Brandenburgisches Ärzteblatt 3/2012 - qs- nrw

www2.qs.nrw.de

Brandenburgisches Ärzteblatt 3/2012 - qs- nrw

AnzeigeImpressumInhaber und VerlegerLandesärztekammer BrandenburgPräsident: Dr. med. Udo WolterDreifertstraße 12, 03044 Cottbus,Telefon 0355 78010-12Telefax 0355 78010-1166HerausgeberDr. med. Udo WolterZuschriften redaktioneller Art bitten wir, nuran den Herausgeber zu richten. Für mit Autorennamengekennzeichnete Beiträge wissenschaftlicherund standespolitischer Art sowieArtikel, die die Kennzeichnung „Pressemitteilungvon …“ enthalten, wird keine Verantwortungübernommen. Die darin geäußertenAnsichten decken sich nicht immer mit denendes Herausgebers. Sie dienen dem freien Meinungsaustauschinnerhalb der Ärzteschaft. DieZeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträgesind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck istnur mit schriftlicher Genehmigung statthaft.Rücksendung nicht verlangter Manuskripteerfolgt nur, wenn ein vorbereiteter Umschlagmit Rückporto beiliegt. Mit der Annahme vonOriginalbeiträgen zur Veröffentlichung erwirbtder Herausgeber das uneingeschränkte Verfügungsrecht.Änderungen redaktioneller Art bleibenvorbehalten.RedaktionMark BergerBüro für ÖffentlichkeitsarbeitLandesärztekammer BrandenburgReiterweg 3, 14469 PotsdamTelefon 0331 887152810Telefax 0355 78010-1166E-Mail: aerzteblatt@laekb.deRepro, Satz, Druck, Herstellung,VerlagswesenDruckerei Schiemenz GmbHByhlener Straße 3, 03044 Cottbus,Telefon 0355 877070Telefax 0355 87707-128VertriebRegio Print Vertrieb GmbHStraße der Jugend 54, 03050 Cottbus,Telefon 0355 481-171Telefax 0355 481-441AnzeigenverwaltungGötz & Klaus Kneiseler GbRUhlandstraße 161, 10719 Berlin,Telefon 030 88682873Telefax 030 88682874,E-Mail: Kneiseler@aol.comZur Zeit gilt Preisliste Nr. 21, gültig ab01.01.2011Bankverbindung: Postbank Berlin,Kto.-Nr.179265102, BLZ 10010010Das Brandenburgische Ärzteblatt erscheintmonatlich (Doppelnummer Juli/August).Bezugsgebühr (ab Ausgabe 4/2010):jährlich € 35,00; ermäßigter Preis für Studenten€ 17,50. Einzelpreis € 3,35.Bestellungen bitte an die Druckerei SchiemenzGmbH, Byhlener Straße 3, 03044 Cottbus.Die Kündigungsfrist für Abonnements beträgt6 Wochen zum Ende des Kalenderjahres. Für dieMitglieder der Brandenburgischen Ärztekammerist der Bezugspreis mit dem Mitgliedsbeitragabgegolten.Hinweise für die AutorenWenn Sie Ihren Text im Word erfassen, achtenSie bitte darauf, die Texte im txt- oder doc-Format für DOS abzuspeichern. Bitte legen Sieeinen Ausdruck des Artikels dazu. Texte könnenSie mit entsprechender Betreffzeile per E-Mail(aerzteblatt@laekb.de) übermitteln. VerwendenSie Bilder für Ihren Artikel, bitte die Vorlagenseparat zusenden und im Text vermerken,wo das Bild stehen soll. Am besten sind Fotosgeeignet (Aufsichtsvorlagen).


editorialLiebe Kolleginnen, liebe Kollegen,Dipl.-Med. Sigrid SchwarkFoto: 4iMEDIADas Thema Vorsorgevollmachtund Patientenverfügung ist fürviele von uns in der täglichen ärztlichenArbeit mit unseren Patienteninzwischen Alltag. Immer wiederwerden wir in der Sprechstundedamit konfrontiert und sollenmöglichst sofort ein passendesExemplar anbieten können. Ist dasüberhaupt unsere Aufgabe?Mit zunehmender Lebenserwartungnimmt der Anteil der älteren und krankenPatienten in Praxis und Klinik stetigzu. Damit ist auch die zunehmendeZahl von Patienten verbunden, die infolgeihrer Krankheit wie z. B. Schlaganfalloder Demenz nicht mehr in derLage sind, wichtige Entscheidungenselbst zu treffen bzw. ihre Rechte selbstzu vertreten oder Pflichten zu erledigen.Informationen über die entsprechendeKrankheit werden nicht mehrverstanden, ein Gespräch über weiterediagnostische und therapeutischeMaßnahmen stellt oft ein sehr großesProblem dar. Oft spielt der plötzlicheZeitdruck eine große Rolle undso sind Konflikte häufig unvermeidbar,aber auch die Tatsache, dass jeder vonuns, egal ob jung oder alt, unverhofftdurch einen Unfall oder eine Krankheitin so eine Situation geraten kann, wounverzüglich gehandelt werden muss.Der behandelnde Arzt benötigt, außerin Notfällen, eine rechtsverbindlicheEinwilligung des Patienten bzw. seinesVertreters. Zivilrechtlich gesehen verletztdas eigenmächtige Handeln desArztes das Selbstbestimmungsrechtdes Patienten.Wie sieht unser Alltag aus? Verfügenunsere Patienten immer noch über dieerforderliche Einwilligungsfähigkeit?Wer für den Fall einer krankheitsbedingtenEntscheidungsunfähigkeit vorsorgenwill, sollte einer Vertrauenspersoneine Vorsorgevollmacht erteilen.So können z. B. bevollmächtigte Familienangehörigegegenüber behandelndenÄrzten für die Umsetzung derWünsche des Patienten sorgen.Ergänztwird diese sinnvollerweise mit einer Patientenverfügung.Die Alternative dazuist die Bestellung eines gesetzlichenBetreuers. Ein Betreuer hat die Angelegenheitendes Betreuten zu seinemWohl zu besorgen. Schon das scheintnicht immer einfach. Der Betreuer kannnicht einfach aufgrund seiner eigenenÜberzeugung oder Vorstellung handeln,sondern sollte die Lebensplanungund die Ansichten des Betreutenberücksichtigen und respektieren.Für den Arzt ist der Betreuer die Vertretungdes Patienten, welcher nichteinwilligungsfähig ist, bzw. nicht alleinentscheiden kann, ob er den Therapievorschlagdes Arztes annehmen sollte.Wie oft sind in Praxen Patienten, dieeinen Betreuer auch für medizinischeBelange haben, allein vorstellig? WievielZeit kostet es uns, dann Kontaktaufzunehmen und alles zu organisierenund auch zu kontrollieren? Eineärztliche Schweigepflicht besteht gegenüberden Vertretungspersonen desPatienten nicht. Sollten uns Zweifel erscheinenist es uns möglich, mit demVormundschaftsgericht Kontakt aufzunehmen.Aus eigener Erfahrung ist diesaber ein sehr aufwendiger und bürokratischerWeg.In einer Patientenverfügung kann derPatient schriftlich im Voraus für denFall einer Entscheidungsunfähigkeitseinen Willen darlegen. Er kann die Artund Weise einer ärztlichen Behandlungund einer pflegerischen Versorgungam Lebensende niederlegen. Günstigwäre eine Zweitschrift, die dem Hausarztausgehändigt wird. Er kann aberimmer noch, solange er in seinerEntscheidungsfähigkeit nicht eingeschränktist, im persönlichen Gesprächmit dem Arzt oder der Pflegepersonbestimmen, wie die Behandlung weitergehen soll. Eine Patientenverfügungist dann rechtlich verbindlich, wenndurch sie der Wille des Patienten bezüglichder in Frage stehenden ärztlichenMaßnahmen eindeutig und sicherfestgestellt werden kann. Auch bei einemdann einwilligungsunfähigen Patientenmüssen z. B. lebensverlängerndeMaßnahmen unterbleiben, wenn diesvorher in einer Patientenverfügungniedergelegt wurde. So ist für unserenAlltag dieses „Gesundheitstestament“von enormer Wichtigkeit. In unseremärztlichen Alltag ist es oft gerade dannmöglich, über dieses Thema mit demPatienten zu sprechen, wenn eine konkreteSituation Anlass dazu gibt. EineAktualisierung in bestimmten Zeitabständenist nicht erforderlich. Es machtsich gut, wenn Vordrucke oder Musterverwendet werden und dann ganzkonkret und persönlich auf den Patientenabgestimmt, diese Verfügunggeschrieben wird. Gerade auch für allerletzteLebensphase ist es gut undhilfreich, wenn auch eine Vertrauenspersonbenannt wird, mit der man dasweitere Vorgehen abstimmen kann.Liebe Kolleginnen und Kollegen,das genannte Thema ist sicherlich einschwieriges. Jeder medizinische Fortschritterschwert die Entscheidung zwischender Notwendigkeit einer medizinischenMaßnahme und dem Wunsch,diese auch für den Patienten umzusetzen.So ist es aus meiner Sicht besser,die Entscheidung über eine individuelleVorsorge für das Lebensende gemeinsammit dem Patienten zu besprechenund ihn dabei zu unterstützen.n Dipl.-Med.Sigrid Schwark4 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


Kammerinformationen/GesundheitspolitIKQualität im GesundheitswesenKreiskrankenhaus Prignitz erhält KTQ-Zertifikatfür eine Einführung in China stehengut. Angeblich richtet man sich sogarin Bethlehem nach unseren Kriterien“,berichtete Prof. Dr. Kolkmann.v. l. n. r.:Wolfgang Korzen,Prof. Dr. FriedrichWilhelm Kolkmann,Dr. Udo WolterFoto: Mark Berger, LÄKBAls 28. Krankenhaus in Brandenburgkann sich das KreiskrankenhausPrignitz in Perleberg mitdem KTQ-Zertifikat der „Kooperationfür Transparenz und Qualitätim Gesundheitswesen“, einemGütesiegel für medizinisches, pflegerischesund verwaltungstechnischesQualitätsmanagementschmücken. Am 24. Januar wurdein Anwesenheit von LandesärztekammerpräsidentDr. Udo Wolterdie Urkunde übergeben.Wolfgang Korzen, der Geschäftsführerder Klinik, dankte ausdrücklich seinenMitarbeiterinnen und Mitarbeiternfür ihr Engagement. Ohne diesen Einsatzsei ein zügiger und vor allen Dingenerfolgreicher Abschluss des Zertifizierungsverfahrenskaum möglichgewesen. „Dies ist ein würdiger Abschlussunserer Arbeit der vergangenenJahre“, erklärte Korzen und richtetden Blick sogleich in die Zukunft. Mitder Inbetriebnahme des neuen MRTsund der Eröffnung eines Pflegeheimsstehen in Perleberg nämlich schon dienächsten Projekte an.Keine Chancefür QualitätsmuffelLob gab es auch von Prof. Dr. FriedrichWilhelm Kolkmann, dem Vorsitzendendes KTQ-Gesellschafterausschusses.Er hob hervor, wie schnell das Kreiskrankenhausdie Qualitätskriterien erfüllenkonnte. Während das Zertifizierungsverfahrenim Durchschnitt etwavier Jahre in Anspruch nimmt, wurdees hier in gerade einmal der Hälfte derZeit absolviert. „Sie gehören damit sichernicht zu den Qualitätsmuffeln“,so Prof. Dr. Kolkmann. Er betonte, dassdie KTQ-Zertifizierung nicht nur in derAußenwirkung, sondern auch interneinen Gewinn darstelle. So bringe dasVerfahren für die Mitarbeiterinnen undMitarbeiter einen hohen Lerneffekt mitsich und fördere die Zusammenarbeit,was sich im Optimalfall in einer „gelebtenCorporate Identity“ niederschlage.KTQ-Zertifikatist weltweit vertretenMit dem Kreiskrankenhaus in Perlebergist nun bereits das 537. deutscheKrankenhaus KTQ-zertifiziert. NebenKrankenhäusern steht das Verfahrenauch Reha-Kliniken, Praxen und MVZs,Pflege- und Hospizeinrichtungen sowieRettungsdienststellen offen. Die positivenEffekte nach innen wie nach außenhaben sich inzwischen auch überdie Grenzen der Bundesrepublik hinausherumgesprochen. „Die ChancenIm Gegensatz zu vielen anderen Verfahrenist die KTQ-Zertifizierung dieeinzige, die von Praktikern speziell fürdie Anforderungen in Krankenhäusernentwickelt wurde. Es bewertet nichtnur die Qualität der einzelnen Fachabteilungen,sondern berücksichtigt prozessorientiertden gesamten Klinikaufenthalteines Patienten von der Vorbereitungdes stationären Aufenthalts biszu seiner Entlassung. Dazu unterziehtsich das Krankenhaus zunächst einerumfassenden Selbstbewertung.Von der Selbstbewertungzur SelbstkritikDie Chance, „von der Selbstbewertungzur Selbstkritik“ zu gelangen,hob Kammerpräsident Dr. Udo Wolterin seiner Rede als ein wichtiges Potenzialdes Zertifizierungsprozesses hervor.Das Krankenhaus habe die Möglichkeit,seine Qualität zu optimierenund sie gleichzeitig für die Patientenund niedergelassenen Ärzte transparentzu machen. Dazu dient auch derQualitätsbericht, der vom Krankenhausund der KTQ online veröffentlicht wirdund alle Leistungen der Klinik dokumentiert.Neben der Eigen- umfasstdas Verfahren auch eine Fremdbewertungdurch Praktiker aus Medizin, Pflegeund Verwaltung, den KTQ-Visitoren.Sie kontrollieren stichprobenartigdas Qualitätsmanagement sowie dieProzesse zur kontinuierlichen Verbesserung,hinterfragen die Selbstbewertungdes Krankenhauses vor Ort undgeben anschließend eine Empfehlungab. Die KTQ-GmbH entscheidet dannüber die Zertifikatsvergabe. Nach dreiJahren steht die Rezertifizierung an.„Vielleicht sehen wir uns zu diesemAnlass ja wieder“, stellte Dr. Wolter inAussicht.n Mark Berger, LÄKB8 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


