Forschungsbericht 2010 - 2011 - Hochschule Bremen

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Forschungsbericht 2010 - 2011 - Hochschule Bremen

Forschungsbericht

2010 - 2011


Forschungsbericht 2010 / 2011

2 Liebe Leserinnen und Leser,

Für die Hochschule Bremen ist die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung

neben der Lehre und Weiterbildung der dritte, in den letzten Jahren an Bedeutung

deutlich gewachsene Aufgabenbereich. In der Diskussion um die volkswirtschaftlichen

Effekte durch Ausgaben für staatliche Hochschulen hat dieser Sektor einen besonderen

Stellenwert: der regionalökonomische Nutzen der Einrichtung Hochschule

wird besonders augenfällig, weil monetär. Die Hochschule Bremen kann auf diesem

Gebiet ihre Stärken, anwendungsnah zu sein und als kompetenter Ansprechpartner

eng mit der Wirtschaft zu kooperieren, besonders gut ausspielen. Dabei spielt die

regionale Einbindung eine besondere Rolle.

Mit zurzeit ca. 8.000 Studierenden in 70 Studiengängen und 40 Forschungs- und

Transfer-Einrichtungen bildet die Hochschule Bremen die regionale Wirtschaftsstruktur

recht exakt ab. Darüber hinaus ist sie in ausgewählten Bereichen auch überregional

ein interessanter Partner der Wirtschaft. Dies erlaubt es uns wiederum, für die

überwiegende Mehrheit der an uns herangetragenen Fragestellungen in Forschung

und Entwicklung adäquate Antworten und Lösungen anbieten zu können.

Ziel des vorliegenden Forschungsberichts ist es, Ihnen einen Überblick über die Fülle

unterschiedlicher Forschungs- und Transfer-Aktivitäten an der Hochschule zu geben

und dabei sowohl auf unsere großen Schwerpunktthemen wie auch auf interessante

Nischenangebote hinzuweisen.

Sollte bei Ihnen Bedarf an Zusammenarbeit

bestehen, zögern Sie nicht uns anzusprechen.

Dies auch dann, falls sich die Sie interessierende

Thematik noch nicht in dieser Broschüre

wiederfinden sollte. Sie können sich dabei sowohl

gezielt an die bei den Forschungsaktivitäten

genannten Personen wenden als auch an

mich direkt. Neben der direkten Anfrage über

E-Mail, Telefon oder das persönliche Gespräch

steht Ihnen über unsere Homepage www.hsbremen.de,

Stichwort: „Forschung“, ein

weiterer Weg zur gezielten Informationen über

uns offen.

Herzlichst,

Ihr

Prof. Dr.-Ing. Uwe Apel

Konrektor für Forschung


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Impressum

Anwendungsorientierte Forschung

und Entwicklung

Forschungsprojekte der Fakultäten

Wirtschaftswissenschaften

Architektur, Bau und Umwelt

Gesellschaftswissenschaften

Elektrotechnik und Informatik

Natur und Technik

Die Institute der Hochschule Bremen

Die Hochschule Bremen im Überblick

Impressum:

Forschungsbericht 2010-2011 der Hochschule Bremen

Herausgeber:

Der Konrektor für Forschung, Hochschule Bremen,

Neustadtswall 30, D-28199 Bremen, 0421-5905-2208,

E-Mail: uwe.apel@hs-bremen.de

Redaktion:

Sascha Peschke, Referat für Öffentlichkeitsarbeit

Auflagenhöhe:

1.000 Exemplare

Fotos:

alle Hochschule Bremen;

Luftaufnahmen Seite 210 und 211:

Klaus Fittschen / MEDIA PICTURES

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

4 Anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung an der Hochschule Bremen

Während Forschung und Forschungsförderung an deutschen Hochschulen durch den Ausbau der so genannten

Spitzenforschung an den Universitäten öffentlich wahrgenommen und kontrovers diskutiert werden, findet

Forschung an Fachhochschulen in kleinerem Rahmen primär als anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung

(FuE) statt. Die Ressourcen, die den Fachhochschulen aus Bundesmitteln für diese Forschungsaufgaben

in den fachhochschulspezifischen Förderprogrammen (FHprofUnt, Ingenieurnachwuchs, Profil-NT,

SILQUA) zur Verfügung gestellt werden, haben in den letzten Jahren erfreulicherweise zugenommen, da der

gesellschaftliche Mehrwert dieser Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten immer deutlicher wurde.

Fachhochschulen gehören mittlerweile zu den wichtigsten Kooperationspartnern der Wirtschaft, vor allem der

Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU), die oft keine eigenen Forschungskapazitäten haben, aber allein

99,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland ausmachen und immerhin 70 Prozent aller Arbeitnehmer in

Deutschland beschäftigen (Institut für Mittelstandforschung). So erreichen viele spezialisierte mittelständische

Unternehmen nicht die erforderliche Größe, um eigene Forschungsabteilungen aufzubauen und kontinuierlich

zu forschen oder um riskante Forschungs- und Entwicklungsvorhaben durchzuführen. Insbesondere im Bereich

der Industrieforschung können diese Unternehmen Forschungsvorhaben oftmals nur in Kooperation mit externen

Partnern in Wirtschaft und Wissenschaft verwirklichen.

Die Hochschule Bremen als regionales Kompetenzzentrum

Die inhaltlich breite Aufstellung der Hochschule Bremen spiegelt sich in ihren vielfältigen Forschungs- und

Entwicklungsleistungen wider. Die Forschungsstärke der Hochschule Bremen basiert auf ihrem fachübergreifenden,

anwendungs- und methodenorientierten Ansatz. Grundlagenforschung ist dabei auf Forschungsgebiete

begrenzt, deren Anwendungsnähe nicht unmittelbar besteht.

An der Hochschule Bremen wird anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung in der Regel in kleinvolumigen,

praxisnahen und problemorientierten Vorhaben mit kurzen bis mittleren Laufzeiten durchgeführt. Forschungsschwerpunkte

haben sich sowohl in Verbindung mit typischen Wirtschaftsbereichen in Bremen und der

Region Nordwest wie etwa dem Schiffbau und der Nautik und der Luft- und Raumfahrttechnik, als auch in der

Forschung zur Nachhaltigkeit über ein breit gefächertes disziplinäres Spektrum etabliert. Diese reichen von der

Energietechnik über ressourcensparende Bautechnik, die Bionik und biotechnische Verfahren des Umwelt- und

Naturschutzes bis hin zu den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Sowohl in Einzel- als auch

in Verbundprojekten wird beispielsweise zu globalen Wertschöpfungsketten, sozialem Zusammenhalt oder zur

Entwicklung von Strategien gesellschaftlichen Handelns geforscht. Die in diesem Forschungsbericht aufgeführten

Projekte sind Beispiele für die angesprochenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Die über die angewandte Forschung und dualen Studiengänge etablierten Kooperationen mit der Wirtschaft

führen zu Technologietransfer, eröffnen Karrierechancen und optimieren sowohl die praxisorientierte als auch

die forschungsinduzierte Lehre.

Fachhochschulen können ihre Lehrenden aus der Wirtschaft berufen, die als Professoren wiederum ihre FuE-

Kontakte zur Industrie ausbauen, ihre Forschungskompetenzen erhalten und systematisch in der Lehre verankern

können. Eine enge Verknüpfung der Lehre mit Forschungsaktivitäten, vor allem in den Masterstudiengängen,

sichert deren Qualität und ist ein Baustein in der Qualifizierung des eigenen Nachwuchses. Die

Hochschule Bremen verfügt über einen ausgewiesen engen Kontakt zu Unternehmen der Region. Dabei spielen

strategische Partnerschaften mit einzelnen Unternehmen eine besondere Rolle. Aber auch Träger sozialer

Einrichtungen forschen anwendungsorientiert in konkreten produkt- und kundenorientierten Forschungs- und

Dienstleistungen, welche die Hochschule als regionales Forschungszentrum ausweisen.

Organisation der Forschung und Entwicklung

Die Organisation der Forschungsaktivitäten in der Hochschule Bremen erfolgt über die Institute als wissenschaftliche

Einrichtungen. Forschungsschwerpunkte bieten dabei ein Dach für Forschungsaktivitäten, die einen

starken direkten inhaltlichen Bezug zueinander haben. Die Institute haben jeweils einen inhaltlich klaren

Schwerpunkt, der sich entweder auf einem fachlichen Kontext bezieht oder der Vernetzung fachlicher Kontexte

dient.


Derzeitige Forschungsschwerpunkte an der Hochschule Bremen sind:

• Architektur und Environmental Design

• Umwelt- und Biotechnik

• Bionik

• Mechatronik und Verkehr (Luft-und Raumfahrt, Schiffbau, Nautik)

• Produktionstechnik und Logistik

• Nachhaltigkeit (u.a. Stadt und Regionalentwicklung, Verkehrsplanung, Bildung ..)

• Automatisierungstechnik, Robotik und Embedded Systems

• Mobile und multimediale IT-Anwendungen

• Mikrosysteme, Photonik und Kommunikationstechnik

• Energiesysteme und Energieeffizienz

• Regionale Wirtschaft, Mittelstand, Finanz- und Dienstleistungsmanagement

• Globalisierung und Management

• Sozialer Wandel, Pflege und Gesundheit

• Freizeit und Tourismus

• Kommunikation und Politik

Forschungsleistung der Hochschule Bremen 2009

An der Hochschule Bremen wurden im Jahre 2009 insgesamt 317 Forschungsprojekte mit einem Volumen von

insgesamt 3,75 Mio. EUR durchgeführt. Davon entfielen 63 Projekte und 490.000 EUR auf interne Forschungsförderung,

254 Projekte wurden im Umfang von 3,26 Mio EUR durch Mittel Dritter gefördert.

4 Patentanträge aus Forschungsaktivitäten wurden 2009 eingereicht. Ferner laufen zur Zeit 14 Vermarktungsprojekte.

Die Anzahl forschungsbezogener Veröffentlichungen an der Hochschule betrug 2009 ca. 450.

Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Die Qualifizierung des eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses ist eines der Schlüsselelemente in der Forschungs-

und Entwicklungstätigkeit. Deshalb werden an der Hochschule Bremen mehrjährige Forschungs-

und Entwicklungsvorhaben in der Regel mit kooperativen Promotionsvorhaben zusammen mit Universitäten

im In- und Ausland verbunden. Im Jahr 2009 wurden an der Hochschule Bremen 30 derartige kooperative

Promotionsverfahren bearbeitet. Daneben werden Bachelorabsolventen, die an der Hochschule Bremen ein

Masterstudium absolvieren, in die Bearbeitung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten eingebunden, um

wissenschaftliche Erfahrungen zu sammeln.

Forschungsverbünde

Für die Hochschule Bremen hat Forschung im Verbund als Methodik, die eigenen Stärken und Fähigkeiten in

einen größeren Zusammenhang einzubinden damit den gesellschaftlichen Nutzen der Forschungsergebnisse

zu verstärken und gleichzeitig die Reputation der Forscherinnen und Forscher sowie der Institution zu erhöhen,

eine besondere Bedeutung. Entsprechend nutzt die Hochschule Forschungsverbünde sowohl auf strategischer

wie inhaltlicher Ebene.

Auf der strategischen Ebene bildet die Hochschule Bremen zusammen mit der FHW Berlin, der HAW Hamburg,

der FH Osnabrück, der FH Münster, der FH Köln und der FH München die Allianz „UAS7“ (Universities

of Applied Sciences 7), über die neben der Zusammenarbeit auf anderen strategischen Feldern (z.B. Internationalität)

Verbünde im Bereich der Forschung etabliert werden. Ziel ist es hierbei, durch die Bündelung von

Kompetenzen und Ressourcen die Fähigkeit der einzelnen Hochschulen, größere und komplexere Forschungsvorhaben

durchzuführen, zu stärken.

Auf inhaltlicher Ebene hat sich eine Reihe von Forschungsverbünden mit anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen

und der Wirtschaft sowohl auf regionaler wie nationaler Ebene an der Hochschule Bremen etabliert.

Die inhaltliche Breite reicht dabei von der Pflegeforschung über IT-Technologie, Biologie und Biotechnologie,

Mechatronik und Bionik bis hin zu Tourismus- und Freizeitforschung sowie Qualitätsmanagement.

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

6 Existenzgründungen

Existenzgründungen sowie Ausgründung aus dem Hochschulbereich zu fördern und damit eine „Kultur der

Selbstständigkeit zu schaffen“, ist ein für Universitäten und Hochschulen gleichermaßen aktuelles Thema und

eine Herausforderung. So auch für die Hochschule Bremen, die in den vergangenen Jahren (1996 – 2009) 29

Ausgründungen gezählt hat. Anfang 2002 hat die Hochschule Bremen gemeinsam mit der Universität Bremen,

der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste sowie der Bremer Investitionsgesellschaft mbH (BIG)

die Bremer Hochschul-Initiative zur Förderung von Unternehmerischem Denken, Gründung und Entrepreneurship

– BRIDGE gegründet. Eingebettet in die Bremer Existenzgründungs-Initiative (B.E.G.IN.) hat BRIDGE

das Ziel, ein positives Gründungsklima an den Bremer Hochschulen zu schaffen und die Zahl der Gründungen

durch Hochschulangehörige, -absolventinnen und -absolventen im Land Bremen erkennbar zu steigern. Für

Studierende soll es zur Selbstverständlichkeit werden, sich im Verlauf ihres Studiums mit der Frage zu beschäftigen,

ob eine Existenzgründung eine berufliche Perspektive sein kann. Die Angebote von BRIDGE stehen

allen Studierenden und Angehörigen der Hochschulen im Land Bremen zur Verfügung und reichen von der

ersten Information über eine fundierte Qualifizierung bis hin zur individuellen Beratung und Ausarbeitung eines

Geschäftsplans. Die Angebote von BRIDGE ermöglichen es Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern sowie den Alumni der Hochschule Bremen und der Universität Bremen,

• sich zu orientieren, welche fachlichen und persönlichen Anforderungen eine Gründung mit sich bringt,

• herauszufinden, was unternehmerisches Denken ausmacht und erste Erfahrungen damit zu sammeln,

• das für eine erfolgreiche Gründung oder für eine verantwortliche Aufgabe in einem Unternehmen nötige

„Handwerkszeug“ zu erlernen,

• eine noch vage Idee mit der passenden Unterstützung zur Geschäftsidee weiterzuentwickeln,

• fachkundige Beratung bei der Erstellung eines Businessplans und der Vorbereitung einer Gründung zu

erhalten.

Neben den Veranstaltungen und Angeboten, die BRIDGE selbst plant und organisiert, setzt sich BRIDGE bei

Hochschullehrerinnen und -lehrern dafür ein, gründungsbezogene Inhalte in dafür geeigneten Lehrveranstaltungen

zu integrieren oder gründungsbezogene Lehrveranstaltungen in den Curricula zu verankern.

Auf diese Weise befassen sich Studierende auch im Rahmen ihres jeweiligen Fachs mit Fragen von unternehmerischem

Denken und Handeln. Das jeweilige von BRIDGE angebotene Veranstaltungs- und Qualifizierungsangebot

wird in einem Programm für das Sommer- und Wintersemester angekündigt. Um geeignete Ideen

frühzeitig zu identifizieren, führt BRIDGE seit sieben Jahren einmal jährlich an der Universität und den anderen

beteiligten Hochschulen einen Ideenwettbewerb durch. Dieser wird vollständig durch Sponsoren aus der

Wirtschaft finanziert. Attraktive Preise und ein ausführliches Feedback zu ihrer Geschäftsidee warten auf die

Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Für die Hochschule bietet der Ideenwettbewerb die Gelegenheit, die „Kultur der Selbständigkeit“ noch weiter zu

fördern und auszubauen und zugleich nach außen sichtbar zu machen. Die Hochschule hat sich hierbei durch

insgesamt 80 eingereichte Ideen von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

beteiligt. Dieses Engagement wurde mit ersten und zweiten Plätzen in den verschiedenen Kategorien honoriert,

so wie auch im Oktober 2009, in dem ein erster und ein zweiter Preis an Studenten verliehen wurde, die mit ihren

Ideen die Jury überzeugt hatten. Eine zusätzliche Fördermöglichkeit für Gründer aus der Hochschule besteht

mit dem Bundesförderungsprogramm EXIST-Gründerstipendium, das Gründungsinteressierten mit spezifisch

technologischer Idee über einen Zeitraum von einem Jahr Produktentwicklungsschritte und die Erstellung eines

Businessplans finanziert. Zur Zeit werden 2 Projekte aus der Hochschule über das Gründerstipendium betreut.

Seit Mai 2006 ist im Rahmen von BRIDGE eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle an der Hochschule Bremen

dauerhaft etabliert worden. Die Mitarbeiterin - Frau Anke Truscheit - ist somit die zentrale Anlaufstelle in Sachen

Existenzgründung an der Hochschule Bremen.


Forschungsprojekte der Fakultät Wirtschaftswissenschaften

German Airport Performance (GAP)

Caspar David Friedrich: Die Erfindung der Romantik - Marktforschungsstudie

Stadt Löningen als Einkaufsstandort - Innenstadtbelebung

Paula in Paris - Untersuchung der Regionalökonomischen Effekte und der Marketingmaßnahmen

einer Sonderausstellung der Kunsthalle Bremen

Ex-ante Evaluierung von Sport- und Kulturevents

AIRPORT STADT - eine Bestandsaufnahme

Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte zwischen Globalisierung und Weltwirtschaftskrise:

Japan und Deutschland im Vergleich

Interkulturelle Öffnung des bremischen öffentlichen Dienstes durch Ausbildung

German Aviation Benchmarking (GAB)

Geistiges Eigentum in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit

Möglichkeiten und Grenzen dauerhaft erfolgreicher Wirtschaftspolitik in kleinen europäischen

Volkswirtschaften im Kontext der Globalisierung

Sitting Bull - Marktforschungsstudie für das Überseemuseum Bremen, Dezember 2008

bis September 2009

Interkulturelle Kompetenzmessung

Genreübergreifende Kooperationsmöglichkeiten von Kulturinstitutionen in der Metropolregion

Bremen/Oldenburg

Reginalökonomische Auswirkungen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages in

Bremen

Gastgeber- und Gästebefragung im Rahmen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages

in Bremen

Marktforschungsstudie Stiftung Historische Museen Hamburg

Promoting Agribusiness for Africa’s Prosperity - Country Case Study Mali

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Forschungsbericht 2010 / 2011

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German Airport Performance (GAP)

Laufzeit Projektbeteiligte

06/2005 - 06/2009 Kamp, Vanessa

Projektleiter

Niemeier, Hans-Martin, Prof. Dr.

Projektbericht

„German Airport Performance“ (GAP) ist ein mit ca.

250.000 € vom Bundesministerium für Bildung und

Forschung (BMBF) gefördertes Forschungsvorhaben

und hat im Allgemeinen das Ziel der Förderung anwendungsorientierter

Forschung und Entwicklung an

Fachhochschulen.

Als Projektpartner haben sich die Fachhochschulen in

Bremen, Berlin (FHW) und Bad Honnef zusammengeschlossen

und werden dieses Projekt in einem Zeitraum

von 4 Jahren (Juni 2005 bis Mai 2009) durchführen.

Das Projektthema führt Benchmarking-Studien durch,

die die ökonomische Leistung internationaler Verkehrsflughäfen

in Deutschland mit einer Auswahl

europäischer, australischer und nordamerikanischer

Flughäfen untersucht.

Untersuchungsschwerpunkt sind dabei die deutschen

Flughäfen. Den Flughäfen sollen die Ergebnisse Aufschluss

darüber geben, welche Leistungspotentiale

vorhanden sind.

Das Projekt bietet den Flughäfen folgende Vorteile:

- GAP bietet eine fundierte Studie über die Gründe

und Ursachen unterschiedlicher Leistungen von Flughäfen.

Die bisherigen Studien bewerten die Produktivität

und Effizienz deutscher Flughäfen schlecht, setzen

sich jedoch nicht mit den Ursachen auseinander. Methodisch

sind die Studien nicht ausreichend transparent.

- GAP will Benchmarking zu einem praktikablen Managementinstrument

weiterentwickeln, Die bisherigen

Studien waren zu aggregiert. Daher ist es auch geplant,

in Absprache mit den Flughäfen partielle Prozesse

zu benchmarken.

- GAP bietet Diskussionsmöglichkeiten mit führenden

Experten im Benchmarking und Flughafenmanagement

über die German Aviation Research Society

(GARS).

- GAP strebt eine systematische längerfristige und unparteiische

Aufarbeitung anstehender gemeinsamer

Strategieprobleme an.

- GAP bietet darüber hinaus einen Vergleich mit ausländischen

Flughäfen und die Möglichkeit bei solchen

Untersuchungen wichtige Schwerpunkte selbst festzulegen.

- GAP bietet Vorbereitungen für Diskussionen im Zusammenhang

mit Reformen der bestehenden Regulierung

von Flughäfen (Frankfurt, Hamburg) und Flugsicherung

(DFS), dem zunehmenden Wettbewerb und

der anstehenden weiteren Privatisierung an.

Die deutschen Flughäfen sind für diese Analyse insbesondere

deshalb interessant, weil durch die Kom-

merzialisierung, Privatisierung und Liberalisierung

strukturelle Veränderungen zu erwarten bzw. bereits

vorhanden sind.

Die Fokussierung auf Deutschland hat zudem den

Vorteil, dass gegenüber weltweiten Studien besseres

Datenmaterial vorhanden ist (auch durch die Unterstützung

der ADV) und durch die Einbindung der Beteiligten

Flughäfen eine gute Validierung der Ergebnisse

möglich ist.

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kooperationspartner

Beteiligte Fachhochschulen:

- Hochschule Bremen: Prof. Dr. Hans-Martin Niemeier

mit den Schwerpunkten Regulierung, Privatisierung

und Wettbewerb im Luftverkehr und Airportmanagement

(Projektkoordination).

- Fachhochschule der Wirtschaft Berlin: Prof. Dr. Jürgen

Müller mit Schwerpunkt Regulierung/Privatisierung

und Luftverkehr, Benchmarking in öffentlichen

Unternehmen/ public utilities im Vergleich zu anderen

Industrien sowie Auswirkungen von externen Faktoren,

wie Flugsicherung, Einzugsgebiet, Regulierungsinstrumenten

auf die Effizienz der Flughäfen.

- Internationale Fachhochschule Bad Honnef (und

DLR): Prof. Dr. Hansjochen Ehmer mit Schwerpunkt

Luftverkehrsmanagement und Umweltpolitik.

Partner aus der Wissenschaft:

- Universität Bremen: Prof. Dr. Andreas Knorr, Luftverkehr

& Dienstleistungsindustrie

- Universität Paderborn: Prof. Dr. Michael Gilroy, Luftverkehr

& Globalisierung (angefragt)

- Technische Universität Berlin: Professor Dr. Christian

von Hirschhausen, Infrastrukturpolitik

- Institut für Wirtschaft, Kiel: Dr. Hartmut Wolf, Flughafenregulierung

- University of California, Berkeley, USA: Prof. David

Gillen, Strategisches Airportmanagement

- University of British Columbia, Vancouver, Kanada:

Prof. Dr. Tae Oum, Performance Measurement

- Monash University, Australien, Prof. Dr. Peter Forsyth,

Flughafenregulierung

- University of Amsterdam, Prof. Jaap de Wit, Europäische

Flughafenstrategien

Kontakt

Prof. Dr. Hans-Martin Niemeier

Tel.: +49 421 5905 4214

hans-martin.niemeier@hs-bremen.de


Caspar David Friedrich: Die Erfindung der Romantik - Marktforschungsstudie

Laufzeit Projektbeteiligte

10/2006 - 01/2007 Kucharczuk, Aldona

Kurzeja-Christinck, Astrid

Projektleiter Schmidt, Jutta

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

Projektbericht

Regionalökonomische Effekte einer Sonderausstellung

der Hamburger Kunsthalle

Erstmalig in ihrer Geschichte entschied sich die Hamburger

Kunsthalle, eine deutschlandweit beworbene

Event-Ausstellung vorzustellen. Welche Effekte lösten

die Marketingmaßnahmen aus? Das war die zentrale

Fragestellung der Besucherbefragung.

75 Prozent der Ausstellungsbesucher kamen von außerhalb

Hamburgs; über ein Drittel derjenigen, die als

Hauptgrund des Besuches in Hamburg die Ausstellung

nannten, kamen wegen der Berichterstattung.

Über 60 Prozent konnten sich an Werbung erinnern,

mehr als hochgerechnet 65.000 Besucher haben die

Internetseite der Kunsthalle besucht.

Neben der durch die Ausstellung ausgelösten positiven

Image-Effekte für das Haus selbst, für die Stadt

und die Kooperationspartner konnte die Hamburger

Kunsthalle auch erhebliche wirtschaftliche Effekte für

Hamburg verbuchen.

Kurz-Ergebnisse:

Die Investition in Kultur lohnt sich für Städte und Regionen

in mehrfacher Hinsicht:

Zum einen entstehen durch Kultur-Investitionen direkte

und indirekte ökonomische Rückflüsse. Hier ist vor

allem die klassische „Umwegrentabilität“ zu nennen

- durch Anreise externer Besucher, die vor Ort Geld

ausgeben (Eintritt, weitere Aktivitäten, Gastronomie,

Einkäufe und Übernachtungen). Dies wird verstärkt

durch Importsubstitutionen und Imageeffekte für die

Region, die als Multiplikatoren wiederum einen positiven

Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung – und

auch die öffentlichen Kassen – haben.

Darüber hinaus wird das Entwicklungspotential der

Region gestärkt: Kulturelle Angebote fördern die Bildung

und Kreativität der Bevölkerung, kreative Menschen

aus anderen Gegenden werden angezogen.

Dies trägt zur Erhöhung der Produktivität und der

Innovationskraft bei und somit zur maßgeblichen

Stärkung der regionalen Wirtschaftsentwicklung und

Wohlstandssteigerung.

Finanzierung

Hamburger Kunsthalle

Kontakt

Prof. Dr. Peter Schmidt,

Peter.Schmidt@markt-forschung-kultur.de,

Tel. 0421-322 856 81

http://www.markt-forschung-kultur.de

http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/18/742123.

html?prx=1

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article859757/

Kunstfreunde-liessen-8-4-Millionen-Euro-hier.html

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

10 Stadt Löningen als Einkaufsstandort - Innenstadtbelebung

Laufzeit Projektbeteiligte

09/2007 - 03/2008 Studierende Studiengang Management im Handel

(Lehrprojekt Marktforschung)

Projektleiterin

Brunken, Astrid, Prof. Dr.

Projektbericht

Der staatlich anerkannte Erholungsort Löningen ist

eine noch recht „junge“ Stadt im Oldenburger Münsterland,

gelegen im Dreieck zwischen Oldenburg

(Oldb.), Osnabrück und der holländischen Grenze,

d.h. im südwestlichen Landkreis Cloppenburg, ungefähr

5 km von der Grenze zum Emsland entfernt. Die

Stadt Löningen verzeichnet seit langem - wie so viele

vergleichbare Innenstädte - massive Kaufkraftabflüsse

in benachbarte größere Städte wie Cloppenburg oder

Oldenburg oder Vechta mit der Folge, dass einerseits

Angebotslücken, andererseits aber auch zahlreiche

Leerstände das Stadtbild prägen.

Um dem Problem der zunehmenden Verödung der Innenstadt

entgegenzuwirken, hat die Stadt Löningen

an einem von der niedersächsischen Landesregierung

ausgeschriebenen Wettbewerb zur „Belebung

der Innenstädte“ mit einem Projektantrag teilgenommen.

Dieser Wettbewerb wurde im Rahmen der niedersächsischen

Initiative „QiN“ (Quartiersinitiative

Niedersachsen) durchgeführt. Löningen erhielt mit

seinem Projektantrag einen Preis des Niedersächsischen

Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und

Gesundheit; der Projektantrag sollte nun mit „Leben“

erfüllt werden. Und das war gleichfalls Ausgangsbasis

für ein Projekt des Studienganges Management im

Handel, das im Rahmen der Handelsmarketingausbildung

durchgeführt wurde und dessen Zielsetzung

eine empirische Bestandsaufnahme der Einzelhandelssituation

in Löningen sowie eine Stärken- und

Schwächenanalyse der Stadt bildete. Die empirischen

Ergebnisse, die im Rahmen des Projektes erhoben

wurden, bilden gleichsam erste Grundlage für Stadtmarketingmaßnahmen

zur Belebung der Innenstadt

Löningens.

Im Einzelnen ging es um folgende Teiluntersuchungen:

• Stadtmarketing als konzeptionelles Konzept zur

Vernetzung von Handel, Kultur und Freizeit (Experteninterviews

mit diversen Kultur- und Freizeiteinrichtungen)

• Marke Löningen - Welche Merkmale werden mit

Löningen assoziiert und können die Grundlage

eines Imagekonzeptes darstellen? (telefonische

Befragung)

• Einkaufsstandort Löningen - Welche typischen

Sortimente und Angebote gehören in eine Innenstadt

wie Löningen? (Ist-Analyse Löningens und

Vergleichsanalysen aus anderen Städten)

• Wahrnehmung und Bewertung des äußeren Erscheinungsbildes

des Handels in der Stadt Löningen

- wie nehmen Studierende den Einzelhandelsauftritt

der ortsansässigen Geschäfte wahr?

(standardisierter Bewertungsbogen)

• Mystery Shopping - wie erleben Studierende

die Servicequalität des Handels?

(Ermittlung durch Testkäufe)

• Analyse und Bewertung des Gastronomieangebotes

- welches Potential hat die Gastronomie für

eine Belebung der Löninger Innenstadt? Gibt es

Angebotslücken? Kann die bisherige Stärke im

gastronomischen Angebot noch weiter zu einem

Erfolgsfaktor für Löningen ausgebaut werden?

(Ist-Analyse der Gastronomiestaruktur, standardisierte

Bewertung des Gastronomieangebotes)

• Orientierungs- und Mobilitätsverhalten - wie erreichen

die Besucher Löningen? Wie lang ist

die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Löningen,

wie sind die Besucherfrequenzen verteilt?

(Beobachtung, Befragung Löninger Bürger, Frequenzzählung

an ausgewählten Standorten,

Fotodokumentation)

Finanzierung:

Keine, da im Rahmen eines Handelsmarketingseminars

Kooperationspartner:

ExperConsult - Wirtschaftsförderung & Investitionen,

Dortmund, Herr Dr. Steffen

Stadt Löningen, Bürgermeister Thomas Städler

Gewerbeverein Löningen

Kontakt:

Prof. Dr. Astrid Brunken

Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing

Fakultät 1 Wirtschaftswissenschaften

Werderstraße 73

D-28199 Bremen

E-Mail: astrid.brunken@hs-bremen.de

Fon: +49 (0)421 5905 4684

Fax: +49 (0)421 5905 4692


Paula in Paris - Untersuchung der Regionalökonomischen Effekte und der Marketingmaßnahmen

einer Sonderausstellung der Kunsthalle Bremen

Laufzeit Projektbeteiligte

10/2007 - 02/2008 Kurzeja-Christinck, Astrid

Schmidt, Jutta

Projektleiter Kucharczuk, Aldona

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

Projektbericht

PAULA MODERSOHN – BECKER UND DIE KUNST

IN PARIS UM 1900

Von Cézanne bis Picasso

Marktforschungsuntersuchung in der Kunsthalle Bremen

Seit der Sonderausstellung Der Blaue Reiter im Jahr

2000 werden die Sonderausstellungen der Kunsthalle

Bremen kontinuierlich durch entsprechende Marktforschungsstudien

begleitet.

Ex-ante Evaluierung von Sport- und Kulturevents

Projektbericht

Vergleichende Analyse der Förderpraxis in ausgewählten

Vergleichsstädten

Bremen verfolgt einen expliziten Ansatz zur Förderung

von Sport- und Kulturevents; diese Förderung

wird über die Auftraggeberin dieser Studie, die Bremen

Marketing Gesellschaft (BMG, seit 2009 „Wirtschaftsförderung

Bremen WFB“) koordiniert. Ziele der

BMG sind die Erzielung regionalökonomischer Effekte

durch möglichst viele externe Besucher in Bremen sowie

die Stärkung des Bremer Images nach außen und

der Identifikation der Bürger nach innen. Diese drei

Wirkungsrichtungen stellen die Basis der vorliegenden

Studie dar.

Auf dieser Basis wurden ein Entscheidungsmodell für

die Bewertung beantragter Projekte entwickelt, auf

dessen Grundlage die Projekte ex-ante bezüglich der

Ein Schwerpunkt dieser und der vergangenen Untersuchungen

ist die Analyse der soziodemographischen

Struktur der Besucher, insbesondere der Besucherherkunft

sowie des Wirkungsgrades der durchgeführten

Marketingmaßnahmen. Weiterhin geht es um die

Frage, ob durch Sonderausstellungen wie Paula in

Paris neue Zielgruppen erreicht und dauerhaft an die

Kunsthalle Bremen gebunden werden und ob sich hier

bestimmte Besuchersegmente beschreiben lassen.

Schließlich hat eine Sonderausstellung, die eine Vielzahl

auswärtiger Gästen anzieht, für das Image und

die Wirtschaft Bremens positive Effekte. Ziel dieser

Studie ist es deshalb auch, die regionalwirtschaftlichen

und fiskalischen Auswirkungen zu ermitteln

Finanzierung

Kunsthalle Bremen

Kontakt

Prof. Dr. Peter Schmidt,

Peter.Schmidt@markt-forschung-kultur.de,

Tel. 0421-322 856 81

ttp://www.markt-forschung-kultur.de

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2008 - 10/2008 Kurzeja-Christinck, Astrid

Schmidt, Jutta

Projektleiter

Brunken, Astrid, Prof. Dr.

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

o.a. Ziele evaluiert werden können.

Vergleichende Analyse der Förderpraxis in ausgewählten

Vergleichsstädten; Untersuchung im Auftrag

der Bremen Marketing Gesellschaft

Finanzierung

Bremen Marketing Gesellschaft (BMG, seit 2009 „Wirtschaftsförderung

Bremen WFB“)

Kontakt

Prof. Dr. Astrid Brunken,

Astrid.Brunken@markt-forschung-kultur.de,

Tel. 0421 - 5905 4684

Prof. Dr. Peter Schmidt,

Peter.Schmidt@markt-forschung-kultur.de,

Tel. 0421-322 856 81

http://www.markt-forschung-kultur.de

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

12 AIRPORT STADT - eine Bestandsaufnahme

Laufzeit Projektbeteiligte

03/2008 - 08/2008 Studierende Studiengang Management im Handel

(Lehrprojekt)

Projektleiterin

Brunken, Astrid, Prof. Dr.

Projektbericht

AIRPORT STADT gilt als einer der attraktivsten Gewerbegebiete

Bremens mit mittlerweile über 400 Unternehmen

und geschätzten 16.000 Arbeitnehmern.

Bei der weiteren Planung dieses Standortes wird es

daher um eine qualitative Weiterentwicklung und Anreicherung

des Standortes mit Infrastrukturmaßnahmen

gehen, um die Standortattraktivität noch weiter

zu erhöhen.

Aber welchen Bedarf haben die Unternehmen, welchen

Bedarf sehen die dort beschäftigten Arbeitnehmer

z.B. an Versorgungsangeboten wie Gastronomie

und Handel, welche Probleme ergeben sich an diesem

Standort für die Unternehmen und die Beschäftigten,

wie wird der Standort insgesamt von den ansässigen

Unternehmen beurteilt, wie von den Bremern, wie

steht der Standort im Wettbewerb zu anderen attraktiven

Unternehmensstandorten wie Technologiepark

und Überseestadt. Woher kommen die geschätzten

16.000 Beschäftigten tagtäglich zu diesem Standort

und wie kommen sie dorthin. Diese und weitere Fragen

stehen im Mittelpunkt einer ersten Studie, die Studierende

des Studienganges Management im Handel

der Hochschule Bremen im Rahmen eines Marktforschungsprojektes

untersucht haben. Die Studierenden

haben dabei jeweils in verschiedenen Gruppen

unterschiedliche Fragestellungen zum Standort kritisch

untersucht, in dem sie Mitarbeiter, Unternehmen,

Experten, Sachverständige und Planer zu Wort kommen

ließen, um ein möglichst breit gefächertes Meinungsbild

zur heutigen Situation am Standort liefern

zu können. Hierüber sollen wertvolle Impulse gegeben

werden für die weiterführenden Diskussionen über

die Standortentwicklung AIRPORT STADT. Sicherlich

nicht repräsentativ, zeigt diese Studie aber Tendenzen

auf und kann somit als Grundlage für weitere Diskussion

über die Entwicklung dieses Standortes dienen.

Die Ergebnisse dieser Projektarbeit wurden am 17.

Juli im Atlantic Hotel Bremen der interessierten Öffentlichkeit

vorgestellt.

Wahrnehmung und Bekanntheitsgrad

Wie erleben Bremer die drei Standorte AIRPORT

STADT, Technologiepark sowie Überseestadt im Vergleich?

Von den drei Standorten rangiert die AIRPORT

STADT, gefolgt von der Überseestadt auf Platz eins

der Bekanntheitsskala, weit abgeschlagen dagegen

liegt der Technologiepark. Dieses Ergebnis ist nicht

verwunderlich, erklärt sich sicherlich durch die Flughafennähe.

Lediglich bei den jüngeren Bremern unter

25 Jahren genießt die Überseestadt den Vorrang im

Bekanntheitsgrad vor AIRPORT STADT.

Tab. 1: Bekanntheitsgrad der AIRPORT STADT bei den

Bremern

Folgerichtig bewerten die Bremer die Flughafennähe

sowie die gute Erreichbarkeit von AIRPORT STADT

als eindeutige Pluspunkte dieses Standortes. Negativ

fallen dagegen den Bremern die kostenpflichtigen

Parkplätze sowie die unpersönliche Atmosphäre auf.

Insbesondere bei den älteren Bremern (über 65 Jahren)

wird die Architektur eher als unangenehm, die

Atmosphäre eher als kalt erlebt, während den jüngeren

Bremer unter 25 Jahren dagegen die Unbelebtheit

von AIRPORT STADT als auffällt. Die Überseestadt

dagegen punktet mit Gastronomieangeboten,

Veranstaltungen und wird insgesamt mit dem Begriff

modern umschrieben. Als Wermutstropfen bei den

spontanen Assoziationen werden dabei Baustellen,

Dreck, schlechte Erreichbarkeit genannt. Der Technologiepark,

der den Bremern am wenigsten bekannt

ist, wird positiv mit Bürgerparknähe und Universum

verbunden, negativ mit Begriffen wie langweilig und

weitläufig assoziiert.

Lässt man jetzt Experten zu Wort kommen, die sich

mit Standortplanung und Standortvermarktung beschäftigen

wie z.B. Makler für Gewerbeimmobilien,

Existenzgründungsberater, Planer allgemein, so zeigt

sich, dass alle drei Standorte sehr unterschiedlich erlebt

und wahrgenommen werden und sich eindeutige

und voneinander abgegrenzte Profile zulegen konnten.

Prägnante Merkmale von AIRPORT STADT sind

sicherlich die Luft- und Raumfahrttechnik sowie das

Dienstleistungsangebot, während der Technologiepark

ein wissenschaftlich-technologisches Profil, die

Überseestadt ein künstlerisch-kreatives Profil genießt.

Auffällig an den Wahrnehmungen der Experten ist dabei,

dass sowohl die Universität wie auch die Hochschule

für Künste für die jeweiligen Standorte sehr

prägend erlebt werden, während hingegen die Hochschule

Bremen am Standort Flughafen wenig wahrgenommen

wird, dafür eher Unternehmen wie z.B.

EADS, Brunel und Airbus als profilbildende Unternehmen.


Abb.1: Beurteilung der Standorte durch Experten (n = 26)

Abb. 2: Über welche Merkmale sollten Unternehmen des jeweiligen

Standortes verfügen? (n = 26)

Parkplatzproblematik

Die durchgeführten Experteninterviews zu den Zielen

und den Infrastrukturbedarf zeigen aber auch, dass

die Parkplatzsituation am Standort sehr unterschiedlich

bewertet wird. So sehen die Unternehmen die

Parkplatzsituation wesentlich kritischer als die Planer,

Vermarkter und Behörde. Wirft man einen Blick auf die

Herkunft und das Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter

am Standort, so ist festzustellen, dass ein Großteil der

Mitarbeiter mit dem PKW selbst oder in Fahrgemeinschaften

zum Arbeitsplatz anreist. Das Einzugsgebiet

der Mehrzahl der Mitarbeiter (über 75 %) wird von den

befragten Unternehmen mit einem Radius von bis zu

15 km angegeben, gut ein Viertel der Beschäftigten

(27 %) wohnen direkt in Bremen, der Rest überwiegend

in den angrenzenden Regionen.

Abb.4: Herkunft der Arbeitnehmer (n = 62 befragte Unternehmen)

Defizite in der Angebotsvielfalt

Wie erleben die Beschäftigten am Standort AIRPORT

STADT das dortige Angebot? Welchen Bedarf haben

die geschätzten 16.000 Mitarbeiter, die immerhin ein

gewisses Nachfragepotential für zusätzliche Angebote

darstellen? Eine studentische Gruppe befragte

hierzu Arbeitnehmer direkt am Standort Airport Stadt.

Die standardisierten Interviews fanden im Juni in der

Mittagspause sowie in den Nachmittagsstunden an

verschiedenen Orten der Airport-Stadt statt wie z.B.

an Haltestellen der Straßenbahn, im Bistro und im

Flughafengelände. Das Ergebnis in Abb. 5 zeigt, dass

ein Großteil der Arbeitnehmer Einkaufsmöglichkeiten

(Lebensmittel, Drogerieartikel) und Dienstleistungsangebote

wie Bank, Apotheke, Post, Drogerie deutlich

vermissen. Hier besteht demnach ein entsprechender

Bedarf. Auch der Gastronomiesektor könnte, wenn es

nach den befragten Mitarbeiter gehen würde, weiter

ausgebaut werden. Etwa die Hälfte der befragten Mitarbeiter

verfügt über eine 30 min Mittagspause, die

aber zum überwiegenden Teil (bei über 60 % der Befragten)

am Arbeitsplatz verbracht wird. Hier fehlt es

an gut erreichbaren und schnellen Gastronomieangeboten

wie z.B. Cafe`s oder auch Bäckereien.

Insgesamt zeigt diese Untersuchung, dass es eine

Reihe von Handlungsfeldern am Standort gibt, insbe-

Abb.3: Mobilitätsverhalten

der Arbeitnehmer (n = 62

befragte Unternehmen)

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Forschungsbericht 2010 / 2011

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Abb. 5: Defizite in der Angebotsstruktur (in % der befragten Arbeitnehmer; n = 150)

sondere einen erhöhten Bedarf an weiteren zusätzlichen

Angeboten. Zu denken wäre so z.B. auch an

Angebote für berufstätige Eltern in Form von Kinderbetreuung

oder an Freizeitangeboten, die nach Feierabend

genutzt werden könnten. Diese Studie zeigt,

dass der Prozess der Standortentwicklung noch nicht

abgeschlossen ist und dass bei allen weiteren Überlegungen

zunächst ein intensiver Austausch zwischen

allen Beteiligten am Standort erforderlich ist, um diesen

Standort für aktuelle und potentielle Unternehmen

und Mitarbeiter noch attraktiver zu machen.

Finanzierung:

Keine, da im Rahmen eines Marktforschungsseminars

Kooperationspartner:

BIG Bremer Investitionsgesellschaft, Andreas Zimmermann

Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Uwe Nullmeyer

Kontakt:

Prof. Dr. Astrid Brunken

Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing

Fakultät 1 Wirtschaftswissenschaften

Werderstraße 73

D-28199 Bremen

E-Mail: astrid.brunken@hs-bremen.de

Fon: +49 (0)421 5905 4684

Fax: +49 (0)421 5905 4692


Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte zwischen Globalisierung und Weltwirtschaftskrise:

Japan und Deutschland im Vergleich

Laufzeit

03/2008 - 12/2009

Projektleiter

Bass, Hans Heinrich, Prof. Dr.

Kurzfassung

Der Globalisierungsschub seit dem Beginn der 1990er

Jahre hat alle Volkswirtschaften vor große Anpassungsprobleme

gestellt, die auch erhebliche Konsequenzen

für die Arbeitsmärkte mit sich brachten. In

fast allen Hocheinkommensländern stieg die strukturelle

Komponente der Arbeitslosigkeit an, so dass es

auch in folgenden konjunkturellen Aufschwüngen nicht

mehr zu einer Senkung der Arbeitslosigkeit auf das

Ausgangsniveau kam.

In zwei der bislang erfolgreichsten Hocheinkommensländer,

in Deutschland und in Japan, kamen Sonderprobleme

hinzu: die Transformation des ostdeutschen

Wirtschaftssystems nach der Wiedervereinigung 1990

resp. die umfassende Struktur- und Anpassungskrise

nach dem Zerplatzen der Bubble Economy in Japan

1991. In Deutschland kam es in der Folge zu einer

dramatischen Verschärfung der aus heutiger Sicht bereits

seit den 1970er Jahren in Westdeutschland erkennbaren

Arbeitsmarktprobleme; in Japan waren Arbeitsmarktprobleme

in den 1970er und 1980er Jahren

aus heutiger Sicht zwar auch rudimentär erkennbar,

aber hier kam es erst in den 1990er Jahren zu fundamentalen,

strukturellen Problemen.

Beide Länder reagierten in prinzipiell recht ähnlicher,

nur im Grad und in den spezifischen institutionellen

Maßnahmen unterschiedlicher Weise (eine Parallelität,

die den Vergleich nahelegt) – und in beiden Fällen

aus heutiger Sicht mit einer erstaunlichen Zeitverzögerung

(bedingt insbesondere durch einen großen

acknowledgement lag). In Japan kam es 2002, in

Deutschland 2004 zu einem arbeitsmarktpolitischen

Paradigmenwechsel.

Gewisse Erfolge dieser neuen Politik blieben nicht

aus, allerdings stehen sie in beiden Ländern auf einer

fragilen Basis, wenn man beispielsweise die Zeitarbeit

und andere Formen „prekärer“ Beschäftigungsverhältnisse

als wesentliche Elemente im Abbau der strukturellen

Komponente der Arbeitslosigkeit berücksichtigt.

Fraglich ist daher, ob die in beiden Ländern tiefgreifende

und mit den bisherigen institutionellen Mustern oft

radikal brechende Flexibilisierung der Arbeitsmärkte

auch den Bedingungen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise

gewachsen ist. Es geht also darum, ob es

tatsächlich gelungen ist (und wenn nicht: was zu tun

wäre), die strukturelle Komponente der Arbeitslosigkeit

nachhaltig zu senken, um in zyklischen Krisen die

Summe beider Komponenten (strukturelle und konjunkturelle)

verhältnismäßig niedrig zu halten. Oder

anders formuliert: Wie verletzlich sind die Erfolge, wie

widerstandsfähig sind die erfolgten Veränderungen?

Da hinsichtlich des Verständnisses der strukturellen

Komponente von Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt

noch große Forschungsdefizite bestehen, ist

das Vorhaben sowohl empirisch als auch theoretisch

orientiert.

Fragestellung

Um den Hintergrund des Forschungsvorhabens etwas

deutlicher zu machen, sollen im Folgenden einige eher

deskriptive Ausführungen zur jüngeren Arbeitsmarktgeschichte

der beiden Volkswirtschaften gemacht

werden, danach folgen einige kurze Ausführungen

zum theoretischen Instrumentarium.

In groben Zügen lässt sich das empirische Bild der Beschäftigung

in den OECD-Staaten etwa so skizzieren

(zu einer differenzierteren Sicht der Gesamtzusammenhänge

Ganßmann 1999, Blanchard 2005, Walwei

2003, Werner 2006, Sell/Wiegand-Kottisch 2007,

Bass 2007): Bis in die 1990er Jahre hinein waren folgende

deutlich unterschiedliche Muster der gesamtwirtschaftlichen

Beschäftigung erkennbar:

(1) eine niedrige strukturelle Arbeitslosigkeit (2 %) in

Japan mit geringen zyklischen Veränderungen;

(2) eine mäßig hohe strukturelle Arbeitslosigkeit (etwa

6 %) in den USA mit starken zyklischen Schwankungen;

(3) eine von einem niedrigen Stand (etwa 2 %) ausgehende,

auf bis zu 10 % stark anwachsende strukturelle

Arbeitslosigkeit in den großen kontinentaleuroäischen

Volkswirtschaften (Deutschland, Frankreich, Italien)

mit mittelstarken zyklischen Veränderungen;

(4) eine zweiphasige Entwicklung im Vereinigten Königreich:

bis Mitte der 1980er Jahre dem kontinentaleuropäischen

Verlauf entsprechend, danach dem USamerikanischen

Muster.

Unter struktureller Arbeitslosigkeit ist, wie im Folgenden

noch näher auszuführen sein wird, die NAIRU

(non-accelerating inflation rate of unemployment) zu

verstehen (so auch die OECD in ihrem Economic

Outlook, www.oecd.org/eco/sources-and-methods).

Sie bildet vor allem die Mismatches ab zwischen Arbeitsplatzanforderungen

und Qualifikationen von Arbeitskräften

und ist daher auch ein Maß für die Fähigkeit

der Arbeitsmarktinstitutionen, die Folgen des

wirtschaftlichen Strukturwandels zu absorbieren. Mit

anderen Worten: eine Volkswirtschaft, die in der Lage

ist, Arbeitskräfte rasch den sich wandelnden Anforderungen

(Qualifikationen, Arbeitszeiten, Arbeitsorte)

entsprechend einsetzbar zu machen, kann ihre strukturelle

Arbeitslosigkeit niedrig halten.

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Fakultät 1

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Forschungsbericht 2010 / 2011

16 Demgegenüber hängen die zyklischen Schwankungen

von der Kapazitätsauslastung bei gegebenem

technischen und wirtschaftsstrukturellen Stand ab.

Die zyklische Komponente der Arbeitslosigkeit ist einerseits

eine direkte Folge der Schwankungen in der

privaten und staatlichen Nachfrage (den Konjunkturzyklen).

Andererseits ist sie aber auch abhängig von

einem Vergleich der Gewinnschmälerung durch Kapazitätsunterauslastung

bei annähernd gleichem Beschäftigungsstand

mit der (abdiskontierten) Gewinnschmälerungen

in einer folgenden konjunkturellen

Aufschwungphase durch die Rekrutierungskosten für

neue Arbeitskräfte (was wiederum mit dem Bildungssystem

und der Generalisierung oder Spezialisierung

der Ausbildungen zusammenhängt).

In einem Land wie Japan, wo Arbeitskraft einen hohen

Gebrauchswert, aber einen niedrigem Tauschwert hat

auf Grund der on-the-job Ausbildung (was wiederum

mit der nachholenden technischen Entwicklung zusammenhängt)

sind daher die konjunkturellen Zyklen

der Arbeitskräftenachfrage geringer ausgeprägt. Es

ist daher plausibel, hinter diesen unterschiedlichen

nationalen Mustern das Wirken der unterschiedlichen

arbeitsmarktpolitischen Verfahren und Institutionen zu

sehen.

In einer gleichermaßen durch Wachstumszyklen und

Strukturwandel geprägten dynamischen Wirtschaftswelt

stehen den Unternehmen im Wesentlichen zwei

Möglichkeiten zur Verfügung um den Arbeitskräfteeinsatz

den Auftragsschwankungen anzupassen:

(1) die Externalisierung der Flexibilitätslasten, das

heißt eine hohe Umschlaggeschwindigkeit bei den Arbeitsverhältnissen

(„Hire and Fire“), wie in den USA

und seit Mitte der 1980er Jahre im UK;

(2) die Internalisierung der Flexibilitätslasten, also eine

niedrige Umschlaggeschwindigkeit bei den Arbeitsverhältnissen,

verbunden mit einer hohen innerbetrieblichen

Flexibilität von Arbeitseinsatz und Entlohnung,

insbesondere durch:

(a) eine sowohl von Beschäftigten wie Unternehmen

angestrebte (wenn auch nicht immer und nicht überall

realisierbare) Lebenszeitanstellung; verbunden aber

mit einer hohen Bereitschaft zur Flexibilisierung des

Arbeitseinsatzes, sowohl quantitativ als auch qualitativ

(im Sinne einer raschen Versetzbarkeit von Arbeitskräften

zu anderen Verwendungen und auf anderen

Arbeitsplätzen desselben Unternehmens) und der

betriebserfolgsabhängigen Entlohnung über Bonuszahlungen;

sowie schließlich (b) einer Entlohnung

der neu eingestellten Arbeitskräfte unterhalb und der

bereits seit längerem im Betrieb tätigen Arbeitskräfte

oberhalb ihrer Produktivität, wodurch Anreize zum

Unternehmenswechsel für die Arbeitskräfte reduziert

werden. Kurz gesagt: hier handelt es sich um das in

der Nachkriegszeit entwickelte „Modell Japan“ (vgl. im

einzelnen: Kumazawa 1996, Demes 1998, Tachibanaki

1999, Ganßmann 1999, Uematsu 1999, Matsuzuka

2002, Kamppeter 2004, Higuchi 2006, Fujii 2008, Hozumi

2008).

Wie passt das kontinentaleuropäische Muster bis 1990

zu dieser Erklärung? Hier sind zwei Ebenen zu unterscheiden:

Hinsichtlich der mäßig ausgeprägten Zyklen

liegen die kontinentaleuropäischen Volkswirtschaften

recht genau in der Mitte zwischen dem amerikanischen

Modell und dem japanischen Modell, indem

beispielsweise über Kündigungsschutzregelungen die

Umschlagsintensität (sowohl von der Seite des „hire“

als auch von der Seite des „fire“ her) reduziert wurde,

in Großbetrieben zudem eine Quasi-Beschäftigungsgarantie

bestand.

Zugleich aber sind bis 1990 offenbar sowohl das amerikanische

als auch das japanische Beschäftigungssystem

besser mit dem Strukturwandel von der Industriegesellschaft

zur Dienstleistungsgesellschaft zurecht

gekommen, hat sich also die Zahl der Arbeitsplätze in

neuen Industrien in gleichem Maße ausgeweitet wie

Arbeitsplätze in traditionellen Industrien verloren gingen.

Das ist in Europa offenbar weniger gut gelungen.

Seit den 1990er Jahren sind alle Volkswirtschaften in

verstärktem Maße der weltwirtschaftlichen Konkurrenz

ausgesetzt. Dies wird mit dem Begriff der Globalisierung

benannt. Insbesondere stark exportabhängige

Volkswirtschaften, wie Japan und Deutschland,

gerieten unter Druck, indem der Strukturwandel sich

beschleunigte und insbesondere in den Arbeitsbereichen,

die nur geringe Qualifikationen verlangen, eine

abnehmende Nachfrage nach einheimischen Arbeitskräften

in den Hocheinkommens- und damit auch:

Hochlohnländern spürbar wurde. Sowohl in Japan als

auch in Deutschland sind die Exporte relativ kapitalintensiv,

während die Importe relativ arbeitsintensiv

sind.

In Deutschland wurde die Herausforderung durch

die Globalisierung noch verschärft durch die ökonomischen

Folgen des Beitritts der fünf neuen, ostdeutschen

Länder mit einer technisch rückständigen Wirtschaft

zur Bundesrepublik. In der Folge kam es seit

2003 in Deutschland zu einer Reihe von politischen

Maßnahmen („Agenda 2010“) unter anderem mit dem

Ziel, die strukturelle Komponente der Arbeitslosigkeit

zu reduzieren und zugleich die Beschäftigungsschwelle

zu senken (zum Konzept vgl. Pusse 2002;

zu einzelnen theoretischen Aspekten: Logeay 2003,

Flaig/Rottmann 2004; zu den Details Blien/Walwei/

Werner 2002, Jacobi/Kluve 2006, Leschke/Schmid/

Griga 2006; kritisch: Prinz 2004, ebenso verschiedene

Aufsätze in Sell/Wiegand-Kottisch 2007).

Eine Senkung der Beschäftigungsschwelle bedeutet,

dass schon bei einem moderaten Wirtschaftswachstum

(der Mittelwert des jährlichen BIP-Wachstums

zwischen 1990 und 2003 lag knapp unter 2 %!) vermehrte

Arbeitskräftenachfrage wirksam werden konnte.

So sollten Mismatches früher beseitigt werden,

indem einerseits Lohnersatzleistungen soweit gekürzt

wurden, dass Arbeitskräfte auch ungünstige Arbeitsverhältnisse

akzeptieren würden (Komponente des

„Forderns“), oder aber indem beispielsweise die staatlich

organisierte Vermittlung so weit verbessert wurde,

dass „Matches“ schneller zu Stande kommen (Komponente

des „Förderns“).


Im Wirtschaftsaufschwung (in Deutschland 2004 bis

2007) konnte so – mit einer gewissen Zeitverzögerung

– tatsächlich die Summe aus struktureller und zyklisch

bedingter Arbeitslosigkeit, also die Gesamtzahl der

Arbeitslosen, auf einen historischen Tiefstand gesenkt

werden. Verschiedene Faktoren, vor allem aber auch

die verstärkte Einstellung von Beschäftigten zu Niedriglöhnen,

führten zu einer Senkung der Lohnstückkosten

senken und der Steigerung der preislichen

Wettbewerbsfähigkeit (vgl. Flassbeck/Spiecker 2000,

Brück/Uhlendorff/Woweries 2004, Schröder 2005).

In Japan wiederum traf der Beginn Globalisierung mit

einer tiefen Struktur- und Systemkrise zusammen (vgl.

insbesondere Uematsu 1999). Ob es nur eine Koinzidenz

war, oder ob die Globalisierung letztlich Ursache

der japanischen Systemkrise war, ist umstritten – Auslöser

war sie mit Sicherheit. In der Folge jedenfalls

kam es auf den Arbeitsmärkten zum einen zu einem

Anstieg der strukturellen Komponente der Arbeitslosigkeit,

da die Geschwindigkeit des wirtschaftlichen

Strukturwandels stärker war als die Anpassungsfähigkeit

des Arbeitskräftebestandes. Zum anderen kam

es zu einer Verstärkung des zyklischen Komponente

der Arbeitslosigkeit, da sich das japanische Beschäftigungssystem

wandelte: Unternehmen setzten

stärker auf unternehmensexterne als auf unternehmensinterne

Arbeitsmärkte; neue, flexiblere Formen

von Beschäftigungsverhältnissen entstanden; die Umschlaggeschwindigkeit

von Beschäftigungsverhältnissen

wurde erhöht. Dadurch konnten auch japanische

Unternehmen die Lohnstückkosten senken und ihre

internationale preisliche Wettbewerbsfähigkeit steigern

(vgl. Matsuzuka 2002, Higuchi 2006, Kohlbacher/

Hommerich 2007, Sekine 2008, Tachibananki/Urakawa

2008).

Empirischer Überblick

Ein kurzer Blick auf eine zentrale Größe der Arbeitsmarktanalyse,

die Arbeitslosenquote, mag das Gesagte

illustrieren. Dabei ist allerdings darauf hinzuweisen,

dass Zeitreihen von japanischen und deutschen Arbeitsmarktindikatoren

vor allem in ihrem Muster, aber

nur partiell in ihren absoluten Werten miteinander verglichen

werden können, da die Erhebungsmethoden

der statistischen Daten zu unterschiedlich sind (beispielsweise

Mikrozensus vs. Totalzahlen der Registrierung);

erst ab 1989 stehen standardisierte OECD-

Daten (teilweise Schätzungen) zur Verfügung (OECD

Database).

Das Gesamtbild der Entwicklung der Arbeitslosigkeit

in Deutschland im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts

ist durch einen schnellen Anstieg der Arbeitslosigkeit

bei nachlassender Konjunktur und einen nur langsamen

Abbau der Arbeitslosigkeit bei wieder anziehender

Konjunktur gekennzeichnet. Der schnelle Anstieg

hängt mit dem raschen gesamtwirtschaftlichen Strukturwandel

zusammen; der langsame Abbau wird vor

allem auf das Obsoletwerden von Fähigkeiten und

Kenntnissen der Arbeitslosen zurückgeführt.

Damit wirkt der konjunkturelle Abschwung über sein

Ende hinaus: man spricht daher von „Hysterese“. Sie

kommt zum Ausdruck in einer steigenden Zahl von

Langzeitarbeitslosen. Da qualifizierte Arbeitskräfte im

Aufschwung knapper werden, steigen deren Lohnsätze,

was wiederum Rationalisierungsinvestitionen nahelegte.

Dadurch wurde der Sockel an Arbeitslosigkeit

im Aufschwung nicht hinreichend stark abgebaut, so

dass der nächste Konjunkturabschwung die Zahl der

Arbeitslosen über das Niveau des vorangegangenen

Abschwungs hinaustrieb – ein als „Persistenz“ bezeichneter

Zustand (vgl. Landmann/Jerger 1999, SVR

2005). Von Sonderfaktoren (beispielsweise dem Wiedervereinigungsboom

und der nachfolgenden Transformationskrise)

wird hier abgesehen. Diese Entwicklung

ist nach 2004 zumindest angehalten worden.

In Japan lassen sich drei Phasen der Arbeitsmarktgeschichte

unterscheiden (vgl. Uematsu 1999, Fujiki/Nakada/Tachibanaki

2001, Kamppeter 2004): bis 1991

ein sehr allmählicher Anstieg der Arbeitslosigkeit über

den Konjunkturzyklus hinweg; von 1991 bis 2002 ein

verhältnismäßig starker Anstieg der Arbeitslosigkeit im

Gefolge der Strukturkrise der japanischen Wirtschaft,

verschärft durch die Asiatische Wirtschafts- und Finanzkrise;

und schließlich die Phase der Flexibilisierung

des Arbeitsmarktes (und der aktiven staatlichen

Intervention) seit 2003 bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise

2008.

Theoretischer Ausblick

Der Stand der theoretischen Wissens lässt sich grob

gesagt so skizzieren: Ausgangspunkt jeglicher Arbeitsmarktpolitik

muss die Frage sein, ob sich Arbeitsmärkte

in einem Gleichgewicht befinden – und daran

anschließend dann erst kann die Frage beantwortet

werden, ob dieses Gleichgewicht akzeptabel ist oder

ob – und ggf. wie – es verändert werden muss.

In einer mikroökonomischen (nämlich den einzelnen

Markt isoliert betrachtenden) Sichtweise kann die

Beveridge-Kurve als Ausgangspunkt dienen. Sie stellt

das Verhältnis von Unemployment Rate (u) und Vacancy

Rate (v) dar und wird daher auch als UV-Diagramm

bezeichnet. Bewegungen auf der Kurve bilden dann

die Konjunkturzyklen ab, ein Punkt auf der 45-Grad-

Achse gibt an, dass der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht

ist.

Interessant ist, dass die japanischen Arbeitsmarktforscher

bislang keine Veranlassung sahen, über dieses

Instrument zur Bestimmung des Gleichgewichts hinauszugehen;

erst unter dem Eindruck der grundlegenden

Veränderungen auf dem japanischen Arbeitsmarkt

ändert sich derzeit diese Sicht (vgl. Fujii 2008).

Die grundlegenden Veränderungen lassen sich jedoch

auch am UV-Diagramm schon darstellen: Über

längere Zeiträume hinweg kommt es nämlich zu einer

Verschiebung der Beveridgekurve nach rechts außen,

d.h. dass Gleichgewichte nur noch bei größeren Mismatches

zwischen Arbeitskraftangebot und Arbeitskraftnachfrage

realisierbar sind. Die gleichgewichtige

Arbeitslosigkeit der Hocheinkommensvolkswirtschaften

steigt also im Zeitablauf. Gründe dafür sind vor allem

in technologischen Veränderungen und der damit

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Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

18 einhergehenden Kapital- und Wissens-Intensivierung

der Produktion bei dahinter zurückbleibenden Qualifikationen

der Arbeitskräfte gesehen worden.

Demgegenüber versuchen die makroökonomischen

Analysen das Arbeitsmarkt-Gleichgewicht zu bestimmen

unter Berücksichtigung gesamtwirtschaftlicher

Phänomene, insbesondere eines Gleichgewichtes

zwischen der realwirtschaftlichen und monetären

Sphäre (vgl. Phelps 1997, Phelps/Zoega 1998, Espinosa/Russel

1997, Landmann/Jerger 1999, Franz

2000, Turner 2001, Logeay 2003, Layard/Nickell/Jackman

2nd ed. 2005, Blanchard 2005). Die Beobachtung

eines Zusammenhangs zwischen einem monetären

Konjunkturphänomen und dem realwirtschaftlichen

Konjunkturphänomen der sich zyklisch verändernden

Arbeitslosigkeit ist unter dem Namen Phillips-Kurve

bekannt (geht aber tatsächlich schon auf Irving Fisher,

1926, zurück).

Bei Phillips sind Preisniveauveränderung und Arbeitslosigkeit

miteinander invers verbunden (Π = k – a U),

was in den 1970er Jahren zu der wirtschaftspolitischen

Illusion der Wahlmöglichkeit führte (Helmut Schmidt:

„Lieber 5 % Inflation als 5 % Arbeitslosigkeit!“).

Friedman und Phelps versuchten hingegen den Nachweis

zu führen, dass eine „natürliche“ Arbeitslosigkeit

institutionell gegeben sei, da die Wirtschaftssubjekte

auf staatsgenerierte Inflation auf Grund ihrer realistischen

Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des

Preisniveaus nur vorübergehend mit mehr Beschäftigung

reagieren würden. Formal kommt es also bei

den genannten Ansätzen zu einer Aufspaltung des

Parameters k in eine Komponente, die die erwartete

Inflation beinhaltet (Π e ), und eine inflationsstabile, bei

Friedman „natürlich“ genannte Arbeitslosigkeit, eben

die non accelerating inflation rate of unemployment,

die NAIRU (U*): Π = Π e – a (U –U*).

In einem dritten Schritt kommen Mankiw et al., aufbauend

auf der bahnbrechenden Arbeit von Layard/

Nickell/Jackman (2nd ed. 2005) zu der Überlegung,

dass die NAIRU keineswegs quasi-naturgesetzlich

festgelegt ist, sondern mittelfristig variabel ist – zunehmend,

wie mikroökonomisch in der Rechtsverschiebung

der Beveridge-Kurve zum Ausdruck gebracht,

aber auch abnehmend, wie es der Hoffnung der Agenda

2010 und der japanischen Flexibilisierungsinitiative

entspricht. Formal heißt dies, dass ein Term für kurzfristige

Schocks eingeführt wird (wie beispielsweise für

den Ölkrisenschock): Π = Π e – a (U –U*) + s.

Auf der Basis des LNJ-Ansatzes lassen sich nun ökonometrische

Schätzungen durchführen um die Entwicklung

der NAIRU im Zeitablauf zu bestimmen und

den Handlungsspielraum von Wirtschaftspolitik darzustellen.

Zudem lassen sich so Aussagen machen über

die Veränderungen der NAIRU durch die getroffenen

wirtschaftspolitischen Maßnahmen.

Möglicherweise ist in beiden Ländern zu stark auf letztlich

fragile Instrumente gesetzt worden. Denn sowohl

in Deutschland als auch in Japan haben „atypische

Beschäftigungsverhältnisse“ (Leiharbeit, in Japan

„freeter“, „arubaito“ etc.) seit den 1990er Jahren stark

zugenommen und den Aufschwung am Arbeitsmarkt

2005-2008 getragen. Dies ist beispielsweise erkennbar

an der Entwicklung des Anteils der temporären

Beschäftigten an der Gesamtzahl der Beschäftigten.

Offenbar haben die Reformen sowohl in Deutschland

als auch in Japan damit die Konjunkturempfindlichkeit

des Arbeitsmarktes erhöht: bei guter Konjunktur eine

stärker positive Komponente etwa durch die Möglichkeit,

Zeitarbeiter zu beschäftigen und damit Arbeitslosigkeit

rasch abzubauen, in der Konjunkturkrise eine

stärker negative Komponente. Die Konsequenz wäre,

dass die strukturelle Komponente der Arbeitslosigkeit

sinkt, die konjunkturelle Komponente aber eine höhere

Volatilität aufweist.

Eine Analyse dieser Zusammenhänge betritt allerdings

theoretisch noch weitgehend Neuland. Da Wirtschaftskrisen

im Kapitalismus Lokomotiven des Strukturwandels

sind, wird jedoch von der Tiefe, der Dauer

und Schwere der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise

abhängen, inwieweit diese Strategie das Ausmaß der

Arbeitslosigkeit auch im Abschwung positiv beeinflusst.

Hierzu sind Szenario-Rechnungen erforderlich,

was im Rahmen des Forschungsprojektes geschehen

soll.

Veröffentlichungen

Bass, Hans H., Arbeitsmärkte in Deutschland und Japan.

Eine kurze Geschichte mit offenem Ende, in: List-

Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik, Bd. 35, Heft

1, 2010, S. 63-86.

Bass, Hans H., Arbeitsmärkte und Arbeitsmarktpolitik

in Deutschland und Japan zwischen Globalisierung

und globaler Krise, in: Berliner Debatte Initial, 20 Jg.,

Heft 3, 2010, S. 88-103.

Bass, Hans H., German and Japanese labor markets

and labor market policies between globalization

and world economic crisis. Towards a comparison,

in: Hans H. Bass / Toshihiko Hozumi / Uwe Staroske

(Hrsg.), Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte zwischen

Globalisierung und Weltwirtschaftskrise: Japan

und Deutschland im Vergleich (im Druck)

Bass, H. / Hozumi, T. / Staroske, U. (Hrsg.), Die Flexibilisierung

der Arbeitsmärkte zwischen Globalisierung

und Weltwirtschaftskrise: Japan und Deutschland im

Vergleich (im Druck)

Finanzierung

Japan Society for the Promotion of Science (JSPS)

Hochschule Bremen, Konrektorat Forschung

Kooperationspartner

Hozumi, Toshihiko, Prof. Dr. (Aichi Universität Toyohashi,

Japan)

Kontakt

Prof. Dr. Hans Heinrich Bass

Telefon: +49 421 5905 4214

Telefax:+49 421 5905 4599

Hans-Heinrich.Bass@hs-bremen.de


Interkulturelle Öffnung des bremischen öffentlichen Dienstes durch Ausbildung

Laufzeit

04/2008 - 03/2010

Projektleiterin

Prümm, Kathrin, Dr.

Gewinnung und Ausbildung von jungen Menschen

mit Migrationshintergrund für den bremischen öffentlichen

Dienst

In diesem Projekt wird die Öffnung der Ausbildungsberufe

des bremischen öffentlichen Dienstes für Menschen

mit Migrationshintergrund beratend begleitet

1. Anforderungen an eine Öffnung der Ausbildung

im öffentlichen Dienst

In der Bundesrepublik verfügen ca. 18% der Bevölkerung

über einen Migrationshintergrund, in Bremen

beträgt deren Anteil ca. 20-25 %. Es ist damit zu rechnen,

dass dieser Anteil in den nächsten Jahren steigen

wird. Ohne dass konkrete Zahlen vorliegen, wird allgemein

davon ausgegangen, dass Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter mit Migrationshintergrund im öffentlichen

Dienst stark unterrepräsentiert sind. Mit der wachsenden

Anzahl von Personen mit Migrationshintergrund

an der Bevölkerung werden auch diejenigen, die die

Leistungen des öffentlichen Dienstes in Anspruch nehmen,

in zunehmenden Mabe Personen mit Migrationshintergrund

sein. Der Blick auf den demografischen

Wandel, das Interesse an Professionalisierung sowie

der Blick auf die Gemeinwohlorientierung führen seit

der Implementierung des Zuwanderungsgesetzes

dazu, dass Verantwortliche in vielen Kommunen zunehmend

auf die geringe Präsenz von Migranten im

öffentlichen Dienst reagieren.

Neben dem Interesse an der Erhöhung interkultureller

Kompetenz in den eigenen Reihen steht der öffentliche

Dienst aber auch als Arbeitgeber (Ausbildender)

und Akteur bei der Integration in der Pflicht. Dieses gilt

insbesondere in Bezug auf Maßnahmen, die den Erfordernissen

einer so genannten „nachholenden Integrationspolitik“

(Bade 2007) genüge tun. Nachholende

Integrationspolitik steht als Schlagwort für nachzuholende,

in den vergangenen Jahrzehnten versäumte

nachhaltige Integrationskonzepte und -maßnahmen,

die sich in mangelnder Bildungsbeteiligung und hohen

Arbeitslosenquoten von Menschen mit Migrationshintergrund

widerspiegeln. In Bezug auf Jugendliche

bedeutet dies, die Ausbildungsbenachteiligung von

Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu korrigieren

und ggf. unterstützend einzugreifen.

Auch wenn in den letzten Jahren eine auf Seiten des

öffentlichen Sektors allgemein verstärkte Bereitschaft

festzustellen ist, sich dem Thema der Integration zu

nähern und gestaltend einzugreifen, ist die Ausbildungsbeteiligung

von Migrantenjugendlichen rückläufig.

Bundesweit sind nur 2,1 Prozent der Auszubildenden

im öffentlichen Dienst ausländische Jugendliche.

Deutsche Schulabgänger/innen haben etwa doppelt

so hohe Chancen auf eine vollqualifizierende Berufsausbildung

wie nichtdeutsche Abgänger/innen. Die

allgemeine Verbesserung auf dem Ausbildungsmarkt

lässt sich bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund

bisher nicht erkennen (Berufsbildungsbericht 2008).

Als Hürde für die Einstellung von Auszubildenden mit

Migrationshintergrund werden von den Ausbildungsverantwortlichen

im öffentlichen Dienst zu wenige oder

nicht ausreichend qualifizierte Bewerbungen genannt.

Neben der unzureichenden Qualifizierung scheint ein

Informationsdefizit eine Ursache für eine zu geringe

Anzahl an Bewerbungen von SchulabgängerInnen

mit Migrationshintergrund zu sein, dessen Ursache in

fehlenden (Karriere) Netzwerken zu suchen ist. Der

öffentliche Dienst ist als Arbeitgeber und Ausbildender

kaum bekannt, geschweige denn attraktiv. Ansatzpunkt

dieses Projektes ist es, dass eine signifikante

Erhöhung der Anzahl von Auszubildenden mit Migrationshintergrund

ohne eine Erhöhung der entsprechenden

Bewerber/innenzahl kaum möglich ist. Diese

wiederum setzt ein wachsendes Interesse an der Ausbildung

im öffentlichen Dienst voraus.

2. Ausgangslage in Bremen: Leitbild – „Integration

durch interkulturelle Öffnung“

Mit der „Konzeption zur Integration von Zuwanderern

und Zuwanderinnen im Lande Bremen 2007-2011

und dem hierin formulierten Leitbild „Integration durch

interkulturelle Öffnung“ für die öffentliche Verwaltung

liegt eine politische Grundlage für eine Erhöhung der

Ausbildungsquote von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

im bremischen öffentlichen Dienst vor. Zwar

konnten im Jahre 2007 in diversen Bereichen bereits

vergleichsweise hohe Einstellungsquoten von Auszubildenden

mit Migrationshintergrund erzielt werden, in

anderen Ausbildungsbereichen sind die Einstellungsquoten

jedoch sehr niedrig. Als wichtigste Hürde für

die Einstellung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund

werden von den Verantwortlichen in den

einzelnen Ausbildungsbereichen die Einstellungstests

genannt (z.B. nicht ausreichende Deutschkenntnisse

der Bewerberinnen und Bewerber). Weiterhin wird

eine zu geringe Anzahl von qualifizierten Bewerbungen

von Personen mit Migrationshintergrund für entsprechend

niedrige Einstellungsquoten verantwortlich

gemacht. Bei einigen Verantwortlichen wird bei der

Frage nach einer gezielten Einstellung von Personen

mit Migrationhintergrund die Sorge vor einer juristisch

nicht haltbaren Privilegierung einer Personengruppe

formuliert. Ganz allgemein ist die Situation der Einstellung

von Auszubildenden mit Migrationshintergrund

durch Projektcharakter bestimmt, d.h. durch langfristige

Ungewissheit und jeweils abhängig vom indivi-

19

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

20 duellen Engagement einzelner Verantwortlicher. Eine

systematische strategische und ressortübergreifende

Zusammenarbeit bei der Rekrutierung von Personen

mit Migrationshintergrund findet in Bremen bislang

nicht statt.

3. Maßnahmen

Der Fokus des Projektes liegt darauf, dem Ausbildungsträger

im öffentlichen Dienst Maßnahmen zum

Abbau der Zugangsbarrieren vorzuschlagen, wobei

sich das Projekt im Wesentlichen auf eine Veränderung

der Rekrutierungsstrategie sowie die Evaluation

der Zugangsvoraussetzungen konzentriert.

Die Entwicklung von ressortübergreifenden Maßnahmen

zum Zwecke eines gemeinsamen öffentlichen

Auftritts der ausbildenden Behörden mit dem Ziel der

Erhöhung der Anzahl der Bewerbungen wird empfohlen.

Ziel soll sein, Handlungsschritte zu entwerfen, die

den öffentlichen Dienst als Arbeitgeber bekannter und

attraktiver machen. In Zusammenarbeit mit Schulen

German Aviation Benchmarking (GAB)

Projektbericht

German Aviation Benchmarking (GAB) - Aviation

Performance and Management of Value Chain

Die Luftverkehrsindustrie ist für Deutschland eine

Schlüsselindustrie. Sie sorgt national, direkt und indirekt,

für etwa 850.000 Arbeitsplätze und trägt damit

erheblich zur Wertschöpfung und zum Wachstum bei.

Die internationale Luftverkehrsindustrie ist in den letzten

Jahrzehnten durch mehrere Krisen gegangen. Sie

weist ein hohes Wachstum, aber, insbesondere bei

den Fluggesellschaften, eine geringe Profitabilität aus.

Die Liberalisierung des Luftverkehrsmarktes und insbesondere

das Aufkommen von Billigfluggesellschaften

(LCCs) haben zu verstärktem Wettbewerbsdruck

geführt. Derzeit herrscht in allen Marktsegmenten ein

starker Konkurrenzkampf um Passagiere und Fracht.

Dies wiederum übt nicht nur Druck auf die Kostenstrukturen

der eingesessenen Fluggesellschaften (FSAs)

aus, sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette.

Das Folgeprojekt der drei Fachhochschulen aus Bremen,

Berlin und Bad Honnef zum German-Airport-Performance

(GAP)-Projekt soll den Fokus von den Flughäfen

auf die gesamte Wertschöpfungskette (Value

Chain) des Luftverkehrs ausweiten. Das Ziel dieses

Projektes ist es, eine umfassende Analyse der Wertschöpfungskette

des Luftverkehrs durchzuführen,

praktisch umsetzbare Strategien und Handlungsempfehlungen

zu gewinnen sowie die Interdependenzen,

Wirkungszusammenhänge und vertikalen Beziehungen

der Akteure umfassend darzustellen. Nur so kön-

und Migrantenorganisationen soll es zukünftig besser

gelingen, Eltern und Jugendliche mit Migrationshintergrund

zu erreichen.

Finanzierung

Die Senatorin für Finanzen

Kooperationspartner

Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen

Dienst

Kontakt

Dr. Kathrin Prümm

Zentrum für Public Management

Werderstr. 73

28199 Bremen

Tel. 0421 5905 4416

pruemm.zep@hs-bremen.de

Laufzeit Projektbeteiligte

07/2008 - 06/2011 Fröhlich, Karsten

Weiser, Falko

Projektleiter

Niemeier, Hans-Martin, Prof. Dr.

nen Verbesserungs- und Optimierungspotenziale ermittelt

werden, welche über die Leistungsvermögen

einzelner Beteiligter hinausgehen und sowohl für die

Unternehmen der Branche, als auch für den Staat, der

mit Regulierung in diesem Sektor stark eingreift, von

hoher Bedeutung sind. Im Mittelpunkt des Projektes

stehen die folgenden Teile der Value Chain:

- Fluggesellschaften. Dieser Teil unterteilt sich in zwei

voneinander abhängige Module. Erstens sollen auf

Basis einer soliden Datenbank Produktivität und Effizienz

von LCCs und FSAs hinsichtlich der Wirkungen

von Liberalisierung, Privatisierung, zunehmenden

Wettbewerb und externen Schocks untersucht werden.

Zusätzlich zu diesem Benchmarking erfolgt zweitens

eine Analyse von Strategien und Kostenstrukturen

von Fluggesellschaften. FSAs und LCCs, aber

auch Charter- und Regionalfluggesellschaften haben

ihre Strategien in den letzten Jahren gewechselt. Doch

wie erfolgreich waren sie damit? Haben sie ihre neue

strategische Ausrichtung auch tatsächlich durchgehalten

oder sind sie daran gescheitert und falls ja, aus

welchen Gründen? Wie groß ist der Anteil der Kosten

die kontrollierbar sind und wie schaffen es Airlines ihre

Kosten erfolgreich zu senken?

- Flughäfen. Aufbauend auf den Benchmarking-Analysen

des GAP-Projekts sollen drei Module untersucht

werden. Im Ersten soll der Frage nachgegangen werden,

warum Produkt- und Preisdifferenzierung bei

Flughäfen bisher kaum Beachtung finden. Die jüngs-


ten Erfahrungen mit LCC-Terminals, Peak-Pricing und

Entgeltrabatten sollen auf ihre Effizienz hin analysiert

werden. Für das Peak-Pricing sollen für überlastete

deutsche und europäische Flughäfen Staukosten mit

ökonometrischen Methoden geschätzt werden. Das

zweite Modul beschäftigt sich mit dem zunehmenden

Konkurrenzdruck für Flughäfen, der die Bedeutung der

Umsatzquelle des Non-Aviation-Geschäfts für Flughäfen

erhöht hat. Welche Strategien (z.B. Bau von Shoppingterminals,

Parkraumbewirtschaftung usw.) verfolgen

Flughäfen in diesem Bereich und wie stellen sie

sich auf den wachsenden LCC-Verkehr ein? Geraten

sie dabei in Konflikt mit den FSAs? Wie ließe sich die

Supply Chain durch Zusammenarbeit optimieren? Das

dritte Modul thematisiert das Management von Regionalflughäfen.

Der Erfolg der LCCs hat dazu geführt,

dass diesen Flughäfen in der verkehrspolitischen Diskussion

verstärke Aufmerksamkeit zugekommen ist.

Strittig sind die Rolle der Subventionen und die verkehrsökonomischen

Funktionen für die Region. Untersucht

werden soll, ob und gegebenenfalls inwieweit

der Subventionsbedarf durch effektives Kostenmanagement

und Erschließen weiterer Non-Aviation-Erlöse

gesenkt werden kann.

- Flugsicherung. Dieser Teil wird die vorhandene Literatur

sichten, um den Einfluss der Flugsicherung

auf Fluggesellschaften und Flughäfen sowie die Rolle

in der Wertschöpfungskette abzuschätzen. Hierbei

werden Effizienzpotentiale und Reformvorschläge zur

Preispolitik berücksichtigt. Aufgrund der Komplexität

soll kein eigenes Benchmarking durchgeführt werden.

Der Teil wird gleichwohl wichtige Erkenntnisse für die

Analyse der Value Chain liefern.

- Wertschöpfungskette des Luftverkehrs. In diesem

Teil sollen die Erkenntnisse und Ergebnisse aus den

zuvor genannten Teilen zusammengeführt werden.

Es soll insbesondere die Frage beantwortet werden,

wie die Effizienz und Produktivität der Value Chain

gesteigert werden kann. Probleme sind vor allem an

den Schnittstellen zwischen einzelnen Akteuren zu

erwarten. Hier sollen Potenziale für Effizienzsteige-

rungen ermittelt werden. Stellen sich Flughäfen auf

die strategische Ausrichtung der Airlines ein? Können

Fortschritte im Non-Aviation-Geschäft der Flughäfen

zu Effizienz-Verbesserungen in der Value Chain führen?

Sollten Flughäfen selbst Bodenverkehrsdienstleistungen

anbieten oder sie auslagern? Wo und wie

können die Akteure kooperieren, um gemeinsam ein

besseres Ergebnis zu erzielen? Sind firmenexterne

Logistikdienstleister als moderne Koordinatoren im

Luftverkehrsbereich denkbar?

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kooperationspartner

Partner aus der Praxis:

Flughafen Düsseldorf, Flughafen Frankfurt, Flughafen

Hamburg, Flughafen Nürnberg, Flughafen Saabrücken,

Flugplankoordinator, Globe Ground, Lufthansa,

Lufthansa Consulting, Lufthansa City Line, Booz Allen

Hamilton, Mkmetric, Uniconsult, Strata

Partner aus der Wissenschaft (Inland):

Jacobs University Bremen, (Prof. Brunekreeft); Institut

für Weltwirtschaft Kiel (Dr. Wolf), Universität Paderborn

(Prof. Gilroy); Technische Universität Dresden

(Prof. von Hirschhausen); Deutsches Zentrum für Luft-

und Raumfahrt (Prof. Reichmuth); Hochschule Heilbronn

(Prof. Dr. Frank Fichert)

Partner aus Wissenschaft (Ausland):

Freie Universität Amsterdam, NL, (Dr. Pels); University

of Westminster, GB, (Dr. Dennis); University of Rome,

I, (Prof. Mancuso); University of Maryland, US, (Prof.

Dresner); Wilfred Laurier University, CDN, (Prof. Morrison);

University of British Columbia, CDN, (Prof. Gillen);

Monash University, AUS, (Prof. Forsyth)

Kontakt

Prof. Dr. Hans-Martin Niemeier

Tel.: +49 421 5905 4214

hans-martin.niemeier@hs-bremen.de

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Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

22

Geistiges Eigentum in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit

Laufzeit Projektbeteiligte

07/2008 - 06/2011 Freimuth, Joachim, Prof. Dr.

Krieg, Renate, Dr.

Projektleiterin Luo, Minyan

Schädler, Monika, Prof. Dr. Müller, Constanze

Projektbericht

Der Schutz geistigen Eigentums in China bereitet inländischen

sowie ausländischen Unternehmen nach

wie vor Schwierigkeiten. Häufig beklagte Quellen des

Wissensabflusses befinden sich an Schnittstellen der

inner- und zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit,

was den Zugang zu geistigem Eigentum und damit

dessen Diffusion an Wettbewerber erleichtert. Für

diese Situationen stehen bereits diverse Schutzmaßnahmen

zur Verfügung – diese gewährleisten bislang

jedoch keinen umfassenden Schutz geistigen Eigentums.

Die Tendenz zu einer engeren und direkten Zusammenarbeit

zwecks Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

ist jedoch in allen Unternehmensbereichen zu beobachten,

sei es bei der Zusammenarbeit mit externen

Kooperationspartnern, wie beispielsweise Lieferanten

und Kunden, oder mit internen Kooperationspartnern,

wie Führungskräften oder sonstigen Mitarbeitern des

Unternehmens. Das impliziert die Notwendigkeit,

schützenswerte technische und betriebliche Daten eines

Unternehmens, die einen Wissensvorsprung vor

dem Wettbewerber darstellen, im Rahmen der Zusammenarbeit

an die jeweiligen Partner offenzulegen.

Diese Offenlegung sollte in einem kontrollierten Rahmen

stattfinden. In der Praxis geschieht das – gerade

bei vertraulichen Informationen – jedoch häufig auf informellem

Wege. Auf China – wo im Geschäftsleben

per se bereits viel über informelle Kanäle geregelt wird

– dürfte dies besonders zutreffen. Umso komplexer

gestaltet sich die Herausforderung der Führungskräfte

in China, diesen Transfer geistigen Eigentums systematisch

zu überwachen und zu steuern.

Seit Juli 2008 erforscht das vom BMBF finanzierte Projekt

„Geistiges Eigentum in der deutsch-chinesischen

Zusammenarbeit“ innerhalb einer dreijährigen Laufzeit

den inner- und zwischenbetrieblichen Transfer

wirtschaftlich wertvoller Informationen. Der Schwerpunkt

liegt dabei auf dem informellen Transfer bei der

Zusammenarbeit von deutschen und chinesischen

Akteuren. Durch die Untersuchung der Mechanismen

des Informationstransfers, also aller relevanten strategischen

und taktischen Interaktionen einschließlich

der soziokulturellen Einflussfaktoren, soll ein optimierter

und kontrollierter Transfer gewährleistet werden.

Damit möchte das Projekt eine bedeutende und bislang

in der Diskussion zum Schutz geistigen Eigentums

unbeachtete Komponente erforschen und praktische

Handlungsempfehlungen für ein ganzheitliches

Informationsmanagement geben.

Dazu werden neben Literaturauswertung Untersuchungen

in Form von Interviews und Gesprächen

in Deutschland und China in verschiedenen Unternehmen,

Institutionen wie der Außenhandelskammer

Beijing sowie mit wissenschaftlichen Partnern

durchgeführt – u.a. mit der Universität zu Köln und

der Shanghai Academy of Social Sciences. Der Forschungsstand

wird laufend über die Projektwebsite

(www.ip-china.de) und über regelmäßige Newsletter

dargelegt. Die Ergebnisse werden auf verschiedenen

Veranstaltungen in Deutschland und China präsentiert

und über Artikel in Fachzeitschriften sowie einschlägigen

referierten wissenschaftlichen Zeitschriften zugänglich

gemacht. An der Hochschule Bremen erfolgt

neben der Einbeziehung der Erkenntnisse in die Lehre

auch die Vergabe von Bachelorarbeiten in Kooperation

mit interessierten Unternehmen sowie einer Doktorarbeit

in Zusammenarbeit mit den Modernen China-

Studien der Universität zu Köln.

weitere Informationen: www.ip-china.de

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kooperationspartner

Shanghai Academy of Social Sciences

Universität zu Köln

Kontakt

Constanze Müller

Hochschule Bremen

Werderstr. 73

28199 Bremen

constanze.mueller@hs-bremen.de

Tel: 0421/5905-4847

Fax: 0421/5905-4761


Möglichkeiten und Grenzen dauerhaft erfolgreicher Wirtschaftspolitik in kleinen europäischen

Volkswirtschaften im Kontext der Globalisierung

Laufzeit Projektbeteiligter

11/2008 - 10/2011 Pfannkuche, Alexander, Dipl.-Volkswirt

Projektleiter

Bass, Hans Heinrich, Prof. Dr.

Kurzfassung

Untersucht werden in diesem Vorhaben wirtschaftspolitische

Optionen und Strategien "kleiner" europäischer

Volkswirtschaften.

Als "klein" werden im Allgemeinen Staaten bezeichnet,

deren Bevölkerungszahl unter einem Schwellenwert

liegt (häufig: weniger als 5 Mio. Einwohner).

In volkswirtschaftlicher Hinsicht teilen Kleinstaaten

verschiedene Charakteristika: Einerseits können sie

kaum Massenproduktionsvorteile ausnutzen und haben

wegen des kleinen Binnenmarktes eine nur wenig

diversifizierte Wirtschaftsstruktur. Daher sind sie besonders

offen für den Weltmarkt, und ihre Wirtschaft

ist für exogene Schocks besonders anfällig, reagiert

also mit stärkeren Schwankungen als in größeren

Volkswirtschaften. Auf der anderen Seite können sie

bestimmte Nischen besetzen (oft im Finanzsektor

und in anderen, nicht von Skalenerträgen geprägten

Dienstleistungsbranchen), und durch einen relativ kleinen

Regierungs- und Verwaltungsapparat können sie

auf die Veränderungen der Weltwirtschaft ohne größere

interne Blockaden reagieren.

In der Vorglobalisierungszeit betonte die wirtschaftswissenschaftliche

Kleinstaatenforschung meist die

volkswirtschaftlichen Nachteile der Kleinheit, während

sich die neuere Forschung optimistisch zeigt und

Bedingungen untersucht, unter denen Kleinstaaten

die Nachteile ihres begrenzten Binnenmarktes und

der hohen Verletzlichkeit durch weltwirtschaftliche

Schocks ausgleichen konnten und sich teilweise sogar

als besonders erfolgreiche Modelle empfehlen ("Singapur-Paradox").

Die genauen Bedingungen sollen an

Hand von Fallstudien untersucht werden. Dabei sind

die jeweils unterschiedlichen Ausgangsbedingungen

und Entwicklungspfade zu berücksichtigen.

Als Ergebnis wird eine umfassende Darstellung und

Bewertung der wirtschaftspolitischen Strategien erwartet,

aus der sich Prognosen und Handlungsempfehlungen

ableiten lassen: Welche wirtschaftliche Bedeutung

der Kleinstaaten ist in der Zukunft möglich,

welche ist wahrscheinlich? Und welche Lehren lassen

sich daraus ziehen für die wirtschaftspolitischen Akteure

in der Europäischen Union insgesamt, insbesondere

auch im Hinblick darauf, dass globalisierungsbedingt

alle Volkswirtschaften im weltwirtschaftlichen

Sinne zunehmend "kleiner" werden, d.h. den Weltmarkt

nicht beeinflussen können und seine Standards

zunehmend akzeptieren müssen.

Das Forschungsprojekt ist mit einem Dissertationsvorhaben

verknüpft, das die drei baltischen Staaten und

die drei transkaukasischen Kleinstaaten miteinander

vergleicht.

Fragestellung

Der "Vater" der ökonomischen Kleinstaatenforschung,

Kuznets (1960), argumentierte, dass wirtschaftliches

Wachstum in kleinen Staaten – definiert durch Unterschreitung

von Schwellenwerten bei den Kriterien der

Fläche, der Bevölkerungszahl oder der Wirtschaftsleistung

einer Volkswirtschaft – wegen der Begrenztheit

der natürlichen Ressourcen und der größeren

wirtschaftlichen Unsicherheit besonders schwierig sei.

Die bisherige Forschung (zusammenfassend: Simon

2006) zeigte, dass im "objektiven" Sinne kleine

Volkswirtschaften keine Miniaturausgaben von großen

Volkswirtschaften sind, da ihnen für viele Produktionsbereiche

die erforderliche Größe fehlt, um überhaupt

Skalenerträge zu realisieren bzw. Skalenerträge in

einer größeren Anzahl von Branchen zu realisieren.

Die damit einhergehende Spezialisierung bedingt

eine hohe außenwirtschaftliche Offenheit und zudem

oft auch eine Spezialisierung auf nur wenige Handelspartner.

Dadurch entsteht eine hohe ökonomische

Verletzlichkeit durch exogene Ereignisse – der

"Mokkatasseneffekt" (eine leichte Erschütterung einer

vollen Mokkatasse lässt den Inhalt stark überschwappen).

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Kleinstaaten

werde zudem vom mangelnden nationalen

Wettbewerb negativ beeinflusst, da der kleine Binnenmarkt

die Monopolbildung begünstige (Briguglio/

Buttigieg 2003); die Konzentration infolge der geringen

Diversifikation gelte auch in regionaler Hinsicht:

die meisten Kleinstaaten weisen eine hohe räumliche

Konzentration von Wirtschaft und Verwaltung in der

Hauptstadt auf (Felsenstein/Portnov 2005).

Schon Kuznets hatte argumentiert, dass der Nachteil

der Kleinheit durch große Anstrengungen in der Ausbildung

der Arbeitskräfte und bei der Entwicklung flexibler

sozialer Institutionen überwunden werden könne.

Ein anderer "Klassiker" der ökonomischen Kleinstaatenforschung,

Katzenstein, argumentierte, dass sich

durch interne soziale und kulturelle Homogenität in

kleinen Staatswesen und entsprechend schnellere

Mechanismen wirtschaftspolitischer Entscheidungen

der Nachteil der Kleinheit auch in einen Vorteil verwandeln

könne – gesetzt den Fall, es gibt sozialpolitische,

häufig aber auch: "korporatistische" – Ausgleichssysteme

zum Nutzen der potenziellen Verlierer

des Strukturwandels und/oder der Weltmarktöffnung

(Katzenstein 1985).

23

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

24 Die geringe Größe einer Volkswirtschaft kann sogar

auch zu Spezialisierungsvorteilen führen; die hohe

Abhängigkeit vom Weltmarkt – und dadurch der geringe

verzerrende Einfluss des Staates – kann zu einem

Wachstumskatalysator werden. Dieser Effekt wird

besonders von der marktoptimistischen Schule der

Ökonomie (so Easterly/Kraay 2000) betont und mit

Hinweis auf eine Reihe von sehr erfolgreichen kleinen

Hocheinkommensvolkswirtschaften belegt.

In eine ähnliche Richtung deuten verhandlungstheoretische

Studien. So wird argumentiert (Grynberg 2006),

die Spezialisierung der Kleinstaaten ermögliche Vorteile

in internationalen Verhandlungen, die auf dem

Prinzip der Staatengleichheit beruhen - beispielsweise

innerhalb des Welthandelssystems der WTO. In

Fragen, die von keinem besonderen Interesse für die

Kleinstaaten seien, könnten Zugeständnisse gemacht

werden, womit Kompensationen in für sie relevanten

Fragen erreicht werden könnten. Weitere disproportional

große Vorteile können sich aus der relativen Kleinheit

bei Vereinbarungen über gegenseitigen Marktzugang

ergeben. Als Preisnehmer auf den Weltmärkten

könnten kleine Staaten im Prinzip sogar einheimische

Branchen schützen, ohne wegen des geringen Gewichtes

mit Reaktionen der Partnerländer rechnen zu

müssen (Geser 2001).

Zur Attrahierung von mobilen Produktionsfaktoren

können Kleinstaaten zudem ihre Steuersätze senken,

wodurch einerseits die Steuerbasis verbreitert wird,

andererseits aber keine Abwärtsspirale im Sinne eines

internationalen Steuerwettbewerbs in Gang gesetzt

wird (Dehejia/Genschel 1999). Die hohe Migration aus

Kleinstaaten kann zudem unter günstigen Voraussetzungen

einen hohen Liquiditätszustrom (Remittances)

ermöglichen.

Das Spannungsfeld von Nachteilen und Vorteilen der

geringen Größe einer Volkswirtschaft wird von Briguglio

et al. (2003, 2004, 2006) ausgeleuchtet. Diese Autoren

haben zum einen die ökonomische Verletzlichkeit

von Kleinstaaten konzeptuell zu erfassen gesucht

– anknüpfend an ältere Autoren (u.a. den Economic

Vulnerability Index des CDP) – und entwickelten dann

einen Index der Widerstandsfähigkeit gegen externe

Schocks, wobei Faktoren wie das Rechtssystem, makroökonomische

Stabilität, soziale Kohäsion und erfolgreiches

Umweltmanagement positiv berücksichtigt

werden (Briguglio et al. 2003).

Eine besondere Chance für Kleinstaaten wird allgemein

in der Entwicklung von solchen Sektoren gesehen,

die keine oder nur geringe potenzielle Skalenerträge

einschließen – insbesondere also wissensbasierte

Dienstleistungen (Qureshi / te Velde 2007) einschließlich

aller Formen von e-commerce, für die auch Transport-

und Infrastrukturkosten weniger ins Gewicht

fallen. Dafür ist allerdings die Entwicklung geeigneter

nationaler Innovationssysteme unerlässlich.

Dem in der älteren Literatur zu Grunde gelegten "objektiven"

(absoluten) Kleinheitsbegriff wird in der neueren

politikwissenschaftlichen Literatur (Geser 2001,

Schmidt 2006) ein "relationaler" (relativer) Kleinheitsbegriff

gegenübergestellt. In dieser Sicht sind Staaten

dann "klein", wenn sie ihre Souveränität nicht selbst,

sondern nur im Bündnis mit anderen gegenüber äußeren

Ereignissen sichern können. In weltwirtschaftlicher

Sicht spricht man schon seit langem davon,

dass Volkswirtschaften dann "klein" sind, wenn sie (in

Analogie zum Begriff der Kleinheit von Unternehmen)

Preise nicht beeinflussen können, sondern als Preisnehmer

vom Markt (hier: vom Weltmarkt) abhängig

sind. In einer solchen Sicht wäre eine Volkswirtschaft

dann "klein", wenn sie etwa ihre sozialen Standards,

ihr Lohnniveau etc. nicht mehr autonom bestimmen

könnte, sondern im Sinne eines weltweiten Standortwettbewerbs

den Entwicklungen des Weltmarktes

ausgeliefert wäre. Hier spricht man auch vom "Nussschaleneffekt":

Die betreffende Volkswirtschaft folgt

wie eine Nussschale im Ozean den Wellenbewegungen

des Weltmarktes ohne Einflussmöglichkeiten

durch die Veränderungen ihres eigenen Angebotes

oder ihrer eigenen Nachfrage, die nämlich im Weltmaßstab

gering sind.

In einer von der Möglichkeit der nuklearen Kriegführung

dominierten Sicherheitsordnung einerseits sowie

einer sich zunehmend globalisierenden Weltwirtschaft

andererseits wäre nach dieser neuen Begriffsdefinition

für die meisten bislang als souverän angenommen

Staaten bzw. als autonom bezeichneten Wirtschaftsräume

eine relative "Kleinheit" anzunehmen. Damit

könnte die konventionelle Kleinstaatenforschung allgemeine

Erkenntnisse bereitstellen und für die Weltwirtschaftslehre

und die Lehre von den internationalen

Beziehungen quasi-natürliche Experimente liefern.

Für die Beurteilung des "Erfolgs" von wirtschaftspolitischen

Strategien im Einklang mit den neuesten Bemühungen

der OECD ist es allerdings erforderlich,

den Fortschritt von Gesellschaften jenseits der BIP-

Messung zu erfassen und unterschiedliche Aspekte

des gesellschaftlichen Wohlstands zu berücksichtigen

(OECD et al. 2007).

Zu den Fallstudien dieses Vorhabens – die baltischen

Staaten Estland, Lettland, Litauen sowie die transkaukasischen

Staaten Georgien, Aserbeidschan und

Armenien – liegen eine Reihe von detaillierten Arbeiten

vor (zusammenfassend dazu: Bass 2008b, Bass/

Schmidt 2008, Schmidt 2008, Weis 2008). Diese

sechs Länder sind aber noch keiner vergleichenden

Untersuchung unterzogen worden. Sie sind auf Grund

gemeinsamer Merkmale und Vergleichsmöglichkeiten

jedoch in besonderem Maße für die vergleichende

Kleinstaatenforschung geeignet (Bass 2008a)

Veröffentlichungen

Bass, Hans H., Management Challenges in a Small,

Post-soviet Developing Economy: The Case of Armenia,

in: A. Krylov / T. Schauf (Hrsg.), Internationales

Management: Entwicklungen, Tendenzen und Best

Practice, Festschrift für Axel Sell, Berlin 2008: Lit-Verlag,

S. 295-310.


Bass, Hans H. / Schmidt, Irina, Small Economies Facing

Global Challenges: The Case of Armenia, in: K.

Zoladkiewicz / T. Michalowski, Meeting Global Challenges,

Gdansk 2008: Institute of International Business

Series No. 25, Fundacja Rozwoju Uniwersytetu

Gdanskiego (Universitätsverlag Danzig), pp. 622-635.

Finanzierung

Hochschule Bremen, Konrektorat Forschung

Kontakt

Prof. Dr. Hans Heinrich Bass

Telefon: +49 421 5905 4214

Telefax:+49 421 5905 4599

Hans-Heinrich.Bass@hs-bremen.de

Sitting Bull - Marktforschungsstudie für das Überseemuseum Bremen, Dezember 2008 bis

September 2009

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2008 - 09/2009 Kurzeja, Astrid

Schmidt, Jutta

Projektleiter

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

Brunken, Astrid, Prof. Dr.

Projektbericht

Im Mittelpunkt dieser Marktforschungsstudie stehen

die Analyse der Besuchergruppen, ihre Besuchsmotivation

und ihre Erwartungen an das Museum. Eine

Bewertung der Themen der Sonderausstellungen und

der Dauerausstellungen soll ebenso durchgeführt wer-

den wie auch eine Identifizierung der aktuellen Besuchererwartungen

Zusätzlich soll eine tiefer gehende

Analyse der Interessen und des Verhaltens der Besucher

stattfinden und die Identifikation der Bremer

Besucher mit „ihrem“ Museum ermittelt werden. Dazu

werden sowohl zwei Besucherbefragungen als auch

eine Nichtbesucherbefragung durchgeführt.

Das Überseemuseum ist ein traditionsreiches Museum

in der Bremer Innenstadt mit einem Fokus auf

Handel, Natur und Völkerkunde.

Finanzierung

Überseemuseum Bremen

http://www.markt-forschung-kultur.de/

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Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

26

Interkulturelle Kompetenzmessung

Laufzeit

01/2009 - 08/2010

Projektbeteiligte

Jochen Schiffmann 2:team

Katrin Nissel Patrick Santos

Anne Löhr Dr. Ulrike Wilkens

Guy Middleon Prof. Dr. Christian Schuchardt

Projektbericht

Theoriemodell

Basiert auf prozessorientiertem Strukturmodell, das

die meisten Interkulturalisten befürworten. Orientiert

sich an Hofstedes Stufenmodell, nach dem die die 3

Stufen duchlaufen werden müssen, um interkulturell

kompetent zu werden. Es ist nach dieser Theorie also

nicht möglich, die Stufe 3 ohne die Stufe eins und

zwei zu erlangen. Allerdings ist es durchaus möglich,

sich dem Kulturverständnis zunächst auf einer Wissensebene

zu nähern, die dann in der Regel zu einer

bewussten Haltung im Sinne der Relativierung eigener

Maßstäbe führt. Demnach ist hiermit auch ein Entwicklungsmodell,

ähnlich dem Bennets gezeichnet.

Elemente interkultureller Kompetenz und externe

und interne Wirkungen

Die Attribute sind im Wesentlichen aus der Delphi Studie

von Deardorff genommen worden, da diese die validierte

Fachmeinung der Experten auf diesem Gebiet

zusammenfasst. Ergänzt wurden sie durch einige Attribute,

die sich durch eigene langjährige Trainingspraxis

im ZIM ergeben haben.

Werden die Elemente interkultureller Kompetenz befolgt,

führt dies zu Wirkungen, die den Prozess interkultureller

Kompetenz begünstigen.

Die Wirkungen ordnen sich genauso auf den drei Stufen

Bewusstseinsebene, Wissensebene und Handlungsebene

an. So kann man beispielsweise auf der

Prozessmodell für interkulturelles Assessment

Bewusstseinsebene Wissen, dass die Werte kulturgebunden

sind, auf der Wissensebene weiß man, welche

Unterschiede es geben kann und auf der Handlungsebene

ist man dazu in der Lage, mit diesen

Unterschieden umzugehen.

Messinstrumente

Messinstrumente müssen vielschichtig angelegt werden,

um ein objektives Bild interkultureller Kompetenz

erheben zu können.

Das Wissen um die eigene kulturelle Prägung und

persönliche Toleranzgrenzen können wir auf internetbasierten

Testmethoden erheben. Ebenso einige Informationen

über das kulturspezifische Länderwissen.

Auch das Wissen grundsätzlich unterschiedlicher

Wertehaltungen und ein Grundwissen an unterschiedlichen

kommunikativen Regelen der Kommunikation

kann auf diese Weise abgefragt werden.

Um aber die Handlungskompetenz beurteilen zu können,

empfehlen wir ein individuelles Assessment, das

in Form von individuell eingereichten Essays, oder im

persönlichen Gespräch mit Experten erhoben wird.

Kontakt

ZIM - Zentrum für Interkulturelles Management

Hochschule Bremen

Werderstraße 73

28199 Bremen


Genreübergreifende Kooperationsmöglichkeiten von Kulturinstitutionen in der

Metropolregion Bremen/Oldenburg

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2009 - 09/2009 Kurzeja-Christinck, Astrid

Schmidt, Jutta

Projektleiter

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

Projektbericht

Ziel der Studie ist es, einen Anstoß zur Bündelung von

Synergien aus Wirtschafts- und Kulturaktivitäten zu

geben. Bereits bestehende Untersuchungen zu kulturellen

Aktivitäten und Kooperationen haben belegt,

dass kulturelle Veranstaltungen einen deutlichen ökonomischen

Mehrwert für die Region bewirken. Diese

Erfahrungen werden anhand eines Beispielprojekts

ex-post ausgewertet und analysiert (Expertengespräche

und Datenanalyse).

In einem zweiten Schritt wird exemplarisch untersucht,

welche Ansätze von Kooperationen (genreübergreifend)

verschiedener Kultureinrichtungen es bereits

gibt. Hierzu werden zunächst Arten von Kooperationen

systematisiert und auf dieser Basis die Erfolgsfaktoren

für (potentielle) Kooperationen ermittelt. Auf

dieser Basis werden Handlungsempfehlungen für den

Aufbau oder die Verfestigung von Kooperationen zwischen

kulturellen Institutionen und zwischen Kultur

und Wirtschaft bzw. Wissenschaft abgeleitet.

Finanzierung

Handelskammer Bremen und Metropolregion Bremen-

Oldenburg

Kooperationspartner

proloco, Bremen - www.proloco-bremen.de

Kontakt

Prof. Dr. Peter Schmidt,

Peter.Schmidt@markt-forschung-kultur.de

Tel. 0421-322 856 81

http://www.markt-forschung-kultur.de

Reginalökonomische Auswirkungen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages in

Bremen vom 20. Mai 2009 - 24. Mai 2009

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2009 - 09/2009 Forschungsgruppe markt.forschung.kultur

Kurzeja-Christinck, Astrid

Projektleiterin Schmidt, Jutta

Brunken, Astrid, Prof. Dr. Studierende Studiengang Management im Handel

(Lehrprojekt Marktforschung)

Projektbericht

Aufgabenstellung:

Gastgeber des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages

ist Bremen. Bremen hat sich sehr stark finanziell

an diesem Kirchentag beteiligt ( über 7 Mio €) und

erhofft sich davon positive Impulse für das Image Bremens

sowie auch regionalökonomische Effekte.

Die im Auftrag des Kirchentages durchgeführte repräsentative

Untersuchung soll insbesondere folgende

Fragen klären:

• Welchen regionalökonomischen Nutzen hat Bremen

von dieser Großveranstaltung gehabt?

• Wie wurde Bremen dabei erlebt?

• Welche Motive und Interessen standen bei den

Besuchern im Vordergrund?

• Wie zufrieden waren die Besucher mit der Veranstaltung?

• Wie wurde die Veranstaltung von unterschiedlichen

Zielgruppen erlebt?

(Altersgruppen, sozialer Status, Involvement, Erst-

und Stammbesucher, Bremer und Nicht-Bremer)

Während der viertägigen Veranstaltung wurde daher

eine Besucherbefragung von über 2.500 Personen

durchgeführt, die Aufschluss über die o.a. Fragestellungen

geben sollte.

Methodik der Untersuchung:

Face-to-face-Befragung

Quotenauswahl (Alter, Geschlecht)

27

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

28

Standardisierter Fragebogen

64 Interviewer, davon 32 Studierende des Studienganges

Management im Handel

2.567 Interviews

drei Befragungsstandorte (Überseestadt, Bahnhofsvorplatz,

Bürgerweide)

drei Befragungstage

Befragungszeiten von 10.00 bis 21.00 Uhr

Ausgewählte erste Ergebnisse:

Besuchsmotive und Bewertung

• Insgesamt hat der Kirchentag ein ausgesprochen

positives Echo bei allen Besuchergruppen gefunden

• Zentrale Besuchsmotive sind eindeutig das Gemeinschaftserlebnis

dieser Groß-veranstaltung

sowie auch Spaß, weniger das Motiv, Politiker und

Prominente zu erleben

Besucherstruktur

• Der Kirchentag hat 93% Besucher von außerhalb

Bremens angezogen, darunter 40% Erstbesucher

Bremens

• Die Mehrzahl dieser auswärtigen Besucher des

Kirchentages sind „Stammbesucher“ aus ganz

Deutschland

• Regionaler „Mitnahmeeffekt“ zeigt sich bei Bremer

Erstbesuchern

• Kirchentag spricht regionalökonomisch interessante

Zielgruppe mit hohem Einkommen und Bildungsniveau

an

Imageeffekt bei Besuchern

Bei Nicht-Bremer Besuchern überlagert die Gastgeberfunktion

Bremens (gastfreundlich, lebendig und

interessant) eindeutig die Wahrnehmung der Hansestadt

in Bezug auf die sonstigen imagebildenden

Merkmale Bremens

aber: positive Imageeffekte durch die Medienberichterstattung

über Bremen müssen auch berücksichtigt

werden

Projektbericht:

Aufgabenstellung:

Im Rahmen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages

wurde eine breit angelegte Bettenkampagne

durchgeführt mit dem Ziel, Privatquartiere für die

zu erwartenden Besucher des Kirchentages zu gewinnen.

Zielsetzung der vorgesehen Marktforschungsstudie

war es nun, nach Abschluss des Kirchentages eine

schriftliche Befragung sowohl der Gastgeber dieser

Kurzfristige Wirkung:

Kurzfristiger regionalökonomischer Effekt für Bremen

liegt hochgerechnet zwischen 19,6 Mio € (Basis: angegebene

Tagesausgaben) und 20,7 Mio € Ausgaben

(Basis: angegebene Gesamtausgaben) der Besucher

des Kirchentages

Langfristiges hohes Potenzial (z.B. für Städtetourismus)

durch

• hohen Anteil an Erstbesuchern Bremens

• hohen Anteil der regionalökonomisch interessanten

Zielgruppen

• Gastgeberfunktion der Privatquartiere

erzeugt Bindungspotenzial der Gäste

an die Stadt großes überregionales Medienecho

und überregionale Berichterstattung

(bundesweiter Imageeffekt)

Finanzierung:

32. Deutscher Evangelischer Kirchentag (Drittmittelprojekt)

Kontakt:

Prof. Dr. Astrid Brunken

Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing

Fakultät 1 Wirtschaftswissenschaften

Werderstraße 73

D-28199 Bremen

E-Mail: astrid.brunken@hs-bremen.de

Fon: +49 (0)421 5905 4684

Fax: +49 (0)421 5905 4692

Gastgeber- und Gästebefragung im Rahmen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages

in Bremen vom 20. Mai 2009 - 24. Mai 2009

Laufzeit Projektbeteiligter

05/2009 - 05/2009 Niels Winkler

Projektleiterin

Brunken, Astrid, Prof. Dr.

Privatquartiere als auch der Gäste durchzuführen, um

die Erfolgswirksamkeit der Kampagne zu überprüfen

und darüber Hinweise für künftige Bettenkampagnen

abzuleiten. Folgende Fragen sollten damit geklärt werden:

• Wer hat sich als Gastgeber bzw. als Gast aufgrund

der Bettenkampagne beteiligt, welche

sozio-demographischen Merkmale weisen diese

Personengruppen auf, aus welchem sozialen und


kirchlichen Hintergrund kommen diese Personengruppen

(u.a. auch kirchlich-religiöses Involvement)?

• Was waren die wesentlichen Motive für die Gastgeber,

um entsprechende Privatquartiere zur Verfügung

zu stellen?

• Wodurch sind die Gastgeber auf die Bettenkampagne

aufmerksam geworden?

• Wie zufrieden waren die Gäste mit ihrem Privatquartier?

• Wie zufrieden waren die Gäste und Gastgeber mit

der Organisation der Unterkunftsvermittlung, mit

der Betreuung vor und während des Kirchentages?

Methodik der Untersuchung:

Schriftliche Befragung von Gastgebern und Gästen

von Privatquartieren

Befragungszeitraum: 1. Juni bis 15.Juni 2009

Rücklaufquote: 1734 von 4308 Gästen (40%)

2199 von 3612 Gastgebern (61%)

Erste ausgewählte Ergebnisse:

• Kontaktfreudigkeit und Kirchenaktivität sind die

Hauptmotive

• Die Berichterstattung über fehlende Betten und

ein gewisser „Lokalpatriotismus“ waren zudem

ausschlaggebend für das Angebot von Privatquartieren

• Das Motiv „fehlende Betten“ hängt sehr stark mit

der Aufmerksamkeit, vermittelt durch die Printmedien,

zusammen

Verhältnis Gastgeber und Gäste

• 95% der Gäste und 93% der Gastgeber beschreiben

das Verhältnis zueinander als offen und herzlich

• 93% haben gute Erfahrungen als Gastgeber gemacht;

97,4% würden wieder ein Privatquartier

anbieten

• Sehr viele Gäste waren begeistert von der Gastfreundschaft

und der Stadt selbst

o Zitat: „Bremen war ausgezeichnet“ - „Gast

geber super“

Wodurch wurden die Gastgeber hauptsächlich motiviert ein Privatquartier anzubieten?

• Privatquartiere bieten auch die Möglichkeit einer

langfristigen Bindung von Auswärtigen an Bremen.

o Zitat: „Wir haben unsere Gäste noch einmal

eingeladen …“ - „Sie kamen als Gäste und

gingen als Freunde“

Insgesamt

• Klassische Kommunikationswege über Gemeinden

und Pressearbeit sind am wirksamsten für die

Ansprache von potentiellen Gastgebern

• Typisierung nach Gastgebermotiven:

o Aktive Gemeindemitglieder

o Gastfreundliche Bremer

• Insgesamt positive Erfahrung für Gäste und Gastgeber

• Ablauf und Organisation der Privatquartiere waren

ein voller Erfolg

Finanzierung:

32. Deutscher Evangelischer Kirchentag (Drittmittelprojekt)

Kontakt:

Prof. Dr. Astrid Brunken

Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing

Fakultät 1 Wirtschaftswissenschaften

Werderstraße 73

D-28199 Bremen

E-Mail: astrid.brunken@hs-bremen.de

Fon: +49 (0)421 5905 4684

Fax: +49 (0)421 5905 4692

29

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

30 Marktforschungsstudie Stiftung Historische Museen Hamburg

Laufzeit Projektbeteiligte

07/2009 - 06/2010 Kurzeja-Christinck, Astrid

Schmidt, Jutta

Projektleiter

Schmidt, Peter, Prof. Dr.

Projektbericht

Synergien oder Konkurrenz - die Zusammenfassung

von 4 Museen in der Stiftung Historische Museen

Hamburg

Seit dem 1. Januar 2008 sind die vier historischen Museen

Hamburgs unter dem Dach der Stiftung Historische

Museen Hamburg zusammengefasst. Diese sind

das Museum für Hamburgische Geschichte, das Altonaer

Museum, das Museum der Arbeit und das Helms-

Museum. Zusammen mit ihren jeweiligen Außenstellen

beherbergt die Stiftung insgesamt zehn Museen.

Das verbindende inhaltliche Element aller Museen ist

die Darstellung Hamburgs Stadt- und Kulturgeschichte,

wenngleich auch unterschiedliche Aspekte dargestellt

werden.

Eine repräsentative Befragung in den vier Haupthäusern

soll Aufschluss über die Besucherprofile, deren

Besuchsmotive und Wünsche geben. Zudem werden

Ansatzpunkte für eine zukünftige Zusammenarbeit der

Häuser und einer damit verbundenen Ausschöpfung

von Synergienpotentialen ermittelt.

Finanzierung

Stiftung Historische Museen Hamburg

Kontakt

Prof. Dr. Peter Schmidt,

Peter.Schmidt@markt-forschung-kultur.de,

Tel. 0421-322 856 81

http://www.markt-forschung-kultur.de

Promoting Agribusiness for Africa’s Prosperity - Country Case Study Mali

Laufzeit Projektbeteiligter

11/2010 - 10/2011 Langelage, Christopher R.

Projektleiter

Bass, Hans Heinrich, Prof. Dr.

Projektbericht

Kurzfassung

Commissioned by the United Nations Industrial Development

Organization (UNIDO), this research project

contributes to an Africa-wide report on agro-industrial

development with a case study focusing on Mali. The

project is based on the fact that Africa has huge potential

for agro-industry which needs to be tapped to

promote prosperity.

Agro-industries comprise food processing (staple products

and export crops) and non-food sectors (such as

textile and garment). For all these processing industries,

input industries and services firms are needed.

Agro-industry includes all the post-harvest activities

that are involved in the transformation, preservation

and preparation of agricultural production for intermediary

or final consumption. It consists of six groups according

to the International Standard Industrial Classification

(ISIC), namely food and beverages; tobacco

products; paper and wood products; textiles, footwear

and apparel; leather products; and rubber products.

Agribusiness enterprises can be decomposed further

into four groups: the producing farm firms; the farm input

supply business; the processing agribusiness; and

the various services, marketing and distribution agribusiness

firms. These could be formal and informal

enterprises, and classified by size, ranging from large

to small and micro-enterprises. This study considers

agro-industry products that may be tradable or nontradable

at the local, regional and/or at international

levels.


Africa started its Comprehensive African Agricultural

Development Program (CAADP) in 2003 to lay

the foundation for a high and sustainable agricultural

output growth of 6% annually. If this growth rate can

be achieved, the basis for a dynamic development of

agro-industries will be given. In addition, many African

countries have over the years undertaken economic

reforms at the country level. At the sub-regional and

continental levels, new actions towards agriculture,

agribusiness and agro-industrial development are

underway. Also more and more African countries are

pursuing agricultural and industrial sector reforms, leading

to favorable conditions for exploiting and creating

comparative advantages of Africa’s agriculture and

agro-industries. Notwithstanding these developments,

the new dynamics of world food and agricultural raw

materials markets require a better knowledge of the

potential and capacity of Africa’s agro-industries. If the

potential can be used, there will be huge social inclusion

effects in terms of direct and indirect employment

creation, income generation and poverty reducing

growth, better nutrition and health conditions, thus

contributing to the Millennium Development Goals

(MDGs).

Despite the importance of agro-industries for Africa,

there is no comprehensive study available that

addresses all the issues described above. UNIDO as

leader of the study fills a gap in knowledge with a report

analyzing the challenges, potential and opportunities

for the agribusiness sector and its sub-sectors

at a time of dramatic changes in global food and raw

materials markets. The report assesses and builds a

case for accelerating agribusiness development in Africa

as follows: to identify Africa on the global agro-industrial

map; to strengthen the role of agribusiness as

a vehicle for economic prosperity and the realization

of the MDGs in different country settings; to maximize

the employment potentials through agribusiness and

agro-industrial development in formal and informal

economic sectors, as well as in rural and urban towns

and clusters; to use agro-industrial development in

value chains to enhance market access to local, regional

and dynamic global markets by African producers;

to address the key challenges, constraints and

opportunities of agribusiness in order that policies can

be made more coherent at national, sub-regional and

continental levels; and to determine the key drivers

and core pillars for creating value addition in Africa by

producing and exporting at a higher level of industrial

processing.

The UNIDO report focuses on three major issues: (1)

identifying African agribusiness capabilities and potential

in a global perspective, (2) analyzing the crucial

development pillars of agribusiness development in

Africa, and (3) proposing workable strategies and formulating

an agenda for action.

Finanzierung

United Nations Industrial Development Organisation

(UNIDO), Wien

Publikationen

Bass, Hans H., Promoting Agribusiness for Africa’s

Prosperity: Country Case Study Mali. United Nations

Industrial Development Organization (UNIDO), Project

YA/RAF/08/033, 2010

Bass, Hans H., Trading out of Poverty? Challenges

and chances of globalisation for one of the world’s

poorest countries (Mali) and its cotton industry, in: Institute

of International Business, The Challenges of

the Global Economy, Fundacja Rozwoju Uniwersytetu

Gdanskiego (Universitätsverlag Danzig) (im Druck).

Kontakt

Prof. Dr. Hans Heinrich Bass

Tel.: 0421-5905-4214

E-Mail: Hans-Heinrich.Bass@hs-bremen.de

31

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

32 Forschungsprojekte der Fakultät Architektur, Bau und Umwelt

PROTEKT

Freischneidetechnik zur Experimentellen Dehnungsermittlung an Mauerwerk

zur Bausubstanzerhaltung und Ressourcenschonung (FreD)

INVENT

Optimierung von Fruchtreifungsprozessen

Ökoeffiziente Isoliersysteme Eco:In

Bepflanzter Hochleistungs-Bodenfilter

StraTeK: Strategien für den technologischen Wandel im Kfz Handwerk

Machbarkeitsstudien: Hafenspeicher in Bremen- Vegesack

Machbarkeitsstudie „Schaufenster Bootsbau“ in Bremen-Vegesack

Tools zur Prozessentwicklung für Fermentationen unter extremen Bedingungen:

ProTool

RessourcenManager: Stoffstrommodell für die Kreislauf- und Abfallwirtschaft

BioPowerTrainer: Ein Trainingssimulator für Biomasse-Kraftwerke

CODWAP - „Collaborative curriculum Development on Waste management in

Africa and Pacific region“

33

34

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PROTEKT

Laufzeit

11/2006 - 04/2008

Projektleiter

Wittmaier, Martin, Dr.

Albers, Henning, Prof. Dr.-Ing.

Projektbericht

"Handling and Treatment of Oil Contaminated Water in

Thai Industries and Trades" - Development of practice

oriented guidelines for handling and treatment of oil

contaminated water in industries and trades to promote

environmentally friendly production and increase

market opportunity, with applied examples for 10

SMEs in Thailand

Background

Mixtures of oil and water are produced in the most diverse

areas of industry, for example, in engineering,

in automobile manufacture, in food processing, and in

the fish industry. Even when the oil in question has

different origins, the principles involved in treating it

are similar.

Oil-contaminated water has a negative effect on a

product’s environmental properties. Since the production

of internationally traded goods calls for increasing

adherence to international environmental standards,

trade can be impaired when such standards are not

met.

PROTEKT proposes building on the technical capacity

of the SMEs in Thailand in respect to the management

Projektbeteiligte

Suttirat, Sontaya

Langer, Stefanie

Wöltje, Marco

Wolff, Sebastian

Schädlich, Michael

Bastin, Susanne

of oil-contaminated water (industrial oily waste and

wastewater). The project provides the enterprises with

the tools to rethink their production chains using economically

viable and environmentally sound methods.

The project aims at increasing market opportunities

through promoting environmentally friendly production

in Thailand. To this aim, practice-oriented guidelines,

applicable to a wide range of industries, a training module

and a distance-learning package are developed

in collaboration with scientists and those working in

industry in Thailand and Europe.

The target groups are the Thai industries and trades

where oil-contaminated water is involved. The main

activities are developing guidelines, providing consultations,

preparing training material, implementing

a workshop and a training course, and integrating all

resulting material in a distance-learning module.

Objectives

- To promote environmentally friendly production in

Thai industries and trades

- To contribute to the effective and efficient managing

of oil-contaminated water

- To raise awareness of producer responsibility for the

environment in Thai SMEs

- To help the targeted SMEs to internationalise their

business strategies and co-operation

- To increase national and international market opportunities

for European Union and Thai enterprises

- To contribute towards facilitating networking, collaboration

and cooperation between both regions

Results

1. Comprehensive guidelines

The practice-oriented handbook serves for professionals

who are involved in environmentally friendly production,

particularly in respect to managing mixtures

of oil and water.

2. Workshop for professionals in Thailand

The workshop in Thailand aims not only at raising

awareness of producer responsibility for the environment,

but also at jointly developing the final guidelines

and training modules suited for the particular Thai

33

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

34 industries. The participants are representatives from

the eleven SMEs, business intermediaries and other

related organisations as well as academic institutions.

3. Training course for professionals in Thailand

The training course after the workshop focuses on providing

the participants with the effective and efficient

tools and methods for managing oil-water mixture. The

course covers a variety of topics related to the handling

and treatment of oil-contaminated water.

Finanzierung

This project was co-funded by the European Union

(Asia-Invest-Programme) and the implementing Consortium

Kooperationspartner

Dresden University of Technology, Germany

King Mongkut's University of Technology Thonburi,

Thailand

Cardiff University, United Kingdom

Tallin University of Technology, Estonia

Kontakt

Dr. Martin Wittmaier

Neustadtswall 30

28199 Bremen, Germany

Tel.: +49 (0) 421 5905 2311

Fax: +49 (0) 421 5905 2380

E-Mail: wittmaier@hs-bremen.de

Freischneidetechnik zur Experimentellen Dehnungsermittlung an Mauerwerk zur Bausubstanzerhaltung

und Ressourcenschonung (FreD)

Laufzeit Projektbeteiligte

11/2006 - 06/2008 Kahl, Dennis, Dipl.-Ing.

Malgut, Werner, Dipl.-Ing.

Projektleiter Schröder, Carsten, Dipl.-Ing.

Gutermann, Marc, Prof. Dr.-Ing.

Projektbericht

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Mauerwerksbauten werden seit jeher in Planung und

Ausführung für spezielle Anforderungen ausgelegt.

Aufgrund steigender Beanspruchungen durch geänderte

Nutzung und (umweltbedingter) Schäden stehen

vielfach Gebrauchstauglichkeit, Tragsicherheit und

Dauerhaftigkeit der Bauwerke in Frage. Zielsetzung

dieses Projektes ist die Entwicklung eines experimentellen

zerstörungsarmen Verfahrens, das wichtige

tragsicherheitsrelevante Parameter durch Messung

von Bauteilreaktionen identifiziert, z.B.

• die aktuell eingetragene Beanspruchung,

• wesentliche Materialkennwerte und

• die maximal zulässige Beanspruchung des Mauerwerks.

Der übliche rechnerische Tragsicherheitsnachweis

setzt voraus, dass alle wesentlichen Daten (z.B.

Randbedingungen, Materialkennwerte) und das Tragsystem

entweder bekannt sein müssen oder wirklichkeitsnah

mathematisch beschrieben werden können.

Meist sind einige Parameter unbekannt, die dann notwendigerweise

sehr konservativ abgeschätzt werden

müssen. Als Folge wird die verfügbare Tragreserve

unterbewertet und der Nachweis für angestrebte Nutzungen

gelingt oftmals nicht oder die bis dahin zulässige

Nutzlast muss reduziert werden.

Die durch das Verfahren der Freischneidetechnik gewonnenen

Messergebnisse werden in eine statische

Berechnung eingeführt (Hydride Statik), um diese zu

stützen und ggf. vorhandene Tragwerksreserven zu

erschließen. Die effektive Tragsicherheit historischer

Mauerwerksbauten soll so mit vergleichsweise geringem

Aufwand und minimalinvasiv zuverlässig bestimmt

werden. Das Untersuchungsergebnis dient als

Basis für Investitionsentscheidungen und ist Voraussetzung

für die Bausubstanzerhaltung. Die Umwelt

wird nachhaltig entlastet, indem Baumaßnahmen reduziert

oder vermieden werden.

Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten

Methoden

Das Projekt gliederte sich in drei Phasen:

1) Verfahrens- und Geräteentwicklung

2) Erprobung im Labor und Evaluation

3) Anwendung an Pilotobjekten

Erster Schritt war die grundlegende Verfahrens- und

Geräteentwicklung, bei der durch FE-Berechnungen

und begleitende Kleinversuche im Labor die wesentliche

Vorgehensweise festgelegt wurde. Um die Erfolgsaussichten

des Verfahrens zu klären und rechnerische

Modelle durch messtechnische Ergebnisse

abzusichern, wurden im Labor Tastversuche an Kleinproben

durchgeführt. In den Grundlagenversuchen

lagt der Schwerpunkt auf der Ermittlung der Kausalität

zwischen der Geometrie des Freischnitts und der Veränderung

der Randdehnung. Hierzu wurden experimentelle

mit theoretischen (rechnerischen) Methoden

kombiniert. Aus den Erfahrungen und den Ergebnissen

ergaben sich neue Randbedingungen, die für den

Gerätebau und für In-situ-Anwendungen berücksichtigt

wurden.


Die Geräte wurden in Laborversuchen evaluiert und

auf ihre Handhabung überprüft. Besonderes Augenmerk

lag auf der Steigerung der Genauigkeit und der

Aussagekraft der Messergebnisse. Die experimentellen

Ergebnisse wurden anhand von rechnerischen und

alternativen (konventionellen) Verfahren verifiziert.

In der dritten Phase der Projektlaufzeit wurden das

Verfahren und die Geräte bei konkreten Pilotprojekten

eingesetzt. Dabei konnten sowohl historische, denkmalgeschützte

Bauwerke aus dem Hochbau in Bremen

und Stralsund als auch eine Eisenbahngewölbebrücke

in Lüneburg untersucht werden.

Ergebnisse und Diskussion

Sowohl das Verfahren als auch die eingesetzten Geräte

wurden im Labor erprobt und überarbeitet. Dabei

wurde das Messkonzept stetig angepasst und der Verfahrensablauf

verfeinert. Die Faktoren, die im Vorfeld

als mögliche Störeinflüsse auf die Qualität der Messergebnisse

angesehen wurden, wurden untersucht

und sowohl experimentell als auch in FE-Parameterstudien

evaluiert.

Die experimentellen Ergebnisse wurden mit konventionellen

Materialprüfungen begleitet und verglichen.

Zur Interpretation und Verwendung der Ergebnisse

wurden Lösungsansätze identifiziert, so dass die

Aussagefähigkeit bei unklaren Versuchsergebnissen

gesteigert werden kann. Je nach Zustand und

Ausführungsqualität des Mauerwerks kann es z.B.

Schwierigkeiten bei der Interpretation der Entspannungskurven

geben. Hierzu wurden zwei mathematische

Funktionen gefunden, die eine Glättung und

Extrapolation der Messkurven zulassen. Desweiteren

konnten Korrekturfaktoren festgelegt werden, die eine

Anbindung der Versuche an genormte Messverfahren

ermöglichen sollen.

Das Verfahren ist dem bereits bekannten Flat-Jack-

Verfahren überlegen, da es auch bei geringer Auflast

Informationen zum E-Modul und der Mauerwerksfestigkeit

geben kann.

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Marc Gutermann

Neustadtswall 30

Gebäude AB, Raum 807

Marc.Gutermann@hs-bremen.de

fon +49 421 5905 2345

fax +49 421 5905 2316

35

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

36 INVENT

Laufzeit Projektbeteiligte

07/2007 - 03/2009 Wolff, Sebastian

Langer, Stefanie

Projektleiter Wöltje, Marco

Wittmaier, Martin, Dr.

Albers, Henning, Prof. Dr.-Ing.

Projektbericht

„INVENT – Integrated waste management modules

for different courses of graduate Studies“ - Innovative

education modules and tools for the environmental

sector, particularly in integrated waste management,

in different courses of study at institutions of higher

education, designed to enhance competence in the

environmental area and increase utilisation of renewable

energy

Countries in the Southeast Asian region, like Vietnam,

Thailand, Cambodia and Laos, are in a state of rapid

transition and it can be assumed that the environmental

sector, including fields like waste management, the

production of energy from renewable sources, integrated

product policy, etc. will undergo a rapid increase

in importance in the near future. In order to be able

to adopt serious measures to ensure environmentally

sound production of goods and effective treatment and

disposal of waste streams without hindering economic

growth, experts educated and trained in integrated solutions

for waste and energy issues are needed.

The project aims at raising environmental awareness,

promoting possible solutions to the waste problem

by using integrated waste systems and thus meeting

market requirements by the development of education

modules and tools on integrated waste management.

The modules and tools will comprise physically

attended courses, as well as e-learning and multimedia

teaching made available in the form of a free-ofcharge

distance learning package globally accessible

through the Internet. Furthermore training courses will

be held in the Asian partner countries in order to provide

knowledge on integrated solutions to environmental

problems. The main target groups are students of

higher education programmes and teaching staff but

also undergraduate students, stakeholders, engineers

and managers working in the environmental sector will

be addressed. The expected results of these activities

are an increase in national and international study

opportunities for European and Asian students, along

with a reduction in the environmental impact of economic

development and population growth.

Objectives

- To encourage integrated waste management and renewable

energy, for the future development of higher

education programmes in Thailand, Vietnam, Cambodia,

and Laos

- To foster co-operation between European Union and

Asian countries through joint preparation of course application

procedures and course materials

- To contribute to further integration of international aspects

of environmental good practice into higher edu-

cation and degree courses

- To strengthen the skills and mobility of the participants

through an exchange of knowledge and experience

between European and Asian countries in matters

relating to the environment

- To enhance economic (and human) relations between

Asia and the European Union

- To promote EU higher education, particularly in respect

to environmentally related courses in particular

countries, and to provide Asian students with more information

about the EU graduate programme of study

Target Groups

Students of higher education programmes (approximately

1800 students at the participating institutions);

Teaching staff; Undergraduate students; Other interested

parties, such as stakeholders, scientists, engineers,

managers

Results

Handbook on integrated waste management containing

course framework and material for application

in the participating institutions of higher education in

Thailand, Vietnam, Laos and Cambodia

Distance learning package including multimedia material

on integrated waste management


E-learning platform available via the Internet

One Training Course on selected issues of integrated

waste management, implemented in each participating

Asian countries including a Course Folder

One Workshop in each Asian partner country on implementation

of integrated waste management

Finanzierung

The project is co-funded by the European Commission

(Asia-Link Programme) and the implementing Consortium.

Optimierung von Fruchtreifungsprozessen

(Projekte IsyBa und EnerBa)

Kooperationspartner

Technische Universität Dresden (TUD), Dresden

Handelshochschule Leizig (HHL), Germany

Cardiff University (CU), United Kingdom

Royal University of Agriculture (RUA), Cambodia

Cantho University (CTU), Vietnam

Hanoi University of Science (HUS), Vietnam

National University of Laos (NUOL), Laos

King Mongkut's University of Technology Thonburi

(KMUTT), Thailand

Kontakt

Dr. Martin Wittmaier

Institut für Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen

GmbH

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: +49 (0) 421 5905-2326

Fax: +49 (0) 421 5905-2380

E-Mail: wittmaier@hs-bremen.de

Laufzeit Projektbeteiligte

09/2007 - 08/2009 Tömmers, Stefanie, Dipl.-Ing.

Kühn, Kathrin, Dipl.-Ing.

Projektleiter Schnakenberg, Harm, B.Sc.

Hass, Volker, Prof. Dr.-Ing. Kuhnen, Florian, Dr.

Projektbericht

Die Kunden sind anspruchsvoll und möchten ein perfektes

Produkt in immer gleicher Qualität beziehen.

Sie wissen außerdem nicht, was sie wollen. Am Tag

vor der Auslieferung bestellen sie die Hälfte ihrer Order

wieder ab. Was tut man dann mit der anderen

Hälfte der bestellten Bananen, die sich in einem Reifezustand

befinden, der eine Auslieferung am nächsten

Tag fordert?

Mit diesen schwierigen Randbedingungen müssen

sich die Großhändler für Obst und Gemüse auseinander

setzen.

Das von der big in Bremerhaven und der EU finanzierte

Forschungsprojekt IsyBa hat das Ziel, die Reifungs-

und Lagerungsprozesse von Obst und Gemüse

besser steuerbar zu gestalten.

Als eines der umsatzstärksten Produkte auf dem Obst-

und Gemüsesektor ist die Banane ein geeignetes Referenzprodukt

um Verbesserungen des Reifungs- und

Lagerungsprozesses zu entwickeln.

Die Kernidee von IsyBa ist, die Steuerung des Reifungsprozesses

mit einem intelligenten Algorithmus zu

verbessern. Abweichungen vom idealen Verlauf sollen

frühzeitig erkannt und Möglichkeiten der Einflussnahme

und Korrektur sollen verbessert werden.

Grundlage des Algorithmus ist ein mathematisches

Prozessmodell für den kompletten Bananenreifungsprozess.

In diesem Modell ist das Erfahrungswissen

über den Prozess neben aktuellen wissenschaftlichen

Erkenntnissen über die Biochemie der Bananenreifung

abgelegt (Bild 1 und Bild 2). Zum ersten Mal in

der Geschichte der Fruchtreifung hat man eine quantitative

Einschätzung des Reifungsfortschritts.

Bild 1: Schematische Darstellung des biochemischen Teilmodells

der Bananenreifung. Die Früchte nehmen Sauerstoff

auf und geben Kohlendioxid und Wärme ab. Der

Prozess wird durch das Pflanzenhormon Ethylen induziert.

Messung der Freisetzung von Kohlendioxid und Wärme erlaubt

die Einschätzung des Prozessfortschritts.

37

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

38

Bild 2: Die sinnvolle Abbildung der Messgrößen erfordert die

Einbettung des biochemischen Modells in ein Anlagenmodell.

Der ständige Vergleich von Messgrößen aus dem

Prozess mit den entsprechenden aus dem Modell berechneten

Erwartungswerten erlaubt ein frühzeitiges

Erkennen von Abweichungen vom Idealverlauf. Zusätzlich

kann das Modell anhand dieser Messgrößen

nachkalibriert werden. Aufgrund der Prognosefähigkeit

des Modells kann die Steuerstrategie zur Prozesslaufzeit

korrigiert und optimiert werden (Bild 3).

Das aus IsyBa abgeleitete, von der BIG Bremen geförderte

Projekt EnerBa beinhaltet die Analyse und die

Optimierung der Energieströme in einem Fruchtlagerunter

Anwendung eines dynamischen Modells (siehe

auch Projekt Eco:In). Durch modellgestützte Analyse

konnte eine Einsparung von 20 t Kohlendioxod ermittelt

werden (Bild 4).

Bild 3: So verlaufen die Messgrößen und die entsprechenden

Modellgrößen im Reifungsprozess. Durchgezogene

Linien repräsentieren Simulationsgrößen. Symbole und gestrichelte

Linien stehen für Messgrößen. Gepunktete Linien

zeigen Simulationsgrößen vor der Nachkalibrierung des Modells.

Tw bezeichnet das gesteuerte Temperaturprofil in der

Bananenreifekammer. Die Kammertemperatur ist die zentrale

Einflussgröße. Ihr Profil wurde im Prozessverlauf korrigiert

(Die gepunktete Linie Tstart zeigt das zu Prozessbeginn

geplante Profil). Diese erhebliche Korrektur folgt aus der modellbasierten

Zustandsschätzung des Reifeprozesses.

Bild 4. Pilotanwendung Fruchtlager

Das Fruchtlager entstand im Computer als kompartimentiertes

Modell. Jedes Kompartiment kann für sich

oder im Zusammenspiel der Gesamtheit betrachtet

werden. Klimatische Einflüsse und Warenmengen

werden berücksichtigt. Simulationen über einen Jahreszyklus

zeigten Einsparpotenziale von bis zu 20 t

CO2 pro Jahr auf. Eine Erweiterung der Simulation

um veränderliche Warenströme könnte dieses Ergebnis

noch deutlich verbessern.

Finanzierung

Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung

und Stadtentwicklung BIS mbH, Am Alten Hafen 118,

27568 Bremerhaven

Bremer Investitionsgesellschaft BIG mbH, Langenstraße

2-4, 28195 Bremen

Kooperationspartner

UniVeg Handelsgesellschaft GmbH, 28195 Bremen

BT Architekten und Ingenieure GmbH, 28195 Bremen

Kontakt

Prof. Dr.-Ing Volker C. Hass (volker.hass@hs-bremen.

de)


Ökoeffiziente Isoliersysteme Eco:In

Laufzeit Projektbeteiligte

09/2007 - 08/2009 Zwicknagl, Rolf Franz, B.Sc.

Kuntzsch, Stefan, B.Sc.

Projektleiter Tömmers, Stefanie, Dipl.-Ing.

Hass, Volker, Prof. Dr.-Ing,

Projektbericht

Wärmeströme verfolgen, Szenarien durchspielen und

Verluste aufdecken. Eco:In befasst sich mit der dynamischen

Simulation von Wärmeströmen. Ziel des Projekts

ist die Erstellung einer Software für Optimierung

von Isoliersystemen.

Im Spannungsfeld zwischen ökonomischen Anforderungen,

energieeffizienter Produktionsweise und der

Verminderung von Kohlendioxiderzeugung ist die Entscheidungsfindung

schwierig.

Ein Simulationswerkzeug zur ökologischen und ökonomischen

Bewertung von Isolierungsvarianten und

verschiedenen Verfahrensweisen kann die notwendige

Informationsbasis für eine fundierte Entscheidung

liefern.

Grundlage des Simulationswerkzeugs ist eine dynamische

Simulation, weil diese auch den Vergleich von

Verfahrensvarianten bzw. Prozessführungskonzepten

erlaubt.

Verschiedene Pilotanwendungen zeigen, dass auf der

Grundlage dynamischer Simulationen Einsparungspotentiale

ermittelt werden können (Bild 1 bis Bild 3).

Bild 1. Pilotanwendung thermische Nachverbrennungsanlage

(TNV).

Die Wärme soll die Lacktrocknung beschleunigen. Die

TNV ist als dynamisches Simulationselement umgesetzt

worden. Verschiedene Isoliersysteme können

am Modell getestet werden. Eingriffe in die Prozessführung

der Modellanlage sind möglich. Simulationen

ergaben, dass sich durch verbesserte Wärmedäm-

Bild 2. Pilotanwendung Fruchtlager.

mung bis zu 10 t Kohlendioxid pro Jahr einsparen ließen.

Das Fruchtlager entstand im Computer als kompartimentiertes

Modell. Jedes Kompartiment kann für sich

oder im Zusammenspiel der Gesamtheit betrachtet

werden. Klimatische Einflüsse und Warenmengen

werden berücksichtigt. Mehrere hundert Dämmparameter

können vom Benutzer verändert werden, bzw.

liegen in Datenbanken vor. Simulationen über einen

Jahreszyklus zeigten Einsparpotenziale von bis zu 20

t CO2 pro Jahr auf. Eine Erweiterung der Simulation

um veränderliche Warenströme könnte dieses Ergebnis

noch deutlich verbessern.

Bild 3. Pilotanwendung Pasteur.

Schwerpunkt liegt zunächst auf der Dampfversorgung

der Anlage. Es besteht die Möglichkeit die Effekte einer

jüngst verbesserten Dämmung im Modell nachzuvollziehen

(Verifikation der Methode). Erste Berechnungen

ergaben, dass eine verbesserte Dämmung

der Dampfschiene die Wärmeverluste um mindestens

15% verringern kann.

Finanzierung

Eco:In wird gefördert über die Bremer Investitionsgesellschaft

BIG mbH, Langenstraße 2-4, 28195 Bremen,

aus Mitteln des Senators für Wirtschaft und Häfen.

Kooperationspartner

Kaefer Isoliertechnik GmbH & Co. KG, 28195 Bremen

InBev Deutschland, Brauerei Beck GmbH & Co. KG,

28199 Bremen

UniVeg Handelsgesellschaft mbH, 28195 Bremen,

Daimler, Mercedes-Benz Werk Bremen, 28309 Bremen

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Volker C. Hass (volker.hass@hs-bremen.de)

39

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

40 Bepflanzter Hochleistungs-Bodenfilter

Laufzeit Projektbeteiligte

02/2008 - 07/2010 Holthuis, Jens-Uwe, Dr.

Dobner, Ingo, Dr.

Projektleiter

Mahro, Bernd, Prof. Dr. rer. nat. habil.

Heyser, Wolfgang, Prof. Dr.

Projektbericht

Praxiserprobung und technische Optimierung eines

neuartigen Hochleistungs-Pflanzenfilterverfahrens

zur Behandlung belasteter Niederschlagswässer

Das Projekt beruht unmittelbar auf den Ergebnissen

des Vorläuferprojektes „Mykorrhizierter Pflanzen-/

Bodenfilter“ (AiF-Nr. 13601 N1/2). In einem ingenieurtechnischen

upscaling soll der im Vorläuferprojekt

entwickelte bepflanzte Hochleistungsbodenfilter in der

Betriebspraxis den Nachweis einer verbesserten Leistungsfähigkeit

zur Reinigung belasteter Oberflächenabflüsse

erbringen.

Seit Februar 2008 werden hierfür an dem umgebauten

Forschungs-Bodenfilter „Halenreie“ in Hamburg-

Volksdorf folgende Forschungsschwerpunkte bearbeitet:

• Flächenreduktion durch Einsatz der bioaktivierten

und kostengünstig leistungsoptimierten Filtersubstrate

• Test einer robusten, mykorrhizierten Filterbepflanzung

mit breiterer Feuchtigkeitsamplitude als Alternative

zu Schilf

• know how-Gewinn zum Umbau erschöpfter Bodenfilter

• Untersuchung bisher wenig getesteter (Anh. X

EG-WRRL) bzw. standortrelevanter Schadstoffe

• Optimierung von Prozesssteuerungen

• Funktionsdemonstration für allgemeine Information,

Beratung, Ausbildung und Qualifizierung

• Strategien zur Markteinführung

Ziel ist es, die öffentliche Akzeptanz bepflanzter Bodenfiltern

zu erhöhen, um diese ökologisch wie auch

ökonomisch sinnvolle Technologie zur Bewirtschaftung

von Niederschlagswässern zu fördern.

Finanzierung

AiF (AiF-Vorhabennummern 15508 N/1 +N/2) über

Dechema

Kooperationspartner

Projektbegleitende Industriepartner (KMU)

• Landschaftsbau Dittrich (Siedenburg)

• INOQ (Schnega)

• UKON Umweltkonzepte (Hannover)

• Bodenökologisches Labor (Bremen)

• Nordbeton (Friesoythe)

Weitere Beteiligte

• Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg

• Bezirksamt Wandsbek

Kontakt

Prof. Dr. Bernd Mahro (Tel. 0421-59052305)

Dr. Jens-Uwe Holthuis (Tel. 0421-9052310)

Dr. Ingo Dobner (0421-21863357)


StraTeK: Strategien für den technologischen Wandel im Kfz Handwerk

Laufzeit Projektbeteiligte

06/2008 - 12/2010 Finkenzeller, Angelika, Lehrerin Sek. II

Wöltje, Marco, Dipl.-Ing.(FH)

Projektleiter

Albers, Henning, Prof. Dr.-Ing.

Rupprecht, Elisabeth, Dipl. Soz.Wiss.

Projektbericht

Ziele und Zielgruppen:

Projektziel ist die Vermittlung von Fach- und Methodenwissen

sowie Kompetenzen zum Wissensmanagement,

die zur Bewältigung der neuen technischen

und arbeitsorganisatorischen Anforderungen in Kfz-

Betrieben erforderlich sind. Die Zielgruppe soll durch

die Herausbildung von strategischen Kompetenzen

zur Bewältigung des technologischen Wandels in

KMU des Kfz Handwerks ihre Beschäftigungsfähigkeit

nachhaltig sichern.

Die Zielgruppen sind Auszubildende, Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, Multiplikatoren und Multiplikatorinnen

aus KMU des KFZ - Handwerks sowie Lehrende des

Fachbereichs Kfz-Technik in beruflichen Schulen.

Konzeption:

Für die Bewältigung der hohen Qualifikationsanforderungen

kommt es auf die Gestaltung lernfördernder

Arbeitssysteme und die Organisation des Lernens

im Arbeitsprozess in den Betrieben an. Den Betrieb

als Ganzes zu sehen, einschließlich dem Wissen

über Stärken und Schwachstellen und strategischem

Wissen, wie was umzusetzen oder zu verändern ist,

pointiert die Anforderungen an die Beschäftigten hinsichtlich

ihrer Bereitschaft, Verantwortung für Umwelt,

Gesundheit und Beschäftigungssicherung zu übernehmen.

Gefordert wird funktionsübergreifendes Querdenken:

Wo berühren sich Ressourcenschonung mit

Abfallvermeidung /-trennung und Arbeitssicherheit?

Weil die dafür notwendige betriebliche Lernkultur erst

geschaffen werden muss, benötigen Beschäftigte

gleichrangig Kompetenzen für die Herausbildung und

Anpassung an die betrieblichen Anforderungen und

Unterstützung der MultiplikatorInnen beim arbeitsintegrierten

Lernen. Entwicklung und Durchführung von

Beratung und Qualifizierung sind deshalb die konzeptionellen

Schwerpunkte. Die Analyse der Lehr- / Lernerfahrungen

erfolgt im Hinblick auf die Stimmigkeit

der theoretischen Annahmen und beeinflusst in einer

Rückkopplungsschleife auch die weitere konzeptionelle

Arbeit.

Ein Schwerpunkt der Projektarbeit ist die Entwicklung

von online-Modulen, die von der Berufsgenossenschaft

Metall Nord - Süd den Status von anerkannten

Unterweisungs-Fachmodulen erhalten. Für die Betriebe

würde die Bearbeitung der online Module und das

erfolgreiche Absolvieren der online-Tests durch ihre

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Unterweisungsnachweis

gelten.

Präsenzseminare sind die Voraussetzung dafür, dass

die beteiligten Betriebe eigenständig online die Fachmodule

bearbeiten und betriebsspezifisch modifizieren

können.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Dokumentation des

Kompetenzerwerbs im Teilnahmenachweis von Präsenzveranstaltung

und online Lernen (blended learning)

als innovativer Beitrag zur Durchlässigkeit von

beruflicher und akademischer Bildung. Die Kompetenzbeschreibung

orientiert sich am Diskussionsvorschlag

des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges

Lernen vom Februar 2009.

Inhalte:

In den folgenden Kompetenzfeldern sollen Lerninhalte

erstellt werden, die zur Bewältigung der ermittelten

Anforderungen taugen und modular online zur Verfügung

stehen:

- Fachkompetenz bezüglich der Auswirkungen der

Einführung alternativer und umweltfreundlicher Technologien

- Strategische Kompetenz für problemlösendes Handeln

- Wissensmanagement Kompetenz

Geplant sind Module zu Auswirkungen der neuen

Technologien:

- Mechan./physikalisch/ elektrische Gefährdungen

- Antriebsverfahren, Treibstoffe, Umgang mit neuen

Gefahrstoffen

- Abfallströme

Die o.a. inhaltliche Schwerpunktssetzung wird um

ein Themenfeld erweitert, das sich aus den Qualifizierungsbedarfsanalysen

ergeben hat: Der technologische

Wandel zeigt besondere Wirkung in der

Stressbelastung. Daraus entwickelte sich ein neues

Arbeitsfeld, das inhaltlich und methodisch bearbeitet

und erprobt wird.

Die neu entwickelten Module komplettieren die vorhandenen

online Lerneinheiten zum Thema Abfall und

Entsorgung.

41

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

42 Methodisch-didaktischer Ansatz:

Blended Learning

In Präsenzseminaren werden betriebsnahe Wissensinhalte

vermittelt, die online bearbeitet und vertieft werden,

aus denen sich aber auch neue Aufgabenstellungen

und Inhalte entwickeln können. Das gesammelte

Wissen taugt nicht nur zur Rezeption, sondern auch

als Werkzeug, z.B. für eine Mitarbeiterunterweisung.

Selbstlern- und kommunikative Kompetenz kann

durch die eigene Aufbereitung von Inhalten und deren

Präsentation trainiert werden.

Handlungskompetenz soll zum einen durch die Vermittlung

von praxisrelevanten Fachinhalten erreicht

werden, zum anderen durch die praxisorientierte Methode,

anhand von Lernszenarien komplexe Zusammenhänge

zu vermitteln und Selbstlernkompetenz

durch eLearning-Angebote zu stärken.

Damit wird die Flexibilität gefördert; die Kompetenzerweiterung

der Beschäftigten ist Grundlage für den

Wissenstransfer zu Kolleginnen und Kollegen. Kommunikations-

und Moderationsmethoden kommen

nach innen der Betriebskultur, nach außen dem Kunden

und damit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens

zugute.

Module:

Die Module werden auf der Basis des Contentmanagementsystems

AULIS erstellt und in die Projekt-

Lernplattform implementiert, die über weitere Funktionalitäten

verfügt:

Unbekannte Begriffe werden durch interne Verlinkungen

mit dem Glossar erklärt.

Aus der Bibliothek können z.B. Checklisten heruntergeladen

werden, die sowohl als Informationsmaterial

dienen als auch in jeder beliebigen Werkstatt ausgehängt

werden können.

Die Tests dienen der individuellen Überprüfung des

Wissens und sie zeigen Defizite auf.

Im Forum findet der Austausch zwischen Lehrenden

und Lernenden statt; hier verständigen sich alle über

Aufgabenstellungen, die online zu erledigen sind und

Fachfragen können formuliert werden.

Alle Qualifizierungsmodule sind gleich aufgebaut mit

einem Überblick über das Themenfeld, daran schließen

sich die Lernziele zur Orientierung und Vergewisserung

hinsichtlich der Lernerfolgskontrolle an. Die

Vermittlung der Fachinhalte bedient sich konkreter

beruflicher Beispiele. Durch die situative Konzeption

von Fragestellungen und komplexen Szenarien wird

ein didaktischer Impuls zur Problemlösung gegeben.

Lösungswege werden angeboten, aber nicht vorgeschrieben.

So weit wie möglich sollen die Onlinemodule selbsterklärend

sein. Bei Planung und Konzeption wird insbesondere

auf Anschaulichkeit und einfache, prägnante

Sprache wert gelegt. Verweise ermöglichen vertiefende

Informationen, Handreichungen und Checklisten

unterstützen die betriebliche Anwendung.

Beratung:

Zur Lernberatung gehören die Einführung der mit der

Methode des blended learning noch nicht Vertrauten

und die Unterstützung von MultiplikatorInnen bei

der Einrichtung einer lernförderlichen Umgebung im

Betrieb. Das vermittelte Fachwissen muss in die betriebliche

Praxis transferiert werden. Der Aufbau eines

innerbetrieblichen Wissensmanagements kann nur

gelingen, wenn die Akteure bei der Installierung einer

betrieblichen Lernkultur unterstützt und beraten werden.

Wirkungs- und Lernkontrollen durch Evaluation:

Für die qualitative und quantitative Überprüfung des

Lernerfolges werden Tests entwickelt. Damit erhalten

die Lernenden eine unmittelbare Rückmeldung über

Fehler und zu vertiefende Inhalte. Ausschließlich qualitative

Lernerfolgskontrollen erfolgen durch freie Aufgabenstellungen.

Sie sollen während des Online Lernens

eigenständig gelöst werden und sich z.B. auf den

Transfer des Gelernten auf die besondere Situation in

der Kfz Werkstatt x beziehen.

Das Instrument zur Wirkungskontrolle stellt der Erhebungsbogen

zur Teilnehmer-/innenzufriedenheit hinsichtlich

der Inhalte, der Umsetzung und Vermittlung

sowie Qualifizierung und Beschäftigungssicherung

dar und ist insofern auch Mittel zur kontinuierlichen

Verbesserung. Die Prozess begleitende Evaluation

hält die Bedarfe fest und ist konzeptionelles Korrektiv

hinsichtlich der Inhalte und Methoden. In der summativen

Evaluation werden die Ergebnisse der formativen

Erhebung zusammengefasst (Zwischenberichte, Abschlussbericht).

Expertennetzwerk:

Das Netzwerk umfasst Experten von Verbänden des

Kraftfahrzeughandwerks, der Berufsorganisationen,

Forschungseinrichtungen und beruflichen Schulen.

Methoden der Netzwerkarbeit sind Workshops und

regelmäßige Fachgespräche, deren Resultate in die

weitere inhaltliche und methodisch-didaktische sowie

organisatorische Entwicklungsarbeit einfließen.

Finanzierung

Europäische Union / Europäischer Sozialfonds "Investition

in ihre Zukunft"

Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend

und Soziales

Kooperationspartner

Berufgesnosenschaft Metall Nord-Süd (BGM)

Gewerbliche Lehranstalten (GLA)

Innung des Kraftfahrzeugtechnikerhandwerks Bremerhaven-Wesermünde

Institut für Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen

GmbH

Kreishandwerkerschaft Bremerhaven – Wesermünde

Kontakt

Angelika Finkenzeller, Prof. Dr. Henning Albers

Institut für Umwelt und Biotechnik

FON: 0421/5905-3784

E-Mail: Angelika.Finkenzeller@hs-bremen.de

Elisabeth Rupprecht

Koordinierungsstelle für Weiterbildung

FON: 0421/5905-4183

E-Mail. Elisabeth.Rupprecht@hs-bremen.de

www.elearning-kfz.hs-bremen.de


Machbarkeitsstudien: Hafenspeicher in Bremen- Vegesack

Laufzeit Projektbeteiligte

Juni 2008 – April 2009 >> Dipl.-Freizeitwissenschaftlerin Sonja Spoede

Dipl. Des. Gitta Noll

Projektleitung Dipl.-Ing. Jana Schnelle

Dr. des. Steffi Kollmann

Projektbericht

Der um 1805 erbaute Speicher der ehemaligen Lange-Werft

in Bremen-Vegesack ist der älteste Hafenspeicher

Bremens.

Das Institute for new Dimensions (InD) wurde im Juni

2008 von der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH

(BIG) beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für eine interaktive

Dauerausstellung im alten Hafenspeicher zu

entwickeln. Die Studie umfasst ein detailliertes Ausstellungskonzept

sowie die Berechnungen der Investitionskosten

und Betriebsergebnisse.

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird

zurzeit zum maritim ausgerichteten Zentrum umgebaut,

in die oberen Etagen ziehen maritim orientierte

Dienstleistungsfirmen, wie YachtdesignerInnen, ein.

Mit der von der Hochschule konzipierten Dauerausstellung

erhält die Öffentlichkeit in den unteren beiden

Etagen des Speichers Einblick in die maritime Geschichte

Bremens und die Innovationen des Yachtdesigns.

In die Konzeption fließen neuste Forschungsergebnisse

aus der Ausstellungsdidaktik und der BesucherInnenforschung

ein. Es wird insbesondere im Bereich

der Zielgruppenüberlagerung geforscht. Dabei

werden Ausstellungsbereiche und einzelne Stationen

entwickelt, die gleichzeitig unterschiedliche Alters-

und Interessensgruppen ansprechen und für beide

Geschlechtergruppen attraktiv sind. Untersucht werden

die Vermittlungserfolge in Bezug auf die attracting,

holding und learning-power in unterschiedlichen

Alters- und Geschlechtergruppen sowie in verschiedenen

Besuchskonstellationen (EinzelbesucherInnen,

Paare, Familien, Gruppen). Zur Optimierung der Vermittlungsergebnisse

werden u.a. wissenschaftliche

Experimente mit Exponaten und Kulissen durchgeführt.

Bezug nehmend auf die historische Nutzung als Werftspeicher

hat das InD ein detailliertes Konzept zum

Thema „Schiffbau – damals und heute“ entwickelt. Die

Vermittlung erfolgt durch einen Medienmix aus Kulissen,

Hands-on-, Body-on- und Computer-Medien,

Modellen, DarstellerInnen, Duft- und Hörstationen, Bildern,

Fotos, Filmen und Texten.

Im Erdgeschoss werden die historischen Inhalte vermittelt:

1. Vegesacker Hafen: Im Fokus steht die Entwicklung

Bremens entlang der Weser. Vegesack war Anfang

des 17. Jahrhundert der Seehafen Bremens. Alle

seewärts ein- und ausgeführten Waren wurden in diesem

Hafen umgeschlagen. Walfangschiffe starteten

aus Vegesack und die Vegesacker Wirtschaft war mit

Schiffsbrot und -zwieback, Tauen, Netzen, Segeln und

Steuerrädern etc. maritim ausgerichtet.

2. Lange-Werft: Die Lange-Werft war in technischer

und sozialer Hinsicht Vorreiter für die damalige Zeit:

Sie war die größte Werft an der Unterweser, hier wurde

1816/17 das erste Dampfschiff an der Weser gebaut,

hier gab es 1841 eine der ersten Betriebskrankenkassen,

eine Frau, Anna Lange, leitete die Werft

erfolgreich seit 1844 und 1845 wurde das erste Eisenschiff

an der Weser gebaut.

3. Werftalltag 1848: In diesem Ausstellungsbereich

tauchen die BesucherInnen in den Arbeitsalltag der

WerftarbeiterInnen von 1848 ein. In der Kulisse des

Lange-Speichers von 1848 treffen sie reale und virtuelle

ProtagonistInnen in der damals üblichen Arbeitskleidung

und werden von ihnen zum „Klönschnack“

bei Kaffee und Schiffsbrot eingeladen.

Im Erdgeschoss gibt die Raumgestaltung die Atmosphäre

des Speichers im 19. Jh. wieder. Regale, Kisten,

Fässer, Werkzeuge und Schiffbaumaterialien aus

Holz und Metall werden als Kulisse und als Sitzgelegenheiten

genutzt. Medien werden in die Kulisse integriert.

Die Ausstellung ist mobil: Die Einrichtung und

Exponate sind beweglich und können für Veranstaltungen

und Sonderausstellungen zur Seite geräumt

werden.

Im ersten Obergeschoss werden aktuelle und zukunftsweisende

Inhalte vermittelt:

1. Marine Bionik: Die Natur dient als Vorbild für maritime

Innovationen. Die BesucherInnen können sich

hier über neueste Forschungsergebnisse und Entwicklungen

informieren: Schutzanstriche nach dem

Vorbild der Haihaut, Unterwasserklebstoffe nach dem

Beispiel der Alge, sparsame Antriebe nach Vorbildern

von Fischschwärmen, Pinguinen und Ohrenkäfern sowie

Küstenschutz am Beispiel des Seegrases.

2. Träume, Sehnsucht, Fernweh: Schiffe haben seit

jeher Sehnsüchte und Träume von der großen weiten

Welt ausgelöst. Anhand unterschiedlicher Ausstellungsmedien

können die BesucherInnen zum Ausdruck

bringen, wovon sie träumen und wie sie ihr Leben

gestalten möchten.

3. Yachtdesign: In diesem Bereich wird über den Beruf

der YachtdesignerInnen und „ihrer Geheimnisse“

informiert und auf das Yachtdesignzentrum in den oberen

Geschossen des Gebäudes Bezug genommen.

43

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

44 4. Schiffbau heute: Hier werden Innovationen im

Segel- und Motoryachtbau, aber auch neuste Forschungsergebnisse

zu umweltfreundlichen Solar- und

Wasserstoffantrieben erfahrbar.

Im ersten Obergeschoss steht die Raumgestaltung in

starkem Kontrast zum Erdgeschoss: dem Deck einer

modernen Yacht nachempfunden sind die Formen

rund, es dominieren helle Farben, Licht, Holzboden

und glatte Flächen aus Kunststoff. Medien werden auf

der Kulisse angeordnet.

In Bezug auf die Fachinhalte der Ausstellung wird eng

mit WissenschaftlerInnen der Abteilungen Bionik und

Schiffbau der Hochschule Bremen zusammengearbeitet.

Die 3-D-Bilder wurden in Kooperation mit dem CAD-

Studio der Abteilung Architektur entwickelt.

Vom InD wurde das Gesamtkonzept der „Maritimen-

Meile-Vegesack“ entwickelt, die auf der Länge von

einer Seemeile vorhandene (und auch zukünftige)

Attraktionen entlang des Lesum- und Weserufers miteinander

verbindet. Neben dem Hafenspeicher integriert

die „Maritime-Meile-Vegesack“ eine Vielzahl von

wasserbezogenen Anziehungspunkten (bspw. das

Schulschiff Deutschland, den Museumshafen, die Signalstation,

neue und vorhandene maritime Stationen

im Stadtgarten, das Schaufenster Bootsbau und eine

neue Schiffsverbindung). Durch das Gesamtkonzept

wird Vegesack zum höchst attraktiven Ausflugsziel für

BremerInnen und TouristInnen.

Finanzierung

Bremer Investitions-Gesellschaft (BIG) Bremen

Kooperationspartner

BIG Bremen

Kontakt

Hochschule Bremen

Institute for new Dimensions

Dr. des. Steffi Kollmann

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: 0421 5905 2268

FAX: 0421 5905 2202

E-Mail: steffi.kollmann@hs-bremen.de


Machbarkeitsstudie „Schaufenster Bootsbau“ in Bremen-Vegesack

Laufzeit Projektbeteiligte

Oktober 2008 – Dezember 2008 >> Dipl.-Ing. Thomas Häger (MA)

Dipl. Des. Gitta Noll

Projektleitung Dipl.-Ing. Jana Schnelle

Dr. des. Steffi Kollmann

Projektbericht

Der Gemeinnützige Beschäftigungsträger, die Ausbildungswerft

„Bremer Bootsbau Vegesack“ (BBV), hat

vor allem durch seine Nachbauten historischer Schiffstypen

Bekanntheit erlangt (z.B. die Hansekogge, die

„Franszius“ und das Dampfschiff „Weser“). 2008 wurden

ein Aussichtsturm und ein BesucherInnenzentrum

auf dem Werftgelände erbaut - das „Schaufenster

Bootsbau“ - welches vom Citymarketing - Vegesack

und der BBV gemeinsam betrieben wird. Mit dem

„Schaufenster Bootsbau“ öffnet sich die Werft für die

Allgemeinheit. Sie legt besonderen Wert auf die authentische

Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten

im Schiff- und Bootsbau, sowie auf innovative und

klimaschonende Technologien.

Das Institute for new Dimensions (InD) der Hochschule

Bremen hat im Rahmen einer Machbarkeitsstudie

ein Ausstellungskonzept für das Außengelände und

den Aussichtturm des Schaufensters Bootsbau entwickelt.

Auf Grundlage neuster Forschungsergebnisse

der Ausstellungsdidaktik wurde der Vorschlag im Auftrag

der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG)

erarbeitet.

Das Werftgelände gliedert sich in drei Bereiche: in

einen öffentlichen, einen halböffentlichen und einen

für BesucherInnen nur im Rahmen von Führungen

zugänglichen Bereich. Der öffentliche und der halböffentliche

Bereich bilden das Schaufenster Bootsbau.

Öffentlicher Bereich: Dieser Bereich am Ende der

Maritimen Meile in Bremen-Vegesack kann kostenlos

besucht werden und beinhaltet folgende Elemente:

1. Auditorium: Nach dem Passieren der Torhäuschen

zieht eine ca. 7 m hohe Säge aus der Zeit der Vulkan-

Werft die Aufmerksamkeit auf sich. Die Anordnung im

Feuchtbiotop sorgt für den nötigen Sicherheitsabstand

der BesucherInnen. Das umgebende Auditorium aus

Natursteinstufen dient als Sitzgelegenheit und Sammelpunkt

für Schulklassen und Gruppen. An der Wand

hinter der Säge ist ein Wandgemälde des Bremer

Künstlers Jub Mönster vorgesehen.

2. Vulkan-Themenpark: In dem Bereich um das Auditorium

herum werden im Außenraum vielfältige Relikte

aus der Zeit ausgestellt, als sich an diesem Standort

die Großwerft „Bremer-Vulkan“ befand (1895-1997).

3. Vulkan-Ausstellung: In einem der beiden Torhäuschen

der ehemaligen Vulkan-Werft lernen die BesucherInnen

anhand unterschiedlicher Ausstellungsmedien

die Schiffbaugeschichte des Ortes von der

Ulrichswerft, über den Bremer Vulkan bis zum Schaufenster

Bootsbau kennen. Sie erhalten Einblicke in die

Geschichte der Vulkan-Werft und treffen auf einzelne

ArbeiterInnen, die zu unterschiedlichen Zeiten hier gearbeitet

haben. Die Vulkan-Ausstellung und der -Themenpark

dienen der historischen Orientierung (Verortung)

der BesucherInnen.

4. Solarskulptur: Bei Sonnenschein können die BesucherInnen

vom Aussichtsturm aus eine interaktive,

kinetische Solarskulptur des Leverkusener Künstlers

Odo Rumpf steuern. Die Skulptur wird auch durch Regen

und Wind in Bewegung versetzt. Auf diese Weise

werden die am Standort wirkenden Erneuerbaren

Energien für die BesucherInnen erlebbar. Energiequellen,

die für die Gegenwart und Zukunft der Werft

von großer Bedeutung sind.

45

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

46 5. BesucherInnenzentrum: Hier finden die Gäste AnsprechpartnerInnen

und können sich über das touristische

Angebot Vegesacks und des Schaufensters

Bootsbau informieren.

Halböffentlicher Bereich: Für diesen Bereich wird

Eintritt erhoben. Er besteht aus folgenden Komponenten:

1. Ausstellung im Aussichtsturm: Auf den vier Etagen

des Turms finden die BesucherInnen Graffitis des Bremer

Künstlers Dirk Mertin, Hands-on-Stationen sowie

Graphik- und Textcharts rund um den Bootsbau. Von

der obersten Etage bietet sich ein wunderbarer Blick

auf die Weser und das Werftgeschehen. Die Ausstellung

im Turm dient der inhaltlichen und räumlichen

Orientierung (Verortung) der BesucherInnen.

2. Entré-Exponat: Zwischen Aussichtsturm und Bootsbauplatz

symbolisieren originale historische Schiffsfragmente

aus Holz und Eisen die Leistungen der

BBV-Werft im Bereich der Restaurierung, Erhaltung

und des Nachbaus historischer Schiffe.

