Aktuelle Pharmakotherapie von Schwindel und ...

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Aktuelle Pharmakotherapie von Schwindel und ...

Gl e I C h G e w I C h t s s t ö r u n G e n

Tabelle 1

Pharmakotherapie peripher vestibulärer Störungen

Wirkstoff Handelsname Substanzgruppe indikation dosierung Kontraindikation nebenwirkungen

Prednisolon Aprednislon Kortikosteroid Neuritis vestibularis 100 mg/d p.o., jeden Diabetes, Infekte, Im- systemische Effekte

4. Tag um 25 mg redumunol. Erkrankungen,

zieren (alternativ: 500

mg Methylprednisolon

über 5d i.v, oder

1000 mg Methylprdenisolon

über 3 d i.v.

Schwangerschaft

Bilaterale Vestibulo- 75 mg/d p.o. über 1 Diabetes, Infekte, Im- systemische Effekte

pathie

Monat

munol. Erkrankungen,

dexamethason Fortecortin Kortikosteroid Morbus Meniere 4 x 5 mg intratympa-

Schwangerschaft

Diabetes, Infekte, Im- systemische Effekte

(therapieresistente nale Injektionen / Mo munol. Erkrankungen, unwahrscheinlich

Fälle)

Schwangerschaft

dimenhydrinat Vertirosan Histamin (H1) Rezep- Symptomatische 100-300 mg/d, p.o Asthma, Glaukom, Tachykardie, Blasentor-Antagonist

Therapie peripher ves- oder i.v.

Epilepsie

störungen,gastrotibulärer Störungen

intestinatle Störungen

Clonazepam rivotril Benzodiazepin Symptomatische The- 0,5 mg 3-4 x / d Myasthenie, Suchter- Sedierung, Gewöhrapie

peripher vestibukrankung,Ateminsuffinungseffekt,Atemlärer

Störungen

zienzinsuffizienz

betahistin betaserc Histamin (H1) Rezep- Morbus Meniere 3 x 16 bis 3 x 48 mg / Asthma, Ulcus Übelkeit, Emesis, Ditor-Agonist

und Histamin

(H3) Rezeptor

Antagonist

d (für 3 bis 12 Mo)

arrhoe

gentamicin gentamicin Aminoglykosid Anti- Morbus Meniere 10-20 mg intratympa- Allergien, Niereninsuf- Hörverlust

biotikum

(therapieresistente nale Instillationen in fizienz

Fälle)

fixen Intervallen über

mehrere Wochen

abreichung von Carbamazepin (300-600

mg/d) oder Oxcarbazepin (geringere Nebenwirkungsrate)

stellt die Therapie der

Wahl der vestibulären Paroxysmie dar.

Alternativ bietet sich aufgrund der besseren

Verträglichkeit auch Gabapentin

(2-3 x 300 mg/d) an.

der Migräne­assoziierte Schwindel

Der Migräne-assoziierte Schwindel

gilt als die häufigste Form zentraler

vestibulärer Störungen. Die klinischen

Symptome des Migräne-assoziierten

Schwindels (MAS) dauern von einigen

Sekunden bis zu oft einigen Stunden, in

seltenen Fällen werden selbst Schwindelbeschwerden

über Tage berichtet.

Ebenso heterogen sind auch die vestibulären

Symptome des MAS, die von

Drehschwindelepisoden, Kipp- oder

Liftschwindel und Bewegungsillusionen

bis zu lageabhängigen Schwindelepisoden

reichen. Bisherige neuro-otologische

Untersuchungen an Patienten mit MAS

zeigten ein sehr heterogenes und variables

Bild an vestibulären Auffälligkeiten.

Das Spektrum der Befunde reicht von

Spontannystagmus, Lagerungsnystagmus

oder Richtungsüberwiegen des vestibulo-okulären

Reflexes (VOR). Die

wenigen vorliegenden Untersuchungen

von Patienten während einer akuten

MAS-Symptomatik fanden überwiegend

zentral vestibuläre Störungen.

12 4/2011

Zusammenfassend kann aufgrund der

derzeitigen Datenlage gesagt werden,

dass es ähnlich wie bei der Migräne keinen

spezifischen Biomarker für die Diagnose

des MAS gibt. Derzeit existieren

keine gesicherten pathophysiologischen

Konzepte für den MAS. Manche Autoren

vermuten, dass vor allem die kurzdauernden

Schwindelepisoden als eine

Form von „Hirnstamm-Aura“ zu sehen,

und letztlich auf eine neurovaskuläre

Genese zurückzuführen sind. Zusätzlich

wird suspiziert, dass selbst kortikale

Areale, die auch in der Aurasymptomatik

beteiligt sind (v.a. der posteriore

parietale Cortex), direkten Einfluss auf

die Vestibulariskerne nehmen. Manche

Autoren gehen auch davon aus, dass es

offenbar eine Vielzahl von Migräne-assoziierten

Schwindelsyndromen gibt, die

vielleicht alle auf verschiedenste genetische

Ursachen zurückzuführen sind. Bezüglich

der Therapie des MAS liegen bis

dato keine Daten aus prospektiven kontrollierten

Studien vor. Für die Akutbehandlung

eines MAS in Form des vestibulären

(Dreh-)Schwindels gelten die

allgemeinen Behandlungsrichtlinien anderer

vestibulärer Erkrankungen, etwa

mit Antivertiginosa bzw. Antiemetika

(z.B. Dimenhydrinat, Promethazin oder

Metoclopramid).

Auch wenn derzeit noch kontrollierte

Studien ausständig sind, so werden ak-

tuell bei MAS dieselben Prophylaktika

eingesetzt wie in der Migränepeophylaxe.

Neben Metoprolol (Beloc, 50-200

mg/d über 3 Monate - 6 Monate) liegen

auch positive Daten für Topiramat (Topamax,

50-100mg/d für 3 - 6 Monate)

und Fluranizin (Sibelium 5-10 mg/d für

3 Monate) vor.

downbeat­, Upbeat­nystagmus und

andere zentrale nystagmusformen

Downbeat- und Upbeat-Nystagmus

sind als vertikale Nystagmusformen

pathognomonische Zeichen einer zentral

vestibulären Störung, wobei der

Downbeat-Nystagmus weit häufiger beobachtet

wird. Das Beschwerdebild der

Patienten besteht aus Oszillopsien und

Gangunsicherheit mit Zugtendenzen

in der Sagittalebene. Ätiologisch finden

sich neben Malformationen (Arnold-

Chiari) oder degenerativen Erkrankungen

(z.B. Downbeat-Nystagmus bei

SCA-6) Läsionen von der paramedianen

ponto-medullären bis zur pontomesenzephalen

Region bzw. im Vestibulocerebellum

(Flocculus, Nodulus).

Therapeutisch werden für beide Syndrome

Baclofen (bis zu 5-10 mg/d) empfohlen.

Die Wirksamkeit des reversiblen

Kaliumkanalblockers 4-Aminopyridin

(2-3x5 mg/d) bei Downbeat-Nystagmus

konnte kürzlich in einer kontrollierten

Studie belegt werden, allerdings soll-

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