Kammerinformationen/GesundheitspolitIK36. Interdisziplinäres ForumFortschritt in der Medizin – gelebter Patientenschutz„Für uns Ärzte ist es eine Selbstverständlichkeit,uns mit Fortbildungfachlich fit zu halten undden ständigen Austausch mit Kollegenzu pflegen. Auf Fachsymposien,in E-Learning-Kursen oder inQualitätszirkeln erweitern wir fortwährendunser Wissen. Das ist gelebterPatientenschutz und darauflohnt es sich, in Zeiten politischerDebatten über die Patientenrechtein Deutschland deutlich hinzuweisen.“Das betont der Vize-Präsidentder Bundesärztekammer(BÄK), Dr. Max Kaplan, im Vorfelddes 36. Interdisziplinären Forumsin Berlin.An dem zentralen Fortbildungskongressder Bundesärztekammer nahmenauch in diesem Jahr wieder renommierteExperten aus allen Fachbereichender Medizin teil. Drei Tage langdiskutierten Experten aus Forschungund Praxis Themen wie die individualisierteMedizin, den Umgang mit posttraumatischenBelastungsstörungenoder den drohenden Versorgungslückenfür Menschen mit geistiger odermehrfacher Behinderung.Schnelle ärztliche Hilfenach psychischer Extrembelastungverbessert dieHeilungschancenDen Schwerpunkt des ersten Veranstaltungstagesbildete der Umgangmit den Folgen psychischer Extrembelastungen.An der posttraumatischenBelastungsstörung erkranken je nachRisikobedingungen im privaten undberuflichen Umfeld zwischen einemund sieben Prozent der Bevölkerungim Lauf ihres Lebens. Diese Form derAngststörungen ist nach Depressioneneine der häufigsten psychischenStörungen in Deutschland. „Die Betroffenensind keinesfalls Schwächlingeoder hypersensible Menschen“, betonteProf. Mathias Berger, ÄrztlicherDirektor an der Uniklinik Freiburg. Obeine posttraumatische Belastungsstörungauftritt, würde sowohl von derSchwere und Häufigkeit von Traumata,aber auch von der genetisch bedingtenDisposition des Einzelnen abhängen.Nach einem Unfall oder Verbrechenlitten manche Menschen noch Jahrespäter unter posttraumatischen Belastungsstörungen.Holocaust-Überlebendekönnten sich häufig ein Leben langnicht von dem Trauma erholen. Selbstnach vielen Jahren oder Jahrzehntenkönne die Stresserkrankung auch zumersten Mal noch auftreten, z.B. durcheine starke Erinnerung an das Geschehene,wie man etwa bei Prozessenüber lang zurückliegende Verbrechenfeststellen musste. Bei traumatisiertenMenschen sei der Körper in ständigerAlarmbereitschaft, auch wenn objektivkeine Gefahr mehr besteht. „Voraussetzungfür eine wirksame Behandlungist, dass Risikopatienten nach einermassiven Angsterfahrung frühzeitigbehandelt werden“, sagte Berger.Frühinterventionsprogramme mit mehrerenBehandlungssitzungen innerhalbvon drei bis sechs Monaten hätten inzahlreichen Studien ihre Wirksamkeitbewiesen. „Eine Chronifizierung derakuten Angstsymptomatik könne dadurchverhindert werden“, erklärte derExperte. Bei länger zurückliegendenund besonders bei komplexen Traumataseien aufwendigere psychotherapeutischeVerfahren nötig, zum Teilkombiniert mit einer psychopharmakologischenBehandlung.Prof. Dr. Gerhard Gründer vom UniversitätsklinikumAachen erklärte dazu,dass Psycho- und Pharmakotherapienkeine konkurrierenden Verfahren seien,sondern in einem Gesamtbehandlungsplanintegriert werden sollten.Die Wirksamkeit einer Psychopharmakotherapiesei auch bei posttraumatischenBelastungsstörungen klar belegtund ihre rasch eintretende Wirkungoftmals wünschenswert.Menschen mit Behinderung:Fachleute warnenvor VersorgungslückenDie Behandlung gesundheitlicherProbleme von Erwachsenen mit geistigeroder mehrfacher Behinderungstellt noch immer eine besondereHerausforderung für Ärztinnen undÄrzte dar. Mit dieser Problematik befasstensich die Teilnehmer am zweitenTag des Symposiums. Besonders beimÜbergang von der Kinder- und Jugendmedizinin die Erwachsenenbehandlungtut sich dabei eine beträchtlicheVersorgungslücke auf. „Dieses Defizitist vor allem darauf zurückzuführen,dass Medizinstudium, Weiterbildungsowie die große Palette ärztlicher Fortbildungenauf diesem Teilgebiet kaumspezialisierte Inhalte bereitstellen“, erklärteDr. Peter Martin, Chefarzt derSéguin-Klinik für Menschen mit schwerergeistiger Behinderung in Kork.„Bei erwachsenen Menschen gehteine geistige oder mehrfache Behinderungoftmals auf eine seltene Erkrankungzurück“, verdeutlichte Martin.Spezielle fachliche Kenntnisse seienebenso notwendig wie bestimmtepersonelle, räumliche und organisatorischeVoraussetzungen in ambulantenund stationären Zentren. Darüber hinausfehle es an entsprechenden Forschungsdaten,um ein solides, empirischuntermauertes ärztliches Handelnin diesem Gebiet zu garantieren.Forderungen desDeutschen Ärztetagesbleiben aktuellDer Deutsche Ärztetag hatte bereitsmehrfach auf die Defizite in der Versorgungvon Menschen mit Behinderungenhingewiesen. Auf dem 113.Deutschen Ärztetag in Dresden hattendie Delegierten die konsequenteUmsetzung der UN-Behindertenrechtskonventiongefordert. Es müssesichergestellt werden, dass Menschenmit Behinderungen eine bedarfsgerechtemedizinische Behandlung zurVerfügung steht. „Diese Forderungensind unverändert aktuell“, sagte GerdFreytag, Facharzt für Innere Medizinaus Hamburg vor den Teilnehmern desForums. „Ein politischer Aktionsplanist noch nicht in Sicht“. Um Menschenmit Behinderungen ausreichend undumfassend versorgen zu können, seienunterstützende Maßnahmen und eine10 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


Kammerinformationen/GesundheitspolitIKTagung des IEGus InstitutsDie EU-Richtlinie zur Patientenmobilität in der Praxisv. l. n. r.: Georg Baum,Susanne Mauersberg,Jürgen Heese,Dr. Grit BraesekeFoto: Mark Berger, LÄKB„Patientenrechte in der grenzüberschreitendenGesundheitsvorsorge“heißt die Richtlinie, diedas EU-Parlament im Januar 2011beschlossen hat. Deutschland hatdie darin enthaltenen Forderungenschon weitgehend im Rahmen desGKV-Modernisierungsgesetzes ausdem Jahr 2004 umgesetzt. Bis Oktober2013 soll dies europaweitder Fall sein. Eine Tagung des Institutsfür europäische Gesundheits-und Sozialwirtschaft (IEGUS)diskutierte die Chancen und Risikender Richtlinie.Die Richtlinie zur Patientenmobilitätfordert, dass die Kosten einer Behandlungim europäischen Auslandvon der eigenen Krankenversicherungzurückerstattet werden, sofern die Behandlungauch im Heimatland übernommenwürde. Bei besonders teuerenTherapien oder längeren Krankenhausaufenthaltenkann den Kostenträgerneine Genehmigungspflichteingeräumt werden. Diese dürfen dieGenehmigung allerdings nur dann verweigern,wenn durch die Behandlungein besonderes Risiko für den Patientenoder für die Allgemeinheit entstehtoder die Behandlung im Heimatland„innerhalb eines medizinisch vertretbarenZeitraums“ möglich wäre. DieEU-Länder haben sich außerdem verpflichtet,mindestens eine nationaleKontaktstelle einzurichten, die Patientenbei Fragen und Problemen unterstützt.Berater brauchenden direkten KontaktGerade der Betrieb dieser Kontaktstellenweckt in Deutschland Begehrlichkeiten.So brachte Susanne Mauersbergvom Verbraucherzentrale Bundesverbanddie Unabhängige PatientenberatungDeutschland (UPD) alsmöglichen Betreiber ins Spiel. Für siespräche ihre bereits bewiesene Kompetenzals Kontaktstelle für Patienten- gerade in einem mehrsprachigen Umfeld.„Es wird nicht reichen, den Patienteneinfach Informationsmaterial zuzusenden.Die Berater müssen den direktenKontakt haben und Rückfragenstellen können“, erläuterte Mauersbergund räumte ein, dass die Beratung denArztkontakt nicht ersetzen solle. Außerdemgäbe es in Deutschland nochNachholbedarf im Hinblick auf dasQualitätsreporting. Es fehle ein Internetangebot,das die vorhandenen Informationenin einer für den Patientenverständlichen Form bündele. Ein weiteresProblem sei der Datenaustauschzwischen den EU-Ländern: „Hier sinddie Probleme schon im nationalen Kontextso verschärft, dass man sich fragt,wie das erst auf EU-Ebene weitergehensoll.“Wohin mitder Kontaktstelle?Jürgen Heese, der Leiter der StabsstelleUnternehmenspolitik der AOK Nordost,hält die nationale Kontaktstelle ambesten beim Patientenbeauftragten derBundesregierung aufgehoben. Er solledie notwendigen Informationen vonden Leistungserbringern, Krankenkassenund Patientenorganisationenbündeln und weitergeben. Als weitereInitiative brachte Heese ein virtuellesNetzwerk beim Bundesgesundheitsministeriumins Spiel. Einer Finanzierungder Kontaktstelle aus Mitteln der gesetzlichenKrankenversicherung erteilteHeese eine klare Absage. Diesemüsse aus Steuermitteln erfolgen. Diedürften sich aber seiner Meinung nachin Grenzen halten. „Wir rechnen nichtdamit, dass durch die Richtlinie enormviele Patienten aus dem Ausland zu unskommen werden. Diese Befürchtungenhaben sich schon bei der EU-Osterweiterungnicht bestätigt“, so Heese.Hüft-OP mit MeerblickAuch der umgekehrte Fall, also einMassenexodus aus den deutschenKrankenhäusern, sei nicht zu befürchten,erklärte der Hauptgeschäftsführerder Deutschen Krankenhausgesellschaft,Georg Baum. Die Richtlinieeröffne aber den Staaten, deren Gesundheitssystemnoch nicht so weitfortgeschritten sei, neue Entwicklungschancen– und den EU-Bürgernneue Freiheiten: „Jeder hat das Recht,medizinische Leistungen in einem anderenLand in Anspruch zu nehmen -auch wenn er eine Hüftoperation ander Côte d‘Azur möchte, weil dort derBlick aus dem Fenster schöner ist.“ Dieneue Freiheit dürfe allerdings nicht zueiner Diskriminierung der Inländer führen.Den einheitlichen Maßstab für allePatienten bildeten stets die nationalenRegeln.Statt einer neuen Kontaktstelle griffBaum den Vorschlag des virtuellenNetzwerks auf, denn schließlich müsseder Umsetzungsaufwand im Verhältniszum Nutzen stehen: „Niemand brauchtin Deutschland die Verbraucherzentrale,um gesund zu werden. Und wirbrauchen keine neue Behörde, sondernmüssen einfach die vorhandenenInformationen für die deutschen unddie ausländischen Patienten transparentmachen.“n Mark Berger, LÄKB12 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


