Weiterentwicklung der Agrarumweltmaßnahmen. Mehr Naturschutz ...

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Weiterentwicklung der Agrarumweltmaßnahmen. Mehr Naturschutz ...

Weiterentwicklung der AgrarumweltmaßnahmenMehr Naturschutz in den ländlichen Entwicklungsprogrammen bis 2020


Impressum© 2013, NABU-BundesverbandNaturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.www.NABU.deCharitéstr. 310117 BerlinTel.: 030.28 49 84-0Fax 030.28 49 84-20 00NABU@NABU.deText: Dr. Rainer OppermannRedaktion: Matthias Strobl, Florian SchöneGestaltung: Christine Kuchem, www.ck-grafik-design.deBezug: Die Broschüre ist zum Download erhältlich unterhttp://www.nabu.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaftundnaturschutz/Art.Nr.: 5343Bildnachweis: S. 11: M. Jenny; S. 12: R. Fonger; S. 18: Firma Kunzelmann; S. 24: F. Schöne;S. 21, 25: Ch. Kuchem; S. 29: Pixelio/D. Schmidt; Alle anderen: IFAB/R. OppermannDie Erstellung und Veröffentlichung dieser Broschüre wurde ermöglichtdurch die Gregor Louisoder Umweltstiftung, München.gefördert durchGregor Louisoder Umweltstiftungumweltstiftung.com


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaßnahmenMehr Naturschutz in den ländlichen Entwicklungsprogrammenbis 2020Inhalt1 Einführung ..........................................................................................42 Was sind „dunkelgrüne“ Agrarumweltmaßnahmen (AUM)? ..........................................53 Zielperspektive und notwendiger Umfang ...........................................................64 Beschreibung der dunkelgrünen Agrarumweltmaßnahmen ..........................................74.1 Dunkelgrüne AUM im Ackerland ................................................................8Blühflächen und Blühstreifen .................................................................8Lichtäcker/Getreideanbau in weiter Reihe ....................................................9Ackerwildkraut-Schutzäcker .................................................................10Gemanagte Flächenstilllegung („Naturschutzbrache“). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11Spezielle Artenschutzmaßnahmen ...........................................................12Anbau seltener Kultursorten .................................................................134.2 Dunkelgrüne AUM im Grünland ................................................................14Extensivbewirtschaftung von Wiesen (und Weiden) ..........................................14Artenreiches Grünland .......................................................................15Extensivbeweidung und halboffene Weidesysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16Saumstreifen ................................................................................17Naturverträgliche Mähtechnik ...............................................................18Festmistwirtschaft ...........................................................................194.3 Dunkelgrüne AUM im Obst- und Weinbau ......................................................20Streuobstwiesen – Bewirtschaftung/-pflege .................................................20Steillagenweinbau ...........................................................................21Artenreiche Rebgassenbegrünung ...........................................................224.4 Dunkelgrüne AUM im Gesamtbetrieb ..........................................................23Gesamtbetriebliche Naturschutzberatung für landwirtschaftliche Betriebe ...................23Gesamtbetriebliche Vernetzung ..............................................................244.5 Dunkelgrüne AUM auf Kreis- und Landesebene ................................................25Demonstrationsbetriebe biologische Vielfalt .................................................25Arche-Noah-Flächen für bedrohte Pflanzenarten und Kultursorten ...........................26Aus- und Weiterbildung von Landwirten und Beratern ........................................27Öffentlichkeitsarbeit und Wettbewerbe ......................................................285 Vorgehen bei der Programmierung und Begleitung .................................................29Tabelle/Checkliste zum Umfang dunkelgrüner Agrarumweltmaßnahmenauf Landesebene ..................................................................................306 Literatur ............................................................................................313


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmen1 EinführungSeit nunmehr rund 20 Jahren gibt es in der EuropäischenUnion und in Deutschland Agrarumweltprogramme.Die Programme haben einen sehr unterschiedlichenUmfang und variieren inhaltlich sehr stark innerhalbder EU bzw. zwischen den verschiedenen Bundesländern.Sie sind zu einem bewährten Instrument derAgrarumweltpolitik geworden, denn mit Hilfe der Programmekonnte die Landwirtschaft für die Umweltbelangesensibilisiert und durch eine gezielte Förderungumweltverträglicher Nutzungen und Praktiken unterstütztwerden. Allerdings ist es in den vergangenen 20Jahren nicht gelungen, mit Hilfe der Agrarumweltprogrammeden Negativtrend der biologischen Vielfalt inder Agrarlandschaft aufzuhalten und umzukehren. Einwesentlicher Grund liegt darin, dass die große Mehrzahlder geförderten Maßnahmen ökologisch nicht ausreichendeffizient und zielorientiert war.Die Broschüre fokussiert dabei nur auf die wichtigstenMaßnahmen, die entscheidend für die Förderung derbiologischen Vielfalt sind. Um den politisch vereinbartenStopp des Artensterbens bis zum Jahr 2020 auch inder Agrarlandschaft zu erreichen, ist es dringend erforderlich,den Umfang dieser besonders ziel- und ergebnisorientiertenAgrarumweltmaßnahmen deutlichzu erhöhen. Neben dem „Greening“ der ersten Säuleder EU-Agrarpolitik (Direktzahlungen) hat daher eineerfolgreiche Einflussnahme auf die künftige Ausgestaltungder zweiten Säule eine zentrale Bedeutung für dieZukunft vielfältiger und artenreicher Agrarökosysteme.Auch in der künftigen Förderperiode der EU-Agrarpolitikfür die Zeit von 2014/2015 bis 2020 wird es wiederin allen Bundesländern ländliche Entwicklungsprogramme(AUM) geben, innerhalb derer die Agrarumweltmaßnahmeneinen wesentlichen Anteil haben. AusNaturschutzsicht ist es besonders wichtig, dass ein möglichstgroßer Anteil der Maßnahmen sogenannte „dunkelgrüne“AUM sind, die ökologisch besonders effizientsind und direkte positive Effekte für die Erhaltung undFörderung der biologischen Vielfalt haben. Denn bislangnehmen diese Maßnahmen nur einen unbedeutendenAnteil ein; in Deutschland sind es z.B. im Bereichdes Ackerlandes nur rund 0,3 % der Ackerfläche, imGrünland rund 11 %.Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende Broschüredazu dienen,a) die wichtigsten dunkelgrünen Agrarumweltmaßnahmenzu beschreiben und bekannt zu machen,b) die Bedeutung und den nötigen Flächenumfang darzulegen,c) als begleitendes Infomaterial den Austausch und derKooperation mit den Landesinstitutionen und -verbändenzu befördern, um gemeinsam naturverträglicheund naturfördernde Agrarumweltprogrammeauf den Weg zu bringen.4


2 Was sind „dunkelgrüne“ Agrarumweltmaßnahmen?Der Begriff „dunkelgrüne Agrarumweltmaßnahmen“ist bislang noch vielfach unbekannt. Man versteht darunterAgrarumweltmaßnahmen (AUM), die insbesonderedas Schutzgut Biodiversität im Fokus haben unddirekt darauf ausgerichtet sind. Es handelt sich also umMaßnahmen, mit denen direkte Effekte bei der Erhaltungund Förderung der Artenvielfalt erreicht werdensollen. Ein Beispiel hierzu ist die Förderung artenreichenGrünlands: Mit einer einfachen Extensivbewirtschaftungdes Grünlandes mit max. 2 GVE/ha ist nichtunmittelbar die Erreichung eines artenreichen Grünlandesverbunden, denn zum Teil werden die Wiesenweiterhin mit 4-5 Schnitten pro Jahr und entsprechenderDüngung bewirtschaftet und sind daher artenarm.Im Gegensatz dazu gibt es dunkelgrüne Maßnahmenim Grünland, bei denen direkt die Artenvielfalt derWiesen gefördert wird (z.B. über eine Mindestzahl vorkommenderKennarten) oder bestehende artenreicheLebensraumtypen in ihrer Erhaltung gefördert werden(z.B. über späte Mahd oder Beweidung). Ein anderesBeispiel sind Maßnahmen zur Herbst- und Winterbegrünungvon Ackerflächen, die vorwiegend dem Wasser-und Bodenschutz dienen, jedoch keinen deutlichenEffekt für die Biodiversität aufweisen. Zum Teil sinddamit sogar Negativeffekte für die Artenvielfalt verbunden,weil die Stoppelbrache im Herbst verloren geht: sofinden die Arten, die im Spätsommer und Herbst nachNahrung suchen, wie z.B. durchziehende Vögel, derFeldhamster, aber auch zahlreiche Wildbienen, hier keineNahrung mehr.Meist werden mit dunkelgrünen AUM auch andereRessourcenschutzziele erreicht: Wasserschutz, Bodenschutz,Erosionsschutz, Förderung einer vielfältigenKulturlandschaft (Tourismus). Umgekehrt gehen vonvielen sogenannten hellgrünen AUM keine Biodiversitätseffekteaus. Deshalb stellen die dunkelgrünen AUMdie wirkungsvolleren Maßnahmen im gesamten Ressourcenschutzdar (höherwertige Maßnahmen). Selbstverständlichgibt es ein breites Mittelfeld zwischenhellgrünen AUM und dunkelgrünen AUM und es gibtkeine bundes- oder europaweit gültige Zuordnung derverschiedenen AUM.5


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmen3 Zielperspektive und notwendiger UmfangDas Oberziel für die Etablierung von dunkelgrünenAUM ist die Erhaltung und Steigerung der biologischenVielfalt in der Agrarlandschaft. Konkret bedeutet dies,dass insbesondere folgende Bereiche nachhaltig gefördertwerden sollten:−−das Vorkommen von Ackerwildkräutern, Feldvögeln,Kleinsäuger und anderen Tieren im Ackerland;−−die floristische und faunistische Vielfalt der Wiesenund Weiden im Grünland inklusive der entsprechendenLebensgemeinschaften (Vögel, Insekten,Schmetterlinge, Heuschrecken etc.);−−arten- und strukturreiche Wein- und Obstbau-Kulturen (z.B. Streuobstwiesen mit ihren Lebensgemeinschaftenund Steillagenweinbau mit Trockenmauern);−−Lebensraumtypen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie(FFH) wie z.B. landwirtschaftlich genutzte Moorflächenund Halbtrockenrasen;−−Vorkommen von besonders geschützten Arten derAgrarlandschaft, z.B. Feldhamster oder Ortolan.Die Zielerreichung soll so ausgerichtet werden, dass dieangesprochenen Arten und Lebensräume in langfristigüberlebensfähigen Populationen bzw. ausreichenderFlächengröße vorkommen, damit sie natürlicheSchwankungen durch Witterungsbedingungen undandere Einflussfaktoren ausgleichen können. Ganz entscheidendist dabei der Umfang, den bestimmte AUMund Flächentypen einnehmen, um zu einer nachhaltigenSicherung zu kommen. Wenn z.B. in einem Bundeslandrund 4.000 ha Blühflächen zur Förderung derBiodiversität angelegt werden, so lassen sich damit vorOrt gute Effekte erzielen. Betrachtet man aber die Flächevon insgesamt 4.000 ha Blühflächen auf Regionsebeneund setzt sie in Relation zu den vorhandenen800.000 ha Ackerland in einem Bundesland, so machendie Blühflächen nur rund 0,5 % der Ackerfläche aus.Dies ist bei weitem nicht ausreichend, denn aus wissenschaftlichenStudien und Praxisversuchen geht hervor,dass es eines Netzes von 10-15 % ökologisch wertvollerStrukturen bedarf, um im Ackerland durchgreifendeEffekte für die Gesamtbiodiversität zu erzielen. Selbstverständlichzählen nicht nur Blühflächen zu den dunkelgrünenAUM, sondern auch andere AUM (sieheunten) und die Zahl dieser dunkelgrünen AUM sowieökologisch wertvoller Strukturen im Ackerland (z.B.auch Landschaftselemente wie Hecken und Feldraine)muss entsprechend aufsummiert werden. Im Grünlandist die Situation naturräumlich sehr unterschiedlich: InIntensivgrünland-Regionen soll der notwendige Anteilvon ökologisch wertvollen Flächen in etwa gleich großwie im Ackerland sein, in Extensivgrünland-Regionenmit Populationen von Arten wie Braunkehlchen odermit großflächiger Ausbildung von FFH-Lebensräumenwie die Berg- und Flachland-Mähwiesen (FFH-Typen6510 und 6520) sollte der Anteil mindestens erhaltenoder verbessert werden und kann regional im Durchschnitt30-50 % oder mehr betragen.Zur Umsetzung des notwendigen Flächenumfangs andunkelgrünen AUM gibt es nicht nur eine oder zweiStandardmaßnahmen, die für alle Landschaften undRegionen passend sind, sondern in jeder Region gibtes verschiedene Maßnahmen, die diesem Ziel gerechtwerden. Im Folgenden werden Steckbriefe zu den verschiedenendunkelgrünen AUM dargestellt. Für dieZielprogrammierung im Rahmen der Aufstellung derEntwicklungsprogramme Ländlicher Raum ist es entscheidend,dass im Ackerland ein Umfang von 10-15 %gut gemanagter Ackerflächen und im Grünland bis zu30-50 % gut gemanagten Extensivgrünlands über entsprechendeAUM mittelfristig gesichert werden. DieMaßnahmen ihrerseits können und sollen regionsspezifischfestgelegt, umgesetzt und begleitet werden.6


4 Beschreibung der dunkelgrünenAgrarumweltmaßnahmenIm Folgenden werden rund 20 dunkelgrüne AUM inSteckbriefform vorgestellt. Diese Darstellung soll einenÜberblick über die wichtigsten AUM vermitteln. Siehat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die dunkelgrünenAUM gibt es teilweise schon in einigen Bundesländern,einige weitere Maßnahmen wurden in denvergangenen Jahren neu entwickelt und sind noch nichtin die laufenden Agrarumweltprogramme eingegangen.In den Steckbriefen sind einige Informationen dazu zusammengestellt.In dieser Darstellung nicht enthalten sind besondersregionsspezifische und standortspezifische Maßnahmen,wie z.B. folgende Maßnahmen:−−extensive Teichwirtschaft−−großflächiger Wiesenbrüterschutz−−Anlage/ Wiederherstellung von „Sonderbiotopen“(z.B. Blänken, temporäre Kleingewässer, Kleingewässer)−−Moorrenaturierung−−Hecken-/Knickpflege−−Weitere Vertragsnaturschutzmaßnahmen.Diese Maßnahmen und insbesondere der Bereich Vertragsnaturschutzsind enorm wichtig und müssen inden Länderprogrammen weitergeführt bzw. ausgebautwerden. Wegen des speziellen Charakters wurde hiergleichwohl auf die Darstellung verzichtet – vor allem,um den Blick auf die großflächig wirkenden Maßnahmenund die breitenwirksamen Biodiversitäts-Maßnahmenmit der Landwirtschaft zu schärfen. Auch der ökologischeLandbau wird hier nicht gesondert erwähnt,wenngleich er aufgrund seiner generellen Umweltleistungenfür dunkelgrüne AUM gut geeignet ist und alsgesamtbetriebliche Alternative im Hinblick auf eineKombination verschiedener Maßnahmen eine besondershohe Effizienz aufweist.In der Gesamtauflistung (siehe Tabelle Seite 30) sindauch die oben genannten, weiteren dunkelgrünen Maßnahmenund der Vertragsnaturschutz zu berücksichtigen.7


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmen4.1 Dunkelgrüne AUM im AckerlandBlühflächen und BlühstreifenKurzbeschreibungBlühmischungen mit mindestens 10 verschiedenen blühendenKräutern werden eingesät und entwickeln sichweitgehend ohne Eingriffe über Frühjahr und Sommer.Dabei gibt es−−einjährige Bestände (Aussaat April, Umbruch imHerbst),−−überjährige Bestände (Aussaat im Herbst, Umbruchim Folgeherbst oder Aussaat im April, Umbruch imFolgejahr),−−zweijährige Bestände und−−mehrjährige Bestände (2-5 Jahre).Je nach Typ sind in den Mischungen unterschiedlichgroße Anteile von Kulturarten (z.B. Ölrettich, Buchweizen)und von Wildarten (z.B. Klatschmohn) enthalten.Ziel / FunktionDie Blühflächen dienen einer Vielzahl von Insekten wieWildbienen und Schmetterlingen sowie Feldvögeln undKleinsäuger. Für viele Arten ist entscheidend, dass dieFlächen schon im Frühjahr zur Verfügung stehen (entwickelterVegetationsbestand) und dass der Bestandüber Winter auf der Fläche verbleibt. Einjährige Blühflächenhaben daher nur ein eingeschränktes Funktionsspektrum,während über- und mehrjährige Beständefür mehr Arten und für einen längeren Zeitraumökologisch wirksam sind.Anlage / NutzungFür die Aussaat ist ein gutes Saatbett wichtig, das weitgehendunkrautfrei ist (insbesondere keine Problemunkräuter).Eine Nutzung ist im Herbst möglich: Ernte eines Teilsder Biomasse, ein Drittel bis die Hälfte der Fläche solltejedoch ungeerntet auf der Fläche verbleiben.Bedeutung / UmfangDie Mindestbreite von Blühflächen sollte 12 m betragen.Die Streifen oder Flächen sollten überall in der Gemarkungeingestreut sein, und vorrangig auch abseits vonFeldwegen und Straßen angelegt werden (wegen derStörungsempfindlichkeit von Feldvögeln und Kleinsäugern).Ein Gesamtumfang von landesweit rund 3-5 %der Ackerflächen sollte angestrebt werden.Weitere HinweiseDie Saatmischungen kosten rund 70 - 500,- €/ha, zusätzlichsind Bearbeitungsaufwand (Saatbettbereitung,Abschlegeln am Ende der Kulturzeit) sowie die Ernteverlustezu berechnen.Aktuell wird die Anlage von Blühflächen je nach Typund Auflagen mit 300 - 800,- €/ha vergütet.8


Lichtäcker / Getreideanbau in weiter ReiheKurzbeschreibungGetreide wird in weiter Reihe gesät (Reihenabstand≥ 25 cm), es können ergänzend verschiedene Kräuterarteneingesät werden. Die Flächen werden ohne Pflanzenschutzmittelbewirtschaftet. Eine geringe Düngungkann je nach Standort zugelassen werden oder mittelbislangfristig wichtig sein. Die Ernte kann wie üblicherfolgen.Ziel / FunktionDurch die weite Reihe kommt mehr Licht und Wärmeauf die Bodenoberfläche. Dadurch können sichmehr Pflanzen- und Tierarten auf dem Boden des Bestandesentwickeln, es profitieren Ackerwildkräuter,bodenlebende Insekten (Laufkäfer) und Vögel/ Kleinsäuger.Insbesondere Vögel und Kleinsäuger brauchenin Schlechtwetterphasen nahrungsreiche und schnellabtrocknende Vegetationsbestände.Anlage / NutzungAnlage auf allen für Getreidebau geeigneten Flächen,nicht jedoch auf Flächen mit Vorkommen von Problemunkräutern.Vorteilhaft ist die ergänzende Einsaat von wenigenniedrigwachsenden Kräuterarten (Ausbringung z.B.mit Düngerstreuer im Frontanbau), die für ein Blütenangebotsorgen und die Flächen auch für Blütenbestäuberattraktiv machen.Bedeutung / UmfangDie Maßnahme hat den Vorteil, eine landwirtschaftlicheFlächennutzung mit einer ökologisch hohen Bedeutungzu verbinden.Großes Flächenpotenzial von 1-5 % der Ackerfläche.Weitere HinweiseDer Getreideertrag ist erheblich niedriger (Mindereinnahmen30 – 70 % des Ertrages), zusätzlicher Aufwandfür Maschinenumrüstung sowie ggf. für ergänzendeKräutereinsaat.Bislang keine Erfahrungen mit bestehenden AUM. GeschätzteVergütung 300 - 600 €/ha.9


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenAckerwildkraut-SchutzäckerKurzbeschreibungAckerwildkraut-Schutzäcker werden angelegt, indeman Standorten mit vorkommenden Ackerwildkraut-Beständenmit seltenen Arten oder mit typischer Ausprägungder sogenannten Segetalflora spezielle Bewirtschaftungsmaßnahmendurchgeführt werden, diedie Erhaltung der Ackerwildkrautflora sichern helfen:entweder wird der Boden nur umgebrochen und derBestand an Ackerwildkräutern entwickelt sich von Jahrzu Jahr selbst, oder es erfolgt eine extensive Bewirtschaftungmit Getreide-Fruchtfolge ohne Düngung undPflanzenschutzmittel-Einsatz.Ziel / FunktionDie Maßnahme ist primär auf die Erhaltung von Ackerwildkräuternausgelegt, daneben kommen aber auch dietypischen Tiergemeinschaften vor; je nach Größe derFläche profitieren auch Feldvögel und andere Tiere vondiesen Flächen.Anlage / NutzungDie Nutzung ordnet sich dem Erhaltungsziel unter,meist werden von diesen Flächen nur geringe Erträgegeerntet (oder im Falle eines Brachejahres oder einerNichtaussaat von Kulturpflanzen gibt es keinen Ertrag).Die Anlage und Bewirtschaftung richtet sich nach derAckerwildkraut-Gemeinschaft.Bedeutung / UmfangIn Deutschland sind der Umfang und die Bedeutungvon Ackerwildkraut-Schutzäckern sehr unterschiedlich,aber insgesamt sehr gering. Für die landes- undbundesweite Erhaltung sollte angestrebt werden, in jedemLandkreis mit Ackerbau mindestens 5 – 30 Ackerwildkraut-Schutzäckeranzulegen bzw. zu erhalten, dieEinzelflächen müssen jedoch nicht besonders groß sein(0,1 – 0,3 ha reichen aus, d.h. pro Landkreis 1 - 10 haFläche).Weitere HinweiseAuf den Flächen ist ein kompletter Ertragsausfall zuberechnen, zusätzlich sind Kosten für die Bewirtschaftungder Flächen zu kalkulieren. Gesamtkosten ca. 500– 1.200 €/ha.10


Gemanagte Flächenstilllegung („Naturschutzbrache“)KurzbeschreibungAuf geeigneten Flächen werden Streifen unterschiedlicherBracheflächen nebeneinander angelegt: SelbstbegrünteBrachfläche, Schwarzbrache zur Entwicklungvon Ackerwildkräutern, zwei- oder mehrjährige Blühstreifen.Die Maßnahme wurde bislang insbesondere inOstdeutschland auf großen Ackerschlägen erprobt undhat sich dort bewährt (am Rand der Schläge und aufschlaginternen Teilflächen mit andersartigen Böden).Ziel / FunktionDie Maßnahme ermöglicht vielen Arten (Ackerwildkräuter,Insekten, Vögel, Kleinsäuger) ein Vorkommen,da nebeneinander die verschiedensten Flächentypenangelegt werden: offene Ackerstandorte, eingesäte undbrachliegende Flächen.Gleichzeitig werden gezielt die ackerbaulich wenigerwichtigen Randbereiche sowie schlaginterne Flächenmit geringerer ackerbaulicher Produktionseignunghierfür ausgewählt.Anlage / NutzungNäheres siehe Anleitung im Handbuch Berger & Pfeffer(2011).Bedeutung / UmfangIn geeigneten Regionen rund 1 – 3 % der Ackerfläche.Weitere HinweiseSiehe Berger & Pfeffer (2011)11


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenSpezielle ArtenschutzmaßnahmenKurzbeschreibungIn jedem Bundesland gibt es Tier- und Pflanzenartender Ackerflächen, die besonderer Schutzmaßnahmenbedürfen und für die das jeweilige Bundesland einebesondere Verantwortung trägt. Beispielhaft seien Feldhamster,Ortolan und Wiesenweihe genannt. Die Maßnahmenrichten sich im Konkreten nach den jeweils zuschützenden und zu fördernden Arten.Ziel / FunktionDie Flächen dienen der Erhaltung von Populationenbesonders bedrohter Arten. Als Nebeneffekt könnendamit oft auch weitere Arten derselben Lebensgemeinschaftgefördert werden.Anlage / NutzungDie Anlage und Nutzung der Flächen richtet sich nachden jeweils zu fördernden Arten.Bedeutung / UmfangWichtig für die Programmierung dieser Maßnahmenist, den Populationsstatus der bedrohten Arten in derjeweiligen Landesverordnung abzuschätzen und entsprechendfür die relevanten Arten den Umfang anMaßnahmenflächen zusammenzustellen.12


Anbau seltener KultursortenKurzbeschreibungSeltene Kultursorten von Getreide und anderen Kulturartensind ein Teil der kulturellen Biodiversität einesLandes. Bedrohte Kultursorten sind z.B. die GetreideartenEmmer und Einkorn. Mit der Erhaltung dieserKultursorten geht gleichzeitig die Erhaltung der speziellenLebensgemeinschaften einher, so z.B. beim Anbauvon Emmer und Einkorn die Ackerwildkrautflora unddie entsprechenden Tiergemeinschaften (bedingt durchdie meist lichte Struktur dieser Getreidebestände) oderbeim Obstbau die Erhaltung und Förderung der entsprechendenLebensgemeinschaften der Streuobstbestände.Ziel / FunktionZiel ist die Sicherung der bedrohten genetischen Ressourcenund die Erhaltung der damit assoziierten Pflanzenbeständeund Lebensgemeinschaften (Ackerbiozönosenund Streuobstbiozönosen).Anlage / NutzungDie Anlage der Bestände erfolgt praxisüblich und mitder Auflage, in diesen Flächen auf chemischen Pflanzenschutzzu verzichten und bei der Düngung nur eineorganische Düngung zuzulassen.Bedeutung / UmfangIm Streuobstbau gibt es in fast allen Bundesländern entsprechendegrößere oder kleinere Erhaltungsprogramme,nicht jedoch explizit für die Vielzahl der speziellenSorten. Der Schutz und die Kultivierung der Sorten solltenjedoch in die Breite getragen werden (und nicht nurwenigen Sortengärten überlassen bleiben). Im Ackerbaugibt es ein Programm des Landes Brandenburg miteiner Liste der besonders zu fördernden und seltenenKultursorten (siehe Link; ein solches Programm fehltbislang in anderen Bundesländern).Weitere HinweiseKalkulation je nach anzubauender Kultursorte unterschiedlich.13


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmen4.2 Dunkelgrüne AUM im GrünlandExtensivbewirtschaftung von Wiesen (und Weiden)KurzbeschreibungExtensivgrünland wird je nach Standort zwischen einmalund dreimal pro Jahr gemäht und/oder beweidet,nicht mit Pflanzenschutz behandelt und es findet keineGrünlanderneuerung durch Ansaat mit leistungsfähigenGräsern statt.Ziel / FunktionMit der Bewirtschaftung von Extensivgrünland werdendie Lebensgemeinschaften der artenreichen Wiesenund Weiden bzw. der seltenen oder bedrohten Pflanzengemeinschaftendes Grünlandes erhalten, insbesonderedie Vielzahl der hier vorkommenden Pflanzenartenund der darauf angewiesenen Tierarten (z.B. Schmetterlinge,Wildbienen, Heuschrecken). In Abhängigkeitvon der Größe und dem Umfeld des Extensivgrünlandsprofitieren auch die Feldvögel von der Bewirtschaftung,indem sie ein größeres und vielfältigeres Nahrungsangebotzur Verfügung haben (z.B. der Neuntöter, der hierNahrung findet).Anlage / NutzungDie Nutzung der Flächen erfolgt je nach Aufwuchs desStandorts. Bei hohem standortgegebenen Nährstoffpo-tenzial erfolgt die Nutzung 2-3 Mal pro Jahr mit einemfrühesten Schnittzeitpunkt in der Regel ab Anfang bisMitte Juni, die extensivsten Formen werden nur allezwei Jahre gemäht (oftmals Wechsel von Teilflächen mitjährlicher Mahd).Bedeutung / UmfangExtensivgrünlandprogramme gibt es in allen Bundesländern;hier ist jedoch zu unterscheiden zwischen Programmen,die de facto eine extensive Bewirtschaftungdarstellen (mit spätem ersten Schnitt und stark reduzierterDüngung) oder ob es sich um eine Definition desGrünlands nach Viehbesatzdichte handelt (z.B. 1,8 GV/ha). Letztere bedingen nicht zwangsläufig eine extensiveBewirtschaftung der Einzelfläche, sondern werden nurals betrieblicher Gesamtvertrag unter Extensivbewirtschaftunggeführt.Weitere HinweiseDie Vergütung ist sinnvoll in der Größenordnung von400-500 €/ha. Weitere standortspezifische Auflagen(z.B. Handmahd, Nassbewirtschaftung) müssen ggf. zusätzlichentgolten werden.14


Artenreiches GrünlandKurzbeschreibungMit der Maßnahme „Artenreiches Grünland“ werdenBestände mit vorhandener Mindestartenvielfalt gefördertund dabei die Bewirtschaftung weitgehend demWissen und der Erfahrung der beteiligten Landwirteüberlassen. Die Vergütung erfolgt erfolgsbezogen bzw.ergebnisorientiert und sollte gestaffelt werden für dasVorhandensein von mindestens 4, 6 oder 8 Kennartenaus einer vorgegebenen Pflanzenliste für typische artenreicheMähwiesen. Die Landwirte können ihrerseitsselbst am besten abschätzen, wie sich in jedem Jahr dieVegetation und der Aufwuchs entwickeln und wannder beste Zeitpunkt für die Nutzung dieser Flächen ist,um die vorhandene Artenvielfalt zu erhalten (oftmalsWeiterführung der traditionellen Bewirtschaftung mitmeist 2-3 Schnitten pro Jahr auf wüchsigen Standortenund 1-2 Schnitten pro Jahr auf mageren bzw. schwachwüchsigenStandorten). Eine gelegentlich leichte Düngungmit Festmist oder fein dosierter mineralischerDüngung kann auch zur Erhaltung der Vielfalt wichtigsein.Ziel / FunktionDas artenreiche Grünland dient der Erhaltung der vielfältigenPflanzenzusammensetzung dieser Wiesen. Mitden Pflanzen werden die entsprechenden Tiergemeinschaftengefördert (Schmetterlinge, Heuschrecken).Anlage / NutzungWo eine Mindestartenvielfalt vorhanden ist, gilt es, dieBestände zu erhalten (in möglichst großem Umfang).Wenn die Pflanzenbestände nicht mehr artenreich sind,der Standort sich aber für einen artenreichen Bestandanbietet (so z.B. südexponierte Lage auf flachgründigemBoden) sollte eine Neuanlage von artenreichemGrünland erwogen werden (näheres siehe Ansaat artenarmerFlächen).Bedeutung / UmfangDer Umfang artenreichem Grünlands beträgt nach Untersuchungendes Bundesamtes für Naturschutz bundesweitim Durchschnitt 13 % der Grünlandflächen.Regional kann der Flächenanteil erheblich abweichen;so gibt es z.B. in Baden-Württemberg Landkreise miteinem Anteil von über 40 % artenreichen Grünlands(Krismann & Oppermann 2006). Für eine Erhaltungund Förderung der artenreichen Flächen und ihrer Lebensgemeinschaftenist je nach Bundesland eine Förderungim Umfang von 25 – 30 % des Grünlands notwendig.Weitere HinweiseDie Vergütung erfolgt gestaffelt nach mindestens 4,6 oder 8 Kennarten in der Spanne von 300-500 €/ha.15


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenExtensivbeweidung und halboffene WeidesystemeKurzbeschreibungNeben einer extensiven Mähwiesen-Bewirtschaftungund/oder allgemeinen Extensivgrünland-Programmengibt es oftmals zusätzlich Programme für eine extensiveBeweidung von Grünland oder Maßnahmen zurSchaffung von halboffenen Weidelandschaften. Damitwird insbesondere die Viehhaltung in diesen Bereichengefördert. Aus Naturschutzsicht wichtig ist dabei, dasshinsichtlich der Beweidungsintensität Grenzen gesetztsind und Ruhezeiten zur Regeneration der Vegetationvorgesehen sind. So entsteht ein kleinteiliges Flächenmosaikaus Bereichen mit partieller Unterbeweidungund Stellen mit kleinflächiger Überbeweidung und Gehölzverbiss.Bei halboffenen Weidesystemen findet inder Regel eine Ganzjahresbeweidung statt.Ziel / FunktionMit der Extensivbeweidung sollen dynamische Grünlandgesellschaftengefördert werden, die neben der botanischenArtenvielfalt gleichzeitig auch einer Vielzahlvon Tieren Lebensraum bieten. Ferner sind Maßnahmenzur Extensivbeweidung oftmals die einzigen praktikablenNutzungsmöglichkeiten für die Bewirtschaftungvon Steilhängen und/oder isolierten Grünlandflächen.Ziel ist die Erhaltung der Grünland-Biozönosen (oftmalsarten- und strukturreiche Vegetationsbestände).Anlage / NutzungDie Beweidungsdichte richtet sich nach den Standortgegebenheitenund schwankt zwischen 0,3 und 1,4GV/ha. Neben der Durchführung der Beweidung mussauf ausreichende Ruhezeiten der Vegetation sowie ggf.die Belassung und Förderung von Strukturelementen(Gebüsche) geachtet werden, ferner auf eine adäquateWeidepflege (Schröpfschnitte und Pflegeschnitte derGeilstellen innerhalb der Weide). Im Gegensatz zurklassischen Extensivbeweidung wird bei der gezieltenFörderung von halboffenen Weidesystemen auf Weidepflegeverzichtet.Bedeutung / UmfangExtensivbeweidung gibt es in vielen Regionen Deutschlands.Ein Gesamtumfang von rund 30 % der Grünlandflächeeines Landes ist notwendig, um regionsoderlandesweit einen Verband von Extensivgrünlandzu erreichen und Wiesenbrütern die Lebensgrundlagezu sichern (z.B. Braunkehlchen).16


SaumstreifenKurzbeschreibungIn vielen Agrarlandschaften werden zur Blütezeit desGrünlandes oftmals nahezu 100 % der Flächen innerhalbvon wenigen Tagen komplett gemäht undabgeräumt (Silagebereitung im Mai). Damit wirdzahlreichen Tier- und Pflanzenarten plötzlich die Lebensgrundlageentzogen. Mit Saumstreifen von spätergemähten Grünlandflächen (Streifenbreite mind. 3-5m) können zumindest einige Arten einen kleinen Rückzugsraumin der Agrarlandschaft besiedeln und dort biszum Wiederaufwuchs der Grünlandflächen überleben.Ziel / FunktionDie Saumstreifen können ein Netz an Rückzugsräumenzur Zeit der Wiesenmahd bilden.Anlage / NutzungDie Saumstreifen sollten am Rand von Parzellen undbei großen Grünlandparzellen von über 50 m Breiteauch im Abstand von 30-60m quer durch die Parzellenbelassen werden. Insgesamt soll ein Anteil von rund 5%später gemähter Flächen im Grünland verbleiben. DerAufwuchs dieser ungemähten Streifen oder Flächenkann mit der zweiten Mahd des Grünlandes wieder gemähtund durch Mischung mit dem übrigen Aufwuchseiner Verfütterung zugeführt werden.Bedeutung / UmfangSaumstreifen sollten 5 % des Intensivgrünlandes ausmachenund so das Flächensystem des Extensivgrünlandesergänzen.17


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenNaturverträgliche MähtechnikKurzbeschreibungDie praxisüblichen Rotations-Mähwerke (Kreiselmäher,Trommelmäher, Scheibenmäher) verursachen einehohe Schädigungsrate bei vielen Tierarten, die sich imGrünland aufhalten. Nachgewiesen sind hohe Verlustratenbei Amphibien, Heuschrecken, Bienen und anderenInsekten. Weitaus naturverträglicher sind moderneDoppelmesser-Mähgeräte, die zudem ein geringeresGewicht haben und weniger Energiebedarf zum Antriebbenötigen.Ziel / FunktionMit der naturverträglichen Mähtechnik werden dieTiere des Extensivgrünlandes geschont, die Maßnahmeträgt zur Erhaltung von Populationen bei. Fernerwird die Grasnarbe geschont und weniger Energie verbraucht.Anlage / NutzungDer Einsatz naturverträglicher Mähtechnik ist insbesonderein Gebieten mit einer vielfältigen Tiergemeinschaftwichtig, so insbesondere in Feuchtgrünland-Gebieten(Schutz der Amphibienfauna) und in Gebietenmit artenreichen Extensivwiesen (feuchte, frische undtrockene Wiesen).Bedeutung / UmfangJe nach Umfang des regions- bzw. landesspezifischenExtensivgrünlandes kann die Bedeutung unterschiedlichsein. Insbesondere in Natura-2000-Gebieten undvergleichbaren Lebensraumtypen ist es geboten, dieseMaßnahme anzubieten.Weitere HinweiseDie naturverträgliche Mähtechnik (Doppelmesser-Mähbalken)ist in der Anschaffung meist nicht teurerals Kreiselmähwerke, sie hat jedoch einen wesentlichhöheren Wartungsaufwand (für das Schleifen der Doppelmesser)und ist empfindlicher beim Einsatz (langsameresFahren, geringere Flächenleistung bei der Mahd).Dies resultiert in höheren Kosten für den Landwirt inder Höhe von rund 100 €/ha.18


FestmistwirtschaftKurzbeschreibungDer Einsatz von Festmist zur Düngung im Extensivgrünlandfördert den Kräuterreichtum der Wiesen unddie dort vorkommende Insektenvielfalt. Durch die langsameNährstofffreisetzung ist eine langsame Düngungswirkunggegeben und bei geringer Dosierung werdendie empfindlichen Pflanzen nicht geschädigt. Eine moderneBreitstreutechnik ermöglicht eine gleichmäßigeund feine Dosierung in der Fläche. Im Gegensatz zurGülletechnik wirkt der Einsatz von Festmist nicht verätzendauf die Pflanzen.Ziel / FunktionAnlage / NutzungFür Landwirte ist der Einsatz von Festmist eine generelleFrage der Stalltechnik, die Förderung von Festmistausbringungsollte daher gesamtbetrieblich erfolgen(bezogen auf die Gesamtgrünlandfläche und/oder dieAnzahl der Großvieheinheiten im Betrieb).Bedeutung / UmfangDer Einsatz von Festmist in der Landwirtschaft ist starkzurückgegangen. Mit dem Angebot einer dunkelgrünenAgrarumweltmaßnahme „Festmistwirtschaft“ soll dieAnwendung von Festmistdüngung gefördert werden.Die Festmistdüngung fördert die vielfältigen Biozönosen.19


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmen4.3 Dunkelgrüne AUM im Obst- und WeinbauStreuobstwiesen – Bewirtschaftung/-pflegeKurzbeschreibungStreuobstwiesen stellen einen sehr artenreichen Lebensraumin unserer Kulturlandschaft dar. Die Streuobstwiesen-Bewirtschaftungerfordert jedoch eine sorgfältigePflege des Baumbestandes, und auch die Bewirtschaftungder Wiesen und des Unterwuchses ist aufwändiger.Daher bedarf die Streuobstwiesen-Bewirtschaftung und-pflege einer Unterstützung.Ziel / FunktionMit der Förderung einer Streuobstwiesenbewirtschaftungund -pflege werden die artenreichen Lebensgemeinschaftenund das prägende Landschaftsbild derStreuobstwiesen erhalten.Anlage / NutzungStreuobstwiesen sollen zwei- bis dreimal pro Jahr gemähtoder extensiv beweidet werden. Bei Beweidung istdarauf zu achten, dass die Stämme der Bäume vor Verbissgeschützt werden. Der Baumbestand selbst bedarfeiner regelmäßigen Pflege/ eines Baumschnittes, derggf. separat zu vergüten ist.Neben der Erhaltung vorhandener Streuobstbeständesoll auch die Nachpflanzung und/oder Neuanlagevon Streuobstbeständen gefördert werden. Wichtig isthierbei die Verwendung einheimischer, ggf. regionaltypischerStreuobstsorten. Eine gelegentliche Düngungder Baumscheiben der Streuobstbestände ist wichtig,um die Vitalität des Baumbestandes zu erhalten oder zufördern.Bedeutung / UmfangJe nach Region und Bundesland ist der Umfang derStreuobstwiesen sehr unterschiedlich.Weitere HinweiseJe nach Anzahl der Bäumen ist für Mahd/Beweidungund den regelmäßigen Baumschnitt sowie Nachpflanzungeneine Vergütung von 300-500 €/ha notwendig.20


SteillagenweinbauKurzbeschreibungIn einigen Weinbaugebieten Deutschlands gibt esden sogenannten Steillagenweinbau, der teilweise aufschmalen Terrassen, teils aber auch auf steil geneigtenHängen ohne Terrassierung erfolgt; teilweise liegen dieWeinberge auch brach. Diese meist mehr oder wenigersüdexponierten Weinberglagen weisen eine sehr vielfältigeTier- und Pflanzenwelt auf, denn die Südlage unddie extremen Standortbedingungen begünstigen dasVorkommen seltener Arten.Ziel / FunktionEine Bewirtschaftung der Weinbau-Steillagen bzw. einePflege der Weinbergbrachen (bzw. Wiederaufnahmeder Nutzung der aufgelassenen Weinbergflächen) istwichtig, um die besondere Weinbergflora und -fauna zuerhalten.Anlage / NutzungJe nach Standort sind unterschiedliche Maßnahmenwichtig: zum einen die Erhaltung und Pflege der Weinbergterrassenund -mauern, zum anderen die fortlaufendeBewirtschaftung der steilen und/oder kleinenWeinbergflächen, die sich wirtschaftlich nicht selbsttragen. Zusätzlich zur Erhaltung der Weinbergflächenkann ggf. die Anlage von Landschaftselementen wie z.B.die Pflanzung von Weinbergpfirsichen oder anderenlandschaftsprägenden Obstbäumen gefördert werden.Bedeutung / UmfangJe nach Bundesland unterschiedlich.Weitere HinweiseEine Vergütung von 300-500 €/ha ist erforderlich. Eineggf. erforderliche Sanierung einsturzgefährdeter historischerTrockenmauern muss gesondert gefördert werden.21


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenArtenreiche RebgassenbegrünungKurzbeschreibungIn den letzten Jahren ist der größte Teil der WeinbergflächenDeutschlands begrünt worden, d.h. in den Rebgassenwachsen meist dichte Gras- oder Rasenflächen.Diese Rasenflächen sind meist artenarm und werdenoftmals 5-10 Mal im Jahr gemulcht. Es zeigt sich jedoch,dass es durchaus andere Möglichkeiten einerRebgassenbewirtschaftung gibt, bei der eine artenreicheBegrünungsmischung eingesät und die weniger häufiggemäht wird. Diese artenreiche Begrünung fördert zugleichdie Insektenvielfalt im Weinberg und kann ggf.die biologische Schädlingsbekämpfung unterstützen.Anlage / NutzungEs wird eine artenreiche Begrünungsmischung ausgebracht(siehe unten stehender Link). Die Rebgassenwerden abwechselnd gemäht (jede zweite Gasse wechselnd).Insgesamt werden die Flächen nur 2-3 Mal imJahr gemäht. Von Zeit zu Zeit muss eine Erneuerungdieser Ansaaten erfolgen.Bedeutung / UmfangPrinzipiell lässt sich eine solche artenreiche Begrünungauf allen Rebflächen einer Weinbauregion ansäen.Ziel / FunktionEntwicklung artenreicher Weinberg-Lebensgemeinschaftendurch Anlage von artenreicher Begrünung undalternierende Nutzung der Rebgassen.22


4.4 Dunkelgrüne AUM im GesamtbetriebGesamtbetriebliche Naturschutzberatung für landwirtschaftlicheBetriebeKurzbeschreibungEine gesamtbetriebliche Naturschutzberatung dient derErkennung und Förderung von Besonderheiten derBiodiversität eines Betriebes und darauf abgestimmteEmpfehlungen zur ökologischen Aufwertung mit (undohne) entsprechende Agrarumweltmaßnahmen. DurchVermittlung des Wissens an die Landwirte werden siegeschult, die Biodiversitätsbelange bei der Bewirtschaftungzu berücksichtigen. So z.B. die Belassung vonschmalen Saumstreifen entlang von Hecken, Gräbenund Waldrändern oder die abschnittsweise Pflege vonHecken und Gräben. Wichtig ist insbesondere auch,dem Landwirt Vorschläge zu machen, auf welchen Flächensich die Durchführung von speziellen AUM lohntund wo welche Typen von ökologischen Vorrangflächenangelegt werden sollen.Weitere HinweiseFür den Landwirt bedeutet die Teilnahme einen zusätzlichenArbeitsaufwand von 1-2 Tagen pro Jahr, die er fürdie Beratung und die Umsetzung aufwendet. Für den/die Berater/in ist der Aufwand mit 2-3 Tage zu beziffern(1-2 Tage auf dem Betrieb und ein weiterer Tag für dieVor- und Nachbereitung). Dies gilt für Betriebe bis ca.200 ha Größe, bei größeren Betrieben ist ggf. auch eingrößerer Aufwand zu kalkulieren.Ziel / FunktionDas Wissen um die naturschutzfachliche Wertigkeitund die Möglichkeiten des eigenen Betriebs fördertbeim Landwirt das Verständnis und die Umsetzungsbereitschaftfür Naturschutzmaßnahmen im Betrieb. ImIdealfall ist der Betrieb in einen Biotopverbund eingebundenund es findet eine gesamtbetriebliche Vernetzungauch mit den Nachbarbetrieben statt.Anlage / NutzungDer/die Biodiversitätsberater/in kommt für 1-2 Tageauf den Betrieb und bespricht vor Ort die Möglichkeitendes Betriebs (ggf. ein Tag für die Bestandsaufnahmeund das Erstgespräch und ein zweiter Tag für die Umsetzungbzw. die Nachbesprechung der durchzuführendenmöglichen Maßnahmen).Bedeutung / UmfangEine Naturschutzberatung für Landwirte kann generellallen Betrieben eines Landes angeboten werden.Bei einer Priorisierung bietet es sich an, die Maßnahmezunächst in den ökologischen Hotspots anzubieten,z.B. im Umfeld von Natura-2000-Gebieten oder Naturschutzgebieten.23


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenGesamtbetriebliche VernetzungKurzbeschreibungBei einem gesamtbetrieblichen Biotopverbund geht esum die Aufwertung des Gesamtbetriebs und die Durchführungeines bestimmten Maßnahmenumfangs, dergewährleistet, dass sich Tier- und Pflanzengemeinschaftenadäquat entwickeln und im Verbund der Lebensräumezur Populationserhaltung beiträgt. Ziel ist ein„dunkelgrüner“ Maßnahmenumfang von mind. 10 %auf den Acker- und mind. 25 % auf den Grünlandflächen.Die Maßnahmen sollten jeweils auf den dafürbesonders geeigneten Standorten angelegt werden, wodurchdie Mehrzahl dieser Standorte aufgewertet wird.Die Landwirte sollen besonders für die Zusammenhängeder Lebensgemeinschaften geschult werden.Ziel / FunktionEin gesamtbetrieblicher Verbund kann auf der lokalenEbene wesentlich dazu beitragen, die Lebensgemeinschaftender Pflanzen und Tiere zu sichern. Im Idealfallerfolgt eine gesamtbetriebliche Vernetzung zusammenmit den benachbarten landwirtschaftlichen Betrieben,so dass ggf. eine ganze Gemeinde oder mehrere Gemeindeneines Naturraums entsprechend ökologischaufgewertet werden können.Anlage / NutzungGrundlage für einen gesamtbetrieblichen Biotopverbundist eine Analyse der Standorte und des Gemeindegebietessowie die Einbindung der Maßnahmen inein naturräumliches Konzept. Ferner ist eine Aus- undFortbildung für diesen Bereich wichtig.Bedeutung / UmfangDie gesamtbetriebliche Vernetzung bietet sich insbesonderefür Regionen an, in denen ein hohes naturräumlichesPotenzial besteht, das schnell zu Erfolgenfür die ökologische Aufwertung führt, oder für Gebiete,in denen Landwirte oder Gemeinden von sich aus eineökologische Aufwertung erreichen möchten.Weitere HinweiseFür Betriebe mittlerer Größenordnung (30-200 ha) istein Aufwand von ca. 2-3 Tagen erforderlich, für größereBetriebe ist entsprechend ein größerer Aufwand erforderlich.Pro Jahr sollten mind. 1-2 Tage Zeit für einenüberbetrieblichen oder regionalen Austausch mit anderenLandwirten oder für eine Fortbildung in diesem Bereicheingeplant und bei der Kalkulation berücksichtigtwerden.24


4.5 Dunkelgrüne AUM auf Kreis- und LandesebeneDemonstrationsbetriebe biologische VielfaltKurzbeschreibungEin landesweites Netz von Demonstrationsbetriebenzur biologischen Vielfalt kann dazu beitragen, die besondersvorbildlichen Maßnahmen zur ökologischenAufwertung der Agrarlandschaft und die Anlage vonökologischen Vorrangflächen praxisnah darzustellen.Auf diesen Demonstrationsbetrieben können Fortbildungs-und Schulungsveranstaltungen für die Landwirtestattfinden.Ziel / FunktionMit Demonstrationsbetrieben sollen das Wissen übereine ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung und ökologischeVorrangflächen sowie die entsprechendenPraxiskenntnisse an die Landwirte weitergegeben werden,damit mittelfristig eine Verbreitung des Stands derTechnik auf diesem Gebiet gewährleistet werden kann.Anlage / NutzungBei den Demonstrationsbetrieben sollte darauf geachtetwerden, dass möglichst die gesamte Bandbreite derökologischen Aufwertungsmaßnahmen und Vorrangflächenangewendet wird. Mit den Betrieben sollte vereinbartwerden, dass ein bestimmter Anteil der AgrarundGrünlandfläche entsprechend für diese Zweckebereitgestellt wird.Bedeutung / UmfangDie Anzahl der einzurichtenden Demonstrationsbetrieberichtet sich nach der Struktur der landwirtschaftlichenFortbildung in dem betreffenden Bundesland; inder Regel sind 3-5 Betriebe pro Regierungsbezirk bzw.Bundesland zu empfehlen.Weitere HinweiseDie Demonstrationsbetriebe haben einen zusätzlichenAufwand für die Bereitstellung von bestimmten Flächenfür Demonstrationszwecke und einen zusätzlichenAufwand je nach Umfang der durchgeführten Informationsveranstaltungenauf dem Betrieb. Dieser Mehraufwandist angemessen zu vergüten.25


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenArche-Noah-Flächen für bedrohte Pflanzenarten undKultursortenKurzbeschreibungBestimmte Pflanzenarten und Kultursorten der Agrarlandschaftsind so selten geworden, dass das Anbietenvon Agrarumweltprogrammen diesbezüglich kaumWirkung verspricht. Vielmehr sollten in jedem Landkreishierfür speziell Landwirte gewonnen werden, dieFlächen entsprechend bewirtschaften. Dies betrifft z.B.die Anlage von Ackerwildkrautflächen und die Anlagevon Flächen mit seltenen Kultursorten (z.B. Emmer,Einkorn und andere seltene Getreidesorten). Wenn injedem Landkreis ca. 10-30 solcher Parzellen bewirtschaftetwerden, kann damit mittelfristig eine Sicherungdes Genmaterials dieser Arten erfolgen.Ziel / FunktionDie Arche-Noah-Flächen stellen einen Beitrag zur Sicherungbesonders bedrohter Pflanzenarten und Kultursortender Agrarlandschaft dar. Sie ergänzen dasAngebot von flächendeckend angebotenen Agrarumweltprogrammenund können mittelfristig das Samenpotenzialzur Wiederausdehnung bedrohter Pflanzenartenbereitstellen.Anlage / NutzungIn jedem Landkreis sollten geeignete Flächen und interessierteLandwirte für die Bewirtschaftung der Flächengewonnen werden, ferner sollte in jedem Landkreis einAnsprechpartner der Fachbehörden die Flächen undLandwirte kennen. Auf Landesebene sollte hierzu einregelmäßiger Austausch zwischen den beteiligten Landwirtenund Fachbetreuern erfolgen.Bedeutung / UmfangDie Einzelflächen für den Ackerwildkrautschutz undfür den Anbau seltener Kultursorten müssen nicht besondersgroß sein, es reichen bereits 0,1 – 0,3 ha für dieeinzelnen Parzellen. Bei einer Anzahl von 20 Parzellenpro Landkreis beträgt der Gesamtumfang 2 – 6 ha imLandkreis; diese wichtige Maßnahme nimmt daher nureinen geringen Flächenanteil ein.Weitere HinweiseAuf den Arche-Noah-Flächen kann kein nennenswertesEinkommen aus der Produktion von Getreide oderanderen Kulturen erwartet werden. Es sind daher derErtragsausfall sowie die notwendigen Bewirtschaftungsmaßnahmen(Zeit und Maschinenaufwand) zukalkulieren. Die geschätzten Maßnahmenkosten betragen800 – 1.500 €/ha.26


Aus- und Weiterbildung von Landwirten und BeraternKurzbeschreibungDie gesamtbetriebliche Beratung für das Naturmanagementauf Betrieben wurde oben bereits angesprochen.Für ein solches Beratungsangebot ist es wichtig, dieentsprechenden Fachleute auszubilden und mit denSachverhalten der Biodiversitätsförderung vertraut zumachen. Entsprechend sollte ein Aus- und Weiterbildungsangebotgeschaffen werden, das die Berater in dieLage versetzt, sowohl landwirtschaftlich als auch naturkundlichkompetent aufzutreten und angemessen aufdie betriebliche Situation einzugehen. Neben der AusundWeiterbildung für die Berater soll auch ein entsprechendesAngebot für die Landwirte geschaffen werden,die sich regelmäßig zu Fragen der ökologischen Zusammenhängein der Agrarlandschaft fortbilden sollen.Ziel / FunktionDas Paket der dunkelgrünen AUM soll mit den Maßnahmenfür die Beratung, Aus- und Weiterbildung undmit der Öffentlichkeitsarbeit zu einem Gesamtpaketabgestimmt werden, das in sich schlüssig ist. Beratungsowie Aus- und Weiterbildung unterstützen die Zieleder dunkelgrünen AUM durch entsprechenden Wissenstransfer.Anlage / NutzungBei der Konzeption von Beratung sowie Aus- und Weiterbildungmuss die landesspezifische, institutionelleGliederung des Beratungs- und Ausbildungswesensberücksichtigt werden, d.h. teilweise könnte es Angeboteauf Landesebene und teilweise auf Ebene der Regierungsbezirkeoder Landkreise geben.Bedeutung / UmfangDas Angebot sollte auf den Umfang der anzustrebendenMaßnahmen für die Landwirte und die Beratung (Anzahlder zu beratenden Landwirte) abgestimmt werden.Es sollte darauf geachtet werden, dass das Angebot dieentsprechenden Inhalte der Förderprogramme widerspiegelt.Weitere HinweiseDie Beratungsangebote sollten für die Landwirte kostenlossein. Für die Berater richtet sich die Kalkulationder Kosten nach den landesüblichen Sätzen.27


Weiterentwicklung der AgrarumweltmaSSnahmenÖffentlichkeitsarbeit und WettbewerbeKurzbeschreibungNeben den flächenbezogenen AUM und speziellenEinzelflächenmaßnahmen ist es wichtig, die ökologischeAufwertung auch durch breitenwirksameÖffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Für die beteiligtenBetriebe und für die Landwirtschaft insgesamt istdabei bedeutend, wenn über diese Maßnahmen nichtnur in der Fachpresse berichtet wird, sondern auch inder breiten Öffentlichkeit. Dazu bietet es sich an, Wettbewerbe,öffentlichkeitswirksame Auszeichnungen vonvorbildlichen Betrieben, Tage der offenen Tür und andereFormen der Berichterstattung zu diesem Themenfelddurchzuführen.Anlage / NutzungEin landesspezifisches Konzept mit den verschiedenenBausteinen der Öffentlichkeitsarbeit sollte so entwickeltwerden, dass alle Bereiche entsprechend abgedeckt sind:Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung und ggf. Weinbau,sowohl mit konventionellen als auch ökologisch wirtschaftendenBetrieben.Bedeutung / UmfangDer Umfang der Öffentlichkeitsarbeit muss auf das Gesamtkonzeptder dunkelgrünen AUM abgestimmt werden.Ziel / FunktionMit der Öffentlichkeitsarbeit soll ein positives Klimafür die ökologische Aufwertung der Agrarlandschaftgeschaffen werden.28


5 Vorgehen bei der Programmierung undBegleitungDie Entwicklungsprogramme Ländlicher Raum werdenderzeit von allen EU-Mitgliedstaaten bzw. in Deutschlandvon allen Bundesländern vorbereitet. Sobald dieDurchführungsverordnungen der künftigen EU-Agrarpolitikveröffentlicht sind, werden die Länder den Entwurfihrer Länderprogramme erstellen und in öffentlichenKonsultationen vorstellen, bevor die Programmedann in Brüssel von der EU-Kommission genehmigtwerden. Allerdings ist es von großer Bedeutung, bereitsim Vorfeld der Festlegungen eine entsprechendeSchwerpunktsetzung bei der Agrarumweltplanung zuerreichen. Hierbei sollte insbesondere auf Folgendesgeachtet werden:Neben dem richtigen Maßnahmenpaket und einerentsprechenden Beratung für die Landwirte ist einebegleitende Öffentlichkeitsarbeit wichtig, um die dunkelgrünenMaßnahmen zu bewerben und positive Öffentlichkeitsarbeitmachen zu können. Ferner sollteeine Erfolgskontrolle für die Durchführung der Maßnahmeneingerichtet werden, um Umfang und Qualitätder Maßnahmen und der sich einstellenden Effekte verfolgenzu können.−−Sind die richtigen Agrarumweltmaßnahmen ausgewählt?−−Ist der Umfang bzw. die Summe der dunkelgrünenAgrarumweltmaßnahmen ausreichend (10-15 % imAckerland, 30-50 % im Grünland)?−−Gibt es gesonderte Zusatzprogramme, mit deneneinzelne Arten speziell gefördert werden (z.B. Feldhamster,Ortolan, Ackerwildkräuter)?−−Gibt es eine landesweite Beratung zur Umsetzungder dunkelgrünen AUM für die Landwirte?−−Ist eine Öffentlichkeitsarbeit zugunsten der dunkelgrünenMaßnahmen eingeplant?29


Tabelle / Checkliste zum Umfang dunkelgrüner Agrarumweltmaßnahmenauf LandesebeneKenndaten zur LandwirtschaftLandwirtschaftliche Nutzfläche des Landes gesamt:hadavonAckerlandGrünlandRebland / WeinbauObstanbauflächenSonstige Flächen (Sonderkulturen etc.)Flächenumfang dunkelgrüne Agrarumweltmaßnahmen (AUM) in haDunkelgrüne AUM im Ackerland Status Quo 1 Ziel 2 Plan 3- Blühflächen und –streifen (ein-, über-, zwei-, mehrjährig)- Lichtäcker / weite Reihe- Ackerwildkraut-Schutzäcker / -Randstreifen- Naturschutzbrache / gemanagte Stilllegungsflächen- Spezielle Artenschutz-Maßnahmen- Anbau seltener KultursortenSumme dunkelgrüne AUM in haSumme in % der Ackerfläche des LandesDunkelgrüne AUM im Grünland Status Quo Ziel Plan- Extensivgrünland mit Schnittzeit- oder Häufigkeitsvorgaben(z.B. max. 2(-3) Schnitte, später als 15.06.)- Artenreiches Grünland (ergebnisorientiert)- Halboffene Weidesysteme- Saumstreifen- Naturverträgliche Mahd- FestmistwirtschaftSumme dunkelgrüne AUM in haSumme in % der Grünlandfläche des LandesDunkelgrüne AUM im Obst- und Weinbau Status Quo Ziel Plan- Streuobstwiesen-Bewirtschaftung / -Pflege- Steillagen-Weinbau / Pflege Weinbergbrachen- Extensive Rebgassen / Rebgassen-BegrünungSumme dunkelgrüne AUM in haSumme in % der Obst- und Rebfläche des Landes1 Status Quo: Umfang in laufender AUM-Förderperiode (Zahlen aus fortlaufender Evaluierung oder aus Halbzeit-Evaluierungsbericht 2010)2 Ziel: fachliches Ziel3 Plan: Umsetzung in Förderperiode 2014-2020 geplant30


6 LiteraturBerger, G., Pfeffer, H. (2011). Naturschutzbrachen im Ackerbau. Praxishandbuch. Rangsdorf, 160 S.Dieterich, M., Krismann, A., Oppermann, R. (2006). Evaluierung der Förderung ökologisch wertvollen Grünlands inMEKA II. Unveröff. Bericht über landesweite Untersuchungen 2002 – 2005. Singen.Oppermann, R., Meyerhoff, E., van Elsen, T. (2006). Naturschutzberatung für die Landwirtschaft – Einführende Beratermaterialien.-BfN-Skripten 162, Bonn-Bad-Godesberg, 71 S. Download unter:http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/skript162.pdfStiftung Westfälische Kulturlandschaft, Institut für Landschaftsökologie Universität Münster (2012). ProduktionsintegrierteNaturschutzmaßnahmen. Münster, 70 S.Thomas, F., Denzel, K., Hartmann, E. Luick, R., Schmoock, K. (2009). Kurzfassungen der Agrarumwelt- und Naturschutzprogramme.BfN-Skripten 253, Bonn, 271 S. Download unter:http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/Skript253.pdf31


Seit rund 20 Jahren gibt es in der EU Agrarumweltprogramme, die zu einem bewährtenInstrument der Agrarumweltpolitik geworden sind. Auch in der künftigenFörderperiode der EU-Agrarpolitik für die Zeit von 2014/2015 bis 2020 wird eswieder in allen Bundesländern ländliche Entwicklungsprogramme geben, innerhalbderer die Agrarumweltmaßnahmen einen wesentlichen Anteil haben. AusNaturschutzsicht ist es besonders wichtig, dass ein möglichst großer Anteil derMaßnahmen sogenannte „dunkelgrüne“ Maßnahmen sind, die ökologisch besonderseffizient sind und direkte positive Effekte für die Erhaltung und Förderungder biologischen Vielfalt haben. Denn bislang nehmen diese Maßnahmen nur einenunbedeutenden Anteil ein.Vor diesem Hintergrund hat der NABU die wichtigsten Fördermaßnahmen mitengem Naturschutzbezug zusammengestellt sowie deren Bedeutung und nötigenFlächenumfang getrennt nach Acker, Grünland und Dauerkulturen aufgelistet.Die Broschüre dient als Lobby- und Hintergrundpapier, um in der aktuellenPhase der Programmplanung Einfluss auf die Entwürfe der Landesregierungen zunehmen und einen engeren Austausch zwischen Naturschutz und Agrarpolitik zubefördern. Neben dem „Greening“ der ersten Säule der EU-Agrarpolitik hat einenaturschutzfachlich zielorientierte Ausgestaltung der zweiten Säule eine zentraleBedeutung für die Zukunft vielfältiger und artenreicher Agrarökosysteme.

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