, doch derGründerenthusiasmus war groß, und dieFortschritte konnte man in den kommendenHeften verfolgen. Inzwischen hatte der FPCeinen neuen Präsidenten. Manfred Kruppvom HR löste Hans-Helmut Kohl von derFR ab. Das Redaktionsteam des Magazinserweiterte das vorausgegangene Thema „Medien,Macher, Netzwerke“ um die Themen„Märkte“ und „Mäzene“. Die Wirtschaftskrisein den Medien aber setzte sich fort. ManfredKrupp schrieb im Editorial: „Jahrelang schienenwirtschaftliche Probleme vor allem einThema zu sein, über das man als Journalistinund Journalist aus der Distanz berichtete(…). Nach Einbrüchen beim Anzeigenaufkommenund fallenden Werbeeinnahmenwar das auf einmal nicht mehr nur Themader Berichterstattung, sondern existenzielleHerausforderung für Medienschaffendeselbst.“ Krise in allen Medienbereichen wardas Titelthema dieses Heftes. Nur das Clublebenfunktionierte und sorgte für spannendeGäste und tolle Themen.Ein Jahr später schrieb FPC-PräsidentManfred Krupp im Editorial: „Die Medienbrancheatmet durch, aber noch nicht auf“.Die Werbewirtschaft – gekoppelt an dieWirtschaft insgesamt – vergab wieder mehrAufträge, das Anzeigenvolumen stieg.Dennoch waren viele Kolleginnen und Kollegeninzwischen nicht mehr mit an Bordvieler Redaktionen. Doch des einen Leid istdes anderen Freud: Die Kolleginnen undKollegen entdeckten den FPC als Kontaktbörseund traten in großer Zahl ein. DerFPC sorgte für ein spannendes Programmund feierte die Erfolge in seinem Magazin.Wieder ein Jahr mit Besuchen von Prominenzaus Wirtschaft, Politik und Medien.Das Forum deutscher Presseclubs wuchs,die Föderation europäischer Presseclubs, dieebenfalls vom FPC mitgegründet wordenwar, spann ihr Netzwerk über Deutschlandhinaus in ganz Europa. Die FR kam fürkurze Zeit in ruhigeres Fahrwasser, die PR-Branche befand sich im Aufwind, und derFPC war mittendrin.


18 RückblickSpezial | Special WM-Highlights | World Cup Highlights 1930-2006 das magazin Frankfurter PresseClub 2006das magazinFrankfurter PresseClub 2006Spezial | Special:WM-Highlights | World Cup Highlights1930 ñ200612005Dann war Jubiläum. Der FPC wurde 25Jahre alt, und wir feierten diesen Geburtstagmit einem 150-seitigen Doppelheft.Diesmal war es Werner D’Inka, der dasEditorial schrieb – sein erstes nach seinerWahl zum Präsidenten des FrankfurterPresseClubs. „Einen Steinwurf von Paulskircheund Dom und in Sichtweite deshistorischen Rathauses bildet der FrankfurterPresseClub seit 25 Jahren eine festeInstitution im Herzen der Stadt. Wer etwaszu sagen hat in Politik, Wirtschaft, Kultur,Sport oder Gesellschaft, trifft sich hier mitJournalisten.“ Mit wem sich tout le mondeim FPC traf und was sich sonst noch inder Welt, in Deutschland, in der Region,in der Stadt, den Medien und im Club soalles tat, das konnten dann die Leser auf54 Seiten erfahren. Die wichtigsten Ereignissevom 1980 bis 2005 waren in Wortund – vor allem – Bild zusammengestellt.Dazu gab es jede Menge Beiträge ausden Medien, von der Funktion des Volksempfängersaus der dunkelsten ZeitDeutschlands über das schwierige Verhältniszwischen Journalismus und PR bishin zu den neuen Tabloid-Formaten, mitdenen die Verlage auf Leserfang gingen.2006In diesem Jahr begann in Deutschland dasSommermärchen, die Fußballweltmeisterschaft.Und alle spielten mit, auch derFrankfurter PresseClub. Mit einer MediaLounge im Hof des Historischen Museumsbot der FPC seinen Mitgliedern und Gästendie Möglichkeit, gemeinsam mit vielenGleichgesinnten das Erlebnis rund um denBall zu genießen. Da durfte auch ein Specialzum Ereignis nicht fehlen. Mit einemMittelteil, in dem 56 Jahre Fußballweltmeisterschaftpräsentiert wurden und auchansonsten fast alles rund ums Thema ging,war der FPC dabei. Und in diesem Fallearbeiteten wir auch gleich zweisprachig,denn schließlich wollten wir den Kolleginnenund Kollegen aus aller Welt, die unsbesuchten, die Möglichkeit bieten, Frankfurtund unsere Gastfreundschaft kennenzulernen.„Hopitality is one of humanity’soldest traditions“, meinte Werner D’Inkaim Vorwort und ergänzt es durch einen Ratdes Herodot: „Ein Gastfreund hat an seinesGastfreundes Wohlergehen besondereFreude…“ Wohl wahr.2007Präsident D’Inka stellte fest, dass dieMedienbranche in Bewegung ist „wie seitJahrzehnten nicht mehr“. Web 2.0, Blogs,Podcasts, Youtube und Handyreporterwaren neue Phänomene, mit denen sichjetzt auch das FPC-Magazin beschäftigte.„Journalismus im Wandel“ war dann auchdas Titelthema des Heftes, in dem sichdie Autorinnen und Autoren mit denunterschiedlichsten Phänomenen und ihrentiefgreifenden Folgen befassten. Dass Blogssich von digitalen Tagebüchern Einzelnerzur Informationsquelle für Journalistenentwickelt hatten, dass auch Handy- undLeserreporter aus der Medienwelt nichtmehr wegzudenken waren, auch wennsie weder das journalistische Handwerkbeherrschten noch je etwas von Presserechtgehört hatten, dass die neue Technologieauch Einzug in die kommunale Öffentlichkeitgehalten hat und dass sich die Ausbildungder Journalisten auf alle diese neuenPhänomene einstellen muss, wurde imSchwerpunkt unseres Magazins ausgiebigdargestellt. Unter dem Titel „Journalismusim Wandel“ entstand auch eine Veranstaltungsreihe.Und dann wurde noch ein Geburtstaggefeiert. Der Journalistinnenbundwar 1987 im FPC gegründet worden –vor zwanzig Jahren!FPC13 das magazin


19das magazinFrankfurter PresseClub 2007das magazinFrankfurter PresseClub 2008das magazinFrankfurter PresseClub 2009Blogs.0RSS WikiWYouTube i k iubePodRSSg Web2.0gBlogser Podcastingy RFrankfurter PresseClub – mehr als ein Treffpunkt | Seite 6Alte Medien, neue Formate | Seite 22Wie neue Techniken das Berufsbild verändern | Seite 26Journalismus und PR: Verschärfung des Konflikts | Seite 48Frankfurter PresseClub – Information und Kontakte | Seite 102. Internationaler Medienpreis Frankfurt | Seite 18Schwerpunkt „Durchstarten“: Journalistenschulen,Studiengänge, Tipps für Freie | Seite 22FPC-Reise nach Nepal | Seite 44Themen, Talks und heiße Preise:der Frankfurter PresseClub | Seite 6Rückblick: „Durchstarten”, die erfolgreicheVeranstaltungsreihe für junge Journalistinnenund Journalisten | Seite 20So sprechen unsere Freunde: drei korporativeFPC-Mitglieder und ihre Unternehmenskommunikation | Seite 38Frankfurter Rundfunk-Historie:Hesselbachs hör’n Radio – die Anfänge des HR | Seite 622008In diesem Magazin wurde der Schwerpunktmal wieder mehr auf die Arbeitim Club gelegt. Ausgangspunkt war vorallem die Themenreihe „Durchstarten“,die die Programmmacher (Vorstand undGeschäftsführung) aufgelegt hatten. Siesollte jungen Kolleginnen und Kollegenmit unterschiedlichen Formaten Einblickein ihren Beruf geben. Die Arbeit derJournalistenschulen wurde ebenso unter dieLupe genommen wie Studiengänge zumBeruf. Wie hoch der „Preis der Freiheit“sein kann, konnten viele von einer freienKollegin erfahren, auch wie das Ausbildungsprojekt„Radio-Starter“ funktioniert,war Thema. Und ein Interview mit PublizistikprofessorMathias Kepplinger machtedeutlich, wie gestählt die Absolventen desInstituts für Publizistik der Johannes-Gutenberg-UniversitätMainz aus der Ausbildungkommen. Dass der Beruf harte Arbeitist, hatte Werner D’Inka bereits im Editorialklargemacht. Dass man aber auch amEnde einer journalistischen Arbeit Lob undPreis erwarten kann, machte der Beitrag„Der Preis ist heiß“ deutlich. 2007 lobteder FPC zum zweiten Mal den InternationalenMedienpreis Frankfurt aus. Ehrengastwar Tom Buhrow, der kurz zuvor seineArbeit als „Mister Tagesthemen“ aufgenommenhatte. Wie viel der FPC seinen Mitgliedernund Gästen außerdem zu bieten hat,wurde dann in den Beiträgen über die KurzundFernreisen deutlich. Von der Waterkantbis zum Dach der Welt (Nepal) machtendie FPC’ler spannende Erfahrungen.2009Themen, Talks und heiße Preise. Im Heft2009 ging es unter anderem um denewigen Streit zwischen Journalismus undPR und um die Frage: Was ist ehrlicher?Beide, sagt Präsident Werner D’Inka inseinem Editorial und bekommt qualifiziertenBeistand von der ehemaligen Nestlé-Pressesprecherin Barbara Nickerson. „DerJournalist hat die Aufgabe, Zusammenhängeobjektiv zu beschreiben, um seine Leserzu informieren – während der PR-Fachmanndie Interessen seines Hauses vertretenmuss“, sagt sie und unterstreicht diesin einem Interview im Heft. Doch wiederschauen wir nicht nur nach vorne, in dieZukunft der Medienwelt, sondern werfenauch einen Blick zurück. Und da gibt esgleich zwei spannende Themen. Zum einenein Porträt des berühmten PressefotografenErich Salomon, der in Auschwitz ermordetwurde, zum anderen die Geschichtedes Hessischen Rundfunks, die nach demKrieg 1949 begann. Daran knüpfte dasfolgende Heft mit einem Beitrag über denBeginn der Auslandsberichterstattung imRundfunk an. In Heft 2009 begannen wirauch mit der Vorstellung unserer korporativerMitglieder. Und auch diesmal Club,Club, Club! Verleihung des IMF, die Reihe„Durchstarten“ und vor allem das großeEvent mit den Korporativen in derVilla Kennedy wurden ausführlich im Heftgefeiert.2010Und dann war der FPC schon wieder 30Jahre alt, was wir allerdings, gemessen ander Strecke zum 25ten Geburtstag, nur aufwenigen Seiten feierten. Der Fokus lag diesmalauf der Auslandsberichterstattung, vorallem aus den Krisengebieten. Passend dazugab es einen großen Reiseteil, der sich mitder Reise des FPC nach Südafrika beschäftigte.Wenige Monate später wurde dort dieFußballweltmeisterschaft ausgetragen. Daswar Grund genug für den Club gewesen,seine Mitglieder zu einer Ortsbesichtigungzu animieren. Die unterschiedlichen Eindrücke,die wir sowohl in Townships inKapstadt und Johannesburg sammeltenals auch bei erfolgreichen Winzern undHoteliers im Lande, die Begegnungen miteindrucksvollen Menschen (Sozialarbeiter,Lehrer, Manager, Politiker), von denen jederan seinem Platz Großartiges leistet, war dieGrundlage für viele spannende Beiträge undReportagen. „Mittendrin und fern dabei“, sokann man das Motto des Magazins nennen,das sich auch wieder ausgiebig mit seinenprominenten Gästen schmückte.


20 RückblickFPC11dasmagazin Umschlag.qxd:FPCMagazin07_End.qxd 17.05.2011 11:47 Uhr Seite U4journalisten lieben fachchinesischNachrichten und Themen aus der Chemie müssen nicht komplex und schwerverständlich sein. Wir liefern Ihnen aktuelle, umfassende und fundierte Informationen.Verlässlich, verständlich und aus erster Hand. Wenden Sie sichdirekt an unsere Pressestelle. Wenn aus Fachchinesisch Klartext wird, dannist das Chemie, die verbindet. Von BASF.www.basf.com/presseWenden Sie sich direkt an uns:Wirtschaft & Finanzen, Innovation & Forschung 0621 60-20916Personal, Umwelt & Standort Ludwigshafen 0621 60-20780E-Mail: presse.kontakt@basf.comFrankfurter PresseClubFPCdas magazin2011KommunikationmultimedialUnendlicheFreiheitoder kommunikativerWahnsinn?Twittern,chatten,bloggen –ständig werdenneueMöglichkeitender Kommunikationbereitgestellt.Wie gehenJournalistendamit um?Seite 42Nichts istmehr wievorherDas iPadverändert dieArbeit in denRedaktionenradikal. BeispielFR.Seite 48Stell dir vor,es ist Krieg,und keinJournalistist daOb überChina, denIran oder diearabischeWelt – immerhäufiger werdenwir durchsoziale NetzwerkeundWebdiensteinformiert.Doch wie verlässlichsindBilder undBerichte?Seite 54PR 2.0Was früherdas „Mitmach-Netz“war, ist heutefest im Griffder PR-StrategenSeite 64Frankfurter PresseClubFPCdas magazinForumDeutscherPresseclubsundFöderationEuropäischerPresse-Clubs –Gipfel inFrankfurtSeite 4FPC 2012:neuesDomizil,neues Programm,neuesCorporateDesignSeite 222012Neue Äraim FrankfurterMagistratSeite 32Städel 2.0Seite 34EintrachtFrankfurtund diePresseSeite 42NeuerInternetauftrittder FAZSeite 50ClubaktivitätenSeite 66Neustart2011Wir setzten uns erneut mit dem ThemaKommunikation multimedial auseinander.Es ging ums Twittern, Chatten,Bloggen und um die radikale Veränderungder Redaktionsarbeit durch das iPad.„Erst Zögern, dann Begeisterung“, so dieBeschreibung des iPad-Chefs und Leitersder Multimedia-Redaktion der FR MichaelBayer. Weniger euphorisch, sondern eherkritisch zeigte ein Essay zum Thema„Bilderrevolution“, wie soziale Netzwerkewie Facebook und Web-2.0-Dienste wieTwitter und Youtube die Redaktionen mitBildmaterial überschwemmen. Informierendie nicht selten verwackelten Schnappschüssebesser als geschulte Kameraleuteund Reporter vor Ort? Kann man denBildern trauen, wenn man nicht mal weiß,wer sie überhaupt wo aufgenommen hat?Die schöne neue Onlinewelt wird denFrankfurter PresseClub und das Magazinwohl regelmäßig begleiten, auch wennwir in unserem Magazin mitunter dieFrage gestellt haben und weiter stellen,ob Facebook, Twitter und Co. den Journalismusabschaffen. Abschaffen nicht, abergründlich verändern. So, wie die Buchdruckkunst,die erste Dampflok und dieErfindung des Telefons die Welt veränderthaben. „War die Welt besser, als es nochSendeschluss und Telefonzellen gab undwir auf Schallplatten die Lieder in der vorgegebenenReihenfolge hörten?“ Das fragtePräsident Werner D’Inka im Editorial undlieferte gleich die Antwort mit: Vermutlichnicht, aber sie war auch nicht unbedingtschlechter.2012Es gab für den Club und damit auch fürdas Magazin einen Neustart – ebenso wiefür einige andere Institutionen in Frankfurt.Der FPC zog um in ein neues Domizil– in das Livingston’sche Palais im noblenWestend. Die FAZ trat mit einem neuenInternetauftritt an die Öffentlichkeit, auchbei der Frankfurter Eintracht wurde einigesanders, sie spielte wieder erstklassig. Derimposante Städelanbau war Thema, undauch aus dem Magistrat wussten wir Neueszu berichten: Der Oberbürgermeister hießnun Peter Feldmann und nicht mehr PetraRoth. Die hatte den Römer nach 17 Jahrenverlassen. Einen ihrer letzten Auftritte alsOberbürgermeisterin hatte sie anlässlichunseres Neujahrsempfangs im neuen PalaisLivingston gehabt. Der FPC aber bekamnicht nur ein neues Haus, sondern auch einneues Erscheinungsbild. Das neue CorporateDesign stammt von unserem langjährigenPartner büro bockenheim, mit dem wirnun seit Beginn des Magazins erfolgreichzusammenarbeiten. Auch der neue Internetauftrittstammt aus dieser Schmiede,das neue Magazin 2013 ebenfalls.MonicaWeber-NauGeschäftsführerinFPCinfo@frankfurter -presseclub.deFPC13 das magazin


21Wir sind für Sie da.Wir sind überzeugt: Guter Service schafft dieGrundlage für gute Geschäfte. Wenn dann nochdas richtige Know-how dazukommt, eröffnensich Ihnen die besten Marktchancen – weltweit.Stellen Sie uns auf die Probe.www.messefrankfurt.com


22 Rückblick10 Medienphänomene,die uns inden letzten Jahrenbeschäftigt habenTabloids, Twit -ter, TraumataTeufelskreiseDie ZeitungskriseFPC13 das magazin1Das Internet ist aktueller, schneller undmeist kostenlos. Vor allem jüngere Leserlesen lieber online als in gedruckten Ausgaben,auch wenn diese mehr Hintergrundund tiefere Recherchen bieten. Hinzukommt die Wirtschafts- und Finanzkrise:Sie verschärft den Trend unter Verbrauchern,Geld zu sparen und zum Beispielauf ein teures Zeitungsabo zu verzichten.Gleichzeitig hält sie Anzeigenkundenzusätzlich davon ab, ihre schwindendenWerbebudgets in Printtitel zu stecken. Sobedingen sich sinkende Auflagenzahlenund sinkende Anzeigenerlöse irgendwanngegenseitig, und die Zeitungskrise nimmtihren Lauf.Schaut man sich die Grafiken an, die dieInformationsgemeinschaft zur Feststellungder Verbreitung von Werbeträgern (IVW)veröffentlicht hat, um die Entwicklungder Verkaufszahlen von Tageszeitungenund Publikumszeitschriften im Zeitraum2002 bis 2012 darzustellen, sieht manschlicht zwei stetig abfallende Linien.Abgebildet sind die Verkaufszahlen proErscheinungstag im 3. Quartal eines jedenJahres. Demnach fielen die Verkaufszahlenbei den Tageszeitungen von 27,49 MillionenExemplaren im Jahr 2002 auf 21,13Millionen Exemplare 2012 und bei denPublikumszeitschriften von 122,06 MillionenExemplaren im Jahr 2002 auf 110,73Millionen 2012. Einzelne Titel verzeichnenRückgänge von 30–40 Prozent, Ende 2012wurden selbst renommierte Blätter wie die„Financial Times Deutschland“ und dieStadtillustrierte „Prinz“ eingestellt. Wenigspäter wurde die „Frankfurter Rundschau“verkauft.Wird der Qualitätsjournalismus untergehenoder sich in teuren Nischen neuetablieren? Werden sich Paywalls und Bezahlinhaltedurchsetzen, oder müssen ganzandere Geschäftsmodelle her? Die Beantwortungdieser Fragen entscheidet über dieZukunft vieler gebeutelter Verlagshäuser.Traurige BilanzJährlichmehr getöteteJournalisten2„2012 sind 88 Journalisten bei ihrer Arbeitgetötet worden – mehr als je zuvor, seitReporter ohne Grenzen 1995 die ersteJahresbilanz veröffentlichte.“ So lautet dasebenso nüchterne wie erschreckende aktu-


46 2012»Die meisten unsererInnovationen sind unsichtbar,aber unverzichtbar.«What is preCiousto you?Das ist Clariant:spezialChemie,Die Werte sChafftUnsere Produkte verändern die Welt – nicht immeraugenscheinlich, aber spürbar. Denn mit weit über9.500 Patenten bieten wir schon heute mit Spezial -chemie in vielen Bereichen wichtige Lösungen. Damitdas so bleibt, entwickeln wir kontinuierlich neue Ideenund erforschen weitere Möglichkeiten, durch die dasLeben etwas schöner, sicherer oder nachhaltiger wird.Das ist uns wichtig. what is precious to you?www.clariant.com