www.racottbus.deKammerinformationen/GesundheitspolitIKMedizinische Fachangestellte35 MFA haben die Abschlussprüfung bestandenAn der diesjährigen Winter-Abschlussprüfungder MedizinischenFachangestellten nahmen 38 Prüflingeteil. Nachdem sie im Novemberletzten Jahres den schriftlichenPrüfungsteil absolvierten, stelltensie im Januar 2012 ihre praktischenFähigkeiten unter Beweis.Insgesamt gelang es 35 Prüflingen,davon 16 Auszubildende, 5 Umschülerinnenund 14 Externe, die Prüfungerfolgreich zu absolvieren undsomit den Berufsabschluss zu erreichen.Drei Teilnehmerinnen haben dieAbschlussprüfung nicht bestanden. Siekönnen sich im Mai/Juni einer 1. Wiederholungsprüfungstellen. Von den 16Auszubildenden wurden allein 9 aufgrundihrer guten bis sehr guten Leistungenvorzeitig zur Abschlussprüfungzugelassen und meisterten diese erfolgreich.Sie verkürzten somit ihre Ausbildungum ein halbes Jahr. In den dreischriftlichen Prüfungsbereichen Behandlungsassistenz,Betriebsorganisationund -verwaltung und WirtschaftsundSozialkunde wurden durchschnittlichbefriedigende Leistungen erreicht.Überwiegend gute und sehr guteErgebnisse erzielten die Prüflinge impraktischen Prüfungsteil. So konntendie Prüfer immerhin 6 Mal die Note 1und 15 Mal die Note 2 vergeben.Damit haben 11 Prüflinge die Gesamtnote2, 16 Prüflinge eine 3 und 8 dieNote 4 erreicht.Allen Absolventen herzlichen Glückwunschzur bestandenen Abschlussprüfung!n Kathrin KießlingAusbildungsberaterinBundesverfassungsgerichtPetition an BundestagDas Bundesverfassungsgerichthat nach seiner Entscheidung vom12. Oktober 2011 (Beschluss 2 BvR236/08, BvR 237/08,2 BvR 422/08)in der Pressemitteilung vom 7.Dezember 2011 mitgeteilt, dassLauschangriffe im Arzt-Patienten-Bereich in dem neuen gesetzlichenRahmen zulässig seien.Die Ende 2007 beschlossene Gesetzesänderungund zum 1.Januar 2008in Kraft getretene Norm des § 100aStPO und § 160a StPO erlauben beiÄrzten ein weitergehendes Abhörenals bei Rechtsanwälten, Seelsorgernund Abgeordneten. Dagegen richtetsich eine aktuelle Petition, die auf eineGleichstellung der Ärzteschaft abzielt.Der Antrag ist auf www.bundestag.deunter Petitionen Nr. 21612 online einsehbar.n Philipp RothMEYER-KÖRINGAnwaltstradition seit 1906Dr. Reiner Schäfer-GölzWolf Constantin BarthaFACHANWÄLTE FÜR MEDIZINRECHTDr. ChristopherLiebscher, LL.M.FACHANWALT FÜR ARBEITSRECHTFACHANWALT FÜR MEDIZINRECHTCottbus · Spremberg · Forst · Lübbenau Kassenarztrecht (einschl. Zulassung)HonoraransprücheWirtschaftlichkeitsprüfung Arzthaftungsrecht bei Behandlungsfehlern- ÄRZTLICHE KOOPERATIONEN- VERTRAGSARZTRECHT- KRANKENHAUSRECHT- ÄRZTLICHES HAFTUNGSRECHT- ÄRZTLICHES WETTBEWERBSRECHT- PRAXISMIETVERTRAG- ARBEITSRECHT IN DER MEDIZINAbwehr strafrechtlicher Sanktionen gegen ÄrzteAnzeigenRechtsanwalt Wolfram WalterFachanwalt für MedizinrechtFachanwalt für Erbrecht Walter, Thummerer, Endler & Coll. Burgstraße 17 03046 Cottbus Telefon: 0 355 - 7808 00 anwalt@racottbus.dewww.meyer-koering.deSchumannstr. 18 | 10117 Berlin | Telefon 206298-6berlin@meyer-koering.deBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 13


Arzt & RechtArzt und Arzthaftungvon Fall ZU FALLHeute: Nicht diagnostizierte Jochbeinfraktur nach Sturzals Folge einer vasovagalen Synkope während stationärerBehandlungHinweis:Weitere Fälle ausder norddeutschenSchlichtungsstelle findenInteressierte imInternet unterwww.laekb.de, Rubrik‚Arzt‘ – ‚Kasuistiken‘Alle Fälle entstammender gemeinsamen Fallsammlungder neunMitgliedskammernder norddeutschenSchlichtungsstelle.Jochbeinfrakturen zählen zu denam häufigsten übersehenen Frakturen.Eine deutliche Schwellungder Wange und Funktionsstörungen,wie Diplopie, Mundöffnungsbehinderungund Sensibilitätsstörungenim Ausbreitungsgebietdes N. infraorbitalis, nach einemUnfallereignis deuten auf eineJochbeinfraktur hin und bedürfenzwingend einer röntgenologischenAbklärung.KasuistikEine 48-jährige Patientin befand sichwegen einer chronischen obstruktivenLungenerkrankung zu Rehabilitationsmaßnahmenin einer Reha-Klinik. Dortstürzte sie nach einer Ergometertrainingseinheitals Folge einer vasovagalenSynkope gegen eine Tür. Bei derersten klinischen Untersuchung wurdeeine Prellung der rechten Gesichtshälftemit oberflächlichen Schürfwundenan der rechten Schläfe diagnostiziertund nachfolgend eine Gehirnerschütterungsowie ein Myokardinfarkt mittelsEKG und laborchemischen Untersuchungenausgeschlossen. Nach demUnfallereignis entwickelte sich rascheine deutliche Schwellung im Bereichder rechten Gesichtshälfte, die durchKühlung angegangen wurde. NachAbschwellung des Gesichtes zeigtesich zehn Tage nach dem Unfallereigniseine Stufenbildung im Bereich desrechten Infraorbitalrandes und die jetztangeordneten Röntgenaufnahmen ergabeneine laterale Mittelgesichtsfrakturrechts. Vonseiten der Rehabilitationsklinikwurde die Patientin daraufhin entlassen und ein Vorstellungsterminbei einem Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgenvereinbart, der klinischund röntgenologisch eine Jochbeinfrakturrechts unter Beteiligung desOrbitabodens und der Vorderwanddes Oberkiefers mit Anästhesie imAusbreitungsgebiet des N. infraorbitalisrechts diagnostizierte. Außerdemfand er einen Hämatosinus rechts. ZurVersorgung der Fraktur wurde die Patientinstationär aufgenommen, und eserfolgte in Intubationsnarkose die Repositiondes rechten Jochbeins, eineRevision des Orbitabodens und derfazialen Kieferhöhlenwand mit Miniplattenosteosynthesesowie eine Neurolysedes N. infraorbitalis rechts. DerOrbitaboden und die faziale Kieferhöhlenwandwurden mit Ethisorbmembranenwiederhergestellt.Wegen fortbestehender Sensibilitätsstörungenim Ausbreitungsgebiet desN. infraorbitalis rechts suchte die Patientineinen Facharzt für Neurologieund Psychiatrie auf, der die Sensibilitätsstörungenim Bereich des zweitenTrigeminusastes als Folge der Frakturverifizierte und zentralneurologischeUrsachen ausschloss. Bei der Ableitungvon somatosensibel evozierten Potenzialenam N. trigeminus fanden sichlinksseitig normale Werte, rechtsseitigjedoch konnten keine Potenziale abgeleitetwerden. Die Eingliederung derPatientin in den Arbeitsprozess gelangnur schrittweise, da sie seit dem Unfallunter Albträumen und unter einer depressivenStimmungslage litt.Die Patientin vermutete in der Behandlungder Reha-Klinik einen Behandlungsfehlerund beanstandete,dass sie fehlerhaft nach der Erstuntersuchungtrotz einer erheblichenSchwellung im Bereich der rechtenGesichtshälfte nicht geröntgt wordensei. Die behandelnde Ärztin hätte nachdem Sturz eine Gehirnerschütterung,eine Platzwunde am Kopf und eine geschwollenerechten Gesichtshälfte diagnostiziertund keine Veranlassunggesehen, trotz des schwerwiegendenSturzes eine Röntgenuntersuchungzu veranlassen. Diese sei erst zehnTage später aufgrund der persistierendenBeschwerden veranlasst worden.Durch die verspätete Erkennung derJochbeinfraktur sei es auch zu einerzu späten operativen Intervention undEntlastung des Nerven gekommen. Siepostulierte, dass es bei einer unverzüglichenoperativen Versorgung nicht zuden Sensibilitätsstörungen gekommenwäre, die bis heute anhalten würdenund wahrscheinlich irreparabel seien.Die behandelnden Ärzte argumentierten,dass bei der Patientin nach demUnfallereignis keine Hinweise für eineSchädelfraktur bestanden hätten. Siesei über 60 Minuten engmaschig imIntensivzimmer der Klinik überwachtworden und elektrokardiographischund laborchemisch hätte ein akutesMyokardinfarktgeschehen ausgeschlossenwerden können. Im weiterenVerlauf hätte sich eine Schwellungder rechten Gesichtshälfte entwickelt,die mit Cool Packs behandelt wordenseien. Erst nach zehn Tagen hätte sichnach Abschwellung der rechten Gesichtshälfteeine Konturunterbrechungam rechten Orbitaboden gezeigt. Diedaraufhin sofort durchgeführte Röntgendiagnostikhätte den Verdacht aufeine Aussprengung aus dem rechtsseitigenOrbitaboden ergeben, und dieKlinik hätte sofort die notwendigenweiteren therapeutischen Maßnahmenveranlasst.GutachtenDer von der Schlichtungsstelle beauftragteGutachter kommt zu der Feststellung,dass bei der beanstandetenBehandlung durch die Reha-Klinik gegenseinerzeit geltende Standards verstoßen,also fehlerhaft gehandelt wordensei. Nach dem Sturz hätte eineRöntgenuntersuchung des Gesichtsschädelsdurchgeführt werden müssen,da die Art der Gewalteinwirkung14 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


Arzt & Rechtund das Leitsymptom der Hypästhesiedes N. infraorbitalis rechts zumindesteinen Anfangsverdacht auf eine lateraleMittelgesichtsfraktur nahe gelegthätten, der dann durch entsprechendeBildgebung hätte bestätigt oder ausgeschlossenwerden müssen. Für dieseRöntgenuntersuchung hätte jedochnach dem Sturz keine unmittelbare Indikationbestanden. Angesichts der Situationeiner plötzlichen Bewusstlosigkeitder Patientin wären vollkommenzu Recht zunächst die Überprüfungder Vitalparameter und der Ausschlusslebensbedrohlicher zerebraler oder kardialerEreignisse in den Vordergrund zurücken gewesen.Die Sensibilitätsstörungen im Ausbreitungsgebietdes N. infraorbitalis rechtshätten jedoch durch eine frühere Diagnoseund Operation der Jochbein-/Orbitabodenfrakturnicht verhindert werdenkönnen. Sie seien nicht ursächlichauf die zehn Tage verzögerte Röntgendiagnostikzurückzuführen. Die Schädigungdes Nerven wäre eindeutig durchdie Quetschung als Folge der direktenGewalteinwirkung beim Bruch desJochbeins und Orbitabodens eingetreten.Das Intervall zwischen Traumaund Operation spiele keine wesentlicheRolle hinsichtlich der Wahrscheinlichkeitder Erholung der Innervationdes N. infraorbitalis. Vielmehr würdender Schweregrad der Schädigung, alsoder Grad der Dislokation und insbesonderedie Einbeziehung des Canalis infraorbitalisals wesentliche Faktoren fürdie Prognose der Nerverholung angegeben.Deshalb würde die Repositionder Jochbein-/Orbitabodenfraktur nurin Ausnahmefällen als dringend angesehen,und im Gegenteil würde sogarZeit für die Abschwellung der Weichteileeingeräumt, um den operativenZugang und die Palpation der knöchernenStrukturen zu erleichtern.Die Sensibilitätsstörungen wie auchdie Zeitdauer ihres Auftretens wärenauch bei richtigem ärztlichen Handelnohnehin eingetreten. Auch Schmerzenund Schwellungen wären im gleichenRahmen zu beobachten gewesen. Fehlerbedingtseien keine zusätzlichen gesundheitlichenBeeinträchtigungen eingetreten.Entscheidungder SchlichtungsstelleDie Schlichtungsstelle folgte demschlüssigen Gutachten und vertratebenfalls die Ansicht, dass von denÄrzten der Reha-Klinik zweifelsfrei beider Erstuntersuchung die Jochbeinfrakturübersehen und nicht die erforderlichenbildgebenden Verfahren zurDiagnosestellung veranlasst wurden.Obwohl keine massiven Funktionsbeeinträchtigungen,wie eine Diplopieoder eine Mundöffnungsbehinderung,bestanden, haben die massive Schwellungder gesamten rechten Gesichtshälfteund die Sensibilitätsstörungenim Ausbreitungsgebiet des N. infraorbitaliseindeutig auf eine Jochbeinfrakturhingewiesen. Entsprechend hättedie Patientin einer weitergehendenRöntgendiagnostik oder einer fachärztlichenUntersuchung zugeführt werdenmüssen. Entsprechende Untersuchungenwurden seinerzeit nicht veranlasst,so dass ein Befunderhebungsmangelvorliegt, wobei nach Lage derAkten davon auszugehen war, dass beiVeranlassung einer Nasen-Nebenhöhlen-Aufnahmedie Jochbeinfraktur erkanntworden wäre. Nach sachgerechterFrakturversorgung kam es zu einerAusheilung der Fraktur in regelrechterStellung, es verblieb jedoch die Sensibilitätsstörungim Ausbreitungsgebietdes N. infraorbitalis. Dies ist Folge derdirekten Verletzung des Nerven undnicht auf die verzögerte Diagnostikund Behandlung zurückzuführen. Auchbei einer unmittelbaren Diagnose undfrühzeitigen Revision mit Neurolyse desN. infraorbitalis im Nervenkanal wäreder Funktionsausfall nicht zu vermeidengewesen. Letztlich ist die Jochbeinfrakturstandardgemäß behandeltworden mit einem Behandlungsverlauf,der auch bei rechtzeitiger Diagnose derJochbeinfraktur nicht anders abgelaufenwäre.Der Befunderhebungsmangel zeitigtein diesem Fall ausnahmsweise keinebeweisrechtlichen Konsequenzenzugunsten der Patientin, da der Funktionsausfalldes N. infraorbitalis zweifelsfreidirekt mit dem Unfall kausalverknüpft war.Entsprechend hielt die SchlichtungsstelleSchadensersatzansprüche nichtfür begründet.n Professor Dr. med. Dr. med. dent.Jarg-Erich HausamenÄrztliches Mitglied der Schlichtungsstellefür Arzthaftpflichtfragen dernorddeutschen ÄrztekammernHans-Böckler-Allee 330173 HannoverKontakt:Schlichtungs stellefür Arzthaftpflichtfragen dernord deutschen ÄrztekammernHans-Böckler-Allee 330173 HannoverTel.: 0511 3802416 oder 2420Fax: 0511 3802406E-Mail: info@schlichtungsstelle.dewww.schlichtungsstelle.deLeuchten-Ausstellung Lichtplanung MontageCottbus An der OberkircheSandowerstr. 53 www.lichtgalle.deAnzeigenBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 15


