Armutsbericht Landkreis Dachau aktuell 11-2013 - Dachauer Forum

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Armutsbericht Landkreis Dachau aktuell 11-2013 - Dachauer Forum

Inhaltsverzeichnis1. Vorgehensweise und Ziele diese Arbeit .......................................................................62. Der Landkreis Dachau ...................................................................................................83. Was ist Armut? ............................................................................................................ 154. Relative Einkommensarmut ........................................................................................ 164.1. Bekämpfte Armut ..................................................................................................... 194.1.1. Empfänger von Grundsicherungsleistungen nach SGB II ................................ 214.1.2. EmpfängerInnen von Leistungen nach SGB XII................................................. 304.1.3. EmpfängerInnen von Wohngeld ......................................................................... 364.1.4. EmpfängerInnen von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz .... 384.2. Ungleichheit / Reichtum .......................................................................................... 415. Handlungsfelder .......................................................................................................... 425.1. Handlungsfeld Arbeit ............................................................................................... 435.2. Handlungsfeld Wohnen ........................................................................................... 485.3. Handlungsfeld Familie, Kinder und Jugendliche ................................................... 555.4. Handlungsfeld Bildung ............................................................................................ 585.5. Handlungsfeld Migration/Integration ...................................................................... 602Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


5.6. Handlungsfeld Armut im Alter ................................................................................ 625.7. Handlungsfeld Gesundheit ..................................................................................... 655.8. Handlungsfeld Konsum und Schulden .................................................................. 686. Fazit und Handlungsbedarf ......................................................................................... 72Literaturverzeichnis ............................................................................................................ 75Armutsbericht für den Landkreis Dachau 20123


AbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Der Landkreis Dachau ........................................................................................8Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung im Landkreis...............................................................9Abbildung 3: Struktur der Haushalte, in Prozent .................................................................... 10Abbildung 4: Bevölkerungsstruktur im Landkreis Dachau nach Alter ..................................... 11Abbildung 5: Alter des Haushaltsvorstandes ......................................................................... 12Abbildung 6: Ausländeranteil im Landkreis Dachau nach Altersgruppen ............................... 13Abbildung 7: Ausländeranteil an den Haushalten in den Kommunen, in Prozent ................... 14Abbildung 8: Durchschnittliches Haushaltseinkommen im Landkreis Dachau in Prozent ....... 18Abbildung 9: Das Potenzial bekämpfter Armut im Landkreis Dachau .................................... 20Abbildung 10: Arbeitslosengeld II Empfänger zum 31.12.2012 .............................................. 21Abbildung 11: LeistungsempfängerInnen ALG II nach Kommunen ........................................ 22Abbildung 12: Altersstruktur der erwerbsfähigen Leistungsbezieher ...................................... 23Abbildung 13: Grundsicherung für Arbeitssuchende nach Geschlecht und Nationalität ......... 23Abbildung 14: Durchschnittliche Verweildauer der Leistungsempfänger im ALG II Bezug ..... 24Abbildung 15: Größe der Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Dachau ............................... 26Abbildung 16: Durchschnittliche Zusammensetzung der Leistungen nach dem SGB II ......... 26Abbildung 17: Bedarfsgemeinschaften nach Haushaltstyp und Einkommen .......................... 27Abbildung 18: Erwerbseinkommen der LeistungsempfängerInnen ........................................ 28Abbildung 19: EmpfängerInnen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt im Landkreis ........ 31Abbildung 20: EmpfängerInnen von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung .... 32Abbildung 21: EmpfängerInnen von Leistungen nach Kapitel 5-9 SGB XII ............................ 34Abbildung 22: EmpfängerInnen von Hilfen nach Kapitel 5-9 SGB XII nach Hilfeart ................ 35Abbildung 23: EmpfängerInnen von Wohngeld, 2009 -2011.................................................. 36Abbildung 24: Zusammensetzung der Wohngeldempfänger 2011 ......................................... 37Abbildung 25: Asylbewerber im Landkreis Dachau ................................................................ 39Abbildung 26: Altersstruktur in der Gemeinschaftsunterkunft, Personenanzahl ..................... 39Abbildung 27: Einkommensverteilung pro Haushalt im Landkreisdurchschnitt ....................... 41Abbildung 28: Beschäftigungsverhältnisse im Landkreis ....................................................... 43Abbildung 29: Arbeitslosenzahlen im Landkreis Dachau ....................................................... 44Abbildung 30: Multijobber im Landkreis Dachau .................................................................... 46Abbildung 31: Wohnungsbestand 2010 und -bedarf bis 2017 im Landkreis Dachau .............. 48Abbildung 32: Deckung des Bedarfes an Miet- und Eigentumswohnungen bis 2017 ............. 494Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Abbildung 33: Nachfrage nach Sozialwohnungen im Landkreis ............................................. 51Abbildung 34: Anzahl der Sozialwohnungen im Landkreis, nach Kommunen ........................ 52Abbildung 35: Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket ........................................ 56Abbildung 36: Überschuldete Privatpersonen im Gebietsvergleich ........................................ 68Armutsbericht für den Landkreis Dachau 20125


1. Vorgehensweise und Ziele dieser ArbeitUm drohende Armut verhindern und bestehende Armut bekämpfen zu können, muss diesezuerst bewusst wahrgenommen werden. Um Armut in das Bewusstsein der Menschen zurücken und nach wissenschaftlichen Methoden messen zu können, wurde in Deutschland dieSozialberichterstattung in Form von Armutsberichten eingeführt.In der Bundesrepublik wurde der erste Armutsbericht von der Bundesregierung im Jahr 2001vorgelegt, seitdem erscheint in jeder Legislaturperiode ein neuer Bericht. Der aktuelle vierteArmuts- und Reichtumsbericht der Bunderegierung mit dem Titel „Lebenslagen inDeutschland“ erschien am 6. März 2013 (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales,2013, S. 1 ff.). Die Sozial- bzw. Armutsberichterstattung im Freistaat Bayern wurde von derRegierung etwas früher, im Jahr 1999, aufgenommen. Der zweite Bericht folgte erst zehnJahre später 2009, der dritte im Jahr 2012 (vgl. Bayrisches Staatsministerium für Arbeit undSozialordnung, Frauen und Familien 2013). Auch viele deutsche Städte und Landkreisebeschäftigen sich in ihrer Sozialberichterstattung mit Armut und Ungleichheit. DieLandeshauptstadt München beispielsweise bringt seit dem Jahr 1987, als der Bericht „NeueArmut in München“ erschien, das Thema Armut ins Bewusstsein der Bevölkerung (vgl.Landeshauptstadt München Sozialreferat 2012).Im Landkreis Dachau ist bisher leider keine umfassende Armutsberichtserstattung erfolgt.Neben Berichten über bestimmte Teilgebiete, wie die von der Stadt Dachau im Jahr 2009 inAuftrag gegebene Sozialraumanalyse für den Stadtbereich (vgl. KatholischeStiftungsfachhochschule München 2010) oder die 2008 in Auftrag gegebene GebietsanalyseDachau-Ost (vgl. Dürsch Institut für Stadtentwicklung 2010), existiert keine vollständige undumfangreiche Berichterstattung über drohende oder bestehende Armut im gesamtenLandkreis.Der Kreiskatholikenrat des Landkreises Dachau hat die fehlende Berichterstattung alsProblem erkannt und deshalb den ersten Armutsbericht für den Landkreis Dachau in Auftraggegeben.6Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Dieser Bericht wird sich nach der Vorstellung aller vorhandener Daten und Fakten zumLandkreis Dachau mit den sozialstatistischen Daten zur relativen Armut und zur bekämpftenArmut im Landkreis beschäftigen und diese anhand von Grafiken anschaulich darstellen. ImFolgenden werden die Lebenslagen der Bevölkerung, untergliedert in verschiedeneHandlungsfelder, vorgestellt.In vielen Bereichen ist bisher allerdings keine statistische Datenerfassung für den LandkreisDachau erfolgt, so dass nur allgemeingültige Aussagen getroffen werden können.Ziel des Berichtes ist es, das Thema Armut in das Bewusstsein der Menschen im LandkreisDachau zu rücken. Es ist nötig, die Situation aller Menschen sowie Ungleichheiten odermögliche Problemstellungen zu erkennen, um entsprechende Maßnahmen ergreifen zukönnen. Nur so können Strategien zur Armutsbekämpfung auch auf kommunaler Ebeneentwickelt werden.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 20127


2. Der Landkreis DachauDer Landkreis Dachau liegt im Regierungsbezirk Oberbayern imNordwesten der Großstadt München. Die Lage mitten imsogenannten „Speckgürtel“ der bayerischen Landeshauptstadt unddie attraktive wirtschaftliche Situation in der Region sorgen fürstetiges Bevölkerungswachstum. Der Landkreis Dachau erstrecktsich auf eine Fläche von 578,96 km². Zum Landkreis gehören nebender Großen Kreisstadt Dachau 16 Kommunen (vgl. LandratsamtDachau 2012a).Wappen des Landkreiseswww.landkreis-dachau.deAbbildung 1: Der Landkreis Dachau(vgl. http://kirchenundkapellen.de/kirchen/aaa-landkreiskartemitpelka.gif)8Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Zum Jahreswechsel 2012/2013 lebten im Landkreis Dachau insgesamt 142.021 Personen beieiner Bevölkerungsdichte von 245 Einwohnern pro km². Die Bevölkerungszahl ist seit demJahr 1840 stetig angestiegen, in den letzten drei Jahren im Schnitt um ein Prozent jährlich.Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung im Landkreis(vgl. Bayrisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2013, S.6)Die Einwohner verteilen sich auf den Landkreis Dachau wie folgt:AltomünsterBergkirchenDachauErdwegHaimhausenHebertshausenHilgertshausen-TandernKarlsfeldMarkt IndersdorfOdelzhausenPetershausenPfaffenhofen a.d.GlonnRöhrmoosSchwabhausenSulzemoosVierkirchenWeichs7.519 Personen7.320 Personen44.822 Personen5.663 Personen5.029 Personen5.293 Personen3.148 Personen18.578 Personen9.515 Personen4.570 Personen6.145 Personen1.823 Personen6.215 Personen6.146 Personen2.631 Personen4.364 Personen3.240 PersonenArmutsbericht für den Landkreis Dachau 20129


Insgesamt gibt es im Landkreis 62.791 Haushalte. Die durchschnittliche Haushaltsgröße imLandkreis Dachau ist mit 2,2 Personen pro Haushalt vergleichsweise hoch – derDeutschlanddurchschnitt liegt bei 2,01, der Bayerndurchschnitt bei 2,06 Personen proHaushalt (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2013). Tendenziell verringernsich die Haushaltsgrößen immer mehr.Um einen besseren Einblick in die Strukturen der Haushalte zu bekommen, ist es wichtigzwischen Singlehaushalten und Mehrpersonenhaushalten ohne Kinder/mit Kindern zuunterscheiden. Die folgende Grafik zeigt neben den Strukturen im Landkreis Dachau und demDeutschlanddurchschnitt auch exemplarisch die der Stadt Dachau und der KommunenHilgertshausen-Tandern und Karlsfeld, um die Unterschiede zwischen städtischem undländlichem Raum bestmöglich aufzuzeigen.Abbildung 3: Struktur der Haushalte, in Prozent50,0%45,0%Deutschland40,0%35,0%Landkreis30,0%25,0%20,0%Dachau15,0%10,0%Karlsfeld5,0%0,0%SinglehaushalteMehrpersonenhaushalteohne KinderMehrpersonenhaushaltemit KindernHilgertshausen-Tandern(vgl. Gfk Geomarketing 2013)Abbildung 3 lässt erkennen, dass die Haushaltsstrukturen innerhalb der Kommunen desLandkreises Dachau zum Teil starke Abweichungen voneinander zeigen. Beispielsweise liegtdie Dichte der Singlehaushalte in der Stadt Dachau mit 43,7 Prozent aller Haushalte deutlichüber dem Landkreisdurchschnitt. Auch in der Gemeinde Karlsfeld wohnen mehr Singles alsim Deutschlanddurchschnitt. Die kleine Kommune Hilgertshausen-Tandern als Beispiel fürsehr ländliche Strukturen dagegen weist nur 26 Prozent Singlehaushalte auf, dort lebendeutlich mehr Menschen in Mehrpersonenhaushalten.10Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Ein wichtiges Strukturmerkmal bei der Analyse der Bevölkerung stellenMehrpersonenhaushalte mit Kindern dar. Hier liegen Dachau und Karlsfeld imDeutschlanddurchschnitt von 29 Prozent. Der Landkreisdurchschnitt zeigt, dass Familien mitKindern sich wohl auf die anderen 14 Kommunen verteilen. Bestätigt wird dies durch den sehrhohen Wert des Ortes Hilgertshausen-Tandern. In der Kommune leben in fast 40 Prozentaller Haushalte Kinder.Zur weiteren Analyse der Bevölkerungsstruktur zeigt Abbildung 4 die Verteilung derBevölkerung auf festgelegte Altersstufen. Um die Situation des Landkreises Dachauabschätzen zu können, werden zudem die Altersstruktur im Freistaat Bayern und die derBundesrepublik dargestellt.Abbildung 4: Bevölkerungsstruktur im Landkreis Dachau nach Alter25,0%20,0%15,0%10,0%DeutschlandBayernDachau5,0%0,0%(vgl. Statistik Bayern 2011a, S. 20, S.244; Statistisches Bundesamt 2012a)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201211


Prozentual gesehen leben im Landkreis Dachau zwei Prozent mehr unter 20-Jährige als imgesamtdeutschen Durchschnitt, auch bei den 30-50-Jährigen ist die Population höher. Diesist, wie auch die insgesamt positive Bevölkerungsentwicklung im Landkreis, durch denvermehrten Zuzug von Familien mit Kindern in den wirtschaftlich attraktiven GroßraumMünchen zu erklären. Der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung ist etwas niedrigerals im bayrischen oder im deutschen Durchschnitt. Die demografische Entwicklung und diedamit einhergehende sogenannte Überalterung der Bevölkerung treffen den LandkreisDachau daher in etwas abgemilderter Form.Zur Analyse der Altersstrukturen der Bevölkerung zählt zudem, das Alter desHaushaltsvorstandes der knapp 63.000 Haushalte aufzuzeigen. Hier werden wiederDeutschland, der Landkreis Dachau, die Stadt Dachau und die Gemeinden Karlsfeld undHilgertshausen-Tandern zu einem Vergleich herangezogen.Abbildung 5: Alter des Haushaltsvorstandes40,0%35,0%30,0%25,0%20,0%15,0%10,0%5,0%DeutschlandKarlsfeldDachauLandkreisHilgertshausen-Tandern0,0%bis unter 30 30-40 40-50 50-60 über 60(vgl. Gfk Geomarketing 2013)Als Haushaltsvorstand wird immer der Hauptverdiener der Familie betrachtet. Der Vergleichzeigt, dass die Haushaltsvorstände in der Bundesrepublik Deutschland im Schnitt etwas ältersind, 35 Prozent des Personenkreises sind älter als 60 Jahre.12Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Ebenso sind auf dieser Ebene etwas mehr junge Haushaltsvorstände unter 30 Jahrenvorhanden. Die Struktur im Landkreis Dachau und in den Kommunen zeigt sich als etwashomogener, dennoch bleibt festzuhalten, dass der Großteil der Haushaltsvorstände auch hierüber 60 Jahre alt ist. Korrelierend mit den Haushaltsstrukturen im Landkreis, die in Abbildung3 dargestellt wurden, ist auch bei der Altersverteilung in den Haushalten auffallend, dass imLandkreis und Hilgertshausen-Tandern weniger über 60-jährige oder unter 30-jährige einemHaushalt vorstehen. Dies könnte in Zusammenhang mit der in diesen Bereichen niedrigerenAnzahl der Single-Haushalte stehen, da vor allem junge und ältere Menschen öfter alleinewohnen. Die Dichte an 40-60-jährigen Haushaltsvorständen in den Kommunen im Landkreisist entsprechend höher, da gerade 40-60-jährige oft die Hauptverdiener für die Familie sind.(Vgl. Gfk Geomarketing 2013).Abbildung 6: Ausländeranteil im Landkreis Dachau nach Altersgruppen25,0%20,0%15,0%10,0%5,0%0,0%unter 18 18-25 25-30 30-40 40-50 50-65 über 65(vgl. Statistik Bayern 2011a, S. 21)Im Durchschnitt haben zwölf Prozent der Dachauer Einwohner keinen deutschen Pass. Diessind mehr als im Deutschland- oder Bayerndurchschnitt mit 9 beziehungsweise 9,8 Prozent.Bemerkenswert ist, dass die in der Grafik ersichtliche Kurve bei den Erwachsenen zwischen25 und 40 Jahren einen enormen Anstieg zeigt. Bei den 30-40-jährigen liegt derAusländeranteil sogar bei 20,5 Prozent. (Vgl. Statistik Bayern 2011a, S. 21). Dies könnte dieFolge vieler erwerbsfähiger, arbeitssuchender Einwanderer im mittleren Alter sein. Ob dieseMenschen langfristig im Landkreis Dachau bleiben und auch im Alter noch hier leben werden,ist nicht absehbar. Neueste Entwicklungen zeigen allerdings, dass weniger Migranten alserwartet im Rentenalter zurück in ihre Heimatländer gehen.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201213