24 Rückblickelle Fazit der Menschenrechtsorganisation.1995 hatte Reporter ohne Grenzen noch64 getötete Journalisten gezählt, danachwar die Zahl erfreulicherweise auf 23 imJahr 1998 gesunken. Anschließend aberhatte sich die weltweite Lage verschärft, biszum ersten historischen Höchststand von87 ums Leben gekommenen Kolleginnenund Kollegen im Jahr 2007. „Der Irak warmit 47 getöteten Journalisten im fünftenJahr in Folge das gefährlichste Land fürMedienleute“, so die damalige Analyse.„Bis auf einen russischen Reporter warenausschließlich Iraker, die für lokale Medienarbeiteten, die Opfer.“2012 nun wurde ein neuer Höchststanderreicht. „Zu den enorm hohen Opferzahlenhaben vor allem der Syrien-Konflikt,die Gewalt der Taliban in Pakistan und derBürgerkrieg in Somalia beigetragen“, wirdROG-Vorstandssprecher Michael Rediskezu den Hintergründen zitiert. Und: „Nichtnur Journalisten setzten 2012 durch ihreArbeit ihr Leben aufs Spiel, sondern auchBlogger und Bürgerjournalisten. In diesemJahr wurden 47 von ihnen getötet, 2011waren es nur fünf“, so der Bericht weiter.„Dies traf vor allem jene mutigen Frauenund Männer, die in Syrien als Reporter,Fotografen oder Videojournalisten denAlltag des Bürgerkriegs und die VerfolgungOppositioneller dokumentierten. Sieberichteten über Gewalt an Zivilisten unddurchbrachen so die Nachrichtensperre,mit der das syrische Regime das Land überziehenwollte.“Jeder mit jedemWeb-2.0-JournalismusFPC13 das magazin3Facebook, Twitter, Youtube & Co – kanndas überhaupt etwas mit Journalismus zutun haben? Und wenn ja: Geht das auchnur annährend seriös? Antwort auf beideFragen: Klar! Das „Web 2.0“ steht füreine digitale Kommunikation, die nichtmehr einseitig und „one to one“ verläuft,sondern interaktiv und „von einem anviele“. Es eröffnet nicht nur neue Möglichkeitender Recherche, des Vertriebs undder Verbreitung von Storys, sondern dientauch als wichtiger Feedbackkanal. In sozialenNetzwerken wie Facebook und Xingerhält man möglicherweise neue Einblickein ein Thema und kommuniziert auchmit anderen Experten als den „üblichenVerdächtigen“. Über die „Teilen“-Funktionlassen sich interessante Infos und Beiträge,auch Fotos und Videos, sekundenschnell inder Netzgemeinde verbreiten. So hätte diearabische Revolution ohne soziale Netzwerkeund Kurznachrichtendienste wie Twitternie eine solche Resonanz weltweit gefunden,wäre manches brutale Vorgehen vonRegimevertretern nicht an die Öffentlichkeitgelangt. Natürlich: Die Quelle einerNachricht ist nicht immer transparent, ihreEchtheit nicht immer gewährleistet – dochzweifellos trägt das Web 2.0 zur Erweiterungder Berichterstattungsmöglichkeitenbei.Berufsjournalisten können nicht überallsein, im Web 2.0 stoßen sie auf relevanteNews und interessante Kontakte. Damitsind sie nicht nur Rechercheure undSchreiber, sondern werden zunehmend auchzu Moderatoren. Stichwort: „Crowdsourcing“– das aktive Einbinden von Laienreporternbei der Bearbeitung eines Themas.Eine Variante stellen Internetportale dar,die „kollaborativ“ Dissertationen oderHabilitationen prominenter Persönlichkeitennach Plagiaten durchforsten, etwadas „Guttenplag“. Ein anderes Beispiel istdie Bereitstellung von Bildmaterial undInformationen durch Nichtjournalisten, diedirekt vor Ort waren. Als bei den G20-Protestenin London 2009 ein Mann namensIan Tomlinson unter ungeklärten Umständenums Leben kam, bat der britische„Guardian“ seine Leser um Mithilfe – undgelangte so an ein brisantes Amateurvideo.Es zeigt deutlich, wie Tomlinson – keinDemonstrant, sondern nach der Arbeit aufdem Heimweg – von hinten von einem Polizistengeschlagen und zu Boden geworfenwird. Wenige Minuten nach der Aufzeichnungwar Tomlinson mit einem Herzinfarktzusammengebrochen. Das Video wieszwar keinen unmittelbaren Zusammenhangzwischen Polizeiattacke und Herzinfarktnach, brachte aber eine Diskussion über daszweifelhafte Vorgehen der Ordnungskräftein Gang. Eins von vielen Beispielen derletzten Jahre. Mittels „iReport“ aktiviertCNN seine User als mögliche Quellen fürStorys und Bilder, andere Medienunternehmerexperimentieren mit speziellen SocialNetworks zum Kommentieren und Teilenvon Nachrichten.GegenöffentlichkeitBlogs4„Blog“ ist die Kurzform von „Weblog“ undbezeichnet eine Art Tagebuch oder Journalim Internet. Blogs werden von Einzelpersonenbetrieben und dienen dem Protokollierenund Kommentieren von Ereignissensowie dem Äußern von Meinungen undGedanken, meist zu einem übergeordnetenThema. Blogeinträge werden „Posts“genannt. Blogs sind auch für Nichtprofisleicht zu erstellen, können Multimediainhalte,etwa selbst geschossene Fotosund Videos, beinhalten, direkt auf andereInternetquellen verweisen und von anderenUsern kommentiert werden. „CharakteristischeMerkmale dieser Kommunikationsform“,so das Internetlexikon Wikipedia,„sind die Individualisierung der Kommunikation,die Reflexivität hinsichtlich derMedienkommunikation, die Verlinkungund Vernetzung der Webkommunikationbis hin zur Blogosphäre, die Filterungund Selektion der Medienkommunikationdurch die Blogger als eine Art neueGatekeeper, die Interaktivität aller Beteiligten,die Aufhebung der Grenze zwischenRezipient und Produzent und damit auchzwischen Profis und Laien (was allerdingsnicht das Bloggen durch ‚Kommunikationsprofis‘wie Journalisten ausschließt).“Blogs gibt es seit Mitte der 1990er Jahre,2002 machte William Quick den Begriff„Blogosphäre“ populär, er steht für dieGesamtheit aller Blogs. Deren Zahl ist inden letzten zehn Jahren weltweit sprunghaftgestiegen, auch die Onlineausgabenvieler Tageszeitungen und Zeitschriften


ZUSAMMEN GEHT MEHR.Wir gratulieren dem Clubmagazin des Frankfurter Presseclubszum 10-jährigen Bestehen.Mit vereinten Kräften arbeiten wir für ein Ziel: Ihren Erfolg. Dafür setzen wir uns als Spitzeninstitutgemeinsam mit über 1.000 Volksbanken Raiffeisenbanken in der Genossenschaftlichen FinanzGruppeein. Denn zusammen geht mehr. » www.dzbank.de


26 RückblickFPC13 das magazin


27enthalten Blogs von Redakteuren undGastautoren. Im Oktober 2011 zählte dasMarktforschungsunternehmen NM Inciteinsgesamt etwa 173 Millionen Blogs weltweit.Aktuelle Zahlen für Deutschland gibtes keine, Schätzungen gehen von „wenigenHunderttausend“ aus.Der Nutzen von Blogs für den Journalismus?Blogs sind manchmal schneller undaktueller und können so als wichtige Informationsquellebeim Recherchieren dienen.Für bloggende Journalisten sind sie einweiterer Publikationskanal, mit dem mansich ein gewisses Renommee erarbeitenkann, und ein wichtiger Distributions- undFeedbackkanal, denn User können Beiträgemit anderen Usern „teilen“ und direktkommentieren. Gerade in politisch schwierigenZeiten oder vor dem Hintergrundstaatlicher Repressionen vermögen Blogseine Art Gegenöffentlichkeit herzustellen.Die berühmte und oft zitierte „HuffingtonPost“ ist eine Mischform aus Politblog undOnlinezeitung.VerschwimmendeGrenzenRundfunk undDigitalisierung5Das Internet eröffnet allen Medienakteurenneue Vertriebswege – und plötzlich kommensich Zeitungsverleger und gebührenfinanzierteröffentlich-rechtlicher Rundfunkins Gehege. Damit Letzterer keine Wettbewerbsvorteileerhält, durchlaufen seinedigitalen Angebote schon seit Jahren einenDreistufentest. Der soll sicherstellen, dassder öffentlich-rechtliche Rundfunk nichtmehr im Internet anbietet, als ihm durchden Rundfunkstaatsvertrag erlaubt ist. DieKonstellation geht eine Zeit lang gut, dochdann entwickelt sich das mobile Internetweiter, und mit der Erfindung der „Apps“entsteht ein neuer technischer Verbreitungsweg,der Inhalte auf Smartphones undTablet-PCs bringt, auch die des Angebotstagesschau.de. Das ruft die Verleger aufden Plan. Denn für sie eröffnen Apps dieMöglichkeit, mit Zeitungsangeboten imNetz wieder Geld zu verdienen. Und sowird die „Tagesschau-App“ zum großenStreitpunkt. Im Juni 2011 klagen mehrereVerlage, darunter die „F.A.Z.“, der Verlagder „Süddeutschen Zeitung“ und die AxelSpringer AG, gegen die ARD und denNDR, der für die Umsetzung des Telemedienangebotsder ARD federführendist, vor einer Wettbewerbskammer desLandgerichts Köln. Das Hauptargumentder Kläger: Die „Tagesschau-App“ seiein nichtsendungsbezogenes presseähnlichesAngebot. Es störe den Wettbewerbempfindlich, weil es eben über Gebührenfinanziert werde. Das Hauptargument derÖffentlich-Rechtlichen: Die App sei nichtsanderes als ein technischer Verbreitungsweg,der die Inhalte von tagesschau.de1:1 auf Smartphones und Tablet-PCsbringe. Es gebe ebenso wenig eine eigeneApp-Redaktion wie eigene Inhalte für dieTagesschau-App. Das Landgericht Kölnentscheidet im Oktober 2012, dass spezielldie „Tagesschau-App“ vom 15. Juni 2011unzulässig gewesen sei. Damit wird abernicht die App an sich verboten. Der NDRlegt Berufung ein. Seitdem sind die Konfliktparteienim Dialog, um eine außergerichtlicheEinigung zu erzielen.Einige Medienkritiker sehen in demStreit lediglich eine Farce, andere üben sichin weitergehenden Spekulationen: Übertrageman die Auslegung des Gerichts aufandere Telemedienangebote der öffentlichrechtlichenRundfunkanstalten, sagen sie,dann könnten sich auch diese als unzulässigerweisen. Blogs von ARD-Mitarbeiternbeispielsweise könnten durchaus als nichtsendungsbezogene presseähnliche Angeboteinterpretiert werden. SPIEGEL Onlineschreibt am 5.1.2013: „Wenn die Medienimmer weiter verschmelzen, werden sichdie deutschen Medienpolitiker irgendwannentscheiden müssen, was ARD und ZDFgestattet sein soll: entweder alles – odernichts.“Darf‘s auch etwaskleiner sein?Tabloid-Zeitungen6Die Printkrise war in vollem Gang, daversprachen sie den Ausweg: neue Zeitungenim Tabloid-Format, 235 x 315 mm.Tabloids sollten das unhandlichere „NordischeFormat“ (400 x 570 mm) ersetzen,günstiger zu produzieren und günstiger zuerwerben sein und obendrein ein breiteres,vor allem jüngeres Publikum ansprechen.Es war der britische „Independent“, der abHerbst 2003 aufs kleinere Format umstiegund den Trend befeuerte. „20 Cent“, vonder Holtzbrinck-Gruppe herausgegebenund im Mai 2004 in der Lausitz gestartet,war die erste deutsche Tageszeitung imTabloid-Format, ihr folgte im März 2005eine zusätzliche Saar-Ausgabe. Dazwischenwaren schon die „Welt kompakt“ (ab Mai2004 in Berlin, dann in weiteren deutschenStädten/Regionen), „NEWS Frankfurt“(ab September 2004) und der „KölnerStatdtanzeiger Direkt“ (Oktober 2004) alsTabloid-Zeitungen an den Start gegangen.Ende Mai 2007 zog auch die „FrankfurterRundschau“ nach und wurde zur erstenüberregionalen Tageszeitung in Deutschland,die komplett im kleineren Formaterschien.Die neuen Tabloids kamen bunt daher,mit innovativem Layout, und wurden teilsmit hochkarätigen Design-Awards ausgezeichnet.Dennoch konnten sich nichtalle durchsetzen. Die Gründe hierfür sindverschieden und von individuellen Faktorenabhängig. Den „Kölner Stadt-AnzeigerDirekt“ gab es nur bis 2006 – vielleichtwar in Köln doch kein Markt dafür vorhanden.Im Mai desselben Jahres gab „NEWS“auf – als Neugründung, die von Zulieferernwie „Handelsblatt“, „Tagesspiegel“ und„Fit for Fun“ abhängig war, fehlte es wohlauch an Linie und regionaler Kompetenz.Die beiden „20 Cent“-Ausgaben wurdenim Februar 2009 eingestellt – vorausgegangenwaren harte Attacken von Mitbewerbern.Und Ende 2012 meldete selbst


28 RückblickFPC13 das magazin


29die „Frankfurter Rundschau“ Insolvenz an.Möglicherweise war die Umstellung aufskleinere Format für viele Traditionsleserdoch zu radikal.Trotzdem: Das Tabloid-Format ist nichttotzukriegen. Vor allem in skandinavischenLändern wie Schweden feiert es großeErfolge, und auch in Deutschland treibtes immer wieder neue Blüten. So existiert„DIE WELT Kompakt“ nach wie vor undhat längst mit der Tabloid-Ausgabe der„Welt am Sonntag“ einen kleinen Brudererhalten. Bis Anfang 2013 war die kleine„WamS“ nur in Nordrhein-Westfalen,Baden- Württemberg, Bayern, Hessen,Rheinland-Pfalz und im Saarland erschienen,seit Februar 2013 gibt es die „Weltam Sonntag kompakt“ sogar bundesweit.Auch „Bild Hamburg“ erscheint seit Jahresbeginnals Tabloid. Das kleine Formatwird also auch in Zukunft noch für Schlagzeilensorgen.Waffenbrüder„Embeddedjournalists“7Militärs und Journalisten haben zwar auchfrüher schon zusammengearbeitet, aber regelrechtin den Kampfverbund „eingebettete“und als solche bezeichnete Journalistengab es erstmals 2003 beim Einmarschamerikanischer Truppen in den Irak. DasUS-Militär reagierte damit auf Beschwerdenvon Medienvertretern über mangelndenZugang zu Informationen währendfrüherer kriegerischer Auseinandersetzungen.Gleichzeitig sah es in der „Einbettung“die Möglichkeit, sich Vorteile im„Informationskrieg“ zu beschaffen. DieJournalisten trainierten im Vorfeld mit denSoldaten und unterschrieben Verträge, indenen sie zusicherten, keine Informationenzu veröffentlichen, die die Militärmissionder USA gefährden könnten. Damit warendie Journalisten sowohl in ihrer Sicht aufdie Dinge vor Ort als auch in ihrer Berichterstattungeingeschränkt.Allerdings, so der Journalist PatrickCockburn im November 2010 in eineminteressanten Artikel für den „Independent“,biete die Einbettung heute oftmalsdie einzige Möglichkeit für Journalisten,die Tätigkeit der Soldaten genau zu beschreiben.Und: Oft sei sie auch die einzigeMöglichkeit, das Leben der Kriegsreportereinigermaßen zu schützten. Denn längsthätten die militärischen Gegner Journalistenals besonders wertvolle Geiselnausgemacht. Mit ihnen könne man Druckauf Regierungen ausüben und der eigenenSache Publicity verschaffen.So unausweichlich die Einbettung sei, sogroße Probleme bereite sie aber auch – darausmacht Cockburn keinen Hehl. EingebetteteJournalisten könnten nur einseitigberichten, würden „aus Sicherheitsgründen“an freien Recherchen gehindert und


30 Rückblickseien nicht immer dort, wo das eigentlichInteressante passiert. Sie würden daherbisweilen Entwicklungen falsch einschätzenund seien vor allem auf militärischeAktionen konzentriert. Die möglicherweiseganz anders laufende politische Entwicklungkomme immer wieder zu kurz. DieEinbettung sei für Zeitungs- und Senderverantwortlicheeine ebenso zwiespältigeStrategie wie die, junge abenteuerlustige,aber letztlich unerfahrene Reporter auf lebensgefährlicheeigene Recherchemissionenzu schicken. Der eleganteste und seriösesteWeg sei, erfahrene, bewegliche und unabhängigeexterne Journalisten zu engagieren,die auch schon lange vor Ausbruch desKonflikts mit der Situation eines Landesvertraut gewesen sind.Mux & MurxDigital AudioBroadcasting8„Radioveranstalter in Deutschland setzenverstärkt auf digitale Verbreitung ihrerProgramme. Neben vielen Ihrer derzeitigenLieblingsstationen, die Sie nun auch mitIhrem digitalen Radio empfangen können,finden Sie zahlreiche neue Programme, dieausschließlich digital angeboten werden.Und ständig vergrößern sich das Angebotund auch die Versorgungsgebiete. (...) VertiefendeTexte zum aktuellen Programm,Audio-Angebote zum Nachhören unterwegs,elektronische Programmführer, Slideshows,die zum Beispiel das CD-Cover zumlaufenden Musiktitel oder die Blitztabellezur Fußballreportage zeigen, gehören zumDigitalradio – ebenso wie die Möglichkeit,interaktiv auf das Programm zuzugreifen.“So wirbt das Internetportal www.digitalradio.de,eine Gemeinschaftsinitiative vonARD, Deutschlandradio und der DigitalradioDeutschland GmbH (DRD), für dasRadio der Zukunft.Es geht, genauer gesagt, um DigitalAudio Broadcasting (DAB), einen digitalenÜbertragungsstandard für denterrestrischen Empfang von Digitalradio.DAB wurde Ende des letzten Jahrtausendsentwickelt, in Deutschland aber nurzögerlich eingeführt. Technische Probleme,mangelnde staatliche Subvention oder dieTatsache, dass man als Nutzer ein eigenesEmpfangsgerät benötigt und mit kompliziertenBegriffen wie „Multiplex“ und„Bundesmux“ konfrontiert wird, mögendie Ursachen gewesen sein. Häufig warauch von einem „Henne-Ei-Problem“ dieRede, wie das Webportal www.teltarif.deresümiert: „Die Radioveranstalter investiertenwenig in digitale Hörfunkprogramme,etwa im DAB-Modus, weil es zu wenigpreiswerte Empfänger auf dem Markt gibt.Umgekehrt steigt die Geräteindustrie nichtverstärkt in den Markt ein, solange dieAnzahl attraktiver Programme zu geringist“... Nach endlosen Diskussionen wurde2011 mit dem Verfahren DAB+, das einehöhere Reichweite und besseren Empfanggarantiert, ein Neuanfang gewagt. Seitherist die Technik optimiert und das Sendernetzkontinuierlich erweitert worden. ImJahr 2015 soll eine weitgehend flächendeckendeVersorgung mit digitalen Angebotenin ganz Deutschland gewährleistet sein.EierlegendeWollmilchsäueVideojournalisten9Videojournalisten sind „Ein-Mann-Teams“,die das Recherchieren, Schreiben und Drehen,oft auch das Schneiden und Sprechenvon Beiträgen in einer Person vereinigen.Das Berufsbild entstand Ende der 1960erJahre in den USA und wurde rund 20 Jahrespäter als Trend in Deutschland aufgegriffen,zunächst von privaten Lokalsendern.Als erster öffentlich-rechtlicher Sendersetzte der Bayerische Rundfunk 1994Videojournalisten ein, 2001 zog der HessischeRundfunk nach. Heute werden „Vee-Jays“ auch bei vielen anderen öffentlichrechtlichenSendern beschäftigt. Was gernals „Sparmaßnahme“ und „von mindererjournalistischer Qualität“ kritisiert wurde,ist inzwischen anerkannt. Neuste Studienzeigen, dass viele Beiträge von Videojournalisteneine akzeptable journalistischeQualität aufweisen und dass technischeFehler, wenn überhaupt, nur noch vonFernsehprofis erkannt werden.Auf die Bezahlung hat sich das allerdingskaum ausgewirkt. Die ohnehin niedrigenHonorare, die auch davon abhängigsind, ob die Journalisten selber schneidenund ihr eigenes Equipment benutzen,haben sich laut Verdi seit 2010 etwa beiden ARD-Anstalten gar nicht oder lediglichum etwa 2 Prozent erhöht. Der Einsatzfür eine Strukturreform ist für die Gewerkschaftein sensibles Thema. „Schließlichvertreten wir auch die Interessen derKameraleute und Cutter“, wird Anja Arpvon der Verdi-Tarifkommission zitiert.Gegen den TrendKrisengewinnler10Die Printkrise hat viele Gründe. Nebendem Siegeszug des Internets, der Wirtschaftskriseund dem Teufelskreis aussinkenden Anzeigenerlösen und sinkendenAuflagenzahlen sind das ein Überangebotan Titeln und die überbordende Informationsflutin einer immer komplizierterwerdenden Welt. Da liest man offenbarseltener ein Nachrichtenmedium, konzentriertsich vor allem auf Beruf und Lebenshaltungund zieht sich gleichzeitig insPrivate zurück. Nur so lässt sich erklären,dass es ganz bestimmten Printgenres und-titeln im letzten Jahrzehnt gelungen ist,der Krise nicht nur zu trotzen, sondernauch noch kräftig zuzulegen.Vom sinkenden Interesse an Tageszeitungenbeispielsweise profitieren Wochenzeitungen,und hier die großen Qualitätsblätter:„Die Gewinner der vergangenenzehn Jahre heißen (...) ganz klar Zeit undF.A.S.“, fasst www.meedia.de 2011 zusammen.„Die Zeit gewann zwischen 2001FPC13 das magazin


31und 2011 deutliche 13,6 % bzw. 52.047Käufer hinzu – ein großer Triumph für dasBlatt, dem es ganz offensichtlich gelungenist, sich zu modernisieren, ohne die altenKäufer zu verschrecken. Ebenfalls zu denGewinnern gehört die Frankfurter AllgemeineSonntagszeitung. Zwar könnenwir hier keinen Zehn-Jahres-Vergleichanbieten, da es sie als überregionales Blatterst seit dem Herbst 2001 gibt, doch imVergleich zu 2002 gewann sie 28,2 % bzw.60.116 Zeitungskäufer hinzu.“Das Interesse an Beruf und Lebenshaltungbedienen konsequent die Kundenzeitschriften.Wie die IVW-Zahlen jeweilsfür das 3. Quartal der Jahre 2002 bis 2012zeigen, fiel das Segment zwar von 50,10Millionen verkaufter Exemplare im Jahr2002 auf 42,22 Millionen Exemplare, bliebdann in den Folgejahren aber relativ stabilund erreichte sogar 2005 (42,91 Millionen),2008 (43,02 Millionen) oder 2011(44.82 Millionen) immer neue Höchstwerte.Auch wenn es im 3. Quartal 2012 nurnoch 39,87 Millionen verkaufte Exemplarewaren, ist der Corporate-Publishing-Marktvon großer Kontinuität gekennzeichnet.Nur scheint sich auch hier immer mehr„Content“ in den Online- bzw. Tablet- undApp-Bereich zu verlagern.Den Rückzug ins Private könnte manam unglaublichen Erfolg der „Landlust“festmachen, die seit 2005 alle zwei Monateerscheint und kontinuierlich zugelegthat. Unter dem Titel „Wohlfühl-RepublikDeutschland“ resümierte „Spiegel Online“im April 2012: „Sektstimmung im LandwirtschaftsverlagMünster: Der Shootingstardes Verlages, das Magazin ‚Landlust‘,konnte seine Auflage im ersten Quartal2012 auf über eine Million Exemplaresteigern. Laut den aktuellen Zahlen desVerbandes Deutscher Zeitschriftenverleger(VDZ) wurden im Schnitt 1.010.873Hefte pro Ausgabe verkauft. Das entsprichteinem Zuwachs von über 25 Prozent imVergleich zum Vorjahr. ‚Landlust’ gehörtnun erstmals zu den zehn erfolgreichstenPublikumszeitschriften auf dem deutschenMarkt.“Auch das Freizeitthema Fußball, das seiteinigen Jahren immer mehr Familien- undEventcharakter entwickelt, wird erfolgreichjournalistisch bearbeitet. Zum Beispielvom „11 Freunde“-Magazin, „das durchausauch vom Fußball-Hype des zweitenQuartals rund um die Uefa Euro 2012profitiert haben dürfte“, wie „W&V“ imSommer 2012 schreibt. „Laut IVW-Meldungverkauft „11Freunde“ zwischen Aprilund Juni insgesamt 84.097 Exemplare undkann somit seinen Gesamtverkauf um 14Prozent gegenüber dem Vorjahresquartalsteigern. Der Einzelverkauf wächst um 13Prozent auf 50.330 Exemplare, die Abo-Auflage um fünf Prozent auf 29.770 Exemplareim Vergleich zum Vorjahresquartal.“Dr. MichaelBehrendtFreier Autor &Redakteurted.behrendt@t-online.dewww.rentenbank.deMan kann auch ohne große Worteeine der sichersten Banken derWelt werden.Selbst wenn es nicht jeden Tag in der Zeitung steht:Die Rentenbank gehört zu den sichersten Bankender Welt und verfügt über Triple-A-Ratings der dreiwichtigsten Rating-Agenturen. Gerade heutzutagezahlt sich höchste Bonität eben aus, wenn es um dieUnterstützung von Unternehmen in einer der wichtigstenBranchen Deutschlands geht: der Land- undErnährungswirtschaft. Die Mittel für unsere Förderprogrammenehmen wir an den internationalenFinanzmärkten auf – mit anhaltendem Erfolg. Deshalbkönnen wir sagen: Der Bulle steht uns näher als der Bär.255b150_RB_Zeitung_190313.indd 1 19.03.13 12:45


