KommEnTar - Scheinwerfer: Bremens freies Unimagazin: Issues ...

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Hochschulpolitik

Exzellente Forschung – Exzellente Uni?

Direktorin der BIGSSS

Prof. Dr. Susanne K. Schmidt

Rektor

Prof. Dr. Wilfried Müller

Am 15. Juni war es soweit, der Bewilligungsausschuss der

Exzellenzinitiative hatte für diesen Freitag die Verkündung

der Gewinner in der letzten Runde der Exzellenzinitiative

angekündigt. Neben den bereits in den vorangegangenen

Runden ausgezeichneten Unis in Aachen, Berlin (FU) ,Freiburg,

Göttingen, Heidelberg, Konstanz, Karlsruhe und München (TU

und LMU) hatten sich für diesen finalen Termin auch die Unis

Berlin (HU), Dresden, Mainz, Köln, Tübingen und nicht zuletzt

Bremen mit einem Zukunftskonzept auf den Titel Exzellenz-

Universität beworben. Auf dem Spiel stand für alle Bewerber viel.

Insgesamt ging es um die Verteilung von 2,7 Milliarden Euro bis

zum geplanten Ende der Exzellenzinitiative im Jahr 2017. Es war

demnach auch die letzte Chance für deutsche Hochschulen von

der im Jahr 2005 erstmals durchgeführten Initiative zu profitieren.

Nachdem eine Jury aus internationalen Wissenschaftlern die

antragsstellenden Institute bereits ähnlich einer Ampel in grüne –

zu fördernde Universitäten – , gelbe – Wackelkandidaten – und rote

Universitäten – nicht förderungswürdig – eingeteilt hatte, ging es an

diesem Tag ganz besonders um die Gruppe der als Wackelkandidaten

eingestuften Unis. Vorab hatten die Landesbildungsminister, die

neben den internationalen Wissenschaftlern ebenfalls Stimmen

im Bewilligungsausschuss haben, bereits verkündet, sich dem

Votum der Wissenschaft beugen zu wollen. Nichtsdestotrotz

darf überdies nicht der Länderproporz außer Acht gelassen

werden. Bereits bei den vorangegangenen Runden war Baden-

Württemberg überproportional zu den anderen Ländern mit

Exzellenz-Unis ausgezeichnet worden. 2006 hatte bereits

Schleswig-Holstein wegen einer zu schwachen Repräsentation

der norddeutschen Unis das Konzept Exzellenzinitiative beinahe

scheitern lassen. Von einem Politikum war damals die Rede und

das sollte um jeden Preis für die letzte Runde vermieden werden.

Auch AStA-Referent Jan Cloppenburg hoffte, „dass man sich

bei der Entscheidung klar an den wissenschaftlichen Kriterien

der Gutachter orientiert und diese Entscheidung nicht zum

Politikum macht“. Grundvoraussetzung, um über das sogenannte

„Zukunftskonzept“ als Exzellenzuniversität ausgezeichnet zu

werden, sind zwei weitere Cluster. Dies sind zum einen eine vom

Konrektorin für Lehre

Prof. Dr. Heidi Schelhowe

Bewilligungsausschuss ausgezeichnete Graduiertenschule – also

eine Doktorandenschule – und zum anderen das Exzellenzcluster,

bei dem es um die Einrichtung einer interdisziplinär forschenden

Wissenschaftsgruppe geht. In Bremen ist dies zum einen das

MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften) als

Exzellentcluster und zum anderen die Bremen International

Graduate School for Social Sciences (BIGSSS), die gemeinsam

von Uni und Jacobs University Bremen als sozialwissenschaftliche

Graduiertenschule betrieben wird. Professor Susanne K. Schmidt,

Direktorin der BIGSSS, sagte kurz vor Verkündung des Ergebnisses

gegenüber dem Scheinwerfer: „Ich glaube wir sind hier an einer

sehr guten Uni. Wie das heute wirklich ausgeht, kann ich natürlich

noch nicht sagen - ich habe die Nachricht noch nicht. Aber vor

allem für die BIGSSS, die eine Grundvoraussetzung für die Uni-

Exzellenz ist, bin ich sehr zuversichtlich.“ Dennoch, auch Schmidt

musste zu bedenken geben, dass „wir natürlich auch stark davon

betroffen wären, wenn es in Zukunft keine Förderung der BIGSSS

mehr gäbe – das hätte nicht nur Auswirkungen auf die Bewerbung

für das Zukunftskonzept“. Doch diese Bedenken sollten sich kurze

Zeit später als überflüssig erweisen. Noch vor der öffentlichen

Verkündung durch Bundesbildungsministerin Professor Anette

Schavan in Bonn machte die frohe Kunde über den Erfolg der Uni

Bremen bei der Exzellenzinitiative die Runde. „Ich habe gerade

die Nachricht per Telefon erhalten, sie ist also eigentlich noch

nicht offiziell da, aber wir haben Großes geleistet“, verkündete

Rektor Wilfried Müller im Gespräch mit dem Scheinwerfer. Auch

die Konrektorin für Studium und Lehre, Professor Heidelinde

Schelhowe, die erst Minuten, nachdem die inoffizielle Bestätigung

vorlag, im MARUM eintraf, zeigte sich im kurzen Gespräch erfreut

und machte gleichzeitig einen Schritt auf die, der Exzellenzinitiative

kritisch gegenüberstehenden, Studierenden zu. „Ja, ich kenne das

Ergebnis schon und wir werden alles tun, dass die Lehre hiervon

genauso profitiert wie die Forschung!“, versprach Schelhowe.

Text: Katrin Pleus

Fotos: Katrin Pleus, privat (rechts)

AStA-Referent

Jan Cloppenburg

Kaum hatte Rektor Müller am 15. Juni die frohe Kunde über die

Auszeichnung der Uni Bremen als Exzellenzuni verkündet,

begann auch schon das große mediale Tamtam. Hatte man

sich vorher noch offiziell um Zurückhaltung bemüht und nichts vom

Label einer zu kürenden Elite-Uni wissen wollen, begann nun der

ganz große Auftritt des Mannes, der sich ganz unmissverständlich

selbst am liebsten mit dem Titel „Exzellenz-Macher“ oder noch

besser „Elite-Macher“ schmücken würde. Es sei das wohl großartigste

Ereignis in der 40-jährigen Geschichte der Universität Bremen,

verkündete er da von seinem hohen Ross. Er? Natürlich er, Rektor

Müller, oder auch Professor Dr. Wilfried Müller. Norddeutsches

Understatement, Zurückhaltung und Bescheidenheit gehören nun

bei weitem nicht zu seinen herausstechenden Eigenschaften. Man

könnte nach fünf extra für die Presse inszenierten La-Ola-Wellen,

der demonstrativen Gerhard-Schröder-Gedächtnispose mit weit

in Richtung Himmel ausgestreckten Zeigefingern und dem

medienwirksamen Entrollen zweier (noch ohne das Wissen um

KommEnTar:

Gefakter Jubel - Klappe die Dritte

Hochschulpolitik

Eine exzellente Inszenierung

den Ausgang der letzten Runde der Exzellenzinitiative) vorsorglich

vorbereiteter überdimensionierter Banner auch meinen, ihm fehle

das rechte Maß. Ja, das mag so sein. Aber jetzt sind wir Exzellenzuni

und dazu gehört zweifellos auch eine exzellente Außendarstellung.

Von der haben die Studierenden zwar noch weniger als von den

Forschungsgeldern der Exzellenzinitiative, aber dafür haben wir

jetzt dekorative Banner am MZH. Von der leider nicht explizit

ausgezeichneten exzellenten Rüstungsforschung, die Rektor Müller

– ob wissentlich oder unwissentlich – durchgewunken hat ganz zu

schweigen. Macht euch das nicht auch glücklich?

Text: Benjamin Reetz

Foto: Katrin Pleus

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