Wilder News - Mountain Wilderness

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Wilder News - Mountain Wilderness

N r. 6 1 S o m m e r | E t é 2 0 1 1keepwild! climbsKlettern ohne BohrhakenTipps zum selber Absichern: www.keepwildclimbs.chNeuer JuraführerAuf Spurensuche: Clean Climbing in der SchweizEdition françaisevoir pages 13 – 15keepwild! climbsL’escalade sans pitonsEnquête: Clean Climbing en SuisseDébat sur l’héliski1


EditorialKeepwild-was ?Wer sich 1981 im Eldorado in die «Motörhead» wagte, fand in der ganzenRoute (immerhin 14 Seillängen) 10 Normalhaken. Nach der Sanierungim Jahr 2000: plus 20 Bohrhaken. In der «Métal hurlant» steckten1982 17 Bohrhaken, heute 62. Ohne diese zusätzlichen Bolts zu wertenmachen die Zahlen mehr als deutlich, dass und wie sich die Klettereiverändert hat.Diesen epidemischen Anpassungen will mountain wilderness etwasentgegenhalten. Der Reiz der keepwild!climbs* liegt darin, sich in eineSituation zu begeben, die einer Erstbegehung nahe kommt: selbst dafürverantwortlich zu sein, dass das Klemmgerät gut im Riss verankert ist;lernen, eine Route zu «lesen»; zu wissen, dass die 6b-Stelle zwingendgeklettert werden muss – und die nächsten ein gleichwertiges ursprünglichesErlebnis vorfinden zu lassen.Warum sich mountain wilderness für diese Kletterkultur einsetzt?Weil es neben der Sicherheit für die «Fitness-Kletterei» durchaus auchandere, weitsichtigere Aspekte gibt, für die einzusetzen sich lohnt.Klettern ohne Spuren zu hinterlassen bedeutet einerseits, sich demgesellschaftlichen Trend nach totaler Sicherheit und Objektivität zuent ziehen und andererseits, «Nachhaltigkeit» nicht als leere Phraseim Magnesiumbeutel mitzuführen. «Plaisir» als selbstverantwortlicheTätigkeit. Ich weiss, dass neben den gut erschlossenen Routen die«wilden» Touren mehr denn je ihre Berechtigung haben.Reto Santschi, Vorstand mountain wilderness* Keepwild!climbs sind Routen, die man selbst mit Klemmkeilen und Friends absichert.impressumInformationsbulletin | Bulletin d’infor mationMountain Wilderness Schweiz / SuisseSchwarzenburgstrasse 11 | Postfach 413 | 3000 Bern 14Tel. 031 372 30 00 (Zentrale) | Fax 031 372 30 52Mitmachen lohnt sich – damit Sie auch morgeneine intakte Bergwelt geniessen können!www.mountainwilderness.chinfo@mountainwilderness.chFon: 031 372 30 00 PC 20-5220-52Redaktion Priska Jost, Michael KropacGESTALTUNG | GRAFIQUE grafikwerkstatt upart, BernTitelbild | Couverture Pic de GrandvalFoto: Susanne WegmannÜBERSETZUNG | TRADUCTION: Bertrand SemeletAuflage | Edition 6500 Ex.Druck | Impression Vetter Druck AG, ThunJahresbeitrag | CotiSA Tion annuelle Fr. 60.–Fr. 8.– der Spende / des Mitgliederbeitrags werden für dasJahresabonnement der WilderNews verwendet.Erscheint 4x jährlich, geht an die Mitglieder und SpenderInnenvon mountainawilderness