32 Rückblick10 JahreProminenzWas haben wir nicht alles erlebt in den letzten zehn Jahren, indenen wir eingeladen, organisiert und präsentiert haben. Abende,an denen die Besucherzahl so groß war, dass die Räume sie nichtfassen konnten, aber auch Abende, an denen entgegen unserenErwartungen mehr Leute auf dem Podium saßen als davor. Dawaren skurrile Abende wie der mit dem Neujahrsgast JürgenTodenhöfer. Turbulente Abende wie der, an dem die FAZ-FotografinDiana Djeddi eine Slide-Show über den Aufruhr im Iran präsentierte.Abende, an denen kontrovers diskutiert wurde, wie der, alsFrank Schirrmacher sein Buch „Das Methusalem-Komplott“ vorstellte.Nachdenkliche Abende wie der mit dem DokumentaristenEric Friedler, der über die Vernichtung des armenischen Volkesund seinen Film berichtete. Und dann gibt es Themen, die der Clubimmer wieder ins Programm heben muss. Dazu gehört die Dauerfrage,wie lange es noch Printmedien, vor allem Tageszeitungengibt. Ein Dauerthema war und ist die „Frankfurter Rundschau“, undein weiteres sind die Gebühren der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.Und natürlich geht es immer wieder um Politik und Wirtschaft.Alles in allem aber hat der FPC versucht, ein spannendesund abwechslungsreiches Programm für seine Mitglieder zu gestalten.Spannende Gäste der letzten zehn Jahre:FPC13 das magazin


332003Markus SchächterGerhard GrandkeMax HolleinHans LeyendeckerSonja MikischWolfgang NiersbachIntendantOberbürgermeisterDirektorJournalistRedaktionsleiterinDFB-GeneralsekretärZDFOffenbachder Kunsthalle SchirnSüddeutsche ZeitungMonitorNeujahrsgastARD2004Dr. Helmut ReitzeIntendantHessischer RundfunkRuth WagnerStellv. MinisterpräsidentinundFDP-LandesvorsitzendeHessenHeidemarieWieczorek-ZeulBundesministerinfür wirtschaftlicheZusammenarbeitund WirtschaftshilfeHans EichelBundesfinanzministerNeujahrsgastFranz MünteferingBundesvorsitzenderSPD2005Jobst PlogVorsitzenderARDFrank SchirrmacherMitherausgeberFAZUlla SchmidtBundesministerinfür GesundheitGuido WesterwelleBundesvorsitzenderFDPDaniel Cohn-BenditEuropa-Abgeordneterder GrünenNeujahrsgast


34 Rückblick2006Foto: Stephan RöhlFoto: Carmen Sauerbrei, ZDFRoland KochMinisterpräsidentHessenMichael SommerDGB-ChefThomas StegPressesprechervon BundeskanzlerGerhard SchröderGünter VerheugenEU-KommisarNikolaus BrenderChefredakteurZDFNeujahrsgastFoto: Adolf-Grimme-Institut/Jens Becker2008Arnd BrummerStefan NiggemeierAndrea YpsilantiMichael RingierYoram Ben-ZeevChefredakteurGründerLandes-VerwaltungspräsidentIsraelischerChrismonvon BILDblogvorsitzende SPDder Ringier Holding AGBotschafterund KandidatinNeujahrsgastfür das Minister-präsidentenamtKlaus FranzGesamtbetriebsratsvorsitzenderbei OpelHans DietrichGenscherEx-AußenministerProf. Dr. WinfriedHassemerEx-Vizepräsidentdes Bundes-Dr. RolandKaehlbrandtStiftungPolytechnischeThorstenSchäfer-GümbelFraktionschef undLandesvorsitzenderSteffen SeibertRegierungssprecherEx-ZDF-ModeratorverfassungsgerichtsGesellschaftSPD HessenFPC13 das magazin


352007Kerem CaliskanChefredakteur derHürriyet-AusgabeEuropaDr. Dieter GraumannVizepräsidentdes Zentralratesder Judenin DeutschlandHans-Jürgen PapierBundesverfassungspräsidentProf. Dr. Dr. h.c.Peter SteinackerKirchenpräsidentEvangelische KircheHessen und NassauNeujahrsgastTarek Al-WazirFraktions- undLandesvorsitzenderBündnis 90/Grüne2009Michael HeiseChefvolkswirtder Dresdner Bankund Allianz-GruppeProf. Dr. ManfredNiekischDirektorZoo FrankfurtJan WeilerBuchautorund JournalistJürgen TodenhöferBuchautor undEx-VorstandsmitgliedBurda VerlagNeujahrsgastGerhart BaumEx-Bundesinnenminister2010Foto: Alexander KlinkWolfgang TiefenseeBundesverkehrsministerBrigitte ZypriesBundesjustizministerinDr. Erich FollathDiplomatischerKorrespondentSpiegelEdward M. AlfordAmerikanischerGeneralkonsulPeter FreyChefredakteurZDFNeujahrsgast


36 RückblickEric FriedlerFilm-DokumentaristARDBodo HombachGeschäftsführer derWAZ-MediengruppeThomas KauschFernsehmoderatorFAKTARDTheo KollChefredakteurInnenpolitikZDFSteffi LemkeBundesgeschäftsführerinBündnis 90/Die GrünenSabineLeutheusser-SchnarrenbergerBundesjustizministerin2011Helmut MarkwortWolf SchneiderHannelore KraftCord DreyerWolfgang MarzinEx-Focus-ChefJournalistMinisterpräsidentinChefredakteurVorsitzender derund BuchautorNordrhein-Westfahlenund GeschäftsführerGeschäftsführungNeujahrsgastdapdMesse Frankfurt2012Fotos: Rainer RüfferJochen PartschOlaf CunitzPetra RothErster „grüner“Bürgermeister,OberbürgermeisterinOberbürgermeisterDezernent für PlanenFrankfurt am Mainin Darmstadtund BauenNeujahrsgastFrankfurt am MainFPC13 das magazin


journalisten lieben fachchinesischNachrichten und Themen aus der Chemie müssen nicht komplex und schwerverständlich sein. Wir liefern Ihnen aktuelle, umfassende und fundierte Informationen.Verlässlich, verständlich und aus erster Hand. Wenden Sie sichdirekt an unsere Pressestelle. Wenn aus Fachchinesisch Klartext wird, dannist das Chemie, die verbindet. Von BASF.www.basf.com/presseWenden Sie sich direkt an uns:Wirtschaft & Finanzen, Innovation & Forschung 0621 60-20916Personal, Umwelt & Standort Ludwigshafen 0621 60-20780E-Mail: presse.kontakt@basf.com


38 Rückblick10 JahreAusstellungen2004FPC13 das magazin


39Angelika Zinzow und Thorben Leo †Out of Sesame StreetEine Reise von Australien bis Asien mit Bert


40 Rückblick2006Uwe Broschk32 FlaggenLinoldruckeFPC13 das magazin


42 Rückblick2007Margit MatthewsHutongGassen im alten PekingFPC13 das magazin


ADAM Opel AgWir setzen Massstäbe.Der beste Beweis dafür: der neue Opel ADAM.Opel setzt gerade die größte Produktoffensive der Unternehmensgeschichte um. Dazugehören 23 neue Modelle und 13 neue Motoren bis 2016. Eins dieser Modelle ist der neueOpel ADAM, entwickelt im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim,gefertigt in Eisenach. Der schicke Kleinwagen sorgt für einen unkonventionellenund farbenfrohen Auftritt. Seine nahezu unbegrenzten Individualisierungsmöglichkeitenmachen jeden ADAM einzigartig.www.opel.deKraftstoffverbrauch kombiniert 5,5–5,0 l/100 km; CO 2 -Emission kombiniert 129–118 g/km (gemäß VO (EG) Nr. 715/2007).Effizienzklasse D–C


44 Rückblick2009FPC13 das magazin


45Stephan MorgensternMauer-FälleBilder aus dem DDR-Alltag


46 Rückblick2009FPC13 das magazin


47Diana DjeddiAufruhr im Land der MullahsDie grüne Revolution im Iran


48 Rückblick2010Tim WegnerKlangkörperDas hr-SinfonieorchesterFPC13 das magazin


50 Rückblick2010Tim WegnerKlangkörperDas hr-SinfonieorchesterFPC13 das magazin


51www.facebook.com/FrankfurterSparkasseMit jedem Euro an dieZoologische Gesellschaft Frankfurtunterstützen Sie aktiv die Vielzahlan Projekten in aller Welt.Frankfurter SparkasseSpendenkonto 800 02BLZ 500 502 01Mein Leben, meine Serengeti,meine Frankfurter Sparkasse„Nachhaltiger Naturschutz – das ist meine Berufung.Die Firmenkundenbetreuer der Frankfurter Sparkasse stehen mirdabei immer zur Seite. Auch, wenn ich mitten in der Wildnis bin.“Die Firmenkundenbetreuungder Frankfurter Sparkasse.Wir sind, wo auch immer Sie sind.Dr. Christof Schenck | Zoologische Gesellschaft Frankfurt, Geschäftsbeziehung seit 1950


52 Rückblick2013Erich MerlIG-Farben-HausImpressionen vom Poelzig-BauFPC13 das magazin


Mehr wissen.Richtig entscheiden.Der berufliche Erfolg unserer Leser und Kunden ist unsere Aufgabe.Mit starken Medienmarken, Online-Plattformen und Events begleitenwir marktbedeutende Branchen und sorgen damit für fundiertesKnow-how und Entscheidungssicherheit.Der hohe journalistische Standard hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: eines dergrößten Fachmedienunternehmen Deutschlands. Mit 90 Titeln und digitalen Angeboten sowiemit über 120 kommerziellen Veranstaltungen wie z. B. Seminare, Kongresse und Messen.Unser Standing verdanken wir auch unseren vielfältigen Kontakten und Networking-Aktivitätenwie zum Beispiel im Frankfurter PresseClub. Diesem gratulieren wir zum 10-jährigen Jubiläumseines Magazins! Mehr Informationen zum dfv finden Sie unter www.dfv.de.


54 Rückblick10 JahreClubreisenEine Stadt bewirbt sich als „Kulturhauptstadt Europas“,ein Land richtet eine Fußballweltmeisterschaft aus, einanderes polarisiert durch seine besondere politischeSituation: Es gibt immer einen Anlass für Journalisten,über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich ein Bildvon der Lage vor Ort zu machen. Die FPC-Reisen führtenüberall hin – auch an die entlegensten Orte der Welt.2003 Weißrussland 2005 Görlitz2006 Vietnam2007 Nepal 2009 Südafrika 2010 ZypernFotos: Rainer RüfferFPC13 das magazin


Sparkassen-FinanzgruppeHessen-ThüringenWann ist ein Geldinstitutgut für Deutschland?Wenn es versteht, dassunser größtes Kapital dieUmwelt ist.Sparkassen fördern eine nachhaltige Entwicklung. Mit einembreiten Beratungs- und Finanzierungsangebot übernehmen sie gemeinsammit ihren Kunden Verantwortung für eine ökologisch,wirtschaftlich und sozial vernünftige Lebensweise. Das ist gut fürdie Umwelt und für die Lebenschancen zukünftiger Generationen.www.gut-fuer-deutschland.deSparkassen. Gut für Deutschland.


56 Ausblick Der Club und die Medien2003 – 2023Ausblick Keine Atempause –(Medien-)Geschichtewird gemachtNoch vor wenigen Jahren waren sie undenkbar:Rechercheprojekte, die über Crowdfundingfinanziert werden. Die Tragfähigkeit diesesauf „Schwarmintelligenz“ beruhenden Konzeptsim journalistischen Bereich muss sich zwarnoch erweisen, aber es unterstreicht, wie sehrsich die Medien in den letzten Jahren veränderthaben – und welche Rolle dabei dasInternet spielt. Längst stellt das World WideWeb für sämtliche Mediensparten und Medien-Player die Herausforderung dar.Wie werden sich Verlage, Sendeanstaltenund Medienagenturen in den nächsten zehnJahren entwickeln? Mit welchen Geschäftsmodellenwerden sie punkten? Was wirdaus der Nachricht, der „guten Geschichte“?Und: Was bedeutet das alles für die Journalistenausbildung?Sieben Expertenbeiträgezur Zukunft der Medien.FPC13 das magazin


57Foto: Hessischer Rundfunk


58 Ausblick Der Wandelist nicht aufzuhaltenHat das Internet alles kaputt gemacht?Brauchen wir zukünftig keine Journalistenmehr? Und was wird aus den gutenGeschichten von morgen? Ein Blick in dieZukunft der Medien – und nach Amerika,wo sich gravierende Entwicklungen stetsetwas früher abzuzeichnen scheinen.FPC13 das magazin


59Der „Seattle Post Intelligencer“, eine Zeitung mit einer stolzenTradition: Seine Anfänge gehen zurück auf das Jahr 1863. Es sindJahre des Rausches, nicht nur in Bezug auf das Gold, das von Kalifornienbis hinauf nach Alaska geschürft wird. Auch die Nachfragenach einem anderen, weniger edlen Metall wächst: Blei. Zeitungenschießen wie Pilze aus dem Boden, mit der ersten Eisenbahnverbindungnach Kalifornien und dem wirtschaftlichen Aufschwungdes beginnenden Industriezeitalters wächst der Hunger nach Information.In keiner Epoche werden mehr Tageszeitungen gegründetals im ausgehenden 19. Jahrhundert. Für manche Publikationverläuft der Start holprig. Viele Blätter schaffen es über die erstenJahre nicht hinaus. Der noch junge Zeitungsmarkt erlebt Wellender Konsolidierung, heute würde man so etwas wohl eine Blasenennen.Auch der „Post Intelligencer“ macht anfangs schwere Zeitendurch. Gegründet unter dem Namen „Seattle Gazette“, wechseltdas Blatt ein gutes Dutzend Mal die Besitzer, bis es unter demTitel „Seattle Post Intelligencer“ (P-I) endlich Fuß fasst. Was folgt,ist eine Erfolgsgeschichte. Der P-I macht sich landesweit einenNamen mit seinen preisgekrönten Reportagen und Karikaturen.Zu seinen Autoren zählen namhafte Größen, darunter der SchriftstellerE. B. White, der 1978 den Pulitzer-Preis für sein Lebenswerkerhält. Seit 1921 gehört der P-I zur Hearst-Gruppe, die bisvor kurzem noch 15 Zeitungstitel sowie rund 30 Fernsehstationenund Radiosender kontrollierte. Ein halbes Jahrhundert lang flossdas Geld sprichwörtlich in Strömen, Rupert Murdoch bezeichnetedie Profite der Zeitungseigentümer später als „rivers of gold“.Auch Radio und Fernsehen änderten daran anfangs wenig. Dannkam das Internet.AusgeriepltKein etabliertes Medium sei jemals von einem neuen Mediumverdrängt worden. Wie an einen Strohhalm klammern sich dieklassischen Medien an dieses hundert Jahre alte Riepl’sche Gesetz.Die Mitarbeiter des „Seattle Post Intelligencer“ können mit Rieplnichts anfangen. Seattles erste Zeitung gibt es nicht mehr. Mitihrer letzten gedruckten Ausgabe vom 17. März 2009 endete eineknapp 150-jährige Zeitungsgeschichte. Von den zuletzt verbliebenen200 Angestellten gibt es heute nur noch 20, die den P-I alsOnlinenachrichtenangebot weiterführen. Der Rest der Belegschaftmusste gehen, einige schlagen sich als Freelancer durch, anderesind in die PR gewechselt.„Wir hätten es kommen sehen müssen“, sagt Mark Trahant,einst leitender Redakteur beim P-I. Der Juror für den Pulitzer-Preis schreibt heute unter anderem für die „Huffington Post“. Trahanterzählt von seinen Kindern, die noch nie eine Zeitung gelesenhaben, weil sie sich ihre Informationen nur noch aus dem Netzholen. Spätestens seit dem Ende der „Financial Times Deutschland“und anderer namhafter Blätter hat es sich auch bei uns inDeutschland ausgerieplt. Natürlich wird es auch noch in 50 Jahrengedruckte Zeitungen geben, genauso wie es heute noch Schallplattenspielerund Pferdekutschen gibt.Es ist noch gar nicht allzu lange her, da habe ich mit einemKollegen eine TV-Dokumentation über das Zeitungssterben in denUSA gedreht. Fast einen Tag lang waren wir in den Straßen vonSan Francisco unterwegs, auf der Jagd nach einer Einstellung, diewir dringend für unseren Film benötigten: Menschen, die Zeitunglesen. So angestrengt wir auch Ausschau hielten – wir haben keinegefunden. Ob an den Bushaltestellen oder in den Cafés; überall dasgleiche Bild: Die Leute starren auf die Displays ihrer Smartphonesoder Laptops. „Wenn ich heute etwas wissen möchte, schaue ich‚ins Internet“, erzählt uns eine ältere Passantin. Eine Studentinerklärt: „Wozu brauche ich noch eine Zeitung? Selbst Kleinanzeigenfinde ich heute kostenlos bei Craigslist.“ Das Konzept „Tageszeitung“habe sich hier einfach überlebt, sagt sie. Das war vor5 Jahren.Das Internet ist kein MediumNicht nur die Plattform hat sich gewandelt, auch das Publikum.Journalisten sind heute nicht mehr die alleinigen Sinnstifter,die hoch von der Kanzel herab exklusiv Neuigkeiten verkünden.Vieles von dem, was wir vermelden, ist bereits bekannt oder indirekter Konkurrenz mit anderen rund um die Uhr verfügbarenMedienangeboten schlicht und ergreifend irrelevant. Noch wiegengerade wir Fernsehmacher uns in Sicherheit. Noch nie hätten dieMenschen so viel ferngesehen wie heute. Ähnlich haben sich auchdie Plattenbosse sowie die Zeitungsverleger vor 15 Jahren in denSchlaf gelullt. Der Einbruch kam schlagartig, quasi über Nacht.Anfang der nuller Jahre, als das Internet auch bei uns im BayerischenRundfunk ankam, war schnell die Rede von der „drittenSäule“. Damit verbunden die Annahme, dass nach Hörfunk undFernsehen nun also das Internet als neues elektronisches Ausspielmediumzu den klassischen Kanälen hinzukäme. Was für eineFehleinschätzung! Aktuell sind viele klassische Rundfunkanstaltendabei, ihre Häuser „trimedial“ auszurichten. Der nächste Irrtum.Als ob wir es beim Internet mit einem weiteren Medium zu tunhätten.Lassen Sie es mich in aller Deutlichkeit sagen: DAS INTER-NET IST KEIN MEDIUM! Wer das noch nicht begriffen hat,wird auch in Zukunft viel Geld versenken.Anders als alles, was wir bislang als „Medien“ kannten, kommtdas Internet in den unterschiedlichsten Aggregatzuständen daher:Audio, Video, Text, Bild, Lean-back- und Lean-Forward-Fernsehen(als passive und als aktive, also auf Senden und Empfangen ausgerichteteVarianten des Social TV), one to many, many to many,live, on-demand, linear, nicht linear, realtime, longtail, mobil,stationär – oder in Kombinationen daraus. Der Streit um dieTagesschau-App, um elektronische Zeitungen im Netz, um Dreistufentestund Siebentageregelung – was für ein Irrsinn! Als obwir in zehn Jahren noch unterscheiden könnten, was einst Zeitung,was einmal Fernsehen war. Mir hat es geholfen, mir das Internetals Kosmos vorzustellen, als Raum, in dem alle bisher bekanntenMedienformen aufgehen werden, in dem durch die voranschreitendenVerschmelzungsprozesse neue Mediengattungen entstehenkönnen.Wozu noch Journalisten?Doch damit nicht genug. Galt früher noch die Nachrichtenbeschaffungals eine der Hauptaufgaben der Presse, werden in dervernetzten Welt die Filter immer entscheidender. Google mitseinen Algorithmen, aber auch die sozialen Netzwerke wie Facebookoder Twitter machen es möglich, dass immer häufiger auch


60 Ausblick Laien die Funktion der einstigen Gatekeeper übernehmen. „KeinChefredakteur, kein Programmchef kennt mich und meine Interessenbesser als meine Freunde“ sagt Jeff Mignon, der an der Seitevon Jeff Jarvis Journalistik an der City University of New York(CUNY) unterrichtet. Deshalb werden professionelle Journalistennicht obsolet, sie gelten aber heute nicht mehr als das Maß allerDinge.Wozu noch Journalisten? „Journalisten waren schon immerGeschichtenerzähler“ sagt Jere Hester, News-Direktor der CUNY-Journalistenschule. Hinzu gekommen seien neue Werkzeuge undErzählformen. Sree Sreenivasan unterrichtet Multimedia-Journalismusan der Graduate School of Journalism der Columbia Universityin New York. Der Journalismus selbst habe sich nicht grundlegendverändert, sagt er. Die Nachfrage nach guten Geschichten sei unverändertgroß. Was sich verändert habe, seien die Geschäftsmodelle.Welchen Rat Sree Sreenivasan seinen Studenten mit auf denWeg gibt? „Bleibt ständig am Ball, hört nie auf zu lernen!“ Journalistenmüssten stets auf der Höhe der Zeit sein, müssten auchwissen, mit der neuen Technik umzugehen. Sig Gissler, der dasPulitzer-Komitee leitet, spricht in diesem Zusammenhang vom„Tra-digital Journalist“, einen traditionellen Journalisten im digitalenGewand. Jeder Mensch könne heutzutage lernen, wie manPhotoshop bedient. Wie man damit aber eine Geschichte erzählt,das könnten nur gut ausgebildete Journalisten.Nick Bilton, Tech-Blogger bei der „New York Times“, berichtetbeim Lunch von seinen Anfängen im Research & DevelopmentLab der Zeitung. Selbst die „Times“ habe lange gebraucht, denWandel einzuläuten. Eines Tages, im September 2009, habe derVorstandsvorsitzende Arthur Sulzberger Jr. in einem Memo analle Mitarbeiter die Losung ausgegeben „We are a news company,not a newspaper company“. Das saß. Noch deutlicher wurde PeterHorrocks, Nachrichtenchef der BBC in London, gegenüber seinenRedakteuren: „Wenn dir der Wandel nicht passt, dann such diretwas anderes, denn du wirst diesen Prozess nicht aufhalten!“.Gigantisches soziologisches EchtzeitexperimentIn Zukunft werden wir nicht länger von neuen und alten Medienreden, sondern nur noch von Medien. Auch der Fetisch umSocial Media wird verblassen, weil die Integration von Rückkanälenüberall fester Bestandteil unseres Angebots sein wird. Dannwerden wir uns hoffentlich wieder auf das konzentrieren können,was „guten“ Journalismus schon immer ausgemacht hat; nämlichumfassende Recherche, zeitgemäßes Storytelling und eine ansprechendeUmsetzung eben dieser Inhalte.Bleibt noch die Frage der Finanzierung. Burda beklagt sich überLousy Pennies im Netz, erwirtschaftet aber heute schon mehr alsdie Hälfte seines Milliardenumsatzes online. Auch Axel Springerjammert öffentlich über Umsatzrückgänge, brüstet sich gleichzeitigmit Rekordumsätzen im Digitalgeschäft. Und überhaupt: dieseverlogene Debatte um das Leistungsschutzrecht! Als ob in der zweiJahrhunderte alten Geschichte der Massenmedien jemals jemandmit Qualitätsjournalismus Geld verdient hätte! Schon in derKohlenstoffwelt gewann man das Geld für investigative Berichterstattungstets durch Querfinanzierung, durch Werbung, (Klein-)Anzeigen oder Gebühren, nie durch den alleinigen Verkauf derZeitungen selbst.Richard GutjahrRichard Gutjahr ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule inMünchen und hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Politik undKommunikations-Wissenschaften studiert. Sein Studium führte ihnu. a. nach Frankreich (Centre de formation des journalistes, Paris) undin die USA (American University, Washington D.C.). Heute arbeitetRichard Gutjahr als freier Mitarbeiter in der Chefredaktion des BayerischenFernsehens, als Reporter für die ARD, moderiert die Spätausgabeder Rundschau. Daneben schreibt er regelmäßig als Kolumnistfür die „Münchner Abendzeitung“ und den „Berliner Tagesspiegel“.Für seine Reportagereihe zu den Hartz-Reformen wurde Gutjahr2006 mit dem Ernst-Schneider-Preis für Wirtschafts-Journalismusausgezeichnet. Zeit Online kürte ihn 2011 zum „Netzjournalist desJahres“. Im gleichen Jahr erklärte ihn das „Medium Magazin“ in derKategorie Newcomer zum „Journalist des Jahres“.Was den Verkauf betrifft: Wenn die deutsche Verlagswelterst einmal begriffen hat, dass man seine Leser nicht als Gratisschmarotzerbeschimpfen darf, sondern ihnen attraktive Angebotemachen muss, dann könnte ich mir vorstellen, dass auch diesogenannte Kostenloskultur ein Ende hat. Dazu gehört auch einMicropayment-System, das verlagsübergreifend gestatten würde,per Mausklick oder „Touch“ spontan für einzelne Artikel bezahlenzu dürfen. Ich frage mich: Will man auch dieses Feld am Endewieder Apple und Google überlassen?Ob Paid Content funktionieren wird? „Das werden wir baldwissen“ so Nick Bilton von der „New York Times“: „Wir befindenuns inmitten eines gigantischen soziologischen Experiments inEchtzeit“.Ich frage Mark Trahant, der sich seit seiner Kündigung beim„Post Intelligencer“ mit seinen täglichen Stabreimen im Internetals „Twitter-Poet“ einen Namen gemacht hat, was er heute andersmachen würde, wenn er denn eine Zeitmaschine hätte. „Wenn ichdie Uhr noch mal um zehn Jahre zurückdrehen könnte, so plädiereich für totales Experimentieren.“ Der größte Fehler? „We didn’tfail enough – wir sind nicht oft genug gescheitert“. Er schautins Leere, fügt dann hinzu: „Weil wir es erst gar nicht versuchthaben.“RichardGutjahrFreier Journalistrichard@gutjahr.bizFPC13 das magazin


