aus dem Generalkapitel 2008

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aus dem Generalkapitel 2008

Gesellschaft vom Heiligen Herzen JesuGeneralkapitel 2008Lima, Peru16. Juli - 20.AugustGeneralatGesellschaft vom Hl. Herzen JesuVia Tarquinio Vipera, 1600152 Roma1


InhaltsverzeichnisSpiritualität und interkultureller DialogEinleitungDialog für die Einheit: unterwegs mit den MenschenKontemplationGemeinschaft – ein zentraler Wert unseres LebensGerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfungin Solidarität mit den am meisten VerwundbarenUnsere Option für die JugendAn Freunde, Kollegen und Kolleginnen der Gesellschaft2


Bischöfen, ja so vieler anonymer Brüder und Schwestern aufverschiedenen Kontinenten hat sie ihren Wunsch und ihrenEinsatz für eine Welt gezeigt, in der wir Gerechtigkeit undFrieden als sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes in derGeschichte erkennen können.In dem Bewusstsein, dass unser Charisma ein GeschenkGottes in der Kirche, für die Welt ist, haben wir uns darumbemüht, unsere Spiritualität durch den interkulturellenDialog im Sinne des Themas des Generalkapitels 2008 zuvertiefen.Dieser Dialog gründet in dem Zeugnis aller Provinzen. AlsGeneralkapitel wurden wir zugleich durch die gelebteErfahrung unserer Schwestern in der ganzen Welt und aller,mit denen wir unser Leben und unsere Sendung teilen,angeregt und herausgefordert. Die Berichte derProvinzoberinnen und der Provinzkapitel waren derAusgangspunkt unserer Überlegungen undUnterscheidungsprozesse, in denen wir mit Freude unser CorUnum erfahren konntenUm den Tisch, das Feuer oder die Quelle versammelt, habenwir uns in der Atmosphäre des gegenseitigen Zuhörensausgetauscht, haben unsere Verwundbarkeit und unsereSchwächen bekannt. Bereichert durch Symbole aus unserenverschiedenen Kulturen und durch gemeinsames Gebet,konnten wir mit Vertrauen und Freude diesen Dialog führen.Im Discernement haben wir uns gefragt: wo und wann lebenwir unsere Spiritualität im Alltag und in unserenverschiedenen Lebenswirklichkeiten? Wir fanden denSchlüssel dazu in einer Intuition des Generalkapitels 2000:„Wir sind als Generalkapitel davon überzeugt, dass unser in4


Liebe hingegebenes Leben der stärkste Ausdruck unsererSpiritualität ist.“ Wie möchten wir unser Leben hingeben, sodass es weiterhin dem antwortet, der uns zuerst geliebt hat?Aus unserem Austausch zeichneten sich mit überraschenderEinstimmigkeit fünf Schwerpunkte ab:- Dialog, Kommunikation und Netzwerke;- Kontemplation;- Gemeinschaftsleben;- Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung inSolidarität mit den am meisten Verwundbaren;- Jugend.Wir sahen in diesen fünf Prioritäten fünf Tore, durch die wirgleichsam in unsere Spiritualität eintreten. Wir sind davonüberzeugt, dass der Geist alles neu macht (Offb 21,5) undwenn wir diese Prioritäten in Wort und Tat im Alltag leben,werden wir unsere Spiritualität mit neuer Kraft erfüllterfahren.Als Kapitel erlebten wir es als Herausforderung, die Gabe,die wir erhalten haben, mit neuem Leben zu erfüllen: dieLiebe Gottes zu entdecken und durch unser Leben, das „ganzkontemplativ und ganz apostolisch“ sein soll, sichtbarwerden zu lassen. Aus der Kontemplation des geöffnetenHerzens Jesu schöpfen wir die Kraft, in Einheit mit allenMenschen zu leben und uns mit unserer ganzen Existenz, inder Kirche gemeinsam mit so vielen anderen Menschen füreine gerechtere und geeinte Welt einzusetzen.Hierin besteht die Einladung und die Herausforderung, diewir der ganzen Gesellschaft sowie allen, denen wir inFreundschaft verbunden sind, mit denen wir arbeiten oderdurch unsere Spiritualität vereint sind, mitteilen möchten,5


damit wir nach und nach dem Wunsch Jesu entsprechen:„Dass alle eins seien“ (Joh 17,11).Das Generalkapitel hat die genannten fünf Prioritätenausgewählt, weil sie für uns ein sichtbarer Ausdruck unsererSpiritualität sind. Im Lichte dieser Prioritäten haben wireinige Einsichten gehabt, die uns helfen können, neue Wegeder Kommunikation und der Organisation zu finden.In der Art, wie die Ergebnisse unseres Dialogs dargestelltwerden, sehen wir zugleich den Reichtum unsererVerschiedenheit und unserer Einheit.6


