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Determinismus in David Lynchs Mulholland Drive von Frank ...

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11H<strong>in</strong>weis auf das untote Dase<strong>in</strong> Ritas ergibt sich auch aus e<strong>in</strong>er Anspielung im zweiten Teil,die ich mir erlaube hier heranzuziehen, auch wenn ich beide Teile, wie sich zeigen wird,vergleichsweise stricte trenne. Dort heißt Rita Camilla. Hier steckt m. E. e<strong>in</strong>e deutlicheAnspielung auf e<strong>in</strong>e viktorianische Gruselgeschichte <strong>von</strong> Sheridan Le Fanu (vgl. z.B.Sébastien Omont auf der Literaturliste). Die Geschichte heißt Carmilla (mit e<strong>in</strong>em etwasungewöhnlichen r nach dem ersten a) und handelt <strong>von</strong> e<strong>in</strong>em weiblichen Vampir diesesNamens, der e<strong>in</strong>e junge, lebensfrohe und naive Frau befällt (Carmillas Kutsche erleidet e<strong>in</strong>enUnfall und sie wird <strong>von</strong> der jungen Frau gepflegt!) und e<strong>in</strong>e lesbische Beziehung zu dieseraufnimmt. Auch hier f<strong>in</strong>det e<strong>in</strong> Namenswechsel statt, Carmilla hieß früher Mircalla und wird<strong>von</strong> ihrem jungen Opfer auf e<strong>in</strong>em alten Bild wahrgenommen, ähnlich wie Rita ihr Gesicht<strong>von</strong> Rita Hayworth erhält. Auch diese Geschichte endet natürlich mit der Tötung desVampirs. Das Interessante ist auch, dass <strong>in</strong> Sheridan Le Fanus Geschichte Traum undWirklichkeit verschwimmen, ohne dass das Geträumte weniger relevant ist als das sche<strong>in</strong>barReale. Damit me<strong>in</strong>e ich h<strong>in</strong>reichend deutlich gemacht zu haben, dass Rita eigentlich tot ist,bzw. se<strong>in</strong> müsste.Rita ist freilich nicht zu Tode gekommen. Aber sie hätte sterben müssen, das war ihr Skript.Warum ist sie nicht gestorben? Ich glaube hier an e<strong>in</strong>en dummen Zufall.Manche antiken Philosophenschulen diskutieren darüber, ob es neben dem Determ<strong>in</strong>iertenauch das Zufällige geben könnte. Sie sagen, dass das Schicksal nur die großenHauptereignisse festlege und es dazwischen e<strong>in</strong>en Spielraum gibt, sowohl für den freienWillen - das können wir hier zunächst beiseite lassen - als auch für das Zufällige. DerPhilosoph Epikur hat dafür e<strong>in</strong> hier vielleicht passendes Konzept parat. Das Zufällige entstehtdadurch, dass Atome plötzlich ihre Bahn verlassen, <strong>in</strong> der sie sich sonst <strong>in</strong> e<strong>in</strong>emmaterialistischen <strong>Determ<strong>in</strong>ismus</strong> bewegen, e<strong>in</strong>e unkalkulierbare Bewegung erzeugen und aufandere Atome aufprallen. Genau so etwas passiert durch den Autounfall. Das Autorennen derJugendlichen hat etwas aleatorisches. Die Jugendlichen lassen es darauf ankommen, siespielen nicht mit dem Schicksal, sondern mit dem Zufall. Dummerweise ist dieser Spielraumdes Zufälligen mit dem Determ<strong>in</strong>ierten kollidiert. Anders ausgedrückt: Aus der Sicht desSchicksals und se<strong>in</strong>er Agenten hat es e<strong>in</strong>e Panne gegeben. Noch anders ausgedrückt: Derreale Autounfall ist auch e<strong>in</strong> metaphysischer Unfall. Die Geschichte, die wir im ersten Teildes Filmes erzählt bekommen, ist die Geschichte der Bere<strong>in</strong>igung dieses Unfalls, bis diebeiden Frauen endlich e<strong>in</strong>sehen, dass sie nicht weitermachen können. Sie überschätzen denSpielraum, den der Zufall ihrem freien Willen e<strong>in</strong>geräumt hat. Sie überschätzen ihn deshalb,weil sie gar nichts vom Schicksal wissen. Sie müssen es erst herausf<strong>in</strong>den. Und die Lösung

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