Jetzt mit Sonderausstattung:Gutes Gewissen.Hessens erste ERDGAS-Fahrzeug-Offensivewww.MeinErdgasauto.deTesten Sie jetzt aktiv auf der Website, wie viel Sie persönlich miteinem ERDGASAUTO sparen können.Mehr Informationen zum sauberen und günstigen KraftstoffERDGAS unter www.MeinErdgasauto.de oder unter derkostenlosen Service-Hotline: 0800 1440044


62 Ausblick Mehr alsNachrichtenNachrichtenagenturensind die Großhändler derharten News. Sie agieren im Hintergrund, vermittelnzwischen aktuellem Geschehen und Medienunternehmen.Durch das Internet und die digitale Revolutionsind auch sie in die Krise geraten. Auf demWeg in die Zukunft erweitern sie ihre klassischeFunktion und erschließen neue Kundengruppen.FPC13 das magazin


Foto: epd-bild / Norbert Neetz63„Würde der Heilige Petrus heute zur Erde zurückkehren, würdedie Schlagzeile Reuters gehören.“ Dieses Zitat, das von keinemGeringeren als Papst Johannes Paul II. stammt, sagt viel über dieBedeutung von Nachrichtenagenturen aus. Nur ein bisschen bescheidenerklingt die Selbstcharakterisierung einer anderen globaltätigen Agentur: „Die Associated Press (AP) versteht sich ganzeinfach als Rückgrat des weltweiten Informationssystems.“ Unddoch ist es eine ziemlich korrekte Beschreibung ihrer Funktion inder Medienanatomie.Nervenzentrum des MediensystemsNachrichtenagenturen sind die Großhändler der harten News. Siehaben eine enorme Bedeutung für die Struktur der Medien. Siesind „das unsichtbare Nervenzentrum, das alle Teile des Mediensystemsverbindet“, sagt Wolfgang Vyslozil, ehemaliger Geschäftsführerder österreichischen Agentur APA. Altmeister Wolf Schneiderund „Thüringer Allgemeine“-Chefredakteur Paul-Josef Rauegehen sogar noch weiter: Sie behaupten, dass „ohne die Agenturendie Massenmedien überhaupt nicht denkbar“ seien.Gleich bei ihrer Geburt vor 160 Jahren haben Nachrichtenagentureneine Monopolstellung im weltweiten Fluss der Informationenübernommen. Von Anfang an war ihr Ziel, Nachrichten an soviele Abnehmer wie möglich zu verkaufen und dadurch nicht nurdie Kosten der Nachrichtenbeschaffung zu decken, sondern aucheinen Gewinn zu erzielen. Die Zeitungsverlage erkannten ebenfallsdie Vorteile dieser Zusammenarbeit: Sie erhielten nämlich schnellund zuverlässig Informationen über wichtige Ereignisse undkonnten sich damit viele kostenintensive Korrespondenten sparen.Diese Win-Win-Beziehung prägt die Medienlandschaft bis heute– und in Krisenzeiten um so mehr. Durch die Dualität der Krisenin den letzten Jahren, die medieninterne und die globale Finanzkrise,haben die Agenturen eine noch größere Bedeutung erlangt.Immer mehr Medien streichen eigene Korrespondentenstellenund verlassen sich auf die Agenturen und ihre Berichterstattung.So sind die Agenturen vielleicht nicht die einzige, aber häufig dieerste Informationsquelle für Redakteure. Sie bestimmen in hohemMaße den Inhalt und die Gestaltung von Medien und somit auchden globalen Informationsfluss.Herausforderung DigitalisierungDoch das Internetzeitalter stellt auch die Nachrichtenagenturenvor große Herausforderungen. Die Digitalisierung und das WorldWide Web haben nicht nur das Kundenspektrum und die Kundenbedürfnisseheterogener gemacht, sondern auch die Rolle derAgenturen in der Medienkette verändert: Sie werden werden immermehr von klassischen B2B-(Business-to-Business-)Nachrichtenagenturenmit vor allem Zeitungen als Kunden zu Anbieternvon innovativen digitalen Produkten für ein breiteres Publikum.Die Transformation beginnt jedoch schon bei den traditionellenKunden der Agenturen – den Medienunternehmen. Längstfungieren moderne Nachrichtenagenturen als Berater und erklärenden Medienunternehmen die technische und crossmediale Integrationvon Nachrichten. Früher boten Agenturen allen Kunden dasgleiche Nachrichtenpaket und ein begrenztes Maß an zusätzlichenDienstleistungen – ein Geschäftsmodell, das lange Zeit gut funktionierte.Heute wird dieses Geschäftsmodell immer häufiger durchDer Nachrichtenagenturmarktin DeutschlandDer deutsche Agenturmarkt gehört zu den weltweit am härtestenumkämpften Märkten überhaupt. Es gibt sieben große Agenturen, dieauf Deutsch berichten, und diverse kleinere Anbieter. Ihr Einfluss aufdie Medienlandschaft ist enorm: 70 Prozent der ausländischen und60 Prozent der Nachrichten aus Deutschland basieren auf Agenturmaterial.Das zeigen Marktanalysen.Zu den großen Sieben in Deutschland: Es gibt zwei Komplettanbieter,dpa und dapd (zu den aktuellen Entwicklungen bei dapdsiehe Infokasten: „Aktuelle Entwicklungen in Deutschland“). Das sindMedienorganisationen, die über die Ressourcen verfügen, von überallund in allen Ressorts Informationen zu sammeln, sie zu bearbeitenund an traditionelle und nichttraditionelle Kunden weiterzuleiten. Konkurrenzbekommen diese Komplettanbieter von den lokalen Dienstender globalen Agenturen Reuters und Agence France Presse (AFP), dieihre eigenen Korrespondenten und Büros im Land haben. Zudem gibtes in Deutschland drei spezialisierte Nachrichtenagenturen: SID, eineTochtergesellschaft der AFP und die größte Sportagentur in Deutschland,KNA, die größte katholische Nachrichtenagentur in Europa, undden evengelischen Pressedienst (epd).Die folgende Tabelle nennt Eckdaten dieser sieben Agenturen inDeutschland. Die Statistik bezieht sich auf dem Zeitraum 2011/2012,vor der Insolzenz von dapd (siehe Infokasten „Aktuelle Entwicklungenin Deutschland“).Agentur Journalisten Mitarbeiter Umsatz Meldungen Büros in2011 am Tag Deutsch-€ mil. landdpa 456 744 90,3 800 115dapd 378 515 31,7 500 32Reuters 140 600 7,0 250 4AFP 60 71 7,4 210 11SID 60 75 6,6 115 5epd 75 – – 130 35KNA 30 70 – 90 –Quellen: Agenturen, Agenturjournalismus.de, Goldmedia.com


64 Ausblick Aktuelle Entwicklungenin DeutschlandTrotz ihrer Signifikanz für das Mediensystem ist nur wenig über Nachrichtenagenturenbekannt – oft deutet nur das Kürzel auf ihre Existenz.Das hängt einerseits mit ihrer B2B-Ausrichtung, andererseitsmit dem Selbstbild der Agenturen zusammen, die sich als verdeckteVermittler zwischen dem aktuellen Geschehen und den Medien sehen.Deshalb entsteht immer eine kleine Irritation, wenn Nachrichtenagenturenin den Nachrichten thematisiert werden und wenn sie überihre eigene Branche berichten müssen.Genau das passierte im Herbst 2012, als der deutsche Agenturmarktdurch die überraschende Insolvenz der dapd erschüttertwurde. Nichts hatte darauf hingedeutet, im Gegenteil: Das 2009durch die Fusion von ddp und dem lokalen Dienst der amerikanischenAssociated Press (AP) entstandene Unternehmen hatte biszuletzt auf Expansion gesetzt. Nach der Insolvenzmeldung beendeteAP die Zusammenarbeit und ging eine Partnerschaft mit der dpa ein.Die Agentur wurde Ende des Jahres gerettet und am 1. Februar 2013unter der Leitung von Ulrich Ende neu gestartet. Doch schon AnfangMärz musste Ende einen erneuten Insolvenzantrag stellen, versicherteaber, dass die Agentur weitermachen werde.Diese Entwicklungen haben Folgen für den gesamten Agenturmarkt.Mit ihrem vertrauenswürdigen Image, dem größten Netzwerkan Korrespondenten und Mitarbeitern sowie ihrer Kompetenz in derregionalen Berichterstattung wird die dpa Marktführer bleiben. Diedapd hätte das Potenzial gehabt, diese Führungsposition zu brechen.Doch ihre Zukunftsperspektiven sind gerade unkar, durch zwei Insolvenzverfahrenbinnen sechs Monaten wirkt sie angeschlagen. Diedpa, obwohl seit langem an ihren Saturierungspunkt angelangt (ca.90 Prozent der deutschen Tageszeitungen sind dpa-Abonnenten),wird ihre führende Position auf dem Markt weiter festigen und könntedurch die Kooperation mit AP neue Kunden, vor allem aus medienfernenBranchen, gewinnen.Dass ein neuer großer Player den deutschen Nachrichtenagenturmarktan sich reißt, ist zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber eherunwahrscheinlich angesichts des aktuellen Klimas in der Medienbranche.Im Gegenteil: Die Konkurrenz aus dem Internet und die sinkendenEinnahmen werden Prozesse der Konsolidierung und der Bildungvon Kooperationen auf dem Markt beschleunigen.individuelle, maßgeschneiderte Produktangebote ersetzt. Diealte „Sender – Empfänger“-Beziehung hat sich in eine interaktiveKommunikation verwandelt, die die Agenturen in einen ständigenDialog mit ihren Medienkunden treten lässt. In den modernenNewsrooms mit multimedialen Inhalten und web-2.0-basiertenFunktionen bilden Nachrichtenagenturen und Medien virtuelleredaktionelle Gemeinschaften.Konkurrenz mit den eigenen TextenGleichzeitg hat das Internet das Informationsmonopol der Nachrichtenagenturenzerstört, indem es riesige Mengen an frei zugänglicherInformation bereitstellt. Mehr noch: Wird eine Agenturmeldungvon einem Kunden online publiziert, dann wird sienicht selten von vielen anderen Medien übernommen und kostenlosgenutzt, meist ohne Nennung der Originalquelle, sprich: derAgentur. Das hat dazu geführt, dass Nachrichtenagenturen heuteoft mit ihren eigenen Texten konkurrieren müssen. Dieser Trendwird durch soziale Netzwerke verstärkt: Informationen verbreitensich im Sekundentakt, und die Agentur verliert schnell die Kontrolleüber ihre Inhalte.Wer überleben will, muss sein Geschäft an die neuen Realitätenanpassen. Und so kann das Internet auch eine Chance sein – alsmächtiger Kommunikationskanal nämlich, über den sich nichtnur neue, sondern auch viel größere Kundengruppen ansprechenlassen. Der Wechsel zu einem B2C-(Business-to-Consumer-)Modellfällt nicht leicht, denn das Geschäft mit Endkunden lässt sichzurzeit nur schwer monetisieren: Onlinewerbung ist (noch) nichtlukrativ genug. Ein profitables Paywall-Modell – der andere Weg,um aus der Onlinepräsenz eines Mediums Gewinn zu erzielen –können sich nur etablierte Marken wie die „New York Times“ unddie Londoner „Times“ oder spezialisierte Informationsanbieter wiedie „Financial Times“ und das „Wall Street Journal“ leisten. Geradedas Branding und die Interaktion mit Endkunden ist ein Feld,auf das sich globale Agenturen in den letzten Jahren konzentrierthaben: Reuters bietet eines der meistbesuchten (und zudem kostenlosen)Nachrichtenportale an, und Associated Press verzeichnetgroße Erfolge mit der eigenen mobilen App.Neue DistributionskanäleDer Übergang zu einem B2C-Modell kann aber nur dann erfolgreichvollzogen werden, wenn die Agenturen die neuen Distributionskanälemitberücksichtigen: Ein (potenziell bezahltes)Onlinenachrichtenportal ist nur ein Teil der Rechnung. News fürMobile- bzw. Smart-Phones sind ein besonders bedeutsamer Trend,da es mittlerweile in vielen entwickelten Ländern – auch in solchenmit einer großen Bevölkerung wie den USA – mehr Mobiltelefoneals Festnetzanschlüsse gibt. Portabilität und Benutzerfreundlichkeithaben zur Folge, dass ein wachsender Anteil der Konsumentenauf Information und Unterhaltung nicht mehr von zu Hause,sondern von unterwegs oder vom Büro aus zugreift. Das Gleichegilt für Tablet-PCs: Durch sie erhalten Medienunternehmen nochmehr Möglichkeiten, ihre Inhalte innovativ über Anwendungenanzubieten und neue Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten.Daher werden sich Nachrichtenagenturen zunehmend auf denmobilen Trend konzentrieren und versuchen, die Endverbraucherihrer Produkte durch die Entwicklung von News-Anwendungenzu erreichen.Es klang schon an: Die sozialen Netzwerke stellen eine weitereHerausforderung des Internetzeitalters dar. Kanäle wie Twitter undFacebook sind schon aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Reichweiteeine direkte Konkurrenz für Nachrichtenagenturen. DasProblem für die meisten Agenturen liegt in der Redaktionspolitik,eine Nachricht zunächst an Kunden, also an Medienunternehmenzu schicken und erst dann in Social Networks zu posten. „SlavingFPC13 das magazin


65to the wire“ nennt das Anthony De Rosa, Social-Media-Redakteurbei Reuters. Ein Wettbewerbsnachteil für Agenturen, und das inZeiten, in denen Nachrichtenorganisationen darum kämpfen, werzuerst über ein Thema berichtet. So müssen Agenturen ihre Social-Media-Präsenz weiterentwickeln und diese Netzwerke aktiv nutzen– als Vertriebskanäle, um neue Kundensegmente zu erreichen.MultimediakompetenzEine andere Nische, die Nachrichtenagenturen seit jeher besetzen,sind Multimediaangebote. Auch wenn Informationen im Onlinezeitalterleichter zugänglich sind als je zuvor, erfordert die Produktionvon Multimediainhalten mehr Ressourcen und Wissen. Undda Nachrichtenagenturen sowohl Ressourcen als auch Wissen besitzen,können sie diese als wichtigen Wettbewerbsvorteil nutzen.So hat die dpa noch zu Beginn des neuen Jahrtausends weniger als100 Bilder am Tag veröffentlicht. Im Jahr 2007 ist die Zahl auf500 gestiegen, und heute bietet die Agentur ihren Kunden täglichmehr als 1.500 Bilder an. Bilder, Videos, Grafiken und andereThesen• Nachrichtenagenturen wird es immer geben. Sie haben die nötigenRessourcen – Personal, Technik und Know-how, um Informationenaus allen Ecken der Welt schnell, genau und zuverlässig zusammeln, zu bearbeiten und weiterzuleiten.• Nachrichtenagenturen sind das objektivste Medium. Im Unterschiedzu anderen Medien haben Agenturen einen doppeltenZwang zur Objektivität (soweit diese im Journalismus überhauptmöglich ist): Auf der einen Seite steht der ethische Zwang, der alleprofessionelle Normen und Standards beinhaltet; auf der anderender nicht minder starke wirtschaftliche Zwang: Agenturen könnenkeine redaktionelle oder politische Linie haben, denn sie machenihr Geschäft, indem sie Medien aus allen politischen und gesellschaftlichenLagern versorgen.• Nachrichtenagenturen werden neben Informationsvermittlungsinstanzenzu Beratungsunternehmen für ihre medialen Kunden.Gemeinsam mit diesen werden sie virtuelle redaktionelleGemeinschaften bilden und ihnen maßgeschneiderte Produkteanbieten.• Nachrichtenagenturen werden zunehmend Nicht-Medienkundenbedienen. Unternehmen, Staatsinstitutionen und private Kundenstellen immer wichtiger werdende Einkommensquellen dar.• Nachrichtenagenturen werden von einem B2B- zu einemB2C-Modell wechseln. Sie werden die Endkunden ihrer Informationendirekt ansprechen müssen, indem sie die neuenDistributionskanäle voll ausnutzen: Nachrichtenportale (potenziellmit Paywalls), mobile Applikationen und soziale Netzwerke.Georgi KantchevGeorgi Kantchev hat über die Zukunft von Nachrichtenagenturenan der Universität Wien und an der Universität Westminster in Londongeforscht. Er ist preisgekrönter Journalist, publiziert in „The Economist“,Deutsche Welle und „Kurier Wien“. Er hat Berufserfahrung ineiner Reihe von Mediensparten (Print, Online, Radio) in Deutschland,Österreich, Großbritanien, Bulgarien, Weißrussland und der Schweiz.Georgi Kantchev schreibt auf Deutsch, Englisch und Bulgarisch.innovative Multimediainhalte sind Produkte, die (noch) nicht ingroßem Umfang auf professionellem Niveau kostenfrei online zufinden sind.Die beiden Krisen mögen zwar die Bedeutung der Agenturengestärkt haben, doch in höheren Einnahmen hat sich das nicht niedergeschlagen.Zahlreiche Zeitungen im größten Medienmarkt derWelt, den USA, sind in den letzten Jahren pleite gegangen – einschwerer Schlag für die als Genossenschaft von Zeitungen organisierteAgentur Associated Press. Und auch in Europa zeigt dieEntwicklung, etwa bei der „Financial Times Deutschland“, dassZeitungen, die historisch gesehen wichtigste Kundengruppe fürNachrichtenagenturen, keine nachhaltige Einkommensquelle mehrsein können.Trend zur DiversifizierungInfolgedessen lässt sich bei den Agenturen ein Trend zur Diversifizierungausmachen. Sogar in Branchen, die wenig oder gar nichtsmit Medien zu tun haben, werden neue Kooperationspartnerakquiriert. So liefert die deutsche Tochter der französischen AFPauch Fernsehprogramme für eine große Fitnessstudiokette – fürdas Unternehmen einer der fünf wichtigsten Umsatzbringer. AndereNachrichtenagenturen wie die australische AAP bieten sogareinen Service für Pferdewetten an.Vor diesem Hintergrund muss man die Zukunft der Nachrichtenagenturenals Transformationsprozess begreifen. Einerseits erhaltendie Agenturen durch die Veränderungen in der Branche dieChance, ihre Position in der Medienanatomie weiter zu festigen.Das Internet stellt dabei aus Agenturperspektive nicht nur eineBedrohung dar, sondern bietet auch die Chance, neue Kundengruppenzu erschließen. Zum anderen müssen die Agenturen ihrtraditionelles Geschäftsmodell an die neuen Zeiten anpassen undauf Trends wie die Digitalisierung, den Multimediafokus und dieEinkommendiversifizierung reagieren. Eins ist jedoch klar: Geradevor dem Hintergrund der heutigen Informationsflut wird es immereinen Bedarf an einem professionellen, zuverlässigen Informationskuratorund Gatekeeper geben.GeorgiKantchevFreier Journalistgkantchev@freelancejournalism.com


66 Ausblick Radio mussRadio bleibenIm Gegensatz zu Zeitungen oder zum Fernsehenist Radio ein klassisches „Begleitmedium“.Es wird meist nebenbei gehört –und es kennt die unterschiedlichsten Nutzungsszenarien.Die Zukunft des Radios liegtin „modernem Content“ – erst in zweiter Liniegeht es um Verbreitungswege.Illustration © niarchos – iStockphoto.comFPC13 das magazin