Dialog für die Einheit (Communio):unterwegs mit den MenschenUm den Tisch des Lebens versammelt, wo jede ihr Brot alsNahrung für alle anbietet, sehen wir den Dialog als Weg zueiner menschlicheren Welt, zum Leben im Geist. Währenddes Kapitels waren wir nicht nur unter uns sondern mit allenMenschen unterwegs, im gemeinsamen Unterscheidensuchend, wie wir gleichsam „das Herz Gottes in der Welt“sein können. Die Erfahrung eines bereichernden und tiefenDialogs überzeugte uns, dass Dialog der Weg für die heutigeWelt ist.Der Kontext unserer Begegnungen im Kapitel war besondersbedeutungsvoll: das Leben der Provinz inmitten desperuanischen Volkes sprach zu uns durch Tanz, Musik,kulturelle Verschiedenheit und Freude inmitten von Armutund Ausgrenzung, durch Gastfreundschaft, Fähigkeit zurAusdauer, Großzügigkeit und Bereitschaft als Schwesternund Brüder, alles mit uns zu teilen.Während des Kapitels machten wir eine tiefe Erfahrung desinterkulturellen Dialogs. Dieser Dialog war für uns Weg undProzess zugleich, jeden Tag neu, erlebt als Austausch ohneWorte, mit Lachen und mit Tränen, Ausdruck vonZuneigung und Nähe, Sorge und Aufmerksamkeit, Einheit(communio) stiftend. Dass das Kapitel in Peru stattfand hatuns geholfen, eine uns bis dahin unbekannte Realität besserzu verstehen. Nun sind wir uns dessen voller bewusst, dasswir, um andere Menschen zu verstehen und um uns mitihnen auf den Weg zu machen, uns auf ihre Realitäteinlassen und uns durch diese ändern lassen müssen.7


Während vieler Jahrzehnte ist die Gesellschaft vom Hl.Herzen Jesu auf den Wegen des Westens gegangen, doch indiesem Kapitel war unsere Aufmerksamkeit verstärkt aufandere Kulturen gerichtet, besonders auf jene des Ostens,und auf andere Religionen, wie den Buddhismus und denIslam. Dieser offene Dialog hat uns bereichert und wirkonnten die Möglichkeit zur Einheit in einer tiefenGotteserfahrung sehen.Unsere Interkulturalität war unser Reichtum. Ausgehend vonunseren verschiedenen Kulturen konnten wir uns mit Wortenund auf verschiedene andere Weisen ausdrücken. So war esmöglich, einander zuzuhören, gegenseitig anzunehmen undwertzuschätzen. Wir haben viel voneinander empfangen.Diese Erfahrung wird uns verändern. Zugleich erkanntenwir, welche Macht Sprache ausüben kann. Sprache ist nichtnur ein Ausdrucksmittel, sondern auch eine Art zu denken,die über sprachliche Minderheiten dominieren kann. Indiesem Sinn möchten wir einfühlsamer und kreativerwerden, um Sprache als ein Mittel für Kommunikation, fürBegegnung zu gebrauchen, das jeder von uns dieMöglichkeit gibt, sich von ihrer eigenen kulturellen Identitäther auszudrücken und ihren je eigenen Beitrag zu leisten.Um den Tisch versammelt, bieten wir an was wir haben undlernen von einander.Wir sehen Dialog als Leben spendende Erfahrung, nicht alsstatische Theorie. Dialog lädt uns ein, den eigenenStandpunkt zu verlassen und das Milieu aus dem heraus wirsprechen, unsere Ideen formulieren, unsere Entscheidungenund Gefühle offen zu legen.8


In Treue zu Madeleine Sophie, einer Frau, der Beziehungenund Dialog wichtig waren, üben wir Haltungen des Herzensein, wie Sorgfalt, Nähe, Geduld und Liebe, um Einheit(communio) zu stiften. Mit einem kontemplativen Herzen, indem der Hl. Geist wohnt, hören wir auf die Welt, die unsihre Hoffnungen und Leiden mitteilt. Hier finden wir dasHerz Jesu, das, in der Geschichte „inkarniert“, uns zu neuenBeziehungen mit anderen dazu beruft, zu einem Leib zuwerden.Das verlangt, dass wir den Blick auf uns selbst und auf dieWeise, unsere Situation in der heutigen Welt zu beurteilenverändern, dass wir uns als Teil der gemeinsamen Suche derMenschen verstehen,einer Suche- nach interkulturellem und interreligiösem Dialog,auch zwischen den Generationen, der uns dazu führt,in Harmonie und Frieden zu leben;- nach Gemeinschaft, die wir als Ausdruck unseresMenschseins, in der Lokal-, Provinz-, Regional- undinternationalen Gemeinschaft leben;- nach Kontemplation als liebevollem Blick, der dasLeben entdeckt, willkommen heißt, sorgsam mit ihmumgeht und es zum Wachsen bringt;- nach tieferem Verständnis des Lebens, einfühlsam,menschlich, um es vor allem der Jugend nahe zubringen.Dieser Einsatz für das Leben erinnert uns daran, dass derGeist in der Geschichte lebendig ist und dass unsereBerufung die Liebe zu entdecken und sichtbar werden zulassen, uns zu einem ständigen Austausch führt: leben,gemeinsam unterwegs sein, untereinander und mit anderen9


teilen. Wir erkennen, dass wahre Einheit (communio) danngeschieht, wenn wir an das Herz der anderen rühren unddabei die Gegenwart des Geistes erfahren.Im Dialog nehmen wir das Risiko auf uns, uns in Wortenmitzuteilen, uns selbst in Gesten und Symbolenauszudrücken. Wir kommen mit allem, was wir sind, mitunserem Charisma, als einem Geschenk für die Welt, undwir werden erneuert durch das, was andere uns mit ihremWort und ihrem Sein mitteilen. Dieser Prozess erfordert,dass wir bereit sind, uns selbst in aller Aufrichtigkeit zuerkennen, Ehrfurcht vor den anderen zu haben; er bedeutetBekehrung, Loslösung, Offenheit für Veränderung undSchweigen.Wir erleben auch Schwierigkeiten im Dialog und brechenihn deshalb oft ab. Von alltäglichen lokalen bis zuweltweiten Konflikten gibt es Machtmissbrauch einigerVölker über andere, von Menschen über die Natur. Auchhier sind wir aufgefordert, Dialog als Weg zu neuem Lebenzu wählen. Dies ist eine tiefe Erfahrung desOstergeheimnisses, das uns mit den Jüngern von Emmaussagen lässt: „Bleib doch bei uns“ (Lk 24, 29).All dies ereignet sich heute in einer Welt, in der sich dieTechnologie ständig weiter entwickelt und uns leichtzugängliche, immer verfügbare Kommunikation mit derinternationalen Gesellschaft über die Webseite ermöglicht,so dass Schwestern und andere am Prozess desGeneralkapitels teilnehmen können. Diese Medienerleichtern Kommunikation, Teilnahme, Dialog undGegenseitigkeit. Insbesondere bringen sie uns der Welt derJugend näher. Zugleich wissen wir, dass es Ungleichheit im10


Zugang und im Gebrauch dieser Medien gibt. Ein Übermaßan verfügbarer Information im Internet garantiert nichtimmer eine fundierte Analyse oder tieferes Verständnis,manchmal führt dies zu Isolation und Schwierigkeiten in derKommunikation.Wir glauben, dass Netzwerke ein Weg sind, um uns mitanderen Gruppen, die sich als Antwort auf die Leiden undHoffnungen der Welt gebildet haben, für strukturelleVeränderungen einzusetzen. Netzwerke lassen uns mit demLeben anderer verbunden sein. Wir haben auch festgestellt,dass Netzwerke Beziehungen über die Funktionalität hinausschaffen können. Diese Beziehungen entstehen dann, wennwir Selbstverteidigung, Unsicherheit, Machtansprücheloslassen und Gleichheit und Würde jeder Person und Kulturanerkennen. Wir treten in Dialog mit unserer eigenenVerwundbarkeit und unserem Suchen, mit einem starkenWunsch nach Einheit (communio) und Umwandlung derRealität von innen her.Das Kapitel 2000 hatte uns eingeladen, den Schritt „VomAufeinandertreffen zum Dialog der Kulturen“ zu wagen.Seitdem haben wir Schritte in diese Richtung gesetzt undentdeckt, dass neues Leben in der Welt und in derGesellschaft entsteht. Wir sind aufgerufen, an diesenProzessen des Dialogs, die dem Alltag neues Leben geben,weiterhin mit Sorgfalt, so wie in Einfachheit und mit Freudeteilzunehmen.11


KontemplationAls Frauen, die im Herzen Christi verwurzelt sind,bekräftigen wir heute aufs Neue das Erbe derKontemplation, das aus der „Forderung einer Liebe[kommt], die der Heilige Geist in unsere Herzen eingesenkthat.“ (Konst. 24)Wir spüren die Dringlichkeit dieses Rufes zurKontemplation, um die Hoffnung in einer Welt, die vonGewalt, Zerrissenheit und Verwundungen geprägt ist, welchedie Zukunft des Lebens auf unserer Erde bedrohen, lebendigzu halten. Die Zukunft der Menschheit hängt von einerspirituellen Erneuerung ab. Die Schönheit und die Übeldieser Welt und der Natur, die Weisheit anderer Religionenberühren und prägen die Qualität und die Tiefe unsererKontemplation.Das Wort Gottes wird hörbar im Schrei der Welt, der inunserem Inneren widerhallt, den wir wie einen prophetischenRuf vernehmen. So viele Menschen suchen nach dem Sinndes Lebens. Wir schließen uns ihrem Suchen an, inSolidarität mit den Ärmsten und Verwundbaren, die sichnach einer Umwandlung der Welt sehnen.Diese gemeinsame Suche ermutigt uns, unsere Spiritualitätdes Herzens erneut lebendig werden zu lassen, um die freigeschenkte Gegenwart der Liebe Gottes unter den Menschenzu erfahren.Wir erkennen, dass Aktivismus und Zerstreutheit dieQualität unseres Lebens beeinträchtigen. Wir wollen fähigwerden, innezuhalten, im Schweigen und im tiefsten Innerenunseres Seins zu verharren, wo der Geist Gottes uns das12


Leben von seinem Herzen aus erspüren, betrachten,verstehen lässt. Wenn wir zur Ruhe kommen, erwachenunsere inneren Sinne und wir werden fähig, die Stimme desGeistes in uns zu hören. In unserem Inneren wandelt derGeist nach und nach unsere Gefühle und unsere Antwortenum und führt uns zu einem Leben der Intimität mit ihm.Das ermöglicht uns, auch mit jenen eins zu sein, die dieSpuren des Schöpfers und seiner bedingungslosen Liebe imtäglichen Leben suchen.Das Herz Christi zu betrachten macht uns wachsam für dieBewegungen des Geistes und befähigt uns, uns der Realitätzu stellen, mit dem Wunsch uns für Gerechtigkeit, Friedenund die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.Das Leben Madeleine Sophies, die ihr Leben lang auf denHeiligen Geist hörte, das Leben Philippines, der „Frau, dieimmer betet“ und das Leben so vieler Schwestern erinnernuns daran, dass wir dem Gebet Zeit und Raum gebenmüssen, um immer mehr „das Herz Gottes in unserer Welt“zu werden. Von ihnen lernen wir, dass die Kontemplation,die das Zentrum unserer Spiritualität ist, uns die menschlicheTiefe entdecken lässt und uns in allen Phasen unseres Lebensimmer näher zu Gott führt. Sie nährt die Sehnsucht nachInnerlichkeit und lässt uns in Ihm verweilen. Mit Christusvereint, wie Reben mit dem Weinstock, lassen wir uns vomHl. Geist „reinigen“ (vgl. Joh 15,2). Nur so können wir Fruchtbringen. Wie die Trauben zu Wein werden, wird unser Herzbarmherziger und verständnisvoller. Unser persönliches undgemeinsames Leben wird zu einer tieferen Einheit finden.Wir entdecken, dass neues Leben aus unserer Sehnsuchtnach Gott erwächst. Unsere Kontemplation lässt uns dieSehnsucht nach Beziehungen erfahren, die dieMenschenwürde achten. Unsere Art und Weise,13


kontemplativ zu leben, gibt unserem Leben „Farbe undWärme“ („color y calor“).Um in der ganzen Welt Gemeinschaften zu sein, die unshelfen, tiefer aus der Kontemplation und der geistlichenUnterscheidung zu leben, sind wir alle eingeladen:- aus unseren Kommunitäten Orte zu machen, wo wirmit anderen, besonders jungen Menschen, in dieserkontemplativen Haltung wachsen können- Mittel für unsere lebenslange Weiterbildunganzubieten um unsere Kontemplation und das innereLeben zu vertiefen- unsere Suche nach Gott und unsere Erfahrung unteruns und mit anderen im Gebet und in der Reflexionüber unser Leben zu teilen- nach Wegen des Dialoges mit christlichen undanderen religiösen Traditionen und Kulturen zusuchen, mit denen wir den „Schatz des Glaubens“teilen und bei denen wir neue Inspiration finden- die kontemplative Haltung an den Orten unseresapostolischen Einsatzes, mit unserenMitarbeiter/inne/n, in unserenErziehungsinstitutionen und Projekten und mitGruppen von Menschen zu teilen, die sich fürGerechtigkeit und Frieden einsetzen.Die kontemplative Erfahrung hilft uns, das Ostergeheimniszu leben. In der Eucharistie feiern wir die Treue Gottes, inEinheit mit der ganzen Schöpfung.14


Gemeinschaft - ein zentraler Wert unseres LebensDie Berichte der Provinzkapitel und der Provinzoberinnen,die das Generalkapitel vorbereitet haben, zeigen ernst zunehmende Schwierigkeiten auf, die wir imKommunitätsleben erfahren haben. Zugleich ist der starkeWunsch danach erkennbar, Gemeinschaft aufzubauen. In derÜberzeugung, dass gerade auch aus Verletzlichkeit neuesLeben entstehen kann, suchen wir nach Möglichkeiten,einander Schwester zu sein und darin zu wachsen, unsereVerwundbarkeit wie auch unsere Gaben anzuerkennen. Wirsuchen nach Wegen, uns gegenseitig dabei zu unterstützen,Wagnisse einzugehen, die für neue Lebensmöglichkeitenöffnen. Die Kommunität ist der Ort, an dem wir immerwieder neu zu persönlicher und gemeinschaftlicher Umkehraufgerufen sind.Als Ordensfrauen vom Hl. Herzen Jesu sind wir dazuberufen, Jesus in Gemeinschaft nach dem Vorbild SophieBarats nachzufolgen. Wir sind fest verwurzelt in derBeziehung zu Jesus. Darum bekräftigen wir, dass das Lebenin Gemeinschaft ein fundamentaler Ausdruck unsererSpiritualität ist.Kommunität ermöglicht die grundlegende Art, unser Lebenzu gestalten. Sie ist der Ort, wo wir gemeinsam dieEntscheidungen fällen, die unser Leben und unsere Sendungbetreffen. In allen Bereichen ist Gemeinschaft zugleichselber Auftrag und um des Auftrags willen existent.Wir begreifen, dass wir Teil des Weltganzen sind, derSchöpfung in all ihrer Fülle ebenso, wie der zerrissenenMenschheit, die sich nach neuen Möglichkeiten sehnt,15


Beziehungen zu knüpfen. Wir sind davon überzeugt, dassdas Leben in Gemeinschaft eine alternative Weise desMiteinanders in dieser Welt formt. Wir ringen darum zubezeugen, dass Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Friedemöglich sind.Wir sind uns dessen bewusst, dass die Zerstörung derUmwelt jenen die schwerste Last aufbürden wird, die bereitsheute unter Armut, Hunger und Wasserknappheit leiden. Wirwissen, dass ein Leben in Gemeinschaft und das Teilenunserer Güter es ermöglichen, unseren Verbrauch anRessourcen zu reduzieren. In diesem Zusammenhangbekräftigen wir die übernommene Verpflichtung zu einemeinfacheren Lebensstil.Wir möchten Kommunitäten sein, die offen für alle sind, dieihr Leben und ihren Glauben, ihre Träume und ihr Ringen,ihre Güter und Ressourcen teilen.Wir fühlen uns dazu aufgerufen, Fäden des Miteinander zuspinnen, indem wir auf den Reichtum, und dieHerausforderungen der zwischenmenschlichen, kulturellenund ethnischen Verschiedenheiten in den Regionen undProvinzen sowie als internationale Gesellschaft zurückgreifen.Wir spüren die drängende Aufforderung- die Qualität unserer zwischenmenschlichenBeziehungen, die die Basis für jedes Gemeinschaftslebenbilden, zu erneuern,- zu überdenken, wie wir für uns selbst und für andereden Raum für mehr Menschlichkeit schaffen können,16


- darum zu ringen, dass unsere Kommunitäten Orte derSinnsuche, der Kontemplation und desDiscernements sein können.Angesichts der Fülle der Aussagen über die apostolischeGemeinschaft, die in unseren Konstitutionen und in anderenKapitelsdokumenten enthalten sind, fühlen wir unsaufgefordert, zu diesen grundlegenden Dokumenten zurückzu kehren, um uns von ihnen herausfordern zu lassen,radikaler zu leben.Im Blick auf die Wirklichkeit unserer Provinzen müssen wirmutig klären,- wie der jeweilige soziale Kontext unser Mühen,Gemeinschaft zu leben, beeinflusst,- ob es eine Übereinstimmung zwischen unserertatsächlich gelebten Realität und der in unserenKonstitutionen und Kapitelsdokumenten formuliertenSehnsucht gibt.Die während des Generalkapitels erfahrene Freude überunser geschwisterliches Zusammenleben und über unserMiteinander-Feiern weckt in uns die Energie, am Aufbauvon Gemeinschaft untereinander und mit anderen zuarbeiten, wo immer wir sind.17


Gerechtigkeit, Frieden undBewahrung der Schöpfung,In Solidarität mit den verwundbarsten MenschenDurch unseren täglichen gemeinsamen Weg mit Menschenunterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Kulturenund Kontexten, in denen wir leben, sowie durchaufmerksames Hören auf die Freuden und Leiden derMenschen werden wir betroffen von Armut, Ungleichheit,Gewalt und Zerstörung der Umwelt. Wir erkennen mit mehrKlarheit den Zusammenhang zwischen der globalen Realitätund deren Einfluss auf die lokalen Situationen. Wir wissenmehr über die negativen Auswirkungen der Globalisierungdes wirtschaftlichen neoliberalen Systems und überMechanismen der Beherrschung, die Ausgrenzung bewirken.Wie kann ich ein kritisches Bewusstsein fürden Zusammenhang zwischen der gesamtenSchöpfung und den Ereignissen, die unsereWelt prägen, entwickeln?Die Leiden der Menschen berühren uns. Durch sie und mitihnen entdecken wir im geöffneten Herzen Christi dieQuelle, die unsere Sehnsucht stillen kann. Wenn wir seinverwundetes Herz im verwundeten Herzen der Menschheitbetrachten, wächst diese Sehnsucht, uns mit größererLeidenschaft und durch unser Mit-Leiden für die Suche nachGerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfungeinzusetzen.Auf welche Weise drängt mein Gebet mich,meinen Einsatz für Gerechtigkeit, Friedenund Bewahrung der Schöpfung zu leben?Auf welche Weise bereichert dieser EinsatzMein Gebet?18


Wir sind überzeugt, „dass Erziehung in sich ein Akt derGerechtigkeit ist“. 1 Wir haben die Verantwortung, alleunsere erzieherischen Bemühungen auf Beziehungen derGleichheit, „Inklusion“, Gewaltlosigkeit und Harmonieauszurichten. Wir glauben, dass es Gottes tiefste Sehnsuchtist, dass alle das Leben haben, ein Leben in Fülle. Wo immerwir sind, macht der Erziehungsauftrag unsere Solidarität mitden Ausgeschlossenen sichtbar.Wie kann ich das Bewusstsein vertiefen, dassdie Gerechtigkeit in unserer Spiritualitätverwurzelt ist, aus der die verschiedenenWeisen Erzieherinnen zu sein, entspringen?Die Suche nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung derSchöpfung durchdringt alle Dimensionen unseres Lebens.Sie soll ein Unterscheidungskriterium für unsereBeziehungen, Dienste und Einsätze sein. Dann werden alleunsere Entscheidungen vom Evangelium geprägt sein.Für wen leben, arbeiten und handeln wir?Zu welchen neuen Lebens- undHandlungsweisen sind wir aufgerufen?Dieses Engagement im Alltag zu leben- verlangt von jeder von uns eine Veränderung despersönlichen und gemeinsamen Lebensstils, eineBekehrung unserer Mentalität und Haltungen und derWeise, Entscheidungen zu treffen- bietet uns neue Wege unsere Gelübde radikaler zuleben- spornt uns an, verschiedene Wege für dieGütergemeinschaft, Integration, „Inklusion“ undEinheit (communio) zu suchen1 Brief des Generalrates, Herz-Jesu-Fest 200619


- lädt uns ein, auf neue Weise unsere Beziehung zu unsselbst, zu anderen und mit der ganzen Schöpfung zuleben.Wie sollte sich unser persönlicher undgemeinschaftlicher Lebensstil verändern?Wie erfülle ich meine täglicheVerantwortung hinsichtlich derGewaltlosigkeit und der Umwelt?Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung derSchöpfung, wo immer wir sind, in unseren apostolischenEinsätzen, in unseren Beziehungen, eint uns als Gesellschaft,gibt uns eine gemeinsame Ausrichtung und Kraft für dieZukunft. Diese Bemühungen sind zugleich ein„gemeinsamer Raum“ für Zusammenarbeit im Dialog und inGegenseitigkeit, mit der Kirche, mit verschiedenenReligionen und philosophischen Richtungen, mit anderenKulturen, mit Organisationen und Netzwerken in derZivilgesellschaft. Hier begegnen wir auch der Jugend, derenBeitrag uns bereichert. Mit ihnen entdecken wir neue Wegeunsere Spiritualität auszudrücken und zu teilen.Welche Einladung entdecke ich um neueBeziehungen zu knüpfen oder mich anGruppen in meiner Umgebung zubeteiligen?Dankbar gedenken wir der täglichen Bemühungen vonMenschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen.Gemeinsam mit ihnen, gestärkt vom Hl. Geist, möchten wirdas Angesicht Gottes in der Zukunft, der wir entgegengehen,suchen. Wir finden Hoffnung in Initiativen der Solidaritätund Versöhnung, der Gütergemeinschaft und der Sorge fürdas Leben, und in Worten, die trösten und herausfordern. MitFreude entdecken wir die Liebe des Herzens Jesu in den20


Herzen der Menschen, die im Rhythmus des Lebensschlagen.Wie feiern und teilen wir das Geschenkdes Lebens gemeinsam mit anderen?Unsere Internationalität ist für uns Gabe undVerantwortung. Wir möchten sie in den Dienst des Lebensstellen, als Antwort auf die Herausforderung derschmerzlichen „Geburtswehen“ der Menschheit und dergesamten Schöpfung (vgl. Röm 8,22).Auf welche Weise lassen wir uns durchdie Bedürfnisse berühren, die jenseits derGrenzen unserer Provinz bestehen, vorallem dort, wo das Leben besondersbedroht ist? Wie sollen wir daraufantworten?Folgendes könnte uns dazu helfen:- pädagogische Prozesse, die uns verändern, damit wiruns die Verpflichtung zum Einsatz für Gerechtigkeit,Frieden und Bewahrung der Schöpfung aufpersönlicher, gemeinschaftlicher und Provinzebenezu Eigen machen- Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung derSchöpfung als eine Priorität in unsere persönlichenund gemeinschaftlichen Projekte zu integrieren,einschließlich der Programme für die ersteAusbildung und die Weiterbildung, so wie auch fürunsere Planungen auf Provinz- Regional- undinternationaler Ebene21


- alternative Formen der Information undKommunikation zu finden, um unsere Analyse derRealität auszuweiten, so wie unser Bewusstsein fürihre Auswirkung auf lokale und globale Kontexte- nach pädagogischen Prozessen und konkretenMöglichkeiten für Gruppen und Personen,besonderes für junge Menschen, die sich für dieÄrmsten einsetzen möchten, zu suchen- uns für zwei oder drei Prioritäten zu entscheiden, aufdie sich unsere Bemühungen um Gerechtigkeit,Frieden und Bewahrung der Schöpfung konzentrierenkönnen (z.B. Hunger, Migranten, nicht erneuerbarenatürliche Ressourcen)- nach kreativen, großzügigen und mutigen Weisen zusuchen, unsere Gütergemeinschaft in den Dienst vonGerechtigkeit, Frieden und Bewahrung derSchöpfung zu stellen.22


Unsere Option für die JugendAus der Tiefe unserer Kontemplation sind wir gerufen, dieWelt im durchbohrten Herzen Jesu zu betrachten, wo wirzugleich der Kraft und der Zerbrechlichkeit des Lebensbegegnen. Die Vision Madeleine Sophies, “Anbeterinnen“heranzubilden, die sich mit Leidenschaft für das Lebeneinsetzen und fähig sind, die Welt zu verändern, trifft auchunsere eigene Sehnsucht. Jede Provinz hat über ihrenKontext mit all seiner Komplexität, seinen Krisen undAnrufen, berichtet und wir stellen fest, dass dieserAugenblick kritisch ist - für die Jugend, für uns selbst undfür die Welt. Das drängt uns dazu, uns mit erneuterLeidenschaft für die Jugend einzusetzen.Wir möchten die Jugend weiterhin auf ihrem Weg begleiten.Vielen von ihnen ist der Einsatz für Gerechtigkeit einAnliegen und sie sorgen sich um die Zukunft unseresPlaneten. Andere sind an den Rand gedrängt, verloren, ohneZukunftsperspektive für die Welt oder für ihr eigenes Leben.Manche möchten ihr Leben großzügig im Dienst für andereeinsetzen. Wir wollen ihnen nahe sein in ihrer Suche nachGott, nach Sinn und nach dem Wert des Lebens.Als Ordensfrauen vom Hl. Herzen Jesu möchten wir mit dem„Herzen einer Erzieherin“ antworten. Wir tun dies aufverschiedene Weise: in Schulen, Bewegungen,Gemeinschaften, NGOs, zivilen Assoziationen,Universitäten, Netzwerken, Pfarreien und Projekten, inStädten, Dörfern und Armenvierteln, mit jungen Menschenunterschiedlicher Herkunft, verschiedener Altersstufen,Religionen und Kulturen. Wir sehen uns mit neuerDringlichkeit hierzu aufgerufen.23


Wir meinen, dass unsere Spiritualität der Welt von heuteetwas Wichtiges zu sagen hat und wir möchten dieseSpiritualität auf kreative und Leben gebende Weisemitteilen, weil wir uns dessen bewusst sind, dass viele sichnach einer Erfahrung der Liebe Gottes sehnen. JungeMenschen sind Träger von Veränderung in ihrem eigenenLeben und wir können voneinander lernen. Es drängt uns,uns mit ihnen auf den Weg zu machen, unsere Sehnsuchtund unser Streben mit ihnen zu teilen im gemeinsamenBemühen, eine Welt aufzubauen, in der das Reich GottesRealität wird.Jede Provinz, jede Gemeinschaft und jede Ordensfrau vomHl. Herzen Jesu ist aufgerufen, ihrem Kontext auf den Grundzu gehen und Wege zu finden, darauf zu antworten, vorallem der Jugend. Das bedeutet, dass wir möglicherweiseneue Entscheidungen treffen müssen, unter anderem:- Dialog zwischen den Generationen unter unsSchwestern und mit der Jugend anstreben. Das öffnetuns für neue Ideen, Initiativen und Projekte.- systematische Planung und Evaluierung unsererProjekte und Unterscheidung vorsehen, wie wir dieJugend am besten begleiten können, sei es ininstitutionalisierter oder anderer Form.- über unsere Erziehungsphilosophie reflektieren, dieuns ermöglichen wird, wirksamer auf die Anrufe derJugend zu antworten.- alle Mittel der Kommunikation und der Technikausnützen, um junge Menschen zu erreichen• z.B. eine Sektion für Jugend auf derinternationalen und den Webseiten derProvinzen einrichten.24


- Netzwerke mit anderen Organisationen undMitarbeiter/inne/n in unseren Ländern, Provinzen,Regionen und auf internationaler Ebene errichten.• z.B. Netzwerke von Freiwilligen,Assoziierten, Ehemaligen, Nord-Süd-Projekt, Schulen, Erziehungsprojekten …- die Berufungspastoral in jeder Provinz evaluieren (s.den Abschnitt über die Berufungspastoral imGeneralkapitel 2000, S. 44)- die Begleitung von jungen Menschen ernst nehmen,um auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Wir betonen dieWichtigkeit einer guten Ausbildung für dieBegleitung von jungen Menschen – aufmenschlicher, spiritueller und intellektueller Ebene –mittels Workshops, pädagogisches Konzept …- unseren Einsatz für die Jugend in zwei bis drei Jahrenauf Provinzebene auswerten, uns darüber aufRegional- und internationaler Ebene austauschen unddie Ernennung einer Koordinatorin anstreben, umdiese Arbeit auf allen Ebenen zu fördern.Fragen zur Reflexion- Wie können unsere Gemeinschaften offenere undgastfreundliche Orte sein, wo junge Menschen sichzu Hause fühlen? Was müssen wir an unseremLebensstil und an unseren Haltungen ändern?- Wie lernen wir, unseren Glauben und unser Gebetmit jungen Menschen auf neue und kreative Weise zuteilen?25


- Wie können wir tiefer in die Welt und Kultur jungerMenschen eintreten?- Wie jungen Menschen helfen, dass sie ihr Lebenselbst in die Hand nehmen und „leadership“übernehmen?- Wie vertiefen wir unser Verständnis dessen, was esbedeutet, „das Herz einer Erzieherin“ zu haben?26


Vom Generalkapitel 2008 der Gesellschaft vom Hl.Herzen Jesu an Freunde, Kollegen und KolleginnenSeit vielen Jahren gibt es die Zusammenarbeit zwischen denOrdensfrauen vom Hl. Herzen Jesu und unserenKolleg/inne/en und Freunden, die Spiritualität, Leben undSendung mit uns teilen wollen. Das Generalkapitel 2000 hatuns aufgerufen, dies in Gegenseitigkeit zu leben.In vielen Ländern hat sich in den vergangenen acht Jahrendie Zusammenarbeit in beachtlichem Maß und mit einerDynamik, die kaum vorauszusehen war, ausgeweitet. In allenunseren erzieherischen Unternehmungen, sowohl formell alsauch informell, tragen Kollegen und Kolleginnen dieSendung und das Charisma weiter, für uns, mit uns. Ineinigen Provinzen stimmt auch die Anzahl der Assoziiertenzu. Andere haben verschiedene Wege gefunden, an unsererSpiritualität und unserem Leben teilzuhaben, wie inVereinigungen der ehemaligen Schülerinnen und Schüler,Einsatz im Volontariat, Jugendgruppen, Gebets- undReflexionsgruppen.Bei unserem Generalkapitel haben wir darüber gesprochen,auf wie viele Weisen sie ein Teil der Gesellschaft vom Hl.Herzen Jesu sind. Sie ermutigen uns, gemeinsam mit ihnendem Weg Madeleine Sophies zu folgen. Ihr Vermächtnisgehört uns allen. Mit ihnen hören wir auf das Schlagen desHerzens Gottes in der Realität unserer Welt. Gemeinsamwollen wir für eine Welt kämpfen, in der niemandausgeschlossen ist, in der alle ihren Platz haben.27


Es drängt uns, ihnen zu danken für alles, was sie gemeinsammit uns tun. Mit ihnen treten wir in die nächste Etappe derGeschichte der Gesellschaft ein, mit Mut und Vertrauen.28

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