3. Bootsbauplatz: Als Kernstück des Schaufensters

Bootsbau bietet der Bootsbauplatz den BesucherInnen

Gelegenheiten BootsbauerInnen (und HandwerkerInnen

unterschiedlicher maritimer Gewerke) bei der

Arbeit zuzusehen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen

und sich verschiedene Fertigkeiten zeigen zu lassen.

4. Bootsbaupfad: Anhand von Anschauungsmodellen

sehen die BesucherInnen auf dem Weg durch das

Schilfgebiet Schritt für Schritt, wie ein Boot entsteht.

Am Ende des Pfades können sie beim fertigen Boot

an Bord gehen und unter fachkundiger Anleitung die

Segel hissen.

5. Bootsgalerie: Hier können die Besucher/-innen verschiedene

Bootstypen kennenlernen.

6. Hansekoggen Entdeckungsbereich: Hier wird über

die Entdeckung der Hansekogge im Weserschlick und

seine Rekonstruktion auf der BBV-Werft informiert.

Den Blickfang bildet das nachgebaute Wrack einer

Hansekogge, das zum Spielen und Entdecken einlädt.

Während sich die Kinder spielend mit dem Sachverhalt

vertraut machen, können sich die Erwachsenen auf

Bänken ausruhen oder auf anschauliche Weise über

die Entdeckung der Kogge, Forschungsmethoden der

experimentellen Archäologie, die Konservierung und

Ausstellung des Wracks im Deutschen Schifffahrtsmuseum

in Bremerhaven und über die Rekonstruktion

der Hansekogge auf der BBV-Werft informieren.

7. Wasserlabyrinth und Kinderwerft: Die Kinderwerft

bietet den BesucherInnen die Möglichkeit selbst ein

Modellschiff zu bauen, es im Wasserlabyrinth und dem

Wasserbecken zu testen und mit nach Hause zu nehmen.

8. Workshopbereich: Zwischen dem begrünten Steilhang,

einer alten Bootsbauhalle und einem Schilfgebiet

entstehen Rückzugsmöglichkeiten für unterschiedlich

große Gruppen: von Solarbootbastelkursen

für Kinder bis zu Managerschulungen. Ein originalgetreuer

Segelmast überragt den Workshopbereich. Er

symbolisiert die maritimen Arbeitsthemen und bietet

den WorkshopteilnehmerInnen die Chance unter Aufsicht

und mit entsprechender Sicherung in die Wanten

zu klettern und sich abzuseilen.

Werft-Bereich: Das Betreten des Werftgeländes ist

nur im Rahmen von Führungen möglich.

Dabei können die neusten Schiff- und Bootsbau- sowie

Forschungsprojekte besichtigt werden.

Bei Realisierung der Ausstellungskonzeption erhält das

Institute for new Dimensions der Hochschule Bremen

die Chance, Projekte der BesucherInnenforschung

durchzuführen. Die Outdoor- Bedingungen haben einen

hohen Variantenreichtum an Interaktionsmöglichkeiten

für die BesucherInnen und hohe Anforderungen

an die Haltbarkeit der Stationen zur Folge. Untersucht

werden soll die Wirkung des Arrangements auf BesucherInnen

unterschiedlichen Alters, Geschlechts und

in verschiedenen Besuchskonstellationen (z.B. allein,

Paar, Familie, Gruppe). Die Forschungsschwerpunkte

liegen bei den Vermittlungserfolgen in Bezug auf die

räumliche, historische und thematische Verortung und

bezüglich der individuellen Vertiefungsmöglichkeiten.

Die Konzeption wird nur zum Teil und schrittweise, im

Laufe der nächsten Jahre, realisiert.

Finanzierung

Bremer Investitions-Gesellschaft (BIG) Bremen

Kooperationspartner

BIG Bremen

Kontakt

Hochschule Bremen

Institute for new Dimensions

Dr. des. Steffi Kollmann

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: 0421 5905 2268

FAX: 0421 5905 2202

E-Mail: steffi.kollmann@hs-bremen.de


Tools zur Prozessentwicklung für Fermentationen unter extremen Bedingungen: ProTool

Laufzeit Projektbeteiligte

08/2008 - 07/2011 Kuhnen, Florian, Dr.

Li, Meijie, M.Sc.

Projektleiter Schwarz, Simone, B.Sc.

Hass, Volker, Prof. Dr.-Ing.

Ein entscheidender Schritt in der Wertschöpfungskette

von einer molekularbiologischen Innovation zum fertigen

Produkt besteht in der Entwicklung eines sicheren

und ressourceneffizienten Produktionsprozesses. Die

Beschreibung, Optimierung sowie die Steuerung und

Regelung eines Prozesses mit Hilfe mathematischer

Modelle ist eine äußerst effiziente Methode des Wissensmanagements

rund um die Prozessentwicklung.

Knapp zusammengefasst besteht die Entwicklung

eines neuen (Fermentations-) Prozesses aus den

Schritten

- Akquisition von Wissen über den Prozess (z.B. durch

Parameterschätzung)

- Layout einer Prozesstechnologie

- Optimierung der Prozesstechnologie

- Scale Up

- Inbetriebnahme (insbesondere des Steuerungs- und

Regelungskonzepts)

Mit Hilfe eines geeigneten Prozessmodells können

alle diese Schritte unterstützt werden. Dieses numerische

Modell ist das gemeinsame Element dieser Einzelschritte.

Neben der Formulierung von flexiblen Prozessmodellen

besteht eine der Herausforderungen in der

Auswahl und Einbindung geeigneter Algorithmen für

die automatische Schätzung von unbekannten Prozessparametern.

Ein strukturiertes Modell eines Produktionsorganismus

lässt eine hohe Adaptionsfähigkeit sowohl an äußere

Bedingungen, als auch an unterschiedliche Organismen

erwarten. Vier mathematisch formulierte Kompartimente

repräsentieren Biomasse mit unterschiedlicher

Funktionalität (Bild 1). Grundsätzlich können mit

diesem Modell Adaptionsprozesse eines Organismus

an eine sich ändernde Umgebung beschrieben werden.

Bild 1: Struktur des Kompartimentmodells für die Beschreibung

der Produktionsorganismen.

Das erste Kompartiment repräsentiert die für den Primärstoffwechsel

zuständige Biomasse XPR. Diese

katalysiert den Wachstumsprozess. Die Biomasse des

Sekundärstoffwechsels XSE katalysiert die Produktbildung.

Im Lebenszyklus einer Zelle wird dieses Kompartiment

erst nach der Biomasse des Primärstoffwechsels

gebildet. Die inaktive Biomasse XI repräsentiert

inaktive Enzyme und degenerierte Proteine. Dieser

Anteil der Zelle entsteht durch den Zerfall von XPR

und XSE. Unter Aufwendung von Energie kann diese

Biomasse wieder reaktiviert werden. Die Bestimmung

bzw. die Korrektur der Prozessparameter ist eine Voraussetzung

für den Einsatz von Prozessmodellen im

Zusammenhang einer Prozessoptimierung. Zum Beispiel

mit Hilfe eines Gradientenverfahrens kann eine

Likelihoodfunktion der Modellparameter maximiert

werden, um die wahrscheinlichsten Parameter zu bestimmen.

Bild 2 zeigt das Ergebnis aus der gleichzeitigen

Bestimmung von vier kinetischen Parametern

eines biologischen Teilmodells. Dieser Test auf der

Basis von synthetischen Messdaten konvergiert auf

einem Standardcomputer in einer bis drei Minuten.

Damit besteht die Möglichkeit, eine modellgestützte

Optimalsteuerung des Prozesses zur Laufzeit umzusetzen

(Open Loop Feedback Optimal = OLFO).

Ziel des Projekts ist, ein optimales Steuerungs- und

Regelungskonzept unter Anwendung des OLFO zu

generieren.

Bild 2: Bestimmung von vier kinetischen Konstanten eines

biologischen Teilmodells. Datengrundlage sind synthetische

Messdaten für die Biotrockenmasse X, für ein limitierendes

Substrat S, ein Stoffwechselnebenprodukt A und ein Produkt P.

Finanzierung

Das BMBF fördert das Projekt im Rahmen des Forschungsclusters

Biokatalyse 2021

Kooperationspartner

medorex e.K., Nörten-Hardenberg

Ingenieurbüro Dr.-Ing. Schoop GmbH, Hamburg

Technische Universität Hamburg-Harburg

ZytoVision GmbH, Bremerhaven

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Volker C. Hass

volker.hass@hs-bremen.de

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

48 RessourcenManager: Stoffstrommodell für die Kreislauf- und Abfallwirtschaft

Laufzeit

09/2008 - 05/2010

Projektleiter

Albers, Henning, Prof. Dr.-Ing.

Hintergrund

Material-, Energie-, Öko- und Kosteneffizienz sind

Leitbegriffe bei der Optimierung von Produkten und

Verfahren im produzierenden Gewerbe. In der Kreislaufwirtschaft

entwickeln sich seit Juni 2005 komplexe

Verwertungs- und Beseitigungsstrukturen mit einer

Vielzahl von zu lenkenden Abfallströmen. Für eine

material- und energieeffiziente Nutzung dieser zur

Verfügung stehenden Ressourcen bestehen deutliche

Optimierungspotenziale, die nur softwareunterstützt

zu erschließen sind. Mit der Stoffstrommodellierung

können die Abfall- und die zugehörigen Material-,

Energie- und Kostenströme als Grundlage für die Effizienzbewertung

von abfallwirtschaftlichen Systemen

und Strategien beschrieben und dargestellt werden.

Ziel

Die Stoffströme der Kreislauf- und Abfallwirtschaft und

die zugehörigen Verfahren und Prozesse werden erfasst,

durch geeignete Parameter beschrieben und

in einem Stoffstrommodell dargestellt. Parallel dazu

werden die Bedarfe und Anforderungen der Akteure

der Kreislauf- und Abfallwirtschaft erfasst und in das

Modell integriert. Im Ergebnis steht ein Stoffstrommodell

zur Aufnahme, Darstellung, Bewertung und Optimierung

von Abfallströmen und Anlagen im abfallwirtschaftlichen

System zur Verfügung. Das Modell bildet

die Basis für die Entwicklung einer assistentengestützten

Softwareanwendung und softwarebasierten Ingenieurdienstleistung,

die das abfallwirtschaftliche Stoffstrommanagement

unterstützen sollen.

Ökologische Effekte

Das Stoffstrommodell unterstützt die Optimierung

von Abläufen und Verfahren in Betrieben und Regionen

und trägt somit zu einer effizienten Abfall- und

Kreislaufwirtschaft bei. Mit der Modellierung können

die Potentiale für die optimierte Nutzung der im Abfall

enthaltenen Energie- und Materialressourcen durch

energetische Verwertung in effizienten Prozessen und

die Herstellung von Sekundärrohstoffen aufgedeckt

und dargestellt werden. Für die Beurteilung der Umweltrelevanz

liefert das Modell darüber hinaus einen

Überblick über die Schadstoffverteilung im abfallwirtschaftlichen

System.

Konzept

www.ressourceman.de

Finanzierung

Europäische Union

Die Förderung erfolgt durch das Land Bremen aus

dem Ökologiefonds/Förderprogramm Angewandte

Umweltforschung und aus dem Europäischen Fonds

für regionale Entwicklung 2007 – 2013.

EUROPÄISCHE UNION:

Investition in Ihre Zukunft – Europäischer Fonds für

regionale Entwicklung.

Kooperationspartner

Institut für Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen

GmbH

ecologix Tobias Brinkmann

Nehlsen GmbH & Co. KG

swb Erzeugung GmbH & Co. KG

ifu Hamburg GmbH

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. H. Albers

Tel.: +49 421 5905-2314


BioPowerTrainer: Ein Trainingssimulator für Biomasse-Kraftwerke

Laufzeit Projektbeteiligter

10/2008 - 09/2010 Blesgen, Andree, Dipl.-Ing.

Projektleiter

Hass, Volker, Prof. Dr.-Ing.

Projektbericht

Anlagendynamik erfahren, Verfahren einüben, kritische

Zustände beherrschen. Gefahrlos möglich ist

dies mit einem Trainingssimulator. Das Forschungsprojekt

BioPowerTrainer befasst sich mit der Frage,

wie man diese Technologie auch für kleine und mittlere

Unternehmen verfügbar machen kann.

Anlagen zur Gewinnung von Energie oder Energieträgern

(z.B. Bio-Ethanol) aus Biomasse sind hoch komplexe

verfahrens- und energietechnische Anlagen.

Ihre sichere Bedienung erfordert von den Anlagenfahrern

umfassende Kenntnisse und Erfahrungen über

das dynamische Prozessverhalten. Im Normalbetrieb,

den An- und Abfahren sowie in Störfallsituationen. Die

optimale Prozessführung und die Kenntnisse der Anlagenfahrer

bestimmen wesentlich die Effizienz der

Anlagen.

Derzeit existieren Trainingssimulatoren für große und

sehr große verfahrenstechnische Anlagen und in anderen

Industriebereichen mit einem hohen Sicherheitsrisiko

(z.B. Flugsimulatoren, Schiffssimulatoren)

und werden dort für die Ausbildung von Anlagenfahrern,

Prozessingenieuren, Piloten etc. eingesetzt.

Für Anlagen mittlerer Größenordnung existieren bisher

keine Trainingssimulatoren, weil die Instrumente

und Methoden für ihre effiziente Entwicklung fehlen.

Aufbauend auf den sehr positiven Erfahrungen aus

dem abgeschlossenen Projekt BioRealSim werden

neue Softwarewerkzeuge und Entwicklungsstrategien

speziell für umwelttechnische Prozesse mitterer

Größenordnung (siehe Bild 1) entwickelt werden. Im

Rahmen des Projekts BioPowerTrainer soll auch der

Prototyp eines Trainingssimulators für eine kombinierte

Strohheizkraftwerk-BioEthanol-Anlage entwickelt

werden.

Finanzierung

Die Förderung erfolgt durch das Land Bremen aus

dem Ökologiefonds/Förderprogramm Angewandte

Umweltforschung und aus dem Europäischen Fonds

für regionale Entwicklung 2007-2013.

EUROPÄISCHE UNION: Investition in Ihre Zukunft –

Europäischer Fonds für regionale Entwicklung.

Kooperationspartner

s&h Ingenieurgesellschaft mbH, 28203 Bremen

BE Bioenergie GmbH, 49824 Emlichheim

Emsland-Stärke GmbH, 49824 Emlichheim

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Volker C. Hass (volker.hass@hs-bremen.de)

Bild 1: Typische Bedienoberfläche eines

Trainingssimulators (Erstellt für eine Labor-Biogasanlage

im Rahmen des Projekts

BioRealSim). Die Bedienelemente

sind die gleichen wie bei der abgebildeten

realen Anlage. Bei der Gestaltung eines

Simulators für eine noch in Planung befindliche

Anlage kann die Ergonomie der

Bedienung optimiert werden. Des Weiteren

kann sich das Anlagenpersonal bereits

mit der Handhabung der Anlage vertraut

machen.

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Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

50 CODWAP - „Collaborative curriculum Development on Waste management in Africa and Pacific

region“

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2008 - 12/2011 Wolff, Sebastian

Wöltje, Marco

Projektleiter

Wittmaier, Martin, Dr.

Albers, Henning, Prof. Dr.-Ing.

Background

In African and Pacific countries, one to two thirds of

solid waste generated is not collected, and collected

waste is mainly disposed in uncontrolled dumpsites

and/or openly burnt, polluting water resources, soil

and air.

Five universities in Mauritius, Papua New Guinea, Sierra

Leone, Greece and Germany will pool their knowledge

to improve solid waste management (SWM)

education and on-the-job vocational training. The project

partners will develop educational tools that are

customised, practical and suitable to the needs and

priorities of African and Pacific countries. The goal is

to improve capacities and awareness and behaviour

on SWM issues from a lifecycle perspective among

students, teachers, civilians, NGOs and other local

stakeholders.

The project partners will design and implement a postgraduate

programme in SWM and environmental protection

in developing countries. Other key activities will

include training missions, workshops and interactive

seminars for civil servants, NGO representatives and

public awareness campaigns for the wider public.

Objectives

The overall CODWAP objective is to foster co-operation

between European and APR HEIs in the field of

SWM and within each of the individual environmental

and human health protection aspects and priorities,

aiming to support the higher education system in accordance

to the socio-economic needs and development

priorities of APR States. Education and on-thejob

vocational training in the SWM sector is of great

importance, since the often rapidly increasing economic

development and the population growth has lead

to environmental and hygienic problems in many DC,

especially Asia and South America , with urbanization

in Mega cities, whereas APR DC are still at an earlier

stage and therefore some potential still exists to learn

from (and try to avoid / alleviate) such rapid-growth

patterns.

Specific objective is the development of SWM educational

tools for DC, which are customised, easy-to-use,

practical and suitable to the needs and priorities of participating

APR States, set around of a Master Course

in the UoM on SWM in DC, as well as training courses

in the EU and APR. These parallel educational activities

are expected to have multiplier effects in a wide

range of target groups; from students and professors

(through the Master Course) to governmental and local

authorities, SWM stakeholders and various other

special groups (poor, homeless, women, scavengers,

etc) through vocational training and public outreach /

education campaigns.

The Activities, focused on SWM and related environmental

protection, engineering and management in

DC, aim to produce skilled scientists, upgrade university

capacities, knowledge, awareness and skills

of teaching staff. The aim is the existing know-how

and the expertise of the 2 EU participating partners (in

collaboration with 3 worldwide very prominent entities

in this field from EU , US and Australia as associate

partners), to be blended into and integrated with local

APR educational systems. As parallel activities, training

missions and seminars are expected to further

put the finger on critical local SWM problems, identify

and prioritize specific regional needs / gaps, and

promote integrated and sustainable SWM in DC, by

facilitating outreach, data collection, establishment of

active contacts, raising awareness and promoting interactions

and feedback.

Project-Coordinator: Aristotle University of Thessaloniki,

Greece

Finanzierung

This project is co-funded by the ACP-EU Cooperation

Programme in Higer Education (EDULINK), a programme

of the ACP Group of States, with the financial

assistance of the European Union, and the implementing

consortium.

Kooperationspartner

Aristotle University Thessaloniki, Greece

University of Mauritius, Republic of Mauritius

Papua New Guinea University of Technology, Papua

New Guinea

University of Sierra Leone, Sierra Leone

University of Griffith, Australia

Technological University of Dresden, Germany

Kontakt

Dr. Martin Wittmaier

Neustadtswall 30

28199 Bremen, Germany

Tel.: +49 (0) 5905 2326

Fax: +49 (0) 5905 2380

E-Mail: wittmaier@hs-bremen.de


Forschungsprojekte der Fakultät Gesellschaftswissenschaften

Elternbefragung in Tageseinrichtungen für Kinder der Evangelischen Kirche in Bremen

Erlebnisorientierte Weiterentwicklung der historischen Ausstellung in der Zitadelle

Spandau

Senioren im Freizeitpark Potts Park.

Berufsfeldforschung Eventmanagement

Besucherbefragung zum Projekt „Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede“

Entwicklung eines Grobkonzepts für die touristische Beschilderung in Papenburg

Kreativpotentiale für die Gestaltung des demographischen Wandels

Tourismusentwicklungskonzept für die Zielgruppe 55+

Höfische Spielkultur – ein Maßnahmenkonzept für Schloss und Park Pillnitz

Kinderyoga in der Grundschule

Beratungs- und Qualifizierungsangebot für die Freizeit- und Tourismuswirtschaft im

Landkreis Osterholz

Kommunalmarketing Rastede

Stadtmarketing Bassum

Markenentwicklung und Imageprofilierung im Städtetourismus - Das Beispiel der Austragungsorte

der Fußball-WM 2006

Unternehmensbefragung Verden/Aller

Benchmarking-System für Städte in Süd- und Nordtirol

Die Vielfalt des Fachjournalismus

Aktivierung jugendlicher Zeitungsleser

Wissenschaft kommuniziert – Evaluation öffentlicher Aufmerksamkeitsstrategien

Zukunft der Öffentlichkeit - Öffentlichkeit der Zukunft

Pflegefehler, Fehlerkultur und Fehlermanagement in stationären Versorgungseinrichtungen

Migration und Gesundheit - Analyse der Pflege- und Gesundheitsberichterstattung

Aufsuchende Altenarbeit/Hausbesuche

Multikulturelle Teams in der Altenpflege

Analyse von Instrumenten zur Einschätzung der Sicherheitskultur in der stationären

Altenpflege

Aufbau eines medizinischen Wundzentrums im Land Bremen

Kosten-Nutzen-Bewertung in der modernen Wundversorgung

Kosten-Nutzen-Bewertung in der orthopädischen Chirurgie

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Forschungsbericht 2010 / 2011

52 Gesundheitsökonomische Evaluation und Kosten-Nutzen-Bewertung orthopädischer

Hüftgelenksoperationen im Rahmen integrierter Versorgung

Kosteneffektivitätsanalyse einer intensivierten telemedizinischen Betreuung bei Herzinsuffizienz

Gesundheitsökonomische Evaluation und Vergleichsanalyse von Verfahrensweisen in

der Endoprothetik

Kosteneffektivität des telemedizinischen Betreuungsprogramms Zertiva® für Patienten

mit chronischer Herzerkrankung

Multizentrische, teil-komparative klinische Marktevaluierung von ALLEVYN Gentle Border

Verbänden

Case Management

QuInT Essenz - Exemplarische Implementierung des Qualitätsniveaus I: „Mobilität und

Sicherheit bei Menschen mit dementiellen Einschränkungen in stationären Einrichtungen“

Analyse von Akzeptanz und Zufriedenheit mit Unterstützungsangeboten in der Betreuung

von Menschen mit Demenz - Vorab Analyse in Einrichtungen der Maternus AG

Geschlechterverhältnisse im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft

(GIB)

Arbeitsmarktpolitik in der sozialen Marktwirtschaft – Vom Arbeitsförderungsgesetz zu

Sozialgesetzbuch II und III

EU-Network of Excellence: Reconciling Work and Welfare (Recwowe)

Die Sozialversicherung als Zukunftsmodell. Deutsche und internationale Perspektiven

Teilprojekt: Die Behandlung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten in der Sozialversicherung

– Ein internationaler Vergleich

Formation of European External Fisheries Policies

Die Meeresschutzrichtlinie als Indikator für den aktuellen Entwicklungsstand umweltpolitischer

Regulierung im europäischen Mehrebenensystem

Verbundprojekt: Nordwest 2050 - Perspektiven für klimaangepasste Innovationsprozesse

in der Metropolregion Bremen-Oldenburg

Teilprojekt „Cluster Hafen und Logistik“

Soziale Nachhaltigkeit und CSR in deutschen transnationalen Unternehmen

Chancen und Grenzen der Zertifizierung von Biokraftstoffen

Berufsperspektiven in der Sozialen Arbeit

Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit

Evaluation des Bremer Patenschaftsmodells für Kinder psychisch kranker Eltern

Mitarbeiter/-innenbefragung der Werkstatt Bremen

„Good Practice in Tenever“ - Eine standardisierte Experten- und Expertinnenbefragung

im Kontext von Sozialer Arbeit und Quartiersmanagement

Mitarbeiter/Mitarbeiterinnenbefragung der „Lebenshilfe Bremerhaven“ - 2008

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Erste Studierendenbefragung im Studiengang Soziale Arbeit B.A. der Hochschule Bremen

2008 - Soziale und wirtschaftliche Lage, Studienmotivation, Bewertung des Studiums,

Berufs- und Weiterbildungsperspektiven

Bewohner-/Bewohnerinnenbefragung in dem Albert-Schweitzer-Wohnstätten Bremerhaven

e.V.

Ethnische Zugangsbarrieren und Benachteiligungen im Studium und im Beruf Sozialer

Arbeit? – Explorative Studien

Mobbing-Erfahrungen im Genderkontext

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Fakultät 4

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Forschungsbericht 2010 / 2011

54 Elternbefragung in Tageseinrichtungen für Kinder der Evangelischen Kirche in Bremen

Laufzeit Projektbeteiligter

09/2006 - 08/2007 Frey, Gregor

Projektleiter

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Brinkmann, Dieter, Dr.

Projektbericht

Ziel und Befragungsdesign

1. Zielsetzung

Ziel der Untersuchung war es, die Zufriedenheit der

Eltern mit den Leistungen der Tageseinrichtungen für

Kinder systematisch zu erfassen. Darüber hinaus sollten

Änderungswünsche und das Interesse an weiteren

Angebotselementen erhoben werden.

Die Untersuchung ist repräsentativ für die Bremer Kindertageseinrichtungen

des Landesverbandes.

2. Leistungen

Folgende Leistungen werden durch das Institut für

Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA) e.V. erbracht:

• Beratung bei der Erstellung des Fragebogens

• Übersetzung des Fragebogens in verschiedenen

Muttersprachen in Absprache mit dem Landesverband

• Beratung bei der Durchführung der Befragung

• Dateneingabe in den PC

• Statistische Analyse

• Erstellung eines Projektberichts mit kommentierten

Grafiken und Tabellen

• Unterstützung bei der Präsentation der Ergebnisse

(Pressegespräch)

3. Befragungsdesign

Die Befragung erfolgte schriftlich mit einem Fragebogen

für alle beteiligten Eltern. Der Fragebogen war für

eine Befragung in unterschiedlichen sozialen Schichten

optimiert und, da zum Teil erforderlich, in die Sprachen

Türkisch und Russisch übersetzt.

Ausgegangen wird von einer Vollerhebung in allen Tageseinrichtungen

des Landesverbandes. Die Grundgesamtheit

umfasst 4000 Kinder bzw. deren Eltern.

Angenommen wird ein Rücklauf von 1500 auswertbaren

Fragebögen.

Erstellt wurde ein Tabellenband und eine kommentierte

Zusammenfassung für die Gesamterhebung (Projektbericht).

Finanzierung

Die Befragung wurde durch das Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. im Auftrag des

Landesverbandes Evangelischer Kindertagesstätten

durchgeführt

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA)

e.V.,

Hochschule Bremen/Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

E-Mail: info@ifka.de

Tel.: 0421/5905-2012


Erlebnisorientierte Weiterentwicklung der historischen Ausstellung in der Zitadelle Spandau

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2006 - 03/2007 Brinkmann, Dieter, Dr.

Theile, Heike

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Konzeptionelle Vorschläge für drei Ausstellungsbereiche

1 Zielsetzung

Ziel des Projekts ist die erlebnisorientierte Umgestaltung

der historischen Ausstellung zur Zitadelle

Spandau. Hierbei ist ein exemplarisches Vorgehen geplant.

An mindestens zwei Ausstellungsbereichen sollen

die Möglichkeiten einer stärker erlebnisorientierten

Präsentation mit Medien und interaktiven Exponaten

aufgezeigt werden.

Die Leistungen werden im Rahmen des touristischen

Entwicklungsprojekts „Festungswerke Berlin-

Spandau“ erbracht. Vertragspartner für die Teilleistungen

ist das „projekt Z“ als Träger des gesamten

Vorhabens.

Die inhaltliche Abstimmung erfolgt mit Frau Theissen,

Leiterin des historischen Museums in der Zitadelle

Spandau.

2 Leistungen des Instituts für Freizeitwissenschaft und

Kulturarbeit e.V.

• Im Rahmen des Projekts werden folgende Leistungen

erbracht

• Bestandsaufnahme und Analyse des Ist-Zustandes

unter erlebnisorientierten Gesichtspunkten

• Exemplarische Konzeptentwicklung für mindestens

zwei Ausstellungsbereiche

• Darstellung der Entwürfe und der Empfehlungen

für die Umsetzung in einem Projektbericht

• Beratung der Zitadelle Spandau bezogen auf die

Umsetzung des Konzepts in Abstimmung mit dem

projekt Z

3 Projektlaufzeit

Vereinbart wurde eine Projektlaufzeit vom 15.12. 2006

bis zum 31.3. 2007

4 Umsetzungsschritte

Eine Bestandsaufnahme erfolgte im Rahmen des

Erstbesuchs am 18. Dezember 2006. Ansatzpunkte

für eine Umgestaltung und die Rahmenbedingungen

wurden dabei erörtert. Der jetzige Zustand wurde

durch Fotos dokumentiert. Weitere Materialien wurden

ausgehändigt, bzw. im Anschluss an die Begehung

übersandt:

• Film „Ich war neunzehn“

• Ton der Audioführung in der Zitadelle Spandau

Die Konzeptentwicklung schließt an die Bestandsaufnahme

an. Ebenfalls einbezogen werden Erfahrungen

mit anderen Erlebniswelten (Museum, Themenwelten,

Zoos) und grundlegende Prinzipien für erlebnisorientierte

Konzepte (vgl. Freericks u.a. 2005).

Die Konzeptentwürfe für drei Teilbereiche der Ausstellung

sind in diesem Projektbericht dokumentiert. Ursprünglich

waren nur zwei Bereiche vorgesehen. Es

bietet sich jedoch an, auch im dritten Raum der Ausstellung

erlebnisorientierte Elemente einzufügen.

Soweit möglich wurde die Machbarkeit der Vorschläge

geprüft. Die praktische Umsetzung muss jedoch noch

weitere Gesichtspunkte mit berücksichtigen:

• die vorhandenen oder beschaffbaren Objekte und

Dokumente

• die Texterstellung für Kommentare und Erläuterungen

• die Anregungen von Raumgestaltern und Grafikern

zur Aufbereitung und Produktion der Ausstellungsteile

• praktische Fragen der Anordnung, Ausleuchtung,

Stromversorgung und Besucherführung

Die Vorschläge für die drei Ausstellungsbereiche sind

nach einem einheitlichen Muster aufgebaut:

• Gestaltungsvorschlag und Beschreibung

• Einschätzung zur neuen Erlebnisqualität

• Umsetzungsideen und Überlegungen zur Machbarkeit

• Skizze zur Anmutung des neuen Ausstellungsbereichs.

Finanzierung

Das Projekt wurde vom Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. bearbeitet und von

Projekt Z, als Teil eines größeren Autrages, getragen.

Kooperationspartner

Prof. Dr. Felix Herle, Hochschule Bremen/ Fakultät 1,

Werderstraße 73

28199 Bremen

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA)

e.V.

Hochschule Bremen/ Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

E-Mail: info@ifka.de

Tel.: 0421/5905-2012

55

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

56 Senioren im Freizeitpark Potts Park.

Entwicklung eines Konzepts für die Ausweitung des Besuchersegments 50+

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2007 - 03/2007 Stehr, Ilona, Dr.

Projektleiter

Brinkmann, Dieter, Dr.

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Projektauftrag und Umsetzung

1 Zielsetzung

Ziel des gesamten Projekts war die Erarbeitung von

Vorschlägen zur Steigerung der Attraktivität des Parks

für Senioren ab 50 Jahren.

2 Hintergrund

Ein Hintergrund ist die sich abzeichnende demographische

Entwicklung der Bevölkerung. Der Anteil der

älteren Menschen wird aufgrund des Geburtenrückgangs

und der Langlebigkeit der Menschen deutlich

zunehmen. Im Publikumssegment der Familien mit

kleineren Kindern unter 10 Jahren ist ein Rückgang zu

erwarten. Hierauf soll vorausschauend reagiert werden,

um den Park auch in den nächsten Jahrzehnten

erfolgreich betreiben zu können.

3 Zielgruppe und Motivkomplexe

Das Projekt bezog sich auf Besucher ab 50 Jahren,

die mobil, körperlich fit und vielseitig interessiert sind.

Dabei konnten zwei Teilgruppen unterschieden werden:

• ältere Besucher, die mit ihren Enkeln den Park

aufsuchen

• ältere Besucher, die allein oder in Gruppen ohne

Kinder in den Park kommen

Das Entwicklungskonzept bezieht sich auf beide Teilgruppen.

Dabei wird von unterschiedlichen Motivkomplexen

auszugegangen.

4 Perspektive

Berücksichtigt wurden bei den erarbeiteten Vorschlägen

unterschiedliche Zeitperspektiven mit Empfehlungen

auf zwei Ebenen:

• kurzfristig umsetzbare Vorschläge für die nächste

Saison, ausgehend von dem bestehenden Angebot

und

• mittelfristig umsetzbare Vorschläge für eine strategische

Ausrichtung des Angebots, z.B. Ausbau

bestimmter Bereiche, Veränderung der Parkgestaltung,

Besucheranimation

Die Vorschläge orientierten sich an der Größenordnung

des Parks und seinen finanziellen Möglichkeiten.

5 Umsetzung

Im Rahmen des Projektes wurde in zwei Schritten vorgegangen:

• Begehung des Parks (September 2006)

• Fokusgruppe mit Senioren (Oktober 2006)

Als Module für einen zweiten Projektabschnitt wurden

eine Expertenbefragung, eine Besucherbefragung vor

Ort und eine Sekundäranalyse vergleichbarer Angebote

als Möglichkeiten ins Auge gefasst. Dieser Projektabschnitt

wurde bislang nicht ausgeführt

Finanzierung

Das Projekt wurde durch das Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. im Auftrag der

Heinrich Pott GmbH & Co. KG durchgeführt.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA)

e.V.

Hochschule Bremen/Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

E-Mail: info@ifka.de

Tel.: 0421/5905-2012;

Antje Damerau, Heinrich Pott GmbH & Co. KG, potts

park Freizeit- u. Erlebnispark, Bergkirchener Str. 99,

32429 Minden-West, E-Mail: info@pottspark-minden.

de, Tel.: 0571/51088


Berufsfeldforschung Eventmanagement

Laufzeit Projektbeteiligte

02/2007 - 02/2008 Brinkmann, Dieter, Dr.

Theile, Heike

Projektleiterin Neumann, Juliane (Stud. Hilfskraft)

Freericks, Renate, Prof. Dr. Woitassek, Johanna (Stud. Hilfskraft)

Projektbericht

Dirigenten der Erlebnisgesellschaft. Berufsfeld

Eventmanagement: Rahmenbedingungen, Kompetenzen

und Perspektiven.

Eine qualitative Studie im Kontext des freizeitwissenschaftlichen

Studienangebots der Hochschule Bremen

Zielsetzung und Fragestellungen

1 Aktuelle Bestandsaufnahme

Ziel der Studie war die Erstellung einer aktuellen Bestandsaufnahme

zum Berufsfeld Eventmanagement.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den Perspektiven

für Hochschulabsolventen. Das Vorhaben war dabei in

drei Bereiche gegliedert:

Qualität

• Welche Tätigkeitsstrukturen lassen sich feststellen?

• Welche Anforderungen an die Kompetenzen stellt

der Arbeitsmarkt?

• Welche Motivation der Beschäftigten ist wichtig für

den Berufserfolg?

• Wie sehen die beruflich Tätigen Belastungen und

individuelle Entwicklungsmöglichkeiten?

Potenzial

• Welche Potenziale gibt es für Hochschulabsolventen

im Bereich Eventmanagement?

• Welche Chancen haben Studierende der angewandten

Freizeitwissenschaft?

• Wie sehen die beruflich Tätigen ihre Chancen?

• Wie können mögliche Potenziale im Bereich

Eventmanagement erschlossen werden?

Trend

• Wie entwickelt sich das Berufsfeld Eventmanagement?

• Welche Einflüsse haben große gesellschaftliche

Trends auf das Berufsfeld?

• Wie verändern sich die Berufsfeldstrukturen und

Beschäftigungsverhältnisse?

• Welche Rolle könnte eine aktive Freizeit-Berufsfeldpolitik

spielen?

2 Anregungen für Studienangebote und Beratung

Die Ergebnisse sollen eine praxisbezogene Lehre

in den Internationalen Studiengängen Angewandte

Freizeitwissenschaft und Tourismusmanagement unterstützen.

Sie sollen auch dazu dienen, die Berufsfeldpolitik

der Hochschule in einer sich verändernden

Dienstleistungsgesellschaft zu stärken und die Beratung

von Studienanfängern und Absolventen zu qualifizieren.

3 Untersuchungsdesign

Das Untersuchungsdesign stützt sich auf qualitative

Erhebungsmethoden. Im Zentrum stand die Erfassung

von Tätigkeitsstrukturen und Kompetenzprofilen der

Beschäftigten durch leitfadengestützte Interviews.

Berufsfeld-Analyse

Ausgegangen wurde von den Feldern Kultur, Medien,

Sport und Firmenaktivitäten. Im Rahmen einer ersten

Berufsfeld-Analyse wurden Kontaktpartner für die weiteren

Untersuchungsschritte gewonnen. Diese wurden

bei Veranstaltungshallen, kleineren und größeren

Eventagenturen gefunden. Hinzu kamen Kontakte zu

selbständig arbeitenden Eventmanagern. Regional lag

der Schwerpunkt auf dem norddeutschen Raum.

Qualitative Interviews

Ziel war es, mit insgesamt 30 Beschäftigten qualitative

Interviews zu den Tätigkeiten, den Kompetenzanforderungen

und zur Motivation zu führen. Die Auswahl

sollte das Spektrum der Inhalte (Kultur, Medien, Sport

und Firmenaktivitäten) berücksichtigen.

Realisiert werden konnte im Rahmen des Projekts

schließlich eine Beteiligung von 22 Eventmanagerinnen

und Eventmanagern. Mit 19 Gesprächspartnern

wurden persönliche bzw. telefonische Interviews geführt,

drei Beteiligte gaben eine schriftliche Rückmeldung

auf der Basis des Interviewleitfadens.

Die Interviews umfassten eine Gesprächszeit von bis

zu einer Stunde und wurden auf der Grundlage eines

Frageleitfadens geführt (s. Anhang). Folgende Themenkomplexe

wurden behandelt:

• Formale Rahmenbedingungen für die Tätigkeit als

Eventmanager

• Motivation und Arbeitsumfeld (Aufgaben, Belastungen,

Zufriedenheit)

• Qualifizierung und Kompetenzen (subjektive Einschätzungen,

eigene Aus- und Weiterbildung)

• Perspektiven (persönliche Hoffnungen und allgemeine

Entwicklung des Berufsfelds)

• Demographische Angaben der Interviewpartner

Die Interviews wurden aufgezeichnet und anschließend

wörtlich transkribiert. Sie bilden die Grundlage

für die thematische Analyse entlang der Leitfragen des

Projekts.

Weitere Elemente der Datenerhebung

Als weitere Elemente der qualitativen Datenerhebung

war ein „Tätigkeitstagebuch“ angedacht. In den Kontaktgesprächen

mit den beteiligten Eventmanagern

stellte sich jedoch heraus, dass aufgrund der individuellen

Arbeitsbelastung eine Bearbeitung nicht möglich

war.

57

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

58 Ein Teil der interviewten Eventmanager ist in leitender

Position als Geschäftsführer oder Gesellschafter einer

Firma tätig, so dass qualifizierte Einschätzungen

zur Entwicklung des Berufsfeldes gewonnen werden

konnten und weitere Expertengespräche zunächst zurückgestellt

wurden.

4 Repräsentativität und Validität

Die qualitative Studie mit 22 Beteiligten erhebt nicht

den Anspruch einer repräsentativen Untersuchung

für alle Eventmanager in Deutschland. Dafür ist die

Stichprobe zu klein und der regionale Einzugsbereich

zu begrenzt. Die quantitative Bedeutung des Sektors

Eventmanagement für den Freizeitbereich insgesamt

gilt es zudem durch quantitative Methoden abzuschätzen.

Durch die Interviews konnten jedoch wichtige Kategorien

für die Beschreibung von Kompetenzen und

Anforderungen im Berufsfeld Eventmanagement herausgearbeitet

werden. Perspektiven für das Berufs-

feld und für Hochschulabsolventen in diesem Sektor

wurden genauer erkennbar. Die berücksichtigte Breite

unterschiedlicher beruflicher Positionen und Sektoren

innerhalb des Eventmanagements macht die Ergebnisse

der qualitativen Datenanalyse zu einem brauchbaren

Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von

Studienangeboten und Studienstrukturen.

Finanzierung

Durchgeführt wurde die Studie vom Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. gefördert

durch die Hochschule Bremen.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., An der Hochschule Bremen/ Fakultät 3,

Neustadtswall 30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.

de, Tel.: 0421/5905-2012

Besucherbefragung zum Projekt „Leben! Paula Modersohn-Becker in Worpswede“

Laufzeit

06/2007 - 03/2008

Projektleiter

Brinkmann, Dieter, Dr.

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

1 Zielsetzung und Gegenstand

Ziel der Besucherbefragung war es, ein Bild der Nutzer

der Ausstellungen zum 100. Todestag der Künstlerin

Paula Modersohn-Becker in Worpswede zu gewinnen.

In einem einmaligen Verbundprojekt waren vom

1.7.2007 bis 24.2. 2008 in sechs Ausstellungshäusern

und im öffentlichen Raum historische und künstlerische

Präsentationen zu sehen. Es gab ein Verbundticket

für vier Ausstellungen und ein gemeinsames Marketing

für das Projekt. Ab Oktober 2007 wurden auch

in der Kunsthalle Bremen und im Paula-Modersohn-

Beckermuseum Sonderausstellungen zum Thema

präsentiert. In den jeweiligen Werbemedien wurde auf

die Ausstellungen in Worpswede verwiesen. Ein besonderer

Ansatz des Projekts war die Einbeziehung

zeitgenössischer Künstler, die sich mit ihren Werken

auf Paula-Modersohn-Becker bezogenen und ein jüngeres

kunstinteressiertes Publikum ansprechen sollten.

Die Besucherbefragung sollte in diesem Zusammenhang

Planungsdaten für die weitere Kulturentwicklung

in Worpswede und das regionale Kulturmarketing ge-

winnen. Folgende Fragestellungen standen im Mittelpunkt:

• Welcher Typ von Besuchern wird vom Projekt angesprochen

(Alter, Bildung, Kunstinteresse)?

• Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Marketingmaßnahmen?

• Wie kommt das hybride Konzept aus historischen

und aktuellen künstlerischen Beiträgen bei den

Besuchern an?

• Wie wirkt sich das Verbundprojekt mit der Kunsthalle

Bremen und dem PMB-Museum in Bremen

auf das Projekt in Worpswede aus?

2 Leistungen

Folgende Leistungen wurden durch das Institut für

Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA) e.V. erbracht:

• Beratung bei der Erstellung des Fragebogens

• Durchführung der Befragung vor Ort

• Dateneingabe in den PC

• Statistische Analyse

• Erstellung eines Projektberichts mit einfachen Häufigkeitstabellen

und Grafiken zu zentralen Daten

• Auswertungsgespräch zu den Befragungsergebnissen


3 Befragungsdesign

Die Besucherbefragung erfolgte auf der Grundlage eines

schriftliches Fragebogens mit ca. 15 Fragen. Die

Entwicklung des Fragebogens erfolgte in Abstimmung

mit dem Auftraggeber.

Die Besucher wurden nach dem Besuch der Ausstellungen

durch geschulte Interviewer angesprochen und

beim Ausfüllen des Fragebogens unterstützt.

3.1 Stichprobe

Insgesamt konnten in einer ersten Befragungswelle

225 Fragebögen erfasst werden. Die Haupterhebungszeit

umfasste eine Woche im Juli 2007. Einbezogen

wurden fünf Ausstellungshäuser mit Sonderprogrammen

zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker.

Eine zweite Befragungswelle in einer vergleichbaren

Größenordnung diente im Februar 2008 dazu, ein präziseres

Bild der Besucherstruktur zu gewinnen und

mögliche Wechselwirkungen mit den laufenden Sonderausstellungen

in Bremen zu dokumentieren.

Finanzierung

Die Befragung wurde vom Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. im Auftrag der

Worpsweder Touristik und Kulturmarketing GmbH

durchgeführt.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., An der Hochschule Bremen/Fakultät 3,

Neustadtswall 30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.

de, Tel.: 0421/5905-2012;

Worpsweder Touristik und Kulturmarketing GmbH,

Bergstr. 13, 27726 Worpswede

Entwicklung eines Grobkonzepts für die touristische Beschilderung in Papenburg

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2007 - 04/2008 Brinkmann, Dieter, Dr.

Theile, Heike

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Projektauftrag und Umsetzung

1 Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, ein touristisches Beschilderungskonzept

für den Ortsteil „Untenende“ der Stadt

Papenburg zu entwerfen. Darin sind zwei zentrale Aspekte

enthalten:

• eine Beschilderung für anreisende Touristen (Autofahrer,

Radfahrer)

• eine thematische Beschilderung für Fußgänger

entlang des Hauptkanals

Die anreisenden Touristen sollen durch die Beschilderung

zu zentralen Attraktionen im Papenburger Stadtteil

Untenende geleitet werden (Rathaus, Alte Werft).

Soweit möglich sollen die verschiedenen Radfernrouten,

die Papenburg kreuzen, mit in das Beschilderungskonzept

einbezogen werden. Das wichtigste Ziel

der Themenroute am Hauptkanal ist es, eine Klammer

zwischen dem Rathaus und dem Gelände „Alte Werft“

zu schaffen. Im Rahmen der ersten Projektpräsentation

im Januar 2008 in Papenburg wurden Prioritäten

für die verschiedenen Projektziele abgestimmt. Das

Hauptaugenmerk soll danach auf der Themenroute

und der Ausarbeitung von Vorschlägen für Inhalte,

Standorte und Gestaltung liegen. Für die Einbeziehung

der Radfernrouten und der Fernausschilderung

für Autofahrer sollen generelle Empfehlungen gegeben

werden.

1.1 Hintergrund

Papenburg verfügt bislang über kein einheitliches Beschilderungskonzept.

Vielmehr wurden verschiedene

Radrouten, Verkehrsbeschilderungen, Einrichtungswegweiser

und touristische Hinweise unabgestimmt

und additiv in das Stadtbild eingefügt. Die saisonal

bedingten Öffnungszeiten der Touristinformationsstandorte

(im Zeitspeicher und im Sommer ergänzend

auf einem Schiff vor dem Rathaus) erschweren zudem

die Orientierung der Touristen. Da die Anzahl der (Tages-)Touristen

in den letzten Jahren stetig zugenommen

hat, wird die Notwendigkeit für ein beschildertes

Wegesystem gesehen, das die Gäste an Sehenswürdigkeiten

und städtisch interessanten Punkten entlang

führt und zugleich inhaltliche Informationen vermittelt.

Dabei müssen sowohl Fußgänger wie auch Fahrradfahrer

und PKW-Reisende bedacht werden.

2 Leistungen des Instituts für Freizeitwissenschaft und

Kulturarbeit (IFKA) e.V.

Folgende Leistungen werden durch das Institut erbracht:

• Bestandsaufnahme vor Ort und Situationsanalyse

• Erarbeitung von Vorschlägen für das touristische

Wegesystem

• Entwicklung eines thematischen Beschilderungskonzepts

für den Hauptkanal

• Erarbeitung von Standortvorschlägen für die Beschilderung

59

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

60 • Einbeziehung von interaktiven Exponaten in das

Konzept

• Unterstützung bei der Erstellung eines Musterschildes

(Standort, Text, Layout)

Finanzierung

Auftraggeber für das Projekt waren die Stadt Papenburg

und die Tourismus GmbH Papenburg. Bearbeitet

wurde es vom Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V..

Kreativpotentiale für die Gestaltung des demographischen Wandels

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2008 - 05/2008 Theile, Heike

Stehr, Ilona, Dr.

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

1 Zielsetzung

Ziel der Auftragsarbeit war die Entwicklung eines

Konzeptes zur Freisetzung der regionalen Kreativpotentiale.

Vorgesehen war in diesem Zusammenhang

die Durchführung einer Art Zukunftswerkstatt, in Ergänzung

mit neuen Kreativmethoden. Im laufenden

Prozess hat sich die Methodik zu einer Ideenwerkstatt

gewandelt. Im Rahmen dieser Werkstatt konnten

Ideen und Perspektiven für die zukünftige Gestaltung

des demographischen Wandels des Landkreises Osterholz

im Bereich Wohnen gesammelt, bewertet und

diskutiert werden. Diese Ideen dienen als Grundlage

für mögliche weitere Entwicklungen.

2 Ausganglage

Osterholz, als ein suburbaner Landkreis bei Bremen,

wird ebenso wie andere Regionen in Deutschland

durch den demografischen Wandel massive Veränderungen

in der Altersstruktur der Bevölkerung erfahren.

Diese Veränderungen werden sich auf alle Bereiche

des täglichen Lebens auswirken. Um diesen Auswirkungen

und Veränderungen gerecht zu werden, wird

zur regionalen Demographiefähigkeit derzeit ein EU-

Projekt vor Ort durchgeführt. Die Ideenwerkstatt soll

dieses Projekt anteilig stützen. Als Thema der Ideenwerkstatt

wurde „Wohnen“ festgelegt. Das derzeitige

Kooperationspartner

Firma Petri & Tiemann GmbH

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., An der Hochschule Bremen/ Fakultät 3,

Neustadtswall 30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.

de, Tel.: 0421/5905-2012

Wohnbild des Landkreises wird vor allem geprägt

durch private Einfamilienhäuser. Für ältere Bürger

werden zudem verschiedene traditionelle und bekannte

Wohnmodelle angeboten (Beispielsweise Altenheime

oder betreute Wohnformen). Diese Wohnmöglichkeiten

erscheinen im Alter nicht für jeden ideal und/

oder erfüllen häufig nicht die Wunschvorstellungen.

3 Durchführung einer Ideenwerkstatt

Ziel der durchgeführten Werkstatt war es, Ideen und

Perspektiven für die zukünftige Entwicklung des Landkreises

hinsichtlich möglicher (neuer) Wohnformen im

Alter aufzuzeigen. Die Methodik und Fragestellungen

wurden mit dem Auftraggeber abgestimmt. Die Methodenwahl

erschien zentral für den Erfolg der Veranstaltung.

Dabei sollte möglichst ein Mix verschiedener

Methoden (Brainstormings, -stations u.ä.) angewandt

werden, um Tempo und Dynamik zu erzeugen.

Die Durchführung der Ideenwerkstatt kann insgesamt

als ein Erfolg gewertet werden. Die beteiligten Bürger

wurden zur Beschäftigung mit dem Thema angeregt

und erwiesen sich als sehr motiviert für ein weiteres

Engagement. Rund die Hälfte der 54 Teilnehmenden

kam zu der vom Institut für Freizeitwissenschaft und

Kulturarbeit (IFKA) e.V. erstellten Ergebnispräsentation.

Finanzierung

Die Ideenwerkstatt wurde im Auftrag und Zusammenarbeit

mit der ProArbeit gGmbH Osterholz durch

das Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V. erarbeitet, vorbereitet, durchgeführt und

ausgewertet.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., An der Hochschule Bremen/ Fakultät 3,

Neustadtswall 30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.

de, Tel.: 0421/5905-2012


Tourismusentwicklungskonzept für die Zielgruppe 55+

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2008 - 06/2008 Theile, Heike

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Tourismusentwicklungskonzept am Beispiel eines

kulturtouristischen Angebotes in Worpswede für

die Zielgruppe 55+

1 Zielsetzung

Im Rahmen des Projektes „Regionale Demographiefähigkeit“

sollen die Potentiale und Chancen des demographischen

Wandels im Landkreis Osterholz, unter

anderem mit dem Schwerpunkt der Freizeit- und

Tourismuswirtschaft, betrachtet werden. Relevant

erscheinen in diesem Zusammenhang die Auswirkungen

des demografischen Wandels hinsichtlich des

Freizeitverhaltens der alternden Bevölkerung sowie

der touristischen Entwicklung.

Von Seiten des Auftraggebers soll ein Betrachtungsschwerpunkt

auf die Gemeinde Worpswede gelegt

werden. Es wird geprüft, ob ein kulturtouristisches Tages-

und vor allem Mehrtagesangebot für die Generation

55+ dort eine Chance hat (Potentialanalyse).

Dieses zu entwickelnde Angebot soll deutliche Bezüge

zur regionalen Kunst und Kultur haben, unter einem

besonderen Thema stehen und verschiedene Akteure

vor Ort einbinden. Dabei steht nicht die passive

Betrachtung von Kunstwerken im Mittelpunkt. Es soll

vielmehr eine aktive Teilhabe an kreativen Prozessen

geboten werden. Bereits vorhandene touristische Konzepte

aus anderen Regionen Deutschlands sollen als

Erkenntnisgewinn und zur Vermeidung von Fehlern in

der Konzeptionierung recherchiert und analysiert werden.

Es gilt zu prüfen, ob derartige Reisen erfolgreich

anzubieten sind.

2 Inhaltliche Fragestellungen

Als Grundlage für ein zu entwickelndes Tourismuskonzept

ergeben sich somit die folgenden Fragestellungen:

• Macht die Positionierung eines Mehrtages- und

Thementourismus in Worpswede Sinn?

• Welche Zielgruppe kann durch ein solches Angebot

angesprochen werden (mit besonderem Blick

auf die Generation 55+)?

• Wie erfolgversprechend erscheint die Realisierung

eines solchen Konzeptes?

• Gibt es bereits existierende Beispiele für einen

mehrtägigen, kulturorientierten Thementourismus?

• Was macht vorhandene Angebote erfolgreich?

• Wie können die Erfolgsfaktoren auf Worpswede

übertragen werden?

• Gibt es Anknüpfungspunkte zu bereits bestehenden

Anbietern?

3 Methodisches Vorgehen

Zur Prüfung,ob ein kulturtouristisches Mehrtagesangebot

für die Generation 55+ in Worpswede eine Erfolgsaussicht

hat, bietet sich zur ersten Systematisierung

dieBetrachtung verschiedener Aspekte in Form

einer SWOT-Analyse an. Die Angaben zu Worpswede

(interne Faktoren) beruhen vorwiegend auf gegebenen

Fakten sowie auf persönlichen Beobachtungen.

Diese sollten in weiteren Arbeitsschritten geprüft und

gefestigt werden.

Die externen Faktoren werden auf den demographischen

Wandel bezogen und haben ihren Schwerpunkt

auf der Betrachtung des Freizeit- und Reiseverhaltens

der Generation 55+ bzw. der (zukünftigen) Senioren.

Der gewählte Begriff „Senioren“ kann in diesem Zusammenhang

sicherlich diskutiert und kritisiert werden.

Aufgrund des Mangels an Alternativen wird er im

Folgenden jedoch – nicht wertend - verwendet. Die

Angaben und Prognosen ergeben sich aus der Sekundäranalyse

von Fachliteratur und Internetquellen.

Die Betrachtung der Stärken und Schwächen sowie

der Chancen und Gefahren (SWOTAnalyse) wird in

der weiteren Bearbeitung des Entwicklungskonzepts

vertieft und erweitert. Einige Angaben und Argumente

können in der folgenden Bearbeitung noch weiter untermauert

werden.

Zur Überprüfung ob Kreativreisen mit thematischen

Bezügen und lokalen Anbindungen erfolgreich sein

können, werden Best-Practice-Beispiele recherchiert

und systematisch analysiert. Interessante und in

Worpswede anwendbare Faktoren werden zusammengetragen.

Projekte, die derzeit bereits in der Gemeinde

Worpswede angesiedelt sind, werden hinsichtlich

möglicher Anknüpfungspunkte und Kooperationen

dargestellt.

Die Arbeit ist wesentlicher Bestandteil des Rahmenkonzeptes

zur Demographiefähigkeit der Freizeit- und

Tourismusentwicklung im Landkreis Osterholz.

Finanzierung

Die Arbeit wurde durch das Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. im Auftrag der Pro-

Arbeit gGmbH Osterholz durchgeführt.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., An der Hochschule Bremen/ Fakultät 3,

Neustadtswall 30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.

de, Tel.: 0421/5905-2012

61

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

62 Höfische Spielkultur – ein Maßnahmenkonzept für Schloss und Park Pillnitz

Laufzeit Projektbeteiligte

02/2008 - 06/2008 Learners Company

Projektleiter

Brinkmann, Dieter, Dr.

Projektbericht

1. Zielsetzung

Maßnahmenentwicklung für den Leitgedanken des

neuen Marketingkonzepts. Ausarbeitung der thematischen

Inszenierung für den Park mit dem Schwerpunkt

„Höfische Spielkultur“.

Elemente des Projekts

• Einbeziehung der historischen Zusammenhänge

und Analyse der Spielkultur

• Erarbeitung von Vorschlägen für die Umsetzung in

thematische Szenen mit Exponaten (Spielgeräte,

Spielorte) und Beschilderung

• Entwicklung von Ideen für animative Konzepte der

Besucherbetreuung und eine Bespielung der Anlage

• Vorab-Evaluation zur Akzeptanz des Begriffs „Höfische

Spielkultur“ bei den Besuchern des Parks

Bei der Entwicklung ging es darum, eine für die Besucher

interessante Dramaturgie und einen zusammenhängenden

Erzählstrang zum historischen Thema

Spiel zu erarbeiten. Ansatzpunkte waren hierfür

die verschiedenen Formen von Spielen (Wettkampf,

Glücksspiel, Rollenspiele und Bewegungsspielgeräte

wie Schaukeln und Karussells). Passend zu den

Standorten im Park sollen Möglichkeiten für eine aktive

Beteiligung und sinnliche Erlebnisse geboten werden.

Verbindungen zu anderen Themen der gesamten

Anlage wie Kultur und Lebensart, Architektur und

Gartengestaltung sollen erkennbar sein. Gedacht ist

an eine selbstgesteuerte Erschließung durch die Besucher

und die Entwicklung von Optionen für eine Besucheranimation

im Rahmen von Festen, Führungen

und anderen Programmen.

Die Entwicklungsarbeit beinhaltete eine gemeinsame

Exkursion nach Dresden und wurde in enger Abstimmung

mit der Leitung für Schloss und Park Pillnitz erfolgt.

Es wird durchgeführt im Rahmen der „Learners’ Company“

im Internationalen Studiengang Angewandte

Freizeitwissenschaft der Hochschule Bremen. Die Koordination

der Maßnahmenentwicklung erfolgt durch

das „Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

e.V. (IFKA)“

Finanzierung

Das Projekt wurde vermittelt von Projekt Z, Berlin

Kooperationspartner

Prof. Dr. Felix Herle, Hochschule Bremen/ Fakultät 1,

Werderstraße 73, 28199 Bremen

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V., Hochschule Bremen/ Fakultät 3, Neustadtswall

30, 28199 Bremen, E-Mail: info@ifka.de,

Tel: 0421/5905-2012

Kinderyoga in der Grundschule

Pilotstudie zur Evaluation von Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung

Laufzeit Projektbeteiligter

08/2008 - 10/2008 Brinkmann, Dieter, Dr.

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Zielsetzung und Gegenstand

1 Zielsetzung

Ziel des Evaluationsprojekts „Kinderyoga an der

Grundschule“ war es, die möglichen Auswirkungen

eines zeitlich begrenzten und kindgerecht gestalteten

Yoga-Angebots auf die Persönlichkeitsentwicklung zu

dokumentieren und zu analysieren. Vermutet wurden

positive Wirkungen im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung

(Geist, Seele, Körper). Im Mittelpunkt

standen dabei die Selbstwahrnehmungen der

Kinder sowie die Beobachtungen von Eltern und Lehrern

zur Entwicklung der Kinder im Zusammenhang

mit den Yoga-Übungen.


Das Projekt wurde als eine qualitative Pilotstudie mit

unterschiedlichen Perspektiven (Kinder, Eltern, Lehrer)

angelegt und sollte grundlegende Kategorien für

eine Begleitforschung auf quantitativer Basis mit einer

größeren Stichprobe herausarbeiten und Hinweise auf

mögliche Schwerpunkte der persönlichkeitsfördernden

Wirkungen geben.

2 Hintergrund und Gegenstand

Im Rahmen des Projekts „Gesunde Schule“ an einer

Bielefelder Grundschule hat die Firma PraeVita über

ein Jahr Yogaunterricht für Grundschulkinder angeboten.

In der Zeit von Oktober 2007 bis Juni 2008 wurden

nacheinander drei Kurse mit je 15 Plätzen für die

Kindern der Offenen Ganztagsschule angeboten.

Grundlage für die Kinderyoga-Kurse ist ein von Prae-

Vita OWL entwickeltes Konzept. Die Grundfiguren des

Yoga werden in selbst Geschichten in Form von Pflanzen-

und Tierdarstellungen der kindlichen Vorstellungswelt

entsprechend eingebaut. Die Geschichten

geben eine kindgerechte Motivation für die angestrebte

Körperhaltung und den Ablauf von Bewegungen

(Samenkorn, Vogel, Katze, Gänseblümchen).

Für jede Figur gibt es ein Script mit der Rahmengeschichte

zu den jeweiligen Bewegungsabläufen. Beispiele

für die Figuren sind der Vogel oder die Entwicklung

des Samenkorns zur Pflanze. Angestrebt werden

bestimmte Sinnbilder, die durch die örperhaltungen

zum Ausdruck gebracht werden. Von diesen Sinnbildern

(z.B. frei, leicht wie ein Vogel) gehen, so die

Vermutung der Anbieter, objektive, schöpferische Wirkungen

aus, die über die rein körperlichen Effekte hinausreichen

und eine ganzheitliche Entwicklung der

Persönlichkeit anregen.

Neben der besseren Akzeptanz der Yoga-Übungen

bei den Kindern durch ein Verpacken in Geschichten

erwarten die Betreiber eine indirekte Aufnahme

und Verinnerlichung der in den Scripten enthaltenen

ethischen Botschaften. Jede Figur bzw. Geschichte

soll bestimmte menschliche Tugenden zum Ausdruck

bringen. Die Vorstellungen beziehen sich zum Beispiel

auf Aspekte wie Offenheit, Freiheit, Feinsinnigkeit. In

Figuren mit Partnerübungen wird auf das Miteinander

sehr viel Wert gelegt, und ein Wettkampf wird vermieden.

Kooperation und soziales Verhalten werden als

Sinnbild erlebbar gemacht.

Angenommen wird, dass die Einübung und regelmäßige

Widerholung dieser Tugendbotschaften zusammen

mit den entsprechenden Körperhaltungen persönlichkeitsbildend

wirkt. Nach Vermutung der Anbieter wird

dieses Verinnerlichen verstärkt durch eine „lobende

Grundhaltung“ des Trainers. Nicht die Erreichung einer

perfekten Figur wird durch Lob bzw. Kritik vorangetrieben,

sondern, es werden das Bemühungen und

eine innere Haltung der Kinder durch Lob verstärkt. In

dieser Hinsicht, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr

bedeutend.

Insgesamt wird erwartet, dass durch die Summe der

verschiedenen Übungen und Tugendbotschaften eine

positive Persönlichkeitsentwicklung bei den Kindern

angeregt wird. Sie müsste sich in Merkmalen wie Ausgeglichenheit,

Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Hilfsbereitschaft,

Einfühlungsvermögen, Selbstvertrauen und

Selbstbewusstsein zeigen. Ein prosoziales Verhalten

und ein Rückgang von aggressiven, konfliktorientierten

Verhaltensweisen müssten ebenso damit einhergehen.

3 Auftraggeber und Projektpartner

Auftraggeber für das Projekt ist die PraeVita OWL

GbR. Eine finanzielle Förderung der Begleitforschung

erfolgt über das „Haus Yoga Vidya“ in Bad Meinberg.

Kooperationspartner bei der Umsetzung ist die Grundschule

Eichendorffschule in Bielefeld.

4 Rahmenbedingungen an der Eichendorffschule

Das Yogaangebot war ein Teil des Angebots der Offenen

Ganztagsschule. Im Anschluss an die Mittagspause

werden in diesem Rahmen Hausaufgabenbetreuung,

Arbeitsgemeinschaften und verschieden

Aktivitäten angeboten. Das Yoga war ein Pflichtprogramm

für Kinder des zweiten bis vierten Schuljahres.

Finanzierung

Die Evaluation wurde durch das Institut für Freizeitwissenschaft

und Kulturarbeit (IFKA) e.V. im Auftrag von

Yoga Videa und der PraeVita-OWL durchgeführt.

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA)

e.V.

Hochschule Bremen/ Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

E-Mail: info@ifka.de

Tel: 0421/5905-2012

63

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

64 Beratungs- und Qualifizierungsangebot für die Freizeit- und Tourismuswirtschaft im Landkreis

Osterholz

Laufzeit Projektbeteiligte

11/2008 - 04/2009 Theile, Heike

Projektleiterin

Freericks, Renate, Prof. Dr.

Projektbericht

Das Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit

(IFKA) e.V. bearbeitet diese Forschungsarbeit im Rahmen

des EU-Projektes "Regionale Demographiefähigkeit".

Das Projekt wird im Landkreis Osterholz von der

ProArbeit gGmbH getragen und koordiniert.

Hintergrund

In dem Projekt ‚Regionale Demografiefähigkeit’ werden

die Potenziale und Chancen des demografischen

Wandels für den Landkreis Osterholz betrachtet.

Ein zentrales Thema ist der Zukunftsmarkt 50 plus. Er

ist für die regionalen Unternehmen wie auch für die

älteren Arbeitskräfte von entscheidender Bedeutung.

Gegenstand der Betrachtung im Rahmen dieses

Auftrages ist der Wirtschaftbereich Freizeit- und

Tourismuswirtschaft im Landkreis Osterholz. Ein

Schwerpunkt wird in diesem Zusammenhang auf die

Potentiale des Künstlerdorfes Worpswede gelegt.

Aufgabenstellung

In Bezug zu einem Schwerpunkt des Tourismus- und

Freizeitangebotes im Landkreis Osterholz sollen exemplarisch

Chancen aufzeigt werden, wie kleine und

mittelständische Unternehmen aus der Freizeit- und

Tourismuswirtschaft die Potenziale des Zielmarktes 50

plus besser nutzen können und wie Unternehmensleitungen

und Mitarbeiter für die Realisierung der Chancen

qualifiziert werden.

Folgende Ansätze und Aspekte sind für die Aufgabenstellung

relevant:

• Bedeutung der Zielgruppe 50 plus für die Freizeit-

und Tourismuswirtschaft

• Reisemotive / Reiseverhalten

• touristische Trends

• Reisearten

• Reisedauer

• Anteil der Altersgruppen an Urlaubsarten

• Informationsbeschaffung und Buchungswege von

Kunden

• Verkehrsmittelwahl.

• Wege der Veränderung, Optionen für die Freizeit-

und Tourismuswirtschaft

• Gestaltungsmöglichkeiten des absatzpolitischen

Instrumentariums (Qualitätsführerschaft oder Kostenführerschaft

in Bezug auf Angebote / Dienstleistungen,

Infrastruktur, Personal, Kommunikation

mit dem Kunden, Preise und Konditionen)

• Best practice Beispiele für Qualitätsführerschaft

• Branchenbezogene und branchenübergreifende

Beispiele, u.a. in Bezug auf Qualitäten des Angebotes

und der Serviceleistungen, Vertriebswege,

Strategien der Kundenbindung

• Identifikation spezifischer Potenziale in der Region

• Identifikation von konkreten Möglichkeiten für ein

Modellprojekt mit exemplarischen Charakter

Leistungen

• Ausarbeitung eines Konzeptes für einen integrierten

Analyse-, Beratungs- und Entwicklungsprozess

• Entwicklung von Analyseverfahren zur Ermittlung

der Potenziale der Leistungsanbieter und Anwendung

dieser Verfahren zur Analyse der Unternehmens-

und Mitarbeiterpotenziale

• Gestaltung konkreter Handlungsansätze und

Standards zur Anpassung der Leistungen an die

Anforderungen des Zielmarktes 50 plus (Zusammenarbeit

in Netzwerken. integrierte Serviceketten,

Anpassung der Infrastruktur, Kommunikation

mit den Kunden, etc.)

• Ausarbeitung von Beratungs- und Qualifizierungsmodulen

für Unternehmer und Mitarbeiter (Hotels,

Gastronomie, Handel, Kreativebereiche, etc.)

Finanzierung

Bildungswerk Osterholz e. V. / ProArbeit gGmbH

Kooperationspartner

ProArbeit kommunale Anstalt öffentlichen Rechts

(kAöR)

Beschäftigungsförderung des Landkreises Osterholz

Sachsenring 11

D 27711 Osterholz-Scharmbeck / Heilshorn

Tel. +49 47 95 - 9 57 1130

E-Mail: info@proarbeit-ohz.de

Kontakt

Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturabeit e.V.

Hochschule Bremen/ Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel: 0421/5905-2012

E-Mail: info@ifka.de


Kommunalmarketing Rastede

Laufzeit

07/2005 - 03/2009

Projektleiter

Hartmann, Rainer, Prof. Dr.

Projektbericht

Nachdem in Rastede bereits 2001 ein grundständiger

Kommunalmarketing-Prozess begonnen wurde (ebenfalls

begleitet von Prof. Dr. Hartmann als Mitarbeiter

der CIMA GmbH), wurde die persönliche Zusammenarbeit

in den letzten Jahren kontinuierlich fortgesetzt.

Folgende Projekte wurden dabei bearbeitet:

(1) Evaluation des bisherigen Kommunalmarketing-

Prozesses und Handlungsempfehlungen für die Weiterführung

(2005)

(2) Organisation und Moderation einer Veranstaltung

zur Entwicklung eines Gestaltungskonzeptes für eine

zentrale Innenstadtfläche / Kögel-Willms-Platz (2006)

(3) Fortschreibung des Kommunalmarketing-Prozesses

auf der Basis eines bestehenden Leitbildes: Konzeption

und Durchführung eines Bürgerforums und

Ableitung eines Maßnahmenhandbuchs für die operative

Marketing-Arbeit (Dez. 2008 – März 2009)

Stadtmarketing Bassum

Laufzeit

10/2005 - 12/2010

Projektleiter

Hartmann, Rainer, Prof. Dr.

Projektbericht

Stadtmarketing und Eventmanagement in Bassum

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Learners Company“

wurde im Wintersemester 2005/06 zusammen mit

Studierenden eine Potenzialanalyse für die zukünftige

Stadtentwicklung Bassums erstellt. Methoden waren

eine repräsentative Bürgerbefragung und Expertengespräche.

Im Sommersemester 2006 konnte wiederum im Rahmen

der Lehrveranstaltung „Learners Company“ die

Entwicklung eines Veranstaltungskonzeptes für Bassum

realisiert werden.

Die praktische Umsetzung der Konzeption erfolgte anschließend

im Zuge des ehemaligen Weihnachtmarktes,

der 2007 zum „Bassumer Advent“ umbenannt

wurde. Das Eventmanagement für den Bassumer Advent

ist ein permanentes Projekt, das zunächst unbefristet

von Prof. Dr. Hartmann durchgeführt wird.

Finanzierung

Gemeinde Rastede

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hartmann

Tel.: +49 421 5905 2734

E-Mail: Rainer.Hartmann@hs-bremen.de

Finanzierung

Stadt Bassum

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hartmann

Tel.: +49 421 5905 2734

E-Mail: Rainer.Hartmann@hs-bremen.de

65

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

66 Markenentwicklung und Imageprofilierung im Städtetourismus - Das Beispiel der Austragungsorte

der Fußball-WM 2006

Laufzeit

05/2006 - 04/2007

Projektleiter

Hartmann, Rainer, Prof. Dr.

Projektbericht

Wissenschaftliche Fragestellung:

Welche Kriterien sind für die Markenbildung und

Imageprofilierung von Städten bedeutend. Forschungsziel:

Vor dem Hintergrund der Potenziale der

Fußball-WM 2006 sowie der Ausgangssituation der 12

Austragungsorte als Städtereiseziele wird überprüft,

inwieweit die einzelnen Städte die Chance genutzt

haben, ihr spezifisches Imageprofil im Rahmen des

Megaevents zu schärfen. Das besondere Augenmerk

der Studie lag auf der Frage, ob die Austragungsorte

ihre spezifischen Alleinstellungsmerkmale in die

Marketing-Kampagnen im Rahmen der Fußball-WM

integriert haben.

Methoden:

Set verschiedener Primär- und Sekundäranalysen vor,

während und nach der Fußball-WM 2006 (Interviews

mit WM-Verantwortlichen der Tourismusorganisationen

aus den Austragungsorten; telefonische Leitfadeninterviews

im Anschluss an die WM; ausführliche

Analyse der offiziellen FIFA-Homepage sowie der

Homepages der Austragungsorte; Auswertung ausgehändigter

oder zugesandter Unterlagen und Broschüren

der WM-Städte; gezielte Beobachtung der

entsprechenden Medienberichterstattung). Der Fokus

der Analysen lag auf den qualitativen Aspekten der

Imageprofilierung und Markenentwicklung.

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Destination Branding ist das Zauberwort im heiß umkämpften

Markt für Städtetourismus. Jede Stadt muss

heute versuchen, eine klare und verlässliche Vorstellung

über Ihre „Persönlichkeit“ zu erzeugen und damit

ein spezifisches Imageprofil zu bilden. Große Events

wie die Fußball-WM eignen sich besonders gut zum

Transport dieser Botschaften. Dort können starke kognitive

und emotionale Prozesse bei den Besuchern

ausgelöst und bleibende Eindrücke hinterlassen werden.

Vor dem Hintergrund der Potenziale der Fußball-WM

2006 sowie der Ausgangssituation der 12

Austragungsorte als Städtereiseziele wird überprüft,

inwieweit die einzelnen Städte die Chance genutzt

haben, ihr spezifisches Imageprofil zu schärfen. Das

Ergebnis ist sehr differenziert: Berlin, Frankfurt und

Hamburg haben ihre Markenentwicklung am stärksten

forciert. München und vor allem Köln konnten ihre

Image-Profilierung nicht weiter entwickeln. Von den

Städten in der „zweiten Reihe“ konnten besonders

Stuttgart und auch Nürnberg ihre Image-Profilierung

am weitesten voran treiben. Alle anderen Städte konnten

nicht überzeugen.

Finanzierung

Eigenmittel

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hartmann

Tel.: +49 421 5905 2734

E-Mail: Rainer.Hartmann@hs-bremen.de


Unternehmensbefragung Verden/Aller

Laufzeit

03/2007 - 09/2007

Projektleiter

Hartmann, Rainer, Prof. Dr.

Projektbericht

Der Fokus der Untersuchung lag auf der Frage, wie

die Sicht der Verdener Wirtschaft auf die (Arbeit der)

Stadtverwaltung ist. Im Ergebnis werden Handlungsempfehlungen

abgeleitet, wie die Zusammenarbeit

von Stadtverwaltung und Wirtschaft zukünftig verbessert

werden kann. Die Ergebnisse sind zur Standortbestimmung,

zur Beseitigung vorhandener Engpässe,

zur Definition von Aktionsfeldern und zur Schaffung

neuer Impulse im Rahmen der Wirtschaftsförderung

geeignet. Das methodische Vorgehen beinhaltet eine

schriftliche Vollerhebung aller relevanten Gewerbebetriebe

in Verden (Handel, Industrie, Handwerk, freie

Berufe, andere Dienstleistungen).

Benchmarking-System für Städte in Süd- und Nordtirol

Laufzeit

04/2008 - 06/2008

Projektleiter

Hartmann, Rainer, Prof. Dr.

Projektbericht

Im Rahmen des Projektes „Stadtmarketing und Lernende

Region - Zukunftsperspektiven für die Städte

Bozen, Meran und Brixen“ geht es um die Zusammenstellung,

Diskussion und Einführung eines Systems

von Kennzahlen für die Städte Bozen, Meran,

Brixen, Sterzing und Brunegg (Südtirol) sowie Hall in

Tirol, Lienz und Innsbruck (Nordtirol). Damit sollen die

Strukturen und Prozesse der jeweiligen Innenstädte

systematisch erfasst werden, und gleichzeitig dienen

die Kennzahlen dazu, ein Ranking zur Veranschaulichung

der Wettbewerbssituation zu erstellen. Die entsprechenden

Kennzahlen müssen mit relativ wenig

Aufwand zu ermitteln sein und zum Aufbau eines ständigen,

dynamischen Kontrollsystems in regelmäßigen

Abständen von den jeweiligen Partnern in das System

eingegeben werden.

Finanzierung

Stadt Verden

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hartmann

Tel.: +49 421 5905 2734

E-Mail: Rainer.Hartmann@hs-bremen.de

Finanzierung

EU-Mittel, Interreg III A, Projekt I/A (bereitgestellt über

Initiative Brixen e.V.)

Kooperationspartner

IFKA e.V.

Europäische Akademie Bozen (EURAC) - Institut für

Regionalentwicklung und Standortmanagement

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hartmann

Tel.: +49 421 5905 2734

E-Mail: Rainer.Hartmann@hs-bremen.de

67

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

68 Die Vielfalt des Fachjournalismus

Laufzeit

05/2007 - 04/2009

Projektleiterin

Dernbach, Beatrice, Prof. Dr.

Projektbericht

In dem Forschungsprojekt soll grundlegend geklärt

werden, ob die Bezeichnung Fachjournalismus als

Dachbegriff für die oben skizzierten Tendenzen sinnhaft

und funktional ist. Des weiteren sollen der Markt

der Fachpublizistik analysiert, Abgrenzungen zu anderen

Kommunikationsformen (wie der Public Relations)

geklärt und die Entwicklungen der einzelnen Richtungen

gesellschaftstheoretisch (Seit wann existiert

das Thema Mode in der Gesellschaft?) und aus Sicht

der Journalistik beschrieben und erklärt werden (Seit

wann und warum gibt es Modejournalismus?). Weiteres

Untersuchungskriterium ist die Frage nach dem

Stand der Professionalisierung des Fachjournalismus

(v.a. Ausbildung und Verbandsstruktur, Ethik und Qualitätssicherung).

Der Begriff Fachjournalismus ist noch nicht grundlegend

geklärt. Es gibt pragmatische Definitionen, die jedoch

noch wissenschaftlich überprüft werden müssen.

Fachjournalismus wird häufig reduziert auf den Begriff

der Fachpresse und mit dem Segment der Fachzeitschriften

(als Gattungsbegriff) fast gleichgesetzt. In

Erweiterung der bisher vorliegenden Einzelergebnisse

auf der Mikroebene soll in dem Projekt auf der Makro-

und Mesoebene das Phänomen Fachjournalismus

geklärt werden: Welche Zusammenhänge bestehen

Aktivierung jugendlicher Zeitungsleser

Laufzeit

11/2007 - 05/2008

Projektleiter

Dernbach, Beatrice, Prof. Dr.

Stueven, Friederike

Projektbericht

Mit Hilfe von moderierten Gruppendiskussionen und

standardisierten Fragebögen wurde untersucht: Welche

Themen interessieren Jugendliche und wo finden

sie diese Informationen? Was vermissen sie an

Zeitungen, was an Websites? Wie stellen sich junge

Erwachsene ihre ideale Zeitung/ ihr ideales Web-Angebot

vor?

Gearbeitet wurde mit 127 Schülern im Alter von 16 bis

19 Jahren. Die Ergebnisse wurden in einem Bericht an

den Auftraggeber dokumentiert.

zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und Tendenzen

im Journalismus, wie der Ausdifferenzierung

in Fachjournalismen? Ist der Begriff Fachjournalismus

als Dachbegriff sinnvoll? Auf Basis welcher Kriterien

kann Fachjournalismus von anderen Formen der Publizistik

abgegrenzt werden?

Die Ergebnisse des weitgehend abgeschlossenen

Projekts werden publiziert in: Die Vielfalt des Fachjournalismus.

Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

VS. 2009 (im Druck)

Das Projekt wird derzeit fortgesetzt mit der Untersuchung

des internationalen Aspekts des Fachjournalismus.

Es ist bereits eine Publikation in der Neuauflage

des Bandes „Fachjournalismus“, herausgegeben von

Siegfried Quandt und dem Deutschen Fachjournalisten-Verband

(DFJV) vereinbart.

Finanzierung

FuE-Fonds der Hochschule Bremen

Kontakt

Prof. Dr. Beatrice Dernbach

Tel.: +49 421 5905 3187

E-Mail: Beatrice.Dernbach@hs-bremen.de

Finanzierung

Auftragsstudie für den Verlag einer Anzeigenzeitung

Kontakt

Prof. Dr. Beatrice Dernbach

Tel.: +49 421 5905 3187

E-Mail: Beatrice.Dernbach@hs-bremen.de


Wissenschaft kommuniziert – Evaluation öffentlicher Aufmerksamkeitsstrategien

Laufzeit Projektbeteiligte

06/2008 - 05/2011 Schreiber, Pia

Projektleiterin

Dernbach, Beatrice, Prof. Dr.

Projektbericht

Das Phänomen der sich ausbreitenden Wissenschaftskommunikation

soll zunächst wissenschaftlich

betrachtet werden: Ist es eine Notwendigkeit, die sich

die Wissenschaft aus sich selbst heraus gesetzt hat?

Muss Wissenschaft öffentlich kommunizieren um zu

existieren oder sich zu legitimieren? Oder ist es ein

Muss, das die Öffentlichkeit bzw. die Politik und die

Ökonomie von außen erzwingen?

In dem geplanten Forschungsprojekt sollen die einzelnen

Kommunikationsmaßnahmen recherchiert und

unter zentralen Fragestellungen ausgewertet werden.

Welche Strategien wurden entwickelt? Greifen diese

Strategien (zufällig) ineinander, befruchten sie sich gegenseitig

oder sind sie sogar kontraproduktiv?

Dazu werden Inhaltsanalysen und Leitfadeninterviews

durchgeführt.

Fazit aus der theoretischen Grundlagenarbeit und der

empirischen Studie soll sein, eine Art ideales Konzept

für die Wissenschaftskommunikation zu entwickeln.

Dazu müssen die Stärken und Schwächen der bisherigen

Maßnahmen auf der Ebene der Wissenschaft als

Gesamtsystem (z.B. Bilanz der Wissenschaftsjahre,

Stadt der Wissenschaft etc.), der Ebene der Institutionen

(Was bringt die Kinder-Uni?) und des einzelnen

Wissenschaftlers (Wie wird er wahrgenommen? Als

wichtige Instanz stellvertretend für seine Disziplin oder

als Einzelner, der Karriere machen will?) analysiert

werden.

Es besteht eine Kooperationsvereinbarung mit Wissenschaft

im Dialog; gemeinsam soll ein Ergebnisband

herausgegeben werden.

Finanzierung

FuE-Projekt, gefördert aus Mitteln der Hochschule

Bremen

Kooperationspartner

Wissenschaft im Dialog (WiD)

Kontakt

Prof. Dr. Beatrice Dernbach (Studiendekanin; Professorin

für Journalistik) Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

M / 105a

Tel. +49 421 5905 3187

Fax +49 421 5905 3191

Beatrice.Dernbach@hs-bremen.de

Dipl.-Journ. Pia Schreiber (Wissenschaftliche Mitarbeiterin

und Doktorandin)

Fakultät 3

Neustadtswall 30

28199 Bremen

M / 105

Tel. +49 421 5905 3536

Fax +49 421 5905 3191

Pia.Schreiber@hs-bremen.de

69

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

70 Zukunft der Öffentlichkeit - Öffentlichkeit der Zukunft

Laufzeit Projektbeteiligte

10/2007 - 10/2010 Rautenberg, Kirsten

Projektleiterin

Witte, Barbara, Prof. Dr.

Projektbericht

Müntefering twittert, Angela Merkel hat ihren Videocast,

und selbst der Papst präsentiert sich bei YouTube.

Die neuen Formen des Internets, das sogenannte

Web 2.0, verändern die Kommunikationslandschaft,

deutschlandweit und international. Mehr Partizipation

für den einzelnen Bürger ist – zumindest theoretisch

– möglich. Auch die Kommunikation zwischen Institutionen

und Bürgern könnte sich verändern. Völlig neue,

partizipative Publikationsformen sind denkbar. Wie gehen

die Institutionen mit den neuen Möglichkeiten um?

Was machen Parteien und Medien mit dem Web 2.0?

Nutzen sie es, um die Kommunikation mit den BürgerInnen

und Institutionen zu stärken?

Das Projekt „Zukunft der Öffentlichkeit – Öffentlichkeit

der Zukunft“ fragt nach Veränderungen vor allem auf

regionaler Ebene. Im Rahmen der Untersuchung werden

die Internetauftritte von Parteien, Fraktionen und

Medien analysiert. Bremen bietet als kleinstes Bundesland

einen Mikrokosmos, der in seiner Vielfalt prototypisch

ist, der es aber auf Grund der Größe ermöglicht,

eine Vollerhebung aller relevanten Internetseiten

von Medien, Parteien und Fraktionen zu realisieren.

Zudem werden im Projekt auch überregionale Daten

erhoben, die dann mit den Bremer Ergebnissen verglichen

werden.

Die Untersuchung besteht jeweils aus einer quantitativen

Erhebung sowie einer qualitativen und quantitativen

Befragung. Die quantitative Untersuchung

hat zum Ziel, eine Bestandsaufnahme zuvor festgelegter

Angebote auf den Webseiten Bremer Parteien

und Medien vorzunehmen, um über die Anwendung

von Web 2.0-Applikationen Aussagen treffen zu können.

Die Kategorien für die Untersuchung wurden auf

Grundlage der Web 2.0-Prinzipien Offenheit, Personalisierung,

Interaktivität, Partizipation und Multimedialität

sowie den erweiterten Möglichkeiten des Informations-,

Identitäts- und Beziehungsmanagements

gebildet. Untersuchungseinheit sind jeweils alle Ebenen

der Internetseiten.

Die Ergebnisse für Bremen sind abgeschlossen, die

überregionale Untersuchung hat begonnen. In Bremen

lässt sich feststellen, dass die Skepsis gegenüber

interaktiven und partizipativen Anwendungen in

den Bremer Parteien und Medienhäusern groß ist.

Von den untersuchten Elementen nutzen Parteien und

Medien vornehmlich die Multimedialität zur Selbstdarstellung

und zur Unterhaltung. Partizipative Formen

wie Kommentare oder offene Foren wurden weniger

stark angeboten.

Die demokratietheoretisch angenommene Stärkung

des Diskurses zwischen Bürgern und Institutionen

konnte bisher eher nicht bestätigt werden. Eines der

Ergebnisse ist allerdings auch, dass Bremer Medien

und Parteien in den Startlöchern zum Mitmach-Netz

stehen. Veränderungen ihrer Internetseiten haben

mehr als die Hälfte der Gesprächspartner angekündigt.

Erste Ergebnisse des Projekts wurden im Rahmen einer

Informationsveranstaltung an der Hochschule Bremen

vorgestellt und diskutiert.

Englische Zusammenfassung des Projekts

The main idea of web 2.0 is interactive communication.

The technical development enables everyone to

publish in a simple way. The communication landscape

changes, in Germany as well as internationally.

How do the media and parties deal with the new possibilities?

The project „Future of the public sphere - public sphere

of the future“ sheds light on relevant developments

in this area in Bremen and nationwide. To what extent

do parties and the media use the Web 2.0? And how

do they use it?

The first part of the project on Bremen is finished. One

of the results is that local media and parties are very

sceptical about the use of Web 2.0.

Finanzierung

F.u.E.-Fonds der Hochschule Bremen

Kontakt

Prof. Dr. Barbara Witte

0421 / 5905 2813

Barbara.Witte@hs-bremen.de

Kirsten Rautenberg

0421 / 5905 2819

Kirsten.Rautenberg@hs-bremen.de


Pflegefehler, Fehlerkultur und Fehlermanagement in stationären Versorgungseinrichtungen

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2007 - 09/2010 Cramer, Henning

Stagge, Maya

Projektleiterin

Habermann, Monika, Prof. Dr.

Projektbericht

Problemhintergrund

Als konstante Akteure am so genannten ‚sharp end’

überwachen und steuern Pflegende die Versorgung.

Ihnen kommt somit für die Identifizierung und potentielle

Vermeidung von Fehlern eine herausragende

Bedeutung zu. Sie verursachen in der beschriebenen

Position aber auch selbst Fehler. Aufgrund ihrer exponierten

Rolle und großen Zahl werden sie als die

Berufsgruppe mit der größten Fehlerquote erachtet.

Die Etablierung eines Fehlermanagementsystems benötigt

deshalb fundierte Erkenntnisse zur Fehlerwahrnehmung

und -steuerung auch unter Pflegekräften

- Erkenntnisse, die bislang nur begrenzt international

und national nicht vorliegen.

Das Wissen um Fehler, ein so genanntes „negatives

Wissen“, ist bedeutsam, um sicheres Handeln und

seine Rahmenbedingungen zu konzipieren. Negatives

Wissen wird deshalb generell auch als „Schutzwissen“

deklariert. Seine bisherige Tabuisierung verhindert organisatorisches

und individuelles Lernen. Pflegende

werden allerdings nur dann an organisationsbezogenen

Entwicklungen partizipieren, wenn sie Problemstellungen

ihres Professionsverständnisses und Berufsalltags

in den Diskussionen und Formalisierungen

repräsentiert finden.

Zielsetzungen

Vor diesem Hintergrund wurde mit der hier beschriebenen

Untersuchung mit Feldbezug auf das Krankenhaus

und die stationäre Altenpflege das Ziel verfolgt,

aus Sicht der befragten Pflegenden deren Fehlerwahrnehmung,

erinnerte Fehlerhäufigkeiten, verschiedene

Arten von Fehlern sowie Fehlerkategorien zu erfahren.

Es interessierten die Ursachenzuweisung, Bewertungen

(z.B. Schuld, Inkompetenz, Versagen, Lernchance)

und Auswirkungen auf die eigene Befindlichkeit

(z.B. Belastungen). Als weitere Dimensionen wurden

soziale Beziehungsfelder im Umgang mit Fehlern,

Fehlertoleranz und Fehlerkulturen, die Einschätzung

der persönlichen Einflussmöglichkeit und präventiver

Maßnahmen hinsichtlich einer Fehlervermeidung sowie

gelungenes und/oder misslungenes Fehlermanagement

aus Pflegeperspektive ermittelt.

Methodische Vorgehensweise

Das Fehlen von Forschungsergebnissen machte es

notwendig, sich dem Themenfeld zunächst qualitativ

zu nähern. Zur Exploration von Fehlerwahrnehmung

und -klassifikation und Umgang mit Fehlern durch

professionell Pflegende wurden aus diesem Grund 18

halbstrukturierte Interviews geführt. Die GesprächspartnerInnen

stammten aus der klinischen und stationären

Altenpflege (Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte)

und wurden im Rahmen einer theoriegeleiteten

Stichprobeziehung ermittelt. Die Vorstudie in Verbindung

mit einem umfangreichen Literaturstudium lieferte

die Grundlage für die Dimensionierung des Fragebogens.

Auf dieser Grundlage wurde eine Prävalenzstudie

in Form einer schriftlichen Befragung von Pflegenden

(stationäre klinische und altenpflegerische Versorgung)

durchgeführt. Die zweistufige geschichtete

Zufallsstichprobe wurde aus Pflegenden aus

Krankenhäusern und Pflegeheimen im Nordwesten

Deutschlands gebildet. Insgesamt wurden 46 Pflegeheime

und 30 Krankenhäuser mit mehr als 50 Plätzen

bzw. Betten einbezogen.

In den teilnehmenden Pflegeheimen wurden Fragebögen

an alle Personen mit einer mindestens einjährigen

pflegerischen Ausbildung ausgeteilt, also an

- staatlich anerkannte AltenpflegerInnen,

- Gesundheits- und KrankenpflegerInnen,

- Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen,

- staatlich anerkannte AltenpflegehelferInnen und

- staatlich anerkannte KrankenpflegehelferInnen,

die jeweils mehr als geringfügig beschäftigt in der direkten

Pflege tätig sind.

In den Krankenhäusern wurden nur examinierte Pflegekräfte

(Gesundheits- und KrankenpflegerInnen,

Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen, AltenpflegerInnen)

befragt, die mit mindestens 50 Prozent

einer vollen Stelle in der direkten Pflege arbeiten. Die

Anzahl der befragten Personen war abhängig von der

Größe der Kliniken: Entweder erhielten alle in Frage

kommenden Personen einen Fragebogen, oder aber

eine Stichprobe aus der Einrichtung von 50 bzw. 100

Personen.

Die Fragebögen wurden in der Einrichtung an die Teilnehmer

verteilt. Diese füllten ihn zu Hause aus und

schickten ihn direkt an das mit der Datenerfassung

und -auswertung beauftragte Institut zurück. Eigenschaften

der teilnehmenden Einrichtungen wurden mit

einem „Strukturfragebogen“ erhoben. Alle Daten wurden

in anonymisierter Form erfasst.

Die Ergebnisse der Studie werden sowohl in einer Reihe

von Publikationen und Vorträgen als auch im Rahmen

einer Transfertagung vorgestellt (s.u.).

Ergebnisse und deren Relevanz, Ausblick

Fehler und Fehlermanagement in Gesundheitseinrichtungen

haben eine erhebliche Relevanz für eine humane

und ökonomisch vertretbare Gesundheits- und

Pflegeversorgung. Die bisherige Diskussion zur Fehlervermeidung

bezieht die Gruppe der Pflegenden unzureichend

ein. Die Datenaufnahme zu diesem thema-

71

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

72 tischen Schwerpunkt bietet daher eine herausragende

Gelegenheit, eine noch junge, aber außerordentlich

dynamische nationale und internationale Auseinandersetzung

mit Fehlern in der stationären Versorgung

zu begleiten und zu befördern. Die Studie bezieht diese

zentralen Akteure mit ein, stößt einen Diskurs über

Fehler in der Pflegewissenschaft an und verankert

Fehlermanagement als Anliegen der Berufsgruppe.

Erstmals wird in der Bundesrepublik eine präzise Datenaufnahme

von einem repräsentativen Sample zur

Verfügung gestellt.

Im November 2009 wurden im Rahmen einer Transfertagung

folgende Ergebnisse vorgestellt:

- Fehlerklassifikationen sowie die Ursachen von und

der Umgang mit Fehlern aus Sicht der größten Berufsgruppe

im Gesundheitswesen,

- Datenmaterial zur Fehlerwahrnehmung und zum

Umgang mit Fehlern in zwei wesentlichen Handlungsfeldern

der Pflege,

- Darstellungen zu Fehlerkulturen im Krankenhaus-

und im Pflegeheimsektor,

- Aussagen bezüglich Generalisierungsmöglichkeiten

und Spezifizierungsnotwendigkeiten für den klinischen

Bereich auf der einen und das stationär-altenpflegerische

Setting auf der anderen Seite,

- die am häufigsten erinnerten Fehlergruppen in beiden

Handlungsfeldern sowie Daten zur Fehlerprävention

und deren Priorisierung in den Einrichtungen wie

auch in Aus- und Weiterbildung von Pflegeberufen

Die Ergebnisse der Untersuchung liefern einen Beitrag

zur Etablierung von sicheren und qualitätsgerechten

Versorgungseinrichtungen, indem sie

- auf der Mikroebene der einzelnen Pflegenden Anhaltspunkte

geben, ihr Verhalten zu hinterfragen und

im Team zu diskutieren,

- auf der Mesoebene Einrichtungen Hinweise für die

Planung, Implementierung und Verstetigung von Fehlermanagementsystemen

als Qualitätsinstrument anbieten,

und

- auf der Makro- bzw. Metaebene der Politik Anregungen

für eine rechtliche Ausgestaltung und für Steuerungsmöglichkeiten

im Hinblick auf Fehlermanagement

als Teil des Qualitätsmanagements liefern.

Sie unterstützen damit die Bewältigung einer der

großen gesundheitspolitischen Herausforderung der

nächsten Jahre, indem sie eine fundierte Ausgestaltung

dieser drei Ebenen auf der Basis von auf die

größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen bezogenen

Daten ermöglichen. Die Studie stellt darüber hinaus

professionsbezogen einen wichtigen Beitrag zum

nationalen und internationalen Diskurs der Pflegewissenschaft

zu Fehlern und Fehlervermeidung dar.

Publikationen und Präsentationen

Habermann M, Cramer H, Pielage F, Stagge M (2010):

„Whistleblowing“ – ein schwieriges Konzept für die

Pflegenden. Pflege (zur Veröffentlichung angenommen)

Habermann M, Cramer H (2009): Fehler und Fehlerkultur

in stationären Versorgungseinrichtungen. Vor-

trag auf der 1. Konferenz „Sicherheit in der Pflege“

des European Network Nursing Academies, Witten,

14.11.2009

Habermann M, Stagge M, Cramer H (2009): Pflegefehler,

Fehlerkultur und Fehlermanagement in stationären

Versorgungseinrichtungen. Transfertagung zum

gleichnamigen Projekt, Bremen, 06.11.2009. Tagungsprogramm

unter: http://www.hs-bremen.de/mam/hsb/

fakultaeten/f3/forschung/06.11.2009_flyer_transfertagung.pdf

Habermann M, Stagge M, Cramer H (2009): Safety

culture in inpatient care institutions. Vortrag auf dem

2nd Symposium of the Workgroup of European Nurse

Researchers “Cultural Factors Influencing Patient Safety”,

Athen/Griechenland, 09.10.2009

Habermann M, Cramer H (2009): Pflegefehler in der

stationären Versorgung: Befunde zu Häufigkeiten und

Folgen für Pflegende im Krankenhaussektor. Vortrag

auf dem 8. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung,

Heidelberg, 02.10.2009. Abstract in: Zeitschrift

für Allgemeinmedizin, Sonderausgabe DEGAM/

DKVF 2009, S. 111

Habermann M, Cramer H (2009): Pflegefehler in Einrichtungen

der stationären Versorgung: Ursachen und

Folgen für die Pflegenden. Vortrag auf der 7. Internationalen

Konferenz Pflege und Pflegewissenschaft

„Pflege - wozu und wohin?“, Ulm, 25.09.2009

Habermann M (2009): Nursing errors: Research and

transfer of research results into the practice field in an

area of many taboos. Vortrag auf der 1st Conference

of the World Academy of Nursing Science, Kobe/Japan,

20.09.2009

Habermann M (2009): Pflegefehler, Fehlerkultur und

Fehlermanagement in stationären Versorgungseinrichtungen.

Eine Untersuchung des Zentrums für

Pflegeforschung und Beratung. Vortrag auf dem 2.

Darmstädter Pflegeforum „Patientensicherheit - Risikomanagement

in der Pflege“, 10.09.2009

Habermann M, Cramer H, Stagge M (2009): Was sind

Pflegefehler und wie können sie vermieden werden?

– Vorstellung und Diskussion von Daten aus zwei empirischen

Studien. Vortrag auf dem 5. Bremer Pflegekongress,

6.5.2009. Abstract in: Wundmanagement,

Supplement 1/2009, S. 18-19

Habermann M, Stagge M, Cramer H (2009): Blowing

the Whistle. Research Findings of a Qualitative Study

in the Field of Nursing. Vortrag auf dem 12th World

Public Health Congress, Istanbul/Türkei, 29.04.2009

Habermann M, Stagge M (2009): Nurse migration

- Challenge for the Safe Provision of Health Care.

Posterpräsentation auf dem 12th World Public Health

Congress, Istanbul/Türkei, 29.04.2009

Habermann M (2007): Editorial. Negatives Wissen in

der Pflege. Pflege 20, 6, S. 317-319


(Weitere Publikationen befinden sich in Vorbereitung.)

Zwei mit Projektleiterin Monika Habermann geführte

Radiointerviews zu den Ergebnissen der Untersuchung

sind abrufbar unter:

http://www.radiobremen.de/mediathek/index.

html?id=021325

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/1131084

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (Dezember

2007 bis November 2009)

Hochschule Bremen (Februar bis September 2010)

Migration und Gesundheit

Analyse der Pflege- und Gesundheitsberichterstattung

Laufzeit Projektbeteiligte

03/2008 - 12/2010 Stagge, Maya

Projektleiterin

Habermann, Monika, Prof. Dr.

Weitere Projektmitwirkende sind Mitglieder der Arbeitsgruppe

Pflege- und Gesundheitsberichterstattung/Migration

und öffentliche Gesundheit der Beauftragten

der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge

und Integration:

Liane Schenk, Institut für Medizinische Soziologie im

Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften,

Charité-Universitätsmedizin Berlin

N.-J.Albrecht, Medizinsoziologie, Abteilung Migration

und Gesundheit, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

M.Gavranidou, Referat für Gesundheit und Umwelt

der Landeshauptstadt München

J.Lindert, Evangelische Hochschule Ludwigsburg,

Ludwigsburg

J.Butler, Bezirksamt Mitte von Berlin, Abteilung Gesundheit

und Personal, Gesundheitsberichterstattung

Projektbericht

Hintergrund

Die Gesundheits- und Pflegeberichterstattung der

Bundesrepublik Deutschland beruht auf amtlichen

Primär- oder auch Sekundärstatistiken wie auch auf

repräsentativen Einzelerhebungen zur Erfassung besonderer

Bedarfe und Entwicklungen im Pflege- und

Gesundheitswesen. Die Erfassung relevanter Daten

ist grundlegend für eine angemessene Versorgungsplanung,

für eine angemessene Qualitätssicherung

und für das Monitoring von Gesundheitsproblemen in

der Bevölkerung.

Kontakt

Zentrum für Pflegeforschung und Beratung

Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

D-28199 Bremen

Tel. +49 (0)421 5905 2258/3781

Fax +49 (0)421 5905 3789

E-Mail: zepb@hs-bremen.de

Zielsetzung

Experten der Arbeitsgruppe Migration und öffentliche

Gesundheit der Beauftragten der Bundesregierung für

Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Böhmer,

wurden gebeten, die Gesundheits-, Pflege-, und Qualitätsberichterstattung

auf ihre Sensitivität für die Population

der Migranten hin zu analysieren. Das Zepb

übernahm die Leitung für den spezifischen Teil der

Pflegeberichterstattung.

Ergebnisse

Die Projektergebnisse machen deutlich, dass die Migrantenpopulation

in der statistischen Erfassung der

Gesundheits- und Pflegeberichterstattung nicht ausreichend

ausgewiesen ist und damit nicht ausreichend

im Fokus der regionalen, landesbezogenen wie auch

bundesweiten Planung und Steuerung der Versorgung

steht.

Die Ergebnisse sind in zwei Publikationen einzusehen:

Habermann M., Schenk L., Albrecht Niels-Jens, Gavranidou

M., Lindert, Butler J. (2009)

Planung und Steuerung der Pflegeversorgung auch

für Migranten? – Eine Analyse der Pflegeund

Gesundheitsberichterstattung in der ambulanten

und stationären Altenpflege. In: Das

Gesundheitswesen, 71, S.363-367

https://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/

gesu/doi/10.1055/s-0029-1192029

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Forschungsbericht 2010 / 2011

74

Butler J., Albrecht N.-J., Ellsäßer G., Gavranidou M.,

Habermann M., Lindert J., Weilandt C.

Migrationssensible Datenerhebung für die Gesundheitsberichterstattung.

Arbeitsgruppe

Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Arbeitskreises

„Migration und öffentliche

Gesundheit“ In: Bundesgesundheitsblatt 50,10, S.

1232-1239

Ein Tagungsband zu einer von der Expertengruppe für

die Bundesbeauftragte im Bundeskanzleramt veranstalteten

Fachtagung ist in der Endredaktion und erscheint

im Mai 2010.

Aufsuchende Altenarbeit/Hausbesuche

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

Laufzeit Projektbeteiligter

12/2008 - 04/2011 Friedhelm Pielage

Projektleiterin

Habermann, Monika, Prof. Dr.

Projektbericht

Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend

und Soziales/Referat ältere Menschen hat 2008 zwei

Modellprojekte zur Unterstützung älterer Menschen

im häuslichen Umfeld bewilligt. Zielsetzung der beiden

Projekte ist es, ältere Menschen im Stadtteil zu

ereichen, die von (potentieller) Isolation betroffen sind.

Nach einem Besuch durch ausgebildete Fachkräfte

soll für die betroffenen älteren Menschen soziale Teilhabe

auch durch den Einbezug von Ehrenamtlichen

ermöglicht werden. Die Modellprojekte haben innovativen

Charakter, da Hausbesuche bei älteren Menschen

bislang insbesondere zur Prävention physischer Beeinträchtigung

durchgeführt und evaluiert wurden. Die

Modellprojekte sind in zwei Stadtteilen von Bremen

- Hemelingen/Obervieland - angesiedelt und werden

vom Freundeskreis Haus der Familie e.V. und einem

Dienstleistungszentrum der Paritätischen Gesellschaft

für Soziale Dienste GmbH durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit den Projekten werden folgende

Evaluationsinstrumente und Vorhaben in der Begleitung

umgesetzt:

• Durchführung einer Stadtteilbegehung/Aktivierenden

Befragung

Kontakt

Prof. Dr. Monika Habermann

Zentrum für Pflegeforschung und Beratung

Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: +49 421 5905 3774

E-Mail: Monika.Habermann@hs-bremen.de

• Entwicklung/Auswertung der Dokumentation

• Befragungen der Nutzer und Nutzerinnen im Projekt

• Befragung beteiligter Ehrenamtlicher

Auf einer Fachtagung im Februar 2010 wurden erste

Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert:

http://www.buergerengagement.bremen.de/sixcms/

detail.php?gsid=bremen89.c.5755.de

Die gesamte Auswertung wird im Oktober 2011 vorliegen.

Finanzierung

Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend

und Soziales

Kontakt

Prof. Dr. Monika Habermann

Zentrum für Pflegeforschung und Beratung

Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: +49 421 5905 3774

E-Mail: Monika.Habermann@hs-bremen.de


Multikulturelle Teams in der Altenpflege

Laufzeit Projektbeteiligte

08/2009 - 12/2011 Stagge, Maya

Projektleiterin

Habermann, Monika, Prof. Dr.

Projektbericht

Hintergrund:

Multikulturelle Teams in der Pflege sind bereits Realität

und werden aufgrund des steigenden Pflegebedarfs

zukünftig noch zahlreicher werden. Als bewohnernahe

Einheit verantworten die Pflegeteams die

Dienstleistung Pflege. Die Gesamtorganisation der

Einrichtungen, die Träger sowie leistungsrechtliche

und politische Verantwortliche gestalten die Rahmenbedingungen.

Es liegen wenige Erkenntnisse zur Arbeit

von multikulturellen Teams in der Altenpflege vor.

Die verfügbaren, forschungsbasierten Quellen zeigen

allerdings, dass in multikulturellen Teams Diskurse

entfaltet werden können, in denen „Kultur“ und der

„Migrationshintergrund“ zur wichtigen, teamrelevanten

Zuschreibung werden. Kooperation im Team, Exklusion

und Inklusion von Teammitgliedern wie auch die

Auffassung von dem, was gelungene und qualitätsgerechte

Pflege darstellt, können eine kulturbezogene

Ausdeutung erfahren. Im Rahmen einer Promotion

soll insbesondere die Frage beantwortet werden, wie

die Zusammenarbeit in der Altenpflege in multikulturellen

Teams aus der Innensicht wahrgenommen wird.

Zielsetzungen:

Auf der Mikroebene soll vor allem die Innenperspektive

multikultureller Teams in der Altenpflege erhellt

werden. Hier stehen die Mitglieder der Teams mit ihren

Problemen und Ressourcen im Vordergrund. Damit

wird das Projekt einen Beitrag zur Thematik der

multikulturellen Teams leisten.

Die Ziele auf der Mesoebene richten sich insbesondere

auf die Organisation. Anhand der zu erhebenden

Innenperspektive sollen Handlungsempfehlungen zur

kultursensiblen Organisations- und Personalentwicklung

formuliert werden, welche vom Management zur

Weiterentwicklung genutzt werden können.

Auf der Makroebene hat das Projekt vorrangig das Ziel

einen Beitrag zur Versorgungsforschung im Sinne der

Qualitätssicherung zu leisten und Ansätze für professionsbezogene

und qualitätsgerechte Entscheidungen

zur Verfügung zu stellen.

Methodische Vorgehensweise:

Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine explorative Querschnittsstudie

auf der Basis eines Convenience-Sampling

aus mehreren multikulturell zusammengesetzten

Teams in Einrichtungen der stationären Altenpflege

in Bremen. Es wird angestrebt, jedes Mitglied dieser

Teams zu befragen. Die Befragung findet anhand von

teilstandardisierten Leitfadeninterviews statt, welche

mit Zustimmung der TeilnehmerInnen auf Tonband

aufgezeichnet und transkribiert werden. Anhand des

transkribierten Materials wird eine typisierende Inhaltsanalyse

mit Hilfe von Atlas.ti vorgenommen.

Erwartete Ergebnisse und deren Relevanz:

Die Arbeit soll eine exemplarische Bestandsaufnahme

der Situation in multikulturellen Teams in der Altenpflege

liefern, einen Beitrag zur Erweiterung des interkulturellen

Diskurses leisten und neue Aspekte der Qualitätssicherung

in der Versorgungsforschung eröffnen.

Daten über das interkulturelle Setting in der Pflege

und eine Erweiterung des interkulturellen Diskurses

werden als unbedingt notwendig erachtet, da multikulturelle

Teams zukünftig immer zahlreicher werden und

in der (Alten-)Pflege kaum untersucht sind. Darüber

hinaus müssen interkulturelle Verständigungsproblematiken

aus versorgungspolitischer Sicht dringend

konzeptionalisiert werden. Desweiteren wird die Studie

die Möglichkeit zur Hypothesengenerierung für

eine umfassende, quantitative Studie bieten, welche

aufgrund der mangelhaften Datenlage unbedingt notwendig

ist, um professionsgerechte Entscheidungen

treffen zu können.

Publikationen und Präsentationen:

· Posterpräsentation: Habermann, Stagge (2009):

Nurse Migration: Challenge for the provision of health

care. 12th World Congress on Public Health, Istanbul.

Abstract: 82.01. p. 63

· Artikel in einer Fachzeitschrift: Habermann, Stagge

(2010) Nurse Migration: Challenge for the Profession

and Health Care Systems In: Journal of Public Health,

Vol. 18; 1; p. 43-51

Finanzierung:

FuE-Mittel der Hochschule Bremen

Kontakt:

Zentrum für Pflegeforschung und Beratung

Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel. +49 (0)421 5905 3781

Fax +49 (0)421 5905 3789

E-Mail: zepb@hs-bremen.de

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Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

76 Analyse von Instrumenten zur Einschätzung der Sicherheitskultur in der stationären Altenpflege

Laufzeit Projektbeteiligter

12/2009 - 01/2010 Cramer, Henning

Projektleiterin

Habermann, Monika, Prof. Dr.

Projektbericht

Hintergrund

Für eine kontinuierliche Erhöhung der Sicherheit und

eine Vermeidung von Fehlern und Risiken in Pflege-

und Gesundheitseinrichtungen wird die Entwicklung

einer angemessenen Sicherheitskultur (also des Stellenwertes

von und des Umgangs mit Themen betreffend

Risiken, Fehler und Sicherheit) als die effektivste

Einzelstrategie angesehen. In Deutschland werden

bislang nur sehr wenige Untersuchungen zu diesem

Thema durchgeführt. Diese Projekte erforschen den

ambulanten medizinischen Sektor (niedergelassene

Ärzte) sowie die stationäre, klinische Versorgung. Unberücksichtigt

bleibt bislang die stationäre Altenpflege.

Im englischsprachigen Raum wurde jedoch aufgezeigt,

dass gerade der Pflegeheimsektor im Vergleich

zum Krankenhaussektor teilweise enorme Defizite im

Hinblick auf die Sicherheitskultur aufweist, und auch

hierzulande sind Pflegeheime aufgrund von Mängelberichten

in die Diskussion geraten.

In diesem Projekt wurden daher vorhandene, wahrscheinlich

vorrangig im englischsprachigen Ausland

entwickelte Instrumente zur Einschätzung der Sicherheitskultur

in Einrichtungen der stationären Altenpflege

auf ihren Entwicklungs- und Überprüfungsgrad sowie

ihre Eignung für eine Anpassung an bundesdeutsche

Verhältnisse überprüft.

Zielsetzung/Vorgehen

Ziel des hier beschriebenen Vorhabens war es, durch

die Erstellung einer Übersicht eine fundierte Auswahl

eines Instruments zu ermöglichen, welches im Laufe

einer geplanten anschließenden Untersuchung übersetzt,

angepasst, überprüft und angewendet werden

wird.

Dabei wurde wie folgt vorgegangen:

1. Literaturarbeit

Recherche vorhandener Instrumente: Literaturrecherche,

-beschaffung und -bearbeitung, Beschaffung der

Instrumente, ggf. Kommunikation mit den Erstellern

der Instrumente;

Recherche, Beschaffung und Bearbeitung von Literatur

über Gütekriterien von Assessmentinstrumenten

sowie über Psychometrie;

Recherche, Beschaffung und Bearbeitung von Literatur

zur Sicherheitskultur insb. in der stationären Altenpflege

2. Erstellen von Kriterien für die Einschätzung

der Instrumente

3. Überprüfung der Instrumente anhand dieser

Kriterien

Ergebnis

Die Ergebnisse des Projekts wurden in Form eines

Zeitschriftenartikels zur Publikation eingereicht. Dieser

befindet sich derzeit im Reviewverfahren.

Finanzierung

Hochschule Bremen

Kontakt

Zentrum für Pflegeforschung und Beratung

Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel. 0421 / 5905-2258

Fax 0421 / 5905-3789

E-Mail zepb@hs-bremen.de


Aufbau eines medizinischen Wundzentrums im Land Bremen

Laufzeit Projektbeteiligter

09/2006 - 09/2009 Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Untersuchungen und Expertenanalysen zufolge verspricht

der Aufbau Integrierter Versorgungsstrukturen

in der Wundversorgung eine deutliche Verbesserung

in Effizienz und Qualität. Im Rahmen der durchgeführten

Studie wurde diese Annahme anhand von Patientendaten

im zeitlichen Verlauf überprüft. Ziel des

Vorhabens war der Aufbau und die nachhaltige Implementierung

eines Integrierten Wundzentrums zur Realisierung

einer modernen medizinisch-pflegerischen

Wundversorgung im Land Bremen. Die zentralen Ziele

bestanden a) in der Erstellung und Implementierung

von Behandlungspfaden, b) in der Qualifizierung und

Etablierung des Versorgungsnetzes, c) in der Erstellung

eines Integrationsversorgungsvertrages, sowie d)

im Aufbau der Qualitätssicherung im Versorgungsnetz.

Projektablauf:

Das Projekt bestand aus den vier Projektphasen Entwicklung,

Qualifizierung, Implementierung und Evaluation,

die im Folgenden näher beschrieben sind.

1. Phase - Entwicklung

Definition, Entwicklung und Dokumentation der Behandlungspfade

Die in der Versorgungsstruktur zentralen Behandlungspfade

als Kernprozesse des Wundzentrums

wurden in einem ersten Schritt definiert, entwickelt

und verbindlich für alle Projektpartner dokumentiert.

Parallel wurden im Rahmen von Recherchearbeiten,

vorhandene Leitlinien und Qualitätsparameter zur Versorgung

ermittelt und dokumentiert. Diese wurden in

den Diskussionsprozess eingebracht. Das Vorgehen

erfolgte in moderierten Teamsitzungen leitender Kräfte

der am Behandlungspfad beteiligten Versorgungseinrichtungen

Zudem wurden Daten der Krankenkasse zur Patientenbehandlung

nach dem bisherigen Behandlungsverfahren

erhoben und einem Auswertungsverfahren

zugänglich gemacht. Diese Daten dienten als Vergleichsdaten

zur Versorgung unter optimierten Bedingungen

resp. im Integrierten Versorgungsablauf.

Das Versorgungsnetz wurde systematisch aufgebaut

und konstituiert.

2. Phase - Qualifizierung

Schulung in der Umsetzung der Behandlungspfade

In der zweiten Phase der Implementierung wurde das

Personal, welches am Versorgungsprozess beteiligt

ist, in der Handhabung und Anwendung der Behandlungspfade

geschult. Die in Phase 1 erstellte Dokumentation

war hier die Grundlage. Zudem fand eine

Schulung in der zielgerechten Anwendung der eingesetzten

Behandlungsmaterialien (Wundauflagen etc.)

statt. Es fanden sich wiederholende und vertiefende

Schulungen über den gesamten Projektzeitraum

statt. In der Schulung stand auch die Qualifizierung

der Mitarbeiter im Integrierten Versorgungssystem im

Mittelpunkt. Die Mitarbeiter wurden trainiert, mit dem

Behandlungspfad zu arbeiten und den Patienten entsprechend

zu versorgen. Weiterhin wurde das umfassende

Versorgungsnetz (z.B. Hausärzte, Therapeuten)

für die Patientenbehandlung qualifiziert, trainiert

werden und damit in ein erweitertes Versorgungsnetz

eingebunden werden. Die Qualitätszirkelarbeit wurde

etabliert und gezielt geschult.

3. Phase - Implementierung

Behandlung der Patienten auf Basis der Behandlungspfade

Die Patienten wurden auf der Basis des formulierten

Behandlungspfades versorgt. Begleitend wurde eine

Datenanalyse vorgenommen, die Qualität und Effizienz

der Versorgung im Vergleich zum konventionellen

System bewertet. Die Sicherstellung einer nachhaltigen

Implementierung stand dabei im Mittelpunkt. Hierzu

wurden relevante Daten systematisch erschlossen,

ausgewertet und an die Beteiligten wieder rückgespiegelt.

Über die Qualitätszirkelarbeit wurde ein System

der Qualitätssicherung auf diese Weise installiert.

4. Phase - Evaluation

Auswertung der Ergebnisse und Prozessevaluation

Der Versorgungsprozess wurde kontinuierlich begleitet

und evaluiert. Hierzu wurden die Daten in der

Behandlung (Dokumentation) erhoben, Expertengespräche

geführt, sowie zusätzlich ein Fragebogen zur

Ermittlung von Qualität und Kosten-Nutzen-Analyse

eingesetzt. Die vorliegenden Ergebnisse wurden unmittelbar

in Feedback-Gesprächen an die Beteiligten

zurückgegeben um eine kontinuierliche Qualifizierung

zu realisieren.

Die Ergebnisse des Projektvorhabens wurden schließlich

in einem Endbericht zusammengestellt.

Methodik:

Die Population der im Rahmen des Projekts durchgeführten

Longitudinalstudie bildeten Patienten, die im

Wundzentrum Bremen seit April 2007 behandelt wurden.

Zur Datengewinnung wurde ein Wundfragebogen

entwickelt, welcher den Patienten zu vier Befragungszeitpunkten

– am Anfang der Behandlung (T0), nach

4 Wochen (T1), nach 12 Wochen (T2) und nach 24

Wochen (T3) – vorgelegt wurde. Als zentrale Messinstrumente

kamen der Würzburger Wundscore (WWS),

welcher sich in einen Teil zur Selbsteinschätzung der

Lebensqualität bei chronischen Wunderkrankungen

sowie in einen medizinischen Teil zur Einschätzung

des Wundzustands unterteilt, sowie das Nottingham

Health Profile (NHP) zur Selbsteinschätzung der allge-

77

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

78 meinen Lebensqualität zum Einsatz. Zur Auswertung

medizinisch relevanter Parameter und der Kostensituation,

welche u.a. auch den jeweiligen Wundversorgungsaufwand

umfasst, wurden zusätzlich die Wunddokumentationen

herangezogen.

Ergebnisse:

Alles in allem zeigte die Auswertung der Daten, dass

mit einer Verbesserung des Wundzustands nicht nur

eine Verbesserung der wundbezogenen sondern

auch der allgemeinen Lebensqualität des Patienten

verbunden ist. Die Verbesserungen fielen bei einer

vollständigen Wundheilung besonders hoch aus. Die

höchsten Werte und damit Einschränkungen zeigten

sich für die Bereiche Schmerzen und Mobilität,

während psychologische Auswirkungen der Wunde,

wie z.B. das Auftreten einer sozialen Isolation, in der

vorliegenden Studie in vergleichsweise geringerem

Ausmaße auftraten. Die größte Verbesserung konnte

insgesamt für den Bereich Schmerzen erzielt werden,

während die Verbesserungen für andere Bereiche, wie

z.B. für den Bereich Mobilität, relativ gering ausfielen.

Als ein wesentlicher Einflussfaktor für den gesamten

Wundheilungsverlauf erwies sich die Compliance des

Patienten. Es zeigte sich ein deutlich ungünstigerer

Wundheilungsverlauf für Patienten mit mangelnden

Compliance.

Diskussion:

Unsere Erfahrungen im Rahmen dieses Projekts haben

eindeutig gezeigt, dass sich aus dem Zusammenwirken

verschiedener Partner vielfältige Vorteile ergeben.

Die Patienten profitieren davon, dass nach einem

langwierigen, schmerzhaften Weg die Behandlung oft

chronischer Wunden erfolgreich verläuft. Die Behandlungszeiten

verkürzen sich, und die Patientenzufriedenheit

steigt. Von den insgesamt sinkenden Kosten

profitieren die Krankenkassen und -versicherungen

und damit die Beitragszahler. Schließlich wurde die

medizinische Versorgungslandschaft in der Stadt Bremen

durch den Aufbau des Wundzentrums um ein

weiteres, bundesweit richtungweisendes Element ergänzt.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Prospektive Kohortenstudie mit Longitudinaldesign

Intervention: Teilnahme am integrierten Versorgungsprogramm

und Behandlung im Wundzentrum Bremen

Beobachtungszeitraum: 2007-2008

Sample: Vollerhebung der am Projekt teilnehmenden

Patienten

Methodik: Schriftliche Patientenbefragung zu vier

Befragungszeitpunkten und Dokumentenanalyse

Finanzierung:

BIG Bremen, EU

Kooperationspartner:

AOK Bremen/Bremerhaven, Klinikum Bremen Links

der Weser, AHB Ambulanter Hauspflegeverbund Bremen

GmbH & Co. KG, medi-Log handelsgesellschaft

mbh, niedergelassene Ärzte

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de


Kosten-Nutzen-Bewertung in der modernen Wundversorgung

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2007 - fortlaufend Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Die jährliche Inzidenz chronischer Ulzerationen liegt

bei etwa 8 Patienten pro 1000 Personen (Posnett et

al. 2009). Für Deutschland würde dies eine jährliche

Neuerkrankungsrate in Höhe von ca. 650.000 Menschen

bedeuten. Kosten-Nutzen-Bewertungen in der

modernen Wundversorgung gewinnen vor diesem

Hintergrund immer mehr an Bedeutung, werden aber

nachwievor nur selten umgesetzt. Im Rahmen der vorliegenden

Untersuchung wurde deshalb eine Kosten-

Nutzen-Bewertung in der modernen Wundversorgung

mit den entstandenen Gesamtkosten als Kostenparameter

und der Behandlungsdauer bis zur Abheilung

als Nutzenparameter durchgeführt.

Methodik:

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine

retrospektive Verlaufsstudie. Die Auswertungen beziehen

sich auf Patienten mit vollständiger Wundheilung

(n=291). Im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse

wurden die Gesamtkosten pro Patient und die Dauer

der Behandlung für Patienten aus integrierter Versorgung

mit Werten aus der Literatur verglichen. Zusätzlich

wurde untersucht, welche Patientengruppe eine

verhältnismäßig hohe Behandlungsdauer aufweist.

Ergebnisse:

Die Datenauswertung ergab, dass sowohl die durchschnittlichen

Gesamtkosten, als auch die durchschnittliche

Behandlungsdauer für Patienten aus integrierter,

moderner Versorgung niedriger ausfallen. Bei ca. 50

% der Patienten lag die Behandlungsdauer unter 66

Tagen. Bei weiteren ca. 25 % der Patienten überstieg

die Behandlungsdauer eine Dauer von 111 Tagen trotz

Umsetzung der modernen integrierten Wundversorgung.

Die Behandlungsdauer erwies sich tendenziell

für Patienten mit einem Dekubitus oder einem diabetischen

Fußsyndrom, sowie für Patienten, die 70 Jahre

oder älter sind, als höher.

Diskussion:

Durch die Umsetzung einer modernen, integrierten

Wundversorgung konnten sowohl die Behandlungsdauer,

als auch die Behandlungskosten reduziert werden,

ohne dass hohe zusätzliche Investitionskosten

notwendig waren. Im Umkehrschluss bedeutet dies,

dass die Nicht-Umsetzung einer modernen integrierten

Wundversorgung hohe Opportunitätskosten nach sich

zieht. Bei einigen Patienten fiel die Behandlungsdauer

jedoch trotz Umsetzung einer modernen integrierten

Wundversorgung immer noch recht hoch aus. Für Folgestudien

wäre die Untersuchung weiterer relevanter

Einflussfaktoren im Wundheilungsgeschehen, wie

etwa eine mangelnde Compliance, wünschenswert.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Retrospektive Verlaufsstudie

Intervention: Teilnahme am integrierten Versorgungsprogramm

Beobachtungszeitraum: ab 2006 – fortlaufend

Datenquelle: Routinedaten

Datengrundlage: Vollerhebung

1. Auswertung für Patienten mit vollständiger Wundheilung,

2. Subgruppenanalysen

Methodik: Kosten-Nutzen-Analyse anhand von verursachten

Gesamtkosten und Behandlungsdauer als

Zielparameter

Finanzierung:

medicalnetworks, Kassel

Kooperationspartner:

Niedergelassene Ärzte, matrix software oHG

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de

Dr. Roland Becker

Tel.: 0421 5905 2763

E-Mail: roland.becker@hs-bremen.de

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Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

80 Kosten-Nutzen-Bewertung in der orthopädischen Chirurgie

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2007 - fortlaufend Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Positive Effekte einer pathwaygesteuerten Versorgung

auf Verweildauer, Krankenhauskosten und Patientenoutcomes

sind in der orthopädischen Chirurgie

mittlerweile eindeutig belegt (Rotter et al. 2008). Welche

Effekte die Umsetzung integrierter Versorgungsstrukturen

nach sich zieht ist demgegenüber noch

weitgehend unbekannt. Von zentraler Bedeutung ist in

diesem Zusammenhang vor allem die Frage, inwiefern

sich eine reduzierte Krankenhausverweildauer auf die

Lebensqualität des Patienten auswirkt. Zur Beantwortung

dieser Forschungsfrage wurde eine Kosten-Nutzen-Bewertung

durchgeführt, bei der die Verweildauer,

die Krankenhauskosten, sowie die Lebensqualität

des Patienten nach dem Eingriff untersucht wurden.

Methodik:

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine

retrospektive Beobachtungsstudie. Die Auswertungen

beziehen sich auf alle Patienten, die an einer Patientenbefragung

zur Qualitätssicherung teilnahmen

(n=9501). Es wurden die Kosten und die Verweildauer

pro Eingriff im Rahmen integrierter Versorgung den

DRG-Vergleichsdaten aus dem Jahre 2010 gegenübergestellt.

Die Lebensqualität des Patienten wurde

über das Zufriedenheits- und Beschwerdeausmaß des

Patienten nach dem Eingriff ausgewertet.

Ergebnisse:

Die Auswertung der Daten ergab über alle Eingriffe

hinweg niedrigere Krankenhauskosten und kürzere

Verweildauern zugunsten der integrierten Versorgung.

Gleichzeitig erwies sich die Lebensqualität des Patienten

nach dem Eingriff über alle Indikationen hinweg

als hoch. Die größten Effekte waren bei Dekompressionen

beim Karpaltunnelsyndrom erkennbar, während

sich die geringsten Effekte für komplexe Eingriffe am

Schultergelenk zeigten.

Diskussion:

Die Ergebnisse der Studie weisen daraufhin, dass die

Umsetzung einer integrierten Versorgung in der orthopädischen

Chirurgie zu einer Verkürzung der Verweildauer

und zu einer Reduktion der Krankenhauskosten

führen kann, ohne dass die Lebensqualität des Patienten

nach dem Eingriff beeinträchtigt ist. Die aufgrund

der verkürzten Liegezeiten freigesetzten Ressourcen

könnten direkt in weitere Qualitätsverbesserungsmaßnahmen

– wie etwa Verkürzung der Wartezeiten oder

Reduktion von Risiken, die im Zusammenhang mit einer

Hospitalisierung stehen – einfließen. Für zukünftige

Studien wären die Einbeziehung der Dauer der

Arbeitsunfähigkeit und die damit verbundene Zahlung

an Krankengeld als weiterer Kostenfaktor wünschenswert.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Retrospektive Beobachtungsstudie

Intervention: Teilnahme am integrierten Versorgungsprogramm

Beobachtungszeitraum: 01/2008 – fortlaufend

Datenquelle: Routinedaten + Daten aus Patientenbefragung

im Rahmen der Qualitätssicherung

Einschlusskriterium: Alle Patienten, die sich einem

orthopädischem Eingriff im Rahmen integrierter Versorgung

unterzogen haben

Datengrundlage: Vollerhebung

Auswertung für alle Patienten, die an der Patientenbefragung

teilnahmen (=Studienpopulation)

Methodik: Kosten-Nutzen-Analyse anhand von Kosten

und Verweildauer je nach Eingriff, Gegenüberstellung

zu DRG-Vergleichsdaten aus dem Jahre 2010,

Erfassung der Lebensqualität des Patienten über das

Zufriedenheits- und Beschwerdeausmaß des Patienten

nach dem Eingriff

Finanzierung:

medicalnetworks , Kassel

Kooperationspartner:

niedergelassene Ärzte, matrix software oHG

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de


Gesundheitsökonomische Evaluation und Kosten-Nutzen-Bewertung orthopädischer Hüftgelenksoperationen

im Rahmen integrierter Versorgung

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2008 - 12/2011 Becker, Roland, Dr.

Böcker, Petra

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Der Ersatz eines Hüftgelenks bei schmerzhaftem

Verschleiß (Arthrose) gehört mittlerweile zu den am

häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen

(König 2005). In der Diagnosestatistik der Vorsorge-

oder Rehabilitationseinrichtungen des statistischen

Bundesamtes (2009) wurden als die häufigsten Hauptdiagnosen

in 2007 die Gonarthrose (Arthrose des

Kniegelenks) mit rund 110.000 und die Koxarthrose

(Arthrose des Hüftgelenks) mit rund 109.000 Patienten

und Patientinnen genannt, woraus die hohe Relevanz

des Themas ersichtlich wird. Im Rahmen der Studie

wurden orthopädische Hüftgelenksoperationen, die im

Rahmen integrierter Versorgung durchgeführt wurden,

gesundheitsökonomisch evaluiert. Es wurde eine Kosten-Nutzen-Bewertung

umgesetzt.

Methodik:

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine

prospektive Panelstudie. Es wurden Paneldaten aus

einer Arzt- und Patientenbefragung eines an integrierter

Versorgung teilnehmenden Gelenkzentrums zu

den drei Zeitpunkten Vor-Op, 4 Wochen nach OP und

6 Monate nach OP erhoben und ausgewertet. Eingeschlossen

in die Studie wurden alle Patienten in einem

Alter von 25 bis 65 Jahren, die sich einem hüftendoprothetischen

Eingriff im Gelenkzentrum unterzogen

haben. Es wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse anhand

von Kosten und Verweildauer für den Eingriff im Vergleich

zu DRG-Daten aus dem Jahre 2010 durchgeführt.

Die Lebensqualität der Patienten vor und nach

Eingriff wurde über den SF-36 erfasst und mit Daten

aus der Literatur abgeglichen. Es fand eine Auswertung

für alle Patienten, sowie eine Auswertung nach

Subgruppen statt.

Ergebnisse:

Es liegen noch keine Projektergebnisse vor, da sich

das Projekt derzeit noch in der Feldphase befindet.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Prospektive Panelstudie

Intervention: Teilnahme am integrierten Versorgungsprogramm

Beobachtungszeitraum: 2009 - 2010

Datenquelle: Paneldaten aus Arzt- und Patientenbefragung

eines an integrierter Versorgung teilnehmenden

Gelenkzentrums

Einschlusskriterium: Alle Patienten, die sich einem

hüftendoprothetischem Eingriff im Gelenkzentrum

unterzogen haben und die zwischen 25 und 65 Jahre

alt sind.

Datengrundlage: Paneldaten aus Befragung zu 3

Befragungszeitpunkten (Vor-Op, 4Wochen nach OP

und 6 Monate nach OP)

Methodik: Kosten-Nutzen-Analyse anhand von Kosten

und Verweildauer für den Eingriff im Vergleich zu

DRG-Daten, Erfassung der Lebensqualität vor und

nach Eingriff anhand des SF-36

Auswertung für alle Patienten und nach Subgruppen:

a) Patienten mit ASA-Klassifikation I versus Patienten

mit ASA-Klassifikation > I

b) Patienten mit mind. 1 medizinischen Risikofaktor

versus Patienten ohne medizinische Risikofaktoren

c) Patienten mit einem Harris-Hip-Score vor Eingriff >

50 versus Patienten mit einem Harris-Hip-Score vor

Eingriff


Forschungsbericht 2010 / 2011

82 Kosteneffektivitätsanalyse einer intensivierten telemedizinischen Betreuung bei Herzinsuffizienz

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2009 - 12/2009 Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Die adäquate und professionelle Betreuung von Patienten

mit Herzinsuffizienz stellt heutzutage eine große

Herausforderung aus medizinischer, ökonomischer

und soziologischer Sicht dar. Die intensivierte medizinische

Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten wird

als ein erfolgversprechender Ansatz zur Verbesserung

der Effektivität und Effizienz der Versorgung angesehen.

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde der Einfluss

einer telemedizinischen Betreuung bei herzinsuffizienten

Patienten auf ökonomisch und medizinisch

relevante Parameter unter Berücksichtigung der Implementierungs-

und Unterhaltungskosten untersucht.

Das Zertiva®-Programm von PHTS Telemedizin für

Patienten der TAUNUS BKK wurde evaluiert.

Methodik:

Es wurde eine Kosteneffektivitätsanalyse mit retrospektivem

randomisertem Kontrollgruppendesign

durchgeführt. Die Kontrollgruppe wurde über die soziodemographischen

Parameter Alter, Geschlecht

und Wohnregion mit der Interventionsgruppe als

Referenzgröße im Verhältnis 4:1 gematcht. Zur Interventionsgruppe

zählten diejenigen Patienten, die

im Zertiva®-Programm der PHTS Telemedizin mit

Aufnahmedatum in 2005/2006 versorgt wurden. Die

Interventionsgruppe umfasste insgesamt 100 Patienten

aus den Bundesländern Schleswig-Holstein,

Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern

und Brandenburg und stellte eine Vollerhebung für

diesen Zeitraum dar. Bei den 410 Patienten aus der

Kontrollgruppe handelte es sich um eine über die soziodemographischen

Parameter Alter, Geschlecht und

Wohnort gematchte Zufallsstichprobe. Aus dem Patientenkollektiv

der TAUNUS BKK wurden diese Patienten

geschichtet ausgewählt. Als Einschlusskriterium

für die Beteiligung an der Untersuchung galt die Diagnose

Herzinsuffizienz mit Krankenhausaufenthalt vor

Beobachtungszeitraum, ebenso die genannten Regionen

aus Norddeutschland. Der Studie war ein 12-monatiger

Beobachtungszeitraum zugrunde gelegt. Bei

der retrospektiven Studie handelte es sich um eine

gematchte randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) der

Evidenzstufe Ib gemäß der von der Agency for Health

Care Policy and Research vorgenommenen Klassifikation

(AHCPR 1992).

Ergebnisse:

Patienten mit telemedizinischer Versorgung im

Zertiva®-Programm von PHTS Telemedizin zeigten

eine deutlich geringere Sterberate im Verhältnis 1:5 im

Vergleich zu Patienten die nicht telemedizinisch ver-

sorgt wurden. Dies, obwohl die Gruppe der Patienten

mit telemedizinischer Versorgung das kardiologisch

höhere Risiko im Vergleich zu den Patienten, die sich

nicht im Zertiva®-Programm von PHTS befinden, auswies.

Demnach verringerte die telemedizinische Versorgung

die Sterblichkeitsrate deutlich.

Patienten mit telemedizinischer Versorgung im

Zertiva®-Programm von PHTS Telemedizin hatten

eine um 44% geringere Hospitalisierungsrate im Vergleich

zur Kontrollgruppe ohne telemedizinische Versorgung.

Patienten in telemedizinischer Versorgung

nahmen erheblich weniger einen stationären Aufenthalt

in Anspruch im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne

Telemedizin. Die Dauer eines stationären Aufenthaltes

war bei der Gruppe der telemedizinisch versorgten Patienten

um 56% kürzer im Vergleich zur Kontrollgruppe

ohne Telemedizin. Die telemedizinische Versorgung

halbierte demnach die Anzahl und Verweildauer stationärer

Aufenthalte.

Das Einsparpotential direkter Kosten aufgrund telemedizinischer

Versorgung im Zertiva®-Programm von

PHTS Telemedizin lag bei 5.000 € pro Patient im Einjahreszeitraum

im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne

telemedizinische Versorgung. Die Kosten für die Telemedizin

sind im Vergleich berücksichtigt. Dies ergab

einen Ersparnisfaktor von 25%. Die zusätzlichen Kosten

durch die telemedizinische Infrastruktur konnten

deutlich überkompensiert werden.

Signifikante Unterschiede konnten im Rahmen einer

Sensitivitätsanalyse auch für verschiedene Teilpopulationen

nachgewiesen werden, so dass eine Konzentration

der von einer telemedizinischen Betreuung

ausgehenden positiven Effekte nur auf bestimmte Teilpopulationen

weitestgehend ausgeschlossen werden

kann.

Der Anteil der Patienten, bei denen das Ereignis „Arbeitsunfähigkeit“

auftrat, war mit ca. 33% für beide Populationen

fast identisch, was auch ein Indikator für die

Vergleichbarkeit der beiden Populationen ist. Die Auswertung

der Dauer der Arbeitsunfähigkeit ergab über

alle Patienten hinweg einen etwas höheren Wert für

die Interventionsgruppe. Dabei ist zu beachten, dass

die deutlich höhere Sterberate in der Kontrollgruppe

ein markanter Verzerrfaktor ist.

Die Interventionsgruppe hatte im Vergleich mehr weitere

kardiologische Grunderkrankungen auszuweisen

und zeigte so mit einer um 14% höheren Quote insgesamt

das kardiologisch höhere Risiko.

Das Einsparpotential und die aus der intensivierten telemedizinischen

Betreuung hervorgehenden positiven


Effekte könnten demnach bei einer identischen kardiologischen

Risikostruktur der beiden Populationen größer

sein, als in dieser Studie ausgewiesen.

Schlussfolgerung:

Die telemedizinische Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten

im Zertiva®-Programm von PHTS Telemedizin

erwies sich insgesamt als effektiver und effizienter

im Vergleich zu Patienten ohne telemedizinische Versorgung

über die hier ausgewählten Parameter. Ein

Hauptgrund dafür, dass sich die telemedizinische Betreuung

insgesamt als die kosteneffizientere Alternative

darstellte, könnte darin bestehen, dass durch den

Einsatz von Telemedizin eine Behandlung im Akutfall

früher durchgeführt werden kann, wodurch die Prognose

für den weiteren Verlauf der Erkrankung günstiger

ausfällt. Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass

die Patienten aus telemedizinischer Betreuung eine

höhere Sensibilität und Motivation mitbringen, sich

bei kardiologisch relevanten Beschwerden rechtzeitig

in ärztliche Behandlung zu begeben; das heißt die Telemedizin

wirkt auf eine verkürzte Patientenentscheidungszeit

hin. Sofern Patienten aus telemedizinischen

Versorgungsprogrammen als die gesundheits- bzw.

krankheitsbewußtere Patientenklientel angesehen

werden kann, so kann Telemedizin als eine Investition

in ein verstärktes Gesundheitsbewusstsein betrachtet

werden. Sensibilisierungsprogramme für Telemedizin

erscheinen unter dieser Annahme zusätzlich gerechtfertigt.

Eine Erweiterung des Portfolios der telemedizinischen

Programme um weitere Erkrankungen oder

die Kombination bestimmter Krankheitsbilder, wird vor

diesem Hintergrund als vorteilhaft im Sinne einer qualitativen

und effizienten Verbesserung der Versorgung

eingeschätzt.

Gesundheitsökonomische Evaluation und Vergleichsanalyse von Verfahrensweisen in der

Endoprothetik

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2009 - 12/2010 Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Der Ersatz eines Hüft- bzw. Kniegelenks bei schmerzhaftem

Verschleiß (Arthrose) gehört mittlerweile zu den

am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen

(König 2005, Winter 2009). Richter-Kuhlmann (2008)

zufolge erhalten mehr als 300.000 Menschen jedes

Jahr ein künstliches Gelenk, woraus die hohe sozioökonomische

Relevanz des Themas ersichtlich wird.

Mit der Zunahme an Primäreingriffen aufgrund der

demographischen Entwicklung ist auch eine Zunahme

an notwendig werdenden Revisionen, mit denen wiederum

zusätzliche hohe Kosten verbunden sind, zu

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Randomisierte Fallkontrollstudie (RCT),

retrospektiv

Intervention: Zertiva®-Programm von PHTS Telemedizin

Interventionsgruppe: 100 Patienten, mit telemedizinischer

Versorgung

Kontrollgruppe: 410 Patienten, ohne telemedizinischer

Versorgung

Beobachtungszeitraum: Einjahreszeitraum pro Patient

2005 - 2008

Einschlusskriterium: Diagnose Herzinsuffizienz, Krankenhausaufenthalt

vor Beobachtungszeitraum

Sample: Interventionsgruppe: Vollerhebung,

Kontrollgruppe: geschichtete Zufallsauswahl aus dem

Datenbestand der Krankenkassen

Methodik: Anwendung eines Matchingverfahrens

Matchingvariablen: Alter, Geschlecht und Wohnregion

(Norddeutschland)

Finanzierung:

Personal HealthCare Telemedicine Service GmbH

(PHTS), Düsseldorf

Kooperationspartner:

TAUNUS BKK, Frankfurt

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de

erwarten (Espinoza-Ervin et al. 2009). Vor diesem Hintergrund

ist die epidemiologische, ökonomische und

gesundheitspolitische Bedeutung des untersuchten

Themas als sehr hoch einzuschätzen. Zudem erhöht

sich inmitten des Spannungsfelds von Qualitätsanspruch,

Zuständigkeiten und Sparzwang zunehmend

der Druck kosteneffektive Maßnahmen umzusetzen.

Einen erfolgversprechenden Ansatz bildet das Joint

Care® Programm, welches auf einer Prozessoptimierung

der Behandlungsabläufe und einer stärkeren Einbindung

des Patienten in das Behandlungsgeschehen

abzielt. Erreicht werden soll dies durch die Bereitstellung

psychosozialer Unterstützungsleistungen, durch

83

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

84 die ausführlichere Aufklärung und Information über

den Behandlungsverlauf, sowie durch die stärkere

Vernetzung und Kooperation zwischen allen am Behandlungsgeschehen

beteiligten Leistungserbringern.

Das Hauptanliegen der vorliegenden Studie bestand

darin, eine Qualitätsbeurteilung der medizinischen

Versorgung bei orthopädischer Hüft- oder Kniegelenksoperation

im kontrollierten Vergleich (Joint Care® vs.

Standardversorgung) vorzunehmen, indem alle für

die Hüft- bzw. Knieendoprothetik relevanten medizinischen

und sozioökonomischen Parameter ausgewertet

werden.

Methodik:

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde

die Kombination aus quantitativer und qualitativer Forschungsmethode

als adäquates Studiendesign zur

Beantwortung der Forschungsfragen betrachtet und

entsprechend ausgewählt. Im Rahmen des quantitativen

Teils der Untersuchung wurde mittels einer

(teil-) randomisierten, retrospektiven Fallkontrollstudie

das konventionelle Behandlungsverfahren dem Joint

Care®-Verfahren nach Hüft- bzw. Knieendoprothesenimplantation

gegenübergestellt. Die zentralen Auswertungs-parameter

bildeten hierbei der Harris Hip Score

(HHS), der American Knee Society Score (AKSS) und

der WOMAC-Score. Daneben wurden alle weiteren

relevanten medizinischen und sozioökonomischen

Variablen für einen Nachbeobachtungszeitraum von

einem Jahr erhoben und ausgewertet. Im qualitativen

Teil der Arbeit wurden mittels der Methode der Einzelfallanalyse

typische und untypische Fälle ermittelt und

einer vertieften Analyse unterzogen. Zusätzlich fand

schließlich eine Qualitätssicherung mit nationalen Vergleichsdaten

statt.

Ergebnisse:

Die Patienten aus der Joint Care® Gruppe zeigten insbesondere

im direkten postoperativen Verlauf bessere

Ergebnisse hinsichtlich aller untersuchten Scores.

Die stationäre Verweildauer konnte nahezu halbiert,

die Rehabilitationsdauer im Vergleich zu nationalen

Durchschnittswerten deutlich reduziert werden. Im

Hinblick auf die durch Schmerz-, Heil- oder Hilfsmittel

verursachten Kosten konnten im Rahmen der vorliegenden

Studie – bezogen auf die Gesamtpopulation –

keine wesentlichen Kostenverschiebungen durch die

Umsetzung des Joint Care®-Programms festgestellt

werden. Es ist dementsprechend davon auszugehen,

dass die Einführung und Umsetzung des Joint Care®

Verfahrens zu keinen positiven, aber auch zu keinen

negativen Kostenverlagerungen hinsichtlich des Verbrauchs

von Schmerz-, Heil- oder Hilfsmitteln bei vergleichsweise

höherer Versorgungsqualität geführt hat.

Die Rehospitalisierungsrate erwies sich für die Patienten

aus der Standardgruppe als höher, so dass keine

in Verbindung mit der Einführung und Umsetzung des

Joint Care® Verfahrens stehende Einschränkung der

Patientensicherheit und kein erhöhtes Komplikationsrisiko

anzunehmen ist. Die Joint Care® Intervention

erweist sich dem Standardverfahren gegenüber als

überlegen hinsichtlich der untersuchten Nutzwertfaktoren.

Diskussion:

Alles in allem hat die Umsetzung des Joint Care®

Programms für beide im Rahmen der vorliegenden

Studie betrachteten Patientenpopulationen zu Verbesserungen

sowohl aus medizinischer, als auch aus

ökonomischer Perspektive geführt. Aufgrund der Vergleichbarkeit

der betrachteten Patientenpopulationen

sind diese Untersuchungsergebnisse als realistische

Kennwerte einzuschätzen und es ist anzunehmen,

dass sich die nachgewiesenen Vorteile auch für andere

Patientengruppen zeigen würden. Die vorliegenden

Ergebnisse können entsprechend als ein Beleg

dafür gelten, dass die Einführung und Umsetzung des

Joint Care®-Programms unter Anwendung strikter

klinischer Behandlungspfade zu einer verkürzten Behandlungsdauer,

zu einer verbesserten Behandlungsqualität

– insbesondere im direkten postoperativen

Verlauf – sowie damit verbunden zu einem Zugewinn

an Lebensqualität für die Patienten führt, während

sich gleichzeitig die Behandlungskosten – vor allem

aufgrund der verkürzten Verweil- und Rehabilitationsdauer

– reduzieren. Die Einführung und Umsetzung

des Programms besitzt damit das Potential, Vorteile

für alle beteiligten Akteure – Leistungserbringer, Patient

und Kostenträger – herbeizuführen und erscheint

vor diesem Hintergrund sowohl aus medizinischer, als

auch aus sozioökonomischer Sichtweise als gerechtfertigt.

Frei werdende Ressourcen könnten direkt in

Qualitätsverbesserungsmaßnahmen, wie etwa der

Ausweitung des Case Managements, einfließen und

das Konzept dadurch noch weiter im Hinblick auf dessen

Qualität, Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit verbessern.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Retrospektive Fallkontrollstudie

Intervention: Joint Care Programm der Fachklinik für

Orthopädie Delmenhorst-Stenum

Beobachtungszeitraum: Ein Jahr nach Eingriff (2007-

2009)

Sample: ca. 30 Patienten Knie- bzw. Hüftpatienten

pro Kohorte

Interventionsgruppe: Vollerhebung

Kontrollgruppe: Zufallsauswahl

Matchingvariablen: Altersklassen und Geschlecht

Methodik: Retrospektive Dokumentenanalyse. Benchmarking

mit Vergleichsdaten national/international

Finanzierung:

Barmer Ersatzkasse, Biomet Deutschland GmbH,

BKK Landesverband Niedersachsen-Bremen, Deutsche

Angestellten-Krankenkasse

Kooperationspartner:

Fachklinik für Orthopädie Delmenhorst-Stenum

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de


Kosteneffektivität des telemedizinischen Betreuungsprogramms Zertiva® für Patienten mit

chronischer Herzerkrankung

Laufzeit Projektbeteiligter

09/2009 - 06/2010 Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Der Nutzen der telemedizinischen Betreuung herzinsuffizienter

Patienten konnte mittlerweile in den vergangenen

Jahren in einer Vielzahl klinischer Studien

nachgewiesen werden. Es besteht jedoch weiterhin

Forschungsbedarf im Hinblick auf die Frage, ob der

begleitende Einsatz der Telemedizin auch eine kosteneffektivere

Behandlungsstrategie im Vergleich zur

Therapie ohne Telemedizin darstellt.

Methodik:

Bei der durchgeführten gesundheitsökonomischen

Analyse handelte es sich um eine retrospektive, kontrollierte

Beobachtungsstudie. Im Rahmen der Untersuchung

wurde der Therapieverlauf zweier Patientengruppen

(Patienten mit und ohne telemedizinische

Betreuung) miteinander verglichen. Es kam ein dreistufiges

Matchingverfahren zur Anwendung. In einem

ersten Schritt wurde eine Zufallsstichprobe aus dem

Kontrollgruppenpotential der Krankenkasse gezogen.

In einem zweiten Schritt erfolgte eine Adjustierung

nach Alter, Geschlecht und Beginn der telemedizinischen

Betreuung. In einem letzten Schritt fand eine

Bereinigung um verstorbene Patienten und deren Matchingpartner

statt. Die auf diese Art und Weise entstandenen

Populationen (jeweils n=159) weisen ein

vergleichbares Grundprofil bei weitgehend übereinstimmenden

Ausgangsbedingungen auf.

Ergebnisse:

Die Mortalitätsrate lag bei Patienten ohne telemedizinische

Betreuung bei ca. 21 % gegenüber ca. 9 % für

Patienten mit telemedizinischer Begleitung. Der Vergleich

der verursachten Gesamtkosten pro Jahr ergab

eine Differenz von etwa 1.800 Euro zugunsten der Patientengruppe

mit telemedizinischer Begleitung. Diese

Differenz beruhte maßgeblich auf der niedrigeren

Anzahl und kürzeren Dauer kardiologisch bedingter

stationärer Aufenthalte und den damit verbundenen

Kosten seitens der Interventionsgruppe. Die differenzierte

Analyse des Patientenverlaufs ergab, dass vor

allem Patienten mit einem Notfallereignis als zentrale

„Kostentreiber“ definiert werden können.

Diskussion:

Die höhere Kosteneffektivität für die telemedizinische

Gruppe ist vermutlich im Wesentlichen darauf zurückzuführen,

dass durch den Einsatz von Telemedizin

eine Behandlung im Akutfall früher durchgeführt werden

kann, wodurch die Prognose für den weiteren

Verlauf der Erkrankung günstiger ausfällt. Ein weiterer

Grund könnte jedoch auch darin gesehen werden,

dass Telemedizinpatienten eine höhere Sensibilität

und Motivation mitbringen, sich bei kardiologisch re-

levanten Beschwerden rechtzeitig(er) in ärztliche Behandlung

zu begeben. Telemedizin würde somit auf

eine verkürzte Patientenentscheidungszeit hinwirken.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Retrospektive, kontrollierte Beobachtungsstudie

Intervention: Zertiva®-Programm von SHL Telemedizin

Interventionsgruppe: Patienten mit telemedizinischer

Versorgung (N=220),

Bereinigt: n=159 ohne Verstorbene

Kontrollgruppe: Patienten ohne telemedizinische

Versorgung (N=220),

Bereinigt: n=159 ohne Verstorbene

Beobachtungszeitraum: 2003-2009 (Gesamtbeobachtungszeitfenster)

Einschlusskriterium: Krankenhausaufenthalt mit

kardialer Ursache vor Einschluss in Versorgungsprogramm

(Interventionsgruppe) bzw. vor Einschluss

in Studie (Kontrollgruppe)

Sample: Interventionsgruppe: Vollerhebung

Kontrollgruppe: geschichtete Zufallsauswahl aus dem

Datenbestand der Krankenkasse

Methodik Anwendung eines dreistufigen Matchingverfahrens

Matchingvariablen: Altersklassen, Geschlecht und

Beginn der telemedizinischen Betreuung

Finanzierung:

SHL Telemedizin, Düsseldorf

Kooperationspartner:

Ikk gesund plus

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de

85

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

86 Multizentrische, teil-komparative klinische Marktevaluierung von ALLEVYN Gentle Border

Verbänden

Laufzeit Projektbeteiligter

01/2010 - 06/2011 Becker, Roland, Dr.

Projektleiter

Janßen, Heinz, Prof. Dr.

Projektbericht

Einführung:

Bei der traditionellen, trockenen Wundversorgung,

also etwa der Versorgung der Wunde anhand einfacher

Mullkompressen, besteht die Gefahr, dass die

Wunde austrocknet und mit dem Wundgrund verklebt.

Eine geringe Exsudataufnahme des Wundverbands

kann außerdem zu häufigen Verbandwechseln führen,

was sich langfristig wiederum auf die verursachten

Gesamtbehandlungskosten auswirkt. Nicht zu unterschätzen

ist in diesem Zusammenhang außerdem,

dass eine hohe Verbandwechselfrequenz zu einer

Erhöhung des Infektions- und Verletzungsrisikos der

Wunde führen kann, was sich wiederum negativ auf

den Wundheilungsverlauf auswirkt. Moderne Wundverbände

zeichnen sich demgegenüber dadurch

aus, dass in allen Wundheilungs-phasen ein feuchtes

Wundmilieu geschaffen und aufrechterhalten wird,

während die Wunde gleichzeitig vor äußeren Einflüssen

geschützt wird. Der Wundverband ersetzt damit

die schützende Funktion des Epithelgewebes (Junqueira

and Carneiro, 2005). Dass die Verwendung

hydroaktiver Wundverbände bei den meisten Wunden

zu einer beschleunigten Epithelialisierung führt, kann

mittlerweile als weitgehend akzeptiert gelten (Gates

and Holloway 1992, Helfman et al. 1994). Als Hauptkriterien

eines idealen, modernen Wundverbands können

ganz allgemein a) die Aufrechterhaltung eines

feuchten Milieus im Wundgebiet, b) die Entfernung

von überschüssigem Exsudat und toxischen Bestandteilen,

c) die Gewährleistung eines Gasaustausches,

d) die thermische Isolierung der Wunde, e) der Schutz

vor Sekundärinfektionen durch Unzulässigkeit für Mikroorganismen,

f) die Ermöglichung eines atraumatischen

Verbandwechsels, g) die Reduktion des Wundschmerzes,

sowie h) keine Abgabe von Fasern oder

anderer Fremdstoffe (Turner 1979, Protz 2006).

Das Hauptziel der zurzeit laufenden multizentrischen,

teil-komparativen Marktevaluierung besteht darin

zu untersuchen, inwieweit der evaluierte moderne

Wundverband den Anforderungen an einen modernen

Wundverband gerecht wird und wie die behandelnden

Ärzte die klinische Akzeptanz für verschiedene Indikationen

beurteilen.

Methodik:

Es handelt sich bei der Studie um eine prospektive

Arztbefragung. Einschlusskriterien sind ein Alter > 18

Jahre, keine derzeit bestehende Schwangerschaft, sowie

das Vorhandensein einer exsudierenden Wunde

(akut oder chronisch). Ausschlusskriterien waren eine

bekannte Allergie gegen eine oder mehrere Bestandteile

des Evaluierungsprodukts und/oder eine bekannte

Vorgeschichte einer mangelnder Compliance. Die

Befragungsunterlagen unterteilen sich in a) eine Anfangsuntersuchung,

die sich in Fragen vor und nach

Anlegen des Wundverbands untergliedert, in b) eine

Enduntersuchung nach 4-6 applizierten Verbänden,

die sich ebenfalls in Fragen vor und nach Anlegen

des Wundverbands untergliedert, sowie in c) einem

Evaluierungsabschluss, in welchem rückblickend die

Leistungsmerkmale des Wundverbands, sowie die klinische

Akzeptanz für die zugrunde liegende Indikation

von den befragten Ärzten beurteilt werden soll.

Ergebnisse:

Es liegen noch keine Projektergebnisse vor, da sich

das Projekt derzeit in der Feldphase befindet. Geplant

sind Auswertungen zur Veränderung der Wundgröße,

zur Veränderung des Erscheinungsbilds der Wunde,

zur Veränderung des Exsudatlevels, sowie zur Veränderung

des Zustands der umliegenden Haut im zeitlichen

Verlauf. Darüber hinaus werden das Schmerzausmaß

nach Verbandabnahme, die Zufriedenheit

der Ärzte mit dem modernen Wundverband im Vergleich

zu alternativen Produkten, sowie das Auftreten

produktbezogener unerwünschter Ereignisse ausgewertet.

Geplant sind außerdem Subgruppenanalysen

in Abhängigkeit des Wundtyps und dem Grad an Multimorbidität

des Patienten, gemessen über die Einteilung

der Patienten nach ASA-Klassifikation.

Diskussion:

Es wird sich zeigen, inwieweit der evaluierte moderne

Wundverband klinisch akzeptabel ist und ob er sich

als effektiver im Vergleich zu alternativen Produkten

erweist.

Tabellarische Kurzübersicht:

Studientyp: Prospektive Arztbefragung

Beobachtungszeitraum: 03/2010 – 10/2010

Datenquelle: Paneldaten aus Arztbefragung

Einschlusskriterien: 1. Alter > 18 Jahre

2. Keine derzeit bestehende Schwangerschaft

3. Vorhandensein einer exsudierenden Wunde (akut

oder chronisch)

Ausschlusskriterien: 1. Bekannte Allergie gegen eine

oder mehrere Bestandteile des Evaluierungsprodukts

2. Bekannte Vorgeschichte mangelnder Compliance

Datengrundlage: Paneldaten aus Arztbefragung

Auswertung für alle Patienten und nach Subgruppen

Methodik: Interventionsstudie mit Pretest-Posttest-

Design

Vorher-Nachher-Untersuchung bzgl. Wundgröße,

Erscheinungsbild der Wunde, Exsudatlevel und Zustand

der umliegenden Haut.

Weitere Auswertungsparameter: Zufriedenheit mit

Wundverband, Vergleich zu alternativem Wundverband,

Schmerzausmaß bei Verbandwechsel


Finanzierung:

Smith & Nephew, Hamburg

Kooperationspartner:

niedergelassene Ärzte

Kontakt:

Prof. Dr. Heinz Janßen

Tel.: 0421 5905 3788

E-Mail: Heinz.Janssen@hs-bremen.de

Case Management

Laufzeit

06/2004 bis 12/2008

wissenschaftliche Projektleitung

Roes, Martina, Prof. Dr.

Projektbericht

Die Innovation

Case Management ist eine Strategie zur Koordination

der Patientenversorgung in komplexen Situationen

bei gleichzeitiger Ressourcenverknappung. Das Konzept

kann eine erhöhte Versorgungsqualität, einen

verbesserten Zugang zu Versorgungsangeboten und

eine Reduzierung der Kosten bewirken. Vor diesem

Hintergrund wurde über den Zeitraum von vier Jahren

in Klinikum Bremen Mitte ein Projekt zur Entwicklung,

Implementierung und Evaluation eines Case-

Management-Konzepts durchgeführt – zuerst in zwei

ausgewählten Fachkliniken eines Krankenhauses der

Maximalversorgung, anschließend im gesamten Klinikkomplex.

Die Intention

Mit dem Projekt wurden zwei Ziele verfolgt:

1. Inhaltliche Entwicklung eines Konzeptes „Case

Management“ für das Klinikum Bremen Mitte, unter

Berücksichtigung fachklinischer Spezifika

2. Strukturelle Verankerung des Case Managements

in den beteiligten Kliniken inkl. einer transparente

und nachvollziehbare Dokumentation die den

Austausch von Informationen innerhalb und zwischen

den Fachdisziplinen, berufsgruppenintern

und -übergreifend, und schließlich als Information

und Beratung der Patienten gewährleistet

Das Case Management Modellprojekt im Klinikum

Bremen Mitte

Begriffserklärung

Der Begriff „Case Management“ umfasst eine Vielzahl

von Strategien, die zur Erhöhung von Effektivität und

Effizienz des Versorgungsablaufs beitragen, die Kontinuität

und Integration des Pflege- und Betreuungsprozesses

verbessern und der Erreichung messbarer klinischer

Ergebnissen dienen. Case Management ist eine

Dr. Roland Becker

Tel.: 0421 5905 2763

E-Mail: roland.becker@hs-bremen.de

auf den Einzelfall ausgerichtete, d.h. von unterschiedlichen

Personen in diversen Settings anwendbare Methode

zur Realisierung von Patientenorientierung und

Patientenpartizipation sowie Ergebnisorientierung in

komplexen und hochgradig arbeitsteiligen Sozial- und

Gesundheitssystemen [Ewers und Schaeffer 2000].

Es handelt sich um eine Mehrebenenstrategie, die in

personaler sowie organisatorischer Hinsicht zur Steuerung

und Strukturierung von Versorgungsprozessen

dient. Case Management lässt sich flexibel an wechselnde

Erfordernisse und Veränderungen anpassen

und trägt wesentlich zur Modernisierung der Leistungserbringung

im Sozial- und Gesundheitsdienst

bei [Wendt 2001, 2006, Deutsches Institut für angewandte

Pflegeforschung - dip 2004]. Ziele des Case

Managements sind die Sicherung der Behandlungskontinuität

und das Handeln im Sinne der Patienten.

Im Mittelpunkt steht dabei eine qualitativ hochwertige

Versorgung in Bezug auf die nahtlose Fortführung von

Pflege- und Betreuungsprozessen, auch über den eigentlichen

Krankenhausaufenthalt hinaus.

Bei der Organisation des Versorgungsablaufs ist es

wichtig, einerseits frühzeitig ein umfassendes Screening

sowie ein wiederholtes Assessment [u.a. Expertenstandards

des DNQP] unter Einbeziehung der

Angehörigen durchzuführen, um zunächst die „Bedürfnisse

und den Bedarf“ der Patienten zu klären.

Bedürftigkeit, meist aus gesundheitlichen Problemlagen

entstanden, wird als Merkmal ausschließlich dem

betroffenen Individuum – also dem Patienten – zugeordnet.

Unter Bedarf ist ein Teil oder die Gesamtheit

von Interventionen zu verstehen, die als geeignet und

erforderlich gelten, um relevante Problemlagen zu bewältigen.

Der Bedarf ist kein Merkmal der Patienten,

sondern ergibt sich erst aus einem Beurteilungs- und

Entscheidungsprozess, in den z.B. professionelle, kulturelle

oder sozialrechtliche Aspekte einfließen [Bartholomeyczik

und Halek 2004; Bartholomeyczik et al.

87

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

88 2001; Wingenfeld und Schaeffer 2000]. Das heißt,

Kompetenzen und Fähigkeiten sowie Ressourcen

werden erfasst. Zu beachten ist, dass von dem Grad

der Bedürftigkeit nicht automatisch auf die Höhe des

Bedarfs geschlossen werden kann. Andererseits – so

belegen Studien – haben Patienten kontinuierlich einen

hohen Informations- und Beratungsbedarf [Schaeffer

2008; Schaeffer 2006; Seidel und Dierks 2005a

und b].

Arbeitsschritte und Aufgaben im Case Management

Case Management ist eine professionelle Verfahrensweise,

mit der personenbezogen ein Versorgungszusammenhang

(continuum of care) bearbeitet wird.

Case Management beinhaltet im Klinikum Bremen

Mitte folgende Arbeitsschritte:

• Identifikation: Fragen nach der Art der Zielgruppe

und Klären, wie diese erreicht wird (d.h. eine organisationale

Vorabentscheidung, nach welchen

Kriterien Patienten auch über das Case Management

betreut werden. In der Priorisierung analog

der Regel 80:20)

• Assessment: Informationssammlung und Einschätzung

der Situation, Identifikation von „Bedarf

und Bedürfnissen

• Planung: Analyse der gesammelten Daten und Erstellen

der Planung

• Implementierung: Umsetzung des erstellten Versorgungsplans

• Evaluation: Kontrolle/Bewertung der erbrachten

Dienstleistungen

• Interaktion: Intra- und interprofessionelle Kommunikation

und Kooperation mit verschiedenen Fachdisziplinen

Die drei sich daraus ableitbaren Kernaufgaben werden

auch von den Case Manager/innen des Klinikum

Bremen Mitte übernommen: (1) anwaltschaftliche (advocate),

(2) eine vermittelnde (broker) und (3) eine

selektierende (gatekeeper) Funktion. Dabei stehen

Empowerment und Entwicklung individueller Bewältigungsstrategien

der Patienten und ihrer Angehörigen

mit im Vordergrund.

Information und Beratung im Case Management

Während über den Umfang des Bedarfs an Patienteninformationen

und die Informationsbedürfnisse der Patienten

kaum Erkenntnisse vorliegen, belegen zahlreiche

Studien, dass Patienten bestimmte Erwartungen

an die jeweilige Einrichtung hinsichtlich ihrer gesundheitlichen

Versorgung haben. Sie haben, so Schaeffer

[2006], insbesondere Interesse an Vertrauenswürdigkeit

gegenüber den Professionen, dem Verhältnis/

Beziehung zu den Patienten, der Kommunikation und

Information, der Organisation bzw. dem Management

der Krankenhausversorgung und der Umgebungsgestaltung

bzw. der Atmosphäre. „Die Herausforderung

besteht somit nicht allein darin, Informationen bereitzustellen,

sondern sie so aufzubereiten, dass sie

überhaupt rezipiert, verstanden und verarbeitet werden

können (Hibbard/Peters 2003; ähnlich Mannion/

Goddard 2003) – und dabei Informationsvielfalt und

-komplexität zu vermeiden. Mit einer Fülle an Informationen,

Variablen und Daten konfrontiert, fühlen

sich Patienten und Nutzer überfordert und nehmen

bestenfalls verwirrt und resignativ zur Kenntnis, aber

nicht auf. Fragt sich also, wie viele Informationen realistischerweise

aufgenommen und verarbeitet werden“

[Schaeffer, 2006, S. 34]. Beratung ist nicht mit reiner

Informationsweitergabe zu verwechseln, vielmehr ist

Ziel von Beratung, die Patienten in einer aktuellen, unter

Umständen unübersichtlichen Problemsituation individuell

zu unterstützen, sowie sie zur eigenständigen

Bewältigung und Lösung der Probleme zu befähigen.

„Dabei stellt Beratung Deutungs- und Orientierungshilfen

zur Verfügung, um die entstandene Problemsituation

verstehen zu können und unterstützt zugleich

die Suche und Umsetzung gemeinsam erarbeiteter

Problemlösungsvorschläge“ sowie die „Förderung von

Handlungskompetenzen“ [Schaeffer 2008].

Case Manager sehen sich teils sehr gut informierten

Patienten und Angehörigen gegenüber. „So bemühen

sich zwei von drei Patienten (67%) vor oder nach einem

Arztbesuch um zusätzliche Informationen, sei es

zu den Krankheitsursachen, sei es zu Behandlungsmöglichkeiten“

[Marstedt 2007, S. 1]. Die Einbindung

der Patienten bzw. ihrer Angehörigen, die Anerkennung

derselben als Experten in eigener Sache sowie

die Förderung im Sinne von Empowerment sind

im Case Management vor diesem Hintergrund von

besonderer Bedeutung. Es stellt sich deshalb immer

wieder die Frage, wie Case Management im Rahmen

von „Informieren und Beraten“ den Anforderungen begegnen

kann, die mit der Steuerung des Versorgungsablaufs

bei zugleich hohem Informations- und Beratungsbedarf

der Patienten einhergehen.

In Tab. 1 wird anhand von Beispielen des Bremer

Modellprojektes veranschaulicht, inwiefern Information

und Beratung als wesentliche Bestandteile des

Case Managements in den Versorgungsprozess integriert

werden können. Gleichzeitig dienen die verschiedenen

Instrumente nicht nur der Strukturierung

und Nachvollziehbarkeit der geplanten bzw. initiierten

Case-Management-Aktivitäten. Die Instrumente werden

darüber hinaus für die Dokumentation des Versorgungsprozesses

und seiner Ergebnisse genutzt.

Fazit

Das beschriebene Verständnis von Case Management

sowie die skizzierte Begriffsbestimmung von

Information und Beratung liegen dem Bremer Modellprojekt

zugrunde und stellen auch nach Projektende

das Selbstverständnis bzw. den Handlungsbereich der

Case Manager/innen im Klinikum Bremen Mitte dar. In

jedem der Arbeitsschritte gehören Information und Beratung

zu den wesentlichen Bestandteilen des Case


Managements. Unter Berücksichtigung vorhandener

Ressourcen gilt es, gemeinsam mit den Patienten und

ihren Angehörigen einen bedürfnis- und bedarfsgerechten

Versorgungsablauf individuell zu planen und

zu steuern.

Vorerfahrungen zeigen, dass gerade Beratung oft nicht

als Leistung anerkannt wird – weder von der eigenen

Berufsgruppe der Pflegenden noch von anderen Berufsgruppen.

Vor diesem Hintergrund war die Integration

einer systematischen und strukturierten Beratung

(in Abgrenzung zur reinen Informationsweitergabe)

ein Ziel des Bremer Modellprojektes. Mittlerweile sind

Veränderungen insofern sichtbar, als dass Information

und Beratung sehr viel stärker zielgruppenorientiert

gestaltet werden. Gleichzeitig werden durch eine

kontinuierliche Dokumentation die Kommunikations-,

Kooperations- sowie Koordinations- und Vernetzungsleistungen

des Case Managements für alle Beteiligten

transparent und nachvollziehbar, u.a. auch mittels

der während des Projektes entwickelten Instrumente

[Roes et al. 2008, Roes 2010].

Publikationen und Vorträge

Publikationen

Roes, M. (Hrsg.) Case Management - Sektorübergreifendes

Denken und Handeln – Erfahrungen aus einem

Bremer Modellprojekt. In Vorbereitung

Roes, M. und Wulff, I. (2009) Case Management –

Dokumentationsnotwendigkeiten – Der Einsatz eines

Gesprächsleitfadens als Verlaufsprotokoll. In: PADUA,

H. 2, S. 37-40

Wulff, I; Napp, B.; Roes, M. (2008) Mit responsiver

Evaluation Theorie-Praxis-Transfer gestalten: Erfahrungen

aus einem Case Management Projekt. In:

Dokumentation Kongress für angewandte Pflegeforschung

Oktober 2007. PrInterNet First! (E). [online]

Roes, M.; Wulff, I. (2008) Unterstützung leisten – Information

und Beratung im Case Management. In: PADUA,

H. 2, S. 15-17

Napp, B.; Wulff, I.; M. Roes (2007): Hoher Beratungsbedarf

macht Case Management erforderlich. In: Gesundheitsökonomie

und Qualitätsmanagement, H. 2,

S. 13-14

Vorträge

April 2010 - Anforderungen an die Qualität von Beratung

- Fachtagung Beratung in bewegten Zeiten- Anforderungen

aus Sicht von Wissenschaft und Praxis,

IQC Bremen

Nov. 2009 - Die Bedeutung einer qualitätsgesicherten

Pflege in der sektorenübergreifenden Versorgung (Fokus

§ 63b/c SGB V) - Tagung des GBA, Berlin

Mai 2009 - Entlassungsmanagement multiprofessionell

gestalten – Herausforderung multiprofessionellen

und sektorübergreifenden Handelns - Fallorientierte

Pflege in der Praxis, Fachtagung in Regensburg

Juni 2009 - Case Management im Klinikum Bremen

Mitte - Ein Beitrag zur bedarfsgerechten Versorgung -

Fachtagung Case Management, IQC Bremen

Nov. 2008 - Informations- und Beratungsanforderungen

pflegender Angehöriger - Vortragreihe „Unterstützung

pflegender Angehöriger“ im Haus der Wissenschaft,

Bremen

Okt. 2008 - Herausforderungen des Case Managements:

Entlassungsmanagement sowie Information

und Beratung patientenorientiert gestalten - 1.Regensburger

Case Management Symposiums

Sept. 2008 - Pflege im Wandel - Pflegefachtagung im

Klinikum Bremen Ost

Sept. 2008 - Was Angehörige und Patienten immer

schon wissen wollten - Symposium: Kompetenzen für

eine professionelle Pflege – heute und morgen an den

Kliniken des Landkreises Göppingen

Sept. 2008 - Unterstützung leisten - Information und

Beratung im Case Management - Lernweltenkongress,

Augsburg

Juni 2008 - Herausforderung Pflegende Angehörige –

Unterstützungsbedarfe am Arbeits- und Studienplatz -

Aktionstag „Pflegende Angehörige“, Universität Bremen

Okt. 2007 - Case Management – Aufgaben, Chancen

und Risiken - Symposiums Pflegewissenschaft und –

forschung, Universität Tübingen

Okt.2007 - Mit responsiver Evaluation Theorie-Praxis-Transfer

gestalten: Erfahrungen aus einem Case

Management Projekt - Poster - Kongresses für angewandte

Pflegeforschung, Universität Witten Herdecke

Mai 2007 - Case Management im Kontext der Qualitätsentwicklung

– Erfahrungen aus einem Modellprojekt

- 3. Bremer Pflegekongress

Feb. 2007 - Entwicklung von Kennzahlen im Rahmen

eines Case Management Projektes in einem Bremer

Krankenhaus - 10. DNQP Netzwerk Workshop, Berlin

Finanzierung

Klinikum Bremen Mitte (Klinik der GeNo gGmbH)

Kontakt

Prof. Dr. Martina Roes

Hochschule Bremen

Fakultät Gesellschaftswissenschaften

Institut für Qualität und Case Management (IQC)

Tel. 0421/5905 2189

martina.roes@hs-bremen.de

89

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

90 QuInT Essenz - Exemplarische Implementierung des Qualitätsniveaus I: „Mobilität und Sicherheit

bei Menschen mit dementiellen Einschränkungen in stationären Einrichtungen“

Laufzeit

06/2008 bis 06/2010

Projektleitung

Mona Frommelt, Direktorin der Hans Weinberger Akademie, München

wissenschaftliche Projektleitung

Roes, Martina, Prof. Dr.

Projektbericht:

Die Innovation

Zentrales Kennzeichen der BUKO-Qualitätsniveaus ist

deren multiprofessionelle Ausrichtung: An der Versorgung

Pflegebedürftiger in Einrichtungen der stationären

Altenpflege sind viele verschiedene Professionen

und Personengruppen beteiligt. Neben den Mitarbeiter/innen

der Einrichtung aus den Bereichen Pflege,

Betreuung, Hauswirtschaft, Haustechnik und Management

sind Mediziner/innen, Therapeut/innen sowie

Angehörige und Ehrenamtliche am Zustandekommen

der Versorgungs- und letztlich Lebensqualität der Bewohner/innen

beteiligt. Die BUKO-Qualitätsniveaus

richten sich daher multidisziplinär an alle zu diesem

Versorgungsnetzwerk beitragenden Personen. Auf

evidenzbasierter Grundlage wird jedes Ziel sowie die

Hilfestellung für herausfordernde Situationen durch

insgesamt 110 handlungsleitende Empfehlungen

operationalisiert. Die einzelnen Empfehlungen sind in

Tabellenform den verschiedenen Handelnden zugeordnet,

die u.a. mittels Beispielen ausführlich erläutert

werden.

Die Intention

Bei der Einführung von Innovationen sind Handlungs-

und Wissensprozesse ebenso wie die Art der

Implementierung zu berücksichtigen. Das Qualitätsniveau

I der BUKO-QS stellt als multidisziplinäre Versorgungsleitlinie

zum Thema Mobilität und Sicherheit

demenzkranker Bewohner eine Innovation für Bewohner,

Mitarbeiter und weitere beteiligte Berufs- und Personengruppen

in der stationären Versorgung dar. Die

exemplarische Implementierung des Qualitätsniveaus

in 20 deutschen Pflegeeinrichtungen wird im Projekt

QuInT-Essenz über einen Zeitraum von 24 Monaten

durch ein wissenschaftliches Team begleitet. Methoden

der Implementierung sind die Breakthrough-Methode

und der Rapid-Cycle of Improvement. Instrumente

zur Strukturierung des Implementierungshandelns

und zu dessen Selbstreflexion sowie zur Messung

des Implementierungsgrads werden bezogen auf das

Qualitätsniveau I beschrieben. Abschließend werden

gegenstandsbezogene Empfehlungen zu multiprofessionellen

Leitlinien formuliert.

Das Projekt QuInT-Essenz

Das Projekt QuInT-Essenz umfasst zwei Teilprojekte.

Aufgabe des Teilprojekts Implementierung (Laufzeit

6/2008 – 5/2010) - gefördert durch das BMFSFJ (Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

- ist die exemplarische Implementierung des

QN I in 20 deutschen Einrichtungen der stationären

Altenpflege. Die Implementierung liegt dabei in der

Verantwortung von Implementierungsteams vor Ort

(Qualitätszirkel), die durch ein multiprofessionelles

Projektteam unterstützt werden, das bei der Hans-

Weinberger-Akademie der AWO e.V. (München) in

Kooperation mit dem Institut für Qualität und Case

Management (IQC) an der Hochschule Bremen (wissenschaftliche

Beratung) gebildet wurde. Methoden

der Implementierung sind die Breakthrough-Methode

und der Rapid-Cycle of Improvement sowie verschiedene

Instrumente zur Selbstreflexion des Implementierungsprozesses

und zur Messung der Qualität der

umgesetzten Handlungsempfehlungen (analog zur

modellhaften Implementierung der Expertenstandards

wird im Rahmen dieses Modellprojekts auch ein Audit-

Instrument erprobt). Basierend auf den Erfahrungen

aus der Implementierungspraxis werden Instrumente

zur validen und reliablen Messung des Implementierungsgrads

entwickelt. Damit werden auch Aussagen

zur Praktikabilität des QN I möglich. Die Erkenntnisse

zu förderlichen und hinderlichen Faktoren bei der

Implementierung, zu erfolgreichen Implementierungsstrategien

und zur Feststellung des Implementierungsgrads

fließen nach Abschluss des Projekts in eine, das

QN I ergänzende, Materialsammlung ein, die die Implementierung

des QN I ohne externe Unterstützung

erlaubt, sofern bestimmte Strukturen und Kompetenzen

vorhanden sind.

Im zweiten Teilprojekt des Projekts QuInT-Essenz untersucht

das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

(ZI, Mannheim) die Wirksamkeit des implementierten

QN I bei den Bewohnern der Einrichtungen (Gefördert

durch das BMBF (Bundesministerium für Bildung und

Forschung)). In einer kombinierten Längsschnitt- und

Vergleichsgruppenuntersuchung wird erhoben, welche

Ergebnisse eine Implementierung für die Pflegebedürftigen

hinsichtlich Mobilitätsförderung und -erhaltung,

Sicherheit sowie Lebensqualität zeitigt.

Beide Teilprojekte zusammen erlauben somit Erkenntnisse

über die Praktikabilität des QN I, nachhaltige Implementierungsstrategien,

die verlässliche Evaluation

des Implementierungsgrads und über zu erwartende

Wirkungen der Implementierung des QN I für die Bewohner.

Die Vorgehensweise

In der Breakthrough-Methode werden neben synergetischen

Verknüpfungen multidisziplinärer und -professioneller

Wissensbestände auch die Handlungs-


und Wissensebene miteinander verschränkt. Mit ihr

werden wesentliche Erkenntnisse derjenigen Studien

aufgegriffen, die sich vor allem mit der Frage misslungener

Implementierungsprojekte oder nicht erreichter

Qualitätsverbesserungen, aber auch mit der Analyse

möglicher Ursachen misslungener Transferprojekte

befassten sowie die Rolle des Managements bzw.

flankierender Unterstützungsangebote thematisieren.

Die Breakthrough-Methode legt sich bewusst quer

zu bestehenden Professionsgrenzen oder Sektoren,

denn sie orientiert sich am Gegenstand (hier der Pflege-,

Betreuungs- und Versorgungsprozess) und den

damit korrespondierenden Qualitätsaspekten. Dementsprechend

– so die Vorstellung – arbeiten Experten

– unabhängig von der Profession und der Hierarchieebene

– gegenstandsorientiert gemeinsam daran,

in ihren Einrichtungen verschiedene Interventionen

zu erproben. Mithilfe der Breakthrough-Methode soll

auch die Lücke zwischen zur Verfügung stehendem,

evidenz-begründetem Wissen und der täglichen Praxis

geschlossen werden.

Erst bei nachgewiesener Qualitätsverbesserung werden

diese in den Routineprozess eingepflegt. Dies

setzt ein enges Monitoring – mit evaluativem Charakter

– des Veränderungsprozesses und der erreichten

Qualität voraus. Jede Verbesserung kann so als „Best

Practice-Modell“ weiter verwendet werden. Dazu arbeiten

verschiedene (ca. 15-40) Einrichtungen gemeinsam

über den Zeitraum von 12-15 Monaten an

einem vorab definierten Qualitätsthema: z.B. Reduzierung

von Stürzen oder der Verbesserung des Medikamentenmanagements.

Die ausgewählten Themen

werden sowohl hinsichtlich Häufigkeit des Auftretens,

der Bedeutung für den betroffenen Patienten bzw. Bewohner

als auch ökonomisch argumentiert. Flankiert

wird dieser Prozess von sog. Learning Session, an

denen alle Beteiligten zusammenkommen und ihre

Erkenntnisse und Erfahrungen austauschen, Ergebnisse

gemeinsam bewerten und die nächsten Schritte

klären, die dann von den Beteiligten in den verschiedenen

Einrichtungen realisiert werden. Dazu finden in

definierten Zeitabständen über den gesamten Projektzeitraum

regelmäßig Workshops mit den Beteiligten

statt.

Die Breakthrough-Methode greift auch auf den Nachfolger

des Plan-Do-Check-Act (PDCA) zurück, den

PDSA Zyklus, der der raschen Rückkopplung empirischer

Erkenntnisse (S: Study) eine herausragende

Rolle zuschreibt. In der Qualitätsdebatte wird hier oft

vom sog. Rapid-Cycle of Improvement gesprochen,

d.h. vom schnellen, ziel- und wirksamkeitsorientierten

Qualitätsverbesserungszyklus. In dieser Dopplung

liegt das Innovationspotential der Breakthrough-Methode.

Die Fragestellung

Im Fokus der Untersuchung des Implementierungsprozesses

steht neben der Analyse förderlicher und

hinderlicher Faktoren die Frage nach dem Implementierungsgrad.

Folgende Fragestellungen sind relevant:

Implementierungsinteresse/-motivation (T0)

• Wie ist der Implementierungsgrad zu den zwei

Messzeitpunkten (T1-T2)?

• Was ist der Benefit bezogen auf die Implementierung

des Qualitätsniveaus und bezogen auf die

Organisation (T1-T2)?

• Wie werden Implementierungsprozesse analog

der Breakthrough-Methode und der Lernzyklen

tatsächlich gestaltet (parallellaufend)?

• Wie gestaltet sich der Transfers der Ergebnisse

aus den beteiligten Netzwerkeinrichtungen (parallellaufend)?

• Identifizieren förderlicher und hinderlicher Faktoren

(T0-T2 und parallellaufend)

Die Zwischenergebnisse

Das Interessante und gleichzeitig Herausfordernde

des Projekts QuInT-Essenz liegt in seiner Mehrdimensionalität:

die Handlungs- und Wissensebene (multiprofessionelles

Alltagshandeln und evidenzbasiertes

Wissen aus dem QN I), der Qualitätsebene (Qualitätsverbesserung

erreicht) und der Implementierungsebene

(partizipativ, dezentral, diskursiv und nachhaltig)

sowie der Wirksamkeitsstudie (Outcome beim Bewohner).

Es zeigt sich, dass die oben gestellten Fragen

handlungsleitend für komplexe Interventionen wie

dem QuInT-Essenz-Projekt sind und sie eine stärkere

Zielorientierung in der Gestaltung von Veränderungsprozessen

verdeutlichen. Nur dann werden Beteiligte

jederzeit beantworten können: was sie erreichen

möchten; woher sie wissen, dass eine Änderung eine

Verbesserung ist, und welche identifizierten Alternativen

tatsächlich nachhaltig implementiert werden

können. Zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor Ende des

Projektes, kommen die Autor/innen mit den beteiligten

Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen zu dem Ergebnis,

dass das Arbeiten mit der Breakthrough-Methode

und dem PDSA-Zyklus sowohl in den einrichtungsinternen

Projektgruppentreffen bzw. Qualitätszirkeln

als auch in den regionalen Workshops enormes Innovationspotential

freisetzt und eine zielorientiertere

Qualitätsdebatte mit Nachhaltigkeitscharakter in Gang

brachte.

Projektbeteiligte

Insgesamt 20 stationäre Altenpflegeeinrichtungen verteilt

auf drei Regionalcluster, davon 4 Einrichtungen in

der Region Nord (zwei in Bremen und zwei in Niedersachsen).

Die anderen 16 Einrichtungen verteilen sich

auf die Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden

Württemberg und Bayern. Beteiligt sind sowohl große

Träger (Wohlfahrt und Privat), aber auch kleinere singuläre

Einrichtungen. Die Größe der beteiligten Einrichtungen

reicht von 25 bis 200 Bewohner/innen.

Finanzierung des Implementierungsprojektes

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und

Jugend (BMFSFJ)

91

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

92 Kooperationspartner

Projektbegleitende Wirksamkeitsstudie finanziert

vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

(BMBF): Dr. Martina Schäufele vom Zentral Institut für

Seelische Gesundheit (ZI), Mannheim

Publikationen und Vorträge

Publikationen

Roes, M; Heislbetz, C.; Bäuerle, D.; Frommelt, M.

(2010) Implementierung einer multiprofessionellen

Versorgungsleitlinie mittels der Breakthrough-Methode

am Beispiel des BUKO-Qualitätsniveau I. In:

Frommelt, Roes, Schmidt (Hrsg.) Implementierung

wissensbasierter Qualitätsniveaus, MedHochZwei

Verlag, Heidelberg, S. 107-141.

Roes, M.; Heislbetz, C.; Bäuerle, D.; Frommelt, M.

(2010) Breakthrough oder die Möglichkeit, in vielen

Einrichtungen gleichzeitig Qualität zu verändern und

zu verbessern - Erfahrungen aus einem Implementierungsprojekt.

In: PADUA, H. 4

Roes, M. (2010) Was Sie über Qualität wissen könnten.

In: PADUA, H 2

Roes, M.; Heislbetz, C.; Bäuerle, D.; Frommelt, M.

(2009) Implementierung einer multiprofessionellen

Versorgungsleitlinie mittels der Breakthrough-Methode

am Beispiel des BUKO-Qualitätsniveau I. In: Schmidt,

R. (Hrsg.) Management Handbuch Pflege, Schwerpunktthema:

Implementierung wissenschaftsbasierter

Qualitätsfestlegungen, 24. Ergänzungslieferung.

Roes, M.; Bäuerle D. (2009) Widerspruch oder Ergänzung?

- Was Sie über Qualitätsniveaus der BUKO-QS

und Expertenstandards wissen sollten. In: Altenheim,

9, pp. 40-43

Vorträge und Poster

April 2010 | Break Through oder Qualitätsverbesserung

leicht gemacht - Erfahrungen aus einem bundesweiten

Implementierungsprojekt | CareFair, Nürnberg

April 2010 | Qualitätsanforderungen der Pflege zwischen

Politik, Wissenschaft und Praxis - Am Beispiel

Mobilität und Sicherheit demenzkranker Bewohner |

CareFair, Nürnberg

Dez. 2009 | The Safety and Mobility of Residents with

Dementia in Nursing Homes - Implementation of a

Multi-Professional Guideline 21th International

Quality Forum, Orlando (FL) - Poster

Okt. 2009 | Lernen von Anderen und von den Besten

– Wie mit der Break Through Methode kollegiales Lernen

gelingen kann | Sektion IV der DGGG, Dresden

Sept. 2009 | Mobiltiät und Sicherheit von Menschen

mit Demenz – Ergebnisse aus einem bundesweiten

Modellprojekt | Lernweltenkongress, Winterthur - Poster

Juli 2009 | The Safety and Mobility of Residents with

Dementia in Nursing Homes - Implementation of a

Multi-Professional Guideline [Project QuInT Essenz:

June 2008 – May 2010] | IAGG World Congress of

Gerontology and Geriatrics, Paris - Poster

Mai 2009 | Breakthrough – Erfahrungen aus dem

QuInT Essenz Projekt: Implementierung und Wirksamkeitsuntersuntersuchung

des BUKO-QS Qualitätsniveaus

„Mobilität und Sicherheit“ | 5. Bremer Pflegekongress

Kontakt

Prof. Dr. Martina Roes

Hochschule Bremen

Fakultät Gesellschaftswissenschaften

Institut für Qualität und Case Management (IQC)

Tel. 0421/5905 2189

martina.roes@hs-bremen.de


Analyse von Akzeptanz und Zufriedenheit mit Unterstützungsangeboten in der Betreuung von

Menschen mit Demenz - Vorab Analyse in Einrichtungen der Maternus AG

Laufzeit

12/2008 bis 06/2010

Projektleitung

Roes, Martina, Prof. Dr.

Projektbericht

Die Innovation

Es wird davon ausgegangen, dass zwischenmenschliche

Kontakte und ein sozial aktiver Lebensstil den

geistigen Abbau im Alter bremsen So konnte jetzt erstmals

nachgewiesen werden, dass soziale Teilhabe

Alterseinbußen der intellektuellen Leistungsfähigkeit

entgegenwirkt (MPI 2006). Schon seit längerem wird

vermutet, dass eine soziale aktive Lebensgestaltung

älterer Menschen mit ihrer geistigen Leistungsfähigkeit

verknüpft ist: Ältere Frauen und Männer mit einem

großen sozialen Netz und zahlreichen sozialen

Aktivitäten sind in der Regel kognitiv leistungsfähiger

als solche mit eingeschränkten Kontakten und wenig

sozialer Aktivität. Bisher ungeklärt war die Einflussrichtung

dieses Zusammenhangs, also die Frage danach

ob die Sozialkontakte Ursache oder Folge der

intellektuellen Leistungsfähigkeit sind. Das MPI (2006)

hat nun mit neuen statistischen Nachweismethoden

belegen können, dass sich soziale Teilhabe zumindest

im höheren Alter tatsächlich auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit

auswirkt. Dabei griffen sie auf Daten

der großen Berliner Alterstudie (Baltes 1999) zurück,

bei der über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren

516 Personen im Alter von 70 bis über 100 Jahren in

ihrer persönlichen Entwicklung von Psychologen beobachtetet

wurden. Auf der Grundlage dieser eben

skizzierten Auswirkungen sozialer Teilhabe, ist grundsätzlich

auch davon auszugehen, dass diese Wirkung

bei dementiell erkrankten Menschen ebenfalls erzielt

werden kann, wenn auch die (hirnphysiologische) Situation

und das Verhalten sich anders darstellen. Drei

zentrale Fragen gilt es (im Gegensatz zum gesunden

alten Menschen) zu beachten (Sonnweid Ansatz): (1)

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr weiß, wer ich bin? (2)

Was ist normal? (3) Wie autonom sind Menschen (mit

Demenz)?

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass es gelingen

kann, den Lebensraum an die Bedürfnisse der

Menschen mit Demenz anzupassen und dadurch Verhalten

beeinflusst werden kann. Insofern gilt es, für

dementiell erkrankte Menschen verschiedene Wohn-,

Betreuungs- und Aktivierungsmöglichkeiten anzubieten.

Und das dementielle Chaos als Norm zu verstehen,

zu akzeptieren und das Chaos lebbar machen.

Robot Therapy in a Care House - Its Sociopsychological

and Physiological Effects on the Residents (Wada

und Shibata 2006) lautet ein Artikel eines Roboterentwicklerteams

aus Japan. Über den Zeitraum von

täglich neun Stunden wurde eine künstliche Robbe

(PARO) in einer Altenpflegeeinrichtung eingesetzt und

seine Wirkung auf ältere dort wohnende Menschen

untersucht.

Dabei stützten sie sich auf frühere Untersuchungen

(u.a. in der Betreuung behinderter Menschen), bei denen

nachgewiesen werden konnte, dass der Einsatz

von Tieren sich positiv auf die emotionale Lage der

Betroffenen auswirkt. Das Entwicklerteam geht davon

aus, die eine künstliche Robbe (PARO), die auf physischen

Kontakt (proaktiv und reaktiv) reagieren kann,

beim alten Menschen ebenfalls Reaktionen hervorruft.

Es konnte, so das Entwicklerteam, nachgewiesen

werden, dass die Beschäftigung mit PARO beim alten

Menschen zu einer positiven Stimmung und zu mehr

Aktivität und einer erhöhten Kommunikationsbereitschaft

führte (sowohl mit anderen Bewohner/innen als

auch mit den Pflegenden). Die Wirkung von PARO bei

dementiell Erkrankten wurde u.a. mithilfe eines EEGs

überprüft und es konnte gezeigt werden, dass eine

erhöhte neuronale Aktivität bei denjenigen Bewohner/

innen erreicht wurde, die sich gerne mit PARO befassten.

Die Intention

Im Jahr 2006 entschied sich die Maternus-Gruppe

(mittlerweile zur Cura gehörend) für die Erprobung

des künstlichen Roboters PARO in zwei Einrichtungen

(in Baden-Baden und in Lehre-Wendhausen). Der

ursprünglich auf ein Jahr angelegte Feldversuch läuft

in der Zwischenzeit seit zwei Jahren. Gezeigt werden

soll, ob durch den Einsatz von PARO die Lebensqualität

von den Bewohnern der MATERNUS-Einrichtungen

nachhaltig gesteigert werden kann.

Aus Sicht der Pflegeleitung wird PARO als ein weiteres

Kommunikationsmittel gesehen, welches auch in Konfliktsituationen

sehr hilfreich ist, da es u.a. vom Konflikt

ablenken kann. Es wird in dieser Einrichtung auch

davon ausgegangen, dass vor dem Hintergrund der

Überlastung der Pflegenden und einer dadurch geringerer

Kontaktmöglichkeiten mit den Bewohner/innen

PARO insofern hilfreich sein kann, als die Interaktion

dennoch gefördert wird. Darüber hinaus wird auch vermutet,

dass bedingt durch die technische Ausstattung

eine Programmierung mit verschiedenen Sprachen

möglich ist und somit auch Menschen mit Migrationshintergrund

sich mit PARO beschäftigen können.

93

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

94 Das Projekt Analyse von Akzeptanz und Zufriedenheit

mit Unterstützungsangeboten in der Betreuung

von Menschen mit Demenz

Die Fragestellung

Vorrangiges Ziel ist es, die Perspektive der professionell

Tätigen zu erfassen und erste Informationen aus

Sicht der Bewohner/innen zu erhalten. Beteiligt werden

zwei Einrichtungen die mit PARO und zwei Einrichtungen

die ohne PARO arbeiten. Damit kann in

Erfahrung gebracht werden, welche Interaktions-Angebote

Pflegende bzw. Therapeut/innen wann, beim

wem, warum und wie einsetzen. Im Mittelpunkt steht

der Fragekomplex, inwiefern einerseits Produkte wie

PARO und anderseits Interaktionsangebote wie „Erinnerungskoffer“,

10 Minuten-Aktivität oder der Einsatz

von Tieren etc., dazu beitragen die Lebensqualität für

Menschen in allen Lebensabschnitten zu beeinflussen.

Fragestellungen sind u.a. Welche „sozialen Interaktionsformen“

sind in der Betreuung von dementiell erkrankten

Menschen von Bedeutung und wie werden

sie in den Alltag integriert? Wie bewerten die Anbieter/innen

diese? Was wirkt förderlich, was hinderlich?

Nach welchen Kriterien wählen Pflegende/Therapeuten

welches Unterstützungsangebot für den/die

einzelne/n Bewohner/in aus? Was sind Interaktions-

Anlässe? Welche Ziele verfolgen sie damit?

Die Vorgehensweise

Experten-Interviews und (nicht) teilnehmende Beobachtungen

Die Ergebnisse

Bezogen auf die Dimensionen Pflege- und Betreuungskonzept,

Beziehungsverständnis, leibliche/

körperliche Kontaktqualität und bewusst gestaltete

Interaktionen können folgende zentrale Ergebnisse

festgehalten werden:

(1) Eine bewusst, intentional und zielgerichtet gestaltete

Interaktion wirkt sich entscheidend auf die Interak-

tionsqualität zwischen Bewohner/innen und Pflegenden

bzw. Betreuungskräften sowie die Akzeptanz aus.

Dies ist unabhängig davon, ob dabei mit Paro oder

anderen den Kontakt mit den dementiell erkrankten

Bewohnern fördernden Angeboten gearbeitet wird.

(2) Die Wirkung von Interaktions- und Betreuungsinstrumenten

mit dem Ziel der Förderung sozialer Teilhabe

ist auch davon abhängig, inwiefern eine am Bedarf,

der Motivation und der Kompetenzen der/s Bewohner/

in orientierte Auswahl und situationsadäquater Einsatz

erfolgt.

Finanzierung

CURA Kurkliniken, Seniorenwohn- und Pflegeheime

GmbH, Berlin

Projektbeteiligte

insgesamt 4 stationäre Altenpflegeeinrichtungen in

Zeven, Hohenwestedt, Baden-Baden und Lehre-

Wendhausen

Kontakt

Prof. Dr. Martina Roes

Hochschule Bremen

Fakultät Gesellschaftswissenschaften

Institut für Qualität und Case Management (IQC)

Tel. 0421/5905 2189

martina.roes@hs-bremen.de


Geschlechterverhältnisse im Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft

(GIB)

Laufzeit

abgeschlossen im Dezember 2009

Projektleitung

Bothfeld, Silke, Prof. Dr. Klenner, Christina Dr.

Ziegler, Astrid Dr. Maschke, Manuela Dr.

Geis, Marco Achatz, Juliane Dr.

Krell, Gertraude Prof. Dr. Krell, Gertraude, Prof. Dr.

Beblo, Miriam, Prof. Dr. Tondorf, Karin Dr.

u.a.

Projektbericht

Das Buchprojekt

Die Erwerbstätigkeit von Frauen steigt seit Jahren an,

doch Ungleichheiten im Erwerbsleben bestehen fort.

Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland im

Hinblick auf das Ausmaß der beruflichen Segregation

zwischen Frauen und Männern, die geschlechtsbezogene

Entgeltdifferenz und die Präsenz von Frauen in

betrieblichen Führungspositionen mäßig bis schlecht

ab. Nachdem sich Analysen der asymmetrischen Geschlechterverhältnisse

lange Zeit vorrangig auf die

Arbeitsmarktebene konzentrierten, ist mittlerweile die

betriebliche Ebene in den Fokus von Wissenschaft

und Politik gerückt. In Betrieben entscheidet sich unter

welchen Bedingungen Frauen und Männer ihrer

beruflichen Tätigkeit nachgehen, wie Qualifikationen

gewertet und Arbeit faktisch entlohnt wird und wie sich

ihre beruflichen Aufstiegschancen gestalten.

Das WSI-Projekt ,Geschlechterverhältnisse im Betrieb.

Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der

Privatwirtschaft‘ arbeitet den empirischen Daten- und

Forschungsstand zur Situation von Frauen und Männern

in Betrieben auf. Es geht der Frage nach, unter

welchen betrieblichen Voraussetzungen sich ungleiche

bzw. eher gleiche Arbeits- und Entlohnungsbedingungen

für Frauen umsetzen. Die Ergebnisse liegen

seit Dezember als Buch vor.

Inhalt: Einleitung: Geschlechterungleichheiten im

Betrieb, Christina Klenner, Gertraude Krell, Manuela

Maschke; Gleichstellungspolitische Rahmenbedingungen,

für das betriebliche Handeln. Ein internationaler

Vergleich, Silke Bothfeld, Sebastian Hübers, Sophie

Rouault; Berufliche Segregation, Juliane Achatz,

Miriam Beblo, Elke Wolf; Beschäftigungsverhältnisse,

Tatjana Fuchs; Vollzeit, Teilzeit, Minijobs, Christina

Klenner, Susanne Kohaut;

Exkurs „Männer zwischen Beruf und privatem Leben,

Stephan Höyng; Entgeltdifferenzen und Vergütungspraxis,

Astrid Ziegler, Hermann Gartner, Karin Tondorf;

Qualität der betrieblichen Arbeit, Tatjana Fuchs;

Projektgruppe GiB: Geschlechterungleichheiten im

Betrieb. Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der

Privatwirtschaft

Berlin: edition sigma 2010, 563 S.

ISBN 978-3-8360-8710-0

Euro 29.90

Weitere Informationen über dieses Buch:

http://www.edition-sigma.de/Detailshow.

php?ISBN=978-3-8360-8710-0

Finanzierung

Eigenprojekt/ Hans-Böckler-Stiftung

Kooperationspartner

diverse

Kontakt

silke.bothfeld@hs-bremen.de

95

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

96 Arbeitsmarktpolitik in der sozialen Marktwirtschaft – Vom Arbeitsförderungsgesetz zu Sozialgesetzbuch

II und III

Laufzeit

abgeschlossen im September 2009

Projektleitung

Bothfeld, Silke, Prof. Dr.

Bodegan, Claudia, Dr.

Sesselmeier, Erner, Prof. Dr.

Projektbericht

Das Buchprojekt

Anlässlich des 40. Jahrestages des Arbeitsförderungsgesetzes

ziehen die Beiträge dieses Bandes

eine Bilanz. Gerade die jüngsten Entwicklungen in

der Arbeitsmarktpolitik zeugen von einem tiefgreifenden

Wandel. Vor allem haben das Paradigma des

aktivierenden Sozialstaates sowie des Managerialismus

ihre Spuren in der deutschen Arbeitsmarktpolitik

hinterlassen. Die Beiträge des Bandes nehmen diese

Veränderungen zum Ausgangspunkt und bewerten die

Teilbereiche der Arbeitsmarktpolitik in einem breiteren

historischen und konzeptionellen Kontext. Erst so eröffnet

sich ein differenzierterer Blick auf die aktuelle

Situation der das eigentliche emanzipatorische Potential

der aktiven Arbeitsmarktpolitik wieder offenlegt.

Der Band ist Ende August 2009 im VS-Verlag, Wiesbaden

erschienen und wurde am 2.9.2009 in einer

Veranstaltung in der Rheinland-pfälzischen Landesvertretung

in Berlin vorgestellt.

Inhalt

Claudia Bogedan/Silke Bothfeld/Werner Sesselmeier:

Arbeitsmarktpolitik in der sozialen Marktwirtschaft –

Vom Arbeitsförderungsgesetz zu Sozialgesetzbuch II

und III. Eine Einleitung;

Werner Sesselmeier/Gabriele Somaggio: Arbeitsmarktpolitik

im wohlfahrtsstaatlichen Vergleich; Sigrid

Gronbach: Soziale Gerechtigkeitsleitbilder in der

Arbeitsmarktpolitik – von der Verteilung zur Teilhabe;

Katrin Mohr

Von „Welfare to Workfare“? Der radikale Wandel der

deutschen Arbeitsmarktpolitik; Matthias Knuth: Grundsicherung

„für Arbeitsuchende“: ein hybrides Regime

sozialer Sicherung auf der Suche nach seiner Governance;

Frank Oschmiansky/Mareike Ebach: Vom AFG 1969

zur Instrumentenreform 2009: Der Wandel des arbeitsmarktpolitischen

Instrumentariums; Gerhard

Bosch: Berufliche Weiterbildung in Deutschland 1969

bis 2009: Entwicklung und Reformoptionen; Peer Rosenthal:

Arbeitslosenversicherung im Wandel; Oliver

Nüchter/Alfons Schmid: Eine subjektive Dimension der

Arbeitsmarktpolitik. Einstellungen zur Arbeitslosenversicherung

und Grundsicherung für Arbeitsuchende in

Deutschland; Karen Jaehrling: Gleichstellung und Aktivierung

– Wahlverwandtschaft oder Stiefschwestern?;

Holger Schütz: Neue und alte Regelsteuerung in der

deutschen Arbeitsverwaltung; Volker Hielscher/Peter

Ochs: Das prekäre Dienstleistungsversprechen der öffentlichen

Arbeitsverwaltung; Petra Kaps: Die Rolle der

Kommunen in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik;

Tanja Klenk: Vom Arbeitsförderungsgesetz zum

Sozialgesetzbuch II und III: Pfadwechsel in der korporatistischen

Arbeitsverwaltung?; Wolfgang Schroeder/

Andreas D. Schulz: Arbeitsmarktpolitik und Sozialpartner;

Stefanie Kremer/ Silke Bothfeld: Reflexive Regulierung

von Beschäftigungsbedingungen: Königsweg

oder Sackgasse?; Manon Irmer/Aysel Yollu-Tok : Die

Europäischen Institutionen als Drahtzieher der Arbeitsmarktpolitik

in Deutschland? Zur Bedeutung der

Europäischen Beschäftigungsstrategie und des Europäischen

Sozialfonds im arbeitsmarktpolitischen Geschehen;

Silke Bothfeld/Werner Sesselmeier/Claudia

Bogedan: Arbeitsmarktpolitik – ein emanzipatorisches

Projekt in der sozialen Marktwirtschaft;

Anhang mit Tabellen und Grafiken.

Hrsg.: Bothfeld, Silke / Sesselmeier, Werner / Bogedan,

Claudia

Arbeitsmarktpolitik in der sozialen Marktwirtschaft

Vom Arbeitsförderungsgesetz zum Sozialgesetzbuch

II und III

2009. 319 S. Mit 11 Abb. u. 36 Tab. Br.

ISBN: 978-3-531-16887-6

39,90€

Finanzierung

Eigenprojekt

Kooperationspartner

Hans-Böckler-Stiftung

Universität Landau-Koblenz

Kontakt

silke.bothfeld@hs-bremen.de


EU-Network of Excellence: Reconciling Work and Welfare (Recwowe)

(Kooperation mit dem Zentrum für Sozialpolitik/ Universität Bremen)

Laufzeit

10/2008 - 06/2011

Projektleitung

Bothfeld, Silke, Prof. Dr.

Betzelt, Sigrid, Prof. Dr.; HWR Berlin

Projektbericht

Activation policies have in many cases changed the

basic legal, normative and factual rules of access to

unemployment compensation and labour promotion

programmes. They have, to put it into more conceptual

terms, changed the underlying patterns of social

citizenship in many countries. It is argued that activation

policies have an unexpected – and partly unobserved

– impact on formal and informal structures in

people’s everyday life as well as on social structures

(e.g. on the labour markets or in the family). Designed

in order to enhance individual autonomy by increasing

their chances of re-employment of citizens they often

encroach upon the citizen’s autonomous decisions on

their respective life plans.

The book project “The impact of activation strategies

on social citizenship” will illustrate the added value of

a perspective which focuses on citizens’ rights and

practises and undertake more in-depth analyses of

activation policies in some EU member states. The

more inherent fundamental transformation of basic social

policy rules will be made visible in terms of new

institutional rules, normative orientations and social

practises. Each contribution of the book will focus on

a typical aspect of activation policies and illustrate the

policies’ impact in the respective country.

Finanzierung

Eigenprojekt

EU-Network of Excellence Recwowe

Kooperation

Prof. Dr. Karin Gottschall, ZeS, Universität Bremen

(Projektleitung)

Prof. Dr. Sigrid Betzelt, Hochschule für Wirtschaft und

Recht

Karen Breidahl, DK

Sharon Wright, UK

Rik Van Berkel, NL

Marie-Thérèse Letablier, F

Anne Eydoux, F

Paolo Graziano, IT

Nanna Kildal, N

Even Nilssen, N

Begonia Eransus Perez

Kontakt

silke.bothfeld@hs-bremen.de

97

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

98 Die Sozialversicherung als Zukunftsmodell. Deutsche und internationale Perspektiven

Teilprojekt: Die Behandlung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten in der Sozialversicherung

– Ein internationaler Vergleich

Laufzeit

11/2009 - 02/2011

Projektleitung

Bothfeld, Silke, Prof. Dr.

Hübers, Sebastian, Mag. Pol.

Projektbericht

Das kontinentaleuropäische Sozialversicherungsmodell

stand, verglichen mit der Gestaltung sozialer Sicherung

in Form einer universellen Staatsbürgerversorgung

(skandinavisches Modell) oder nachrangig

gewährter Fürsorge (angelsächsisches Modell) in den

letzten Jahrzehnten besonders stark in der Kritik. Für

die einen ist es wegen seiner Beitragsfinanzierung

ein Standortnachteil in Zeiten der Globalisierung, für

andere verletzt es aufgrund der Lohnarbeitszentrierung

und der damit verbundenen Statusfortschreibung

grundlegende Aspekte sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlicher

Umverteilung: Vor allem sind Phasen

der Kindererziehung, Pflege, aber auch der Langzeitarbeitslosigkeit,

die oft unter dem Begriff der ‚neuen

sozialen Risiken’ thematisiert werden, in den Sozialversicherungen

nur unzureichend abgesichert.

Das Gesamtprojekt widmet sich der Frage, inwiefern

die Sozialversicherungssysteme den Veränderungen

standhalten bzw. wo jenseits des Krisendiskurses die

Stärken des Systems zu verorten sind und welche Zukunft

und Weiterentwicklungsmöglichkeiten die Sozialversicherung

in Deutschland eigentlich hat.

Das Teilprojekt untersucht im Besonderen das Problem

der unzureichenden Absicherung von Personen,

die sich der Pflege, Betreuung und Erziehung von Angehörigen

und Kindern widmen und dementsprechend

nicht durchgängig durch eigene kontinuierliche Beitragsleistungen

abgesichert sein können. Insofern ist

für die Weiterentwicklung der deutschen Systeme, v.a.

bei der Arbeitslosen- und Rentenversicherung, ferner

auch der Krankenversicherung, der Aspekt der Anerkennung

von Ausfallzeiten sowie die Anlagerung von

Grundsicherungsmechanismen innerhalb aber auch

außerhalb der Versicherungssysteme zu untersuchen.

Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit der Systeme

ist zudem die Frage relevant, in welchem Maße und

auf welche Weise die Ausfälle auf der Einnahmeseite

der Sozialversicherungssysteme kompensiert werden.

Der Vergleich mit drei anderen Ländern, die ebenfalls

dem konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsstaatstyp

zuzuordnen sind, Belgien, Frankreich und Österreich,

soll Aufschluss über alternative Instrumente des

Umgangs mit diesen Unterbrechungszeiten geben.

Geplant ist eine gemeinsame Buchpublikation in 2011

Finanzierung

Eigenprojekt und

Hans-Böckler-Stiftung

Kooperationspartner

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut in

der Hans-Böckler-Stiftung Düsseldorf

Dr. Simone Leiber

Dr. Claudia Bogedan

Dr. Eric Seils

sowie Kooperationspartner aus Belgien, Österreich

und Frankreich

Publikationen

Bogedan, C./ Bothfeld, S./ Leiber, S. (2009): Fragmentierung

des Bismarck'schen Sozialstaatsmodells?

Ein

Vorschlag zur Erfassung von Wandel in Sozialversicherungsländern.

In: Sozialer Fortschritt, Jg. 58, H. 5,

S. 102-109

Zukunftsmodell Sozialversicherung? Schwerpunktheft

der WSI-Mitteilungen 7/2009

Kontakt

silke.bothfeld@hs-bremen.de


Formation of European External Fisheries Policies

Laufzeit Projektbeteiligter

12/2008 - 10/2011 Dziemballa, Timo

Projektleiter

Osthorst, Winfried, Prof. Dr.

Projektbericht

Kurzfassung / Abstract

This research project will investigate the (trans-)formation

of European External Fisheries Policies with special

emphasis on the analysis of policy incoherences.

Ausgangslage und Relevanz / Background

The European external fleet fishing in non-Community

waters is a major contributor to the supply of the European

market in fishery products and supports the

maintenance of various employment opportunities.

The reverse of the medal is that external fisheries, for

example, are conducive to overfishing in the waters

of developing countries in West Africa, to which European

vessels have access conditional on bilateral fisheries

agreements. On top of adverse environmental

impacts, the overexploitation of living marine resources

thereby often imposes a variety of negative effects

on third countries’ economies and population. Consequently,

and in addition to counteracting objectives

of promoting sustainable fisheries on a global scale,

this problématique also frustrates practical terms and

aims of other European policies such as development

or environmental policy. From a European (political)

perspective, the prevalent incentive structures and deficient

fisheries governance, combined with a lack of

will and efforts to improve regulative and conservatory

mechanisms insofar represent intra-sectoral as well

as inter-sectoral incoherences of the external relations

under the European Common Fisheries Policy (CFP).

Zielsetzung des Projekts / Aim and objectives

The overarching aim of the present research is to contribute

to the understanding of policy (trans-)formation

regarding the European Union's relations to West African

countries in the context of the Common Fisheries

Policy as well as of prerequisites and determinants

for coherence of such policies (towards other sectoral

policies and their distinguished targets). In regard of

the genesis and status quo of bilateral fisheries agreements

it is therefore the aim to find out why European

External Fisheries Policies under the CFP are what

they are and why they neither consistently consider(ed)

nor systematically implement(ed) concerns and provisions

aiming at fostering policy coherence.

Subsequently, the objectives of the research are to:

1. describe the shape (status quo) of the CFP's relations

to West African countries.

2. identify actors, structures and processes relevant

for shaping such policies.

3. investigate the identified shape and shaping of such

policies, also in respect of their practical outputs and

implications. By the same token, this implies the analysis

of incoherences (concerning other sectoral policies)

in the shape of external fisheries policies (to come).

Forschungsdesign und Beschreibung der geplanten

Forschungsarbeit / Research design and preliminary

schedule

The research questions/objectives shall be approached

by applying document analysis and online-search

(primary and secondary sources), semi-structured

qualitative interviews with identified significant actors

as well as particpant observation at plenary sessions,

meetings or conferences. In accordance with the epistemic

interest of this study, EU polities, policies and

politics likewise constitute the main empirical focus of

the present study.

Initially, a preliminary analytical approach is going to

be skeletonized that may serve as an overarching

framework to be adapted, refined and elaborated during

the working process. In this context, institutional

analysis and discourse analysis will be combined to

explore (pre-) conditions and performances of the formulation

and (trans-)formation of EU External Fisheries

Policies.

As a result of document analysis and online-search, it

should be possible to deduce a first draft of discoursive

main threads on the genesis and status quo of External

Fisheries Relations (in the view of policy coherence)

and identify distinct contingencies, important milestones

and groundbreaking turning points. Furthermore,

the underlying legal and institutional framework, and

insofar the formal and procedural underpinnings, will

be investigated. Over the course of this process, it is

expected to deepen the understanding on significant

actors (coalitions) and their respective power, scopes

of influence and political motives and aims.

After that, a guide for interview questions with regard

to the qualitative interviews is going to be developed

and a first round of (exploratory) expert interviews with

identified significant actors will be conducted. According

to the results of these interviews, the interview

design and the list of significant actors might, as necessary,

be modified or appendixed.

To sum up, the chosen approach shall be applied to

develop a comprehension of the underlying contents,

events, contingencies, mechanisms and logics that

determine and shape the emergence and (co-)evolution

of European External Fisheries Policies. This includes

the crucial role of the interests of (networks and

coalitions) of actors and the effects of the political and

institutional framework, under which respective processes

and procedures of reasoning and negotiations,

decision making, policy choice and policy implementation

occur.

99

Fakultät 1

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Forschungsbericht 2010 / 2011

100 Finanzierung

Graduate School „Global Change in the Marine Realm“

(GLOMAR) / DFG

Projektpartner

Universität Bremen, artec, Prof. Dr. Michael Flitner

Kontakt

Prof. Dr. Winfried Osthorst

Tel.: 0421 5905 2592

E-Mail: Winfried.Osthorst@hs-bremen.de

Die Meeresschutzrichtlinie als Indikator für den aktuellen Entwicklungsstand umweltpolitischer

Regulierung im europäischen Mehrebenensystem

Laufzeit Projektbeteiligte

02/2009 - 02/2011 Maier, Nina, Dipl. Pol.

Projektleiter

Osthorst, Winfried, Prof. Dr.

Projektbericht

In diesem Projekt wird die Meeresschutzrichtlinie als

Komponente der europäischen Meerespolitik untersucht.

Ausgangslage und Relevanz

Durch Überfischung, Nährstoffeinträge, touristische

Nutzung und Klimawandel sind die europäischen Meere

in ihrem ökologischen Gleichgewicht stark bedroht.

In der 2008 erlassenen Meeresschutzrichtlinie reagiert

die Europäische Union auf diese Missstände, indem

ein integrierter Ansatz mit dem Ziel verfolgt werden

soll, die europäischen Meere bis 2021 in einen guten

Umweltzustand zu befördern. Die zuvor hohen Erwartungen

an die Richtlinie wurden jedoch nicht erreicht;

insbesondere wurden ehrgeizige Ziele wie genaue

Definitionen, Fristen und Implementationsspielräume

in der endgültigen Formulierung nicht umgesetzt.

Zielsetzung des Projekts

Zielsetzung des Projekts ist es, Erkenntnisse darüber

zu gewinnen, wie zentrale Probleme des Meeresschutz

adressiert werden, und wie Definitionen, Fristen

und Rechtsbegriffe zustande kamen. Zudem soll

der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die

Meeresschutzrichtlinie zu einer nachhaltigen europäischen

Meerespolitik leisten kann.

In Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand auf

dem Feld der europäischen Umweltpolitik ist zu analysieren,

wie mit den beiden widerstreitenden Zielen der

Europäischen Union „Wachstum“ und „Umweltschutz“

im Rahmen der Meeresnutzung umgegangen wird.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erörterung der

Vereinbarkeit der Meeresschutzrichtlinie mit mitglieds-

staatlicher Rechtssetzung. An dieser Stelle ist die

Analyse der europäischen Mehrebenenstruktur von

zentraler Bedeutung. Zusätzlich sollen zwei vertiefende

Fallstudien angefertigt werden. Als Protagonisten

unterschiedlicher Regulierungsansätze wurden hierfür

Großbritannien (Typ der prozessorientierter Regulierung)

und Deutschland (produktorientierter Regulierungsansatz)

ausgewählt.

Folgende Forschungsfragen stehen im Mittelpunkt:

1) Welche ökologischen Probleme bzw. Nutzungskonflikte

werden durch den gewählten Regulierungsrahmen

angesprochen bzw. nicht angesprochen?

2) Welche Akteure und politischen Ziele, sowohl auf

EU-, als auch auf mitgliedsstaatlicher Ebene, haben

die Entwicklung der EU-Meeresschutzstrategie und

die Auswahl der Regulierungsinstrumente maßgeblich

bestimmt?

3) Welchen Einfluss haben insbesondere die Akteurskonstellationen

und Konfliktlagen in Deutschland

und Großbritannien auf die Entwicklung der EU-Meeresschutzstrategie

und auf die Auswahl der Regulierungsinstrumente

gehabt?

Forschungsdesign und Beschreibung der geplanten

Forschungsarbeit

Diese Fragestellungen sollen durch Dokumentenanalyse

sowie qualitative Interviews beantwortet werden.

Da der zentrale Aspekt der Untersuchung die Analyse

der europäischen Ebene darstellt, liegt hier auch der

Fokus der Empirie. Ergänzend erfolgen diese Untersuchungen

auch auf britischer und deutscher Ebene.

In einem ersten Schritt soll ein Analyseraster für die

empirische Untersuchung entwickelt werden, das als

Grundlage und Struktur der empirischen Arbeit dienen

soll. Dieses Raster soll mit Hilfe des Policy-Arrange-


ment-Ansatzes gerahmt und durch diskursanalytische

Elemente komplettiert werden. Hierauf folgt die Erstellung

eines Interviewleitfadens für die qualitativen

Interviews.

Als Ergebnis der Dokumentenanalyse werden zunächst

vertiefende Erkenntnisse über relevante Akteure,

deren Einflussmöglichkeiten und politischen

Zielsetzungen erwartet. Ergebnis dieses Untersuchungsschrittes

soll die Identifikation der vorherrschenden

mitgliedsstaatlichen Positionen, dominanter

Diskurse und markanter Wendepunkte während der

Entstehung der Richtlinie sein.

Ein weiteres Element der Empirie stellen die Fallstudien

in Großbritannien und Deutschland dar. Hier sollen

insbesondere die nationalstaatlichen Regelungen

und Strukturen sowie politischen Konflikte untersucht

werden, um zum einen Erkenntnisse darüber zu gewinnen,

durch welchen politischen Hintergrund die

vertretenen Positionen der Mitgliedsstaaten innerhalb

der Verhandlungen auf EU-Ebene beeinflusst werden;

zum anderen lassen sich darüber hinaus auch Rückschlüsse

auf die Erklärungskraft europäischer Integrationstheorien

im Allgemeinen ziehen.

Nach Vorliegen der Ergebnisse dieser ersten Auswertung

ist eine Identifikation der relevanten Akteure

möglich, mit denen im Anschluss Experteninterviews

durchgeführt werden.

Zusammengefügt sollen diese Elemente Aufschluss

darüber geben, welche Prozesse die Entwicklung der

Meeresschutzrahmenrichtlinie begleitet haben und

von welchen Interessen deren Gestaltung hauptsächlich

geprägt war.

Finanzierung

Hochschule Bremen

Kooperationspartner

Es besteht eine Zusammenarbeit mit der "Bremen International

Graduate School Global Change in the Marine

Realm (Glomar)", in deren Rahmen die Promotion

eingebunden ist.

Kontakt

Prof. Dr. Winfried Osthorst

Tel: 0421 5905 2592

E-Mail: winfried.osthorst@hs-bremen.de

Dipl. Pol. Nina Maier

Tel: 0421 5905 3298

E-Mail: nina.maier@hs-bremen.de

Verbundprojekt: Nordwest 2050 - Perspektiven für klimaangepasste Innovationsprozesse in

der Metropolregion Bremen-Oldenburg

Teilprojekt „Cluster Hafen und Logistik“

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2009 - 01/2014 Thomas Schwarzer, M.A.

Projektleiter

Osthorst, Winfried, Prof. Dr.

Projektbericht:

Die Metropolregion Bremen-Oldenburg wird aufgrund

ihrer besonderen Verletzlichkeit gegenüber den Folgen

des Klimawandels als eine von mehreren Modellregionen

in Deutschland im Rahmen der Fördermaßnahme

"Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten

(KLIMZUG)“ vom Bundesministeriums für Bildung und

Forschung (BMBF) für fünf Jahre mit Forschungsgelder

unterstützt. Die Fördermaßnahme KLIMZUG

verfolgt das Ziel, die zu erwartenden Änderungen im

Klima und seine extremen Wetterausprägungen in

regionale Planungs- und Entwicklungsprozesse zu

integrieren. Auf diese Weise soll die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit

von Regionen erhöht und die Entwicklung

und Nutzung neuer Technologien, Verfahren

und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel in

Regionen vorangetrieben werden.

Das praxisorientierte Verbundprojekt NordWest 2050

zielt auf klimaangepasste Innovationen in der Metropolregion

Bremen-Oldenburg. Im Zentrum stehen die

unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels in der

Region und diejenigen Wirkungen, die sich erst vermittelt

über deren weltweite Vernetzung auf die Region

auswirken. Entwickelt werden sollen mittel- und lang-

101

Fakultät 1

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Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

102 fristige Anpassungsstrategien für zentrale Wirtschaftssektoren

und Infrastrukturen, die in einem besonderen

Maße vom Klimawandel betroffen sind und zugleich

von entscheidender ökonomischer Bedeutung für die

gesamte Metropolregion:

• Hafen- und Verkehrswirtschaft / Logistik (ca.

150.000 Beschäftigte)

• Energiewirtschaft (ca. 23.000 Beschäftigte)

• Nahrungs- und Genussmittelindustrie (ca. 140.000

Beschäftigte)

Das Teilprojekt „Hafen und Logistik“

Im Rahmen des Teilprojektes „Hafen und Logistik“

werden für dieses Wirtschaftscluster die Verletzlichkeiten

(Vulnerabilitäten) durch den Klimawandel analysiert,

Innovationschancen ermittelt und konkrete Innovationsvorhaben

angestoßen.

Das Ziel dieser Analysen und Maßnahmen ist die

Verbesserung der Anpassungsfähigkeit des für die

Region besonders wichtigen, aber auch besonders

gefährdeten Clusters „Hafen und Logistik“ an die regionalen

und globalen Folgen des Klimawandels. Weil

die Folgen des Klimawandels in umfassender Weise

die globalen Transportwege, die internationalen Warenströme

und die Rohstoffversorgung der regionalen

Wirtschaft betreffen, lassen sie sich nicht allein auf die

Küsten- und Hafengebiete der Metropolregion begrenzen.

Entscheidend für die Zukunft wird deshalb die Fähigkeit

sein, unter Bedingungen der Unsicherheit zu einer

grundlegenden Verbesserung der regionalen Reaktionsfähigkeit

und Flexibilität zu gelangen (Resilienz).

Um diese zu erreichen sind die folgenden Schritte vorgesehen:

1. Kooperation mit zentralen und innovativen Unternehmen,

Kompetenzzentren sowie staatlichen

Einrichtungen. Mit diesen regionalen Akteuren

werden, auf der Grundlage einer Analyse regionaler

Verletzlichkeiten (Vulnerabilitätsanalyse),

erforderliche Anpassungsmaßnahmen an den

Klimawandel analysiert und initiiert. Dazu dienen

vertraglich festgelegte Kooperationen mit dem Institut

für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL),

mit Bremenports und mit der Wirtschaftsförderung

des Landkreises Wesermarsch.

2. Aufbauend auf die Ergebnisse der Vulnerabilitäts-

analyse wird, in enger Kooperation mit den Akteursnetzen

und Kompetenzzentren des Clusters

„Hafen und Logistik“, eine Innovationspotentialanalyse

durchgeführt. Bereits existierende oder in

der Entstehung befindliche Technologie- und Problemlösungspotentiale

sollen erhoben, gebündelt

und zu einer nachhaltigen Innovationsstrategie für

das Cluster verdichtet werden. Technische und

institutionelle Innovationen sind ebenso das Ziel,

wie die Identifizierung von Zukunftsmärkten.

3. Am Ende des Gesamtprojektes fließen die Ergebnisse

der Teilprojekte in einen langfristigen

Fahrplan zur Klimaanpassung ein ("Roadmap of

Change"), der für die gesamte Metropolregion

Bremen-Oldenburg mit einem Zeithorizont bis

2050 entwickelt werden soll.

Forschungsinstitut

GLOKAL, Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit im Globalen

Wandel, Hochschule Bremen

Projektkonsortium

Metropolregion Bremen-Oldenburg

Universität Bremen (artec)

Hochschule Bremen (GLOKAL)

Universität Oldenburg (Centos)

Econtur (Sustainability Center Bremen)

BioConsult (Schuchardt & Scholle)

Teilprojektpartner „Hafen und Logistik“

Institut f. Seeverkehrswirtschaft u. Logistik

Bremenports GmbH & Co. KG

Niedersachsenports GmbH & Co. KG

Wirtschaftsförderung LK Wesermarsch

Finanzierung

Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt e.V. (DLR),

in der Funktion als Projektträger für das Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF)

Kontakt

Prof. Dr. W. Osthorst / 0421-5905-2592

Dr. Joachim Nibbe / 0421-5905-2768

Hochschule Bremen

Fakultät 3

Neustadtwall 30

28199 Bremen

E-Mail: Winfried.Osthorst@hs-bremen.de

E-Mail: Thomas.Schwarzer@hs-bremen.de


Soziale Nachhaltigkeit und CSR in deutschen transnationalen Unternehmen

Laufzeit Projektbeteiligter

06/2008 - 05/2010 Wassermann, Dirk, Dr.

Projektleiterin

Zimpelmann, Beate, Prof. Dr.

Projektbericht

"Soziale Nachhaltigkeit und CSR

in deutschen transnationalen Unternehmen – Arenen,

Akteure, Prozesse"

1. Forschungsinstitut:

Das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit im Globalen

Wandel (GLOKAL) der Hochschule Bremen und das

Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

(IÖW) führen ein Forschungsprojekt zum Thema Corporate

Social Responsibility (CSR) bzw. gesellschaftliche

Verantwortung von deutschen, transnationalen

Unternehmen durch. Die Leitung des zweijährigen anwendungsorientierten

Projekts obliegt GLOKAL / Frau

Prof. Dr. Beate Zimpelmann.

2. Projektdarstellung und Design:

Der global weiter zunehmende Wettbewerb zwischen

Volkswirtschaften, wie auch Unternehmen hat in den

1990er Jahren zunächst zu einer Deregulierung und

Flexibilisierung von Produktions-, Handels- und Arbeitsbedingungen

geführt.

Rechtswidrige Vergehen wie Anlagenbetrug, Untreue,

Umweltschädigungen u.v.m. durch Unternehmen

selbst hingegen aber haben seither auch eine ebenso

globalisierte Öffentlichkeit kritisch für unternehmerisches

Handeln sensibilisiert: Hier bestimmt die ökologische,

soziale und ökonomische Nachhaltigkeit, nach

der keine Generation die Ressourcen nachfolgender

Generationen verbrauchen darf, das Leitbild einer international

vielfältigen Diskussion. Diese „Triple Bottom

Line“ wird für Unternehmen als „Corporate Social

Responsibility (CSR)“ konkretisiert.

Tatsächlich macht sich in Unternehmen ein sozialer

und ökologischer Handlungsbedarf an beispielhaften,

aber miteinander verwobenen Themen wie Corporate

Governance / gute Unternehmensführung, Klimaschutz,

Zukunft der Mobilität oder demographischer

Wandel, Gender, Diversity, Fair Trade u.v.m. bemerkbar.

Deutschland wirkt im Lichte seiner historischen „Sozialen

Marktwirtschaft“ mit deren klassischer „Mitbestimmungsarena“

der Sozialpartner (vgl. Müller-Jentzsch)

zunächst scheinbar gut aufgestellt.

Das vorliegende Projekt geht der Frage nach, ob und

inwieweit diese gesetzlich verbindliche Arena auch

unter den Bedingungen des „Global Village“ erhalten

bleibt – und ob sie durch eine neue, i.d.R. unternehmensspezifische

„CSR-Arena“ verschiedener Akteure

ergänzt, relativiert oder gar verdrängt wird. Denn bei

„CSR“ handelt es sich um freiwillige, soziale und ökologische

Projekte, die in die unternehmerische Tätig-

keit und die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern

integriert werden (vgl. EU-Definition).

So werden die konzernweiten Grundlagen und Prozesse

zur Entwicklung und Umsetzung von unternehmensspezifischen

CSR-Strategien und -Projekten in

global aktiven deutschen Unternehmen zum ersten

Untersuchungsgegenstand. Grundlagen hierfür sind

eine Dokumentenanalyse aus Informationen der Unternehmen

selbst sowie weiterer Akteure.

Anschließend werden die Interessen, Aktivitäten und

die Zusammenarbeit der beteiligten, unternehmensinternen

und -externen Akteure (z. B. Nichtregierungsorganisationen

/ NGOs) sowie die erreichten Ergebnisse

in zunächst 12 Kurzfallstudien beispielhaft analysiert.

Dies geschieht zunächst durch leitfadengestützte Interviews

zu Themen wie (z.B.) Lohn- und Arbeitsbedingungen,

Chancengleichheit, Klimaschutz, Energiemanagement

u.v.m. - bspw. mit der Unternehmensleitung,

den Verantwortlichen für die Bereiche Nachhaltigkeit

bzw. CSR, Personal, Umwelt- oder Arbeitsschutz, den

Betriebsräten, ggf. Euro- und Weltbetriebsräten sowie

NGOs.

In diesen Untersuchungen stehen Fragen nach dem

jeweiligen Auslöser der Initiativen, den Beteiligten, ihren

Interessen und Positionen, der Art und Intensität

der Zusammenarbeit sowie den diesbezüglichen Veränderungen

im Zentrum des Interesses. Dabei wird

außerdem auf sozialwissenschaftliche Instrumente

wie die Netzwerkkarte zurückgegriffen, um die Kenntnisse

und Erfahrungen der Akteure zu strukturieren

und zu visualisieren.

Die angesprochenen Themen werden dann in vier Intensivfallstudien

mit außenstehenden Stakeholdern

weiter vertieft.

Durch die vergleichende Auswertung der Ergebnisse

sollen mögliche Muster in der Herangehensweise und

Zusammenarbeit der Akteure herausgearbeitet, die

Chancen und Risiken sowohl für den Erfolg der Initiativen

als auch für die Beteiligten bewertet sowie das

Verhältnis zwischen den Arenen von „Mitbestimmung“

und „CSR“ in eine Gesamtentwicklung eingeordnet

werden.

Daraus ergeben sich Handlungsempfehlungen insbesondere

für ArbeitnehmerInnenvertretungen, wie auch

für Beschäftigte und weitere Stakeholder insgesamt.

Geeignete Foren hierfür bieten Fachtagungen, Workshops,

Zwischenberichte und ein Handlungsleitfaden.

103

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Forschungsbericht 2010 / 2011

104 3. Fördermittel

Mit Blick auf sein grundsätzliches und richtungsweisendes

Potential insbesondere für ArbeitnehmerInnenvertretungen

wird das Projekt durch die Hans-

Böckler-Stiftung gefördert.

Finanzierung

Hans-Böckler-Stiftung

Hans-Böckler-Straße 39

40476 Düsseldorf

Telefon: +49 211 7778 0

Telefax: +49 211 7778 120

zentrale@boeckler.de

www.boeckler.de

Kooperationspartner

Jana Gebauer

Katrin Vitols

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

GmbH, gemeinnützig

Forschungsfeld Ökologische Unternehmenspolitik

Potsdamer Str. 105

10785 Berlin

Tel.: +49 (0)30 88 45 94 - 38

Fax: +49 (0)30 88 25 439

Kontakt

Prof. Dr. Beate Zimpelmann (Projektleitung)

Dr. Dirk Wassermann

Hochschule Bremen / GLOKAL - Kompetenzzentrum

Nachhaltigkeit im globalen Wandel

Neustadtswall 30

28199 Bremen

Tel.: +49 421 5905-4285/-2727

Fax: +49 421 5905-4286

beate.zimpelmann@hs-bremen.de

dirk.wassermann@hs-bremen.de

http://www.ispm-bremen.de


Chancen und Grenzen der Zertifizierung von Biokraftstoffen

Laufzeit Projektbeteiligte

02/2009 - 02/2012 Mohr, Anna

Projektleiterin

Zimpelmann, Beate, Prof. Dr.

Projektbericht

Chancen und Grenzen der Zertifizierung von Biokraftstoffen

– Auswirkungen europäischer Biokraftstoffpolitik

auf lokaler Ebene

In den letzten Jahren wurde die auf nationaler sowie

auf EU Ebene eingeschlagene Richtung in der Biokraftstoffpolitik

einer kontroversen Debatte unterzogen.

Sozial und ökologisch bedenkliche Auswirkungen

der Produktion des pflanzlichen Kraftstoffs in verschiedenen

Erzeugerländern erfordern eine Wende

der eingeschlagenen Politik hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Von Mai bis Juni 2007 rief die EU Kommission

zu einem öffentlichen Konsultationsprozess auf und

zeigte sich bereit die angestrebte Strategie zur Festlegung

verpflichtender Beimischungsquoten zu überdenken.

Nun liegt ein neuer Vorschlag der Kommission

für eine Richtlinie für erneuerbare Energien vor,

der vom Europäischen Parlament im Dezember 2008

verabschiedet wurde und bis zum Jahr 2010 in Kraft

treten soll. In diesem Dokument schreibt die Kommission

Nachhaltigkeitskriterien vor, die der Produktion

von Biokraftstoffen zugrunde gelegt werden müssen,

wenn sie auf die verpflichtende Beimischungsquote

von 5,75% bis 2010 angerechnet werden sollen. Bis

zum Jahr 2010 müssen diese Treibstoffe ein Treibhausgasminderungspotential

von 35% erreichen, ab

dem Jahr 2017 soll dies auf 50% erhöht werden. Die

Umwandlung von Fläche mit einem hohen Kohlenstoffanteil

soll somit ausgeschlossen werden. Zum

Schutz der Biodiversität darf kein Rohstoff verwendet

werden, der auf einer vorherigen Waldfläche angebaut

wurde oder aus Schutzgebieten stammt. Anforderungen

auf der sozialen Ebene schließen sich an die ILO

Kernarbeitsnormen an. Weiterhin will die Kommission

darüber berichten, wie sie die bestehende Konkurrenz

zur Nahrungsmittelherstellung behandeln wird.

Kontrolliert werden diese Kriterien durch von der EU

Kommission anerkannte Zertifizierungssysteme, die

teilweise bereits im Aufbau sind.

Dieses Forschungsprojekt beschäftigt sich einerseits

mit der politischen Entstehungsgeschichte von Nachhaltigkeitskriterien

für Biokraftstoffe auf EU Ebene

und untersucht des Weiteren die Auswirkungen der

induzierten Politik in einer Feldstudie in Brasilien. Den

theoretischen Leitrahmen dieser Mehrebenenanalyse

bietet der Ansatz der Politischen Ökologie, der auch

forschungsleitend zur Analyse der beteiligten Akteure

verwendet wird. Im Sinne von Global Governance wird

die Kooperation von staatlichen und nicht-staatlichen

Akteuren zur Lösung globaler Umweltprobleme analysiert.

Dabei werden die Legitimations- und Effektivitätsbedingungen

untersucht, denen die Einführung

von Produktionsstandards unterliegt.

Folgende zentrale Fragestellungen sollen untersucht

werden:

1. Welche Interessen haben zu dem neuen Vorschlag

der EU Richtlinie geführt und wie spiegeln sich diese

im politischen Prozess wieder?

2. Wie verläuft der Prozess der Standardentwicklung?

Wie kann der Entscheidungsfindungsprozess, an dem

unterschiedliche Akteure beteiligt sind, effektiv zu einer

Problemlösung beitragen? Welche Koordinationshürden

sind zu überwinden?

3. Welche Folgen ergeben sich aufgrund der Aushandlung

von Produktionsstandards auf die betroffenen

Akteure der Wertschöpfungskette von zertifizierter

Biomasse? Beispielgebend untersucht an einer lokalen

Feldstudie.

Dieses Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, eine

Aussage darüber machen zu können, welche Prozesse

zur nachhaltigen Produktion von Biokraftstoffen im

Sinne des Vorschlags für eine erneuerbare Energien

Richtlinie geführt haben und welche Auswirkungen

dies auf lokale Produktionsverhältnisse, aufgeführt

anhand eines beispielhaften Standards, hat.

Finanzierung

Drittmittelprojekt

Kontakt

Prof. Dr. Beate Zimpelmann

Fakultät Gesellschaftswissenschaften

Internationaler Studiengang Politikmanagement

www.ispm-bremen.de

beate.zimpelmann@hs-bremen.de

Fon: +49 421 5905-4285

Fax: +49 421 5905-4286

Sekretariat:+49 421 5905-3171

Anna Mohr

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

GLOKAL – Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit im Globalen

Wandel

www.nachhaltigkeit.hs-bremen.de

anna.mohr@hs-bremen.de

Fon: +49-421-59053299

Mobil: +49-176-53167984

105

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

106 Berufsperspektiven in der Sozialen Arbeit

Laufzeit

seit 01/2004 fortlaufend

Projektleiter

Spatscheck, Christian, Prof. Dr.

Prof. Dr. Konrad Maier (EH Freiburg)

Projektbericht

Fortlaufende Erfassung und Analyse der aktuellen

Beschäftigen- und Absolventenzahlen der Profession

Soziale Arbeit in Deutschland (Bisherige Stichpunkte:

2004/2006/2008/2010). Sekundärdatenanalyse basierend

auf der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur

für Arbeit und der Erwerbstätigenstatistik des Statistischen

Bundesamtes (Mikrozensus). Analyse und

Diskussion der aktuellen Berufsperspektiven in der

Sozialen Arbeit und der Konsequenzen für Lehre und

Profession.

Fortlaufendes Kooperationsprojekt mit Prof. Dr. Konrad

Maier, EH Freiburg.

Bisherige Veröffentlichungen der Ergebnisse:

- Für 2010: Datenmaterial momentan in Endauswertung,

geplante Veröffentlichung in Sozial Extra,

Oktober 2010

- 2008 als Datenmaterial zum Forschungsprojekt

Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit

Laufzeit

01/2007 - 08/2009, zukünftige Weiterführung

Projektleiter

Spatscheck, Christian, Prof. Dr.

Prof. Dr. Ernst Engelke (FH Würzburg)

Prof. Dr. Stefan Borrmann (FH Landshut)

Projektbericht

Überarbeitung der Standardwerke und Lehrbücher

„Theorien der Sozialen Arbeit“ und „Die Wissenschaft

Soziale Arbeit“ gemeinsam mit Ernst Engelke und Stefan

Borrmann. Prüfung, Aktualisierung von Weiterentwicklung

bestehender Inhalte anhand des aktuellen

Forschungs- und Diskussionsstands in nationalen und

internationalen Debatten.

Gemeinsame Neuveröffentlichungen als:

- Engelke, Ernst/ Spatscheck, Christian/ Borrmann,

Stefan (2009): Die Wissenschaft Soziale Arbeit. Werdegang

und Grundlagen. Lambertus Verlag, Freiburg

im Breisgau, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage

- Engelke, Ernst/ Borrmann, Stefan/ Spatscheck,

Christian (2008/2009): Theorien der Sozialen Arbeit.

Eine Einführung. Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau,

4. bzw. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage.

(http://www.efh-freiburg.de/download/Materialien_

zur_Entwicklung_des_Arbeitsmarktes.pdf).

-2006 in: Sozial Extra, 11/2006, S. 26-33.

-2004 in: NDV – Nachrichtendienst des Deutschen

Vereins, 5/2005, S. 165-172.

Finanzierung:

Eigenmittel, Förderung vom Fachbereichstag Soziale

Arbeit (angefragt)

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Konrad Maier, EH Freiburg

Fachbereichstag Soziale Arbeit

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Spatscheck

Tel. +49 421 59052762

E-Mail: christian.spatscheck@hs-bremen.de

Finanzierung:

Eigenmittel, Förderung durch den Lambertus Verlag

Kooperationspartner:

Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit, Sektion Theorie-

und Wissenschaftsentwicklung, diverse FachkollegInnen

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Spatscheck

Tel. +49 421 59052762

E-Mail: christian.spatscheck@hs-bremen.de


Evaluation des Bremer Patenschaftsmodells für Kinder psychisch kranker Eltern

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2008 - 06/2009 Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung e.V.

(BISA+E) und die Hochschule Bremen

Projektleiter

Wagenblass, Sabine, Prof. Dr.

Schreier, Maren

Wüst, Thomas, Prof. Dr.

Projektbericht:

Am 1.8.2004 wurden in Bremen „Patenschaften für

Kinder psychisch kranker Eltern“ in das Leistungsangebot

des Amtes für Soziale Dienste aufgenommen

und in die Trägerschaft von PiB übergeben. Die Grundidee

ist, für das Kind außerhalb der Familie ein kontinuierliches

Beziehungsangebot zu schaffen und ihm

zu ermöglichen, in Belastungssituationen ausweichen

zu können. Die Patenfamilien sollen verlässlichen

Schutz und Sicherheit für das Kind bieten. Gleichzeitig

werden die Mütter/Eltern von ihrer Verantwortung dem

Kind gegenüber entlastet und erfahren Unterstützung

in der Kindererziehung und -betreuung im sozialen

Nahraum. Ziel der Evaluation war es, nach 4 Jahren

Laufzeit eine Bilanz zu ziehen und herauszuarbeiten,

welche beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen

das Angebot Patenschaften für Kinder psychisch

kranker Eltern aus der Perspektive der beteiligten Personen

und Institutionen erzielt, wo die Grenzen sind

und wo es Potenziale der Weiterentwicklung gibt.

Um diese Fragen beantworten zu können, wurden leitfadengestützte

Interviews mit den betroffenen Eltern,

Mitarbeiter/-innenbefragung der Werkstatt Bremen

PatInnen, CasemanagerInnen sowie den MitarbeiterInnen

bei PiB geführt, Akten der Familien analysiert,

teilnehmende Beobachtungen bei den PatInnentreffen

sowie eine standardisierte Befragung bei den CasemanagerInnenm

durchgeführt.

Die Ergebnisse bestätigen das Modell, weisen aber

auch auf die vielfältigen Anforderungen an alle Beteiligte

aus.

Der Abschlussbericht kann abgerufen werden unter:

http://www.bisa-bremen.de/index.php?Forschung-2

Finanzierung:

Amt für Soziale Dienste Bremen

Kontakt:

Prof. Dr. Sabine Wagenblass

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Studiengang Soziale Arbeit

Neustadtswall 30

28199 Bremen

sabine.wagenblass@hs-bremen.de

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2006 bis 03/2007 52 Studierende des Bachelor-Studiengangs

Soziale Arbeit

Projektleiter

Dr. Ursula Blömer (LB)

Dr. Dieter Brinkmann (LB)

Dr. Brigitte Ziehlke (LfbA)

Projektbericht

Hintergrund der Mitarbeiter/innenbefragung im Bremer

„Martinshof“ - einer der größten Werkstätten für

Menschen mit Behinderung in Deutschland - ist die

Veränderung der Sozialgesetzgebung und die Einführung

eines „Persönlichen Budgets“. Die Werkstatt-Mitarbeiter/innen

erhalten damit größere Freiheitsgrade

bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Im

Mittelpunkt der Studie steht die Zufriedenheit der psychisch

und geistig beeinträchtigten Mitarbeiter/innen

mit verschiedenen Aspekten „ihrer“ Werkstatt. In der

Vollerhebung konnten 1.097 Mitarbeiter/-innen und

damit 65% aller Beschäftigten in Face-to-face-Befragungen

(standardisierte Interviews) erreicht werden.

Zusätzliche Leitfadeninterviews mit ausgewählten

Personen, die inhaltsanalytisch ausgewertet wurden,

ergänzen die statistischen Ergebnisse mit qualitativen

Aussagen.

Erhebungsschwerpunkte waren:

1. Zufriedenheit und Wünsche der Mitarbeiter/-innen

im Bereich „Arbeit“ (Arbeitsangebote, Arbeitsplatz,

räumliches Umfeld und berufliche Perspektiven)

2. Zufriedenheit der Mitarbeiter/-innen mit dem jeweiligen

„Sozialen Umfeld“ (Betriebsklima, Betreuung,

Personal, Therapieangebote)

3. Zufriedenheit mit den bisherigen „Fortbildungsangeboten“

und weitere Wünsche (berufliche Qualifizierungsmaßnahmen,

arbeitsbegleitende Maßnahmen

und Mitwirkungsmöglichkeiten)

107

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

108 4. Zufriedenheit mit dem „Service“ und zukünftige

Wünsche (Angebote der Kantinen, Fahrdienst, Arbeits-

und Wegezeit, Versorgung)

Die nach einzelnen Werkstätten, Alter und Geschlecht

differenzierten Daten und die vertiefenden Leitfadeninterviews

bieten eine Grundlage für die weitere Qualitätsentwicklung

des Werkstattangebots.

Die Forschungsergebnisse wurden im Mai 2007 öffentlich

präsentiert. Der Forschungsbericht ist im Internet

veröffentlicht.

Finanzierung

Werkstatt Bremen

Eigenbetrieb der Stadtgemeinde Bremen

Hoffmannstr. 11

28201 Bremen

Kooperationspartnerinnen

Marlies Kawohl (Werkstatt Bremen-Stellv. Geschäftsführerin)

Brigitte Astroth (Werkstatt Bremen-Zentrale Rehabilitation)

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

„Good Practice in Tenever“ - Eine standardisierte Experten- und Expertinnenbefragung im

Kontext von Sozialer Arbeit und Quartiersmanagement

Laufzeit Projektbeteiligte

06/2007 bis 11/2008 Maren Schreier und Studierende des Bachelor-

Studiengangs Soziale Arbeit

Projektleiterin

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Im Sommer 2007 wurden anhand eines neu entwickelten

standardisierten Fragebogens 139 professionelle,

semi-professionelle und ehrenamtliche Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen in ausgewählten Einrichtungen

und Projekten in Tenever Osterholz zu ihrer Praxis

„guter“ Sozialer Arbeit befragt, um erste Antworten auf

folgende zentrale Fragen zu erhalten:

• Wie und unter welchen Voraussetzungen kann Quartiersmanagement

„Zugang“ zu der Lebenswirklichkeit

der BewohnerInnen („Alltagsnähe“) finden?

• Wie kann Quartiersmanagement mit den BewohnerInnen

in Dialog treten bzw. diesen in unterschiedlichen

Kontexten fördern?

• Wie kann Quartiersmanagement eine selbstbestimmte

und selbstbewusste Handlungsfähigkeit und

Lebensgestaltung der BewohnerInnen unterstützen

und fördern (Handlungsmöglichkeiten schaffen)?

• Welche Konsequenzen/Handlungsparadigmen lassen

sich daraus ableiten?

Die Befragung brachte erste Erkenntnis für folgende

Bereiche:

• Umgang mit der Klientel / Bewohnerorientierung

• Alltagsnähe der Angebote und

• Professionalität der praktischen Arbeit

Die exemplarische diagnostische Vorstudie half bei

der Erschließung eines weitgehend noch unbekannten

Forschungsfeldes „Guter Praxis“ in der Sozialen

Arbeit. Neben univariaten Ergebnissen wurden auch

Zusammenhänge zwischen ausgewählten Variablen

(bivariate Muster) untersucht.


Der Forschungsbericht wurde im November 2008 im

Internet veröffentlicht.

Finanzierung:

BISA +E e.V., Lehrforschungsfonds

Kooperationspartner:

BISA+E e.V., Quartiersmanagement Osterholz-

Tenever

Kontakt:

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

Maren Schreier

Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung

(BISA+E e.V.)

c/o Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

E-Mail: bisa-e@hs-bremen.de

Mitarbeiter/Mitarbeiterinnenbefragung der „Lebenshilfe Bremerhaven“ - 2008

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2008 bis 07/2009 Kai Bruns und Studierende des Bachelor-

Studiengangs Soziale Arbeit

Projektleiterin

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Seit der Einführung des neunten Sozialgesetzbuches

im Jahre 2001 vollzieht sich in der Behindertenpolitik

ein Paradigmenwechsel von der Fürsorge und Versorgung

hin zur Teilhabe und Selbstbestimmung behinderter

Menschen, der durch den Rechtsanspruch auf

ein persönliches Budget noch einmal eine besondere

Richtung erhält: Aus „Leistungsempfänger/innen“ werden

„Kunden/innen“, die benötigte Dienst- und Unterstützungsleistungen

einkaufen und bezahlen können

und damit eventuell selbst bestimmen, wer wann welche

Unterstützungsleistungen erbringen soll und wie

diese Leistungen konkret auszugestalten sind. Dieser

Wandel von der „Versorgung“ zur „Dienstleistung“ fordert

von den Werkstätten für behinderte Menschen

eine stärkere „Markt“-Orientierung, bei der die Zufriedenheit

der Mitarbeiter /innen eine immer größere Rolle

spielt: Als mögliche Budgetnehmer/innen können

sie benötigte Dienstleistungen bei der Werkstatt einkaufen,

aber auch Gelder kürzen, wenn die erwarteten

Leistungen nicht oder nur unzureichend ihren Anforderungen

entsprechen. Das Qualitätsmanagement muss

daher verstärkt klären, welche Leistungen nachgefragt

werden, welcher Förderbedarf real besteht und welche

Wünsche oder Ziele die behinderten Beschäftigten in

der Werkstatt oder auch hinsichtlich einer Beschäftigung

auf dem ersten Arbeitsmarkt äußern. Dies herauszufinden,

war erklärtes Ziel der standardisierten

und qualitativen Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnenbefragungen,

die Studierende der Sozialen Arbeit an der

Hochschule Bremen für die Lebenshilfe Bremerhaven

e.V. im Sommer 2008 durchgeführt haben.

Im Rahmen einer Vollerhebung wurden mit einem

standardisierten Fragebogen die Bewertungen und

Wünsche von 169 Mitarbeiter/innen (48%) aus den

Berufsbildungs- und Arbeitsbereichen der Lebenshilfe

Bremerhaven durch Face-to-face-Befragungen erfasst.

Neben der Auswertung und Dokumentation der

Befragungsergebnisse wurden differenzierte Analysen

im Zusammenhang mit der Geschlechtszugehörigkeit,

dem Alter und anderen Variablen durchgeführt. Die

Leitfadeninterviews dienten dazu die statistischen

Ergebnisse durch subjektive Bewertungen und Wünsche

qualitativ zu ergänzen bzw. zu vertiefen. Zentral

ist dabei die Zufriedenheit der behinderten Mitarbeiter/innen

mit „ihrer“ Werkstatt: Wie beurteilen sie die

Arbeitsanforderungen und die Arbeitsbedingungen?

Welche Kritik, welche Wünsche äußern sie bezogen

auf die Begleitangebote, die Freizeitangebote und die

Serviceleistungen? Inwiefern fühlen sie sich der Lebenshilfe

Bremerhaven als ihrer Arbeitgeberin und als

einem ihrer alltäglichen Lebensorte verbunden?

109

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

110 Die differenzierten Daten und Ergebnisse der inhalsanalytisch

ausgewerteten Leitfadeninterviews bieten

eine Grundlage für die weitere Qualitätsentwicklung

des Werkstattangebots.

Die Forschungsergebnisse wurden im September

2009 den Beteiligten präsentiert. Der Forschungsbericht

ist im Internet veröffentlicht

Finanzierung

Lebenshilfe Ortsvereinigung Bremerhaven e.V.

Adolf-Kolping-Straße 29

28578 Bremerhaven

Kooperationspartner

Thorsten Strüver (Lebenshilfe Bremerhaven e.V.)

BISA+E e.V.

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung

(BISA+E e.V.)

c/o Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

bisa-e@hs-bremen.de

Erste Studierendenbefragung im Studiengang Soziale Arbeit B.A. der Hochschule Bremen

2008 - Soziale und wirtschaftliche Lage, Studienmotivation, Bewertung des Studiums, Berufs-

und Weiterbildungsperspektiven

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2008 bis 03/2010 Marie Seedorf und Studierende des Bachelor-

Studiengangs Soziale Arbeit

Projektleiterin

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Im Mai und im Juni 2008 wurden die ersten Jahrgänge

des neu eingerichteten Bachelorstudienganges

Soziale Arbeit mit einem standardisierten Fragebogen

schriftlich befragt. Auftraggeber war die Studienkommission

des Bachelorstudienganges Soziale Arbeit.

57% der zu diesem Zeitpunkt eingeschriebenen Studierenden

konnten durch die Befragung erreicht werden.

Die erhobenen Daten bieten eine Grundlage zur Evaluation

und Weiterentwicklung sowie für mögliche

inhaltliche Änderungen in der Lehre. Des Weiteren

liefert die Befragung auch Daten für die Entwicklung

eines konsekutiven Masterstudienganges Sozialer Arbeit.

Im Einzelnen ermittelte der Fragebogen Angaben zu

folgenden Themenbereichen:

• Motivation, Einstellung und weitere allgemeine Angaben

zum Studium

• Angaben zur Vorbildung und zur Zeitspanne zwischen

Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung

und dem Studienbeginn

• Erwartungen an das Studium und den Beruf Sozialer

Arbeit

• Allgemeines und fachspezifisches Interesse an einem

Masterstudium sowie Angaben über eigene finanzielle

Grenzen und Mobilitätseinschränkungen

• Bewertungen der Organisation und der Lehre sowie

der Leistungsanforderungen im Studium

• Angaben zum Zeitbudget aus Studium und Erwerbstätigkeit

• Angaben zur Finanzierung des Studiums und zur Erwerbstätigkeit

während des Studiums

• Soziodemografische Angaben

Die Erkenntnisse über die soziodemografischen Merkmale

der Studierenden, ihre Studiensituation und Studienmotivation,

die Verläufe und Bewertungen des

Studiums sowie eine durchgängige Dokumentation

der Geschlechterverteilungen geben Auskunft über

den Status quo und sie zeigen an, inwiefern organisatorische

und inhaltliche Veränderungen vorzunehmen

sind.

Der durchgängige Vergleich der Daten von Studierenden

mit und ohne Migrationshintergrund verdeutlicht

zudem interkulturelle Besonderheiten und gibt damit

Hinweise, ob und inwiefern eine gezielte Beratung

und Förderung von Studierenden mit Migrationshintergrund

erforderlich ist.


Für die weitere Qualitätsentwicklung des „neuen“ Bachelorstudienganges

Soziale Arbeit deckt die Studierendenbefragung

Schwachstellen auf, sie zeigt aber

auch insgesamt eine positive Entwicklung des Lernens

und Lehrens.

Der Forschungsbericht wurde im .März 2010 im Internet

veröffentlicht.

Finanzierung

Hochschule Bremen (Hochschulpakt-Mittel, Lehrforschungsfonds)

Kooperationspartner

Studienkommission des Studienganges Soziale Arbeit

B.A. der Hochschule Bremen.

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

Bewohner-/Bewohnerinnenbefragung in dem Albert-Schweitzer-Wohnstätten Bremerhaven e.V.

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2010 bis zweites Quartal 2011 Sandra Koschel und Studierende des Bachelor-

Studiengangs Soziale Arbeit

Projektleiterin

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Auftraggeber der standardisierten Bewohner/innen-

Befragung, die im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes

durchgeführt wird, ist der Albert - Schweitzer

- Wohnstätten e.V. in Bremerhaven. Der ASW e.V.

bietet Menschen mit geistigen Behinderungen differenzierte

Wohnformen, Freizeithilfen und eine Begleitung

der Bewohner/innen in allen Lebensbereichen.

Zum Verein gehören sechs Wohnstätten unterschiedlicher

Größe, zwei Wohngruppen und etwa zwanzig

Wohnungen, in denen aktuell 203 Menschen mit geistigen

und mehrfachen Behinderungen betreut und

versorgt werden. Die Versorgung und Betreuung der

Bewohner/innen gewährt Leistungen der gesetzlichen

Eingliederungshilfe, dient der Befriedigung der Grundbedürfnisse

der Bewohner/innen, die im Zusammenhang

mit ihrer Person und ihrer Wohnung entstehen

und ist dem Normalisierungsprinzip verpflichtet. Der

Albert - Schweitzer - Wohnstätten e.V. hat sich zum

Ziel gesetzt, die Lebensqualität der Bewohner/innen

aller seiner Wohnstätten in einem fortlaufenden Prozess

zu überprüfen und weiter zu entwickeln. In diesem

Zusammenhang der Qualitätsentwicklung steht

auch die vorgesehene Bewohner/innenbefragung, die

in den Monaten Mai bis Juni 2010 durchgeführt werden

soll.

Die standardisierte Bewohner/innenbefragung des

ASW-Bremerhaven ist als Vollerhebung angelegt, wobei

angestrebt ist, alle 203 Bewohner/innen mit geistiger

und mehrfacher Beeinträchtigung im stationären

und ambulanten Bereich sowie in der eigenen Häuslichkeit

zu erfassen.

Als Basis für die Qualitätsentwicklung soll die Befragung

ausschließlich Daten über Wünsche, Zufrieden-

heit und Verbesserungspotenziale für den Bereich des

Wohnens erbringen.

Eine besondere Herausforderung für die Face-toface-Interviews

ergibt sich aus dem unterschiedlichen

Behinderungsgrad der Bewohner/innen. So ist

es erforderlich, bei einer gebotenen instrumentellen

Standardisierung den jeweiligen Behinderungsgrad

der zu Befragenden zu berücksichtigen. Das erfordert

nicht nur eine spezifische Fragebogenkonstruktion in

einfacher Sprache und mit angemessenen sprachergänzenden

Symbolen, sondern auch ein besonderes

reflektiertes Einfühlungsvermögen der Interviewer/

innen, die gefordert sind, zum einen das subjektive

Aufnahme- und Sprachvermögen der zu Befragenden

zu berücksichtigen und gleichsam höchstmögliche

Objektivität für die standardisierten Befragung zu gewährleisten.

Zudem ist auch der jeweilige Zeitaufwand

der jeweiligen Befragungen den Bedürfnissen und

Voraussetzungen der Bewohner/innen anzupassen.

Neben der grundlegenden Aneignung methodologischen

Wissens und einer Einübung in die Methodik,

ist daher eine intensive spezifische Interviewschulung

erforderlich.

Das Projekt wird von einer Lenkungsgruppe während

des gesamten Forschungsprozesses begleitet, der

Bewohner/innenbeirat wird in den Pretest miteinbezogen.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse in Form eines

Forschungsberichtes ist im zweiten Quartal 2011

geplant. Zudem ist eine Ergebnispräsentation in einfacher

Sprache geplant.

Finanzierung

Albert-Schweitzer-Wohnstätten e. V.

Hafenstraße 92

27576 Bremerhaven

www.asw-bhv.de

111

Fakultät 1

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Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

112

Kooperationspartner

Andreas Wegener (Geschäftsführer der Albert-

Schweitzer-Wohnstätten in Bremerhaven)

Ralph Gemkow-Rauth (Fachlicher Leiter der Albert-

Schweitzer-Wohnstätten in Bremerhaven)

Anne Zurmöhle (Bereichsleiterin des Ambulanten

Bereiches der Albert-Schweitzer-Wohnstätten in

Bremerhaven)

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

Ethnische Zugangsbarrieren und Benachteiligungen im Studium und im Beruf Sozialer Arbeit?

– Explorative Studien

Laufzeit Projektbeteiligte

05/2010 bis 09/2011 Studierende des Bachelor-Studiengangs

Soziale Arbeit

Projektleiterin

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Der Anlass für die explorative Studie findet sich im

„Konzept zur Förderung von mehr Migrantinnen und

Migranten im Lehramt und im Bereich der Sozialen Arbeit“,

das am 5.10.2009 den staatlichen Deputationen

für Bildung und für Soziales, Jugend, Senioren und

Ausländerintegration (Vorlage Nr. L99/17) vorgelegen

hat. Dieses erste Konzept der Bremischen Bürgerschaft

– nach einem Antrag der Fraktionen SPD und

Bündnis 90/Die Grünen erstellt - beschäftigt sich mit

folgenden Fragen:

1. Wie kann erreicht werden, dass mehr Migrantinnen

und Migranten für das Lehramt und für Studiengänge,

die zu Abschlüssen in sozialen Berufen führen, gewonnen

werden können?

2. Welche Voraussetzungen und einzuleitende Maßnahmen

in Kooperation mit der Universität und den

Hochschulen können aufgezeigt werden?

Um Handlungsstrategien für die Soziale Arbeit entwickeln

zu können, sind vor allem qualitative Untersuchungen

erforderlich, die aufzeigen, welche spezifischen

Hemmnisse und Barrieren in Studium für

Studierende und im Beruf für Praktiker/innen möglicherweise

vorliegen.

Da bisher keinerlei deutsche Untersuchungen für das

aufgezeigte Problem vorliegen, sind an der Hochschule

Bremen im Bereich der Sozialen Arbeit für das Sommersemester

2010 im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes

"Qualitative Befragungen ausgewählter

Studierender und ausgewählter Praktiker/innen mit

Migrationshintergrund über spezifische Hemmnisse

und Barrieren in Studium und Beruf " geplant.

Das Ziel der explorativen leitfadengestützten Interviews

ausgewählter Studierender und Sozialarbeiter/

innen im öffentlichen Dienst ist die Entwicklung von

Dimensionen- und Indikatoren spezifischer Zugangsbeschränkungen

und Barrieren für allochthone Studierende

und Beschäftigte in der Sozialen Arbeit. Über

die Inhaltsanalyse transkribierter Interviews sollen

mögliche Kategorien gewonnen werden, die dann für

ein standardisiertes Design zu operationalisieren sind.

Mit einer repräsentativen Folgestudie sollen dann

mögliche Verteilungen, Unterschiede und Korrelationen

einzelner Bereiche in Studium und Beruf Sozialer

Arbeit überprüft werden.

Falls mit der ersten qualitativen Erhebung im Sommer

2010 noch keine ausreichende theoretische Sättigung

hinsichtlich möglicher Benachteiligungen und Barrieren

im Studien und im Beruf Sozialer Arbeit erreicht

werden kann, soll eine weitere Erhebung im Sommer

2011 durchgeführt werden.

Finanzierung

Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung

(BISA+E e.V.)

c/o Hochschule Bremen

Neustadtswall 30

28199 Bremen

bisa-e@hs-bremen.de

Kooperationspartner

Maren Schreier (BISA+E e.V.)

Studienkommission Soziale Arbeit B.A. (Hochschule

Bremen)

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de


Mobbing-Erfahrungen im Genderkontext

Laufzeit Projektbeteiligte

04/2009 bis 09/2010 Rolf Tiemann, Sandra Koschel, Milena Konrad und

Studierende des Bachelor-Studienganges Soziale

Projektleiterin Arbeit

Dr. Brigitte Ziehlke

Projektbericht

Zentrales Thema der Studie sind „Mobbingerfahrungen

von Jungen und jungen Männern“. Ein Ziel der

triangulativ durchgeführten Untersuchung ist es, geschlechtsspezifische

Besonderheiten als Grundlage

für die geschlechtersensible Arbeit in der konkreten

pädagogischen Praxis herauszufinden. Ein weiteres

Erkenntnisinteresse richtet sich auf die subjektive

Verarbeitung schulischer Mobbingerfahrungen im Erwachsenenleben.

Das komplexe Forschungsdesign teilt sich entsprechend

dem mehrschichtigen Erkenntnisinteresse in

verschiedene Teiluntersuchungen.

Die nicht repräsentativen standardisierten schriftlichen

Befragungen von insgesamt 1.133 Jugendlichen und

Heranwachsenden (Durchschnittsalter 17 Jahre) wurden

in zwei verschiedenen Forschungsfeldern durchgeführt:

Schulinterne standardisierte Schüler/innenbefragungen

fanden in zehn Bremer Schulen (10. bis

12. Jahrgangsklassen) statt. Die geschlechtervergleichenden

Sozialdiagnosen, die auch Daten von Einzelaspekten

des sozialen Schulklimas liefern, dienen

den Schulen als Evaluationsgrundlage für ihre Schulpraxis

(Grundlage: § 14 Bremer Schuldatengesetz).

Schulexterne standardisierte schriftliche Befragungen

männlicher und weiblicher Jugendlicher, die ebenfalls

nicht repräsentativ sind, fanden in zwei ausgewählten

Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit statt.

Im Rahmen explorativer narrativer Interviews berichteten

sechs junge Männer (Studenten der Hochschule

Bremen) sowie zwei junge Frauen (Studentinnen der

Hochschule Bremen) über ihre erinnerten Mobbingerfahrungen.

Zudem gaben sie persönliche Folgeeinschätzungen

dieser Mobbingerfahrungen für ihre persönliche

Entwicklung ab.

Die Ergebnisse der schulinternen Evaluationsuntersuchungen

wurden den Schulen von den einzelnen

studentischen Teams zur Verfügung gestellt. Ein abschließender

Forschungsbericht wird bis September

2010 erstellt und dem Jungenbüro aus Datenschutzgründen

nur für den internen Gebrauch zur Verfügung

gestellt.

Finanzierung

BISA+E e.V., Lehrforschungsfonds

Kooperationspartner

Bremer Jungenbüro, zehn Bremer Schulen und Schulzentren,

zwei Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

Kontakt

Dr. Brigitte Ziehlke

Hochschule Bremen

Fakultät 3 - Soziale Arbeit

Neustadtswall 30, 28199 Bremen

Brigitte.Ziehlke@hs-bremen.de

113

Fakultät 1

Fakultät 2

Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

114 Forschungsprojekte der Fakultät Elektrotechnik und Informatik

Performancesicherung elektrisch hoch belasteter Komponenten des Hoch- und Höchstpannungsnetzes

Laseroptisches Messverfahren für die kontinuierliche Durchmesserüberwachung von

Glasfasern und Feinstdrähten während des Ziehprozesses

SIMOIT - SIcherer Zugriff von MObilen Mitarbeitern auf die IT-Infrastruktur von mittelständisch

geprägten Unternehmen

SiWear - Sichere Wearable-Systeme zur Kommissionierung industrieller Güter sowie für

Diagnose, Wartung und Reparatur

EdiNet - E-learning in Distributed Data Network Laboratory - EdiNet

FiM, Fit in Mathematik

Kryptographie in Zeiten von Quanten-Computern

Memsdome - Radarhauben mit mikromechanischem Verschluss

Development of Shefex-2 D-Box

CImaging

VOGUE- Vertrauenswürdiger mObiler ZuGriff auf UnternehmensnetzE

BREHASA1875 – Energieoptimierte Turnhallen-Sanierung beim TV Bremen-Walle 1875

e.V.

Wärmesee – Untersuchung zur Nutzung des Erdreichs unter einem Gebäude als Wärmespeicher

EasyPrecision -- Entwicklung und Erprobung eines Verfahrens zur Charakterisierung

optischer Elemente und Systeme mittels Wellenfrontanalyse

Freier Blick durch Nebel und Rauch

LaFON - Entwicklung einer Lasermaterialbearbeitungsmaschine zur Funktionalisierung

von Oberflächen im Nanometermaßstab für die Herstellung von Online-Biosensoren

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Performancesicherung elektrisch hoch belasteter Komponenten des Hoch- und Höchstpannungsnetzes

Laufzeit Projektbeteiligte

01/2006 - 12/2008 Schulenberg

Projektleiter

Hartje, Michael, Prof. Dr. Ing.

Projektbericht

Projektbeschreibung: Performancesicherung kritisch

belasteter Komponenten des Hoch- und Höchstpsannungsnetzes

Durchführungen von Transformatoren und gasisolierten

Schaltanlagen gehören zu den elektrisch höchst

belasteten Komponenten eines Energieversorgungssystems.

Das Forschungsprojekt hat zur Aufgabe,

diese Komponenten während des Betriebs zu überwachen

und deren möglichen Ausfall frühzeitig zu identifizieren.

Im Teilprojekt an der HSB werden die Komponenten

versucht hinsichtlich der Teilentladungsaktivität

zu überwachen. Dazu wurde ein Verfahren entwickelt,

mit es gelingen kann, die TE von innerhalb der Durchführung

von denen außerhalb der Durchführung zu

trennen. Das Verfahren wurde patentiert.

Finanzierung

BmBF / AiF

Kooperationspartner

hsp Köln, swb, RWE, eon

Kontakt

Prof. Dr. M. Hartje

Tel.: +49 421 5905 3444

Michael.Hartje@hs-bremen.de

Laseroptisches Messverfahren für die kontinuierliche Durchmesserüberwachung von Glasfasern

und Feinstdrähten während des Ziehprozesses

Laufzeit Projektbeteiligte

12/2006 - 02/2008 Pieper, Wilhelm, Dipl.-Ing.

Ceyhan, Ufuk, M.Sc.

Projektleiter Blohm, Werner, Dr.-Ing.

Wenke, Gerhard, Prof. Dr.-Ing.

Projektbericht

Mit Analyse von Schattenbildern 1.000 Mal pro Sekunde

höchste Präzision liefern

Nicht oval, sondern möglichst kreisrund müssen Glasfasern

und feine Drähte sein, wenn sie optimal funktionieren

sollen. Um Ovalitäten und kleinste Abweichungen

vom Sollmaß zu erkennen, prüfen die Hersteller

schon während der laufenden Produktion stets die

Durchmesser der Fasern und Drähte – mithilfe von

Röntgen- oder Laserstrahlen. In einer als beispielhaft

ausgezeichneten Forschungskooperation haben das

Institut für Mikroelektronik, Mikromechanik und Mikrooptik

(I3M) an der Hochschule Bremen (HSB) und die

Bremer SIKORA AG ein optisches Messsystem entwickelt,

das um ein zehnfaches genauer arbeitet als

die herkömmlichen. Auch in anderer Hinsicht ist das

System weltweit einzigartig.

„Weiterentwicklung eines laseroptischen Messverfahrens

für die kontinuierliche Durchmesserüberwachung

von Glasfasern und Feinstdrähten während

des Ziehprozesses“ hieß das Vorhaben. Gefördert von

der Bremer Investitionsgesellschaft mbH (BIG) lief es

2008 aus, und seine Beteiligten wurden im April dieses

Jahres „in Würdigung herausragender Leistung“

mit dem „Bernd-Artin Wessels Innovationspreis“ aus-

gezeichnet. Geehrt wurden I3M-Leiter Prof. Dr.-Ing.

Gerhard Wenke, der SIKORA Gruppenleiter Dr.-Ing.

Werner Blohm, die wissenschaftlichen Mitarbeiter des

I3M Dipl.-Ing. Wilhelm Pieper und M.Sc. Ufuk Ceyhan

sowie der SIKORA-Gründer und Vorstandsvorsitzende

Dipl.-Ing. Harald Sikora.

Unvorstellbar genau

Hier geht es um Größenordnungen, die sich der

menschlichen Vorstellungskraft entziehen. Mit den

herkömmlichen Messsystemen lassen sich die Durchmesser

von Drähten, Fasern und Schläuchen bislang

auf 0,5 Mikrometer genau messen. Ein Mikrometer ist

der tausendste Teil eines Millimeters. Das heißt, dass

man die Stärke der Fasern und Drähte auf einen Zweitausendstel

Millimeter genau bestimmen kann. Für

Fasern und Drähte, die dicker als einen halben Millimeter

sind, reicht diese Genauigkeit auch aus. Aber

bei der Herstellung von Glasfasern und Feinstdrähten

mit einem Durchmesser von weniger als 300 Mikrometern

(0,3 Millimeter) muss noch genauer gemessen

werden – jedenfalls dann, wenn den höchsten und

künftigen Anforderungen genügt werden soll wie zum

Beispiel bei der Produktion von Datenkabeln. Immer

mehr Daten sollen immer schneller und über möglichst

lange Strecken zuverlässig transportiert werden.

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Fakultät 1

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Fakultät 3

Fakultät 4

Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

116

Für die derzeit angestrebten Übertragungsraten von

einem bis zehn Gigabit pro Sekunde braucht es zum

Beispiel LAN-Kabel der Kategorie 7 und höher (LAN,

Local Area Network, lokale Computer- und Telekom-

Netze). Damit steigen auch die Anforderungen an

Messgeräte zur Qualitätssicherung während der Fertigung

der Kabel.

Eines der Anwendungsfelder für das höchstpräzise

Messsystem sind die Glasfasern. Sie haben eine Stärke

von nur rund 100 Mikrometern, also einem Zehntel

Millimeter. Das entspricht ungefähr der Größenordnung

eines Haares. Hergestellt werden die Fasern in

einem Ziehprozess: Geschmolzenes Glas wird in einige

Meter hohen, so genannten Ziehtürmen zu hauchdünnen

Fäden gezogen. Ungefähr so wie der Honig,

den man langsam vom Löffel laufen lässt, damit er

dann im hauchdünnen Strahl auf dem Brötchen landet.

Dieses Bild passt zwar nicht so ganz, denn der

Honig ist weder heiß, noch erstarrt der Honigfaden

zu einer festen Faser, aber an dem Beispiel wird das

Prinzip des Ziehens deutlich.

Das heiße Glas läuft als Faden aus dem Hochtemperaturziehofen

heraus, mehrere Meter pro Sekunde und

2.200 Grad Celsius heiß. Dann passiert der Glasfaden

eine Kühlstrecke. In diese ist das erste Messgerät

zur Durchmesserprüfung integriert. Danach wird die

Glasfaser mit einer Schutzhülle versehen (Coating).

Es folgt ein weiterer Schutzmantel, dann in einem separaten

Produktionsschritt die Bündelung mehrerer,

ummantelter Glasfasern beziehungsweise Adern zu

einem Kabel (Tubing) und schließlich die Ummantelung

des Kabels. Während aller Produktionsschritte

wird immer wieder der Durchmesser geprüft.

Einzigartig hinsichtlich Messgenauigkeit, Größe

des Messfensters und Schnelligkeit

Den Wissenschaftlern und Entwicklern von HSB und

SIKORA ging es um die erste Durchmesserprüfung in

der Produktionskette, die Messung der nackten Glasfaser,

denn hier ist die höchste Präzision gefordert.

Alle folgenden Messungen können die herkömmlichen

Messsysteme mit der erforderlichen Genauigkeit

durchführen. Im Rahmen der Forschungskooperation

wurde nun ein Messverfahren derart weiterentwickelt,

so dass es nun zehnfach genauer messen kann als

zuvor: Mit ihm lässt sich der Durchmesser einer Glas-

faser bis auf +/- 0,05 Mikrometer genau bestimmen.

Oder anders ausgedrückt: Die Messfehler nach oben

oder nach unten betragen jeweils nur einen Zwanzigtausendstel

Millimeter. Weltweit einmalig ist auch die

Größe des Messfeldes. Das ist der Bereich, in dem

die Glasfaser mit der festgelegten Präzision erfasst

werden kann. Es misst fünf mal fünf Millimeter, was

zunächst zwar recht klein erscheint, aber angesichts

des extrem kleinen Messgutes enorm groß ist.

Und so funktioniert das System – vereinfacht dargestellt:

Von oben läuft der Draht oder die Glasfaser

durch das ungefähr taschenbuchgroße Messgerät,

auch Messkopf genannt. Im Herzen des Gerätes befindet

sich das einen Viertel Quadratzentimeter große

Messfeld. In diesem Bereich wird der Draht- oder Faserdurchmesser

gemessen. Dafür wird das Messgut

von zwei Seiten mit sich fächerförmig ausbreitenden

Laserstrahlen beleuchtet. Auf den lichtempfindlichen

Flächen, die den Lichtquellen (Laserdioden) gegenüber

liegen, zeichnen sich Schatten ab: Entscheidend

für die Durchmesserprüfung ist das auf diese Flächen

projizierte Schattenbild. Nur ein Streifen davon

wird analysiert. Fachleute erklären den nun folgenden

Messvorgang auch so: Ein zeilenförmiger CMOS-

Lichtsensor registriert die Schattenverläufe und Beugungsmuster

und ein digitaler Signalprozessor im

Messkopf berechnet daraus die Durchmesserwerte.

Der Vorgang wiederholt sich mehr als 1.000 Mal pro

Sekunde.

Das Messverfahren basiert auf dem von SIKORA patentierten

„Laser-Schattenprojektionsprinzip“. Mit der

Messung von Rundteilen nach diesem einzigartigen

Prinzip ist die SIKORA AG zum weltweiten Technologieführer

geworden. Es ermöglicht die berührungslose,

optische Messung von Durchmessern und das

System braucht im Gegensatz zu anderen keine bewegten

Teile. So gibt es auch keinen mechanischen

Verschleiß, was sich positiv auf die Ausfallsicherheit

und die Wartungskosten auswirkt. Entscheidend jedoch

ist: Während der laufenden Produktion können

die Glasfaserhersteller nun mehr als 1000 Mal pro Sekunde

Durchmesserprüfungen mit der derzeit höchstmöglichen

Präzision vornehmen und bei Bedarf auch

korrigierend in den laufenden Produktionsprozess eingreifen.

Das in Kooperation zwischen Wissenschaft

und Wirtschaft entwickelte Messsystem ist weltweit

einzigartig hinsichtlich der Messgenauigkeit, der Größe

des Messfensters und seiner Schnelligkeit.

Erfolgsrezept: Wissenschaftliches und industrielles

Wissen ergänzen sich

Die I3M-Forscher sind Experten unter anderem im

Bereich der Lasertechnologie und der Optoelektronik,

und der Messgerätehersteller SIKORA verfügt

über das Wissen zur kontinuierlichen Online-Messung

von lang gestreckten, runden Produkten. „Durch die

Forschungskooperation wurde nun das Know-how im

Bereich der industriellen Messtechnik mit der Kompetenz

auf dem Gebiet der Optoelektronik zusammengebracht“,

sagt I3M-Leiter Wenke. „Das hat die

Entwicklung dieses äußerst genauen Messgerätes

ermöglicht, was letztlich zur Schaffung und Sicherung


von Arbeitsplätzen bei der SIKORA AG beiträgt“, ergänzt

SIKORA-Gruppenleiter Blohm. Mit dem neuen

System habe das Produktspektrum entscheidend erweitert

und die Technologieführerschaft behauptet

werden können. „Und wir können nun neue Märkte im

Bereich der Glasfaserindustrie erschließen, denn mit

der Entwicklung haben wir unsere Serie der Durchmesserprüfgeräte

vervollständigt.“

Komponentenanordnung im Prototyp

Durch die Forschungskooperation ist das Unternehmen

jetzt in der Lage, auch die nackten Glasfasern

hochgenau zu prüfen. Damit verfügt es über Messgeräte

für alle Schritte in der Glasfaserproduktionskette.

„Die Kunden möchten ihre gesamte Produktionstechnik

möglichst mit Messsystemen nur eines Herstellers

ausstatten“, erklärt Blohm. Mittlerweile seien nicht nur

ein gutes Dutzend der neuen Systeme ausgeliefert

worden, sondern auch die Nachfrage für die anderen

Messgeräte sei gestiegen, was zu Neueinstellungen

im Unternehmen geführt habe.

Von einem Gewinn ganz anderer Art berichtet I3M-

Leiter Wenke: „Durch das Projekt konnte die Mess-

und Entwicklungskompetenz des Institutes im Bereich

kürzerer Wellenlängen deutlich verbessert werden.

Wir konnten unsere Labor-Ausstattung weiter ausbauen,

und – das ist besonders wichtig – der praxisnahe

Technologietransfer fließt auch unmittelbar in die

Lehre ein.“ Durch die Förderung war es auch möglich,

für das Projekt einen Mitarbeiter einzustellen“, sagt

Wenke. Er konnte nach dem Abschluss seiner vom

I3M betreuten und bei der SIKORA AG durchgeführten

Masterarbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter die

Durchführung des Projektes erfolgreich unterstützen:

Ceyhan arbeitete zu 60 Prozent bei dem Unternehmen

und zu 40 Prozent im Institut.

„Durch die Aufteilung seiner Arbeitszeit war der Informationsaustausch

zwischen der Hochschule und dem

Unternehmen in ausgezeichneter Weise gegeben“,

sagt Wenke, und dass er eine solche Lösung auch

für künftige Kooperationen immer wieder anstreben

würde. Inzwischen planen das I3M und der Bremer

Mittelständler auch schon das nächste gemeinsame

Vorhaben. So ist es noch immer eine Schwierigkeit,

die Durchmesser transparenter Rohre und Schläuche

mithilfe des Laser-Schattenprojektionsprinzips

zu messen. Da das Messgut teilweise lichtdurchlässig

ist, müssen die Wissenschaftler bei der Analyse

der Schattenbilder nicht nur die Beugung des Lichtes

am Messgut, sondern auch die Brechung des Lichtes

durch das Messgut hindurch berücksichtigen.

I3M an der Hochschule Bremen – Spezialist für Mikroelektronik,

-mechanik und -optik

Mikrosysteme können nur in einem interdisziplinären

Umfeld entstehen. So gründete die Hochschule Bremen

1999 das InInstitut I3M, das die Forschungsfelder

Mikroelektronik, Mikromechanik und Mikrooptik umfasst.

Damit schaffte sie den institutionellen Rahmen

für die enge Zusammenarbeit der im Studiengang Mikro-

und Opto Systemtechnik vertretenen Fachgebiete.

Die Einrichtung sollte zudem den wissenschaftlichen

Austausch und die Kooperationen mit der Wirtschaft

fördern. Heute arbeiten sieben Hochschullehrer und

fünf wissenschaftliche Mitarbeiter am I3M. Hinzu kommen

immer wieder zeitlich befristet eingestellte Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler für die Arbeiten

in Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Jedem der

drei I3M-Schwerpunkte stehen mehrere mit leistungsfähigen,

modernen Geräten ausgestattete Labore zu

Verfügung.

Schwerpunkte in Forschung, Lehre und Weiterbildung

sind Mikroelektronik und Entwurfstechniken, Mikrostrukturtechniken

und Systemintegration sowie Optoelektronik

und Lasertechnik. Der Technologietransfer

im Bereich der Mikrosystemtechnik und Photonik erfolgt

unter anderem durch zahlreiche Projekt- und Abschlussarbeiten

der Studierenden in Unternehmen der

Region, durch Weiterbildungsangebote sowie durch

die Zusammenarbeit der Hochschule mit regionalen

und überregionalen Unternehmen in gemeinsamen

anwendungsbezogenen Forschungsvorhaben. Seit

Anfang 2001 ist das I3M Mitglied der Hanse Photonic

e.V., einer Vereinigung namhafter, norddeutscher

Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus dem

Gebiet der Optik, und seit 2002 gehört es auch dem

Wissenschaftsausschuss des AMA Fachverband für

Sensorik e.V. an. Das ist die Interessenvertretung all

derer, die sich im Verlauf der Wertschöpfungskette mit

technischen Messsystemen befassen.

SIKORA AG – überdurchschnittliches Engagement

in Forschung und Entwicklung

Mit ihren Mess- und Regelsystemen für den Einsatz in

Ader- und Mantellinien sowie in Rohr- und Schlauchextrusionsanlagen

setzt die SIKORA AG seit mehr als

drei Jahrzehnten weltweit Maßstäbe. 1972 präsentierte

Harald Sikora die ersten berührungslosen Messsysteme

für Energiekabel und lenkte das neu gegründete

Unternehmen zum Global Player auf dem Gebiet der

Messtechnik. Produktschwerpunkte liegen im Bereich

der berührungslosen Ovalitäts-, Exzentrizitäts- und

Wanddickenmessung mittels Röntgenstrahlung und

der optischen Durchmessermessung auf der Basis

von Lasertechnologie. Am Hauptsitz in Bremen beschäftigt

SIKORA 128 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

neun internationale Niederlassungen und mehr als

30 regionale Vertretungen sichern den Kundenservice

vor Ort in aller Welt.

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Fakultät 5


Forschungsbericht 2010 / 2011

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Kommerziell erhältlicher Sikora Messkopf zur laseroptischen

Durchmesserüberwachung von Glasfasern und Feinstdrähten

während des Ziehprozesses. Dieses Projekt wurde mit

dem Bernd-Artin-Wessels-Innovationspreis 2009 ausgezeichnet

Von 2003 bis 2008 konnte das Unternehmen seinen

Konzernumsatz von 9 auf 31 Millionen Euro steigern.

Den Erfolg führt es vor allem auf seine nachhaltige

Forschung und Entwicklung (F&E) am Standort Bremen

zurück. So investiert der Messgeräte-Spezialist

hier jährlich mit rund zehn Prozent seines Umsatzes

überdurchschnittlich viel. Allein im F&E-Bereich stell-

te es zwischen 2007 und 2009 neun neue Mitarbeiter

ein – so einige davon aufgrund der Ergebnisse des

mit dem I3M durchgeführten Projektes. Kooperationen

wie diese tragen wesentlich zum Unternehmenserfolg

bei, heißt es bei SIKORA. „Mit dem Anspruch auf

Technologieführerschaft in unserem Bereich setzen

wir auf Forschung und Entwicklung“, sagt der SIKO-

RA-Vorstandsvorsitzende Harald Sikora und betont:

„Besonders auch in Krisenzeiten.“

Finanzierung

Bremer Investitionsgesellschaft BIG

FK: 2FUE0401A/2FUE0401B

Kooperationspartner

SIKORA AG, Bremen

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Wenke

Fakultät Elektrotechnik und Informatik

Institu