67„Radio der Zukunft“, wie sieht das aus? Was ist Zukunft? Was istGegenwart? Welche Entwicklungen gibt es? Das ist seit einigenJahren eine vieldiskutierte Frage. Die Änderung der Mediennutzungund der Gewohnheiten hat auch die Perspektiven für dieRadionutzung verändert, wenn nicht sogar auf den Kopf gestellt.Zumindest aber hat sie Fragen aufgeworfen, denen sich Radiostellen muss:Die Inhalte entscheidenWozu „klassisches“ Radio, wozu Radio „über die Antenne“, wenndoch alles im Internet verfügbar ist? Und überhaupt: Braucht manRadio, wo die neue Medienwelt doch voller visueller Anreize seinmuss? Hinter diesen Fragen stecken zwei ganz verschiedene Blickwinkel:zum einen der technische, der nach den Verbreitungswegenfragt. Zum anderen der inhaltliche, bei dem es um Content imengeren Sinne geht.Diese inhaltliche Perspektive ist die entscheidende. Denn amEnde entscheidet der Nutzer (das ist mehr als „Hörer“), welchenInhalt er in welcher Nutzungssituation nachfragt. Diesem Primatsind die Sender verpflichtet, und darauf aufbauend haben alle Senderin den vergangenen Jahren Distributionsstrategien entwickelt,welche feiner ausgearbeitet sind als in der Vergangenheit. Schließlichgibt es inzwischen viel mehr Nutzungsszenarien, viel mehrGeräte, viel mehr Spielarten für die Nutzung von Radio-Content.Denken wir an zeitsouveräne Nutzung, an Podcasts, an begleitendeInformationen, an Service. Diese Nachfrage muss modernesRadio befriedigen. Dem technischen Blickwinkel, der reinen Fragenach dem Verbreitungsweg, wurde in der Vergangenheit zu vielRaum gegeben. Und die Versuche, modernes Radio allein auf derGrundlage eines technischen Mehrwerts zu entwickeln, warenrelativ erfolglos. Weil der technische Mehrwert allein nicht genugwar.Warum DAB im ersten Anlauf scheiterteDer Start von Digital Audio Broadcasting (DAB) in den 90erJahren war aus drei wesentlichen Gründen eine Bauchlandung.Erstens: Ein technischer Anreiz alleine war nicht genug. Dasdigitale Radio war ein Spielzeug für Liebhaber. Im Massenmarktkonnte sich da nichts etablieren, vor allem keine wirtschaftlichrelevante Größe. Zweitens: Im Gegensatz zum Fernsehen, bei demdie technischen Argumente oftmals eher ziehen, steht Radio alsBegleitmedium nicht derart im Interesse der Konsumenten. Deshalbfunktioniert ein auf technische Argumente gestütztes Marketingwie HD, DVB-T usw. im TV-Bereich durchaus – bei Radioaber nicht. Hier spielt die Psychologie eine große Rolle. Drittens,und das ist der Schlüssel zum neuen Verständnis von Radio alshybridem Medium, sind durch die Entwicklung des MassenmediumsInternet und die Mobilität der Gesellschaft neue Formen derMedien- und Contentnutzung entstanden. Stichworte hierfür sindNavigation, Mobilität, Interaktivität, Smartphones, Apps. Dinge,die es in den 90er Jahren nicht gab und für die sich daher auchniemand interessieren konnte.An diesem Punkt des Zeitstrahls treffen sich nun die inhaltlichenHerausforderungen: „Modernen Content machen“ und dietechnischen Möglichkeiten: „Biete und nutze moderne Verbreitungswege“.Die Sender haben daraus eine Zweisäulenstrategieentwickelt: Moderner Content, so wie der Nutzer es inzwischenaus dem Internet gewohnt ist, muss auf vielen Wegen die Nutzererreichen können. Diese Wege sind im Wesentlichen das Internet(dort wo dessen Infrastruktur stabil und ausreichend ist) und derBroadcast-Weg (verlässlich und stabil in mobilen Situationen).Radio als übergangslose MedienerfahrungIn naher Zukunft besteht die Anforderung darin, eine übergangsloseMedienerfahrung sicherzustellen und diese so zu gestalten,dass der Nutzer am Ende gar nicht merkt, auf welchem Weg derContent ihn erreicht. So, dass er sich voll und ganz auf den Inhaltkonzentrieren kann. An dieser Herausforderung arbeitet die Entwicklung„Radio der Zukunft“. Meilensteine auf diesem Weg sind:1. Die wissenschaftliche Begleitung der Angebotsgestaltung: Jedeneue Entwicklung muss nah am Nutzer sein. Wie in der Marktforschungüblich muss gefragt werden: Sind unsere Angeboteüberhaupt interessant? Entwickeln wir am Markt vorbei? Treffenwir den Geschmack des Publikums? Eine Grundlage für diese Forschunghaben Privatsender und SWR im Jahr 2009 mit der Studie„Radio Plus“ gelegt. Die Weiterentwicklung dieser Studie istunter dem Titel „Radio Plus II“ in Arbeit und wird im Frühjahr2013 vorgestellt.2. Die Entwicklung von Zusatzdiensten und Mehrwert-Angebotenim modernen Radio: Modernes Radio ist zwar im Wesentlichenimmer noch das Radioprogramm, also – einfach ausgedrückt– die attraktive Mischung aus Wort und Musik. Aber immer wichtigerist es geworden, dessen Inhalte und Zusatzinhalte zeitsouveränzu liefern, damit der Hörer sie später nutzen oder nachlesenkann. Das können Informationen zum laufenden Programm seinoder auch Serviceinformationen wie Verkehr und Wetter.3. Die Kooperation zwischen Sendern, Geräteherstellern, Netzbetreibernund Industrie: Sie ist besonders wichtig, um wederProgramm- noch Geräteentwicklungen am Markt vorbeizubetreiben.So wie es wichtig ist, attraktives Programm zu machen, ist eswichtig, die Geräte an die Bedürfnisse des Publikums anzupassen.Hier sind in den zurückliegenden zwei Jahren im Zuge der Entwicklungvon „Radio der Zukunft“ die Programmanbieter und dieIndustrie in einen fruchtbaren Dialog getreten.


68 Ausblick 4. Die Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichen und privatenProgrammveranstaltern: Diese Kooperation mag im erstenMoment unsinnig erscheinen, weil völlig unterschiedliche undkonkurrierende „Geschäftsmodelle“ im Spiel sind, sie ist aber absolutsinnvoll. Denn es gibt durchaus Interessen, die beide „Lager“gemeinsam haben. Dazu gehören zum Beispiel:• der Netzausbau und die verlässliche Empfangbarkeit von Rundfunksignalensowie die Planung des Ausbaus – entlang Verkehrsachsen,in Ballungsräumen etc. In jedem Fall ein abgestimmtesVorgehen.• ein Grundset an Zusatzdiensten und Zusatzfeatures, das allenSendern nützt. Das können Informationen sein wie „Titel, Interpret,Playlist“ oder auch Voting-Elemente. Denkbar ist vieles.Abgestimmt werden muss aber die Entwicklung. Dabei ist eswichtig, gegenüber der Industrie geschlossen aufzutreten.Alle diese Interessen lassen sich auch gemeinsam vertreten. DieKonkurrenz auf inhaltlichem Gebiet bleibt natürlich bestehen unddavon unberührt. Es gilt das in Großbritannien beim Digitalradiogepflegte Motto: „Agree on technology, compete on content.“ Dasist der Rahmen für „Radio der Zukunft“.Radio heuteVerbreitungswegeund NutzerverhaltenStatistisch gesehen hat jeder Bundesbürger im Schnitt zehnRadiogeräte im Haushalt und hört mit diesen täglich gut dreiStunden Radio. Wie die Zahl zehn zustande kommt? Radio istein klassisches Tagesbegleitmedium und der Radioempfängermittlerweile in viele Geräte integriert, denen man es auf denersten Blick noch nicht mal zwingend ansieht. Zählen Sie malbei sich im Haushalt durch: der Radiowecker, die Stereoanlage,das Autoradio, aber auch das Handy, der Computer, der MP3-Player. Fast alles kann heute auch Radio spielen.FPC13 das magazin


69Radio der Zukunft: einfach und mobilUnd wann sind die Ziele erreicht? Wann ist „Radio der Zukunft„Realität?• Radio muss Radio bleiben: Die Programme und Programmmarkensind das Rückgrat, sie vermitteln ein Lebensgefühl, sprechendie Zielgruppen an und schaffen Hörerbindung.• Radio ist einfach: Das Medium ist überall verfügbar, einfach zuempfangen, und die Geräte sind einfach zu bedienen• Radio ist mobil: Die Stärken von Radio liegen im mobilenEinsatz. Kein anderes Medium ist auf absehbare Zeit so geeignetfür mobile Nutzung.• Radio ist fester Bestandteil im Medienmix.MichaelReichert SüdwestrundfunkHörfunkdirektion/Zentrale ProgrammaufgabenProjektbüro Digitalradiomichael.reichert@swr.deZum bedeutendsten Verbreitungsweg für Radio, der Ultrakurzwelle(UKW), sind in den letzten Jahren immer weitere Wege hinzugekommen.Hierzulande werden Radioprogramme zum Beispiel auch in die digitalenKabelnetze (DVB-C) eingespeist oder via digitaler Satellit (DVB-S) ausgestrahlt.Radio auf dem Fernseher zu hören, ist zwar eine Nischennutzung,aber oft die einfachste Alternative, wenn es darum geht, etwa Klassikübertragungenin 5.1-Qualität auf der heimischen Surround-Anlage zugenießen. Und in einigen Regionen Deutschlands kann man Radioprogrammesogar über das digitale terrestrische Antennenfernsehen (DVB-T)empfangen. Da allerdings in allen Fällen Radio huckepack auf einemFernseh-Verbreitungsweg transportiert wird, können neben dem Audioprogrammund Titel-/Interpret-Informationen (zum Beispiel Radiotext)kaum Zusatzdienste übertragen werden.Spätestens seit der Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen für dasInternet (DSL) ist Radio auch via Livestreaming verfügbar. Dies kann entwederüber den Browser am Computer oder mittels eines Internetradioserfolgen. Während man am Computer die Website des Radiosendersaufruft, um dort den Stream zu starten, gibt es für Stand-alone-Internetradiossogenannte Internetradio-Aggregatoren, die die Streamingangebotealler Radiosender bündeln und dem Gerät automatisch zurVerfügung stellen. So kann man als Hörer auf einen Schlag aus mehrals 13.000 Sendern weltweit auswählen. Aber Internetradio bietet nochweniger standardisierte Zusatzdienste als etwa UKW. Sicher ist daherlediglich, dass das Audiosignal übertragen wird.Durch das mobile Internet kann man mittlerweile auch unterwegsRadio über das Internet hören. Radio-Apps auf Smartphones sind in sichgeschlossene Programme und bieten neben dem Audioprogramm eineganze Fülle an Zusatzinformationen: Geolokalisierte Wetter- und Verkehrsinformationen,Nachrichten zum Nachlesen, Podcasts, die aktuellenNachrichten auf Knopfdruck und andere Angebote sind in Radio-Appskeine Seltenheit. Modernes Radio mit interessanten Zusatzangeboten istunter einer Oberfläche verfügbar. Der Nachteil dieser Nutzung ist, dassdie handelsübliche Flatrate meist einen gedeckelten Datendurchsatz hat.Je nach Tarif ist oftmals bei 500 Megabyte, 1 Gigabyte oder maximal5 Gigabyte Schluss. Dann kann man nicht mehr mit dem schnellenUMTS, sondern nur noch über das langsamere GPRS/EDGE surfen.Wenn dann der 128-kbit/s-MP3-Livestream des Radiosenders abgerufenwerden soll, klappt das nicht, weil GPRS in der Praxis meist nureine Datenübertragungsrate von etwa 54 kbit/s ermöglicht. Außerdemgilt diese Geschwindigkeitsbegrenzung natürlich auch für alle anderenInternetdienste und Apps, die man mit dem Smartphone sonst nochnutzen möchte, also E-Mailing, Surfen, Facebook, Twitter und Co.Die Krux der Internetverbreitung ist die Individualkommunikation.Jeder Abruf einer Information, und damit auch des Livestreams einesRadioprogramms, ist im Internet eine individuelle Dienstleistung.Und da es den eingangs beschriebenen Bundesbürger statistischbetrachtet etwa 73 Millonen Mal gibt – laut Media-Analyse hören73,32 Millionen Bundesbürger Radio –, muss sich Radioverbreitunginsbesondere an kollektiven Erfordernissen messen lassen. Und dasstellt insbesondere das mobile Internet derzeit noch vor Probleme.Gesucht wird aus Sicht der Programmveranstalter also ein Weg,der die programmlichen Möglichkeiten von modernem Radio mit einerrobusten Verbreitungstechnologie kombiniert, die der Massennutzungstandhält. Die dafür derzeit am geeignetsten erscheinende Alternativeerfährt seit August 2011 eine Renaissance. Im Digitalradio überDAB+ sind derzeit über 120 Radioprogramme empfangbar. Und zwarebenfalls inklusive aller Zusatzinformationen, zu denen programmbegleitendeTexte, Bilder und Daten gehören, und mittels einer Rundfunktechnologie,für die keine Verbindungsgebühren anfallen.Künftig wird es mehr und mehr eine clevere Aufteilung zwischender kollektiven und der individuellen Erbringung von Diensten brauchen.Rundfunk- und Internetverbreitung von Radio stehen sich dabeinicht konkurrierend, sondern vielmehr ergänzend gegenüber.SebastianKettSüdwestrundfunkZentrale Programmaufgaben HFDsebastian.kett@ard.de


70 Ausblick Die stärkste FormemotionalerAnspracheFernsehen und Internet,heißt das Motto, nicht Fernsehenvs. Internet: Aus dem gewinnbringendenZusammenwirkenergeben sich große Chancenfür die ZukunftFPC13 das magazin


71Das Ende des linearen Fernsehens prognostizierten uns schon langeviele der begeisterten Onliner und ihrer Anhänger. Beeindrucktvon ihren scheinbar unbeschränkten Möglichkeiten, konntensie sich gar nicht mehr vorstellen, dass in ein paar Jahren nochirgendjemand (zumindest der unter 80-Jährigen) derart antiquierteMedien nutzen wolle – jetzt, da alle vor ihren Computern eigeneProgrammdirektoren würden und überall auch eingreifen und diebegeisterten User mit frischem „user generated content“ beglückendürften. Kein Wunder, dass sich in zahlreichen alteingesessenenMedienhäusern die herangewachsenen Vertreter der neuen Mediensicher waren, bald die programmliche Gesamtleitung übernehmenzu können.Krise? Welche Krise?Diese Erwartung scheint sich jetzt zu bewahrheiten. Stichwortesind ‚Rückgang der Fernsehnutzung‘ und der ‚Generationenabriss‘.Das gute alte Fernsehen kommt jetzt ganz offensichtlichin die Krise, oder? Der Kollege Hans-Peter Siebenhaar, ohnehinzurzeit unentwegt mit der Aufdeckung dramatischer Zuständebei den klassischen Medien beschäftigt, hat nun entdeckt, dass„das große Umschalten“ vom Fernsehen zum Internet („Handelsblatt“vom 27.2.2013) in vollem Gange sei. Er verweist darauf,dass von 2011 auf 2012 die Fernsehnutzung zurückgegangen sei– von 225 Minuten täglich auf 222. Aber was ist daran eigentlichdramatisch? Schaut man sich zur Ergänzung die Zahlen von 2009(212 Minuten) und 2010 (223 Minuten) an, dann kommt man für2012 auf eine Steigerung der Nutzung von 10 Minuten gegenüber2009 und einen Verlust von gerade mal 1 Minute gegenüber 2010.Sachlich betrachtet, gehören Schwankungen in der Nutzung zumAlltag. Erst ein langfristiger Trend weist auf tatsächliche Verhaltensänderungenhin. Es gehört schon eine gute Portion selektiverbzw. interessengesteuerter Wahrnehmung dazu, aus solchen Zahleneiner ganzen Branche die Zukunft vermiesen zu wollen.Internet bietet klassisches FernsehenNoch schwerer wiegt anscheinend der Befund, Fernsehen sei nurnoch etwas für die Alten und hätte die Jungen längst ans Netzverloren. Auch hier ist wohl eher der Wunsch Vater eines Gedan-


72 Ausblick kens, der vor allem auf einem systematischen inhaltlichen Fehler– oder einer vorsätzlichen Ungenauigkeit – beruht. Internet undFernsehen stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Das erste ist einVerbreitungsweg und das zweite eine Mediengattung. Merkmaledes Internets sind vor allem strukturelle, technische und ästhetische.Als Inhalte hält das Internet in großem Umfang klassischesFernsehen in Form von Streams, angeboten über Mediatheken,und Beiträge auf Videoplattformen oder Informationsportalenbereit. Und dann gibt es noch die große Welt der Social Media,die viele Millionen Menschen elektrisiert und zur interaktivenNutzung verleitet. Auch diese besteht genauer betrachtet in denmeisten Fällen aus der Verlängerung längst bestehender Sozialsystemebzw. Kommunikationen, wenn es auch viel praktischer undschneller geht. Lange gefeierte Videoportale wie Youtube, die unsjede Menge authentischen und frischen „user generated content“bieten, satteln nun auf professionelle Kanäle um, weil die mangelhafteQualität der Amateurfilmer bei den Nutzern auf Dauer keineChance hat. Diese suchen auch im Netz oft nichts anderes als guteBeiträge in hoher Bild- und Tonqualität – also Fernsehen.Hoher EntspannungswertAuch an den großen Empfangsgeräten in Wohn- oder Schlafzimmermuss man die Jungen aber noch nicht ganz abschreiben. Alsich vor einiger Zeit in einer Berufsschule zum Fernsehen berichteteund befragt wurde, schlug mir wieder der Vorwurf entgegen, wirwürden zu wenig für die jungen Leute tun. Ich konterte und warfden Schülern vor, auf Dauer doch ohnehin nur Nutzer neuer Plattformenim Internet zu sein, ohne ein Interesse an den klassischenFernsehprogrammen. Großer Protest: Man habe nun wirklichkeine Lust, immer interaktiv unterwegs zu sein. Auch die jungenLeute wollten von Zeit zu Zeit auf dem Sofa rumlümmeln und dassehen, was andere für sie aufbereitet hätten. Die Nutzungszahlenbestätigen das. Fernsehen ist nach wie vor das quantitativ wichtigsteMedium auch bei den jungen Zuschauern. Unausrottbar istwohl sein hoher Entspannungswert. Für fast alle Nutzer gehörtdas Lean-back-Verhalten fest zur Tagesökonomie, genauso wie dieaktive Zeit.Dennoch sehen die Jungen nachweislich weniger fern als dieAlten. Das stimmt. Es ist aber ein alter Hut, dass die täglicheFernsehnutzungsdauer mit dem Älterwerden zunimmt (die200-Minuten-Grenze wird zurzeit mit 30 Jahren überschritten).Das war schon so, als es noch kein Internet gab, und hat sicherlichmehr mit der altersabhängigen Lebenssituation und dem Freizeitverhaltenzu tun. Die Neuigkeit ist heute allenfalls, dass dieNichtfernsehzeit auf anderen Plattformen verbracht wird, währendsie früher stärker nichtmedialen Freizeitaktivitäten gehörte.Nimmt man nun noch die sich abzeichnende Entwicklungder Endgeräte hinzu, ist zu erwarten, dass die Unterscheidung inInternet und Fernsehen bzw. Radio ohnehin nicht mehr lange relevantist. Der durch Breitband mit der Welt verbundene Flachbildschirmim Wohnzimmer ist Multimediagerät für alle den Nutzerinteressierenden Anwendungen in einem. Das Tablet auf demWohnzimmertisch ist mobiles Empfangsgerät für Onlineplattformen,also auch für Fernsehen, oder „second screen“ zur Ergänzungder gesehenen Sendungen. Den Menschen ist es am Ende egal, obman das, was sie nutzen, Fernsehen, Online oder sonst irgendwienennt. Für jeden Zweck das richtige Angebot – das ist es, was sieinteressiert.FPC13 das magazin


73Fotos: Hessischer RundfunkDas Zauberwort heißt „Video“Hier kommt die neben dem Lean-back-Komfort zweite unschlagbareStärke des Fernsehens ins Spiel. Das Fernsehen hat vor allemeines, was die anderen nicht haben: Video, die stärkste Formemotionaler Ansprache, die Medien zu bieten haben. Ein aktuellesBeispiel, die Amazon-Reportage des Hessischen Rundfunks imErsten, verdeutlicht, dass es aufrüttelnder Bilder bedarf, eingebettetin eine gut recherchierte und kompetent erzählte Geschichte,um Menschen wirklich zu berühren. Ganz stark profitierten indiesem Fall jede Menge Plattformen im Netz, Mediatheken undsoziale Netzwerke: ein deutlicher Beleg dafür, dass Fernsehen undInternet gewinnbringend zusammenwirken können, indem jedesseine eigenen Stärken ausspielt. Und die Stärke des Fernsehenssind unverzichtbare eindrucksvolle Bildergeschichten. So ist eskein Wunder, dass heute alle Mediengattungen Video wollen. Onlineauftrittevon Zeitungen und Hörfunkwellen sowie die gesamten„social media“ brauchen Video, keine Webpräsenz kann ohneVideo bestehen. Die Videospezialisten aber sind beim Fernsehentätig und damit umworbene Partner für alle Onlineanbieter, dieauf dem Markt Fuß fassen wollen. Das Neue ist die Differenzierung,die das Netz ermöglicht und die durch die Endgeräteentwicklungbeim Nutzer wieder zusammengeführt wird.Womit wir bei der alles entscheidenden Instanz sind: demMenschen, der die Medien nutzt. Die eigentliche Neuerung desInternets ist die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Interessen präziseund attraktiv und vor allem auffindbar zu bedienen. Die Auswahlist größer, die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältiger, dieInhalte genauer auf die spezifischen Nutzergruppen abgestimmt.Der Druck nimmt also zu, zum einen eine eindeutige Produktmarkefür den eigenen Sender, das eigene Angebot zu entwickelnund zum anderen eine klare Adressatenschar im Auge zu haben.Fernsehsender werden dann in Schwierigkeiten kommen, wenn siedie neuen Möglichkeiten nicht aktiv als Chance begreifen, sondernwie in alten Zeiten ohne rechten Zweck für alle und niemandenausstrahlen.„Jugendsender“? Überflüssig!Dabei scheint es mir auch zu kurz gegriffen, eigene Fernsehsenderfür junges Publikum wie etwa ZDFNeo oder den bei der ARDgeforderten Jugendkanal auf die Beine zu stellen. Die jüngerenZielgruppen haben vor allem ein anderes Nutzungsverhaltenund können sich gut im Netz bewegen. Wir müssen also unsereInhalte dort hinbringen, wo die angestrebten Zuschauer sind. DieTagesschau-App ist wahrscheinlich der bisher wirkungsvollsteöffentlich-rechtliche Jugendkanal. Für die jüngeren Zuschauerbrauchen wir weitere Apps, starke Präsenz auf populären Plattformen,Bewerbung von ohnehin jugendaffinem Content wie Sport,Fiction und vielen Informationsprogrammen in den sozialenMedien genauso wie den weiteren Ausbau von Angeboten für diemobile Nutzung.Gleichzeitig muss jeder Sender/jedes Produkt viel genauer seinZielpublikum bestimmen. Es wird was für die Alten geben, genausowie für die Jungen. Die Familienmenschen werden genausoversorgt wie die Karrieristen, denen der Beruf über alles geht. Diesewerden unterschiedlich stark Entspannung suchen, ein unterschiedlichgroßes Zeitbudget für die Mediennutzung haben, unddann werden wir uns nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, obdas Fernsehen zu alt sei und ein Generationenabriss bevorstehe.