fortbildungAkademie für ärztliche Fortbildung der LandesärztekammerBrandenburg in Zusammenarbeit mit der Kvbb7. Forum für den Hausarzt und das PraxispersonalFoto: privatInnovationen undKasuistiken(8 Punkte/Kategorie A)24. März 2012Veranstaltungsort: Van der ValkHotel Berliner Ring GmbHEschenweg 1815827 Dahlewitz/Blankenfelde13. Oktober 2012Veranstaltungsort:Seehotel FontaneAn der Seepromenade16816 NeuruppinLeitung:Dr. med. R. Schrambke,Stellv. Vorsitzender Akademie fürärztliche FortbildungSchriftliche Anmeldungerforderlich!Anmeldeschluss:9. März 2012 für Hausarztforumam 24.3.20121. Okt. 2012 für Hausarztforumam 13. Okt. 2012Ihre Anmeldung richten Siebitte an:LandesärztekammerBrandenburg,Referat Fortbildung,Postfach 101445,03014 CottbusFax: 0355 780101144E-Mail: akademie@laekb.deVormittagssitzung:Kasuistiken zum DMP*Moderation: Dr. med. Schrambke09:00 – 09:05 Uhr Eröffnung09:05 – 10:00 Uhr Diabetes undAugeDr. med. Reinfeld10:00 – 10:45 Uhr Kasuistiken zurKHK **Dr. med. Gaub10:45 – 11:00 Uhr Pause11:00 – 12:30 Uhr Asthma/COPDBeispiele aus der PraxisPD Dr. med. John12:30 – 13:00 Uhr Pause* im Rahmen der DMP-Fortbildungspflicht** im Rahmen der Fortbildungspflicht„73c Cardioplus Brandenburg“Vertrag BARMER GEKNachmittagssitzung:Fortbildung Palliativmedizin,Schmerztherapie*Moderation: Dr. med. Puschmann13:00 –14:30 UhrPalliativmedizin 2012Herr Himstedt-Kämpfer14:30 – 14:45 Uhr Pause14:45 – 15:30 Uhr Innovationen undTrends in der Schmerztherapie – anFallbeispielen dargestelltProf. Dr. med. Weber/Dr. med.Schürer15:30 Uhr Aktuelles und Informationenfür den HausarztDr. med. Schrambke16:00 Uhr AbschlussAnschließend für Vertragsteilnehmerund Interessenten!16:00 Uhr EinführungsveranstaltungRheumavertrag AOK Nordost**Dr. med. Zänker/Dr. EngelDr. med. Schrambke* im Rahmen der Fortbildungpflicht für Hausarztverträge** im Rahmen der Fortbildungpflicht AOKRheumavertragVormittagssitzung:Updates fürdas PraxispersonalModeration: Dr. med. Richter09:00 – 09:15 Uhr Eröffnung09:15 – 10:45 Uhr GrundwissenHerzchirurgie für MFA‘sProf. Dr. med. Knörig10:45 – 11:00 Uhr Pause11:00 – 12:15 Uhr ErfolgsrezeptMarketing – aber wie?Frau Albrecht12:15 – 13:00 Uhr Pause13:00 – 15:00 Uhr Workshop Basiswissenfür die MFA aufgefrischt:• Neues aus der Vertragswerkstatt:(Rheuma-Vertrag & Co.)Dr. med. Schrambke• Präanalytik, Labormethoden & Co.Dr. Lange• Geriatrisches Basisassessment &Co. nach EBMFrau HermAnschließend Teilnahme am Programmder Hausärzte16:00 Uhr AbschlussBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 17


fortbildungAkademie für ärztliche FortbildungFortbildungsangebotQualifikationskurs für Transfusionsbeauftragte/Transfusionsverantwortliche16 P30./31. März 2012 in CottbusLeitung: Dr. med. R. Knels, CottbusTeilnehmergebühr: 180 €Röntgen-Aktualisierungskurs(8 Stunden) je 9 P17. März 2012in Dahlewitz-Blankenfelde21. April 2012 in Frankfurt (Oder)27. Okt. 2012 in Neuruppin10. Nov. 2012in Dahlewitz-BlankenfeldeKursleiter: Prof. Dr. med. habil.C.-P. Muth, CottbusTeilnehmergebühr: je 120 €Kurse im Strahlenschutzgemäß RöntgenverordnungGrundkurs im Strahlenschutz 17 P14./15. Nov. 2012Spezialkurs im Strahlenschutz 17 P16./17. Nov. 2012Ort: CottbusKursleiter:Prof. Dr. med. C.-P. Muth, CottbusTeilnehmergebühr: je 280 €Sonographie-KurseAbdomen undRetroperitoneum 30 Pnach den Richtlinien der KassenärztlichenBundesvereinigung und derDEGUMGrundkurs: 1. bis 4. Nov. 2012Ort: St. Josefs-KrankenhausPotsdamKursleiter: Dr. med. B. Kissig,PotsdamTeilnehmergebühr: 340 €Psychosomatische Grundversorgung(80 Stunden) 80 Pgemäß Weiterbildungsordnung der LÄKBlaufender Kurs17./18. März 201228./29. April 201223./24. Juni 20121./2. Sept. 2012Ort: PotsdamLeitung: R. Suske, WerneuchenTeilnehmergebühr: 920 €ausgebucht!ausgebucht!ausgebucht!ausgebucht!Psychosomatische Grundversorgung(64 Stunden) 64 Pgemäß Weiterbildungsordnung der LÄKB10. bis 15. Sept. 2012Ort: PotsdamLeitung: R. Suske, WerneuchenTeilnehmergebühr: 750 €GrundkursPalliativmedizin 40 Pgemäß Weiterbildungsordnung der LÄKB20. bis 24. Aug. 2012Ort: PotsdamKursleitung:B. Himstedt-Kämpfer, Potsdam;Dipl.-Med. K. Wendt, BeeskowTeilnehmergebühr: 540 €Hausarztforum je 8 P24. März 2012 in Dahlewitz13. Okt. 2012 in NeuruppinLeitung: Dr. med. R. Schrambke,SchorfheideTeilnehmergebühr: 80 € für Ärzte,45 € für PraxispersonalIntensivvorbereitungauf die FacharztprüfungAllgemeinmedizin 8 P22. Sept. 2012Ort: PotsdamLeitung: Dr. med. R. Schrambke,SchorfheideTeilnehmergebühr: 100 €Zentrale Weiterbildungfür Medizinische FachangestellteNord/West Brandenburg„Aus der Praxis für diePraxis“16. Mai 201217. Okt. 2012jeweils ab 14.00 UhrOrt: NeuruppinLeitung: Dr. med. H. WiegankTeilnehmergebühr: je 30 €SeminarLeitender Notarzt 40 Pgemäß Richtlinie der LÄKB zur Qualifikationdes Leitenden Notarztes3. bis 7. Dez. 2012Ort: CottbusKursleiter:A. Nippraschk, Neuruppin;T. Reinhold, OranienburgTeilnehmergebühr: 700 €Suchtmedizinische Grundversorgung50 Pgemäß Weiterbildungsordnung der LÄKBin Zusammenarbeit mit dem AISS(Angermünder Institut für Suchttherapieund Suchtmedizin) undSuchtakademie Berlin-Brandenburge.V.Block I – Alkohol, Nikotin undVersorgung7./8. Sept. 2012Block II – Drogen- und Medikamentenprobleme,Missbrauch,Abhängigkeit, Substitution, Notfälle,Toxikologie, Gesetze26./27. Okt. 2012Block III – Motivational Interviewing(Trainer MI: Dr.phil. Dipl.-Psych. C. Veltrup, Lübeck)7./8. Dez. 2012Ort: PotsdamKursleiter: Priv.-Doz.Dr. med. Gudrun Richter,Angermünde/Berlin;Prof. Dr. med. U. Schwantes,OberkrämerTeilnehmergebühr: 200 €/BlockIhre Anmeldung richten Sie bittean die LandesärztekammerBrandenburg,Referat Fortbildung,Postfach 101445, 03014 Cottbus,Fax 0355 780101144,E-Mail: akademie@laekb.de,Internet: www.laekb.de.18 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


AktuellDer Quereinstieg in die AllgemeinmedizinWie sich eine Facharztdisziplin selbst bagatellisiert!Nach Beschlusslage des letztendeutschen Ärztetages und nachEmpfehlung des Senates für Allgemeinmedizinder Bundesärztekammersoll der Quereinstieg indie Allgemeinmedizin leichter gemachtwerden.Was bedeutet dieses Ansinnen? JederArzt kann nach erfolgreichem Abschlusseiner Fachrichtung nach derWeiterbildungsordnung eine neueFacharztrichtung anstreben und abschließen,wenn er die gültigen Inhalteund Anforderungen erfüllt. Wenn nundie Fachrichtung Allgemeinmedizin alszweite Richtung gewählt wird, soll esnach dem Willen führender Bundeshausärzteund der Bundesärztekammereinfacher gehen. Im Klartext würde esbedeuten, dass die Pflichtweiterbildungim Fach Innere Medizin, die für angehendeAllgemeinmediziner mit mindestens18 Monaten angegeben ist, vonQuereinsteigern nicht nachzuweisenwäre. Wir halten die Kenntnisse undErfahrungen, welche Assistenten inWeiterbildungseinrichtungen für InnereMedizin bei einer Quote von 42 bis49 Prozent inneren Fällen in allgemeinmedizinischenPraxen für unverzichtbarund somit diese Entwicklung für absolutindiskutabel! Noch klarer wird es,wenn man bedenkt, dass nun ein Facharztmit einer patientennahen Facharztrichtungsich als Hausarzt oder alsAllgemeinmediziner niederlassen kann,ohne je die Innere Medizin als Weiterbildungsabschnittabsolviert zu haben.Vorschlag hält rationalenÜberlegungen nicht StandNach den Initiatoren dieser Empfehlungbesteht in den anderen Richtungenso viel Querschnittwissen, umdiese Verkürzung der Facharztausbildunggefahrlos hinnehmen zu können.Dass diese Vorgehensweise rationalenÜberlegungen nicht standhält, sonderneher aus politischen Gründen initiiertwurde, bestätigte kürzlich auch FrauGoessmann, die stellvertretende Vorsitzendedes Senates für Allgemeinmedizin.Gegen diese beabsichtigteEntwicklung wendet sich der HausarztverbandBrandenburg e. V. i. G. mit Vehemenz.Katastrophales SignalWir glauben, dass durch diese Empfehlungein katastrophales Signal analle tätigen Allgemeinmediziner undvor allem an alle Weiterbildungsassistenten,die sich zum Facharzt für Allgemeinmedizinentschlossen haben,ausgesandt und die Attraktivität unseresFachgebietes noch mehr beschädigtwird. Es sind gerade die weichenFaktoren wie Anerkennung in der Gesellschaftund unter Kollegen, die Wissenschaftlichkeiteines Gebietes undein klar definiertes Selbstverständnis,welches in einer fachbezogenen WeiterbildungsordnungAusdruck findet,die über die Wahl der Facharztrichtungnach abgeschlossenem Studium entscheiden,wie zahlreiche Befragungenunter Studenten ergeben haben. Mitdiesem „Quereinstieg“ wird klar signalisiert,wie einfach auch andere Fachrichtungeneinen Facharzt für Allgemeinmedizinerwerben können, ohne selbstvom wichtigen Abschnitt, der InnerenMedizin, eine Ausbildung genossen zuhaben! Noch deutlicher erscheint dieBotschaft: Mit etwas patientennaherBerufserfahrung kann die Allgemeinmedizinauch bewältigt werden.Natürlich sind auch Ärzte andererFacharztrichtungen in der Lage, Bagatellerkrankungenzu behandeln – mitqualitätsgerechter allgemeinmedizinischerBehandlung hat das aber nichtsmehr zu tun. Die Allgemeinmedizin istso komplex, dass eine verkürzte Facharztausbildunggeradezu anachronistischwirkt. Umso irritierender ist es,dass nun die Bundesärztekammer alsoberste Qualitätshüterin in der Weiterbildung,dieses Modell empfiehlt undRückschritte in eben dieser Weiterbildungsspartetoleriert.Wir, als Allgemeinmediziner undHausärzte im Hausarztverband desLandes Brandenburg, lehnen dieseVorgehensweise strikt ab, da sich dieQualität der allgemeinmedizinischenBehandlung verschlechtert, unserenPatienten somit schadet und auchlangfristig nicht mehr Allgemeinmedizinerherausbildet werden, sondernes eher zur Diskreditierung und Herabstufungeiner ganzen Facharztrichtungführt, die leider traditionell nichtzu den beliebtesten Disziplinen zählt.Es wäre viel weiser gewesen, die Verbundweiterbildungin der Allgemeinmedizinzu verbessern, anstatt den Eindruckzu vermitteln, den Nachwuchsmangelbeheben zu können, indemman eine Facharztrichtung verkürztund hinterher absolvieren kann.Breite UnterstützungIn Brandenburg sind die Allgemeinmedizinerund Hausärzte in der komfortablenLage, dass der Präsident, der Kammervorstandder Landesärztekammerund der Prüfungs- und WeiterbildungsausschussAllgemeinmedizin/ InnereMedizin unsere Ansichten teilen. Damitsteht besonders der Kammervorstandtreu zu seinen Kernzielen der LÄKB, dieQualitätsnormen auch im Fach Allgemeinmedizinweiterhin hochzuhaltenund diese Prinzipien nicht banalen kurzfristigenÜberlegungen zu opfern. Dafürunseren aufrichtigen Dank.Fazit:– Der Quereinstieg ist kein geeignetesInstrument, um Versorgungsengpässelangfristig zu beheben und führtzu einer Verschlechterung der Qualitätder hausärztlichen Versorgung.– Wir empfehlen, die Verbundweiterbildungzu intensivieren, um die allgemeinmedizinischeAusbildung attraktiverund entsprechend der Weiterbildungsordnungdurchlaufen zukönnen. – In Brandenburg wird esdiesen von der Bundesärztekammerangedachten Weg nicht geben, dadie Qualität ärztlicher Weiterbildungnicht durch kurzfristig angelegteÜberlegungen zur Bekämpfung angeblichenHausärztemangels aufsSpiel gesetzt werden darf.n Im Namen des Vorstandes desHausarztverbandes Brandenburg e. V. i. G.Dr. Hanjo PohleBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 19


