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Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

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Eine be<strong>so</strong>ndere Gabe erhielt das Schladminger Krankenhaus:<br />

das Abendmahlgerät aus Zinn. Daran hatten die Ulmer<br />

Diakonissen gedacht und wiesen darauf hin, was sie zutiefst<br />

mit den österre<strong>ich</strong>ischen Diakonissen verbindet:<br />

der <strong>Herr</strong>, der zu uns kommt in seinem Heiligen Mahl.<br />

Diakonie <strong>ist</strong> Nächstenliebe<br />

in unserer Zeit.<br />

Bilder und Erinnerungen<br />

Diakonissen<br />

in Schladming,<br />

Gröbming und der Ramsau<br />

<strong>Heile</strong> <strong>du</strong> <strong>m<strong>ich</strong></strong>, <strong>Herr</strong>,<br />

<strong>so</strong> <strong>werde</strong> <strong>ich</strong> <strong>heil</strong>;<br />

<strong>hilf</strong> <strong>du</strong> <strong>mir</strong>,<br />

<strong>so</strong> <strong>ist</strong> <strong>mir</strong> <strong>geholfen</strong>.<br />

Jer.17,14


Einleitung<br />

Am 7. November 2006 wurden die PatientInnen aus dem alten<br />

Diakonissen-Krankenhaus Schladming an der Hochstraße in das<br />

neue Haus an der Salzburger Straße übersiedelt.<br />

Wenn wir heute im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen auf<br />

die Grün<strong>du</strong>ng und Entwicklung des Krankenhauses zurückblicken,<br />

wird deutl<strong>ich</strong>, welch großen Anteil die Diakonissen dabei hatten.<br />

In Gallneukirchen begann bereits vor 30 Jahren die Mutterhaus-<br />

Diakonie in Österre<strong>ich</strong>. Mit Elise Lehner wurde am 4. Oktober 877<br />

die erste Diakonisse in Österre<strong>ich</strong> eingesegnet.<br />

Generationen von tüchtigen Diakonissen folgten ihr.<br />

Die Arbeitsfelder konnten von Jahr zu Jahr erweitert und die Tätigkeit<br />

der Diakonissen über ganz Österre<strong>ich</strong> ausgedehnt <strong>werde</strong>n.<br />

Diakonissen kamen auch nach Graz, wo ein eigenes Mutterhaus<br />

gegründet wurde. Dieses wurde dann später in das Gallneukirchner<br />

Diakonissen-Mutterhaus Bethanien eingegliedert.<br />

932 kam die erste Diakonisse aus Graz als Gemeindeschwester<br />

nach Schladming und die Arbeit im oberen Ennstal begann. Durch<br />

die Kraft und das Gottvertrauen der Diakonissen wurde <strong>so</strong>mit auch<br />

der Weg für das Schladminger Krankenhaus geebnet.<br />

Die vorliegende Broschüre setzt s<strong>ich</strong> aus Ber<strong>ich</strong>ten, Briefen und<br />

Erzählungen von Zeitzeugen zusammen.<br />

Sie erhalten mit diesen „Bildern und Erinnerungen“ einen kleinen<br />

Einblick in den Dienst der Diakonissen und die Gesch<strong>ich</strong>te des<br />

Diakonissen-Krankenhauses Schladming.


Von der Gemeindestation zum Pflegeheim<br />

Und alles begann mit einer Gemeindeschwester …<br />

In der Zeit des Ersten Weltkrieges und der Jahre danach gab es in<br />

Schladming nur einen einzigen D<strong>ist</strong>riktsarzt. In seinem kleinen<br />

Ordinationsraum nahm er n<strong>ich</strong>t nur Operationen wie Blinddarm<br />

oder Bruch <strong>so</strong>ndern auch Tracheotomien, Kropfoperationen und Kaiserschnitte<br />

vor. Ass<strong>ist</strong>iert haben Laienschwestern, die der Arzt selbst<br />

angelernt hat. Unter primitiven Verhältnissen wurde jedoch Außerordentl<strong>ich</strong>es<br />

gele<strong>ist</strong>et. Aber wohin mit den Patienten nach einer<br />

Operation? Solange der Gastwirt Fischbacher lebte, hielt er immer,<br />

auch während der Sai<strong>so</strong>n, Zimmer für Kranke frei. Manchmal fanden<br />

„Pfleglinge“ auch im Pfarrhaus Platz, doch es war schwierig,<br />

jemanden für die Pflege zu finden.<br />

Es handelte s<strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t immer um Operierte, <strong>so</strong>ndern auch um Kranke<br />

und Alte, die hoch oben auf dem Berg oder weit hinten im Tal für<br />

den Arzt schwer und im Winter oft überhaupt n<strong>ich</strong>t erre<strong>ich</strong>bar waren.<br />

Es war im Jahre 932, als der Rektor des damals noch bestehenden<br />

Grazer Diakonissen-Mutterhauses der Schladminger Pfarrgemeinde<br />

anbot, eine Gemeindeschwester, die s<strong>ich</strong> der Pflege von Kranken<br />

und Alten annehmen <strong>so</strong>llte, auf Probe und kostenlos, al<strong>so</strong> ohne<br />

Stationsgeld, zu entsenden.<br />

Die evangelische Pfarrgemeinde kämpfte zu jener Zeit mit erhebl<strong>ich</strong>en<br />

Schulden und war n<strong>ich</strong>t in der Lage, eine Gemeindeschwesternstation<br />

zu err<strong>ich</strong>ten. Wer aber <strong>ist</strong> eingesprungen? Die Frauen der<br />

Gemeinde! So stellten dankenswerterweise die Frau des Kurators,<br />

Maria Gföller, das Quartier und das Pfarrhaus die Verpflegung für<br />

die erwartete Gemeindeschwester.<br />

Als dann die tatkräftige Diakonisse Margarete Neugebauer, genannt<br />

„Schwester Gretl“, ihren Dienst am 2. Oktober 932 als<br />

Gemeindeschwester antrat, war es bald für die Gemeinde ganz deutl<strong>ich</strong>,<br />

dass diese Gemeindestation zur dauerhaften Einr<strong>ich</strong>tung <strong>werde</strong>n<br />

musste.<br />

Eine Frauenarbeitsgemeinschaft wurde als Träger der Schwesternstation<br />

gegründet und bewährte s<strong>ich</strong> hervorragend. Die Frauen der<br />

Gemeinde, die s<strong>ich</strong> in dieser Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen,<br />

hoben in den verschiedenen Bezirken der Gemeinde <strong>du</strong>rch<br />

ihre Presbyterinnen Beiträge ein, die als freiwillige Kirchenbeiträge<br />

der Frauen in den Kirchenrechnungen aufschienen. So konnte das<br />

Stationsgeld für die Gemeindeschwester bezahlt <strong>werde</strong>n.<br />

Als Schwester Gretl aus gesundheitl<strong>ich</strong>en Gründen nach Monaten<br />

ihre lieb gewonnene Station verlassen musste, wurde sie von<br />

Schwester Gerda Kleyhonz ersetzt. Im Februar 934 brachte Schwester<br />

Gerda ein Kind vom Fastenberg zur Spitalsbehandlung nach<br />

Graz, stieg im Mutterhaus ab und wurde von Schwester Gretl, die<br />

s<strong>ich</strong>, noch immer n<strong>ich</strong>t arbeitsfähig, dort befand, über Schladminger<br />

Leut und Verhältnisse ausgefragt. So erfuhr Schwester Gretl, dass<br />

das der Pfarrgemeinde gehörige Haus Nr. 72 neben dem Pfarrhaus<br />

zur Zeit leer stand. Schwester Gretl wusste <strong>so</strong>fort, wie das leere Haus<br />

auszufüllen wäre: <strong>du</strong>rch die Nutzung für Pflegebedürftige, womit<br />

das sehnsüchtige Anliegen Schladmings erfüllt <strong>werde</strong>n könnte.<br />

Mit diesem Anstoß kam Schwester Gerda aus Graz nach Schladming<br />

zurück und diese Anregung gefiel. An ihrer Verwirkl<strong>ich</strong>ung hatte<br />

wieder Maria Gföller einen großen Anteil. Es war ja keine Kleinigkeit,<br />

dieses kleine alte Haus, das <strong>so</strong> unansehnl<strong>ich</strong> war, einigermaßen<br />

für den Zweck brauchbar zu machen. Es wurden zwei Zimmer für<br />

die Patienten und eines für die Schwester einger<strong>ich</strong>tet. Es gab aber<br />

weder einen Abort und auch keine Wasserleitung. Von allen Seiten<br />

kam Hilfe und die Zimmer konnten einger<strong>ich</strong>tet <strong>werde</strong>n. Die Betten<br />

kamen aus dem aufgelassenen Töchterheim in Graz.<br />

Der Schweizer Hilfsverein und die evangelische Gemeinde in Graz<br />

erwiesen s<strong>ich</strong> als sehr <strong>hilf</strong>sbereit und <strong>so</strong> kam Schladming zu seinem<br />

schon heißersehnten „Pflegeheim“.<br />

Inzwischen hatte s<strong>ich</strong> 934 die Schwesternschaft des Grazer Diakonissen-Mutterhauses<br />

dem Gallneukirchner Diakonissen-Mutterhaus<br />

angeschlossen.<br />

Wenn auch das kleine Pflegeheim sehr primitiv war, <strong>so</strong> war es doch<br />

für die Menschen in Schladming und im ganzen Tal ein rechter<br />

2 3


Segen. Kaum war das Haus einger<strong>ich</strong>tet, kamen schon die ersten<br />

Patienten. Blinddarm- und Bruchoperationen, Knochenbrüche und<br />

bald auch Entbin<strong>du</strong>ngen waren die ersten Anlässe, die ins Pflegeheim<br />

führten. Den Ärzten war eine große Last genommen, weil sie<br />

nun ihre Patienten von einer geschulten Diakonisse betreut wussten.<br />

Nachdem das Pflegeheim in Betrieb genommen war, genügte eine<br />

Diakonisse n<strong>ich</strong>t mehr. Zur Ablösung und für die Gemeindearbeit<br />

bekam Schladming zuerst für 3 Monate Schwester Fanny Preiml<br />

und dann von Oktober 934 an Schwester Kathi Gamsjäger. Auch<br />

Schwester Friedl Schäfer wurde nach Schladming in das Pflegeheim<br />

entsandt und hat dort großes bewirkt. Das Pflegeheim hat s<strong>ich</strong><br />

<strong>so</strong> sehr bewährt, dass bald zu wenig Platz war.<br />

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr wurde das Pflegeheim in<br />

Anspruch genommen. In dem Haus gegenüber der Kirche wurde ein<br />

großes Zimmer gemietet, um Platz für Entbin<strong>du</strong>ngen zu haben.<br />

Die Diakonissen kümmerten s<strong>ich</strong> aufopfernd um die Mütter und die<br />

kleinen Säuglinge.<br />

Ab dem Jahr 938 galt das Pflegeheim als Provi<strong>so</strong>rium für ein zu<br />

erbauendes r<strong>ich</strong>tiges Krankenhaus, für das die Stadtgemeinde einen<br />

Platz widmen <strong>so</strong>llte.<br />

Schwester Friedl Schäfer wurde immer ganz „krawutisch“, wenn<br />

jemand über das geplante Krankenhaus nur von einem Luftschloss<br />

sprach.<br />

4<br />

Vom Pflegeheim zum ersten Krankenhaus<br />

Schladming bekommt sein erstes Krankenhaus<br />

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde in Schladming<br />

ein Militärlazarett einger<strong>ich</strong>tet. Als der Krieg zu Ende war und<br />

der letzte Soldat aus dem Lazarett entlassen wurde, dachte man in<br />

Schladming, dass es wohl am besten wäre, aus dem Lazarett ein<br />

r<strong>ich</strong>tiges Krankenhaus zu machen. Man verfolgte dieses Ziel mit<br />

aller Tatkraft und Ums<strong>ich</strong>t.<br />

Der Bürgerme<strong>ist</strong>er von Schladming und die Leitung des Diakonissen-Mutterhauses<br />

Gallneukirchen <strong>so</strong>wie viele Schladminger Persönl<strong>ich</strong>keiten<br />

halfen eifrig mit. Nach langen schwierigen Verhandlungen<br />

mit den Amerikanern und Engländern kam das Lazarett als<br />

Krankenhaus in die Obhut des Evangelischen Vereins für Innere<br />

Mission, dem heutigen Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen.<br />

Die Ärzte und Diakonissen konnten den Betrieb übernehmen.


Der Anfang und der Betrieb des Krankenhauses waren schwierig. Die<br />

Diakonissen und Ärzte gingen unermüdl<strong>ich</strong><br />

ans Werk. Jahre lang kamen die Patienten in das Krankenhaus,<br />

und wenn es auch manchmal als „Bruchbude“ beze<strong>ich</strong>net wurde,<br />

waren s<strong>ich</strong> alle des großen Könnens der Ärzte und der liebevollen,<br />

professionellen Pflege der Diakonissen bewusst.<br />

An die 7.000 Operationen, darunter zahllose komplizierte und<br />

schwierige Fälle, wurden hier <strong>du</strong>rchgeführt. Das war eine Errungenschaft,<br />

die trotz der trostlosen äußeren Verhältnisse, dank des<br />

Könnens der Ärzte und der Hingabe der Diakonissen und des Hilfsper<strong>so</strong>nals<br />

erre<strong>ich</strong>t <strong>werde</strong>n konnte.<br />

Wie s<strong>ich</strong> die Arbeit im alten Krankenhaus gestaltete und mit welchen<br />

Verhältnissen die Diakonissen zu kämpfen hatten, zeigen die<br />

Schilderungen von drei Schwestern, die dort ihren Dienst an den<br />

Nächsten le<strong>ist</strong>eten.<br />

6 7


Diakonisse Marianne Niederb<strong>ich</strong>ler<br />

„... manch Frauerl brachte uns<br />

einen Korb Holz“<br />

Mit ihrer stillen und bewussten Art war Diakonisse Marianne<br />

Niederb<strong>ich</strong>ler 26 Jahre im Schladminger Krankenhaus stets bereit,<br />

treu für die Patienten Hilfe und Trost zu geben.<br />

Schwester Marianne wurde 904 in Götzberg/Kärnten geboren und<br />

trat 93 im Diakonissenhaus Graz in die evangelische Schwesternschaft<br />

ein. 940 wurde sie dann in Gallneukirchen zur Diakonisse<br />

eingesegnet.<br />

Ihr Einsegnungsspruch war: „Ich erkenne, dass <strong>du</strong> alles vermagst,<br />

und n<strong>ich</strong>ts, das <strong>du</strong> dir vorgenommen, <strong>ist</strong> dir zu schwer.“ Hiob 42,2<br />

Schwester Marianne wurde auch schon vor ihrer Zeit in Schladming<br />

in den Diakonissen-Krankenhäusern Graz, Linz und Salzburg eingesetzt<br />

und erhielt dort eine vortreffl<strong>ich</strong>e Ausbil<strong>du</strong>ng für den Dienst<br />

am Krankenbett.<br />

Diakonisse Marianne Niederb<strong>ich</strong>ler war eine der ersten beiden Diakonissen<br />

im ersten Schladminger Krankenhaus, dem ehemaligen<br />

Lazarett, und wurde in ihrem Feierabend gebeten, einige Erinnerungen<br />

aus jener Zeit niederzuschreiben.<br />

„Warum-weshalb-wozu??!!“, schrieb sie auf diese briefl<strong>ich</strong>e Anfrage<br />

zurück, verfasste aber doch einige Zeilen, die sie mit den Worten<br />

„Ich hoffe, Sie können etwas Brauchbares darin finden. Ich bin ja<br />

keine Reporterin!“ beendete.<br />

Wie froh und dankbar müssen wir heute sein, dass dieser Ber<strong>ich</strong>t<br />

nach <strong>so</strong> langer Zeit noch erhalten <strong>ist</strong>:<br />

„Über die Anfangszeit des Krankenhauses in Schladming <strong>ist</strong> n<strong>ich</strong>t<br />

viel Schönes zu ber<strong>ich</strong>ten, denn der Anfang war <strong>du</strong>rch die arge Primitivität<br />

n<strong>ich</strong>t le<strong>ich</strong>t. Die Auflösung des kleinen Pflegeheimes und<br />

das Entstehen des Krankenhauses waren <strong>du</strong>rch die ausdauernden<br />

Bemühungen von Diakonisse Friedl Schäfer zu Stande gekommen.<br />

Ihre Helfer waren ein evangelischer Arzt aus Deutschland, welcher<br />

bei der Besatzungsmacht der Engländer tätig war, ein Profes<strong>so</strong>r<br />

der Hygiene, Dr. Hamsen, und der Schladminger Bürgerme<strong>ist</strong>er<br />

Kabusch. Dr. Hamsen kam öfter nach Salzburg und besprach mit<br />

Oberschwester Berta Turcsànyi die Schwesternfragen, denn die<br />

Schwestern wurden <strong>du</strong>rch die Übernahme des Krankenhauses ja<br />

gebraucht. Man schickte Diakonisse Marie Haberl und <strong>m<strong>ich</strong></strong> in diese<br />

Arbeit.<br />

Am 28. 8. 1945 holte uns Dr. Hamsen in Salzburg ab und brachte<br />

uns nach Schladming; dort waren wir noch 14 Tage Lazarett-<br />

Schwestern und es gab für uns manche Überraschung - leider n<strong>ich</strong>t<br />

im guten Sinn!!<br />

Das Haus war verwanzt und auch wir bekamen Wanzen und Läuse,<br />

jede Sauberkeit fehlte, kurzum der ganze Betrieb war in jeder Weise<br />

unmögl<strong>ich</strong>. Es war ja ein Auswe<strong>ich</strong>lazarett nach einem verlorenen<br />

Krieg!! Einige Rot-Kreuz-Helferinnen standen uns bei und wir versuchten,<br />

Ordnung zu schaffen.<br />

Leider gab es auch kein heißes Wasser im Hause, nur der OP hatte<br />

einen Boiler mit 100 Litern. Kein Holz, keine Kohle und alle<br />

Öfen mussten geheizt <strong>werde</strong>n. Hier möchte <strong>ich</strong> einfügen, dass die<br />

Menschen in Schladming und Umgebung uns treu zur Seite standen,<br />

manch Frauerl brachte uns einen Korb Holz und Späne zum<br />

Anheizen und manche Dinge, die man braucht, um ein Haus sauber<br />

zu halten. Wir gaben uns Mühe, unsere Kranken gut zu ver<strong>so</strong>rgen,<br />

und <strong>so</strong> entstand ein gegenseitiges Helfen, und nur das war unsere<br />

Freude!<br />

Unser Arzt wohnte in der Stadt, bei dringenden Fällen, auch bei<br />

Nacht, musste er geholt <strong>werde</strong>n. Es gab keine Telefonverbin<strong>du</strong>ng mit<br />

ihm. Diese unkorrekten Zustände wurden bald abgeschafft.<br />

Wir arbeiteten im alten Haus 15 Jahre. Es war eine schwere Zeit<br />

und doch schön, wir konnten vielen Menschen helfen. Im Laufe eines<br />

Jahres hatten wir keinen Todesfall!! Doch es konnte kein Dauerzustand<br />

bleiben, in einem Krankenhaus mit <strong>so</strong> erschwerten Arbeitsmögl<strong>ich</strong>keiten.<br />

Die Bevölkerung wollte uns aber n<strong>ich</strong>t mehr missen<br />

und darum begann schon bald nach der Eröffnung dieses Krankenhauses<br />

das Planen für ein neues Krankenhaus.“<br />

97 übersiedelte Schwester Marianne in das Haus Abendfrieden<br />

nach Gallneukirchen, um dort ihren Feierabend zu verbringen, wo<br />

sie immer noch stets bereit war für alle, die ihren Rat und ihre Hilfe<br />

brauchten.<br />

979 wurde Schwester Marianne von einem Auto beim Überqueren<br />

einer Straße niedergestoßen. Überraschend schnell musste von ihr<br />

Abschied genommen <strong>werde</strong>n.<br />

8 9


Schwester Emmi Dittl<br />

„Ja, <strong>du</strong> altes liebes Krankenhaus“<br />

<strong>so</strong> seufzte einst Schwester Emmi Dittl. „Wenn <strong>du</strong> auch außen und<br />

innen unansehnl<strong>ich</strong> warst, wie viel Hilfe und Segen hast <strong>du</strong> den leidenden<br />

Menschen, die zu dir kamen, schenken dürfen.<br />

Und wie viel Dank haben wir empfangen.“<br />

Durch Schwester Emmis ehrl<strong>ich</strong>en Ber<strong>ich</strong>t erhalten wir heute noch<br />

mehr Eins<strong>ich</strong>t, wie schwierig s<strong>ich</strong> der Dienst für die Schwestern im<br />

ersten Krankenhaus gestaltete.<br />

Schwester Emmi Dittl erinnerte s<strong>ich</strong> im Sommer 973, al<strong>so</strong> zu einer<br />

Zeit, als das neue Haus an der Hochstraße schon wieder aufgestockt<br />

und erweitert <strong>werde</strong>n musste, an die Zeit im ersten Krankenhaus<br />

zurück und ber<strong>ich</strong>tete ihre Eindrücke in der Schladminger Schwesternzeitung.<br />

„Wissen Sie eigentl<strong>ich</strong>, dass auch noch das „Alte Krankenhaus<br />

Schladming“ steht? Es befindet s<strong>ich</strong> am Ortsende der Stadt, in der<br />

Coburgstrasse. Wie haben wir damals gearbeitet, unsere ganzen<br />

Kräfte eingesetzt vom frühen Morgen bis in den späten Abend.<br />

Ich sehe die getreuen Diakonissen alle vor <strong>mir</strong>, Oberschwester Sophie<br />

Wolf, Schwester Marianne Niederb<strong>ich</strong>ler, Schwester Anni Müller.<br />

Auch Schwester Berta Platzer, die schon heimgehen <strong>du</strong>rfte, und alle,<br />

noch im Dienst stehenden, Schwester Käthe Bell, Schwester Ernestine<br />

Traar, Schwester Milli Eder und Schwester Marie Goger; <strong>ich</strong><br />

selber gehöre auch dazu, habe <strong>ich</strong> doch mit ihnen jahrelang im alten<br />

Haus Dauernachtdienst gemacht.<br />

Das alte Krankenhaus hatte <strong>du</strong>rchschnittl<strong>ich</strong> 45 Patienten. Es hatte<br />

im Erdgeschoss einen großen Frauensaal, Bad, Büroräume und den<br />

0<br />

Röntgenraum. Im ersten Stock waren der große Männersaal, ein<br />

kleines Labor, die Ambulanz und der OP-Saal. Der 2. Stock war mit<br />

fünf kleinen Zimmern bestückt.<br />

Wenn die Schwester um halb drei Uhr früh mit ihrem Dienst begann,<br />

warteten zunächst 12 Eisenöfen auf sie, denn wenn die Patienten<br />

um 4 Uhr geweckt wurden, mussten die Säle warm sein. Wenn die<br />

Öfen abends gut ausgeleert und eingelegt worden waren, ging die<br />

Arbeit schnell voran, aber wehe, wenn es ein Stockmädchen vergessen<br />

hatte oder das Holz noch feucht war - manches Donnerwetter,<br />

das <strong>mir</strong> schon auf der Zunge lag, habe <strong>ich</strong> da am frühen Morgen<br />

hinunterschlucken müssen ... Wie dankbar war <strong>ich</strong>, wenn eine Aufstehpatientin<br />

s<strong>ich</strong> zum Kohlennachlegen bereit erklärte.<br />

Das Waschwasser für die Patienten musste in großen Emailkannen<br />

vom OP-Boiler in die Krankensäle geschleppt <strong>werde</strong>n - treppauf und<br />

treppab – ungezählte Male.<br />

Kamen nachts Unfälle oder Operationen, <strong>so</strong> mussten die Patienten<br />

mit der Bahre die Treppe hinaufgewuchtet <strong>werde</strong>n. Hohe Stufen<br />

und krumme Ecken erschwerten diese Arbeit. Ja, es kam vor, dass<br />

ein „gew<strong>ich</strong>tiger“ Mensch einfach bis in der Früh in der Ambulanz<br />

liegen bleiben musste, weil einfach die Tragkraft zum nächsten Stock<br />

n<strong>ich</strong>t re<strong>ich</strong>te. Musste ein Patient liegender Weise von oben herunter,<br />

<strong>so</strong> musste man s<strong>ich</strong> ein Brett ins Kreuz legen, als Fußstütze, <strong>so</strong>nst<br />

war man bestimmt hinten blau, oder der Patient rutschte unten<br />

<strong>du</strong>rch.<br />

Der Operationssaal war von der Ambulanz <strong>du</strong>rch eine dünne<br />

bewegl<strong>ich</strong>e Holzwand getrennt. <strong>Herr</strong> Primarius Martz, Schwester<br />

Ernestine, Schwester Käthe und auch Schwester Milli haben dort mit<br />

den vielen anderen Übermenschl<strong>ich</strong>es gele<strong>ist</strong>et. Oft kam es vor, dass<br />

Schwester Marianne vom Bodenschrubben in den OP geholt wurde,<br />

um einen Patienten mittels Tropfmaske zu einer Magen- oder Gallenoperation<br />

zu anästhesieren.<br />

Vielseitigkeit war charakter<strong>ist</strong>isch für die zusammenarbeitende<br />

Mannschaft.<br />

Bei großer Ass<strong>ist</strong>enz kam wohl auch <strong>Herr</strong> Dr. Walter aus Radstadt,<br />

der treu mit unserem Hause verbunden war.


<strong>Herr</strong> Perner war ‚Mädchen für alles’: Röntgenaufnahmen, Patienten<br />

tragen, Holz schlagen, Kohlen schleppen und zuständig für alle<br />

Reparaturen.<br />

Nachts schl<strong>ich</strong> <strong>so</strong> mancher Doktor wohl heiml<strong>ich</strong> in den OP, wärmte<br />

s<strong>ich</strong> eine Suppe und ließ womögl<strong>ich</strong> den Topf auch noch überkochen<br />

– sehr zum Entsetzen von Schwester Ernestine und der Nachtschwester.<br />

Selbiger E-Herd diente auch zur Sterilisation der Instrumente.<br />

Dem nächtl<strong>ich</strong>en Kochen setzte die OP-Schwester mittels einem versperrten<br />

Schloss ein Ende.<br />

Unvergessl<strong>ich</strong> <strong>ist</strong> <strong>mir</strong> auch die Arbeit mit Schwester Anni Müller.<br />

Sie hatte me<strong>ist</strong> alte gebrechl<strong>ich</strong>e Mannderln zu pflegen.<br />

Freitags nahmen wir beide eine Sitzbadewanne, holten im OP warmes<br />

Wasser, trugen die Wanne in den Saal und abwechselnd zwischen<br />

zwei Betten wurden die Altchen hineingesetzt zur Ganzwäsche.<br />

Glückl<strong>ich</strong> und sauber lagen sie dann anschließend wieder in<br />

ihren Betten. So ging das Wassertragen hin und her. Mancher alte<br />

Mann sträubte s<strong>ich</strong> wohl ob der ungewohnten Reinigung, aber mit<br />

gutem Zureden haben wir es doch geschafft.<br />

Wir mussten sehr sparen, das ganze Haus hatte nur eine Badewanne.<br />

Und weil die Badestube zugle<strong>ich</strong> Teeküche für die Frauenstation<br />

war, <strong>du</strong>rfte nur freitags gebadet <strong>werde</strong>n. Badezeiten: von<br />

6 bis 8 Uhr Frauen, von 10 bis 11 Uhr Männer und der 2. Stock,<br />

von 14 bis 16 Uhr Schwestern und Ärzte!<br />

Ja, unser altes Haus war ungemütl<strong>ich</strong>.<br />

Wenn Waschtag war, kamen brave Heinzelmännchen aus der Stadt<br />

zur Hilfe. Im kleinen Nebengebäude wurde in Holztrögen gebürstet<br />

und geschrubbt. Bei schönem Wetter konnte die Wäsche im herrl<strong>ich</strong>en<br />

Obstgarten getrocknet <strong>werde</strong>n. Da hatten Schwester Sophie<br />

und Schwester Käthe Großkampftag. Manchmal <strong>ist</strong> auch der<br />

Wäschestrick gerissen und das Ganze begann wieder von vorne. Aber<br />

wenn es schüttete und alles voll Eis und Schnee lag, mussten wir<br />

irgendwo auf einen „geliehenen Dachboden“ zum Trocknen gehen.<br />

Da hieß es Wäschesparen!<br />

Be<strong>so</strong>nders erschwert war auch unser Küchenbetrieb. Im jetzigen<br />

„Tauernhof“ (dem ehemaligen Waisenhaus) waren die Schwestern<br />

untergebracht und im Erdgeschoss war die Küche, dort schaltete<br />

Schwester Berta, Frau Lina und Frau Sophie (die jetzige Frau<br />

Resch). Die Knödel, die Suppen und der Auflauf mussten in Pfannen<br />

und Töpfen mühsam ins Krankenhaus getragen <strong>werde</strong>n. Und das<br />

alles rasch und <strong>so</strong>rgfältig, damit ja n<strong>ich</strong>ts kalt wurde.<br />

Als Teeküche im Männersaal diente eine Saalecke, bestückt mit<br />

einem Nachtkastl mit einer Elektroplatte. Der 2. Stock benutzte dazu<br />

einen kleinen Teil vom Gang.<br />

Wenn der Dienst beendet war, machten die me<strong>ist</strong>en einen kleinen<br />

Besuch bei Schwester Berta in der Küche, aus der es dann <strong>so</strong><br />

geheimnisvoll <strong>du</strong>ftete. Irgendetwas Gutes hatte die <strong>so</strong>rgende Seele<br />

immer, Obst, einige Kekse oder auch etwas „Übriggebliebenes“. Wir<br />

mussten aber auch fest helfen, mal hatte sie Bohnen zu fitzeln oder<br />

<strong>so</strong>nstiges Gemüse zu putzen, einzukochen oder Keks zu backen.<br />

Einen 8-Stunden-Tag gab es n<strong>ich</strong>t. Manchmal überraschte uns<br />

auch Frau Vitzthum mit einer Schüssel Obst oder sie lud uns ein,<br />

in ihrem Garten selber einen Obstbaum zu plündern. Das war dann<br />

eine große Freude.<br />

Be<strong>so</strong>nders geheimnisvoll war es dann in der Adventszeit, wenn das<br />

Holz im Küchenofen kn<strong>ist</strong>erte. Das Tannenreisig, das <strong>Herr</strong> Perner<br />

und <strong>ich</strong> selber aus tiefverschneitem Winterwald geholt hatten, <strong>du</strong>ftete.<br />

Dann saßen wir alle beim Binden der Adventkränze, Schwester<br />

Sophie mit ihrer unermüdl<strong>ich</strong>en Häkelarbeit, die Weihnachtslieder<br />

wurden geprobt und Ged<strong>ich</strong>te gelernt. Die Bratäpfel brutzelten und<br />

<strong>du</strong>fteten im Rohr. Auch Schwester Berta, wie verstand sie es, mit<br />

ruhiger Hand alles hektische Hasten und Jagen fernzuhalten und<br />

Freude und Frieden auszustrahlen.<br />

Wenn Sie, lieber Leser, stil<strong>ist</strong>ische Fehler bemerken, bedenken Sie,<br />

<strong>ich</strong> bin kein Schriftsteller, <strong>ich</strong> habe nur mit meinem Herzen Zwiesprache<br />

gehalten. Denn dieses hängt heute noch, wie in all den Jahren,<br />

treu an unserem Krankenhaus.<br />

Gebe Gott es <strong>mir</strong> weiterhin, in diesem Werk mit bescheidenen Kräften<br />

dienen zu können.“<br />

Schwester Emmi Dittl<br />

2 3


Oberschwester Diakonisse Sophie Wolf<br />

75 Jahre im Diakonissenkleid<br />

Sophie Wolf wurde 887 in Kösswitz bei Komoltau, Sudetenland<br />

geboren und kam 903 nach Gallneukirchen. Sie trat 904 in die<br />

Schwesternschaft ein und wurde 9 0 zur Diakonisse eingesegnet.<br />

Ihr Einsegnungsspruch war: „Lass dir an meiner Gnade genügen;<br />

denn meine Kraft <strong>ist</strong> in den Schwachen mächtig.“<br />

2. Kor. 2,9<br />

Während beider Weltkriege war Schwester Sophie im Lazarett in<br />

Gmunden eingesetzt.<br />

Ihre Lebensaufgabe fand sie in den Krankenhäusern in Wien, Linz,<br />

Salzburg und Graz, vor allem aber in Schladming.<br />

4<br />

Von 946 bis 96 war Diakonisse Sophie Wolf als Oberschwester<br />

verantwortl<strong>ich</strong> im Krankenhaus Schladming.<br />

Es war n<strong>ich</strong>t le<strong>ich</strong>t für sie, standen ihr doch <strong>so</strong> wenige Mittel zur<br />

Verfügung, um ein Krankenhaus zu leiten. Da benötigte man Organisationstalent<br />

und Gottes Hilfe und beides hatte Schwester Sophie.<br />

Im Sommer 977 erzählte Schwester Sophie in einem Gespräch mit<br />

Diakonisse Franzi Dolch folgende Gesch<strong>ich</strong>te, die uns verdeutl<strong>ich</strong>t,<br />

mit wie vielen Schwierigkeiten man in den Kriegs- und Nachkriegsjahren<br />

rechnen musste:<br />

„Schwester Therese war eigentl<strong>ich</strong> meine Vorgängerin in Schladming.<br />

Sie war dort mit Schwester Friedl Schäfer zusammen im<br />

alten ersten Krankenhaus. Eigentl<strong>ich</strong> war sie Kindergärtnerin. Die<br />

Schwester Friedl hat es gerne gehabt, wenn recht viele Vorräte da<br />

waren, und wenn ihr von den Bezugsscheinen etwas übrig geblieben<br />

<strong>ist</strong>, hat sie es aufgehoben.<br />

Da haben zwei Männer die beiden angezeigt und es kam zur Verhandlung.<br />

Man wollte ihnen eine Geldstrafe geben, da hat die<br />

Schwester auf den Tisch geschlagen: Woher <strong>so</strong>ll <strong>ich</strong> das bezahlen?<br />

Ich hab nur 12 Schilling Taschengeld! Sie brauchte dann n<strong>ich</strong>ts zu<br />

bezahlen, aber das Haus musste bezahlen, <strong>ich</strong> glaube 1000.- Schilling<br />

für die eine Schwester und 500.- für die andere. Die Sachen<br />

haben sie weggeholt, es waren Konservendosen und andere Lebensmittel.<br />

Die Frau vom Konsum musste die Sachen untersuchen. Erst<br />

ließen sie uns noch einiges, das holten sie dann auch noch ab, damit<br />

n<strong>ich</strong>ts verdirbt. Der Pfarrer musste dann auf Wunsch des Bürgerme<strong>ist</strong>ers<br />

den Schwestern sagen, dass sie weg mussten. Die beiden<br />

Schwestern sagten, wenn eine weg muss, dann geht die andere auch.<br />

Schwester Friedl <strong>ist</strong> nach Leoben gekommen und Schwester Therese,<br />

die vom 6. Oktober 1945 bis 11. Dezember 1946 in Schladming war,<br />

kam nach einer kurzen Zeit im Mutterhaus nach Weikersdorf.“<br />

Als Oberschwester hatte man s<strong>ich</strong> um <strong>so</strong> gut wie alles zu kümmern,<br />

wie aus einem Brief von Diakonisse Sophie Wolf vom 4. August<br />

949 hervorgeht:


„…die Schweindln sind gut angekommen, nur haben sie uns anfangs<br />

ein bisschen Sorge gemacht, weil sie n<strong>ich</strong>t fressen wollten.<br />

Wahrscheinl<strong>ich</strong> war das die Umstellung von der großen Herde in<br />

die Einsamkeit. Nun holen sie aber ein, was sie versäumt haben,<br />

und gedeihen recht gut. Wegen der Kartoffel weiß <strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t, ob das<br />

rentabel <strong>ist</strong>, wenn wir sie von Graz kommen lassen. Wir kaufen hier<br />

die Kartoffel das Kilo um 55 Groschen, schon vor drei Wochen, vielle<strong>ich</strong>t<br />

sind sie jetzt auch schon wieder billiger und das bis ins Haus<br />

gestellt. Wir würden schon Kartoffeln nehmen, wenn sie uns dieselben<br />

zu diesem Preis einschließl<strong>ich</strong> Transportkosten liefern können.<br />

Im anderen Fall kaufen wir sie hier natürl<strong>ich</strong> billiger.“<br />

Schwester Sophie Wolf tat alles, was nur mögl<strong>ich</strong> war, um einen<br />

Neubau des Krankenhauses bei den zuständigen Behörden <strong>du</strong>rchzubringen,<br />

und war <strong>so</strong> neben dem tägl<strong>ich</strong>en Betrieb entscheidend am<br />

Aufbau des neuen Krankenhauses an der Hochstraße beteiligt.<br />

Schwester Sophie erzählte 977 Schwester Franzi Dolch ganz nervös,<br />

dass sie bei ihren privaten Sachen und in der Schwesternkanzlei<br />

nach der Bestätigung suche, dass sie evangelisch <strong>ist</strong>, konnte diese<br />

Bestätigung aber n<strong>ich</strong>t finden!<br />

Schwester Sophie erinnerte s<strong>ich</strong> zurück, wie sie mit 6 Jahren ganz<br />

alleine in die Evangelische Kirche übergetreten <strong>ist</strong>. Ihre Eltern waren<br />

schon früher, um die Jahrhundertwende, übergetreten.<br />

„Mein Bruder <strong>ist</strong> dann mit 14 konfirmiert worden, <strong>ich</strong> aber wurde<br />

noch katholisch gefirmt.“<br />

Eine große Erle<strong>ich</strong>terung war es dann für sie, dass Pfarrer Cepek<br />

ihr auf dem Taufschein bestätigte, dass sie evangelisch <strong>ist</strong>! „Sonst<br />

würden sie <strong>m<strong>ich</strong></strong> am Ende noch katholisch begraben!“ war Schwester<br />

Sophies Sorge - und das nach über 70 Jahren als eingesegnete Diakonisse<br />

im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen!<br />

In ihrem letzten Lebensjahr, als Diakonisse Sophie Wolf ihren Feierabend<br />

im Haus Abendfrieden in Gallneukirchen verbrachte, konnte<br />

die Schwesterngemeinschaft mit Schwester Sophie <strong>so</strong>gar noch das<br />

seltene Jubiläum „7 Jahre im Diakonissenkleid“ feiern und auf ihr<br />

langes segensre<strong>ich</strong>es Leben zurückblicken.<br />

Am 2. April 979 <strong>ist</strong> Diakonisse Sophie Wolf im 93. Lebensjahr still<br />

heimgegangen.<br />

6 7


Durch das Wirken vieler gelang das große Werk<br />

Schladming bekommt ein neues Krankenhaus<br />

Es waren Oberschwester Sophie Wolf und ihre Mitschwestern, die<br />

über die Unzulängl<strong>ich</strong>keiten des alten Krankenhauses klagten und <strong>so</strong><br />

die Vorarbeiten für ein neues Krankenhaus vorwärts trieben.<br />

Die Arbeit, die die Diakonissen im alten Krankenhaus angefangen<br />

haben, musste weitergeführt <strong>werde</strong>n. Da begannen die Frauen des<br />

Evangelischen Frauenarbeitskreises in Schladming s<strong>ich</strong> einzuschalten.<br />

An deren Spitze Grete Vitzthum, die den dringenden Neubau<br />

eines Krankenhauses als Auftrag erkannte. Wie mühsam es auch<br />

streckenweise war, vertraute sie darauf, „dass ihr der Dienst am<br />

Nächsten vom <strong>Herr</strong>n in dieser Weise aufgetragen wurde“.<br />

So haben Grete Vitzthum und ihr zur Seite Diakonisse Sophie Wolf<br />

und Primar Dr. Hans Martz das Anliegen eines Krankenhausneubaues<br />

vorangetrieben.<br />

Im Jahre 9 4 baten die Frauen des Frauenarbeitskreises für einen<br />

damals geplanten Zubau um Spenden, im Jahre 9 7 ein zweites<br />

Mal. Die Frauen sammelten auch Unterschriften, welche die Bitte um<br />

ein neues Krankenhaus bei der Landesregierung bekräftigen <strong>so</strong>llten.<br />

Eine Sitzung der Bürgerme<strong>ist</strong>er aller Umgebungsgemeinden ließ<br />

erkennen, dass alle helfen wollten. Im Herbst 9 8 wurde in allen<br />

Gemeinden der Umgebung von Schladming um ein Opfer für den<br />

Krankenhausneubau gebeten. Rotes Kreuz, Heimatverein, Kameradschaftsbund,<br />

Alpenverein, Landjugend, Fremdenverkehrsverein und<br />

Jagdschutzverein, alle gaben „Liebesgaben“ und <strong>so</strong> war es Grete<br />

Vitzthum und ihren fleißigen Helferinnen gelungen, den versprochenen<br />

Betrag von Million Schilling zusammenzubringen.<br />

Die Stadtgemeinde Schladming stellte den Baugrund zu einem Anerkennungspreis<br />

zur Verfügung, ließ die Zufahrtsstraße bauen und<br />

le<strong>ist</strong>ete einen erhebl<strong>ich</strong>en Beitrag zur Wasserver<strong>so</strong>rgung. Die Stadt-<br />

8 9


gemeinde und die Landesregierung haben maßgebl<strong>ich</strong> zur Verwirkl<strong>ich</strong>ung<br />

des Neubaues beigetragen.<br />

Das Krankenhaus <strong>so</strong>llte 70 Betten, zwei Operationsräume, Entbin<strong>du</strong>ngsstation,<br />

Wöchnerinnenabteilung mit Säuglingszimmer <strong>so</strong>wie<br />

Bestrahlungs- und Untersuchungsräume und alle nötigen Nebenräume<br />

erhalten.<br />

Am 3. November 9 7 setzte Landeshauptmann Josef Krainer den<br />

ersten Spatenst<strong>ich</strong> für das neue Krankenhaus.<br />

Die Dachgle<strong>ich</strong>e wurde am 26. Oktober 9 8 mit einer kleinen Feier<br />

begangen.<br />

Besuch der Oberin in Württemberg<br />

„Stärke Deine Brüder“<br />

Zwei Monate vor der Eröffnung des neuen Diakonissen-Krankenhauses<br />

in Schladming re<strong>ist</strong>e Oberin Aenne Wiedling aus Gallneukirchen<br />

mit der Bahn zum Gustav-Adolf-Fest nach Ulm. Es war das<br />

erste Württembergische Gustav-Adolf-Fest, das die Oberin miterlebte,<br />

und sie war überwältigt von der Gastfreundschaft dieser vielen<br />

tatkräftigen und praktisch denkenden Chr<strong>ist</strong>en. Das Motto des Festes<br />

war „Stärke deine Brüder“. Da gab es Frauen, die für Schladming<br />

Gänse rupften, die Federn gemeinsam geschlissen haben und dabei<br />

an Schladming dachten. Dann wurden mit diesen Federn Tuchenten<br />

und Kissen prall gefüllt, damit die österre<strong>ich</strong>ischen Glaubensgenossen<br />

we<strong>ich</strong> und warm darauf liegen können.<br />

Kinder und Jugendl<strong>ich</strong>e haben für die Kinder in den Gallneukirchner<br />

Einr<strong>ich</strong>tungen gesammelt.<br />

Frauen strickten und nähten und Firmen gaben bereitwillig Liebesgaben<br />

für das Krankenhaus. Die Veranstaltung dauerte drei Tage<br />

und bei der Hauptversammlung fand ein beeindruckender „Festzug<br />

der Liebe“ statt. Viele schöne Gaben wurden von den evangelischen<br />

Württembergern für Schladming überre<strong>ich</strong>t. Die Frauen der Alb kamen<br />

in ihrer schwarzen Tracht auf das Podium und brachten eine<br />

lange Kette mit fünfzehn prall gefüllten Tuchenten, für die viele<br />

Gänse ihre Federn ließen, mit.<br />

Noch eine be<strong>so</strong>ndere Gabe erhielt das Schladminger Krankenhaus:<br />

das Abendmahlgerät aus Zinn. Daran hatten die Ulmer Diakonissen<br />

gedacht und wiesen darauf hin, was sie zutiefst mit den österre<strong>ich</strong>ischen<br />

Diakonissen verbindet: der <strong>Herr</strong>, der zu uns kommt in seinem<br />

Heiligen Mahl.<br />

N<strong>ich</strong>t nur die äußeren Gaben waren Hilfe, <strong>so</strong>ndern auch die Glaubensverbundenheit,<br />

die man immer wieder erkennen konnte.<br />

20 2


Das Krankenhaus wird einger<strong>ich</strong>tet<br />

„Eine Näherin nähte noch fix<br />

bunte Polster für die Krankensessel ...“<br />

6 Tage vor der Eröffnung des neugebauten Diakonissen-Krankenhauses<br />

re<strong>ist</strong>e Oberin Aenne Wiedling mit einigen Diakonissen aus<br />

dem Diakonissen-Mutterhaus nach Schladming an, um noch auf der<br />

Baustelle das Haus für den kommenden Betrieb wohnl<strong>ich</strong> einzur<strong>ich</strong>ten.<br />

Lesen Sie nun – wie die Oberin nach der Eröffnung ber<strong>ich</strong>tete – über<br />

die Helfer und Mitarbeiter und die fleißigen Frauenhände, die den<br />

Schwestern freudig und verständnisvoll halfen, das Haus für den<br />

Krankenhausbetrieb pünktl<strong>ich</strong> in harmonische Ordnung zu bringen:<br />

„Haben Sie schon mal in einem Haus gelebt ohne Türen und Klinken,<br />

ohne Gardinen, in einem Haus, in dem noch kein Wasser läuft,<br />

<strong>so</strong>ndern mit einem langen Schlauch von draußen in die Küche geleitet<br />

<strong>werde</strong>n muss, in einem Haus, in dem noch Vertreter sämtl<strong>ich</strong>er<br />

männl<strong>ich</strong>er Handwerker<strong>so</strong>rten - von früh bis abends rufend, hämmernd,<br />

klopfend, pfeifend, messend, beratend, rauchend und essend,<br />

fleißig, aber geräuschvoll – s<strong>ich</strong> betätigten?<br />

Schon während des Planens des Baues war den Frauen Mitdenken<br />

und Beraten erlaubt. So waren im Bauausschuss selbstverständl<strong>ich</strong><br />

Frauen. Dann und wann <strong>du</strong>rften wir Frauen den Bau in allen seinen<br />

Phasen bes<strong>ich</strong>tigen. In den letzten Monaten <strong>du</strong>rften die Frauen der<br />

Evangelischen Gemeinde, die mit Interesse unseren Bau wachsen<br />

sahen, ans Mithelfen denken, ans Säubern, Reiben und Putzen.<br />

Aber sechzehn Tage vor der festgesetzten Einweihung musste dann<br />

doch noch einmal ganz energisch zugegriffen <strong>werde</strong>n. Wir zogen zu<br />

mehreren, von Gallneukirchen kommend, als Vortrupp ein: Schwester<br />

Otti übernahm zaghaft die leere Küche und <strong>so</strong>llte doch kochen!<br />

Aber worauf und worin? Das Mutterhaus und das alte Krankenhaus<br />

füllten schnell die Speisekammer, <strong>so</strong> war das „Was“ wenigstens gelöst.<br />

Wenn jedoch weder Tische noch Stühle und Schränke da sind,<br />

darf man Kummer haben. Schwester Martha, die immer rührige<br />

Handwerkerin und Scheuerfrau, wusste Rat, fand im r<strong>ich</strong>tigen Moment<br />

eine Hilfe für alles, was noch n<strong>ich</strong>t oder n<strong>ich</strong>t mehr funktionierte.<br />

Am schwersten zu lösen war die Wasserfrage im Allgemeinen und<br />

im Einzelnen.<br />

Schwester Adelheid wurde Spezial<strong>ist</strong>in im Gardinennähen und –aufhängen.<br />

Das hört s<strong>ich</strong> <strong>so</strong> einfach an. Aber der längst bestellte Stoff<br />

kam erst zwölf Tage vor der Einweihung an. Zehn Ballen <strong>so</strong>llten<br />

gemessen, ger<strong>ich</strong>tet, genäht und schließl<strong>ich</strong> aufgehängt <strong>werde</strong>n! Die<br />

verschiedensten Helferinnen kamen Stunden oder Tage und halfen<br />

mit: ein Kurgast nähte in wenigen Stunden für mehrere Fenster<br />

Gardinen, zwei Nähmaschinen wurden uns aus der evangelischen<br />

Gemeinde geliehen. Mehrere Frauen aus dem Ort erkannten mit<br />

r<strong>ich</strong>tigem Mitgefühl unsere Arbeitsfülle und halfen treu. Unsere<br />

Sigrid, aus Gallneukirchen mitgenommen, war in Haus und Küche<br />

beschäftigt. Wir fünf, Schwester Martha, Schwester Otti, Schwester<br />

Adelheid, Fräulein Sigrid und die Schreiberin, waren die ersten<br />

Bewohner des großen Hauses.<br />

Trotz aller Arbeit und Mühe, trotz allem Eifer – es machte ja auch<br />

<strong>so</strong>viel Freude, zupacken zu können – war es uns w<strong>ich</strong>tig, von Anfang<br />

an gemeinsam den Tag mit Gottes Wort und Gebet zu beginnen<br />

und zu beenden. Was nützt das schöne Gebäude, wenn n<strong>ich</strong>t der<br />

echte Ge<strong>ist</strong> einge“baut“ wird? Wenn wir n<strong>ich</strong>t als Gottes Mitarbeiter<br />

den einzigen Grund legen, der das Haus und uns halten kann. Wir<br />

haben während des Entstehens und Bauens das Haus in unserer<br />

Fürbitte mitbegleitet, und wir sind dankbar, dass Gott unsere Gebete<br />

erhörte. Es wurde ohne allen Unfall und Streit fertig. Aber nun <strong>so</strong>llte<br />

auch das erste Einwohnen und Einleben geschehen mit Gott, im gemeinsamen<br />

Singen und Beten. Denn von ihm und <strong>du</strong>rch ihn und zu<br />

ihm sind alle Dinge, al<strong>so</strong> auch dieses Haus mit seinem Leben.<br />

Unsere Mitschwestern unten im alten Krankenhaus hatten ihr<br />

gerüttelt Maß an Arbeit und konnten „oben“ nur gelegentl<strong>ich</strong><br />

hineinschauen. So war dies unser stellvertretender Dienst für sie,<br />

eine Aufgabe des Mutterhauses.<br />

Der schl<strong>ich</strong>te Andachtsraum wurde erst am Abend der Einweihung<br />

fertig. Er wird für die Hausmutter, alle Schwestern und Patienten<br />

eine Hilfe sein. Wir hielten unsere Andachten im Speiseraum und<br />

in meinem provi<strong>so</strong>risch einger<strong>ich</strong>teten Dienstzimmer, sangen auf der<br />

Diele oder der Veranda unsere Abendlieder.<br />

Eine be<strong>so</strong>ndere Freude war es uns, dass die Luthergemeinde<br />

Offenbach am Main mit ihrem Dekan, die in Rohrmoos jährl<strong>ich</strong> eine<br />

Familienfreizeit hatten und das Werden des Baues mit „Gustav-<br />

Adolf-Interesse“ verfolgten, nun ganz feierl<strong>ich</strong> das Haus bes<strong>ich</strong>tigten<br />

22 23


und dabei auf der oberen Diele zum ersten Mal kräftig das „Lobe den<br />

<strong>Herr</strong>n“ erklingen ließen. Darin kam für uns die Verbundenheit mit<br />

<strong>so</strong>viel Glaubensgenossen, die an uns denken und für uns eintreten,<br />

ohne dass wir es vielle<strong>ich</strong>t ahnen, zum Ausdruck.<br />

Einige „h<strong>ist</strong>orische“ Momente fallen in diese 14 Tage. Vor allem<br />

das erste Telefongespräch mit dem Mutterhaus! Was bedeutete das<br />

für unsere Schwestern und Mitarbeiter, einen <strong>so</strong> schnellen äußeren<br />

Kontakt mit der Zentrale zu haben. Freil<strong>ich</strong> klappte dieser Kontakt<br />

noch n<strong>ich</strong>t gle<strong>ich</strong> laufend; die Postbeamtinnen hatten mit uns und<br />

unserem Apparat viel Mühe, aber auch viel Ge<strong>du</strong>ld.<br />

Schwester Milli bestand die Fahrstuhlprüfung, und <strong>so</strong> wurde nach<br />

und nach alles einger<strong>ich</strong>tet und erstmalig in Benützung genommen.<br />

Das waren alles Ereignisse, die wir n<strong>ich</strong>t gedankenlos erleben wollten.<br />

Über der äußeren und inneren Bereitung des Hauses musste die Feier<br />

der Einweihung für den 26. Juni 1960 vorbereitet <strong>werde</strong>n.<br />

Die auswärtigen Gäste <strong>so</strong>llten in den Patientenzimmern wohnen. Der<br />

<strong>Herr</strong> Bürgerme<strong>ist</strong>er hatte seine Sorgen um den Verkehr und äußeren<br />

Verlauf dieses großen Tages in seiner Stadt. So übernahm die Gendarmerie<br />

die Regelung des Autoverkehrs, das Rote Kreuz den Ordnungsdienst<br />

im Hause bei der Bes<strong>ich</strong>tigung, die Feuerwehr draußen<br />

vor dem Hause.<br />

Fahnenmaste mussten geborgt <strong>werde</strong>n, Blumenschmuck wurde<br />

gespendet. Die Waldheimat in Gallneukirchen schickte uns zwölf<br />

„Waldvögel“ zur Hilfe für die letzten Tage, die Frauen aus Schladming<br />

und Ramsau machten mit rührender Ge<strong>du</strong>ld immer wieder<br />

von neuem sauber, eine Näherin nähte noch fix bunte Polster für die<br />

Krankensessel in den Aufenthaltsräumen, Schwester Hedwig hängte<br />

fachmännisch und sparsam guten Wandschmuck auf, das Geschirr<br />

und einige Tische kamen auch noch gerade rechtzeitig an, und<br />

zuletzt stand überall Blumenschmuck.<br />

Die einzelnen Schwesterngruppen spendeten praktische Dinge: die<br />

Gallneukirchner Schwestern Liegestühle, das Diakonissen-Krankenhaus<br />

Linz r<strong>ich</strong>tete liebevoll das Säuglingszimmer ein, unser Altenheim<br />

in Graz schenkte Schirmständer, Gartenschirme und Schreibtischlampen,<br />

aus der Helenenburg in Bad Gastein kamen zwei (<strong>so</strong>zusagen)<br />

geräuschlose Bohnerbürsten, das Krankenhaus in Waiern<br />

strickte und nähte für die Säuglinge, die Gemeindeschwestern<br />

sammelten für ein großes Kreuz, das noch für den Andachtsraum<br />

gearbeitet wird. War das eine Freude, alles auszupacken! Oder wenn<br />

z. B. plötzl<strong>ich</strong> ein Auto vorfuhr und ein Ennstaler Fabrikant Decken<br />

spendete für die Krankenbetten.<br />

Nun <strong>ist</strong> unser Diakonissen-Krankenhaus in Schladming n<strong>ich</strong>t nur<br />

eingeweiht, <strong>so</strong>ndern ganz in Besitz genommen, das heißt: wir leben<br />

darin mit unserem Dienst. Kranke kamen und gingen, damit zogen<br />

Schmerz und Freude ein, Leiden und Seufzen, notvolle Sorgen und<br />

Ängste, aber auch Seufzer der Erle<strong>ich</strong>terung und dankbare Herzen<br />

nach erfolgter Heilung. Wir Schwestern zogen ein mit aller Einsatzbereitschaft<br />

und mit Dank für dieses schl<strong>ich</strong>te, geräumige und praktische<br />

Haus.<br />

Inzwischen läuft Kalt– und Warmwasser, die Türen haben Klinken,<br />

die Fenster Vorhänge, die Handwerker und die dazugehörenden<br />

Geräusche zogen ab.<br />

Es <strong>ist</strong> verhältnismäßig le<strong>ich</strong>t, ein Haus zu planen und zu bauen und<br />

mit Freundes<strong>hilf</strong>e einzur<strong>ich</strong>ten. Das W<strong>ich</strong>tigste kommt erst, und das<br />

<strong>so</strong>ll unsere ständige Bitte sein: Dass Gott zum Wollen das Vollbringen<br />

gebe und dass sein Segen es schütze und bewahre und s<strong>ich</strong> dort<br />

eine Gemeinde baue.“<br />

24 2


Die Einweihungsfeier<br />

Die Einweihung des Krankenhauses und die Dachgle<strong>ich</strong>e des neben<br />

dem Krankenhaus gebauten Schwesternheimes fanden am 26. Juni<br />

960 statt. Es war ein Festtag, an dem um die tausend Menschen<br />

teilnahmen. Die Bedeutung des Tages wurde <strong>du</strong>rch die Anwesenheit<br />

hoher kirchl<strong>ich</strong>er Würdenträger <strong>so</strong>wie Politiker unterstr<strong>ich</strong>en.<br />

Bischof Dr. Gerhard May weihte das Haus mit Gottes Wort und<br />

Gebet.<br />

26 27


Das Schwesternheim<br />

Am 6. April 96 fand die Einweihung des Schwestern-Wohnheimes<br />

statt.<br />

Zur Eröffnung des Schwesternheimes schrieb der Vorsitzende des<br />

Gustav-Adolf-Werkes der Evangelischen Landeskirche in Württemberg,<br />

Prälat Dr. Er<strong>ich</strong> E<strong>ich</strong>ele, folgende Worte an die Schwestern:<br />

„Gott der <strong>Herr</strong> sei den Schwestern in ihrem neuen Heim Sonne und<br />

Schild und mache es für sie zu einer Stätte froher Lebensgemeinschaft<br />

und tägl<strong>ich</strong>er Stärkung für ihr anstrengendes Tagewerk im<br />

Dienst der Nächstenliebe!“<br />

28 29


Modernisierungen und Veränderungen<br />

Die erste „männl<strong>ich</strong>e Oberschwester“<br />

969 kam der junge Rummelsberger Bruder Diakon Paul Eibl in<br />

das Schladminger Diakonissen-Krankenhaus, um es zu bes<strong>ich</strong>tigen.<br />

Diakonisse Helene Kalkhauser vertrat in der Urlaubszeit die Oberschwester<br />

und führte ihn <strong>du</strong>rchs Haus.<br />

Es stand für ihn gle<strong>ich</strong> fest, hier im Schladminger Krankenhaus<br />

arbeiten zu wollen.<br />

Er bewarb s<strong>ich</strong> und die Rummelsberger Brüderschaft stimmte diesem<br />

Wunsch gle<strong>ich</strong> zu. Das Mutterhaus hat von s<strong>ich</strong> aus schon Kontakt<br />

mit Rummelsberg aufgenommen, um einen Diakon als männl<strong>ich</strong>en<br />

Pfleger zu bekommen. Für das Diakonissen-Krankenhaus war das<br />

etwas ganz Neues.<br />

Bruder Eibl, der seit 994 das Haus für Senioren im Diakonie-<br />

Zentrum Salzburg leitet, war 2 Jahre im Diakonissen-Krankenhaus<br />

Schladming tätig. Er trat seine Arbeit auf der Männerstation<br />

an.<br />

Bruder Eibl erinnert s<strong>ich</strong>, wie es für ihn denn war, mit den Diakonissen<br />

zu arbeiten.<br />

„Als <strong>ich</strong> in Schladming anfing, waren noch viele Diakonissen im<br />

Haus tätig. Sie gaben dem Haus eine be<strong>so</strong>ndere Atmosphäre. Die<br />

Diakonissen haben immer sehr korrekt gearbeitet. Meine erste<br />

Oberschwester im Haus war Diakonisse Ottilie Schrempf, eine sehr<br />

liebenswürdige, um Wohlergehen aller Patienten und Mitarbeiter<br />

bemühte Leitung. Ich kam frisch aus dem Nürnberger Klinikum,<br />

das wohl eines der modernsten Krankenhäuser war, nach Schladming.<br />

Ich war jung und hatte natürl<strong>ich</strong> den Kopf voller Ideen und<br />

Vorschläge für Modernisierungen und Veränderungen. Ich rechne es<br />

Schwester Ottilie hoch an, dass sie immer ein offenes Ohr hatte und<br />

<strong>so</strong> manche Vorschläge von <strong>mir</strong> zuließ.<br />

Auf den Stationen arbeiteten Diakonisse Mariechen Igler, Diakonisse<br />

Resi Reiter, Diakonisse Marianne Niederb<strong>ich</strong>ler. Diakonisse Pauline<br />

Thumberger war immer gut gelaunt auf der Wochenstation tätig und<br />

im OP arbeiteten Diakonisse Ernestine Traar und Diakonisse Käthe<br />

Bell. In der Verwaltung saß noch Diakonisse Sona Willr<strong>ich</strong>. Die<br />

Küche wurde von Diakonisse Hermine Enigl geleitet und Pfortenschwester<br />

war Diakonisse Luise Walter. Das Schwesternheim wurde<br />

von Diakonisse Rosi Marx geführt.<br />

Später kam dann auch Diakonisse Marianne Holzinger ins Haus und<br />

zeitweise wurden Diakonissen aus Gallneukirchen, zum Beispiel für<br />

Urlaubsvertretungen, nach Schladming entsandt.<br />

Ich denke gerne an diese Zeit zurück, als noch <strong>so</strong> viele Diakonissen<br />

im Haus tätig waren.“<br />

Als Oberschwester Diakonisse Ottilie Schrempf in einer anderen Einr<strong>ich</strong>tung<br />

gebraucht wurde, folgte ihr Anni Primeßnig als neue Oberschwester.<br />

Sie kam gemeinsam mit zwei ihrer Mitschwestern nach<br />

Schladming.<br />

Die drei Diakonissen hatten das Band zum Mutterhaus im September<br />

970 kurz zuvor gelöst und s<strong>ich</strong> in Linz zu einer Kommunität<br />

zusammengeschlossen.<br />

Die kleine Gruppe hatte s<strong>ich</strong> das ge<strong>ist</strong>l<strong>ich</strong>e Ziel gesetzt, neben der<br />

Arbeit noch mehr Zeit zu finden, um im gemeinsamen Beisammensein<br />

und Gebet Kraft zu sammeln.<br />

30 3


Die drei Schwestern haben Schladming in R<strong>ich</strong>tung Kärnten verlassen<br />

und später in Gnesau das Ordenshaus „Communität Freue D<strong>ich</strong>“<br />

gegründet.<br />

Bruder Eibl leitete bereits die Männerstation und übernahm nun<br />

direkt von Oberschwester Anni Primeßnig die Pflegedienstleitung.<br />

Er war <strong>so</strong>zusagen „die erste männl<strong>ich</strong>e Oberschwester“ im Haus,<br />

was natürl<strong>ich</strong> vor allem für die Diakonissen eine große Umstellung<br />

bedeutete. Bruder Eibl wurde aber sehr geschätzt und <strong>so</strong> arbeitete<br />

man sehr gut zusammen.<br />

Er konnte weitere Erneuerungen einführen. So bekamen zum Beispiel<br />

die ersten Betten Räder, um den Transport der Patienten zu<br />

erle<strong>ich</strong>tern. Es wurden auch die ersten Einwegartikel eingeführt.<br />

„Die Diakonissen haben immer sehr sparsam gearbeitet, wie sie es<br />

eben ihr Leben lang gewohnt waren. Sie haben zum Beispiel die<br />

OP-Tupfer nach Gebrauch wieder ausgekocht und zur weiteren Verwen<strong>du</strong>ng<br />

zum Trocknen aufgelegt. Auch die OP-Handschuhe wurden<br />

gewaschen und wieder verwendet. Das alles machte natürl<strong>ich</strong> mehr<br />

Arbeit, doch man hat eben gespart.“<br />

In Diakon Paul Eibls Zeit in Schladming kam es auch von 973 bis<br />

97 zu einer baul<strong>ich</strong>en Erweiterung und Aufstockung des Hauses.<br />

Es wurde zu jener Zeit immer deutl<strong>ich</strong>er spürbar, dass es keinen<br />

Diakonissen-Nachwuchs mehr gab. Immer mehr Diakonissen, die<br />

noch im Haus tätig waren, wurden alt und gingen in den verdienten<br />

Feierabend in das Mutterhaus zurück.<br />

32 33


Diakonisse Pauline Thumberger<br />

„Die me<strong>ist</strong>en Kinder <strong>werde</strong>n eben<br />

in der Nacht geboren“<br />

In einem Gespräch im Dezember 2006 im Diakonissen-Mutterhaus<br />

Bethanien erzählte Diakonisse Pauline Thumberger aus ihrer Zeit auf<br />

der Geburtenstation im Diakonissen-Krankenhaus Schladming.<br />

Schwester Paulines Augen funkelten voller Freude, wenn sie<br />

von den Säuglingen, den Wöchnerinnen und vor allem von den<br />

„Frühchen“, den Frühgeburten, erzählte, denen sie all ihre Liebe und<br />

Für<strong>so</strong>rge schenkte.<br />

Pauline Thumberger wurde im Burgenland geboren. Sie erinnert s<strong>ich</strong><br />

noch gut an die Zeit zurück, wie sie bei ihrem Konfirmandenunterr<strong>ich</strong>t<br />

den Erzählungen über den Dienst der Diakonissen aufmerksam<br />

lauschte. Zu jener Zeit kam Diakonisse Liesel Dreher in Paulines<br />

Heimatgemeinde, um für den Bau des Diakonissen-Feierabendhauses<br />

„Abendfrieden“ zu sammeln. Schwester Liesel erzählte auch über die<br />

Gallneukirchner Schwesternschaft und <strong>so</strong> reifte in Pauline der Entschluss<br />

heran, auch Diakonisse zu <strong>werde</strong>n.<br />

Mit 8 Jahren trat sie in die Schwesternschaft ein. In Bethel-Bielefeld<br />

erhielt Schwester Pauline eine 3-jährige Ausbil<strong>du</strong>ng in der<br />

Kinderkrankenpflege.<br />

963 kehrte Schwester Pauline in das Mutterhaus nach Gallneukirchen<br />

zurück und wurde bei der letzten Diakonissen-Einsegnung<br />

in Österre<strong>ich</strong> als Diakonisse feierl<strong>ich</strong> eingesegnet. Mit ihrem bestandenen<br />

Krankenpflegediplom kam Schwester Pauline in das Evangelische<br />

Krankenhaus Waiern, in dem Gallneukirchner Diakonissen<br />

schon jahrzehntelang Dienst taten. Im März 969 kam sie dann<br />

als Kinderschwester in die Geburtenstation nach Schladming. Die<br />

Leitung der Station hatte Verbandsschwester Martha Plut inne, von<br />

der Schwester Pauline noch viel gelernt hat, ehe sie später selbst die<br />

Stationsleitung übernahm.<br />

Die Schwestern haben damals n<strong>ich</strong>t mehr bei der Geburt im Kreißzimmer<br />

mit<strong>geholfen</strong>, dafür gab es Arzt und Hebamme. Gle<strong>ich</strong> nach<br />

der Geburt wurden die Säuglinge zur weiteren Pflege in die erfahrenen<br />

Hände der Diakonissen gelegt.<br />

„Für die Väter gab es Besuchszeit von 14 - 16 Uhr. Damals war<br />

es noch strikt <strong>so</strong>, dass das Kinderzimmer fast steril war. In dieses<br />

Kinderzimmer <strong>du</strong>rfte niemand Ziviler hinein, nur wir Schwestern<br />

kümmerten uns um die Säuglinge, nur wir <strong>du</strong>rften drinnen die<br />

Kinder baden und füttern. Wir hatten weiße Mäntel und Mundschutz<br />

und den Vätern und Verwandten wurden die Kinder nur <strong>du</strong>rch ein<br />

Glasfenster gezeigt. Heute <strong>ist</strong> das alles anders, aber damals zu jener<br />

Zeit war es eben <strong>so</strong>, dass man <strong>so</strong> auf die Gesundheit der Säuglinge<br />

achtete.“<br />

Schwester Pauline erzählte von einer Frau, die seinerzeit mit le<strong>ich</strong>ten<br />

Anze<strong>ich</strong>en von Wehen ins Krankenhaus kam:<br />

„Wir haben ihre Hebamme angerufen, sie war da, hat s<strong>ich</strong> die Frau<br />

angeschaut und hat gesagt, das dauert noch länger - und <strong>ist</strong> wieder<br />

heimgefahren. Kaum war die Hebamme weg, hat die Frau starke<br />

Wehen bekommen. Schwester Marianne Holzinger war gerade bei<br />

<strong>mir</strong> auf der Station. Die Wehen haben n<strong>ich</strong>t aufgehört und wir<br />

konnten keine Hebamme erre<strong>ich</strong>en und haben keinen Doktor gefunden,<br />

denn die haben alle operiert. Und <strong>so</strong> haben wir zwei die Frau<br />

gle<strong>ich</strong> praktisch am Gang heraußen entbunden! So schnell <strong>ist</strong> das<br />

gegangen! Es <strong>ist</strong> aber alles, Gott sei Dank, gut gegangen. Der Doktor<br />

<strong>ist</strong> dann ganz aufgeregt dahergelaufen gekommen. Na und wir waren<br />

erst aufgeregt!“<br />

„Den <strong>Herr</strong>n Primar konnte man auch mitten in der Nacht anrufen,<br />

er war immer bereit zu kommen. Er war sehr tüchtig, er hat ja<br />

auch <strong>so</strong> vielseitig sein müssen, vom Säugling bis zu jeder Krankheit<br />

- alles hat er wissen müssen. Jetzt hat man ja für alles einen extra<br />

Primar und Spezial<strong>ist</strong>en.“<br />

34 3


„Die Frühgeburten, wenn sie klein waren und n<strong>ich</strong>t <strong>so</strong> gut geatmet<br />

haben, haben wir bis nach Salzburg ins Kinderkrankenhaus auf die<br />

Frühgeburtenstation bringen müssen. Das war damals noch mit dem<br />

Rettungswagen, in dem ein kleiner Inkubator eingebaut war. Es war<br />

noch n<strong>ich</strong>t dieser Tunnel da und wir brauchten noch 2 Stunden nach<br />

Salzburg. Da bin <strong>ich</strong> oft auch in der Nacht mitgefahren. Die me<strong>ist</strong>en<br />

Kinder <strong>werde</strong>n eben in der Nacht geboren und <strong>so</strong> waren das oft<br />

Nachtfahrten. Diese Fahrten sind <strong>mir</strong> immer noch sehr gut in Erinnerung,<br />

denn man hat ja Angst gehabt um das kleine „Würmchen“.<br />

Heute fliegt man ja bei <strong>so</strong> was mit dem Hubschrauber! Da waren wir<br />

dann immer sehr dankbar, wenn alles gut gegangen und das Kind<br />

<strong>du</strong>rchgekommen <strong>ist</strong>. Die Eltern sind dann immer gekommen und<br />

haben uns erzählt, wie es dem Kind denn <strong>so</strong> geht.“<br />

Schwester Pauline erinnerte s<strong>ich</strong>, dass die Besetzung der Schwestern<br />

immer sehr knapp war und es <strong>so</strong> <strong>du</strong>rchaus vorkommen konnte, dass<br />

beispielsweise für eine Blinddarmoperation die Pfortenschwester<br />

Luise aus der Pforte gerufen wurde, um Narkose zu machen.<br />

„Die Schwester Luise hat <strong>m<strong>ich</strong></strong> mal zur Pforte hinuntergerufen, <strong>ich</strong><br />

<strong>so</strong>ll eine Wöchnerin holen. Als <strong>ich</strong> nach unten gekommen bin, war<br />

da ein junges Mädchen mit <strong>so</strong> 14 Jahren, die halt <strong>so</strong> als ganze etwas<br />

dicker war. Schwester Luise hat gesagt: ‚Nehmen Sie das Mädchen<br />

ins Kreißzimmer.’ Eine Freundin, die das Mädchen begleitete, meinte<br />

empört: ‚So eine Verleum<strong>du</strong>ng, sie hat doch eine Blinddarmentzün<strong>du</strong>ng!’<br />

Schwester Luise hat gesagt: ‚Nehmen Sie das Mädchen nur<br />

mit auf die Geburtenstation und nach ein paar Stunden hat halt<br />

‚der Blinddarm’ dann geschrieen!’ Al<strong>so</strong> hat sie dann wirkl<strong>ich</strong> ein<br />

Baby gekriegt mit 14 Jahren! Sie war eine Deutsche, die auf Urlaub<br />

da war und weil sie halt immer schon etwas dicker war und noch<br />

<strong>so</strong> jung, hat sie das anscheinend gar n<strong>ich</strong>t gemerkt. Sie war dann<br />

ganz eine liebe Mutter. Sie war immer <strong>so</strong> lieb zu ihrem Baby, wie ein<br />

Pupperl hat sie es immer herumgetragen. Nur nach Hause hat sie<br />

s<strong>ich</strong> lange n<strong>ich</strong>t getraut!“<br />

„Als <strong>ich</strong> nach Schladming gekommen bin, war Diakonisse Ottilie<br />

Schrempf die Oberschwester. Sie war sehr für Gemeinschaft, da gab<br />

es einen großen gemeinsamen Tisch und ein gemeinsames Essen.<br />

Nach Schwester Ottilie kam Schwester Anni Primeßnig und dann<br />

hat Bruder Eibl die Leitung übernommen.“<br />

Auf die Frage, wie es denn war, als nun erstmals ein Mann das Amt<br />

der Oberschwester als Pflegedienstleiter übernahm, sagte Schwester<br />

Pauline: „Wir haben den Bruder Eibl ja schon gut gekannt, als er<br />

dann die Leitung übernahm. Es war sehr schön mit ihm, aber schon<br />

anders für uns Diakonissen, denn er hat ja seine Familie gehabt.<br />

Ich erinnere <strong>m<strong>ich</strong></strong> gerne an die Bibelstunden, die uns Bruder Eibl<br />

gehalten hat. Damals gab es auch tägl<strong>ich</strong>e Andachten, die waren<br />

aber manchmal eher spärl<strong>ich</strong> besucht. Die Schwestern haben ja auch<br />

keine Zeit gehabt. Es waren aber schon immer einige Leute bei der<br />

Andacht und sie <strong>ist</strong> ja für die Patienten auch schon in die Krankenzimmer<br />

übertragen worden. Es gab da <strong>so</strong> kleine Polsterl mit Lautsprechern,<br />

auf denen man liegen und <strong>so</strong> die Andacht mitverfolgen<br />

konnte.<br />

Ich bin immer am Abend, wenn es dann ein bisschen still war und<br />

bevor die Nacht gekommen <strong>ist</strong>, noch in jedes Zimmer gegangen und<br />

hab Andacht mit den Wöchnerinnen gelesen. Das haben sie auch<br />

alle eigentl<strong>ich</strong> geschätzt und es hat nie jemand etwas dagegen gehabt,<br />

im Gegenteil.<br />

Al<strong>so</strong>, es war wirkl<strong>ich</strong> eine schöne Arbeit im Schladminger Krankenhaus,<br />

es war keine le<strong>ich</strong>te, denn man hat viel von uns Schwestern<br />

verlangt, weil wir halt noch <strong>so</strong> spärl<strong>ich</strong> besetzt waren, aber es war<br />

meine schönste Zeit.“<br />

36 37


Diakonisse Ernestine Traar<br />

Mit Leib und Seele Operationsschwester<br />

Ernestine Traar wurde am 8. Oktober 9 4 in Villach geboren. Sie<br />

trat 934 in das Grazer Mutterhaus ein, kam am 6. Februar 93<br />

als Probeschwester in das Mutterhaus Bethanien in Gallneukirchen<br />

und wurde 948 eingesegnet.<br />

Ihr Einsegnungsspruch war: „Befiehl dem <strong>Herr</strong>n deine Wege und<br />

hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“ Ps. 37,<br />

Schwester Ernestine war zuerst in verschiedenen Häusern in Gallneukirchen<br />

eingesetzt und anschließend in den Diakonissen-Krankenhäusern<br />

in Salzburg, Linz und Graz tätig.<br />

Von 960 bis 983 war sie mit Bege<strong>ist</strong>erung immer treu als<br />

Operationsschwester in Schladming tätig.<br />

Bruder Eibl erzählt über Diakonisse Ernestine Traar:<br />

„Schwester Ernestine war sehr genau, sehr exakt hat sie die Abläufe<br />

im OP bestens beherrscht. Nach dem Chefchirurgen kam gle<strong>ich</strong><br />

Schwester Ernestine. Man hat s<strong>ich</strong> gegenseitig respektiert. Die<br />

Zusammenarbeit zwischen Chirurg und erster Instrumentarin muss<br />

wie aus einer Hand gehen, da war Schwester Ernestine genau in<br />

ihrem Element. Es herrschte strengste Hygiene im OP. Sie war sehr<br />

streng und es war mit ihr Verdienst, dass die Ärzte <strong>so</strong> gut operieren<br />

konnten.<br />

Was das anzulernende Per<strong>so</strong>nal anbelangt, war Ernestine sehr streng<br />

und manchmal auch ein wenig gefürchtet, doch sie war auch sehr<br />

gerecht.<br />

38 39


Bei aller Strenge hat Schwester Ernestine aber auch ihr Gerechtigkeitsempfinden<br />

und <strong>so</strong>ziales Gewissen ausgeze<strong>ich</strong>net. Wenn es<br />

jemandem schlecht ging, jemand <strong>so</strong>gar etwas verbockt hat oder<br />

etwas schief gegangen <strong>ist</strong>, hat sie s<strong>ich</strong> für ihn gle<strong>ich</strong> voll eingesetzt.“<br />

Bruder Eibl hat s<strong>ich</strong> auch darum gekümmert, dass Schwester<br />

Ernestine ihr eigenes Zimmer im Schwesternheim behielt. Sie hatte<br />

dort zwar ein Zimmer, doch wann immer ein Primar zur Vertretung<br />

oder eine Schwester auf Besuch kam, stellte sie immer <strong>so</strong>fort bereitwillig<br />

ihr Zimmer zur Verfügung und schlief wieder nur in einem<br />

kleinen Kämmerchen neben dem OP-Saal.<br />

Ab 984 war Diakonisse Ernestine Traar dann in der Apotheke des<br />

Diakonissen-Krankenhauses Schladming tätig.<br />

Als im Dezember 990 mit Schwester Ernestine Traar die letzte im<br />

Dienst stehende Diakonisse das Haus verließ und in das Diakonissen-Mutterhaus<br />

zurückkehrte, um dort ihren Feierabend zu verbringen,<br />

ging eine ganz be<strong>so</strong>ndere Ära im Diakonissen-Krankenhaus<br />

Schladming zu Ende.<br />

Aus gesundheitl<strong>ich</strong>en Gründen kam Schwester Ernestine im August<br />

996 in das Haus Abendfrieden. Ihre letzten Lebensjahre waren von<br />

körperl<strong>ich</strong>er Schwäche geze<strong>ich</strong>net.<br />

Am 2. September 998 rief Gott der <strong>Herr</strong> Diakonisse Ernestine Traar<br />

zu s<strong>ich</strong>.<br />

Aus der Arbeit der<br />

Gemeindeschwestern<br />

40 4


Die Gemeindeschwestern<br />

Sie kannten weder Müdigkeit noch Stillsitzen<br />

In zahlre<strong>ich</strong>e Städte der Donaumonarchie <strong>so</strong>wie der Ersten und<br />

Zweiten Republik wurden Diakonissen vom Mutterhaus hinaus in<br />

die evangelischen Gemeinden entsandt, um s<strong>ich</strong> der Kranken und<br />

Alten anzunehmen.<br />

In Großstädten oder in kleinen Gemeinden wurden Gemeindestationen<br />

gegründet, die Diakonissen waren dann für Jahre, oft für Jahrzehnte<br />

für die Bevölkerung und alle, die ihrer Hilfe be<strong>du</strong>rften, mit<br />

Rat und Tat stets bereit.<br />

Im Mai 887 begann die Gemeindepflege in Gablonz, 899 in Goisern<br />

und Asch (Böhmen). Gemeindeschwestern wirkten auch in<br />

Wien, Meran, Salzburg, Linz, Waiern, Bad Ischl, Steyr, Fohnsdorf,<br />

Triest, Gosau, Florenz, Aussig, Gmunden, Wels, Gröbming, Schladming<br />

und in der Ramsau, um nur einige der Gemeindestationen zu<br />

nennen.<br />

Im Gallneukirchner Diakonissen-Mutterhaus Bethanien trafen viele<br />

Anfragen von evangelischen Pfarrgemeinden oder auch der politischen<br />

Gemeinden, al<strong>so</strong> der Bürgerme<strong>ist</strong>er, zur Entsen<strong>du</strong>ng einer<br />

Gemeindeschwester ein. Die Gemeinden zahlten ein festgelegtes<br />

Stationsgeld an das Mutterhaus und erklärten s<strong>ich</strong> bereit, die Unterkunft<br />

und Verpflegung der Schwestern s<strong>ich</strong>er zu stellen. Oft wurde<br />

das Stationsgeld für die Gemeindeschwester von Vereinen, wie den<br />

evangelischen Frauenvereinen, aufgebracht.<br />

In Gmunden wurde beispielsweise zum Gedenken des 00. Geburtstages<br />

Ihrer Majestät der Königin Marie von Hannover von der Herzogl<strong>ich</strong>en<br />

Familie und der Pfarrgemeinde ein Fonds einger<strong>ich</strong>tet, der<br />

für die Anstellung einer Gemeindeschwester bestimmt war. Diakonisse<br />

Ida Paetsch übernahm diese Station.<br />

Die zehn Jahre zuvor verstorbene Königin stand den evangelischen<br />

Einr<strong>ich</strong>tungen zeitlebens sehr nahe. Die Königin <strong>so</strong>wie ihr Sohn,<br />

der Herzog von Cumberland, förderten und halfen mit großzügigen<br />

„Liebesgaben“, wie man zu jener Zeit Spenden nannte. Die Königin<br />

bedachte selbst nach ihrem Heimgang das Werk noch mit 2.000<br />

Kronen.<br />

Die Gemeindeschwestern le<strong>ist</strong>eten oft Außerordentl<strong>ich</strong>es, war es<br />

doch für sie oft schwer, <strong>so</strong> ganz auf s<strong>ich</strong> alleine gestellt zu sein. Es<br />

waren keine Mitschwestern, Oberschwester, Oberin oder Rektor zugegen,<br />

die man um Rat bitten und mit denen die Schwester Verantwortung<br />

teilen konnte.<br />

Die Gemeindeschwestern wurden auch n<strong>ich</strong>t immer gle<strong>ich</strong> akzeptiert<br />

und es gab <strong>so</strong> manche Kontroversen mit den Ärzten, der Stadtgemeinde<br />

und Bevölkerung. Oft mussten die Diakonissen in ihre Aufgaben<br />

erst hineinwachsen. Doch dann waren sie für die Menschen<br />

in den Gemeinden, egal welcher Konfession sie angehörten, größtenteils<br />

unersetzl<strong>ich</strong>.<br />

Die Oberin und das Rektorat versuchten zwar immer, regelmäßigen<br />

Kontakt mit ihren Schwestern in den Außenstationen zu haben,<br />

doch gelang dies be<strong>so</strong>nders in den Wirren der Kriege und der Nachkriegsjahre<br />

oft monatelang n<strong>ich</strong>t. Besatzungszonen waren schwer zu<br />

überbrücken, es gab nur schlechte Verkehrsmögl<strong>ich</strong>keiten und die<br />

me<strong>ist</strong>en Gemeindestationen waren weit vom Mutterhaus entfernt.<br />

Aber die tiefe innere Verbundenheit zur Oberin, den Mitschwestern,<br />

ja zum ganzen Werk, blieb immer aufrecht. Am Einsatzort selbst<br />

waren es me<strong>ist</strong>ens ein Pfarrer oder die Frauen der Gemeinde, die<br />

auch ein wenig auf ihre Schwester achteten.<br />

Die vielen Aufgabengebiete der Gemeindeschwestern veränderten<br />

s<strong>ich</strong> natürl<strong>ich</strong> im Laufe der Jahrzehnte. Die Krankenpflege blieb aber<br />

immer die Hauptaufgabe. Die ersten Gemeindediakonissen zur Zeit<br />

der Monarchie und des Ersten Weltkrieges hatten natürl<strong>ich</strong> mit ganz<br />

anderen Verhältnissen zu kämpfen als zum Beispiel Schwestern, die<br />

dann schon technische Hilfsmittel wie Telefon und ausgebaute Verkehrswege<br />

zur Verfügung hatten.<br />

Wenn es dann für die Gemeindeschwestern Zeit wurde, altersbedingt<br />

in das Mutterhaus zurückzukehren, um dort ihren Feierabend zu<br />

verbringen, oder wenn sie in einer anderen Station benötigt wurden,<br />

war das oft sehr schmerzl<strong>ich</strong>. Sie haben doch <strong>so</strong> lange Zeit auf ihrer<br />

Station verbracht, vieles aufgebaut und all die Menschen, die ihnen<br />

anvertraut waren, oft schon über Generationen gekannt und mit<br />

ihnen Freud und Leid geteilt.<br />

Ja, es war oft für die Diakonissen schwer, in den Feierabend zu treten<br />

und ihre lieb gewonnenen Stationen, ob nun im Krankenhaus,<br />

Pflegeheim und Gästehaus oder eben die Gemeindestation zu verlassen.<br />

Doch zeigt auch dieser Übergang in den Feierabend, was es<br />

42 43


heißt, ein Mutterhaus zu haben. Die Diakonissen kehrten heim nach<br />

Gallneukirchen, von wo sie vor Jahrzehnten ausgesandt wurden. Die<br />

Diakonissen fanden auch dort noch Aufgaben, die sie nach Neigung<br />

und Kräften erfüllen konnten, aber auch die Geborgenheit und<br />

Pflege bei Krankheit und im hohen Alter.<br />

Als es dem Mutterhaus n<strong>ich</strong>t mehr mögl<strong>ich</strong> war, Diakonissen in die<br />

Gemeinden zu entsenden, weil es einfach am Nachwuchs fehlte und<br />

die im Dienst stehenden Schwestern alt wurden, war dies für das<br />

Diakoniewerk ein großer Verlust, da die Verbin<strong>du</strong>ngen des Mutterhauses<br />

hinaus in die evangelischen Gemeinden da<strong>du</strong>rch immer mehr<br />

verloren gingen.<br />

Es gäbe <strong>so</strong> vieles über die <strong>hilf</strong>re<strong>ich</strong>e Arbeit der Gemeindeschwestern<br />

zu ber<strong>ich</strong>ten.<br />

Stellvertretend für alle Gemeindeschwestern, folgen kurze Ber<strong>ich</strong>te<br />

über drei Diakonissen.<br />

Sie haben ihren Dienst am Nächsten in der Ramsau, in Gröbming<br />

und Schladming über Jahrzehnte mit viel Liebe, Gottvertrauen und<br />

Durchsetzungskraft erfüllt.<br />

Viele Menschen in diesen Regionen <strong>werde</strong>n s<strong>ich</strong> noch an die<br />

Begegnungen mit diesen Diakonissen erinnern und wissen, was<br />

diese starken Frauen gele<strong>ist</strong>et haben.<br />

Diakonisse Fanny Preiml<br />

Ehrenbürgerin von Gröbming<br />

„Allein dem <strong>Herr</strong>n gehört alle Ehre“, das <strong>ist</strong> fest verankert im Glauben,<br />

Leben und Wirken aller Diakonissen. Und <strong>so</strong> konnte Schwester<br />

Fanny Preiml es n<strong>ich</strong>t ganz verstehen, warum denn gerade sie 990<br />

zur Ehrenbürgerin von Gröbming ernannt wurde: „Ich tat doch<br />

nur, was der <strong>Herr</strong> von uns allen verlangt: Ihm an den Kranken und<br />

Schwachen zu dienen.“<br />

Die hohe Ausze<strong>ich</strong>nung der Ehrenbürgerschaft kam von Bürgerme<strong>ist</strong>er<br />

Hartwig Steiner, dem Gemeinderat und der Gröbminger Bevölkerung.<br />

Im Rahmen einer Feier dankte man Schwester Fanny für ihre<br />

großen Le<strong>ist</strong>ungen in der Alten- und Hauskrankenpflege.<br />

Stefanie (Fanny) Preiml wurde am 6. Juli 900 in Platz/Kärnten<br />

geboren. Als Fanny noch ein junges Mädchen war, sagte ihre Mutter<br />

einst zu ihr und ihren Schwestern: „Dirndln, wenn ihr größer seid’s,<br />

auch mit den Buama zusammenkommt’s und allerhand Geheimnisse<br />

habt’s, sagt’s das n<strong>ich</strong>t den anderen Dirndln, die sagen es gle<strong>ich</strong><br />

weiter und dann gibt’s gle<strong>ich</strong> a Rauferei. Sagt es dem <strong>Herr</strong>n Jesus,<br />

der hört alles, der versteht euch besser und er sagt n<strong>ich</strong>ts weiter.“<br />

Diese Worte waren von nun an auf einem festen Platz tief drinnen<br />

in Fannys Innerstem. „Es <strong>ist</strong> doch eine wunderbare Sache, wie gut<br />

der <strong>Herr</strong> <strong>du</strong>rch ein Wort, das in seinem Namen gesprochen wird,<br />

Menschen zu Recht <strong>hilf</strong>t, dass sie ihren Lebensweg finden.“ Fanny<br />

war eine Frohnatur und sie hat „Tag und Nacht“ gesungen und<br />

gelacht.<br />

926 trat sie in das Diakonissenhaus Graz unter der Oberin Diakonisse<br />

Martha Lucke ein und wurde 932 in das Amt der Diakonisse<br />

eingesegnet. Schwester Fanny wirkte in vielen Einr<strong>ich</strong>tungen. In<br />

44 4


Prag lernte sie alles über die Krankenpflege, danach ging es auf die<br />

Stationen Pinkafeld, Fürstenfeld und Bad Goisern, in das Diakonissen-Krankenhaus<br />

Salzburg und natürl<strong>ich</strong> wurde sie auch in Gallneukirchen<br />

eingesetzt. Am längsten stand sie jedoch in der Gemeindearbeit<br />

in Gröbming.<br />

Früh, sehr früh, stand Schwester Fanny schon von ihrem Nachtlager<br />

auf. Und dann ging es hinaus zu den Kranken und Alten.<br />

Sie machte Besuche bei den <strong>werde</strong>nden Müttern und bei den Müttern<br />

mit Kindern - überall war sie mit Rat und Tat zur Stelle: Ob<br />

nun eine kleine Verletzung oder ein Ausschlag zu verbinden war<br />

oder die Ernährung eines Säuglings überprüft <strong>werde</strong>n musste.<br />

Schwester Fanny erledigte alles in Windeseile, denn der Tag konnte<br />

n<strong>ich</strong>t genügend Stunden für sie haben, <strong>so</strong> vielen Menschen wollte<br />

sie be<strong>ist</strong>ehen. Jeden Tag begab sie s<strong>ich</strong> erneut auf oft lange Wege<br />

zu den Kranken und Alten, um nach ihnen zu sehen, um sie neu zu<br />

lagern oder zu massieren, um ihnen Linderung, Heilung oder Trost<br />

zu spenden.<br />

So ging sie zu Fuß, mit ihrem Fahrrad oder später mit ihrem Motorrad<br />

bei jedem Wetter los, um zum Beispiel einer Bäuerin Ratschläge<br />

für die Behandlung ihres erkrankten Kindes zu geben oder um einer<br />

Soldatenfrau wegen eines lange ausgebliebenen Feldpostbriefes Mut<br />

zuzusprechen. Schwester Fanny ging mit offenem Ohr von Haus zu<br />

Haus, denn <strong>so</strong> erfuhr sie, wo wieder jemand krank war, eine Mutter<br />

ihr Kind erwartete oder <strong>so</strong>nst jemand Hilfe benötigte.<br />

Schwester Fanny legte auch den Grundstein für den Kindergottesdienst<br />

in Gröbming und war jahrzehntelang als Religionslehrerin<br />

beliebt und ums<strong>ich</strong>tig tätig.<br />

Es sind Tonbänder erhalten, auf denen Schwester Fanny aus ihrem<br />

bewegten Leben erzählt.<br />

Schwester Fanny sprach immer wieder Lebenserinnerungen aufs<br />

Band und nahm auch Gottesdienste und Lieder auf. So <strong>ist</strong> vieles, das<br />

ihr in ihrem Leben be<strong>so</strong>nders w<strong>ich</strong>tig war, auch heute noch bekannt.<br />

Sie erzählte von ihrer frohen Kindheit, wie sie in Graz in das Diakonissen-Mutterhaus<br />

eingetreten <strong>ist</strong> und wie sie elf Monate bei einer<br />

gräfl<strong>ich</strong>en Familie in Jugoslawien in der Privatpflege eingesetzt<br />

war. Sie erzählte natürl<strong>ich</strong> von ihrer Arbeit in Gröbming, aber vor<br />

allem spr<strong>ich</strong>t Schwester Fanny vom Singen und ihrem Gröbminger<br />

Kirchenchor, der ihr <strong>so</strong> w<strong>ich</strong>tig war und <strong>so</strong> viel Erquickung und<br />

Erbauung bereitete.<br />

Schwester Fanny Preiml konnte s<strong>ich</strong> nach all den Jahren auch noch<br />

an die erste Patientin, zu der sie in ein kleines Bauernhaus als Gröbminger<br />

Gemeindeschwester kam, erinnern:<br />

„Sie saß im Bett steil aufger<strong>ich</strong>tet, hinten Polster. Sie war recht<br />

klein von Per<strong>so</strong>n und unter den Knien hat sie wahrscheinl<strong>ich</strong> Polster<br />

gehabt, das weiß <strong>ich</strong> aber nimmer, die Hände hatte sie auf der<br />

Bettdecke. Ich hab <strong>so</strong>fort gesehen, dass die Frau g<strong>ich</strong>tkrank <strong>ist</strong>. Die<br />

ganzen Finger und die Gelenke, alles war von der G<strong>ich</strong>t befallen und<br />

verunstaltet. Sie konnte schon n<strong>ich</strong>t mehr selber essen, sie konnte<br />

s<strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t mehr die Nase putzen und n<strong>ich</strong>t einmal eine Fliege wegjagen,<br />

<strong>so</strong> lagen ihre Hände auf der Decke. Ob sie geredet hat, das<br />

weiß <strong>ich</strong> nimmer mehr. Ob <strong>ich</strong> etwas geredet oder gesungen hab, das<br />

<strong>ist</strong> mögl<strong>ich</strong>, weil <strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t gewusst hätte, was <strong>ich</strong> <strong>so</strong>nst tun könnte.<br />

Dann hab <strong>ich</strong> halt den Leuten erzählt von der Predigt, die <strong>ich</strong> am<br />

Sonntag gehört hab, oder vom Singen und bin a bisserl bei ihnen gesessen.<br />

Das Haus war am Felsen gebaut, hinten, wo das Bett gestanden<br />

<strong>ist</strong>, war buchstäbl<strong>ich</strong> ein Felsen, da haben sie beim Hausbauen<br />

das Haus dort am Felsen angelehnt, weil der Felsen haltet eh selber<br />

d<strong>ich</strong>t, da brauchen sie keine Mauer bauen. Kurz und gut <strong>ist</strong> über den<br />

Felsen dann Wasser runtergesickert und <strong>du</strong>rch die Küche <strong>du</strong>rchgeronnen.<br />

In dieser Küche hat die Frau von der Heirat an gewirtschaftet,<br />

gelebt und gekocht und auf dem Boden war immer Wasser. Daher<br />

<strong>ist</strong> es ja kein Wunder, wenn sie <strong>so</strong> von der G<strong>ich</strong>t befallen worden<br />

war.“<br />

Dann erzählt Schwester Fanny auch von einer Mutter mit Zwillingen,<br />

die gerade zu laufen begannen, und dass die Mutter n<strong>ich</strong>t<br />

immer aufpassen konnte. So hat diese Frau einfach die Matratze aus<br />

dem Gitterbett gegeben und die Kinder auf den Holzboden des Bettes<br />

gesetzt. Oben drauf kamen zwei dicke Bretter, die sie noch mit<br />

einem großen Stein beschwerte, <strong>so</strong> dass den Kindern, wenn sie s<strong>ich</strong><br />

an den Gitterstäben hochzogen, n<strong>ich</strong>ts passieren konnte. „Und es <strong>ist</strong><br />

ihnen wirkl<strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>ts passiert. Aber <strong>m<strong>ich</strong></strong> hat’s <strong>so</strong> entsetzt, dass es<br />

das geben kann und die zwei Kinderlein da drinnen. Man muss s<strong>ich</strong><br />

das vorstellen!“<br />

Sepp und Marianne waren die Namen der Zwillinge.<br />

Den Sepp hatte Schwester Fanny dann auch im Religionsunterr<strong>ich</strong>t,<br />

den sie über viele Jahre leitete.<br />

Eines Tages kam der Sepp und sagte „Schwester Fanny, gestern<br />

haben Sie <strong>m<strong>ich</strong></strong> eingesperrt!“ Schwester Fanny war zutiefst<br />

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erschrocken. Sepp erzählte, dass er noch aufs Klo musste, als sie<br />

schon die Kinder im Vorraum verabschiedete. Als er wiederkam,<br />

waren alle schon weg und die Haustüre zugesperrt. „Was hast Du<br />

getan, um rauszukommen?“ fragte Schwester Fanny. „Ach“, sagte<br />

dann der Bub und strahlte stolz: „Ich hab das Haustor hinten aus<br />

den Angeln gekippt, denn vorne <strong>ist</strong> es ja n<strong>ich</strong>t gegangen, weil zugesperrt<br />

war, und <strong>so</strong> bin <strong>ich</strong> heimgekommen.“<br />

„Hab <strong>ich</strong> meinem <strong>Herr</strong>n gedankt! Dass der Bub heimgekommen <strong>ist</strong><br />

und dass die Leute den Buben n<strong>ich</strong>t suchen mussten, denn kein<br />

Mensch hätte ihn im Religionszimmer gesucht“ erzählte Schwester<br />

Fanny nach all den Jahrzehnten immer noch aufgeregt, sie konnte<br />

dieses doch <strong>so</strong> harmlose Ereignis nie vergessen.<br />

„Ich hab mit meinen Volksschülern viel gesungen und versucht,<br />

<strong>du</strong>rch das Lied die Kinder zu unserem eigentl<strong>ich</strong>en Glauben zu bringen.<br />

Das <strong>ist</strong> <strong>mir</strong> oft gelungen, denn die Kinder haben gern gesungen.“<br />

Einmal meldete s<strong>ich</strong> Superintendent Achberger zur Schulvisitation<br />

an, am Samstag von 2 bis 3 Uhr. „Hab <strong>ich</strong> eine Angst gehabt!<br />

Am Samstag hab <strong>ich</strong> <strong>mir</strong> gedacht, die Kinder sind ja von der Woche<br />

müde! Am Samstag von zwölf bis eins Religion halten, die wissen ja<br />

da überhaupt n<strong>ich</strong>ts, die sind da ja schon alle hungrig und müde -<br />

das wird eine wunderbare Pleite! Ich hab <strong>mir</strong> gedacht, macht n<strong>ich</strong>ts,<br />

er <strong>so</strong>ll kommen. Al<strong>so</strong>, wie er dann reinkommt bei der Türe und die<br />

Kinder aufstehen und grüßen, sage <strong>ich</strong>: Liebe Kinder, heute haben<br />

wir einen hohen Besuch, der Superintendent selber, und jetzt wollen<br />

wir ihm etwas vorsingen. Dann haben wir dem Superintendenten<br />

sage und schreibe die ganze Stunde vorgesungen. Die haben ja <strong>so</strong><br />

viele Lieder auswendig gekonnt, weil wir haben ja immer <strong>so</strong> viel gesungen.<br />

Wir haben nun gesungen und gesungen und gesungen und er<br />

<strong>ist</strong> überhaupt n<strong>ich</strong>t zu Wort gekommen. Er hätte ja einmal ein paar<br />

Fragen stellen können, ob sie denn glauben können, ob sie das ‚Vater<br />

Unser’ können oder ob sie die <strong>heil</strong>igen 10 Gebote kennen. Alles das<br />

hätte er ja fragen und prüfen <strong>so</strong>llen und wollen und nun kam er vor<br />

lauter Singen zu überhaupt n<strong>ich</strong>ts und <strong>ich</strong> war froh, dass er wieder<br />

gegangen <strong>ist</strong>. Aber vorher hat er wohl gesagt zu <strong>mir</strong>: ‚Schwester,<br />

<strong>so</strong> viel singen <strong>ist</strong> auch n<strong>ich</strong>t gut mit den Kindern.’ Ja, hab <strong>ich</strong> <strong>mir</strong><br />

gedacht, wenn <strong>du</strong> wüsstest, warum wir gesungen haben. Ich hab ja<br />

Angst gehabt, dass die Kinder in der Mittagszeit n<strong>ich</strong>ts wissen oder<br />

dass <strong>ich</strong> ihnen zu wenig gelernt habe - das war ja alles mögl<strong>ich</strong>.<br />

Es war einfach unwahrscheinl<strong>ich</strong>, es hat der treue Gott <strong>m<strong>ich</strong></strong> samt<br />

den Kindern <strong>du</strong>rchgebracht und <strong>du</strong>rchgetragen, dass nie was geschehen<br />

<strong>ist</strong>, n<strong>ich</strong>t einmal da, wo <strong>ich</strong> den Sepp in der Schule eingeschlossen<br />

habe.“<br />

„Wenn <strong>ich</strong> einmal keine Schwerkranken gehabt habe, habe <strong>ich</strong> die<br />

Gemeindebesuche gemacht. Da habe <strong>ich</strong> ein Motorrad gehabt und<br />

wenn <strong>ich</strong> es einmal mit allen Kräften ganz aufgedreht habe, hat es<br />

40 Tempo gehabt. Aber <strong>ich</strong> habe <strong>mir</strong> nie getraut, ganz aufzudrehen,<br />

immer nur auf 38 und <strong>so</strong> bin <strong>ich</strong> gefahren. So bin <strong>ich</strong> <strong>du</strong>rch die<br />

Gegend gefahren und hab <strong>du</strong>rch die Gegend gesungen. Ich habe bei<br />

jeder Mögl<strong>ich</strong>keit gesungen, denn am Motorrad habe <strong>ich</strong> ja n<strong>ich</strong>t<br />

treten brauchen. Ich bin <strong>mir</strong> vorgekommen, als wäre <strong>ich</strong> der König<br />

von Gröbming, vor lauter Freude, dass <strong>ich</strong> jetzt n<strong>ich</strong>t mehr treten<br />

brauch wie mit dem Fahrrad, weil <strong>ich</strong> jetzt das Motorrad hatte.“<br />

Das Singen war Schwester Fanny ihr Leben lang eine be<strong>so</strong>ndere<br />

Herzensangelegenheit. Mit Leidenschaft und Liebe gründete und<br />

leitete sie den evangelischen Kirchenchor von Gröbming mehrere<br />

Jahrzehnte mit voller Hingabe. In den vielen langen Nächten<br />

der Nachtwachen bei Kranken nutzte sie die Zeit und schrieb viele<br />

Lieder nieder.<br />

Schwester Fanny war <strong>du</strong>rch ihre Originalität und Opferbereitschaft<br />

sehr geschätzt und beliebt, sie war auch sehr von missionarischem<br />

Ge<strong>ist</strong> geprägt.<br />

Im Jahre 970 trat die hoch respektierte Schwester Fanny in den<br />

Feierabend und half immer noch, wo sie nur konnte.<br />

Als Schwester Fannys Bruder unerwartet verstarb, bereitete der<br />

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Gröbminger Kirchenchor Schwester Fanny wohl einen der größten<br />

Freuden und Trost. Der Chor ließ Schwester Fanny n<strong>ich</strong>t alleine am<br />

Grabe des Bruders stehen, <strong>so</strong>ndern begleitete sie und sang an seinem<br />

Grab. Als 6 Jahre später der Gröbminger Kirchenchor erfuhr,<br />

dass nun auch Schwester Fannys Schwester gestorben war, holten<br />

sie die schon sehr schwache Diakonisse, der es <strong>so</strong>nst n<strong>ich</strong>t mögl<strong>ich</strong><br />

gewesen wäre, diese Reise auf s<strong>ich</strong> zu nehmen, aus Gallneukirchen<br />

ab. Gemeinsam mit Diakonisse Milli Eder brachten die Freunde aus<br />

Gröbming und der Kirchenchor Schwester Fanny zur Beerdigung<br />

und sangen in der Kirche und am Grab. Schwester Fannys Herz war<br />

voll mit Dank und Freude, einen größeren Liebesbeweis hätte der<br />

Gröbminger Kirchenchor ihr kaum bereiten können. Das hat Schwester<br />

Fanny sehr viel bedeutet.<br />

Schwester Fannys letzte Monate waren sehr von körperl<strong>ich</strong>er<br />

Schwäche geze<strong>ich</strong>net. Am . Mai 99 hat sie der <strong>Herr</strong> im Haus<br />

Abendfrieden abberufen.<br />

Der Gröbminger Kirchenchor sang nun auf Schwester Fannys<br />

Beerdigung und nahm <strong>so</strong> von seiner einstigen, <strong>so</strong> hoch geschätzten<br />

Leiterin und Gründerin Abschied.<br />

Schwester Fanny schloss ihre Erzählungen auf einem ihrer letzten<br />

Tonbänder: „Das war mein wunderbares Leben, weil <strong>ich</strong> einfach helfen<br />

hab können, dazu war <strong>ich</strong> praktisch da, das war mein Auftrag.“<br />

0<br />

Diakonisse Lydia Jungmayr<br />

Mit den Skiern oder dem Motorrad zur Krankenpflege<br />

Es war im Jahre 934, als der evangelische Pfarrer der Ramsau bei<br />

der Mutterhaus-Leitung in Gallneukirchen nachfragte, ob es denn<br />

mögl<strong>ich</strong> wäre, eine Diakonisse als Gemeindeschwester in die Ramsau<br />

zu entsenden, um in der Gemeinde Krankenpflege, Geburts<strong>hilf</strong>e und<br />

viele weitere Dienste für Kranke, Kinder und Alte zu le<strong>ist</strong>en. Doch<br />

was der Pfarrer erst gar n<strong>ich</strong>t bedachte, war, dass die Gemeindeglieder<br />

vorerst eher skeptisch waren, dass da eine fremde Schwester<br />

kommen und womögl<strong>ich</strong> ihre Nase in alles stecken würde.<br />

Rektor August Kornacher und Oberin Elisabeth Freiin von Dincklage<br />

mussten n<strong>ich</strong>t lange überlegen, sie wussten <strong>so</strong>fort, welche<br />

Diakonisse die r<strong>ich</strong>tige für diesen Dienst sei: Eine Einheimische, die<br />

tüchtige, in der Ramsau geborene Diakonisse Lydia Jungmayr.


Von 934 bis 970 war nun Schwester Lydia aufopfernde, unersetzl<strong>ich</strong>e<br />

Hilfe für die Gemeinde. Durch ihre liebevolle Für<strong>so</strong>rge für alle<br />

Gemeindeglieder wurde sie gle<strong>ich</strong> in die Herzen der Bevölkerung<br />

aufgenommen.<br />

Schwester Lydia wurde 90 in die kinderre<strong>ich</strong>e Pfarrerfamilie<br />

Jungmayr in der Ramsau am Fuße des Dachsteins geboren. Sie<br />

wuchs mit fünf Geschw<strong>ist</strong>ern auf, verlor aber schon früh Vater und<br />

Mutter. Eine ihrer Schwestern, Ottilie, trat 9 9 in das Gallneukirchner<br />

Diakonissen-Mutterhaus ein. Lydia verspürte genau wie<br />

ihre Schwester den Wunsch, „Gott an den Armen und Kranken zu<br />

dienen“. 923 trat sie ebenfalls in die evangelische Schwesternschaft<br />

ein, 929 wurde sie als Diakonisse feierl<strong>ich</strong> eingesegnet.<br />

Ihr Einsegnungsspruch lautete: „Meine Seele erhebet den <strong>Herr</strong>n, und<br />

mein Ge<strong>ist</strong> freuet s<strong>ich</strong> Gottes, meines Heilandes.“<br />

Luk. , 46-47<br />

Auch Helmi Hamader, eine N<strong>ich</strong>te, und Rosl Jungmayr, eine<br />

Cousine, wurden zum Amt der Diakonisse eingesegnet.<br />

Die ersten Jahre ihres Dienstes verbrachte Diakonisse Lydia Jungmayr<br />

in Asch (Böhmen), die dann folgenden 36 Jahre als für<strong>so</strong>rgl<strong>ich</strong>e<br />

Gemeindeschwester in der Ramsau.<br />

934 re<strong>ist</strong>e Diakonissen-Oberin Elisabeth Freiin von Dincklage<br />

gemeinsam mit Diakonisse Lydia Jungmayr in die Ramsau, um<br />

Schwester Lydia als Gemeindeschwester einzuführen.<br />

Das Evangelische Vereinsblatt von Oberösterre<strong>ich</strong> ber<strong>ich</strong>tete in seiner<br />

Februar-Ausgabe des Jahres 934: „Wir freuen uns, dass uns der<br />

<strong>Herr</strong> <strong>du</strong>rch den Glaubensmut dortiger Frauen und Mädchen diese<br />

neue Arbeit ermögl<strong>ich</strong>t hat, und begrüßen die Gemeinde Ramsau im<br />

Kreise unserer Gemeindeschwestern-Stationen aufs herzl<strong>ich</strong>ste. Gott<br />

segne diesen Neuanfang und setze unsere Schwester der gesamten<br />

Gemeinde zum Segen!“<br />

„Wenn <strong>ich</strong> an die lange Zeit zurückdenke, in der <strong>ich</strong> als Gemeindeschwester<br />

arbeiten darf, <strong>so</strong> <strong>ist</strong> mein Herz zuerst voll Dank gegen<br />

Gott, der <strong>mir</strong> <strong>du</strong>rch all die Jahre hin<strong>du</strong>rch <strong>geholfen</strong> hat, dann gegen<br />

die Schwestern, die <strong>mir</strong> im Krankenhaus mit viel Liebe und Ge<strong>du</strong>ld<br />

beigebracht haben, was man als Schwester wissen muss“,<br />

schrieb Schwester Lydia in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts<br />

nieder.<br />

„In den ersten 10 Jahren meines Hierseins war noch kein Arzt da.<br />

Der Arzt musste von Schladming geholt <strong>werde</strong>n. Das war im Sommer<br />

le<strong>ich</strong>ter als im Winter. Damals gab es weder Schneepflug noch<br />

Schneefräse, außerdem mehr Schnee. Da musste <strong>ich</strong> oft entscheiden,<br />

ob ein Arzt wirkl<strong>ich</strong> nötig sei, weil es manchmal fast unmögl<strong>ich</strong><br />

war, einen herauf zu bringen. Ein Beispiel dafür: Einmal wurde<br />

<strong>ich</strong> bei heftigem Schneetreiben ins letzte Haus an der Salzburger<br />

Landesgrenze gerufen. Ein Kind habe hohes Fieber und Schmerzen<br />

in der Brust, allem Anschein nach hatte es Lungenentzün<strong>du</strong>ng. Ich<br />

brauchte lange, mit den Skiern <strong>mir</strong> den Weg dorthin zu erkämpfen,<br />

zu dem man normal zwei Stunden braucht, denn der Sturm blies<br />

<strong>mir</strong> entgegen. Es wurde schon finster, als <strong>ich</strong> ankam. Ich tat alles,<br />

was <strong>ich</strong> für <strong>so</strong>lche Fälle wusste: machte Wickel, hing nasse Tücher<br />

auf, gab zur Herzstärkung etwas Bohnenkaffee, anderes hatte <strong>ich</strong><br />

n<strong>ich</strong>t zur Hand. Dann schrieb <strong>ich</strong> alles, was <strong>ich</strong> beobachtete, für den<br />

Arzt auf. Um sechs Uhr früh machte s<strong>ich</strong> dann der Großvater über<br />

Mandling auf den Weg zum Arzt nach Schladming und kam mittags<br />

dort fast ohnmächtig vom Schneestapfen an. Um sechs Uhr abends<br />

kam er dann mit den Medikamenten zurück. Sie können s<strong>ich</strong> denken,<br />

wie bange <strong>mir</strong> es in <strong>so</strong>lchen Situationen oft war, wenn es <strong>du</strong>rch<br />

das Wetter unmögl<strong>ich</strong> war, einen Arzt zu bekommen, da <strong>ist</strong> mancher<br />

Gebetsseufzer emporgestiegen. Fast noch schlimmer als Schneesturm<br />

war die Schneeschmelze, wenn die Schneedecke zu brechen anfing,<br />

<strong>so</strong>bald die Sonne schien.“<br />

Es war für Schwester Lydia immer ein schweres innerl<strong>ich</strong>es Ringen,<br />

wenn sie bei den Patienten ankam, ob sie denn nun einen Arzt hinzurufen<br />

musste oder es auch ohne Arzt gehen würde. Das waren<br />

schwierige Entschei<strong>du</strong>ngen, die Schwester Lydia schnell treffen<br />

musste, denn oft ging es um Leben oder Tod. In den Bauernfamilien<br />

der Ramsau gab es noch keine Vers<strong>ich</strong>erungen <strong>so</strong> wie heute, es stand<br />

nur wenig Geld zur Verfügung. Der Arzt oder gar eine Operation<br />

hätten aber natürl<strong>ich</strong> bezahlt <strong>werde</strong>n müssen. Als dann die Pfl<strong>ich</strong>tvers<strong>ich</strong>erungen<br />

aufkamen, war dieses Problem zum Glück gelöst.<br />

„Da war es einmal im März, als <strong>ich</strong> etwa um vier Uhr früh zu einem<br />

Bauern gerufen wurde. Nach der Beschreibung musste es s<strong>ich</strong> um<br />

einen eingeklemmten Bruch handeln. Ich wusste, dass er öfter Besch<strong>werde</strong>n<br />

hatte, den Bruch aber immer reponieren konnte. Der<br />

Bote sagte, sie hätten schon den Arzt verständigt. Ich rechnete aus,<br />

dass Stunden vergehen würden, ehe man den Kranken zur Operation<br />

bringen konnte (der Arzt musste mit dem Schlitten abgeholt <strong>werde</strong>n),<br />

und dass der Transport <strong>du</strong>rch das Einsacken des Schlittens für den<br />

Kranken sehr schmerzhaft sein würde. So telefonierte <strong>ich</strong> dem Arzt,<br />

2 3


wir brächten den Kranken zu ihm. Auf dem Weg zu dem Patienten<br />

war <strong>mir</strong> jämmerl<strong>ich</strong> zumute. Handelte <strong>ich</strong> da voreilig? Würde der<br />

Kranke bereit sein, ohne dass der Arzt ihn vorher sah, s<strong>ich</strong> nach<br />

Schladming bringen zu lassen? Es <strong>ist</strong> doch für jeden Menschen ein<br />

gewaltiger Entschluss, s<strong>ich</strong> operieren zu lassen. In dem Fall auch<br />

für den Hausvater, von den Seinen wegzugehen. Gott hat auch da<br />

<strong>geholfen</strong> und den Kranken und seine Angehörigen willig gemacht.<br />

Allerdings waren auch die Schmerzen <strong>so</strong> groß, dass s<strong>ich</strong> der Kranke<br />

nach Hilfe sehnte. Wir r<strong>ich</strong>teten einen Schlitten mit Matratzen bequem<br />

her und brachten den Patienten nach Schladming, n<strong>ich</strong>t ohne<br />

ihn vorher dem großen Arzt anbefohlen zu haben. Nach der ärztl<strong>ich</strong>en<br />

Untersuchung fuhren wir gle<strong>ich</strong> weiter ins Krankenhaus zur<br />

Operation.“<br />

So kam Schwester Lydia oft erst spät abends in ihre kleine<br />

Wohnung im Pfarrhaus zurück. All zu oft hatte Schwester Lydia<br />

ihre Wohnung n<strong>ich</strong>t geheizt. Es gab zwar einen kleinen Kachelofen<br />

in der Ecke der Stube, doch der blieb me<strong>ist</strong>ens kalt, denn Schwester<br />

Lydia kam gar n<strong>ich</strong>t dazu, einzuheizen. Schon früh morgens eilte sie<br />

zu den Kranken und Alten und kam nie dazu, Holz nachzulegen -<br />

und <strong>so</strong> war es eben in den Wintern oft recht kalt in ihrer Wohnung.<br />

„Einmal wurde <strong>ich</strong> im Winter abends in ein Bauernhaus gerufen.<br />

Zwei Stunden nach Osten, nach Rössing. Die Magd hätte Halsschmerzen,<br />

stark geschwollene Drüsen, das Fieber sei n<strong>ich</strong>t sehr<br />

hoch und sie röche unangenehm aus dem Mund und bekomme<br />

schlecht Luft. Nach dem Erzählen war es wohl Diphtherie. Bevor <strong>ich</strong><br />

zu der Kranken ging, rief <strong>ich</strong> den Arzt in Schladming an, was <strong>ich</strong><br />

tun <strong>so</strong>ll. Er bat <strong>m<strong>ich</strong></strong>, die Kranke zu ihm zu bringen, er würde dann<br />

die Rettung in St. Johann verständigen. Als <strong>ich</strong> in das Haus und zur<br />

Kranken kam, fand <strong>ich</strong> meine Vermutung bestätigt, denn schon der<br />

Geruch im Zimmer war fast unerträgl<strong>ich</strong>. Ich machte sie gle<strong>ich</strong> mit<br />

Decken und Wärmeflaschen für den nächtl<strong>ich</strong>en Transport mit dem<br />

Schlitten fertig, denn es war bitter kalt. Der Arzt in Schladming injizierte<br />

der Kranken das Serum, bis das Sanitätsauto eintraf, warteten<br />

wir in einem Schuppen.<br />

4<br />

Blinddarm operierten die Schladminger Ärzte damals in ihren Ordinationsräumen.<br />

Die Arztgattin instrumentierte. Bei den Ramsauer<br />

Patienten half <strong>ich</strong> auch mit. Nach der Operation wurden die Kranken<br />

auf einer Bahre in das kleine Pflegeheim gebracht, den Vorläufer des<br />

jetzigen schönen Krankenhauses.<br />

Rad- und Skifahren lernte <strong>ich</strong> erst hier. Im ersten Sommer machte<br />

<strong>ich</strong> meine Wege zu Fuß. Im nächsten Jahr schenkten <strong>mir</strong> die Geschw<strong>ist</strong>er<br />

ein Fahrrad. Das nächste Fahrzeug war nach sieben Jahren<br />

ein „Wanderer-Motorrad“. Seit 1953 habe <strong>ich</strong> einen Motorroller.<br />

Zum Skifahren war <strong>ich</strong> gle<strong>ich</strong> gezwungen, denn <strong>ich</strong> kam im Januar<br />

her. Da war manchmal kein Weg, nur Skispuren. Künste auf den<br />

Bretteln habe <strong>ich</strong> nie erlernt, doch komme <strong>ich</strong> hin, wo <strong>ich</strong> hin muss.<br />

Wie herrl<strong>ich</strong> <strong>ist</strong>´s, an einem klaren Wintertag <strong>du</strong>rch die Gegend zu<br />

fahren. Da kann <strong>ich</strong> <strong>m<strong>ich</strong></strong> kaum satt sehen an all der Pracht.<br />

Wie schön war doch früher eine Bauernhochzeit. Da fuhren oft 30<br />

bis 40 Schlitten hintereinander. Einmal, als be<strong>so</strong>nders viel Schnee<br />

war, erlebten wir einen Hochzeitszug auf Skiern.“<br />

Es gab ein kleines Altersheim in der Ramsau, das von der Gemeinde<br />

betrieben wurde. Eine einzige hauptamtl<strong>ich</strong>e Betreuerin war für all<br />

die Alten und Schwachen da. Schwester Lydia half natürl<strong>ich</strong> mit.<br />

Sie übernahm aufopfernd die Pflege bei vielen Bewohnern, machte<br />

Besuche und Be<strong>so</strong>rgungen und half <strong>so</strong>nst noch immer fröhl<strong>ich</strong>,<br />

wo es nötig war. Das Altenheim war recht armselig einger<strong>ich</strong>tet,<br />

wenn man es aber aus heutiger S<strong>ich</strong>t betrachtet, war es doch schon<br />

modern, denn die alten Menschen wohnten zusammen in einer Art<br />

„Hausgemeinschaft“. Jeder war für etwas bestimmtes, was er noch<br />

erledigen konnte, zuständig - ob nun kochen, putzen, oder Wäsche<br />

waschen, alle halfen zusammen und niemand war alleine.


Nanette Eibl, die Großn<strong>ich</strong>te von Diakonisse Lydia Jungmayr (und<br />

Ehefrau von Diakon Paul Eibl) erzählt, wie gut sie s<strong>ich</strong> noch an die<br />

be<strong>so</strong>nders schönen Weihnachtsfeiern in eben diesem Altenheim erinnert.<br />

„Tante Lydia hat schon lange vor Weihnachten angefangen, eifrig<br />

Spenden zu sammeln, um Geschenke für die Alten be<strong>so</strong>rgen zu<br />

können. Sie erkundigte s<strong>ich</strong> schon früh, was den einzelnen denn <strong>so</strong><br />

fehlte, und be<strong>so</strong>rgte alles, ob es nun Unterhosen, Schals oder neue<br />

Schuhe waren. Sie schaffte es immer wieder, für alle die r<strong>ich</strong>tigen<br />

Geschenke zu be<strong>so</strong>rgen. Gemeinsam mit den Kindern im Dorf wurden<br />

dann diese Gaben hübsch verpackt.“<br />

Nanette Eibl erinnert s<strong>ich</strong> noch genau, wie be<strong>so</strong>nders schön und besinnl<strong>ich</strong><br />

es war, als dann zu Weihnachten Schwester Lydia gemeinsam<br />

mit den Kindern auf einem Pferdeschlitten all die Geschenke zu<br />

den Alten brachte.<br />

Es <strong>ist</strong> für Nanette Eibl <strong>so</strong>, als könnte sie noch heute das schöne<br />

Schellengeläute vernehmen, das auf der Fahrt <strong>du</strong>rch die verschneite<br />

Landschaft im Rhythmus des Schlittens die stille kalte Winternacht<br />

<strong>du</strong>rchbrach, bis sie dann schließl<strong>ich</strong> am Ziel ihrer Fahrt ankamen.<br />

Im Altenheim herrschte eine feierl<strong>ich</strong>e Stimmung. Im Kerzenschein<br />

wurden viele Lieder gesungen, Tee gekocht, man las aus der Bibel<br />

vor und feierte <strong>so</strong> die Geburt Jesu Chr<strong>ist</strong>i.<br />

„In den Häusern <strong>ist</strong> es n<strong>ich</strong>t mehr <strong>so</strong> gemütl<strong>ich</strong> wie früher“, erinnerte<br />

s<strong>ich</strong> Schwester Lydia zurück. „Oft, wenn es stürmte, kehrte <strong>ich</strong><br />

schnell wo ein, um auszuschnaufen. Da fand man in der gemütl<strong>ich</strong><br />

warmen Stube die Bäuerin mit den Töchtern und Mägden am Spinnrad<br />

sitzen. Dies Bild der Ruhe ging mit <strong>mir</strong> mit. Jetzt findet man<br />

oft nur den Bauern und die Bäuerin, Mägde sind selten, die Töchter<br />

sind auf einer Schutzhütte oder in Deutschland oder der Schweiz in<br />

Stellung, selbst viele Bauernsöhne waren im letzten Winter zur Holzarbeit<br />

in Deutschland. Die Daheimgebliebenen haben alle Hände voll<br />

zu tun. Der rege Fremdenverkehr wirkt s<strong>ich</strong> aus.<br />

In der Ramsau sind die Wohnungsverhältnisse gut gegen andere<br />

Gegenden. So hat hier fast jedes Kind sein eigenes ordentl<strong>ich</strong>es Bett.<br />

Auch die Säuglinge sind <strong>du</strong>rchwegs gut gehalten und die Mütter<br />

aufgeschlossen für Ratschläge. Für <strong>m<strong>ich</strong></strong> <strong>ist</strong> es nett, dass <strong>ich</strong> jetzt<br />

schon immer zu Säuglingen komme, deren Mütter <strong>ich</strong> auch schon<br />

von klein auf kenne. Ich helfe auch bei den Mutterberatungen, die<br />

einen regen Besuch aufweisen. Seit 1944, als Frau Doktor und 1945<br />

<strong>Herr</strong> Doktor Stemberger in die Ramsau kamen, sind wir ärztl<strong>ich</strong> gut<br />

ver<strong>so</strong>rgt und <strong>mir</strong> <strong>ist</strong> viel Verantwortung abgenommen. Wir arbeiten<br />

gut Hand in Hand.“<br />

Im Winter 94 erre<strong>ich</strong>te das Mutterhaus aus der Ramsau die bange<br />

Nachr<strong>ich</strong>t, dass Diakonisse Lydia Jungmayr an Typhus erkrankt war.<br />

Liebevoll wurde nun sie von ihrer Familie gepflegt. Durch Gottes<br />

Gnade überstand sie diese schwere Erkrankung und konnte ihre<br />

Kräfte wieder zurückerhalten.<br />

„Im Winter gibt es oft Knochenbrüche, da helfe <strong>ich</strong> me<strong>ist</strong> beim Gipsen.<br />

Früher, als <strong>Herr</strong> Doktor noch n<strong>ich</strong>t <strong>so</strong> überlastet war, machte<br />

er auch Extensionen in den Häusern. Als <strong>ich</strong> in die Ramsau kam,<br />

gingen die Leute in <strong>so</strong>lchen Fällen zu den Beineinr<strong>ich</strong>tern. Manchmal<br />

gelang es ihnen, manchmal auch n<strong>ich</strong>t. Mit Schrecken denke<br />

<strong>ich</strong> an einen Fall, wo ein Mann deswegen um sein Bein kam. Er<br />

sträubte s<strong>ich</strong>, ins Krankenhaus zu gehen, dann musste <strong>ich</strong> ihn zur<br />

Amputation ins Krankenhaus nach St. Johann bringen. Diese Fahrt<br />

im Gepäckswagen <strong>werde</strong> <strong>ich</strong> nie vergessen. Ich musste immer meine<br />

Tränen zurückhalten, <strong>so</strong> leid tat <strong>mir</strong> der Mann. Geht es mit einem<br />

Kranken zu Ende, bin <strong>ich</strong> me<strong>ist</strong>ens dabei und habe an Sterbebetten<br />

schon allerlei erlebt.<br />

So <strong>ist</strong> das Leben recht ausgefüllt und <strong>ich</strong> bin glückl<strong>ich</strong> in meinem<br />

Dienst.“<br />

Ein w<strong>ich</strong>tiges Anliegen waren Schwester Lydia auch die Kinder. Sie<br />

führte in der Ramsau den Kindergottesdienst ein und hat diesen<br />

auch viele Jahre selbst jeden Sonntag gehalten. Oft hat sie an der<br />

6 7


Orgel oder am Harmonium der Evangelischen Kirche aus<strong>geholfen</strong><br />

und <strong>so</strong> ebenfalls viel Freude verbreitet.<br />

Am 30. September 970 hieß es Abschied nehmen vom Dienst einer<br />

Gemeindeschwester. Schwester Lydia war fast 70 Jahre alt und ihre<br />

Kräfte nahmen langsam ab. Als sie dann noch einen kleinen Unfall<br />

mit ihrem Motorrad hatte, bereiteten ihre Schwester, Diakonisse<br />

Ottilie Jungmayr, die ebenfalls vor kurzem in den Feierabend trat<br />

(nach vielen Jahren als Oberschwester im Diakonissen-Krankenhaus<br />

Linz), und die Mutterhausleitung in Gallneukirchen alles für ihren<br />

Eintritt in den Feierabend vor.<br />

Das gefiel Schwester Lydia anfangs nun <strong>so</strong> gar n<strong>ich</strong>t, wollte sie doch<br />

weiter ihren Dienst in der Gemeinde ausführen. Sie sah es dann<br />

doch ein, dass es nun an der Zeit war, in den Feierabend zu treten.<br />

Für die Ramsauer Bevölkerung war dies ein schwerer Verlust, hatte<br />

man doch Schwester Lydia <strong>so</strong> in die Herzen geschlossen! Man<br />

konnte s<strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t vorstellen, wie es denn ohne Schwester Lydia, die<br />

doch immer für alle da war, sein <strong>werde</strong>.<br />

Wegen des Mangels an Diakonissen konnte die Station dann auch<br />

n<strong>ich</strong>t mehr mit einer Diakonisse besetzt <strong>werde</strong>n.<br />

Im Kreise der Mitschwestern des Gallneukirchner Diakonissen-Mutterhauses<br />

lebte Schwester Lydia noch weitere Jahre. Sie blieb<br />

immer noch sehr aktiv und half, wo sie nur konnte. Sie bastelte viel,<br />

hat Bibelsprüche aufgeklebt und an der Pforte des Mutterhauses<br />

mit<strong>geholfen</strong>. Sie half auch gerne bei der Vorbereitung von Festen<br />

und Jubiläen. Mit ihrer liebevollen Art hat sie weiterhin ihre weit<br />

verzweigte Familie zusammengehalten und kam noch oft zu Besuch<br />

in die Ramsau, ihre geliebte Heimat, zurück.<br />

Als Schwester Lydia mit den Jahren s<strong>ich</strong>tl<strong>ich</strong> schwächer wurde,<br />

fragte sie einmal ein Familienmitglied, ob sie s<strong>ich</strong> denn schon innerl<strong>ich</strong><br />

aufs Sterben vorbereitet hat. Schwester Lydia antwortete<br />

energisch, dass sie zum Sterben noch n<strong>ich</strong>t bereit sei, denn sie muss<br />

noch für <strong>so</strong> viele liebe Menschen beten.<br />

Am . Advent<strong>so</strong>nntag 983 feierte man im Mutterhaus Bethanien<br />

Schwester Lydias 60jähriges Schwesternjubiläum.<br />

Am . Jänner 98 rief der <strong>Herr</strong> Schwester Lydia nach einem re<strong>ich</strong><br />

erfüllten Leben nach kurzer Krankheit zu s<strong>ich</strong> in die ewige Heimat.<br />

Noch heute erinnern s<strong>ich</strong> viele Menschen in der Ramsau mit Dankbarkeit<br />

und Freude gerne an die Gemeindeschwester Diakonisse<br />

Lydia Jungmayr zurück.<br />

8 9


Diakonisse Marianne Holzinger<br />

„Es <strong>ist</strong> <strong>so</strong> schön, dazusein für ganz Arme, um die s<strong>ich</strong><br />

<strong>so</strong>nst niemand kümmert.“<br />

Das war die Antwort der Schladminger Gemeindeschwester Diakonisse<br />

Marianne Holzinger auf die Frage, wie lange man es denn<br />

überhaupt <strong>du</strong>rchhalten kann, ständig für <strong>so</strong> viele <strong>hilf</strong>sbedürftige<br />

Menschen da zu sein.<br />

Schwester Marianne war schon, bevor sie als Gemeindeschwester<br />

der politischen Gemeinde Schladming von 977 bis 99 eingesetzt<br />

wurde, viele Jahre im Diakonissen-Krankenhaus Schladming tätig.<br />

Die Arbeit im Krankenhaus empfand sie für s<strong>ich</strong> viel le<strong>ich</strong>ter, dies<br />

vertraute Schwester Marianne der Verbandsschwester Gertraud Nowak<br />

bei einem Gespräch an.<br />

„Dort im Krankenhaus gab´s doch immer einen diensthabenden<br />

Arzt.“ Wenn sie aber in der Gemeinde zu einem Bewusstlosen oder<br />

Schwerkranken kam, dann war sie erst einmal bis zum Eintreffen<br />

des Arztes allein und ganz verantwortl<strong>ich</strong>.<br />

Ihr Arbeitstag begann vor 7 Uhr morgens. Mit ihrem kleinen alten<br />

Auto war sie bei jedem Wetter unterwegs. Normalerweise ging’s den<br />

ganzen Tag ohne Pause <strong>du</strong>rch. Da gab es keinen Feiertag und wenn<br />

Schwester Marianne einmal Urlaub machen wollte, musste sie s<strong>ich</strong><br />

selbst eine Vertretung suchen und das war fast unmögl<strong>ich</strong>.<br />

„Wenn es auch manchmal sehr hart auf hart geht, <strong>so</strong> erfahre <strong>ich</strong><br />

doch auch viel Hilfe und Bewahrung und meine Arbeit <strong>ist</strong> beglückend.“<br />

Ein Brief aus dem Jänner 980, den Schwester Marianne an den<br />

Gallneukirchner Rektor sendete, gibt uns einen kleinen Einblick, wie<br />

ihre Arbeit in der Gemeinde verlief.<br />

„Sehr geehrter <strong>Herr</strong> Rektor,<br />

… Wenn <strong>ich</strong> zurückblicke auf das vergangene Jahr, kann <strong>ich</strong> <strong>m<strong>ich</strong></strong><br />

nur wundern, wie <strong>ich</strong> geführt und getragen wurde <strong>du</strong>rch die Höhen<br />

und Tiefen. Es <strong>ist</strong> Gottes Gnade und Barmherzigkeit gewesen, dass<br />

<strong>ich</strong> auch immer wieder mit Freude an meine Arbeit gehen konnte,<br />

auch wenn es schwer war und es Kämpfe gegeben hat, gerade im<br />

Umgang mit den gebundenen Menschen. Ohne Verbin<strong>du</strong>ng mit unserem<br />

<strong>Herr</strong>n und Heiland gäbe es Niederlage und Niederlage. Ich<br />

<strong>du</strong>rfte wie nie zuvor in meinem Leben <strong>so</strong> die Nähe Gottes und Geborgenheit<br />

erleben.<br />

Wie oft war <strong>ich</strong> kleinmütig und verzagt, aber dann <strong>du</strong>rfte <strong>ich</strong> auch<br />

oft erleben, wie Gott für <strong>m<strong>ich</strong></strong> <strong>so</strong>rgt, bis ins kleinste und <strong>ich</strong> begann<br />

um ganz kleine alltägl<strong>ich</strong>e Dinge zu bitten und erfuhr die Hilfe. Darüber<br />

war <strong>ich</strong> dann beschämt.<br />

Ich bin dankbar für alle Erfahrungen, die <strong>ich</strong> im vergangenen Jahr<br />

gemacht habe, sei es im Großen wie im Kleinen und <strong>ich</strong> bereue es<br />

n<strong>ich</strong>t, dass <strong>ich</strong> diesen Schritt gewagt habe, in die Gemeindearbeit<br />

einzusteigen.<br />

Auf diesem Wege möchte <strong>ich</strong> Ihnen, <strong>Herr</strong> Rektor, heute danken, dass<br />

Sie <strong>mir</strong> die Wege dazu geebnet haben und <strong>m<strong>ich</strong></strong> unterstützt haben,<br />

<strong>mir</strong> auch Mut gemacht haben zur Fahrschule. Ohne Fahrzeug wäre<br />

dieser Dienst nur sehr schwer zu bewältigen, dazu macht <strong>mir</strong> das<br />

Fahren schon „Spaß“.<br />

Im Protokoll steht unter „ungelöste Probleme“ die Unterbringung des<br />

Obdachlosen Theo O., von dem <strong>ich</strong> Ihnen im letzten Brief erzählt habe.<br />

Mit großer Freude kann <strong>ich</strong> heute mitteilen, dass Theo seit 1.12.79<br />

eine Unterkunft hat. Er bewohnt einen Wohnwagen (wie auf Baustellen),<br />

der um ca. 11.000.- Schilling erworben <strong>werde</strong>n konnte. Bis<br />

es <strong>so</strong>weit war, gab es viele „Für“ und „Aber“ und viel Mühe. An<br />

einem Sonntag im Nov. bat im Gottesdienst Pfarrer Krömer um ein<br />

Opfer für den Wohnwagen für Theo. Es kamen über 4000.- Schilling<br />

zusammen, außerdem le<strong>ist</strong>eten das Kath. Sozialwerk und der Ev.<br />

Frauenkreis einen großen Beitrag.<br />

Ich bin (nun) sehr froh, dass dieses schwierige Problem gelöst <strong>ist</strong>,<br />

denn seit es kalt <strong>ist</strong>, hat er nun einen gut heizbaren Raum, in dem er<br />

s<strong>ich</strong> wohl fühlt und seinen eigenen Bere<strong>ich</strong> hat. Ein Zusammenleben<br />

mit anderen Wohnparteien wäre unmögl<strong>ich</strong>, denn er <strong>ist</strong> ein schwieriger<br />

Mensch und oft <strong>so</strong>gar aggressiv. Z.B. hat er <strong>mir</strong> schon mit einer<br />

Ohrfeige gedroht und als <strong>ich</strong> n<strong>ich</strong>t zu Hause war, hat er <strong>mir</strong> eine<br />

Fensterscheibe beim Dienstzimmer eingeschlagen.<br />

Wie in den vergangenen Jahren haben Pfarrer Krömer und <strong>ich</strong> eine<br />

Feier am Hl. Abend im Pfarrhaus für einige ältere alleinstehende<br />

Menschen vorbereitet. Von 18-21 Uhr konnten wir mit ihnen am<br />

Hl. Abend zusammensein und ihnen ein wenig Freude bereiten.<br />

Anschließend gingen wir alle zum Gottesdienst um 21 Uhr. Pfarrer<br />

Krömer hätte beinahe die Zeit zum Gottesdienst übersehen, <strong>so</strong><br />

vertieft waren wir alle im Hören und Sehen, Sprechen und Singen<br />

miteinander.<br />

60 6


Unsere „Sorgenkinder“ waren leider n<strong>ich</strong>t unter uns am Hl. Abend.<br />

Der Zug zum Alkohol war wieder stärker. Zu <strong>so</strong>lchen Zeiten sind sie<br />

be<strong>so</strong>nders gefährdet.<br />

<strong>Herr</strong> N. (Alkoholiker) hat s<strong>ich</strong> ein Chr<strong>ist</strong>bäumchen in seiner Wohnung<br />

gewünscht, das wir ihm nach dem Gottesdienst noch gebracht<br />

haben. Zum Teil hat er s<strong>ich</strong> gefreut, aber s<strong>ich</strong> auch gle<strong>ich</strong>zeitig geärgert<br />

über Weihnachten. Er sagte oft vorher, dass ihm das Chr<strong>ist</strong>fest<br />

n<strong>ich</strong>ts bedeutet, und verfluchte die Feiertage. So furchtbar das<br />

klingt, aber es war ein Kampf. Am nächsten Morgen schaute <strong>ich</strong><br />

nach ihm und zündete, als er noch schlief, die Kerzen am Chr<strong>ist</strong>baum<br />

an. Plötzl<strong>ich</strong> merkte er etwas und sah nun den Baum mit den<br />

L<strong>ich</strong>tern. „Nun <strong>ist</strong> doch auch für <strong>m<strong>ich</strong></strong> Weihnachten“ sagte er und<br />

konnte s<strong>ich</strong> doch freuen. Vielle<strong>ich</strong>t hat er doch begriffen, ein „L<strong>ich</strong>tstrahl“<br />

kam bestimmt in seine Dunkelheit. Ich wünschte ihm <strong>so</strong>sehr<br />

die Befreiung von allen seinen Bin<strong>du</strong>ngen. Wir bitten immer wieder,<br />

dass Gott in seinem Leben wirken möge.<br />

Bis eine Woche nach Weihnachten hatte <strong>ich</strong> wochenlang einen<br />

91jährigen Mann mit Krebs im Ges<strong>ich</strong>t betreut. Dies war wohl bisher<br />

eine meiner schwersten Pflegen. Sein entstelltes Ges<strong>ich</strong>t und zuletzt<br />

seine Wesensveränderung waren wohl schwer zu verkraften. Jetzt<br />

betreuen ihn seine Verwandten, bis sie wieder Hilfe brauchen. Ich<br />

war tägl<strong>ich</strong> zweimal dort, um den Verband zu wechseln und <strong>so</strong>nst<br />

alles Notwendige zu tun.<br />

Es gibt immer wieder Todesfälle und es bleibt nur das letzte Geleit<br />

vieler <strong>mir</strong> schon liebgewordener bekannter alter Menschen.<br />

Wir bitten, dass Gott auch in unserer Gemeinde wirkt.<br />

Ich hoffe, dass <strong>ich</strong> ein wenig vermitteln konnte von den Eindrücken<br />

und Ergebnissen in meinem Dienst hier…“<br />

Schwester Marianne verbringt nun ihren Feierabend in Leonding bei<br />

Linz.<br />

Am . Advent<strong>so</strong>nntag 2006 feierten die Diakonissen-Schwesternschaft<br />

und deren Gäste im Mutterhaus Bethanien „Schwesternjubiläen“.<br />

An diesem Tag wurde auch das 0jährige Schwesternjubiläum<br />

von Diakonisse Marianne Holzinger gefeiert. Sie konnte aus gesundheitl<strong>ich</strong>en<br />

Gründen bei der Feier leider n<strong>ich</strong>t persönl<strong>ich</strong> dabei sein.<br />

Oberin Diakonisse Helga Sikora würdigte Schwester Mariannes<br />

Leben in einer liebevollen Rede über die vielen Stationen ihres<br />

Wirkens.<br />

Impressum, Bild- und Textnachweis:<br />

Herausgeber: A.ö. Diakonissen-Krankenhaus Schladming<br />

Salzburger Straße 777, 8970 Schladming<br />

www.diakonissen-krankenhaus-schladming.at<br />

Rechtsträger: Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen<br />

Sämtl<strong>ich</strong>es Bildmaterial stammt aus dem Archiv des Evangelischen Diakoniewerkes<br />

Gallneukirchen und aus Privatbesitz.<br />

Die Texte stammen u.a. aus folgenden Quellen: Evangelisches Vereinsblatt von<br />

Oberösterre<strong>ich</strong>, Gallneukirchner Bote, Diakonie, Todesanzeigen, Schladminger<br />

Schwesternzeitung, Der Ennstaler, Südost-Tagespost, Die Schwester, Tonbänder<br />

von Diakonisse Fanny Preiml.<br />

Briefe und Ber<strong>ich</strong>te, u.a. von Pfarrer Otto Kirnbauer, Grete Vitzthum, Schwester<br />

Gertraud Nowak, Superintendent Leopold Achberger und von Diakonisse Franzi<br />

Dolch.<br />

Vielen Dank an Nanette und Paul Eibl <strong>so</strong>wie Diakonisse Pauline Thumberger<br />

für die mündl<strong>ich</strong>en Überlieferungen. Vielen Dank an Diakonissen-Oberin Helga<br />

Sikora und Diakonisse Ottilie Schrempf für die Tonbänder von Diakonisse Fanny<br />

Preiml.<br />

Be<strong>so</strong>nderer Dank geht an Diakonisse Franzi Dolch für ihre unermüdl<strong>ich</strong>e Unterstützung.<br />

Recherche, Zusammenstellung und Texte: Günther Ringelhann<br />

. Auflage, Juni 2007<br />

62 63


Abbil<strong>du</strong>ngen<br />

Titelseite: S. Lydia Jungmayr<br />

Umschlag: S. Paula Ernst und S. Milli Eder<br />

Seite : S. Elise Lehner, Schwestern in Graz mit S. Martha Lucke<br />

Seite 3: Kochkurs 93 , S. Grete Neugebauer, Nähkurs 933<br />

Seite 4: oben: Das erste Pflegeheim, S. Friedl Schäfer 936, unten: Das alte<br />

Krankenhaus<br />

Seite : Das alte Krankenhaus<br />

Seite 6: S. Luise Walter und S. Milli Eder<br />

Seite 7: Im alten Krankenhaus, S. Fränze Sitarz<br />

Seite 8: S. Marianne Niederb<strong>ich</strong>ler<br />

Seite 0: S. Emmi Dittl mit S. Rosi Marx<br />

Seite - 2: Im alten Krankenhaus<br />

Seite 4: S. Sophie Wolf, Rektor Erwin Schlachter<br />

Seite : S. Sophie Wolf<br />

Seite 6: S. Sophie Wolf mit Grete Vitzthum<br />

Seite 7: S. Sophie Wolf mit Dr. Hans Martz<br />

Seite 8: Das neue Krankenhaus<br />

Seite 9: oben: S. Sophie Wolf und S. Anni Müller,<br />

unten: S. Sophie Wolf und S. Milli Eder<br />

Seite 20: oben: Grete Vitzthum, S. Fanny Preiml, S. Anni Müller, S. Friedl<br />

Schäfer, S. Kuni Daumlechner, S. Lydia und S. Ottilie Jungmayr,<br />

S. Martha Lucke, S. Therese Wiesenhofer<br />

unten: Rektor Erwin Schlachter und S. Sophie Wolf<br />

Seite 2 : Oberin Aenne Wiedling<br />

Seite 23: Schwestern mit Rektor Erwin Schlachter<br />

Seite 24: S. Milli Eder, S. Sophie Wolf<br />

Seite 2 : Oberin Aenne Wiedling<br />

Seite 26: Mitte: S. Sophie Wolf, unten: Grete Vitzthum, S. Sophie Wolf<br />

Seite 27: Mitte: Dr. Martz mit Grete Vitzthum, Bischof Gerhard May,<br />

unten: S. Milli Eder, S. Magda Horvay, S. Otti Mitterbauer<br />

Seite 28: S. Milli Eder, Oberin Aenne Wiedling<br />

Seite 29: oben: Oberin Aenne Wiedling mit S. Rosi Marx, Mitte: S. Anni<br />

Müller, unten: S. Margarete Huber, S. Adelheid von Owstien<br />

Seite 3 : oben: S. Ottilie Schrempf mit S. Mariechen Igler,<br />

unten: S. Ernestine Traar, S. Milli Eder, S. Resi Reiter, S. Rosi<br />

Marx, S. Käthe Reusch, S. Luise Walter<br />

Seite 32: oben: S. Mariechen Igler, S. Franzi Dolch mit S. Käthe Bell und<br />

S. Emmi Dittl, unten links: S. Fränze Sitarz, S. Ernestine Traar,<br />

S. Käthe Reusch, S. Milli Eder, S. Paula Ernst, S. Resi Reiter,<br />

S. Sophie Wolf, unten rechts: S. Gertrud E<strong>ich</strong>horn<br />

Seite 33: oben: S. Ernestine Traar, Mitte: Paul und Nanette Eibl,<br />

Diakon Paul Eibl, Herta Knauß<br />

Seite 34: S. Pauline Thumberger mit Elisabeth Eibl<br />

Seite 36-37: S. Pauline Thumberger<br />

Seite 38: S. Ernestine Traar mit Bruder Paul Eibl<br />

Seite 39: S. Ernestine Traar<br />

Seite 40: S. Ernestine Traar, rechts mit S. Gerda Buchsbaum<br />

Seite 4 : S. Lydia und S. Ottilie Jungmayr<br />

Seite 42: Kirchgang in Gosau<br />

Seite 44 S. Liesel Dreher<br />

Seite 4 - 0: S. Fanny Preiml<br />

Seite : S. Lydia Jungmayr<br />

Seite 2: links: S. Ottilie und S. Lydia Jungmayr,<br />

rechts: S. Lydia Jungmayr, S. Helmi Hamader u. S. Ottilie Jungmayr<br />

Seite 4: S. Ottilie und S. Lydia Jungmayr mit ihrer Schwester Nanette,<br />

S. Lydia Jungmayr mit S. Helene Kalkhauser,<br />

S. Marie Luise Sturm und Fräulein Amalie in Asch<br />

Seite : S. Lydia Jungmayr<br />

Seite 6: S. Lydia Jungmayr in Asch<br />

Seite 7: S. Lydia Jungmayr in der Ramsau<br />

Seite 8: oben: S. Lydia und S. Ottilie Jungmayr, unten: S. Lydia Jungmayr<br />

Seite 9: S. Lydia Jungmayr<br />

Seite 60-63: S. Marianne Holzinger<br />

Umschlag: S. Lydia Jungmayr<br />

Rückseite: Abendmahlgerät<br />

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In Chr<strong>ist</strong>o Jesu<br />

gilt der Glaube,<br />

der <strong>du</strong>rch die Liebe<br />

tätig <strong>ist</strong>.<br />

Gal. 5, 6<br />

Ich juble vor<br />

Freude, wenn <strong>ich</strong><br />

von dir singe,<br />

denn <strong>du</strong> hast <strong>m<strong>ich</strong></strong><br />

errettet.<br />

Psalm 71,23

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