Für die ersten Schritte im Umgang mit Keil undCamalot ideal: Das Klettergebiet Le Schilt im Jura.Foto: Michael KropacKeepwild! climbsMichael KropacClean Climbing als Hochrisikosport?Mitnichten. Die neue Websitewww.keepwildclimbs.ch räumt auf mit Vorurteilenund bietet wichtige Tipps fürden Einstieg ins Klettern ohne Bohrhaken.Wild kletternWer kennt sie nicht, die alten Heldengeschichten aus der Pionierzeitdes Kletterns! Man sicherte an wackeligen, selbstgeschmiedetenSchlaghaken, vertraute sein Leben einem obskuren Holzkeil oder sichertemangels geeignetem Material überhaupt nicht. Ein gefährlicherSport für einen kleinen Zirkel wagemutiger Draufgänger. Auch wenn esdas Wort damals nicht gab, waren diese halsbrecherischen Bergfahrten«Clean Climbs». Es ging ja nicht anders, als möglichst alles wieder mitzunehmenund somit keine Spuren und den Berg «clean» zu hinterlassen;das wenige Material, das man dabei hatte, brauchte man nochfür die nächste Seillänge.Erst mit der Verbreitung des Bohrhakens seit den 1970er Jahren konnteKlettern überhaupt zum Breitensport avancieren. Mit den neuen, fix imFels verankerten Bohrhaken gab es endlich vertrauenswürdige Sicherungspunkte,und auch Normalsterbliche konnten sich ohne Todesangstin Ruhe den Kletterzügen widmen. Problem gelöst? Nicht ganz ...Mit dem Bohrhaken-Nachklettern ging auch die Auseinandersetzungmit den Fels und die Eigenverantwortung ein Stück weit verloren. Wogeht es lang? Wo könnte ich eine Sicherung anbringen? Ist mein selbsteingerichteter Stand solide genug? Das Gefühl war irgendwie nichtmehr das gleiche: Sich wie ein Erstbegeher zu fühlen in einer Wand, woes keine menschlichen Spuren gibt; die ursprüngliche Natur, die Wildniszu erspüren und zu erleben.Ein wenig romantisch? Sicher. Ein zivilisatorisches Luxusproblem?Vielleicht. Doch dafür sein Leben riskieren und mit Grossvaters Hanfseilund Holzkeil wieder in die Berge ziehen? Nein.Das Clean Climbing von heute ist zum Glück nicht mehr der Hochrisikosportvon früher. Das Gefühl, in der Wildnis unterwegs zu sein, ist geblieben.Im Schatten des «Plaisir»-Booms ab den 1990er Jahren undder damit verbundenen, in der Schweiz besonders gründlich vorgenommenenSanierung von Kletterrouten mit (zu) vielen Bohrhaken, hatsich einiges getan: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von mobilen Sicherungsgerätenwie Klemmkeile, Camalots, Slider, Tricam und wie sie alleheissen, die ein sicheres Klettern abseits eingerichteter Bohrhakenautobahnenermöglichen – und dies, ganz ohne Spuren zu hinterlassen.Ein Sport nicht nur für irgendwelche Freaks, sondern für durchschnittlichbegabte Berggänger. «Plaisir» ist auch ohne Bohrhaken möglich!Hört sich spannend an. Doch wie beginnen? Welches Material braucheich, wie wird es korrekt angebracht? Wo kann man in der Schweiz überhauptohne Bohrhaken klettern und was muss ich beachten, damit dasneue Hobby nicht die Natur schädigt? Sollte ich vielleicht zuerst einenKurs besuchen? Wenn ja, wo?All diese Fragen beantwortet die neue Website www.keepwildclimbs.chvon mountain wilderness. Sie enthält viele nützliche Infos rund um dasClean Climbing, sowie ein Online-Tutorial mit vielen Praxistipps zum«sicher Absichern» von Bergführer Dani Silbernagel.Interessiert? Gleich anschauen und aktiv werden, damit es auch in der Schweiz eineStimme mehr für das Klettern ohne Spuren gibt. Keepwild! www.keepwildclimbs.ch3


Keepwild! climbsDaniel Silbernagel undMichael KropacNeuer Auswahl-Kletterführer mit Routen zum selber Absichern im JuraJura Keepwild! ClimbsJura keepwild! climbsvon mountain wilderness20 Klettergebiete zum selber Absichern imJura zwischen Baden und dem Doubs. Voneinfachen Übungsrouten mit Bohrhakenhintersicherungbis zu cleanen 7a’s.Beschrieben mit Text, Bildern, Topos, Übersichtskarten,Angaben zu Material undSchwierigkeitsbewertung der Absicherbarkeit.Michael Kropac, Daniel Silbernagel1. Auflage, Juni 2011, d, 124 Seiten,12.5 x 17.5 cm, 4-farbigCHF 33.—Buchvernissage «Jura keepwild! climbs»Freitag, 24. Juni 2011, 19.30 UhrIm Garten der Missionsstrasse 7(beim Spalentor) in Basel«Clean Climbing im Jura? Geht nicht. Dazumüsst ihr in die Alpen oder ins Ausland. DerJurakalk ist dazu völlig ungeeignet.» Je öfterwir diese Antwort von Kletternden hörten,umso mehr zweifelten wir an unserem Projekt.Ein Clean-Climbing Kletterführer für Einsteigersollte es werden, damit auch mal an einemSonntagnachmittag mit den Camalots und Keilengeübt werden kann, ohne zuerst stundenlangbis in das hinterste Alpental reisen undlaufen zu müssen. Zudem war Januar – die geliebtenAlpentouren unter Metern von Schneebegraben und die Keile arbeitslos. Was tun?Wir sind trotzdem in den Jura gezogen undwaren überrascht: Je mehr Gebiete wir besuchten,umso mehr Möglichkeiten zum selberAbsichern fanden wir. Überall Risse, Löcher,Sanduhren in allen Grössen und Formen, dieförmlich danach schrien, einen Keil oder Camalotaufzunehmen. Wir geben zu: auch uns wardas vorher nicht aufgefallen und wir sind wiealle nur den Bohrhaken gefolgt. Doch mit einigenKeilen und Cams am Gurt und dem Vorsatz,nur die natürlichen Strukturen im Fels zuverwenden, eröffnete sich eine ganz neue Jurawelt.Neues ausprobieren, sich selbst einenWeg suchen, keine Spuren hinterlassen –kleine Abenteuer im kleinen Gebirge gibt esauch vor unserer Haustüre!Mit dem Jura keepwild! climbs Kletterführerwollen wir uns nicht in erster Linie an die verschworeneClean-Climbing Gemeinschaft wenden,sondern neugierige Klettererinnen undKletterer aus der Region ansprechen, die eineandere Spielform des Kletterns entdecken underleben wollen.Auch keepwild!-Kletterer fallen nicht vom Himmel– vor allem am Anfang braucht es viel Zeit,um auch nur eine Seillänge selbst abzusichern.So haben in diesem Buch jede MengeÜbungsrouten im Klettergarten Platz, bei welchenab und zu noch Bohrhaken glänzen unddie ideal sind für den Einstieg in Keil & Co.Daneben haben wir einige Clean Climbing Perlenfür Fortgeschrittenere aufgelistet. Es wäreschön, wenn die Bohrmaschinen hier nichtaktiv würden. Es gibt nur noch ganz wenigewilde Routen im Jura; belassen wir sie dochbitte so – keepwild!Als Kletternde tragen wir nicht nur am Fels Verantwortung– es ist selbstverständlich, dasswir unseren Abfall mitnehmen und lokale Regeln(saisonale Kletterverbote etc.) respektieren.Im Jura bewegen wir uns in einer Landschaftmit Menschen, die mit ihren «kleinenBergen» tief verwurzelt sind. Schwatzen wirmit der Postautofahrerin, besuchen die Landbeizenund nächtigen in einem Hotel, dennder Jura bietet mehr als nur Klettern. Er hateine spannende Geschichte, welche wir in denEigenheiten der Menschen, der Kultur undseiner Landschaft spüren. Lass dich also aufNeues ein, verweile in Orten die dir gefallenund geniesse jeden Klettermeter, Keil für Keil.Der Kletterführer kann schon jetzt bei mountainwilderness unter www.mountainwilderness.ch/shop/publikationen/ bestellt werden. Erscheinungsdatumist der 27. Juni 2011.4Im Klettergebiet Le Paradis kann manwunderbar an den Bohrhaken vorbeiklettern.Foto: Michael Kropac


Toller Fels in der 3. Seillänge der Arête de la Vauchotte.Camalots passen da perfekt hinein, der Fels ideal zumklettern. Eine wahre Freude!Foto: Michael KropacMountain WildernessJura keepwild! climbsMit Keil und Camalot im Jurafels unterwegs20 Gebiete zum selbst Absichern, 3a – 7aÜbungsroutenMehrseillängenroutenClean KalkMichael KropacDaniel Silbernageltopo.verlagdas buch zum bergTourentippDaniel SilbernagelAus dem neuen Juraführer: Arête de la VauchotteGratklettereiim wilden WestenDas westlichste Gebiet im neuen Jura-Kletterführer ist zugleich auchdas wildeste. Die Kletterei an der Arête de la Vauchotte hoch über demDoubs ist eine richtige Abenteuertour, die man in der Art ansonstennur noch in abgelegensten Alpentälern findet. Geben wir Sorge undbewahren wir die einzigartige Wildheit und Unberührtheit dieses Kleinods– keepwild! Schon der weglose Zustieg durch ein steiles, rutschigesBachbett von der Strasse Goumois – Vautenaivre zum Gratfussist ein kleines Abenteuer. Die Kletterei am Grat erinnert ein wenig andie berühmte Arête Spéciale in Moutier. Der Fels ist ebenso fest, dochkein einziger Bohrhaken weist den Weg. Man ist frei, sich seinen Wegüber den Grat selber zu suchen. Einzig wenige (sehr rostige) Normalhakenerinnern daran, dass man hier nicht als Erster durchgeht. Trotzder Kompaktheit des Felsens kann man die Route ausgezeichnet mit5


ca. 100mkleinen und mittleren Friends absichern. Nach demeigentlichen Grataufschwung kann man nach einem10-minütigen Fussmarsch die Kletterei bis auf dieHoch ebene der Freiberge fortsetzen, indem man einen30 m hohen Felsen durch eine 2011 wahrscheinlich zumersten Mal bestiegene Verschneidung rechts bis zumGipfel erklimmt. Als öV-Benutzer kann man von hier ausgemütlich zum Bahnhof nach Saignelégier schlendern,anstatt sich mühsam hinunter zum Auto in Goumoiskämpfen zu müssen.KurzinfoAusgangspunktPostautohaltestelle Goumois, douane493 mV-VerbindungenHinfahrt: Mit den Chemins de fer du Jura(CJ) von La Chaux-de-Fonds (SBB) oderGlovelier (SBB) nach Saignelégier. Umsteigenauf das Postauto nach Goumois.EinstiegVon der Postautohaltestelle zuerst aufder Strasse Richtung Vautenaivre. Dortwo ein kleiner Bach die Strasse kreuzt,steil im glitschigen Bachbett hinauf zumGratfuss bei 563.600 / 235.400. 40 minvon Goumois.Tourendaten4 – 5 Seillängen 5c / C-1+. Die ganze Tourmuss vollständig selber mit mobilenSicherungsgeräten abgesichert werden.Einige (sehr) rostige Normalhaken sindvorhanden.EndpunktP. 844 m am Rand der Hochebene der Freiberge.Von dort zu Fuss in 1 h zurück nachSaignelégier.Landeskarte1104 SaignelégierP. 844.930m5c / C-1Verschneidungüberhängender Rissgrasige Rampe10 Min. zu Fuss zum2. AufschwungLochfels5b / C-1+Türmchen4b / C-1kleiner Sattel (Einstieg ca. 680 m)mossiger Gratpfeiler4c / C-14b / C-1Um einen Standpatz zubauen, bieten sich an derArête de la Vauchotte vieleMöglichkeiten an.Foto: Michael KropacsteilerWaldZustieg von Goumois, 40 Min.6


Keepwild! climbsJan GürkeLange war das «wilde» Klettern mit mobilen Sicherungsmitteln suspekt und angefeindet. Jetzt wird es cool.Hoffnung oder Gefahr für den Erhalt klassischer Routen in den Alpen?«Trad» wird TrendWie sollen Routen saniertwerden? Ein subversiverBeitrag zur Diskussion ausdem Berner Jura.Foto: Michael KropacRechts: Wilde Wände im Rätikon:Kirchlispitzen und Schweizertor.Foto: azoom.ch/M. ScheelDer Outdoor Katalog eines namhaften Sportbekleidungsherstellerssetzt für die Sommersaison 2011 vollauf Bergsport. Ganzseitige Hochglanzfotos präsentierenaussergewöhnliche Abenteuer in den Bergen. NebenTrailrunning, Highline und Bouldern werden auch dasalpine Sportklettern und das «Trad(itional) Climbing»zum senkrechten Laufsteg. Die ersteren gehören seiteinigen Jahren zu den Outdoor Trendsportarten, dassaber das traditionelle Klettern in spärlich gesichertenRouten im alpinen Gelände zur Werbeplattform avanciert,das überrascht.Der Hauptakteur Beat Kammerlander ist ein Klassikerder Szene und seit mehreren Jahrzehnten mit haarsträubendschwierigen und Nerven zerrenden Begehungenganz vorne dabei. Und plötzlich taucht er in Zusammenhangmit der Restaurierung traditioneller Routen in denMedien auf. Was passiert da? Wittern wir den Ausverkaufder letzten wilden Winkel der Alpen? Ist Routensanierenplötzlich kommerzfähig? Wir wissen nicht,wie diese Entwicklung weiter geht. Aber wir wissen,dass schon im Vorfeld heftig über eine Sanierung der«Seth-Abderhalden» und der «Burgerführe» am GrossenDrusenturm im Rätikon gestritten wurde.Die Tatsache, dass es das traditionelle Klettern mit mobilenSicherungsmitteln auf die Titelseite eines Katalogsschafft, der sich an ein breites Outdoor-Publikum richtet,deutet auf einen Paradigmenwechsel hin. Vor wenigenJahren noch als Affront gegen die Sicherheitsdogmendes Plaisirkletterns wahrgenommen, scheint dieseSpielart des Kletterns wieder einen Platz ausserhalb derkleinen Nische der Wildnis-Kletterer zu erhalten. «Trad»wird Trend, klein aber mit hoher Wertschätzung. Dieneue Aufmerksamkeit könnte eine Hoffnung für das«wilde» Klettern und den Erhalt der dazu gehörendenRouten werden – wenn der Erhalt des Routencharakterswirklich ernst genommen wird. Oder sie wird zur Gefahr,wenn unter dem Deckmantel der sanften Restaurierungschlummernde Klassiker zu alpinen Autobahnen ausgebautwerden.Die mountain wilderness Kampagne keepwild! climbssetzt sich seit Jahren dafür ein, dass die gesamte Bandbreitedes Klettersports erhalten bleibt. Sowohl in Formwilder Abenteuerrouten im Urzustand als auch in Formsanft erschlossener oder sanierter Routen, die einembreiteren Kletterpublikum die Benutzung mobiler Sicherungsmittelnäher bringen. Was im Einzelfall zu vieleoder zu wenige Bohrhaken sind, führt immer wiederzu Grundsatzdiskussionen. Klar ist dagegen, dass beiSanierungsprojekten klassischer Führen gewisse Regelneingehalten werden sollten. So zum Beispiel die Kontaktaufnahmemit den Erstbegehern. Generell, und insbesonderewenn die Erstbegeher nicht mehr am Lebensind, sollte eine allfällige Sanierung in Einklang mit derregionalen Kletterethik, unter Erhalt des Routencharaktersund abgestützt auf einen breiten Konsens derKletternden der Region stattfinden. Hier zeigt sich derRespekt vor dem «Werk» und den Köpfen dahinter.Gemälde klassischer Künstler werden ja auch bei derRestaurierung nicht in aktuellen Modefarben überpinselt.Ob das traditionelle Klettern die Königsdisziplin ist,sei dahin gestellt. Klar ist: Bis in die 1960er Jahre wares Standard. Das Klettern in abenteuerlichen, alpinenRouten, die nur spärlich mit Normalhaken abgesichertwaren, entsprach dem Stand der Technik. Und es spiegeltedas Selbstverständnis wider, dass eine intensiveAuseinandersetzung mit dem Berg zum Klettern gehört.mountain wilderness setzt sich dafür ein, dass dies nichtin Vergessenheit gerät.7


Keepwild! climbsElsbeth FlüelerDaniel Silbernagel und Michael Kropac sind die Autoren des Ticino und des Jura keepwild! climbs Kletterführers.Gleichzeitig gilt Daniel in der Kletterszene als Exponent des Clean Climben und hat die Kampagne vonmountain wilderness mitgeprägt. Wir befragten die beiden zur Entwicklung des Kletterns ohne BohrhakenEigene Wege gehenFoto: Jonas GesslerDaniel Silbernagel: mountain wilderness hat im 2006 die Diskussionum das Clean Climbing mit dem Best of keepwild! climbs Kletterführerentfacht. Was stand dahinter?Daniel: Unsere Idee war, die Freude am Klettern und selber Absichernzu wecken. Ich denke, das ist uns gelungen. Seither gibt es nebst demSportklettern, dem klassischen Plaisirklettern und dem schon bedeutendanspruchsvolleren alpinen Sportklettern eben auch das Klettern,wo man selber absichert. Die Alpinzeitschriften von Alpin bis Bergsteigenund Klettern berichten. Auch in der Bergführerausbildung istdas selber Absichern ein Thema geworden und Bergsteigerschulensowie SAC bieten Kurse zum selber Absichern an.Liegt Clean Climbing heute im Trend?Daniel: Von einem Massentrend kann man sicher nicht sprechen. WirClean Climber sind noch immer eine kleine, bescheidene Community.Aber wir konnten ein Bedürfnis wecken. Die Leute besuchen die Kurse,weil sie erkennen, dass sie das selber Absichern in den Alpen gutbrauchen können, sei es, weil Routen wenig ausgerüstet sind oder weilsie neugierig sind, wie man Keile und Camalots richtig anwendet.mountain wilderness hat damals gleichzeitig auch die Forderung nacheiner Raumplanung am Fels lanciert. Wie sieht die Entwicklung heuteaus?Daniel: Die Tendenz hält an, rund um die Gebirgshütten Klettergebieteeinzurichten. Das kann man befürworten oder ablehnen. Ich bedauerejedoch sehr, dass immer wieder bestehende alpine Routen übersaniert,also nicht optimiert, sondern an den steigenden Anspruch nachmehr Sicherheit angepasst und mit zusätzlichen Bohrhaken nachgerüstetwerden, der Charakter wird verändert – das ist schade.Michael: Es gibt unter Kletterern eigentlich einen Ehrenkodex, dieRoute der Erstbegeher zu respektieren oder diese zumindest vor derSanierung zu kontaktieren. Dieser Ehrenkodex wurde mit der Plaisirdiskussionaufgeweicht. So gehen unter Umständen Routen für dasKlettern ohne Bohrhaken verloren, die man eigentlich gut selber absichernkönnte.8An was für Gebiete denkt ihr? Oder anders gefragt: sind cleane Routendie Brosamen des Plaisirkletterns?Daniel: Es gibt viele schöne Clean Climbing Routen, dass ein Lebennicht ausreicht, um sie alle zu klettern. Selten geworden sind hingegengut zugängliche, nicht eingerichtete Routen, die sich auch zum Übeneignen. Sie sind ein Gut, das ich schützen möchte. Am meisten Mühebereitet mir, wenn klassische Routen überbohrt werden, wie etwadie Kingspitze Nordostwand in den Engelhörnern oder der Südgrat amSalbit.


Warten auf die Helikopter inmitten stiller Bergnatur.Stop Heliskiing-Demo auf dem Petersgrat 2011.Foto: Daniel Kaufmann, Michael DellantonioSchutz der WildnisElsbeth FlüelerEin Luxushotel, ein Heliport und bis zu zwei neue Gebirgslandeplätze (GLP), die auch für das Heliskiinggenutzt werden können: Engelberg will seine touristische Attraktivität steigern. Umweltverbände und Parteienwehren sich gegen die Erschliessung einer bisher ruhigen Geländekammer.Heliskiing: Verhandlungen entgleisen10Zufall oder nicht? In Engelberg scheint alleszusammen zu passen. Da findet sich ein Investorfür ein 5-Sterne Hotel. Gleichzeitig gibt esPläne für einen Heliport und nun plant dasBundesamt für Zivilluftfahrt BAZL, zwei Gebirgslandeplätze(GLP) nach Engelberg zu verlegen.Dies als Kompensation zu den GLPs, dieim Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch aufgehobenwerden sollen. Südlich des Titlis, am Grassen(OW) und Chli Spannort (UR), würden siezu liegen kommen. Auf mindestens einem derzwei soll auch eine touristische Nutzung,sprich Heliskiing zugelassen sein.Aufhebung statt Verschiebung!In Alpinistenkreisen ist das Gebiet östlich desTitlis als anspruchsvolles, schönes Skitourengebietsehr beliebt, bei Touristen die gegenüberliegende,sonnenverwöhnte, lauschigeFürenalp. Mit den Plänen des BAZL würde einbisher stilles Gebiet massiv beeinträchtigt.Die Pläne des BAZL stossen deshalb bei mountainwilderness auf völliges Unverständnis.Wir wünschen die endgültige Aufhebung derGebirgslandeplätze im Weltnaturerbe – ohneVerschiebung. Auch der SAC Titlis wies in eineröffentlichen Stellungnahme die Pläne desBAZL entschieden zurück. Da am 1. April öffentlichgeworden, glaubte der Vorstand sogaran einen Aprilscherz.Das Beispiel Engelberg zeigt einmal mehr: DieVerhandlungen um die Gebirgslandeplätze inder Schweiz werden vom Bundesamt für Zivilluftfahrt(BAZL) einseitig zu Gunsten der Helilobbyund des «harten» Tourismus geführt.«Die Interessen des Alpinismus und der Umweltwerden kaum berücksichtigt», schätztRolf Meier, Kampagnenleiter Stop Heliskiingdie Situation ein.Spaltpilz HeliskiingSo darf es nicht verwundern, dass die SchweizMeilen von einer sachlichen Diskussion entferntist. Im Gegenteil: Die Verhandlungen umdie Gebirgslandeplätze entwickeln sich immermehr zum Spaltpilz. Da ist zum einen – vertretendurch die Umweltorganisationen – derWunsch vieler Städter, nach ruhiger und stillerFlucht aus dem stressigen Alltag. Auf deranderen Seite steht der Ruf aus den Bergregionennach Umsatzmöglichkeiten: Touristikermöchten Attraktionen, Piloten wollen fliegen,Helifirmen ihre Flotte einsetzen und Bergführereinen bequemen Job machen.Die Pläne für Engelberg sind aus Sicht des Natur-und Landschaftsschutzes umso unverständlicher,als der intensive Skitourismus mitdem Skigebiet Engelberg-Titlis bereits weiteTeile der Gebirgswelt von Engelberg für sichbeansprucht. Mit den Ausbauplänen zumSchneeparadies ist ausserdem eine substantielleVergrösserung des Skigebiets geplant.Die Stop Heliskiing Kundgebung von mountainwilderness hatten deshalb den ChliSpann ort bei Engelberg zum Ziel. WeitereKundgebungen fanden auf den GLP Petersgratund Petit Combin und am Wetterhorn statt.PS: Der Regierungsrat des Kantons Uri hateinen neuen Gebirgslandeplatz Chli Spannortentschieden abgelehnt. mountain wildernesshofft, dass der Kanton Obwalden nachziehtund ebenfalls eine negative Stellungnahmeabgibt.


se prêteraient idéalement à l’apprentissage.Il s’agit d’une richesse que je souhaiteraispréserver. Ce qui me fait le plus de peine c’estde voir des grandes classiques comme la faceNE de la Kingspitze dans les Engelhörner oul’arête sud des Salbit spittées comme desvoies école.Michael: Il y a heureusement aussi desexemples plus réjouissants comme les vieillesclassiques du Badile qu’il serait dommaged’équiper à demeure en spits.Comment y parvenir à cet objectif ?Daniel: En sensibilisant; en faisant prendreconscience aux rééquipeurs de la valeur desvieilles classiques; en faisant comprendre àun gardien de cabane qu’un secteur à équiperrépond à une vrai demande de niche. En grossi l’envie vient de l’extérieur il se passeraquelque chose. Les interdictions et autresrèglements ne mèneront à rien.«Bolt or not to bolt», spitter ou pas, c’est unvieux débat sur la scène internationale. Commentles milieux concernés se positionnent-ilsà l’étranger ?Michael: Si l’on devait définir une échelle du«perforage», la France se situerait en milieude peloton et la Suisse – où cette pratiquea pris une tournure systématique – à unextrême. A l’extrême opposé on trouveraitl’Angleterre où les voies spittées restent rares.La Suisse Saxonne (Elbsandstein) et les Dolomitessont également relativement épargnées.Daniel: A Chamonix, où les fissures granitiqueset les itinéraires de haut niveau sontlégion, les spits ne sont utilisés que là où il estabsolument impossible de protéger autrement.Le code d’honneur tacite consistant àlaisser une voie dans l’état de sa première ascensionest aussi plus répandu. A l’inverse,sur tous les sites du sud de la France, il estquasiment impossible de grimper sur coinceurs.Ces falaises sont équipées à la modesportive de manière quasi militaire, à grandscoups de subventions. En Suisse, nous souhaiterionsarriver à un compromis: mettre desspits là où c’est nécessaire mais pas là où ilest facile de protéger avec des coinceurs.produit de niche, la recherche d’un éditeurs’est révélée difficile, d’où ma décision defonder ma propre maison d’édition. Avecl’avantage de pouvoir choisir les voies que jeprésente selon mes envies. Un équilibre financierest toutefois nécessaire, sinon ce petit jeume reviendrait un peu cher …Heureusement mes produits rencontrent pourl’instant pas mal de succès. Le topo du Tessins’est bien vendu en Allemagne et a même étédécouvert en Autriche, où l’escalade sur coinceursest plus répandue. Les retours du marchésuisse montrent d’ailleurs que le livre estdavantage acheté par intérêt pour ce style degrimpe ou en tant que livre de montagne quecomme véritable topo.L’ouvrage «Best of keepwild! climbs», accordaitune importance toute particulière à l’approche.Les itinéraires décrits exigeaient tousau moins 2 heures de marche. Le topo du Jurapar contre recense des voies d’accès aisé entransport public. Comment s’intègre-t-il danston catalogue éditorial ?Daniel: De façon idéale. Mon premier livreétait le «Winterwelt Jura» qui décrivait desrandonnées à ski toute proches et accessiblesen TP. Nous souhaitons maintenant inciter àpratiquer avec bonheur l’escalade sur coinceursprès de chez soi. Celui qui sait y trouverdu plaisir aura peut-être plus tard envie d’élargirsa pratique à des zones plus reculées.Il trouvera alors des idées justement dans letopo du Tessin. Ou pour pousser encore l’engagementun cran plus haut, dans le «Best ofkeepwild! climbs». Le topo jurassien est doncune introduction parfaite à cette pratique,d’autant que le Jura, et ce fut une découvertepour nous, se prête idéalement à grimper enposant ses protections.Une dernière question: quel avenir souhaitezvous au «clean climbing»?Daniel: J’aimerai que le topo du Jura permetteà certains grimpeurs de franchir le pas versla grimpe sur coinceurs en leur permettantd’acquérir un regard neuf sur le rocher. J’espèreaussi que la demande pour d’autresvoies de ce style dans les Préalpes et les Alpesse confirmera.Daniel tu t’es également fait un nom commeéditeur de topos de voies «clean», deux sontdéjà publiés et le 3ème sur le Jura est en coursde parution. Qu’est ce que te pousse à faireça?Après la sortie de «Best of keepwild! climbs»chez Panico, j’ai souhaité en publier un autresur le Tessin. Mais comme il s’agit là d’un15


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