Abbildung 7: Ausländeranteil an den Haushalten in den Kommunen, in Prozent25,0020,0015,0010,005,003,51 3,9915,598,615,76 4,7422,047,296,11 4,56 2,854,09 4,21 3,75 2,23 5,79 7,98 11,07 8,270,00(vgl. Gfk Geomarketing 2013)Der Anteil der „Ausländerhaushalte“ im Landkreis Dachau liegt knapp drei Prozentpunkteüber dem Deutschlanddurchschnitt von 8,3 Prozent. Während vor allem in kleinerenKommunen wie Pfaffenhofen relativ wenige Ausländer leben, liegt der Ausländeranteil an denHaushalten in der Stadt Dachau bei über 15 Prozent, in Karlsfeld sogar bei 22 Prozent.Diese Zahlen über den Ausländeranteil im Lankreis Dachau sagen natürlich nichts darüberaus, seit wie vielen Jahren diese Menschen bereits in Deutschland leben und wie gut sie sichin die Gesellschaft integriert haben. Genauso wenig lässt sich feststellen, welcher Anteil derMenschen mit Migrationshintergrund und deutschem Pass vielleicht sogar schlechterintegriert ist, als die hier erfassten Ausländer.14Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


3. Was ist Armut?Grundsätzlich wird immer zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden, doch kaumjemand kann diese oder andere kursierende Begrifflichkeiten genau voneinanderunterscheiden. Daher ist es zu Beginn eines Armutsberichts notwendig, diese Begriffe zuerklären und voneinander abzugrenzen.Die absolute Armut wird durch die Grenze zum physischen Überleben (Wohnen, Essen,Trinken) definiert. Von absoluter Armut spricht man dann, wenn eine Person keinenWohnraum, zu wenig zu essen oder zu trinken hat. Absolute Armut herrscht beispielsweise invielen Entwicklungsländern und kommt in Deutschland nur in Einzelfällen vor.In den Industrienationen wird meist der Begriff der relativen Armut verwendet, der dieMöglichkeit zur Teilhabe an dem üblichen Lebensstandard in einer Gesellschaft beschreibt.Die relative Armut wird innerhalb der EU am Einkommen einer Person im Vergleich zumMedianeinkommen des jeweiligen Landes gemessen.Eine weitere Möglichkeit das Armutspotential abzubilden, ist das im Sozialhilferechtabgesicherte soziokulturelle Existenzminimum – bei allen Personen, die Transferleistungendes Staates zur Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums beziehen, spricht man vonbekämpfter Armut.In der Armutsberichterstattung der Bundesregierung, des Freistaates sowie vieler Städte undLandkreise wird - neben relativer Einkommensarmut und bekämpfter Armut - ein immergrößerer Fokus auf andere Lebenslagen neben der finanziellen Situation der Menschengelegt. Grundlage hierfür ist der Lebenslagenansatz, der alle äußeren Bedingungenbeschreibt, die das Leben beeinflussen und gleichzeitig den Rahmen darstellt, innerhalbdessen sich ein Mensch entwickeln kann. Durch die Abbildung der Situation der Bevölkerungin den immateriellen Lebenslagen kann die komplexe Realität der Armut in allenSchattierungen und Abstufungen dargestellt werden (vgl. Glatzer/Hübinger 1990, S. 34 f.).Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201215


4. Relative EinkommensarmutUm die Möglichkeit zur Teilhabe an dem üblichen Lebensstandard der Gesellschaftdarzustellen, wird die relative Armut nach EU-Standard im Vergleich zum Medianeinkommen,also dem mittleren Einkommen, des jeweiligen Staates gemessen. Das Einkommen ist daswohl am häufigsten verwendete Kriterium zur Definition von Armut, da Geld alsgeneralisiertes Tauschmedium einen passenden Indikator darstellt und das Einkommenzudem vergleichsweise einfach zu erheben ist.Bei der einkommensbezogenen relativen Armut wird in der Regel dasNettoäquivalenzeinkommen verwendet, also ein Wert, der um den möglicherweise geringerenBedarf von in Haushalten zusammenlebenden Personen bereinigt ist.Nach EU-Standard wird eine Person, deren Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent desMedianeinkommens eines Landes liegt, als „armutsgefährdet“ bezeichnet. Die eigentlicheGrenze zur „Armut“ liegt bei 50 Prozent. Bei einem Nettoäquivalenzeinkommen von wenigerals 40 Prozent des mittleren Einkommens in einem Staat spricht man von „strenger Armut“.(Vgl. World Vision Institut für Forschung und Innovation 2008).Zum besseren Verständnis der EU-Armutsdefinition muss an dieser Stelle erläutert werden,was unter dem „Medianeinkommen“ verstanden wird.DurchschnittseinkommenDas Durchschnittseinkommen berechnet sichaus dem Gesamteinkommen allerberücksichtigten Personen geteilt durch dieAnzahl aller berücksichtigen Personen.MedianeinkommenDas Medianeinkommen beschreibt das „mittlereEinkommen“ aller berücksichtigten Personen.Es wird durch Extremwerte nach oben oderunten nicht beeinflusst.Das Durchschnittseinkommen beträgt in diesemFall 2.160 €Das Medianeinkommen beträgt in diesemFall 1.200 €16Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Ebenso soll hier das bereits genannte „Nettoäquivalenzeinkommen“ erklärt werden. Da einGroßteil der Bevölkerung in Haushalten mit mehreren Personen lebt, muss der Wert desEinkommens jeder einzelnen Person um den möglicherweise geringeren Bedarf von inHaushalten zusammenlebenden Personen bereinigt werden. Die Berechnung desNettoäquivalenzeinkommens wird am Beispiel einer vierköpfigen Familie erläutert.1. Erwachsener: Vater2. Erwachsener: Mutter1. Kind: unter 7 Jahre alt2. Kind: unter 14 Jahre altGesamteinkommen der Familie: 2.000 €_________________________________________________________________________Durchschnittseinkommendes Haushaltes2.000 € Gesamteinkommen__________________________________________________________________________________________Anzahl der FamilienmitgliederErgibt ein Durchschnittseinkommen von500 € pro PersonNettoäquivalenzeinkommendes HaushaltesBedarfsgewichtung (nach OECD-Skala)1. Erwachsener 12. Erwachsener 0,51. Kind (unter 7) 0,32. Kind (unter 14) 0,3Nettoäquivalenzeinkommen:952,38 € pro PersonAuf Deutschland bezogen ist nach der beschriebenen EU-Definition jede Personarmutsgefährdet, die nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen einNettoäquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des deutschen Medianeinkommenszur Verfügung hat. Für allein lebende Personen belief sich dieser Schwellenwert im Jahr 2009auf 11.278 Euro im Jahr / 940 Euro im Monat. Nach dieser Definition waren 2009 15,6Prozent der deutschen Bevölkerung von Armut bedroht (vgl. Destatis 2012).Für den Landkreis Dachau wurde bisher weder das Medianeinkommen noch dasNettoäquivalenzeinkommen erhoben. Eine Aussage zur relativen Armut anhand der gängigenDefinitionen ist daher nicht möglich.Die Stadt München hat diese Daten beispielsweise anhand einer breit angelegtenBürgerbefragung ermittelt, ein ähnliches Vorgehen wäre auch für den Landkreis Dachaudenkbar.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201217


Im Folgenden wird das durchschnittliche Einkommen von Haushalten im Landkreis Dachaudargestellt. Das Haushaltseinkommen in den Kommunen im Landkreis Dachau wurde vomGfk Geomarketing Institut erfasst, ist jedoch nicht anhand der Haushaltsgröße gemessen undnicht bedarfsbereinigt. Die Einkommenshöhe in Abbildung 8 darf daher keinesfalls alsNettoäquivalenzeinkommen verstanden und auf die Armutsdefinition der EU projiziert werden.Das durchschnittliche Haushaltseinkommen ist momentan der einzig verfügbare Indikator, umdas Gefälle zwischen arm und reich im Landkreis erfassen zu können.Abbildung 8: Durchschnittliches Haushaltseinkommen im Landkreis Dachau in Prozent40,0%35,0%30,0%25,0%20,0%15,0%10,0%5,0%0,0%DeutschlandLandkreisDachauKarlsfeldHilgertshausen-Tandern(vgl. Gfk Geomarketing 2013)Vor allem im Vergleich zu den Werten des Deutschland-Durchschnittes wird ersichtlich, wiestark die Einkommensverhältnisse im Landkreis Dachau sich abheben. Vor allem imLandkreisdurchschnitt und in den ländlichen Kommunen ist das durchschnittlicheHaushaltseinkommen extrem hoch. Dies stellt für die Personen oder Familien, die in denEinkommensgruppen unter 1.500 € liegen, einen erheblichen Unterschied zurgesellschaftlichen Norm in ihrer Umgebung dar.18Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1. Bekämpfte ArmutInnerhalb der Bundesrepublik gilt das im Sozialhilferecht abgesicherte soziokulturelleExistenzminimum. „Die Inanspruchnahme dieser Mindestleistungen zeigt das Ausmaß, indem Teile der Bevölkerung einen zugesicherten Mindeststandard nur mit Unterstützung desSystems der sozialen Sicherung erreichen“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008,S. 20). In Deutschland wird in diesem Fall von bekämpfter Armut gesprochen.Die bekämpfte Armut beschreibt nicht, wie viele Menschen von Armut bedroht odertatsächlich arm sind, sondern nur, wie vielen Personen durch Mindestsicherungsleistungenwie Grundsicherung für Arbeitssuchende oder Wohngeld ein soziokulturellesExistenzminimum gesichert wird. In allen Fällen, in denen Transferleistungen vom Staatbezogen werden, wird Armut bekämpft. Wird alleine dieser Ansatz zur Erfassung der Armutoder Armutsgrenze verwendet, würde allerdings bei jeder Änderung der Sätze oder desKreises der Bedarfsberechtigten die Armutsquote steigen oder fallen (vgl. ebd. S.20 f.).Im Folgenden wird das Potential der bekämpften Armut im Landkreis Dachau erstzusammenfassend dargestellt, anschließend werden alle sozialstatistischen Daten zu denverschiedenen Empfängergruppen von Leistungen detailliert aufgegliedert.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201219


Abbildung 9: Das Potenzial bekämpfter Armut im Landkreis DachauArbeitslosengeld II und Sozialgeld(SGB II)Hilfe zum Lebensunterhalt(SGB XII, 3. Kapitel)Grundsicherung im Alter(SGV XII, 4. Kapitel)Grundsicherung bei Erwerbsminderung(SGB XII, 4. Kapitel)Übrige Sozialhilfeleistungen(SGB XII, 5.-9. Kapitel)Wohngeld nach demWohngeldgesetzLeistungen nach demAsylbewerberleistungsgesetz15986949468263719372523Summe Armutspotential 7.301 Personen 1Anteil an der Gesamtbevölkerung5,2 ProzentZum Jahresende 2012 erhielten insgesamt 7.213 Personen im Landkreis Transferleistungen.Das entspricht einem Armutspotential an bekämpfter Armut von 5,1 Prozent derGesamtbevölkerung.1 Der Bezug von Leistungen nach SGB XII, 5.-9. Kapitel, schließt den Leistungsbezug nach anderenSozialgesetzbüchern nicht aus. Daher kann es zu geringfügigen Überschneidungen kommen.20Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1.1. Empfänger von Grundsicherungsleistungen nach SGB IIDer zweite Teil des Sozialgesetzbuches (SGB II) regelt die Grundsicherung fürArbeitssuchende, das im Volksmund als „Hartz IV“ bekannte Arbeitslosengeld II (ALG II).„Hartz IV“ – woher kommt der Name?Die Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ unter der Leitung von Peter Hartzstellte 2002 ihr Konzept zur effizienteren Gestaltung der deutschen Arbeitsmarktpolitik vor. Die invier Pakete aufgeteilten Gesetze traten unter den Bezeichnungen Hartz I bis Hartz IVschrittweise in Kraft. Das vierte Paket beinhaltete unter anderem die Zusammenfassung vonArbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zu „Arbeitslosengeld II“ und ist seit seiner Einführung in 2005 als„Hartz IV“ bekannt.Das SGB II regelt die Förderung und finanzielle Unterstützung von erwerbsfähigen Personenzwischen 15 und 65 Jahren sowie deren Angehörigen, soweit diese ihren Lebensunterhaltnicht selbst bestreiten können. Die Bezeichnung Arbeitslosengeld II steht nicht inZusammenhang mit der Arbeitslosenversicherung. Im Gegensatz zu diesem solidarischenVersicherungssystem ist der Bezug von ALG II eine reine Sozialleistung, die nicht anvorherige Einzahlungen gebunden ist. Um das Armutspotential dieses Personenkreises zubekämpfen, werden Dienstleistungen, Sachleistungen sowie die Zahlung vonArbeitslosengeld II und Sozialgeld (für Kinder unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften)getätigt.Am 31.12.2012 bezogen im Landkreis Dachau insgesamt 2.523 Personen Arbeitslosengeld II.Abbildung 10: Arbeitslosengeld II Empfänger zum 31.12.20127991724Erwerbsfähige ALG IIEmpfängerNicht erwerbsfähige ALG IIEmpfänger = Sozialgeld(Vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b, Tabellenblatt 1.1)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201221


Wichtig ist, die EmpfängerInnen von Leistungen nach dem SGB II losgelöst von denEmpfängerInnen von Arbeitslosengeld I und den offiziellen Arbeitslosenzahlen zu sehen. DerEmpfängerkreis von „Hartz IV“ deckt sich mit diesen Zahlen nicht, da viele nichterwerbsfähige Personen sowie viele Personen in Maßnahmen des Jobcenters Leistungenerhalten, die damit nicht in die Arbeitslosenstatistik einfließen.Die 2.523 Personen, die im Landkreis Dachau Arbeitslosengeld II empfangen, verteilen sichwie folgt auf die Kommunen:Abbildung 11: LeistungsempfängerInnen ALG II nach KommunenAltomünsterBergkirchenDachauErdwegHaimhausenHebertshausenHilgertshausen-TandernKarlsfeldMarkt IndersdorfOdelzhausenPetershausenPfaffenhofen a.d.GlonnRöhrmoosSchwabhausenSulzemoosVierkirchenWeichs66395828453798501072336411646424241367(vgl. Jobcenter Dachau 2013)22Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1.1.1. Erwerbsfähige LeistungsempfängerInnen nach SGB IIDie folgenden Zahlen beziehen sich jeweils auf die 1.724 erwerbsfähigenLeistungsempfängerInnen.Abbildung 12: Altersstruktur der erwerbsfähigen Leistungsbezieher493 Personen29%256 Personen15%Jüngere unter 25 Jahre25 bis unter 50 Jahre50 Jahre und älter975 Personen56%(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b, Tabellenblatt 1.1)Die von der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellten Daten erfassen das Alter derLeistungsempfängerInnen in relativ breit gefassten Altersspannen. Dies macht eineBeurteilung der Situation nur anhand der vorhandenen Daten sehr schwierig.Abbildung 13: Grundsicherung für Arbeitssuchende nach Geschlecht und Nationalität70,00%60,00%50,00%40,00%30,00%20,00%10,00%0,00%Männer Frauen Deutsche Ausländer(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201223


Grafik 13 zeigt auf, dass der Ausländeranteil unter den erwerbsfähigen BezieherInnen vonLeistungen nach dem SGB II mit 37,4 Prozent deutlich über dem Ausländeranteil an derDachauer Bevölkerung (12 Prozent) liegt. Dies lässt den Schluss zu, dass es besonders fürAusländer schwieriger ist, überhaupt eine Anstellung zu finden bzw. in einemArbeitsverhältnis genug zu verdienen, um das Existenzminimum zu sichern. Die Differenzzwischen Frauen und Männern an den LeistungsempfängerInnen schwankt saisonal und istdaher weniger aussagekräftig.Abbildung 14: Durchschnittliche Verweildauer der Leistungsempfänger im ALG II Bezug50,0%45,0%40,0%35,0%30,0%25,0%20,0%15,0%10,0%5,0%0,0%unter 3Monate3 bis unter 6Monate6 bis unter 12Monate1 bis unter 2Jahre2 Jahre undlänger(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b)Fast zwei Drittel aller Erwerbsfähigen sind schon ein Jahr oder länger im ALG II Bezug. Damitgilt diese Gruppe als langzeitarbeitslos (§18 SGBIII) und besonders schwer vermittelbar. Eswird nicht erfasst, wie viele der ALG II EmpfängerInnen vorher bereits im ALG I Bezug waren.Daher ist davon auszugehen, dass die Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit bei einem nochgrößeren Teil der Erwerbsfähigen im ALG II Bezug ein Jahr bereits überstiegen hat. Die hoheVerweildauer verteilt sich auf alle Empfängergruppen von ALG II, ist jedoch beiAlleinerziehenden und bei Menschen mit zunehmendem Alter noch etwas höher als imDurchschnitt.24Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1.1.2. Alle Leistungsempfänger und Personen in BedarfsgemeinschaftenZum Jahreswechsel 2012/2013 befanden sich im Landkreis Dachau insgesamt 1.344Bedarfsgemeinschaften im ALG II Bezug. Um sowohl die Größen der Bedarfsgemeinschaftenals auch die durchschnittliche Zusammensetzung der Leistung, die diese im Schnitt erhalten,genauer beleuchten zu können, muss zuerst geklärt werden, wie die Bedarfsberechnung füreine Familie oder eine Einzelperson erfolgt.Wie errechnet sich der Bedarf von ALG II?Leistungen nach dem SGB II werden immer für eine Bedarfsgemeinschaft, also die in einemHaushalt zusammenlebenden Personen, berechnet. Dabei werden die angemessenen Kosten fürUnterkunft und Heizung sowie der Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes berücksichtigt.Der Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes setzt sich aus dem festgelegten Regelsatzsowie möglichen Mehrbedarfen, beispielsweise wegen Schwangerschaft, zusammen.Beispiel einer Bedarfsberechnung für eine Familie in der Stadt Dachau:Angemessene Kosten für die Unterkunft in tats. Höhe:In der Stadt Dachau werden 8,69 € Kaltmiete pro m² akzeptiert, bei 4 Personen780,00 €bis zu einer Wohnfläche von 90 m².Angemessene Kosten für Heizung / Nebenkosten:210,00 €In der Regel in tatsächlicher HöheRegelbedarf für erwerbsfähige Partner: Vater 345,00 €Regelbedarf für erwerbsfähige Partner: Mutter 345,00 €Regelbedarf für erwerbsfähige Tochter, 16 Jahre 289,00 €Regelbedarf (Sozialgeld) für nicht erwerbsfähigen Sohn, 8 Jahre 255,00 €Gesamtbedarf der Bedarfsgemeinschaft: 2.224,00 €Beispiel einer Bedarfsberechnung für einen Alleinstehenden in Erdweg:Angemessene Kosten für die Unterkunft in tats. Höhe:Im Landkreis werden 6,65 € Kaltmiete pro m² akzeptiert, bei einer Person bis330,00 €zu einer Wohnfläche von 50 m².Angemessene Kosten für Heizung / Nebenkosten:100,00 €In der Regel in tatsächlicher HöheRegelbedarf für erwerbsfähige Alleinstehende: 382,00 €Gesamtbedarf der Bedarfsgemeinschaft: 812,00 €Darauf werden sämtliche Einkommen, beispielsweise auch das Kindergeld, unterBerücksichtigung der Freigrenzen für Erwerbseinkommen angerechnet. Wenn das Vermögen dieFreibeträge übersteigt, besteht kein ALG II Anspruch.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201225


Abbildung 15: Größe der Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Dachau7% 4% 1 Person14%20%55%2 Personen3 Personen4 Personen5 und mehr Personen(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b)Im Landkreisdurchschnitt lebten in jeder Bedarfsgemeinschaft im ALG II Bezug 1,9 Personen.Über die Hälfte der Bedarfsgemeinschaften bestand nur aus einer Person, 20 Prozent auszwei Personen und in rund einem Viertel der Bedarfsgemeinschaften lebten Familien mit dreioder mehr Personen.Insgesamt erhielt jede Bedarfsgemeinschaft im Durchschnitt monatliche Leistungen in Höhevon 863,55 € ausgezahlt. Man unterscheidet Leistungen für Unterkunft und Heizung,Bedarfssätze nach ALG II, Sozialgeld sowie Sozialversicherungsleistungen.Abbildung 16: Durchschnittliche Zusammensetzung der Leistungen nach dem SGB II124,50 €14,4%2,48 €0,3%316,58 €36,7%Arbeitslosengeld IISozialgeldLeistungen für Unterkunft undHeizungSozialversicherungsleistung409,24 €47,4%10,75 €1,2%sonstige Leistungen(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012b)26Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1.1.3. AufstockerEin wichtiges und in den Medien viel besprochenes Thema im Bereich des ALG II sind diesogenannten „Aufstocker“. Das sind Personen, die mit ihrem Erwerbseinkommen (z.B. ausMinijobs, Teilzeit- oder Vollzeittätigkeiten) nur so wenig Monatseinkommen für sich oder fürdie Familie erzielen, dass sie ergänzend ALG II Leistungen vom Jobcenter beziehen.Menschen, die einer Arbeit nachgehen und trotzdem nicht genug Geld verdienen, um ihrExistenzminimum zu sichern, werden auch als „Working Poor“, also „arm trotz Arbeit“ oder„arbeitende Arme“ bezeichnet.Abbildung 17: Bedarfsgemeinschaften nach Haushaltstyp und Einkommen8007006956005004003393002001000165164145108 114103805432617Single Alleinerziehende Partner ohne Kinder Partner mit Kindern sonstigeAnzahl Bedarfsgemeinschaften davon mit Erwerbseinkommen Gesamteinkommen über 800€(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2013)Bei den LeistungsbezieherInnen im Landkreis Dachau wird zum einen erfasst, wie viele derBedarfsgemeinschaften aufgegliedert nach Haushaltstypen Erwerbseinkommen erzielen. Wiein Abbildung 17 erkennbar, haben knapp 24 Prozent (165 Personen) der Singles im ALG IIBezug Einkommen aus Erwerbsarbeit. Über ein Gesamteinkommen von mehr als 800 €verfügen nur 6 Personen, beim Gesamteinkommen wird jedoch neben Erwerbseinkommenauch anderes Einkommen wie z.B. Kindergeld, Unterhaltsgelder etc. berücksichtigt.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201227


Der „grüne Balken“ in Abbildung 17 kann daher nicht direkt mit dem „roten Balken“ verglichenwerden. Es könnte sich also bei den genannten 6 Personen sowohl um Vollzeit-Erwerbstätigemit über 800 € Einkommen, als auch um Personen mit zusätzlichem anderen Einkommenhandeln.Auffällig ist, dass im Vergleich zu den Singles bei den Alleinerziehenden in deutlich mehrBedarfsgemeinschaften einer Arbeit nachgegangen wird. Über 40 Prozent habenErwerbseinkommen. Bei den Partnern ohne Kinder erzielen 47 Prozent Erwerbseinkommen,bei den Partnern mit Kindern sogar 62 Prozent.Abbildung 18: Erwerbseinkommen der LeistungsempfängerInnen140013171200100012061.04087680060040020003122102041035962646männlich weiblich unter 25 AusländerGesamtzahl davon mit Erwerbseinkommen Erwerbseinkommen über 800€(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2013)Im Gegensatz zu Abbildung 17 ist in der zu Abbildung 18 verwendeten Statistik nur die Höhedes Erwerbseinkommens (keine anderen Einkommensarten) erfasst. Abbildung 18 lässtdaher deutlich mehr Schlüsse über „working poor“ zu. Die Aufgliederung derLeistungsempfängerInnen erfolgt hier jedoch nicht nach Haushaltstypen (wie Alleinerziehendoder Single) sondern nach typischen statistischen Merkmalen (männlich, unter 25 etc.).17 Prozent der Männer gehen einer Erwerbsarbeit nach, knapp 5 Prozent erzielen dabei einEinkommen von über 800€. Von den weiblichen Leistungsbezieherinnen arbeiten mit anteilig23,7 Prozent etwas mehr als bei den männlichen. 7,8 Prozent erzielen dabei ein Einkommenüber 800€.28Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Bei den Personen, die mehr als 800€ Erwerbseinkommen erzielen, liefern die Statistikenleider keine Auskunft darüber, ob es sich um Teilzeit- oder Vollzeiterwerbstätigkeit handelt.Es ist davon auszugehen, dass in vielen Fällen durch einen Vollzeitjob im Niedriglohnsektorein so geringes Einkommen erzielt wird, dass ergänzend ALG II Leistungen in Anspruchgenommen werden müssen.In Abbildung 18 ist weiterhin zu erkennen, dass bei den unter 25-jährigenLeistungsbezieherInnen nur 6 Prozent (62 Personen) einer Erwerbsarbeit nachgehen. Dieverwendete Statistik unterscheidet an dieser Stelle nicht zwischen erwerbsfähigen und nichterwerbsfähigen LeistungsbezieherInnen. Wenn wir (wie in Abbildung 12 dargestellt) von 256erwerbsfähigen unter 25-jährigen ALG II EmpfängerInnen ausgehen, liegt die Quote derErwerbstätigen bei den unter 25-jährigen bei 24 Prozent.Auch bei den Ausländern unter den ALG II EmpfängerInnen zeigt die Statistik keine größereAbweichung, 23 Prozent der LeistungsbezieherInnen gehen einer Erwerbstätigkeit nach,insgesamt über 7 Prozent erzielen dabei mehr als 800 € Einkommen.Möglicherweise handelt es sich bei dieser Gruppe der Aufstocker um viele Personen, dieaufgrund niedriger Qualifikationen im Niedriglohnsektor arbeiten und daher selbst durch ihrVollzeit-Erwerbseinkommen ihr Existenzminimum nicht sichern können.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201229


4.1.2. EmpfängerInnen von Leistungen nach SGB XIIIm zwölften Sozialgesetzbuch (SGB XII) ist die Sozialhilfe geregelt.„Aufgabe der Sozialhilfe ist es, den Leistungsberechtigten die Führung eines Lebens zuermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht“ (SGB XII, Kapitel 1, § 1). DieseTransferleistung ist dem Einsatz eigenen Einkommens oder Vermögens, den Verpflichtungenanderer (Unterhaltspflichtiger) oder anderen möglichen Sozialleistungen in der Regelnachrangig. Träger von Leistungen nach dem zwölften Sozialgesetzbuch ist für dieEinwohner des Landkreises, bis auf wenige im Landesrecht geregelte Ausnahmen, derLandkreis Dachau.Was gehört zur „Sozialhilfe“, dem SGB XII?• Kapitel 3: Hilfe zum Lebensunterhalt (§§ 27 bis 40)Sozialhilfe – vorübergehend voll Erwerbsgeminderte und deren Bedarfsgemeinschaft(Kinder)• Kapitel 4: Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (§§ 41 bis 46a)Für alle, die über 65 Jahre oder dauerhaft voll erwerbsgemindert sind• Kapitel 5: Hilfen zur Gesundheit (§§ 47 bis 52)Krankenversicherung für SGB XII Empfänger• Kapitel 6: Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (§§ 53 bis 60)Für dauerhaft Behinderte oder von Behinderung Bedrohte, oft Einkommens-/Vermögensneutral, persönliches Budget möglich• Kapitel 7: Hilfe zur Pflege (§§ 61 bis 66)Für Pflegebedürftige, die Pflegestufe 1 nicht erreichen, Personen die nicht pflegeversichertsind und als Zuschuss zu Heimkosten, die Leistungen aus Kap 3+4 übersteigen• Kapitel 8: Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (§§ 67 bis 69)Zur Überwindung von Obdachlosigkeit oder Sucht, nach Gefängnisaufenthalten• Kapitel 9: Hilfe in anderen Lebenslagen (§§ 70 bis 74)Die Hilfe zur Weiterführung des Haushalts (§70), die Altenhilfe (§ 71), die Blindenhilfe(§ 72), die Hilfe in sonstigen Lebenslagen/Hygiene-Mehrbedarf (§ 73) und die Übernahmevon Bestattungskosten (§ 74)30Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.1.2.1. EmpfängerInnen laufender Hilfe zum LebensunterhaltHilfe zum Lebensunterhalt erhalten alle Personen im Landkreis Dachau, „die ihrennotwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mittelnbestreiten können“ (SGB XII, Kapitel 3, § 27). Wer in ausreichender Höhe Anspruch aufandere staatliche Leistungen, beispielsweise nach dem SGB II (Arbeitslosengeld II) oder demSGB III (Arbeitslosengeld I), hat, kann demnach keinen Anspruch auf Hilfe zumLebensunterhalt geltend machen. Die Höhe der Transferleistungen nach dem SGB XII iststark an die unter 4.1.1 beschriebene Grundsicherung für Arbeitssuchende angelehnt.Die Anzahl der EmpfängerInnen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt im LandkreisDachau konnte nur für den Zeitraum nach Einführung des SGB XII im Jahr 2005 analysiertwerden.Abbildung 19: EmpfängerInnen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt im Landkreis10501000998 994950900939929907901870 8698508002005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012(vgl. Statistik Bayern 2005, S. 72; 2006, S. 72; 2007, S. 74; 2008, S.74; 2009b, S. 66; 2010, S. 66;2011b S. 66, 2013a S.60)Im Jahr 2012 erhielten 869 Personen im Landkreis Dachau Hilfe zum Lebensunterhalt nachdem 3. Kapitel des SGB XII. Die Zahl der EmpfängerInnen von Sozialhilfe nach Kapitel 3,SGB XII im Landkreis Dachau ist damit in den letzten Jahren stetig gesunken. Von 2005 bis2012 sank die Anzahl um 12,9 Prozent.Der letzte Stand entspricht einer Empfängerdichte von 62,0 Personen pro 10.000 Einwohner.In Bayern lag die durchschnittliche Empfängerdichte pro Landkreis oder kreisfreier Stadt beinur 35,2 Personen pro 10.000 Einwohner.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201231


Im Regierungsbezirk Oberbayern weist der Landkreis Dachau die zweithöchste Dichte anEmpfängerInnen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt auf, unter den 71 Landkreisen und25 kreisfreien Städten in Bayern rangiert der Landkreis Dachau mit 62,0 Empfängern pro10.000 Personen auf dem achten Platz (vgl. Statistik Bayern 2012, S. 60 - S. 65).4.1.2.2. Grundsicherung im Alter und bei ErwerbsminderungIm vierten Kapitel SGB XII ist die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderunggeregelt. Menschen, die aufgrund ihres Alters oder einer vollen Erwerbsminderung nichtselbst für sich sorgen können und nicht über Einkommen oder Vermögen in ausreichenderHöhe verfügen, können beim Landratsamt einen Antrag auf diese Sozialhilfeleistung zurSicherung ihres soziokulturellen Existenzminimums stellen.Abbildung 20: EmpfängerInnen von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung700600500530594400300200351331 297197MännerFrauen1000Empfänger gesamtdavon vollerwerbsgemindertdavon über 65 Jahre(vgl. Statistik Bayern 2013a, S. 92 f.)Im Jahr 2012 empfingen insgesamt 1.176 Personen im Landkreis Dachau Grundsicherung imAlter oder bei Erwerbsminderung. Im Verlauf der letzten Jahre gab es keine großenVeränderungen. Zu Beginn der Datenerhebung im Jahr 2005 bezogen 1.064 PersonenLeistungen nach dem vierten Kapitel SGB XII, die Steigerung bis zum Jahr 2012 betrug damit10,5 Prozent.32Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Es fällt auf, dass von den 494 RentnerInnenn die Leistungen bezogen, etwa 60,1 ProzentFrauen waren. Diese soziodemographische Auffälligkeit lässt sich vor allem daraufzurückführen, dass in der Generation der jetzigen RentnerInnen viele Frauen keine stetigenErwerbsbiographien aufweisen. Dies begründet sich beispielsweise darin, dass durch dieRolle als Hausfrau und Mutter Beschäftigungslücken entstehen und in Verbindung mitTeilzeitbeschäftigungen und Minijobs zu niedrigen Rentenbezügen führen.Von den 1.176 Personen, die die 2012 Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderungempfingen, waren 132 ohne deutschen Pass. Das entspricht einer Quote von 11,2 Prozent,die sich in etwa mit dem durchschnittlichen Ausländeranteil von 12 Prozent im LandkreisDachau deckt.Der Anteil der über 65-jährigen ohne deutschen Pass, die Grundsicherung im Alterempfingen, erscheint im Vergleich deutlich erhöht. Während im Landkreis 6,2 Prozent (vgl.Abbildung 6) der Rentner Ausländer sind, waren 2012 von den über 65-jährigenEmpfängerInnen von Leistungen nach Kapitel 4 SGB XII 70 Personen, also 14,1 Prozentohne deutschen Pass. Die Ursache dafür können, ähnlich wie beim erhöhten Frauenanteilunter den EmpfängerInnen von Grundsicherung im Alter erklärt, unstete Erwerbsbiographiensein. Viele Menschen mit Migrationshintergrund im Landkreis Dachau, die heute imRentenalter sind, haben nicht ihr Leben lang in Deutschland in die Rentenkasse einbezahlt.Wenn Arbeitszeiten aus den Ursprungsländern nicht angerechnet, dort mit einer Renteentlohnt oder über die sogenannte EU-Rente ausgeglichen werden, sind die Einkünfte vonälteren Ausländern oft sehr gering. Auch bei Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft,die sehr lange in Deutschland gearbeitet haben, waren die Einzahlungen in dasRentensystem in einigen Fällen geringer, da sie aufgrund niedrigerer oder nicht anerkannterAbschlüsse oder Ausbildungen im Niedriglohnsektor gearbeitet haben. Wie in Abbildung 6ersichtlich und durch den demographischen Wandel absehbar, ist davon auszugehen, dassder Anteil der Ausländer an den Rentnern im Landkreis Dachau in den nächsten Jahrensteigen wird. Es ist zu erwarten, dass damit immer mehr ältere Menschen ohne deutschenPass ein hohes Armutspotential aufweisen und auf Grundsicherung im Alter angewiesen seinwerden.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201233


4.1.2.3. Leistungen nach den Kapiteln 5-9 des SGB XIIDer Leistungsbezug nach den Kapiteln 5-9 des SGB XII beinhaltet (wie unter 4.1.2 erläutert)Hilfen zur Gesundheit, Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, Hilfe zur Pflege, Hilfe zurÜberwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten und Hilfe in anderen Lebenslagen.Im Jahr 2011 erhielten im Landkreis Dachau insgesamt 1.937 Personen Transferleistungennach den Kapiteln 5-9 des zwölften Sozialgesetzbuches.Abbildung 21: EmpfängerInnen von Leistungen nach den Kapiteln 5-9 des SGB XII1819985 952525389528 495118Männer Frauen Deutsche Ausländer unter 18 18-40 Jahre 40-65 Jahre über 65Jahre(vgl. Statistik Bayern 2013a, S. 128 f.)Wie in Abbildung 21 erkennbar, ist der Anteil von Männern und Frauen unter denHilfeempfängern relativ ausgeglichen. Auffallend hingegen ist, dass kaum Ausländer Hilfennach den Kapiteln 5-9 des SGB XII in Anspruch nehmen. Nur 6,1 Prozent der Hilfeempfängerhaben keinen deutschen Pass, obwohl die Ausländerquote im Landkreis Dachau wiebeschrieben bei zwölf Prozent liegt. Da unwahrscheinlich ist, dass der Anteil derHilfeberechtigten in dieser Bevölkerungsgruppe so gering ist, ist davon auszugehen, dass derAnteil der theoretisch Hilfeberechtigten, die jedoch keinen Antrag stellen, deutlich höher ist.Grund dafür kann sein, dass die Hilfen nach den Kapiteln 5-9 des SGB XII bei denausländischen MitbürgerInnen im Landkreis Dachau wenig bekannt sind. Dies lässt auf einstarkes Defizit bei der Information und Beratung von Menschen ohne deutschen Passschließen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Großfamiliensysteme gerade bei34Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


ausländischen Familien in vielen Fällen Unterstützung leisten können und daher weniger Hilfebenötigt wird.Abbildung 22: EmpfängerInnen von Hilfen nach den Kapiteln 5-9 des SGB XII nach Hilfeart160014001446120010008006004004882000Eingliederungshilfe fürMenschen mitBehinderungHilfe zur Pflege3Andere Hilfen(vgl. Statistik Bayern 2013a, S. 128 f.)Ein Großteil der EmpfängerInnen von Leistungen nach den Kapiteln 5-9 des SGB XII, 1.413Personen, bezieht Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Diese Hilfe wird teilweiseeinkommens- bzw. vermögensneutral gewährt. Dennoch wird die die Eingliederungshilfe fürMenschen mit Behinderung als Armutsbekämpfung gesehen, da Menschen mit Behinderungdiese Eingliederungshilfen in gleichem Umfang in der Regel nicht langfristig aus ihremEinkommen oder Vermögen leisten könnten. Die restlichen HilfeempfängerInnen nach denKapiteln 5-9 des SGB XII erhalten Hilfe zur Pflege.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201235


4.1.3. EmpfängerInnen von WohngeldDas Wohngeldgesetz (WoGG) regelt, dass Wohngeld zur wirtschaftlichen Sicherungangemessenen und familiengerechten Wohnens gewährt werden kann. Wohngeld wird alsZuschuss zur Miete oder zur Belastung für selbst genutzten Wohnraum geleistet (vgl. § 1WoGG). Die Höhe des Wohngeldes richtet sich nach der Anzahl der zur berücksichtigendenHaushaltsmitglieder, der zu berücksichtigenden Miete oder Belastung sowie demGesamteinkommen (vgl. § 4 WoGG). Einen Antrag auf Wohngeld kann jeder stellen, dessenUnterkunftskosten nicht ohnehin schon durch Transferleistungen bezahlt werden (Empfängervon Grundsicherung für Arbeitssuchende, bei Erwerbsminderung oder im Alter).Abbildung 23: EmpfängerInnen von Wohngeld, 2009 - 201230025020015010050Selbstständige und BeamteAngestellteArbeiterArbeitsloseRentnerSonstige (Pensionäre,Studenten,…)0648 586 610 637Jahr 2009 Jahr 2010 Jahr 2011 Jahr 2012(vgl. Statistik Bayern 2005; 2006; 2007; 2008; 2009; 2010; 2011b, 2013a)Im Jahr 2012 bezogen im Landkreis Dachau 637 Haushalte Wohngeld, die Tendenz istdemnach wieder steigend. Eine genaue Aufgliederung der EmpfängerInnen nach Einkommenist noch nicht verfügbar.36Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Abbildung 23 zeigt, dass Menschen, die zur Sicherung des angemessenen undfamiliengerechten Wohnens Wohngeld erhalten, aus verschiedenen Bereichen derBevölkerung stammen.Selbstständige, Beamte, Arbeitslose (ALG II EmpfängerInnen haben keinen Wohngeld-Anspruch) sowie sonstige Gruppen wie StudentInnen sind unter den Beziehern nur wenigvertreten. Am dritthäufigsten beziehen Angestellte Wohngeld, die zweithäufigsteBezieherInnengruppe sind die RentnerInnen. Nach einem deutlichen Anstieg in den letztenbeiden Jahren liegen ArbeiterInnen momentan auf Platz eins der Wohngeldbezieher.Dies spricht dafür, dass viele Menschen, die arbeiten gehen, aufgrund von Niedriglöhnenoder geringen Reallöhnen im Vergleich zu den Wohnkosten im Landkreis Dachau an derArmutsgrenze leben. Deutlich wird aus der Grafik auch, dass RentnerInnen -trotz einesminimalen Abfalls der Bezugszahlen- die Bevölkerungsgruppe sind, die am zweihäufigstenWohngeld bezieht. Viele RentnerInnen sind auf den Bezug von Wohngeld angewiesen.Abbildung 24: Zusammensetzung der Wohngeldempfänger 20124%1%31%22%Selbstständige und BeamteAngestellteArbeiterArbeitsloseRentner3%39%Sonstige (Pensionäre,Studenten, …)(vgl. Statistik Bayern 2005; 2006; 2007; 2008; 2009; 2010; 2011b, 2013a)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201237


4.1.4. EmpfängerInnen von Leistungen nach dem AsylbewerberleistungsgesetzDie Höhe der Geldleistungen für Asylbewerber nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wurdenach langen Diskussionen im Jahr 2012 verfassungsrechtlich geprüft.Das Bundesverfassungsgericht befand die Höhe der Geldleistungen nach § 3 desAsylbewerberleistungsgesetzes am 18.07.2012 für evident unzureichend, da diese seit demJahr 1993 nicht mehr verändert wurde.Diese Entscheidung wurde zudem wie folgt begründet:Unser Grundgesetz „garantiert ein Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigenExistenzminimums (…). [Es] begründet diesen Anspruch als Menschenrecht. Er umfasstsowohl die physische Existenz des Menschen als auch die Sicherung der Möglichkeit zurPflege zwischenmenschlicher Beziehungen und ein Mindestmaß an Teilhabe amgesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben. Das Grundrecht steht deutschen undausländischen Staatsangehörigen, die sich in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten,gleichermaßen zu.Falls der Gesetzgeber bei der Festlegung des menschenwürdigen Existenzminimums dieBesonderheiten bestimmter Personengruppen berücksichtigen will, darf er bei der konkretenAusgestaltung existenzsichernder Leistungen nicht pauschal nach dem Aufenthaltsstatusdifferenzieren. Eine Differenzierung ist nur möglich, sofern deren Bedarf anexistenznotwendigen Leistungen von dem anderer Bedürftiger signifikant abweicht und diesfolgerichtig in einem inhaltlich transparenten Verfahren anhand des tatsächlichen Bedarfsgerade dieser Gruppe belegt werden kann.“ (Bundesverfassungsgericht 2012).Das Existenzminimum eines Asylbewerbers in oben beschriebenem Umfang weicht natürlichnicht von dem jedes anderen Bürgers ab. Aus diesem Grund wurden die Leistungen fürAsylbewerber 2012 durch eine Übergangsregelung des Bundesverfassungsgerichtsentsprechend an die Regelsätze der Sozialhilfe nach dem Sozialgesetzbuch angepasst. Dietatsächliche Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes liegt bisher nur alsGesetzesentwurf vor.38Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


In der Gemeinschaftsunterkunft für AsylbewerberInnen in der Kufsteiner Straße in Dachauwaren im Jahr 2012 durchgehend zwischen 140 und 150 Personen untergebracht. EinigeAsylbewerber haben eine Auszugserlaubnis erteilt bekommen und leben dezentral inMietwohnungen im Landkreis Dachau. Die Asylsuchenden kamen aus 31 verschiedenenLändern, hauptsächlich vertreten waren Flüchtlinge aus dem Irak, Afghanistan, Kosovo,Somalia, Kongo, Syrien, Äthiopien und Mazedonien. (Vgl. Benzait / Huseynov 2013).Abbildung 25: Asylbewerber im Landkreis Dachau20PrivatunterkünfteKufsteinerstraße139(vgl. Landratsamt Dachau 2013)Abbildung 25 zeigt die Wohnsituation der 2012 im Landkreis Dachau untergebrachtenAsylbewerber. Bei vielen der in der Kufsteinerstraße untergebrachten Menschen oderFamilien handelt es sich um sogenannte „Fehlbeleger“, die eigentlich ausziehen müssten.Mehr dazu wird im Handlungsfeld „Wohnen“ erläutert.Abbildung 26: Altersstruktur in der Gemeinschaftsunterkunft, PersonenanzahlPersonen4035302520151050unter 12 Jahre 12-22 Jahre 22-32 Jahre 32-42 Jahre 42-52 Jahre über 52 Jahre(vgl. Landratsamt Dachau 2013)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201239


Grafik 26 zeigt die Altersstruktur der Asylbewerber, die 2012 in der Gemeinschaftsunterkunftin der Kufsteinerstraße in Dachau untergebracht waren. Auffällig ist, dass fast 70 Prozent derPersonen unter 32 Jahre alt sind. Nur 7 Personen sind älter als 52 Jahre. Unter denAsylbewerbern befinden sich demnach fast nur Kinder im schulpflichtigen Alter undErwachsene im erwerbsfähigen Alter.Seit Ende 2012 erfolgten vermehrt Zuweisungen durch die Regierung von Oberbayern. Es istdavon auszugehen, dass bis Ende des Jahres 2013 über 350 Personen in derGemeinschaftsunterkunft und in verschiedenen dezentralen Unterkünften untergebrachtwerden müssen – also mehr als doppelt so viele Menschen wie in den Jahren zuvor. DieseSituation stellt den Landkreis Dachau vor eine große Herausforderung. Neben der Suchenach Unterbringungsmöglichkeiten muss vermehrt Wert auf ein umfassendesBeratungsangebot gelegt werden.40Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


4.2. Ungleichheit / ReichtumDie Bundesregierung nimmt zu dem Problem der ungleichen Verteilung von Einkommen,Reichtum und Entwicklungsmöglichkeiten in allen Lebenslagen in ihrem vierten Armuts- undReichtumsbericht wie folgt Stellung: „Prinzipiell sollten unterschiedlicheEinkommensverhältnisse und Ungleichheiten in den Lebenslagen in einer durch Freiheit undWettbewerb gekennzeichneten Marktwirtschaft Ausdruck unterschiedlicher individuellerLeistungen, Fähigkeiten und Qualifikationen sein. Sie sind dann auch eine wesentlicheTriebfeder wirtschaftlichen Handelns. Ungleichheiten können allerdings zuAkzeptanzproblemen führen, wenn sie ein gesellschaftlich anerkanntes Maß übersteigen.Dies gilt insbesondere dann, wenn Ungleichheiten vorrangig nicht auf persönlichenFähigkeiten und individuellen Leistungen basieren.“Abbildung 27: Einkommensverteilung pro Haushalt im Landkreisdurchschnitt35,0%30,0%25,0%20,0%15,0%10,0%5,0%0,0%(vgl. Gfk Geomarketing 2013)Über die Verteilung von Vermögen im Landkreis Dachau ist leider kein Datenmaterialvorhanden. Grafik 27 lässt allerdings an der Verteilung des Einkommens erkennen, welchgroße Ungleichheit im Landkreis Dachau besteht.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201241


5. HandlungsfelderIn der Armutsberichterstattung der Bundesregierung, des Freistaates Bayern sowie vielerStädte und Landkreise wird neben der Messung von relativer Einkommensarmut undbekämpfter Armut ein immer größerer Fokus auf die anderen Lebenslagen neben derfinanziellen Situation der Menschen gelegt.Grundlage hierfür ist der Lebenslagenansatz, der alle äußeren Bedingungen beschreibt, diedas Leben beeinflussen und gleichzeitig den Rahmen darstellt, innerhalb dessen sich einMensch entwickeln kann. Durch die Abbildung der Situation der Bevölkerung in denimmateriellen Lebenslagen kann die komplexe Realität der Armut in allen Schattierungen undAbstufungen dargestellt werden (vgl. Glatzer/Hübinger 1990, S. 34 f.).Das Nettoäquivalenzeinkommen bleibt trotz der nötigen Mehrdimensionalität ein zentralesMerkmal, da Geld nach wie vor die Befriedigung zahlreicher Bedürfnisse ermöglicht.Um diese Mehrdimensionalität in den unterschiedlichen Lebensbereichen und allenBenachteiligungen und Einschränkungen in der Lebensqualität der Bevölkerung desLandkreises Dachau bestmöglich abbilden zu können, werden im Folgenden mehrereHandlungsfelder vorgestellt.Nach dem ersten Bereich „Arbeit“ werden die Handlungsfelder „Wohnen“ und „Familie, Kinderund Jugendliche“ beschrieben. Danach wird die Situation in den Bereichen „Bildung“,„Migration und Integration“ und „Armut im Alter“ erläutert. Zuletzt werden die Lebensbereiche„Gesundheit“ und „Konsum und Schulden“ der Menschen im Landkreis Dachau vorgestellt.42Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


5.1. Handlungsfeld ArbeitDas statistische Bundesamt gab im Juli 2012 eine Pressemeldung über die Situation auf demArbeitsmarkt heraus, aus der hervorging, dass nur noch 66 Prozent aller Beschäftigten imJahr 2011 einer unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit mit mindestens 21Wochenstunden nachgingen. Vor allem Frauen arbeiteten in Teilzeit, befristet oder alsLeiharbeiterin. Als Trend zeichnet sich ab, dass die Beschäftigten zunehmend schlechterbezahlt werden und stärker von Erwerbslosigkeit bedroht sind. In Deutschland ist inzwischenfast jede zweite Neueinstellung befristet. Mehr als ein Fünftel der Beschäftigten verdientweniger als 10,36 Euro brutto pro Stunde und ist damit dem Niedriglohnbereich zuzuordnen(Statistisches Bundesamt 2012b). Dies macht deutlich, wie sehr sich der Arbeitsmarkt inDeutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat. Es ist davon auszugehen,dass die Arbeitsgesellschaft sich auch künftig weiter verändern wird (vgl. LandeshauptstadtMünchen Sozialreferat 2012, S. 39).Abbildung 28: Beschäftigungsverhältnisse im Landkreis201155410Pendlersaldo201053714SozialversicherungspflichtigBeschäftigte aus dem Landkreis200952644Im LandkreissozialversicherungspflichtigBeschäftige-40000 -20000 0 20000 40000 60000(vgl. Bayrisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2013)Abbildung 28 beschreibt die Beschäftigungsverhältnisse im Landkreis Dachau in den Jahren2009, 2010 und 2011. Zum einen wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigtenaus dem Landkreis Dachau genannt, also derer, die ihren Wohnsitz im Landkreis Dachauhaben.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201243


Hier lässt sich über den genannten Zeitraum eine Steigerung um 2.766 Personen (5 Prozent)erkennen. Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus dem Landkreis Dachau werdennun mit denjenigen verglichen, die im Landkreis Dachau arbeiten. Hierbei ist von einer hohenÜberschneidung auszugehen, allerdings pendeln auch zahlreiche ArbeitnehmerInnen vonaußerhalb in den Landkreis, um dort zu arbeiten. Die Zahl der Menschen, die im LandkreisDachau einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, stieg von 30.195 in 2009 auf32.595 in 2011, eine Steigerung um mehr als 7 Prozent.Die Differenz zwischen den beiden genannten Gruppen wird als „Pendlersaldo“ bezeichnet.Der Pendlersaldo lag im Landkreis 2011 bei -22.815 Personen, das heißt, dass über 22.000Menschen mehr aus dem Landkreis hinaus- als hineingependelt sind.Insgesamt ist die Beschäftigungssituation im Landkreis Dachau sehr gut, wie auch an denstetig steigenden Beschäftigungszahlen zu erkennen ist. Ein weiterer Indikator für eine guteBeschäftigungssituation sind die im Folgenden beschriebenen niedrigen Arbeitslosenquoten.Abbildung 29: Arbeitslosenzahlen im Landkreis Dachau300025002429 231920002052200018541500100050002008 2009 2010 2011 2012(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2013, Tabellenblatt 3.1)In Abbildung 29 wird jeweils der Jahresdurchschnittswert der Arbeitslosenzahlen desLandkreises von 2008 bis 2012 abgebildet. Nach einem Anstieg im Jahr 2009 ist die Zahl derArbeitslosen seit dem Jahr 2010 kontinuierlich gesunken.44Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Der aktuelle Tiefstand von 1854 arbeitsuchenden Personen im Jahresmittel 2012 bedeutet fürden Landkreis Dachau eine aktuelle Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent. Damit liegt derLandkreis Dachau sehr deutlich unter dem Deutschlanddurchschnitt von 6,8 ProzentArbeitslosen im Jahr 2012, im Landkreis herrscht sogenannten „Vollbeschäftigung“.Von der durchschnittlichen Arbeitslosenquote im Landkreis Dachau von 2,3 Prozent weichenvor allem die Einzelquote der unter 20-Jährigen, die bei nur 1,3 Prozent liegt, im positivenSinne sowie die Quote der arbeitslosen Ausländer, die bei 5,6 Prozent liegt, im negativenSinne ab.Wie entstehen die Arbeitslosenzahlen?Welche Zahl von der Bundesagentur für Arbeit für die Berechnung der Arbeitslosenquote für denLandkreis Dachau herangezogen wird, soll im Folgenden beispielhaft am Monat Dezember 2012erläutert werden. Die Berechnungsmethode wird von der jeweiligen Bundesregierung festgelegt.Erfasst werden immer nur die Personen, die sich im ALG I oder II Bezug arbeitssuchendgemeldet haben (ein typisches Beispiel für Nichtgemeldete sind Hausfrauen).Zum Stichtag 31.12.2012 im Landkreis Dachau gemeldet:EmpfängerInnen von Arbeitslosengeld IErwerbsfähige EmpfängerInnen von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“)(Nicht Erwerbsfähige sind natürlich ohnehin nicht „arbeitslos“)Erwerbsfähige im Leistungsbezug von ALG I oder ALG II:1.423 Personen1.724 Personen3.147 PersonenDavon werden alle Personen abgezogen, die zu diesem Zeitpunkt dem Arbeitsmarkt nichttatsächlich zur Verfügung stehen, das sind beispielsweise:- Mehrfachzählungen, also Menschen die ALG I und ALG II empfangen- Aufstocker, die nur ergänzend zu einer Beschäftigung Leistungen bezogen- Menschen, in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen- Menschen, die krank geschrieben sind.. etc. gesamt - 1.343 PersonenVon der Arbeitsagentur in die Arbeitslosenstatistik aufgenommen: 1.804 Personen(davon 1.134 ALG I EmpfängerInnen und 670 ALG II EmpfängerInnen)(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2012c, Tabellenblatt 1.1)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201245


Abbildung 30: Multijobber im Landkreis Dachau70.00060.00050.000+ 16 %2003201240.00030.00020.00010.000+ 16 % + 134 %0Sozialversicherungspflichtige ausschließlich Minijob Minijob als Nebenjob(vgl. Pestel Institut 2013)Abbildung 30 zeigt die Ergebnisse einer Studie des Pestel Instituts aus dem Jahre 2013. Wiebereits zu Anfang des Handlungsfeldes Arbeit beschrieben, ist die Beschäftigungssituation imLandkreis sehr gut, so dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten amWohnort in den erfassten zehn Jahren um insgesamt 16 Prozent von knapp 50.000 auf über57.500 Menschen anstieg.Vergleichbar ist die Zahl derer, die ausschließlich einen Minijob am Wohnort ausüben. Hierwar eine Steigerung von 7.033 auf 8.153 Personen (ebenfalls 16 Prozent) zu verzeichnen.Zuletzt werden die Menschen betrachtet, die neben ihrer sozialversicherungspflichtigenTätigkeit einen oder sogar mehrere Minijobs am Wohnort ausüben. Im Jahr 2003 waren dasnoch 2.872 Personen. Diese Zahl stieg bis zum Jahr 2012 drastisch an. Momentan sind 6.709Personen, also 134 Prozent mehr als vor zehn Jahren, zusätzlich zu ihrer „normalen“ Arbeit ineinem oder mehrere Minijobs tätig. Diese Entwicklung ist im ganzen Ballungsraum umMünchen zu beobachten. Sie lässt den Schluss zu, dass offensichtlich immer mehrMenschen die Lebenshaltungskosten für sich oder ihre Familie nicht mehr durch einen Jobbestreiten können und deshalb mehrere Arbeitsstellen gleichzeitig haben. Dazu kommt dieProblematik, dass Menschen, die über längere Zeit nur einem Minijob nachgehen ohne durchfreiwilliges Aufstocken Pflichtbeitragszeiten bei der Rentenversicherung zu erwerben ihrenVersicherungsschutz für teilweise oder volle Erwerbsminderungsrente nicht aufrecht erhaltenkönnen.46Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Von den 1.804 Ende 2012 in der Arbeitslosenstatistik erfassten Personen waren 212, also11,8 Prozent zwischen 15 und 25 Jahren alt. Essenziell wichtig für die Erwerbssituationdieser und aller anderer jungen Menschen im Landkreis Dachau ist ein Angebot an Projektenspeziell zur Förderung dieser Personengruppe. Verschiedene bereits existierende Projektekönnen noch weiter ausgebaut werden, um sicherzustellen, dass der Übergang von Schuleins Arbeitsleben für alle jungen Menschen gelingt. Eine gelungene Eingliederung in denersten Arbeitsmarkt legt oft den Grundstein für das gesamte spätere Erwerbsleben. Denkbarwären zusätzliche Projekte am Beispiel anderer Städte, wie z.B. Patenschaften für jungeMenschen, bei denen sie beispielsweise durch einen Studenten oder einen Rentner gezieltund individuell bei ihrem Berufseinstieg unterstützt werden.Eine weitere Bevölkerungsgruppe, bei der die Arbeitslosenzahl 2012 überdurchschnittlichhoch war, sind Ausländer - deren Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 28 Prozent. Auch hier istes anzudenken ergänzend zu den bereits bestehenden Programmen von Arbeitsagentur undJobcenter, zusätzliche Angebote zu entwickeln, um eine Eingliederung in den erstenArbeitsmarkt zu unterstützen. Im Vordergrund könnten hier vor allem Bildungsangebotestehen.Zur Arbeitsmarktsituation im Landkreis Dachau lassen sich außerdem einige Parallelen ausden Aussagen des Münchner Armutsberichts ziehen. Das Sozialreferat beschreibt, dass ein„teilweise heute schon spürbarer Fachkräftemangel für die Bereiche Bildung, Erziehung,Gesundheit und Soziales mit für München weitreichenden negativen Folgen prognostiziert“wird. Diese Prognose trifft vermutlich in ähnlicher Form für den Landkreis Dachau und fürandere Berufssparten, in denen Fachkräfte benötigt werden, zu (vgl. LandeshauptstadtMünchen Sozialreferat 2012, S.41). Um Fachkräfte aller Berufssparten zu gewinnen unddiesen die Möglichkeit einer Berufstätigkeit zu bieten, wäre ein Ausbau und Kindertages- undGanztagesbetreuung an Schulen sowie eine umfangreiche Versorgung von Kranken undPflegebedürftigen nötig. Gerade hierfür fehlen wiederrum Fachkräfte.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201247


5.2. Handlungsfeld Wohnen„Wohnen“ ist eines der existenziellen Grundbedürfnisse jedes Menschen und bietet Raum zurpersönlichen Entfaltung. Der Dachauer Wohnungsmarkt ist jedoch seit Jahren äußerstangespannt und schränkt viele Menschen in ihrer freien Wahl ein.Das Pestel Institut in Hannover veröffentlichte im Jahr 2012 eine Hochrechnung, die sich aufden Wohnungsbestand im Landkreis Dachau im Jahr 2010 bezieht und über Quoten denBedarf an Eigentums- oder Mietwohnungen im Landkreis Dachau bis zum Jahr 2017 ermittelt.Abbildung 31: Wohnungsbestand 2010 und -bedarf bis 2017 im Landkreis Dachau45.00040.00035.00030.00025.00020.00015.000zusätzlicher Bedarf bis2017Bestand 201010.0005.0000EigentumswohnungenMietwohnungen(vgl. Pestel Institut 2012b)Von den insgesamt 59.539 in 2010 vorhandenen Wohnungen im Landkreis Dachau waren26.100 Wohnungen Mietwohnungen, die Mieterquote lag also bei 43,8 Prozent. Dies ist imDeutschlanddurchschnitt ein eher niedriger Wert, im Landkreis leben überdurchschnittlichviele Menschen in Eigentumswohnungen. Schon im Jahr 2010 fehlten laut der vorliegendenStudie insgesamt 1.527 Miet- oder Eigentumswohnungen für Einzelpersonen und Familien.Dies führt zu einer prekären Situation auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis. Die steigendeNachfrage, die durch die hohe Attraktivität des Wirtschaftsraumes Dachau sowie die Nähezum Großraum München bedingt ist, ließ die Mietpreise schon in der Vergangenheit starkansteigen, sodass beispielsweise die Stadt Dachau im Jahr 2012 den fünfthöchsten Mietpreisin ganz Deutschland aufwies (Focus Online 2012).48Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Die Studie nennt als Nächstes den zu erwartenden Wohnungsbedarf bis zum Jahr 2017. Fürden Landkreis Dachau wurde ein Gesamtbedarf von 8.848 Wohnungen ermittelt, davonsollten 3.903 Mietwohnungen sein.Abbildung 32: Deckung des Bedarfes an Miet- und Eigentumswohnungen bis 20176.0005.0004.0003.0002.0001.000Bedarf, der nicht gedecktwerden wirdBedarf, der bei weiterhindurchschnittlichemWohnungsbau gedecktwerden kann0EigentumswohnungenMietwohnungen(vgl. Pestel Institut 2012b)Für die Bevölkerungsgruppe der von Armut bedrohten oder betroffenen Menschen ist in derRegel davon auszugehen, dass diese in Mietwohnungen leben. Wenn man von demdurchschnittlichen Mietwohnungsbau von 232 Mietwohnungen pro Jahr (gemessen amDurchschnitt der Jahre 2001-2010) ausgeht, werden im Jahr 2017 von den bis dahinbenötigten 3.903 Mietwohnungen noch 2.511 Wohnungen (über 60 Prozent des Bedarfes)fehlen. Da die Mietpreise, wie beschrieben, bereits jetzt auf einem der höchsten Niveaus inganz Deutschland liegen, wird sich durch den verstärkten Mietwohnungsmangel die Lage aufdem Wohnungsmarkt in der Stadt und dem Landkreis Dachau in den kommenden Jahrennoch um ein Vielfaches verschärfen.Viele Einzelpersonen und Familien im Landkreis Dachau, die aufgrund ihres geringenEinkommens keine Chance sehen, auf dem freien Markt eine Wohnung zu finden, lassen sicheinen Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung ausstellen. DasWohnraumförderungsgesetz legt fest, dass die „Zielgruppe der sozialen Wohnraumförderung(…) Haushalte [sind], die sich am Markt nicht angemessen mit Wohnraum versorgen könnenund auf Unterstützung angewiesen sind.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201249


Unter diesen Voraussetzungen unterstützt die Förderung von Mietwohnraum insbesondereHaushalte mit geringem Einkommen sowie Familien und andere Haushalte mit Kindern,Alleinerziehende, Schwangere, ältere Menschen, behinderte Menschen, Wohnungslose undsonstige hilfebedürftige Personen.“ (§1 Abs. 2 WoFG).Das Pestel Institut veröffentlichte im Jahr 2012 eine Studie zum Bedarf an Sozialwohnungenin Deutschland, der auch eine entsprechende Berechnung für die Landkreise in Bayernbeilag. Das Institut geht davon aus, dass alle Haushalte, die ALG II oderGrundsicherungsleistungen beziehen, einen Bedarf an einer Sozialwohnung haben. Zudemerrechnete das Institut den Bedarf sonstiger Haushalte mit niedrigem Einkommen, die zwarkeine Sozialleistungen erhalten, aber dennoch berechtigt sind. Das Pestel Institut ermittelteanhand der beschrieben Zahlen für den Landkreis Dachau für das Jahr 2010 einen Bedarf anSozialwohnungen von 3.541 Wohnungen. Über die Größe der Wohnungen wird keineAuskunft gegeben. Der wirksame Bedarf pro 1.000 Einwohner beträgt 26 Sozialwohnungen.(Vgl. Pestel Institut 2012a).Wie erfolgt das Vergabeverfahren von Sozialwohnungen?Das Vergabeverfahren von Sozialwohnungen an Personen oder Familien, dieWohnberechtigungsscheine besitzen, erfolgt nach einem Stufenverfahren. Die Vergabe einesWohnberechtigungsscheines gilt für den ganzen Freistaat, die Bearbeitungsgebühr beträgt 12 –15€. Die Gültigkeit eines Berechtigungsscheines ist jeweils ein Jahr. Voraussetzung für dieAusstellung eines Wohnberechtigungsscheins ist dabei immer ein niedriges Einkommen.Dringlichkeitsstufe I beispielsweise beiStufenvergabe nach sozialer Dringlichkeit:- Bestehender Obdachlosigkeit- Räumungsklage, drohender Obdachlosigkeit- Nutzungsverbote oder Unbewohnbarkeitserklärung der aktuellen Wohnung- Sozialer Notlage (Entlassung aus Therapie- oder Strafanstalten, Schwangerschaft)- Ehepaaren / Lebensgemeinschaften mit Kind ohne Kinderzimmer- Umzug zur Pflege einer älteren Person oder zur Kinderbetreuung- Schriftliche Aufforderung des Jobcenters, da die aktuelle Wohnung zu teuer istDringlichkeitsstufe II beispielsweise bei- Wohnungsnotstände (ein Raum weniger als der Familiengröße angemessen)- Familienzuwachs ohne angemessene Wohnung- Notwendigkeit eines Umzuges aus gesundheitlichen oder anderen Gründen- Verlassen des Elternhauses, wenn ein Verbleib nicht zumutbar istDringlichkeitsstufe III beispielsweise bei- Umzugswunsch ohne Dringlichkeitsgründe- Unbegründete Ablehnung mehrerer Wohnungen- Alleinstehenden Jugendliche, die sich vom Elternhaus selbstständig machen wollen50Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


In der Stadt und dem Landkreis Dachau herrscht ein Mangel an Sozialwohnungen.Der Jahresbericht des Ordnungsamtes der Stadt Dachau 2011 beschreibt die zumJahreswechsel 2011/12 in der Wohnungssuchendenliste der Stadt Dachau vorgemerktenPersonen: Insgesamt warteten zu diesem Zeitpunkt 239 Personen auf eine Sozialwohnung,165 von ihnen in Dringlichkeitsstufe I. Im Verlauf des Jahres 2012 wurden in der Stadt 339Wohnberechtigungsscheine ausgestellt. Nur 120 Sozialwohnungen wurden während desJahres freigemeldet. Das Ordnungsamt ergänzt an dieser Stelle, dass dies bereits einedeutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2010 darstellte. (Vgl. Stadt Dachau 2012).Im übrigen Landkreis Dachau warteten im Oktober 2012 196 Personen (90 Familien) inverschiedenen Kommunen auf eine Sozialwohnung, davon 133 Personen (58 Familien) inDringlichkeitsstufe I. Von Januar bis Oktober 2012 wurden vom Landratsamt bereitsWohnberechtigungsscheine für 93 Einzelpersonen oder Familien ausgestellt. (Vgl.Landratsamt Dachau 2012b).Zusammengefasst warteten zum Jahreswechsel 2012/13 beziehungsweise im Laufe desJahres 2012 im ganzen Landkreis 435 Personen auf eine Sozialwohnung. 298 Personenbenötigten mit hoher Dringlichkeit eine Wohnung.Abbildung 33: Nachfrage nach Sozialwohnungen im LandkreisAltomünsterBergkirchenStadt DachauErdwegHaimhausenHebertshausenHilgertshausen-TandernKarlsfeldMarkt IndersdorfOdelzhausenRöhrmoosSchwabhausenVierkirchen787124113131591162390 50 100 150 200 250 300(Stadt Dachau: Stand 12/2011; restliche Kommunen: Stand 10/2012;vgl. Stadt Dachau 2011, Landratsamt Dachau 2012b)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201251


Abbildung 34: Anzahl der Sozialwohnungen im Landkreis, nach Kommunen61285524381Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes88108137Zuständigkeitsbereich der Stadt/KommuneZusätzlich von der Stadtbau freigegeben15(vgl. Landratsamt Dachau 2012b, Stadt Dachau 2011)Zusätzlich besitzen viele der Kommunen eine Gemeindewohnung, die in Bedarfsfällen nachErmessen der Gemeinde bei drohender Obdachlosigkeit auch als Sozialwohnung vergebenwird. Diese Wohnungen stehen oft nicht dauerhaft zur Verfügung und werden daher vomLandratsamt nicht erfasst.Verglichen mit dem vom Pestel Institut ermittelten Bedarf von 3.541 (Stand 2010)Sozialwohnungen zeigt Abbildung 34, dass im Landkreis Dachau aktuell nur 1.419Sozialwohnungen vorhanden sind. Es fehlen also über 2.100 Sozialwohnungen im Landkreis.Die langen Wartelisten der Stadt und des Landkreises bestätigen dies.52Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Zudem ist davon auszugehen, dass viele Einzelpersonen oder Familien, die berechtigt wären,entweder nicht ausreichend über das Erlangen eines Wohnberechtigungsscheines informiertsind, keine Verbesserung durch diesen sehen oder sich nach einer vergeblichen Wartezeitnicht jedes Jahr wieder einen kostenpflichtigen Wohnberechtigungsschein ausstellen lassenwollen. Der Bedarf dürfte demnach tatsächlich weitaus höher sein, als der Stand derWarteliste.Das Handlungsfeld Wohnen schließt auch die Obdachlosen des Landkreises Dachau mit ein.Im Jahr 2011 wurden in der Obdachlosenunterbringung der Stadt Dachau circa 1.700Telefonberatungen und mehr als 900 persönliche Beratungsgespräche durchgeführt. Durchdie Zusammenarbeit mit Gerichtsvollziehern, Sozialhilfebehörden und Leistungsträgern,durch die Schlichtung mit Wohnungseigentümern und eine Weiterleitung an Stellen wieFrauenhäuser konnte im Jahr 2011 in 75 Fällen Obdachlosigkeit vermieden werden. Diesbetraf 103 Personen. Bei 20 Fällen konnte keine Vermittlung mehr erfolgen, sodass die 42betroffenen Personen in eine Unterkunft gingen. Zum Stichtag 31.12.2011 waren insgesamt24 Familien oder Einzelfälle, insgesamt 47 Personen in Unterkünften untergebracht. (Vgl.Stadt Dachau 2012).Im Landkreis Dachau fällt die Erfassung, Vermittlung oder Unterbringung vonObdachlosenfällen direkt in den Aufgabenbereich der Kommunen. Die entsprechenden Datenkönnen nur persönlich bei den AnsprechpartnerInnen der Gemeinden abgefragt werden.Diese Nachfrage ergab, dass in allen Kommunen im Jahr 2012 mindestens 30 Personen inObdachlosenunterkünften in Form von Gemeindewohnungen oder Containern untergebrachtwurden. Einige dieser Personen sind schon über mehrere Jahre untergebracht. Die Zahl derFälle, in denen durch eine Wiedereinweisung in die gekündigte Wohnung oder anderweitigeVermittlung eine Obdachlosigkeiten vermieden werden konnte, wurde in den Kommunennicht genau erfasst, liegt jedoch deutlich höher als die Zahl der untergebrachten Personen.Auch die Situation vieler Asylbewerber darf im Handlungsfeld Wohnen nicht unerwähntbleiben. Momentan leben in der Gemeinschaftsunterkunft 15 Einzelpersonen und achtFamilien, die ausziehen dürfen. Viele von ihnen sind schon seit Jahren erfolglos auf derSuche, oft scheitern sie an den Vorurteilen von Vermietern oder der Bezahlbarkeit derWohnungen. Von der Regierung werden zunehmend mehr Auszugsaufforderungenausgesprochen, wodurch sich die Situation der Betroffenen weiter verschärft (vgl. Benzait /Huseynov 2013).Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201253


Eine weitere Bevölkerungsgruppe, die besondere Bedürfnisse im Bereich Wohnen hat, sinddie Senioren im Landkreis Dachau.Wenn die Kinder die Miet- oder Eigentumswohnung verlassen haben und der Partnermöglicherweise verstirbt, ist der Wohnraum für die verbleibenden älteren Menschen oft zugroß. Der altersgerechte Umbau eines Hauses ist in vielen Fällen eine große finanzielleBelastung.Wer zur Miete wohnt, hat in der Regel damit zu kämpfen, dass Miete und weitereLebenshaltungskosten nach dem Übergang in die Rente einen größeren Teil desEinkommens ausmachen. Durch die ohnehin schon teuren Quadratmeterpreise im LandkreisDachau können Mieterhöhungen, beispielsweise aufgrund von Sanierungen, denHaushaltsplan dann schnell sprengen.Eine Möglichkeit, gut versorgt in den eigenen vier Wänden zu verbleiben, bieten im LandkreisDachau verschiedene ambulante Angebote der Wohlfahrtsverbände oder von Trägernanderer Pflegeeinrichtungen oder -dienste.Eine weitere Möglichkeit zum Wohnen im Alter sind alternative Wohnformen wie BetreutesWohnen oder Senioren-Wohngemeinschaften. Im Landkreis Dachau gibt es zweiEinrichtungen des Betreuten Wohnens. Vorteile hierbei sind, dass eine Grundabsicherungdurch einen Hausnotruf besteht, im Falle der Pflegebedürftigkeit oft schon gute Ressourcenim Haus vorhanden sind und im Betreuten Wohnen Beratung, Gemeinschaftsräume und einAktivitätenprogramm vor Ort zugänglich sind. Alternative Wohnformen wie Demenz-WGsoder ähnliches sind im Landkreis Dachau bisher leider nicht vorhanden. Beratung zu einemoptimalen Verbleib unter guter Versorgung in der eigenen Wohnung oder zu einem Umzug ineine andere Wohnform bieten Träger von Pflegeheimen, die ambulanten Pflegedienste sowiedie Wohlfahrtsverbände an.54Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


5.3. Handlungsfeld Familie, Kinder und JugendlicheFamilien, Kinder und Jugendliche sind ein fundamental wichtiger Bestandteil unsererGesellschaft. Die Demographie im Landkreis Dachau weicht vom Deutschlanddurchschnittab, hier leben überproportional viele junge Menschen.„Familie ist der natürliche und erste Bildungsort, den ein Kind erlebt. Die Familie ist als ersteverantwortlich für einen guten Start ins Leben, für die gelingenden Übergänge in dieverschiedenen Bildungs-Lebensabschnitte und für eine gute Begleitung auf dem Weg insErwachsenenleben“ (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2013, S. XIII). Ausdiesem Grund muss auf die Situation von Familien ein besonderes Augenmerk gelegtwerden. Leider ist es schwierig, die Lebenslagen von Familien und Kindern im LandkreisDachau mit Zahlen zu belegen. Auch die Stadt München musste in diesem Bereich bei ihrerArmutsberichterstattung feststellen, dass „die ganzheitliche, subjektorientierte Betrachtungder Problemlagen häufig nur eingeschränkt möglich ist“ (vgl. Landeshauptstadt MünchenSozialreferat 2012, S.64).Eine Möglichkeit, die Lage von Kindern und Jugendlichen im Landkreis Dachaueinzuschätzen, ist die Bewertung der Zahlen derer, die Leistungen nach dem Bildungs- undTeilhabepaket in Anspruch nehmen.„Bedürftige Kinder und Jugendliche haben einen Rechtsanspruch aufs Mitmachen - beiTagesausflügen und dem Mittagessen in Kita, Hort und Schule, bei Musik, Sport und Spiel inVereinen und Gruppen. Das neue Bildungspaket der Bundesregierung unterstützt gezielt 2,5Millionen Kinder und Jugendliche, deren Eltern leistungsberechtigt nach dem SGB II sind(insbesondere Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld), Leistungen nach § 2 AsylbLG, Sozialhilfe,den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, und eröffnet ihnen so bessere Lebens- undEntwicklungschancen. Auch wer Leistungen nach § 3 AsylbLG bekommt, kann einenAnspruch auf das Bildungspaket haben. Mit dem Bildungspaket können Lernmaterialien undBeförderungskosten bei Besuch einer weiterführenden Schule bezuschusst werden. Einequalifizierte Lernförderung wird ermöglicht, wenn Kinder und Jugendliche in der Schule nichtmehr mitkommen. Das ist ein großer Schritt zu mehr Motivation, mehr Bildung und mehrChancen für ihre Zukunft.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2012).Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201255


Abbildung 35: Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket1200100010418006006536914002000Gebühren für Krippe,Kindergarten, HortMittagessen in EinrichtungenKlassenfahrten, Nachhilfe, etc.Abbildung 35 zeigt, dass im Jahr 2012 im Landkreis Dachau insgesamt 1.041 Kinder eineGebührenübernahme für Krippe, Kindergarten oder Hort bezogen haben. In der Regel kannman davon ausgehen, dass es hier große Überschneidungen zu den Kindern gibt, derenMittagessen in Einrichtungen bezuschusst wurden oder die bei den Kosten für Nachhilfe,Klassenfahrten oder anderen der oben beschriebenen Leistungen unterstützt wurden.Deutschlandweit ist die „Aufklärungsquote“ über die Leistungen des Bildungs- undTeilhabepakets recht hoch. Von den ALG II EmpfängerInnen sind 72 Prozent informiert, vonden BezieherInnen von Kinderzuschlag oder Wohngeld sogar 86 Prozent. Bei Personen mitMigrationshintergrund haben allerdings erst 60 Prozent vom Bildungs- und Teilhabepaketgehört. (Vgl. Dr. Apel / Dr. Engels 2013, S. 4). Zahlen für den Landkreis Dachau liegen leidernicht vor. Sollte Dachau im Deutschlanddurchschnitt liegen, blieben immer noch 20 bis 30Prozent der Berechtigten, die noch nie etwas vom Bildungs- und Teilhabepaket gehört haben.Neben diesen Daten und den in Kapitel 4.1.1 aufgelisteten Zahlen des Jobcenters Dachausind im Landkreis Dachau wie beschrieben kaum Zahlen über die Lebenslagen von Kindern,Jugendlichen und Familien verfügbar.56Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Wichtige Themen, die näher zu beleuchten wären, sind beispielsweise die Integration vonKindern mit Migrationshintergrund, Programme zum familienfreundlichen Landkreis,verbesserte Unterstützungsmöglichkeiten für Alleinerziehende und die Förderung von Kindernund Jugendlichen aus der Asylbewerberunterkunft. Auch die Einführung einer Sozialcard,also der Möglichkeit von Vergünstigungen für weniger wohlhabende Menschen für denganzen Landkreis muss vorangetrieben werben, um Teilhabemöglichkeiten zu verbessern.Erwiesenermaßen bedeutet jedes weitere Kind für eine Familie ein erhöhtes Armutsrisiko. Umdies zu vermeiden, muss die Situation von Familien, Kindern und Jugendlichen im LandkreisDachau unter der Erhebung von mehr Daten genau untersucht werden.Vor allem im Bereich der Aufklärung und Prävention, nicht nur über das Bildungs- undTeilhabepaket, sondern über alle Möglichkeiten, die einer Familie mit Kindern zustehen, sollteder aktuelle Wissensstand abgefragt und dann ein gezieltes Programm zur besserenInformation erarbeitet werden.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201257


5.4. Handlungsfeld BildungFrühkindliche Betreuungs- und Bildungserfahrungen haben Einfluss auf einen gelingendenSchulstart. Der später erreichte Schulabschluss prägt die Übergangschancen in dieBerufsausbildung, die Position am Arbeitsmarkt, die Weiterbildungsbeteiligung und damit dieHäufigkeit und Dauer von Phasen der Arbeitslosigkeit und relativ geringem Einkommen sowiedas Einkommen im Alter. Darüber hinaus beeinflusst der Bildungsstand eines Menschenseine Reaktionsmöglichkeiten in schwierigen Lebensabschnitten (vgl. Bundesministerium fürArbeit und Soziales 2013).Oft steht die soziale Herkunft in direktem Zusammenhang zum eigenen Bildungserfolg. DerZusammenhang zwischen der sozialen Herkunft oder der Bildung der Eltern und demBildungsabschluss eines jungen Menschen wurde für den Landkreis Dachau bisher nichterhoben. Bildung ist jedoch die Voraussetzung für den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt undmangelnde Bildung damit ein Hauptfaktor für Armut.Zur schulischen Bildung im Landkreis existiert umfassendes statistisches Material zu denSchülerzahlen in den Grund-, Mittel- und Realschulen sowie den Gymnasien oder derBerufsschule. Die genauen Zahlen je Schule werden hier aus Gründen der Vereinfachungnicht aufgeführt.Im Landkreis Dachau ist das Angebot zur frühkindlichen Bildung gut ausgebaut. Inzahlreichen Kindertagesstätten werden Kinder im Alter von sechs Monaten bis zum Alter vonsechs Jahren betreut. Hier findet, angelehnt an den Bayerischen Bildungs- undErziehungsplan, bereits im frühen Alter ein qualifiziertes Bildungsangebot statt.Wie oben beschrieben, ist Bildung im schulpflichtigen Alter die Grundlage für den späterenWerdegang. Deshalb ist es wichtig, allen Kindern und Jugendlichen gleiche Bildungschancenzu bieten. Im Landkreis Dachau gibt es zu diesem Zweck beispielsweise schonIntegrationsklassen für Kinder ohne Sprachkenntnisse oder Hausaufgabenbetreuung fürFlüchtlingskinder. Das Angebot an Unterstützung wie z.B. Hausaufgabenbetreuung undNachhilfe, muss jedoch weiter ausgebaut werden und kostenfrei oder kostengünstig für allezugänglich sein. Zu bedenken ist hier, dass SchülerInnen aus allen Kommunen Zugang zuBildungsangeboten benötigen.58Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Bei den Erwachsenen im Landkreis ist ein Indikator für Bildung das Ranking der INSM(Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) für den Bereich der Hochqualifizierten. Es beschreibtden prozentualen Anteil der Beschäftigten mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss.Hier lag der Landkreis Dachau im Jahr 2008 im Bayernranking auf Platz 25 von 96, schnittalso recht gut ab. Auch Erwachsenenbildung, Weiterbildung und Qualifikation vonErwerbstätigen sind aufgrund der immer flexibler werdenden Erwerbsbiographien einwichtiges Thema.Bildung im Alter führt zu Teilhabe am sozialen, kulturellen und politischen Leben, zurEntwicklung oder Förderung von Kompetenzen und zur weiteren Entfaltung derPersönlichkeit. Gerade bei Senioren besteht ein erhöhter Bildungsbedarf. Immer neuetypische Entwicklungsaufgaben sowie auftretende Alltagsprobleme müssen bewältigt werden(vgl. Friebe 2009, S.2).Im Landkreis Dachau sind die Träger von Bildungsangeboten für Senioren hauptsächlich dieVolkshochschulen, das Dachauer Forum sowie der Treffpunkt 50-plus des Caritas-Zentrums.Vor allem das vielfältige Angebot der Volkshochschulen ist in der Regel leicht zugänglich, daes in den einzelnen Kommunen verortet ist. Das qualitativ hochwertige Seniorenstudium, dasder katholische Bildungsträger Dachauer Forum anbietet, beschränkt sich auf Termine in derGroßen Kreisstadt Dachau. Gleiches gilt für das umfassende Programm des Treffpunkts fürMenschen ab der Lebensmitte der Caritas in Dachau. Im dortigen Zentrum finden zahlreicheVeranstaltungen unter der Leitung Ehrenamtlicher statt.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201259


5.5. Handlungsfeld Migration/IntegrationWie im Kapitel „Der Landkreis Dachau“ beschrieben, liegt die Ausländerquote im Landkreisbei zwölf Prozent, in bestimmten Altersgruppen bei bis zu 20 Prozent der Bevölkerung. Dazukommen zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund, die einen deutschen Pass besitzen.Der Ausländeranteil in Karlsfeld liegt beispielsweise bei 22 Prozent, während in vielenKommunen nur zwei bis fünf Prozent Ausländer leben – bei Deutschen mitMigrationshintergrund ist von einer ähnlichen räumlichen Verteilung auszugehen.Dies stellt eine große Herausforderung für die Integrationspolitik dar, da differenzierte Modellezur gesellschaftlichen Inklusion für die verschiedenen Situationen nötig sind.„Um die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund zu stärken,konzentriert sich das bundesweite Integrationsprogramm insbesondere aufMigrantenorganisationen und Jugendliche“ (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2011a).Die Bündelung von Engagement, Erfahrung und Kompetenzen vor Ort machtMigrantenorganisationen zu wichtigen Akteuren der Integrationsförderung, da sie Menschenmit Migrationshintergrund meist am besten erreichen können. Die Förderung vonbestehenden Organisationen und die Unterstützung bei Neugründungen ist im LandkreisDachau eine wichtige Aufgabe. Migrantenorganisationen müssen sich in dieIntegrationsförderung einbringen können. Dazu bedarf es des Ausbaus von leistungsfähigenStrukturen, beispielsweise durch die Einstellung von Hauptamtlichen in den Organisationen.So kann sich die Vereinsarbeit professionalisieren und bürgerschaftliches Engagementgefördert werden. Durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit kann im Landkreis Dachau eineimmer weitere interkulturelle Öffnung der Gesellschaft erfolgen.Ein weiteres wichtiges Thema ist die Stärkung der Teilhabe von Jugendlichen mitMigrationshintergrund durch die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit. Kinder undJugendverbände sind ein Ort des gemeinsamen Lebens und Lernens und daher ein wichtigesSozialisationsfeld für alle Kinder und Jugendlichen. Zugangsbarrieren für Kinder undJugendliche mit Migrationshintergrund, die hier in der Praxis bestehen, müssen durch gezielteFörderung der Partizipation dieser Gruppe in den Jugendverbänden beseitigt werden. (Vgl.Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2011a).In der Stadt Dachau ist 2009 beispielsweise das Projekt „Jugend und Integration“ ins Lebengerufen worden. Partner sind hier auch Migrantenorganisationen, wie die GriechischeGemeinde oder der Türkisch-Islamische-Verein (vgl. Jugend und Integration in der StadtDachau 2013).60Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


„Im Feld der beruflichen Integration beschäftigt sich das Bundesamt für Migration undFlüchtlinge insbesondere mit der Erschließung ausländischer Qualifikationen, vor allem derRessourcen von Migranten. Zentrale Themen des Handlungsfeldes berufliche Integration sinddie Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Verfahren der Kompetenzfeststellung“(Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2011b).Während Entscheidungen über die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und dasRecht auf Prüfung von anderen Zuständigkeiten abhängen, können Angebote im Bereich derberuflichen Weiterbildung und Integration auch auf Landkreisebene ausgebaut werden.Um alle BürgerInnen mit Migrationshintergrund im Landkreis Dachau bestmöglich zuinkludieren, sind vermehrte Beratungskapazitäten für Asylbewerber und Menschen ohnedeutschen Pass, aber auch für schon lange in Deutschland lebende Menschen mitMigrationshintergrund, nötig. Die Migrationsberatungsstelle in Dachau ist momentan vollausgelastet.Langfristig bedarf es im Landkreis auch eines Konzeptes zur Inklusion von SeniorInnen mitMigrationshintergrund. „Senioren mit Migrationsgeschichte werden immer mehr zu einemfesten Bestandteil unserer Bevölkerung. Die Annahme, dass sie nach dem Erwerbsleben inihre Herkunftsländer zurückkehren, hat sich als falsch erwiesen. Entsprechend groß ist dieVersorgungslücke“ (Gasser 2013).Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201261


5.6. Handlungsfeld Armut im AlterIm Landkreis Dachau leben 24.712 Menschen über 65 Jahren.Für ältere Menschen besteht ihr Einkommen in der Regel aus gesetzlicher Rente, privatenoder betrieblichen Zusatzvorsorgen oder Einkommen aus Vermögen. Die Möglichkeit, nachEintritt in das Rentenalter noch Veränderungen an der Einkommenshöhe vorzunehmen,beschränkt sich auf die zusätzliche Erwerbstätigkeit beispielsweise in Form von Minijobs. Werim hohen Alter keinen Job mehr findet oder nicht mehr arbeiten kann, der ist mit einemunveränderbaren monatlichen Einkommen konfrontiert. Sind diese Einkünfte für denLebensunterhalt nicht ausreichend und ist aus dem familiären Umfeld keine finanzielleUnterstützung möglich, bleibt nur der Antrag auf Grundsicherung im Alter.Glaubt man der Aussage des DGB Bayern in der Süddeutschen Zeitung vom 14. September2012, dass „die Durchschnittsrente in Bayern bis 2030 um 14 Prozent auf nur noch 603,98Euro sinke“ (Mittler 2012) und vergleicht diese Zahl mit der Armutsgefährdungsgrenze von940 Euro, die für den Landkreis Dachau aufgrund der hohen Mieten ohnehin zu niedriggegriffen sein dürfte, so kann man davon ausgehen, dass Altersarmut in den nächstenJahrzehnten ein großes Problem darstellen wird – vor allem auch in den reichen Landkreisen.Momentan beziehen im Landkreis Dachau 29.300 Personen eine gesetzliche Rente.95 Rentner haben momentan Bezugsscheine für die Tafel des Bayrischen Roten Kreuzes inDachau und erhalten dort wöchentlich eine Lebensmittelspende, um ihre Existenz zu sichern.Knapp über 1,6 Prozent der Rentenbezieher erhalten ergänzende Leistungen zurGrundsicherung im Alter, das sind 494 Personen. (Statistik Bayern 2013a, S.92 f.). Da mitzunehmendem Alter die Chancen, Sozialhilfebedürftigkeit zu überwinden, deutlich abnehmen(vgl. Voges u.a. 2003, S. 143), ist davon auszugehen, dass diese 494 Menschen auchweiterhin auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Obwohl durch die Einführung vonGrundsicherung im Alter ein großer Teil der verschämten Altersarmut bekämpft werdenkonnte, scheuen sich nach wie vor „viele alte Menschen zum Sozialamt zu gehen, weil siesich schämen oder glauben, dass ihre Kinder dann finanziell herangezogen werden“ (UlrikeMascher, Vorsitzende des VdK Deutschland in Kanamüller 2012). Die Dunkelziffer der inArmut lebenden älteren Menschen ist vermutlich weitaus höher, als die Anzahl derer, dieSozialleistungen empfangen.62Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Über das Vermögen von älteren Menschen im Landkreis Dachau sind keine statistischenDatensätze vorhanden, grundsätzlich ist bekannt, dass das Vermögen von Senioren inDeutschland, vor allem aber in Bayern, als hoch einzuschätzen ist. Auch im LandkreisDachau ist davon auszugehen, dass ein Großteil der älteren Menschen vermögend ist.Ob dieses Vermögen die Lebensqualität in der Form steigern kann, dass derHandlungsspielraum durch monatliches Einkommen erhöht wird, ist unbekannt. In vielenFällen sind Senioren Eigentümer von Immobilien, die sie selbst bewohnen. Wo eineVeräußerung nicht in Betracht kommt, kann trotz des Vermögens Einkommensarmutbestehen, die oft lange unentdeckt bleibt.Negatives Vermögen, also Schulden, stellen gerade für ältere Menschen eine großeBelastung dar. In der Sozialberatung für Schuldner des Caritas-Zentrums-Dachau waren imJahr 2012 8,3 Prozent der Ratsuchenden über 60 Jahre alt. HoheRückzahlungsverpflichtungen und die dauernde psychische Belastung durch dieForderungseintreibung der Gläubiger ohne Aussicht auf Besserung mindern dieLebensqualität von alten Menschen enorm.Insgesamt ist der Zugang zu Hilfe, Beratung und Informationen bei drohenderEinkommensarmut im Alter im Landkreis Dachau als schwierig zu betrachten, da dieBeratungsstellen in Dachau, Karlsfeld und der Kommune Indersdorf sowie die Tafel inDachau für immobile Senioren aus den ländlichen Kommunen schwer erreichbar sind. Zudemsind die Kapazitäten der kostenfreien Beratungsstellen und der Tafel voll ausgelastet, sodasses zu Wartezeiten kommen kann.Ein weiterer wichtiger Aspekt für ältere Menschen im Landkreis Dachau ist eine möglicheArmut an Teilhabe. Können Senioren keine informellen Kontakte pflegen und sind keinemNetzwerk angeschlossen, führt dies oft zu Einsamkeit und Unzufriedenheit.Die Gründe, aus denen ältere Menschen speziell im Landkreis Dachau nicht mehr an derGesellschaft teilhaben können, sind vielfältig. Besonders betroffen von Isolation sindalleinstehende ältere Menschen. Die demographische Entwicklung der Singularisierung, auchdurch vermehrte Scheidungen oder den Wegzug der jüngeren Generationen, ist durch dieGesellschaft nur schwer auszugleichen.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201263


Im Landkreis Dachau wird vermehrt Wert auf die Teilhabe von Senioren an der Gesellschaftgelegt. Eine Befragung im Rahmen des vom Landkreis in Auftrag gegebenenSeniorenpolitischen Gesamtkonzepts hat ergeben, dass fast 50 Einrichtungen Angebote imBereich der offenen Altenhilfe anbieten. Zudem gibt es in allen Pfarrgemeinden gut besuchteSeniorenclubs. Viele der Angebote haben ein kleines, örtliches Einzugsgebiet und sind dahergut erreichbar. Offene Treffpunkte oder Ausflugsprogramme sind nur in der GroßenKreisstadt Dachau verortet. Vor allem für Hochbetagte, die nicht mehr mobil sind, sind dieseAngebote und damit die Teilhabe an der Gesellschaft schwer zu erreichen.Ein besserer, niedrigschwelliger Zugang zu den verschiedenen Beratungsangeboten fürältere Menschen muss gewährleistet werden. Dies kann zum einen durch vermehrteÖffentlichkeitsarbeit geschehen. Zum anderen ist ein Zugang zu Beratung vor Ort sehrwichtig. Die Einrichtung von kleinen, örtlichen Beratungsstellen, beispielsweise Bürgerbüros,die Informationen zu allen Themen vor Ort zusammenfassen und im Bedarfsfall an andereBeratungsstellen weiterleiten, wäre ein wichtiger Schritt, um allen Senioren denniedrigschwelligen Zugang zu Beratung zu ermöglichen. Der beste Weg, um ältere Menschenzu erreichen, ohne diese vor das Problem der Zugänglichkeit oder Mobilität zu stellen, ist diezugehende Sozialarbeit. Momentan erfolgen durch die Beratungsstellen im Landkreis Dachaunur in Ausnahmefällen Hausbesuche, für eine zugehende Sozialarbeit gibt es bisher keineFinanzierungsmöglichkeit.Um Senioren, die von Einkommensarmut bedroht sind, zu unterstützen, müssten derLandkreis oder die Stadt und die einzelnen Kommunen finanzielle Mittel zur Verfügungstellen. Rechtlich denkbar wäre beispielsweise ein Aufschlag auf die Leistungen zurGrundsicherung im Alter in Form eines festen Betrages, anderswo bereits als eine Art„Ballungsraumzulage“ bekannt. Auch andere Vergünstigungen für bedürftige Senioren oderalle älteren Menschen im Landkreis wären hilfreich, beispielsweise Preisnachlässe zurNutzung öffentlicher Verkehrsmittel wären dringend nötig.64Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


5.7. Handlungsfeld Gesundheit„Das deutsche Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt. Doch Ärzte, Kliniken undMedikamente reichen nicht, um eine der größten Krankheitsursachen in Griff zu bekommen –die Armut. Wer lange ohne Job ist, kein Einkommen hat oder als Asylbewerber hier lebt, isthäufiger krank als der Rest der Bevölkerung“ (Deutscher Caritasverband 2012).Jede Krankheit wiederum führt vermehrt zu Armut oder Erwerbslosigkeit – so entsteht eingefährlicher Kreislauf.Mittlerweile belegen zahlreiche Studien diese Entwicklung. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts fand beispielsweise heraus, dass die „Lebenserwartung von Frauen aus derArmutsrisikogruppe acht Jahre unter der von Frauen mit höheren Einkommen [liegt]. BeiMännern beträgt die Differenz sogar elf Jahre. Grund dafür ist in vielen Fällen nicht nurArmut, sondern vor allem ein geringerer Bildungsgrad. (…) Gerade die verbreitetenchronischen Erkrankungen sind es, die bei Menschen mit geringem Einkommen und geringerBildung häufiger auftreten als beim Rest der Bevölkerung. Dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Bronchitis und bestimmte Krebsarten wieLungen- oder Leberkrebs.“ (Stalinski 2013). Diese Krankheiten haben zum einen viel mit demKonsum von Tabak oder Alkohol zu tun, zum anderen spielen aber auch Indikatoren wieschlechte Wohnbedingungen, Lärmbelästigung oder psychische Belastungen eine Rolle (vgl.ebd.).Eine Datenerfassung beispielsweise über Krankheitsbilder oder Todesursachen erfolgt beimLandesamt für Statistik erst ab drei Einrichtungen unterschiedlicher Träger in einemLandkreis. Mit nur einem Krankenhaus ist der Landkreis Dachau von einer umfassendenDatenerhebung leider weit entfernt. Doch selbst die Erfassung dieser Daten würde nur wenigzu der nötigen statistischen Verknüpfung von Krankheit und Armut beitragen. Hier wäre eineumfassende Befragung nötig.Fachleute sind sich einig, dass die Problematik der Schleife aus Armut und Krankheit nurdurch Prävention gelöst werden kann, die möglichst früh ansetzen muss. Gleichzeitig müssennatürlich Armut, mangelnde Bildung und Ausgrenzung bekämpft werden (vgl. ebd.).Um bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen chronischer Krankheiten vorzubeugen undumfassende Prävention leisten zu können, ist die kommunale Gesundheitspolitik gefragt.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201265


Damit gesundheitliche Chancengleichheit im Landkreis Dachau hergestellt werden kann,muss ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden.Zur Gesundheitssituation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen oder bestimmterGruppen wie beispielsweise von Migranten können für den Landkreis Dachau leider keineweiteren Aussagen getroffen werden.Zur Gesundheitssituation von Senioren lässt sich aufgrund des SeniorenpolitischenGesamtkonzeptes für den Landkreis Dachau und anderer Arbeiten zum Thema eingeringfügig genaueres Bild zeichnen.Gesundheit ist der wichtigste Faktor für das subjektive Wohlbefinden älterer Menschen. Vieleältere Menschen sind jedoch von Krankheiten betroffen. Bei Männern stehen hier an ersterStelle Skeletterkrankungen, an zweiter Stelle psychische Probleme und an dritter Herz-Kreislauf-Leiden und Gefäßerkrankungen. Bei Frauen stehen psychische Erkrankungen anerster Stelle, dann folgen Skeletterkrankungen und Krebsleiden (vgl. Voges u.a. S. 146).Auch der Ernährungsstatus alter Menschen weist oft Mängel auf und bedarf daherbesonderer Aufmerksamkeit.Ein Teil der Senioren erkrankt schwer und wird damit pflegebedürftig. Diese Menschen sinddann besonders auf gute Versorgungsstrukturen angewiesen. Auch ältere Menschen, derenpsychische Gesundheit durch Einsamkeit, Verlust von Lebensfreude oder Ängstebeeinträchtigt ist, bedürfen besonderer Hilfen.Das Feld der präventiven Gesundheitsangebote für Senioren bezieht sich auf dieSelbstverantwortlichkeit für ein gesundes Altern. „Dazu gehören Sport- undBewegungsangebote wie auch gesundheitsorientierte Angebote durch Ärzte undTherapeuten. Daneben sind Beratungs- und Informationsangebote zu Ernährung,Sturzprophylaxe, sicherer Wohnumgebung und vorbeugenden Maßnahmen wieGedächtnistraining wichtige Bestandteile der Prävention“ (vgl. Wenng/Rudolf 2008, S. 26).Im Landkreis Dachau bieten das Dachauer Forum, fünf Einrichtungen der Altenhilfe sowie alleVolkshochschulen spezielle Bewegungskurse oder andere auf gesundheitliche Aspekteausgerichtete Programme für Senioren an. In neun Einrichtungen werden zudem Vorträge zuThemenbereichen der Gesundheitsprävention angeboten. Das ThemaGesundheitsprävention für sich wird im Landkreis bisher jedoch wie auch bei Kindern,Jugendlichen oder Erwachsenen nicht gesondert als Themenschwerpunkt betrachtet,sondern ist in das Angebotsspektrum der Altenhilfe integriert.66Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Entsprechend des deutschen Durchschnitts von 2,9 Prozent, ist davon auszugehen, dass imLandkreis Dachau 4.066 pflegebedürftige Personen leben. Die „Prävalenzrate Demenz“ nachBickl besagt, dass 1,2 Prozent der Personen zwischen 65 und 70 Jahren an Demenzerkranken, entsprechend des zunehmenden Alters steigert sich auch der Prozentsatz derDemenzkranken. Bei den über 90-Jährigen ist bereits jeder Dritte als dement einzustufen.Insgesamt leben im Landkreis Dachau nach diesen Berechnungen 1.724 Menschen mitDemenz (vgl. ebd., S. 70). Die Schnittmenge mit den pflegebedürftigen Personen ist nichtbekannt. Obwohl die demografische Entwicklung hin zu einer älteren Bevölkerung imLandkreis Dachau leicht abgeschwächt auftritt, ist mit einer stark steigenden Zahlpflegebedürftiger und dementer Senioren zu rechnen.Die Versorgung des Landkreises durch ambulante Pflegedienste und vollstationärePflegeeinrichtungen ist momentan ausreichend. Bei der Erstellung des SeniorenpolitischenGesamtkonzeptes 2008 wurden 16 ambulante Pflegedienste im Landkreis erfasst, zehn vonihnen legten ihre Patientendaten anonymisiert offen. Die Anzahl der ambulant versorgtenPatienten lag bei diesen Pflegediensten bei 852 Personen. In den zwölf vollstationärenEinrichtungen im Landkreis Dachau wurden 2007 insgesamt 1.389 Plätze zur vollstationärenPflege gemeldet, durch die Eröffnung eines von zwei weiteren Pflegeheimen mit 238 Plätzenist nun von einer Kapazität von 1.627 Plätzen zur vollstationären Pflege im Landkreis Dachauauszugehen. Nach einer Erhebung der AfA in 2007 sind 52,5 Prozent der Bewohner derPflegeheime Landkreisbürger.Für den gesamten Landkreis gab es zum Zeitpunkt der Konzepterstellung nur in der StadtDachau einen privaten Anbieter für Tagespflege, zusätzlich war in einigen vollstationärenEinrichtungen eingestreute Tages- oder Kurzzeitpflege möglich. Dies ist jedoch bei weitemnicht ausreichend, im teilstationären Bereich herrscht im Landkreis daher Mangelversorgung.Insgesamt werden 1.706 pflegebedürftige Senioren aus dem Landkreis Dachau durchambulante Pflegedienste versorgt oder leben in vollstationären Einrichtungen. Über dieVersorgung der weiteren Pflegebedürftigen lässt sich keine verlässliche Aussage treffen, esist davon auszugehen, dass diese Personen größtenteils zu Hause von Angehörigen gepflegtwerden, die Pflegegeld erhalten oder andere Hilfsangebote nutzen. Die fachliche Beratung,psychische und zeitliche Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger ist besonderswichtig, um die belastende Situation abzumildern.Im Landkreis Dachau werden von den Volkshochschulen und dem Dachauer Forum Kursezur fachlichen Unterstützung angeboten. Vermehrte Angebote wären beispielsweise fürHochbetagte nötig, Inhalte können beispielsweise Mobilitäts- oder Alltagstraining sein.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201267


5.8. Handlungsfeld Konsum und SchuldenSchulden sind für einen Großteil der Privathaushalte etwas sehr Alltägliches geworden.Obwohl „Schulden zu haben“ oft negativ assoziiert wird, macht fast jeder im Laufe seinesLebens Schulden – ob es nun der Bausparkredit für das Eigenheim ist oder der Kühlschrankin bequemen Raten von der nächsten Elektronik-Fachmarkt Kette.Problematisch wird es dann, wenn man sich bei der Kalkulation verschätzt hat oder etwasUnvorhergesehenes passiert. Schnell werden die Raten zum Problem und es bleibt nicht beider Verschuldung.VerschuldungDie reine Verschuldung muss noch keineErhöhung des Armutsrisikos bedeuten.Solange die finanziellen Mittel für dieLebenshaltungskosten ausreichen undSchuldner ihre Raten pünktlich begleichenkönnen wird nicht von Überschuldunggesprochen. Der Personenkreis derVerschuldeten wird in diesem Kapitel nichtweiter berücksichtigt.ÜberschuldungVon Überschuldung spricht man, wenn das„Einkommen von Privatpersonen oder Haushaltenüber einen längeren Zeitraum nach Abzug derLebenshaltungskosten trotz Reduzierung desLebensstandards nicht zur fristgerechtenSchuldentilgung ausreicht“ (Bundesministeriumfür Familien, Senioren, Frauen und Jugend 2004,S.1). Das bedeutet, dass die Betroffenen inverschiedenen Lebensbereichenzahlungsunfähig sind.Abbildung 36: Überschuldete Privatpersonen im Gebietsvergleich12,00%10,00%8,00%6,00%4,00%DeutschlandBayernLandkreis Dachau2,00%0,00%2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012(vgl. Creditreform Wirtschaftsforschung 2006 S. 6; 2009 S. 6; 2011a S. 4, 9 ; 2011b S. 2)68Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Wie Abbildung 36 zeigt, ist der Anteil der überschuldeten Privatpersonen im LandkreisDachau vergleichsweise gering. Während in Gesamtdeutschland rund jeder Zehnteüberschuldet ist, liegt die Quote in Bayern 2011 bei 6,98 Prozent und im Landkreis Dachaubei nur 6,11 Prozent.Diese Zahlen werden jährlich im „SchuldnerAtlas Deutschland“ von der Creditreformveröffentlicht. Zu der Entwicklung der Überschuldungsquoten nennt die Creditreform für dasJahr 2012 einige Trends. Zum einen ist auffällig, dass Überschuldung weiterhin„Männersache“ bleibt, der Anteil der männlichen Schuldner ist fast doppelt so hoch wie derder weiblichen. Dennoch hat die Frauenüberschuldung wieder deutlich zugenommen, dies istlaut Creditreform vor allem auf die Änderung der Lebensformen und Rollenbilderzurückzuführen. Frauen stehen als gleichberechtigte Einkommensbezieherinnen oderAlleinerziehende immer häufiger für Kreditaufnahmen gerade. Zum anderen wird der Trendder Jugend-Überschuldung wieder umfassend erläutert. Seit 2004 ist dieÜberschuldungsquote unter 20-jähriger um 1,24 Prozentpunkte gestiegen, die der unter 30-jährigen sogar um 4,38 Prozentpunkte. Damit waren in 2012 mehr als ein Viertel allerSchuldner jünger als 30 Jahre. Als wichtiges Instrument zur thematischen Sensibilisierungund konkreten Information bei Konsum und Kreditaufnahmen wird die Präventionsarbeit zurFörderung von Finanzkompetenz genannt (vgl. Creditreform Wirtschaftsforschung 2012a, S.16-20).Obwohl es im Landkreis Dachau wie dargestellt verhältnismäßig wenig Überschuldete gibt,sind das dennoch über 8.500 Menschen, die im Prinzip zahlungsunfähig sind. Es ist nicht zuvernachlässigen, welch große Beeinträchtigung dies für alle Lebenslagen einesüberschuldeten Menschen bedeutet. Hohe Schulden üben enormen Druck auf die betroffenenPersonen aus und führen daher nicht selten auch zu sozialen oder psychischen Problemen.Zudem ist nie nur der Überschuldete alleine betroffen; auch für die Kinder, andere engeAngehörige oder Freunde ist die Situation sehr belastend.Eine umfangreiche Beratung für Überschuldete und für von Überschuldung bedrohteMenschen ist dringend nötig.Das Caritas-Zentrum Dachau stellt unter finanzieller Beteiligung des Landkreises einkostenloses Beratungsangebot zur Verfügung. Hier wird eine umfangreiche Sozialberatungfür SchuldnerInnen oder für von Überschuldung bedrohte Menschen angeboten.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201269


Die Sozialberatung „ist eine soziale Dienstleistung mit ganzheitlichem Beratungsansatz mitdem Ziel der Schuldenregulierung. (…) Von großer Bedeutung ist die Begleitung bei sozialenund psychischen Problemen zur Stabilisierung der psychosozialen Verfassung.“ (Caritas-Zentrum Dachau 2013, S.10). Wichtig für die Betroffenen ist zu Beginn der Beratungaußerdem vor allem die Sicherung der Existenz, Hilfe also, wenn beispielsweise dieWohnung gekündigt werden soll oder das Konto gepfändet wird. Längerfristig soll auch dasSelbsthilfepotential der Überschuldeten gestärkt werden, sodass das Schuldenmanagementselbst übernommen werden kann. Ziel der gesamten Beratung ist in der Regel eineSchuldenregulierung, in manchen Fällen aber auch die Stabilisierung des Schuldners, derweiterhin mit seinen Schulden leben muss. Eine Entschuldung kann entweder überRatenzahlungsvergleiche oder Vergleiche per Einmalzahlung erfolgen. Ist dies nicht möglich,wählt ein Teil der Klienten den Weg des Verbraucherinsolvenzverfahrens (vgl. ebd., S.11 f.).Wenn nach einigen Beratungsgesprächen in der Sozialberatung für Schuldner klar wird, dassein Verbraucherinsolvenzverfahren ein geeigneter Weg ist, können die KlientInnen in derselben Beratungsstelle verbleiben, da auch Insolvenzberatung zum Angebot des Caritas-Zentrums (geeignete Stelle gem. § 305 InsO) zählt. Nach einer gründlichenVorbereitungsphase unterstützt die Caritas Schuldnerberatung die überschuldete Person beider Durchführung einer außergerichtlichen Einigung und berät Ratsuchende auf dem Weg insVerbraucherinsolvenzverfahren (vgl. ebd., S.14 f.).Im Jahr 2012 wurden in der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums Dachau372 Familien oder Einzelpersonen telefonisch oder persönlich beraten.Davon wurden in der Sozialberatung für SchuldnerInnen 266 Personen persönlich betreut. Inder Insolvenzberatung wurden 38 KlientInnen bei der Durchführung eines außergerichtlichenEinigungsversuches nach der Insolvenzordnung begleitet (vgl. ebd., S.15 f.).In der Caritas Schuldner- und Insolvenzberatung waren im Jahr 2012 erstmals 10 Prozentaller Beratenen unter 25 Jahre alt. Dies macht deutlich, dass die Überschuldung vonJugendlichen ein zunehmendes Problem darstellt. Die Entwicklung spricht jedoch auch dafür,dass Jugendliche das niedrigschwellige Beratungsangebot, das sie möglicherweise auseinem der Präventionsprojekte an den Schulen kennen, frühzeitig wahrnehmen.70Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


8,27 Prozent aller Beratenen waren über 60 Jahre alt. Als weiteres soziodemographischesMerkmal wird im Jahresbericht der Schuldnerberatung die Ausländerquote unter denRatsuchenden genannt. 63 Prozent aller Beratenen hatten einen deutschen Pass, von denrestlichen 37 Prozent der ausländischen KlientInnen kamen 11,7 Prozent aus dem EU-Ausland. Die Verschuldungshöhe lag bei gut der Hälfte aller Beratenen unter 25.000 €, bei 25Prozent der Personen, die die Schuldnerberatung aufsuchten, allerdings über 50.000 €.Bei den fünf Hauptgründen für Überschuldung im Jahr 2012 weichen die Statistiken desCreditreform SchulnerAtlas und der Schuldnerberatung des Caritas-Zentrums Dachau leichtvoneinander ab. Dies kann entweder darin begründet sein, dass Verschuldung bei denLandkreisbürgern tatsächlich andere Ursachen hat, oder aber darin, dass dieZusammensetzung der Klientel der Caritas Schuldnerberatung andere Verschuldungsgründemit sich bringt – auch aufgrund der Kostenfreiheit der Beratung.• in Deutschland laut dem CreditreformSchuldnerAtlas• im Landkreis Dachau unter denKlientInnen der Schuldnerberatung1. Arbeitslosigkeit/reduzierte Arbeit2. Scheidung/Trennung3. Mangelnde Finanzkompetenz/Konsumverhalten4. Krankheit5. Gescheiterte Selbstständigkeit1. Mangelnde Finanzkompetenz /Konsumverhalten2. Niedrigeinkommen3. Arbeitslosigkeit4. Trennung / Scheidung5. Gescheiterte Selbstständigkeit(vgl. Creditreform Wirtschaftsforschung 2012a, Caritas-Zentrum Dachau 2013)Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201271


6. Fazit und HandlungsbedarfWie zu Beginn des Berichts erläutert, ist Sozialberichterstattung nötig, um Armut in dasBewusstsein der Menschen zu rücken. Armutsbekämpfung als sozialpolitisches Ziel kann soauch auf kommunaler Ebene umgesetzt werden.Soweit die Datenlage es zuließ, wurde hier im Auftrag des Kreiskatholikenrates ein ersterumfassender Armutsbericht für den Landkreis Dachau erstellt. Um drohende Armut zuverhindern und bestehende Armut bekämpfen zu können, wurde das Armutspotential vonEinkommensarmut und bekämpfter Armut herausgearbeitet und zusätzlich die Lebenslagender Menschen im Landkreis Dachau in differenzierten Handlungsfeldern abgebildet.Als Ergebnis dieses Berichts wurden sechs wichtige Handlungsempfehlungenherausgearbeitet, die hier kurz vorgestellt werden. Um das Phänomen Armut im LandkreisDachau langfristig und nachhaltig präventiv und reaktiv bekämpfen zu können, ist konkretesHandeln gefragt.Die erste Handlungsempfehlung bezieht sich auf die Weiterführung von Armuts- undReichtumsberichterstattung im Landkreis. Die Notwendigkeit dieser Art vonBerichterstattung wurde bereits hinreichend erläutert. Die Berichterstattung muss basierendauf diesem Armutsbericht in regelmäßigen Abständen fortgeführt werden. Hierzu ist einKonzept zu erstellen, das Zuständigkeiten klärt und eine kontinuierliche und ausführlicheBerichterstattung sicherstellt. Außerdem wurde in vielen Bereichen dieses Berichts aufmangelnde Datenlagen hingewiesen. Die entsprechende Datenerhebung auf Landkreisebeneoder für Stadt und Kommunen muss gefördert werden, um Berichtserstattung in Zukunft innoch umfassenderem Maße möglich zu machen.Die nächste Handlungsempfehlung betrifft die schwierige Wohnungsmarktsituation imLandkreis Dachau. Wie im Handlungsfeld Wohnen beschrieben, ist die Lage auf demWohnungsmarkt im Landkreis prekär. Es mangelt an einer hohen Zahl von Sozialwohnungensowie an Wohnungen im unteren Preissektor. Die Konzepterstellung für die gezielteFörderung von Wohnungsbau muss unter hoher Priorität erfolgen. Der Sozialwohnungsbaumuss von der Stadt und den Kommunen aktiv vorangetrieben werden. Um der Situation derSozialhilfebezieherInnen im Landkreis gerecht zu werden, sollte zudem in Betracht gezogenwerden, die Sätze „angemessener Unterkunftskosten“ (vgl. S. 25) den realenQuadratmeterpreisen bei Neuvermietungen anzupassen.72Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


Als besonders wichtig im Zusammenhang mit präventivem und vor allem reaktivem Handelnzur Bekämpfung von Armut ist die Beratung für von Armut betroffene Menschenanzusehen. Die Informations- und Vermittlungsmöglichkeiten für alle im Bericht genanntenBereiche müssen deutlich verbessert werden. Dazu ist es notwendig, die Kapazitäten derBeratungsstellen für von Armut betroffenen Menschen zu erhöhen. Ein besonderesAugenmerk sollte hierbei darauf gelegt werden, dezentrale Beratungsmöglichkeiten in denKommunen anzubieten. Alle Angebote müssen möglichst niedrigschwellig erfolgen. ImBereich von Seniorenberatung bedeutet dies beispielsweise, aufsuchende Sozialarbeit zuermöglichen.Um die eben genannten Informations- und Vermittlungsmöglichkeiten auszubauen, ist einebessere Vernetzung aller Angebote im Landkreis Dachau sinnvoll und wurde daher alseigene Handlungsempfehlung aufgenommen. Die Vernetzung von allen Hilfe- undBeratungsmöglichkeiten muss aktiv unterstützt werden. Hierbei sollte nicht unterschätztwerden, dass für Vernetzungsarbeit auf Seiten der Akteure zahlreiche Ressourcen eingesetztwerden müssen.Die fünfte Handlungsempfehlung zielt darauf ab, Teilhabemöglichkeiten zu verbessern.Um gleiche Teilhabemöglichkeiten für alle LandkreisbürgerInnen sicherzustellen, bedarf eseines umfangreichen Konzeptes. Vergünstigungsmöglichkeiten für Menschen mit wenigEinkommen, wie beispielsweise durch die für die Stadt Dachau geplante „Sozialcard“, sindein wichtiger Schritt. Um alle Menschen zu erreichen, müssen solche Angebote allerdings aufalle Kommunen ausgeweitet werden. Vor allem für Kinder und Jugendliche haben mangelndeTeilhabemöglichkeiten gravierende Auswirkungen. Damit auch weniger mobile Menschen wieSenioren am gesellschaftlichen Leben teilhaben und beispielsweise alleBeratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen können, dürfen die Kosten öffentlicherVerkehrsmittel dem nicht entgegenstehen.Armutsbericht für den Landkreis Dachau 201273


Wie bereits mehrmals erwähnt, ist Prävention ein wichtiger Stützpfeiler bei der Verhinderungvon Armut. Deshalb ist die Förderung bereits bestehender und neuer Projekte ein wichtigerTeil unserer Handlungsempfehlungen. Beispiele für Bereiche, in denen Präventionsarbeit vonNöten ist, sind Energieberatung für Haushalte mit geringem Einkommen, Prävention zumThema Schulden und Konsumverhalten oder Aufklärung zum Thema Altersarmut fürErwachsene und Senioren. Auch bei der Eingliederung von Jugendlichen in den Arbeitsmarktoder im Gesundheitsbereich ist Prävention ein wichtiges Instrument um Armut zu verhindern.Dieser Armutsbericht und die daraus entwickelten Handlungsempfehlungen stellen eine ersteGrundlage dar, um die Situation von Armut betroffener Menschen im Landkreis Dachau zuverbessern, Armutspotential zu verringern und prekären Situationen in der Zukunftvorzubeugen.Das Thema Armut und die Ergebnisse dieses Berichts müssen in Zukunft vermehrt auf derAgenda von Politik, Wohlfahrtsorganisationen und anderen Institutionen stehen. DieBevölkerung sollte durch Vorträge und gezielte Öffentlichkeitsarbeit informiert werden, umjedem die Gelegenheit zu geben, sich in die Diskussion einzubringen und aktiv an derBekämpfung von Armut im Landkreis Dachau mitzuwirken.74Armutsbericht für den Landkreis Dachau 2012


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