74 Ausblick 12 Thesenzum Fernsehen der Zukunft• Die Mediennutzung unterliegt gravierenden Änderungen.• Die klassische Fernsehnutzung nimmt nicht weiter zu.• Fernsehnutzung findet immer mehr auch anderswo statt: Mediathek, Stream, Videoportal.• Die Verjüngungsdebatte greift zu kurz: Ältere sehen schon immer mehr fern als Jüngere.• Ein Jugendkanal wird vermutlich am Ziel vorbeischießen. Bisher bester Jugendkanal: die Tagesschau-App.• Das Internet braucht das Fernsehen.• Ohne professionellen Content werden Internetplattformen unattraktiv.• Youtube, Twitter, Facebook und andere wollen vom Leitmedium Fernsehen auf Dauer profitieren.• Das Internet ist keine Bedrohung, sondern eine Chance für das Fernsehen.• Die Menschen haben die Wahl, deshalb müssen die Anbieter genau wissen, was sie wem anbieten wollen.• Auch öffentlich-rechtliche Angebote werden viel präziser auf die potenziellen Nutzer abgestimmt.• Das Fernsehsofa wird noch lange leben.Daher geht der Vorwurf an einen Sender wie das hr-fernsehen, erwürde nicht genug Sendungen für junge Leute anbieten, völligan der Nutzungsrealität vorbei. Jüngere Zielgruppen finden beimhr-fernsehen – vermutlich über Bewerbungen im Hörfunk und aufOnlineplattformen – zielgerichtet Produkte, die sie interessieren,etwa den Comedy-Tower, Heimspiel-Bundesliga und verschiedeneInformations- und Verbrauchersendungen. Im Kern zielt das hrfernsehenaber auf ein etwas älteres Publikum, das starkes Interessean der Region und allen Aspekten zum Thema Hessen hat. Zuschauerüber 50 sind für das hr-fernsehen kein Problem, sonderndie Lösung. Gerade für diese und die älteren Generationen lohnt essich sehr, ein Angebot maßgerecht zu entwickeln. Das hr-fernsehenhat zudem Potenzial bei Menschen, die nach einer oft unruhigerenJugend- und Ausbildungszeit sesshaft werden. Sie benötigen nunfür ihr Leben regionale Informationen und entwickeln durch dieBeteiligung in ihren örtlichen Gemeinschaften zunehmend Sympathiefür die Besonderheiten ihrer Heimat. Das Image des Senderswürde völlig diffus, würde man offensiv auch Zielgruppen ansteuern,die an diesem inhaltlichen Kern kein Interesse haben.Auf die Inhalte kommt es anDas Entscheidende ist, dass wir den Fuß in die digitale Welt nichtüber den Zugang zu allen möglichen jungen Zielgruppen, sondernüber Inhalte bekommen müssen – und zwar weil dadurch unsereProdukte besser werden. Fiktion und viele Unterhaltungsformatedienen vor allem der Entspannung des Publikums. Gleichzeitigsind über Onlineplattformen und soziale Netzwerke wie Twitteroder Facebook längst schon bei vielen Sendungen Beteiligungenmöglich, die – wie etwa beim Voting in Castingshows oder bei„Best-ofs“ – zum Programminhalt werden. Informationsangebote,die der Orientierung der Menschen in einer unübersichtlichenWelt helfen, können über Zusatzangebote auf Webplattformenan Wirkung, Akzeptanz und Qualität gewinnen. Das Amazon-Beispiel zeigt, dass erst das Zusammenwirken der verschiedenenKanäle den eigentlichen Effekt erzeugt.Wer sucht was auf welchem Kanal?Bleibt die Frage nach den nicht erreichten Zielgruppen angesichtsder Tatsache, dass alle den Rundfunkbeitrag entrichten müssen.Spätestens hier wird deutlich, dass die Gegenüberstellung vonFernsehen und Internet ins Leere geht. Natürlich muss und willder Hessische Rundfunk für alle Zielgruppen Angebote machen,und zwar mit allen seinen Kompetenzen – auch mit Video. Undhier beginnt die Zukunft, in der es nicht mehr um Fernsehen,Radio oder Online, sondern nur noch um Video und Audio (undnatürlich Print) in allen möglichen Erscheinungsformen geht. Wirbrauchen also Video auch abseits des hr-fernsehens. Die Herausforderungbesteht darin, zu verstehen, wer was auf welchem Kanalsucht. Auch das Fernsehen selbst kann sich erheblich breiter aufstellen.Eine ganze Reihe von Informations-/Kulturprogrammen inKooperation der „Hessenschau“ mit hr-iNFO und hr-Online sowieUnterhaltungsprojekten mit hr1 „soundtrack meines Lebens“, hr3„100prodeutsch“ und „50 Dinge, die ein Hesse getan haben sollte“haben sehr positive Ergebnisse gebracht. In diese Richtung musses weitergehen. Wenn dann der hr wie auch die gesamte Fernsehbranchees versteht, die Chance Internet richtig zu nutzen, wirduns das gute alte Fernsehsofa noch lange erhalten bleiben.Dr.HaraldKiefferhr FernsehenLeiter Programm-Managementund -Entwicklungharald.kieffer@hr.deFPC13 das magazin


Arbeitsplätze


76 Ausblick Vom gebündeltenJournalismus zumunternehmerischenJournalismusFür welche Zukunft wir Journalisten ausbilden. Ein Versuch.Lobing, pensionierter Redakteur, geht jeden Tag in seine Redaktion,denn das mit der Pensionierung hat er irgendwie nicht mitbekommen.Niemand will mehr den täglichen und bissigen Kommentarzur Weltlage, mit dem er jahrzehntelang seine Leser erfreuthat. Auch die politische Lage hat sich sehr zu seinen Ungunstenverändert. Die Welt hat sich weitergedreht, doch Lobing, pensionierterRedakteur, will diese aktuellste und relevanteste Nachricht,mit der er es je zu tun hatte, einfach nicht zur Kenntnis nehmen.Diese Geschichte stammt von Egon Erwin Kisch, sie ist ein wenigälter, und sie beschreibt literarisch einen Entfremdungsprozesszwischen Journalist und Verleger sowie zwischen Journalist undder Welt im Allgemeinen (natürlich steckt noch viel mehr darin,aber bleiben wir bei der Entfremdung). Und mit dieser Beschreibungist sie sehr aktuell.FPC13 das magazin


77Foto: Hochschule DarmstadtVom Internet rechts überholtDenn wenn es nach dem Internetvordenker Clay Shirky geht, dannsind heute immer noch viele Medienmenschen – hauptsächlichsolche, die das Verlagsgeschäft betreiben – solche Lobings, die inder falschen Welt leben. Wie der pensionierte Redakteur bildensie sich täglich ein, Zeitung zu machen – dabei hat sich die Weltlängst weitergedreht. Auch der langjährige Leser und Abonnentkann sich hin und wieder noch einreden, es sei alles gut. Die Zeitungliegt doch morgens im Briefkasten. Es wird schon irgendwieweitergehen mit dem Journalismus.Wird es aber nicht, sagt Shirky. Wacht endlich auf, rief er 2009in seinem Blogpost „Newspapers and Thinking the Unthinkable“(http://www.shirky.com/weblog/2009/03/newspapers-andthinking-the-unthinkable/).Jetzt ist es 2013, die eine oder ande-


78 Ausblick re Zeitung liegt nicht mehr im Briefkasten und wird nie wiederdort liegen, und jetzt begreift auch der sturste Herr Lobing: Es istdas Ende der Zeitungswelt, so wie wir sie kennen. Tod auf Raten,diagnostiziert Shirky unbarmherzig, und: Ihr hättet es früher wissenkönnen. Die Querfinanzierung über Anzeigen funktioniert imPrintgeschäft nicht mehr. Irgendwann stirbt dieses Geschäftsmodell,weil es vom Internet und seinen Möglichkeiten keck rechtsüberholt wurde.Der wahre Preis der InformationEin Gedankenexperiment. Wäre die schreibende Zunft heutebesser dran, wenn sich spätestens 1995, als das Internet so richtigan Fahrt aufnahm, alle Verlegerinnen und Verleger dieser Erdezusammengeschlossen hätten zum „Bezahlpakt“: „Du sollst keineInhalte kostenlos zur Verfügung stellen, nein, das sollst du nicht?“Hätten wir Leser ein globales Gehirnwäscheprogramm durchlaufenmüssen, das uns alles kostenlos hätte lesen und teilen lassen, wasim Netz herumlungert – nur die journalistischen Inhalte nicht?Manche Verlagsvertreter trauern dieser vermeintlich verpasstenChance nach, das „Netzbezahlmodell“ nicht frühzeitig in Leserköpfeimplantiert zu haben. Dummerweise steckt hier ein logischerFehler drin. Denn diese Idee hätte lange vor dem Internetaufkommen müssen. Wer jahrzehntelange Printprodukte überAnzeigen querfinanzieren lässt, gewöhnt den Leser daran, nichtden wahren Preis der Information zu zahlen.Aber das sind Nebenschauplätze. Inzwischen ist sonnenklar,dass „das Internet“ eine sehr facettenreiche Einrichtung ist undnicht einfach nur eine weitere Plattform, auf der man medialeInhalte vertreibt. Das Netz hat ja viel mehr erzeugt als das, wasso stark vereinfachend die „Kostenloskultur“ genannt wird. Es hatneue Kommunikationsformen geschaffen, den schreibenden Leserund den kommentierenden Schreiber hervorgebracht, Mikrodebattenin Teilöffentlichkeiten befeuert, eine Ausprobierkultur erzeugt,die weniger auf perfekte Endprodukte als auf transparente Prozessesetzt – die gesamte Bloggerei ist so entstanden, und jeder, dersich auch nur ansatzweise mit dieser Netzkultur beschäftigt, wirdsehen, dass dabei erstaunlich viel Qualität erzeugt wird. Natürlichauch mancher Unsinn. Aber man gehe in eine große Buchhandlungund entscheide darüber, wie viel Unsinn dort steht, nebeneiner ganzen Menge Qualität.Das Netz verändert auch den JournalismusDas Netz hat dabei auch neue Möglichkeiten hervorgebracht,Geld zu verdienen. Man geht eben jetzt nicht mehr in einen Ladenund kauft eine Kunststoffscheibe mit Musik drauf. Sondernman lädt einzelne Stücke herunter, nicht irgendwo heimlich undillegal, sondern ganz offiziell. Man besorgt sich online Warentestsüber Waschmaschinen, und die Testanbieter leben gut vondiesem Geschäftsmodell. Oder Börsennachrichten. Oder Apps.Es ist ja nicht so, dass im Netz nichts bezahlt wird. Wenn dieInformationen relevant, nützlich und einschlägig sind, wirddurchaus etwas Virtuelles in den Einkaufswagen gelegt.Daraus ist zweierlei zu lernen: Das Netz verändert nicht nurdas journalistische Geschäftsmodell (genauer: Es erzwingt seinefundamentale Neuerfindung), sondern auch den Journalismus.Es ist hin und wieder nötig, diese Trennung zwischen „Inhalt“und „Geschäftsmodell“ deutlich herauszuheben. Viele Menschendenken: Nur weil die Geschäfte nicht mehr laufen, musssich doch nicht gleich der journalistische Inhalt ändern. Mitdiesem Argument wehren sie sich gegen Kommerzialisierungund Boulevardisierung – beides Tendenzen, die versuchen, mitvermeintlich gefälligen Inhalten Quote zu machen und Klickszu erzeugen.Aber ganz so einfach ist es nicht, es reicht nicht, den Qualitätsjournalismushochzuhalten – man muss doch trotzdem Veränderungenzur Kenntnis nehmen, etwa in den Lesegewohnheiten.Auch die Informations-, also die Inhaltswelt hat sich geändert. Eswird anders gelesen, die Frage: „Was nützt mir das, wieso investiereich Zeit in diesen Artikel?“ wird vom Leser oder „Nutzer“ vieldrängender gestellt. Und: „Wo kann ich hier kommentieren? Werantwortet mir darauf? Und wie gut ist diese Antwort?“ – das sindauch für einen kleineren Teil der Leserschaft relevante Fragen.Lobing, pensionierter Redakteur, schrieb täglich eine Kolumneüber das Weltgeschehen und begann dabei, sich irgendwann umsich selbst zu drehen. Seine Demontage – das hebt Kisch ganzgut heraus – begann eigentlich schon vor seinem Rausschmiss. Erhatte sich vorher selbst pensioniert, denn er schrieb nur noch fürseine eigene Erbauung, und der Leser sollte gefälligst Weisheitdaraus saugen und ansonsten in Demut erstarren. Diese eitle Formdes Journalismus ist vorbei.Manche Regeln sind zu brechenAllen journalistischen Handwerksregeln zum Trotz komme ichjetzt erst nach vielen Absätzen zu meiner Kernfrage: Was sagtuns das alles über die Journalistenausbildung? Und genauso, wieich hier zwei Handwerksregeln gebrochen habe (die zweite ist,dass ich „ich“ schreibe, was in vielen Redaktionen als zu subjektivverpönt ist), zeigt sich schon, wohin meine Argumentation geht.Der Nachwuchs muss gute alte Handwerksregeln kennenlernen.Er muss lernen, welche Regeln unverbrüchlich sind, weil sonst derJournalismus aufhört, Journalismus zu sein. PR-Sprüche nachplappernist ein Tabu, ebenso wie Plagiate; Artikel aus den ersten dreiGoogle-Treffern zusammenbasteln und das als „Recherche“ ausgebenebenfalls. Er muss aber auch lernen, dass manche gute alteHandwerksregeln einfach klingen, aber heutzutage eine extremeHerausforderung darstellen. „Sei relevant“ ist heute ein journalistischesZiel, das schwer zu erreichen ist: Das Netz ist voll vonrelevanten Informationen, und die Zielgruppen sind heterogen,gleichzeitig erwarten sie eine passgenaue Ansprache. Es ist alsofür angehende Journalistinnen und Journalisten viel schwerer alsfrüher, sich abzuheben und mit einer neuen Idee, einem überzeugendenThemenzuschnitt und einer ungewöhnlichen Präsentationzu punkten.Und dann muss diskutiert und gelernt werden, dass mancheRegeln auch zu brechen sind, etwa die eiserne (und schon häufiginfrage gestellte) Regel der objektiven Berichterstattung. DerJournalist als Lotse durch das Informationsmeer muss „einordnen“,selbst wenn er nur berichtet – diese Forderung an den Journalismuswird deutlicher gestellt als früher. Denn das ist für ihn eineMöglichkeit, sich von den anderen Informationsquellen abzuheben,dem Leser einen wirklichen intellektuellen Nutzwert zu liefern.In Textwerkstätten muss also diskutiert werden, wie weit eineFPC13 das magazin


79„Einordnung“ gehen kann, ohne dass man die objektive Berichterstattungzugunsten eines subjektiven Kommentars verlässt. Undwas „Einordnung“ überhaupt ist.Themen ausgraben, neue Kommunikationsformennutzbar machenAus der Medienkrise folgt also nicht, dass wir das Geschäft derJournalismusausbildung dichtmachen. Und stattdessen lieberPR-Fachleute ausbilden, weil deren Geschäftsmodell derzeit besserfunktioniert. Der Journalismus muss sich nicht gleich in Bauschund Bogen komplett selbst infrage stellen. Aber er muss sichverändern, und mit ihm die Ausbildung. Sie konzentriert sich auf„Online“, weil sich der Journalismus ins Netz verlagert. „Online-Journalismus“ ist dabei fast schon ein veraltetes Etikett, einespezifische „Online“-Kennzeichnung wird in einigen Jahren nichtmehr nötig sein. „Online“ arbeiten heißt heute z. B., neue Kommunikationsformenauszuprobieren und diese für den Journalismusnutzbar einzusetzen: mit Hilfe von Twitter Themen aufzugreifen(ein Beispiel ist die #aufschrei-Debatte, die journalistische Diskursezum Thema „Sexismus“ – und zu Twitter – anstieß). Oder überdie Social-Media-Nutzung Themen überhaupt erst einmal auszugraben,die bislang noch keine Öffentlichkeit erlangt haben. Oder:andere Schreib- und Textformen auszuprobieren – wie die Syrien-Korrespondentin, die ein ganzes Nachrichtenportal aufsetzt, umstatt zerhackter, kontextfreier Einzelinformationen die „ganzeGeschichte“ zu erzählen (http://gigaom.com/2012/12/06/syriadeeply-and-the-ongoing-unbundling-of-the-news/).Dieses letzte Beispiel habe ich übrigens über den Twitterkanalmeines Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer erfahren. Nur um zuzeigen, dass auch Journalistenausbilder an den Diskursen derextrem wandlungsfähigen Medienwelt bleiben, indem sie sich über„Soziale Medien“ mit den anderen vernetzen, die darüber nachdenkenund berichten. Die Ergebnisse dieser Diskurse fließen in dieAusbildung ein. Aber eben nicht nur als Ergebnisse, sondern auchals laufende Prozesse. Das Wichtigste, was Journalisten und ihreAusbilder lernen müssen, ist: Wir bewegen uns derzeit von Diskursstationzu Diskursstation. Packt man die Ergebnisse einer solchenStation in ein traditionelles Lehrmittel – vulgo: in ein Buch–, wäre es veraltet, sobald es gedruckt ist. Auch die Journalismusdidaktikändert sich vielfältig, und es ist nur ein Beispiel, dass wirheute für aktuelle Themen lieber veränderbare Wikis verfassen alsBücher.Zukunftsperspektive „Entrepreneurial journalism“Das macht alles sehr viel Spaß, aber die ernste Seite drängt undbedrängt sowohl den Nachwuchs als auch die Ausbilder: Werwird den Journalismus in Zukunft bezahlen? Journalisten müssenheute selbst über Vertriebswege und Geschäftsmodelle nachdenken,denn jetzt ist die Zeit des unternehmerischen Journalismus.Entrepreneurial journalism muss daher auch von den Ausbildernunterrichtet werden. Das Modell des „bundled journalism“ –der gebündelten Journalismusaktivität eines großen Sendersoder Verlags mit standardisierten Formaten für eine große MengeMenschen – ist vorbei, sagen viele Auguren. Das Bündel wirdaufgemacht, und dabei kommen viele kleine Projekte heraus, dieandere Text- und Erzählformen nutzen. So geht das oben schonDr. AnnetteLeßmöllmannProfessorin für Journalistik mit dem Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismusan der Hochschule Darmstadt, hat als freie Journalistinund Redakteurin gearbeitet, twittert (@annetteless), untersuchtdie Social-Media-Nutzung im Wissenschaftsjournalismus und liestleidenschaftlich gerne Zeitungen auf Papier. Und auf dem Tablet-Rechner.genannte Portal Syria Deeply in die Tiefe statt in die Breite(http://beta.syriadeeply.org/), gibt zahlreiche infografisch undmultimedial aufbereitete Hintergrundinformationen, lässt aber vorallem neben Journalisten die Bürger, zum Beispiel via Blogs undTwitterfeeds, zu Wort kommen.Das Geschäftsmodell für den Journalismus wird also dezentraler,kleinteiliger sein. Ein Spezialblog zu einem Thema, das40.000 Menschen interessiert, oder auch nur 10.000, oder sogarnur 5.000 – kann für den Blogger oder ein kleines Team lukrativsein. Im Fall von Syria Deeply unterstützen Hilfsorganisationendas Projekt, hinzu kommt „Crowdfunding“, also die finanzielleUnterstützung durch interessierte Leser.Wenn Sie jetzt beim Lesen den Eindruck bekommen, dass derJournalist von heute die berühmte eierlegende Wollmilchsau seinmuss – ja, Sie haben recht. Aber das macht den Beruf nach wie vorreizvoll. Lobing, pensionierter Redakteur, mag von alten Zeitenträumen, aber die Realität sieht anders aus. Das Projekt „Journalismus“wird in Zukunft nur funktionieren, wenn uns die Lesernicht abhanden kommen. Ihnen muss Journalismus wichtig sein.Wichtig ist er ihnen, wenn sie seine Nützlichkeit begreifen. Dasreine Bedürfnis, sich zivilgesellschaftlich und verantwortungsvollzu verhalten, wird die Massen nicht zum digitalen Zeitungsabotreiben. Nützlichkeit ist aber auch nicht reiner Nutzwertjournalismus.Nützlichkeit ist mehr: etwas wissen, von dem man genauweiß, dass man (in welcher Weise auch immer) schlechter dranwäre, wenn man es nicht gewusst hätte – intellektuell oder vielleichteinfach den gesellschaftlichen Status betreffend, vielleichtauch nur, weil man ganz furchtbar sein Gesicht verliert, wenn mandas aktuelle Fußballergebnis nicht kennt. Diese Nützlichkeit imallerbesten Sinne für alle Zielgruppen und Sparten müssen Journalistinnenund Journalisten immer wieder generieren. Wenn siedann auch noch unternehmerisch denken – dann kann eigentlichnichts schiefgehen…Dr.AnnetteLeßmöllmannProfessorin für Journalistikmit dem Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismusan der Hochschule Darmstadtannette@lessmoellmann.net


80 Ausblick Fehlerim SystemDie Krise der Medien ist auch eine Krise derJournalisten-Aus- und Weiterbildung. Wohakt’s, und wie können Aus- und Weiterbildungdie Zukunft des Journalismus sichern?„Prognosen sind schwierig. Besonders, wenn sie die Zukunftbetreffen.“ Ob dieses Zitat nun, was nicht geklärt ist, von WinstonChurchill, Mark Twain oder Karl Valentin stammt: Wer wolltewidersprechen? Deutlicher kann die Warnung nicht ausfallen voreinem hier geforderten Blick in die Medienzukunft: Wie sieht dieJournalistenausbildung in zehn Jahren aus?Aus- und Weiterbildung in der KriseWesentlich gefahrloser ist es, mit einem Rückblick zu starten.Und dabei mit Blick auf die Zukunft vor allem jene Punkte zubenennen, die verbesserungsbedürftig sind – trotz eines gut ausgebildeten,professionellen Journalismus in Deutschland, trotz einesformal hohen Ausbildungsstandes, trotz einzelner bemerkenswerterAusbildungsansätze. Vor zehn Jahren hat der Deutsche Journalisten-Verband(DJV) in seinem ersten Memorandum „Aus- undWeiterbildung in der Krise“ auf Fehlentwicklungen der Journalistenausbildunghingewiesen, die damals infolge des Markteinbruchsvon 2000/2001 vor allem unter wirtschaftlichem Druckzu leiden hatte. Zentrale Themen dieses Memorandums von 2003waren die „schleichende Deprofessionalisierung“ des Berufs und„Entwicklungen in der journalistischen Aus- und Weiterbildung,die sich infolge der aktuellen Krise auf dem Medienmarkt,der Kürzungen öffentlicher Fördermittel, der konzeptionellenMängel der Medienpolitik und der isolierten curricularen Ent-scheidungen in Bildungsinstitutionen und Hochschulen ergeben“.Überbetriebliche Aus- und Weiterbildung war damals in existenzielleBedrängnis geraten – durch mangelnde Teilnehmerzahlenund Kürzung von Zuschüssen. Das Volontariat erlitt nichtnur qualitative Rückschritte, redaktionelle Ausbildungsplätzewurden auch erheblich reduziert und Absolventen mehrheitlichin die journalistische Freiberuflichkeit entlassen. Und an denHochschulen stagnierten die grundständigen, Theorie und Praxissystematisch integrierenden Ausbildungsmodelle, während sichneue Studiengänge mehr und mehr auf journalistische Teilgebietekonzentrierten und dabei die Grenzen zwischen Journalismusund PR/Werbung/Marketing oder Medienwirtschaft/Managementdurchaus verwischten.Veränderte Rahmenbedingungen –konstante AusbildungsstrukturLässt man nun die jüngste Dekade Revue passieren, so hat sich– abgesehen von der eher zögerlichen Aufnahme digitaler, crossmedialerInhalte – bis heute an dieser Grundstruktur und Entwicklungder Journalistenausbildung nicht viel verändert (was zuder voreiligen Prognose verführen könnte, dass auch in den nächsten zehnJahren allzu viel beim Alten bleibt):• Journalistenausbildung hat sich weiterentwickelt als bunterWildwuchs aus qualitativ unterschiedlichsten, nicht koordi-FPC13 das magazin


81nierten Zugangswegen, auf denen der Nachwuchs leichtdie Orientierung verliert.• Das Volontariat behauptet sich trotz vieler Defizite als Haupteingangund Nadelöhr zugleich und bleibt mehr praxisfixierteAnlernzeit denn systematische Ausbildung.• Die Hochschulen bauten ihre Angebote weiter aus: Mehr alshundert Studiengänge treten inzwischen mit dem Anspruch auf,im weitesten Sinne (auch) für Journalismus zu qualifizieren.Hier haben allenfalls der Bologna-Prozess mit seiner Studienreform(zur Schaffung von international akzeptierten Abschlüssen,zur Verbesserung der Qualität von Studienangeboten undzur Vermittlung von mehr Beschäftigungsfähigkeit, Anm.d. Redaktion) und die Kommerzialisierung von Hochschulenbzw. Akademien für neue Akzente gesorgt.• Die Zahl der Journalistenschulen wurde durch entsprechendesEngagement weiterer Verlage gering vergrößert (die meistenMedienkonzerne betätigen sich schon seit langem im Ausbil-dungsgeschäft), während es für unternehmensunabhängigeInstitute wirtschaftlich immer schwieriger wird.• Weiterbildung kommt im Zuge von redaktioneller Personalknappheitbzw. wegen des hohen Aufwands für Freietrotz ausreichender Angebote viel zu kurz.Insgesamt eine bemerkenswerte Entwicklungskonstanz also.Obwohl während der jüngsten zehn Jahre in der Medienbrancheansonsten kein Stein mehr auf dem anderen geblieben zu seinscheint, wie einige wenige Stichworte skizzieren:• Digitalisierung des gesamten Medienmarktes (Produktionund Verbreitungswege);• geändertes Nutzerverhalten zugunsten von Internet, SocialMedia und Apps, weitere Rückgänge vor allem der Zeitungsabonnements;• zwei Wirtschafts- und Finanzkrisen mit drastischen Folgenfür Werbeeinnahmen, redaktionelle Ausstattung und Medienvielfalt;Journalistenausbildung Zahlen und Fakten*Journalistischer ArbeitsmarktCa. 72.500 hauptberufliche(!) Journalistinnen/Journalistenin Deutschland, davon• 43.500 im festen Anstellungsverhältnis,• 26.000 Freiberufler (steigende Tendenz),• 3.000 Volontärinnen/Volontäre; zudem• 4.700 arbeitslos gemeldeteJournalistinnen/Journalisten.TrendsDer Beruf wird• akademischer (90 Prozent Studienerfahrung, 70 Prozent Studienabschluss);• weiblicher: 57 Prozent des Nachwuchses, in einigen Schulenschon 75 Prozent sind Frauen (dieses Verhältnis ändert sich imLaufe der Berufsjahre drastisch);• schwieriger zu erreichen: Studium, Journalistenschule,freie Mitarbeit und Volontariat als Drei-und Vierfachqualifikationen,Auslandsaufenthalte und Fremdsprachen als selbstverständlicheZugaben.AusbildungswegeEs gibt nach wie vor keine bindenden Ausbildungswege. Zugangüber Studium und/oder Journalistenschule, freie Mitarbeit und Volontariat.Zweijähriges Volontariat als Hauptzugangsweg und Nadelöhr desJournalismus. 85 Prozent der Volontärinnen/Volontäre haben vorherteilweise jahrelang als freie Mitarbeiter/innen gearbeitet.Journalistenschulen als älteste Form der systematischen Ausbildung(Modell: die Deutsche Journalistenschule in München); 10 von 24Schulen sind unternehmensgebunden (z. B. Gruner + Jahr, Springer,Bauer, Burda, RTL, WAZ), der Rest ist zur Hälfte kommerzialisiert(Schulgeld) und zur anderen Hälfte in pluraler, nichtkommerzieller Trägerschaftvon Vereinen (wie DJS).Hochschulen3.700 Erstsemester, 2.600 Absolventen pro Jahr mit journalismusaffinenAbschlüssen. 120 Studiengänge (plus Varianten) in journalismusnahenBereichen, davon• fünf grundständige journalistische Ausbildungsstudiengängemit integriertem Volontariat („Dortmunder Modell“),• 48 Studiengänge mit journalistischen Fachschwerpunkten(z. B. Wirtschaft und Management, Radio oder TV, Mode- oder Kulturjournalismus),• 36 Studiengänge mit wissenschaftlich-theoretischer Ausbildungin Publizistik und Kommunikationswissenschaft(nicht unmittelbar berufsvorbereitend),• 14 mit künstlerischen Schwerpunkten (Film- und Fotohochschulen),• 11 crossmediale Studiengänge.Trends bei den Hochschulen:• Die kommerziellen, privaten Fachhochschulen und Akademiennehmen zu (kostenpflichtig, Hamburg Media School z. B. 12.500 Europro Studienjahr),• Verschulung infolge Bologna-Prozess,• zu wenige Möglichkeiten für anschließende Master-Studiengänge(ohne Ortswechsel).WeiterbildungDrei Dutzend Bildungsinstitute speziell für Journalistinnen/Journalisten,zudem 13 Studiengänge mit berufsbegleitender Qualifizierung.Keine systematische Weiterbildungskultur in den Medienunternehmen(Ausnahme öffentlich-rechtlicher Rundfunk).* Da eine amtliche Pressestatistik fehlt, handelt es sich bei den folgendenZahlen um qualifizierte Schätzzahlen, erhoben von Berufsverbändenund Branchen-Institutionen


82 Ausblick • bröckelnde Geschäftsmodelle vor allem bei der Presse,die online noch nicht ausgeglichen werden können unddie Frage aufwerfen, wie Qualitätsjournalismus künftigfinanziert werden kann;• sukzessive Entwertung des professionellen Journalismus(Tarifflucht, Outsourcing, Leiharbeit, Entlassungen undHonorardumping).Veränderte Rahmenbedingungen – konstante Ausbildungsstruktur?Das erscheint auf Dauer wenig tragfähig. Zumal die Ansprüchean Journalistinnen und Journalisten nicht geringer werden,sondern im Gegenteil steigen. Schließlich sind Journalisten ineinem komplexen gesellschaftlichen Umfeld tätig, das sie analysieren,erklären und kontrollieren sollen. Und wer professionellfür Information und Orientierung sorgen soll, muss selbst fachlichhinreichend informiert und orientiert sein – ein Auftrag gerade anAus- und Weiterbildung.LinksDJV-Memorandum 2003:http://www.initiative-qualitaet.de/fileadmin/IQ/Qualitaet/Sicherung/memorandum.pdfDJV-Memorandum 2012:http://www.initiative-qualitaet.de/fileadmin/IQ/Qualitaet/Sicherung/memorandum-online-2.pdfWas fehlt, ist SystematisierungWenn wir eine Prognose wagen, dann zumindest die, dass sich diejournalistische Aus- und Weiterbildung strukturell und inhaltlichdeutlich systematisieren muss, wenn sie in zehn Jahren nochkompetent auf die folgenden 30, 40 Jahre eines Berufslebensvorbereiten will. Dieses Berufsleben wird nicht mehr stringentauf einem gesicherten Redakteursplatz bei Rundfunk, Presse oderAgentur verlaufen. Ein häufiger Wechsel zwischen angestelltemund freiberuflichem Status, zwischen den Medien sowie zwischenunterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten, Produktionstechnikenund Projekten ist sehr wahrscheinlich. Und auch das journalistischeHandwerkszeug verändert sich. Crossmedialität gehört bereitszum Standard. Auf dieser Basis wird von Journalistinnen und Journalistenkünftig noch mehr Wachsamkeit, Neugier, Kreativitätund Mut gefordert, um neue journalistische Möglichkeiten undArbeitsformen zu erkunden und für die eigene Arbeit (vor allem inder Selbstständigkeit) zu nutzen.Darauf muss Aus- und Weiterbildung eher generell vorbereiten.Die Entscheidung über curriculare Konzepte und Lernziele imEinzelnen erweist sich allerdings als äußerst schwierig – eben weilkeine/r voraussagen kann, wie sich die gesamte Medienlandschaftin den nächsten Jahrzehnten verändert (wer hat vor 30, 40 Jahrendas Web 2.0 prognostiziert oder journalistische Apps für Smartphonesvorhersehen können?). Daher kommt es in der Ausbildungvor allem auf die systematische Vermittlung journalistischer Kernkompetenzen(Fachwissen, Handwerk/Recherche, Vermittlungsfähigkeit,journalistische Ethik) an, die dann professionell undflexibel auf verschiedenen Verbreitungswegen eingesetzt werdenkönnen. Darauf ist systematisch Weiterbildung aufzubauen.Wege aus der KriseUnd genau daran hapert es. Das hat der DJV jüngst mit der Fortschreibungseines Memorandums in wesentlichen Kritikpunktenfestgehalten, die trotz einzelner kreativer Ansätze und Modelleden Gesamtrahmen der Journalistenausbildung prägen. Da derSchwerpunkt des aktuellen Memorandums auf den „Wegen ausder Krise“ liegt, widmet sich ein großes Kapitel den Perspektiven.Und deren Umsetzung dürfte als Programm für die nächsten zehnJahre durchaus ausreichen (zumal Insider wissen, dass – bezogen aufdie innere Struktur der Medienbranche – der Fortschritt als Schneckedaherkriecht…):• Generelles Ziel ist die Systematisierung der Aus- und Weiterbildung,und zwar durch ein Aufeinanderabstimmen der Angebotsebenen,durch mehr Transparenz, Kooperation undKoordination aller Bildungsträger, durch anerkannte Qualitätsstandards,durch regelmäßige Qualitätsprüfung (z. B. in freiwilligenZertifizierungsverfahren).• Beim Volontariat gehören die inhaltliche und die formaleAusgestaltung auf den Prüfstand, sowohl unter dem Aspektder Erfüllung von Ausbildungsplänen/Tarifverträgen als auchunter dem Aspekt der veränderten Zugangsvoraussetzungender Volontäre (langjährige freie Mitarbeit, Praktika, abgeschlossenesStudium).• Die überbetrieblichen Bildungsträger sind zur besseren Koordinationihrer Angebote aufgefordert; überbetriebliche Ausbildungim Volontariat sollte sich auf zertifizierte Institutekonzentrieren; notwendig sind zudem Konzepte für die Ausbildungder Ausbilder in den Redaktionen und ein größeresfinanzielles Engagement aus privater und öffentlicher Hand.• Auch die Hochschulen sollten stärker kooperieren, auf dassnicht allerorten Journalismus als Studiengang quasi „neuerfunden“ wird; breite Vermittlung journalistischer Schlüsselqualifikationenin Theorie und Praxis ist auch in den sogenanntenNischenstudiengängen ein Muss, und generell hat beider Planung neuer Angebote das Interesse der Studierendenim Vordergrund zu stehen und weniger das Hochschulmarketingmit seinen Exklusivitätsansprüchen.• Die systematische Weiterbildung von Redakteuren und Freienmuss von den Medienunternehmen als selbstverständlicherBestandteil der Unternehmenskultur und Personalplanungfestgeschrieben werden; zudem ist der Wissenstransfer zwischenWissenschaft/Forschung und Praxis auszubauen.Dies sind weitgehend unerfüllte Ansprüche an die künftigenRahmenbedingungen der Journalistenausbildung. Und es sindnicht die einzigen.Also bleibt viel zu tun in den nächsten zehn Jahren, und manchmalerscheint es, als sei die Branche Anfang der 1970er schoneinmal weiter gewesen in der konzeptionellen Planung. Damalsarbeiteten Praktiker, Wissenschaftler und Verleger gemeinsam amModell einer zukunftweisenden Journalistenausbildung. Sie hieltenals Ergebnis ein Journalistik-Studium mit integriertem Volonta-FPC13 das magazin


83riat und zweitem Fachgebiet fest, das dann zunächst in Dortmundeingeführt wurde. Sechs entsprechende Studiengänge sollte es nachden Vorstellungen des Deutschen Presserates (der sich damals inzwei Memoranden mit Kritik und Perspektiven der Journalistenausbildungzu Wort meldete) in der Bundesrepublik geben.Bunte Vielfalt – kein Wert an sichInzwischen ist diese Generaldebatte verstummt. JournalistischeAus- und Weiterbildung hat kaum Lobby. Obwohl sie im öffentlichenInteresse stehen müsste (schließlich geht es um die Qualifikationjener, die professionell für die Allgemeinheit wesentlicheGrundrechte und öffentliche Aufgaben wahrnehmen). Aber wer –außer Gewerkschaftern und einzelnen Wissenschaftlern bzw.Bildungsträgern – mag noch deutlich und über Sonntagsredenhinaus für bessere Ausbildungsbedingungen und -standards streiten?Anbieter wie Nutzer scheinen sich im undurchsichtigen Ausbildungsmarktgut eingerichtet zu haben und die bunte Vielfalt vonAngeboten bereits für einen Wert an sich zu halten: Viele Wegeführen zum Ziel, jedes Fachinteresse wird bedient, und die Medienunternehmenkönnen sich aus einer großen Bandbreite ihren (akademischvorgebildeten) Nachwuchs auswählen. Dessen Nachfrage nachjournalistischen Ausbildungsplätzen bleibt nahezu ungebrochen,und wer einen Platz erwischt, schätzt sich zunächst mal einfachnur glücklich und übergeht so manche Unzulänglichkeit.Doch es knistert im Gebälk. Erste Medienunternehmen klagenüber Mangel an geeigneten Bewerbern. Dem Nachwuchs erscheintdie PR inzwischen als akzeptable Berufsalternative, nachdem sichdie Rahmen- und Arbeitsbedingungen im Journalismus spürbarverschlechtert haben. Die rege Ausbildungstätigkeit vor alleman Hochschulen reicht weit über den Bedarf des schrumpfendenArbeitsmarktes hinaus, und die Konkurrenz unter den Freien wirdimmer größer.Höchste Zeit also, die journalistische Aus- und Weiterbildungwieder zum Thema zu machen. Wenn es um ihre Zukunft geht,gehören Journalisten, Bildungsträger, Wissenschaftler und Medienunternehmeran einen Tisch. Problembeschreibungen, Modelleund Anregungen gibt es genug. Ebenso gewichtige Gründe, geradein Zeiten der medialen Umbrüche die Qualität der Ausbildungzu steigern. Professionalität und Qualität entscheiden nicht nurüber individuelle Berufschancen, sondern auch über langfristigeChancen ganzer Mediengattungen. Diese Prognose ist ganz undgar nicht schwierig. Obwohl sie die Zukunft betrifft.UlrikeKaiserStellvertretende Bundesvorsitzende des DJV,Sprecherin der Arbeitsgruppe Bildung und Qualitätsowie Sprecherin der Initiative Qualitätinfo@ulrike-kaiser.de


84 Unser Partner stellt sich vorDerFPCundseinekorporativenMitgliederWas wäre der FrankfurterPresseClubohne seine korporativenMitglieder? Nichtzuletzt ihr Engagementermöglicht einlebendiges Clublebenund spannende Veranstaltungen.Ab dieserAusgabe erhaltenkorporative MitgliederGelegenheit, sich ausgegebenem Anlassausführlicher vorzustellen.Den Anfangmacht die InfraservGmbH & Co. HöchstKG, die in diesemJahr das 150-jährigeBestehen des HöchsterIndustrieparksfeiert.Von denFarbwerken zumIndustrieparkHöchstFPC13 das magazin150 Jahre Chemie inHöchst – Die Geschichtedes Industrieparks


85Im Jahr 1863 wurde in Höchst am Main die „TheerfarbenfabrikMeister, Lucius & Co.“ gegründet. Zunächst handelte es sich umein reines Familienunternehmen: Inhaber waren der Chemiker Dr.Eugen Lucius und der Kaufmann Carl Friedrich Wilhelm Meister,der Schwager von Lucius’ Ehefrau. Dritter Teilhaber war LudwigAugust Müller, der Onkel der Ehefrauen von Meister und Lucius.Als technischer Direktor trat der Chemiker Adolf Brüning in diejunge Firma ein. Er übernahm 1865 nach dem Ausscheiden vonLudwig August Müller dessen Firmenanteile und gilt daher auchals einer der „Gründer“ der Fabrik.Erstes Produkt des Unternehmens waren synthetische Farbstoffe.Seit 1856 war es möglich, aus Steinkohleteer und dem darausgewonnenen Anilinöl, den Abfallprodukten der Steinkohle, synthetische„Theerfarben“ herzustellen. In den ersten beiden Jahrenschrieb das Unternehmen noch rote Zahlen, ehe die Gewinnedie erheblichen Anfangsinvestitionen überstiegen. Die kleineTheerfarbenfabrik, in der 1863 fünf Arbeiter, ein Chemiker undein Kontorist die Arbeit aufgenommen hatten, wuchs nun rasch.Warum Höchst?Warum wählten die Farbwerksgründer Höchst als Unternehmenssitzaus? In der industriefeindlich geprägten Atmosphäre der StadtFrankfurt ließ sich eine chemische Fabrik nicht ohne Weiteresetablieren, doch die unmittelbare Nähe zu dem damals schonbedeutenden Handels- und Finanzplatz war vorteilhaft. Ein wesentlicherGrund dürfte auch die hervorragende Lage von Höchstgewesen sein. Die Stadt lag an der Straße von Frankfurt nachMainz, der Main war Verkehrsweg für den An- und Abtransportzahlreicher Produkte und lieferte auch das zum Betrieb der Fabrikso wichtige Wasser. Außerdem verfügte Höchst über einen Eisenbahnanschluss.All diese Standortvorteile, später ergänzt durch denFlughafen, haben bis heute ihre Gültigkeit behalten.Erfolge in der ganzen WeltBis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts war das Unternehmeneine reine Farbenfabrik. Das Sortiment an synthetischen Farbstoffenwurde stetig erweitert, und einzelne Vorprodukte, die man inFotos: InfraservDie Unternehmensgründer: Eugen Lucius, Adolf Brüning und Carl Friedrich Wilhelm Meister (von links). Die kleine Theerfarbenfabrik wuchs schnellund hatte sich bereits bis 1888 zu einem beachtlichen Industriestandort entwickelt (oben rechts). Das „Antipyrin“ gehörte zu den ersten Arzneimitteln der Farbwerke.Das Unternehmen gewann unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Nobelpreisträgern wie Paul Ehrlich (unten rechts) stark an Bedeutung1869 begann die Verlegung des Produktionsstandortes, der bisdahin unmittelbar an der Höchster Stadtmauer gelegen hatte, etwaeinen Kilometer in westliche Richtung – dort befindet sich heutein etwa das Tor Ost des Industrieparks. 1874 war die Verlegungder Fabrik abgeschlossen. Der neue Standort bot genügend Raumfür die weitere Ausdehnung des Industriestandortes Höchst.den ersten Jahren noch zugekauft hatte, wurden bald selbst hergestellt.So begann 1881 die Produktion von anorganischen Säuren imWerk Höchst. 1883 wurden als neue Endprodukte auch Arzneimittelausgeboten. Schon eines der ersten, das „Antipyrin“ gegen Fieberund grippale Infekte, war ein großer Erfolg und begründete weltweitden hervorragenden Ruf der Arzneimittel aus Höchst.


86 Unser Partner stellt sich vorAus der Farbenfabrik war ein Chemieunternehmen geworden.Bereits 1880 erfolgte die Umwandlung der Offenen Handelsgesellschaftunter dem Namen „Farbwerke vorm. Meister Lucius &Brüning“ in eine Aktiengesellschaft, deren Aktien ab 1888 auchan der Börse gehandelt wurden. Dabei behielten die Gründer undihre Familien zunächst die Kapitalmehrheit.„Apotheke der Welt“Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Deutschland als die Apothekeder Welt. Höchst erlangte im Bereich der Pharmazeutika durchdie Zusammenarbeit mit den Nobelpreisträgern Robert Koch,Emil von Behring und Paul Ehrlich besondere Bedeutung. Esgelang weltweit erstmals, ein Hormon zu synthetisieren, und mitdem Salvarsan von Paul Ehrlich, dem weltweit ersten Heilmittelgegen die Syphilis, begann die moderne Chemotherapie.Mittlerweile hatte Hoechst eigene Produktionsstätten in Russland,Frankreich und England, und auch in Deutschland warenzusätzliche Werke entstanden. Das fünfzigjährige Firmenjubiläumder „Farbwerke, vorm. Meister Lucius & Brüning“ in Höchstam Main im Jahre 1913 ließ das Unternehmen auf eine stolzeEntwicklung zurückblicken. Der Umsatz lag bei über 100 MillionenMark, allein im Stammwerk waren rund 9.000 Mitarbeiterbeschäftigt.Industriebauten dieser Zeit in Deutschland. Trotz dieser positivenEntwicklung wurde ein noch engerer Zusammenschluss der deutschenchemischen Industrie vollzogen. 1925 schloss sich die Interessengemeinschaftvon 1916 zu dem neuen Unternehmen der I.G.Farbenindustrie AG mit Sitz in Frankfurt am Main zusammen.Die in allen Gründungsunternehmen spürbaren Umsatzrückgängeführten auch unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise ab 1929zu Produktionszusammenlegungen, harten Rationalisierungen underheblichem Abbau der Belegschaften in den einzelnen Werken.Zwangsarbeiter in HöchstNach 1933 wurde der Betriebsalltag zunehmend durch die neuenMachthaber mitbestimmt. Die Werksleitung und führende Managersympathisierten offen mit dem Naziregime. Bis 1938 wurdenalle als jüdisch geltenden Mitarbeiter aus dem Unternehmenentlassen. Die wirtschaftliche Vorbereitung des Zweiten Weltkriegesund die anschließende Kriegswirtschaft prägten auch dieI.G. und ihre Werke. Wie in der gesamten Industrie kam es durchKrieg und KrisenDoch mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges musste ein großerTeil der Belegschaft an die Front. Der exportorientierte Farbstoffmarktbrach zusammen, und auf Weisung des Kriegsministeriumshielt die Waffenproduktion Einzug in die Fabriken der chemischenIndustrie. Im Werk Höchst entstanden für die Herstellung vonSprengstoffen die großen Anlagen zur Produktion von Salpeter,Salpetersäure und Ammonnitrat, die über Jahrzehnte das Bild imNordwesten des Standortes prägten.1916 verbanden sich die großen Gruppierungen der chemischenIndustrie, Hoechst-Cassella-Kalle und BASF-Bayer-Agfa, mitGriesheim und Weiler-ter Meer zu einer Interessengemeinschaft inForm eines Kartells. In dieser Interessengemeinschaft blieben dieeinzelnen Firmen zwar juristisch selbstständig, doch wurden wichtigeEntscheidungen gemeinsam getroffen. Hintergrund waren dieAuswirkungen des Krieges: Patente, Warenzeichen und Fabrikenin den Staaten, die gegen das Deutsche Reich im Krieg standen,waren enteignet worden. In diesen Staaten entstanden eigeneFarbstoff- und Arzneimittelindustrien, um den Lieferausfall ausDeutschland auszugleichen, und es war klar, dass diese Konkurrenzauch nach dem Ende des Krieges weiterbestehen würde.Nach Kriegsende konnten in Höchst trotz schwieriger Rahmenbedingungennoch beachtliche Erfolge verzeichnet werden.Auf der Basis der Salpetersäure wurde eine breite Düngemittelproduktionaufgebaut, die ersten Pflanzenschutzmittel wurdenausgeboten, und im Arzneimittelbereich wurde das Novalgin ausden Vorläufern Antipyrin und Pyramidon entwickelt. Für das vonkanadischen Forschern gefundene Insulin erhielten die Farbwerkein Höchst wegen der langjährigen eigenen Forschungsleistungenauf diesem Gebiet die erste Lizenz in Deutschland. Peter Behrenserrichtete das Technische Verwaltungsgebäude mit dem späterenFirmenzeichen „Turm und Brücke“, einen der bedeutendstenDer Trimodalport, die moderne Hafenanlage des Industrieparks Höchst, ermöglichteine optimale Vernetzung der Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraßeden Mangel an Arbeitskräften zum Einsatz von Kriegsgefangenen,Fremd- und Zwangsarbeitern aus zahlreichen Ländern Europas.Mehr als 8.500 von ihnen arbeiteten unter sehr harten Bedingungenim Werk Höchst.In Höchst gab es nur wenige kriegswichtige Produktionen, weshalbWerk und Stadt auch kaum bombardiert wurden. AußerdemFPC13 das magazin


87hatten die Amerikaner frühzeitig das Werk Höchst, die Zentraleder I.G. Farbenindustrie in Frankfurt am Main und die zugehörigenWohngebiete als Nachkriegsbasis für ihre Verwaltung ausersehen.Ein neues UnternehmenNach der Auflösungsverfügung der I.G. Farbenindustrie AG durchdie Alliierten 1945 stand das Werk Höchst von 1945 bis 1953unter amerikanischer Kontrolle. Am 7. Dezember 1951 kam eszur Neugründung der „Farbwerke Hoechst AG vormals MeisterLucius & Brüning“, der späteren, bis 1999 bestehenden „HoechstAktiengesellschaft“. Die fünf Gründer, unabhängige und unbelastetePersönlichkeiten aus dem deutschen Wirtschaftsleben, wurdenvon der „Alliierten Hohen Kommission“, der Nachfolgerin deralliierten Militärregierung, in Abstimmung mit der Bundesregierungbestellt. Es dauerte noch bis 1953, bis die spätere HoechstAG nach der Entlassung aus der alliierten Kontrolle als eigenständigesUnternehmen auftreten konnte.Penicillin-Anlage am Standort Höchst, die in der Lage war, dengesamten deutschen Markt zu versorgen. Neue Arbeitsgebietewurden betreten. Das Acetylen wurde vom Ethylen als Rohstoffbasisabgelöst, es begann die Ära der Petrochemie, der Kunststoffe,Folien und Fasern. Die Entwicklung der Kunststoffe zu hochwertigenWerkstoffen mit neuen Eigenschaften eröffnete ungeahntePerspektiven. Im Faserbereich entwickelte sich „Trevira“ zu einemhochwertigen Markennamen, die zahlreichen „Hosta“-Produktekennzeichneten eine breite Palette hochwertiger Werkstoffe undRohmaterialien für Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs.Das Unternehmen wuchs auch durch andere Werke und Beteiligungenin Deutschland. Zum Wachstum im Inland gesellte sichab den sechziger Jahren ein erheblich verstärktes Engagement aufden wichtigsten Märkten der Welt.1974 gaben sich die „Farbwerke Hoechst AG vormals MeisterLucius & Brüning“ den neuen Namen „Hoechst Aktiengesellschaft“.Aus der Neugründung von 1951 war ein weltweit agierenderKonzern geworden. Zu Beginn der siebziger Jahre wurde dasDie Standortbetreibergesellschaft Infraserv Höchst ist für die technisch komplexe Infrastruktur des Industrieparks verantwortlich.Unter anderem betreibt Infraserv Höchst die KlärschlammverbrennungsanlageStürmisches Wachstum kennzeichnete die fünfziger und sechzigerJahre. Unter dem neuen, zwischen 1947 und 1951 gestaltetenFirmenzeichen „Turm und Brücke“ positionierte sich dasUnternehmen zunächst wieder auf dem deutschen Markt, baldaber auch unter den bedeutendsten Chemieunternehmen der Welt.Diese Entwicklung begann bereits 1950 mit der Einweihung derUnternehmen auch in seiner Organisationsstruktur den Erfordernissendes Weltmarktes angepasst. Die Neuordnung in Geschäftsbereicheund Ressorts gab diesen eine größere Beweglichkeit unddamit die Chance, schneller auf die Anforderungen der Märktezu reagieren. Die 70er Jahre waren geprägt von der Ölkrise miterheblichen Auswirkungen auf den Faserbereich, und auch die


88 Unser Partner stellt sich vorerste Hälfte des folgenden Jahrzehnts war von konjunkturellenRückschlägen und Absatzproblemen gekennzeichnet. ErstEnde der achtziger Jahre stellte sich der Unternehmenserfolgauch wieder in guten Umsatz- und Gewinnziffern dar.Von der Hoechst AG zum Industriepark HöchstDoch die sich rasch verändernden Rahmenbedingungen undimmer kürzer werdende Innovationszyklen bei gleichzeitiglangen Entwicklungszeiten für neue Produkte stellten dieschwerfälligen Organisationen des weltweit tätigen Großunternehmensvor enorme Herausforderungen. Mit dem „Aufbruch’94“ begann 1994 die umfassendste Neuordnung der HoechstAG in ihrer langen Geschichte. Jürgen Dormann, seit April1994 Vorsitzender des Vorstands der Hoechst AG, hatte beiseinem Amtsantritt klare Vorgaben formuliert: Konzentrationauf die Kernarbeitsgebiete Pharma, Agrochemie und IndustrielleChemie, Stärkung der Position in den wichtigsten Märktenund Wachstumsregionen in Nordamerika, Europa und Asiensowie Ausstieg aus den Arbeitsgebieten, in denen Hoechstnicht zu den führenden Anbietern weltweit gehört. Es folgtenVerkäufe von Beteiligungsgesellschaften und Arbeitsgebietensowie Zukäufe, Joint Ventures und strategische Allianzen inden Kernbereichen. Den Abschluss bildeten die Abspaltungdes verbliebenen Chemiegeschäftes in der Celanese AG in Formeines Demerger und zugleich die Fusion von Hoechst mitRhône-Poulenc zur Aventis, die später mit der französischenPharma-Unternehmensgruppe Sanofi-Synthelabo fusionierteund seit 2011 als Sanofi firmiert.Ein Standortmit Geschichteund ZukunftDer Industriepark Höchst ist einwesentlicher Impulsgeber für dieWirtschaftsregion Rhein-MainInfraserv Höchst geht an den StartVon 1994 bis 1997 hatte sich Hoechst zunächst von einem zentralisiertenKonzern in eine Strategische Management-Holdingverwandelt, in der die Konzerngesellschaften, Beteiligungenund Joint-Ventures nun selbstständig agieren konnten.Aus dem Stammwerk der Hoechst AG wurde von 1995 bis1997 der Industriepark Höchst. Elementarer Bestandteil diesesKonzeptes war am Standort Höchst die Bildung einer Standortbetreibergesellschaft,welche die hier ansässigen Geschäftsbereicheund neuen Unternehmen mit Strom, Wasser und Dampfversorgt, Entsorgungsleistungen erbringt und sich um dasgesamte Industrieparkmanagement inklusive seiner Flächen,Straßen und Gebäude sowie um die Sicherheit kümmert. Außerdemsind Umweltschutz- und Gesundheitsleistungen für dieUnternehmen am Standort sehr wichtig. Zu Jahresbeginn 1998ging das Unternehmen Infraserv GmbH & Co. Höchst KG alsBetreiber des Industrieparks Höchst an den Start.Waren es am Anfang fast 40 Firmen, die Mitte der 90erJahre aus der Umstrukturierung des Hoechst-Konzerns hervorgingenund im Industriepark Höchst ansässig waren, so sindes heute schon mehr als 90 Unternehmen mit mehr als 22.000Beschäftigten. Die positive Entwicklung des IndustrieparksHöchst setzt somit die lange Erfolgsgeschichte des Standortesfort.Mit 4,6 Quadratkilometern Fläche ist der Industriepark Höchsteiner der größten Standorte der chemischen und pharmazeutischenIndustrie in Europa. Mehr als 90 Unternehmen, rund 22.000Menschen, die hier arbeiten, 120 Produktionsanlagen, über 800Gebäude, 56 Kilometer internes Schienennetz – das sind beeindruckendeZahlen. Das von Infraserv Höchst betriebene Areal ist einwichtiger Impulsgeber für die Wirtschaftsregion Frankfurt/Rhein-Main und gilt als Erfolgsmodell. Jahr für Jahr siedeln sich hierneue Betriebe und Unternehmen an. Es ist ein Standort mit einerlangen Tradition, aber vor allem auch ein Standort mit Zukunft.Seine lange Erfolgsgeschichte wird kontinuierlich um neue Kapitelergänzt – geschrieben von den Unternehmen, die im IndustrieparkHöchst ansässig sind und gemeinsam für dessen dynamischeWeiterentwicklung sorgen.FPC13 das magazin


89Investitionen, die Zukunft sichernAllein im vergangenen Jahr haben die Standortgesellschaften rund310 Millionen Euro im Industriepark investiert. Die Summe derseit dem Jahr 2000 getätigten Investitionen beläuft sich nunmehrauf rund 5,5 Milliarden Euro – ein klarer Beleg für die Dynamikund die Zukunftsfähigkeit des Standortes. Derzeit errichtet derSpezialchemikalienhersteller Clariant ein neues Innovationszentrum,die Firmen Bayer CropScience, Kuraray und Grillo haben dieProduktionskapazitäten ausgebaut, und AkzoNobel investiert indie neue Membran-Elektrolyse-Technologie. Nicht zuletzt sorgendie Investitionen des Pharmaunternehmens Sanofi, des größtenUnternehmens im Industriepark, wieder für ein beachtliches Gesamtvolumen.Auch Celanese gehört zu den großen Standortgesellschaften undinvestiert kontinuierlich in Forschungs- und Produktionsaktivitäten.Gerade begonnen hat der Bau einer Kohlendioxid-Produktionsanlage,die von der Westfalen AG errichtet wird.der Industriepark nahezu energieautark – trotz des beachtlichenEnergiebedarfs von rund 1.800 Gigawattstunden Strom und etwa2.850 Gigawattstunden Wärme pro Jahr. Dieser Bedarf entsprichtdem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 600.000 Haushaltenin Bezug auf Strom sowie von 140.000 Einfamilienhäusern inBezug auf Wärme. Wobei durch innovative Methoden etwa einFünftel des Wärmebedarfs des Industrieparks durch die konsequenteNutzung der Abwärme aus Produktions- und Verbrennungsanlagengedeckt werden kann. Auf diese Weise werdender Verbrauch an fossilen Brennstoffen und die CO 2 -Emissionendeutlich reduziert.Den Nachwuchs im BlickAuch für die junge Generation ist der Standort wichtig: Jahr fürJahr werden mehr als 400 Ausbildungsplätze besetzt, aktuellerhalten mehr als 1.200 junge Menschen mit einer qualifiziertenAusbildung auch eine ausgezeichnete Grundlage für ihre beruf-Der Industriepark Höchst entwickelte sich vom Bereich des heutigen Tores Ost aus rasch in Richtung Westen. Der Standort ist insgesamt 4,6 Quadratkilometer groß.Hier gibt es 800 Gebäude und 120 ProduktionsanlagenViele ErfolgsfaktorenDie zentrale Lage im Herzen Europas, die optimalen Anbindungenan das Fernstraßennetz und das Schienennetz der Deutschen Bahn,die moderne Hafenanlage mit der Möglichkeit, Produkte undRohstoffe per Schiff zu transportieren, und nicht zuletzt die Nähezum Frankfurter Flughafen gehören zu den logistischen Vorzügendes Standortes. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die technisch anspruchsvolleInfrastruktur, die unter anderem hocheffiziente Energieversorgungsanlagenvorsieht. Ein Heizkraftwerk mit modernenGasturbinenanlagen, das in Kraft-Wärme-Kopplung betriebenwird, versorgt den Standort mit Strom und Dampf. Insgesamt istliche und persönliche Entwicklung. An der Provadis School ofInternational Management and Technology studieren derzeit mehrals 700 Männer und Frauen berufs- und ausbildungsbegleitend.All diese Faktoren machen den Industriepark Höchst zu einemüberaus attraktiven Areal für Produktion, Forschung und Entwicklung.In der Wirtschaftsregion Rhein-Main, die oftmals primärals Banken- und Dienstleistungsmetropole wahrgenommen wird,ist der Industriepark der wichtigste Standort für das verarbeitendeGewerbe – und nicht zuletzt der größte Gewerbesteuerzahler derStadt.


90 Unser Partner stellt sich vor„Innovationskraftund Infrastruktur alsStandort-Stärken“Jürgen Vormann, Geschäftsführerder Industriepark-BetreibergesellschaftInfraserv Höchst,zur Zukunft des StandortesJürgen Vormannist Vorsitzender der Geschäftsführungder Infraserv GmbHHerr Vormann, was verbinden Sie mit dem Jubiläum 150 JahreIndustriepark Höchst?Jürgen Vormann: Das Jubiläum macht deutlich, welch beeindruckendeTradition die heute am Standort tätigen Unternehmen fortsetzen.Darauf kann man sehr stolz sein, gerade auch mit Blick aufdie vielen Innovationen und Errungenschaften der Vergangenheit,beispielsweise bei der Entwicklung von Farbstoffen und Medikamenten,aber auch im Bereich von Kunststoffen oder Pflanzenschutzmitteln.Das Jubiläum des Standortes, der so wichtig für dieRegion und die Menschen hier ist, sehe ich auch als eine Verpflichtung,die Weiterentwicklung des Standortes voranzutreiben, auchangesichts schwieriger Rahmenbedingungen.Welche Rahmenbedingungen sprechen Sie an?Jürgen Vormann: Der internationale Wettbewerb bringt Herausforderungenmit sich für Industriestandorte und produzierendeUnternehmen in Deutschland. Diesen Herausforderungen müssenwir uns stellen, was mitunter durch Entwicklungen auf nationalerEbene, beispielsweise regulatorische Vorgaben im Energiebereich,nicht unbedingt einfacher wird. Ich sehe hierbei den IndustrieparkHöchst auf einem sehr guten Weg, da der Standort aufgrund derspeziellen Infrastruktur für Chemie- und Pharmaunternehmensehr attraktiv ist, was nicht zuletzt auch durch das konstant hoheInvestitionsniveau bestätigt wird.Wie wird sich der Industriepark Höchst in Zukunftentwickeln?Jürgen Vormann: Aus meiner Sicht ist der Standort grundsätzlichgut gerüstet, dank der Innovationskraft der Unternehmen und derausgezeichneten Infrastruktur, die wir gemeinsam mit den Firmenim Industriepark kontinuierlich weiterentwickeln. Ich rechnemit einer weiteren Konsolidierung von Industriestandorten inDeutschland, denn für kleine Industriestandorte wird es auf langeSicht immer schwieriger werden, die erforderlichen Infrastrukturenbei wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen zu erhalten. Vordem Hintergrund dieser Entwicklung nimmt der IndustrieparkHöchst eine Vorreiterrolle ein und hat gute Chancen, eine derersten Adressen für die Chemie- und Pharmaindustrie in Europazu bleiben. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen.Dazu gehört auch, dass in Frankfurt und Rhein-Main das Bewusstseinfür die Bedeutung des Verarbeitenden Gewerbes gestärkt wirdund Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen und Branchenerhalten bleiben.FPC13 das magazin


Wir gestaltenLebensräume…… als Wohnungsunternehmenfür 150.000 Mieter an 150 Standortenin Hessen… als Entwicklungsunternehmenfür Kommunen und Unternehmenin Hessen und darüber hinausUnternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/WohnstadtJens Duffner · Pressesprecher · Untermainkai 12/13 · 60311 Frankfurt am MainTel. 069 6069 -1321 · Fax 069 6069-51321 · jens.duffner@naheimst.dewww.naheimst.de>> Ideen für die ZukunftInnovative Stadt- und ProjektentwicklungMit aktuell 180 Projekten an 155 Standortenzählt die NH ProjektStadt zu den aktivstenDienstleistern in Hessen.Wir bieten Kernkompetenzen für Kommunen:>> Stadtentwicklung>> Projektentwicklung>> ConsultingNH | ProjektStadtEINE MarKE DEr uNtErNEHMENSgruPPENaSSauISCHE HEIMStättE | WoHNStaDtwww.nh-projektstadt.deMichael Schreier | Leiter StadtentwicklungTel. 069 6069 1471 | michael.schreier@nh-projektstadt.de


92 Unser Partner stellt sich vor„Menschen. Standort. Werte.“Das Jubiläumsjahr des Industrieparks ist buntim Umfeld desIndustrieparks, dieseit Generationenmit und von demStandort leben.Mit Farbstoffen begann die lange und erfolgreiche Geschichtedes Industrieparks Höchst, und auch das Jubiläumsjahr ist bunt:im Sinne von vielfältig, bezogen auf die Aktivitäten, aber auchim Hinblick auf das Leitmotiv des Jubiläumsjahres. Dass bei derdynamischen Collage mit verschiedenen Bildelementen Violettals Farbe dominiert, ist eine Reminiszenz an den blauviolettenFarbstoff Fuchsin, das erste Produkt der Fabrik, das den rasantenAufstieg des Unternehmens begründete.„Menschen“ im MittelpunktDas Jubiläumsjahr steht unter dem Motto „Menschen. Standort.Werte“. Die Geschichte des Standortes wurde und wird von Menschengeschrieben: Menschen wie den Unternehmensgründern, die1863 in den Hochzeiten der industriellen Revolution in Deutschlanddie neue Technologie zur Herstellung synthetischer Theerfarbennutzten, um eine Fabrik aus der Taufe zu heben. Menschenwie den vielen herausragenden Wissenschaftlern, die immer wiedermit zum Teil bahnbrechenden Entwicklungen für Fortschritte imBereich der Chemie und Pharmazie sorgten. Menschen wie denderzeit rund 22.000 Mitarbeitern, auf deren Engagement und Tatkraftder Erfolg des Standortes basiert. Aber auch den Menschen„Werte“ schaffen,Nutzen stiftenDer IndustrieparkHöchst verbindetTradition und Innovationin besondererWeise. Die ErrungenschaftenderHöchster Forscherund Wissenschaftlerwaren und sind fürdie Gesellschaft invielerlei Hinsicht„wertvoll“: Höchststeht für Medikamente,die Leidenlindern und Krankheitenheilen, vonden ersten fiebersenkendenArzneienbis hin zum modernenInsulin. In Höchst werden hochleistungsfähige Kunststoffeproduziert, die in vielen Anwendungen zum Einsatz kommen,oder Pflanzenschutzmittel, mit denen Ertragssteigerungen in derLandwirtschaft möglich sind und die zur Verbesserung der Ernährungssituationin aller Welt beitragen. Darüber hinaus steht derIndustriepark für Verantwortung und soziales Engagement, fürNachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit.Zahlreiche JubiläumsveranstaltungenDas Industriepark-Jubiläum ist auch ein Gemeinschaftswerk: AkzoNobel, Bayer CropScience, Celanese, Clariant, Infraserv Höchst,Sandoz, Sanofi, Siemens sowie Aqura, LyondellBasell, Eurest,Grillo, Kuraray, Maritime Tauchtechnik, Provadis und TÜV SüdChemie Service bringen sich in die Jubiläumsaktivitäten ein. Hierzugehören neben einem offiziellen Festakt, der im Mai stattfindenwird, eine Konzertveranstaltung im Rahmen des Rheingau Musik-Festivals im August, verschiedene Vortragsveranstaltungen unddie „Lange Nacht der Industrie“ am 18. Juni.Im Internet gibt es alle Informationen rund um das Jubiläumunter www.150jahre-menschen-standort-werte.de.FPC13 das magazin


93LOT LOT TO TO Hessen Hessen gratuliert gratuliert Iskandar Iskandar Widjaja Widjajazum zum LOTTO-Förderpreis LOTTO-Förderpreis 2013 2013Der Preis der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH HessenDer wird Preis jährlich der vergeben Lotterie-Treuhandgesellschaft und ist mit mbH Hessenwird jährlich vergeben und ist mit15.000 Euro dotiert.15.000 Euro dotiert.„Das Rheingau Musik Festival lebt von der„Das Vielfalt Rheingau und den Musik immer Festival neuen lebt Talenten. von derVielfalt Wir wollen und ihnen den immer den Weg neuen an Talenten.Wir die Spitze wollen erleichtern.“ ihnen den Weg andie Spitze erleichtern.“Dr. Heinz-Georg Sundermann,Dr. Geschäftsführer Heinz-Georg LOTTO Sundermann, HessenGeschäftsführer LOTTO Hessenwww.lotto-hessen.dewww.lotto-hessen.dewww.facebook.com/lottohessenwww.facebook.com/lottohessenwww.lotto-hessen.de


194 Der Vorstand, die Geschäftsführung, das ImpressumDer VorstandImpressumFrankfurter PresseClubFPCdas magazin2013 RückblickDer Club und die Medien2003 – 2023Ausblick Frankfurter PresseClubWernerHolzerEhrenpräsidentDr. MichaelAugeSchatzmeisterLeiter Informationund Kommunikationdes SparkassenundGiroverbandsHessen-ThüringenWernerD’ÍnkaPräsidentMitherausgeberder FAZMichaelaSchmehlBeisitzerinRedakteurin ZDFMittagsmagazinGerhardKneierVizepräsidentRegionalleiterNachrichtenagenturdapdRouvenSchellenbergerBeisitzerChefredakteurdigitale Medienentwicklunginder VerlagsgruppeDeutscher FachverlagDie GeschäftsführerinMonicaWeber-NauGeschäftsführerinT: 069 288800info@frankfurterpresseclub.deNikolausMünsterSchriftführerLeiter PresseamtStadt FrankfurtAnkeKnaflaBeisitzerinDiplom-Journalistin,Planungschefinhr-iNFOdas magazinFrankfurter PresseClub© Frankfurter PresseClub e.V.Herausgeber: Frankfurter PresseClubgegr. 1980Vereinsregister. Nr. 73 VR 7632AnschriftUlmenstraße 2060325 Frankfurt am MainTel.: 069/288800Fax: 069/295803info@frankfurterpresseclub.dewww.frankfurterpresseclub.dePräsident Werner D’Inka(Mitherausgeber FAZ)Vizepräsident Gerhard Kneier(RegionalleiterNachrichtenagentur dapd)Geschäftsführerinund ChefredakteurinMonica Weber-Nau(V. i. S. d. Presserechts)Autorinnen/AutorenDr. Michael Behrendt,Richard Gutjahr,Ulrike Kaiser,Georgi Kantchev,Sebastian Kett,Harald Kieffer,Dr. Annette Leßmöllmann,Michael Reichert,Stephanie Aurelia Runge,Monica Weber-NauGestaltungbüro bockenheimagentur für konzeptionelles designAdalbertstraße 10a60486 Frankfurt am MainTel.: 069/970617-0mail@buerobockenheim.deLithographieCon Composition, Frankfurt am MainRedaktionelle Betreuung,Korrektorat und SchlussredaktionDr. Michael Behrendt,Text & Konzeptionted.behrendt@t-online.deDruckHenrich Druck + Medien,Frankfurt am MainAnzeigenOdo-Ekke BingelTel.: 06173/608606Fax: 06173/608603fpc-magazin@isy4u.deErscheinungsweiseJährlich, kostenlosFPC13 das magazin


Weil am Flughafen78.000 Menschenarbeiten.Eine Initiative von Lufthansa, Fraport und Condor.www.Ja-zu-FRA.orgUnd Ihr Grund?Jetzt mitmachen!


meIN ich-hol‘s-mirsonntagsPAkeT.An den Packstationen von DHL Paket können Sie Ihre Pakete7 Tage die Woche rund um die Uhr abholen.Ganz einfach und auch in Ihrer Nähe.Bei jeder zugestellten Sendung werden Sie kostenlos per SMS oder E-Mailbenachrichtigt, sobald sie eingetroffen ist. Übrigens: Pakete versenden könnenSie hier natürlich auch – Porto einfach mit der DHL Online Frankierung übersInternet ausdrucken oder direkt an der Packstation kaufen.Infos und kostenlose Anmeldung unter www.paket.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine