Mobilmachung der Kraft Gottes

schwengeler

Mobilmachung der Kraft Gottes

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Mobilmachung der Kraft Gottes

Die ersten Menschen, die dem auferstandenen Jesus begegneten,

erkannten ihn nicht. Bis heute sind es Erfahrung, Erwartung

und Vernunft, die verhindern, dass Menschen Christus erkennen.

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› factum 2 I 2006


Rolf Höneisen

m Karfreitag stirbt Jesus Christus für jede

A menschliche Denk- und Verhaltensweise,

welche Gott ignoriert. Er stirbt am Kreuz für

eine unheimliche Krankheit, die der Welt den

Tod bringt; das Virus heisst Sünde. Doch am dritten

Tag ist das Grab leer – der Herr ist auferstanden!

Die ersten Menschen, die dem auferstandenen

Jesus begegneten, erkannten ihn nicht:

– Maria aus Magdala meinte, es sei der Friedhofsgärtner.

– Thomas zweifelte, ob es sich tatsächlich um Jesus

handelte.

– Einige Jünger um Petrus gingen fischen. Sie erkannten

den Auferstandenen am Ufer nicht.

– Die beiden Jünger, die auf dem Weg nach

Emmaus waren, erkannten Jesus nicht.

– Als der Auferstandene plötzlich im Raum bei

den Jüngern stand, erstarrten sie vor Schreck und

meinten, einen Geist vor sich zu sehen.

Diese Reaktionen gegenüber dem Auferstandenen

sind immer noch aktuell. Bis heute ist es

so, dass unsere Sorgen, unsere fehlgeleiteten Gedanken,

unser eigenmächtig geführtes, stolzes

Leben, die nur auf unsere eigene Kraft konzentrierten

Erwartungen es regelrecht verhindern,

dass wir den auferstandenen Erlöser erkennen.

Doch Auferstehung bedeutet: Mobilmachung

der Kraft Gottes! Die Lebenskraft überwindet die

Todesmacht. Und dieses Ereignis ist auf die Person

von Jesus fokussiert:

«Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an

mich glaubt, wird leben, auch wenn er sterben

sollte. Und jeder, der lebt und glaubt an mich, wird

keinesfalls sterben.» (Joh. 11,25 und 26)

Im Juli des Jahres 64 nach Christus brannte die

Stadt Rom. Auch Tempel, Heiligtümer und Götterstatuen

verbrannten. Das Feuer wütete mehrere

Tage. Ein Drittel der Stadt wurde zerstört.

Viele Menschen kamen in den Flammen um. Der

Unmut auf Kaiser Nero wuchs.

Der teuflisch inspirierte Nero lenkte den Brandstifter-Verdacht

auf die Minderheit der Christen.

Eine grausame Verfolgung begann. Sie breitete

sich auf das ganze Römische Reich aus bis hinunter

zum Taurus-Gebirge in Kleinasien, in Gegenden

wie Pontus, Galatien, Kappadozien oder

Bithynien, dort wo Paulus mit seinen Freunden

herumgereist war und die gute Nachricht von der

Liebe Gottes verkündigt hatte.

In dieser schweren Zeit diktierte der Apostel

Petrus seinem Schreiber und Freund Silvanus einen

Brief. Empfänger waren versprengt im Römischen

Reich lebende, unter der zunehmenden

Verfolgung leidende Christen. Der Brief war also

an Menschen gerichtet, die ihr Leben zwar vorbehaltlos

Gott hingegeben hatten, deren äussere

Umstände aber sehr schlecht waren. Die bedrängten

Christen brauchten dringend Ermutigung!

«Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn

Jesus Christus: Er hat uns in seinem grossen Erbarmen

neu geboren, damit wir durch die Auferstehung

Jesu Christi von den Toten eine lebendige

Hoffnung haben.» (1. Petr. 1,3)

Petrus erinnert in diesem einen Satz gleich an vier

biblische Wahrheiten:

1. Die Barmherzigkeit Gottes

2. Das neue Leben

3. Die Auferstehung Jesu

4. Die lebendige Hoffnung

1. DIE BARMHERZIGKEIT GOTTES

Dass Gott sich auch um jene Menschen kümmert,

die ihm den Rücken zukehren, das hat mit seinem

Charakter zu tun: Gott ist barmherzig.

Barmherzig kommt vom althochdeutschen

Wort «armherzi», das heisst «ein Herz haben für

die Armen», Mitgefühl haben für Notleidende.

Der souveräne Gott ist «barmherzig und gnädig,

langsam zum Zorn und von grosser Gnade und

Treue» (2. Mose 34,6). So hat er sich schon Mose

vorgestellt.

Und so handelte auch der Sohn. Jesus war mit

den Sündern barmherzig. Er war denen nahe, die

wussten, dass sie geistig arm waren und Hilfe nötig

hatten. Mit den Besserwissern, mit den Stolzen

und Gutbürgerlichen und mit den religiösen

Würdenträgern hat er nie ein Fest gefeiert. Mit

den Sündern schon.

Der Film «Wolfsmilch» spielt im Obdachlosenmilieu.

Und in einer der Szenen stolpern Jack Nicholson

und Meryl Streep im Dunkeln über eine

alte Eskimofrau, die betrunken im Schnee liegt.

Jack und Meryl beraten, was sie machen sollen:

«Ist die betrunken oder eine Landstreicherin?»

– «Eine Landstreicherin, schon immer gewesen.»

– «Und davor?» – «Da war sie eine Hure in Alaska.»

– «Sie war aber nicht das ganze Leben lang eine

Hure. Was war sie davor?» – «Weiss ich nicht. Vermutlich

ein kleines Kind.» – «Gut, ein kleines Kind,

das ist etwas. Das ist kein Landstreicher und keine

Hure. Wir nehmen sie mit an die Wärme.»

Die beiden betrachteten die Eskimofrau durch

die Brille der Gnade! Wo der menschliche Blick

eine Herumstreicherin und Hure sieht, erblicken

die Gnade und die Barmherzigkeit Gottes ein Kind!

Wo du dich als Versager fühlst, sieht dich Gott immer

auch als Menschen nach seinem Bilde! Er

sieht dich als sein geliebtes Geschöpf. Durch den

Glauben an Jesus Christus, der die Sünde vergibt,

wird ein Mensch zu einem Kind Gottes.

«Seht doch, wie gross die Liebe ist, die uns der Vater

erwiesen hat: Kinder Gottes dürfen wir uns

nennen, und wir sind es tatsächlich! Doch davon

weiss die Welt nichts; sie kennt uns nicht, weil sie

ihn nicht erkannt hat.» (1. Joh. 3,1)

Die folgenden Verse verweisen auf eine Spannung,

die es auszuhalten gilt:

«Ja, liebe Freunde, wir sind Gottes Kinder, wir sind

es hier und heute. Und das ist erst der Anfang! Was

GLAUBE ‹

In dieser

schweren Zeit

diktierte der

Apostel Petrus

seinem Schreiber

und Freund

Silvanus einen

Brief. Empfänger

waren

versprengt im

Römischen

Reich lebende,

unter der zunehmenden

Verfolgung leidende

Christen.

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› GLAUBE

darin alles eingeschlossen ist, ist uns noch nicht

enthüllt. Doch eines wissen wir: Wenn Jesus in seiner

Herrlichkeit erscheint, werden wir ihm gleich

sein; denn dann werden wir ihn so sehen, wie er

wirklich ist.» (1. Joh. 3,2; NGÜ)

Was bedeutet das? Das Vollkommene, die Vollendung,

die Gleichgestaltung mit Christus ist zukünftig.

Das hat nicht erste Priorität. Was sind

Christen schon heute? Kinder Gottes! Das ist

Gottes Verheissung und unsere Hoffnung: Wir

sind Kinder Gottes. So ist meine Stellung gegenüber

Gott. Und als sein Kind beginne ich, entsprechend

der Auffassung Gottes zu leben.

Ein Mensch verhält sich so, wie er sich selbst

wahrnimmt. Was wir sind, bestimmt das, was wir

tun. Keiner kann sich auf längere Zeit anders verhalten,

als er sich wahrnimmt. Um wie ein Kind

des Königs zu leben, muss man sich erst einmal

als Kind des Königs wahrnehmen, vertrauensvoll

und dankbar glaubend.

2. DAS NEUE LEBEN

«Aus Barmherzigkeit neu geboren», schreibt Petrus.

Dem Schriftgelehrten Nikodemus sagte Jesus

auf den Kopf zu: «Nur wer von oben her geboren

wird, kann Gottes neue Welt zu sehen bekommen»

(Joh. 3,3).

Dazu braucht es eine geistige Umkehr, eine

neue Gesinnung, eine neue Denkrichtung in unserem

Herzen. Die neue Geburt geschieht dort,

wo sich ein Mensch ganz Gott hingibt, sein Vertrauen

ganz auf ihn setzt, die alten Denkmuster

überwindet und dem Wort Gottes gegenüber gehorsam

lebt. Dieser Mensch wird eine neue Schöpfung

in Christus (2. Kor. 5,17).

In Christus erfährt er eine neue Identität. Er

ist u. a.:

– Salz der Erde (Matth. 5,13)

– Licht der Welt (Matth. 5,14)

– Miterbe Christi (Röm. 8,17)

– Bürger des Himmels (Phil. 3,20)

– Ein Auserwählter Gottes, heilig und geliebt

(Kol. 3,12)

– gerechtfertigt

– teuer erkauft für Gott

– versiegelt in Christus

Es ist ein erfolgreicher Trick des Teufels, diese

Wahrheit ständig anzugreifen. Er packt uns an

unserer Schwachstelle – am Körper, beim Gefühl,

am Verstand. Und plötzlich konzentrieren wir uns

wieder nur auf das Sichtbare. Wir schauen, statt

zu glauben. Wir sorgen uns, wir zweifeln, wir haben

Angst, bauen auf unsere Vernunft. So sehen

wir den Auferstandenen nicht mehr. Wir leben

wieder, als gäbe es Gott nicht.

Die Gedanken sind wirr. Beim Beten fallen

einem schon nach drei Sätzen tausend andere

Dinge ein. Dasselbe beim Lesen der Bibel.

Wenn es um einen Dienst geht, ist man entmutigt

und zweifelt an sich selbst: «Ich kenne die Bibel

zu wenig», «Ich bin unbegabt», «Ich bin halt

ein schwacher Christ».

So wird das Christenleben zu nichts als einem

mühsamen Schleppen über viele Jahre und düs-

tere Zeiten mit der schwachen Hoffnung, bei der

Wiederkunft Jesu dann doch noch ganz knapp dabei

zu sein.

Nein! Auf diese Weise sollte sich niemand das

neue Leben und die Freiheit in Christus stehlen

lassen! Der Lauheit gilt es, im Glauben zu widerstehen.

Werden wir uns klar, dass in unserem Leben

ein dramatischer Thronwechsel stattgefunden

hat: vom Todbringer zum Lebensspender,

von der Finsternis zum Licht, von der Todeszone

in die Lebenszone.

Jesus hat die Ketten gesprengt, Gefangene befreit,

die Bindungen zerbrochen und uns zur Frei-

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heit berufen. Ein Kind Gottes ist in die Familie

Gottes hineingeboren worden. Wir sind in ihm,

er ist in uns. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben.

Seine Kraft fliesst in uns.

Einmal hat es bei uns zu Hause stark gewittert.

Es donnerte und krachte und ich wusste, dass

nahe bei unserem Haus ein Blitz eingeschlagen

hatte. Einige Stunden später ging ich mit dem

Hund das kleine Bachtobel hinauf und dann sah

ich die Einschlagstelle: Die Kraft des Blitzes hatte

aus einem Baum ein grosses Stück Holz herausgeschlagen

und einige Meter weit weggeschleudert.

Und dieses Holz war komplett entrindet,

ganz sauber, rein und es roch wie ein Parfüm.

Dieses Bild ist mir geblieben: Menschen, die

neu geboren sind, sind rein von der Sünde, beiseite

gesetzt, geheiligt für Gott. Und wenn der

himmlische Vater sie betrachtet, dann sieht er sie

in Christus.

Das alles ist nicht ihr Verdienst, sondern die

Folge der Barmherzigkeit Gottes und seiner Kraft,

die neues Leben schenkt. Wenn wir Jesus vertrauen,

vergibt er uns nicht nur die Schuld – Gott

lebt mit seiner göttlichen Macht in uns. Je mehr

wir lernen, uns an seine Verheissungen zu halten,

desto besser können wir unser Leben als Christen

führen. Die Kraft dazu kommt von ihm.

3. DIE AUFERSTEHUNG JESU

Der Tod ist der grösste und letzte Feind des Menschen.

Diesen Feind hat Jesus besiegt. Auferstehung

bedeutet Todesüberwindung und damit

Rückkehr ins Leben. Der beste Beweis für die

Wahrheit der Auferstehung ist die Veränderung

der Jünger, nachdem sie dem Auferstandenen begegnet

waren und ihn erkannt hatten.

Als Jesus für uns starb, blieb der «Stachel des

Todes» gewissermassen in ihm – wie bei einer

Biene, die nur einmal stechen kann und danach

selber stirbt. Doch Jesus wird vom Tod auferweckt.

Die Liebe siegt! Wo Jesus ist, wirken die

neu gestaltenden, belebenden Kräfte der zukünftigen

Welt.

Die Atmosphäre unseres Planeten wird ständig

von einem Strom hochenergetischer nuklearer

Teilchen aus dem Weltraum getroffen, von der

sog. kosmischen Strahlung. Dazu gehört auch die

Gammastrahlung. Sie ist eine Form von Licht, für

unsere Augen aber unsichtbar. Doch diese Strahlung

hat eine Energie, die tausend Milliarden Mal

grösser ist als die Energie des sichtbaren Lichts!

Wenn wir von Gott reden, dann reden wir vom

Schöpfer des Universums, der das ganze elektromagnetische

Spektrum und damit auch die Gammastrahlung

geschaffen hat. Allerdings ist deren

Kraft nichts im Vergleich zur Kraft, die in der Auferstehung

Jesu die Todesmacht überwand.

Paulus schreibt:

«Ihr sollt begreifen, wie überwältigend gross die

Kraft ist, mit der er an uns, den Glaubenden, wirkt.

Es ist dieselbe Kraft, mit der er an Christus gewirkt

hat, als er ihn vom Tod auferweckte und in der

himmlischen Welt an seine rechte Seite setzte.»

(Eph. 1,19 und 20)

GLAUBE ‹

Die Kraft der Liebe Gottes ist stärker als die Kräfte

der Welt. Sie wirkt in dem, der glaubt.

4. DIE LEBENDIGE HOFFNUNG

Der Auferstehungsglaube ist keineswegs eine

reine Hoffnung auf ferne Zeiten, sondern ist

schon jetzt aktiv.

An einem Winterabend hatten wir einen Kurs

im Gemeindehaus. Draussen lagen 30 Zentimeter

Schnee und es war 10 Grad unter Null, tiefster

Winter also. Da kam doch tatsächlich ein Gemeindeglied

in den Bibelkurs mit dem Rasenmäher

im Kofferraum! Der Mann ist clever; er rechnete

schon im Januar mit der Tatsache, dass der

Frühling kommt, sein Rasen wieder wächst und

er den Mäher dann bereit haben will. Also liess

er den Service im Winter machen. Hier führte die

fes te Hoffnung auf etwas Zukünftiges zum Handeln

im Heute.

Auch die Auferstehungshoffnung ist kein

Wunschdenken, sondern begründet. Petrus

schreibt deshalb von «lebendiger Hoffnung». Paulus

formuliert in Kolosser 1,27: «Christus in euch,

die Hoffnung der Herrlichkeit.» Die Herrlichkeit

wird kommen. Das steht fest.

Jesus sagte:

«Alle, die auf mein Wort hören und dem glauben,

der mich gesandt hat, haben das ewige Leben. Sie

kommen nicht mehr vor Gottes Gericht; sie haben

den Tod schon hinter sich gelassen und das unvergängliche

Leben erreicht» (Joh. 5,24).

Diese Hoffnung soll unser Leben schon jetzt prägen.

Ein Christ lebt nicht mehr in der Todeszone,

das neue Leben hat bereits begonnen!

Die zwei nicht mit Namen bekannten Jünger,

die am Ostertag auf dem Weg von Jerusalem

nach Emmaus waren, meinten, mit dem Tod von

Jesus sei seine Sache verloren. Sie lagen falsch.

Der Fremde, der plötzlich neben ihnen stand

und den sie zuerst nicht erkannten, war der auferstandene

Christus. Er eröffnete ihnen eine völlig

neue Perspektive vom Handeln Gottes in der

Welt:

Gott will das Leben. Er liebt die Menschen. Die

Liebe ist stärker als der Tod. Deshalb ist die Auferstehung

die letzte Konsequenz des christlichen

Glaubens. Angesichts der Macht und Herrlichkeit

Gottes muss der Tod weichen.

Mit der Auferstehung Jesu hat der endgültige

Anbruch einer neuen Zeit begonnen. Seine Auferstehung

ist eine Revolution des Lebens.

Plötzlich gingen den beiden Jüngern die Augen

auf! Sie erkannten neben sich den Auferstandenen

und seine Botschaft, die neues Leben

proklamiert. Auferstehung bedeutet Mobilmachung

der Kraft Gottes! Das wollte Petrus den

entmutigten Christen in Kleinasien ins Bewusstsein

rufen, als er ihnen schrieb: «Gepriesen sei

der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus:

Er hat uns in seinem grossen Erbarmen neu

geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu

Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung

haben.» ■

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