AktuellBrandenburgs KlinIKen vorgestelltKrankenhaus Märkisch-OderlandDas MEDIZENT feiertRichtfestFotos: KrankenhausMärkisch-OderlandChefarzt Dr. Jenssenbei der EndosonografieWer die Geschichte des KrankenhausesMärkisch-Oderland verfolgenwill, muss weit in die Vergangenheitzurückblicken. Die Klinikbesteht nämlich aus zwei Standortenin Strausberg und Wriezen.Während das Krankenhausin Strausberg 1896 erbaut wurde,finden sich in der Wriezener Stadtchronikschon 1574 Hinweise aufdie Existenz eines Hospitals. Vermutlichhandelte es sich dabei umeine kirchliche Stiftung, die aufSpenden angewiesen war. Die imHospital untergebrachten Frauensammelten diese Spenden wöchentlichein, wobei sie sich miteiner speziellen Klapper ankündigten.Seit diesen Tagen hat sich nicht nurim Hinblick auf die Finanzierung desGesundheitssystems einiges verändert.Der heutige Standort am SonnenburgerWeg in Wriezen existiert seit 1957.Er ist damit etwas jünger als das Krankenhausin Strausberg, das im Zuge derVerwaltungsreform 1953 durch Zusammenlegungmit den Standorten in Neuenhagenund Altlandsberg entstand.Nach der Wiedervereinigung begannendort 1991 die Baumaßnamen fürein neues Krankenhaus, das die beidenAußenstellen überflüssig machte. Am1. Januar 2000 schlossen sich die Klinikenin Strausberg und Wriezen dannzu ihrer heutigen Form zusammen.Erst dadurch sei eine Größenordnungentstanden, die sich rentabel führenlasse, so die Geschäftsführerin AngelaKrug. „Wriezen allein war einfachzu klein“, erklärt sie und verweist insbesondereauf die Haustechnik undVersorgung. Heute gibt es eine klareAufgabenteilung zwischen den beidenStandorten. Strausberg ist vor allenDingen für Akutbehandlungen wie Unfälleoder Geburtshilfe zuständig, währenddie besser planbaren Fälle von derOrthopädie bis zur Gefäßchirurgie eherin Wriezen angesiedelt sind.Grundversorgungund mehrSeit dem Zusammenschluss ist dasKrankenhaus Märkisch-Oderland eineKlink der Grundversorgung mit Klinikenfür Innere Medizin, AllgemeinundViszeralchirurgie, Orthopädie,Sportmedizin und Reha, Anästhesie,Intensiv- und Notfallmedizin. Zusätzlichbietet sie aber auch Leistungen an,die weit über diese Grundversorgunghinausgehen. Dazu zählt etwa diePulmologie in Strausberg, wo Erkrankungenwie Asthma, Bronchitis oderTuberkulose behandelt werden, dieUnfall- und wiederherstellende Chirurgiemit den Schwerpunkten Wirbelsäulenverletzungen,Arthroskopie allerGelenke, Fußchirurgie und der Korrekturvon Fehlstellungen. Den Schwerpunktder jüngst renovierten gynäkologischenKlinik bildet das operativeBeckenbodenzentrum, das ein breitesstationäres Behandlungsspektrum bietet.Der Standort Wriezen verfügt seit2009 über einen neuen Operationssaal,in dem vor allem Arthroskopien,Gelenkspiegelungen bei Verletzungenan Knie, Schulter, Hand oder Fuß sowieEndsonographien möglich sind.„Das gibt’s nicht überall“, betont AngelaKrug. Zu den weiteren Besonderheitenzählen eine Reanimationseinheitfür Neugeborene, MRT und CT sowieein Bewegungsbecken für die besondersgelenkschonende Physiotherapie.Die orthopädische Abteilung hat sichinzwischen zu einem Referenzhausentwickelt, in dem Ärzte hospitierenund operative Techniken erlernen. Zurzeitläuft außerdem ein Verfahren zurZertifizierung als Endoprothetikzentrum.„Das wird uns helfen, die Qualitätstetig auf dem neuesten Stand derMedizin zu sichern. Wir werden unsereProzesse, aber auch die Transparenz,über die eingesetzten Technikenverbessern. All das wird den Patientenzugutekommen“, sagt Chefarzt Dr. HagenHommel.Das MEDIZENTöffnet im FrühjahrAuch über solche Initiativen hinausbemüht sich das Krankenhaus Märkisch-Oderlandum neue, ergänzende20 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


AktuellAngebote. So wurde im vergangenenJahr die Kurklinik in Bad Freienwaldeaufgekauft. „Wir können damit unserLeistungsprofil erweitern. Wir übernehmenin Bad Freienwalde eine Klinik,die gut aufgestellt ist“, erklärt AngelaKrug. Im Frühjahr eröffnet außerdemdas MEDIZENT auf dem Gelände derProbleme diskutieren und innovativeBehandlungskonzepte entwickeln. Außerdemsind Fortbildungsveranstaltungenmit allen am Rettungsdienst beteiligtenMitarbeitern geplant. Eine weitereBesonderheit sind die Telekonferenzen,die Fortbildungen gleichzeitig anbeiden Standorten ermöglichen.Das Krankenhaus ist auch mit anderenEinrichtungen bestens vernetzt. Sobesteht ein Kooperationsvertrag mitdem Unfallkrankenhaus Berlin zur teleneurologischenFerndiagnostik vonSchlaganfallpatienten. Das Darmzentrumstellt allen Spezialisten in der Behandlungskettevon den Chirurgen undalten Poliklinik in Strausberg, wo alleRessourcen in einem Gesamtkonzeptgebündelt werden. Patienten und Mitarbeiterprofitieren dann von kurzenWegen, Zusatzangeboten und einemoptimierten Zusammenspiel von ambulanterund stationärer Versorgung.In das Gebäude ziehen unter anderemeine Apotheke, ein Sanitätshandel sowieArztpraxen und Pflege-Einrichtungenein.Breites Spektrum anFortbildungsmöglichkeitenBei all diesen Aktivitäten werden auchdie Mitarbeiter nicht vergessen. DasKrankenhaus Märkisch-Oderland bietetihnen eine breite Palette von Fortbildungsmöglichkeiten.Dazu zählen alleinfür die Innere Medizin die Schlossdialoge,ein Diabeteskolleg, der EndsonographietagBerlin-Brandenburg, derBerliner SonoTag und die Berlin-BrandenburgischeUltraschalltagung. Inder Klinik für Anästhesie, Intensiv- undNotfallmedizin können sich die Ärzteim offenen Qualitätszirkel AINMOL inFachvorträgen, Workshops und Gesprächsrundenmit Kollegen über wichtigeThemen ihres Fachgebiets austauschen.Ab Herbst 2012 startet mitdem Notarztkolleg ein neues Angebot.Notärztinnen und Notärzte sollen hierzwei bis drei Mal pro Jahr gemeinsamNachwuchskräften erleichtern Verfahrensanweisungenund Einarbeitungskonzepteden Einstieg. Jedem neuenMitarbeitern steht ein erfahrener Kollegezur Seite, der ihn in seinen neuenArbeitsplatz einweist. Die Führungskulturder Klinik beruht auf der Wertschätzungder Mitarbeiter und sollangstfreies, selbstbestimmtes Arbeitenund kreatives Lernen ermöglichen.Angebote für PatientenEbenso vielfältig sind die Möglichkeiten,die das Krankenhaus seinen Patienteneröffnet. Neben Infoabendenfür werdende Eltern und Geburtsvorbereitungskurseneröffnete im Januar2012 mit dem Stillcafé ein Treffpunktfür Schwangere, Mütter und ihre Babys.Sie können in einer gemütlichenAtmosphäre ihre Erfahrungen austauschenund sich Rat bei Hebammen undStillschwestern einholen. Auf eine langeTradition blicken die Sonntagsvorlesungenzurück. Sie richten sich an Interessierte,die sich von den Fachärztendes Hauses ausgewählte Krankheitsbilder,Präventions- und Therapiemöglichkeitenallgemeinverständlich erläuternlassen wollen. Hinzu kommen die Diabetikertage,der jährliche Tag der offenenTür und ein umfangreiches Therapie-und Wellnessangebot von Massagenbis zum Nordic Walking.Internisten bis hin zu den ambulantenund stationären Fachärzten ein gemeinsamesNetzwerk zur Verfügung.Darin eingebunden ist beispielsweisedie Onkologie und Strahlentherapiedes Werner-Forßmann-Krankenhausesin Eberswalde.n Mark Berger, LÄKBAllgemeine Daten:Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbHPostfach 113115331 Strausberginfo@khmol.deÄrztliche Leitung:Dr. med. Hagen HommelChefarzt Klinik für OrthopädieDr. med. Christian JenssenChefarzt Klinik für Innere MedizinDr. Holger Remde, M. Sc.Chefarzt Klinik für Anästhesie, Intensiv-und NotfallmedizinGeschäftsführung:Dipl.-Ing. Angela Krug• Bettenzahl: 344 (stationär)• Fallzahlen 2010: 14.560 stationär,12.300 (ambulant)• Durchschnittliche Verweildauer:6,9 Tage• Ambulante Operationen: 1.000• Geburten: 363• Mitarbeiter: 570Bild links:StationsbesprechungBild rechts:Therapie imBewegungsbeckenBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 21


AktuellInterdisziplinäre HämanGIomberatungsstellePropranolol – Ein Meilenstein in der Therapie kindlicherHämangiomeWas vor nunmehr dreieinhalbJahren als Zufallsentdeckung inFrankreich begann, revolutioniertedie Therapie kindlicher Hämangiome:Ein Säugling mit einemausgeprägten Hämangiom im Nasenbereich,bei dem zunächst einTherapieversuch mit Prednisolon i.v. ohne wesentlichen Effekt blieb,entwickelte im weiteren Verlaufeine Hypertrophe Obstruk tiveKardiomyopathie. Bereits wenigeTage nach Einleitung einer entsprechendenTherapie mit demβ-Blocker Propranolol war nebenbefundlicheine deutliche Regredienzdes Hämangioms zu verzeichnen.Der durchschlagende Erfolgwurde im August 2008 im NewEngland Journal of Medicine veröffentlichtund sorgte weltweitfür Aufsehen. Die initiale Fallseriewurde inzwischen um viele weitere,zumeist positiv stimmende, Berichteergänzt. Wenn auch weiterhinals off-label-Therapie – Propranololhat Einzug in die Behandlungkindlicher Hämangiome gehalten.Hämangiome sind die häufigstenbenignen Tumore des Kindesalters.Ca. 8 – 12 % aller Säuglinge und biszu 22 % der Frühgeborenen sind betroffen.Als proliferierende vaskuläreTumoren werden sie meist innerhalbder ersten Lebenstage bis -wochensichtbar. Auf eine teils sehr schnelleWachstumsphase folgt meist noch innerhalbdes ersten Lebensjahres eineStillstandsphase. Anschließend beginntdie Rückbildung, die meist biszum Schulalter, gelegentlich auch erstmit Ende des Grundschulalters, abgeschlossenist. Verbleiben können Restbefundewie Depigmentierungen odernarbige Veränderungen aus Zeiten dergrößten Ausdehnung.Komplikationen sindäußerst selten95 % aller Hämangiome sind unproblematischund bedürfen keinerlei Therapie.Nur selten kommt es zu Komplikationenwie Blutungen oder Superinfektionen.Bei ungünstiger Lage,großer Ausdehnung oder gar Organbefallbesteht jedoch eine Behandlungsindikation.Funktionell bzw. kosmetischungünstig sind u. a. ein Auftretenim Gesicht (in Augennähe Gefahrder Seheinschränkung bis hin zurAmblyopie; bei Befall der Nase Gefahrder Ausbildung einer „Cyrano-Nase“),am behaarten Kopf (Gefahr der Narbenbildungmit bleibenden kahlen Stellen)oder in der Anogenitalregion (erhöhteUlzerationsgefahr). Besondersgefürchtet sind subglottische Hämangiome,die zu Stridor und respiratorischemVersagen führen können.Als Therapieoptionen standen bisherdie Kontakt-Kryotherapie, die Laserbehandlung,die systemische Gabe vonKortikosteroiden und, falls möglich,die chirurgische Entfernung sowie alsultima ratio Chemotherapeutika wieVincristin zur Verfügung – jeweils mitden entsprechenden Nebenwirkungen.Insbesondere eine Narbenbildung nachKryo- oder Lasertherapie bedeutet fürdie betroffenen Patienten neben einermöglichen Funktionseinschränkung oftauch eine psychische Belastung. Laserbehandlungenim Bereich des Kopfessind zudem in der Regel nur unter Vollnarkosemöglich.Erfolge auch beider lokalen AnwendungMit Propranolol stehen nun gleichmehrere neue Therapieoptionen zurAbbildung 1: Patient mit multiplen Hämangiomen. Hämangiom rechter Fuß vor Therapie (links) und nach einem Monat (!) systemischerPropranololtherapie (rechts).22 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


AktuellVerfügung: neben der systemischenTherapie, die schweren Fällen vorbehaltenbleibt, konnten bei Hämangiomenmit nur geringer Tiefenausdehnungmittlerweile auch mit einer lokalenAnwendung von Propranolol guteErfolge erzielt werden.Der genaue Wirkmechanismus desPropranolols ist dabei noch unklar. Einerseitsbewirkt es eine Vasokonstriktionin kapillären Gefäßen, andererseitswird vermutlich die Genexpressionbestimmter Wachstumsfaktorengehemmt sowie die Apoptose von Endothelzellengefördert.Nebenwirkungen lassensich minimierenDie Therapiedauer richtet sich nachdem jeweiligen Lokalbefund und beträgtbei der systemischen Therapiein der Regel drei bis neun Monate, beider Lokaltherapie sechs bis zwölf Wochen.Die Therapieverträglichkeit istsehr gut. Nebenwirkungen der systemischenTherapie sind bei Beachtungder entsprechenden Kontraindikationenauf Grund der geringen Dosisselten.Durch Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen(u. a. Verabreichung derMedikation zum Ende der Mahlzeit,Pausieren im Rahmen von Nahrungsverweigerung,gastrointestinalen Infektenoder pulmonaler Obstruktion)kann das Risiko schwerwiegenderNebenwirkungen wie Hypoglykämienminimiert werden. Nebenwirkungenauf das Herz-Kreislaufsystem werdendurch regelmäßige körperliche Untersuchungeneinschließlich EKG- undBlutdruckkontrollen erfasst. SystemischeNebenwirkungen der Lokaltherapiesind bei regelgerechter Anwendungkaum zu erwarten.InterdisziplinäreBeratungsstelle zurFrüherkennungIn der Kinderklinik des Carl-Thiem-KlinikumsCottbus konnten in den letztenzwei Jahren bereits viele kleine Patientenmit komplizierten Hämangiomenerfolgreich mit Propranolol behandeltwerden. Um die Betreuung betroffenerPatienten zu optimieren, wurdehier gemeinsam von Kinder- und Hautärztendes Klinikums eine „InterdisziplinäreHämangiomberatungsstelle“ eingerichtet.Ziel ist es, therapiebedürftigeHämangiome frühzeitig zu erkennenund einer entsprechenden Therapiezuzuführen sowie Eltern und auch Kollegenkompetent zu beraten.Grundsätzlich gilt: Je früher die Therapieeinsetzt, desto besser sind dieBehandlungserfolge. Gerade im Frühstadium,bei noch geringer GrößenundTiefenausdehnung, kann bereitseine einmalige Kryotherapie häufigfür immer Abhilfe schaffen. NebenKryotherapie, systemischer und lokalerPropranolol-Therapie werden imCarl-Thiem-Klinikum Cottbus, falls erforderlich,auch Laserbehandlungendurchgeführt.Eine in den Archives of Dermatologyveröffentlichte retrospektive Multicenter-Analysehat inzwischen eine klareÜberlegenheit des β-Blockers Propranololgegenüber der Behandlung mitSteroiden gezeigt. Weitere Studienergebnisseund die Zulassung vonPropranolol für die Therapie kindlicherHämangiome werden mit Spannungerwartet.Literatur bei den Verfassern.„InterdisziplinäreHämangiomberatungsstelle“ in derKlinik für Kinder- und JugendmedizinCarl-Thiem-Klinikum CottbusThiemstraße 11103048 CottbusTerminvereinbarung unterTel. 0355 462015n Autoren:Dr. med. Alexandra RöhrichAssistenzärztin der Klinikfür Kinder- und JugendmedizinDr. med. Dieter BachterChefarzt der Klinik für Dermatologie,Venerologie und AllergologiePD Dr. med. habil. Thomas ErlerChefarzt der Klinikfür Kinder- und JugendmedizinCarl-Thiem-Klinikum CottbusThiemstraße 11103048 CottbusAbbildung 2: Ulzeriertes, superinfiziertes Hämangiom der latero-dorsalen Thoraxwand mit chronischer Blutung vor Therapie (links) undnach 3 Monaten systemischer Propranololgabe (rechts).Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 23


ezensiertA. K. MartiniTraumatologischeHandchirurgieSpringer-Verlag Berlin HeidelbergNew York156 Seiten, 163 AbbildungenISBN 978-3-642-00987-7;93,41 €Mit diesem 2011 erschienenen Lehrbuchüber frische Handverletzungenund deren Folgen liegt nun ein weiteresFachbuch des Autors für Handchirurgievor. Wie schon beim erstenBand „Orthopädische Handchirurgie“legt der Autor Wert aufPraxisbezogenheit. Die im Alltag vorkommendenHandverletzungen undderen Folgen werden besprochen,klar gegliedert in Operationsindikation,Operationstechnik, Komplikationenund Nachbehandlung. AlternativeOperationstechniken werdenebenfalls benannt und beziehen sichauf die gängigen Techniken. Der Autorverzichtet auf die Erläuterungen historischerMethoden, andernorts nachlesbareEinteilungen und ausführlicheanatomische Abbildungen. Die TextundBilddarstellungen der operativenVersorgungen konzentrieren sich aufdie wesentlichen Ablaufschritte. Untersuchungsmethoden,Indikationsstellung,Aufklärung, Equipment, Nachbehandlungwerden akkurat angeführtund stellen so eine Unterstützung fürdie eigene klinische Versorgung undDokumentation dar. Dankbar werdendie Kollegen auch für die Auflistungmöglicher Fehler und Komplikationensein. Das gut gegliederte Inhaltsverzeichnisund ein Stichwortverzeichniserlauben eine schnelle Orientierung.Die jedem Operationsverfahren angefügtenweiterführenden Literaturangabenbeziehen sich auf aktuelle Beiträgeund Standardwerke. Dieses praxisnaheFachbuch ist allen Chirurginnen undChirurgen zu empfehlen, die in ihrertäglichen Arbeit mit Handverletzungenkonfrontiert werden.n Dr. Renate SchusterHelga RohraAus dem Schatten treten –Warum ich mich fürunsere Rechte alsDemenzbetroffene einsetzeMabuse-Verlag, Frankfurt 2011133 SeitenISBN 978-3-940529-86-2Preis 16,90 €Im Alter von nur 54 Jahren wird beiHelga Rohra im Jahr 2009 eine Lewy-Body-Demenz diagnostiziert. Bis zudiesem Zeitpunkt arbeitet sie erfolgreichals freiberufliche Simultandolmetscherinmit einer Spezialisierungauf medizinische und naturwissenschaftlicheGebiete. Sie ist alleinerziehendeMutter eines an dem Asperger-Syndrom erkrankten Sohnes.In ihrem Buch gibt sie einen Einblick,was es bedeutet, so früh an Demenzzu erkranken und auf welche Hindernissesie im Alltag stößt. Sie berichtetchronologisch von den ersten Symptomen,dem ersten Arztbesuch und derzermürbenden Zeit bis zur endgültigenDiagnose Demenz und dem Sturzin ein tiefes Loch. Aber Helga Rohragibt nicht auf! Sie informiert sich überdie Krankheit und deren Verlauf, findetbei der örtlichen AlzheimergesellschaftHilfe und Unterstützung, stößtauf der anderen Seite im täglichenLeben, gerade im Umgang mit derArbeitsagentur und anderen öffentlichenEinrichtungen, auf massive Hindernisse,denn unser Bild von Alzheimerist anders geprägt – Alzheimer betrifftältere Menschen, die weitgehendhilflos und pflegebedürftig sind, dapasst eine 54-jährige nicht rein. AberHelga Rohra kämpft gegen dieses Vorurteil.Unter dem Pseudonym HelenMerlin schrieb sie 2009 für das Buch„Ich spreche für mich selbst: Menschenmit Demenz melden sich zu Wort“ einKapitel. Zu dieser Zeit war sie nochnicht bereit, offen über ihre Krankheitzu reden. Erst anlässlich eines Kongressesin 2010 tritt sie aus dem Schattenund seitdem unter ihrem richtigen Namenauf. Sie entwickelt sich in eigenerSache, wird zu Podiumsgesprächen,Presseterminen und internationalenKonferenzen eingeladen. Dadurchkann sie auch die Situation Demenzkrankerin anderen Ländern mit derin Deutschland vergleichen. Ihr Mottowird: „Nicht über uns – und nicht ohneuns“. Ihre Forderung an uns Gesunde:„Freut Euch mit uns über das, was wirnoch können, und klagt nicht über das,was wir verloren haben, denn ändernkönnt Ihr es in der Regel nicht.“ stimmtmich nachdenklich, wie viele Passagenund Kapitel in dem Buch. Sie behandeltauch Tabuthemen, wie die finanzielleSituation, den sozialen Abstieg unddie ungewisse Zukunft. Sie sagt, wasfür sie hilfreich ist und wann sie Helferals bevormundend oder übergriffigerlebt hat. Ganz wichtig finde ich denHinweis, dass der häufige Vergleichvon Demenzkranken und Kindern unpassendist. Durch Demenz veränderteMenschen haben ein gewisses Lebenmit vielen unterschiedlichen Erfahrungenhinter sich, Kinder nicht.Im März 2010 wird die Autorin, diedieses Buch mit Hilfe eines Schreibassistentenzu Papier gebracht hat, alserste Betroffene in den Vorstand derAlzheimer Gesellschaft München gewählt.Am Ende des Buches findet man nochwichtige Adressen sowie Empfehlungenvon Veröffentlichungen zu diesemThema ausführlich beschrieben. Michpersönlich hat das Buch sehr beeindrucktund zum Nachdenken angeregt.n Heike WetterauBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 25


personaliaDie Landesärztekammer Brandenburg betrauertden Tod der Kolleginnen und KollegenHartmut AchillesKleinmachnowgeboren: 15.08.1948verstorben: 22.12.2011Heinrich AndersHohen Neuendorfgeboren: 23.11.1915verstorben: 07.07.2011Dr. med. Hans BarthelmesZeuthengeboren: 02.09.1939verstorben: 17.01.2012Christel BluhmTreuenbrietzengeboren: 07.09.1935verstorben: 05.08.2011Dr. med. Harri BlumePotsdam, OT Groß Glienickegeboren: 03.03.1929verstorben: 13.10.2011Dr. med. Christina BodenOranienburggeboren: 18.01.1943verstorben: 19.12.2011Dr. med. Renate BöselBrandenburggeboren: 28.02.1937verstorben: 09.09.2011Dr. med. Dietrich BurckhardtKleinmachnowgeboren: 23.09.1919verstorben: 09.12.2011Dr. med. Sigrid BurckhardtKleinmachnowgeboren: 29.01.1920verstorben: 21.11.2011Dipl.-Med. Andreas FrankeBrandenburggeboren: 16.03.1957verstorben: 17.09.2011Dr. med. Klaus FrenzelBad Saarowgeboren: 24.05.1938verstorben: 04.01.2012SR Wolfgang GermerCasekowgeboren: 30.05.1931verstorben: 15.11.2011MR Dr. med. Wolfgang GlatzBrandenburggeboren: 08.06.1935verstorben: 14.12.2011Dr. med. Marianne GrunerMittenwalde, OT Motzengeboren: 18.02.1936verstorben: 02.11.2011Yvonne HaufNeuruppingeboren: 30.07.1955verstorben: 25.10.2011Eva HermenauHoppegarten, OT Hönowgeboren: 26.09.1945verstorben: 08.10.2011OMR Dr. med. Esther JahnFichtenwaldegeboren: 15.02.1933verstorben: 03.10.2011Dr. med. Gottfried KautzschPotsdamgeboren: 27.02.1940verstorben: 23.01.2012Dr. med. Jeanette KnoblochKomptendorfgeboren: 11.10.1963verstorben: 31.12.2011Dr. med. Friedrich KnöflerSchwedtgeboren: 16.02.1943verstorben: 05.12.2011Dipl.-Med. Helga MertensPotsdamgeboren: 02.11.1940verstorben: 16.10.2011MR Dr. med. Rolf MeyerStrausberggeboren: 20.11.1930verstorben: 18.05.2011Dr. med. Helga NawrothPotsdamgeboren: 04.07.1943verstorben: 07.10.2011Herbert PilzLudwigsfeldegeboren: 11.08.1929verstorben: 23.12.2011MR Dr. med. Sigmar ScheererHeinersdorfgeboren: 29.06.1942verstorben: 06.11.2011Dr. med. Dietrich SchmidtTornowgeboren: 15.09.1928verstorben: 18.04.2011Günter SchmidtCottbusgeboren: 16.04.1943verstorben: 13.10.2011Dr. med. Peter StrohmengerRubow, OT Liessowgeboren: 09.04.1958verstorben: 16.10.2011MR Dr. med. Uwe WriedtSpremberggeboren: 06.10.1928verstorben: 14.11.2011Hans-Ulrich ZiegenhornBernau, OT Schönowgeboren: 02.02.1940verstorben: 19.01.2011Dr. med. Gerhard ZiethenFinowfurtgeboren: 17.01.1937verstorben: 09.10.2011Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 27


tagungen & kongresseKurse und FortbildungsangeboteLand Brandenburg undBerlinSeehof-Kolloquium: Gesundes Leiden:Die Z-Diagnosen2 P10. März 2012, 10:00 bis 12:00 UhrLeitung: Prof. Dr. LindenOrt und Auskunft: Reha-Zentrum Seehof,Lichterfelder Allee 55, 14513 TeltowTelefon: 03328 345679Fax: 03328 345555Schockraummanagement8 P10. März 201210. Nov. 2012Teilnehmergebühr: je 110 €Crew resource management (CRM)29./30. März 201226./27. Sept. 2012Teilnehmergebühr: je 150 €Krisenmanagement im Rettungsdienstin außergewöhnlichen Situationen4./5. April 2012Teilnehmergebühr: 120 €Notfälle abseits der Routine 7 P12. April 2012Teilnehmergebühr: 60 €SanArena-Training (PALS – PediatricAdvenced Life Support)8 P21. April 2012 oder 20. Okt. 2012Teilnehmergebühr: je 90 €Notfälle in der zahnärztlichen Praxis25. April 201214. Nov. 2012Teilnehmergebühr: 60 €Aktuelle Rechtsfragen im Rettungsdienst26. April 2012 7P18. Okt. 2012Teilnehmergebühr: 60 €Fortbildung„Atemwegsmanagement“8P3. Mai 201222. Nov. 2012Teilnehmergebühr: 85 €Gynäkologische Notfälle, Geburt,Versorgung von Mutter und Kind 7 P5. Mai 2012Teilnehmergebühr: 60 €KompaktkursNotfallmedizin – ZusatzbezeichnungRettungsdienst (80 Stunden) 80 P5. bis 13. Mai 201222. bis 30. Sept. 201210. bis 18. Nov. 2012Teilnehmergebühr: 550 €Retten unter erschwerten Bedingungen4. Juni 2012Teilnehmergebühr: 70 €Invasive Techniken in der Notfallmedizin14. Juni 2012Teilnehmergebühr: 95 €Psychische Belastungen von Rettungskräften,Stress und Stressbewältigung21. Juni 2012Teilnehmergebühr: 60 €Wasserrettung und Tauchunfälle 8 P18. Aug. 2012Teilnehmergebühr: 57 €QualifikationsseminarLeitender Notarzt40 P30. Aug. bis 1. Sept. 2012Teilnehmergebühr: 700 €Apoplex – physiologische undpharmakologische Aspekte dargestelltan aktuellen Fallbeispielen 7 P13. Sept. 2012Teilnehmergebühr: 60 €Gefährliche Infektionskrankheiten– Infektionstransport 8 P25. Okt. 2012Teilnehmergebühr: 60 €Spezialkurs Intensivtransport 22 P23. bis 25. Nov. 2012Teilnehmergebühr: 300 €Polytrauma7 P29.Nov. 2012Teilnehmergebühr: 70 €Auskunft: Landesrettungsschule Brandenburg e. V.,Pieskower Straße 33, 15526 Bad SaarowTelefon: 033631 3335Fax: 033631 5204E-Mail: info@landesrettungsschule.deInternet: www.Landesrettungsschule.de10. Teltower OrthopädischesFrühlingsforum „Kinderorthopädie“ 6 P17. März 2012, 9.00 bis 14.00 UhrOrt: Rehazentrum TeltowTeilnehmergebühr: 15 €Auskunft:Stiftung Akademie Deutscher Orthopäden,Kantstraße 13, 10623 BerlinTelefon: 030 79744451Fax: 030 79744457E-Mail: info@institut-ado.de9. Spreewaldsymposium 6 P17. März 2012, 8.45 bis 14.00 UhrOrt: Hotel zur Bleiche in BurgLeitung und Auskunft: Dr. med. W. Kamke,MediClin Reha-Zentrum Spreewald,Zur Spreewaldklinik 14, 03096 BurgTelefon: 035603 63221Fax: 035603 63106E-Mail: wolfram.kamke@mediclin.de3. Berlin-Brandenburger Tag derPhysiotherapie Voneinander Lernen17. März 2012 in Berlin21. Erfurter Dialysefachtagung3./4. Mai 2012 in Erfurt8. Berliner Krebskongress„Krebs beim alten Menschen“11./12. Mai 2012 in Berlin2. Berliner Pflegekongress„Pflege kann mehr“1./2. Juni 2012 in Berlin5. Berliner Wirbelsäulenkongress„Deformitäten“13./14. Sept. 2012 in BerlinAuskunft: RRC-Congress GmbH,Französische Straße 14, 10117 BerlinTelefon: 030 72393314Fax: 030 72393322E-Mail. Rick.Sternberg@RRC-Congress.deInternet: www.rrc-congress.de6 PAkupunkturkurseAusbildung zur Zusatzbezeichnung AkupunkturGrund- und PraktikumskurseAP-GK-A: 29. bis 31. März 2012AP-GK-B: 26. bis 28. April 2012AP-GK-C: 28. bis 30. Juni 2012AP-PK-01: 23./24. März 2012AP-PK-04: 11./12. Mai 2012Fallseminare Akupunktur23. März 2012Ort: DresdenKursleiter: Dr. Beyer, Dr. GöhlerAnmeldung: Frau E. Beyer,Mühlenweg 4c, 04924 Bad Liebenwerda-DobraTelefon: 035341 2211Fax: 035341 10642E-Mail: Beyer-Dobra@t-online.deAbgebrannt – Alkoholfolgekrankheitenan Leber und Pankreas30.März 2012, 18:00 UhrOrt: Schlosshotel WulkowLeitung und Auskunft: Dr. med. Ch. Jenssen,Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH, SonnenbergerWeg 3, 16269 WriezenTelefon: 033456 40301Fax: 033456 40302WeiterbildungskurseSozialmedizinje 80 PGemäß Weiterbildungsordnung der LÄKBGrundkurs A/B16. bis 27. April 2012Aufbaukurs G/H17. bis 28. Sept. 2012Grundkurs C/D15. bis 26. Okt. 2012Grundkurs A/B5. bis 16. Nov. 2012Ort: BernauKursleiter: Prof. Dr. med. J.-U. Niehoff, OderaueAuskunft: SalusCon GmbH,Angerstraße 8, 16259 OderaueTelefon: 033457 46858 oder 030 530116320Fax: 030 530116329Internet: www.saluscon.deHämatologisch-zytologischerMikroskopierkursTeil 1: 18. bis 21. April 2012Teil 2: 5. bis 8. Sept. 2012Ort: Bad SaarowTeilnehmergebühr: je 200 €Leitung und Auskunft: PD Dr. med. habil. Koch,HELIOS Klinikum, Institut für Pathologie,Pieskower Straße 33, 15526 Bad SaarowTelefon: 033631 73210Fax: 033631 73010E-Mail: pathologie.badsaarow@helios-kliniken.deProgramme unter Homepage:www.saarow-zyto.deEchokardiographie-Dopplerechokardiographie-Grundkurse19. bis 22. April 201210. bis 13. Mai 201213. bis 16. Sept. 201229. Nov. bis 2. Dez. 2012Ort: Deutsches Herzzentrum BerlinLeitung: Dr. E. LiebackInformation: www.echokurs.de30 | Brandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012


tagungen & kongresse19. DeutscherKrankenhaus-Controller-Tag 12 P19./20. April 2012Ort: Kongresshotel PotsdamTeilnahmegebühr: 1 Tag 469 €, 2 Tage 620 €,Abendveranstaltung 45 €Auskunft: Geschäftsstelle DVKC, Salzufer 6,10587 BerlinTelefon: 030 54801580Fax: 030 54801582E-Mail: info@dvkc.deInternet: www.dvk.deInformationstag für Existenzgründer undPraxisabgeber21. April 2012, 9.00 bis 17.00 UhrTeilnehmergebühr: 30 €,Praxisabgeber kostenfreiOrt und Auskunft:Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg,Gregor-Mendel-Straße 10/11, 14469 PotsdamTelefon: 0331 2309459Fax: 0331 2309288E-Mail: ithiele@kvbb.deInternet: www.kvbb.deBerliner DopplerkurseInterdisziplinärer Grundkurs26. bis 28. Okt. 20127. bis 9. Dez. 2012Aufbaukurs extrakranieller Gefäße18. bis 20. Jan. 20138. bis 10. Febr. 2013Abschlusskurs extrakranieller hirnversorgenderGefäße16./17. Nov. 201215./16. Nov. 2013Teilnehmergebühr: je 410 €Auskunft:Berliner Dopplerkurs, Ch. Kaindlbauer,Holsteinische Straße 26, 10717 BerlinInternet: www.dopplerkurs.deAndere BundesländerWeiterbildungskurse NaturheilverfahrenKurs I: 13.-15. April und 27.-29. April 201240 PKurs II: 8.-10.Juni und 15.-17. Juni 2012 40 PKurs III: 31. Aug.-2. Sept. und14.-16. Sept. 2012 40 PKurs IV: 19.-21. Okt. und26.-28. Okt. 2012 40 PTeilnehmergebühr: je 440 €80-Stunden-Fallseminar80 P10.-17. Nov. 2012Teilnehmergebühr: 1.100 €Ort: Fortbildungsakademie der ÄrztekammerHamburgAuskunft: Fortbildungsakademie derÄrztekammer Hamburg,Lerchenfeld 14, 22081 HamburgTelefon: 040 202299300Fax: 040 202299430E-Mail: akademie@aekhh.deInternet: www.aerztekammer-hamburg.deDresdner DermatologischeDemonstration6 P28. April 2012, 8.00 bis 13.00 UhrOrt: Krankenhaus Dresden-FriedrichstadtLeitung: Prof. Dr. med. Wollina, DresdenAuskunft: Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt,Klinik für Dermatologie und Allergologie,Frau Thiele, Friedrichstraße 41, 01067 DresdenTelefon: 0351 4801685Fax: 0351 4801219E-Mail: Thiele-an@khdf.deFortbildungsangebote unterwww.laekb.deRubrik Fortbildung/FortbildungstermineAlle Angaben sind ohne Garantie.Bei Rückfragen bitte direkt an denVeranstalter wenden.Anzeige„ Mehr Leutenhelfen können.“Das neue GesundheitsCenter der Berliner VolksbankAls Partner des Mittelstandes stehen wir Ihnen mit Investitionskrediten, Leasing,Krediten für Energiesparmaßnahmen und unserem Know-how zur Seite.Damit Ihre Praxis mehr Spielraum hat. Wir beraten Sie gern.Mehr Infos erhalten Sie telefonisch unter (030) 30 63 - 21 90, per E-Mail unterGesundheitsCenter@berliner-volksbank.de oder unter www.berliner-volksbank.deBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 31


LUGV, Abteilung GesundheitINFEKtionsschutzInfektionskrankheiten/Impfschutz/KrankenhaushygieneRückgang der Meldungen zuImpfkomplikationenZur stetigen Überwachung seltener Komplikationenvon Impfungen besteht in Deutschlandu. a. für Ärzte eine gesetzliche Meldepflichtnach § 6 (3) des Infektionsschutzgesetzes andas zuständige Gesundheitsamt. Voraussetzungfür eine Meldung ist der Verdacht, dasseine „über das übliche Ausmaß einer Impfreaktionhinausgehende gesundheitliche Schädigung“vorliegt. Das Gesundheitsamt übermitteltdie anonymisierten Daten daraufhin an dieLandesbehörde und an das Paul Ehrlich-Institut,dem die Bewertung des kausalen Zusammenhangeszwischen Impfung und eingetretenergesundheitlicher Schädigung obliegt.Im Jahr 2011 gingen beim LUGV Brandenburgzehn Verdachtsmeldungen ein. Dieswaren deutlich weniger als in den Vorjahren.Von diesen zehn Meldungen waren zweinicht plausibel. Unter den verbleibenden achtVerdachtsfällen waren drei Kinder unter zweiJahren und fünf Erwachsene im Alter von 36bis 81 Jahren. In einem Fall bestand nach Angabender behandelnden Ärzte zeitgleich zurImpfung ein viraler Infekt, der die Symptome,die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfungauftraten, erklären würde.In vier Fällen wurde eine stationäre Behandlungnotwendig. Todesfälle infolge von Impfungenwurden nicht gemeldet.Jeder Verdachtsfall betraf einen anderen Impfstoff,so dass sich anhand der brandenburgischenDaten keine gehäuften Hinweise auf unerwünschteWirkungen einzelner Impfstoffeerkennen lassen.Die Frage, ob der Rückgang der eingegangenenMeldungen einen tatsächlichen Rückgangvon Ereignissen nach Impfungen widerspiegeltoder ob er auf das Meldeverhalten zurückzuführenist, bleibt offen. Um die Sicherheit derPatienten weiter zu verbessern, sind ärztlicheMeldungen zu möglichen Impfnebenwirkungenauch in Zukunft wichtig.InfektionsschutzInfektionskrankheiten/lmpfschutz/KrankenhaushygieneFälleKumulativwert(02.01.2012 – 29.01.2012)*Lyme-Borreliose 41 41Campylobacter 123 123CJK 1 1EHEC/STEC 3 3E.-coli-Enteritis 18 18Norovirus** 975 975Rotavirus 94 94Influenza 8 8Keuchhusten 129 129Meningokokken 3 3MRSA 10 10Windpocken 54 54Yersiniose 6 6* vorläufige Zahlen, Stand: 9.2.2011 (durch Nachmeldungenkann es Differenzen zwischen der Summe der Einzelmonateund dem aktuellen Kumulativwert geben)** nach RKI-Infobrief Nr. 23: ausschließlich labordiagnostischeFälleNeue Publikation zum Impfschutzder Brandenburger Bevölkerung erschienenIm neuen Inpuncto-Heft „Impfen schützt –Brandenburger lassen sich impfen“ berichtetdas Landesgesundheitsamt, Abteilung Gesundheitim Landesamt für Umwelt, Gesundheit undVerbraucherschutz (LUGV), über den aktuellenImpfschutz der Brandenburger Bevölkerungsowie über die Auswirkung von Impfdefizitenauf das Erkrankungsgeschehen. Darin enthaltensind auch praxisrelevante Handlungsempfehlungenzur Erhöhung der Durchimmunisierungsraten.Der Bericht basiert insbesondereauf den Daten der jährlichen Untersuchungendes Kinder- und Jugendgesundheitsdienstesder Gesundheitsämter in den Kindergärten undSchulen sowie auf einer repräsentativen Stichprobefür Brandenburger Erwachsene ab 18Jahren auf der Grundlage des bundesweitentelefonischen Gesundheitsbefragung des RobertKoch-Institutes „Gesundheit in Deutschlandaktuell“ (GEDA).Impfungen zählen zu den wirksamsten Präventivmaßnahmenin der Medizin. Sie gewährleistennicht nur einen individuellen Schutz vor Infektionskrankheiten,sondern, bei hoher Durchimmunisierung,auch einen kollektiven Schutz derBevölkerung.In den letzten zehn Jahren nahm Brandenburgim Bundesvergleich eine Spitzenposition in derImpfprävention ein. Erfreulicherweise sind Kleinkinderund Schulanfänger den Empfehlungender STIKO entsprechend gut grundimmunisiert.Ausnahme ist die 1. Pertussisauffrischimpfungim Alter zwischen 5 und 6 Jahren, die zum Zeitpunktder Einschulungsuntersuchung nur einDrittel der Schulanfänger im Jahr 2011 erhaltenhatte. Erhebliche Impflücken bestehen vor allembei den Jugendlichen, von denen rund ein Drittelbei der Schulabgangsuntersuchung nicht ausreichendgegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis undPoliomyelitis geimpft war. Noch größer sind dieImpflücken für die HPV-Impfung, die zwei Drittelder Schulabgängerinnen nicht in Anspruchnahmen.Durch eine verstärkte sektorübergreifendeZusammenarbeit sind im Arbeitskreis Impfpräventionim Rahmen des „Bündnisses GesundAufwachsen“ Ziele und Maßnahmen definiertworden, um die bestehenden Impflückeninsbesondere bei den Jugendlichen zuschließen. Dazu gehört eine Impfkampagne,die im Jahr 2012 unter Beteiligung der KVBB,des MUGV/LUGV, von Gesundheitsämtern,Krankenhäusern, Krankenkassen und andererAkteure stattfindet und auf die Schließungder gravierendsten Impflücken bei derPertussisauffrischimpfung im Jugend- undErwachsenenalter zielt.Das Inpuncto-Heft zur Impfprävention kann alsDatei von den Internetseiten der BrandenburgerGesundheitsplattform heruntergeladen werden:www.gesundheitsplattform.brandenburg.de >LandespublikationenBrandenburgisches Ärzteblatt 3 • 2012 | 33


StellenangeboteWerden Ihre bestenIdeen etwa nichtverwirklicht?Dr. med. Michael Barth,Facharzt für Arbeitsmedizin, LeiterForschung und Entwicklung:»Die Chance, als Arbeitsmediziner bei einem dergrößten Anbieter zu arbeiten, war für mich diesichere Alternative zum Klinik- und Praxisalltag.Nicht nur wegen der fehlenden Nacht- undWochenenddienste. Denn mit meiner Erfahrungund meinen Ideen gestalte ich jetzt nicht nurmeine, sondern auch die Zukunft der B·A·Dentscheidend mit. Das kommt auch unserenKunden zugute. Das verstehe ich unter demErfolgsfaktor Mensch!«www.erfolg-hat-ein-gesicht.deWir bieten an unseren Standorten Cottbus, Frankfurt/Oder, Potsdam und SchwedtArbeits-/Betriebsmedizinern (m/w) oderÄrzten in Weiterbildung (m/w)(Kennziffer ÄBBR)Fachgebiet Arbeitsmedizin neue Perspektiven.Unser Angebot:– Flexible und planbareArbeitszeiten– Möglichkeit der Teilzeittätigkeit– Keine Wochenend-/Nachtdienste– Große Gestaltungsfreiräume– Zeit für die Beratung in derPräventivmedizin– Leistungsbezogene Vergütung– Finanzierte Weiterbildungsmaßnahmen– Betriebliche Altersvorsorge– Innerbetriebliches Gesundheitsmanagement– Car-Rent-Sharing-Modell– Attraktive KarrierechanceIhre Aufgaben:– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen– Betriebsbegehungen undBeratung zu vielfältigenarbeitsmedizinischen Themen– ArbeitsmedizinischeBegutachtung– Gestaltung und Durchführungeines betrieblichenGesundheitsmanagements– Schulungen zu verschiedenenThemen der Prävention– Reisemedizinische Beratung– Arbeiten in einem interdisziplinärenTeamInteressiert? Dann freuen wir uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagenunter Angabe der o. g. Kennziffer, gerne auch per E-Mail.Für Fragen und weiterführende Informationen wenden Sie sich bitte direktan Ihre Ansprechpartnerin Petra Bußmann, Telefon 02 28/4 00 72-339.Wir freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen!Die B·A·D GmbH betreut mit mehrals 2.500 Experten europaweit200.000 Betriebe mit 4 MillionenBeschäftigten in den verschiedenenBereichen der Gesundheitsvorsorgeund der Arbeitssicherheit.Allein in Deutschland betreiben wir190 Gesundheitszentren. Damitgehören wir mit unseren Tochtergesellschaftenzu den größten europäischenAnbietern von Präventionsdienstleistungen.Unsere Mitarbeitersind dabei unser wertvollstes Kapital,denn ohne sie wären wir nicht soerfolgreich!Gehören Sie baldauch zu uns?B·A·D GmbH – Human ResourcesHerbert-Rabius-Straße 1, 53225 Bonnbewerbung@bad-gmbh.dewww.bad-gmbh.de/karriereFalkenstein-Klinik Bad SchandauAHB- und Reha-Klinik für Innere Medizin und KardiologieDie Falkenstein-Klinik verfügt über 236 Betten und führt Anschlussheilbehandlungen(AHB) einschließlich Reha-Maßnahmen für die Rentenversicherungsträgersowie für die gesetzlichen und privaten Krankenkassendurch. Schwerpunkt ist die Behandlung von gastroenterologischen,diabetologischen und kardiologischen Erkrankungen. Die Abteilung fürVerdauungs- und Stoffwechselerkrankungen der Falkenstein-Klinik istneben ihrem gastroenterologischen/hepatologischen Schwerpunkt alsBehandlungs- und Schulungszentrum für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker(Stufe 2) durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft anerkannt.Chefärztin/ChefarztGesucht wird für die insgesamt 136 Betten umfassende Abteilung fürVerdauungs- und Stoffwechselerkrankungen nach Vereinbarung eine/einFachärztin/Facharztfür Innere Medizin und GastroenterologieDie Klinik verfügt über ein eigenes Labor, Endoskopie, gastroenterologischeFunktionsdiagnostik, Sonografien des Abdomens, der Schilddrüseund Weichteile, ein Intensiv- und mehrere Überwachungszimmer. Gesuchtwird zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Fachärztin oder ein Facharztfür Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie.Die Falkenstein-Klinik befindet sich im Kurort Bad Schandau in direkterNachbarschaft zum Nationalpark Sächsische Schweiz. Die Entfernung nachDresden beträgt ca. 30 km. Die Kreisstadt Pirna liegt ca. 15 km entfernt.Beide Städte sind von Bad Schandau aus mit der S-Bahn zu erreichen.Nähere Auskünfte erhalten Sie über den Klinikträger Dr. W. Spang(07551/5016). Ihre Bewerbungsunterlagen richten Sie bitte an:Büro Dr. Spang - Niederbühlweg 13 - 88662 ÜberlingenAnzeigenannahme unter Telefon 030 88682873FA/FÄ für Allgemeinmedizin (Akup.-Kenntnisse)mit Interesse an orthopäd. u./o. neurolog. Erkrankungenvon MVZ in Berlin (Ortho., Chir., Neurochir., PRM) gesucht.WB-Berechtigung Schmerztherapie vorhanden. Auch Teilzeit.Tel. 0172 3018808FA Fachärztin / FÄ für Unfallchirurg Neurologie / Facharzt oder / für D-ArztNeurologie Psychiatrievon orthopädischen MVZ in Berlin gesucht.Tel. 0172 3018808FA Fachärztin / FÄ für Neurologie / Facharzt oder für NeurologiePsychiatrievon ärztlichen MVZ in Berlin gesucht.Gerne auch Teilzeit. Tel. 0172 3018808


StellenangeboteKurse / Seminare / FortbildungNutzen Sie Ihr Medizinisches & ÄrztlichesKnow How in einem neuen UmfeldWir - eine Fach-Agentur bieten medizinischen Fach ge sell schaftenund der forschenden Pharmaindustrie Medizin-Know-How auf höchstemNiveau.Unser Anspruch: Wissenschaft fundiert und lebendig vermitteln.Für unsere Medizinische Abteilung suchen wir aktuellArzt/ÄrztinIhre Aufgaben: Beantwortung medizinischer Anfragen von Ärzten, Apothekern,Patienten Lektorat und fachliche Freigaben medizinischer Texte Medical WritingSie sollten dafür mitbringen: abgeschlossenes Medizinstudium(klinische Erfahrung wünschenswert) gute Kommunikationsfähigkeiten gute Englischkenntnisse initiative Persönlichkeit mit eigenverantwortlicher ArbeitsweiseSie erwartet ein spannendes, eigenverantwortliches Aufgabengebietin einem teamorientierten Umfeld. Gerne auch Teilzeit. SindSie interessiert? Dann senden Sie Ihre Bewerbung sunterlagen anJetzt auchin Berlin!Psychotherapeutische Grundausbildung für Ärzte (SBT)Theorie, Supervision, IFA und Selbsterfahrung – alle Bausteine werden von den ÄK/LÄK für dieFacharzt-Weiterbildung (Psychotherapie) anerkanntDie Strategisch-Behaviorale Therapie ( SBT) ist eine besondere Art, sich die Verhaltenstherapie anzueignen: zusätzlich zuden Kognitionen wird großer Wert auf die Emotionen gelegt. Zusätzlich zu den Fähigkeiten und Skills spielt der Umgang mitBeziehungen, eigenen Bedürfnissen und Werten eine große Rolle. Sie integriert die neuesten Erkenntnisse der Hirn- undPsychotherapieforschung, z. B. das Arbeiten mit Ressourcen und somatischen Markern, das Achtsamkeits- und das Akzeptanzprinzip.Sie baut eine Brücke zu psychodynamischen und systemischen Ansätzen ebenso wie zu humanistischen.SBT nutzt dabei das ganze Repertoire der Verhaltenstherapie.17.-18.03.2012 Einführung in die Strategisch-Behaviorale Therapie – Emotions-, Motivations- undlernpsychologische Grundlagen der Verhaltenstherapie21.-22.04.2012 Die Arbeit mit kognitiv-affektiven Schemata: Überlebensregeln erkennen, wertschätzen u. verändern12.-13.05.2012 Achtsamkeit und Akzeptanz – basale Neuorientierung des Patienten16.-17.06.2012 Angstbehandlung durch Strategisch-Behaviorale Therapie14.-15.07.2012 Von der Fallkonzeption zum Therapieplan – ein strategischer Ansatz, der die Therapie auf denPunkt bringt04.-05.08.2012 Emotionale Arbeit – Gefühle entdecken und nutzen zur Selbst- und BeziehungsregulationBeginn: jeweils Samstag und Sonntag, 10.00 – 17.00 Uhr (18 Unterrichtseinheiten = 20 Fortbildungspunkte)Kosten: 250 Euro je Kurswochenende – siehe auch www.sbt-nord.de! Weitere Termine folgen!Anmeldung/Ort: SBT-Nord · Germanenstraße 93a · 12524 Berlin · www.sbt-nord.deFon: 030 30101616 · Fax: 030 30100369 · E-Mail: thessen@sbt-nord.de (Dr. med. Lars Theßen)Kompetenz AktuellStraße des 17. Juni 106-108, 10623 BerlinTelefon: 030 810 316 202E-Mail: renate.muenz-wollny@kompetenz-aktuell.deFA/FÄ für Allgemein-/Innere Medizinzur Verstärkung einer etablierten & zukunftsorientiertenHausarztpraxis in COTTBUSgesucht. Teil-/Vollzeit.Fon: 030-40004930 ~ Mail: af.beratung@gastl.dePraxisabgabe


Sie für Ihre PatIentenwir für Ihre PraxIsgemeinSam beSSer.GeMeInsaM Besser.aBrechnunGskonZePte für Den arztSie tragen eine besondere Verantwortung.Patienten helfen und heilen zu können, erfordert Ihreuneingeschränkte aufmerksamkeit. flexibilität, freieZeiteinteilung und optimal organisierte abläufe sinddie Voraussetzung dafür.wir entlasten sie von allen kaufmännischen undverwaltungstechnischen arbeiten, die bei der abrechnungprivater honorarleistungen entstehen. Dadurchversetzen wir sie in die Lage, sich Ihren Patientenungestört widmen zu können.Was dürfen Wir für sie erledigen?sie erreichen unsin Berlin: 030 319008-45in CottBus: 0335 380019-10in Potsdam: 0331 2800658www.pvs-bb.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine