Psychische Erkrankungen im Jugendalter - www.gesunde-schule ...

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Seelische Gesundheit bei Jugendlichen• 15-20% der Jugendlichen leiden unter klinischrelevanten psychiatrischen Problemen• ~10% der Jugendlichen werden wegen psychischerStörungen behandelt• Der Anteil an psychiatrisch erkrankten Jugendlichennimmt zu• Selbsttötung ist die zweithäufigste Todesursache inEuropa(Jacobson et al 2002; Resch, 2008)


Gliederung• Häufigkeit und Geschlechtsunterschiede vonpsychischen Störungen im Jugendalter• Häufigkeit von psychischen Problemen undVerhaltensauffälligkeiten in Schulen des Rhein-Neckar-Kreises


Häufigkeit psychischer Störungen im Kindes- undJugendalterHyperkinetische Störung (6-12 J.) 4-6%Frühkindlicher Autismus 13/10.000Asperger-Autismus 3/10.000Schizophrenie (-17J) 0.23%Borderline-Persönlichkeitsstörung (14-17J.) 1-2%


Beginn psychiatrischer Störungen• Beginn psychiatrischer Störungen in derKindheit/Jugend (Kessler et al. 2005)– Hälfte aller psychiatrischen Erkrankungen beginnenim 14. Lebensjahr– Altersmedian für Angststörungen undImpulskontrollstörungen 11 Jahre• Auffällige Geschlechtsunterschiede


Geschlechtsunterschiede bei Jugendlichen(DSM-IV,1994; Ihle & Esser, 2002)Jungen:MädchenHyperkinetische Störungen 3-6:1Sozialverhaltensstörungen 2-3:1Depressionen (Kind/Schulalter) 1-2:1Depressionen (Jugendalter) 1:2-3Angststörungen (Jugendalter) 1:2-3Anorexia Nervosa 1:9


„Normaler“ vs. „krisenhafter“ VerlaufNormaler Verlauf• gelegentliche Drogenexperimentein Verbindung mit Peeraktivitäten• Sexuelle Experimente mit Peers,Schüchternheit und Unsicherheit• Geringe Fluktuation derInteressen• Auseinandersetzung mit denEltern• Unzufriedenheit, LangeweileKrisenhafter Verlauf• Gebrauch von Drogen zurIdentitätsstiftung und als zentralerSelbstwertregulator• Promiskuität, fehlendeBeziehungen zu Peers• Schulverweigerung, Verlust vonInteressen an schulischen undaußerschulischen Aktivitäten• Eltern hassen und basale familialeRegeln und Werte bekämpfen• Angstüberflutung, DepressionStreek-Fischer, 1997


Entwicklung von AdoleszentenkrisenBiologischeEinflüsseKrankheitGenetischeAusstattungPsychischeStrukturRisikoverhaltenKrisePsychosozialeEinflüsseDelinquenz


Ätiologie aggressiver und dissozialerVerhaltensstörungenBiologische FaktorenNeuroanatomischNeurochemischPsychophysiologischSoziologische FaktorenMedieneinwirkungArmut/BenachteiligungZugang zu WaffenSituative AuslöserFrustrationKränkungAlkohol-/DrogeneinflussPsychische StrukturMangelnde AffektregulationBindungsschwächeEmpathiedefizitFehlende GewissensbildungAttributionsfehlerAggressive/dissozialeHandlungPsychobiologische FaktorenSchwieriges TemperamentImpulsivitätNeuropsychologische DefizitePsychosoziale FaktorenElternvariablenAbnorme LebensereignissePeer- und schulische EinflüsseQuelle: Schmeck 2004


Entwicklungsmodell für Störungen desSozialverhaltensGeburtSchwieriges TemperamentSchwieriges TemperamentHyperaktivitätHyperaktivitätOffeneOffeneAggression/oppositionell-aufsässigesAggression/oppositionell-aufsässigesVerhaltenVerhaltendefizitäre Sozialbeziehungendefizitäre SozialbeziehungenLernstörungenLernstörungenVorschulalterJugendalterfrühesErwachsenalterVerdeckte Störungen des SozialverhaltensVerdeckte Störungen des SozialverhaltensAufnahme in Gruppe dissozialer JugendlicherAufnahme in Gruppe dissozialer JugendlicherDelinquenzDelinquenzAntisoziale Persönlichkeit/ KriminalitätAntisoziale Persönlichkeit/ KriminalitätQuelle: Loeber 1990


Prädiktoren der Resilience im Jugendalter• Ein oder mehr effektiver Elternteil• Bindungen an andere kompetente und fürsorgendeErwachsene• Problemlösungsfähigkeiten (exekutive Funktionen)• Effektive Emotions- und Verhaltensregulation• Positive Selbstwahrnehmung (Selbstwirksamkeit,Wertschätzung)• Sinngehalt des LebensMasten, 2004


Emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeitenvon 6-15 jährigen Kindern und JugendlichenErgebnisse der Heidelberger Schulstudie 1996-2005Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie HD(J. Haffner, P. Parzer, F. Resch)Gesundheitsamt Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis(R. Steen, M. Klett, B. Raue)Pädagogische Hochschule Heidelberg(J. Roos)


Kohortenstudie des Einschulungsjahrgangs 1996Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis3 anonyme Querschnittserhebungen1996Einschulung2000Ende 4. Klasse2004/2005Anfang 9. KlasseElternN=4363ElternN=3981ElternN=3413JugendlicheN=5832


Erhebungsinstrument (CBCL)Heidelberger Schulstudie (1996-2005)• Sozialer Rückzug• Körperliche Beschwerden• Angst/Depressivität• Soziale Probleme• Schizoid/Zwanghaft• Aufmerksamkeitsstörung• Delinquentes Verhalten• Aggressives VerhaltenFremdeinschätzung durch Eltern (118 Fragen)


6-7 10-11 14-15AlterMittelwert männlich Mittelwert weiblichKonfidenzintervall.5 1 1.5 2CBCL 2: Körperliche Beschwerden


CBCL 3: Angst/Depressivität1.5 2 2.5 36-7 10-11 14-15AlterMittelwert männlichKonfidenzintervallMittelwert weiblich


CBCL 6: Aufmerkamkeitsstörung1.5 2 2.5 36-7 10-11 14-15AlterMittelwert männlichKonfidenzintervallMittelwert weiblich


6-7 10-11 14-15AlterMittelwert männlich Mittelwert weiblichKonfidenzintervall.8 1 1.2 1.4 1.6CBCL 7: Delinquentes Verhalten


Delinquentes VerhaltenItemnummer und Inhalt (einige Beispiele)26 keine Schuldgefühle bei Fehlverhalten39 hat schlechten Umgang43 lügt/schwindelt63 lieber mit Älteren zusammen90 flucht/gebraucht obszöne Wörter81 stiehlt zu Hause82 stiehlt anderswo


CBCL Gesamtwert15 16 17 18 19 206-7 10-11 14-15AlterMittelwert männlichKonfidenzintervallMittelwert weiblich


Grundschulalter 2000Ende der GrundschulzeitAnteil von Kindern mit klinisch auffälligen Skalenwerten in derChild Behavior Checklist (CBCL) und SchulempfehlungHS=Hauptschule (N=858), RS=Realschule (N=963), GY=Gymnasium (N=2068)HS RS GYsozialer Rückzug12%6%4%körperliche Beschwerden16%11%8%Angst/Depressivität17%11%7%soziale Probleme16%7%3%schizoid/zwanghaft11%8%5%Aufmerksamkeitsstörung23%8%2%delinquentes Verhalten10%5%2%aggressives verhalten11%6%3%Gesamtwert22%11%5%


Grundschulalter 2000Ende der GrundschulzeitSchulempfehlung, Beratungsbedarf und Inanspruchnahmeprofessioneller HilfeHS=Hauptschule (N=858), RS=Realschule (N=963), GY=Gymnasium (N=2068)große Sorgen und Probleme aus Sichtder ElternHS12%RS6%GY3%Beratungsbedarf wegen Sorgen /Problemen (fraglich/sicher)24%14%6%Kontakt mit Arzt , Psychologen oderBeratungsstelle (letzte 12 Monate)20%12%6%Kontakt Jugendamt (letzte 12 Monate)8%3%1%


Untersuchungsablauf• SchülerInnen der 9. Klassenstufe im Rhein-Neckar-Kreisund Heidelberg (N=121 Schulen / Förder-, Haupt-,Realschulen und Gymnasien)• Anonyme schriftliche Befragung der Schüler und Eltern• Teilnahme auf freiwilliger Basis• Befragung der SchülerInnen im Klassenverband durchtrainierte UntersucherInnen (StudentenInnen)• Verteilung der Elternfragebogen über die SchülerInnen• Rücklauf der Eltern im verschlossenen Umschlag überdie Schulen


Heidelberger Schulstudie(Haffner, Parzer, Steen, Roos, Klett, Resch; 2007)• Soziodemographische Daten• körperbezogene Informationen• Medienkonsum und Freizeitverhalten• Schul- und Hausaufgabensituation• psychische Belastungen und Auffälligkeiten (YSR)• Familien- und Wohnsituation• Einnahme von Medikamenten, Drogen• Risikoverhalten• Sorgen und Belastungen• familiäre Belastungen


UntersuchungsstichprobenGesamtpopulation entspricht N= 6842 SchülerInnen116 von 121 Schulen (96%) haben teilgenommen,6185 Fragebögen (90,4%) konnten verteilt werdenRücklauf SchülerInnen• verteilt 6185• abgegeben 6085• vollständig 5832Teilnahmequote:• 85% aller• 94% der erreichbarenSchülerInnenRücklauf Eltern• verteilt 6185• abgegeben 4106• vollständig 3413Teilnahmequote:• 50% aller• 55% der erreichbarenEltern


Ausgewählte Ergebnisse zu den Bereichen• Schulangst• Körpergewicht / Essverhalten• Sucht (Rauchen, Alkohol, Drogen)• Risikoverhalten (Selbstverletzung, Selbstmordversuch)• Sorgen und Probleme


SchulabsenzSchulverweigerung• Unlust• Dissozialität• Borderline-SyndromSomat. begründeteAbsenz• chron. somat.Störungen• somatoformeStörungenSchulangst• Prüfungsangst• Lehrerangst• SozialangstSchulphobie• Trennungsangst• Münchhausen byproxy


Prozent0 2 4 6 8etwas/manchmalgenau/häufigSchulangst


Prozent Schulangst0 5 10 15 20gut mittel schlechtKommt mit Lehrerinnen/Lehrern zurecht


Prozent Schulangst0 10 20 30 40gut mittel schlechtKommt mit Mitschülerinnen/Mitschülern zurecht


0 5 10 15Prozent Schulangstnein jaVon Mitschülern gequält


keine einige vieleSorgen/Probleme0 5 10 15 20Prozent Schulangst


Prozent Schulangst0 2 4 6 8 10Gymnasium Realschule Hauptschule FörderschuleArt der Schule


KörperschemaAngaben der SchülerInnenProzent0 20 40 60 8068.248.147.522.39.54.3zu dünn gerade richtig zu dickmännlichweiblich


KörpergewichtAngaben der SchülerInnenProzent0 20 40 60 8078.1 78.513.010.710.88.9Untergewicht Normalgewicht ÜbergewichtBMI24,5männlichweiblich


Prozent0 20 40 60 8078.045.9DiätAngaben der SchülerInnen15.629.2nein einmal mehrmals6.424.9männlichweiblich


Raucht ZigarettenAngaben der SchülerInnenAngaben der ElternProzent0 20 40 60 8067.360.3nie12.417.41.4 2.1 2.9 3.7 15.9 16.5einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/WocheProzent0 20 40 60 80nie84.4 83.28.0 8.40.5 0.42.2 1.35.0 6.6einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/Wochemännlichweiblichmännlichweiblich


Trinkt AlkoholAngaben der SchülerInnenAngaben der ElternProzent0 20 40 60 8030.430.8nie51.358.711.58.05.12.1 1.7 0.4einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/WocheProzent0 20 40 60 8066.0 66.6 32.0 31.7nie1.8 1.1 0.2 0.4 0.1 0.1einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/Wochemännlichweiblichmännlichweiblich


Nimmt DrogenProzent0 20 40 60 80 100Angaben der SchülerInnen84.890.4nie10.6 7.61.7 0.6 1.2 0.8 1.8 0.7einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/WocheProzent0 20 40 60 80 10098.299.0nieAngaben der Eltern1.3 0.8 0.3 0.1 0.1 0.2einmal/Woche täglichgelegentlich mehrmals/Wochemännlichweiblichmännlichweiblich


SelbstverletzungAngaben der SchülerInnenAngaben der ElternProzent0 20 40 60 80 10089.980.114.08.15.92.1nie 1-3 pro Jahr >3 pro JahrProzent0 20 40 60 80 1001.74.20.1 0.998.194.9nie 1-3 pro Jahr >4 pro Jahrmännlichweiblichmännlichweiblich


Sorgen/ProblemeAngaben der SchülerInnenAngaben der ElternProzent0 20 40 60 8057.751.736.531.916.45.9keine einige vieleProzent0 20 40 60 8026.6 25.367.7 69.2 5.0 4.9keinegrößerekeine größeren0.6 0.7sehr großemännlichweiblichmännlichweiblich


Zusammenfassung der HeidelbergerSchulstudie bei Jugendlichen• Körpererleben: Etwa die Hälfte aller Mädchen fühlt sich zu dick und hatschon Diät gemacht (25% mehrfach)• Medienkonsum: hoher Medienkonsum (3 Std. u. mehr TV, PC, Musik) beica. 1/3 der SchülerInnen (Jungen mehr PC, Mädchen hören mehr Musik)• Medienbesitz: zwei Drittel der Jungen und ca. die Hälfte der Mädchenhaben eigenen TV und PC• Suchtverhalten: tägliches Rauchen bei 16%, regelmäßig Alkohol bei 18%J. und 10% M., Drogenerfahrung bei 15% J. und 10% M., ausgeprägteSucht bei 6% J. und 3% M.• Selbstverletzung berichten 10% der Jungen und 20% der Mädchen• Suizidversuche berichten 5% der Jungen und 11% der Mädchen• Sorgen/Probleme: viele Sorgen u. Probleme berichten 6% der Jungen und16% der Mädchen• Vergleich Eltern-Schülersicht: Eltern unterschätzen Sorgen undProbleme, Medienkonsum und Suchtverhalten


Transregio-Kompetenz-Netzwerk *Kinder- und JugendpsychiatrieBaden-Württembergwww.klinikum.uniheidelberg.dewww.zi-mannheim.dewww.uniklinik-ulm.de*Gefördert durch das Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg


LEITBILDGRUNDWERTEAufnahme Diagnostik Behandlung EntlassungSymptomeErzieher/instationärPflegeArztÄrztinteilstationärPsycho. Fach-th.Sozial.ambulantBehandlungsmoduleEinzeltherapieGruppentherapieFamilientherapieMusiktherapieErgotherapieKunsttherapieaufsuchendBetroffene


Fazit• Instrumente zur Früherkennung entwickeln• Entwicklung von Präventionsprogrammen undPrüfung ihrer Wirksamkeit• Beratung von Eltern, Schulen und weiterenInstitutionen• Entstigmatisierung der Inanspruchnahmepsychologisch/psychiatrischer Hilfen

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